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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 5)

Die japanische Regierung bekommt das AKW Fukushima weiterhin nicht in den Griff - Experimente mit Stickstoff gegen die Explosionsgefahr - die Tsunami-Gefahr wurde von Tepco und von der japanischen Regierung heruntergespielt und ignoriert - Reaktorkleber "Wasserglas" - 12.000 Dollar pro Opfer - versteckte Risiken möglich - Demo in Bern - Protest von Vorarlberg gegen die schweizerische Atompolitik - die Betreiber in Fukushima wollen "stabilisieren" - Rückbau von AKW kostet Unsummen und Endlagerung des Abfalls kostet nochmals Unsummen - Deutschland mit Projekt zur Energiewende - Nachbeben und Leck im AKW Onagawa - Japan will die Evakuierungszone nicht ausweiten - Der Tschernobyl-Sarkophag ist morsch - das schweizerische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) - verstrahltes Wasser wird weiter ins Meer geleitet - 10-Jahres-Plan für Fukushima 1 - Tschernobyl-Folgen - Initiative für Verbot von AKWs in der Schweiz - Stahlbarriere für Fukushima 1 - Demo gegen AKW Fessenheim - Fukushima wird offiziel zum Super-GAU erklärt - Strassburg gegen AKW Fessenheim - Abklingbecken in Fukushima - Grundwasser in Fukushima verstrahlt - verstrahlte Autos in Russland - Atommülllager Asse mit hoher Cäsiumverstrahlung -Finnland meint weiter, Atomstrom sei "billig" - Zeolith gegen verstrahltes Wasser - die wahren Kosten der Kernkraft: doppelt so teuer wie die Wasserkraft - Roboter in Fukushima 1 - Fukushima verstrahlt die ganze Welt - Evakuierung von 1 Mio. Menschen wird nicht in Angriff genommen - Hungerstreik gegen AKW Fessenheim - Demo in Indien gegen Atomkraft: 1 Toter





Video-Link: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Einleitung

Japan steuert weiter auf eine grosse Völkerwanderung zu.

Michael Palomino, 7.4.2011



n-tv online, Logo

Fukushima 1 am 6.4.2011: Nun wird mit Stickstoff experimentiert, um die "Explosionsgefahr" zu bannen

aus: n-tv online: Explosionsgefahr nicht gebannt: Tepco leitet Stickstoff ein; 6.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Tepco-leitet-Stickstoff-ein-article3029236.html

<Seit 5.38 Uhr läuft kein hochradioaktives Wasser mehr ins Meer. Den Tepco-Arbeitern ist es gelungen, einen Riss in einem Schacht an Reaktor 2 im AKW Fukushima mit Flüssigglas zu schließen. Die normalen Kühlsysteme funktionieren indes noch immer nicht, und im Reaktorgebäude 2 hat sich wieder Wasserstoff angesammelt, der jederzeit explodieren kann.

Mit der Einspeisung von Stickstoff in einen Reaktorbehälter der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima will der Betreiber Tepco eine drohende Explosion dort verhindern. Zuvor war es gelungen, nach dem tagelangen Auslaufen von stark radioaktiv verseuchtem Wasser das Leck an einer Leitung von Reaktor 2 zu schließen.

Die Einspeisung von Stickstoff an Reaktor 1 könne mehrere Tage dauern, teilte Tepco mit. Dort habe sich wahrscheinlich sehr viel Wasserstoff angesammelt, so dass die Gefahr einer Explosion wie am 12. und 14. März bestehe.

Die Brennstäbe im Reaktorblock 1 hatten zeitweise aus dem Kühlwasser geragt und sich gefährlich erhitzt. Dadurch könnte sich das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt haben. In diesem Fall stiege das Risiko einer Knallgasexplosion.

Mit Stickstoff lässt sich das gefährliche Gemisch verdünnen. Stickstoff ist reaktionsträge, so dass unerwartete chemische Reaktionen ausgeschlossen sind. Dennoch gab die Atomsicherheitsbehörde zu bedenken, dass durch die Zuführung des Gases radioaktive Substanzen aus dem Reaktorsicherheitsbehälter entweichen könnten. Die Behörde wies Tepco an, die Strahlung in der Umgebung genau zu beobachten.

Leck ist dicht

Tepco teilte weiter mit, dank des Einsatzes von Flüssigglas sei der 20 Zentimeter lange Riss an der Leitung des Reaktors 2 verschlossen worden, und es laufe kein stark radioaktiv verseuchtes Wasser mehr aus. Durch den Riss waren seit dem Wochenende große Mengen verseuchten Wassers ins Meer geströmt. Das Wasser stammte von den Kühlarbeiten am Reaktordruckbehälter, das sich im Untergeschoss des an den Reaktor angrenzenden Turbinengebäudes gesammelt hatte.

Techniker von Tokyo Electric Power (Tepco) hatten sich seit Tagen bemüht, Risse in einem Betonschacht zu schließen. Dabei füllten sie Beton sowie eine Mischung aus Sägespäne, Zeitungen und Kunstharz in den Schacht. Der Durchbruch gelang, als sie eine Silizium-Verbindung in den Boden unterhalb des Schachts pressten. Nahe des Atommeilers sank die radioaktive Belastung im Pazifik. Die Belastung mit radioaktivem Jods lag 600-mal über dem zulässigen Grenzwert nach zuvor 4800-mal.

Tanks für kontaminiertes Wasser

Doch noch immer bleibt das Problem, wie die rund 60.000 Tonnen kontaminiertes Meereswasser gelagert werden sollen, mit denen die Brennelemente gekühlt wurden. Neben dem Ablassen verstrahlten Wassers ins Meer plant Tepco, Tanks zu bauen, die so viel Wasser aufnehmen können wie sechs Olympia-Schwimmbecken. Zudem soll ein Schwimmtank umgebaut und eingesetzt werden.

Tepco-Arbeiter bemühten sich, das Kühlsystem in vier durch das Erdbeben und den Tsunami beschädigten Reaktorblöcken wieder in Gang zu setzen. Bis dieses Problem gelöst ist, muss mit Meerwasser gekühlt werden, um eine Überhitzung der Brennelemente und eine Kernschmelze zu verhindern. Die Zeitung "Sankei" berichtete, die Regierung und Tepco überprüften derzeit, ob für drei Reaktoren ein externes Kühlsystem neu gebaut werden könnte, um die Brennelemente von außen zu kühlen.

Unklare Auswirkungen im Meer

Die Betreiberfirma leitete jedoch weiter schwach radioaktives Wasser in den Pazifik, um in der Atomanlage Platz für stärker belastetes Wasser zu schaffen. Die Einleitung in den Pazifik bereitet Experten Sorgen, weil das Wasser nicht nur schnell abbaubares Jod 131, sondern auch langlebiges radioaktives Caesium 137 enthält. Dadurch könnten Meerestiere dauerhaft radioaktiv belastet werden.

Als erstes Land verhängte Indien ein Importverbot für Lebensmittel aus ganz Japan. Bislang hatten mehrere Länder wie China, die USA und Singapur Einfuhrverbote für Lebensmittel aus bestimmten japanischen Gebieten erlassen, nicht aber für Produkte aus dem ganzen Land. Die Europäische Union will ihre Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln absenken und damit den strengeren japanischen Normen anpassen.

Finanzielle Frage zu lösen

Tepco wollte nach Angaben japanischer Medien am Mittwoch mit der Entschädigung von 80.000 Menschen beginnen, die ihr innerhalb der Evakuierungszone von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk gelegenes Zuhause verlassen mussten.

Pro Haushalt ist zunächst eine Zahlung von einer Million Yen (8260 Euro) vorgesehen. Wegen Zweifeln an der Fähigkeit des Konzerns, die Kosten des Atomunfalls zu bewältigen, brach Tepcos Aktienkurs an der Tokioter Börse am Mittwoch erneut um 6,9 Prozent ein und fiel auf ein historisches Tief.

Medienberichten zufolge plant die japanische Regierung einen ersten Nachtragshaushalt über 35 Milliarden Dollar zum Wiederaufbau von Straßen, Häfen und Schulen sowie für neue Arbeitsplätze in den schwer zerstörten Regionen im Nordosten des Landes. Neue Schulden sollten dafür aber nicht aufgenommen werden, berichtete die Zeitung "Asahi". Die Mittel sollen durch eine Kürzung von Ausgaben an anderer Stelle aufgebracht werden.

rts/AFP>

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Welt online, Logo

6.4.2011: Stickstoff-Einleitung kann radioaktiven Dampf provozieren

aus: Welt online: Stickstoff-Einsatz: Radioaktiver Dampf droht aus Atomruine auszutreten; 6.4.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13094291/Radioaktiver-Dampf-droht-aus-Atomruine-auszutreten.html

<Betreiber Tepco will mit Stickstoff weitere Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima verhindern – und riskiert so das Austreten radioaktiven Dampfes.

Ingenieure im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi wollen Wasserstoffexplosionen wie in den ersten Tagen der Katastrophe verhindern. Dazu begann Kraftwerksbetreiber Tepco in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit), vorsorglich Stickstoff in mehrere beschädigte Reaktoren einzuleiten. Zuvor konnte noch ein Erfolg bei den Rettungsarbeiten vermeldet werden: Ein Leck, aus dem verstrahltes Wasser ins Meer floss, konnte geschlossen werden.

Eine unmittelbare Explosionsgefahr bestand nach Angaben eines Sprechers der japanischen Atomsicherheitsbehörde nicht. Doch überhitzte Brennstäbe können dem Kühlwasser Wasserstoff entziehen, und die Menge an Wasser, die derzeit durch die Reaktoren und anschließend ins Meer gepumpt wird, könnte zu einer weiter Erhöhung der Konzentration von Wasserstoff führen.

Der Stickstoff, der vorerst in den ersten der sechs Reaktoren eingeleitet wird, soll der Wasserstoffkonzentration entgegenwirken. Weitere Wasserstoffexplosionen könnten die Reaktoren schwer beschädigen, doch auch der Einsatz des Stickstoffs birgt Risiken.

Radioaktiver Dampf könnte in die Umwelt gelangen, doch angesichts der unbewohnten Zone rund um das Kraftwerk sei man gewillt, das Risiko einzugehen, sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde.

Die Regierung erwog unabhängig davon eine Ausweitung dieses Sperrgebiets um das Atomkraftwerk. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, derzeit werde mit Experten beraten, um einen klaren Sicherheitsstandard zu entwickeln. Das bedeute aber nicht, dass sich die radioaktive Belastung verstärkt habe.

Leck abgedichtet

Zuvor war es den Ingenieuren nach tagelangen Fehlversuchen gelungen, mit Flüssigglas ein Leck abzudichten und damit ein weiteres Auslaufen von verstrahltem Wasser zu verhindern. Die Abdichtung des Lecks sei gelungen durch die Zufuhr von 1.500 Litern Natriumsilikaten, sagte Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda. Bei der offenbar erfolgreichen Methode wurde den Angaben zufolge zudem eine weitere, nicht genannte Chemikalie verwendet.

Endgültige Entwarnung wollte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano allerdings noch nicht geben. Es werde geprüft, ob an der kritischen Stelle tatsächlich kein kontaminiertes Wasser mehr austrete und ob es nicht möglicherweise weitere Lecks an der Anlage gebe. Allerdings schien die Abdichtung zu halten: Eine Messung ergab, dass die Verstrahlung rund 330 Meter vor der Küste 280 Mal so hoch war die der Grenzwert. Zuvor war der Grenzwert mehr als 4.000-fach überschritten worden.

Der UN-Strahlungsexperte Wolfgang Weiss ordnet den Atomunfall in Fukushima als zweitschlimmsten in der Geschichte nach dem in Tschernobyl 1986 ein. Es sei aber noch zu früh, um eine umfassende Einschätzung abzugeben, da die Krise im Kraftwerk Fukushima-Daiichi noch nicht ausgestanden sei, sagte der Leiter des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR).

Weiss sagte am Mittwoch, dass Spuren radioaktiven Niederschlags aus Fukishima in anderen Ländern „sehr, sehr, sehr viel geringer“ seien, als dies in ähnlicher Entfernung nach Tschernobyl der Fall gewesen sei.

Strengere Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan angekündigt

Die Europäische Union will angesichts großer Besorgnis in der Öffentlichkeit strengere Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan in Kraft setzen. Voraussichtlich 8. April werden die EU-Mitgliedsländer beschließen, die Maximalbelastung für Cäsium-134 und Cäsium-137 in Europa an den in Japan geltenden Höchstwert anzugleichen, wie ein Kommissionssprecher in Brüssel erklärte. Dieser liegt bei 500 Becquerel. In Europa liegt der entsprechende Grenzwert derzeit bei 1.250 Becquerel.

Zuvor hatte Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach massiven Protesten von Umweltorganisationen und Volksvertretern im Europaparlament eine Anpassung der europäischen an die japanischen Werte angekündigt. Dabei ist es erst rund eine Woche her, dass die Kommission per Eilverordnung die Grenzwerte für eben diese Stoffe von 600 auf 1.250 Becquerel angehoben hatte. Da die Anhebung nicht offensiv kommuniziert worden war und mit strengeren Kontrollvorgaben für japanische Lebensmitteln einher ging, war die Anhebung erst Tage später bekannt geworden.

Der Sprecher begründete die Kehrtwende in der Grenzwertfrage mit den offensichtlichen Sorgen in der Öffentlichkeit. Für die Gesundheit der europäischen Bürger habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden, da auch die noch gültigen Grenzwerte wissenschaftlich fundiert seien. Da in Japan, wo es vor dem Atomunfall keine klaren Regeln hinsichtlich der Strahlenbelastung gegeben habe, nun niedrigere Grenzwerte gälten, habe man sich jedoch entschlossen, die europäischen Werte diesen anzupassen.

dapd/jw>

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20 minuten online, Logo

6.4.2011: Die Tsunamigefahr wurde systematisch heruntergespielt und nicht alle Massnahmen ergriffen -  verschärfte Vorschriften von 2006 waren "ungenau" - Höhe eines Tsunamis wurde nicht genau definiert - Tepco ist voll verantwortlich - Versäumnisse von Japans Regierung - Entschädigungen von Tepco

aus: 20 minuten online: Fukushima: So wurde die Tsunami-Gefahr missachtet; 6.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/So-wurde-die-Tsunami-Gefahr-missachtet-13872186

<Neue Hinweise zeigen: Die japanische Atomaufsichtsbehörde und Tepco waren sich der Gefahr eines Tsunamis bewusst. Doch nicht alle Massnahmen wurden ergriffen.

Japans Atomaufsichtsbehörde gab am Dienstag in Tokio eine Pressekonferenz. Dabei wurde klar, dass die japanische Atomaufsicht, wie auch der Fukushima-AKW-Betreiber Tepco, von einer Tsunami-Gefahr gewusst hatten. Bereits 2006 seien die Sicherheitsvorschriften verschärft worden, das Atomkraftwerk Fukushima 1 hätte demnächst überprüft werden sollen.

Der Sprecher des japanischen Amtes für Nuklearsicherheit, Hidehiko Nishiyama, sagte: «Bei der Überprüfung hätte die Tsunami-Sicherheit getestet werden sollen.» Eine Prüfung auf Erdbebensicherheit sei zuvor bereits durchgeführt worden. Die verschärften Vorschriften von 2006 waren aber offenbar ungenau. So wurde darin zum Beispiel formuliert, Kernkraftwerke müssten auch «sehr hohen Tsunamis» standhalten. Die Monster-Tsumanis aus den Jahren 896, 1500, 1896 und 1933, welche zum Teil höhere Flutwellen verursacht hatten als der Tsunami vom 11. März 2011, waren offenbar alle in entsprechenden Akten vermerkt.

«Tepco ist für die Katastrophe verantwortlich»

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, hatte am Montag Tepco erstmals für die Katastrophe durch das AKW Fukushima verantwortlich gemacht. In Wien gab er zu Protokoll: «Die Sicherheitsmassnahmen, die der Betreiber ergriffen hat, waren im Nachhinein betrachtet nicht ausreichend, um den Unfall zu verhindern.» Diese Kritik ist neu. Bisher ist man davon ausgegangen, die Katastrophe in Japan sei durch eine nicht vorhersehbare Naturkatastrophe und nicht durch menschliches Versagen oder durch einen Konstruktionsfehler ausgelöst worden.

[Versäumnisse der japanischen Regierung]

An der Pressekonferenz offenbarten sich auch mögliche Versäumnisse der japanischen Regierung. So kam ans Tageslicht, dass offenbar bereits 56 Minuten nach dem Erdbeben an Reaktor 1 der Strom total ausgefallen war. Zwei Stunden nach dem Beben sei schon klar gewesen, dass es unmöglich sei, Kühlwasser in die Reaktoren zu pumpen. Der Sprecher der Atomaufsicht meinte, wenn ein Reaktor mehr als sieben Stunden nicht gekühlt werde, entstehe ein Schaden. Daher habe sein Amt schon am Freitag um Mitternacht (am Tag der Katastrophe) den nuklearen Notstand ausgerufen. Warum die Regierung bis am Samstagabend wartete und dadurch viel Zeit verloren ging, ist unklar.

[Entschädigungen von Tepco an Evakuierte]

Tepco stellte den Evakuierten aus der Sperrzone kürzlich erste Entschädigungen bis Ende April in Aussicht, wie die «Süddeutsche Zeitung» auf ihrer Internetseite berichtet. Die Höhe der Zahlung sei nicht bekannt.

(feb)>

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Financial
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6.4.2011: Der Reaktorkleber "Wasserglas"

aus: Financial Times Deutschland online: Abgedichtetes Fukushima-Leck: Das ist der unbekannte Reaktorkleber Wasserglas; 6.4.2011;
http://www.ftd.de/wissen/technik/:abgedichtetes-fukushima-leck-das-ist-der-unbekannte-reaktorkleber-wasserglas/60035829.html

<
Tagelang floss radioaktives Nass ungehindert in den Pazifik. Endlich konnten Arbeiter den Riss am Unglücksmeiler Fukushima verkleben. Dafür verwendeten sie das wenig bekannte Wasserglas, das trotz hoher Feuchtigkeit härtet und hält. FTD.de stellt den Stoff vor.

"Liquid Glas" (Flüssigglas oder Wasserglas) ist eine flüssige oder gallertartige Masse, die schnell aushärtet. Bei der Flüssigkeit handelt es sich nicht um flüssiges Glas, sondern um eine Substanz, die Glas nur chemisch ähnlich ist. Flüssigglas kann wie Flüssigbeton auch unter Wasser verwendet werden. Am zerstörten japanischen Atomkraftwerk Fukushima konnten Arbeiter so ein Leck mit einem Abdichtmittel auf Basis von "Liquid Glas" schließen.

Zur Herstellung von Flüssigglas wird Quarzsand als Basis verwendet und je nach Bedarf unterschiedliche Zusatzstoffe beigemischt. Die abgekühlte Substanz wird zu einem Pulver gemahlen. In heißem Wasser löst es sich wieder und kann als flüssige oder dickflüssige Masse verwendet werden. Am Bestimmungsort wird die Masse dann wieder hart.

Ob das Abdichten des Lecks in Fukushima eine dauerhafte Lösung sein kann, ist offen. Der Physiker Volker Erbert äußerte sich im ZDF kritisch. "Dicht sein und dicht bleiben ist ein Unterschied", sagte er im Fernsehen. Die Masse kann zum Beispiel spröde werden. In sehr heißer Umgebung ist es auch möglich, dass ausgehärtetes Flüssigglas wieder zu schmelzen beginnt.

Ein Experte eines Wasserglas-Produzenten zeigt sich dagegen optimistischer. "Wasserglas wird oft als Dichtungsmittel eingesetzt, und obwohl genaue Testergebnisse zu der Verträglichkeit mit radioaktiver Strahlung noch nicht vorliegen, sind die Aussichten definitiv erfolgsversprechend", sagte der Fachmann, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte.

"Liquid Glas" wird in vielen Bereichen auch als hauchdünne Schutzschicht zur Versiegelung von Oberflächen genutzt. Der deutsche Hersteller nanopool aus dem saarländischen Hülzweiler bietet "Liquid Glas" auch als zusätzlichen "Anstrich" von Hauswänden an. Von so präpariertem Mauerwerk können Graffiti problemlos abgewaschen werden. Flüssigglas aus der Spraydose wird auch als dauerhafter Schutz für Autolack verwendet.

Im Kampf gegen Krankenhauskeime konnte laut nanopool in Kliniken nach Oberflächenbehandlungen mit "Liquid Glas" das Bakterienwachstum um bis zu 50 Prozent verringert werden. Auch als Zusatz für Waschmittel kann es verwendet werden.

Als Erfinder der Substanz gilt Johann Nepomuk von Fuchs. Fuchs entdeckte die chemische Verbindung 1818 für seine Arbeiten in der Stereochemie - einer Art moderne Form der Freskenmalerei.>

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Cronicaviva del Perú,
                        Logo




6/4/2011: Pagarán US$ 12 mil a víctimas de la radiación en Fukushima

Miércoles, 06 de Abril de 2011 08:50


6.4.2011: Tepco will jedem unmittelbaren Strahlenopfer 12.000 Dollar Schadenersatz bezahlen

Mittwoch, 6. April 2011, 8:50 Uhr, Übersetzung von Michael Palomino

Cronicaviva del Perú: http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/asia/16788-pagaran-us-12-mil-a-victimas-de-la-radiacion-en-fukushima

TOKIO.- Tepco, la empresa operadora de la central nuclear de Fukushima en Japón, fijó en casi 12 mil dólares la suma de las indemnizaciones que entregará a cada una de las familias afectadas por la radiación. La lista de personas beneficiadas suma más de 80 mil.

Las consecuencias económicas del incidente nuclear fueron enormes. Luego del terremoto que afectó la costa oriental del país, los métodos de enfriamiento de los reactores fallaron y las altas temperaturas derritieron el núcleo y esparcieron radiactividad hacia fuera de la planta.

La catástrofe obligó a evacuar a las personas que habitaban en un radio de 20 kilómetros alrededor de la central. El gobierno japonés presionó a la empresa para que comience a indemnizar a los afectados por sus gastos médicos y el lucro cesante por la paralización de toda actividad productiva.

"Creo que TEPCO debe asumir la responsabilidad de estos pagos para compensar los daños causados por el accidente de la central" dijo el ministro de Comercio, Banri Kaieda.

Además, el funcionario aclaró que esta indemnización no será definitiva y clamó por que se efectivice rápidamente.

La firma había ya propuesto la suma de 240 mil dólares para los municipios afectados, una cifra que indignó a los representantes locales, quienes adujeron que representaba sólo 12 dólares por persona que vive en esas poblaciones.

La pesca fue una de las más afectadas por la zona de prohibición establecida, que abarcaba también el radio de 20 kilómetros. El vertido de aguas radiactivas al mar podría complicar aún más la situación.

"La industria pesquera, que se ha visto afectada por el accidente, va a ser incluida, evidentemente, en las compensaciones" dijo el vocero del gobierno, Yukio Edano. Andina.



TOKIO. - Tepco, die Betreiberfirma des Atomkraftwerks von Fukushima in Japan, setzte die Summe für unmittelbar Betroffene auf 12.000 Dollar fest, die jedem einzelnen, betroffenen Familienmitglied durch die Strahlung zustehen. Auf der Liste der Betroffenen stehen über 80.000 Personen.

Die wirtschaftlichen Folgen des nuklearen Unfalls waren enorm. Zuerst war das Erdbeben, das die gesamte Ostküste des Landes in Mitleidenschaft zog. Die Notabschaltung der Reaktoren funktionierte nicht, und die hohen Temperaturenprovozierten die Kernschmelze und das Austreten von Radioaktivität.

Die Katastrophe führte zur Zwangsevakuierung der Personen im Radius von 20 km um das Atomkraftwerk. Die japanische Regierung zwang die Firma, mit der Entschädigung der betroffenen Personen zu beginnen, weil diese medizinische Kosten und Lohnausfall zu beklagen haben, da die gesamten wirtschaftlichen Prozesse in dieser Zone zum Stillstand gekommen sind.

"Ich denke, dass TEPCO die Verantwortung für diese Zahlungen übernehmen muss, um den durch den Unfall verursachen Schaden durch das Kraftwerk zu kompensieren", sagte Handelsminister Banri Kaieda.

Ausserdem erklärte der Funktionär, dass diese Vergütung nicht defnitiv sei und rief dazu auf, dass die Auszahlung rasch erfolgen sollte.

Die Firma hatte vorher schon die Summe von 240.000 Dollar für die betroffenen Gemeinden vorgeschlagen, eine Zahl, die die lokalen Vertreter aber empörte, denn dies wären pro betroffene Person nur 12 Dollar gewesen.

Die Fischerei ist dabei einer der am meisten betroffenen Wirtschaftszweige in der verbotenen 20-km-Zone. Das Ablassen von radioaktivem Wasser ins Meer könnte die Situation noch verschärfen.

"Die Fischindustrie, die durch den Unfall betroffen wurde, wird offensichtlich in die Entschädigungszahlungen miteinbezogen werden", sagte der Regierungssprecher, Yukio Edano. [Agentur] Andina.



Spiegel online, Logo

6.4.2011: <Japans Katastrophen-AKW: US-Experten warnen vor versteckten Fukushima-Risiken>

aus: Spiegel online; 6.4.2011; http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,755392,00.html

<Betreiber Tepco meldet erste Erfolge am AKW Fukushima - aber amerikanische Atomexperten fürchten neue Probleme. In einem vertraulichen Gutachten der US-Atomaufsicht, das jetzt durchgesickert ist, wird deutlich: Die Gefahr ist größer als bisher vermutet.

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Tokio/New York - Seit gut drei Wochen schuften die Tepco-Männer im und am havarierten AKW Fukushima I - und versuchen mit allen Mitteln, die Reaktoren auf der Anlage wieder unter Kontrolle zu bringen. Erste Fortschritte haben sie gemacht: Es ist ihnen gelungen, einen Riss in einem Kabelschacht zu stopfen, aus dem hochradioaktives Wasser unkontrolliert ins Meer geflossen war.

