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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 6)

Krebs heilt mit Natron oder mit Blutgruppenernährung.

Die japanische Regierung bekommt das AKW Fukushima weiterhin nicht in den Griff: Radioaktives Wasser soll durch Entsalzung "wiederaufbereitet" werden - radioaktiver Dampf verscheucht Roboter - Italien will keine AKWs mehr - strahlende Tschernobyl-Soldaten - es wird noch viele Tschernobyls geben - Mineralschwämme sollen helfen - Sperrzone um Fukushima abgeriegelt - das japanische Spiel mit Strahlengrenzwerten - das schweizer AKW Mühleberg mit Zugankern ist eine Katastrophe für sich - in Deutschland fehlen Stromnetze für die Energiewende - Mauer und Tanks für Fukushima - verstrahlte Exportgüter aus Japan und der Streit, welche Grenzwerte nun gelten - Demo gegen Atom in Tokio - der "befreundete" AKW-Prüfer von Mühleberg - Kinderlager für Tschernobyl-Kinder - Ostermärsche - Zeitbombe Asse - Greenpeace wird das Messen in Japan verboten - CSU: Gaskraftwerke, bis die erneuerbaren Energien so weit sind - verstrahlte Gegenden in Deutschland durch Tschernobyl, Karte: 300 Jahre warten - Bayern sträubt sich gegen Atommüll-Endlager - Economiesuisse beharrt auf Kernenergie - verstrahlter Container aus Japan in Belgien - der schweizerische, "verbandelte" Atomaufseher geht in den Ausstand - radioaktives Meer vor Fukushima mit 600-fachem Wert für Cäsium 137 - EU sträubt sich gegen strengere Normen für AKWs - AKW-Filz in der Schweiz - AKW Hamaoka wird geschlossen wegen Erdbebenverwerfungslinie - Fukushima-Mitarbeiter - Japans Regierung sträubt sich gegen Atomausstieg - SBB ohne Atom - Japan will Atomkraft nicht mehr ausbauen - die Kostenwahrheit beim Atomstrom: 10-facher Preis - Leck, Brennstäbe, Wasserpegel - schweizer Atomausstieg für 5 Franken pro Haushalt - Fukushima-Schadensumme: 54 Milliarden Franken für Tepco - 33% der "US"-Atomkraftwerke mit Mängeln - Kernschmelze in Fukushima 1 war schon am zweiten Tag - Japans Regierung baute keine Schutzmauern für AKWs im Tsunami-Gebiet - 136 Meter langer Lastkahn für radioaktives Wasser - Räumung der Städte Kawamata und Iitate


Karte von Deutschland mit der
                          Cäsiumbelastung 25 Jahre nach Tschernobyl
Karte von Deutschland mit der Cäsiumbelastung 25 Jahre nach Tschernobyl

Zusammenfassung: Wildschweinfleisch und Pilze kann man aus hoch belasteten Regionen nicht essen - und Fische der Ostsee sind verseucht
Die radioaktiven Wolken mit dem radioaktiven Regen kam 2 Tage nach der Katastrophe von Tschernobyl. Tiere und Pflanzen der hochbelasteten Regionen sind derart verstrahlt, dass sie nicht gegessen werden sollten: Wildschweine und Pilze. Pilze haben bis 20 mal höhere Cäsiumwerte als der Grenzwert. Dasselbe gilt für Speisefische aus der Ostsee, die eine bis zu 10 mal höhere, radioaktive Strahlung aufweisen. Die Fische aus der Nordsee sind dagegen nicht radioaktiv belastet. Die Halbwertszeit für Cäsium 137 ist 30 Jahre. Experten meinen, es dauert 300 Jahre, bis das Cäsium derart zerfallen ist, dass die Produkte aus dem Wald wieder unbedenklich geniessbar sind - vorausgesetzt, dass sich keine neuen Atomkatastrophe ereignen und die Gegenden erneut verseuchen.


Video-Link: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

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Einleitung

Die grosse Völkerwanderung in Japan kommt langsam in Gang.

Michael Palomino, 16.5.2011


20 minuten
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19.4.2011: 70.000 Tonnen hochradioaktives Wasser werden wiederaufbereitet, indem das Salz entzogen wird

aus: 20 minuten online: Fukushima: Wie man radioaktives Wasser reinigt; 19.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/17879390

<Erstmals ist hoch radioaktives Wasser aus einem der zerstörten Reaktorblöcke des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi abgepumpt worden. Mit einem Trick kann es wiederaufbereitet werden.

Die japanische Regierung hält die Gefahr einer vollständigen Kernschmelze im zerstörten Kernkraftwerk Fukushima Eins derzeit für weitgehend gebannt. «Wenn wir die Kühlung aufrechterhalten, ist so etwas unwahrscheinlich», sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstag.

Die Atomaufsichtsbehörde hatte zuvor bestätigt, dass Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 teilweise geschmolzen sind. Nach Angaben des Atombetreibers Tepco besteht zudem die Möglichkeit, dass gebrauchte Brennstäbe in Reaktor 2 beschädigt sind. Wie gross die Schäden sind, sei noch nicht klar, sagte Edano. Atomexperten seien dabei, die Details zu analysieren.

Verseuchtes Wasser wird abgepumpt

Die andauernde Kühlung der Reaktoren mit Millionen Litern Wasser zeige zumindest eine gewisse Wirkung. Die enormen Massen verstrahlten Wassers behinderten allerdings die weiteren Arbeiten. Deshalb wird in den kommenden 20 Tagen voraussichtlich ein Drittel des Wassers in der Turbinenhalle des Reaktorblocks 2 abgepumpt.

Erst wenn die rund 25 000 Tonnen Wasser in ein Auffangbecken umgepumpt sind, können Arbeiter zur Reparatur des Kühlkreislaufs des Reaktors ausrücken. Insgesamt müssten 70 000 Tonnen verstrahlten Wassers aus den Reaktorgebäuden 1, 2 und 3 und anliegenden Arealen abgepumpt werden.

Zur Zeit des Unglücks am 11. März, als der von einem schweren Beben ausgelöste Tsunami das Kraftwerk traf, waren die zwei weiteren Reaktoren 5 und 6 wegen Wartungsarbeiten ausser Betrieb. Diese Reaktoren konnten anschliessend komplett heruntergefahren werden.

Wasser soll aufbereitet werden

Die Betreibergesellschaft Tepco plant mithilfe von Technologie, die vom französischen Atomkonzern Areva entwickelten wurde, dem verseuchten Wasser das Salz zu entziehen. So könne es künftig zur weiteren Kühlung der Brennstäbe in den Reaktoren eingesetzt werden, sagte Sprecher Nishiyama.

Bereits am Sonntag wurden Roboter zur Messung der Strahlenwerte in die Reaktoren 1 und 3 geschickt. Dort wurden Werte von 57 Millisievert in der Stunde gemessen, ein zu hoher Wert, um Menschen in die Reaktorblöcke zu schicken. Im Reaktorblock zwei wurden am Montag 4,1 Millisievert gemessen.

[Noch 9 Monate wird Strahlung entweichen, bis der Sarkophag kommt]

Am Wochenende stellte Tepco einen Krisenfahrplan für die kommenden Monate vor. Demnach wird es bis zu neun Monate dauern, bis alle Reaktoren stabilisiert werden können. Das Ziel ist eine Abdichtung aller Lecks und das Abkühlen der Stäbe auf unter 100 Grad Celsius. Danach soll das Areal möglicherweise abgedeckt werden, um ein weiteres Entweichen von radioaktiver Strahlung zu verhindern.

Öffentlicher Frust

Während sich die Nuklearkrise hinzieht, steigt die Verärgerung der Bevölkerung über das Krisenmanagement der Regierung. Gemäss Umfragen sind mehr als zwei Drittel der Japaner mit der Regierung des Ministerpräsidenten Naoto Kan unzufrieden. Bei einer Parlamentssitzung am Montag verlangten Oppositionspolitiker seinen Rücktritt.

Derweil hat die Betreibergesellschaft des Kraftwerks Tepco den Anwohnern, die aus dem Krisengebiet evakuiert wurden, etwa 12 000 Dollar pro Haushalt als vorläufige Wiedergutmachung versprochen. Insgesamt wurden in der vom Erdbeben und dem folgenden Tsunami verwüsteten Region 27 000 Menschen getötet oder werden weiter vermisst.

(ast/sda/dapd)>

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Spiegel
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19.4.2011: [Radioaktiver] <Dampf im Fukushima-Reaktor: Tepco zieht Roboter wegen schlechter Sicht ab>

aus: Spiegel online; 19.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758047,00.html

<Auf dem Katastrophen-AKW Fukushima I stossen selbst Roboter an Grenzen: Dampf in Reaktor 2 behindert ihre Sicht. Jetzt hat Tepco sie vorsichtshalber zurückgelotst. Hilfe bekommt der Betreiber jetzt vom französischen Atomkonzern Areva. Dessen Idee: Recycling von radioaktivem Wasser.

Tokio - Auf dem havarierten AKW Fukushima I arbeiten selbst ferngesteuerte Roboter unter erschwerten Bedingungen. Am Dienstag ist der Versuch gescheitert, sie weiter in Reaktor 2 vordringen zu lassen. Der Grund: Massenhaft Dampf wabert derzeit im Gebäude des Blocks. Die Kameras der Geräte seien beschlagen - und eine Orientierung dadurch erschwert. Tepco hat die Roboter nach eigenen Angaben deshalb vorsichtshalber zurückgelotst.

Nahe des Eingangs zu Reaktor 2 hatten Roboter am Montag während einer 51-minütigen Erkundung eine Strahlenbelastung von 4,1 Millisievert gemessen. Das sind umgerechnet 4,8 Millisievert pro Stunde. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Strahlenbelastung durch natürliche radioaktive Quellen bei 2,1 Millisievert - im ganzen Jahr. Am 15. März hatte die japanische Regierung die zulässigen Grenzwerte für die Arbeiter am AKW Fukushima I von 100 Millisievert auf 250 Millisievert pro Jahr erhöht.

In der Theorie könnte sich also ein zuvor unbelasteter Tepco-Arbeiter rund 60 Stunden im Reaktorgebäude 2 aufhalten, bis er diese Grenze erreicht hat. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Die Temperatur im Gebäude habe 34 bis 41 Grad Celsius betragen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Die Luftfeuchtigkeit sei mit 94 bis 99 Prozent aber zu hoch, um Reparaturtrupps an das Reaktorgebäude lassen zu können. Der Dampf müsse zunächst hinausbefördert werden.

Am Montag waren die Roboter auch erstmals in die Problemreaktoren 1 und 3 vorgedrungen. Dort war die gemessene Radioaktivität höher als in Reaktor 2: Sie betrug 10 bis 49 Millisievert pro Stunde in Block 1, und 28 bis 57 Millisievert pro Stunde in Block 3. Das ist nach Angaben des Betreibers fast 6000-mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors. Eine akute Belastung von insgesamt etwa 1000 Millisievert (1 Sievert) genügt, um eine leichte Strahlenkrankheit auszulösen. Übelkeit, Erbrechen und eine vorübergehende Unfruchtbarkeit bei Männern können die Folge sein.

Ziel: Abkühlung auf 100 Grad Celsius

Der Betreiber Tepco hält unterdessen an seinem Krisenfahrplan für die kommenden Monate fest. Demnach wird es bis zu neun Monate dauern, bis alle Reaktoren stabilisiert werden können. Das Ziel ist eine Abdichtung aller Lecks und das Abkühlen der Stäbe auf unter 100 Grad Celsius. Danach soll das Areal möglicherweise abgedeckt werden, um ein weiteres Entweichen von radioaktiver Strahlung zu verhindern.

Doch zunächst arbeiten die Tepco-Männer weiterhin mit Hochdruck daran, die Kühlung der teils beschädigten Brennstäbe mit Millionen Litern von Wasser in Gang zu halten. Diese Massnahme zeige zumindest eine gewisse Wirkung, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstag. Wenn man die Kühlung aufrechterhalte, sei eine vollständige Kernschmelze unwahrscheinlich.

Diese Lösung wird allerdings immer mehr zum Problem: Die enormen Massen radioaktiv belasteten Wassers behindern Versuche, die vom Tsunami vor fast sechs Wochen zerstörten Kühlsysteme zu reparieren. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, Ministerpräsident Naoto Kan wolle sich möglicherweise am Donnerstag ein Bild von der Lage in Fukushima machen.

Am Dienstag begannen die Arbeiter damit, das hochgradig mit radioaktiven Partikeln kontaminierte Wasser aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 zu pumpen. Tepco will so in den nächsten Wochen 10.000 Tonnen Wasser in eine Auffanganlage pumpen - aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 und einem damit verbundenen unterirdischen Tunnelschacht, der nahe am Meer liegt.>

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Spiegel
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19.4.2011: Dampf im Fukushima-Reaktor lässt Roboter nicht weiterarbeiten - und radioaktives Wasser soll "aufbereitet" werden

aus: Spiegel online: Dampf im Fukushima-Reaktor: Tepco zieht Roboter wegen schlechter Sicht ab, 19.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758047,00.html

<Auf dem Katastrophen-AKW Fukushima I stossen selbst Roboter an Grenzen: Dampf in Reaktor 2 behindert ihre Sicht. Jetzt hat Tepco sie vorsichtshalber zurückgelotst. Hilfe bekommt der Betreiber jetzt vom französischen Atomkonzern Areva. Dessen Idee: Recycling von radioaktivem Wasser.

Tokio - Auf dem havarierten AKW Fukushima I arbeiten selbst ferngesteuerte Roboter unter erschwerten Bedingungen. Am Dienstag ist der Versuch gescheitert, sie weiter in Reaktor 2 vordringen zu lassen. Der Grund: Massenhaft Dampf wabert derzeit im Gebäude des Blocks. Die Kameras der Geräte seien beschlagen - und eine Orientierung dadurch erschwert. Tepco hat die Roboter nach eigenen Angaben deshalb vorsichtshalber zurückgelotst.

Nahe des Eingangs zu Reaktor 2 hatten Roboter am Montag während einer 51-minütigen Erkundung eine Strahlenbelastung von 4,1 Millisievert gemessen. Das sind umgerechnet 4,8 Millisievert pro Stunde. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Strahlenbelastung durch natürliche radioaktive Quellen bei 2,1 Millisievert - im ganzen Jahr. Am 15. März hatte die japanische Regierung die zulässigen Grenzwerte für die Arbeiter am AKW Fukushima I von 100 Millisievert auf 250 Millisievert pro Jahr erhöht.

In der Theorie könnte sich also ein zuvor unbelasteter Tepco-Arbeiter rund 60 Stunden im Reaktorgebäude 2 aufhalten, bis er diese Grenze erreicht hat. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Die Temperatur im Gebäude habe 34 bis 41 Grad Celsius betragen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Die Luftfeuchtigkeit sei mit 94 bis 99 Prozent aber zu hoch, um Reparaturtrupps an das Reaktorgebäude lassen zu können. Der Dampf müsse zunächst hinausbefördert werden.

Am Montag waren die Roboter auch erstmals in die Problemreaktoren 1 und 3 vorgedrungen. Dort war die gemessene Radioaktivität höher als in Reaktor 2: Sie betrug 10 bis 49 Millisievert pro Stunde in Block 1, und 28 bis 57 Millisievert pro Stunde in Block 3. Das ist nach Angaben des Betreibers fast 6000-mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors. Eine akute Belastung von insgesamt etwa 1000 Millisievert (1 Sievert) genügt, um eine leichte Strahlenkrankheit auszulösen. Übelkeit, Erbrechen und eine vorübergehende Unfruchtbarkeit bei Männern können die Folge sein.

Ziel: Abkühlung auf 100 Grad Celsius

Der Betreiber Tepco hält unterdessen an seinem Krisenfahrplan für die kommenden Monate fest. Demnach wird es bis zu neun Monate dauern, bis alle Reaktoren stabilisiert werden können. Das Ziel ist eine Abdichtung aller Lecks und das Abkühlen der Stäbe auf unter 100 Grad Celsius. Danach soll das Areal möglicherweise abgedeckt werden, um ein weiteres Entweichen von radioaktiver Strahlung zu verhindern.

Doch zunächst arbeiten die Tepco-Männer weiterhin mit Hochdruck daran, die Kühlung der teils beschädigten Brennstäbe mit Millionen Litern von Wasser in Gang zu halten. Diese Massnahme zeige zumindest eine gewisse Wirkung, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstag. Wenn man die Kühlung aufrechterhalte, sei eine vollständige Kernschmelze unwahrscheinlich.

Diese Lösung wird allerdings immer mehr zum Problem: Die enormen Massen radioaktiv belasteten Wassers behindern Versuche, die vom Tsunami vor fast sechs Wochen zerstörten Kühlsysteme zu reparieren. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, Ministerpräsident Naoto Kan wolle sich möglicherweise am Donnerstag ein Bild von der Lage in Fukushima machen.

Am Dienstag begannen die Arbeiter damit, das hochgradig mit radioaktiven Partikeln kontaminierte Wasser aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 zu pumpen. Tepco will so in den nächsten Wochen 10.000 Tonnen Wasser in eine Auffanganlage pumpen - aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 und einem damit verbundenen unterirdischen Tunnelschacht, der nahe am Meer liegt.

Pro Tag könnten dort etwa 480 Tonnen abgepumpt werden, meldete die Agentur Jiji Press. Damit würde das Abpumpen von 10.000 Tonnen etwa 21 Tage dauern. Nach Schätzung von Tepco befinden sich in und um das Turbinengebäude 25 000 Tonnen Wasser, das teils mit mehr als 1000 Millisievert pro Stunde strahlt.

In den Reaktoren 1 und 3 sollen 42.500 Tonnen relativ gering verstrahlten Wassers sein, hiess es unter Berufung auf Tepco weiter. Hier beläuft sich die Radioaktivität auf 10 bis 57 Millisievert, berichtete die Agentur Kyodo. Das Wasser soll in Behelfstanks sowie einen auf dem Meer schwimmenden Riesentank gefüllt werden.

Doch was geschieht anschliessend mit den radioaktiven Wassermassen? Wie Tepco jetzt bekanntgab, soll der französische Atomkonzern mit seiner Technologie Hilfe leisten. Die Idee der Franzosen ist eine Art Recycling des radioaktiven Wassers: Mit einer speziellen Anlage soll dem kontaminierten Wasser, das in grossen Teilen aus dem Meer stammt, das Salz entzogen werden. So könne es künftig zur weiteren Kühlung der Brennstäbe in den Reaktoren eingesetzt werden, sagte der Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa, Hidehiko Nishiyama.

Während sich die Nuklearkrise hinzieht, steigt die Verärgerung der Bevölkerung über das Krisenmanagement der Regierung. Gemäss Umfragen sind mehr als zwei Drittel der Japaner mit der Regierung des Ministerpräsidenten Naoto Kan unzufrieden. Bei einer Parlamentssitzung am Montag verlangten Oppositionspolitiker seinen Rücktritt.

Derweil hat die Betreibergesellschaft des Kraftwerks Tepco den Anwohnern, die aus dem Krisengebiet evakuiert wurden, etwa 12.000 Dollar (8400 Dollar) pro Haushalt als vorläufige Wiedergutmachung versprochen. Insgesamt wurden in der vom Erdbeben und dem folgenden Tsunami verwüsteten Region 27.000 Menschen getötet oder werden weiter vermisst.>


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20 minuten
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19.4.2011: <Atomdebatte: Italien legt Atom-Wiedereinstieg auf Eis>

aus: 20 minuten online; 19.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/20774283

<Abenteuerliche Schleuderfahrt von Berlusconis Atompolitik: Nach der Atom-Katastrophe in Japan will Italien seine Pläne zum Wiedereinstieg in die Kernenergie endgültig auf Eis legen. Die Regierung brachte im Senat eine Gesetzesänderung ein, die die Vorbereitungen und die Suche nach Standorten für neue Atomkraftwerke definitiv stoppt. Es müsse jetzt die Sicherheit atomarer Energie weiter wissenschaftlich erforscht werden, heisst es zur Begründung. Auch die technologische Entwicklung gelte es zu berücksichtigen.

Sollte diese Änderung im Parlament durchkommen, wäre das am 12. Juni vorgesehene Referendum der italienischen Atomkraftgegner gegen den Wiedereinstieg überholt.

Berlusconi wollte Wiedereinstieg

Zunächst hatte die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi den geplanten Wiedereinstieg angesichts der schweren Schäden an den japanischen Atomkraftwerk Fukushima infolge des Erdbebens nur für ein Jahr ausgesetzt. Die Regierung wollte sich im übrigen 24 Monate Zeit nehmen, um ihre Kernenergie-Strategie genauer zu definieren, hiess es am 23. März.

Atomkraftgegner werteten das jedoch als Augenwischerei. Die Regierung musste befürchten, das Referendum vom Juni unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe zu verlieren.

Italiener klar gegen Atomenergie

Italien war 1987 nach der Katastrophe von Tschernobyl aus der Kernenergie ausgestiegen. Damals sprachen sich bei einem Referendum 80 Prozent der Bevölkerung gegen Atomkraft aus.

Berlusconi hatte im Juli 2009 im Parlament die gesetzliche Basis für einen Wiedereinstieg gelegt. 2013 hätte mit dem Bau des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) begonnen werden sollen.

(sda)>

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Spiegel
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19.4.2011: <25 Jahre Tschernobyl: "jeder Soldat strahlte wie ein kleiner Reaktor">

aus: Spiegel online; 19.4.2011; http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/22587/verwuestete_leben.html

[Buchempfehlung]: Rüdiger Lubricht, Peter Junge-Wentrup (Hrsg., IBB Dortmund): "Verlorene Orte - Gebrochene Biografien". März 2011, 120 Seiten.


[Texte der Bilderstrecke]:

<1. Nikolai Kanzawenka: Der Oberförster musste von 1986 bis 1987 in der stark radioaktiv verseuchten Region um Tschernobyl Bäume pflanzen. Seit 1987 leidet Nikolai Kanzawenka (geb. 1941 im Gebiet Gomel, Weissrussland) an Krebs.

2. Sergej Lobatsch: Nach der Reaktorexplosion wurde Sergej Lobatsch (geb. 1965) für einen Monat als Polizist im Kernkraftwerk Tschernobyl eingesetzt. 25 Jahre später leidet er an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lungen. Ihm wurde seine Schilddrüse entfernt.

3. Klaudsija und Adam Waranez: Das Lehrerehepaar Klaudsija (geb. 1958 im Gebiet Grodno) und Adam (geb. 1953 im Gebiet Gomel) Waranez lebte nur 25 Kilometer vom Reaktor entfernt. Statt evakuiert zu werden, sollten sie Ende April 1986 erst bei der Dekontaminierung der Schule helfen. Konkret hiess das: "Wir trugen die obere Bodenschicht ab, doch das half nichts." Im September 1986 wurde das Ehepaar umgesiedelt.

4. Michail Belski: Von 1958 bis 1991 arbeitete Michail Belski (geb. 1931 in Minsk) als Lkw-Fahrer. Im Juli, Oktober und November 1986 - im Jahr der Katastrophe von Tschernobyl - wurde er als Kraftfahrer am Unglücksort eingesetzt. 1992 musste er sich seine Schilddrüse entfernen lassen, drei Operationen am Dickdarm hat er schon hinter sich.

5. Dmitrij Birkulow: Von Februar 1986 bis März 1988 arbeitete Dmitrij Birkulow (geb. 1958) täglich für etwa zwölf Stunden in den Kraftwerksblöcken zwei, drei und vier. Mehr als 20 Jahre später leidet er an den Folgen: eine Herzerkrankung und Blutkrebs.

