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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 4)

Krebs heilt mit Natron oder mit Blutgruppenernärung.

Arbeiter waren ohne Strahlenmessgeräte  - EU passt Strahlengrenzwerte nach oben an - die WHO hat ein Abkommen mit der Atomindustrie - Genetikschäden sind zu erwarten - zynische Atomlobby - die Retter von Tschernobyl sind heute meistens tot - Schweiz und AKW Mühleberg - Rückbau eines AKWs dauert Jahrzehnte, z.B. Greifswald - Forderungen gegen Fessenheim - der Wind gegen Tokio - Tschernobyl-Bevölkerung verstümmelt - Forderungen gegen AKW Beznau - radioaktives Wasser in Fukushima 1 und ein Riss - Projekt Stahltank für Fukushima - Importkontrollen wegen Strahlung bei japanischen Produkten - radioaktive Partikel bis Tokio - Massenevakuierung in Fukushima - Demos - Fukushima hat radioaktives Wasser abgelassen, um für schwer verstrahltes Wasser "Platz zu machen" - Russland soll Japan helfen - japanische Finanzexperten mit Visaantrag für Hongkong - Wirstoffe gegen Strahlung - Strahlenwüsten dieser Welt - Atomstrom aus Frankreich für D - Skepsis gegen Atom steigt auch in F und "USA" - Milben in Japan - Riss geschlossen ohne Wirkung - GB verschiebt Bau neuer AKW - Kanada jodverseucht - japanische Fisch-Grenzwerte - F kontrolliert Trinkwasser - Türkenwitz für Atomkraft - ein Floss für das radioaktive Wasser - Windkraft in Deutschland

1. Die irische
                              Krankenschwester Helen Moorhead spielt mit
                              zwei geistig behinderten Kindern in einem
                              Waisenhaus bei Vesnova, Weissrussland.
1. Die irische Krankenschwester Helen Moorhead spielt mit zwei geistig behinderten Kindern in einem Waisenhaus bei Vesnova, Weissrussland.
Demonstration "Energiewende
                            jetzt" vor dem Brandenburger Tor,
                            3.4.2011 ca.
Demonstration "Energiewende jetzt" vor dem Brandenburger Tor, 3.4.2011 ca. [1]


Video-Link: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Einleitung

Japan steuert weiter auf eine grosse Völkerwanderung zu.

Michael Palomino, 5.4.2011


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Fukushima 1 am 1.4.2011: Arbeiter waren ohne Strahlenmessgeräte

aus: Spiegel online: Katastrophenmeiler Fukushima: AKW-Arbeitern fehlten Hunderte Strahlenmessgeräte; 1.4.2011;
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754493,00.html

<Von Hendrik Ternieden

Unter extremen Bedingungen versucht die Einsatztruppe in Fukushima, den Super-GAU zu verhindern - selbst die wichtigsten technischen Mittel fehlten. Nun spricht erstmals die Mutter eines Arbeiters über die Ängste der Männer: Sie hätten längst akzeptiert, dass sie sterben müssen.

Hamburg - Mehrere hundert Menschen kämpfen im Schichtsystem gegen den drohenden Super-GAU in Fukushima, sie essen Cracker und Instant-Nudeln, sie wickeln sich zum Schlafen in bleihaltige Tücher - und fürchten sich vor einem schleichenden Tod durch Verstrahlung.

Unter Tränen berichtete die Mutter eines 32-jährigen Fukushima-Arbeiters dem US-Sender "Fox News" von einem Gespräch mit ihrem Sohn. "Er erzählte mir, sie hätten akzeptiert, dass sie alle wahrscheinlich sterben werden - kurzfristig an der Strahlenkrankheit oder langfristig an Krebs".

Ihren Namen wollte die Frau nicht nennen, weil das Management alle Arbeiter angehalten habe, weder ihren Verwandten von dem Einsatz zu erzählen noch mit Medienvertretern zu reden. Ihr Sohn und seine Kollegen hätten lange diskutiert, sagte die Mutter des 32-Jährigen. Die Männer seien sich einig: Es sei unvermeidlich, dass einige von ihnen in den nächsten Wochen oder Monaten ums Leben kämen. Sie wüssten, dass sie einer tödlichen Strahlenmenge ausgesetzt seien.

Die Frau konnte keine Angaben dazu machen, ob ihr Sohn oder seine Kollegen bereits an der Strahlenkrankheit leiden. Nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörden (Nisa) waren bislang 21 Arbeiter in relativ kurzer Zeit einer Strahlung von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt - damit ist ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöht.

Messgeräte waren Mangelware

Die Nisa kritisierte die Arbeitsbedingungen der Männer im Unglücks-AKW scharf. Fukushima-Betreiber Tepco habe den Arbeitern nicht genügend Strahlenmessgeräte zur Verfügung gestellt, hieß es. Tepco sei aufgefordert worden, alles zu tun, um die Arbeiter vor der Strahlung zu schützen, sagte Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama am Freitag.

Ursprünglich gab es laut einem Bericht der "Yomiuri Shimbun" 5000 Messgeräte im AKW Fukushima I. Doch als der verheerende Tsunami das Kraftwerk traf, wurden die meisten zerstört. Nur noch 320 Geräte sollen in den Tagen nach der Überflutung brauchbar gewesen sein. Tepco habe die Arbeiter daraufhin in Teams eingeteilt und ein Messgerät an den Leiter des jeweiligen Teams ausgegeben.

Laut dem Bericht arbeiteten an manchen Tagen bis zu 180 Menschen ohne Messgeräte. Aus anderen Tepco-Kraftwerken seien daher 420 zusätzliche Zähler angefordert worden. Doch der Nachschub ließ anscheinend länger auf sich warten als gewünscht. Es habe Probleme gegeben, genügend Platz für die Ladegeräte zu finden, gab Tepco unter anderem als Grund für die Verzögerung an. Wirtschaftsminister Banri Kaieda kündigte eine "Ermahnung" der Betreiber an. Für die Sicherheit sei eine Grundausstattung mit Messgeräten unersetzlich.

Inzwischen hat Tepco nach Angaben der Nisa wieder genügend Zähler, um jeden Arbeiter mit einem Gerät auszustatten. Die Betreibergesellschaft habe erklärt, keiner Person ohne Messgerät den Zutritt zu erlauben. Insgesamt versuchen derzeit etwa 500 Arbeiter von Tepco und Subunternehmen sowie Feuerwehrleute und Soldaten, die Situation in dem Kraftwerk unter Kontrolle zu bekommen.

Sperrgebiet soll langfristig evakuiert bleiben

Am Freitag starteten japanische und amerikanische Soldaten eine großangelegte Suchaktion nach Opfern des verheerenden Tsunamis - doch die 30-Kilometer-Sicherheitszone um das AKW Fukushima blieb nach Angaben des Verteidigungsministeriums wegen der hohen Radioaktivität von der Suche ausgeschlossen. In der Umgebung des havarierten Kraftwerks werden bis zu tausend Tote vermutet.

Die Anwohner hoffen vergeblich auf eine schnelle Rückkehr in ihre Heimat. Die Evakuierung des Katastrophengebiets sei langfristig angelegt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Freitag. Er versuchte dennoch, Zuversicht zu verbreiten: In den vergangenen Wochen war Edano immer in einem blauen Overall aufgetreten - doch am Freitag trat er plötzlich in einem dunkelgrauen Anzug vor die Presse. "Wir wollten zeigen, dass die Regierung nun auch in die Zukunft blickt. Deshalb haben wir diese Jacken ausgezogen", so Edano. Es sei nun Zeit, "die nächsten Schritte in Richtung Wiederaufbau zu machen".

Verwirrung gibt es nach wie vor über Messwerte zur Verseuchung des Grundwassers. Am Donnerstag hatte Tepco gemeldet, dass ein 10.000fach erhöhter Wert von radioaktivem Jod gemessen worden sei. Die Messungen seien teilweise fehlerhaft, gab allerdings die Nisa am Freitag bekannt - doch nur wenige Stunden später bestätigte Tepco nach einer Wiederholung der Analyse die 10.000fache Erhöhung. Tepco hatte bereits vorher fehlerhaft gemessen und steht wegen seiner Informationspolitik seit Wochen in der Kritik.