Laufend veröffentlichen Tepco sowie die japanische Regierung und Atomaufsicht Meldungen zur Lage des Katastrophen-AKW. Dabei wird kaum ersichtlich, dass in Fukushima inzwischen etliche Atom-Experten und Strahlenmediziner aus verschiedenen Nationen den Japanern beratend zur Seite stehen - und die Lage mitbeobachten.

Auch das US-Energieministerium sowie die amerikanische Atomaufsichtsbehörde NRC haben Experten nach Japan entsandt. Jetzt ist erstmals ein Dokument aufgetaucht, das zeigt, wie besorgt die NRC-Experten - trotz der Fortschritte - über den Zustand der Reaktoren sind. Wie die "New York Times" berichtet, fürchtet die NRC, dass an dem AKW viele Gefahren und Probleme noch längst nicht gebannt sind. Im Gegenteil: Immer mehr kommen hinzu.

Einige dieser Probleme könnten möglicherweise sogar auf unbestimmte Zeit andauern, heißt es in einem vertraulichen Gutachten der NRC, das der "New York Times" nach eigenen Angaben vorliegt. Das Papier ist demnach vom 26. März datiert und listet eine ganze Reihe von Gefahren auf. Dazu gehörten insbesondere:

  • die zunehmende Belastung der Reaktorsicherheitsbehälter, die mit radioaktivem Kühlwasser vollaufen. Dadurch werden sie während der Nachbeben, die das Gelände erschüttern, anfälliger für Risse.
  • Innerhalb der Sicherheits- und Reaktordruckbehälter kann es dem Gutachten zufolge weiterhin zu Explosionen kommen. Der Grund: Aus dem Meerwasser, das in die Reaktoren gepumpt wurde, wird Wasserstoff und Sauerstoff freigesetzt. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für eine Explosion ist, darüber spekulieren die NRC-Experten laut "New York Times" jedoch nicht. Deshalb hat Tepco am Mittwochabend damit begonnen, Stickstoff in das Gebäude von Reaktor 1 zuzuführen, um eine Wasserstoffexplosion zu verhindern.
  • Sowohl ein Nachbeben als auch neue Explosionen könnten, das fürchten die NRC-Experten, zu einem Bruch der Sicherheits- und Reaktordruckbehälter führen.

Beides sind die letzten Hüllen, die die teils geschmolzenen Brennstäbe und die massive Radioaktivität noch von der Umwelt abschirmen. Käme es zu einer weiteren Kernschmelze durch eine mangelnde Kühlung, könnte diese geschmolzene Masse eine ganze Weile in diesem gefährlichen Zustand bleiben, glaubt die NRC.

In dem NRC-Bericht wird auch eine Einschätzung zum Zustand der teils bereits geschmolzenen Brennelemente abgegeben. Das Problem: Diese Schmelze sowie das Salz aus dem Meerwasser, das ursprünglich zur Kühlung verwendet wurde, behindern den Durchfluss des Frischwassers zur Kühlung der Stäbe.

Nun stellen sich die Experten die Frage, ob es tatsächlich sinnvoll sein kann, trotz mangelnder stabiler Kühlsysteme weiterhin Wasser von oben auf die Reaktoren zu schütten. Insgesamt 60 Millionen Liter teils hochradioaktives Wasser sollen sich dadurch inzwischen in den Kellern der Reaktorgebäude und den unterirdischen Kanälen angesammelt haben. Ein Teufelskreis, denn dieses Wasser behindert die eigentliche Hauptaufgabe der Techniker: die Reparatur der Kühlsysteme. Nur wenn diese wieder stabil laufen, könnte es gelingen, eine umfassende Kernschmelze dauerhaft zu verhindern.

Inzwischen gehen die meisten Kernkraftexperten davon aus, dass die Japaner noch Monate damit beschäftigt sein werden, die Kühlung der Reaktoren aufrechtzuerhalten, bis das AKW wieder stabilisiert ist. Doch nach und nach beginnt man zu begreifen, dass eine derartige Kühlung eben auch noch mehr gefährliche Probleme mit sich bringt.

In dem Dokument ist auch davon die Rede, dass radioaktive Partikel aus den Abklingbecken "bis zu einer Meile" von den Reaktorblöcken entfernt in die Luft geblasen worden seien. Ein großer Teil, teils hochradioaktiv, sei zwischen zwei Blöcken auf den Boden gelangt und habe dort "niedergewalzt" werden müssen, um die Arbeiter vor umherfliegenden Teilchen und Staub zu schützen.

Der Inhalt des neuen Gutachtens bereitet auch David Lochbaum Sorgen. Er ist US-Kerntechniker und arbeitete früher an Reaktoren der gleichen Bauweise wie in Japan. Lochbaum glaubt laut "New York Times", dass angesichts dieser "Woge der Probleme" ein erfolgreicher Ausgang der nuklearen Katastrophe ungewiss sei. Er habe bisher gedacht, die japanischen Kollegen seien immerhin kurz vor einem Durchbruch zu mehr Stabilität. Das Bild sei nun ein ganz anderes: Die Lage sei viel schlimmer als befürchtet.

Eine der Empfehlungen der NRC lautet nun, Stickstoff in die Reaktoren zu pumpen. Mit Stickstoff will man eine weitere Explosion im havarierten Kernkraftwerk verhindern. Bei der Substanz handelt es sich um ein sogenanntes inertes Gas. Das heißt, dass es unter den gegebenen Bedingungen chemisch stabil ist und nicht etwa mit der Luft oder dem Wasser reagiert. Der Stickstoff soll helfen, die Reaktoren von explosionsgefährlichem Sauerstoff und Wasserstoff zu befreien, die dort entweichen.

Am Mittwochabend begannen die Einsatzkräfte laut der Nachrichtenagentur Kyodo mit der Zuführung von Stickstoff in Reaktorblock 1, um eine Wasserstoffexplosion zu verhindern. Aber es werden noch mehr Maßnahmen nötig sein, um ein noch größeres Ausmaß der Katastrophe abzuwenden. Wie lange das dauern wird, vermag immer noch keiner zu sagen.

cib>

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20 minuten online, Logo

Bern 6.4.2011: Demonstration vor dem Bundehaus gegen das veraltete und unsichere AKW Mühleberg

aus: 20 minuten online: Bern: Demo vor Bundeshaus gegen Mühleberg; 6.4.2011;
http://www.20min.ch/news/bern/story/29940123

<von Simone Hubacher - Der Druck der Atomgegner nimmt zu: Teenager riefen am Mittwoch via Facebook zur Demo auf dem Bundesplatz auf. Daran nahm auch die Gruppe teil, die derzeit vor dem BKW-Gebäude zeltet.

Mitte Februar hatte das Berner Stimmvolk noch Ja gesagt zum Neubau des AKW Mühleberg. Nach den Vorkommnissen in Fukushima weht nun aber ein umso stärkerer Gegenwind.

Am Mittwoch Abend versammelten sich auf dem Bundesplatz rund tausend Personen zu einer fried­lichen Anti-AKW-Demo. Dazu aufgerufen hatten acht Jugendliche aus dem Westen Berns via Facebook. Gemeinsam mit zwei Juso-Mitgliedern hatten sie kurzerhand das Komitee «Jugend gegen Atom» gegründet. Nebst verschiedenen Rednern traten auch zwei Rockbands auf; eine davon die Schülerband Atomic Angels. Ein starkes Zeichen gegen Atomenergie setzen auch die Campierer seit Dienstag im städtischen Park vor dem BKW-Hauptgebäude. «Wir haben seit dem frühen Abend eine Solarpanel-Anlage, Wasser und eine eingerichtete Küche», sagt Dominik Bachmann, ein 42-jähriger Familienvater, der in den Siebzigern schon mit seinen Eltern gegen Kaiseraugst auf die Strasse ging. «Wir bleiben, bis Mühleberg abgestellt ist!», sagt er. Die Stadt schreitet trotz ­fehlender Bewilligung vorerst nicht ein. «Die Sicherheit ist nicht gefährdet und der Verkehr kann derzeit ungehindert zirkulieren», so Walter Langenegger, Leiter des städtischen Infodienstes.>

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20 minuten online, Logo

6.4.2011: Vorarlberg will gegen die schweizerische und deutsche Atompolitik vorgehen

Vorarlberg ist das erste ausländische Gebiet an der nördlichen Ostgrenze der Schweiz und liegt im Falle eines Atomunfalls in der Schweiz genau in der vorherrschen Windrichtung (Westwind), und liegt im Falle eines Atomunfalls in Südwestdeutschland ebenfalls in der vorherrschenden Windrichtung (Westwind oder Nordwestwind). Deswegen ist es kein Wunder, dass Vorarlberg nun alles in Gang setzen will, um eine Energiewende in der Schweiz und in Deutschland zu forcieren. Aber lesen Sie selbst:

aus: 20 minuten online: Atomdebatte: Vorarlberg will gegen schweizer AKW vorgehen; 6.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/22866318

<Das österreichische Bundesland überlegt sich rechtliche Schritte gegen Atomkraftwerke in der Schweiz und in Deutschland. Politiker fordern einen europaweiten AKW-Ausstieg.

Der Vorarlberger Regierungschef Herbert Sausgruber sagte: «Ich habe nicht den Eindruck, dass sich auf der Ebene des Schweizer Bundesrats das Musikgehör geändert hat.» Es seien alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um die Vorarlberger Argumente - die einen Ausstieg aus der Atomkraft vorsehen - in die Praxis umzusetzen, erklärte der konservative Regierungschef.

Der Vorarlberger Landtag widmete sich am Mittwochvormittag beinahe ausschliesslich dem Atomausstieg und der energiepolitische Wende. Einstimmig verabschiedeten die Abgeordneten eine Aufforderung an die österreichische Bundesregierung, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament sowie den Bundesrat.

«Europaweiten Ausstieg vorantreiben»

Die Resolution verlangt unter anderem, im Sinne einer sicheren und zukunftsfähigen Energieversorgung «den europaweiten Ausstieg aus dem Betrieb von Kernkraftwerken und der Nutzung der Kernenergie mit allen politischen, juristischen und völkerrechtlichen Mitteln voranzutreiben».

Die Ablehnung der Atomenergie sei angesichts der Katastrophe in Japan in eine neue Phase gekommen, «auch in unserer Nachbarschaft», sagte Sausgruber. Man werde allerdings sehen müssen, wie sich die Meinungen in der Schweiz und in Deutschland entwickelten.

Vorarlberg werde seine ablehnende Haltung weiter klar zum Ausdruck bringen, «wir haben ein gutes Recht dazu», betonte der Landeshauptmann. Auch Johannes Rauch, der Fraktionschef der Grünen im Landtag, erklärte, man müsse der Schweiz klarmachen, dass man nicht länger bereit sei, ihre Atompolitik zu akzeptieren.

(sda)>


Hier ist eine weitere Meldung zu Vorarlberg, das sich gegen die hirnrissige Atompolitik der Schweiz und Deutschlands wehrt:



Tagesanzeiger online, Logo

6.4.2011: <Vorarlberg droht Schweiz mit Klage>

aus: Tagesanzeiger online; 6.4.2011;
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Vorarlberg-droht-Schweiz-mit-Klage/story/10210628

<Das österreichische Land hat bereits vor Jahren den Atomausstieg beschlossen. Jetzt warnt es: Sollte der Nachbarstaat Schweiz nicht ebenfalls umdenken, erwägt es rechtliche Schritte.

Vorarlberg erwägt im Kampf gegen den Betrieb von Atomkraftwerken in der Schweiz und Deutschland auch rechtliche Schritte. «Ich habe nicht den Eindruck, dass sich auf der Ebene des Schweizer Bundesrats das Musikgehör geändert hat», sagte der Regierungschef.

Es seien alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um die Vorarlberger Argumente - die einen Ausstieg aus der Atomkraft vorsehen - in die Praxis umzusetzen, erklärte der konservative Landeshauptmann (Regierungschef) Herbert Sausgruber.

Der Vorarlberger Landtag widmete sich am Vormittag beinahe ausschliesslich dem Atomausstieg und der energiepolitische Wende. Einstimmig verabschiedeten die Abgeordneten eine Aufforderung an die österreichische Bundesregierung, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament sowie den Bundesrat.

«Ausstieg vorantreiben»

Die Resolution verlangt unter anderem, im Sinne einer sicheren und zukunftsfähigen Energieversorgung «den europaweiten Ausstieg aus dem Betrieb von Kernkraftwerken und der Nutzung der Kernenergie mit allen politischen, juristischen und völkerrechtlichen Mitteln voranzutreiben».

Die Ablehnung der Atomenergie sei angesichts der Katastrophe in Japan in eine neue Phase gekommen, «auch in unserer Nachbarschaft», sagte Sausgruber. Man werde allerdings sehen müssen, wie sich die Meinungen in der Schweiz und in Deutschland entwickelten.

Vorarlberg werde seine ablehnende Haltung weiter klar zum Ausdruck bringen, «wir haben ein gutes Recht dazu», betonte der Landeshauptmann. Auch Johannes Rauch, der Fraktionschef der Grünen im Landtag, erklärte, man müsse der Schweiz klarmachen, dass man nicht länger bereit sei, ihre Atompolitik zu akzeptieren. (oku/sda)>

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20 minuten online, Logo

Fukushima 1 am 7.4.2011: Die Betreiber behaupten, die Radioaktivität würde sich stabilisieren - Suche nach Leichen - Stickstoff eingeleitet gegen Explosionen - Staatsbesuche

aus: 20 minuten online: Japan: "Wettlauf gegen die Zeit und Radioaktivität"; 7.4.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/15087302

<Hunderte Soldaten versuchen zurzeit im Sperrgebiet die Leichen zu finden, bevor sie verwest sind. Arbeiter füllten derweil Reaktor 1 mit Stickstoff, um weitere Explosionen zu verhindern.

Knapp vier Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan suchen Bergungstrupps an der verwüsteten Nordostküste verstärkt nach Todesopfern. Hunderte Polizisten und Soldaten rückten am Donnerstag aus, um Leichname zu finden, bevor sie zur Unkenntlichkeit verwest sind. Vor allem in der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima hatte radioaktive Strahlung die Suche bislang verzögert.

Bei der Katastrophe sind vermutlich bis zu 25 000 Menschen ums Leben gekommen. 12 500 Todesfälle wurden bislang bestätigt. Mehr als 14 700 Menschen werden noch vermisst. Die Zahlen überschneiden sich zum Teil, weil noch nicht alle geborgenen Toten identifiziert werden konnten.

Weil die Zeit allmählich knapp wird und die Strahlung aus dem Atomkraftwerk sich einigermassen stabilisiert zu haben scheint, wurden die Bemühungen verstärkt, Tote zu bergen und zu identifizieren. «Wir müssen sie jetzt finden, weil die Leichen verwesen», erklärte Polizeisprecher Ryoichi Tsunoda in der Präfektur Fukushima. «Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Gefahr radioaktiver Strahlung.» 330 Polizisten und 650 Soldaten in weisser Strahlenschutzmontur durchkämmten am Donnerstag die Gegend. Sie konzentrierten sich dabei auf die evakuierten Gebiete im Umkreis zwischen zehn und 20 Kilometern um das Kraftwerk.

Südkorea schliesst Schulen

Aus Angst vor radioaktiv verseuchtem Regen hat Südkorea am Donnerstag einige Schulen geschlossen. Zudem empfahlen die Behörden als Vorsichtsmassnahme nach der Atomkatastrophe in Japan, von Aktivitäten im Freien abzusehen.

Viele Eltern brachten daher ihre Kinder mit dem Auto in die Schule. Einige Koreaner setzten Gesichtsmasken als Schutz vor Strahlung auf.

Eine unmittelbare Gefahr besteht nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde jedoch nicht. Die im Regen gemessenen Mengen radioaktiven Jods und Cäsiums seien zu gering, um ein Gesundheitsrisiko darzustellen.

Der Wetterdienst teilte mit, die Windrichtung sorge dafür, dass radioaktiv belastete Luftmassen über dem etwa tausend Kilometer entfernt liegenden AKW Fukushima sehr wahrscheinlich nicht die koreanische Halbinsel erreichten.

Stickstoff wird eingeleitet

Nachdem das Leck im AKW Fukushima-Daiichi gestopft werden konnte, durch das kontaminiertes Wasser ins Meer strömte, begannen Techniker am Donnerstag mit der Einleitung von Stickstoff. Damit soll die Gefahr weiterer Wasserstoffexplosionen verringert werden, wie sie kurz nach dem Tsunami die Reaktorgebäude gesprengt hatten. Innerhalb der nächsten sechs Tage soll das Gas in alle drei problematischen Reaktorblöcke gepumpt werden.

Die US-amerikanische Atomaufsicht, die die japanischen Kollegen berät, hatte in einer am Mittwoch bekanntgeworden Einschätzung warnend auf mehrere anhaltende Probleme hingewiesen. So verstopfe das Salz des zur Notkühlung benutzten Meerwassers vermutlich Leitungen, was die Stabilisierung der überhitzten Brennelemente erschwere. Zudem könne das Gewicht des in die Reaktoren gepumpten Wassers das Risiko erhöhen, dass die Druckbehälter bei einem Nachbeben reissen könnten. Die japanische Atomaufsicht (NISA) räumte am Donnerstag ein, dass die Behälter möglicherweise Schaden genommen haben könnten. «Wir wisen nicht, was mit den Druckbehältern passiert ist», sagte Sprecher Hidehiko Nishiyama.

Kaiserpaar kündigt Besuch an

Das japanische Kaiserpaar will die Katastrophenregion im Nordosten des Landes besuchen. Das gab das Haushofamt am Donnerstag bekannt. Staatsoberhaupt Akihito und seine Frau Michiko wollten den Menschen persönlich Mut machen.

Den beiden sei es dabei wichtig, dass sie mit ihrem Besuch niemandem zur Last fallen. Zunächst soll das Kaiserpaar an diesem Freitag ein Auffanglager in der Tokioter Nachbarprovinz Saitama besuchen. Dort sind rund 1200 Flüchtlinge aus Futaba in der Provinz Fukushima in einer früheren Oberschule untergekommen.

In Futaba steht das zerstörte AKW Fukushima Eins. Es ist das zweite Mal, dass das Monarchenpaar in einem Lager Opfern der Katastrophe in Zwiegesprächen Trost spendet. Nicht mit grossen Worten, sondern mit kleinen Gesten zeigt sich die Kaiserfamilie derzeit mit ihrem gebeutelten Volk solidarisch.

Kronprinz besuchte Notunterkunft

Am Mittwoch hatten der älteste Sohn des Kaisers, Kronprinz Naruhito, und dessen Gemahlin Masako bei einem Besuch in einer Notunterkunft in Tokio den Opfern ihre Solidarität bekundet. Der Kaiser liess auch Baderäume für Bedienstete in einer kaiserlichen Villa nahe der Unglücksregion für Flüchtlinge öffnen.

Um die Bemühungen zum Energiesparen zu unterstützen, lässt der 77-jährige Akihito in seiner Residenz in Tokio jeden Tag für ein paar Stunden den Strom abschalten. Nach Medienberichten hat das Kaiserpaar zudem Geld in die Katastrophenregion geschickt.

(sda/dapd)>

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20 minuten online, Logo

Schweiz 7.4.2011: <Atomausstieg: AKW sparen zu wenig Geld für Abschaltung> - die "Zeit danach" eines AKWs kostet Milliardensummen

aus: 20 minuten online; 7.4.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/12433017

<von Lukas Mäder
- Abschaltung und Rückbau eines Kernkraftwerks kosten Milliarden. Die Betreiber legen dafür Geld beiseite - allerdings zu wenig. Der Bund will nun handeln.

Die Abschaltung von Kernkraftwerken kostet 1,4 Milliarden Franken mehr, als bisher in zwei Fonds vorgesehen war.

Während die Politiker über eine vorgezogene Abschaltung der fünf Schweizer AKW diskutieren, legen deren Betreiber dafür bereits seit Jahren Geld beiseite. Denn die Abschaltung eines Kernkraftwerks und dessen Rückbau zur grünen Wiese ist teuer. Im Stilllegungsfonds sollen dafür 2,2 Milliarden Franken bereitstehen, wenn die Schweizer Kernkraftwerke - wie aktuell geplant - nach 50-jährigem Betrieb vom Netz gehen. Doch dieses Geld reicht bei Weitem nicht aus. Die sogenannte Nachbetriebsphase - von der Abschaltung des Reaktors bis zum Beginn des Rückbaus - kostet weitere 1,4 Milliarden Franken, was die Abschaltung um über 50 Prozent verteuert.

Das zuständige Bundesamt für Energie (BfE) bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass die Betreiber für diese 1,4 Milliarden Franken derzeit keine Rückstellungen nach Kernenergiegesetz machen müssen, sondern nur nach Obligationenrecht. Doch das soll sich ändern, wie BfE-Direktor Walter Steinmann sagt. «Wir müssen die Garantie haben, dass die Gelder für die anfallenden Kosten gesichert und ausgewiesen sind.» Es dürfe nicht das Risiko eintreten, dass schliesslich der Staat bezahlen muss, sagt er. Deshalb werde die Verwaltungskommission der bestehenden Stilllegungs- und Entsorgungsfonds, die Steinmann präsidiert, das Thema an der nächsten Sitzung Ende Juni besprechen, wenn auch die neuen Kostenstudien zur Diskussion stehen.

Modalitäten noch offen

Die Betreiber müssen alle fünf Jahre neu berechnen, wie viel die Stelllegung ihrer fünf Kernkraftwerke sowie die Entsorgung der radioaktiven Abfälle voraussichtlich kosten wird. Entsprechend bezahlen sie Beträge in den Stilllegungs- beziehungsweise den Entsorgungsfond. Auf die zusätzlichen Kosten von 1,4 Milliarden Franken für die Nachbetriebsphase wurden die Behörden erst bei der letzten Berechnung 2006 aufmerksam. Bis heute leisten die AKW-Betreiber dafür keine Beiträge in die Fonds. Zuerst müssen laut Steinmann die Modalitäten geklärt werden. «Aber wir wollen keinen zusätzlichen Fonds schaffen.»

Bei Greenpeace stösst diese Lücke in der Finanzierung auf Kritik: «Dass diese 1,4 Milliarden Franken vergessen gingen, hätte nicht passieren dürfen», sagt Atomexperte Leo Scherer. Er fordert, dass die Finanzierung sofort angepasst werden muss. «Bund und Betreiber dürfen sich dafür nicht jahrelang Zeit lassen.» Der Atomunfall in Japan zeigt laut Scherer, dass der Betrieb eines AKW im schlimmsten Fall von einem Tag auf den anderen eingestellt werden müsse.

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Und endlich kommt auch ein weiteres Tabu bei der Atomkraft zur Sprache:


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7.4.2011: <Unklare Kosten für Endlagerung>


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Spiegel online, Logo

Deutschland 7.4.2011: Der wissenschaftliche Beirat fordert Umbau der Energieversorgung ohne Nuklearenergie und Öl und Gas bis 2050

aus: Spiegel online: Atomausstieg: Regierungsberater fordern radikale Energiewende; 7.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,755729,00.html

<Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung fordert in einem Gutachten einen massiven Umbau der Energieversorgung. Die Experten halten den kompletten Verzicht auf nukleare und fossile Energieträger ab 2050 für möglich. Ökonomen warnen allerdings vor den Kosten.

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Das wissenschaftliche Beratergremium der Bundesregierung fordert massive Anstrengungen für einen raschen Atomausstieg: Die langfristigen Umweltschäden durch fossile Energieträger wie Öl und Kohle seien viel teurer als ein Umstieg auf Öko-Energien, erklärt der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht. Außerdem seien die Folgen eines Atomunfalls nicht zu versichern. "Wir sind der Meinung, dass es darum geht, für das 21. Jahrhundert einen neuen Gesellschaftsvertrag auszuhandeln", sagte der WBGU-Vorsitzende Hans Joachim Schellnhuber. Die Bürger müssten bei der Energiewende mitgenommen werden, nötig sei ein gemeinsamer Kraftakt.

Als Ziel bis zum Jahr 2050 fordern die Experten die weltweite Umstellung auf eine Versorgung ohne nukleare und fossile Energieträger. Das Wohlstandsniveau werde dadurch nicht gefährdet, weil den Mehrkosten auch Einsparungen gegenüberstünden. Auch der Klimaschutz sei ohne Kernenergie möglich.

Der WBGU überreichte das Gutachten "Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation" an Umweltminister Norbert Röttgen und Forschungsministerin Annette Schavan. Die beiden CDU-Politiker werteten die Studie als hilfreich in der aktuellen Energiedebatte.

"Die Vorschläge des WBGU unterstützen uns bei den jetzt anstehenden Maßnahmen beim Ausbau der erneuerbaren Energien, bei der Energieeffizienz und beim Klimaschutz", sagte Röttgen. Auch Schavan betonte: "Gerade jetzt hilft uns das Gutachten beim anstehenden Umbau der Energieversorgung."

Energiewende bietet auch wirtschaftliche Chancen

Widerspruch kam von Ökonomen. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass kurzfristig damit Produktionspotential wegfällt. Das heißt, der Wohlstand, den wir haben, wird teurer", sagte Kai Carstensen vom Münchner ifo-Institut bei der Vorstellung des Gutachtens. Wenn billiger Atomstrom wegfalle, erhöhe das die Energiekosten für die Industrie. Der Preisanstieg könne durch Stromimporte oder mehr erneuerbare Energien etwas gedämpft werden. Grundsätzlich müsse man sich aber fragen, ob stromintensive Branchen künftig in Deutschland noch wettbewerbsfähig seien.

Die Umwelt-Regierungsberater betonten dagegen die ökonomischen Chancen einer ökologischen Energiewende. Schon heute arbeiten rund 370.000 Menschen in diesem Bereich. Mit Blick auf einen Atomausstieg warnte Schellnhuber vor Schwarzmalerei. Bei einem Umstieg auf erneuerbare Energien und einer effizienten Energienutzung würden "nicht alle Lichter ausgehen". Stromeinsparungen von bis zu 40 Prozent seien möglich.

