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Die Brust während der Schwangerschaft - die Bedeutung des Nährens an der Brust ("Stillen")

Schwangerschaft und Stillzeit als Symbiose zwischen Mutter und Kind

von Michael Palomino (2006)

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aus: Ingrid Olbricht: Die Brust. Organ und Symbol weiblicher Identität; Kreuz-Verlag 1985, Rohwolt-Verlag (rororo) 1989



Die wachsenden Brüste während der Schwangerschaft

Die Brüste bei der Schwangerschaft werden grösser. Die Brüste entwickeln Milchdrüsen, das Gangsystem wird verlängert und verzweigter. Die Hormone dafür stammen weitgehend aus der Plazenta. Die Brustwarzen werden dunkler durch vermehrte Einlagerung von Hautfarbstoff (S.35).

Im 1.-3. Schwangerschaftsmonat schwellen die Brüste an und "schmerzen, wie mit 1000 Nadeln durchbohrt." (S.79)

[Das Schmerzgefühl ist je nach Frau verschieden intensiv und verschieden lang].

Ab dem 4. Monat verschwinden die Brustschmerzen, dafür werden nun die Gefühle gegen aussen hin noch labiler, wenn der Bauch immer dicker wird. Die Schwangere schwankt in der Selbsteinschätzung zwischen attraktiv oder dick und dumm (S.112).

[Ab dem 6. Monat übernimmt der schwangere Bauch die optische Hauptwirkung, die Brüste wirken kleiner als vorher].


Stillen als Potenzbeweis der Frau - die Mutter-Baby-Beziehung

Spätestens beim Stillen wird der Mutter bewusst, dass die Brust nicht nur sexuelle, sondern auch nährende Funktion hat (S.70). Stillen ist dabei der Ausdruck der weiblichen Potenz. Die Mutter verbindet die austretende Milch für das Baby als Potenzbeweis im Vergleich zum Sperma beim Mann (S.117).

Das Stillen symbolisiert auch eine Muttermacht. Die mit Milch gefüllten grossen, runden Brüste symbolisieren die Macht der Mutter,

-- über Nahrung oder keine Nahrung zu entscheiden
-- eine Familie zu haben oder nicht
-- mit einer Familie gesellschaftlichen Einfluss auszuüben (S.127).

Stillen bzw. das Nähren des Babys an der Brust hat nährende und aber auch seelische Bedeutung (S.120). Je länger ein Baby gestillt wird, desto mehr wird das Kind Teil der Mutter, denn alles, was das Baby aufnimmt, stammt von der Mutter (S.21). Die Mutter entwickelt in der Stillzeit zum Baby ein nahes Verhältnis, das der Vater nicht entwickeln kann (S.51). Milchflecken auf der Kleidung sind dabei absolut normal. Wer Milchflecken peinlich findet, hat  eine extreme Erziehung gegen Körperflüssigkeiten erlitten und sollte diese Erziehung überwinden (S.116).

Die Verbindung zwischen Mutter und Kind wird beim Stillen gemeinsam gepflegt (S.110). Die Muttermilch ist perfekt auf die Entwicklung des Babys abgestimmt, ausser wenn die Mutter Medikamente einnimmt. Die Muttermilch wirkt zur Entwicklung einer Infektabwehr beim Baby und wirkt verhindernd auf die Entwicklung von Allergien. Überfütterung ist kaum möglich, und die Muttermilch ist immer hygienisch einwandfrei und hat immer die richtige Temperatur (S.111).

Einschränkungen, die durch das Stillen entstehen können, gilt es zu ignorieren (S.111).

[Die Männerwelt soll sich der stillenden Mutter anpassen, denn sie zieht ja das Leben gross].