Mitarbeit: Rosa Vollmer; mit Material von dpa und AFP>

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1.4.2011: Skandal: Strahlengrenzwerte der EU werden nach oben "angepasst"

aus: Spiegel online: Import-Kontrollen: Strahlenschutz-Chef dringt auf neue EU-Grenzwerte; 1.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,754389,00.html

<Von Cinthia Briseño

Die Verwirrung ist perfekt: Nach dem Fukushima-Desaster hat die EU jetzt neue Strahlungsgrenzwerte für Lebensmittel aus Japan in Kraft gesetzt. Doch die sind höher als die Werte, die für Nahrungsmittel aus den durch Tschernobyl kontaminierten Ländern gelten. Die Bundesregierung fordert jetzt Klarheit.

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Berlin - Der Sturm der Entrüstung bei Verbrauchern und Verbraucherschützern ist groß: Vergangene Woche war eine EU-Eilverordnung in Kraft getreten, die höhere Obergrenzen für die radioaktive Belastung bestimmter Produkte aus Japan festlegt. Sofort kam herbe Kritik von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel nach der Katastrophe von Fukushima gesenkt würden.

Folge der Ankündigung der EU: Verwirrung unter den Verbrauchern. Sie wurde komplett, als die EU-Kommission auch noch behauptete, man habe die Sicherheitsmaßnahmen für japanische Importe gar nicht gelockert, sondern im Gegenteil verschärft. Es sei lediglich eine Verordnung in Kraft gesetzt worden, die bereits seit 1987 in den Schubladen schlummert.

Dieser Debatte würde der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, gerne ein Ende setzen. Deshalb hat er jetzt eine Harmonisierung der EU-Strahlengrenzwerte für Lebensmittel vorgeschlagen.

Es ist nicht trivial, sich in diesem Behördendschungel auszukennen. Ausgangslage ist das Desaster von Tschernobyl. Nachdem die radioaktive Wolke sich über Europa ausbreitete, waren im Mai 1986 Grenzwerte für die radioaktive Kontamination von Lebensmitteln mit Cäsium 134 und 137 eingeführt worden. Sie sollten vor den Importen aus Ländern schützen, die von dem Tschernobyl-Unglück betroffen waren, also etwa aus Russland oder der Ukraine.

Diese Grenzwerte gelten bis heute und sind für alle Lebensmittel aus EU-Staaten verbindlich, die durch den Tschernobyl-GAU radioaktiv belastet waren. Deshalb werden hierzulande Pilze oder Wildschweinfleisch teilweise immer noch aus dem Handel gezogen.

Verordnung aus der Schublade

Das Problem: Diese Grenzwerte gelten nur für die Kontaminationen durch den Tschernobyl-Unfall. Nicht berücksichtigt sind damit Importe aus Japan nach dem Atomdesaster von Fukushima. Mit anderen Worten: Bisher gab es keinerlei verbindliche Grundlage, in der die Kontrolle von Importen aus Japan geregelt ist. Deshalb ließ die EU kurzfristig die Eilverordnung in Kraft treten. Erstellt wurde sie bereits 1987, nach der Katastrophe von Tschernobyl. Im Falle einer nuklearen Katastrophe sollte sie aus der Schublade gezogen werden und in Kraft treten.

Vorteil dieser Verordnung: Sie regelt erstmals auch noch die Grenzwerte für Jod 131, die es bisher nicht gegeben hatte. Das große Dilemma aber ist, dass die Grenzwerte für Cäsium 134 und 137 gegenüber der Tschernobyl-Regelung erhöht sind.

Während die EU-Kommission also behauptet, sie habe im Sinne des Verbrauchers gehandelt und Regelungen in Kraft gesetzt, hält die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch dagegen und spricht von einem Formulierungstrick.

Schwer zu vermitteln

Auch BfS-Chef Wolfram König räumt ein: "Höhere Grenzwerte als für die Produkte, die durch Tschernobyl belastet wurden, sind den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln", sagte er am Freitag in Berlin.

Deshalb dringt die Bundesregierung darauf, den Grenzwert für die Strahlenbelastung von Lebensmitteln aus Japan EU-weit auf das Niveau der Tschernobyl-Regelung zu senken. "Der vorbeugende Verbraucherschutz muss Priorität haben", sagte ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag in Berlin.

Bei dieser Vereinheitlichung soll aus Gründen "des vorsorgenden Gesundheitsschutzes der "jeweils niedrigste, also sicherste Grenzwert" angewendet werden", so das Ministerium - also die Tschernobyl-Werte.

Selbst wenn BfS und Foodwatch einhellig der Meinung sind, die neu in Kraft getretenen Werte bedeuteten "grundsätzlich kein erhöhtes gesundheitliches Risiko": Den Verbrauchern wird die neue Regelung nur schwer begreiflich sein. Die EU-Verordnung soll bis Ende Juni 2011 gelten und nach Angaben des BfS anhand der Messergebnisse an importierten Lebensmitteln monatlich überprüft werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die neuen Strahlengrenzwerte als "rechtswidrig". "Dem Verbraucher wird nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ein Mehrfaches an radioaktivem Cäsium zugemutet", erklärte Greenpeace-Chemiker Manfred Santen am Freitag in Berlin. Das entspreche nicht dem vorbeugenden Gesundheitsschutz.

Bei japanischem Importfisch haben sich nach der neuen EU-Verordnung die erlaubten Cäsium-Werte von 600 Becquerel pro Kilo Fleisch auf 1250 Becquerel mehr als verdoppelt. Bei Milcherzeugnissen ist der Grenzwert von 370 auf 1000 Becquerel gestiegen (siehe Infokasten unten).

Eine Änderung bestehender Grenzwerte ist nach Auffassung von Greenpeace jedoch nur rechtens, wenn sie eine Verbesserung des Verbraucherschutzes bedeutet. Das sei bei der jüngsten Entscheidung der EU-Kommission nicht der Fall.

Auch die Grünen-Parteichefin Claudia Roth kritisierte im "Hamburger Abendblatt" die Strahlenkontrollen der EU. Es sei ein absoluter Skandal, dass man hinter dem Rücken der Verbraucher eine alte Strahlenverordnung aus Zeiten nach Tschernobyl aus der Schublade hole und danach die zulässigen Belastungsgrenzwerte für Lebensmittel erhöhe. Eine Kontamination durch Plutonium werde zudem überhaupt nicht gemessen, dabei sei Plutonium das gefährlichste Gift für Mensch und Umwelt. Roth forderte Aigner auf, die Verbraucher in Deutschland besser zu schützen.

Mit Material von dpa und AFP>

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n-tv online, Logo

1.4.2011: Die WHO hat einen Maulkorb und ein Abkommen mit der Atomindustrie - genetische Schäden werden erst bei den Kindern sichtbar sein - und die Atomlobby behauptet, andere Lebensrisiken seien schlimmer als die Verstrahlung

aus: n-tv online: Die Welt rätselt über Fukushima - IAEA und WHO halten Berichte zurück; 1.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/IAEA-und-WHO-halten-Berichte-zurueck-article2990161.html

<Von Peter Poprawa

"Am 11. März 2011 ereignete sich im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 ein folgenschwerer Atomunfall." Dieser Satz wird Geschichte schreiben, obgleich noch völlig offen ist, wie folgenschwer der GAU wirklich sein wird. Eines steht fest: Fukushima ist ein Informationsdesaster.

Greenpeace hatte in Iitate eine hohe Radioaktivität gemessen. Die Regierung lehnt eine Evakuierung weiter ab. Nur vereinzelt gibt es Proteste gegen Tepco wie hier in Tokio. Weite Landstriche im Nordosten Japans hätten nach Meinung von Strahlenexperten bereits evakuiert werden müssen.