Bis Mitte Juni will die Bundesregierung über die zukünftige Energieversorgung beraten. In dieser Zeit werden zugleich die deutschen Kraftwerke auf ihre Sicherheit überprüft. Die sieben ältesten Meiler wurden hierfür vorübergehend stillgelegt.

Wegen der abgeschalteten Kraftwerke wird verstärkt Atomstrom aus Frankreich importiert. Energieversorger warnen, dass dies zu einem Dauerzustand werden könnte, falls Deutschland überstürzt aus der Atomkraft aussteige. Die vermehrten Importe haben aber nichts mit Stromknappheit zu tun - sondern damit, dass der eingeführte Strom zu gewissen Tageszeiten für die Stromhändler günstiger ist.

Fast die Hälfte würde höhere Strompreise in Kauf nehmen

Rund 70 Prozent der Deutschen lehnen den raschen Ausstieg aus der Kernkraft ab, wenn dann Atomstrom importiert werden müsste. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Allerdings sind die Bürger zu Opfern bereit, wenn ein Ausstieg ohne Importe geschafft wird. Eine Mehrheit von 64 Prozent ist dafür, angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima noch vor dem Jahr 2020 komplett aus der Atomkraft auszusteigen.

Dafür sind die Bürger bereit, Stromtrassen und höhere Preise in Kauf zu nehmen: 66 Prozent würden es akzeptieren, dass in der Nähe des eigenen Wohnorts eine Stromautobahn errichtet wird. Fast die Hälfte der Befragten bereit, bis zu 40 Euro mehr pro Jahr für Elektrizität zu bezahlen, wenn dadurch die Energiewende beschleunigt wird.

Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs plädierte in der "Leipziger Volkszeitung" dafür, die älteren AKW nach Ablauf der drei Monate wieder ans Netz zu nehmen. "Ein Moratorium ist eine Denkpause. Ich hoffe, dass wir die als sicher erkannten Meiler nach der Denkphase wieder anschalten", sagte er. Mit einem Katalog von rund 80 Fragen verlangt Fuchs von der Bundesregierung Aufklärung über den künftigen Kurs in der Energiepolitik.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte, es habe keinen Sinn, bereits jetzt einen genauen Zeitplan für das Abschalten des letzten Kernkraftwerks in Deutschland festzulegen. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte die Regierung in der "Süddeutschen Zeitung" dazu auf, sich bis zum Ende des Moratoriums für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken Mitte Juni auch auf ein Milliardenprogramm für Investitionen festzulegen.

Deutscher Atomausstieg bis 2020 machbar

Die Mitglieder des WBGU plädieren hingegen für den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft - ohne verstärkte Nutzung von Kohle und Öl. "Das fossil-nukleare System muss durch ein effizient-erneuerbares System ersetzt werden", betonte Schellnhuber. Er fügte hinzu, dass ein Ausstieg aus der Atomkraft bis 2020 vollendet werden könne.

Auch die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (Deneff) geht davon aus, dass ein Atomausstieg bis 2020 machbar ist. Im Stromsektor könnten demnach jährlich 68,3 Milliarden Kilowattstunden eingespart werden, im Wärmebereich 155 Milliarden Kilowattstunden.

In einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Studie kommt die Umweltorganisation Greenpeace zu dem Schluss, dass Deutschland sogar bis 2015 aus der Atomkraft aussteigen könne, "ohne dass dadurch negative Folgen für die Sicherheit der Stromversorgung, den Klimaschutz oder die Energiekosten entstehen".

wbr/dpa/dapd/AFP>

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In Japan ereignete sich ein heftiges Nachbeben, und das hatte auch für die japanischen AKWs gravierende Folgen:

20 minuten online, Logo

AKW Onagawa 8.4.2011: <Nachbeben reisst mehrere Lecks in AKW>

aus: 20 minuten online; 8.4.2011; http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Nachbeben-reisst-mehrere-Lecks-in-AKW-16478635

<Nach dem schweren Beben sind im abgeschalteten AKW Onagawa mehrere Lecks entdeckt worden. In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt.

Im Katastrophenreaktor Fukushima gab es durch das Nachbeben keine neuen Schäden, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa hingegen wurden am Freitagmorgen Wasserlecks entdeckt.

In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power am Freitag mit.

Nach Angaben des Fernsehsenders NHK waren es bis zu 3,8 Liter. Das Wasser stammt zum Teil aus Becken, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden.

Auch an anderen Stellen der Anlage sei Wasser ausgelaufen, berichtete der Betreiber. Ausserdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK. Rund um den Meiler sei aber keine erhöhte Strahlung gemessen worden.

Nach dem heftigsten Nachbeben seit der Katastrophe am 11. März waren in dem AKW zwei der insgesamt drei äusseren Stromversorgungen ausgefallen. Das Kraftwerk ist seit dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vor vier Wochen zwar abgeschaltet. Die Brennelemente müssen aber weiter gekühlt werden. Dafür wird Strom gebraucht.

Die Kühlung habe kurzzeitig ausgesetzt, funktioniere aber wieder, berichtete der Sender. Eine übriggebliebene externe Energiequelle versorge die Anlage ausreichend.

Bei dem neuen Beben der Stärke 7,4 kamen nach neuesten Angaben von Medien und Behörden mindestens vier Menschen ums Leben. Rund 140 Menschen seien verletzt worden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde starb eine 63 Jahre alte Frau, als ihr Beatmungsgerät infolge eines durch das Beben verursachten Stromausfalls aussetzte.

Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern in der Präfektur Miyagi, 66 Kilometer östlich von Sendai, das bereits bei der Katastrophe am 11. März verwüstet worden war.

Im Katastrophenreaktor Fukushima gab es durch das Nachbeben keine neuen Schäden, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Dort bemühten sich Arbeiter weiter, einen drohenden Super-GAU zu verhindern.

(sda)>

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n-tv online, Logo

Liveticker 8.4.2011: Schäden am AKW Onagawa - Zwischenfälle in japanischen AKWs und Notsysteme - Strahlung aus dem AKW Onagawa - Bauern dürfen teilweise wieder verkaufen - Diskussion über Ausweitung der Evakuierungszone - China besorgt über radioaktives Wasser - Deutsche Schule in Tokio bleibt zu

aus: n-tv online; 8.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Deutsche-Schule-Tokio-bleibt-zu-Abi-in-Koeln-article2810866.html

<+++ 06.35 Erdbeben-Schäden an AKW Onagawa +++
Das starke Nachbeben in Japan beschädigt das abgeschaltete Atomkraftwerk Onagawa. Aus dem Becken der Reaktoren 1 und 2, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden, tritt Wasser aus. Das berichtet die Agentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tohoku Electric. Rund um den Reaktor sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden.

+++ 08.20 Zwischenfälle in mehreren Atomkraftwerken +++
Nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde sorgt das Nachbeben nicht nur für ein Wasserleck im AKW Onagawa. Auch in den Kraftwerken Rokkasho und Higashidori  in der Präfektur Aomori kommt es zu Zwischenfällen: Die externen Stromversorgungssysteme für  Kühlanlagen fallen aus. In jedem der betroffenen Akw laufen aber Notsysteme.

+++ 10.25 Leicht erhöhte Strahlung im AKW Onagawa +++
Bei dem heftigen Nachbeben sind die Abklingbecken aller drei Reaktoren im AKW Onagawa beschädigt worden. Wasser tritt aus, teilt der Betreiber Tohoku Electric Power mit. Innerhalb des Reaktorgebäudes sei ein leichter Anstieg von radioaktiver Strahlung gemessen worden, jedoch nicht außerhalb der Anlage.

+++ 11.27 Verkaufsstopp von Lebensmitteln teilweise aufgehoben +++
Japans Regierung will den Verkaufsstopp für einige in der Region um das AKW Fukushima produzierte Lebensmittel aufheben. Die Regierung habe Anträge erhalten, das Verbot der Auslieferung von Milch in Teilen der Präfektur Fukushima und von Spinat und dem Blattgemüse Kakina aus der Präfektur Gunma aufzuheben, sagt Regierungssprecher Yukio Edano. Die Bedingungen erlaubten es, den Anträgen stattzugeben. Auch solle geprüft werden, ob Bauern in der Region damit beginnen könnten, Reis auszusäen.

+++ 12.25 Evakuierungszone wird möglicherweise ausgeweitet +++
Die japanische Regierung denkt über eine Erweiterung der Evakuierungszone um den Katastrophenreaktor Fukushima nach. Japanische Medien berichten, die Regierung könnte auch den Bewohnern außerhalb eines 30-Kilometer-Radius' um Fukushima raten, das Gebiet zu verlassen.

+++ 13.47 China besorgt über radioaktives Wasser +++
Nach Südkorea zeigt sich nun auch China besorgt darüber, dass aus dem Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik geleitet wird. Man beobachte die Entwicklung in Japan sehr genau, sagt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei. Japan sei gebeten, China rechtzeitig und umfassend über die aktuelle Lage in Fukushima zu unterrichten. Als Nachbarland sei China "natürlich besorgt" über die Situation.

+++ 14.01 Deutsche Schule Tokio bleibt zu - Abi in Köln +++
Die Deutsche Schule Tokyo Yokohama (DSTY) bleibt auch vier Wochen nach Erdbeben und Tsunami in Japan bis auf Weiteres geschlossen. Die 35 Jugendlichen, die vor dem Abitur stehen, werden vom kommenden Montag an in Köln die Schulbank drücken, sagt Schulleiter Michael Szewczyk. Sie sollen von ihren Lehrern aus Yokohama bis zum Abitur Ende Mai an dem Kölner Städtischen Gymnasium mit Japanisch-Schwerpunkt unterrichtet werden. Die private DSTY mit 409 Schülern, 82 Kindergartenkindern und 42 Lehrern ist seit der Katastrophe vom 11. März geschlossen.



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8.4.2011: Info der japanischen Stellen: 5 Risse im AKW Oganawa durch das starke Nachbeben vom 7.4.2011 - verstrahltes Wasser aus dem Abklingbecken "übergeschwappt"

aus: n-tv online: Abklingbecken in Onagawa mit Rissen: Leichte Radioaktivität gemessen; 8.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Leichte-Radioaktivitaet-gemessen-article3049561.html

<Ein heftiges Nachbeben versetzt Japan in Angst und Schrecken. Ein Abklingbecken aller drei Reaktoren des AKW Onagawa wird beschädigt, Wasser tritt aus. Der Betreiber räumt einen leichten Anstieg radioaktiver Strahlung im Reaktorgebäude ein. Auch in anderen AKW kommt es zu Zwischenfällen. Die japanische Regierung denkt inzwischen über eine Erweiterung der Evakuierungszone um Fukushima nach.

Bei einem heftigen Nachbeben im Nordosten Japans ist ein weiteres Atomkraftwerk beschädigt worden. Aus den Abklingbecken aller drei Reaktoren von Onagawa sei Wasser ausgetreten, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power mit. Innerhalb des Reaktorgebäudes sei ein leichter Anstieg von radioaktiver Strahlung gemessen worden, sagte ein Sprecher. Das AKW Onagawa war nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vor einem Monat heruntergefahren worden.

[Oganawa: Nur "kleine Wasserpfützen"]

Das neuerliche Beben am Donnerstagabend Ortszeit hat außerdem zu Vorfällen in weiteren Atomkraftwerken des Landes geführt. Es sei in Onagawa nur wenig leicht radioaktives Wasser ausgetreten, hieß es; der Fernsehsender NHK sprach von 3,8 Litern. Aber auch an anderen Stellen des AKW sollen kleine Wasserpfützen entdeckt worden sein.

[Oganawa: 2 von 3 Stromleitungen ausgefallen]

Außerdem seien in dem AKW zwei der drei Stromleitungen infolge des erneuten Bebens ausgefallen, erklärte Tohoku Electric  weiter. Dadurch sei die Kühlung der Abklingbecken mit den abgebrannten Kernbrennstäben kurz unterbrochen worden, laufe aber inzwischen wieder. Neben der externen Stromversorgung verfüge die Anlage auch über ein Notstromsystem. Zwar ist das AKW seit dem 11. März abgeschaltet, die Brennelemente müssen aber weiter gekühlt werden. Dafür wird Strom gebraucht. Außerdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK.


[Info von n-tv aus Tokio: 5 Risse im AKW Oganawa - NHK meldet 8 Lecks - es muss in Oganawa eine hohe Strahlung herrschen - keine weiteren Schäden in Fukushima]

Fünf Risse nach Erdbeben

Das AKW Onagawa in der Präfektur Miyagi ist durch das Beben beschädigt.

Wie Gordian Fritz für n-tv aus Tokio berichtete, entstanden durch das Beben fünf Risse in der Atomanlage. Laut NHK wurden sogar an acht Stellen Lecks gefunden. Behauptungen des AKW-Betreibers, rund um den Reaktor sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden, seien eingedenk der Erfahrungen mit der Informationspolitik Japans im Zusammenhang mit der Atom-Katastrophe im AKW Fukushima mit Vorsicht zu genießen, warnte Fritz. Der Meiler liegt rund 100 Kilometer nördlich des Katastrophen-AKW Fukushima 1. Dort gab es nach Angaben der  Atomsicherheitsbehörde und der Betreiberfirma Tepco keine weiteren  Schäden durch das neue Erdbeben.


[Atomsicherheitsbehörde: Stromausfall im AKW Onagawa, im AKW Higashidori und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho - die Notsysteme funktionieren]

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Atomsicherheitsbehörde  fielen nicht nur in Onagawa, sondern auch im AKW Higashidori  in der Präfektur Aomori sowie in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho Stromversorgungssysteme für Kühlanlagen aus. In jeder der betroffenen Anlagen liefen aber Notsysteme.

[Nachbeben von 7,1]

Das Beben im Nordosten Japans hatte neuesten Behörden-Angaben zufolge eine Stärke von 7,1. Zuvor war die Stärke mit 7,4 angegeben worden. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, 140 wurden verletzt. Betroffen waren die Präfekturen Miyagi, Iwate, Aomori und Akita. Das Beben am 11. März hatte eine Stärke von 9,0 gehabt.

Brände, Strom-, Gas- und Wasserausfälle

Der Erdstoß löste zahlreiche Brände aus und verursachte in der Stadt Sendai mehrere Lecks im Gasversorgungsnetz. Bahnverbindungen wurden unterbrochen, vereinzelt fielen Telefonnetze aus. In der Präfektur Miyagi blieben über 8000 Häuser ohne Wasser und Gas, während in bis zu drei Millionen Haushaltenn in den Präfekturen Aomori und Akita der Strom ausfiel, da mehrere Thermalkraftwerke abgeschaltet wurden.

Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern in der Präfektur Miyagi, 66 Kilometer östlich von Sendai, das bereits bei der Katastrophe am 11. März verwüstet worden war. Die Hauptstadt Tokio ist rund 330 Kilometer entfernt. Eine Tsunami-Warnung wurde schon eine Stunde nach dem Beben aufgehoben.

Keine neue Schäden in Fukushima 1

Im Katastrophenreaktor Fukushima gab es durch das Nachbeben keine neuen Schäden, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Die Kühlung der Reaktoren mit Wasser funktioniere auch nach dem Beben weiter, berichtete die Agentur Kyodo. Die Techniker seien in Sicherheit gebracht worden, verletzt worden sei niemand. Die Arbeiter sollten die Anlage nach Aufhebung der Tsunami-Warnung kontrollieren.

Im AKW Fukushima müssen die defekten Reaktoren noch immer von außen gekühlt werden.

Es wurde nach Angaben von Tepco auch weiter Stickstoff in das Reaktorgehäuse am Block 1 eingeleitet. Die Maßnahme läuft erst seit Donnerstag. Das Gas soll das brisante Luftgemisch im Innern verdünnen und so verhindern, dass es zu neuen Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie kommt. Kyodo meldete, der Energiekonzern wolle über sechs Tage fast 6000 Kubikmeter Stickstoff zuführen. Die Reaktorblöcke 2 und 3 könnten folgen.

Der Kraftwerksbauer Toshiba legte Tepco ein Angebot zur Stilllegung der zerstörten Atommeiler von Fukushima vor. Innerhalb der nächsten zehn Jahre will das Unternehmen unter anderem die Brennstäbe aus den Reaktoren entfernen, hieß es in japanischen Medienberichten. Toshiba sei bereits mit dem Aufräumen nach der Katastrophe im US-Atomkraftwerk Three Mile Island betraut gewesen, meldete Kyodo. Damals hätten die Arbeiten 14 Jahre gebraucht. In Three Mile Island war es 1979 - ähnlich wie in Fukushima - zu einer partiellen Kernschmelze gekommen.

Tepco rudert zurück

Nach Protesten von Nachbarstaaten will der Fukushima-Betreiber Tepco indes das Abpumpen von schwachradioaktivem Wasser in den Pazifik einstellen. Das teilte der Konzern mit. Tepco hatte vor fünf Tagen damit begonnen, insgesamt 11.500 Tonnen schwachradioaktiven Wassers von einem Auffangbecken ins Meer abzulassen, um Platz für stärker verstrahltes Wasser zu schaffen. China und Südkorea kritisierten daraufhin Japan scharf.

Die japanische Regierung denkt inzwischen über eine Erweiterung der Evakuierungszone um den Katastrophenreaktor nach. Japanische Medien berichteten, die Regierung könnte auch den Bewohnern außerhalb eines 30-Kilometer-Radius um Fukushima raten, das Gebiet zu verlassen. Die Entscheidung soll nach Angaben von Regierungssprecher Yukio Edano in den nächsten Tagen fallen.

Das japanische Kaiserpaar traf erneut Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima. Kaiser Akihito und seine Frau Michiko besuchten in der Tokioter Nachbarprovinz Saitama eine Schule, in der rund 1200 Menschen Zuflucht gefunden haben. Die Evakuierten stammen aus der Region um Fukushima. Ministerpräsident Naoto Kan will am Sonntag in die Krisenregion reisen.

EU verschärft Grenzwerte

Nach einigem Hin und Her einigte sich die EU auf schärfere Strahlengrenzwerte für japanische Lebensmittel. Das zuständige Gremium in Brüssel stimmte einem entsprechenden Antrag der Europäischen Kommission zu. Damit hat die EU die zuletzt als zu lasch kritisierten europäischen Grenzwerte den strengeren japanischen angepasst.

dpa/rts>

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8.4.2011: <Nachbeben in Japan: Auch das Atomkraftwerk Onagawa hat jetzt ein Leck>

aus: Welt online; 8.4.2011; http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13109689/Auch-das-Atomkraftwerk-Onagawa-hat-jetzt-ein-Leck.html

<Das Nachbeben der Stärke 7,4 hat mindestens vier Todesopfer gefordert und das abgeschaltete AKW Onagawa beschädigt. Dort läuft Wasser aus.

Nach dem schweren Erdbeben in Japan sind im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa mehrere Lecks entdeckt worden. In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power am Freitag mit. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK waren es bis zu 3,8 Liter. Das Wasser stammt zum Teil aus Becken, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden.

Auch an anderen Stellen der Anlage sei Wasser ausgelaufen, berichtete der Betreiber. Außerdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK. Rund um den Meiler, der rund 100 Kilometer nördlich des Unglücks-AKW Fukushima 1 liegt, sei aber keine erhöhte Strahlung gemessen worden.

Nach dem heftigsten Nachbeben seit der Katastrophe am 11. März waren in dem AKW zwei der insgesamt drei äußeren Stromversorgungen ausgefallen. Das Kraftwerk ist seit dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vor vier Wochen zwar abgeschaltet. Die Brennelemente müssen aber weiter gekühlt werden. Dafür wird Strom gebraucht. Die Kühlung habe kurzzeitig ausgesetzt, funktioniere aber wieder, berichtete der Sender. Eine übriggebliebene externe Energiequelle versorge die Anlage ausreichend.

Aus dem Meiler in Onagawa trat nach dem ersten Beben Öl ins Meer aus. Es wurde von Absperrvorrichtungen eingegrenzt. Bei dem Beben vom Donnerstag gelangte nach Angaben der Küstenwache Öl aus der Absperrung. Bis Freitag sei das Leck aber wieder geschlossen worden.

Mindestens 4 Menschen wurden getötet und mindestens 140 verletzt, berichtete der Sender NHK. Das Beben, dessen Stärke laut Nachrichtenagentur dpa nach mehrfachen Korrekturen mit 7,4 angegeben wurde, löste zahlreiche Brände aus und verursachte in der Stadt Sendai mehrere Lecks im Gasversorgungsnetz. Bahnverbindungen wurden unterbrochen, vereinzelt fielen Telefonnetze aus.

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Atomsicherheitsbehörde fielen in Onagawa sowie in den Kraftwerken Rokkasho und Higashidori in der Präfektur Aomori externe Stromversorgungssysteme für Kühlanlagen aus. In jedem der betroffenen Akw liefen aber Notsysteme.

In der Präfektur Miyagi blieben über 8000 Häuser ohne Wasser und Gas, während in bis zu drei Millionen Haushalte in den Präfekturen Aomori und Akita der Strom ausfiel, da mehrere Thermalkraftwerke abgeschaltet wurden.

Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern in der Präfektur Miyagi, 66 Kilometer östlich von Sendai, das bereits bei der Katastrophe im März verwüstet worden war. Die Hauptstadt Tokio ist rund 330 Kilometer entfernt. Eine Tsunami-Warnung wurde schon eine Stunde nach dem Beben aufgehoben.

Keine neuen Schäden in Fukushima

Im Katastrophenreaktor Fukushima gab es durch das Nachbeben keine neuen Schäden, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Dort bemühten sich Arbeiter weiter, einen drohenden Super-GAU zu verhindern.

Die Kühlung der Reaktoren mit Wasser funktioniere auch nach dem Beben weiter, berichtete die Agentur Kyodo. Die Techniker seien in Sicherheit gebracht worden, verletzt worden sei niemand. Die Arbeiter sollten die Anlage nach Aufhebung der Tsunami-Warnung kontrollieren.

Es wurde nach Angaben von Tepco auch weiter Stickstoff in das Reaktorgehäuse am Block 1 eingeleitet. Die Maßnahme läuft erst seit Donnerstag. Das Gas soll das brisante Luftgemisch im Innern verdünnen und so verhindern, dass es zu neuen Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie kommt. Kyodo meldete, der Energiekonzern wolle über sechs Tage fast 6000 Kubikmeter Stickstoff zuführen. Die Reaktorblöcke 2 und 3 könnten folgen.

Mögliche Erweiterung der Evakuierungszone

Die japanische Regierung zieht inzwischen eine Erweiterung der Evakuierungszone um den Katastrophenreaktor in Erwägung. In der Presse wurde spekuliert, die Regierung könnte auch den Bewohnern außerhalb eines 30-Kilometer-Radius' um Fukushima raten, das Gebiet zu verlassen. Regierungssprecher Yukio Edano hatte am Donnerstag erklärt, Experten hätten schon Beratungen über angesammelte Strahlungswerte aufgenommen, die Grundlage für weitere Evakuierungsmaßnahmen sein könnten.

Bisher hat Tokio lediglich eine 20-Kilometer-Zone rund um den Reaktor evakuieren lassen, die Bewohner im Bereich zwischen 20 und 30 Kilometern dürfen selbst entscheiden, ob sie bleiben oder gehen wollen. Ihnen wurde lediglich empfohlen, sich nicht im Freien aufzuhalten.

Bei einem ersten Einsatz innerhalb der 20-Kilometer-Zone suchten etwa 300 Polizisten in Schutzkleidung nach Opfern der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März. Mit schwerem Gerät räumten sie Trümmer beiseite und bargen schon nach kurzer Zeit drei Tote, wie die Agentur Jiji Press berichtete. Allein in Fukushima gelten etwa 3900 Bewohner seit dem Unglück als vermisst.

dpa/dapd/Reuters/mk>

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Und jetzt droht auch in Tschernobyl ein weiteres Desaster:


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8.4.2011: Der Sarkophag des AKWs Tschernobyl droht einzustürzen - und dann droht eine radioaktive Wolke

aus: n-tv online: "Es droht eine nukleare Wolke": Ex-Direktor von Tschernobyl warnt; 8.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Ex-Direktor-von-Tschernobyl-warnt-article3057661.html

<Schon seit langem gilt der Sarkophag um den Unglücksreaktor von Tschernobyl als extrem einsturzgefährdet. Nun schlägt der ehemalige Direktor des Kernkraftwerks Alarm: Jederzeit drohe eine Kettenreaktion mit Todesgefahr.

25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat der frühere Direktor des Kernkraftwerks vor einem neuen schweren Nuklearunfall an der maroden ukrainischen Anlage gewarnt. Der damals explodierte Reaktor 4 sei in einem extrem unsicheren Zustand, sagte Michail Umanez in Kiew. Nach Angaben von Atomkritikern sind in Europa noch heute mehr als 600 Millionen Menschen gesundheitlich von der Katastrophe betroffen. In Berlin debattierte der Bundestag, welche Folgerungen aus Reaktorunglücken wie in Tschernobyl und Fukushima zu ziehen sind.

In Tschernobyl drohe jederzeit eine Kettenreaktion mit Todesgefahr, warnte der 73-jährige ehemalige Kraftwerksdirektor auf einer Greenpeace-Tagung zum Jahrestag der Katastrophe in Kiew. "Wir werden alle zu Verbrechern, wenn wir das nicht verhindern." Der damals notdürftig errichtete Sarkophag um den Reaktor gilt als einsturzgefährdet. Experten hatten eine "Lebensdauer" bis 2016 errechnet.

"Die Gefahr, dass die Metall- und Betonkonstruktion einstürzt, erhöht sich aber mit jedem Tag, weil die Radioaktivität die Materialien zersetzt", sagte Umanez. "Es droht eine neue nukleare Wolke, die auch wieder nach Westeuropa ziehen kann." Das bisher folgenreichste Unglück in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie ereignete sich am 26. April 1986.

Greenpeace auch besorgt

Auch Greenpeace-Experten sehen dringenden Handlungsbedarf. Unter der provisorischen Schutzhülle lagerten 190 Tonnen radioaktives Material, sagte der Atomphysiker Heinz Smital. "Im Fall eines Einsturzes könnten mindestens fünf Tonnen radioaktiver Staub freigesetzt werden, der beim Einatmen tödlich sein kann", sagte Smital.