6. Ewgenij Samsow: Als Feuerwehrhauptmann war Samzow (geb. 1954) unmittelbar nach der Katastrophe in der evakuierten Zehn-Kilometer-Zone von Tschernobyl eingesetzt. Er leidet an Herz-, Blut- und Kreislauferkrankungen - und ist der letzte Überlebende seiner Einsatzbrigade.

7. Filip Desjatnikow: Der Generalmajor leitete während der Löscharbeiten am Kernkraftwerk den Einsatz der gesamten Feuerwehr. Bereits einen Tag nach dem Unglück überflog er im Hubschrauber den zerstörten Reaktor. 1992 erkrankte Filip Desjatnikow (geb. 1930) an Krebs.

8. Mykola Bosji: Der Oberst - mittlerweile ausser Dienst - leitete die militärische Spezialeinheit 731, die massgeblich an der Löschung des Reaktors beteiligt war. Mykola Bosji wurde 1942 im Gebiet Kiew geboren.

9. Oleksandr Naumow: Vom 29. April bis zum 2. Mai 1986 bewachte Oleksandr Naumow (geb. 1950 in Kiew) die Bahnstation Janow in der Sperrzone. Ab 1988 war er für zwei Jahre als Kompaniechef in dem Sperrbezirk tätig. Seitdem besuchte er regelmässig die Gebiete um Tschernobyl. Der Oberst ausser Dienst arbeitet heute als Fotograf und Journalist.

10. Mikalai Masalski: Viele Jahre arbeitete er als Ingenieur für Arbeitsschutz für ein staatliches Strassenbauunternehmen in Kalinkowitschi, Weissrussland. Dann, vom 3. Mai bis zum 1. Oktober 1986, musste Masalski (geb. 1937 im Gebiet Grodno) in der schwerbelasteten Zone neue Strassen bauen. Heute ist er Invalide.

11. Anna Emjaljanschik: Als Mitglied des Komsomol, der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, bekam die damals 19-jährige Anna Emjaljanschik (geb. 1967 in Minsk) im August 1986 den Auftrag, nach Tschernobyl zu fahren. Über Radioaktivität und deren Folgen wusste sie nichts. Die Verkäuferin aus Moskaus bekanntem Warenhaus GUM sollte mit Kolleginnen in verlassenen Geschäften im Katastrophengebiet die Buchführung übernehmen und Ordnung machen. "Oft wurde ich hinter der Verkaufstheke ohnmächtig, bekam Nasenbluten." Nach zwei Monaten reiste sie ab.

12. Arkadij Rochlin: 40 Jahre lang war Rochlin (geb. 1928 in Minsk) in leitender Position in einem staatlichen Elektromontageunternehmen tätig, als sein Betrieb im August 1986 den Auftrag bekam, 100 Monteure nach Tschernobyl zu schicken. "Unsere Gruppe sollte eine Starkstromleitung bauen", erzählt Rochlin, "wir nahmen Strahlenmessgeräte mit, aber kurz vor Tschernobyl wurden sie vom KGB beschlagnahmt. Unsere Dosis kennen wir bis heute nicht." Bis November 1986 blieben sie im Katastrophengebiet. Von den 100 Leuten sind inzwischen 95 gestorben, Rochlin selbst leidet an Krebs. "Ich habe 90 Prozent meiner Gesundheit verloren.">


<Sie reinigten Häuser, löschten Feuer oder arbeiteten direkt am Reaktor: Hunderttausende Liquidatoren kämpften in Tschernobyl gegen die atomare Apokalypse. Viele bezahlten mit ihrem Leben, die meisten mit ihrer Gesundheit. Ein Bildband würdigt nun die vergessenen Helden - und erzählt ihre dramatischen Geschichten. Von Christian Gödecke

Nikolai Kanzawenka wollte Kartoffeln sähen, als er plötzlich eine riesige dunkle Regenwolke bemerkte. Er versteckte sich in einer Scheune, dann regnete es. Nach dem Regen ging er zu einem See, um zu Angeln. Der See war grün. Grün war auch die Milch, die Kantsavenkas Kuh gab. Und sie zog Fäden. Kantsavenka, Förster im Kreis Tschetschersk in der weissrussischen Region Gomel, war ratlos in diesen Tagen Ende April 1986. Was war passiert? "Von dem Vorfall in Tschernobyl", sagt er, "erfuhren wir erst Tage später."

Auch Klaudsija Waranez aus Ostrogliady war ahnungslos. Am 28. April ging die junge Frau zu einem Sportturnier für Kinder, an dem Sechst- und Siebtklässler aus dem ganzen Landkreis teilnahmen. Viele der Kinder hätten Nasenbluten bekommen und seien in Ohnmacht gefallen, sagt Waranez. "Wir dachten, es sei wegen der Hitze." Über die Abkühlung durch den folgenden Regen hätten sich alle gefreut, "unsere Kinder spielten in gelben Pfützen im Hof". Von der Katastrophe erfuhr Waranez im Bus nach Hause: "Die Behörden schwiegen."

Am 26. April 1986 schockierte die Katastrophe von Tschernobyl die Welt. In Block 4 des Kernkraftwerks war der Reaktor explodiert. Doch im Gebiet drumherum wussten viele Menschen auch Tage nach dem GAU, also dem grössten anzunehmenden Unfall, noch nicht, welche Gefahr ihnen drohte. Kinder spielten weiter im Kindergarten, Schüler gingen in die Schulen. "Eine kurze Meldung kam erst vier Tage nach der Explosion", sagt Klaudsija Waranez' Mann Adam. "Dabei wurde betont, dass die Situation unter Kontrolle sei und die Menschen nichts zu befürchten hätten."

Helfer in der Todeszone

Tschernobyl ist eine Geschichte von technischem Versagen und vom Ende der Illusion, dass die Kernkraft beherrschbar sei. Ganze Landstriche wurden für immer unbewohnbar. Da, wo früher das Leben blühte, stehen seit der Katastrophe Geisterstädte wie der Ort Pripjat: Staubige Häuserskelette, verlassene Spielplätze, verwahrloste Kindergärten.

Aber Tschernobyl ist auch die Geschichte vom Leugnen, Vertuschen und Verharmlosen und darüber, wie ein Staat das Leid seiner Bürger in Kauf nahm. Tausende wurden zu spät evakuiert, Hunderttausende zum Helfen in die Todeszone geschickt. Sie sollten Schutt abtragen, Hubschrauber fliegen oder verlassene Häuser reinigen - die meisten ohne ausreichenden Schutz. Für die Helfer wurde ein Begriff geschaffen: Liquidatoren.

Nikolai Kanzawenka ist heute 70 Jahre alt. Der Förster aus Bobrowski musste die Strahlung in seinem Wald messen und neue Bäume pflanzen - damit diese später die Strahlung absorbierten. "Jetzt wachsen dort schöne Wälder", sagt der alte Mann. Zur Beerdigung seines Sohnes sei er daran vorbeigefahren. Der Sohn war an Krebs gestorben, mit 28 Jahren.

Verwüstete Leben

Es gab unzählige Liquidatoren wie Kanzawenka, und die allermeisten zahlten einen hohen Preis. Viele sind heute Invaliden, brachten missgebildete Kinder zur Welt, erkrankten an Krebs. Mit der Katastrophe verbindet man vor allem verwüstete Landschaften, nicht aber die verwüsteten Leben der Liquidatoren.

Das Buch "Verlorene Orte - gebrochene Biografien", herausgegeben vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund, zeigt anlässlich des 25. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe beide Seiten. Auf den beeindruckenden Bildern des Fotografen Rüdiger Lubricht sind Orte wie Pripjat, Uschaki oder Kul'schytschy zu sehen, die das atomare Grauen greifbar machen. Aber auch Liquidatoren erzählen ihre Geschichte - und Lubricht gibt ihnen mit seinen Porträts ein Gesicht.

Da ist Ewgenij Samsow, ein rundlicher Mann in Uniform, behängt mit Orden. Er wurde in seinem Wohnzimmer fotografiert, im Hintergrund sitzt eine Puppe. Samsow, Mitte 50, Feuerwehrhauptmann, ist der einzige Überlebende seiner Löschbrigade. Er leidet an Herz-, Blut- und Kreislauferkrankungen.

"Jeder Soldat strahlte wie ein kleiner Reaktor"

Da ist Mykola Bosji. Der heute fast 70-Jährige Oberst leitete die militärische Einheit 731, die den Reaktor löschen sollte. Die Einheit 731, das waren 353 Zivilisten, die die Kiewer Militärverwaltung in Uniformen gesteckt und dann das Kriegsrecht über sie verhängt hatte. Das sollte Desertationen verhindern. Die Arbeitstage dauerten 16 Stunden, "jeder Soldat strahlte wie ein kleiner Reaktor", sagt Bosji. Seine Truppe sollte den Reaktor zuschütten. Menschen ersetzten Roboter, die wegen der extremen Strahlenwerte nicht mehr funktionierten. "Bioroboter" nannte man die Männer deshalb. Ein Höllenjob.

Wie viele der Liquidatoren infolge ihrer gefährlichen Tätigkeit starben, ist unbekannt. Von bis zu 100.000 Toten sprachen Experten vor fünf Jahren, die Internationale Atomenergiebehörde erkannte nur 31 Fälle als unmittelbare Folge des Unglücks an.

Insgesamt sollen seit 1986 bis zu 800.000 Menschen in und um Tschernobyl zum Einsatz gekommen sein. Sie fanden sich 1991 nach dem Zerfall der UdSSR in verschiedenen Staaten wieder - und mussten in der Ukraine, Weissrussland oder Russland oft jahrelang die nächsten Kämpfe kämpfen: Es ging um Hinterbliebenenrenten, zugesagte Wohnungen, Respekt. Und oft auch um die offizielle Anerkennung als Liquidator: Die notwendige medizinische Versorgung ist nur für den gesichert, der einen sogenannten Liquidatorenausweis besitzt.

Nikolai Kanzawenka, der Förster aus Tschetschersk, wartete vergeblich auf die versprochene Wohnung in Minsk. Seine Söhne blieben in Gomel, einer starb an Krebs und hinterliess zwei Töchter und eine Frau - alle ebenfalls krank. Die Kinder kamen nach Deutschland zur Kur, Kanzawenkas Schwiegertochter reiste hinterher und verliebte sich in den Gastvater. "Sie haben geheiratet, sie leben jetzt in Hannover und sind sehr glücklich", sagt Nikolai Kanzawenka. Er kämpft seit 1987 gegen den Krebs.>

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Spiegel
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20.4.2011: <Kritik an Geberkonferenz: "Wie viele Tschernobyls will sich die Welt leisten?"

aus: Spiegel online; 20.4.2011;
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758220,00.html

<Mehr als eine halbe Milliarde Euro hat die Geberkonferenz in Kiew für einen neuen Sarkophag gesammelt. Tschernobyl wird Jahrtausende eine gefährliche Baustelle bleiben, sagt Tobias Münchmeyer von Greenpeace - und Europa noch viel mehr Geld kosten.

SPIEGEL ONLINE: Die EU und Regierungen aus aller Welt haben die Hilfszusagen für Tschernobyl um 550 Millionen Euro erhöht. Sie sind bei dem Gebertreffen in Kiew vor Ort: Geht von der Konferenz also ein positives Zeichen aus?

Münchmeyer: Diese Veranstaltung ist schizophren. Auf der einen Seite geht es darum, dass die internationale Gemeinschaft Geld für eine zweite Schutzhülle gibt. Sie soll den havarierten Reaktor abschirmen. Gleichzeitig verschliesst man die Augen vor der eigentlichen Ursache dieser Katastrophe: der Atomkraft als solche. Der zweite Konferenzteil ist sogar offiziell der Zukunft der Atomkraft gewidmet. Man hat hier den Eindruck, man bewege sich zwischen lauter Tauben und Blinden. Tschernobyl liegt von Kiew nur 90 Kilometer entfernt, aber hier heisst es beständig, dass man an der Atomenergie festhalten muss, sie sei völlig sicher.

SPIEGEL ONLINE: Das ist paradox.

Münchmeyer: Die Welt pumpt Hunderte Millionen Euro in die Ukraine, um die Folgen von Tschernobyl zu beseitigen. Auf der anderen Seite will Kiew seine Atomindustrie weiter ausbauen, und der Westen bestärkt die ukrainische Regierung dabei auch noch. Wir müssen die Lehren von Tschernobyl ziehen. Es ist tragisch, dass wir es 25 Jahre danach mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima zu tun haben. Die Frage ist: Wie viele Tschernobyls will sich die Welt noch leisten?

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern bestärkt Europa die Ukraine?

Münchmeyer: Die Laufzeiten alter Meiler sollen in der Ukraine um 20 Jahre verlängert werden. Die Osteuropabank und die European Investment Bank stimulieren Kiews Atom-Ambitionen sogar noch, indem sie den Bau von Hochspannungsleitungen finanzieren. Die sollen bald Atomstrom in den Westen exportieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie gross ist die Gefahr, die heute noch von Tschernobyl ausgeht?

Münchmeyer: Laut Schätzungen sind 95 Prozent des Brennmaterials auch nach der Explosion in der Reaktorruine verblieben. Sie bleibt deshalb die grösste Sorge und müsste in den nächsten Jahrzehnten demontiert, der Brennstoff geborgen und zwischengelagert werden. Es gibt aber weltweit kein einziges Endlager für hochradioaktive Stoffe. Daneben gibt es 800 Gruben im Sperrgebiet von Tschernobyl, in denen eilig verseuchte Baumaterialien, Fahrzeuge und Maschinen verscharrt wurden. Heute weiss man noch nicht einmal, wo genau sich diese wilden Atommülldeponien genau befinden, geschweige denn, was genau dort vergraben wurde.

SPIEGEL ONLINE: Welche Auswirkungen hat das unmittelbar?

Münchmeyer: Die Gruben drohen das Grundwasser zu verseuchen, radioaktives Wasser könnte so auch in nahe verlaufende Flüsse gelangen. Bei Wald- und Buschbränden können zudem radioaktive Stoffe aus Pflanzen und dem Boden wieder aufgewirbelt werden, eine Bedrohung für die Menschen im Umkreis von mindestens 40 bis 50 Kilometern.

SPIEGEL ONLINE: Wann soll der neue Sarkophag fertig sein?

Münchmeyer: Als Orientierung gilt das Jahr 2015. Offiziell gibt es aber kein Zieldatum mehr. Das liegt daran, dass schon zweimal ein Datum für die Fertigstellung gerissen wurde. Es ist also völlig offen, wann die zweite Schutzhülle fertig sein wird.

SPIEGEL ONLINE: Der neue Sarkophag ist ein Hightechgebäude, ein Hangar, der höher ist als die Freiheitsstatue in New York. Die Schutzhülle soll 1,5 Milliarden Euro kosten. Warum ist Tschernobyl noch immer so teuer?

Münchmeyer: Weil in den letzten 25 Jahren praktisch nichts getan wurde, um die Folgen der Katastrophe zu minimieren oder gar zu beseitigen. Die Sowjets haben die strahlende Reaktorruine damals hastig in eine Hülle gepackt. Das war eine gute Entscheidung - und eine enorme Leistung.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt diese enorme Summe zusammen?

Münchmeyer: Der neue Sarkophag ist so teuer, weil er eine Pioniertat ist. Er wird neben dem Reaktor gebaut und dann über die Ruine geschoben. Noch nie in der Geschichte ist ein so grosses Gebäude auf Schienen bewegt worden. Der Bau ist auch eine logistische Herausforderung, in der Todeszone mangelt es an Infrastruktur. Zudem herrschen in der Umgebung des Sarkophags auch heute noch so hohe Strahlenwerte, dass ein verantwortlicher Einsatz von Arbeitern sehr schwierig ist. Auch die Sorge um einen vorzeitigen Zusammenbruch des alten Sarkophags kompliziert die Planungen.

SPIEGEL ONLINE: Ist absehbar, wann die Gefahr gebannt sein wird?

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Münchmeyer: Es gibt das schöne Sprichwort, die Zeit heile alle Wunden. In Tschernobyl heilt die Zeit gar nichts, denn die strahlende Gefahr wird noch in Hunderten und Tausenden Jahren bestehen. Im Falle des Plutoniums sprechen wir von Halbwertzeiten von 24.000 Jahren. Die hundert Jahre, die der neue Schutzmantel offiziell halten soll, sind da nur ein Wimpernschlag.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange wird das Thema Tschernobyl die Weltgemeinschaft noch beschäftigen?

Münchmeyer: Dies war nicht die letzte Geberkonferenz, sondern eine der ersten. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch noch in Jahrzehnten, ja in Jahrhunderten Tschernobyl-Spendenkonferenzen veranstalten werden. Das Unglück war eine Katastrophe europäischen Ausmasses. Wenn wir wirklich an eine Idee von Europa glauben, dürfen wir die Ukraine nicht damit alleinlassen.

Das Interview führte Benjamin Bidder>

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Spiegel
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20.4.2011: <Fukushima: Mineralschwämme sollen radioaktive Teilchen aufsaugen>

aus: Spiegel online; 20.4.2011; http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758141,00.html

<Von Cinthia Briseño

Wie wird man die radioaktiven Wassermassen im AKW Fukushima wieder los? Ein japanischer Wissenschaftler macht mit einem Pulver von sich reden, das die verseuchten Teilchen aufsaugen soll. In der Industrie haben sich ähnliche Verfahren schon bewährt.

Tokio - Der Betreiber des japanischen Katastrophen-AKW Fukushima I steht seit Wochen vor einem riesigen Abfallproblem: Was passiert mit den Tausenden von Tonnen radioaktiven Wassers, die sich auf der Anlage angestaut haben? Am Mittwoch hatte Tepco einen neuen Lösungsvorschlag präsentiert. Eine Aufbereitungsanlage des französischen Atomkonzerns Areva soll dem kontaminierten Wasser, das in grossen Teilen aus dem Meer stammt, das Salz entziehen.

Die Idee, das kontaminierte Wasser für den Eigengebrauch zu recyceln, ist einleuchtend. Über die nächsten Wochen und Monate werden auf der Anlage die Wassermassen immer weiter fliessen müssen, um die Kühlung der Reaktoren im Gang zu halten. Das Wasser, das von oben in die teils zerstörten Gebäude gepumpt wird, kommt mit radioaktivem Material in Berührung - vor allem im Reaktor 2, in dem ein Leck der Sicherheitsbehälter vermutet wird. Es macht also Sinn, anstatt ständig frisches Wasser auf die Anlage zu pumpen, das ohnehin kontaminierte Wasser dafür wiederzuverwenden.

Irgendwann aber wird man sich der radioaktiven Wassermassen annehmen und sie dekontaminieren müssen. Pläne zur Lösung dieser Aufgabe hat Tepco noch nicht vorgestellt. Dafür macht jetzt ein japanischer Wissenschaftler im Land von sich reden. Tomihisa Ota, ein Chemiker von der Universität in Kanazawa, will gemeinsam mit einem Pharmaunternehmen aus der Präfektur Akita ein Pulver entwickelt haben, das in der Lage sein soll, radioaktive Substanzen aus Flüssigkeiten zu absorbieren.

Wie die "Japan Times" berichtet, könnte das Pulver nach Angaben des Forschers dem Betreiber Tepco helfen, Herr über die radioaktiven Wassermassen zu werden. Bei dem Pulver handele es sich um eine Substanz aus verschiedenen Chemikalien, darunter das Mineral Zeolith. Dieses soll radioaktive Isotope wie Jod, Cäsium und Strontium binden können. Demnach habe Ota in seinen Experimenten festgestellt, dass 1,5 Gramm des Pulvers genügten, um radioaktives Cäsium vollständig aus 100 Millilitern Wasser zu ziehen, wenn dessen Konzentration bei 1 bis 10 ppm (parts per million) liege. Damit liessen sich, so der Chemiker, die rund 70.000 Tonnen radioaktiven Wassers dekontaminieren, die sich in den Turbinenhallen und Schächten inzwischen angesammelt haben.

Unklar ist, ob Ota und die Pharmafirma bereits Kontakt zu Tepco aufgenommen haben, um dem AKW-Betreiber das Pulver zu offerieren.

Zeolithe sind Klassiker der chemischen Industrie

Neu ist Otas Idee jedoch nicht: Zeolithe kommen seit Jahren in der Industrie zum Einsatz, um radioaktive Abwässer zu reinigen. Auch in nahezu jedem Waschmittel sind sie zu finden, als Wasserenthärter, weil sie die Zahl der Calciumionen im Wasser verringern. Die Mineralien kommen natürlich vor, werden aber für industrielle Zwecke auch künstlich produziert. Ihre Besonderheit ist ihr Aufbau. Die Moleküle ordnen sich so an, dass sie eine Art Schwammgerüst bilden, das im Gegensatz zu einem Schwamm aber hochsymmetrisch aufgebaut ist. Sobald die Kristallkäfige aus Zeolith mit radioaktiven Nukliden gesättigt sind, kann man das Mineral vom Wasser trennen und die Zeolithe dann als radioaktiven Müll entsorgen.

2001 erbrachten Forscher von der Universität Bern erstmals den Nachweis, dass Zeolith-Kristalle das radioaktive Isotop Jod 129 im Inneren ihrer Struktur binden können. Inzwischen sind Filtersysteme zur Abtrennung radioaktiver Partikel, die auf Zeolithen basieren, Standard.

Tepco selbst hat das Mineral bereits zum Einsatz gebracht: Vergangenes Wochenende deponierten Arbeiter auf dem havarierten AKW Säcke gefüllt mit Zeolithen im Meer vor der Reaktoranlage. Jeder Sack ist rund hundert Kilogramm schwer und knapp einen Meter hoch, insgesamt sollen nach Angaben des Betreibers zehn solcher Säcke im Meer schwimmen. Sie sollen die radioaktiven Nuklide im Meer vor Fukushima binden und so die radioaktive Belastung des Meerwassers verringern.

Wie effektiv diese Methode ist, will Tepco zunächst prüfen. Bei guten Ergebnissen wolle man, so Tepco, weitere Zeolith-Säcke im Meer deponieren. Möglicherweise kämen sie dann auch in den Turbinenhallen zum Einsatz.>


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Fukushima 1 am 21.4.2011: Die Sperrzone wird abgeriegelt - Besuche sind höchstens für 2 Stunden erlaubt

aus: n-tv online: Rückkehr nur noch unter Aufsicht: Japan macht Sperrzone dicht; 21.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Japan-macht-Sperrzone-dicht-article3156301.html

Sechs Wochen nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima beginnt die japanische Regierung damit, den Zutritt zur Evakuierungszone zu beschränken. Nur noch einmal für höchstens zwei Stunden soll ein Besuch im eigenen Haus genehmigt werden. Ein Umkreis von 3 Kilometern um die Atomruine darf gar nicht mehr betreten werden.

Japan hat das Evakuierungsgebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima zur Sperrzone erklärt. Ministerpräsident Naoto Kan verkündete die Entscheidung bei einem Besuch in der von der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe verwüsteten Region im Nordosten des Landes. Kan will sich bei seinem Besuch in der Region unter anderem mit Evakuierten in Notunterkünften treffen.

Das Verbot, die Zone zu betreten, soll nach Angaben der Regierung in der Nacht zum Freitag in Kraft treten. Polizisten trafen bei der Inspektion von mehreren tausend Häusern 60 Familien an, die nach wie vor in dem Gebiet lebten. Regierungssprecher Yukio Edano sagte, die Bewohner seien aufgefordert worden, die Gegend zu verlassen, da ein erhebliches Risiko für ihre Gesundheit bestehe.