Die japanische Regierung veröffentlicht in täglichen Bulletins das, was ihr die Betreiberfirma Tokyo Electric Power Company (Tepco) an Informationen zukommen lässt. So gestand Tepco erst zwei Wochen nach dem GAU einen Messfehler und die 100.000-fach erhöhte Strahlung am Reaktorblock 2 ein. Regierungssprecher Yukio Edano zeigte sich betreten und versprach, man werde die Öffentlichkeit jetzt aufrichtiger und detaillierter über den Unfall informieren. In der Folge berichtet Tepco von einer partiellen Kernschmelze in dem Reaktor, obgleich diese bereits kurz nach der Wasserstoffexplosion stattgefunden haben muss. Auch dies hätte nach Meinung zahlreicher Wissenschaftler bereits unmittelbar nach dem GAU festgestellt werden müssen.

Auch die Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) basieren auf dem Bulletin der japanischen Regierung und den Pressekonferenzen von Tepco. Sie bündelt damit allenfalls das Wissen der Politik. Dabei war die IAEA gegründet worden, um weltweit die Sicherheit im Nuklearbereich zu überwachen und zu kontrollieren. Sie setzt sich jedoch auch explizit für die Förderung der kommerziellen Atomindustrie ein. In ihren Statuten heißt es: Das Hauptziel der IAEA ist "die Beschleunigung und die Förderung der Atomindustrie für den Frieden, für die Gesundheit und für das Wohlbefinden in der ganzen Welt".

Ein Maulkorb für die WHO

Fast nebenbei wird in diesem Text betont, dass die IAEA auch für Gesundheitsfragen im Bereich der Atomindustrie zuständig ist. Nach einem 1959 geschlossenen Abkommen zwischen der IAEA und der WHO ist die Weltgesundheitsorganisation auf dem Gebiet der Radioaktivität an die Atomagentur gebunden. Seither werden die gesundheitlichen Risiken, die die kommerzielle Nutzung der Atomenergie mit sich bringt, von der IAEA selbst "überwacht" beziehungsweise "erforscht" – und nicht mehr von unabhängigen medizinischen Behörden.

Dieses Abkommen ist nach Überzeugung der internationalen Ärztevereinigung für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) dafür verantwortlich, dass die WHO angesichts der Nuklearkatastrophe in Fukushima erneut ihre Verantwortung für die Gesundheit der betroffenen Menschen nicht wahrnimmt. "Die WHO trägt durch das Abkommen von 1959 einen Maulkorb und versagt in Japan genauso wie 1986 in Tschernobyl oder nach den Einsätzen von Uranmunition in den Kriegen gegen Irak 1991 sowie gegen Serbien 1999", sagte die bei der IPPNW engagierte Ärztin Dörte Siedentopf im Gespräch mit n-tv.de. Sie verweist darauf, dass die Aktivisten der Organisation "IndependentWHO" seit vier Jahren vor der Zufahrt der WHO-Zentrale in Genf für die Aufkündigung des über 50 Jahre alten Abkommens mit der IAEA protestieren. Auf deren Plakaten sei zu lesen "Beendet endlich dieses schamlose Abkommen!" und "Erinnert euch an den hippokratischen Eid!". "Die Mahnwachen stehen rund um die Uhr an jedem Tag, seit nunmehr vier Jahren. Da stehen Franzosen, Deutsche, Schweizer, Briten. Das muss doch zum Nachdenken anregen." Eigentlich sei es jetzt die Aufgabe der WHO, eigenständige Initiativen und Maßnahmen zu ergreifen, um die japanische Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen radioaktiver Kontamination zu schützen, sagte die Ärztin. "Aus den Erfahrungen von Tschernobyl weiß auch die WHO von den Folgen der Radionuklide. Es werden ja nicht einmal Schwangere oder Mütter mit Kindern aus der Gefahrenzone rund um das AKW Fukushima gebracht."

IAEA hält Berichte zurück

Die IPPNW setzt sich seit langem für eine Aufhebung des Abkommens von 1959 ein. Sie kritisiert, dass "die IAEA bei ihren Untersuchungen über die gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe kritische Informationen unterdrückt." So waren die Gesundheitsfolgen von Tschernobyl Thema zweier größerer UN-Konferenzen, 1995 in Genf und 2001 in Kiew. Die Berichte dieser beiden Konferenzen blieben jedoch unveröffentlicht.

Veröffentlicht wurde hingegen der Bericht des von der IAEA dominierten "Tschernobyl-Forums" aus dem Jahr 2005, der im Vergleich zu anderen Studien von einer viel geringeren Opferzahl ausging. Eine Vielzahl von epidemiologischen Forschungen, "die eine weit höhere Sterblichkeit und eine Zunahme genetischer Schäden belegen", seien darin ignoriert worden, so die IPPNW. In einer Pressemitteilung zum 20. Tschernobyl-Jahrestag sprach die IAEA von 50 Strahlentoten in Tschernobyl und teilte mit, dass auch künftig höchstens mit 4000 zusätzlichen Krebs- und Leukämietoten zu rechnen sei. Wissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass neue Mutationen, die bei Menschen auftreten, für sie selbst wie für ihre Nachkommen schädlich sein werden.

Jonglieren mit Opferzahlen

Der Biologe Alexej Jablokow kritisierte die Angaben von IAEA und WHO zu den Toten von Tschernobyl scharf. Jablokow, einer der bestinformierten und angesehensten Experten in Sachen Tschernobyl, spricht von zwei Methoden, die Zahl der Opfer zu berechnen. Die erste geht von der Gesamtdosis aus, die die Bevölkerung abbekommen hat und die zweite geht von den tatsächlich ermittelten Todesopfern aus. Beide liegen bei rund einer Million Tschernobyl-Toten, wobei die erste Methode in einer B-Variante auch noch künftige Tote einrechnet und dabei auf bis zu 1,8 Millionen weltweit kommt. Der Biologe weist darauf hin, dass nach dem Super-GAU von Tschernobyl nur 43 Prozent der Radioaktivität in den früheren Sowjetrepubliken niederging.

Während die IAEA keinen wissenschaftlichen Hinweis auf Neuerkrankungen oder Todesfälle infolge der Strahlenbelastung sieht, verweist Jablokow auf die drastisch davon abweichenden Angaben der Liquidatoren-Vereinigungen. Allein bei den Liquidatoren – also den Aufräumarbeitern in Tschernobyl – gebe es bisher 112.000 bis 125.000 Tote bei insgesamt 830.000 Helfern. Die durchschnittliche Lebenserwartung der inzwischen Verstorbenen liege bei rund 43 Jahren. 94 Prozent der Aufräumarbeiter seien heute erkrankt, vorwiegend an Nicht-Krebs-Erkrankungen.

Genetische Schäden erst in der Entwicklung

Über Nicht-Krebs-Erkrankungen erfährt die Öffentlichkeit wenig, genauso wie über genetische Auswirkungen der Strahlenbelastung durch Tschernobyl. "Die Zahl der betroffenen Menschen ist hoch und Politiker möchten vermeiden, dass Gesundheitsschäden dieser Art womöglich auch in ganz anderen Zusammenhängen als strahlenbedingte Berufskrankheiten anerkannt werden müssen. Hintergrund sind mögliche Entschädigungszahlungen", berichtet Dörte Siedentopf. Hätten IAEA und WHO die zahlreichen Studien über Tschernobyl anerkannt, wären sie nach Meinung der Ärztin verpflichtet gewesen, sich an der Beseitigung der Folgeschäden zu beteiligen – mit ganz viel Geld und Hilfsmaßnahmen. "Damit bleibt Tschernobyl auch 25 Jahre nach dem Super-GAU ein lokales Problem Russlands, Weißrusslands und der Ukraine."

Von den genetischen Schäden wisse man jedoch, dass lediglich zehn Prozent der insgesamt zu erwartenden Schäden in der ersten Generation auftreten. "Das heißt, 90 Prozent der genetischen Probleme kommen erst noch auf uns zu." Seit den 1970er Jahren wisse man, dass ionisierende Strahlung nicht nur Krebs verursacht, sondern auch zu genetischen Schäden führt. Diese Schäden würden schon durch niedrigste Dosen ausgelöst. Laut IPPNW gab es in den letzten Jahren wesentliche neue Forschungsergebnisse – non-target effects, genomische Instabilität und den Bystander-Effekt. Diese Effekte würden die bisherigen Vorstellungen über die Mechanismen der Strahlenschädigungen grundlegend verändern, auch wenn davon noch nicht alles bis in das letzte Detail geklärt sei.