Langes Stillen ergibt mutige, listige und starke Kinder. Die Stärke kommt aus dem Mütterlich-Weiblichen (S.160). "Nahrung ist wichtiger als die so genannte 'Erbmasse' [...] Stärke entsteht erst durch die Milch [...] Nähren erst verleiht die notwendige Stärke." (S.161)

Stillen ist ein Genuss. Wenn das Stillen in den Familienablauf integriert wird, werden alle Tabus gebrochen. Die Brüste werden in die richtige Perspektive gesetzt und von der erotischen Überinterpretation der "Zivilisation" befreit. Überflüssige Ängste vor Brüsten bei Dritten werden abgebaut und eventuell wird die Brust sogar Kommunikationsorgan (S.117).

Fall:

"Die wirklich riesigen Brüste [nach der Geburt des zweiten Kindes] trug ich luftig unterm T-Shirt, wenn nötig in einem BH-Modell aus französischer Spitze. Es gab keine Rhagaden [Hautrisse], und sich abzeichnende Milchflecken auf der Kleidung waren ebenso wenig peinlich wie Kakaoflecken des älteren Kindes auf dem Tischtuch. Wir alle [der Vater, der ältere Sohn und die Mutter] haben die Milch probiert und gestaunt, wie sie in grossen Tropfen aus den Warzen floss, manchmal sogar spritzte. Ich war neidisch, nicht selbst dort saugen und nuckeln zu können.

Statt Methergin zu nehmen, um die Rückbildung des Uterus zu beschleunigen, konnte ich sehr intensiv spüren, wie das kräftige Saugen des Babys starke Kontraktionen auslöste und meinen ganzen Körper aufwärmte.

Mit dieser spendenden Brust erlebte ich nun die ganz natürliche und selbstverständliche Fähigkeit, das Baby, wann und wo immer es wollte, mit warmer süsser Milch zu nähren, zu beruhigen oder in den Schlaf zu bringen.

Meine Brust war mehr geworden als ein optisches Symbol meiner Mütterlichkeit, die ich nun nicht mehr zu demonstrieren brauchte, um Erwartungen zu erfüllen; sie war ein freiwilliges Gebenwollen im Austausch für viele beglückende Momente.

Ich empfand mich nicht nur als 'gute' Mutter, sondern trotz oder jetzt gerade mit diesen Brüsten als eine attraktive Frau. Manchmal bedauere ich, dass der grosse Busen, vor dem ich als Kind so eine Furcht hatte, nun wieder seine normale Grösse hat, obwohl er für mich seine Sensibilität behalten hat." (S.114)


Stillen als körperlicher Vorgang der Kommunikation

Der Körperkontakt beim Stillen ist ebenso wichtig wie die Reinlichkeit. Ohne die Übertragung der "seelischen Energie" durch den Körperkontakt verkümmert die Seele des Kindes, wie auch eine körperliche Beziehung zwischen Mann und Frau ohne körperlichen Kontakt verkümmern würde (S.118). Stillen ist die Weiterführung der Kindsentwicklung nach der Geburt, mit Wachstumsmöglichkeiten und Entwicklungschancen (S.133), als Voraussetzung, erwachsen zu werden (S.134).

Stillen ist ein Zwischenstadium zwischen dem Stadium der Schwangerschaft (mit der totalen Symbiose von Mutter und Kind, der "tiefe Einklang") und der Eigenverantwortung des Kindes für seine Nahrung. Nach der Durchtrennung der Nabelschnur wird mit dem Stillen die Einheit zwischen Mutter und Kind teilweise wieder hergestellt (S.118). Das Stillen ist eine körperliche und seelische Symbiose, eine leibliche Einheit, an der beide Beteiligten wachsen können (S.121). Das Baby kann gleichzeitig den geborgenen Zustand im Bauch teilweise noch einmal erleben bzw. muss sich nicht gleich völlig von der Mutter getrennt fühlen (S.118).

Mit dem Stillen verschmelzen Mutter und Kind zum Doppelwegen, zur Dyade, mit Übertragung einer lebenswichtigen Substanz. Der körperliche Zustand ähnelt demjenigen von vor der Geburt, eine körperliche Ganzheit. Das Stillen schafft Nähe, überbrückt Grenzen, ist lustvoll und ein grundlegendes Bedürfnis (S.137).