Höchstens zwei Stunden

Rund 80.000 ehemalige Bewohner, die das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März überlebt haben, sind von dem Verbot, die Sperrzone zu betreten, betroffen. Von ihnen soll ein Mitglied pro Familie die Erlaubnis bekommen, einmal für höchstens zwei Stunden zurückzukehren und persönliche Sachen aus dem Haus zu holen.

Die Betroffenen sollen dabei Schutzkleidung tragen und Geräte zur Messung von Radioaktivität mitnehmen. Sie sollen in Gruppen mit Bussen ins Sperrgebiet gebracht werden. Ausgenommen von der Erlaubnis sind Familien, die in einem Umkreis von drei Kilometern um das Kraftwerk lebten. Sie dürfen dieses Gebiet überhaupt nicht mehr betreten.

Stabilisierung frühestens in sechs Monaten

Die erste Phase der Rückkehraktion solle "in wenigen Tagen" beginnen und etwa ein bis zwei Monate dauern, hiess es. Der Atombetreiber Tepco hatte zuvor bekanntgeben, dass mit einer Stabilisierung der Lage im AKW frühestens in sechs bis neun Monaten zu rechnen sei. Noch immer hausen 136.000 Menschen im Katastrophengebiet in Notunterkünften.

Bereits zuvor war das Gebiet zur Sperrzone erklärt worden, es gab jedoch keine strengen Kontrollen. Daher kehrten immer wieder Menschen an ihren ehemaligen Wohnort zurück, um Habseligkeiten und Erinnerungsstücke zu bergen. Durch das verheerende Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami vom 11. März war die Atomanlage Fukushima schwer beschädigt worden. Es tritt weiter Radioaktivität aus.

IAEA sieht Besserung, Greenpeace warnt vor Strahlung

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Dienstag erklärt, das AKW Fukushima werde kaum noch Radioaktivität freisetzen. Wenn alles nach Plan laufe, werde die Menge der Radioaktivität von Tag zu Tag abnehmen, sagte der IAEA-Sicherheitsexperte Denis Flory in Wien. "Die Gesamtmenge wird sich kaum vom heutigen Wert unterscheiden", sagte er. In Fukushima sei kurz nach dem Erdbeben viel Radioaktivität freigekommen. Nun werde die Strahlung noch auf niedrigem Level freigesetzt. Dies werde aber auch zurückgehen.

Dagegen warnte die Umweltorganisation Greenpeace vor anhaltend hoher Strahlung auch ausserhalb der Evakuierungszone. In der Stadt Fukushima, rund 60 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt, habe eine Greenpeace-Messkampagne noch Belastungen von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde festgestellt, berichtete Experte Thomas Breuer am Montag in Hamburg. Die Bevölkerung bekomme dort in 14 Tagen die höchste vertretbare künstliche Strahlendosis für ein Jahr ab. In der Stadt Koriyama sei diese Dosis in 42 Tagen erreicht. Greenpeace sieht eine zusätzliche Belastung von 1000 Mikrosievert (1 Millisievert) im Jahr als höchste vertretbare Dosis an.

Evakuierungszone nur leicht vergrössert

Genau einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben und dem Jahrhundert-Tsunami vom 11. März hatte die japanische Regierung die Evakuierungszone im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine auf bestimmte Gemeinden ausgeweitet, aus Sorge vor sich langfristig ansammelnden radioaktiven Partikeln. Bewohner dieser Gemeinden sind nun aufgefordert, ihre Häuser in etwa einem Monat zu verlassen.

Wie die Regierung unterdessen weiter mitteilte, wird die Evakuierungszone um das benachbarte Atomkraftwerk Fukushima Daini, das etwa zehn Kilometer vom havarierten AKW Fukushima Daichi entfernt liegt, verkleinert. Die Möglichkeit eines "ernsten Unfalls" sei gering geworden. Die Evakuierungszone werde daher von bislang zehn Kilometern um das AKW auf acht Kilometer reduziert. Alle Reaktoren gelten dort als sicher in der Langzeitabschaltung.

dpa/AFP>

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Spiegel
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Fukushima 1 am 21.4.2011: Unmögliche Gleichstellung: Die japanische Regierung gleicht die Strahlengrenzwerte für Kinder denjenigen für Atommitarbeiter an

aus: Spiegel online: Fukushima-Katastrophe: Japan legt hohe Strahlengrenzwerte für Kinder fest; 21.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,758410,00.html

<Es ist eine umstrittene Massnahme der Verantwortlichen in Tokio: Für Kinder in Japan gilt jetzt der gleiche Strahlengrenzwert wie für deutsche AKW-Mitarbeiter. Das Erziehungsministerium hat nach SPIEGEL-Informationen den Wert für die maximale Dosis festgesetzt. Experten reagieren bestürzt.

Tokio - Im Umgang mit den Folgen der Fukushima-Katastrophe greift das japanische Erziehungsministerium zu drastischen Methoden: Die Behörde hat die maximale Strahlendosis, der Kinder in Schule und Kindergarten ausgesetzt sein dürfen, auf 3,8 Mikrosievert pro Stunde festgesetzt. Nach SPIEGEL-Informationen kann sich dies auf das Jahr hochgerechnet bei acht Stunden Aufenthalt pro Tag im Freien auf rund 20 Millisievert aufsummieren - die Höchstdosis für einen deutschen Atomkraftwerksmitarbeiter.

"Das ist viel zu viel", sagt Shaun Burnie, der als unabhängiger Experte für Greenpeace arbeitet. "Kinder sind doch viel strahlenempfindlicher als Erwachsene." Edmund Lengfelder vom Otto Hug Strahleninstitut ist empört: "Man nimmt damit ganz bewusst zusätzliche Krebsfälle in Kauf. Durch den Grenzwert ist die Regierung juristisch aus dem Schneider - moralisch aber nicht."

Obwohl 20 Millisievert pro Jahr im unteren Ermessensbereich der Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission für Strahlenunfälle lägen, sagt Peter Jacob, Leiter des Instituts für Strahlenschutz am Helmholtz Zentrum München, sei dies das erste Mal, dass er wirklich ein Problem mit einer Massnahme der japanischen Regierung habe: "Bei der hohen Strahlensensitivität von Kindern sollte man einen Wert von 20 Millisievert möglichst vermeiden."

Viele japanische Eltern hatten gegen die Wiedereröffnung der Schulen in der Krisenregion zum 6. April protestiert. Greenpeace will jetzt die örtlichen Bürger- und Umweltinitiativen in ihrem Kampf gegen die Grenzwerte unterstützen.

Japan hat unterdessen rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima eine offizielle Sperrzone eingerichtet. Ministerpräsident Naoto Kan erklärte am Donnerstag bei einem Besuch in der Provinz Fukushima die Region in einem Radius von 20 Kilometern um das AKW zum Sperrgebiet, das niemand ohne staatliche Genehmigung betreten dürfe. Das Gebiet galt zwar schon zuvor als Evakuierungszone, es gab jedoch kein Verbot, es zu betreten. Die Sperrzonen-Regelung tritt nun an diesem Donnerstag um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft.

Rund 80.000 ehemalige Bewohner, die das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März überlebt haben, sind davon betroffen. Immer wieder waren die Flüchtlinge trotz der akuten Gefahr durch radioaktive Strahlen auf eigene Faust in ihre Wohngebiete zurückgekehrt, um Habseligkeiten zu holen. Das wird jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung unter Auflagen möglich sein. So ist es nur einer Person pro Haushalt erlaubt, das Gebiet für etwa zwei Stunden zu betreten. Die Menschen müssen dabei Schutzkleidung und ein Dosimeter tragen, erklärte Regierungssprecher Yukio Edano. Sie sollen in Gruppen mit Bussen ins Sperrgebiet gebracht werden. Dies gilt allerdings nicht für Menschen, deren Wohnungen in einem Umkreis von drei Kilometern um das havarierte Kraftwerk liegen. Sie dürfen dieses Gebiet überhaupt nicht mehr betreten.

Die japanische Regierung hat ausserdem die Evakuierungszone im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine auf bestimmte Gemeinden ausgeweitet, aus Sorge vor sich langfristig ansammelnden radioaktiven Partikeln. Bewohner dieser Gemeinden sind nun aufgefordert, ihre Häuser in etwa einem Monat zu verlassen.

Mehr als einen Monat nach dem schweren Beben und dem Tsunami, bei denen das AKW Fukushima beschädigt wurde, ist die schwerste Atomkrise seit dem Super-GAU von Tschernobyl vor 25 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle. Der Betreiber Tepco hatte am Wochenende erklärt, er hoffe, in sechs bis neun Monaten die havarierten Reaktoren stabilisieren zu können. Dieser Zeitplan könne aber nur eingehalten werden, wenn "alles reibungslos" verlaufe, sagte Edano.

Wie die Regierung weiter mitteilte, wird die Evakuierungszone um das benachbarte Atomkraftwerk Fukushima Daini, das etwa zehn Kilometer vom havarierten AKW Fukushima Daiichi entfernt liegt, verkleinert. Die Möglichkeit eines "ernsten Unfalls" sei gering geworden. Die Zone werde daher von bislang zehn Kilometern um das AKW auf acht Kilometer reduziert. Alle Reaktoren gelten dort als sicher in der Langzeitabschaltung.

cib/dpa/Reuters>

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20 minuten
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Schweiz 21.4.2011: Das AKW Mühleberg hat gravierende Mängel, z.B. unsichere Zuganker

aus: 20 minuten online: Reaktorsicherheit: Gutachten belegt gravierende AKW-Mängel; 21.4.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Gutachten-belegt-gravierende-AKW-Maengel-11316802

<Die «WOZ» hat das geheime Gesuch veröffentlicht, mit dem Gegner die Abschaltung des AKW Mühleberg fordern. Daraus wird ersichtlich, dass die Zuganker am AKW als unsicher eingestuft werden.

Die Wochenzeitung «WOZ» hat das Gesuch veröffentlicht, mit dem die Gegner des AKW Mühleberg vom Bund die sofortige Abschaltung verlangen. Es enthält als geheim eingestufte Passagen eines Gutachtens, welches das Versagen der Zuganker am AKW für möglich hält.

Das 47-seitige «Gesuch um Entzug der Betriebsbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg (KKM)» ging am 21. März ans Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Verfasst hat es Anwalt Rainer Weibel im Namen von über 100 AKW- Gegnern.

Gutachten zu Kernmantelrissen

Weibel bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass es sich beim Dokument, das die «WOZ» auf ihre Website stellte, um sein Gesuch handelt.

Das Papier galt als geheim, da es seinerseits aus Dokumenten zitiert, die laut Bundesverwaltungsgericht nicht publik werden dürfen. Besonders brisant: Ein Gutachten des deutschen TÜV Nord zu den Kernmantelrissen im AKW Mühleberg. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) - damals noch HSK - hatte es 2006 in Auftrag gegeben.

Weibels Gesuch hält die Hauptbefunde dieses Gutachtens fest. Demnach kann der Erhalt der Integrität der umstrittenen Zugankerkonstruktion «im Betrieb und bei Störfällen nicht uneingeschränkt vorausgesetzt werden». Es sei «das Versagen eines oder mehrerer Zuganker nicht auszuschliessen». Mit den Zugankern werden Risse des Kernmantels gesichert.

Genügt Schweizer Regeln nicht

Die AKW-Gegner haben die TÜV-Befunde dem Öko-Institut Darmstadt zur Beurteilung vorgelegt und eine Kurzstellungnahme erarbeiten lassen. Auch diese darf jedoch nicht veröffentlicht werden, weil sie aus dem geheimen Gutachten zitiert.

Unter anderem kommt das Institut - nachzulesen im Weibels Gesuch - zum Schluss, es sei «nicht nachvollziehbar, weshalb das ENSI trotz des TÜV-Gutachtens seit 2006 dem Bewilligungsinhaber noch vier Jahre Zeit einräumt, um das bisherige Instandhaltungskonzept zu 'überarbeiten'».

Und weiter: «Zusammenfassend ist es unverständlich, weshalb HSK/ ENSI den Betrieb des KKM trotz der eindeutig negativen Bewertungen der Zugankerkonstruktion durch den TÜV weiterhin zulässt.» Und dies, obwohl die Zugankerkonstruktion «den sicherheitstechnischen Anforderungen des Schweizer Regelwerks nicht genügt».

Die Mühleberg-Gegner haben sich vor Gericht Einsicht in einen Teil der Akten erstritten. Sie bekamen 9 von 80 Aktenordnern zu sehen, dürfen aber nicht sagen, was drin steht.

Berner Stadtrat: «Befunde alarmierend»

Einer der Beschwerdeführer ist der Berner Stadtrat Urs Frieden (Grünes Bündnis). Er ist froh, dass das Gesuch nun für jedermann einsehbar ist, wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte: «Das Dokument zeigt, dass die Sicherheit nicht garantiert ist - die Befunde sind alarmierend.»

Die Mühleberg-Gegner kämpfen seit langem gegen die unbefristete Betriebsbewilligung, die das AKW Ende 2009 vom Bund erhielt. Das Dossier liegt derzeit beim Bundesverwaltungsgericht. In einem Zwischenentscheid gewährte dieses den Beschwerdeführern die erwähnte Einsicht in einen kleinen Teil der Sicherheitsakten.

In ihrem 47-seitigen Gesuch ans UVEK fordern die Gegner, Mühleberg die Bewilligung definitiv zu entziehen. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des ordentlichen Verfahrens soll das AKW vorsorglich ausser Betrieb genommen werden.

Zudem fordern die über 100 Beschwerdeführer, die bisher an Aufsicht und Bewilligungsverfahren beteiligten ENSI-Mitarbeiter sollten als befangen gelten und bei der Beurteilung der neuen Eingaben nicht mitreden dürfen.

Vom Bundesverwaltungsgericht verlangen die Gegner ferner, die Publikation der Darmstädter Stellungnahme zu erlauben.

(sda)>

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Spiegel
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Deutschland 22.4.2011: Für den Atomausstieg fehlen Stromnetze - und nun soll die Bahn helfen

aus: Spiegel online: Stromnetz: Bahn soll bei schnellem Atomausstieg helfen; 22.4.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758528,00.html

<Eines der grössten Hindernisse für den schnellen Atomausstieg sind fehlende Stromnetze - nach dem Willen der Bundesregierung soll die Bahn helfen: Mit dem Hochspannungsnetz des Staatskonzerns könnte nach SPIEGEL-Informationen Energie aus norddeutschen Windparks Richtung Süden transportiert werden.

Berlin - Die Bundesregierung will die Probleme der Energiewende auch mit Hilfe der Deutschen Bahn (DB) lösen: Das eigenständige Stromnetz der Bahn könnte zumindest teilweise den umstrittenen Bau neuer Stromtrassen ersetzen. "Wir werden das prüfen", sagt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Details sollen nach Ostern bei einem Treffen von Fachleuten aus dem Verkehrs- und dem Wirtschaftsministerium, der Bahn und der Bundesnetzagentur geklärt werden.

Das Hochspannungsnetz der Bahn ist mit 7800 Kilometern das zweitgrösste der Republik - nach dem des Energiekonzerns RWE. Es könnte Strom aus norddeutschen Windparks in den verbrauchsintensiven Süden transportieren und andere Lücken in den Netzen schliessen. Würde dies gelingen, wäre eines der grössten Hindernisse für den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie zumindest teilweise beseitigt.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ist elektrisiert: "Eine enge Kooperation mit der Deutschen Bahn im Rahmen des Ausbaus des Stromverbundnetzes halte ich für wünschenswert." Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger fände entsprechende "Pilotprojekte" in Deutschland "sehr nützlich". Die Bundesnetzagentur, die den deutschen Strommarkt überwacht, setzt ebenfalls auf die Bahn. "Angesichts des gewaltigen Ausbaubedarfs sollten alle Möglichkeiten" geprüft werden, sagt ihr Präsident Matthias Kurth; die Bahn verfüge über "das einzige flächendeckende Stromnetz, das wir in Deutschland haben".

Anfang April hatte sich die Bundesnetzagentur mit der Bahn bereits darauf geeinigt, dass der Konzern sein Stromnetz für andere Stromanbieter öffnen muss. Der Vergleich vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht sieht vor, dass Händler an 5400 Bahnhöfen ab Jahresende auch von anderen Anbietern als der Bahn Strom beziehen können.

Kosten von 250.000 Euro pro Kilometer

Bisher nutzt die DB ihre Stromtrassen allein. Um auch Privathaushalte und Industrie zu versorgen, wären einige Erweiterungen nötig. Die Spannung müsste den anderen Stromnetzen angepasst, die Übertragungsleistung erhöht werden. Dafür sind zumindest teilweise höhere Masten und neue Kabel erforderlich. Die Bahntochter DB Energie hofft auf ein Zusatzgeschäft.

Konzernchef Rüdiger Grube sorgt sich allerdings um die Kosten. Er stehe "den Überlegungen kritisch gegenüber", schrieb Grube in einem Brief an den CSU-Abgeordneten Georg Nüsslein. Die Energieexperten der Bahn rechnen mit Ausgaben von mindestens 250.000 Euro pro Kilometer für den Ausbau ihrer Stromtrassen.

Das wäre aber immer noch günstiger als neue Trassen zu bauen - denn das kostet rund eine Million Euro pro Kilometer.

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20 minuten
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Fukushima 1 am 23.4.2011: Plan einer tief fundierten Mauer um Fukushima 1, damit radioaktives Wasser nicht mehr in die Umwelt gelangt

aus: 20 minuten online: Weniger radioaktives Wasser: Mauer um Fukushima; 23.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Mauer-um-Fukushima-10938162

<Der japanische Atomkraftwerksbetreiber Tepco will einem Medienbericht zufolge eine tief verankerte Mauer um das havarierte AKW Fukushima bauen.

Mit der bis tief ins Erdreich reichenden Mauer solle verhindert werden, dass radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umwelt gelange.

Wie der Fernsehsender TV Asahi am Samstag berichtete, müssten die Arbeiter zunächst 15 Meter in die Tiefe graben, um auf eine Gesteinsschicht zu stossen, die als Fundament für die Mauer dienen könnte. Ein Tepco-Sprecher sagte zu dem Bericht: «Das Unternehmen untersucht zahlreiche Optionen, und das könnte eine davon sein.»

Seit dem Beginn der Atomkatastrophe nach dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami am 11. März haben die Arbeiter tausende Tonnen Wasser auf die beschädigten Reaktoren und die Abklingbecken für die Brennstäbe gesprüht. In mehreren Gebäuden und Verbindungstunneln sammelten sich daraufhin grosse Mengen radioaktiv verseuchten Wassers an.

Ziel: Weniger Wasser verseuchen

Anfang April strömten wegen eines inzwischen verschlossenen Risses in einem Reaktor hunderte Tonnen hochradioaktiv verseuchten Wassers ins Meer. Tepco leitete danach zudem tausende Tonnen schwach radioaktiven Wassers in den Ozean, um in Auffangvorrichtungen Platz für stärker verstrahltes Wasser zu schaffen.

Tepco will jetzt weniger Wasser zur Kühlung der Reaktoren einsetzen, damit weniger verstrahltes Wasser anfällt. Im Abklingbecken des Reaktors 4 stieg die Wassertemperatur aber auf 91 Grad, weshalb wieder mehr Wasser zur Kühlung eingesetzt werden musste, wie Tepco am Samstag mitteilte.

Mit einer wasserdichten Kamera wollte Tepco den Zustand der Brennstäbe in dem Abklingbecken untersuchen; dafür war die Temperatur aber zu hoch.

(sda)>

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20 minuten
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Fukushima 1 am 24.4.2011: <Tanks für verstrahltes Wasser geplant>

aus: 20 minuten online; 24.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/29227138

<Bei der behelfsmässigen Kühlung der havarierten Reaktoren in Fukushima wird sehr viel Kühlwasser verseucht. Riesige Zwischenlager werden nötigt.

Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima will zusätzliche Zwischenlager für hoch radioaktives Abwasser bauen. Tepco wird nach einem Medienbericht vom Sonntag bis Anfang Juni Kapazitäten für 31 400 Tonnen Wasser schaffen.

Danach sollen bis Dezember jeden Monat riesige Behälter mit zusätzlichen Lagerkapazitäten erstellt werden, falls die Filterung des Wassers und die Kühlsysteme nicht wie geplant im Juni wieder funktionieren. Dies berichtete der japanische Fernsehsender NHK.

Tepco muss fast 70 000 Tonnen Abwasser aus den Turbinengebäuden und aus Tunneln abpumpen. Dieses Wasser behindert die Reparaturarbeiten am Kühlsystem und gefährdet Arbeiter. Das Atomkraftwerk Fukushima 1 war bei dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden.

(sda)>

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Financial
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23.4.2011: Verstrahlte Exportgüter aus Japan beschäftigen nun die Juristen, denn es ergibt sich ein Streit, welche Strahlenwerte gelten

aus: Financial Times Deutschland online: Verstrahlte Exportgüter beschäftigen Juristen; 23.4.2011;
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:japanische-lieferanten-verstrahlte-exportgueter-beschaeftigen-juristen/60042250.html

<Atomar verseuchte Produkte lähmen die Hersteller weltweit. Deswegen droht den japanischen Firmen nach Ansicht von Experten eine Welle von Schiedsverfahren. Denn Radioaktivität ist 25 Jahre nach Tschernobyl noch immer eine rechtliche Grauzone. von Kathrin Werner  Hamburg

"Viele der juristischen Fragen im Zusammenhang mit Radioaktivität sind völlig ungeklärt", sagte Markus Burianski, Rechtsanwalt bei der Kanzlei White & Case, der FTD. "Es gab auch nach Tschernobyl kaum Rechtsprechung."
Seit der Atomkatastrophe in Fukushima hadern etliche Branchen mit fehlenden Produkten aus Japan. Viele Fabriken im Norden Japans, die Bauteile für die ganze Welt fertigen, sind zerstört. Neben den Lieferstopps drohen zudem Schäden durch Radioaktivität. Bislang sind zwar in Europa noch keine Waren mit überhöhten Strahlenwerten angekommen.

Der russische Zoll beschlagnahmte deshalb allerdings kürzlich im Hafen von Wladiwostok 49 Gebrauchtwagen aus Japan. Es gilt als Frage der Zeit, bis auch europäische Industrieunternehmen kontaminierte Vorprodukte erhalten. Erste Schiffe mit Waren, die Japan nach der Katastrophe verlassen haben, erreichen derzeit Europa.

Rechtliche Konsequenzen hat bislang aber noch niemand gezogen. Die Unternehmen - sowohl in Japan als auch hierzulande - bereiten sich allerdings darauf vor. "Es gibt die ersten Anfragen von japanischen Herstellern zu den juristischen Folgen radioaktiver Kontamination und längerer Lieferstopps", sagte Burianski. "Unsere Mitgliedsunternehmen stellen uns dazu viele rechtliche Fragen", berichtete auch Felix Bockholt, Jurist beim deutschen Maschinenbauverband VDMA.

Die Chiphersteller prüften gerade ebenfalls intensiv ihre Lieferketten, um Produkte aus Japan zu identifizieren. Der IT-Branchenverband Bitkom hat allerdings laut einem Sprecher noch keine Anfragen zu rechtlichen Auswirkungen belasteter Lieferungen aus Japan erhalten.