Am meisten an den gesundheitlichen Folgen leiden die Aufräumarbeiter von Tschernobyl, wie aus einer am Freitag in Berlin vorgestellten Veröffentlichung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) hervor geht. Bis 2005 seien von 830 000 der sogenannten Liquidatoren zwischen 112 000 und 125 000 gestorben. Über 90 Prozent seien heute schwer krank. Sie litten nicht nur an Krebs, sondern auch an hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen. IPPNW-Mitglied Angelika Claußen sprach zudem von einem "erheblichen Anstieg" von Tot- und Fehlgeburten infolge der Katastrophe.

Vor allem Kinder erkrankten durch die Ansammlung der radioaktiven Stoffe in einigen Organen an Schilddrüsenkrebs. Viele der bösartigen Tumore würden zudem erst Jahre später entdeckt. Die Organisation bezieht sich hierbei auf eine Untersuchung von 2007, in der berechnet wurde, dass durch Tschernobyl bis 2056 knapp 240 000 zusätzliche Krebsfälle in Europa auftreten werden.

Die damaligen Aufräumarbeiter von Tschernobyl forderten die internationale Gemeinschaft zur Mitfinanzierung des seit langem geplanten "Super-Sarkophags" auf. Die verarmte ehemalige Sowjetrepublik will in diesem Monat auf einer weiteren Tschernobyl-Konferenz an die Vereinten Nationen appellieren, einen Teil der erforderlichen 1,6 Milliarden Euro aufzubringen.>


Zum selben Thema Tschernobyl kam auch diese Meldung. Man sieht: Ein AKW ist nie vorbei, auch wenn es abgeschaltet oder eingeschalt ist:


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Tschernobyl 8.4.2011: Die Radioaktivität zersetzt den Beton des Sarkophags - und es droht der Einsturz

aus: Welt online: Tschernobyl: Explodierter Reaktor 4 in extrem unsicherem Zustand; 8.4.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/article13119306/Explodierter-Reaktor-4-in-extrem-unsicherem-Zustand.html

<Der Sarkophag in Tschernobyl schützt die Welt vor Strahlen aus dem 1986 explodierten Reaktor. Doch die Radioaktivität zersetzt den Beton, warnt der Ex-Direktor des AKW.

25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat der frühere Direktor des Kernkraftwerks vor einem neuen schweren Nuklearunfall an der maroden ukrainischen Anlage gewarnt. Der damals explodierte Reaktor 4 sei in einem extrem unsicheren Zustand, sagte Michail Umanez am Freitag in Kiew. Nach Angaben von Atomkritikern sind in Europa noch heute mehr als 600 Millionen Menschen gesundheitlich von der Katastrophe betroffen. In Berlin debattierte der Bundestag, welche Folgerungen aus Reaktorunglücken wie in Tschernobyl und Fukushima zu ziehen sind.

In Tschernobyl drohe jederzeit eine Kettenreaktion mit Todesgefahr, warnte der 73-jährige ehemalige Kraftwerksdirektor auf einer Greenpeace-Tagung zum Jahrestag der Katastrophe in Kiew. „Wir werden alle zu Verbrechern, wenn wir das nicht verhindern.“ Der damals notdürftig errichtete Sarkophag um den Reaktor gilt als einsturzgefährdet. Experten hatten eine „Lebensdauer“ bis 2016 errechnet.

"Es droht eine neue Wolke"

„Die Gefahr, dass die Metall- und Betonkonstruktion einstürzt, erhöht sich aber mit jedem Tag, weil die Radioaktivität die Materialien zersetzt“, sagte Umanez. „Es droht eine neue nukleare Wolke, die auch wieder nach Westeuropa ziehen kann.“ Das bisher folgenreichste Unglück in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie ereignete sich am 26. April 1986.

Auch Greenpeace-Experten sehen dringenden Handlungsbedarf. Unter der provisorischen Schutzhülle lagerten 190 Tonnen radioaktives Material, sagte der Atomphysiker Heinz Smital . „Im Fall eines Einsturzes könnten mindestens fünf Tonnen radioaktiver Staub freigesetzt werden, der beim Einatmen tödlich sein kann.“

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte am Freitag im Bundestag, ein neuer „Atom-Konsens“ sei die richtige Lehre aus dem damaligen Reaktorunglück. Dazu gehörten eine endgültige Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke sowie die Rücknahme der im Vorjahr beschlossenen Laufzeitverlängerung. Union und FDP wandten sich gegen endgültige Entscheidungen vor Ablauf des Moratoriums. So stimmte die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag auch gegen mehrere Anträge der Opposition für einen möglichst raschen Atomausstieg.

Am meisten an den gesundheitlichen Folgen leiden die Aufräumarbeiter von Tschernobyl, wie aus einer am Freitag in Berlin vorgestellten Veröffentlichung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) hervor geht. Bis 2005 seien von 830.000 der sogenannten Liquidatoren zwischen 112.000 und 125.000 gestorben. Über 90 Prozent seien heute schwer krank. Sie litten nicht nur an Krebs, sondern auch an hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen. IPPNW-Mitglied Angelika Claußen sprach zudem von einem „erheblichen Anstieg“ von Tot- und Fehlgeburten infolge der Katastrophe.

Internationale Hilfe für Mitfinanzierung

Vor allem Kinder erkrankten durch die Ansammlung der radioaktiven Stoffe in einigen Organen an Schilddrüsenkrebs. Viele der bösartigen Tumore würden zudem erst Jahre später entdeckt. Die Organisation bezieht sich hierbei auf eine Untersuchung von 2007, in der berechnet wurde, dass durch Tschernobyl bis 2056 knapp 240.000 zusätzliche Krebsfälle in Europa auftreten werden.

Die damaligen Aufräumarbeiter von Tschernobyl forderten die internationale Gemeinschaft zur Mitfinanzierung des seit langem geplanten „Super-Sarkophags“ auf. Die verarmte ehemalige Sowjetrepublik will in diesem Monat auf einer weiteren Tschernobyl-Konferenz an die Vereinten Nationen appellieren, einen Teil der erforderlichen 1,6 Milliarden Euro aufzubringen.

dpa/bas>

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Und in der Schweiz schützt die korrupte Justiz das alte und gefährliche Ramsch-AKW Mühleberg:


Basler Zeitung online, Logo

Schweiz 8.4.2011: Die korrupte schweizer Justiz fühlt sich für das alte und gefährliche Ramsch-AKW Mühleberg nicht zuständig - Verfahren beim  Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi)

aus: Basler Zeitung online: Mühleberg-Gegner blitzen vor Gericht ab; 8.4.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/MuehlebergGegner-blitzen-vor-Gericht-ab/story/24149216

<Die Gegner des AKW Mühleberg sind vor dem Bundesverwaltungsgericht mit ihrer Forderung nach einer Abschaltung des Reaktors erfolglos geblieben. Die Richter in Bern sind auf ihr Ersuchen gar nicht erst eingetreten.

Das Gesuch um Abschaltung des AKW in Mühleberg blieb erfolglos.

Beim Bundesverwaltungsgericht sind gegenwärtig Beschwerden gegen die befristete Betriebsbewilligung für das KKW Mühleberg hängig. Nach den jüngsten Geschehnissen in japanischen Kernkraftwerken hatten Beschwerdeführer beim Gericht ein Gesuch um Anordnung einer vorsorglichen Abschaltung des KKW gestellt.

Die Richter in Bern sind darauf nun gar nicht erst eingetreten. Laut ihrer Verfügung vom 6. April geht das Gesuch um vorsorgliche Ausserbetriebnahme des Atomkraftwerks über den Gegenstand des Beschwerdeverfahrens hinaus. Ein entsprechendes Verfahren laufe aber beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Sicherheitsfragen im KKW Mühleberg

Damit stellt sich laut Gericht allerdings die Frage, ob das bei ihm hängige Beschwerdeverfahren vorläufig auf Eis gelegt werden soll. Die Streitparteien erhalten eine bis zum 2. Mai verlängerte Frist, sich zur allfälligen Sistierung zu äussern.

Wie das Bundesverwaltungsgericht weiter festhält, hat es beim Ensi Informationen verlangt zu allen aufgrund der Ereignisse in Japan eingeleiteten und laufenden Abklärungen, Massnahmen und Anordnungen zu Sicherheitsfragen im KKW Mühleberg.

Entgegen der Annahme der Mühleberg-Gegner fordere das Gericht vom Ensi damit allerdings keine aktualisierte Sicherheitsbeurteilung für das KKW Mühleberg. Es gehe lediglich um Auskünfte für die Zeitplanung.

(mau/sda)>

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20 minuten online, Logo

9.4.2011: Stromproblem - Stickstoffaktion in Fukushima 1 - verstrahltes Wasser wird weiter ins Meer geleitet - China stoppt Lebensmittelimporte - 10-Jahres-Plan zum Abbau der Meiler 1 bis 4 von Fukusima 1

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: 260.000 Haushalte ohne Strom; 9.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/260-000-Haushalte-ohne-Strom-10760828

<Viele Haushalte sind nach dem Nachbeben von Freitag ohne Strom und Gas. Die radioaktive Verseuchung des Meerwassers vor der havarierten Atomanlage Fukushima ist nach einem Medienbericht angestiegen.
Nach dem neuerlichen Erdbeben im Nordosten Japans waren am Samstag in dem betroffenen Gebiet noch immer

260 000 Menschen ohne Strom. Betroffen seien die Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima, teilte die Polizei mit. Zahlreiche Haushalte waren weiter von der Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten

Die Erdstösse der Stärke 7,1 in der Nacht von Donnerstag auf Freitag waren die bisher schwersten nach dem Mega-Beben vom 11. März. In vier Millionen Haushalten gingen die Lichter aus. Mehrere Atomreaktoren waren zeitweise ausgefallen.

Im Atomkraftwerk Fukushima pumpten Arbeiter am Samstag weiter Stickstoff in die Kammer eines Reaktors. Damit soll das Risiko einer Wasserstoffexplosion verringert werden.

Ausserdem leitete die Betreiberfirma Tepco weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Damit soll Platz für die Lagerung stärker verstrahlten Wassers geschaffen werden. Die Arbeiten sollen am Sonntag abgeschlossen werden.

Ursprünglich sollte bereits ab Samstag kein verseuchtes Wasser mehr ins Meer abgelassen werden. Die Arbeiten waren aber durch das neue Erdbeben zurückgeworfen worden.

China verbietet Lebensmitteleinfuhren

China hat Lebensmitteleinfuhren aus zwölf Gebieten in der Nähe des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima verboten. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmassnahme, um zu verhindern, dass verstrahlte Lebensmittel ins Land gelangen, berichtete am Samstag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Importe aus anderen Teilen Japans würden zudem auf Radioaktivität getestet. Alle Produkte müssten eine Bescheinigung haben, wo sie hergestellt wurden. Radioaktive Teilchen, die aus Fukushima stammten, wurden in vielen Teilen Chinas nachgewiesen.

«Lebensmittel sicher»

Auf internationalen Parkett will die japanische Regierung Ängste der Nachbarn vor radioaktiv-belasteten Nahrungsmittel nehmen. Die Lebensmittel aus Japan seien trotz aller Probleme weiter sicher.

Darauf will der japanische Aussenminister Takeaki Matsumoto am Samstag auf einm Ministertreffen der südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN in Jakarta hinweisen. Dies berichtete der staatliche japanische Fernsehsender NHK. In der indonesischen Hauptstadt soll über ASEAN-Hilfen für Japan diskutiert werden.

Der japanische Atomkraftwerkbauer Toshiba schlug der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge unterdessen einen Zehnjahresplan zur Stilllegung von vier der sechs bei dem Erdbeben am 11. März beschädigten Fukushima-Reaktoren vor. Die Regierung hatte allerdings zuletzt erklärt, für einen konkreten Fahrplan aus der Atomkrise sei es noch zu früh.

Japan war vor vier Wochen von einem starken Beben und einem anschliessenden Tsunami schwer getroffen worden. Die Zahl der Opfer der Naturkatastrophe vom 11. März wurde am Samstag von der Polizei mit 12 876 angegeben. Vermisst würden 14 865 Menschen.

(sda)>

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n-tv online, Logo

9.4.2011: <25 Jahre nach Tschernobyl: 600 Millionen leiden an Folgen> - so die These der IPPNW

IPPNW = International Physicians for the Prevention of Nuclear War

aus: n-tv online; 9.4.2011; http://www.n-tv.de/wissen/600-Millionen-leiden-an-Folgen-article3062516.html

<Die Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl jährt sich am 26. April zum 25. Mal. Bis heute sind nach Angaben von Atomkritikern mehr als 600 Millionen Menschen in Europa gesundheitlich betroffen. Das ergebe eine Untersuchung, die mehrere Studien zu den Folgen des Unglücks auswertet.

Über 600 Millionen Menschen in Europa sollen nach Angaben von Atomkritikern gesundheitlich von der Katastrophe in Tschernobyl betroffen sein. Das geht aus einer Veröffentlichung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) hervor, die am Freitag zu Beginn eines Tschernobyl-Kongresses in Berlin vorgestellt wurde. Darin wurden mehrere Studien zu den Folgen des Unglücks vor 25 Jahren zusammengefasst.

Frauen halten während einer Gedenkveranstaltung in Kiew Bilder ihrer Verwandten, die sie durch das Unglück in Tschernobyl verloren haben. (Archivbild vom 26.04.2010)

Bei den ausgewählten Studien handele es sich um "methodisch saubere und prinzipiell nachvollziehbare Analysen", heißt es in dem Bericht. Es wurden allerdings auch Untersuchungen mit einbezogen, die nicht von externen Gutachtern überprüft wurden, also den "Peer-Review-Prozess" von Fachzeitschriften durchlaufen haben.

Angaben zu den gesundheitlichen Folgen und Opferzahlen der Tschernobyl-Katastrophe schwanken extrem - sie sind eine Definitions- und Glaubensfrage. Auch die IPPNW räumen ein, dass das bisherige Wissen einem Mosaik gleiche, dem viele Steine fehlten.

Auch geringe Strahlendosen schädlich

Die IPPNW gehen davon aus, dass sich auch sehr geringe Strahlendosen über einen langen Zeitraum negativ auf die Gesundheit auswirken und etwa zu genetischen Schäden führen können. Einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge würden 600 Millionen der europäischen Bevölkerung in geringer strahlenbelasteten Gebieten leben - und somit den Angaben zufolge auch gesundheitlich an der Radioaktivität leiden.

Am meisten an den Folgen einer besonders hohen Verstrahlung leiden demnach die Aufräumarbeiter: Bis 2005 seien von 830.000 der sogenannten Liquidatoren zwischen 112 000 und 125 000 gestorben. Über 90 Prozent seien heute schwer krank. Sie würden nicht nur an Krebs leiden, sondern auch an hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen. "Das sind Menschen, die multimorbide sind", sagte IPPNW-Mitglied Angelika Claußen.

Vor allem Kinder würden durch die Ansammlung der radioaktiven Stoffe in einigen Organen an Schilddrüsenkrebs erkranken. Viele der bösartigen Tumore würden zudem erst Jahre später entdeckt. Die Organisation bezieht sich hierbei auf eine Untersuchung von 2007, in der berechnet wurde, dass durch Tschernobyl bis 2056 knapp 240.000 zusätzliche Krebsfälle in Europa auftreten werden.

Am 26. April 1986 war es im Kernkraftwerk Tschernobyl aufgrund von Bedienungsfehlern und Sicherheitsmängeln zu einem schweren Unfall gekommen, in dessen Folge sich eine radioaktive Wolke über weite Teile Europas ausbreitete.

dpa>

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Schweiz 9.4.2011: Delegiertenversammlung der Grünen beschliesst eine Initiative, AKWs in der Schweiz zu verbieten

aus: 20 minuten online: GV der Grünen: Eine Schweiz ohne AKW; 9.4.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Eine-Schweiz-ohne-AKW-15073547

<AKW sollen in der Schweizer Verfassung verboten werden. Eine Initiative mit diesem Inhalt haben die Delegierten der Grünen Schweiz in Basel einstimmig lanciert.

Parteipräsident Ueli Leuenberger an der GV in Basel.

AKW sollen in der Schweizer Verfassung verboten werden. Eine Initiative mit diesem Inhalt haben die Delegierten der Grünen Schweiz am Samstag in Basel einstimmig lanciert. Erste bestehende AKW wären ein Jahr nach der Annahme an der Urne abzuschalten.

Die Bundesverfassung soll gemäss Volksinitiative konkret Atomkraft zur Erzeugung von Strom und Wärme verbieten - medizinische Anwendungen und Forschung sollen erlaubt bleiben. Die Ausführungsgesetzgebung solle stattdessen auf Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien setzen.

Die Initiative sieht die definitive Ausserbetriebnahme von Mühleberg und beiden Beznauer Meilern ein Jahr nach dem Ja an der Urne vor. Gösgen und Leibstadt müssten nach vierzig Jahren Betrieb vom Netz, also 2019 und 2024. Der Text lässt zur Wahrung der nuklearen Sicherheit überdies ein früheres Aus offen.

«3 E» Einsparen, Effizienz und Erneuerbare

Die Grünen wollen Atomenergie mit der «3 E»-Dreisäulen-Strategie mit Einsparen/Effizienz/Erneuerbaren ersetzen, wie der Grüne Genfer Ständerat Robert Cramer erläuterte. Bei heute 66 Terawattstunden Verbrauch jährlich und 81 TWh 2024 sei das machbar: Allein 19 TWh seien einsparbar, dazu kämen KVA-/ARA-Gas, Wind, Geothermie, Biomasse und -Gas, Sonne, WKK-Anlagen und Wasserkraft.

In der Diskussion kamen auch einzelne kritische Bemerkungen: Zwei Delegierte monierten als leicht heuchlerisch, Schweizer AKW abzuschalten und nachts mit ausländischem Atomstrom die Pumpspeicher- Stauseen zu füllen. Das solle man doch per Verfassung oder Gesetz verhindern mit der Initiative.

Anregungen für Ergänzungen des Initiativtextes fanden jedoch wenig Sukkurs. Cramer warnte, das Volksbegehren nicht zu überladen: Man solle schnell die Unterschriften sammeln, damit die AKW schnell abgeschaltet werden. Das unterstützten auch weitere Voten.

(sda)>

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9.4.2011: <AKW Fukushima: Stahlbarriere soll Meeresverseuchung aufhalten>

aus: Spiegel online; 9.4.2011; http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,756017,00.html

<Tausende Tonnen radioaktives Wasser hat Fukushima-Betreiber Tepco ins Meer geleitet, ein gefährliches Leck wurde erst nach Tagen geflickt. Eine 120 Meter breite Stahlbarriere soll in der Bucht vor dem AKW eine weitere Verseuchung des Ozeans verhindern.

Tokio - Tagelang sprudelte radioaktive Brühe aus einem Leck im AKW Fukushima ins Meer, zudem ließ Kraftwerksbetreiber Tepco Tausende Tonnen kontaminiertes Wasser in den Ozean leiten. Nun soll eine Barriere aus Stahl und Schlamm eine weitere Verseuchung des Pazifiks verhindern. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo begann Tepco am Samstag, eine 120 Meter breite Absperrung in der Bucht vor dem Unglücks-AKW zu errichten.

Den Angaben zufolge soll ein Zulauf vor Reaktor 2 von der Barriere umschlossen werden. Arbeitern des Energiekonzerns war es erst nach mehreren gescheiterten Versuchen am Mittwoch gelungen, ein Leck abzudichten, durch das hochradioaktives Wasser in den Pazifik strömte.

Trotz Protesten aus dem Ausland - unter anderem aus China - kündigte Japan an, noch einen Tag länger kontaminiertes Wasser ins Meer zu pumpen. Dadurch soll in den Tanks Platz geschaffen werden für stärker verstrahltes Wasser. Ursprünglich sollte die Aktion am Samstag abgeschlossen werden, doch durch ein schweres Nachbeben am Donnerstag verzögerten sich die Arbeiten. Laut Kyodo hofft Tepco angesichts der wachsenden Bedenken von Umweltschützern, dass die Barriere eine Ausbreitung des radioaktiven Wassers über die Bucht vor dem AKW hinaus verhindert.

Die Radioaktivität des Meerwassers war laut einem Bericht des Fernsehsenders NHK zuletzt weiter angestiegen. Tepco teilte demnach mit, dass am Donnerstag nördlich des AKW 110 Becquerel des radioaktiven Jods 131 pro Kubikzentimeter festgestellt wurden. Diese Zahl liege 2800-mal höher als der Grenzwert. Am selben Ort seien am Dienstag das 600fache und am Mittwoch das 1000fache des Grenzwertes registriert worden. Die Atomsicherheitsbehörde Nisa wies Tepco an, seine Kontrollen zu verstärken, um eine mögliche Belastung des Pazifiks abzuklären.

Bargeld in Millionenhöhe gefunden

China hat wegen der hohen Radioaktivität Lebensmittelimporte aus zwölf Gebieten in der Nähe des AKW Fukushima verboten. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass verstrahlte Lebensmittel ins Land gelangen, berichtete am Samstag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Einfuhren aus anderen Teilen Japans würden zudem auf Radioaktivität getestet. Alle Produkte müssten eine Bescheinigung über den Herstellungsort haben.

In der Katastrophenregion an der Ostküste haben Japaner laut einem Kyodo-Bericht Bargeld in Millionenhöhe gefunden. Allein in den nordöstlichen Präfekturen Iwate und Miyagi seien täglich Hunderte Wertgegenstände bei der Polizei abgegeben worden, darunter Portemonnaies mit Geld.

Weil die Behörden es in den meisten Fällen für unmöglich halten, die Besitzer aufzuspüren, fordern Überlebende, das Geld zum Wiederaufbau der verwüsteten Regionen zu verwenden. Nach japanischem Recht können Finder die Stücke behalten, sofern die Besitzer nicht innerhalb von drei Monaten zu ermitteln sind.

hut/dpa/Reuters>


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10.4.2011: Demo von knapp 4000 Leuten gegen das Uralt-AKW Fessenheim

aus: n-tv online: Grenzübergreifende Demonstration: Tausende gegen AKW Fessenheim; 10.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Tausende-gegen-AKW-Fessenheim-article3069466.html

<Knapp 4000 Menschen haben gegen das französische Atomkraftwerk Fessenheim am Oberrhein protestiert und seine sofortige Abschaltung gefordert. Auf Plakaten forderten die Demonstranten aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz das "Ende der nuklearen Ära". Viele der Atomkraftgegner kamen mit dem Fahrrad zu der Kundgebung und nahmen vorher an einem Picknick am Rheinufer teil, die Stimmung war größtenteils volksfestartig.

Umweltschützer auf beiden Seiten des Rheins verlangen seit Jahren die Schließung des pannenanfälligen ältesten französischen Atomkraftwerkes, das am Rheinkanal unmittelbar an der deutschen Grenze liegt. Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vor einem Monat fordern nun auch mehrere schweizerische Kantone die Stilllegung des AKW.

Die Atomkraftgegner verweisen auf das bekannte Erdbebenrisiko am Oberrhein sowie die Gefahr eines Deichbruchs beziehungsweise einer Überschwemmung am Rheinkanal. Der französische Stromriese und Kraftwerksbetreiber EDF hat für Reaktorblock Fessenheim 1 eine Verlängerung der Laufzeit um zehn Jahre beantragt. Eigentlich wollte die Atomaufsicht darüber im März entscheiden; nach dem Atomunfall in Japan wurde dies nun auf Juni verschoben.

Die beiden Druckwasserreaktoren von Fessenheim wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen. Kürzlich hatte sich abermals eine Panne ereignet. Es sei ein "Bedienungsfehler" gemacht worden, als der Reaktor 1 nach Wartungsarbeiten wieder hochgefahren werden sollte, teilte die Werksleitung mit. Die deutsche Umweltschutzorganisation BUND berichtete von erhöhter Strahlung, die an deutschen Messstellen östlich von Fessenheim gemessen worden sei.

AFP>


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Skandal von Frau Merkel 10.4.2011: Merkel-Regierung unterstützt weiterhin den AKW-Bau im Ausland

aus: gmx Nachrichten: Bund hilft bei Bau ausländischer Atomkraftwerke; 10.4.2011;
http://www.gmx.net/themen/finanzen/wirtschaft/327h7x8-bund-foerdert-akw-im-ausland?CUSTOMERNO=21628409&t=de1040019779.1305402470.b570dc5e

<Berlin (dpa) - Die Bundesregierung fördert über Exportbürgschaften trotz ihres Atom-Moratoriums weiterhin den Bau von Kernkraftwerken im Ausland.


weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/finanzen/wirtschaft/327h7x8-bund-foerdert-akw-im-ausland#.A1000146
Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Niema Movassat ergibt nach einem "Spiegel"-Bericht, dass Schwarz-Gelb seit Amtsantritt 2009 entsprechende deutsche Ausfuhren in Höhe von mehr als 1,3 Milliarden Euro durch Bürgschaften abgesichert hat. Größter Brocken sei eine Garantie für den Bau des Reaktors Angra 3 in Brasilien, der in einem Erdbebengebiet liegt. Auch für Neubauvorhaben in China habe der Bund die Deckung von Ausfallrisiken zugesagt.

weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/finanzen/wirtschaft/327h7x8-bund-foerdert-akw-im-ausland#.A1000146


Auf die Frage Movassats, ob Berlin für die Dauer des inländischen Moratoriums auch die Exportförderung auf Eis lege, antwortete das Wirtschaftsministerium laut Magazin ausweichend: Die Bundesregierung werde über das weitere Vorgehen bei den Exportkreditgarantien "im Lichte der Entwicklungen und entsprechend der rechtlichen Rahmenbedingungen entscheiden".

Nach einer Mitteilung des Kampagnennetzwerkes Campact haben binnen weniger Tage schon mehr als 110 000 Menschen im Internet an die Bundesregierung appelliert, den Bau des Atomkraftwerkes Angra 3 in Brasilien nicht abzusichern. "Das ist ein Test für die Glaubwürdigkeit des neuen schwarz-gelben Kurses in der Atompolitik", sagt Fritz Mielert von Campact. "Wenn die Bundesregierung wirklich aus der Atomkraft aussteigen will, darf sie nicht gleichzeitig den Bau von Atomkraftwerken in anderen Ländern fördern."