Babys fühlen sich an Brüsten geborgen, angenommen und geliebt (S.118) [wie es Männer auch tun]. Wenn die Mutter für diese Liebesgefühle offen ist, kann das Stillen für die Mutter sehr beglückend sein (S.119). Dabei nützt es schon, wenn das Baby nur an der Brust liegt ohne Milch zu saugen. Für das Geborgenheitsgefühl ist allein der Körperkontakt mit den Brüsten entscheidend. Das Baby lernt dadurch die erste Bindungsfähigkeit (S.120).

[Das Gehirn des Babys kann diese erste Beziehungserfahrung abspeichern, die später die Grundlage für späteres Verhalten wird. Das Gehirn erfährt seine erste "Formatierung"].


Stillen bei natürlichen Kulturen

In natürlichen Kulturen wird jedes Weinen des Babys mit dem Halten des Babys an der Mutterbrust beantwortet. Wenn die stillende Mutter gerade weg ist, dann wird das Baby bei einer anderen Frau an die Brust gehalten, wo es eventuell sogar saugen kann (S.121).

Bei Adoptionen ist das Zeichen der Übergabe, dass das Kind an die Brust der Adoptivmutter angelegt wird und dort Milch saugt. Die Milchübertragung ist Symbol für den Besitz. Also ist Geburt und Stillen ein gleichwertiger Vorgang (S.133).


Stillen als sexueller Vorgang: Gebärmutterkontraktionen begünstigen die Rückbildung der Gebärmutter

Stillen ist ein sexueller Vorgang (S.97), eine Stimulation der Brustwarze. Stillen löst - wie beim Streicheln der Brustwarze - aus der Hirnanhangdrüse einen Hormonschub mit Oxytocin aus, mit Wirkung auf die glatten Muskelfasern in den Milchgängen der Brüste und mit Wirkung auf die Muskelfasern von Vagina und Gebärmutter (S.96). Bei einem Leben ohne Vorurteile und sexuellen Verklemmtheiten kann die stillende Frau das Stillen sexuell betonte Gefühle geniessen, bis zu sinnlicher Gelöstheit und orgasmusähnlichen Zuständen (S.97).

 
Die ausgelösten Kontraktionen der Gebärmutter begünstigen deren Rückbildung ohne Medikamente (S.114).

Die Angst, durch ein Kind sexuell erregt zu werden, ist unbegründet. Andere Frauen verbieten sich die sexuellen Gefühle beim Stillen und verbieten sich damit ein Stück Lebensgenuss (S.97).


Der patriarchalisch falsch verstandene sexuelle Vorgang des Stillens als Penetration

Der patriarchale Jung-Schüler Georg Groddeck behauptet, der Säugevorgang des Baby sei wie ein sexueller Vorgang zu sehen und sei umgekehrter, sexueller Zeugungsvorgang: Die Brustwarze (entspricht dem Penis) gibt Muttermilch (entspricht dem Sperma) und wird vom Babymund (entspricht der Vagina) gesaugt. Gemäss Groddeck stellt das Säugen des Babys eine männliche Eigenschaft der Frau dar (S.59-60). Das Sperma ist aber keine spendende Fülle, die Leben zum Wachsen bringt, sondern ein Transportmittel des Samens. Gemäss Olbricht ist Groddeck somit im Irrtum. Sexuelle Stimulation der Brustwarze durch das Baby ist aber sehr wohl möglich (S.60).

Weitere Unterschiede:

-- Brüste gegen kontinuierlich Milch, nicht ruckartig wie bei der Ejakulation

-- das Kind bestimmt, wie viel Milch es nimmt, die Frau kann bei der Ejakulation nicht bestimmen, wie viel Sperma der Mann in sie hineinpumpt

-- beim Stillen besteht ein Machtgefälle, beim Sex sind es gleichwertige Partner [ausser beim sexuellen Kindsmissbrauch]

-- die Milch wird als Ganzes verwertet, beim Samen überlebt nur ein Spermium

-- Milch gibt es nur, wenn die Frau ein Baby bekommen hat, also gibt es Milch "mit Mass", Sperma ist immer da, "ohne Mass"

-- die Brüste verkörpern Ausgewogenheit und Harmonie, Abgestimmtheit und Mass, der Penis verkörpert Aggression und Eindringen ohne Mass (S.148).