Gefahren werden ausgeblendet

Fehlende Informationen – wie im Fall Tschernobyl oder jetzt Japan – würden sich laut IPPNW Regierungen sogar zunutze machen. So solle das Thema Tschernobyl in Russland, Weißrussland und der Ukraine zu den Akten gelegt werden: Armut, ungesunde Lebensweise und psychische Krankheiten stellen angeblich ein viel größeres Problem dar als die Verstrahlung, heißt es. Die gesperrten Gebiete sollen demnach zügig wieder in den Wirtschaftkreislauf eingegliedert werden, sogar von einem Touristikprogramm für die Sperrzone sei die Rede. In Weißrussland sei ein neues Atomkraftwerk in Planung – da spreche die Regierung ungern über die Risiken der Atomenergie für die Gesundheit.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Ärztevereinigung IPPNW das Interview mit dem russischen Umweltpolitiker Alexej Jablokow mit dem Titel "Ein zweites Tschernobyl rückt näher" überschrieb und am 7. März, also vier Tage vor dem Reaktorunglück in Japan, veröffentlichte. Jablokow kritisierte die offizielle Lesart der Atomindustrie, wonach sie aus Tschernobyl gelernt und ihre Atomkraftwerke sicherer gemacht habe. Er verweist darauf, dass "trotz der Nachrüstungen die Zahl der Unfälle und Vorkommnisse nicht zurückgeht". Der Grund sei, dass die Anlagen insgesamt älter und deren Laufzeiten verlängert würden. Aber schließlich könne man aus einem alten Auto kein neues machen. "Deshalb rückt ein zweites Tschernobyl nicht weiter weg. Im Gegenteil: Es kommt näher." Vier Tage später sollte Jablokow auf schreckliche Weise recht bekommen.>

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Welt online, Logo

1.4.2011: Die Retter von Tschernobyl von 1986 sind heute (2011) zum grossen Teil schon gestorben

aus: Welt online: Sowjetischer Super-GAU: Die Liquidatoren. Kanonenfutter für Tschernobyl; 1.4.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13042767/Die-Liquidatoren-Kanonenfutter-fuer-Tschernobyl.html

<Autor: Mikhail Fishman

Rund 380.000 Soldaten waren bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Einsatz, zum Teil kaum geschützt. Viele sind tot, die anderen kämpfen um Entschädigung.

Ich telefoniere mit Alexej Schaschkow, der 1986 mit offenen radioaktiven Substanzen im sogenannten heißen Labor am Kurtschatow-Institut arbeitete, dem wichtigsten Institut für Nuklearforschung in Russland. Heute ist er Invalide der ersten Kategorie. Wir wollten uns treffen, doch das geht nicht: Schaschkow ist krank. Er ist ununterbrochen krank. Im vergangenen Jahr war er nur zwei Monate nicht im Krankenhaus. Diese Zeit verbrachte er vor Gericht, um seine staatliche Entschädigung für seine Tschernobyl-Invalidität durchzusetzen.

Nach Tschernobyl kam er zum ersten Mal einen Monat nach dem Störfall vom 26. April 1986. Dann fuhr er fünf Jahre lang regelmäßig dorthin, um Proben von radioaktiven Materialien zu nehmen. Dabei war er einem Vielfachen der Strahlung zum Zeitpunkt des Unglücks ausgesetzt. Im Jahr 1991 hatte er mit 40 Jahren seinen ersten Herzinfarkt. Er kam gerade noch mal mit dem Leben davon. Ein Jahr später erlitt er drei weitere Infarkte.

Michail Kontschalowski kennt diese Schicksale. Er leitet ein Labor für Strahlenkrankheit im Burnasjan-Zentrum für Biomedizin bei Moskau. Damals behandelte er die ersten Opfer, Mitarbeiter des Kernkraftwerks und Feuerwehrleute. Insgesamt waren es etwa 250, davon 130 Schwerverletzte. 26 von ihnen starben innerhalb von drei Monaten. „Drei Monate lang arbeiteten wir wie im Krieg“, erinnert sich Kontschalowski. „Ich fühlte mich wie ein Rädchen im Getriebe. Es war sehr heiß. Die Feuerwehrleute wurden gebracht wie zur Brautschau. Wir hatten nicht genügend Schlafanzüge und zogen ihnen die gepunkteten Nachthemden von der Frauenstation an.“

Die Schlafanzüge und Nachthemden kamen dann zu Schaschkow und seinen Mitarbeitern. „Wir mussten den Transport, die Kleidung und die Menschen dekontaminieren“, sagt Schaschkow. „Wir haben sie gewaschen und umgezogen, die Wäsche kam in Spezialbehälter zur Endlagerung.“ Schaschkow gehört zu den wenigen, die das Ausmaß der Katastrophe begriffen. Die meisten wussten damals nichts über Radioaktivität, die Regierung hielt die Wahrheit zurück. Menschen wurden zu spät evakuiert, man erklärte ihnen nicht, wie sie ihr Verseuchungsrisiko verringern konnten. In Kiew wurde selbst die Mai-Parade abgehalten – nur keine Panik.

Nach zehn Minuten Arbeit zwei Wochen Reha

Die Daten über die Radioaktivität blieben geheim, das Ausmaß blieb unverständlich, erinnert sich der Ingenieur German Below. Damals arbeitete er als Laborleiter einer Fabrik. Er plante Kühlsysteme für Atomkraftwerke mit einem ähnlichen Reaktortyp wie in Fukushima. Der Reaktor muss permanent gekühlt werden. Nach Tschernobyl kam er im August 1986, vier Monate nach der Katastrophe. „Wir arbeiteten zehn Minuten am Tag“, berichtet Below, „im Schichtsystem: zwei Wochen dort, danach zur Rehabilitation ins Sanatorium.“

Im August wurde mit aller Kraft am Sarkophag gebaut. Riesige Metallkonstruktionen wurden mit Beton aufgefüllt, immer höher. Spezielle, sehr hohe Krane mit besonders langen, ferngesteuerten Auslegern verhinderten weitere Opfer. Aus Hubschraubern wurde tonnenweise Sand auf den Brand im Reaktor abgeworfen.

„Unsere Augen tränten ständig“, erzählt Below, „wir hatten trockenen Husten. Wir hatten nicht genügend Atemschutzmasken und trugen tagelang Masken aus zwei Schichten Mullbinden. In Japan wird der Mundschutz alle drei Stunden ausgetauscht – das konnten wir uns nicht erlauben. Wir gingen in die Kantine zum Mittagessen, ständig wurde jemand ohnmächtig. Da sitzt einer eben noch auf dem Stuhl, und – plumps – fällt er einfach um.“

Below überprüfte die Funktion des Kühlsystems. Zunächst wurden er und seine Truppe mit einem „reinen“ Autobus herangefahren, im Umkreis von vier Kilometern dann mit einem „unreinen“ Bus. Below erinnert sich: „Bei uns war ein Monteur, der mit seinen bloßen Händen die Deckel abnahm, die Achslager anhob. Dann konnte er seine Beine nicht mehr bewegen – sie waren gelähmt. Im Jahr 2000 brachte man ihn nach Japan zur Behandlung, und er wurde tatsächlich geheilt!“ Doch solche „Wunder“ waren lanciert oder Wunschdenken: Nach und nach erlahmten die Beine des Monteurs immer mehr aufgrund der Verseuchung der Knochen und des Muskelgewebes. Die Gelenke waren zerstört.

380.000 Soldaten wurden durchgeschleust

Anderen erging es noch viel schlechter. Below erinnert sich an einen Bekannten, der im April 1986 aus der Armee ausgeschieden war, im Mai aber vom Armeekommando zurückgeholt wurde: „Du bist Fahrer? Es geht zum Einsatz!“ Er war drei Monate lang am Reaktor, sechs Jahre später starb er an Leukämie.