Grösste und akute Gefahr ist, dass Käufer Ansprüche verlieren, weil sie schlicht versäumen, die Verstrahlung ihren japanischen Geschäftspartnern rechtzeitig anzuzeigen. Um zum Beispiel vom Vertrag zurücktreten zu können, müssen Käufer Mängel an der Ware rügen - und natürlich vorher erst einmal feststellen. Die Unternehmen rüsteten sich gerade dafür, stellte Bockholt fest. "Roboterbauer beispielsweise sind sich sicher, dass sie Geigerzähler anschaffen müssen", sagte er. Wie viel Zeit für die Mängelrüge bleibt, unterscheidet sich je nach Rechtsgebiet und ist zudem umstritten. Im deutschen Handelsrecht gelten zwei Wochen als maximale Frist.>


<Teil 2: Grosse rechtliche Schwierigkeiten

aus: http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:japanische-lieferanten-verstrahlte-exportgueter-beschaeftigen-juristen/60042250.html?page=2

Ausserdem ist unklar, ob japanische oder europäische Strahlengrenzwerte gelten. Die meisten Juristen gehen davon aus, dass die Schwelle des Bestimmungsorts zählt. Hierüber dürfte allerdings noch gestritten werden. "Für die japanischen Hersteller bringt das natürlich erhebliche praktische Probleme mit sich, wenn sie in verschiedene Länder liefern", sagte Anwalt Burianski.

Grosse rechtliche Schwierigkeiten entstehen zudem, wenn die jeweiligen Waren der einzelnen Hersteller unter den Grenzwerten liegen, mehrere Vorprodukte zusammen beim Einbau etwa in ein Auto aber die Schwellenwerte überschreiten. "Da gibt es noch keine klare juristische Antwort", so Burianski, der auf Streitbeilegung spezialisiert ist.

"Private Schiedsgerichte werden sich sehr bald mit diesen Fällen auseinandersetzen müssen", sagte der Anwalt. Dass die Geschäftspartner vor staatlichen Gerichten ziehen, erwartet er genauso wenig wie der VDMA. Man einige sich meist ohne Klage. "Das Risiko einer Klagewelle sehe ich erst, wenn es tatsächlich zu gesundheitlichen Schäden kommt", so Burianski. "Dann könnte eine ähnliche Dynamik entstehen wie bei Asbest oder Umweltschäden in den USA, wo Geschädigte mit Sammelklagen vorgehen."

Bei den Lieferstopps dreht sich die Diskussion unter den Juristen vor allem um die Frage, ob sich die japanischen Hersteller auf höhere Gewalt berufen können und deshalb kein Verschulden vorliegt - eine Voraussetzung für Schadensersatzrechte. Liegt der Engpass an den Nachwirkungen des Bebens, gehen die meisten Experten von höherer Gewalt aus.
Bei Verstrahlung sieht das anders aus: Die Internationale Handelskammer, deren Vorgaben Grundlage der meisten Verträge ist, listet radioaktive Verseuchung nicht in dieser Kategorie auf.
Der VDMA erlebt momentan zudem viele umgekehrte Fälle, in denen deutsche Firmen Forderungen japanischer Partner befürchten: "Deutsche Anlagenbauer tun im Moment alles, damit sie ihre Mitarbeiter nicht nach Japan schicken müssen, obwohl sie vertraglich eigentlich dazu verpflichtet wären", sagte Bockholt. Viele Firmen verhandelten heftig mit den Japanern. Die zeigten aber wenig Verständnis, dass die Deutschen ihre Monteure nicht in vermeintlich sicheren Gebieten arbeiten lassen wollen.>

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20 minuten
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Tokio 24.4.2011: Grosse Demonstration für einen Ausstieg aus der Atomenergie

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: "Bye bye Genpatsu"; 24.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/-Bye-bye-Genpatsu--25124087

<Tausende haben in Tokio für einen Ausstieg aus der Atomenergie und für erneuerbare Energien demonstriert. Ein möglicher Ausstieg war bisher Tabu.

In Japan gehen die Menschen jetzt gegen die Atomenergie auf die Strasse. Ein Mann hält einem Polizist ein entsprechendes Plakat vor das Gesicht.

Die Demonstranten, unter ihnen zahlreiche Jugendliche und Familien, hielten Spruchbänder, auf denen zu lesen war: «Bye bye Genpatsu» (Tschüss Atomkraft). Bei einer weiteren Demonstration in der japanischen Hauptstadt protestierten ebenfalls tausende Menschen gegen den Betreiber des beschädigten AKW Fukushima, Tepco. Die Frage nach einem möglichen Ausstieg aus der Atomenergie wurde in Japan bislang nicht öffentlich diskutiert.

Mehrere Demonstranten erklärten, vor dem Atomunfall nicht über die Gefahren der Atomenergie nachgedacht zu haben. «Aber jetzt müssen viele Menschen mobilisiert werden, wie das in anderen Ländern der Fall ist», sagte eine Demonstrantin.

Zuerst kümmerten sich die Leute um die Opfer

Dass es nach dem Atomunfall relativ lange gedauert habe, bis die Menschen auf die Strasse gegangen seien, sei auf die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zurückzuführen, durch die bislang knapp 28 000 Menschen als tot oder vermisst gelten, sagte der Exekutivdirektor der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Japan, Junichi Sato. Die Priorität sei zunächst gewesen, sich um die Opfer zu kümmern.

Vor der durch das schwere Erdbeben und den anschliessenden Tsunami am 11. März ausgelöste Atomkatastrophe im AKW Fukushima stellte die Kernkraft 30 Prozent der Energie in Japan.

Wegen der Katastrophe war ein Dutzend Reaktoren heruntergefahren worden. Ein Politiker der Regierungspartei hatte am Freitag erklärt, es könne keinen Verzicht auf die Atomkraft geben, es müsse aber über die weiteren Pläne und den Zeitplan für den Bau der Atomanlagen nachgedacht werden.

(sda)>

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n-tv online,
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24.4.2011: <Folgen von Tschernobyl: Ostsee-Fische strahlen mehr>

aus: n-tv online; 24.4.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Ostsee-Fische-strahlen-mehr-article3172696.html

<Auch 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind die Folgen für die Umwelt noch spürbar. So sind Fische aus der Ostsee laut einer Studie deutlich stärker radioaktiv belastet als Fische aus der Nordsee. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht, teilt das staatliche Johann Heinrich von Thünen-Institut mit.

Radioaktiv, aber nicht gesundheitsgefährdend: Fisch aus der Ostsee.

Fische aus der Ostsee sind deutlich stärker radioaktiv belastet als Fische aus der Nordsee. Der Unterschied liegt etwa beim Faktor zehn. Das geht aus einer Studie des staatlichen Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTi) hervor. Es bestehe jedoch auch bei Fischen aus der Ostsee keine Gesundheitsgefahr durch Radioaktivität.

Innerhalb der Ostsee sei die Belastung im Bereich der Kieler und Mecklenburger Bucht geringer als weiter östlich im Bornholmer Becken oder der Danziger Bucht. "Die ist immer noch eine Folge des Tschernobyl-Unfalls, bei dem der Ostseeraum besonders stark vom radioaktiven Niederschlag (Fallout) betroffen wurde", schreiben die Autoren Ulrich Rieth und Günter Kanisch im Forschungsreport (1/2011 S. 31-34) der vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz herausgegeben wird.

Insgesamt geben die Autoren aber Entwarnung: Selbst die höhere Belastung der Ostseefische liege in einer unbedenklichen Grössenordnung. "Der Verzehr von Ostseefisch und Fisch insgesamt trägt nur zu einem Bruchteil (weniger als 0,01 Prozent) zur natürlichen Strahlenbelastung des Menschen bei." Für Cäsium-137 liegen die Werte in der Ostsee zwischen weniger als 3 Becquerel (Bq) je Kilogramm Fisch in der Lübecker Bucht und mehr als 5 Bq im Finnischen Meerbusen. Die Einheit Bq gibt an, wie viele Atome pro Sekunde zerfallen. 3 Bq bedeuten hier, dass in einem Kilogramm Fisch pro Sekunde drei Cäsium-137-Atome zerfallen. Der Grenzwert liegt bei 500 Bq.

Meerwasser ist aus natürlichen Quellen radioaktiv

Bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 wurden grosse Mengen Radionukleide freigesetzt. Von besonderer Bedeutung sind dabei Strontium-90 und Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von etwa 30 Jahren, die sich wegen ihrer Ähnlichkeit zu Kalium und Calcium in der Nahrungskette anreichern. Das vTi für Fischereiökologie in Hamburg überwacht nach den Vorgaben des Strahlenschutzvorsorgegesetzes die Radioaktivität in Meeresorganismen in Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik.

Meerwasser enthalte aus natürlichen Quellen radioaktive Stoffe wie Kohlenstoff-14, Uran-238 oder Radium-226. In den 50er und 60er Jahren seien künstliche Radionukleide durch oberirdische Atomwaffentests hinzugekommen. Weitere Quellen seien Atomkraftwerke und für die Nordsee besonders die Atomaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague. Ausserdem tragen Öl- und Gasförderung zur Belastung bei, weil dabei auch natürliche radioaktive Stoffe wie Blei-210 oder Polonium-210 an die Oberfläche gefördert werden.

dpa>

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Basler
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Schweiz 24.4.2011: Der Chef der AKW-Prüfer ist mit dem AKW Mühleberg "befreundet" - die AKW-Betreibergesellschaft unterstützt das "Tropenhaus" in Frutigen

aus: Basler Zeitung online: Chef der AKW-Prüfer ist mit Mühleberg-Betreiber verbandelt; 24.4.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Chef-der-AKWPruefer-ist-mit-MuehlebergBetreiber-verbandelt/story/13067877

<Das Nuklearinspektorat Ensi fällt nächste Woche ein Urteil zur Sicherheit der Schweizer Atomkraftwerke. Doch ausgerechnet sein Präsident unterhält laut «SonntagsZeitung» finanzielle Beziehungen zum Mühleberg-Betreiber.

Peter Hufschmied, der oberste Chef der Schweizer AKW-Prüfer, unterhält seit Jahren beruflich enge Beziehungen auch finanzieller Art mit der BKW, die das AKW Mühleberg betreibt. Dies zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung». Hufschmied ist Präsident des Ensi-Rats und beaufsichtigt das Nuklearinspektorat (Ensi), das nach der Kata­strophe in Fuku­shima die Sicherheit der Schweizer AKW überprüft. Vom Ensi-Urteil nächste Woche hängt ab, ob die AKW in der Schweiz weiterlaufen dürfen.

Ensi-Ratspräsident Hufschmied ist seit Jahren mit der BKW im Geschäft. Mehrere Millionen Franken habe der Energiekonzern in sein Projekt, das Tropenhaus Frutigen, eingeschossen, berichten Insider der «SonntagZeitung» – einen Teil als Darlehen, einen Teil mit dem Kauf von Aktien. Es besteht ein Zusammenarbeitsvertrag. Hufschmied ist Verwaltungsratspräsident des Tropenhauses. Das Logo der BKW und von Coop – einem weiteren Partner – prangt auf der Internetsite des Tropenhauses. Zurzeit läuft dort die Ausstellung «Warum ist die Erde warm?» – mit fachlicher Unterstützung und 50'000 Franken von der Na­tio­nalen Genossenschaft für die La­gerung radioaktiver Abfälle (Nagra), die zu 97 Prozent den AKW-Betreibern gehört. Das Ensi beaufsichtigt auch die Nagra.

Auf die Verbindungen angesprochen, sieht Hufschmied keinen Interessenkonflikt: «Das sind rein kommerzielle Beziehungen», sagt er zur «SonntagsZeitung». Weitere Anfragen beantwortete der Ensi-Präsident gestern nicht, er weilt in Russland. Die BKW will die Geschäftsbeziehungen nicht erläutern. (jak)>

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25.4.2011: Der Verein "Tschernobyl-Kinder" organisiert alle Jahre ein 3-wöchiges Erholungslager für 32 Kinder

Nun, bald werden vielleicht auch verstrahlte, japanische Kinder kommen. Aber lesen Sie selbst:

aus: 20 minuten online: 25 Jahre Tschernobyl: Eine Verschnaufpause von der Katastrophe; 25.4.2011;

<von Karin Leuthold
- Seit 20 Jahren bietet der Schweizer Verein «Tschernobyl-Kinder» 32 benachteiligten Buben und Mädchen Traumferien in Sargans an. Dabei achten die Leiter darauf, dass sie die Kinder nicht zu sehr verwöhnen.

«Tschernobyl?» Der neunjährige Dennis schüttelt den Kopf. «Keine Angst.» Er geht in Wetka bei Gomel zur Schule. Die gleichnamige Region Gomel in Weissrussland ist das durch die Atomkatastrophe von 1986 am stärksten radioaktiv verseuchte Gebiet überhaupt. Doch obwohl sich der kleine Junge so tapfer gibt, kann von einer unbeschwerten Kindheit nicht die Rede sein: Auch 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl leben Kinder aus der Umgebung des Unglücksreaktors mit den Folgen des Unglücks.

Für die Menschen der Region ist das Leben immer noch alles andere als normal: Für sie bedeutet es, dass Pilze aus dem Wald, Gemüse aus dem Garten, Fleisch von der Kolchose immer noch auf Radioaktivität getestet werden müssen. Es bedeutet, dass alle Schüler zweimal jährlich zu einer Spezialuntersuchung müssen, dass Erkältungen wegen geschwächter Immunsysteme hartnäckiger sind, dass sogar Kleinkinder Wörter wie «Halbwertszeit» kennen - und dass es immer mehr Schilddrüsenkrebs gibt.

Tschernobyl-Kinder kommen in die Schweiz

Seit sowohl die weissrussische wie die ukrainische Regierung 1991 mit dem sogenannten «Tschernobyl-Gesetz» den jungen Generationen eine jährliche Verschnaufpause gewährten, reisen die «Tschernobyl-Kinder» an verschiedene Orte der Welt, um sich von den körperlichen und psychischen Strapazen der Katastrophe zu erholen.

Dass die Katastrophe noch heute bei ihnen zu spüren ist, zeigen die apokalyptischen Zeichnungen, die an den Wänden in den Schulhäusern der Region hängen: Manche der Bilder zeigen regenbogenbunte Sehnsuchtsparadiese, wie sie auch in Schweizer Klassenzimmern hängen. Doch andere sind so düster, dass sie anderswo auf der Welt vermutlich Anlass zum Besuch beim Schulpsychologen wären: bedrückende Landschaften und gekrümmte Embryos in welken Blütenkelchen.

Die Kunst, ein gutes Lagergefüge zusammenzustellen

Auch die Schweiz unterstützt seit über 20 Jahren ein Ferienprogramm Tschernobyl-Kinder. Jeden Sommer kommt eine Schar von 32 bis 36 Neun- bis Zwölfjährigen während drei Wochen nach Sargans zu Besuch. Sie werden aus 20 Dörfern des ukrainischen Distrikts Lugini eingeladen und von 5 lokalen Lagerleitern begleitet. Das Gebiet liegt etwa 150 Kilometer westlich von der Unglückstelle.

«Wir schauen, dass die Gruppe gut durchmischt ist. Die Hälfte sind Mädchen. Einige der Kinder kommen aus einem besseren, andere aus einem schlechteren Umfeld. Am Schluss muss einfach das Lagergefüge funktionieren», erklärt Matthias Juzi, Mediensprecher des gemeinnützigen Vereins «Tschernobyl-Kinder» aus Trübbach SG, gegenüber 20 Minuten Online. «Ab und zu kommt es vor, dass Kinder mit grossen Mankos zu uns kommen. Entweder weil sie nicht richtig ernährt sind, oder weil es Alkoholprobleme in der Familie gibt, oder weil die Mutter sie allein aufziehen muss.» Da sei es Aufgabe der Organisation, sich um eine ausgewogene Ernährung zu kümmern, wobei darauf geachtet werde, «dass es den Kindern schmeckt. Wir können keine typische Schweizer Menüs auftischen», so Juzi.

Die Organisation der Ferienwochen fängt allerdings schon in der Ukraine an: Man müsse für die Kinder als erstes einen Pass besorgen - kaum einer hat so was. Zudem gehörten das Einholen mehrerer Bewilligungen bei den ukrainischen Behörden sowie diverse Gesundheitschecks dazu. Ausserdem muss dafür gesorgt werden, dass ein lokaler Lagerleiter, eine Krankenschwester und ein Übersetzer die Kindergruppe begleitet - so wie es das Gesetz verlangt.

Wie finanziert sich das Kinderlager?

Wenn die Kinder in die Schweiz kommen, werden sie in einem einfachen Lagerhaus in Flumserberg-Portels untergebracht. «Wir achten darauf, dass wir ihnen keine zu hohen Standards anbieten. Damit vermeiden wir einen Kulturschock», meint der Mediensprecher. Ein abwechslungsreiches Lagerprogramm wird vom Schweizer Verein und seinen freiwilligen Lagerleitern geboten, mit Sport und Spiel rund ums Lagerhaus aber auch mit abwechslungsreichen Ausflügen in die Nahe Umgebung. Nach drei Wochen würden die Kinder sehr glücklich wieder in die Heimat abreisen.

Das Projekt finanziert sich seit Jahren über private Sponsoren. «Je nach Bedürfnis bekommen wir Unterstützung von Privaten und Firmen für Ausflüge und Naturalspenden. Zum Beispiel haben wir dieses Jahr eine Führung im Züri-Zoo geschenkt bekommen. Und auch ein Technorama-Besuch steht an.» Vor der Abreise bekommen die kleinen Gäste Kleider, gute Schuhe und Hygieneartikel, die sie nach Hause mitnehmen dürfen. Dort wartet der Unglücksreaktor wieder auf sie.>

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Spiegel
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Deutschland 25.4.2011: Massenproteste von 100.000 Demonstranten gegen Atomkraft an Ostermärschen

aus: Spiegel online: Massenproteste: Zehntausende Demonstranten umzingeln Atomkraftwerke; 25.4.2011;
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758928,00.html

<An zwölf Kernkraftwerken in Deutschland haben am Osterwochenende mehrere Zehntausend Menschen für einen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Insgesamt waren mehr als 100.000 Demonstranten für Frieden und gegen Atomkraft auf der Strasse.

Berlin - Weit über 100.000 Menschen haben an den Osterfeiertagen für den Ausstieg aus der Atomkraft und gegen Krieg demonstriert. An Kundgebungen anlässlich des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl und dem Unfall im japanischen Fukushima beteiligten sich nach Veranstalterangaben am Montag über 120.000 Menschen.

Die traditionellen Ostermärsche wurden dabei von Protesten der Atomkraftgegner überlagert, die sich am Ostermontag an zwölf Standorten von Meilern versammelten, um die Stilllegung der Anlagen zu fordern. Anlass dieser Aktionen war der 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Jeweils 10.000 Demonstranten oder mehr nahmen am Montag an Demonstrationen in Biblis, Gundremmingen, Krümmel, Grafenrheinfeld und Grohnde teil, wie die Veranstalter mitteilten. Die Innenstadt von Biblis habe wegen Überfüllung gesperrt werden müssen, hiess es in einer Erklärung. Auch in Brunsbüttel, Philippsburg und Salzgitter versammelten sich demnach mehrere tausend Demonstranten. In ganz Deutschland fuhren den Angaben zufolge Menschen mit Bussen, Autos, Fahrrad-Konvois und Treckern zu den Demonstrationen.

Auf der Rheinbrücke zwischen Strassburg und Kehl forderten 700 Deutsche und Franzosen laut Polizei ein Ende der Atomkraft und gedachten der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. Viele schwenkten ukrainische und japanische Fahnen in Anlehnung an das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 sowie an die Katastrophe von Fukushima.

"Nach Fukushima kann die Bundesregierung die atomaren Gefahren nicht mehr ignorieren", erklärte Dirk Seifert von der Umweltschutzorganisation Robin Wood. "Atomenergie ist nichts anderes als eine Brücke in die Katastrophe." Deswegen müssten alle Akw sofort abgeschaltet werden. "Wir brauchen ein Abschaltgesetz und ein Gesetz zur massiven Verkürzung der Laufzeiten, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel in Brunsbüttel.

Nach Angaben des Friedensratschlages in Kassel fanden von Freitag bis Montag 80 Ostermärsche in insgesamt 100 Städten statt. Die Märsche gehen auf die Proteste gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges zurück.

Die grössten Ostermärsche gab es laut Veranstaltern am Montag an der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau mit 10.000 Teilnehmern sowie in Berlin am Samstag mit 4000 Menschen. An diesem Tag fanden auch in Hamburg, München und dem Ruhrgebiet Ostermärsche statt. Zum Abschluss am Montag wurde auch in Frankfurt am Main, Kassel und Nürnberg demonstriert. Die Demonstranten forderten eine Ende des Krieges in Afghanistan sowie des Militäreinsatzes in Libyen. "Vernichtet die Nato, nicht Muammar Gaddafi", war auf Plakaten zu lesen.

ore/AFP/dapd>

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Welt online,
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Deutschland 25.4.2011: Atommüll in Asse 30 Jahre gelagert - und niemand weiss, wie das jetzt dort in der Kammer 12 aussieht

aus: Welt online: Atommüll: Die unbekannte Gefahr der Asse-Kammer 12; 25.4.2011;
http://www.welt.de/politik/deutschland/article13258863/Die-unbekannte-Gefahr-der-Asse-Kammer-12.html

<Autor: Ulrich Exner

Asse ist einer der grössten Umweltskandale Deutschlands. Niemand weiss, wie es in Kammer 12 nach 30 Jahren aussieht – nun soll sie angebohrt werden.

Und dann steht man da, in seiner weissen Bergmannskluft, 750 Meter unter der Erde, in einem alten Salzstollen, und starrt auf ein Loch im Fussboden. Kreisrund, neun Zentimeter Durchmesser, vielleicht einen Meter tief. Wenn man mit einer Taschenlampe reinleuchtet, kann man eventuell ahnen, dass es etwas feucht ist da unten.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Man soll ja nicht reinfassen. Also guckt man, sieht nichts, spürt nichts. Es ändert sich auch nichts. Der Dosimeter baumelt weiter um den Hals und zeigt brav 0,000 an. Keine Strahlung. Keine Gefahr?

Ein Liter radioaktive Lauge

Das kleine Loch in der Sohle der Asse hat für sehr grosse Aufregung gesorgt. Vor gut einer Woche hat man hier bei einer Routinebohrung einen Liter radioaktive Lauge gefunden. Gemessen wurden 240.000 Becquerel von Cäsium 137. 240.000 Becquerel!

Das hörte sich ja fast schon nach Fukushima an, nach Notstand und 1000 Toten. Die Telefone standen jedenfalls nicht mehr still an diesem 14. April im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das unter dem Rubrum "Asse II" pflichtgemäss die nüchterne Meldung "Gestiegene Cäsium-Aktivität in einer Kontrollbohrung" herausgegeben hatte.

Im Radio hörte sich das dann deutlich drastischer an, und auch mancher Anrufer beim Bundesamt klang so, als wollte er jetzt am liebsten die Koffer packen und abhauen. Der zweite Satz der Meldung, "Keine zusätzlichen Risiken für Beschäftigte und Umwelt", wurde schlicht ignoriert. Oder angezweifelt. Oder gleich gar nicht geglaubt.

Wie das so ist in Deutschland, spätestens seit Tschernobyl. Also steht man da. 750 Meter unter der Erde. Vor einem leeren Loch. Mit einem Dosimeter, das null Komma null anzeigt.

Es ist kein Wunder, dass sich die Menschen Gedanken machen hier im Südwesten Niedersachsens. In Remlingen, Gross Denkte, Kissenbrück und so weiter. Einer Handvoll Käffer, die sich zur Samtgemeinde Asse zusammengeschlossen haben und in denen man ziemlich im Ungewissen lebt. Passiert da unten was? Passiert da nichts? Und wenn doch: Was passiert?