Der Gebärneid und Nährneid der Männer in Träumen und real

Junge Männer haben Träume, dass ihnen Brüste wachsen oder dass sie schwanger sind (S.50). Ein Gebärneid kann durch ein Männerkindbett überwunden werden (S.52). Der Nährneid wird real am Baby erlebt, wenn der Mann mit einem Baby alleine gelassen wird und er das Baby nicht beruhigen kann, bis die Mutter kommt und dem Baby die Brust gibt (S.50).

Die Männer betrachten ihr Uni-System als geistige Nahrung für die "Zivilisation" und somit als Nährmutter "Alma mater". Die Wissenschaftler versuchen dabei, durch die Institution "Universität" die Mutterrolle zu übernehmen. Gleichzeitig werden Frauen an Universitäten oft in der Weiblichkeit runtergemacht. Die Männer wollen ihre "Nährfunktion" damit verteidigen. Die  Männer akzeptieren die Frauen mit ihren Brüsten nicht, die die eigentliche Nährfunktion haben (S.49).


Die Folgen für das Kind, wenn seelisch kalte Mütter stillen

Eine seelisch kalte Mutter, die nur stillt, um zu stillen, ohne mit dem Kind eine Beziehung aufzunehmen, vermittelt keine Bindungsfähigkeit, und dem Baby geht die Grundlage zur Beziehungsfähigkeit verloren (S.120).

[Das Gehirn des Babys kann keine Beziehungserlebnisse aus der Stillzeit abspeichern und bleibt entsprechend erfahrungslos, "unformatiert"].

Die Verweigerung von Geborgenheit und Wärme ist ein Akt weiblicher Aggression gegen das Kind (S.134).

Studien, die nur die Entwicklung gestillter Kinder ("Nährkinder") und von Flaschenkindern  unterscheiden, sind unpräzise, denn es kommt darauf an, ob die Beziehung der Mutter zum Kind auch warmherzig war oder nicht, ob eine Beziehungsfähigkeit vermittelt wurde oder nicht (S.120).


Der seelisch kalte Schnuller

In der weissen "Zivilisation" geschieht der Trost des Baby nicht an der Brust der Mutter oder anderer Frauen, sondern da ist der Schnuller der Trost. Der Schnuller ist ein Betrug am Kind, an der Beziehung und an der Wichtigkeit des Saugens. Wärme und tröstende Geborgenheit fehlen. Der Schnuller bewirkt eine frühe seelische Spaltung zwischen Mutter und Kind (S.121).


Die männliche Medizin erfindet Gründe gegen das Stillen - und will Babynahrung verkaufen

Gewisse männliche Mediziner behaupten, Stillen sei schädlich, zehre die Kräfte der Mutter aus etc. Mütter, die das Neugeborene stillen wollen, machen dem Spital mehr Arbeit mit Transporten, Gewichtskontrollen zum Zufüttern oder nicht etc. Ehemänner sind auch gegen das Stillen (S.109), weil sie meinen, dies zehre an den Kräften der Frau. Ausserdem herrscht die Meinung, Stillen provoziere die Deformation der Brüste zu Hängebusen (S.110).

[Das, was durch das Stillen sicher eintrifft, ist eine bleibende dunklere Verfärbung der Mamillen].

Die männliche Nahrungsmittelindustrie produziert Babynahrung, die nur dann gekauft wird, wenn die Mutter nicht stillt. Also ist die Propaganda, nicht zu stillen, auf den Konsum der männlich erfundenen Babynahrung ausgerichtet. Aber Babynahrung ist der Muttermilch nie gleichwertig, auch wenn die männliche Industrie dies behauptet (S.110).