Reservisten und aktive Untereinheiten der Armee waren die Hauptakteure im Kampf gegen die Folgen des Reaktorunglücks. „Das war der schwerwiegendste Fehler“, ist Below überzeugt. „Anstatt kleine Gruppen von Spezialisten zu entsenden, wurden sofort 30.000 bis 40.000 Soldaten abkommandiert. Man versuchte es mit der Masse, wie immer.“ Innerhalb von fünf Jahren wurden so insgesamt 380.000 Soldaten durch Tschernobyl geschleust.

Below hatte Glück. Drei Tage nach seiner Rückkehr nach Moskau wurde bei ihm Leukämie im Anfangsstadium diagnostiziert. Er lief von einem Arzt zum anderen, und nach einem halben Jahr, so erzählt er, seien alle Werte wieder im normalen Bereich gewesen. „Hätte ich ein Jahr gewartet, dann wäre jede Chemotherapie zu spät gekommen“, sagt Below. Er ist heute trotzdem Invalide der zweiten Kategorie, aber für seine 72 Jahre erstaunlich rüstig.

Drei Minuten auf dem Dach waren tödlich

Auch Schaschkow hatte Glück. „Wir alle waren Profis und wussten genau, was zu tun war“, sagt er. „Drei Minuten auf dem Dach des Reaktors, und man wäre tot gewesen. Wir gingen mit Geigerzählern, aber manchmal auch ohne und schätzten die Zeit. Wir wussten, dass wir die Besten für diese Arbeit sind. Dann wurden wir alle untersucht. Aber was soll behandelt werden, wenn noch keine Symptome da sind?“ Seine Gruppe bestand aus 15 Personen, aber keiner lebt mehr: Die einen starben an Krebs, die anderen an Herzinfarkt. Übrig geblieben sind nur er und der Fahrer.

Die schlimmste Kontamination in Tschernobyl stammte von Cäsium-137, erzählt Kontschalowski, sowie von anderen Isotopen mit kürzerer Halbwertszeit, vor allem Jod-131. Jod-131 verursachte Schilddrüsenkrebs bei Kindern in der Unglückszone. „Das sind nur die statistisch bestätigten Zahlen“, sagt Kontschalowski. „Viele konnten gerettet werden, aber viele starben auch.“ Ärzte und Nuklearforscher sprechen heute auch über die psychosomatischen Folgen, etwa Alkoholismus. Hunderttausende Menschen wurden arbeitsunfähig und leiden unter Depressionen, viele von ihnen trinken.

Der Staat will keine Entschädigung mehr zahlen

Alle Tschernobyl-Opfer sind in ständigem Rechtsstreit mit dem Staat. Below hat acht Gerichtsverfahren hinter sich. Für seine zwei Wochen am Reaktor erhält er heute 6500 Rubel (etwa 160 Euro) monatlich, doch allein die Medikamente kosten jeden Monat 12.000 Rubel.

Im Jahr 1991 wurde ein Gesetz zur Entschädigung der Opfer des Reaktorunglücks verabschiedet, der Staat hat aber seither die Maßnahmen schrittweise abgebaut. Außerdem wird das Gesetz nicht umgesetzt. „Der größte Irrtum bei Tschernobyl war“, sagt Schaschkow, „dass die Wahrheit verfälscht wurde. Und nun kommen auch aus Japan keine klaren Informationen.“>

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Basler Zeitung online, Logo

Schweiz 1.4.2011: Der Rückbau des AKWs Mühleberg steht bevor - und der Rückbau eines AKWs dauert Jahrzehnte und kostet Milliarden - Beispiel Greifswald in Deutschland

aus: Basler Zeitung online: Geld, Zeit und Geduld: Das Grossprojekt AKW-Abbruch; 1.4.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Geld-Zeit-und-Geduld-Das-Grossprojekt-AKWAbbruch/story/30506361

Ob in Monaten oder erst in 10 Jahren: Als erstes Schweizer AKW geht Mühleberg vom Netz. Gibt es dort kein neues, muss es zurückgebaut werden. Was das heisst, weiss Deutschland und weiss Kanzlerin Merkel.

Wie ein Kernkraftwerk stillgelegt und zurückgebaut wird, das weiss man in Deutschland ganz genau. 1990 wurden die beiden DDR-Anlagen in Greifswald und Rheinsberg abgeschaltet. Ab 1995 begann der Rückbau. Dieser dauert bis heute an und verschlingt Milliardensummen.

Die Kosten für den Abriss der Anlage Greifswald wurden ursprünglich auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Klar, dass bei solch langen Zeitspannen für die Rückbauarbeiten – 2012 will man den Zustand der «grünen Wiese» erreicht haben – die Zahlen kontinuierlich nach oben korrigiert werden müssen. Erst im letzten Sommer wurden für den Rückbau von Greifswald und Rheinsberg eine Milliarde Euro Mehrkosten veranschlagt. Zum Vergleich: Für den Abbruch des um einiges kleineren AKW Mühleberg werden in der Schweiz bis jetzt Kosten von 379 Millionen Franken angenommen.

15 Milliarden für alle Schweizer AKW

Damit die Atomindustrie auf das Ende ihrer Anlagen vorbereitet ist, legt sie Geld zurück. Das ist in Deutschland nicht anders als in der Schweiz. Hierzulande heissen die beiden Kassen Stilllegungsfonds sowie Entsorgungsfonds. Gesamthaft sollen dort dereinst gut 15 Milliarden Franken zusammenkommen. Der weitaus grösste Teil für Zwischen- respektive Endlagerung. Damit die ganze Summe zusammenkommt, müssen die Meiler aber noch eine ganze Weile am Netz bleiben, Strom liefern und damit die Kassen füllen. Ob das der Fall ist, scheint mit der AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima zumindest nicht mehr in Stein gemeisselt.

Fragt sich aber auch, wie die Zahlen für Rückbau und Entsorgung berechnet werden, und wer dafür verantwortlich ist. «Swissnuclear legt regelmässig einen Bericht vor über die veranschlagten Kosten», erklärt AKW-Experte Stefan Füglister, der als externer Berater Greenpeace in Atomenergiefragen unterstützt. Der letzte Bericht sei 2006 veröffentlicht worden, der nächste sei in diesem Jahr fällig. Swissnuclear ist eine Fachgruppe innerhalb von Swisselectric, des Verbands der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen. Der Bericht von Swissnuclear wird dann von der AKW-Aufsichtsbehörde Ensi geprüft. Im Bedarfsfall braucht es Anpassungen. Swissnuclear konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Reicht das Geld für die Endlagerung?

Ob die derzeit für die Endlagerung veranschlagten Kosten reichen, zumindest hier setzt Füglister grosses Fragezeichen. «Eine Tunnelführung mehrere Kilometer tief in den Berg hinein: wir kennen ja alle die Kostenüberschreitungen von solchen Projekten wie etwa der Neat und können erahnen was das für die Endlagerung des Atommülls heisst.» Den gesamten Aufwand berappen müssen am Schluss auf jeden Fall die AKW-Betreiber.

Im Kreis der Politik will sich niemand die Finger verbrennen, was die AKW-Stilllegungskosten betrifft. Für SP-Nationalrat und Energieexperte Eric Nussbaumer stellt sich vielmehr die Frage, wie man den Ausstieg aus der Atomenergie anpeilt. Er und seine Partei fordern ein Ausstiegsgesetz. Die Forderung nach Sofortabschaltungen – zum Beispiel Mühleberg – würde «unsägliche Probleme» mit sich bringen.

Wenn sich die AKW-Betreiber wehren

Was Nussbaumer damit meint, lässt sich derzeit in Deutschland beobachten. Dort reicht nämlich der Energieriese RWE Klage gegen das von Berlin beschlossene Atommoratorium ein. Damit hatte die Regierung Merkel die kurzfristige Abschaltung der sieben ältesten Meiler beschlossen. Zu den betroffenen Werken zählt auch die Anlage Biblis A in Hessen. Das Aktienrecht verpflichte den Konzern zur Klage, wird RWE in deutschen Medien zitiert. Klar ist, die Betreiber verlieren durch die vorzeitige Abschaltung viel Geld. (baz.ch/Newsnetz)>

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Basler Zeitung online, Logo

1.4.2011: Forderung von BS, BL und JU, das erdbebengefährdete AKW Fessenheim abzuschalten

aus: Basler Zeitung online: Forderung nach Stillegung von Fessenheim ist deponiert; 1.4.2011;
http://bazonline.ch/basel/region/Forderung-nach-Stilllegung-von-Fessenheim-ist-deponiert/story/15748964

<Eine Delegation der Basler Regierung hat am Freitag dem französischen Vizeminister Philippe Richert die Forderung der beiden Basel und des Kantons Jura nach Abschaltung des AKW Fessenheim übergeben.