Eberhard Heise vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac sagte: "Der Staat fördert hier mit Steuermitteln den Export einer menschenverachtenden Technologie in Schwellenländer - zugunsten der am Bau beteiligten Atomkonzerne. Das lehnen wir strikt ab." Der Online-Appell wurde von Campact, Attac und der Umweltorganisation Urgewald gemeinsam initiiert.>


weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/finanzen/wirtschaft/327h7x8-bund-foerdert-akw-im-ausland#.A1000146

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Fukushima 1 am 11.4.2011: Evakuierungszone wird auf 30 km ausgeweitet

aus: n-tv online: Schweres Nachbeben erschüttert Japan - Evakuierungszone wird grösser; 11.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Evakuierungszone-wird-groesser-article3070921.html

<Genau ein Monat nach dem verheerenden Erdbeben wird Japan erneut von einem schweren Beben erschüttert. Wegen der erhöhten Radioaktivität rund um die Atomruine Fukushima beschließen die Behörden, die Evakuierungszone auszuweiten. Kinder, Schwangere und Kranke sollen sich mindestens 30 Kilometer von Fukushima entfernt aufhalten. Im ganzen Land gedenken die Japaner indes der Opfer.

Die japanische Regierung wird die Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima nun doch ausweiten. Das kündigte Regierungssprecher Yukio Edano in Tokio an. Gegenden, in denen die gemessene Strahlenbelastung 20 Millisievert pro Jahr erreichen könnte, sollten nun ebenfalls evakuiert werden. Bisher betrug der Evakuierungsradius 20 Kilometer.

Der Regierungssprecher verwies unter anderem auf den Ort Iitate, der 40 Kilometer von dem zerstörten Kernkraftwerk entfernt liegt. Die Gebiete sollten innerhalb eines Monats evakuiert werden. Es sei nicht nötig, sofort zu handeln. Edano riet Kindern, Schwangeren und Kranken, sich nicht näher als 30 Kilometer dem AKW zu nähern.

Trotz eindringlicher Appelle lehnte Japans Regierung eine Ausweitung der Evakuierungszone bislang ab. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte eine Ausweitung auf 40 Kilometer, um die Bevölkerung vor Strahlen zu schützen. Die USA und Australien empfahlen ihren Bürgern, sich mindestens 80 Kilometer fernzuhalten.

Weiteres schweres Nachbeben

Genau einen Monat nach der Naturkatastrophe erschütterte ein schweres Nachbeben erneut den Nordosten und Osten Japans. Die Behörden gaben eine Tsunami-Warnung für die Pazifikküste aus. Bereits kurz nach der Erschütterung wurden Flutwellen von einem halben Meter in der Provinz Ibaraki gemessen. Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten Häuser stark ins Schwanken.Auf Live-Bildern des japanischen Fernsehsenders NHK war ein Feuer in der Stadt Iwaki zu sehen.

Das Erdbebenzentrum lag in der Provinz Fukushima, wo auch das havarierte Atomkraftwerk liegt. Wie der Betreiber Tepco mitteilte, fiel der Strom für die Pumpen zum Kühlen der Reaktoren 1, 2 und 3 für 50 Minuten aus. Die Stromversorgung konnte nach Angaben eines Sprechers der Atomaufsichtsbehörde jedoch wieder hergestellt werden. Zunächst hatte es geheißen, es gebe keine Auswirkungen auf das AKW. Die Arbeiter seien aber aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Trauer um die Opfer

Mit einer Schweigeminute gedachten die Japaner der Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe. Rettungskräfte und Überlebende hielten im Nordosten des Landes eine Minute inne, wie Fernsehbilder zeigten. Um 14.46 Uhr (Ortszeit; 07.46 MESZ), dem Zeitpunkt, als am 11. März das Erdbeben der Stärke 9,0 die Region erschütterte, ertönten zudem Sirenen.

In der zerstörten Stadt Kesennuma unterbrachen Soldaten ihre Suche nach in den Trümmern verschütteten Opfern. Die Soldaten legten ihr Arbeitsgerät nieder und nahmen ihre Helme, Handschuhe und Schutzmasken ab, um der Toten zu gedenken. Seit der Katastrophe gelten fast 28.000 Menschen als tot oder vermisst.

Japans Regierungschef Naoto Kan bedankte sich für die internationale Unterstützung nach der Naturkatastrophe. In einem mit dem Titel "Vielen Dank für die Bande der Freundschaft" überschriebenen Brief, der in mehreren großen Tageszeitungen weltweit veröffentlicht wurde, schreibt Kan, Menschen aus aller Welt hätten den Japanern Hoffnung gebracht und Mut gemacht. "Ich möchte jedem Land, jeder Organisation und Ihnen persönlich von tiefstem Herzen danken." Nach dem Beben und dem Tsunami habe es in der betroffenen Region weder Essen, noch Wasser, noch Strom gegeben. In dieser Zeit der "Verzweiflung" hätten Menschen aus aller Welt geholfen.

Tepco-Chef taucht wieder auf

Der Chef des Atombetreibers Tepco, Masataka Shimizu, reiste in die Provinz Fukushima, um sich bei der lokalen Regierung zu entschuldigen. Gouverneur Yuhei Sato weigerte sich jedoch laut Medien, ihn zu sehen. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Gouverneur von Fukushima ein Treffen mit Shimizu ablehnt. Der Tepco-Chef wird scharf kritisiert, da er sich zwei Tage nach Beginn der Katastrophe offiziell wegen Unwohlseins zurückgezogen hatte und seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen war.

Unterdessen setzten Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima die Vorbereitungen zum Abpumpen radioaktiv verseuchten Wassers fort. Zunächst sollen Auffangbehälter überprüft werden, aus denen in den vergangenen Tagen relativ schwach verstrahltes Wasser ins Meer abgeleitet wurde. Die Arbeiter wollten sicherstellen, dass sich dort keine Überreste mehr befinden.

Mit Hilfe von Schläuchen und Pumpen will der Betreiber Tepco so schnell wie möglich Millionen Liter radioaktive Brühe aus der Anlage pumpen und in eine Entsorgungsanlage bringen. Japans Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda sagte nach einem Besuch in dem Krisen-AKW, dies müsse möglichst schnell geschehen. Kyodo berichtete, es werde aber noch dauern, bis mit dem Abpumpen begonnen werden könne.

Nach dem Beben und dem Tsunami war die Stromversorgung ausgefallen. Das Kühlsystem versagte, seitdem wird dafür Wasser in die Anlage geleitet. Das nun verstrahlte Wasser erschwert jedoch die Bemühungen, die Anlage zu stabilisieren. Ein Arbeiter musste ins Krankenhaus gebracht werden. Er hatte über Übelkeit geklagt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Der Mann war dem Bericht zufolge aber bei Bewusstsein. Tepco sagte, er sei überarbeitet gewesen. Der Techniker war gerade dabei, im Reaktor 2 einen Schlauch zu verlegen.

dpa/AFP/rts>


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12.4.2011: <Super-GAU in Fukushima offiziell - Experten versuchen zu beruhigen>

aus: n-tv online; 12.4.2011; http://www.n-tv.de/panorama/Experten-versuchen-zu-beruhigen-article3087446.html

<Eine so seltene Katastrophe wie die am AKW Fukushima wirft Fragen auf, die auch Experten nicht befriedigend beantworten können. Es gibt zu wenig Erfahrungswerte. Die Internationale Atomenergiebehörde setzt daher auf eine Beruhigungstaktik. Zwar sei Fukushima ein Super-GAU, aber nicht ein ganz so schlimmer wie Tschernobyl.

Trotz der Hochstufung des Atomunfalls in Japan auf die höchste Gefahrenstufe sieht die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gravierende Unterschiede zu dem bislang schwersten Atomunfall der Geschichte in Tschernobyl. Das Ausmaß der radioaktiven Strahlung und die Messwerte von Tschernobyl unterschieden sich erheblich von der Situation am japanischen Akw Fukushima, sagte der Chef für Nuklearsicherheit der IAEA, Denis Flory. Die japanischen Behörden hatten den Atomunfall zuvor auf die höchste Stufe 7 der internationalen Bewertungsskala hochgestuft, in die auch die Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren eingeordnet worden war.

Mit der Hochstufung des Atomunfalls in Japan wird die Reaktorkatastrophe als "gravierender Unfall" mit "weitreichenden Folgen für Gesundheit und Umwelt" bewertet. Die Hochstufung erfolgte auf Basis der gesamten ausgetretenen Radioaktivität, die nach japanischen Angaben einem Zehntel der ausgewichenen Strahlung von Tschernobyl entspricht. Laut IAEA gehen die japanischen Behörden davon aus, dass bislang insgesamt 370.000 Terrabecquerel Radioaktivität entwichen ist. In Tschernobyl lag der Wert dagegen bei 5,2 Millionen Terrabecquerel.

Die IAEA hatte wiederholt erklärt, dass die Tschernobyl-Katastrophe auf menschliches Versagen und Konstruktionsfehler zurückzuführen war, während die Krise in Fukushima durch ein beispielloses Erdbeben und anschließenden Tsunami ausgelöst wurde. "Die Mechanismen des Unfalls sind sehr anders", sagte Flory. Der Reaktor in Tschernobyl habe im Gegensatz zu Fukushima keinen Reaktorbehälter gehabt. Dieser sei in Fukushima trotz mehrerer Explosionen noch immer intakt. Zudem hätten sich die japanischen Reaktoren automatisch abgeschaltet. Flory fügte hinzu, dass die japanischen Behörden in ihrem Krisenmanagement nicht anders gehandelt hätten, wenn der Unfall früher hochgestuft worden wäre.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, dass das Gesundheitsrisiko außerhalb der Sperrzone seit der Hochstufung nicht gestiegen sei. Die ergriffenen Maßnahmen erschienen zudem derzeit ausreichend, sagte ein WHO-Sprecher. Niemand befinde sich noch in der Sperrzone. Auch der Leiter des Lehrstuhls für Reaktorsicherheit und -technik an der RWTH Aachen, Professor Hans-Josef Allelein, ist dennoch weiter der Ansicht, dass der Unfall im Nordosten Japans noch nicht ganz so gefährlich ist wie Tschernobyl.

Er und andere Fachleute weisen auf einen großen Unterschied hin: 1986 habe es in der Ukraine - anders als in Japan - eine heftige Explosion gegeben, die das radioaktive Material hoch in die Atmosphäre geschleudert habe. "Mit der unschönen Konsequenz, dass wir verhältnismäßig hohe Werte auch über Europa weit verstreut gemessen haben und teilweise immer noch messen." In Japan seien dagegen noch rund 90 Prozent der radioaktiven Stoffe in den Anlagen und könnten vielleicht größtenteils sicher eingeschlossen werden, sagte Allelein. Möglicherweise rechnet die japanische Regierung jedoch nicht mehr mit dieser Möglichkeit und setzte die Gefahrenstufe deshalb hinauf.

Horst May von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit sieht anders als Allelein alle Kriterien für Warnstufe 7 inzwischen erfüllt: "Nur über mögliche gesundheitliche Spätschäden lässt sich noch nichts sagen." Zu diesem Schluss kommt auch das Bundesamt für Strahlenschutz.

Wieder ein Feuer

Gut vier Wochen nach dem Beginn der Katastrophe stoppten unterdessen erneut starke Nachbeben kurzzeitig die Arbeit der Einsatzkräfte am AKW. Auch ein Brand an einer elektrischen Schaltanlage in der Nähe des Kühlwasserauslaufs für die Blöcke 1 bis 4 machte Probleme, konnte jedoch gelöscht werden.

Japans Regierungschef Naoto Kan sah auch Fortschritte im Kampf gegen einen möglichen Super-GAU. Die Lage im havarierten Atomkraftwerk "stabilisiert sich Schritt für Schritt", sagte Kan. Er bekräftigte, es gebe keine Pläne, die japanischen Atomkraftwerke sofort abzuschalten.

Die verhängte höchste Gefahrenstufe ist für die philippinische Regierung Anlass für Evakuierungsflüge. Sie will rund 2000 Landsleute, die im Umkreis von 100 Kilometern um das beschädigte Atomkraftwerk leben, nach Hause fliegen. Andere Länder folgten dem zunächst nicht. Auch das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte seine Reisewarnung nicht. Derzeit gilt eine teilweise Reisewarnung für Japan, die die Regionen Fukushima und Umgebung betrifft.

dpa/AFP/rts>

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n-tv online, Logo

12.4.2011: <Trotz Super-GAU alles unbedenklich? - Japans Regierung beschwichtigt>

aus: n-tv online; 12.4.2011; http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Japans-Regierung-beschwichtigt-article3087006.html

<Japan hebt das Ausmaß des Atomunfalls in Fukushima auf die höchste Gefahrenstufe sieben an. Die Katastrophe gilt damit als so schwerwiegend wie der Reaktorunfall in Tschernobyl. Bei den Japaner wächst die Sorge um ihre Gesundheit immer mehr. Die Botschaft der japanischen Regierung: alles unbedenklich.>


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Basler Zeitung online, Logo

Fukushima 1 am 12.4.2011: Es soll ein Super-GAU sein, aber ohne Folgen

aus: Basler Zeitung online: "Das ist so gut"; 12.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Das-ist-so-gut/story/11225553

<Seit heute stuft Japan die nukleare Krise in Fukushima als ebenso schwer ein, wie Tschernobyl. Gleichzeitig versucht die Regierung mit fragwürdigen PR-Aktionen Normalität zu demonstrieren.

[Es werden wacker verstrahlte Früchte und Fische gegessen]

[Die Texte der Bilderstrecke]:
1. Demonstrativer Verzehr von Gemüse aus verstrahltem Gebiet: Regierungssprecher Yukio Edano (rechts) beisst in eine Erdbeere.
2. Der Alltag in Tokio: Ungewöhnlich dunkel: Das Ausgangsviertel Shibuya.
3. Im Elektronikviertel Akihabara sind die Neonlichter ausgegangen.
4. Lichter aus: Um Strom zu sparen, schalten die Einkaufshäuser im Ginza-Viertel die Lichter ab.
5. Im Einkaufsviertel Ginza ist es ruhiger geworden.
6. In den 24-Stunden-Minimärkten ist Mineralwasser begehrt.
7. Gemüse und andere Produkte sind aber reichlich vorhanden.
8. Fertigprodukte und Mineralwasser werden regelmässig leergekauft.
9. Auf dem grössten Fischmarkt der Welt, Tsukiji, wird weiterhin fleissig Fisch verkauft.
10. Im Ueno-Park in Tokio blühen die Kirschblüten. Die Regierung hat die Bewohner gebeten, bei Feierlichkeiten Zurückhaltung zu üben.
11. Die andere Seite: In einer Sporthalle in Tokio wurden Flüchtlinge aus der Krisenregion untergebracht.

[Es soll ein Super-GAU sein, aber ohne Folgen]

Rund einen Monat nach Beginn der nuklearen Krise stuft die japanische Regierung den Atomunfall von Fukushima offiziell als ebenso schwer ein wie das Reaktorunglück in Tschernobyl. Die Atomsicherheitsbehörde (Nisa) erklärte am Dienstag in Tokio, das Unglück werde nun auf der Internationalen Bewertungsskala auf der höchsten Gefahrenstufe 7 eingeordnet. Bislang galt noch Stufe 5.

«Wir haben die Einstufung der Schwere (des Unglücks) auf sieben angehoben, weil die Auswirkungen der Strahlung umfassend sind, in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser», sagte Nisa-Sprecher Minoru Oogado. Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt wurde.

Ministerpräsident Naoto Kan bemühte sich unterdessen um Beruhigung. Er rief die Bevölkerung auf, nicht in Panik zu geraten und sich stattdessen auf die Erholung von der Katastrophe zu konzentrieren. «Die Situation der Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima hat sich jetzt Schritt für Schritt stabilisiert», sagte Kan in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. «Die Menge der austretenden Radioaktivität ist rückläufig.»

Edano dementiert direkte Gesundheitsschäden durch Strahlung

Regierungssprecher Yukio Edano sprach heute von einem «extrem schweren Unglück» in Fukushima. «Wir bedauern es gegenüber der Öffentlichkeit, den Anwohnern des Kraftwerks und der internationalen Gemeinschaft ausserordentlich, einen solchen Unfall verursacht zu haben», sagte Edano. Der Regierungssprecher erklärte jedoch, dass keine direkten Gesundheitsschäden zu befürchten seien. «Der Unfall selbst war sehr schwer. Wir haben jedoch die Priorität darauf gelegt, Gesundheitsschäden zu vermeiden», sagte Edano zu Journalisten.

Gleichzeitig läuft in Japan eine eigentliche PR-Tour für Produkte, die aus der verstrahlten Region stammen. Als Zeichen der Solidarität mit den durch den Atomunfall von Fukushima betroffenen Bauern ist heute in Tokio Obst und Gemüse aus der Region auf einem eigens dafür eingerichteten Markt verkauft worden. Die Waren fanden reissenden Absatz, wie eine AFP-Journalistin berichtete. «Die Produkte vom Bauernhof wurden innerhalb einer Stunde gekauft», freute sich der Vertreter der Stadt Iwaki, Hiroyuki Watanabe, die die Aktion organisiert hatte. Alle angebotenen Obst- und Gemüsesorten seien getestet worden, um sicherzugehen, dass sie nicht radioaktiv belastet seien.

Demonstrativer Verkauf von Gemüse aus den verstrahlten Regionen

Die Regierung hatte kürzlich ein Verkaufsverbot für bestimmte grüne Gemüsesorten aus vier Präfekturen um das Atomkraftwerk Fukushima wieder aufgehoben. Die Kundin Asuka Tajima kaufte Tomaten, um damit Ihre Unterstützung zum Ausdruck zu bringen. «Ich glaube, dass das Gemüse aus Fukushima sicher ist», sagte sie. Sie werde dieses weiterhin «ohne zu zögern» im Supermarkt kaufen. Die 25-jährige Reira Shimada gab zu, «etwas beunruhigt» zu sein. «Aber diese Bauern haben sich so bemüht, dieses Gemüse anzubauen», erklärte Shimada und fügte hinzu, das Gemüse auch ihrer einjährigen Tochter zum Essen zu geben.

Auch Regierungssprecher Yukio Edano machte vor der Kamera eine Tour über den Markt, um einige Erdbeeren und eine Tomate zu verzehren. «Das ist so gut», betonte Edano. Es würden ausschliesslich bekömmliche Produkte angeboten. Die Greenpeace liess jüngst verlauten, dass das Gemüse aus der entsprechenden Region hoffnungslos verstrahlt sei.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, es werde noch geprüft, wie viel Radioaktivität insgesamt austreten könnte. Werde weiterhin Strahlung freigesetzt, könnte letztlich mehr Radioaktivität in die Umwelt gelangen als in Tschernobyl, sagte Sprecher Junichi Matsumoto. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei jedoch extrem niedrig, sagte später ein anderer Tepco-Sprecher.

Die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) unterscheidet bei atomaren Unfällen sieben Stufen. Stufe 7 steht dabei für einen «katastrophalen Unfall» wie 1986 in Tschernobyl, wenn ganz offensichtlich Radioaktivität in erheblichem Masse austritt.

Am Montag war die Evakuierungszone rund um das Kraftwerk auf fünf weitere Gemeinden ausgedehnt worden. Die Stadtverwaltung in der rund 40 Kilometer von Fukushima entfernten Ortschaft Iitate untersagte am Dienstag den Anbau aller Agrarerzeugnisse in der Region. Den Anbau von Reis hatte die Regierung in Tokio bereits zuvor verboten. Anwohner des Kraftwerks reagierten verärgert auf die Hochstufung. «Das ist sehr schockierend für mich», sagte die Gastronomin Miyuki Ichisawa aus Iitate. «Jetzt sagt uns die Regierung offiziell, dass dieser Unfall das gleiche Ausmass hat wie Tschernobyl.»

Grossteil der Strahlung zu Beginn der Atomkrise ausgetreten

Japanische Wissenschaftler erklärten hingegen, die Revision sei kein Grund zur Besorgnis. Diese stehe nicht in direktem Zusammenhang mit Risiken für die Gesundheit und die Umwelt, sondern basiere lediglich auf der Gesamtmenge der freigesetzten Radioaktivität, sagte der Atomphysiker Hironobu Unesaki von der Universität Kyoto. Die meiste Strahlung sei gleich zu Beginn der Krise ausgetreten und die Hochstufung bedeute nicht, dass noch immer in hohem Masse Radioaktivität austrete, erklärte der Forscher.

Auf dem Gelände des schwer beschädigten Atomkraftwerks brach am Dienstag ein Feuer aus. Betreiber Tepco erklärte, das Feuer in der Nähe von Reaktor 4 sei klein gewesen und rasch gelöscht worden. Es habe keine Auswirkungen auf die Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren gehabt. Es war nicht klar, ob der Brand im Zusammenhang mit einem Erdbeben der Stärke 6,3 stand, das kurz zuvor die Region erschüttert hatte.

Wegen der schwerwiegenden Folgen des Erdbebens und des Tsunamis hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Japan gesenkt. Der IWF geht in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht zur Weltwirtschaft nur noch von 1,4 Prozent Wachstum in Japan aus, 0,2 Prozentpunkte weniger als noch vor dem Beben erwartet. Zur Begründung wurden Schäden an Fabriken, Stromausfälle und andere Betriebsstörungen genannt.

(mrs/dapd)>

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Spiegel online, Logo

12.4.2011: Jetzt will auch Strassburgs Regierung das AKW Fessenheim nicht mehr

aus: Spiegel online: Atomangst im Elsass: Strassburger STadtrat verlangt Aus für Pannen-AKW; 12.4.2011;

<Atomkraftwerk Fessenheim bei Colmar: Überholte Sicherheitsstandards.

Es ist Frankreichs ältestes Atomkraftwerk, gilt als extrem störanfällig - und liegt direkt an der Grenze zu Deutschland. Jetzt fordert der Stadtrat von Straßburg, das AKW Fessenheim aus Sicherheitsgründen abzuschalten.

Straßburg - Die Franzosen gelten als große Anhänger der Atomenergie: Zu etwa 80 Prozent beziehen die linksrheinischen Nachbarn ihren Strom aus der Kernkraft. Doch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima scheint auch dort langsam ein Umdenken einzusetzen - zumindest im Elsass. Der Stadtrat von Straßburg hat die Schließung des ältesten französischen Atomkraftwerkes in Fessenheim verlangt. Und die lokale Fessenheim-Überwachungskommission fordert neue und härtere Sicherheitskontrollen.

Der Beschluss des Stadtrats sei einstimmig bei einer Enthaltung erfolgt, sagte eine Sprecherin. Auch die konservativen UMP-Parteikollegen von Präsident Nicolas Sarkozy hätten trotz der rot-grünen Mehrheit im Stadtrat dafür gestimmt. Den Bürgermeister stellen mit Roland Ries die Sozialisten.

Zur Begründung erklärte der Stadtrat, die beiden 1977 ans Netz gegangenen 880-Megawatt-Reaktoren in Fessenheim hätten zahlreiche Störfälle erlebt. Die Sicherheitsstandards seien überholt, denn sie seien im gleichen Jahr fertiggestellt worden wie die Fukushima-Unglücksreaktoren. Darin herrsche bei "allen Spezialisten" Einigkeit, hieß es in dem Beschluss. Daher dürfe ihre Laufzeit nicht um zehn Jahre verlängert werden.

Der Betreiber hatte bereits eine Laufzeitverlängerung beantragt

Die Fessenheim-Überwachungskommission forderte neue Sicherheitsgutachten. Zu ihr gehören unter anderem Vertreter der französischen Atomaufsicht, des AKW Fessenheim, der umliegenden Gemeinden sowie Umweltschützer. Vor allem die Risiken bei einem Erdbeben und einer Überschwemmung müssten "so rasch wie möglich" neu bewertet werden.

Fessenheim liegt nur knapp 30 Kilometer von Freiburg im Breisgau entfernt; auch Colmar, Mülhausen und Basel sind nah. Straßburg befindet sich etwa 60 Kilometer weiter nördlich. Der Oberrheingraben ist ein Gebiet mit bekanntem Erdbebenrisiko. Kleinere Beben hatten in den vergangenen Jahren die zwischen Schwarzwald und den ostfranzösischen Vogesen gelegene Region wiederholt erschüttert.

In den vergangenen Wochen haben auch die Schweizer Kantone Basel und Jura die Schließung der Atomanlage gefordert. Auch auf der deutschen Rheinseite verlangen immer mehr Regionalpolitiker, das direkt an der Grenze gelegene AKW müsse unverzüglich abgeschaltet werden.

An Fessenheim ist der deutsche Versorger EnBW mit 17,5 Prozent beteiligt, einige Schweizer Versorger mit 15 Prozent. Der Rest gehört dem staatlichen französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF), der bis vor kurzem an EnBW beteiligt war. EDF hatte für den Reaktorblock 1 eine Verlängerung der Laufzeit um zehn Jahre gefordert. Eigentlich sollte die Atomaufsicht ihre Entscheidung im März bekanntgeben. Nach dem Reaktor-Unfall in Fukushima verschob sie den Termin aber.

fdi/AFP/dapd>

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Basler Zeitung online, Logo


Fukushima am 13.4.2011: Leicht-radioaktives Wasser wurde abgelassen, schon BEVOR die Nachbarstaaten informiert wurden

aus: Basler Zeitung online: "Wir bedauern, dass wir zwei Minuten zu spät waren"; 13.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Wir-bedauern-dass-wir-zwei-Minuten-zu-spaet-waren/story/17828739

<China, Russland und Südkorea kritisierten die Entsorgung von radioaktivem Wasser in Fukushima stets aufs Schärfste. Nun schockiert Japan die Pazifik-Anrainerstaaten mit einem Bekenntnis.