Auch Arbeitgeber sind gegen das Stillen, weil dann die Frau nicht arbeitet. Mütter, die stillen, machen sich innerhalb des Betriebs zur Aussenseiterin (S.110).


Faktoren bei Frauen, die das Stillen ablehnen

 
Manche Frau entwickelt die Zwangsvorstellung, durch das Stillen Körpersubstanz zu verlieren. Andere Frauen haben auch einen Ekel vor jeder Körperflüssigkeit und ekeln sich vor ihrer eigenen Muttermilch, was vom Sauberkeitswahn der Mutter herrührt (S.110). Die Mütter entwickeln irrationale Schuldgefühle vor dem Stillen, ein Unbehagen, das jede Lust am Stillen verderben kann (S.119).

Eventuell wird die Muttermilch im Unterbewussten der Mutter auch als Tränen assoziiert. Wenn die Erziehung das Weinen verboten hat und "keine Tränen sehen" wollte, dann kann dies dazu führen, dass die austretende Milch unterbewusst als Weinen empfunden wird und somit von der Mutter selber abgelehnt wird, z.B. wenn Tränen in der Kindheit als Übersensibilität abgetan wurden (S.111).

Vater und Mutter können auch generell jegliche Körperflüssigkeiten bei den Kindern abgelehnt haben. Oder die Mutter will aus irgendeinem Reinlichkeitswahn vermeiden, dass der Speichel des Babys sich mit Körperflüssigkeiten der Mutter vermischt (S.111).

Wenn die Mutter über diese Zusammenhänge der Abwehr des Stillens nicht aufgeklärt ist, kann so das Mutter-Kind-Verhältnis von Anfang an schwer gestört sein (S.111).


Gründe für einen Stillstand beim Stillen

Die Milchproduktion ist von Erlebnissen abhängig:

-- belastende seelische Erlebnisse können die Milchproduktion zum Stocken oder zum Versiegen bringen

-- wenn Intimkontakt zu den mit Milch gefüllten Brüsten für den Mann tabu sein soll, dann ist die Harmonie zu den Brüsten gestört und es wird ein Konflikt zwischen Kind und Mann eröffnet (S.115).


Stillstand beim Stillen: Still-Terror im Spital mit Milchpumpen bis in die 1980-er Jahre

Der Still-Terror in den männlich dominierten Spitälern führt dazu, dass die Stillfähigkeit verlorengeht (S.113).

Fall:

"Nach der Geburt war ich stolz, das Baby instinktiv richtig angelegt zu haben - die 'Technik' wurde von der Hebamme gelobt. Der Busen war in wenigen Stunden prall angeschwollen. Meine Nahrung für meinen Sohn! Aber der lag im Säuglingszimmer, und wenn er gebracht wurde, trank er 10 Gramm. Wo ich doch Milch im Überfluss für ihn hatte!

Dass ich unfähig war, ein Kind aufzuziehen, war mir klar, als mir eine Schwester dann auch noch ein Tuch zeigte, das ich beim Wickeln vergessen hatte. Er würde mir also such verhungern. Die überschüssige Milch wurde mit einer elektrischen Pumpe abgesaugt. Die Atmosphäre, selbst im Rooming-in-Zimmer, liess das Stillen zu einer rein technischen Angelegenheit werden, inklusive Milchleistungsnachweis im Stillbuch.

 Erst zu Hause fühlte ich mich freier, ohne Kontrolle, aber immer noch ängstlich bemüht, keine Fehler zu machen. Laut Anweisung mussten die Brustwarzen eingesprüht, eingesalbt, geföhnt (!) und in einem dem damaligen Modell meiner Tante ähnlichen BH verpackt werden.

Natürlich war die Brust während der Stillzeit im Intimkontakt [mit dem Mann] tabu. Es war die Nahrungsquelle für das Kind. Zum Stillen wurden die Hände desinfiziert, Hund und Katze aber belächelt, wenn sie dem gesättigten Baby die Milchrülpser abschleckten.