Bis das AKW Fessenheim nicht vollständig überprüft wurde, soll es stillgelegt werden, fordern die beiden Basel und der Jura.

Das Treffen des Basler Regierungspräsidenten und der Regierungsräte Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels mit Generalratspräsident Philippe Richert fand in Basel statt. Richert habe dabei auf die offizielle Position Frankreichs in der Atom- Debatte verwiesen, sagte der Basler Regierungspräsident Guy Morin danach auf Anfrage.

Dies sei keine Überraschung, sagte Morin weiter. Richert habe in der Sache indes mit der französischen Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet Kontakt gehabt: Die Forderung der beiden Basel und des Jura sei somit «in der französischen Administration angekommen». Ausserdem habe es auch Resonanz in den französischen Medien gegeben.

In einer mit einem Communiqué der Basler Regierung verbreiteten Stellungnahme hielt Richert fest, man komme nach der Katastrophe in Japan nicht um die Frage herum, was in andern Ländern in einer solchen Lage geschähe, dies einschliesslich Frankreichs und der Schweiz.

Die französische Regierung wolle denn auch alle französischen Nuklearanlagen sowie die Krisenszenarien überprüfen. Wenn die Resultate zu Fessenheim nicht positiv seien, werde er fordern, die Konsequenzen zu ziehen. Wesentlich sei indes, jetzt nicht unter Druck sowie dem Eindruck der Ereignisse zu handeln.

Stilllegung gefordert

Die Regierungen der beiden Basel, denen sich später auch die jurassische Regierung anschloss, hatten ihre Forderung bereits am 22. März bekannt gemacht. Aus ihrer Sicht muss das nur 35 Kilometer nördlich von Basel gelegene AKW Fessenheim sofort stillgelegt werden, bis es gründlich kontrolliert ist.

Frankreich entscheide nach der laufenden, bis 2012 andauernden Zehnjahresinspektion über die Verlängerung der Betriebsbewilligung des AKW. Zudem solle die Absicht bestehen, am Standort später neue Reaktoren zu betreiben. Der Oberrheingraben, in dem das AKW liegt, sei aber eines der gefährdetsten Erdbebengebiete Mitteleuropas.

Weiter hatten die Regierungen der beiden Basel und des Jura Bundesrätin Doris Leuthard ersucht, ihr Anliegen bei einem Treffen mit Frankreichs Umweltministerin Kosciusko-Morizet vorzubringen. Ein für Freitag geplantes Treffen war indes wegen einer kurzfristig angesetzten Japan-Reise der Ministerin abgesagt worden.

(kng/sda)>

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Spiegel online, Logo

2.4.2011: Der Wind dreht gegen Tokio, am Sonntag erreicht die Radioaktivität Tokio

aus: Spiegel online: Atom-Desaster: Meteorologen fürchten radioaktive Wolke über Tokio; 2.4.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,754683,00.html

<Von Cinthia Briseño und Andreas Ulrich

Ein Riss im Reaktorkeller, Radioaktivität im Meer und jetzt der Wind: Meteorologen fürchten, dass er die strahlenden Partikel aus dem AKW Fukushima am Sonntag in die Millionenmetropole Tokio blasen könnte. Auch in deutschen Häfen bereitet man sich auf die Strahlung vor.

Tokio - Etwas Glück hatten die Japaner bisher doch nach der Katastrophe in Fukushima: Der Wind hatte die radioaktiven Partikel in der Atmosphäre über dem AKW hauptsächlich auf den offenen Pazifik geblasen. Bisher. Jetzt aber wendet sich das Blatt - der Wind kommt immer mehr aus Nordost. Die Folge: "Tokio könnte etwas abkriegen", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag.

Mit anderen Worten: Radioaktive Partikel könnten am Sonntag aus dem havarierten Atomkraftwerk nach Tokio wehen. Auch eine aktuelle Modellrechnung der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt (siehe Fotostrecke oben), dass die Luftströmungen die freiwerdende Radioaktivität aus dem AKW in Richtung Südwesten treiben wird - auf das rund 240 Kilometer entfernte Tokio zu. Die küstennahen Gebiete von Südost-Honshu könnten ebenfalls beeinträchtigt sein. Der DWD geht davon aus, dass die Konzentration der radioaktiven Partikel in der Atmosphäre in einigen Gebieten südlich von Tokio sogar stärker sein könnte.

Wie hoch die Strahlenbelastung für die Bevölkerung dadurch sein wird, ist unklar. Denn bisher kann man nur sehr schwer abschätzen, wie viel Radioaktivität insgesamt seit dem Erdbeben am 11. März aus dem Katastrophen-AKW in die Atmosphäre freigesetzt wurde. Langwierige Simulationen und Berechnungen der ZAMG liefern lediglich eine sehr grobe Abschätzung der Gesamtfreisetzung. Und diese kann auch nur zeitlich verzögert abgegeben werden, da das Messnetz, das die ZAMG für ihre Strahlungsmessungen nutzt, nach ihren Angaben dünn ist.

Fallout unwahrscheinlich

Immerhin gibt es aber eine positive Nachricht: Nur einzelne Regenschauer sind nach Angaben der ZAMG am Sonntag möglich, mit größerem Niederschlag sei dagegen kaum zu rechnen. Das bedeutet auch, dass ein größerer Fallout, wie der radioaktive Niederschlag genannt wird, nicht droht, und der größte Teil der radioaktiven Partikel den Erdboden nicht erreicht. Zudem wird der Wind den Großteil der radioaktiven Wolke laut ZAMG bereits am Montag wieder auf den offenen Pazifik blasen.

Die Atom-Ruine Fukushima I aber setzt weiterhin massiv Radioaktivität frei: Am Samstag entdeckten Techniker einen Riss im Reaktorkeller 2. Daraus sickert hochradioaktives Wasser. Werte von 1000 Millisievert pro Stunde wurden gemessen - eine Strahlendosis, die lebensbedrohlich sein kann, wenn man ihr ungeschützt ausgesetzt ist. Zum Vergleich: In Deutschland ist man innerhalb eines ganzen Jahres einer Strahlendosis von durchschnittlich 2,1 Millisievert ausgesetzt.

Der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama, erklärte, dass der Riss "eine der Quellen für die Kontaminierung des Meerwassers" sei. Zugleich räumte er ein, dass es noch weitere, ähnliche Risse geben könne. Es gelte, diese so schnell wie möglich zu finden. Der Sprecher der Betreiberfirma Tepco, Osamu Yokokura, sagte, dass das Erdbeben vom 11. März wahrscheinlich die Ursache für den Riss sei. Das würde bedeuten, dass das belastete Wasser möglicherweise schon seit dem Unglück ins Meer austritt.

Rasche Verdünnung

Nach Angaben Tepcos beträgt der Wert in 60 Zentimetern Entfernung von der Grube noch 400 Millisievert pro Stunde. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass sich die radioaktiven Partikel in den Weiten des Pazifiks rasch verdünnen - und dass auch größere Mengen kaum Auswirkungen auf die Umwelt hätten. Inwieweit radioaktive Partikel, vor allem Cäsium 137, in die Nahrungskette gelangen werden, ist noch unklar.

Radioaktives Jod 131 in Konzentrationen deutlich über dem Grenzwert war im Meer nahe dem Atomkraftwerk schon vor mehr als einer Woche entdeckt worden. Nun zeigt aber eine Messung, die das japanische Wissenschaftsministerium am Samstag veröffentlichte, dass sich die Radioaktivität im Meer durchaus schon ausgebreitet hat: In südlicher Richtung, 40 Kilometer vom AKW entfernt, war die Jod-Konzentration doppelt so hoch wie zulässig. Die Behörde betonten jedoch, dass keine Gefahr für die menschliche Gesundheit bestehe.