Wenn man hinfährt, über Braunschweig nach Wolfenbüttel, dann fällt einem zuerst die Jägermeister-Zentrale auf und dann noch die Schilder, die den Weg durch frühlingsgrüne Wiesen zu den Jägermeister-Produktionsstätten weisen.

Früher hiess es offiziell "Forschungsbergwerk" Asse

Im Vorbeifahren denkt man kurz an den seligen Günter Mast und an die Trikots von Eintracht Braunschweig. An lustige Werbekampagnen. Gab es das eigentlich: "Ich trinke Jägermeister, weil ... die Asse gleich um die Ecke liegt"?

Aber dann zeigt auch schon ein grosses, schrillgelbes A oben am Rande des kurzen Bergrückens, der dem Schacht seinen Namen gegeben hat, dass man da ist am "Endlager Asse". Das hat früher offiziell "Forschungsbergwerk" Asse geheissen. Aber das war bestenfalls die halbe Wahrheit, eher ein Viertel davon.

Die 126.000 Fässer mehr oder weniger unordentlich deklarierten Atommülls, die man hier zwischen 1965 und 1978 eher rüde als sorgfältig stapelte, häufelte, abkippte, dienten nicht der Wissenschaft. Sie waren eher Abfallprodukte einer Wissenschaft, die der Kernenergie diente. Und die wollte das strahlende Zeug loswerden, möglichst heimlich, still und leise. Auch jenseits von Recht und Gesetz. Auf jeden Fall aber im Sinne eines grösseren Ganzen, der Energieversorgung der Zukunft.

Die Gesellschaft für Strahlenforschung, die dem Bund gehörte zu allem Überfluss und die die alten Salzstollen aufgekauft hatte, leistete dafür sehr gute Dienste. Gut 80.000 Tonnen mittel und schwach strahlende Abfälle aus Atomkraftwerken, Kernforschungszentren, Wiederaufarbeitungsanlagen wurden in dünnwandige, gelbe Stahlfässer verpackt, zur Asse verfrachtet und dort abgeworfen.

Zunächst unentgeltlich, später gegen eine geringe Gebühr, aber immer noch ohne gesetzliche Grundlage. Als die Mitte der 70er-Jahre geschaffen wurde, stopfte man lieber noch rein, was gerade ging, und machte die Asse dann schnell dicht. Die Zugänge zu den 13 Kammern mit Atommüll wurden meterdick mit Beton gepfropft. Und dann tat man so, als sei nichts, probierte noch ein bisschen Verschlusstechniken im Salz. Und liess den lieben Gott einen guten Mann sein.

Man hatte ja auch anderes im Kopf in dieser Zeit. Gerade in der Politik. Es war die Zeit der RAF, die Zeit der Bedrohung. Auch die Zeit der leichtfertigen Verdächtigung. Bist du nicht für mich, dann bist du gegen mich. Es ging immer gleich ums Ganze damals. Um "Revolution" und "Staatsräson". Für die Asse, für die Frage, wohin man denn mit den strahlenden Resten der Kernforschung sollte, blieb da wohl eher wenig Zeit.

Ein paar Meter hinter dem leeren Bohrloch zeigt eine Ytong-Wand die Stelle des Schachtes, hinter der die Kammer 12 der Asse liegt. Davor hat sich ein sogenannter Laugensumpf gebildet, ein Tümpel, in dem man auch strahlendes Caesium 137 nachweisen kann.

Noch so ein Menetekel, das mit "Kontrollgebiet radioaktiv" warnend in Worte gefasst wird. Und anhand dessen man eine lange Geschichte darüber verfassen könnte, auf welch unterschiedlichen Wegen Flüssigkeit in einen Salzstock gelangen kann.

Sie kann zusammen mit anderen Stoffen von Bergleuten eingebracht werden. Es kann auch Grundwasser von aussen eindringen, was deutlich gefährlicher ist. Der Schacht Asse I gleich in der Nähe wurde schon 1906 wegen zu starken Laugenzuflusses geschlossen. Dennoch wurde das Bergwerk 1972 vom damaligen Forschungsstaatssekretär Klaus von Dohnanyi (SPD) für "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" dauerhaft für trocken erklärt. Inzwischen ist man schlauer.

Schon seit 1988 fliesst stetig Wasser von aussen in die Grube, derzeit noch weitab des Atommülls; aber wie lange das so bleibt, weiss kein Mensch. Es gibt Gutachten, nach denen die Asse noch bis 2020 "standsicher" ist, andere sprechen von 2014.

Man versucht derzeit alles, um das Bauwerk einigermassen zu stabilisieren. Um Zeit zu gewinnen. Irgendwann aber, das kann man sich denken, wenn man die verbogenen Stahlträger und vom Druck des Gebirges verformten Ziegelsteinwände hier unten anguckt, bricht die Grube ein. Die Kontrolle über den Müll, die man jetzt noch hat, wäre wahrscheinlich verloren.

Bohrlöcher, Laugentümpel und krumme Wände

Man braucht also gar nicht zu lange in der Nähe eines leeren Loches auf der Sohle einer Schachtanlage zu verbringen, um zu verstehen, warum die Menschen in der Region oberhalb der Asse "grosse Hoffnung darauf setzen, dass das Zeug wieder rausgeholt wird", wie es David McAllister (CDU) beschreibt.

Niedersachsens Ministerpräsident hat sich abseits aller Terminkalender unlängst selbst die Asse angeschaut. Bohrlöcher, Laugentümpel, krumme Wände, lange Risse im Salzgestein, Dosimeter, die null anzeigen; er hat mit Leuten gesprochen, die sich auskennen, und weiss jetzt, was hier los ist. Was sich die Menschen wünschen, die hier leben. Entweder das Zeug kommt raus. Oder man redet nicht mehr drüber. Aber das wäre ja auch unerträglich.

Also redet man doch und trifft sich regelmässig in der "Begleitgruppe Asse". Das ist so eine Art "runder Tisch", ein Forum zur Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses ehemals verfeindeter Gruppen, wie bei Stuttgart 21, nur ohne Kameras und Heiner Geissler.

Bund und Land, eher schwarz-gelb, sind ebenso vertreten wie das Bundesamt für den Strahlenschutz (BfS), inzwischen zuständig für das "Endlager Asse", mit einem Chef, den ehemals Rot-Grün eingesetzt hat. Man kabbelt sich immer noch ganz gern, traut sich auch nicht wirklich über den Weg. Aber man nimmt das Problem Asse ernst mittlerweile.

Auf allen Seiten, immerhin. Der Landrat von der SPD ist da, alle anderen Parteien auch, Bürgerinitiativen, Wissenschaftler. Sie alle hätten sich früher tagelang ergebnislos streiten können über ein leeres Bohrloch. Aber die Zeiten ändern sich ja. Auch das wird gerade dokumentiert im Jägermeister-Land.

McAllister, der nach-nach-nach-nach-Nachfolger von Albrecht

David McAllister zum Beispiel, Nach-nach-nach-nach-Nachfolger des Atomkraftfans und Parteifreunds Ernst Albrecht, steht jetzt vor dem Sitzungssaal des "Trainings- und Weiterbildungszentrums Wolfenbüttel" und lobt die Asse-Begleitgruppe als "modellhaft auch für andere Regionen in Europa, wo es darum geht, Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten".

Das ist nun eine gehobene Form der Entschuldigung, aber der Ministerpräsident hat ja auch noch die Genehmigung zum "Anbohren" der Asse-Kammern 7 und 12 mitgebracht, worauf man hier einigermassen lange gewartet hat. Es wäre der Beginn einer "Faktenerhebung", die irgendwann in das erklärte Ziel der Begleitgruppe münden soll: die Rückholung der Fässer aus der Asse. So etwas hat es noch nicht gegeben auf der Welt.

80.000 Tonnen strahlendes Irgendwas

Also freut sich der Sprecher der Bürgerinitiativen über McAllisters Genehmigung so sehr von Herzen, dass Ostern und Weihnachten in diesem Jahr doch auf einen Tag fallen. Auch die schwarze Umweltstaatssekretärin und der im schwarz-gelben Lager nicht unbedingt beliebte BfS-Präsident Wolfram König vertragen sich demonstrativ.

Der Landrat ist sich im Anschluss an den Besuch sogar sicher, dass die Menschen in seiner Region akzeptieren werden, dass der alte Atommüll in ein Zwischenlager im Landkreis Wolfenbüttel gebracht werden müsste. Möglichst nah dran am Schacht. Wenn man die 80.000 Tonnen strahlendes Irgendwas denn tatsächlich eines Tages rausbekommt aus der Asse.

Kammer 12 ist seit 30 Jahren verschlossen

Die turnhallengrossen Kammer 12, 750 Meter unter der Erde, vielleicht 20 Meter entfernt vom leeren Loch, ist seit 30 Jahren verschlossen. Niemand weiss, wie es aussieht hinter dem "Pfropfen". Welche Hohlräume sich gebildet haben, welche Gase, welche chemischen Verbindungen. Ob die Fässer geplatzt, ihr Inhalt womöglich mit Salz und Berg verklumpt ist.

Ob sie tatsächlich rückholbar sind. Am Ende weiss man noch nicht mal, wie gefährlich es tatsächlich wäre, wenn doch alles hier unten bleiben müsste. Findet man die Radioaktivität dann in 150 Jahren im Wolfenbütteler Kopfsalat? Oder, der Scherz liegt leider nahe, gar im Jägermeister?

Bestätigt sich der Verdacht, dass die Krebsrate schon gestiegen ist, strahlungsbedingt, in den umliegenden Gemeinden? Oder findet man im Grunde immer was, wenn man nur genau genug hinguckt? Es gibt jedenfalls deutlich mehr Fragen als Antworten hier im Landkreis Wolfenbüttel.

Die Strahlenschützer vom Endlager Asse haben am vergangenen Montag noch einmal eine kleine Menge Lauge aus dem leeren Loch geholt. 0,3 Liter, 80 000 Becquerel Strahlung von Cäsium 137. Mehr als in japanischem Salat; aber nur ein Drittel des Werts, den man vier Tage zuvor ermittelt hatte. Aber ist das jetzt eine gute Nachricht?

"Glückauf!", verabschieden sich die Kumpel hier unten im Schacht. Glückauf, der alte Bergmannsgruss. Der passt ganz gut für die Zukunft der Asse.>

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n-tv online,
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Fukushima 1 am 28.4.2011: <Cäsium in Fisch und Spinat: Greenpeace darf nicht messen>

aus: n-tv online; 28.4.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Greenpeace-darf-nicht-messen-article3198121.html

<Der Umweltschutzorganisation Greenpeace wird von japanischen Behörden untersagt, Strahlungsmessungen vor der Küste des havarierten Atomkraftwerks Fukushima durchzuführen. Nur Stunden zuvor sagt Regierungschef Kan volle Transparenz zu. Derweil werden in Fisch und Spinat erhöhte Cäsium-Werte festgestellt.

Die japanischen Behörden haben nach Angaben von Greenpeace der Umweltorganisation die Erlaubnis für Strahlungstests vor der Küste verweigert. Das Schiff "Rainbow Warrior" sei in Tokio eingetroffen, doch habe es keine Erlaubnis erhalten, in den japanischen Hoheitsgewässern Untersuchungen vorzunehmen, erklärte Greenpeace. Dabei seien unabhängige Tests des Seewassers und der Meerestiere in den durch die Strahlung aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima bedrohten Gebieten extrem wichtig, sagte der Direktor von Greenpeace Japan, Junichi Sato.

Zuvor waren bei zwei Fischproben und bei Spinat in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks erhöhte Wert radioaktiven Cäsiums gefunden worden. Wie der Fernsehsender NHK berichtet, waren die Werte fünf- bis sechsmal höher, als gesetzlich erlaubt.

Kan will alles offenlegen

Ministerpräsident Naoto Kan hatte ungeachtet des Greenpeace-Abweisung angekündigt, Konsequenzen aus der Atomkatastrophe ziehen zu wollen. Das Unglück solle umfassend aufgeklärt und alle Informationen dazu veröffentlicht werden. "Auf diese Weise möchten wir einen aktiven Beitrag zur internationalen Diskussion über die Verbesserung der Sicherheit der Kernkraft leisten, damit ein solcher Unfall nicht mehr auftritt", schreibt der Regierungschef in einem Beitrag für die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post". Sein Land werde mit scharfen Kontrollen dafür sorgen, "dass die Sicherheit der Nahrungsmittel und Produkte aus Japan, die auf den Markt gelangen, gewährleistet ist".

Nach Regierungsangaben soll nun im Juni damit begonnen werden, das belastete Abwasser im AKW Fukushima zu dekontaminieren. Das hoch radioaktiv verseuchte Wasser behindert die Reparaturarbeiten am Kühlsystem des Kraftwerks. Das AKW war bei dem Megaerdbeben und dem Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden.

dpa>

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29.4.2011: "Brückentechnologie" sollen Gaskraftwerke sein, meint die CSU

aus: n-tv online: Gas als neue Brückentechnologie: CSU will den Atomausstieg regeln; 29.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/CSU-will-den-Atomausstieg-regeln-article3212101.html

<Über Jahrzehnte galt die Union als Befürworter und Wegbereiter der Kernenergie in Deutschland. Jetzt vollziehen CDU und CSU die 180-Grad-Wende und stellen einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie in Aussicht. Die CSU will dabei ein eigenes Energiekonzept beschliessen und setzt auf Gas als neue Brückentechnologie.

Das Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) bei Lingen im Emsland verfügt über eine Leistung von 887 Megawatt.

Die CSU arbeitet an einem Fahrplan, um Atomstrom bis 2021 durch Gaskraftwerke und erneuerbare Energien zu ersetzen. "Wenn wir bestehende Blockaden beim Ausbau der Erneuerbaren überwinden, können wir in den nächsten zehn Jahren den Ausstieg aus der Kernenergie schaffen", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt der "Financial Times Deutschland". "Gas wird die neue Brückentechnologie ins Zeitalter der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien." Die CSU will im Mai ein eigenes Energiekonzept beschliessen, das einen Stufenplan für den Umstieg vorsieht.

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, hält es für verantwortbar, das letzte Atomkraftwerk in Deutschland 2017 abzuschalten. Es gebe grosse Überkapazitäten in der Stromproduktion, sagte er den "Ruhr Nachrichten". Zudem würden zahlreiche Kohle- und Gaskraftwerke neu gebaut. Der UBA-Präsident widersprach Bedenken, dass Deutschland bei einem Ausstieg bis 2017 auf Atomstrom aus dem Ausland angewiesen sei.

Am kommenden Montag wollen Generalsekretär Hermann Gröhe, Kanzleramtschef Ronald Pofalla und Umweltminister Norbert Röttgen mit der CDU-Basis über die Kernenergie reden und darüber, was sie ersetzen kann. "Wir stellen uns dem Gespräch mit unserer Parteibasis, wollen offene Fragen diskutieren, aber auch für unsere Politik werben", sagte Gröhe der Zeitung "Die Welt". Das Fachgespräch sei ein wichtiger Meinungsaustausch, der auch Grundlage für den neuen energiepolitischen Beschluss der CDU sein werde.

Impulse von der Ethikkommission

Matthias Kleiner, einer der beiden Vorsitzenden der Ethikkommission Atomkraft, hat die erste öffentliche Sitzung des Gremiums als Erfolg gewertet. "Ich bin hochzufrieden, weil es so viele Impulse gegeben hat", sagte er. "Ich sehe die Potenziale, die in einer Energiewende stecken, noch viel positiver", sagte Kleiner. Er rechnet auch mit Exporterfolgen des deutschen Zukunftskonzeptes.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bewertet die Arbeit der von der Bundesregierung eingesetzten Ethikkommission als "Alibiveranstaltung". Diese unterstelle, dass der gesellschaftliche Dialog jetzt neu beginnen müsse. "Ich hätte mich nicht dafür hergegeben. Dieses Land hat bereits einen Konsens gefunden."

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn nannte die Ethikkommission einen "Nebenschauplatz". "Über den Atomausstieg wird nicht in der Ethikkommission entscheiden, sondern im Kanzleramt und in den Regierungsfraktionen", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte dem Blatt, es sei offenkundig, "dass Frau Merkel diese Kommission vor allem eingesetzt hat, um Zeit zu gewinnen und um nicht selbst ihre 180-Grad-Wende in der Atompolitik begründen zu müssen."

dpa>

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Deutschland 29.4.2011: Cäsium-Verstrahlung 25 Jahre nach Tschernobyl - immer noch existieren Essverbote für Wildschweinfleisch und Pilze - und auch Fische aus der Ostsee sind weiterhin verstrahlt

aus: http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Teile-Deutschlands-sind-noch-verstrahlt-article3183826.html

Karte von Deutschland mit der
                Cäsiumbelastung 25 Jahre nach Tschernobyl
Karte von Deutschland mit der Cäsiumbelastung 25 Jahre nach Tschernobyl


Zusammenfassung: Wildschweinfleisch und Pilze kann man aus hoch belasteten Regeionen nicht essen - und Fische der Ostsee sind verseucht
Die radioaktiven Wolken mit dem radioaktiven Regen kam 2 Tage nach der Katstrophe von Tschernobyl. Tiere und Pflanzen der hochbelasteten Regionen sind derart verstrahlt, dass sie nicht gegessen werden sollten: Wildschweine und Pilze. Pilze haben bis 20 mal höhere Cäsiumwerte als der Grenzwert. Dasselbe gilt für Speisefische aus der Ostsee, die eine bis zu 10 mal höhere, radioaktive Strahlung aufweisen. Die Fische aus der Nordsee sind dagegen nicht radioaktiv belastet. Die Halbwertszeit für Cäsium 137 ist 30 Jahre. Experten meinen, es dauert 300 Jahre, bis das Cäsium derart zerfallen ist, dass die Produkte aus dem Wald wieder unbedenklich geniessbar sind - vorausgesetzt, dass sich keine neuen Atomkatastrophenereignen und die Gegenden erneut verseuchen.

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Deutschland 30.4.2011: Bayern hat Atomkraftwerke, will aber kein Atommüll-Endlager haben

aus: n-tv online: "Bayern nicht geeignet": CSU verweigert Endlagersuche; 30.4.2011;
http://www.n-tv.de/politik/CSU-verweigert-Endlagersuche-article3219396.html

<Nach dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg will die dortige Landesregierung die Suche nach einem Endlager für atomaren Abfall bundesweit neu starten. Die CSU macht allerdings klar, dass Bayern tabu bleibt. Angeblich aus geologischen Gründen.

Die CSU widersetzt sich strikt allen Forderungen, auch in Bayern nach einem möglichen Standort für ein Atomendlager suchen zu lassen. "Bayern ist aus geologischen Gründen für einen Endlagerstandort nicht geeignet. Es wird keine Endlagersuche in Bayern geben", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem "Hamburger Abendblatt". "Wir erkunden den Salzstock in Gorleben ergebnisoffen. Bevor die Untersuchung nicht abgeschlossen ist, muss man über weitere Fragen nicht nachdenken."

In die festgefahrene Diskussion über die Suche nach einem Endlager für den hoch radioaktiven Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken ist durch den Regierungswechsel in Baden-Württemberg Bewegung gekommen. Die neue grün-rote Landesregierung vereinbarte, dass es bundesweit eine ergebnisoffene Suche nach einem Endlager geben soll. Damit wäre auch der Bau eines Lagers in Baden-Württemberg möglich, was die CDU-geführten Vorgängerregierungen immer abgelehnt hatten.

Bayern, wo ebenfalls mehrere Atommeiler stehen und strahlenden Abfall produzieren, gerät dadurch in Zugzwang. Bislang wird nur ein Salzstock im niedersächsischen Gorleben auf seine Eignung als Atomendlager untersucht.

Auch die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, betonte, das Angebot des künftigen Stuttgarter Regierungschefs Winfried Kretschmann, in seinem Land Standorte zu prüfen, sei "kein Vorbild" für Bayern. Dies würde lediglich eine weitere Verzögerung der Bemühungen bedeuten, endlich das Problem der Endlagerung vernünftig zu lösen, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Es geht nicht darum, dass sich irgendjemand gegen irgendetwas sperrt", betonte die CSU-Politikerin. Jetzt komme es aber darauf an, die Erkundungen in Gorleben ergebnisoffen abzuschliessen. Es sei "nicht verantwortungsvoll", das bislang schon Erreichte in Gorleben zur Seite zu legen und wieder neu zu beginnen.

dpa>

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Schweiz 2.5.2011: Unverantwortliche schweizer Energiepolitik: Economiesuisse beharrt auf Kernenergie

aus: 20 minuten online: Atomdebatte: Economiesuisse beharrt auf Kernenergie; 2.5.2011;
http://www.20min.ch/finance/news/story/12598027

<Der Schweizer Wirtschaftsverband will keine «überstürzten, unkorrigierbaren und unrealistischen» Entscheide in der Atomfrage. Mit anderen Worten: Economiesuisse hält an der Kernenergie fest.

Die Option Kernenergie müsse in der Schweiz auch nach dem AKW-Unfall in Japan offen bleiben, fordert der Wirtschaftsverband Economiesuisse. Zentrales Element der Energiepolitik müsse die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz und ihrer Arbeitsplätze sein.

Der economiesuisse-Vorstandsausschuss hat am Montag in Zürich einstimmig eine Resolution verabschiedet. Darin legt er die Hauptanliegen der Schweizer Wirtschaft in Bezug auf die Energiepolitik dar. Er warnt unter anderem vor «überstürzten, unkorrigierbaren und unrealistischen Entscheiden».

Es sei nötig, eine Schweizer Gesamtenergiestrategie zu entwickeln. Diese müsse Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, ökologische und Risikokriterien in Einklang bringen und die Standortattraktivität gewährleisten. Kurzfristige Entscheidungen und langfristige Notwendigkeiten und Chancen müssten zusammengehen.

Auch Ausbau erneuerbarer Energien notwendig

Die Gesamtstrategie solle Wettbewerb und Innovation als massgebliche Motoren der Entwicklung respektieren, heisst es in der Resolution. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien, eine weitere Steigerung der Energieeffizienz und internationale Stromabkommen seien notwendig.

Dennoch bleibe der Bau der «notwendigen Kraftwerkkapazitäten» unverzichtbar. Und hierbei müsse die Option Kernenergie offen bleiben - namentlich mit Blick auf ihre weitere technologische Entwicklung.

Unternehmen brauchen 60 Prozent von Strom

60 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs gehe auf das Konto von Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze, schreibt der Verband. Eine «sichere, zuverlässige, wettbewerbsfähige, unabhängige und klimaschonende» Energie- und Stromversorgung sei denn auch eine «Schicksalsfrage» für den Werkplatz Schweiz.

Falls die Bewilligungsverfahren für die auslaufenden AKW blockiert blieben, brauche es als Übergangslösung zwingend mehr Gaskombikraftwerke. Die Kompensation des zusätzlichen CO2-Ausstosses müsse aus Gründen der Effizienz und der Wirtschaftlichkeit zu einem wesentlichen Teil im Ausland erfolgen.>

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Belgien 3.5.2011: Ein verstrahlter Container aus Japan - und es soll alles ungefährlich sein

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Verstrahlter Container kommt in Belgien an; 3.5.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/20881307

<In einem Hafen ist ein Container aus Japan angekommen, der erhöhte atomare Strahlung aufweist. Die erhöhten Werte seien ungefährlich.