Wegen schmerzhafter Rhagaden [Hautrisse] kam wieder die Milchpumpe zum Einsatz. Die Assoziation: Kuh mit Euter und Melkmaschine drängte sich sehr stimmungstrübend auf. Was ist an einem Busen, der maschinell ausgesaugt wird, sinnlich für die Frau, das Baby, den Mann?

Als der Milchfluss dann natürlich rasch versiegte, kam endgültig ein Gefühl des Versagens auf, da gerade ich doch zu der Generation der neuen bewussten und sinnlichen Mütter gehören wollte, mit der Fähigkeit, die Kinder selbstverständlich länger als ein Jahr selbst zu nähren." (S.113)


Die schlimmen Folgen der Milchpumpe für das Mutter-Kind-Verhältnis

Wenn das Stillen ausbleibt, wird ein grosses Machtwort über das Baby gesprochen, das seine psychische Entwicklungen massiv beeinträchtigt. Die Entscheidung zum Stillen oder nicht zu stillen ist ein Symbol der Macht (S.134).

Das Abpumpten der Brust mit einer "Milchpumpe" provoziert bei der Mutter das Gefühl, versagt zu haben [bewusst oder unbewusst] (S.116). Ausserdem muss die Mutter sich mit der Assoziation Kuh - Euter - Melkmaschine auseinandersetzen (S.113). In solchen Fällen erkennen die Frauen, dass die Brust der Teil des Körpers ist, der am ehesten für Fehlfunktionen anfällig ist (S.116).

Die künstliche, von Männern "komponierte" Säuglingsnahrung ist somit ein Teil einer seelisch katastrophalen Entwicklung: Die Brüste werden zu Anhängseln für ästhetische Zwecke degradiert. Die Funktion der Brüste ist "amputiert" und die Mutter gibt die Macht, Nahrung für das Baby herzustellen, bereits ab Geburt an die Säuglingsnahrung der Männer ab (S.135).

Bleibt das Liebeserlebnis an der Mutterbrust für das Baby aus, ist für das Kind im Erwachsenenalter eine lebenslange Suche nach Liebe möglich, [weil die Grundstrukturen des Beziehungslebens im Gehirn nicht verankert wurden]. Olbricht:

"Die Mutter ist die erste intensive Liebesbeziehung eines jeden Menschen. Wenn er in den ersten Monaten seines Lebens dieses lustvolle Körpergefühl nicht kennenlernt, wird er möglicherweise sein ganzes Leben lang unzufrieden sein und danach suchen. Eine Mutter ist damit von Anfang an wichtig für das mögliche zukünftige emotionale Schicksal des Kindes." (S.119)

Kinder, die nie die Brust bekommen haben, schreien mehr (S.119-120) oder werden häufiger krank (S.120).


Abstillen: Das Baby hat Zähne...

Kritisch wird das Stillen, wenn die Babys erste Zähne bekommen. Dann beissen die Babys [durch ihren natürlichen Spieltrieb] in die Brustwarzen (S.122). [Dann ist die Stillzeit vorbei].

Nach dem Abstillen bildet sich fast die gesamte Brustvergrösserung von der Schwangerschaft wieder zurück (S.34). Die Brüste sind aber somit Symbol für die Schöpfung an sich geworden (S.35).

Wenn eine Frau mehrere Kinder gesäugt hat, werden die Brüste meist schlaff. In manchen Kulturen werden solche schlaffen Brüste als Zeichen der Fruchtbarkeit verehrt. In der "Zivilisation" des weissen Mannes gelten schlaffe Brüste als minderwertig (S.107).

[Die weisse "Zivilisation" behilft sich dann mit Brustoperationen, um die erschlaffte Brust zu "straffen"].

Schlimm ist, wenn der Anblick der Brust für das Kleinkind vom einen Tag auf den anderen tabu sein soll, weil in der weissen "Zivilisation" der Anblick eines Busens für Kinder als "sittengefährdend" gilt. Diese Doppelmoral ist absolut niederträchtig und spaltet die Familie, denn jeder kann heute in Zeitschriften sich über das Aussehen von Busen informieren (S.116).

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