Es sei das erste Mal, dass Radioaktivität über den gesetzlich zugelassenen Werten so weit vor der Küste der Präfektur Fukushima gemessen wurde, meldete der Fernsehsender NHK. Vermutlich habe eine Nord-Süd-Strömung das radioaktive Jod 131 mitgespült.

Japanische Fischer reagieren entsetzt auf die Nachrichten über das radioaktiv verstrahlte Meerwasser. "Was soll nur aus unserem Leben nun werden", zitierte die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press einen Fischer in der angrenzenden Katastrophenprovinz Ibaraki. "Wenn die Leute auch nur Fisch aus Ibaraki hören, werde ich ihn nicht verkaufen können, selbst wenn ich den Fisch auf den Markt bringe", sagte ein Vertreter des örtlichen Fischereiverbands.

Hamburg erwartet erste Schiffe aus Japan

Noch ist nicht absehbar, welche Konsequenzen die Verstrahlung des Ozeans für den Schiffsverkehr haben könnte. In Deutschland aber bereitet man sich schon auf die Auswirkungen vor: Zahlreiche Reedereien haben ihre Schiffe mit Geräten zur Messung der Strahlenbelastung ausgerüstet. Allein bei der Hamburger Komrowski-Gruppe betreffe das etwa 40 Frachter, sagte deren Sicherheitsbeauftragte, Kapitänin Inet Klip.

Im Hamburger Hafen werden in der kommenden Woche die ersten Schiffe aus Japan erwartet. In der Innenbehörde der Hansestadt wurde eine Expertenrunde eingerichtet, um alle Behörden auf die neuen Risiken vorzubereiten. Von rund 11.000 Schiffen, die jährlich den Hamburger Hafen anlaufen, kommen etwa 300 aus Japan. Weil das Bundesumweltministerium noch keine Strahlengrenzwerte für Seeschiffe festgelegt hat, orientieren sich die Behörden an Werten, die etwa für Lebensmittel und Flugzeuge gelten.

Seit vergangener Woche tobt hierzulande eine heftige Debatte über die Strahlengrenzwerte: Denn die EU hatte per Eilverordnung neue Grenzwerte für Lebensmittelimporte aus Japan in Kraft gesetzt, die höher als die Werte sind, die für Nahrungsmittel aus den durch Tschernobyl kontaminierten Ländern gelten (siehe Infokasten).

Inzwischen prüfen auch Importeure aus Deutschland vor der Auslieferung Kfz-Teile auf eine mögliche Strahlenbelastung. Das meldet die Branchenzeitung "Automobilwoche". "Wir werden durch entsprechende Überprüfungen sicherstellen, dass kein kontaminiertes Fahrzeug oder Ersatzteil in den Handel gebracht wird", sagte Mazda-Sprecher Jochen Münzinger.

Die Werke in Hiroshima und Hofu seien aber rund tausend Kilometer vom Reaktor Fukushima entfernt, auch die meisten Zulieferer befänden sich außerhalb der kritischen Region. Mazda betreibt keine Werke in Europa und bezieht sämtliche Fahrzeuge aus Japan.

Auch Toyota nimmt alle erforderlichen Kontrollen vor, um die Unbedenklichkeit der Produkte sicherzustellen. "Toyota wird niemals ein Produkt ausliefern, wenn die Kontrollmaßnahmen die Möglichkeit eines gesundheitlichen Risikos für den Kunden nicht ausschließen können", sagte ein Firmensprecher dem Blatt.

Mit Material von dpa und dapd>

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Basler Zeitung online, Logo

2.4.2011: Die Tschernobyl-Bevölkerung ist über Generationen verstümmelt - und niemand will es wissen - und ähnlich wird das auch in der Region Fukushima werden

aus: Basler Zeitung online: 120 Flugzeuge und 65 Schiffe suchen nach Opfern: Das Tschernobyl-Hilfsprojekt; 2.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Wir-sind-auf-einen-langen-Kampf-vorbereitet/story/14735593?dossier_id=885

Das Tschernobyl-Hilfsprojekt

Ein irisches Hilfswerk arbeitet mit einem Waisenhaus für behinderte Kinder in Weissrussland zusammen. Die Bilder machen deutlich, dass die AKW-Katastrophe in Tschernobyl bis heute andauert.



Text einer Bilderstrecke mit Fotos aus dem Tschernobyl-Heim des irischen Hilfswerks (Fotos vom 22.3.2011)

1. Die irische Krankenschwester Helen
                              Moorhead spielt mit zwei geistig
                              behinderten Kindern in einem Waisenhaus
                              bei Vesnova, Weissrussland.
1. Die irische Krankenschwester Helen Moorhead spielt mit zwei geistig behinderten Kindern in einem Waisenhaus bei Vesnova, Weissrussland.

2. In dem Heim in Vesnova leben rund
                              140 Kinder mit verschiedenen geistigen und
                              körperlichen Behinderungen.
2. In dem Heim in Vesnova leben rund 140 Kinder mit verschiedenen geistigen und körperlichen Behinderungen.
3. Vier Krankenschwestern und
                              Hilfspfleger des Chernoby- Children's
                              Project International arbeiten Seite an
                              Seite mit den Betreuern vor Ort, um den
                              Kindern eine bessere Pflege zu sichern:
                              Marie Cox (Mitte) und Claire O'Connor beim
                              Spielen.
3. Vier Krankenschwestern und Hilfspfleger des Chernoby- Children's Project International arbeiten Seite an Seite mit den Betreuern vor Ort, um den Kindern eine bessere Pflege zu sichern: Marie Cox (Mitte) und Claire O'Connor beim Spielen.

4. Noch heute werden in Weissrussland
                              mehr Kinder mit Schädigungen geboren als
                              vor der Katastrophe: Die Irin Marie Cox
                              (rechts) mit Kindern aus dem Heim.
4. Noch heute werden in Weissrussland mehr Kinder mit Schädigungen geboren als vor der Katastrophe: Die Irin Marie Cox (rechts) mit Kindern aus dem Heim.
5. Hilfspfleger Patrick Farrell
                              (links) und Helen Moorhead massieren einen
                              behinderten Jungen.
5. Hilfspfleger Patrick Farrell (links) und Helen Moorhead massieren einen behinderten Jungen.

6. Sinead Nolan, Krankenschwester aus
                              Dublin, und Patrick Farrell auf einem
                              Spaziergang mit zwei Jugendlichen.
6. Sinead Nolan, Krankenschwester aus Dublin, und Patrick Farrell auf einem Spaziergang mit zwei Jugendlichen.
7. Mittagspause: Die Betreuer aus
                              Irland füttern zusammen mit dem
                              einheimischen Personal die Kinder.
7. Mittagspause: Die Betreuer aus Irland füttern zusammen mit dem einheimischen Personal die Kinder.

8. Schlafenszeit: Claire O'Conner aus
                              Cork wacht beim Bett eines kleinen
                              Jungen.
8. Schlafenszeit: Claire O'Conner aus Cork wacht beim Bett eines kleinen Jungen.


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20 minuten online,
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CH-D 2.4.2011: Deutsche Politiker fordern, das schweizer AKW Beznau soll nach über 40 Jahren verschwinden

aus: 20 minuten online: Atomkraft: Deutsche fordern: Schweiz muss AKW abschalten; 2.4.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Deutsche-fordern--Schweiz-muss-AKW-abschalten-26075863

<«Schrottmeiler» Beznau: Deutsche Politiker machen gegen das Schweizer AKW mobil.

Deutsche Politiker mobilisieren gegen grenznahe Schweizer AKW. Sie fordern die Stilllegung des über 40 Jahre alten Kraftwerks im aargauischen Beznau. Die Rede ist gar von einer Staatsklage.

Der Schweiz droht nach dem Fluglärm- und Steuerstreit ein neuer Knatsch mit dem wichtigsten Handelspartner. SPD und Grüne haben mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin Gespräche geführt. Sie soll in Bern Druck machen. Fritz Kuhn, Vizechef der Grünen-Fraktion im deutschen Bundestag, sagte zur «SonntagsZeitung»: «Wir verlangen von Merkel, dass sie sich bei der Schweiz für eine Abschaltung der Schrottmeiler an der deutschen Grenze einsetzt.»