Im Hafen der belgischen Stadt Zeebrügge ist ein Container aus Japan mit erhöhter atomarer Strahlung entdeckt worden. Die Werte von Cäsium 137 stellten aber keine Gefahr für die Arbeiter oder die unmittelbare Umgebung dar, teilten die Behörden am Dienstagabend mit. Die Atombehörde FANC erklärte, nicht der Inhalt, sondern der Container selbst sei kontaminiert.

Auch wenn die Strahlenwerte leicht erhöht seien, lägen sie noch immer unter dem für die Bevölkerung festgelegten Grenzwert, betonte die FANC. Der Container wurde demnach am 16. März in Yokohama verschickt.

(dapd)>

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Schweiz 3.5.2011: Und der "verbandelte", schweizerische Atomaufseher geht in den Ausstand

aus: 20 minuten online: Vorwürfe: Chef der Nuklear-Aufsicht tritt in Ausstand; 3.5.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Chef-der-Nuklear-Aufsicht-tritt-in-Ausstand-17801001

<Nach Vorwürfen, der Chef der Atomaufsichtsbehörde ENSI Peter Hufschmied sei mit Kernkraftwerksbetreibern verbandelt, zieht dieser die Konsequenzen. Bis auf weiteres tritt er in den Ausstand.

Der Präsident der Nuklearaufsichtsbehörde ENSI, Peter Hufschmied, zieht die Konsequenzen: Nachdem die «SonntagsZeitung» am letzten und vorletzten Sonntag Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte, tritt er mit sofortiger Wirkung in den Ausstand. Das teilt das ENSI in einer Medienmitteilung mit. Dieser Schritt geschehe auf eigenen Wunsch und nicht auf Druck von aussen, betont Hufschmied laut Mitteilung. Er wolle vielmehr zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Die Vizepräsidentin Anne Eckhardt Scheck übernimmt in der Zwischenzeit Hufschmids Aufgaben.

Vor zwei Tagen berichtete die SonntagsZeitung, dass Hufschmied ein Beratermandat von einer Tochterfirma der AKW-Betreiberin BKW angenommen habe, obwohl der ENSI-Rat ihm dies vor zwei Jahren untersagt habe. Er habe den Rat gar nicht darüber informiert, lautet der Vorwurf. Das Energiedepartement Uvek hatte daraufhin angekündigt, die Verbindungen von Hufschmied zu prüfen. Noch eine Woche zuvor sah das Uvek «keinerlei Anlass, an der Unabhängigkeit des ENSI-Ratspräsidenten zu zweifeln». Damals berichtete die SonntagsZeitung darüber, dass die BKW das Tropenhaus Frutigen unterstütze, wo Hufschmied Verwaltungsratspräsident ist.

Druck aus Politik

Die Frage nach der Unabhängigkeit des ENSI-Präsidenten hat im laufenden Jahr besondere Bedeutung. Der Bundesrat muss den ENSI-Rat für die Amtszeit 2012-15 wählen. Hufschmied ist sich keiner Verfehlung bewusst: «Ich bin überzeugt, dass meine Tätigkeit als ENSI-Rat alle Anforderungen an die Unabhängigkeit immer erfüllt hat», lässt sich Hufschmied in der Medienmitteilung zitieren. Doch die Politik sieht das anders. Maria Roth-Bernasconi, SP-Nationalrätin und Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, spricht in der «SonntagsZeitung» von einer unrechtmässigen Abhängigkeit, falls die Vorwürfe zutreffen. Die Grünen forderten am Sonntag bereits den Rücktritt Hufschmieds.

(mdr)>

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4.5.2011: <Katastrophe in Japan: Meer bei AKW Fukushima stark radioaktiv>: 25 km vor Fukushima wird  im Meerwasser ein 600-facher Cäsiumwert für Cäsium 137 gemessen - und erhöhte Werte für Cäsium 134 und Jod 131

aus: 20 minuten online; 4.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/23502994

<Im Meerwasser 15 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt hat der Kraftwerksbetreiber Tepco stark erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen.

Die genommenen Proben hätten einen um das 600-fache erhöhten Wert radioaktiven Cäsiums 137 aufgewiesen, teilte Tepco am Dienstagabend mit. Zudem seien erhöhte Werte von Cäsium 134 und Jod 131 gemessen worden.

Diese Werte seien zuvor derart niedrig gewesen, dass sie nicht hätten bestimmt werden können, hiess es. Das Unternehmen machte keine Angaben dazu, ob die Werte eine Gefahr darstellten.

«Nach nur einer Probe können wir noch nichts Konkretes sagen», erklärte eine Tepco-Sprecherin. Es seien weitere Messungen geplant. Am Dienstag hatte auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit unabhängigen Tests vor der japanischen Nordostküste begonnen.

Die Messungen finden allerdings entsprechend der Vorgaben Japans ausserhalb des 20-Kilometer-Radius' der japanischen Hoheitsgewässer statt.

Durch das verheerende Erdbeben und den anschliessenden Tsunami am 11. März war die Atomanlage Fukushima stark beschädigt worden. Seitdem wurde radioaktive Strahlung in die Atmosphäre, in den Boden und ins Meer abgegeben.

(sda)>

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n-tv online,
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EU 4.5.2011: Die EU will keine strengeren Normen für Atomkraftwerke

aus: n-tv online: Stresstests für Atomkraftwerke: EU will nicht so streng sein; 4.5.2011;
http://www.n-tv.de/politik/EU-will-nicht-so-streng-sein-article3246131.html

<Die EU verzichtet auf die zunächst angekündigten strengen Reaktor-Tests an Atommeilern in Europa. Mögliche Folgen von Flugzeugabstürzen oder von menschlichem Versagen sollen nun doch nicht untersucht werden. Dafür hatten sich vor allem Grossbritannien und Frankreich starkgemacht.

Die Sicherheitstests für die Atomkraftwerke in Europa sollen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" deutlich schwächer ausfallen als angekündigt. Bei einem Treffen der EU-Energieminister habe sich abgezeichnet, dass die Kraftwerksbetreiber lediglich zu der Prüfung verpflichtet werden sollen, ob die Meiler Naturkatastrophen wie Erdbeben, Flutwellen oder extremen Temperaturschwankungen standhalten, berichtet das Blatt.

Dies sei ein Vorschlag der Vereinigung der Westeuropäischen Atom-Aufsichtsbehörden. Länder, die strengere Tests wollten, könnten diese freiwillig durchführen, hiess es in Kreisen von Energiekommissar Günther Oettinger.

Ursprünglich hatten sich die 27 europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel Ende März darauf geeinigt,  die 146 in der Europäischen Union betriebenen Reaktoren auf alle durch die Fukushima-Katastrophe offenbar gewordenen zusätzlichen Unfallszenarien zu überprüfen. Zudem sollte getestet werden, ob Stromversorgung, Kühlung und zusätzliche Aggregate nach Terrorangriffen, menschlichen Bedienfehlern oder in unverhofften Notsituationen sicher funktionieren. Das lehnen die westeuropäischen Aufseher strikt ab.

Meiler bleiben unzugänglich

"Wenn die Erfahrungen des Unfalls in Fukushima auch die Notfallmassnahmen für den Schutz der Öffentlichkeit betreffen (Feuerwehr, Polizei und Gesundheitsversorgung), ist dies nicht Teil dieser Stresstests", heisst es in ihrem Vorschlag. Die Betreiber sollen demnach lediglich einen Bericht zu möglichen Gefahren verfassen und an die Kommission senden. Unabhängige EU-Fachleute hätten demnach keinen Zutritt zu den Meilern.

Informationen aus der EU-Kommission zufolge dringen vor allem Frankreich und Grossbritannien auf abgeschwächte Tests. Die beiden Länder betreiben die meisten Atommeiler in Europa. In Frankreich stehen 58 Meiler, in Grossbritannien 19. Die Regierungen in Paris und London erklärten bereits, trotz des Unglücks von Fukushima auch künftig verstärkt Atomkraft nutzen zu wollen. London kündigte zudem an, die Ergebnisse der Tests nicht zu veröffentlichen. Im Dezember sollen die Ergebnisse vorliegen.

"Gefährliche Reduzierung"

Der Plan der Atomkraft-Länder stösst auf heftige Kritik. "Wir müssen alle Szenarien für Katastrophen testen, egal, ob sie von Menschen oder der Natur verursacht werden", sagte die Europaabgeordnete Angelika Niebler (CSU) der Süddeutschen Zeitung. Die Fraktionsvorsitzende der Europäischen Grünen im Parlament, Rebecca Harms, sprach von einer "gefährlichen Reduzierung". Energiekommissar Oettinger breche sein Versprechen, die europäischen Atomkraftwerke sicherer zu machen und neue, einheitliche Standards zu entwickeln.

Die EU-Kommission bemühte sich, die Verbesserungen herauszustellen. Dank der Stresstests könne die Behörde nun erstmals die Baupläne aller Meiler einsehen, sie erhalte einen Überblick über alle Standorte, hiess es aus der Kommission. Die EU-Länder müssten erstmals erklären, welche Sicherheitsstandards sie ihren Bau- und Betriebsgenehmigungen zugrunde gelegt hätten. Das sei "ein grosser Fortschritt". Nach weiteren Beratungen in den kommenden Tagen sollen die Pläne am 12. Mai in Brüssel vorgestellt werden.

sba/dpa>

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Basler Zeitung
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Schweiz 5.5.2011: Der AKW-Filz in der Schweiz zwischen Betreibern und Kontrolleuren ist katastrophal - und war vor 10 Jahren noch viel schlimmer

aus: Basler Zeitung online: AKW-Prüfer sind weniger verfilzt; 5.5.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/AKWPruefer-sind-weniger-verfilzt-/story/14850193
<Von Fabian Renz, Bern.

Führende Mitglieder des Nuklearsicherheitsinspektorats pflegen problematische Beziehungen zur Stromwirtschaft. Ein Vergleich zeigt aber: Vor zehn Jahren war die Verbandelung noch viel enger.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) präsentiert eine Reihe neuer Auflagen zuhanden der Kernkraftwerkbetreiber. Das Aufsichtsgremium wird dabei selber unter scharfer Aufsicht stehen: Atomkritische Kreise werden ebenso akribisch wie misstrauisch prüfen, ob die erlassenen Verfügungen streng genug sind. Filzvorwürfe lasten inzwischen nämlich auf führenden Ensi-Köpfen wie Präsident Peter Hufschmied – der geschäftliche Beziehungen zum Atomstromkonzern BKW pflegt – und Horst-Michael Prasser, Inhaber eines Hochschullehrstuhls, der von der Branchen-Fachgruppe Swissnuclear bezahlt wird. Der Umweltverband Greenpeace bezeichnet das Ensi inzwischen offen als befangen – er ortet eine «finanzielle und politische Verbandelung mit der Atomindustrie».

Ein Vergleich zeigt allerdings: Das Ensi ist personell mit der Atomwirtschaft deutlich weniger verflochten als seine Vorgängerin, die frühere Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK). Der langjährige HSK-Direktor Ulrich Schmocker und verschiedene seiner Kaderleute nahmen sich noch die Freiheit, in der Schweizerischen Vereinigung für Atomenergie mitzumachen – der Lobbyorganisation jener Branche, die sie zu beaufsichtigen hatten. Heute verzeichnet der – inzwischen in Nuklearforum unbenannte – Verband auf seiner Mitgliederliste nur noch ein hochrangiges Ensi-Mitglied: eben jenen Horst-Michael Prasser, der bekanntermassen als ETH-Professor für Kernenergie ohnehin von der Atomwirtschaft bezahlt wird. Ansonsten wirken die Lebensläufe der gegenwärtigen Ensi-Führungskräfte unverdächtiger als jene der früheren HSK-Kader. Vor zehn Jahren etwa waren zwei von drei HSK-Abteilungsleitern ehemalige Mitarbeiter des Kernkraftwerks Leibstadt. Im heutigen Ensi-Rat und in der Geschäftsleitung hat dagegen niemand mehr eine unmittelbare AKW-Vergangenheit vorzuweisen.

Mehrere Konstruktionsfehler

In der Tat wurde das Ensi vor vier Jahren mit dem Ziel geschaffen, die Unabhängigkeit der Atomaufsicht zu stärken – gegenüber den politischen Behörden, aber vor allem auch gegenüber der Industrie. An die Stelle der HSK, die dem als atomfreundlich geltenden Bundesamt für Energie angegliedert war, sollte mit dem Ensi eine eigenständige, firmengleich strukturierte Institution treten. Klare Vorgaben über Interessenbindungen sollten eine zuverlässige Überwachung der Kernkraft gewährleisten. Die Sphären wurden säuberlich getrennt: Der Bundesrat beschränkt sich grundsätzlich auf die Oberaufsicht und wählt den fünf- bis siebenköpfigen Ensi-Rat. Gleich einem Verwaltungsrat definiert dieser die strategischen Ziele und bestimmt die Geschäftsleitung. Jene wiederum ist mit ihrem Direktor an der Spitze für alles Operative zuständig – also auch für allfällige Stilllegungsverfügungen.

Warum konnte nun trotz dieser Reform keine vollständige Entflechtung von Aufsehern und Beaufsichtigten erreicht werden? Kritiker orten verschiedene Konstruktionsfehler der Ensi-Vorlage. So kritisiert der Experte Walter Wildi heute in der Zeitung «Der Bund» die geringen Entschädigungen für die Mitarbeiter des Ensi-Rats. Weiter bedauert er die Streichung der Kommission für die Sicherheit der Kernanlagen (KSA), die er zuletzt selber präsidierte. Die KSA habe stets als kritisches Gegengewicht zur atomfreundlichen HSK fungiert. Mit dem Wegfall der KSA sei die Aufsicht geschwächt worden – die stattdessen ins Leben gerufene neue Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) verfüge weder über die Kompetenzen noch über die Mittel, um die KSA ersetzen zu können.Indes kämpfen andere Aufsichtsbehörden mit vergleichbaren Problemen (siehe Artikel rechts). Dies lässt an die Worte des früheren CVP-Ständerats Carlo Schmid denken, der 2007 bei der Schaffung des Ensi zur Frage der Unabhängigkeit bemerkte: «Das ist eine Frage, die sich in unserem kleinen Staat immer stellt.» Spezialisten, so stellte er fest, hätten hierzulande «stets Verbindungen zur Wirtschaft». (Tages-Anzeiger)>

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20 minuten
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Japan 6.5.2011: Japan schliesst in Hamaoka zwei Reaktoren wegen latenter Erdbebengefahr

aus: 20 minuten online: Nach Fukushima: Japan schliesst zwei Reaktoren; 6.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/26550209

<Die Atomanlage Hamaoka liegt genau über einem Bruch der Erdkruste. Ein besonders erdbebengefährdeter Ort also. Deshalb will die japanische Regierung dort zwei Reaktoren stilllegen.

Die Blöcke vier und fünf des AKW Hamaoka sollen abgeschaltet werden.

Wegen akuter Erdbebengefahr will die japanische Regierung zwei Reaktoren im AKW Hamaoka schliessen. Die Anlage südwestlich von Tokio liege nahe an einer tektonischen Verwerfung, die starke Erdbeben befürchten lässt.

Die Regierung werde den Betreiber Chubu Electric deshalb bitten, die Reaktoren vier und fünf des Kraftwerks in der Präfektur Shizuoka stillzulegen. Regierungschef Naoto Kan sollte dazu in Kürze eine Pressekonferenz geben.

Schon wieder Defekt in japanischem AKW

Im japanischen Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa, der weltgrössten Atomanlage der Welt, hat es einen Defekt im Kühlsystem gegeben. Ein Ventil habe nicht funktioniert, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo den Betreiber Tepco am Freitag.

Das Ventil sei wichtig, wenn im Notfall Wasser zum Reaktor gepumpt werden müsse. Es sei «unwahrscheinlich», dass wegen des Defekts im Atomkraftwerk an der Westküste radioaktive Substanzen freigesetzt wurden.

Schon 2007 folgenschwere Störfälle

In der aus sieben Reaktoren bestehenden weltgrössten Atomanlage hatte es 2007 nach einem Beben folgenschwere Störfälle gegeben. In dem Kraftwerk in der japanischen Provinz Niigata war damals unter anderem radioaktiv belastetes Wasser aus einem Leck ins Meer geflossen.

Zudem fing ein Transformator ausserhalb der Reaktorhallen Feuer. Insgesamt wurden 50 technische Defekte registriert - die Tepco zunächst nicht meldete. Ende Februar dieses Jahres war in Japan ein Bericht veröffentlicht worden, demzufolge in dem Kraftwerk etliche Geräte schlecht gewartet wurden.

(sda)>

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Basler Zeitung
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Japan 6.5.2011: Das AKW Hamaoka wird wegen latenter Erdbebengefahr abgeschaltet

aus: Basler Zeitung online: Japan muss weiteres AKW stilllegen - Kan sorgt sich um die Sicherheit; 6.5.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Japan-muss-weiteres-AKW-stilllegen--Kan-sorgt-sich-um-die-Sicherheit/story/21819270?dossier_id=885

<Zwei Monate nach Beginn der Atomkatastrophe nimmt Japan aus Sicherheitsgründen ein weiteres AKW vom Netz. Der Region Shizuoka droht in den nächsten 30 Jahren ein grösseres Erdbeben.

Nahe einer tektonischen Verwerfung: Das AKW Hamaoka.

Acht Wochen nach der Natur- und Atomkatastrophe in Japan lässt die Regierung das Kernkraftwerk Hamaoka aus Sicherheitsgründen abschalten. Ministerpräsident Naoto Kan wies den Energieversorger Chubu an, den Betrieb aller drei Reaktoren so lange auszusetzen, bis zusätzliche Vorkehrungen für den Fall eines schweren Erdbebens und Tsunamis getroffen wurden. Die Anordnung betrifft zwei laufende Atommeiler sowie einen dritten, der bereits wegen einer geplanten Inspektion vom Netz genommen wurde.

Die Regierung zog damit die Konsequenzen aus der Überprüfung aller Kernkraftwerke wegen des Atomunglücks im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März. Hamaoka liegt an der Küste in der Präfektur Shizuoka 250 Kilometer westlich von Tokio.

Es droht ein grösseres Erdbeben

Kan verwies darauf, dass der Region in Zentraljapan nach Berechnungen von Experten mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Jahren ein grösseres Erdbeben droht. «Wenn sich in Hamaoka ein Unfall ereignet, könnte das ernste Folgen haben», sagte der Regierungschef.

Anwohner forderten schon seit längerem die Abschaltung von Hamaoka. Die Anlage besteht aus insgesamt fünf Siedewasserreaktoren. Die zwei ältesten, die aus den 1970er-Jahren stammen, wurden bereits im Januar 2009 stillgelegt. Aktiv sind noch die Blöcke 3, 4 und 5. Der erst 2005 in Betrieb genommene Block 5 musste bereits 2006 wegen eines Turbinenschadens vorübergehend abgeschaltet werden. 2005 hatte es einen Brand in einem Atommülllager der Anlage gegeben. Radioaktivität soll in beiden Fällen nicht ausgetreten sein.

Regierung unter Druck

Der Energie- und Atomexperte Mycle Schneider wertete die Abschaltung als «starken Vorgang», der zeige, wie stark die Regierung unter Druck stünde. «Dass keine neuen Atomkraftwerke mehr genehmigt werden, wäre schon ein Schritt gewesen», sagte Schneider.

Die Gefahr von Erdbeben für die Sicherheit von japanischen Atomkraftwerken war schon seit Jahren ein Thema bei Kritikern der Kernenergie – in Japan wie international. Schon 2007 habe sich gezeigt, dass japanische Kraftwerke nicht ausreichend für Erdbeben ausgelegt sind. Damals hatte es nach einem unerwartet heftigen Beben im Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa gebrannt.

Doch zu einem Umdenken der Behörden scheint es erst jetzt, nach der Havarie in Fukushima-Daiichi, zu kommen. «Es gab in den letzten Wochen Anzeichen dafür, dass die Atomkraft es in Zukunft schwerer haben würde in Japan», sagte Schneider der Nachrichtenagentur DAPD. «Der Druck, auch von den Medien, war enorm.» Wenn noch weitere Kraftwerke stillgelegt würden, könnte Japan nach seiner Einschätzung möglicherweise Probleme mit der Stromversorgung im Sommer bekommen, wenn die Spitzenlast anfällt. (mrs/bru/sda/dapd)>

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Welt online,
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7.5.2011: Fukushima-1-Mitarbeiter werden erst jetzt regelmässig untersucht

aus: Welt online: Reaktor-Katastrophe: Fukushima-Arbeiter werden erst jetzt untersucht; 7.5.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/article13358641/Fukushima-Arbeiter-werden-erst-jetzt-untersucht.html

<Erst in diesen Tagen werden die 800 Arbeiter, die im havarierten AKW eingesetzt werden, regelmässig medizinisch untersucht. Tepco hat dafür eine Erklärung.

Immer neue Pannen, aber auch kleine Erfolge beim Krisenmanagement in Fukushima: Erst jetzt im Mai wurde damit begonnen, die etwa 800 Arbeiter, die in dem havarierten Atomkraftwerk in Japan eingesetzt werden, regelmässig medizinisch zu untersuchen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiberkonzern Tepco.

Einen Erfolg konnte Tepco indes aus dem hoch verstrahlten Reaktor 1 von Fukushima Eins vermelden: Dort sinkt angeblich die Radioaktivität, nachdem dort erstmals seit der Katastrophe Arbeiter eingesetzt wurden, die Filter einbauten. In Tokio protestierten unterdessen Tausende gegen Atomkraft.

Als Grund für die späte Untersuchung der rund 800 Arbeiter wurde eine Anordnung des Gesundheitsministeriums genannt, in der zunächst Untersuchungen erst nach Ende der Krise verlangt wurden – offensichtlich in der Erwartung, sie dauere nicht so lange.

Von den Arbeitern, die seit dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März in der Atomruine zum Einsatz kamen, seien 30 einer Strahlendosis von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen, hiess es. Die gesetzliche Höchstdosis für Menschen, die beruflich radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind, liegt in Deutschland bei 20 Millisievert pro Jahr und bei 400 Millisievert für das gesamte Leben (Berufslebensdosis).

Die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete am Samstag, in Reaktor 1 seien die Strahlenwerte seit Freitagmittag kontinuierlich zurückgegangen. Genauere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Die Arbeiter hatten den Reaktor am Donnerstag erstmals nach dem Beben betreten. Ausgestattet mit Schutzmasken und Spezialanzügen bauten die Arbeiter Filter gegen die Radioaktivität in der Luft ein. Mit den Filtern soll die radioaktive Belastung im Gebäude so weit gesenkt werden, dass längere Einsätze möglich sind – dann am Kühlsystem.

Der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) hatte Mitte April einen Zeitplan für die Arbeiten veröffentlicht. Das Unternehmen hofft, die Reaktoren innerhalb von drei Monaten wieder zuverlässig kühlen zu können und in neun Monaten wieder die volle Kontrolle über die Anlage zu haben.

Über die Zukunft des erdbebengefährdeten Atomkraftwerks Hamaoka, das Japans Regierung schnell stilllegen möchte, wird erst später entschieden. Der Betreiber Chubu Electric Power habe seine Entscheidung auf mindestens Sonntag verschoben, berichtete Kyodo. Das Kraftwerk liegt in Zentraljapan nahe der 36.000-Einwohner-Stadt Omaezaki am Pazifik, nur 170 Kilometer südwestlich von Tokio.