Der Strom radioaktiv verseuchten Wassers in den Pazifik belastet Japans Beziehungen zu seinen Nachbarn. Aussenminister Takeaki Matsumoto gab heute zu, dass Japan erst nach Beginn der Einleitung die Botschaften der Pazifik-Anrainerstaaten informiert habe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. China, Russland und Südkorea hatten diese Entsorgung von schwach verstrahltem Wasser aus den Unglücksreaktoren wiederholt massiv kritisiert und umfassende Schutzmassnahmen gefordert. «Es ist wahr, dass unsere Benachrichtigung erst versendet wurde nachdem der Wasserabfluss begonnen hat», sagte Matsumoto im Parlament. Inzwischen seien die Kommunikationskanäle jedoch verbessert worden. «Wir bedauern, dass wir bei der Weitergabe der Informationen zwei Minuten zu spät waren.»

Wütende Anwohner des AKW - [Forderung nach Entschädigungen für die Evakuierung]

Der AKW-Betreiber Tepco bekommt auch zusehends die Wut der Bevölkerung zu spüren: Zornige Anwohner des japanischen Katastrophenkraftwerks Fukushima haben am Firmensitz der Betreibergesellschaft Tepco in Tokio protestiert und rasche Entschädigungen für ihre Evakuierung verlangt. Rund 20 Kleinunternehmer forderten am Mittwoch eindringlich einen Ausgleich für ihren Verdienstausfall.

Tepco-Präsident Masataka Shimizu versprach, mehr für die Evakuierten zu tun, die seit dem Reaktorunglück nicht mehr in ihre Häuser und an ihre Arbeitsplätze zurück konnten, und baldmöglichst Bargeld zu zahlen.

Vor Journalisten sprach Shimizu zudem von Fortschritten dabei, die Reaktoren in Fukushima-Daiichi zu stabilisieren. Erst am Dienstag hatte Japan das Unglück dort in der höchsten Gefahrenstufe 7 und damit so schwerwiegend wie den Super-GAU in Tschernobyl vor 25 Jahren eingeordnet. Es war eine Folge des Erdbebens der Stärke 9,0 und des folgenden Tsunamis am 11. März, der weite Teile Nordostjapans verwüstete.

[Flughafen Sendai wieder in Betrieb]

Der damals überflutete Flughafen in Sendai wurde nun teilweise wieder in Betrieb genommen. Vorerst ist nur ein Terminal geöffnet, und es werden nur einige wenige Flüge tagsüber abgefertigt, doch die wiederaufgenommene Flugverbindung dürfte die Katastrophenhilfe für die umliegenden Gemeinden erleichtern.

Shiitakepilze belastet - [15.000 Vermisste - radioaktive Produkte - 16 Ortschaften mit Produktionsstop für Früchte, Gemüse und Pilze]

In den Trümmern suchten Soldaten noch immer nach Leichen. Rund 15'000 Menschen werden noch vermisst, die Zahl der Todesopfer wird wohl über 25'000 liegen. Wasser und Boden, Fische und Gemüse sind seit dem Atomunfall radioaktiv belastet; Erzeugnisse aus 16 Orten um das AKW dürfen nicht mehr auf den Markt. Aufgrund hoher Strahlenwerte setzten die Behörden auch Freiland-Shiitakepilze auf die Liste.

In der EU gelten seit Mittwoch verschärfte Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan. Einfuhren müssen stichprobenartig untersucht werden und zuvor die Kontrollen der japanischen Behörden bestanden haben. Der Umfang der Lebensmittelimporte aus Japan ist allerdings gering.

[Bauteile fehlen]

Neben japanischen Bauern und Fischern ist auch die Industrie betroffen, weil viele Werke beschädigt sind. Wegen Lieferengpässen bei Bauteilen stellt der weltgrösste Automobilhersteller Toyota zwischen dem 21. April und dem 2. Mai die Produktion in Europa für acht Tage ein. Betroffen sind fünf Werke in Grossbritannien, Frankreich, der Türkei und Polen. Ähnliche Produktionsstopps hatte der Konzern bereits für seine Fabriken in Nordamerika angekündigt.

Wirtschaftsprognose herabgestuft

Nach der japanischen Notenbank stufte auch die Regierung in Tokio erstmals seit sechs Monaten ihre Wirtschaftsprognose herab. Wegen des Rückgangs bei Produktion und Konsum seit den Naturkatastrophen zeige die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt «Schwäche», hiess es. Der monatliche Wirtschaftsbericht vom April lässt erstmals die Folgen des Erdbebens einfliessen. Der März-Bericht erschien zwar nach der Katastrophe, die Regierung hatte damals aber nach eigenen Angaben die Folgen noch nicht abschätzen können.

Das Finanzministerium arbeitet an einem Nachtragshaushalt zur Finanzierung des Wiederaufbaus. Das Volumen könnte Berichten zufolge über fünf Billionen Yen (über 40 Milliarden Euro) liegen.

(mrs/sda)>

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Spiegel online, Logo

13.4.2011: Trümmerbeseitigung in Fukushima 1 - aber da ist ein Abklingbecken mit fast freiliegenden Brennstäben in Reaktor 4...

aus: Spiegel online: Radioaktive Trümmer: Tepco räumt Atomschrott weg; 13.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,756815,00.html

<Von Cinthia Briseño

Am Krisen-AKW Fukushima I gehen die Aufräumarbeiten mit Hochdruck weiter: Jetzt hat Tepco damit begonnen, die radioaktiven Trümmer zu entsorgen. Kopfzerbrechen bereiten aber vor allem die Abklingbecken von Reaktor 4. Dort liegen Dutzende Tonnen abgebrannter Brennstäbe - fast frei.

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Tokio - Die Atom-Ruine Fukushima I ist eine einzige Baustelle, die To-do-Liste der Tepco-Männer lang. Ein Ziel haben die Arbeiter, es ist schnell formuliert: Es muss ihnen gelingen, den Austritt von radioaktiven Substanzen ein für allemal zu stoppen. Allein, der Weg dorthin ist voller Stolperfallen. Täglich vermeldet der Betreiber Tepco auf einer Pressekonferenz seine Fortschritte. Doch auf dem Gelände geht es nur langsam vorwärts, die Arbeiter stehen vor enormen logistischen Herausforderungen.

Eine davon ist der Umgang mit dem radioaktiven Müll. Kurz nachdem die Erde am 11. März bebte, setzte die Stromversorgung im AKW aus. In der Folge ereigneten sich insgesamt drei gewaltige Wasserstoffexplosionen in den Reaktoren 1, 3 und 4. Tonnen an Trümmern der Reaktorgebäude wurden in die Luft katapultiert und landeten auf dem Gelände verteilt wieder auf dem Boden - kontaminiert mit radioaktiven Partikeln. Jetzt haben die Tepco-Arbeiter damit begonnen, die radioaktiven Trümmer vom Kraftwerksgelände zu entfernen. Von einer kleinen Baracke aus, die als Kontrollzentrum dient, steuern die Männer seit Mittwochnacht schweres Raumgerät aus der Ferne und sammeln den Schrott ein. In Sicherheitsbehältern soll der Müll später in Entsorgungslager transportiert werden.

Die zwei größten Sorgen des Betreibers aber sind andere:

  • Reaktor 2: Zwar ist das Reaktorgebäude nur leicht beschädigt, weil sich dort keine Wasserstoffexplosion ereignet hatte. Doch die größte Gefahr, die von dem Reaktor ausgeht, ist der Zustand des Sicherheitsbehälters, jene Schutzhülle, die die Brennelemente umschließt und verhindert, dass das teils geschmolzene radioaktive Material nach außen tritt. Das Problem: Offenbar ist der Sicherheitsbehälter beschädigt, denn in einem Tunnelschacht hat sich hochradioaktives Wasser gesammelt. Es ist das Wasser, das Tepco von oben in die Reaktorblöcke hineinschüttet, um die Brennstäbe kühl zu halten. Ausgerechnet dort, wo sich das Wasser am meisten sammelt, in den Turbinenhallen, verhindert es die Wiederinbetriebnahme der Kühlsysteme. Nur wenn diese funktionieren, kann es gelingen, die erhitzten Brennelemente zu stabilisieren. Insgesamt sollen sich 700 Tonnen dieser hochradioaktiven und gefährlichen Brühe im Tunnelschacht angesammelt haben. Sie muss abgepumpt und entsorgt werden.

  • Reaktor 4: Eine gewaltige Wasserstoffexplosion zerstörte das Reaktorgebäude in großen Teilen und pustete das Dach weg. Zwar war Reaktor 4 zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in Betrieb - im Reaktorkern befanden sich keine Brennelemente. Dennoch gehört Reaktor 4 ebenfalls zu den Sorgenfällen: In den mit Stahl ausgekleideten Abklingbecken aus Beton liegen insgesamt 1331 verbrauchte Brennelemente - die eine große Gefahr sind. Alte Brennstäbe erzeugen noch lange Wärme. Deshalb müssen sie mehrere Jahre in den Becken liegen, bis sie so weit abgekühlt sind, dass sie transportiert und in Endlagerstätten gebracht werden können. Setzt die Kühlung aus, ist eine Art Mini-Kernschmelze möglich. In Reaktor 4 liegen die Brennstäbe aber quasi frei - es gibt keine Sicherheitsbehälter, die das radioaktive Material im Fall einer Kernschmelze vor der Umwelt abtrennen könnte.

Seit der Wasserstoffexplosion brüten Tepco-Techniker und Atomexperten über dem Problem "Abklingbecken". Jetzt versucht sich Tepco an einer endgültigen Lösung und hat damit begonnen, einen ersten Plan in die Tat umzusetzen. Am Dienstag haben Arbeiter erstmals eine Wasserprobe aus dem Abklingbecken entnommen. Keine triviale Aufgabe, denn das Wasser ist höchstwahrscheinlich stark radioaktiv kontaminiert. Um an das Becken in den oberen Etagen des Gebäudes zu gelangen, nutzen die Techniker einen 62 Meter langen Pumpenarm. Daran befestigten sie einen Spezialbehälter und fischten so die Probe aus dem frei liegenden Bassin.

Sie soll Aufschluss über den Zustand der 1331 Brennstäbe geben. "Erst wenn man weiß, wie hoch die Radioaktivität dort ist und wie es um die Brennelemente bestellt ist, wird man entscheiden können, ob man sie herausholen und sicher versiegeln kann", erklärt Horst May von der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Tepco wäre es zu wünschen, dass sich die Pläne umsetzen lassen. Denn im Falle, dass die Strahlenbelastung zu hoch ist, bliebe dem Betreiber nur eine Alternative: Dann müsste Tepco eine Wasserkühlung für die Abklingbecken einrichten, die über mehrere Jahre stabil läuft.

Ein zeitnaher Abtransport der Elemente wäre aber die sicherere Variante. Denn noch wird Japan immer wieder von teils heftigen Nachbeben erschüttert. Das Risiko für weitere Schäden in den Reaktoren ist hoch. Und: Ein Teil der Brennelemente wurde erst vor wenigen Monaten aus dem Reaktorkern in die Abklingbecken überführt. Diese sind längst nicht ausgekühlt und produzieren noch eine große Nachzerfallswärme.

In der Zwischenzeit hat der baden-württembergische Hersteller Putzmeister die letzte der fünf Riesenpumpen nach Fukushima geschickt. Am Dienstagabend startete in Stuttgart ein Flugzeug mit dem Spezialgerät an Bord. Mit den bis 70 Meter langen Armen kann flüssiger Beton oder Wasser auf die Meiler gespritzt werden. In Fukushima sorgen sie für die fortlaufende Kühlung der Reaktoren.

Und auch am Problemreaktor 2 gehen die Arbeiten gegen das nukleare Dauer-Desaster weiter: In der Nacht zum Mittwoch haben die Techniker damit begonnen, das hochradioaktive Wasser aus dem Tunnelschacht abzupumpen. Zunächst soll es in einen Verdampfungsbehälter geleitet werden. Was anschließend damit geschehen soll, ist derzeit noch unklar. Die verseuchten Wassermengen sind zu groß, das Volumen der zur Verfügung stehenden Auffangbecken zu klein. Ein riesiges Stahlfloß soll helfen.

Warten auf das Riesenfloß

Doch der schwimmende Stahltank, in dem 18.000 Tonnen Wasser Platz haben sollen, befindet sich erst auf dem Weg nach Fukushima und wird voraussichtlich erst in einigen Tagen vor dem AKW anlegen. Ob das Floß tatsächlich die ersehnte Lösung sein kann, ist ebenfalls nicht absehbar. Zu den 700 Tonnen hochradioaktiven Wassers müssen noch rund 60.000 Tonnen an schwach radioaktiver Brühe entsorgt werden. Etwa 10.000 Tonnen davon wurden bereits ins Meer geleitet. Diese Aktion hat die Nachbarländer China, Russland und Südkorea verärgert, die erst spät von der Maßnahme erfuhren. China wirft Japan sogar eine bewusste Täuschung über das Vorgehen vor.

Für Verwirrung sorgte am Mittwoch auch eine angebliche Aussage von Ministerpräsident Naoto Kan: 10 bis 20 Jahre lang, so soll er gesagt haben, werde die Evakuierungszone rund um die Atom-Ruine wahrscheinlich unbewohnbar bleiben. Aber sowohl Kan als auch der japanische Außenminister dementierten später wieder - Eine weitere Posse der japanischen Informationspolitik.

Längst sind nicht nur die Nachbarländer wütend - langsam geschieht das, was die Beobachter aus dem Ausland seit Beginn der Katastrophe vermissen: Zumindest den direkten Nachbarn der Atomanlage Fukushima I beginnt der Geduldsfaden zu reißen. Ihnen fehlt seit dem Unglück nicht nur ein eigenes Dach über dem Kopf. Sie haben auch ihre Arbeit verloren und müssen seit Wochen ohne geregeltes Einkommen auskommen.

"Ich kann nicht arbeiten, und das bedeutet, ich habe kein Geld", sagt der Automechaniker Shigeaki Konno. Er lebte elf Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi entfernt und musste wie Zehntausende weitere Anwohner wegen der Strahlung seine Heimat verlassen.

Viele sind es nicht, aber sie haben es immerhin in die Schlagzeilen geschafft: Rund 20 AKW-Anwohner machten am Mittwoch am Firmensitz von Tepco in Tokio ihrem Zorn Luft. Sie protestierten und forderten nachdringlich einen Ausgleich für ihren Verdienstausfall. Tepco-Präsident Masataka Shimizu versprach, mehr für die Evakuierten zu tun, die seit dem Reaktorunglück nicht mehr in ihre Häuser und an ihre Arbeitsplätze zurück konnten, und baldmöglichst Bargeld zu zahlen. Erst einmal hatten Demonstranten vor der Tepco-Zentrale in Tokio protestiert. Auch damals war es nur eine kleine Menge Aktivisten. Japan protestiert eher leise.

An die Versprechungen des Tepco-Chefs glaubt Konno aber nicht: "Das Gerede von Entschädigung ist nichts Konkretes. Wir brauchen sie schnell!", schimpfte er.

Mit Material von AFP und dpa>

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Financial Times Deutschland
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Fukushima am 14.4.2011: Die atomare Verstrahlung des Grundwassers hat sich verzehnfacht

aus: Financial Times Deutschland online: Strahlung im Grundwasser am AKW Fukushima nimmt enorm zu; 14.4.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:japan-chronik-vom-14-04-2011-strahlung-im-grundwasser-am-akw-fukushima-nimmt-enorm-zu/60039158.html

<Japan-Chronik vom 14.04.2011

Keine Fortschritte in Fukushima: Die Kühlanlage funktioniert immer noch nicht. Und innerhalb von nur sieben Tagen hat sich die Strahlung im Grundwasser beim AKW verzehnfacht. Das Kaiserpaar versucht, den Menschen Hoffnung zu machen. Die Ereignisse im Ticker.

17:21 Wann die, für die japanische Wirtschaft erforderliche Versorgungskette wieder den Stand vor dem Erdbeben erreiche, sei noch nicht abzusehen. Das sagte laut Nachrichtenagentur Reuters der Gouverneur der Bank of Japan, Masaaki Shirakawa. Die Unterbrechung der Versorgungskette könnte zudem Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben. Finanzielle Probleme bei dem Wiederaufbau in Japan sieht Shirakawa nicht.

16:18 Die Kühlanlagen der außer Kontrolle geratenen Meiler funktionieren immer noch nicht. Laut Tepco hat sich die Strahlung im Grundwasser am Reaktor zudem in nur einer Woche verzehnfacht. In der Nacht zu Donnerstag hatten Arbeiter damit begonnen, radioaktive Trümmer vom Werksgelände zu entfernen, um den Zugang zu den Reaktoren zu erleichtern. In Sicherheitsbehältern soll der Müll später in Entsorgungslager gebracht werden.

15:34 Etwa 90 Kilometer östlich von Tokio besuchten Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko zwei Notunterkünfte in der Stadt Asahi an der Pazifikküste. Dabei suchte das Paar direkten Kontakt zu den Evakuierten und das Gespräch mit ihnen. Die Überlebenden der Naturkatastrophe verbeugten sich vor dem kaiserlichen Paar, manche wischten sich Tränen aus den Augen. Für die kommenden Wochen sind weitere Besuche im Katastrophengebiet geplant.>

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20 minuten online, Logo

14.4.2011: Atom-Autos aus Japan: Russland beschlagnahmt verstrahlte Occ.-Autos aus Japan

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Russland beschlagnahmt verstrahlte Autos; 14.4.2011;
http://www.20min.ch/finance/news/story/31811207

<Der russische Zoll hat im Hafen von Wladiwostok 49 Gebrauchtwagen aus Japan wegen überhöhter radioaktiver Strahlung beschlagnahmt. Die Strahlung der Fahrzeuge war sechs Mal so hoch wie normal.

49 Gebrauchtwagen wurden in Russland wegen überhöhter Radioaktivität beschlagnahmt. Einige Fahrzeuge hätten Spuren von Caesium-127 und Uran-238 aufgewiesen, sagte der Leiter der zuständigen Abteilung der regionalen Zollbehörde, Roman Famin, am Donnerstag. Die Autos trafen demnach vor zehn Tagen in dem Hafen im Fernen Osten Russlands ein.

Die Hafenbehörde fürchtet nun, dass ihr bald die Abstellplätze für weiter eintreffende radioaktiv verstrahlte Autos ausgehen könnte. Die zentrale Regierungsbehörde für Verbraucherschutz habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, was mit den Fahrzeugen passieren solle, sagte Famin. «Wenn die Entscheidung nicht fällt, wird der Hafen voller radioaktiver Autos sein.»

Im Hafen von Wladiwostok treffen täglich etwa 300 Fahrzeuge aus dem Ausland ein. Der Handel mit Gebrauchtwagen, insbesondere aus Japan, ist für die Region um Wladiwostok ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

(sda)>

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Basler Zeitung online, Logo

14.4.2011: Wohin mit den verstrahlten Occ.-Autos aus Japan? - weitere Suche nach Vermissten - verstrahltes Wasser steht weiterhin in den Kellern - der Kaiser will Fukushima 1 besuchen

aus: Basler Zeitung online: "Bald könnte der Hafen voller radioaktiver Autos sein", 14.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Bald-koennte-der-Hafen-voller-radioaktiver-Autos-sein/story/19027816

<Russische Zöllner haben 49 japanische Autos beschlagnahmt, die radioaktiv verstrahlt sind. Jetzt stellt sich für die Behörden folgendes Problem: Wohin mit den Gebrauchtwagen? Denn es werden immer mehr.

Ausserordentlicher Einsatz mit Geigerzähler: Russischer Zöllner überprüft ein japanisches Auto auf radioaktive Strahlung.

Der russische Zoll hat im Hafen von Wladiwostok 49 Gebrauchtwagen aus Japan wegen überhöhter radioaktiver Strahlung beschlagnahmt. Die Strahlung der Fahrzeuge war sechs Mal so hoch wie normal.

Einige Fahrzeuge hätten Spuren von Caesium-127 und Uran-238 aufgewiesen, sagte heute der Leiter der zuständigen Abteilung der regionalen Zollbehörde, Roman Famin. Die Autos trafen demnach vor zehn Tagen in dem Hafen im Fernen Osten Russlands ein.

Die Abstellplätze werden knapp

Die Hafenbehörde fürchtet nun, das ihr bald die Abstellplätze für weiter eintreffende radioaktiv verstrahlte Autos ausgehen könnte. Die zentrale Regierungsbehörde für Verbraucherschutz habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, was mit den Fahrzeugen passieren solle, sagte Famin. «Wenn die Entscheidung nicht fällt, wird der Hafen voller radioaktiver Autos sein.»

Im Hafen von Wladiwostok treffen täglich etwa 300 Fahrzeuge aus dem Ausland ein. Der Handel mit Gebrauchtwagen, insbesondere aus Japan, ist für die Region um Wladiwostok ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Sinkende Strahlenwerte erlauben Weitersuche

In Japan geht derweil die Suche nach Toten und Vermissten weiter: Sinkende Strahlenwerte hätten die Suche im näheren Umkreis der Anlage nun zugelassen, teilte die Polizei mit.

Sie schickte Hunderte von Beamte samt Schutzkleidung in das Katastrophengebiet. «Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen in dem Gebiet noch vermisst werden», sagte ein Polizeisprecher. «Wir müssen die Leichen so schnell wie möglich finden.»

Die Polizei vermutet, dass sich in dem Gebiet 1000 Leichen von Vermissten befinden, die bei dem Tsunami am 11. März ums Leben gekommen sind. Bisher wurden mehr als 13'300 Todesopfer des Bebens und Tsunamis identifiziert. Mehr als 15'000 Menschen werden noch vermisst.

Neben dem Suchtrupp für Vermisste sind auch Teams zur Messung radioaktiver Strahlung und zur Bergung der Leichen eingesetzt. Bevor die verstrahlten Leichen abtransportiert werden können, müssen sie abgewaschen werden, hiess es.

«Wir müssen vorsichtig arbeiten, um unsere Schutzanzüge nicht an den Metall- und Betontrümmern zu beschädigen, die überall in dem Gebiet verstreut sind», sagte der Sprecher angesichts der besonderen Bedingungen vor Ort mit.

Wieder Rückschläge

Am Unglücks-AKW in Fukushima deutete auch am Donnerstag nichts auf eine Entspannung der Lage hin. Techniker bemühten sich weiterhin um die Kühlung der Reaktoren. Die Atomsicherheitsbehörde erklärte, angesichts der grossen Mengen angestauten verbrauchten Kühlwassers müsse über neue Kühlmethoden nachgedacht werden.

Im Keller und in einem Schacht unter Reaktor 2 befänden sich 20'000 Tonnen verstrahlten Wassers. Dies solle in eine zentrale Sonderdeponie gebracht werden, Pläne darüber hinaus gebe es jedoch nicht.

Arbeiter pumpten weiter radioaktives Wasser aus den zerstörten Reaktoren. «Wir haben bislang 700 Tonnen Wasser aus dem Tunnelschacht von Reaktor 2 abgeleitet», sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco. Es würden allerdings «mehrere Wochen» vergehen, bis alles radioaktive Wasser abgepumpt sei.

Techniker schätzen, dass sich während der Notkühlung der Reaktoren 60'000 Tonnen leicht kontaminiertes Wasser in den Kellern, der Kanalisation und den Turbinensälen angesammelt haben. Erst wenn die Reaktoren trockengelegt sind, können sich die Arbeiter an die Reparatur der beschädigten Kühlsysteme machen.

Besuch des Kaisers

Das japanische Kaiserpaar hat sich erstmals in die Katastrophenregion begeben. Kaiser Akihito und seine Gemahlin Michiko besuchten am Donnerstag zunächst zwei Notunterkünfte in der Stadt Asahi in der Tokioter Nachbarprovinz Chiba.

Der Tenno und seine Frau knieten auf Matten und sprachen mit den Evakuierten. Die Überlebenden der Naturkatastrophe verbeugten sich vor dem kaiserlichen Paar, manche wischten sich Tränen aus den Augen.

Auf politischer Ebene wächst der Druck auf den japanischen Regierungschef Naoto Kan. Opposition und Parteifreunde werfen dem Premier Unfähigkeit im Umgang mit der Krise vor.

Er habe Zweifel an der Art und Weise wie der Regierungschef das Land führe, sagte der Chef der Liberaldemokratischen Partei, Sadakazu Tanigaki. Es sei jetzt an Kan, eine Entscheidung über einen Verbleib im Amt zu treffen. Eine von Kan vorgeschlagene grosse Koalition lehnte der Oppositionsführer erneut ab.

(mrs/sda)>

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Deutschland 14.4.2011: Im Atommülllager Asse verdoppelt sich die Cäsiumverstrahlung in drei Jahren, ohne dass jemand weiss, warum

aus: n-tv online: Radioaktivität in drei Jahren verdoppelt: Cäsium-Aktivität in Asse steigt; 14.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Caesium-Aktivitaet-in-Asse-steigt-article3108061.html

<Wieder einmal zeigt die Asse deutlich, dass die Endlagerung des Atommülls eines der größten Probleme ist. Jetzt muss das Bundesamt für Strahlenschutz mitteilen, dass in 750 Metern Tiefe in dem maroden Atommüllendlager die Cäsium-137-Aktivität deutlich gestiegen ist. Der Wert liegt 24 Mal über der Freigrenze. Die Ursache ist unbekannt.

Im maroden Atommülllager Asse in Niedersachsen ist in 750 Meter Tiefe die Cäsium-Aktivität deutlich gestiegen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat in einem alten Bohrloch, das der frühere Asse-Betreiber Helmholz-Zentrum München 2008 eingerichtet hatte, eine Konzentration des radioaktiven Stoffes von 240.000 Becquerel pro Liter (Bq/l) gemessen. Der Wert liege 24 Mal über der erlaubten Freigrenze, sagte ein BfS-Sprecher.

Das sei der bislang höchste Wert von Cäsium 137 in einer Lösungsprobe, der in dem unterirdischen Salzstock nach dem Ende der Einlagerung im Jahr 1978 gemessen wurde. Der Grund der höheren Werte sei unbekannt. Das BfS habe sichergestellt, dass niemand mit der verstrahlten Lösung direkt in Kontakt kommt und dass keine Kontamination nach außen geschleppt werden kann.