Ministerpräsident Naoto Kan hatte den Betreiber am Freitag dazu aufgefordert, die Reaktoren 3 bis 5 der Anlage nicht weiter zu nutzen. Die Gefahr einer Katastrophe sei bei dem Kernkraftwerk zu gross. Die Reaktoren 1 und 2 hat der Konzern bereits stillgelegt.

dpa/bas>

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Basler
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Japan 8.5.2011: Die Harakiri-Politik in Japan mit Atomkraftwerken in Erdbebengebieten geht weiter

Eigentlich darf in Japan kein einziges Atomkraftwerk stehen, weil ganz Japan eine Erdbebenzone ist. Aber diese Logik ist Japans Regierung nicht zu vermitteln. Aber lesen Sie selbst:

aus: Basler Zeitung online: "Wir halten an der Atomkraft fest"; 8.5.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Wir-halten-an-der-Atomkraft-fest/story/17385929

<Trotz der Havarie im AKW Fukushima setzt die japanische Regierung auch in Zukunft auf die Kernenergie. Derweil zögern die Betreiber das hoch gefährdete AKW Hamaoka stillzulegen.

Keine grosse politische Änderung: Yoshito Sengoku, der stellvertretende Chefsekretär des Kabinetts.

Entscheidung vertagt: Noch ist das AKW Hamaoka in Betrieb.

Abgeordneter will Parlament nach Fukushima verlegen

Ein japanischer Abgeordneter will das Parlament seines Landes nach Fukushima verlegen. Dies würde nach dem verheerendem Erdbeben vom 11. März und der dadurch ausgelösten Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima ein Zeichen des Neubeginns und des Vertrauens in die Region sein, sagte Yasuhisa Shiozaki bei einer Diskussionsveranstaltung in Washington. Der ehemalige Vize-Regierungschef von den derzeit oppositionellen Liberaldemokraten gestand ein, dass seine Idee manchem als an den Haaren herbeigezogen erscheinen möge. Aber ihm gehe es um ein Zeichen: «Ich schlage vor, das japanische Parlament nach Fukushima zu verlegen, um der Welt zu zeigen, dass wir angesichts dieses nuklearen Problems nicht einknicken.» jes/mt

«Wir halten an der Atomkraft als Bestandteil unserer nationalen Energiepolitik fest», sagte der stellvertretende Chefsekretär des Kabinetts, Yoshito Sengoku, am Sonntag im Rundfunksender NHK. Pläne, weitere Reaktoren neben dreien im Atomkraftwerk Hamaoka stillzulegen, habe die Regierung nicht. Abgesehen vom AKW Hamaoka bestehe bei den Standorten der anderen Atomkraftwerke sei die Gefahr eines grösseren Erdbebens in den nächsten 30 Jahren «äusserst gering».

Wegen des grossen Erdbeben- und Tsunami-Risikos hatte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan den Kraftwerksbetreiber in Hamaoka am Freitag aufgefordert, die Reaktoren abzuschalten, bis zusätzliche Schutzmassnahmen getroffen wurden. Rechtlich bindend war das Ersuchen jedoch nicht.

Chubu wartet ab

Der japanische Energiekonzern Chubu hat seine Entscheidung über die Stilllegung von drei Reaktoren im Atomkraftwerk Hamaoka derweil vertagt. Man sei bei einem Treffen am Samstag zu keiner Entscheidung gekommen und wolle die Frage nach dem Wochenende erneut diskutieren, sagte Unternehmenssprecher Mikio Inomata.

Das Atomkraftwerk Hamaoka liegt in der Präfektur Shizuoka 200 Kilometer westlich von Tokio. Kan verwies darauf, dass der Region nach Berechnungen von Experten mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Jahren ein schweres Erdbeben droht. «Wenn sich in Hamaoka ein Unfall ereignet, könnte das ernste Folgen haben», sagte der Regierungschef.

Chubu befürchtet mögliche Engpässe bei der Stromversorgung, sollten die drei Reaktoren abgeschaltet werden. Sie seien für über zehn Prozent der Leistung des Unternehmens verantwortlich, sagte Sprecher Inomata. Chubu erwartet im Sommer eine Nachfrage von 26 Millionen Kilowatt. Mit den drei Reaktoren könnte das Unternehmen bis zu 30 Millionen Kilowatt in die Stromnetze einspeisen.

Chubu erwägt Hochfahren seiner Gas- und Kohlekraftwerke

«Es könnte eng werden», sagte Inomata. Der Energiekonzern erwäge nun, den Ausstoss seiner Gas-, Öl- und Kohlekraftwerke zu erhöhen und Stromkontingente von anderen Versorgern zu kaufen.

Die japanische Regierung befürchtet vor allem, dass das an der Küste gelegene Atomkraftwerk Hamaoka einem erneuten Tsunami schutzlos ausgeliefert sein könnte. Bislang verfügt die Anlage über keine Betonmauer gegen eine mögliche Springflut. Nach Angaben von Chubu seien die zehn bis 15 Meter hohen Sandhügel zwischen Küste und Kraftwerk jedoch hoch genug, um den Atommeiler vor den Wassermassen zu schützen. Der Tsunami, der am 11. März in der Nuklearanlage Fukushima-Daiichi erhebliche Schäden anrichtete, war nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Tepco rund 14 Meter hoch.

Installation der Kühlsysteme beginnt

Nachdem die Strahlenwerte in Fukushima so weit gesunken sind, dass Arbeiter in Schutzanzügen die Anlage zeitweise betreten können, kündigte Tepco an, ab heute mit der Installation eines neuen Kühlsystems zu beginnen. Bereits am Donnerstag hatten Techniker Luftfilter im Gebäude des Reaktors 1 eingesetzt.

Unterdessen beteiligten sich am Samstag tausende Menschen an einer Anti-Atomkraft-Demonstration in Tokio. Sie zogen durch das Einkaufsviertel Shibuya und skandierten Parolen wie «Keine Atomkraftwerke!»

(jak/dapd)>

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Basler Zeitung
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Schweiz 8.5.2011: Die SBB plant die Zukunft ohne Atomstrom

aus: Basler Zeitung online: Atomkraft, adieu!; 8.5.2011;
http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Atomkraft-adieu/story/27023259

<Die SBB wollen künftig ausschliesslich auf erneuerbare Energien setzen. Hierfür sollen die eigenen Wasserkraftwerke erweitert werden. Aber das allein reicht noch nicht.

In der Zukunft ohne Atomstrom: Eine S-Bahn des Zürcher Verkehrsverbunds im Bahnhof von Pfäffikon.

Einer der grössten Stromverbraucher der Schweiz will ausschliesslich auf erneuerbare Energien setzen. Die Bundesbahnen haben eine neue «Energiebeschaffungsstrategie» verabschiedet. «Sie hat klar zum Ziel, den Atomstromanteil von heute 25 Prozent kontinuierlich zu reduzieren», sagt SBB-Konzernchef Andreas Meyer im Interview mit dem «Sonntag». «Unser Ziel ist, aus der Atomkraft auszusteigen.»

Schon heute, betont Meyer, «fahren wir zu 75 Prozent mit erneuerbaren Energien, was eine enorme Leistung ist». Dieser Anteil, so die Absicht, soll auf 100 Prozent erhöht werden. Wann es so weit sein könnte, kann Meyer nicht sagen. Er hofft, «dass durch die tragischen Geschehnisse in Fukushima die erneuerbaren Energien in der Schweiz mehr Rückenwind erhalten und somit auch günstiger werden».

Zudem sollten die externen Kosten von Kraftwerken und des Verkehrs, wie etwa der CO-Ausstoss, den Produktionskosten voll angerechnet werden. Denn: «Mit dem Einbezug der Umweltbelastungen werden erneuerbare Energien vergleichsweise günstiger.» Die Stromkosten machen gemäss «Sonntag» etwa 4 bis 5 Prozent des Billettpreises aus.

Wasser, Wind und Sparen

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, wollen die SBB die Leistungen ihrer Wasserkraftwerke steigern. Meyer sagt zudem, auch Wind könne möglicherweise einen Beitrag zur Stromversorgung der SBB leisten.

Die beste Massnahme sei aber das Energiesparen: «Wir wollen bis 2015 10 Prozent weniger Strom verbrauchen, als es unsere Verbrauchsprognosen für dieses Jahr vorsehen.» Im vergangenen Jahr hätten die SBB durch ihr Effizienzprogramm bereits 119 Gigawattstunden Strom gespart. «Dies entspricht dem Jahresverbrauch von 30'000 Haushalten», so Meyer.

Erstellt: 08.05.2011, 09:50 Uhr>

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20 minuten
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Japan 10.5.2011: Präsident Kan kündigt an, die Atomkraft werde in Japan nicht mehr ausgebaut

aus: 20 minuten online: Nach der Katastrophe: Japan stoppt Ausbau der Atomkraft; 10.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/29617148

<Das Desaster rund ums AKW Fukushima hat weitreichende Folgen: Die japanische Regierung lässt den Plan für einen weiteren Ausbau der Atomenergie fallen.

Ministerpräsident Naoto Kan sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, Japan müsse nach der Fukushima-Katastrophe seine langfristige Energiepolitik vollständig neu überdenken.

Ursprünglich hatte die Regierung geplant, den Anteil der Atomenergie an der gesamten im Land produzierten Energie von derzeit 30 Prozent auf 50 Prozent zu steigern. Neben Atomstrom und den Ölimporten sollen künftig erneuerbare Energien die dritte Säule der Energiepolitik werden, sagte Kan.

Die bisherige Planung hatte einen Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromversorgung des Landes von 20 Prozent vorgesehen. Diese Planung werde nun überarbeitet, kündigte der Regierungschef an.

Kan erklärte ausserdem, er werde ab Anfang Juni auf einen Teil seines Gehalts verzichten. Dies gelte so lange, bis die Krise in Fukushima gelöst sei. Gemeinsam mit dem Betreiber des durch das schwere Erdbeben beschädigte Atomkraftwerk Fukushima trage die Regierung wegen ihrer Energiepolitik eine grosse Verantwortung für den Atomunfall, sagte Kan.

Weniger Lohn für AKW-Manager

Kurz zuvor hatte der Betreiber der Atomruine in Fukushima angekündigt, seinen Managern die Gehälter noch weiter zu kürzen. Der Chef des Atomkonzerns Tepco, Masataka Shimizu, sagte, die Bezüge noch stärker als bisher zu kürzen und weitere Anlagevermögen des Konzerns abzustossen.

Sein Unternehmen verfolge energische Umstrukturierungen, hiess es. Zugleich bat Shimizu die Regierung angesichts mangelnder Kapitaldeckung offiziell um Unterstützung bei der finanziellen Entschädigung der Opfer.

(sda)>

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n-tv online,
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Die Kostenwahrheit beim Atomstrom 11.5.2011: Die Schäden durch Kernkraft sind eigentlich unbezahlbar - der Atomstrom müsste das 10-Fache kosten (10-facher Preis)

Es ist eigenartig, dass diese Meldung in der schweizer Presse NICHT zu finden war. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online: Haftung für den Fall der Fälle: Kernkraft eigentlich unbezahlbar; 11.5.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Kernkraft-eigentlich-unbezahlbar-article3308721.html

<Die 17 deutschen Kernkraftwerke sind einer Studie zufolge massiv unterversichert gegen schwerwiegende Unfälle. Um einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten, müsste der Preis für eine Kilowattstunde Atomstrom je nach Versicherungsmodell auf bis zu 2,36 Euro steigen. Das wäre das Zehnfache des Haushaltsstrompreises.

Eine realistische Haftpflichtversicherung deutscher Kernkraftwerke für den Fall eines Super-GAU könnte Atomstrom einer neuen Studie zufolge unbezahlbar machen. Müssten Betreiber ihre "um mehrere Grössenordnungen" unterversicherten Meiler nach Marktkonditionen absichern, würde der Preis für eine Kilowattstunde Atomstrom um 0,14 bis 67,30 Euro steigen, heisst es in der Studie, die vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Auftrag gegeben wurde. Zum Vergleich: Haushaltskunden zahlen für ihren Strom derzeit im Schnitt etwa 0,22 bis 0,23 Euro je Kilowattstunde.

Die Haftungssumme für einen Atomreaktor, die ein Betreiber im Schadensfall abdecken muss, ist in Deutschland laut Gesetz auf 2,5 Milliarden Euro begrenzt. Die Differenz zu den wahren Kosten muss der Staat übernehmen.

Laut der vom Beratungsbüro Versicherungsforen Leipzig erstellten Studie beläuft sich die Summe, die für die Abdeckung einer Nuklearkatastrophe realistischerweise bereitgestellt werden muss, allerdings auf rund 6,1 Billionen Euro - ein phantastisch hoher Betrag, der in etwa dem 20-fachen des Bundeshaushalts für das laufende Jahr entspricht. Zu begleichen wären etwa Vermögensverluste durch Umsiedlungen, volkswirtschaftliche Schäden durch die Sperrung ganzer Landstriche sowie Kosten für die Behandlung einer wachsenden Zahl von Krebserkrankungen und Gendefekten in der Bevölkerung.

Der wahre Preis der Atomenergie

Den weiteren Berechnungen zufolge müssten Betreiber bei einer marktüblichen Versicherung je nach konkreter Ausgestaltung ihren Strompreis um 0,14 bis 2,36 Euro je Kilowattstunde erhöhen, um eine Deckungssumme in dieser Höhe von jetzt an über einen Zeitraum von 100 Jahren aufzubauen. Soll die Summe innerhalb von zehn Jahren aufgebaut und damit überhaupt noch vor der derzeit diskutierten Stilllegung abrufbar sein, betrüge der Aufschlag sogar 3,96 bis 67,3 Euro je Kilowattstunde.

Der BEE wertete das Ergebnis als Beleg für eine verzerrte Diskussion um den wahren Preis der Atomenergie. "Das Ergebnis zeigt exemplarisch, wie selektiv die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird. Die wahren Kosten der Atomkraft werden ausgeblendet und im Falle eines schweren Unfalls auf die Allgemeinheit abgewälzt", erklärte BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann.

Die Auswirkungen eines Ausstiegs aus der Atomkraft auf die Strompreise ist einer der kontroversesten Aspekte der aktuellen Diskussion um die deutsche Energiewende. Anhänger der Kernenergie verweisen auf die wichtige Rolle, die Atomstrom für eine billige Energieversorgung angeblich spielt. Klusmann warf ihnen vor, nicht mit "ehrlichen Preisen" zu argumentieren. Eingerechnet werden müsste, welche Belastungen die AKW-Betreiber auf die Gesellschaft und den Staat auslagerten, statt sie - wie bei erneuerbaren Energien üblich - in ihre betrieblichen Kalkulationen einfliessen zu lassen.

AFP>


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20 minuten
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Fukushima 1 am 12.5.2011: Neues Leck, heruntergefallene Brennstäbe, zu niedriger Wasserpegel

aus: 20 minuten online: Fukushima: Schwerere Schäden als angenommen; 12.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Schwerere-Schaeden-als-angenommen-13722070

<Ein neues Leck, heruntergefallene Brennstäbe, zu niedriger Wasserpegel. Ums japanische Atomkraftwerk Fukushima steht es schlimmer als bisher bekannt war. Die Krise wird noch andauern.

Die Schäden am japanischen Unglücksreaktor Fukushima sind grösser als bisher angenommen. Die Atomaufsichtsbehörde des Landes erklärte am Donnerstag, nach Reparaturen an den Messgeräten deute sich an, dass in Reaktor 1 teilweise geschmolzene Brennstäbe auf den Boden des Reaktordruckbehälters gefallen seien. Möglicherweise seien sie auch in den Sicherheitsbehälter gelangt.

Die Behörde erklärte, es bestehe keine Gefahr, dass Teile der Brennstäbe noch heiss seien oder dass sie durch den Betonboden des Reaktors schmelzen könnten. Weiter hiess es, die Wasserpegel im Kern der Einheit seien deutlich niedriger als zunächst angenommen. Die Temperaturen lägen jedoch nicht im gefährlichen Bereich.

Bei den Arbeiten im Atomkraftwerk wurde am Mittwoch in der Nähe von Reaktor 3 ein neues, kleines Leck gefunden, aus dem radioaktiv verseuchtes Wasser nach aussen drang. Es wurde vermutet, dass es von unterhalb des Turbinengebäudes kommt, wo sich seit Wochen Wasser aus dem Reaktor angesammelt hatte.

Die neuen Erkenntnisse bedeuten, dass sich eine Lösung der Krise noch länger hinziehen könnte.

(dapd)>

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Basler Zeitung
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Schweiz 12.5.2011: <"Atomausstieg kostet nur fünf Franken pro Haushalt"> - behaupten Umweltverbände

aus: Basler Zeitung online; 12.5.2011;
http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Atomausstieg-kostet-nur-fuenf-Franken-pro-Haushalt/story/20734824

<Die Umweltverbände spannen zusammen und zeigen auf, wie der Atomausstieg bis 2035 gelingen könnte. «Die Stromwende bringt maximale Sicherheit bei minimalen Kosten», versprechen sie.

WWF, Greenpeace, Pro Natura, Energie-Stiftung und VCS haben am Donnerstag in Bern ihre Vorstellung der Stromwende präsentiert - und konkrete Zahlen ins Spiel gebracht. Ihren Berechnungen zufolge kostet der Ausstieg bis 2035 lediglich 0,1 Rappen pro Kilowattstunde oder 5 Franken pro Familienhaushalt und Jahr.

Zu diesem Ergebnis führt folgende Berechnung: Wenn sich sämtliche Investitionen in erneuerbare Energien auf 105 Milliarden Franken belaufen, werden auf der anderen Seite - durch sinkenden Verbrauch und Verkaufserlöse - auch Einkommen geschaffen. Die Verbände rechnen mit einem Plus von 105,8 Milliarden Franken.

Teilt man die Differenz von 0,8 Milliarden Franken durch den erwarteten Stromverbrauch der nächsten 25 Jahre (58 Terawattstunden pro Jahr) und die Anzahl Haushalte, so ergeben sich die 0,1 Rappen (genau genommen 0,05 Rappen) pro Kilowattstunde und die fünf Franken pro Haushalt.

«Dumm»

Dabei handelt es sich laut WWF-Chef Hans-Peter Fricker jedoch um eine rein volkswirtschaftliche Betrachtung - die Entwicklung des Strompreises etwa wurde nicht berücksichtigt.

Unter diesen Voraussetzungen wäre der Atomausstieg laut Fricker günstiger als der Bau neuer Atom- und Gaskraftwerke. Ohnehin wäre es «dumm, die Risiken der Atomkraft jetzt durch die noch grösseren Risiken des Klimawandels zu ersetzen», wird Fricker in einer gemeinsamen Mitteilung der Organisationen zitiert.

Der Weg zum Ausstieg ist nach Ansicht der Umweltschützer mit Bausteinen gepflastert, die in der Schweiz bereits existieren. Sie müssten jetzt nur «zügig umgesetzt werden», sagte Energie-Stiftungs- Geschäftsleiter Jürg Buri gemäss Mitteilung.

Hemmnisse abbauen

Die Hoffnungen ruhen insbesondere auf zwei Massnahmen: der Lenkungsabgabe, die Stromsparer belohnen soll, und der kostendeckenden Einspeisevergütung, mit der die Solarenergie gefördert werden soll.

Zudem setzen sie auf folgende Schritte, um auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzusteigen: Beschluss zum Atomausstieg durch das Parlament, verbindliche Ziele für den Stromverbrauch, Ausbildungsoffensive für Fachleute, nur beste Geräte, Ersatzpflicht für Elektroheizungen und -boiler, Effizienzauftrag für Stromversorger und Ausbau der Netzinfrastruktur.

Für die erneuerbaren Energien sollen darüber hinaus Hemmnisse abgebaut werden - durch straffere Verfahren und klare Planungsrichtlinien.

«Der Atomausstieg ist möglich, die zehn Bausteine bringen uns ans Ziel», sagte Jürg Buri von der Energie-Stiftung gemäss Mitteilung. Allerdings hänge der Ausstieg nicht nur von der Sicherheit der alten AKW und der Förderung von Alternativen ab, sondern auch «von der Entschlossenheit von Gesellschaft und Politik». (bru/sda)>

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20 minuten
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Fukushima 1 am 13.5.2011: Tepco erhält die Schadensumme von 54 Milliarden Franken, um Entschädigungen zu zahlen

Hier sieht man, wie teuer die Atomkraft wirklich ist: Die Atomkraft mit ihren Schadenfällen ist die teuerste Energie, die es gibt, und sollte von der UNO schleunigst verboten werden. Aber lesen Sie selbst:

aus: 20 minuten online: Fukushima-Katastrophe: 54 Milliarden für Betreiber des Unglücksreaktors; 13.5.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/21721739

<Die japanische Regierung finanziert Tepco mit einem Spezialfonds. Das soll dem Atom-Konzern ermöglichen, die Opfer der Katastrophe schnell zu entschädigen.

Die japanische Regierung greift dem wegen milliardenschwerer Entschädigungsansprüche vom Ruin bedrohten Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima unter die Arme. Das Kabinett beschloss am Freitag, über Sonderanleihen einen Spezialfonds zu finanzieren.

Dieser Fonds soll es dem Energiekonzern Tokyo Electric Power (Tepco) ermöglichen, Opfer der Atomkatastrophe zügig zu entschädigen. Das Volumen der Anleihen soll umgerechnet etwa 54 Milliarden Franken betragen, hatten führende Politiker in dieser Woche bereits durchsickern lassen. Auch andere Energiekonzerne sollen aufgefordert werden, in den Fonds einzuzahlen.

Ursprünglich sollte der Plan bereits am Donnerstag abgesegnet werden. Es kam jedoch zu einer Verzögerung, weil sich einige Parteimitglieder bei diversen Details noch nicht einig waren.

(sda)>

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Spiegel
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"USA" 13.5.2011: <Untersuchungsbericht: Ein Drittel aller US-Atommeiler weist Mängel auf>

Was bieten hier die "USA" unter Killer-Präsident Obama? Richtig, 104 AKWs und davon ca. 35 mit Mängeln.

aus: Spiegel online; 13.5.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,762312,00.html

<Stresstest nicht bestanden: In fast einem Drittel aller US-Atommeiler haben Inspektoren Schwachstellen bei den Ablaufplänen und der technischen Ausrüstung für Notfälle entdeckt. Die Behörden beteuern weiter, die Kraftwerke seien sicher.

Washington - Die amerikanische Atomaufsichtsbehörde (NRC) bleibt bei ihrer Aussage: "Amerikas Atomanlagen sind sicher." Das hatte schon vor gut einem Monat der NRC-Chef Greg Jaczko verkündet, als auch in den USA die Debatten um die Sicherheit von AKW durch die Atomkatastrophe in Fukushima losgetreten wurde. Jetzt sagt es die Behörde erneut und ganz offiziell nach einer Überprüfung der Sicherheitsvorkehrung aller 104 US-Atomanlagen.

Dabei ist die Untersuchung, deren vorläufiger Abschlussbericht nun am Donnerstag in Washington vorgestellt wurde, alles andere als ein Durchmarsch. In fast einem Drittel der Anlagen haben die Inspektoren Probleme festgestellt. Und trotzdem sieht die NRC keinen Anlass zur Sorge: "Nach heutigem Stand hat die Arbeitsgruppe kein Problem gefunden, das unser Vertrauen in die fortdauernde Sicherheit und Notfallplanung der Atomkraftwerke in diesem Land untergräbt", sagte der Leiter der Untersuchung, Charles Miller.

Dem Bericht zufolge handelt es sich um Schwachstellen bei der Ausrüstung sowie den Notfallplänen und den Abläufen im Falle extremer Ereignisse wie Naturkatastrophen und Terrorangriffe. Technische Fehler, etwa bei der Konstruktion der Anlagen, seien dagegen nicht festgestellt worden. Die Inspektionen waren nach der Atomkatastrophe in Japan infolge des verheerenden Erdbebens und Tsunamis vom 11. März in Auftrag gegeben worden.