Aus der Kammer 12 wird seit Jahren Wasser gedrückt und sammelt sich vor der Kammer. Der genaue Grund ist unbekannt. 2008 hatte die damals zuständige Helmholtz-Gesellschaft in dem gleichen Bohrloch noch eine Aktivität von etwa 90.000 Bq/l, also dem 9fachen Wert über der Freigrenze, gemessen. Damit habe sich die Casium-Konzentration an dieser Messstelle innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt, teilte das BfS mit. Zusätzlich zu Cäsium 137 wurde in der Lösung das Radionuklid Kobalt 60 gemessen, allerdings nur in einer geringen Höhe von 10,5 Bq/l, hieß es.

In dem früheren Bergwerk lagern rund 126.000 Behälter mit schwach und mittelradioaktivem Abfall, die in einer bisher einmaligen Aktion in den kommenden Jahren wieder geborgen werden sollen. Zuvor sollen Experten untersuchen, in welchem Zustand die entsorgten Atommüllfässer sind, die in diversen Kammern lagern.

"Die Zeitbombe Asse tickt"

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt forderte nach Bekanntwerten der hohen Kontamination eine umfassende Aufklärung von der Bundesregierung. Die schwarz-gelbe Koalition müsse klarstellen, dass sie sich bei ihrer angeblichen Neuausrichtung in der Energiepolitik vor der Endlagerfrage nicht drücke.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, erklärte: "Die Kontaminationen nehmen zu, die Zeit läuft davon. Das Bundesumweltministerium und das niedersächsische Umweltministerium müssen dafür sorgen, dass jetzt mit den erforderlichen Arbeiten für die Rückholung zügig begonnen werden kann. Die Zeitbombe Asse tickt."

Atomkraftgegner scheitern in Gorleben

Die Erkundung von Gorleben als Endlagerstandort für radioaktive Abfälle kann derweil fortgesetzt werden. Atomkraftgegner scheiterten mit ihrem Antrag auf eine vorläufige Unterbrechung der Arbeiten, teilte das Verwaltungsgericht Lüneburg mit.

"Die dem Bundesamt für Strahlenschutz erteilte Verlängerung des Rahmenbetriebsplanes und der zur Durchführung der Arbeiten für zwei Jahre zugelassene Hauptbetriebsplan verletzen die Antragsteller nicht in ihren subjektiven Rechten", entschied die 2. Kammer. Weder seien dadurch die Schutzgüter Leben und Gesundheit tangiert, noch seien die Salzabbaurechte der Antragsteller betroffen. Für das Erkundungsbergwerk sei zudem eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich. (Az: 2 B 12/11 und 2 B 13/11 vom 14. April 2011)

Im September vergangenen Jahres hatte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld den Rahmenbetriebsplan für weitere 10 Jahre bis Ende September 2020 verlängert. Außerdem wurde für die Erkundungsarbeiten ein Hauptbetriebsplan für die Dauer von zwei Jahren zugelassen.

Gegen eine Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten klagten daraufhin im Oktober vor dem Verwaltungsgericht Andreas Graf von Bernstorff und sein Sohn Fried, der Elbfischer Christian Köthke, die Salinas GmbH und die Kirchengemeinde Gartow, die ebenfalls Salzrechte besitzt.

dpa>

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20 minuten online, Logo

Frankreich14.4.2011: Bürgermeister von Strassburg Roland Ries will AKW Fessenheim schliessen

aus: 20 minuten online: Atomenergie: Wenn Gallier den Aufstand proben; 14.4.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/Wenn-Gallier-den-Aufstand-proben-10563739

<von Harald Schultz, dapd
- In Frankreich ist Atomenergie top, Kritik an Atomkraftwerken hörte man auch nach Fukushima kaum. Das hat sich jetzt geändert: Strassburg hat Fessenheim den Kampf angesagt.

Wir befinden uns im Jahre 2011 nach Christus. Ganz Gallien ist von der Atomkraft besessen. Ganz Gallien? Nein! Eine von unbeugsamen Galliern bevölkerte Stadt leistet Widerstand, Strassburg. Sie hat jetzt dem ältesten französischen Atomkraftwerk den Kampf angesagt, Fessenheim am Rhein. Eine Sensation in dem Land, in dem Atomstrom eine Staatsaffäre ist und das den grössten Atomkonzern der Welt beherbergt, die staatliche Electricité de France (EDF), die 58 Reaktoren an 19 Standorten betreibt.

Wir sind frappiert von den Parallelen zu Fukushima», sagt Roland Ries, Bürgermeister von Strassburg der Nachrichtenagentur dapd. «Die Reaktoren in Fukushima sind seit 30 Jahren am Netz, gerade erst wurde die Laufzeit um 10 Jahre verlängert. Bei uns ist Fessenheim auch seit rund 30 Jahren am Netz. Und auch bei uns soll die Laufzeit um 10 Jahre verlängert werden. Wir sind für die Schliessung.» Ries legt nach: «Auch bei uns gibt es Erdbeben. Das Beben von Basel war erst 1356. Und Hochwasser kann es auch am Rhein geben.»

Ebenso wie in Deutschland spielen aber auch die Wahlen eine grosse Rolle. «Wir wollen die Frage im Präsidentschaftswahlkampf 2012 thematisieren. Die Sozialistische Partei ist für eine Begrenzung beim Atomstrom», sagt Ries. In genau einem Jahr, im April 2012, muss sich der konservative Präsident Nicolas Sarkozy den Wählern stellen. In einer Umfrage war er Anfang März so unpopulär wie noch nie seit seiner Wahl 2007. Nur 32 Prozent der Befragten hatten eine positive Meinung von ihm.

Selbst Sarkozys Leute gegen Fessenheim

Der gesamte Strassburger Stadtrat stimmte nun für den Schliessungsantrag der örtlichen Grünen, einschliesslich der Vertreter der eigentlich atomfreundlichen Partei von Sarkozy, ähnlich wie jetzt in Deutschland CDU und FDP die Atomwende probieren. Nur ein Volksvertreter enthielt sich. Fessenheim sei nicht nur alt, sondern habe auch vier Mal so viele Störfälle erlebt wie der Durchschnitt der französischen Atomkraftwerke, heisst es in dem Beschluss. Strassburg folgte damit den Forderungen der Schweizer Kantone Basel-Stadt, Baselland und Jura.

Warum beginnt die französische Atom-Debatte ausgerechnet hier? Das lange zwischen Deutschland und Frankreich umstrittene Elsass ist traditionell eine Hochburg der Umweltschützer. Bereits vor genau 40 Jahren, im April 1971, demonstrierten dort erstmals Franzosen gegen den Baubeginn eines Atomkraftwerkes, eben gegen Fessenheim. Bereits im März 1973 kandidierte der erste Umweltschützer bei einer französischen Parlamentswahl, Antoine Waechter in Mülhausen/Elsass, wenige Kilometer von Fessenheim entfernt. Er erhielt 2,9 Prozent.

Fessenheim als Vorbild für deutsche Proteste

Der Fessenheim-Protest der Elsässer war Vorbild für die deutschen Bürgerinitiativen 1974/75, die den Bau des Atomkraftwerkes Wyhl am Kaiserstuhl auf der deutschen Rheinseite verhinderten.

Allerdings wuchsen die französischen Grünen und ihre Ideen nur mühsam von unten ins politische System hinein. Das deutsche Verhältniswahlrecht begünstigte das, das französische Mehrheitswahlrecht bremste. Auch haben die Kommunen und Regionen nicht das gleiche Gewicht wie die deutschen Gemeinden und Länder.

Ausserdem ist der Atomstrom in Frankreich eine Staatsaffäre. «Er geht auf den General de Gaulle zurück und ist eine strategische Entscheidung», sagt einer der Befürworter, Philippe Marini, Senator des Départements Oise und Parteifreund Sarkozys. De Gaulle verschaffte Frankreich gegen den Widerstand der Amerikaner und Briten in den 60er Jahren eine eigene Atombombe. Die Techniker des dafür aufgebauten Commissariat à l'Energie Atomique (CEA) halfen danach bei der Entwicklung eigener Atomkraftwerke.

Die bekamen nach der Ölkrise 1974 einen besonderen Schub, weil Electricité de France seit den 50er Jahren viele Ölkraftwerke gebaut hatte, die dann unwirtschaftlich wurden. Electricité de France baute Atomkraftwerk auf Atomkraftwerk und förderte Tagstrom-Heizungen für den Absatz. Einsprüche der Bevölkerung bügelten die Verwaltungsgerichte ab. Schockiert bliesen die Atomkraftgegner ihre Demonstrationen ab nach dem Tod eines Teilnehmers 1977 am Schnellen Brüter Creys-Malville an der Rhone bei Lyon.

1981 im Mai wurde der Sozialist François Mitterrand Präsident. Er hatte zuvor seinen Frieden mit der Atombombe und der Atomkraft gemacht. Genauso wie die Kommunistische Partei, deren Gewerkschaft CGT direkt von EDF finanziert wurde, weil ihre Mitarbeiter dort Mitglieder waren. Die traditionelle Linke griff also das Thema nicht auf, anders als in Deutschland. Als vor genau 25 Jahren der Reaktor in Tschernobyl explodierte, erklärte die Regierung kühl, die radioaktive Wolke aus dem Osten habe genau am Rhein haltgemacht.

Heute aber sind erste Risse im Atomkonsens zu sehen. Météo France gehörte zu den ersten Institutionen, die darauf hinwiesen, dass die radioaktive Wolke aus Fukushima über den Pazifik und die USA bis nach Europa geweht ist. EDF ist mittlerweile bei der Windkraft eingestiegen. Und Fessenheims Reaktor Nr.2 wird kommenden Woche tatsächlich abgeschaltet. Allerdings nur für eine grosse Revision.>

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Welt online, Logo

15.4.2011: Finnland hält an der Atomkraft fest, wie wenn es in Finnland keine Sonne gäbe - und die Propaganda sagt, Atomstrom sei "billig"

aus: Welt online: Energiepolitik: Warum die Finnen eisern an der Atomkraft festhalten; 15.4.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13185766/Warum-die-Finnen-eisern-an-der-Atomkraft-festhalten.html

<Autor: Clemens Bomsdorf| 15.04.2011

Auch in Finnland ist ein Streit um die Atomkraft entbrannt. Doch anders als in Deutschland könnte er die Grünen ihre Regierungsmacht kosten.

Für manch einen in Finnland liegen die Pro-Atomkraft-Argumente auf der Straße. „Schauen Sie sich doch um, dann sehen Sie, warum wir Atomstrom brauchen. Die Winter hier sind viel kälter und länger, das verlangt viel Elektrizität“, sagt der stämmige Mittvierziger, der an der Haltestelle in Helsinki-Kallio steht. Er zeigt auf den Boden. Es ist Anfang April, aber am Straßenrand liegt noch immer Schnee. „Außerdem haben wir viel Schwerindustrie, auch die ist auf billige Elektrizität angewiesen“, sagt er. „Die Ereignisse in Japan ändern an meiner Haltung nichts. Die Atomkraftwerke in Finnland sehe ich als sicher an.“

[Die grosse Allianz für "billigen" Atomstrom]

Eben diese Argumente bringen auch die großen Regierungsparteien und weite Teile der Opposition immer wieder zur Verteidigung der Atomkraft in Finnland vor. Am Sonntag wird ein neues Parlament gewählt, und wenngleich die Atomfrage im Wahlkampf eine kleinere Rolle spielt als in Deutschland, könnte sie doch darüber entscheiden, wer an die Macht kommt – wenn auch ganz anders als hierzulande: Die finnischen Grünen könnte ihre Anti-Atomhaltung die Regierungsmacht kosten. „Wir werden nicht Teil einer Koalition sein, die neue Lizenzen vergibt“, stellt der Grünen-Abgeordnete Oras Tynkkynen klar.

Die konservativ-liberalen Koalitionspartner Zentrum und Sammlungspartei sowie die Partei der schwedischen Minderheit wollen sich darauf aber nicht festnageln lassen. Denn in Finnland gibt es eine breite Allianz aus Konservativ-Liberalen, Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Industrie, die eisern an der Atomkraft festhält. Deshalb könnten sich Zentrum und Sammlungspartei diesmal sogar auf eine Koalition mit den rechtspopulistischen Basisfinnen einlassen. Diese wenden sich zwar eigentlich wie die Grünen gegen die Atomkraft. Doch um an die Macht zukommen, ist ihr Chef Timo Soini bereit, von der Linie seiner Partei abzuweichen.

[AKW-Projekte - ein Land ohne Erdbeben]

Fast 28 Prozent des Stromangebots in Finnland stammen aus heimischer Atomkraft, und dieser Anteil soll noch erheblich steigen. Derzeit wird mit Olkiluoto 3 in Westfinnland der seit langem erste Atomreaktor Europas neu gebaut. Im vergangenen Jahr fällte das Parlament die Grundsatzentscheidung für zwei weitere Reaktoren. „Wenn man Atomkraftwerke bauen möchte, ist Finnland sicher der richtige Ort dafür, denn es ist ein stabiles Land“, sagt Sixten Korkman, Ökonom bei ETLA, dem Forschungsinstitut der finnischen Wirtschaft.

Gemeint sind allem politische Stabilität und Erdbebensicherheit. Doch auch wirtschaftlich steht Finnland gut da. „Das Bruttoinlandsprodukt ist 2010 mit drei Prozent gewachsen, dieses Jahr wird das Plus bei vier liegen. Wir haben nie gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen und sollten im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können“, so Korkman.

[Den Euro wollen die Finnen nicht mehr haben]

Umso weniger Verständnis haben viele Finnen dafür, dass ihre solide Wirtschaft zum Garanten des Euro-Rettungsschirms werden soll. „Die Wähler haben die Nase voll, weil alles von der EU akzeptiert wird“, sagt Seppo Huhta, einer der Spitzenkandidaten der Basisfinnen, die in Umfragen auf 17 Prozent der Stimmen kommen und sich anschicken, die Nummer drei im Parteienranking zu werden. Wie Soini wettert Huhta gegen Euro und EU und weiß dabei große Teile der Bevölkerung auf seiner Seite. „Am liebsten würde ich eine Volksabstimmung über den Euro haben“, sagt Huhta. Das wird im Parlament nicht durchzusetzen sein, kommt aber bei einigen Wählern gut an.

In Finnland muss das Parlament noch die europäischen Finanzhilfen für Portugal ratifizieren. Die finnische Regierung hat zwar schon ihr Plazet gegeben. Ein parlamentarisches Nein würde die Portugal-Hilfe aber kippen – was die Regierung unbedingt verhindern will. Dennoch sind das Zentrum von Regierungschefin Mari Kiviniemi und ihr Koalitionspartner Sammlungspartei angesichts der mindestens genauso heiklen Atomfrage gewillt, die Basisfinnen ins Boot zu holen. „Die Partei nutzt das Protestpotenzial, das es in Finnland gibt“, sagt Carsten Schymik, Nordeuropaexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Nach 1990 hat sich Finnland der EU zugewandt und ist damit gut gefahren. „Nun gibt es Probleme im Staatenbund und in der Wirtschaft, und das wird auf die EU geschoben. Davon profitieren die Populisten, die die einzigen relativ radikalen EU-Kritiker sind“, so Schymik. Dennoch ist er sich mit dem Ökonomen Korkman einig: Selbst wenn die Populisten in die Regierung kommen, werden sie die finnische Politik nicht umdrehen können. Denn in der Koalition sind Kompromisse gefragt, und in Sachen EU ist der Konsens unter den anderen Parteien ist so groß, dass es nicht viel Verhandlungsspielraum gibt.>

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16.4.2011: Nachbeben in Japan und radioaktives Wasser: <6500-fach überhöhte Jod-Werte>

aus: 20 minuten online: AKW-Katastrophein Japan: 6500-fach überhöhte Jod-Werte; 16.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/6500-fach-ueberhoehte-Jod-Werte-15757864

<Fukushima kommt nicht zur Ruhe: Erneut wurden rund um das schwer havarierte Atomkraftwerk beängstigend hohe Strahlenwerte gemessen. Zudem hat sich ein schweres Nachbeben ereignet.

Im Meerwasser vor dem beschädigten Atomkraftwerk im japanischen Fukushima sind erneut stark erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Die Menge von radioaktivem Jod 131 sei 6500 mal höher als der zulässige Wert, teilte die Regierung am Samstag mit.

Die Werte von Cäsium 134 und Cäsium 137 seien in einer am Freitag gezogenen Probe vierfach überhöht. Verantwortlich für die erhöhten Werte könnte die Installierung von Stahlplatten zum Schutz vor Strahlung am Donnerstag gewesen sein, sagte der Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama.

Möglicherweise sei bei den Bauarbeiten radioaktives Material aufgewirbelt worden. Die hohe Konzentration von Jod, das nur eine relativ kurze Halbwertszeit von acht Tagen hat, könne jedoch auch auf ein neues Leck hinweisen.

Der Betreiber Tepco des Atommeilers Fukushima begann am Samstag, mit Zeolith gefüllte Sandsäcke im Meer zu deponieren. Das Mineral absorbiert radioaktives Cäsium. Tepco hofft, mit dieser Methode die radioaktive Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Nachbeben der Stärke 5,9

Am Samstag erschütterte ein Nachbeben der Stärke 5,9 die Region nördlich von Tokio. Über Schäden durch das Beben wurde zunächst nichts bekannt.

Zuvor hatte die Atomsicherheitsbehörde mitgeteilt, dass die Atomkraftwerksbetreiber des Landes ihren Katastrophenschutz überprüfen müssten. Bis zum 16. Mai sollten sie der Behörde einen Bericht vorlegen, hiess es am Freitag.

Zudem wurden die Unternehmen verpflichtet, die Stromleitungen zwischen den einzelnen Reaktoren erdbebensicher zu machen. Weiter müssen sie die gesamte Elektronik in den Atommeilern wasserdicht verkleiden.

Die Atomsicherheitsbehörde hatte bereits angeordnet, dass jeder Reaktor über mindestens zwei Notstromaggregate verfügen muss und dass Feuerlöschpumpen in den Anlagen installiert werden. Zu den von der Anordnung betroffenen Betreibern gehören neben Tepco noch zwölf weitere.

Reaktoren laut Krisenstab in stabilerem Zustand

Goshi Hosono, Berater von Ministerpräsident Naoto Kan und Mitglied des Krisenstabs, sagte, dass die beschädigten Reaktoren in einem wesentlich stabileren Zustand seien als zu Beginn der Atomkrise. Eine der grössten Schwierigkeiten stelle das kontaminierte Wasser dar, sagte er im japanischen Fernsehen.

Der Atombetreiber Tepco erwägt nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo nun den Einsatz neuer externer Kühlmaschinen, um die Temperatur der Reaktoren zu senken.

Diese arbeiteten mit Wärmeaustauschern und Umwälzpumpen. Damit könne Wasser aus den Reaktoren abgepumpt, mit Meerwasser gekühlt und in die Reaktoren zurückgepumpt werden. Die regulären Kühlsysteme waren vom Tsunami zerstört worden.

Tepco pumpt seither Millionen von Litern Wasser in die Reaktoren sowie Abklingbecken, um sie zu kühlen. Das hat jedoch dazu geführt, dass nun gewaltige Massen an verstrahltem Wasser in der Anlage sind. Diese behindern die Versuche, die Kühlsysteme in dem AKW wieder in Gang bringen.

Wiederbelebung der Wirtschaft

Fünf Wochen nach Beginn der Katastrophe in Japan gibt es Fortschritte bei der Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft. Am Samstag konnte der Hafen Sendai in der Provinz Miyagi erstmals wieder mit dem Verladen von Gütern beginnen.

Rund 300 Autos des weltgrössten Autobauers Toyota wurden auf ein Frachtschiff geladen und in die Industriestadt Nagoya verschifft, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

(sda/dapd)>

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n-tv online, online

Fukushima 1 am 16.4.2011: Zeolith soll gegen das verstrahlte Wasser helfen - und ein Nachbeben mit 5,9

aus: n-tv online: Kampf gegen verseuchtes Wasser - Beben erschüttert Grossraum Tokio; 16.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Beben-erschuettert-Grossraum-Tokio-article3119461.html

<Die Arbeiter in der Atomruine Fukushima versuchen unermüdlich, das AKW unter Kontrolle zu bringen. Erschwert wird ihre Arbeit durch massenweise verseuchtes Wasser. Unterdessen halten Nachbeben die Japaner weiter in Atem. Berichte über Schäden gibt es ebenso wenig wie eine Tsunami-Warnung.

Die Arbeiter im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima kämpfen weiter gegen radioaktiv verseuchtes Meerwasser. Mit Hilfe des Minerals Zeolith versuchen sie, ins Meer geflossenes radioaktives Material zu absorbieren. Im Schacht eines Meerwasserrohrs des Reaktors 2 steigt das dort angesammelte hochgradig verseuchte Wasser beständig an.

Unterdessen hat ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,9 die Katastrophenregion und den Großraum Tokio erschüttert. Berichte über neue Schäden gab es nicht, auch keine Tsunami-Warnung. In der Hauptstadt Tokio ließ das Beben, das sich um 11.19 Uhr Ortszeit (04.19 Uhr MESZ) ereignete, die Gebäude erzittern. Seit dem verheerenden Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami vom 11. März wird Japan nahezu täglich von Nachbeben erschüttert.

Effektivität der Methode wird gesucht

Die Säcke mit Zeolith werden nahe der Ansaugrohre deponiert.

Die Arbeiter in der Atomruine deponierten drei je 100 Kilogramm schwere Säcke mit Zeolith nahe der Ansaugrohre für den Reaktor 1 im Meer. Sieben weitere der 80 Zentimeter hohen Säcke seien vorbereitet worden, melden japanische Medien. Der Kraftwerksbetreiber Tepco will zunächst prüfen, wie effektiv diese Methode ist. Es werde erwogen, Zeolith dann auch in den Turbinengehäusen der Reaktoren einzusetzen, wo sich verseuchtes Wasser angesammelt hat.

Unterdessen hat Tepco herausgefunden, dass das in einem Tunnelschacht des Reaktors 2 angesammelte stark verseuchte Wasser seit dem Abend des 15. April bis zum Samstagmorgen (Ortszeit) um 1,5 Zentimeter auf 88,5 Zentimeter Höhe gestiegen ist. Neben dem zur Kühlung des Reaktors eingesetzten Wassers könnte auch Grundwasser eingesickert sein, hieß es. Außer mit Säcken voll Zeolith versuchen die Arbeiter mit Stahlplatten die Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Clinton in Japan erwartet

US-Außenministerin Hillary Clinton will Japan am Sonntag einen Kurzbesuch abstatten. Sie dürfte dabei Japan die weitere Unterstützung seiner Schutzmacht versichern. Washington unterstützt Japans Katastropheneinsatz mit mehr als 200.000 Soldaten, 160 Maschinen der Luftwaffe und 20 Marineschiffe. Der Einsatz trägt den Namen "Operation Tomodachi" (Operation Freund). Clinton wird Premier Naoto Kan und Außenminister Takeaki Matsumoto treffen und an einer Tee-Gesellschaft des Kaisers teilnehmen. Laut Medienberichten wird sie aber anders als geplant nicht in die Katastrophengebiete reisen.

dpa/AFP>

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Fukushima 1 am 17.4.2011: Tepco will in "rund drei Monaten" die defekten Meiler "stabilisieren", "bis die Reaktorkerne abgekühlt sind"

aus: 20 minuten online: Fukushima: AKW erst in Monaten stabilisiert; 17.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/28004720

<Drei Monate dürfte es noch gehen, bis das verwüstete AKW Fukushima die Umwelt nicht mehr mit Radioaktivität verseucht. Noch einiges länger soll es dauern, bis die Reaktorkerne abgekühlt sind.

Tepco, die Betreiberfirma des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat einen Zeitplan für die Bewältigung der Krise vorgelegt. Rund drei Monate wird es demnach allein dauern, um das Austreten von Radioaktivität aus der Anlage zu reduzieren. In den drei bis sechs Monaten danach hoffe das Unternehmen, die Lecks vollständig unter Kontrolle bringen zu können.

In dieser Zeit sollen auch die Reaktoren abgekühlt sein, sagte der Vorstandsvorsitzende von Tepco, Tsunehisa Katsumata, am Sonntag in Tokio. Zudem sei eine Abdeckung der beschädigten Reaktorgebäude geplant.

«Wir tun unser Äusserstes, um zu verhindern, dass die Krise noch weiter ausartet», erklärte Katsumata. Derzeit konzentriere sich das Unternehmen darauf, die von dem Erbeben und dem anschliessenden Tsunami am 11. März beschädigten Reaktoren und die Abklingbecken zu kühlen und das bei den Rettungsarbeiten verstrahlte Wasser zu dekontaminieren.

Tepco setzt inzwischen ferngesteuerte Roboter ein, um Strahlendosis, Temperatur und Sauerstoffkonzentration zu messen. Die Betreiberfirma will sicherstellen, dass Arbeiter die Reaktorgebäude betreten können, um sie unter Kontrolle zu bringen.

Regierung forderte den Zeitplan

Tepco war von Regierungschef Naoto Kan angewiesen worden, einen Zeitplan für die Bewältigung der Katastrophe vorzulegen. Der Fahrplan müsse nun schnell und zuverlässig umgesetzt werden, forderten die Behörden am Sonntag. Die Regierung strebe an, in sechs bis neun Monaten mitteilen zu können, ob ein Teil der örtlichen Bevölkerung wieder in ihre Wohnorte zurückkönne, sagte Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaeida.

Tepco Vize-Präsident Sakae Muto betonte, dass bei der Entseuchung der verstrahlten Umgebung eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden geplant sei. «Wir wollen, dass die Evakuierten so schnell wie möglich in ihre Häuser zurückkehren können», sagte Katsumata.

Unterstützung aus den USA

Unterdessen versicherte US-Aussenministerin Hillary Clinton Japan die weitere Unterstützung der USA. Man werde alles tun, um Japan in der Atomkrise zu helfen, sagte Clinton in Tokio. Die USA hätten bereits eine «riesige Unterstützung» geleistet, sagte ihr Kollege Takeaki Matsumoto. Tokio und Washington kündigten eine gemeinsame Initiative für den Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe an, an der sich auch die Privatwirtschaft beteiligen soll.

Clinton war am Sonntag aus Seoul kommend zu einem halbtägigen Besuch in Tokio eingetroffen. Die USA helfen Japan unter anderem mit zehntausenden Soldaten und Rettungskräften sowie Atomexperten.

(sda)>

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17.4.2011: Merkel will den Atomausstieg - die Parteien bremsen - FDP will keinen Energie-Soli - die wahren Kosten der Kernkraft: doppelt so teuer wie die Wasserkraft

aus: n-tv online: Greenpeace: Doppelt so teuer wie Waserkraft: Ausstieg geht Schwarz-Gelb zu schnell; 17.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Ausstieg-geht-Schwarz-Gelb-zu-schnell-article3125111.html

<Kanzlerin Merkel überfordert mit der Schnelligkeit des Atomausstiegs ihre Koalition. Union und FDP streiten um Kosten und Tempo, die Liberalen wollen auf keinen Fall den Umstieg durch höhere Steuern finanzieren. Die Grünen bezeichnen die Debatte allerdings als Panikmache und Greenpeace rechnet die wahren Kosten der Kernkraft vor.

Der Zeitplan für die Gesetze zur Energiewende stößt in der Koalition auf Vorbehalte: Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs und Bundestagspräsident Norbert Lammert äußerten Zweifel, ob das vorgesehene Tempo hinzukriegen sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich mit den Ländern darauf verständigt, im Juni innerhalb weniger Tage mehrere Gesetzesänderungen durch die parlamentarischen Gremien zu peitschen. Unstimmigkeiten gibt es zudem in der Frage, wie der schnellere Atomausstieg und der Ausbau von Ökostrom finanziert werden sollen.

Nach der Übereinkunft von Merkel und den Ministerpräsidenten bleiben Kabinett, Bundestag und Bundesrat zwischen dem 6. und 17. Juni nur elf Tage Zeit, um alle Gesetzesänderungen zu beschließen. "Der Zeitplan ist extrem ambitioniert. Es sollte aber Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen", warnte Fuchs in der "Welt am Sonntag". Auch Parlamentspräsident Lammert will sich dem Zeitplan nicht ohne weiteres fügen. Zwar sei mit den Kommissionen für Reaktorsicherheit und Ethik vereinbart worden, im Mai zu Schlussfolgerungen zu kommen. "Wie viel Zeit der Bundestag anschließend braucht, um ein Gesetzgebungsverfahren sorgfältig zu beraten, entscheiden wir dann, wenn der Gesetzentwurf vorliegt", sagte der CDU-Politiker der "Welt". Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, nannte den Zeitplan unseriös. Es handele sich um eine Entmündigung des Parlaments. "Merkel will ihre eigene Partei überrumpeln, weil sie Widerstand fürchtet."

FDP sperrt sich gegen Steuer

Fuchs beklagte zudem, über die Kosten der Energiewende bestehe noch völlige Unklarheit. Bislang sei von einer Summe zwischen drei und fünf Milliarden Euro im Jahr die Rede. "Das ist heftig." Einen Ausstieg zu jedem Preis dürfe es aber nicht geben. Der designierte FDP-Chef Philipp Rösler schloss für seine Partei Steuererhöhungen zur Finanzierung des Umstiegs aus. "Ich bin gegen einen Energie-Soli", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Auch eine höhere Neuverschuldung komme nicht infrage, um den notwendigen Netzausbau zu finanzieren.

Das Geld müsse an anderer Stelle im Bundeshaushalt eingespart werden, forderten neben Rösler auch Fraktionschefin Birgit Homburger und Generalsekretär Christian Lindner. Der CDU-Haushaltsexperte Norbert Barthle und Unions-Fraktionschef Volker Kauder schlossen Steuererhöhungen zur Finanzierung der Energiewende zwar ebenfalls aus. Ein neues Sparpaket sei aber nicht notwendig, sagte Barthle der "Passauer Neuen Presse". Nicht auszuschließen sei dagegen, dass eventuelle Mehrkosten "ein Stück weit von den Verbrauchern zu tragen sein werden".

Grüne warnen vor Panikmache

Merkel zeigte sich überzeugt, dass die Kosten für die Verbraucher überschaubar bleiben werden. Eine genaue Auskunft sei aber erst im Rahmen des Gesamtkonzepts möglich, erklärte die CDU-Chefin. SPD-Chef Sigmar Gabriel mahnte im NDR, die Kosten dürften nicht allein dem Stromkunden aufgebürdet werden. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warnte die Regierung vor Panikmache zu den Kosten des Atomausstiegs. Selbst nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums werde jeder deutsche Haushalt nur mit 1,50 Euro pro Monat zusätzlich belastet, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Gebot der Stunde müsse der Abbau ökologisch schädlicher Subventionen sein. Dagegen forderte Fuchs in der "Bild am Sonntag" neue Subventionen für energieintensive Betriebe wie Aluminium- und Stahlhersteller.

Umweltminister Norbert Röttgen will bis Mitte Juni ein neues Atomgesetz mit einem festen Ausstiegsdatum. Die Endlagerung spielt dabei aber bislang eine untergeordnete Rolle. Deren Kosten und Wirkungen sind aber nur schwer abschätzbar. An diesem Montag kommt die von der Bundesregierung eingesetzte Ethik-Kommission zu ihrer ersten, dreitägigen Klausur auf Schloss Liebenberg etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin zusammen. Der Vorsitzende der Entsorgungskommission, Sailer, sagte: "Wenn man ein neues Atomgesetz macht, sollte da reingeschrieben werden, dass man einen Fahrplan für die Endlagerung braucht." In den nächsten 20 bis 25 Jahren müsse man zu einem genehmigungsfähigen Projekt für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle kommen.

Der Chef eines der großen Energieversorgungsunternehmen warnte nach Informationen der "Bild am Sonntag" in vertraulicher Runde davor, der private Stromkunde müsse sich wegen des Atomausstiegs auf eine Preiserhöhung von 70 Prozent einstellen. Damit kämen auf jeden Bürger im Schnitt zusätzlich knapp 18 Euro pro Monat zu. Nach Darstellung eines RWE-Sprechers könnte der Konzern jedoch vom Abschalten einiger Atomanlagen wegen dann steigender Strompreise auch profitieren.

"Alle Kosten einrechnen"

Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte dagegen, würden alle Kosten und staatlichen Förderungen einberechnet, sei Atomstrom zum Beispiel doppelt so teuer wie Wasserkraft. Nach einer Studie kostet eine Kilowattstunde Windstrom 7,6 Cent, Wasserstrom 6,5 Cent, Kohlestrom 12,1 und Atomstrom 12,8 Cent. "Die ganze Energiedebatte krankt daran, dass für Atom und Kohle die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten nicht ehrlich beziffert werden", kritisierte Robert Werner, Vorstand von der Energiesparte Greenpeace Energy. Die Deutsche Umwelthilfe warnte in einer Erklärung davor, die "von interessierter Seite forcierte unseriöse Kostendebatte als Handbremse gegen die Umsetzung einer umfassenden Energiewende einzusetzen".

Um Einnahmeausfälle durch abgeschaltete Atomkraftwerke auszugleichen, erwägt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble offenbar eine Erhöhung der Kernbrennstoffsteuer. Im Ministerium werde geprüft, ob Haushaltslücken auf diese Weise von den Unternehmen zumindest teilweise ausgeglichen werden könnten, berichtete der "Spiegel". Ein Ministeriumssprecher wollte dies weder dementieren noch bestätigen.

rts/dpa/AFP>

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Fukushima 1 am 18.4.2011: <Roboter stellen hohe Verstrahlung fest>

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Roboter stellen hohe Verstrahlung fest; 18.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/24953719

<Das japanische Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi kommt nicht zur Ruhe: Roboter haben in zwei Reaktorblöcken hohe Radioaktivität gemessen.
In der Atomruine Fukushima versuchen die Arbeiter weiter mit Hochdruck, die Massen an verseuchtem Wasser loszuwerden. Sie hoffen, schon bald Wasser aus einem Schacht des Reaktors Nummer 2 in eine Müllbeseitigungsanlage abpumpen zu können.

Sorge bereite hochgradig verseuchtes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht angesammelt hat, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Montag. Es sei innerhalb eines Tages um drei Zentimeter gestiegen.

Roboter haben in zwei Reaktorblöcken hohe Radioaktivität gemessen. Das teilte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama, am Montag mit. Die Messergebnisse in den Reaktoren eins und drei machten aber den Einsatz menschlicher Arbeitskräfte nicht unmöglich. Die Arbeiter dürften allerdings nur in kurzen Zeitintervallen eingesetzt werden. Die Strahlung werde nicht den Zeitplan gefährden, innerhalb von neun Monaten das havarierte Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen.

Der AKW-Betreiber hatte am Vortag erklärt, dass die Reaktoren frühestens in etwa sechs Monaten stabilisiert werden könnten. Rund drei Monate werde es allein dauern, die Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken zu stabilisieren.

Die beschädigten Reaktorgebäude sollen dann in sechs bis neun Monaten abgedeckt werden. Die Regierung wies Tepco an, den Fahrplan schnell und zuverlässig umzusetzen.

Schlechte Noten für Regierung

Mehr als zwei Drittel der japanischen Bürger sind Umfragen zufolge mit dem Krisenmanagement ihrer Regierung nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe unzufrieden. Die Umfragen wurden am Montag von den grossen Zeitungen «Manichi», «Nihon Keizai» und «Asahi» veröffentlicht.

Eine Mehrheit zeigte sich darin bereit, für den Wiederaufbau der am 11. März von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Regionen höhere Steuern zu zahlen.

Ministerpräsident Naoto Kan entschuldigte sich am Montag im Parlament «zutiefst für das, was geschehen ist». Die Regierung versuche alles in ihrer Macht Stehende, um die beispiellose Katastrophe in den Griff zu bekommen.

Die Betreibergesellschaft des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, entschuldigte sich ebenfalls: «Ich entschuldige mich erneut zutiefst dafür, so viel Leid für die Anwohner des Atomkraftwerks, Menschen in Fukushima und der Öffentlichkeit verursacht zu haben», sagte Tepco-Präsident Masataka Shimizu.

(sda/dapd)>

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18.4.2011: <Radioaktivität aus Japan: Strahlung wird weltweit steigen>

aus: n-tv online; 18.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Strahlung-wird-weltweit-steigen-article3127736.html

<Ständig entweicht Radioaktivität aus den zerstörten Reaktoren im japanischen Fukushima. Greenpeace-Teams messen in der Region die Strahlung und werfen der japanischen Regierung Untätigkeit vor. Sie könne "nicht so tun, als gehe das Leben einfach weiter". Strahlen-Experte Lengfelder sieht auch die Gefahr für Europa noch nicht gebannt.

Die Gefahr einer radioaktiven Belastung durch den Super-Gau in Japan ist nach Ansicht des Münchner Strahlenmediziners Prof. Edmund Lengfelder auch für Deutschland und Europa bisher nicht gebannt. "Der Umstand, dass die Radioaktivität immer noch ungebremst in die Atmosphäre entlassen wird - was nach Aussage der japanischen Regierung noch Monate andauern wird - heißt: Die Radioaktivität nimmt ständig zu", sagte Lengfelder. "Wie viel davon bei uns ankommt, hängt von der Meteorologie ab."

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betonte dagegen auf Anfrage, in Deutschland seien keine Gesundheitsgefahren wegen radioaktiver Stoffe aus Japan zu befürchten. Auch die Umweltorganisation Greenpeace fürchtet jedoch eine weltweit steigende Strahlenbelastung infolge der Atomkatastrophe. Der Plan des Kraftwerkbetreibers Tepco zur Bekämpfung des Unfalls in den kommenden neun Monaten beruhe auf unbekannten Grundlagen, erklärte der Greenpeace-Experte Christoph von Lieven.

"Unseriöse Annahmen"

Es werde voraussichtlich etwa drei Monate dauern, durch das Schließen von Lecks das Austreten von Radioaktivität aus der Anlage im Nordosten des Landes zu verringern, hatte Tepco-Chef Tsunehisa Katsumata gesagt. Danach werde es wohl noch weitere drei bis sechs Monate dauern, "bis wir die radioaktiven Lecks auf ein sehr geringes Maß zurückfahren können", indem die Temperatur in den Reaktoren und in den Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe gesenkt werde.

"Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös", sagte von Lieven. "Das einzige, was im Moment klar ist, ist, dass weiter Radioaktivität austritt." "Wir sind uns nicht sicher, ob wir damit nicht noch Jahre zu tun haben. Und das ist ein weltweites Problem. Wir werden weltweit eine erhöhte Strahlenbelastung haben", sagte der Umweltschützer. Die sogenannte Hintergrundstrahlung werde weltweit weiter steigen. Auch manche Lebensmittel seien belastet. Das Ausmaß dieser Entwicklung sei noch nicht abzuschätzen, fügte von Lieven hinzu.

Lengfelder, der nach Tschernobyl die Gesellschaft für Strahlenschutz und das Münchner Otto Hug Strahleninstitut gründete, sagte, bisher seien die Messwerte hierzulande normal. "Wegen der weiter andauernden Freisetzung in die Atmosphäre muss man wirklich sehr sorgfältig beobachten, wann die Radioaktivität bei uns ansteigt." Das Trinkwasser sei hingegen in Deutschland nicht in Gefahr.

Greenpeace misst vor Ort

In der Atomruine Fukushima und der Katastrophenregion werden indes immer mehr Details über die Höhe der Strahlung bekannt. Die Unglücksgegend ist nach Greenpeace-Messungen deutlich radioaktiv belastet. Innerhalb der zerstörten Reaktoren maßen ferngesteuerte Roboter am Sonntag stark erhöhte Strahlenwerte. Große Mengen an radioaktiv verseuchtem Wasser erschwerten die Arbeiten in der Atomruine.

In der Stadt Fukushima, rund 60 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt, seien noch bis zu vier Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, sagte Greenpeace-Experte Thomas Breuer in Hamburg. Die Bevölkerung bekomme dort in 14 Tagen die höchste vertretbare künstliche Strahlendosis für ein Jahr ab.

In der Stadt Koriyama sei diese Dosis in 42 Tagen erreicht. Die höchste Strahlenbelastung maß das Team nach Breuers Angaben in zwei Dörfern der Region mit 7 bis 48 Mikrosievert pro Stunde. Dort erhielten die Bewohner im Schnitt bereits in zwei Tagen die Jahresdosis. "Das sind dramatische Zahlen", sagte Breuer. Auf sandigen oder erdigen Böden, etwa auf Spielplätzen, ist die Belastung besonders hoch, weil sich radioaktive Partikel darin gut verfangen. "Die Menschen in Fukushima City und in Koriyama müssen Langzeitfolgen befürchten, Kinder sind besonders gefährdet", sagte Breuer.

"Dramatische Zahlen"

Greenpeace sieht eine zusätzliche Belastung von 1000 Mikrosievert (1 Millisievert) im Jahr als höchste vertretbare Dosis an. Dieser Wert liegt in etwa bei der Hälfte der durchschnittlichen natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland. Es müsse über weitere Evakuierungen nachgedacht werden ebenso über Maßnahmen gegen den radioaktiven Staub. Spielplätze und Kindergarten sollten vielerorts geschlossen werden.

Anders als 1986 rund um Tschernobyl gebe es bei Fukushima außerdem keine Kontrollen des Verkehrs, kritisierte Breuer. Obwohl mitten durch das Gebiet eine stark befahrene Fernroute führe, gebe es keine Radioaktivitätsmessungen an den Fahrzeugen. Auch die Bauern würden mit dem Strahlenproblem allein gelassen. Sie erhielten keine Informationen darüber, was sie mit ihren Feldfrüchten machen und wie sie mit dem kontaminierten Land in Zukunft umgehen sollten.

Greenpeace untersuchte auch 16 Gemüse- und 8 Bodenproben in der Region. In Feldgemüse seien Werte von 8000 bis 150 000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt worden - der Grenzwert etwa für Jod-131 liege bei 2000 Becquerel pro Kilogramm. Welche radioaktiven Stoffe in dem Gemüse waren, sei mit der mitgenommenen Technik nicht zu messen gewesen.

Roboter im Einsatz

In den kritischen Reaktoren 1 und 3 von Fukushima maßen ferngesteuerte Roboter am Sonntag erhöhte Strahlenwerte, wie das japanische Fernsehen NHK unter Berufung auf Tepco auf seiner Internetseite meldete. Danach wurden im Reaktor 1 Werte von 10 bis 49 Millisievert pro Stunde gemessen, in Reaktor 3 waren es demnach 28 bis 57 Millisievert pro Stunde. 57 Millisievert pro Stunde sind nach Angaben des Betreibers Tepco fast 6000 Mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors. Die Verstrahlung verzögere die Arbeiten, erklärte Tepco.

In Reaktor 2 stieg in einem Schacht weiter die Menge an verstrahltem Wasser. Zunächst war es weniger geworden, nachdem mehrere hundert Tonnen abgelassen worden waren. Doch dann stieg es am Montag wieder um etwa neun Zentimeter, wie das japanische Fernsehen NHK auf seiner Internetseite berichtete. Die Einsatzkräfte hofften, das Wasser aus dem Schacht schon bald in einen Auffangbehälter abpumpen zu können.

AFP/dpa>

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Basler Zeitung online, Logo

18.4.2011: Japan müsste schon lange die Evakuierungszone auf 80 km ausweiten - aber will nicht 1 Million Menschen evakuieren

aus: Basler Zeitung: "Das ist absolut utopisch"; 18.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Das-ist-absolut-utopisch/story/20814566
<Interview: Matthias Chapman.

Sebastian Pflugbeil ist Physiker, war DDR-Minister und stand einst im Tschernobyl-Sarkophag. Mit baz.ch/Newsnetz spricht er über «Sprachmanöver» der japanischen AKW-Betreiberin. Und über die Angst, Klartext zu reden.

Herr Pflugbeil, die Betreiberin des AKW Fukushima erklärt, «einige» der Evakuierten könnten nie mehr in ihre Häuser zurückkehren. Kann man daraus schliessen, dass von den 80'000 die meisten irgendwann zurückkehren können?
Nach den Erfahrungen von Tschernobyl ist das absolut utopisch. Und auch die jüngsten Messwerte der IAEA lassen eine Rückkehr dieser 80'000 Menschen als wenig wahrscheinlich erscheinen.

Warum denn diese Wortwahl?
Ich befürchte, dass das ein Sprachmanöver ist, um die Leute über Monate hinweg ruhig zu halten. Nein, die Rückkehr der Evakuierten in ihre Häuser halte ich für wenig wahrscheinlich.

Greenpeace hat schon vor drei Wochen eine Ausweitung der Evakuierungszone auf 40 Kilometer vorgeschlagen. Muss der Kreis weiter gezogen werden?
Ich würde das schon so sehen. Amerikanische Experten hatten gar von einer Ausweitung auf 80 Kilometer gesprochen. In diese Richtung müsste man eigentlich gehen.

Was spricht dafür?
Die IAEA hat bis zu 60 Kilometern Distanz zu Fukushima Strahlenwerte gemessen, die den mittleren Werten in der Sperrzone von Tschernobyl entsprechen. Und bis jetzt hat die Organisation dies nicht zurückgenommen.

Warum wird die Evakuierungszone nicht erweitert?
Das ist ein riesiges logistisches, humanitäres und psychologisches Problem. Wenn man den Evakuierungskreis erweitert, kommt man schnell in einen Bereich, wo eine Million Menschen betroffen ist. Diese Leute müssten untergebracht und verpflegt werden. Das ist praktisch nicht machbar, weil man schlicht nicht weiss, wie das geschehen soll. Zumindest mit Kindern würde ich da sofort wegziehen. Aber das kann man ja nicht gleichzeitig einer Million Menschen sagen.

Sie glauben, die Regierung hat Angst, Klartext zu reden?
Alle haben Angst, Klartext zu reden. Aber daran führt kein Weg vorbei. Die Leute müssen wissen, was dort passiert.

Viele Menschen werden sich dagegen wehren, umgesiedelt zu werden.
Da liegt ein grosses Problem. Hierzu gibt es keine demokratische Entscheidung. Wenn man einen Beschluss gefasst hat, muss das militärisch durchgezogen werden. Das war natürlich in Staaten wie der Ukraine und Weissrussland einfacher, wo die Menschen in streng hierarchischen Strukturen lebten. Damals fuhren die Busse vor, packten die Leute rein und fuhren weg.

In Tschernobyl musste es wegen des Brandes im Atomkraftwerk auch besonders schnell gehen.
Ja, die Geschwindigkeit ist ein entscheidender Unterschied. In Japan passiert das stückweise. Aber nochmals: Was jetzt schon an Wissen vorliegt, genügt, das etwas getan werden muss. Dass man die Sache in Fukushima in einigen Monaten im Griff haben wird, das ist ein frommer Wunsch. Mit den vier Blöcken ist viel mehr radioaktives Potenzial vorhanden als in Tschernobyl. Und nach Lehrbuch wird sich die Freisetzung noch verstärken.

Zurück zu den evakuierten Menschen. 25 Jahre sind nun seit der Katastrophe in Tschernobyl vergangen. Gibt es Bestrebungen, das umliegende Gebiet wieder zu besiedeln?
Die Regierungen der betroffenen Länder Ukraine und Weissrussland streben das an. Sie möchten den Sperrring um das zerstörte AKW verkleinern, das Gebiet wieder wirtschaftlich nutzen. Zum Beispiel touristisch. Ich halte das für schwachsinnige Projekte.

Es leben jetzt schon Leute innerhalb dieser Sperrzone.
Ja, vor allem ältere Menschen. Auch Afghanistan-Veteranen sind dahingezogen, weil sie sahen, dass dort massenhaft Häuser und Wohnungen frei waren. Inzwischen wird das hingenommen, die Kontrollen sind erlahmt. Die Regierungen wollen auch nicht mehr über die Angelegenheiten sprechen. (baz.ch/Newsnetz)>

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20 minuten online, Logo

Frankreich 18.4.2011: Hungerstreik gegen das AKW Fessenheim

aus: 20 minuten online: Atomdebatte: Hungerstreik soll AKW Fessenheim stoppen; 18.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/Hungerstreik-soll-AKW-Fessenheim-stoppen-23646701

<Umweltschützer haben einen Hungerstreik begonnen, um die Abschaltung des französischen Atomkraftwerkes Fessenheim am Rhein durchzusetzen.

«Wir fordern die Schliessung von Fessenheim, dem ältesten aller Atomkraftwerke», sagte Jean-Pierre Frick als Vertreter der Gruppe auf einer Pressekonferenz in Colmar. Das AKW liegt im Elsass, rund 40 Kilometer nördlich von Basel. Fessenheim wurde 1977 gebaut und liegt in einem Erdbebengebiet. Nach dem Unglück in Fukushima mehren sich auch in Frankreich die Stimmen, die die Stilllegung fordern.

Der Chef des Stromkonzerns EDF, Henri Proglio, versicherte in einem Interview mit der Zeitung «Le Figaro», dass Fessenheim und die anderen französischen AKW in einem «hervorragenden Zustand» seien. Die Anlage in Fessenheim sei ständig modernisiert worden. Frankreich ist nach den USA das Land mit den meisten Atomreaktoren: Die 58 Reaktoren produzieren knapp vier Fünftel des Stroms.

(sda)>

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Indien 18.4.2011: Polizei erschiesst Demonstrant bei Anti-AKW-Demo in Ratnagiri 360 km südlich von Mumbai

aus: Basler Zeitung online: Todesopfer bei Demonstratino gegen ein AKW; 18.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Todesopfer-bei-Demonstration-gegen-ein-AKW-/story/30019779

<In Indien hat die Polizei bei heftigen Protesten gegen den Bau eines Kernkraftwerks des französischen Konzerns Areva einen Demonstranten erschossen.

Hier sollen künftig sechs Reaktoren Strom liefern: Ein Polizist im Ratnagiri-Bezirk, rund 360 Kilometer südlich von Mumbai.

Der Innenminister des Bundesstaats Maharashtra, R.R. Patil, sagte am Montag vor dem Regionalparlament, der Mann sei in Jaitapur an der Westküste getötet worden, als 600 bis 700 Demonstranten eine örtliche Polizeiwache stürmten, wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete. Die Menge habe die Wache geplündert und Polizeifahrzeuge in Brand gesteckt. Da sie sich trotz Schüssen in die Luft nicht zerstreute, seien die Beamten gezwungen gewesen, mit scharfer Munition in die Menge zu feuern.

«Unsere Männer haben Tränengasgranaten geworfen, Bambusstöcke eingesetzt und Gummigeschosse gefeuert. Dann hatten wir keine Wahl mehr als zu schiessen», sagte der Generalinspekteur der Polizei von Maharashtra, Gulabrao Pol. Demnach wurden bei den Zusammenstössen mehr als 20 Menschen festgenommen und acht Polizisten verletzt.

Widerstand gegen die Pläne der Regierung

Die Proteste richteten sich gegen den Bau von sechs Europäischen Druckwasserreaktoren mit einer Gesamtleistung von 9900 Megawatt durch Areva auf einer Halbinsel am Meer. Während des Besuchs des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vergangenen Dezember war ein Vertrag für den Bau der ersten zwei Reaktoren unterzeichnet worden.

Schon in der Vergangenheit hatten die Pläne zum Bau der Reaktoren an der Küste 250 Kilometer südlich der Metropole Mumbai unter der örtlichen Bevölkerung für Proteste gesorgt. Bauern und Fischer, die für den Bau umgesiedelt werden sollen, lehnten die angebotenen Entschädigungen ab. Das Versprechen, dass der Bau neue Arbeitsplätze schaffen werde, wurde überwiegend mit Skepsis aufgenommen.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien bezieht derzeit drei Prozent seines Stroms aus Atomkraft. Die Regierung möchte den Anteil bis zum Jahr 2020 verdoppeln und bis 2030 auf 13 Prozent steigern. (raa/sda)>

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