Unklar blieb, bei welchen AKW die Schwachstellen festgestellt wurden. Die stellvertretende NRC-Leiterin Mary Virgilio sagte aber, dass keine der Beobachtungen ein beträchtliches Sicherheitsproblem aufgezeigt habe. "Nach unserem heutigen Stand ist es unser Verständnis, dass alles, was gefunden wurde, korrigiert wurde."

Wie die "New York Times" berichtet, gehören zu den Schwachstellen auch Pumpen, die im Notfall nicht die geforderte Menge Wasser befördern würden. Ebenso hätten die Inspektoren Ausrüstungsteile entdeckt, die eigentlich nur für den Notfall gedacht seien, aber teilweise im regulären Betrieb an anderer Stelle verwendet würden. Auf der Mängelliste steht auch Notfallausrüstung, die im Falle einer Flutkatastrophe zum Einsatz kommen soll - aber ausgerechnet in jenen Bereichen gelagert ist, die geflutet werden könnte. Zudem mangelt es an manchen Stellen an ausreichenden Dieselreserven, um die Notstromaggregate betreiben zu können.

Selbst Kerntechniker zweifeln

Viele dieser Sicherheitsmassnahmen gehören zu den sogenannten "B.5.b-Massnahmen", die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angepasst wurden. Bereits vor einem Monat waren aber interne Dokumente aus den Reihen der NRC durchgesickert, die Zweifel an diesen Massnahmen laut werden liessen: Offenbar glaubten selbst NRC-Kerntechniker nicht, dass sie im Notfall wirklich wirksam genug sind.

"Während die NRC und die Atomindustrie der Bevölkerung versichert haben, dass es keinen Anlass zur Sorge gebe und dass wir im Falle eines nuklearen Desasters wie in Fukushima viel besser gewappnet wären, stellt sich heraus, dass sich führende NRC-Experten selbst nicht mehr so sicher sind", hatte der Atomkraftkritiker und Kerntechnikexperte Edwin Lyman seinerzeit gesagt.

Nun gibt sich die NRC also offensiv im Umgang mit den Problemen. Man werde die neu entdeckten Probleme sofort in Angriff nehmen, erklärte Virgilio in Washington. Allerdings habe man auch noch nicht alles untersucht. Man werde aber bald einen vollständigen Überblick haben, beteuerte er. So müsse man etwa noch den gesamten Katalog neuer Massnahmen analysieren - die sogenannten Richtlinien zur Eindämmung ernster Unfälle. Die Richtlinien waren erst vor kurzem von der Atomindustrie freiwillig angenommen worden. Deshalb seien sie bisher nicht Teil der Untersuchung gewesen, so Virgilio.

Wie Charlie Miller sagte, müsse man darüber nachdenken, die Notfallpläne an einigen Stellen erheblich zu verbessern. Derzeit überprüfe die NRC etwa wie man im Notfall mit Anlagen umgehen muss, die aus mehreren Reaktorblöcken bestehen. Offenbar zeigt das Desaster in Fukushima, wo Betreiber Tepco verzweifelt versucht, die ernste Lage in drei von insgesamt fünf Reaktoren unter Kontrolle zu bringen, dass man auch auf solche Fälle vorbereitet sein sollte. Ebenso hatten Miller zufolge die US-Behörden bisher nicht mit einkalkuliert, wie man mit einer grösseren Naturkatastrophe umgehen müsste, wenn auch die umliegenden Strassen, Energie- und Kommunikationsnetzwerke davon betroffen wären.

Debatte über provisorische Endlager

Unterdessen debattieren US-Experten auch über ein Endlager für radioaktiven Müll. Denn zwar haben die USA weltweit die meisten Atomkraftwerke, doch ein Endlager existiert bisher nicht. Nun hat eine Kommission Vorschläge für eine oberirdische Zwischenlagerung erarbeitet.

Wie die "New York Times" berichtet, schlägt die Arbeitsgruppe vor, den Müll zunächst nicht zentral in einem unterirdischen Endlager zu sammeln. Stattdessen sollen "eine Handvoll" oberirdischer Lager aus Stahl oder Beton errichtet werden, wo der Müll für die kommenden Jahrzehnte gelagert werden kann.

An diesem Freitag will die Kommission, die vom Energieministerium eingesetzt wurde, zusammentreffen und öffentlich über die Vorschläge debattieren. Als Standorte für die oberirdischen Lager seien etwa stillgelegte Kraftwerke im Gespräch, berichtete die Zeitung.

Die US-Regierung hat bisher etwa zehn Milliarden US-Dollar in ein mögliches Endlager in Yucca Mountain nahe Las Vegas investiert. 2002 beschloss der US-Kongress, Yucca Mountain als einzigen Standort für hoch radioaktiven Abfall in den Vereinigten Staaten auszubauen. US-Präsident Barack Obama hat dieses Projekt jedoch vorerst gestoppt. Die Kommission sprach sich dem Zeitungsbericht zufolge nun dafür aus, dass eine vom Energieministerium unabhängige Organisation eine geeignete Stelle für ein unterirdisches Lager suchen soll.

cib/dapd/dpa>


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n-tv online,
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Fukushima 1 am 15.5.2011: <Löcher in Fukushima - Kernschmelze schon an Tag 2> - die Kernschmelze fand bereits am zweiten Tag nach dem Tsunami statt

Es ist schon eigenartig, dass diese Meldung z.B. in der schweizer Presse unterschlagen wurde.

aus: n-tv online; 15.5.2011; http://www.n-tv.de/panorama/Kernschmelze-schon-an-Tag-2-article3340281.html

<In der Atomruine Fukushima wird das Ausmass der Katastrophe immer deutlicher. Die zum grossen Teil geschmolzenen Brennstäbe sollen Löcher in den Boden eines der Reaktorkessel gefressen haben. Dies erschwert die Versuche, die Anlage unter Kontrolle zu bringen. Unterdessen verlassen die ersten Bürger der erweiterten Evakuierungszone ihre Häuser.

Die Brennstäbe in Reaktor 1 der Atomruine Fukushima Eins sind offenbar schon 16 Stunden nach dem Riesenbeben am 11. März zum grössten Teil geschmolzen. Das teilte der Betreiberkonzern Tepco nach Angaben japanischer Nachrichtenagenturen mit. Weil durch das heisse Gemisch aus Metall und Brennstoff im Boden des Reaktorbehälters Löcher entstanden sein sollen, dürfte der Reaktorbehälter nach Einschätzung eines mit der Krise befassten Regierungsberaters nicht wie geplant zur Kühlung mit Wasser geflutet werden.

Nach der vorläufigen Einschätzung von Tepco seien die Brennstäbe im Reaktor 1 bereits um 06.50 Uhr am Morgen des 12. März zum grossen Teil geschmolzen und auf den Boden des Behälters gelangt. Der Reaktor hätte am Vortag bereits kurz nach dem Mega-Beben automatisch gestoppt werden sollen - aber dann kam der Tsunami. Der Kühlwasserstand sei bis zum oberen Teil der Brennstäbe gesunken, hiess es weiter. Am selben Abend gegen 18.00 Uhr habe die Temperatur zu steigen begonnen. Gegen 19.30 Uhr habe dann die Beschädigung der Brennstäbe eingesetzt, von denen der grösste Teil bis 06.50 Uhr des folgenden Morgens geschmolzen sei, wurde Tepco zitiert. Inzwischen wurde der Atomunfall auf die höchste Stufe sieben der internationalen INES-Skala eingestuft - ebenso wie Tschernobyl.

Auf der Suche nach Plan B

Der Betreiber will die Lage in der Atomanlage in sechs bis neun Monaten unter Kontrolle bringen. Goshi Hosono, ein mit der Atomkrise beauftragter Berater von Ministerpräsident Naoto Kan, hält es jedoch für unausweichlich, dass der ursprüngliche Plan von Tepco zur Flutung des beschädigten Reaktorbehälters mit den geschmolzenen Brennstäben darin geändert wird. Tepco hatte zuvor im Untergeschoss des Gebäudes von Reaktor 1 schätzungsweise rund 3000 Tonnen wahrscheinlich hochgradig radioaktiv versuchten Wassers entdeckt, das vier Meter hoch gestanden habe.

Dies deute daraufhin, dass in den Reaktorkern gepumptes Wasser durch jene Löcher gelangte, die die geschmolzenen Brennstäbe in den Boden gefressen haben sollen. Bei einer Flutung bestehe die Gefahr, dass verseuchtes Wasser ins Meer gelange, sagte Hosono. Die Regierung erwäge stattdessen Möglichkeiten, das zur Kühlung der Brennstäbe in den Reaktor gepumpte Wasser zu dekontaminieren, so dass es erneut benutzt werden kann, wurde Hosono von der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zitiert. Die Regierung halte dennoch am Zeitplan fest, die Reaktoren in sechs bis neun Monaten unter Kontrolle zu bringen.

Erste Bewohner verlassen erweiterte Evakuierungszone

Unterdessen verliessen die ersten Bürger einer erweiterten Evakuierungszone um die Atomruine ihre Häuser. Der Bürgermeister der Stadt Kawamata verabschiedete rund 50 Bewohner mit Babys und Kleinkindern mit den Worten: "Ich weiss, dass Sie besorgt sind, aber wir werden die Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen". Furakawa überreichte den Bürgern Schlüssel für öffentliche Wohnungen ausserhalb des Stadtgebietes, in denen sie bis auf weiteres wohnen werden.

Die Regierung hatte am 22. April die Bewohner eines Teils von Kawamata und Minamisoma sowie der Städte Iitate, Katsurao und Namie aufgefordert, sich innerhalb etwa eines Monats in Sicherheit zu bringen. Grund ist die Sorge, dass sich die Strahlenbelastung dort innerhalb eines Jahres auf über 20 Millisievert anreichern könnte. Davon betroffen sind insgesamt rund 10.500 Menschen. Die Städte liegen ausserhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das Atomkraftwerk Fukushima Eins. Diese darf nur noch mit staatlicher Sondergenehmigung und unter Sicherheitsauflagen betreten werden.

dpa>

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n-tv online,
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Japan 15.5.2011: <Erdbeben: Japaner verlassen erweiterte Evakuierungszone>

aus: n-tv online; 15.5.2011;
http://www.n-tv.de/ticker/Japaner-verlassen-erweiterte-Evakuierungszone-article3336886.html

<Tokio (dpa) - In Japan haben die ersten Bewohner der erweiterten Evakuierungszone um die Atomruine Fukushima ihre Häuser verlassen. Der Bürgermeister der Stadt Kawamata verabschiedete etwa 50 Menschen. Die Bewohner bekamen Schlüssel für öffentliche Wohnungen ausserhalb der Stadt, in denen sie bis auf weiteres wohnen sollen. Die Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, weil dort die Strahlenbelastung zu stark werden könnte. Betroffen sind rund 10 500 Menschen ausserhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW Fukushima Eins. Diese darf nur noch mit staatlicher Sondergenehmigung betreten werden.

Quelle: n-tv.de / dpa

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Welt online,
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Fukushima 1 am 15.5.2011: Die japanischen Behörden haben keinen hohen Tsunami-Schutz gebaut - obwohl alle 36 Jahre ein über 10 Meter hoher Tsunami auf Japans Küste trifft

aus: Welt online: Fukushima-Katastrophe: Deutsche Techniker ermitteln eklatantes Versagen; 15.5.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13372006/Deutsche-Techniker-ermitteln-eklatantes-Versagen.html

<Autor: Daniel Wetzel

Das ganzer Ausmass der Atom-Katastrophe von Fukushima kommt jetzt ans Licht. [...]

Die Atom-Katastrophe von Fukushima ist laut Experten fast ausschliesslich auf Versagen der japanischen Behörden zurückzuführen.

[E.on-Chef Teyssen prangert mangelnde Vorsorge gegen Tsunamis an]

Zwei Monate nach dem Beginn der japanischen Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die deutsche Atomindustrie den Schock überwunden und ihre Stimme wiedergefunden. Den Anfang machte in der vergangenen Woche Johannes Teyssen. Wochenlang hatte sich der Vorstandsvorsitzende des grössten deutschen AKW-Betreibers E.on mit raschen Erklärungsversuchen oder gar Schuldzuweisungen in Bezug auf die Reaktorkatastrophe zurückgehalten. Auf der Hauptversammlung seines Konzerns legte Teyssen die Zurückhaltung ab.

Gleich zu Beginn seiner ungewöhnlich kurzen Ansprache an die Aktionäre warf der E.on-Chef die Frage auf, ob in Japan nicht vielleicht „die notwendige und gebotene Schadensvorsorge unterlassen wurde“. Diese Frage ergebe sich, wenn man die Daten bekannter Tsunami-Wellen aus Japan der letzten 100 Jahre studiere, erklärte Teyssen vor den verdutzten Aktionären, die zu diesem Zeitpunkt alles andere als eine Fukushima-Analyse von ihrem Vorstandsvorsitzenden erwartet hatten. Doch Teyssen fuhr unbeirrt fort: Es sei nicht auszuschliessen, so der Konzernchef, dass es in Fukushima „gar nicht um das sogenannte Restrisiko einer nuklearen Katastrophe ging, sondern schlicht um mangelnde Vorsorge“.

[E.on-Chef Teyssen: Fukushima soll nicht mehr als Beispiel für "Restrisiko" sein]

Die Annahme, dass sich in Fukushima das minimal geglaubte „Restrisiko“ der Atomkraft in unerwarteter und verheerender Form materialisiert habe, war der Ausgangspunkt der von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeleiteten, plötzlichen „Atomwende“ in Deutschland. Dabei drückt der Begriff „Restrisiko“ die Vermutung aus, dass es selbst dann noch eine minimale Katastrophenwahrscheinlichkeit gibt, wenn alles Menschenmögliche zu ihrer Vermeidung unternommen wurde.

Fukushima war für die Kanzlerin und viele andere Politiker und Beobachter der Beweis, dass dieses „Restrisiko“ allgemein unterschätzt worden war. Jetzt stellt sich allerdings die Frage, was als Begründung für die deutsche „Atomwende“ noch übrig bleibt, falls sich herausstellen sollte, dass Fukushima in Wahrheit gar nicht als Beispiel für eingetretenes „Restrisiko“ taugt.

[Die "Jahrestagung Kerntechnik" will das Sicherheitsniveau japanischer und deutscher Atomkraftwerke vergleichen]

Die Hypothese vom Restrisiko wird unter Experten der Energiewirtschaft und Atomindustrie jedenfalls bereits infrage gestellt – und mitunter sogar offen angezweifelt. Das Forum, auf dem dies jetzt erstmals auch öffentlich geschehen soll, ist die „Jahrestagung Kerntechnik“, die am Dienstag in Berlin beginnt.

Dort wollen Vertreter der AKW-Betreiber und Kerntechnik-Konzerne zum ersten Mal das tun, was ihnen die Pietät bislang verbot: einen offenen Vergleich zwischen dem Sicherheitsniveau japanischer und deutscher Atomkraftwerke zu ziehen. Die Untersuchungen, die hierzu auf den Tisch kommen sollen und die Teyssen zum Zeitpunkt der E.on-Hauptversammlung offenbar schon bekannt waren, könnten in der deutschen Atomdebatte einige Sprengkraft entfalten.

[Fukushima: Es gab keine Schutzmassnahmen gegen Tsunamis!]

So belegt etwa eine noch unveröffentlichte Fukushima-Analyse des Technischen Verbandes der Kraftwerksbetreiber, VGB PowerTech, dass die Katastrophe von Fukushima fast ausschliesslich auf Behördenversagen zurückzuführen ist. Stimmt das Ergebnis der Studie, wäre Fukushima tatsächlich kein Fall von eingetretenem Restrisiko, das sich trotz aller menschenmöglichen Vorkehrungen materialisiert. Denn selbst naheliegende und einfach umzusetzende Vorkehrungen gegen Tsunamis waren in Japan eben gerade nicht getroffen worden.

[Mohrbach: Alle 36 Jahre kommt in Japan ein Tsunami mit über 10 Meter hohen Wellen - in Japan fehlt jeglicher Wellenschutz - und die Atomindustrie will weiter AKWs bauen und will keine "Stresstests" mehr]

Ludger Mohrbach, Leiter des Bereichs Kernkraftwerke beim VGB PowerTech, hat für seine Studie historische Tsunami-Daten ausgewertet. Danach hat es in den vergangenen gut 500 Jahren vor Japan 14 Tsunamis mit Wellenhöhen von mehr als zehn Metern gegeben, im Durchschnitt also alle 36 Jahre einen. Japanische Atomkraftwerke sind jedoch gemäss einem Richtwert der „Japan Society of Civil Engineers“ nur für maximal zehn Meter hohe Wellen ausgelegt.

Alle paar Jahrzehnte eine AKW-Havarie

Der Statistik zufolge droht damit alle paar Jahrzehnte die durch einen Tsunami ausgelöste Havarie eines Atomkraftwerks. Ein beispielloses Versagen der Aufsichtsbehörden, die den ungenügenden Wellenschutz seit Errichtung der Küstenkraftwerke nie überprüft haben. „Fukushima hat mit Restrisiko nichts zu tun“, lautet Mohrbachs Fazit. „Und das ändert eigentlich alles.“

Aus Sicht des Experten ergeben daher auch die europaweit angeordneten AKW-Stresstests „eigentlich keinen Sinn mehr“. Den Grund für die fahrlässige Vernachlässigung des Küstenschutzes bei japanischen AKW sieht Mohrbach im Schlendrian der Behörden: Weil die ältesten Atomkraftwerke Japans, zu denen Fukushima gehört, von US-Herstellern stammen, sei von den japanischen Auftraggebern auch die in den USA übliche Sicherheitsauslegung gegen Meereswellen mit importiert worden. Doch die fiel denkbar schwach aus – „weil es in den USA keine Tsunamis gibt“, wie Mohrbach sagt: „Am Ende ist es so trivial.“

Dass japanische Atomkraftwerke offenbar schon vom Design her nicht einmal für Naturereignisse ausgelegt sind, die im Schnitt alle 36 Jahre eintreffen, ist nach deutschen Verhältnissen undenkbar. Laut VGB-Studie ist etwa der Erdbeben- oder Hochwasserschutz deutscher Atomkraftwerke auf Naturereignisse angelegt, wie sie höchstens alle 100.000 Jahre auftreten. Dabei werden zusätzliche „Sicherheitsreserven“ definiert, die selbst für diesen Fall noch einen Komplettausfall der Meiler verhindern sollen.

[14-Meter-Tsunami in Fukushima soll in Deutschland miteinberechnet sein]

„Ein nicht seltenes Ereignis wie der 14-Meter-Tsunami in Fukushima wäre in Deutschland bereits in der Auslegung berücksichtigt“, heisst es in der VGB-Studie wörtlich: „Die Auslegung gegen externe Einwirkungen ist in Deutschland besonders zuverlässig und orientiert sich am oberen Ende dessen, was von der Internationalen Atomenergiebehörde international empfohlen wird, meist werden die Empfehlungen auch übertroffen.“

Hätte die Auslegung der japanischen Meiler gegen Naturgewalten dem hier üblichen Niveau entsprochen, so das Fazit der Studie, „wäre es nicht zum Ausfall der Kühlung gekommen“. Ohne diesen Fehler der japanischen Aufsichtsbehörden, sagt ein Vertreter der deutschen Atomwirtschaft, „wären die Reaktorblöcke von Fukushima die einzig unbeschädigten Gebäuden in einer vom Tsunami verwüsteten Trümmerlandschaft geblieben – und zu einem Symbol ganz anderer Art geworden.“>

Kommentar

Nun, die Atomenergie verschweigt natürlich,

-- dass jederzeit ein Gau eintreten kann, auch wenn kein Tsunami kommt, und

-- dass der atomare Abfall 1 Million Jahre lang strahlt und das Abfallproblem allein schon absolut ungelöst ist, und

-- dass die Gewinnung von Uran allein schon grosse Flächen verseucht.

Das heisst, E.on will der Bevölkerung weiter Sand in die Augen streuen und einfach nicht umdenken. Die sturen Böcke der Atomwirtschaft in Deutschland denken erst um, wenn sie gestorben sind.

Michael Palomino, 16.5.2011

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20 minuten
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Fukushima 1 am 16.5.2011: Ein 136 Meter langer Lastkahn soll als schwimmende Deponie für schwach verseuchtes Wasser dienen

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Lastkahn nimmt verseuchtes Wasser auf; 16.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/14427953

<Nach der Entdeckung von rund 3000 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima soll ein gigantisches Schiff als Auffangbecken dienen.

Der 136 Meter lange Lastkahn, der normalerweise für den Fischfang eingesetzt wird, solle ab Juni als eine Art schwimmende Deponie für schwach verseuchtes Wasser dienen, teilte die Atomaufsichtsbehörde am Sonntag mit.

Ein Erdbeben der Stärke 9.0 und ein folgender Tsunami hatten die schwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986 ausgelöst. Die Lage ist immer noch nicht unter Kontrolle. Schwach radioaktives Wasser musste bereits in Meer abgelassen werden.

(sda)>

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Basler Zeitung
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Sperrzone um Fukushima 1 am 16.5.2011: Japan lässt die Städte Kawamata und Iitate komplett räumen

Und das kann auch in Europa passieren, wenn dort ein AKW Hops geht. Aber lesen Sie selbst:

aus: Basler Zeitung online: Japaner räumen zwei weitere Städte; 16.5.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Japaner-raeumen-zwei-weitere-Staedte/story/10976317?dossier_id=885

<Die Regierung hat die Bewohner von Kawamata und Iitate aufgefordert, ihren Wohnort zu verlassen. Viele von ihnen sind bereits überstürzt und ohne das Wissen der Behörden geflüchtet.

Bewohner zweier japanischer Städte in einem erweiterten Sperrgebiet um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi haben am Wochenende ihre Häuser verlassen. Dabei handelte es sich um rund 50 Personen aus der Stadt Kawamata und 64 aus Iitate, wie die Behörden heute mitteilten. Bis Ende Juni sollen mehrere tausend Menschen die Region verlassen, weil eine erhöhte Belastung durch radioaktive Strahlung festgestellt worden war.

Die Regierung des Landes bestätigte unterdessen, an ihren Plänen zur Stabilisierung und Abschaltung des im März schwer beschädigten Atomkraftwerks innerhalb von sechs bis neun Monaten festhalten zu wollen. Bis zu ihrer Abschaltung dringt weiterhin Radioaktivität aus den beschädigten Reaktoren. Ende April hatte die Regierung daher die Evakuierung einiger weiterer Ortschaften beschlossen.

Vollständige Evakuierung geplant

Kawamata und Iitate liegen ausserhalb der ursprünglichen Sperrzone, die mit einem Radius von 20 Kilometern um die beschädigte Atomanlage angegeben wurde. Von den ursprünglich 6500 Bewohnern Iitates hätten bereits 2000 freiwillig den Ort verlassen, teilten die Behörden mit. Es sei allerdings schwierig zu sagen, wie viele Menschen genau sich noch im Ort aufhielten, da viele auf eigene Faust weggegangen seien und man keine Informationen über ihren Aufenthaltsort habe. Bis spätestens Ende Juni soll den Angaben zufolge die vollständige Evakuierung der Gebiete um Iitate sowie um Kawamata abgeschlossen sein. (miw/dapd)>

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Quellen


Fotoquellen

[1] Demonstration "Energiewende Jetzt": http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754757,00.html
[2] Karte der Evakuierungszonen um Fukushima: http://www.spiegel.de/flash/0,,25617,00.html




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