Sollten die Gespräche mit Bern nicht fruchten, drängt die SPD-Fraktion, dass die Bundesregierung eine Staatsklage gegen die Schweiz einreicht. Eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung durch mangelhafte Sicherheitsstandards in den Nachbarländern könne nicht hingenommen werden, sagt Ulrich Kelber, stellvertretender SPD-Fraktionschef.

Kein Stresstest für Schweizer AKW

Die beiden Parteien stellen ab Mai die Regierung in Baden-Württemberg. Mit der grün-roten Machtübernahme wird der Druck auf die Schweiz steigen, Beznau abzuschalten. Dazu kommt, dass die EU alle AKW einem Stresstest unterziehen lässt. Die Schweiz will daran nicht teilnehmen. Die Axpo, die Beznau betreibt, wehrt sich vehement: Beznau I und II entsprächen den Sicherheitsvorgaben der Aufsichtsbehörde.

Das ist dem SP-Nationalrat Roger Nordmann ein Dorn im Auge. Er fordert, dass auch die Schweizer AKW sich dem EU-Stresstest unterziehen. «Wir müssen freiwillig mitmachen. Bundesrätin Doris Leuthard sollte die nötigen Schritte einleiten», sage er gegenüber «Der Sonntag». Mit dieser Forderung steht Nordmann nicht allein da: Die Mühleberg-Gegner haben am 31. März eine entsprechende Eingabe beim Bundesverwaltungsgericht, beim Uvek und beim Ensi eingereicht.

Verzicht auf MOX-Brennstäbe

Zudem fordert Nordmann, dass die Schweizer AKW auf den Einsatz von Brennelementen aus Mischoxid, kurz MOX, verzichtet. MOX-Brennstäbe werden hierzulande in drei Kraftwerken eingesetzt und bestehen aus mehreren Uran- und Plutoniumoxiden. Das will Nordmann nun stoppen: «Die Betreiber müssen sofort auf den Gebrauch verzichten. Denn im Fall eines Unglücks ist der Schaden mit MOX noch viel grösser», sagte er dem Blatt.

Er verweist auf den Reaktorblock 3 in Fukushima, aus dem hochgiftiges Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren entweichen konnte. Nordmann richtet seinen Appell für ein Verbot an das Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi, das die MOX-Brennstäbe verbieten könnte. «Wenn Betreiber und Behörden nicht handeln, dann müssen wir das Verbot auf dem Gesetzesweg durchsetzen.»

(ast)>

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2.4.2011: Radioaktives Wasser läuft durch 20 cm-Riss in Fukushima 1

aus: Katastrophe in Japan: Reaktoren noch monatelang beschädigt; 2.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Radioaktivitaet-laeuft-durch-20-cm-Riss-aus-25960439

<Aus einem Riss des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi sickert hoch radioaktives Wasser in den Pazifik. In der Luft über dem Leck seien Strahlungswerte von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen worden, teilte die Atomsicherheitsbehörde am Samstag mit. Das Wasser tritt demnach aus einem etwa 20 Zentimeter langen Riss in der Schutzhülle einer Grube aus. Der AKW-Betreiber Tepco bestätigte die Angaben.

Der Riss «könnte eine der Quellen für die Kontaminierung des Meerwassers sein», erklärte der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama. Zugleich räumte er ein, dass es in dem Gebiet noch weitere, ähnliche Risse geben könne. Diese gelte es so schnell wie möglich zu finden. Die Strahlenwerte im Wasser in der Nähe des Reaktors und in einem Umkreis von 15 Kilometern würden ständig überprüft, betonte Nishiyama.

Tepco-Sprecher Osamu Yokokura sagte, der Riss gehe wahrscheinlich auf das schwere Erdbeben vom 11. März zurück. Möglicherweise trete schon seit dem Unglück vor drei Wochen Wasser aus. Experten zufolge wird das verstrahlte Wasser in den Weiten des Pazifiks rasch verdünnt, sodass auch grössere Mengen kaum Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Radioaktives Jod 131 in Konzentrationen deutlich über dem Grenzwert war im Meer nahe dem Atomkraftwerk schon vor mehr als einer Woche entdeckt worden. Am Samstag veröffentlichte Messergebnisse zeigten, dass sich die Radioaktivität im Meer bis zu 40 Kilometer in südlicher Richtung ausbreitete. Die Jod-Konzentration dort war doppelt so hoch wie zulässig. Die Behörden betonten jedoch, trotzdem bestehe keine Gefahr für die menschliche Gesundheit.

Fukushima-Arbeiter schilderte schwierige Arbeitsbedingungen

Ein Mitarbeiter des Kraftwerks schilderte in einem am Samstag veröffentlichten Interview die schwierigen Bedingungen im Inneren der Anlage. So gebe es nicht genügend Schutzstiefel, die Arbeiter dort über ihre Schuhe ziehen, sagte der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte, der Zeitung «Mainichi». Stattdessen würden sie nun Plastiktüten nehmen und mit Klebeband sichern. Auf dem gesamten Gelände lägen tote Fische, die der Tsunami mitgerissen habe.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan besuchte unterdessen erstmals das Katastrophengebiet im Nordosten des Landes und versprach den Opfern Hilfe. Seine erste Station war die 20.000 Einwohner zählende Stadt Rikuzentakata, die von der Flutwelle vor drei Wochen verwüstet wurde. Vor dem schwer beschädigten Rathaus legte Kan eine Schweigeminute ein. Er sprach mit dem Bürgermeister, dessen Frau von den Wassermassen mitgerissen wurde und seitdem vermisst wird.>



<Im AKW Fukushima wurden die Leichen von zwei AKW-Arbeiter gefunden. Die Versuche, den Riss im Reaktor zu reparieren sind gescheitert.>

[Die Chronologie]:

08:22
Bei Gemüse und Meeresfrüchten aus der Umgebung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima sind radioaktive Substanzen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte gemessen worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

In Fukushima sei bei 33 von 49 Gemüse- und Obstsorten Cäsium und Jod festgestellt worden, deren Werte jedoch unter der Höchstgrenze für Lebensmittel liege. Es könne möglich sein, dass die Ausbreitung radioaktiver Substanzen nachlasse, wurde ein Vertreter des Gesundheitsministeriums zitiert.

Cäsium sei auch in fünf Meeresfrüchten vor der Küste der Nachbarprovinz Ibaraki gefunden worden, aber auch hier hätten die Messwerte deutlich unter der gesetzlichen Grenze gelegen.

08:27
Zwei vermisste Arbeiter in dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 sind tot aufgefunden worden. Sie seien nach Einschätzung der Polizei scheinbar Opfer des Tsunami geworden und ertrunken, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Sonntag.

Die beiden zwischen 20 und 30 Jahre alten Angestellten der Betreibergesellschaft Tepco wurden seit dem schweren Erdbeben und Tsunami vom 11. März vermisst, hiess es unter Berufung auf Tepco.

Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wurden die Leichen der beiden Männer auf dem Gelände der Atomruine Fukushima gefunden.

Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda sagte, die beiden Leichen seien bereits am Mittwoch gefunden worden und hätten zunächst dekontaminiert werden müssen. Aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen habe man den Leichenfund erst jetzt bekannt gegeben.

08:35
Die von der Schweiz wegen der Atomkatastrophe verschärften Importkontrollen japanischer Produkte sowie abgesagte Japan-Flüge seien Überreaktionen. Es gebe keinen Anlass dafür, sagte Japans Botschafter in der Schweiz, Ichiro Komatsu, in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag».

09:14
Aus dem zerstörten Kernkraftwerk Fukushima könnte nach Einschätzung der Regierung noch monatelang Radioaktivität entweichen. Es werde möglicherweise mehrere Monate dauern, bis die Lecks gestopft seien, sagte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag.

Japan könne einen «langen Kampf» gegen die Atomkrise nicht vermeiden, sagte Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Arbeiter in dem AKW versuchten unterdessen weiter, ein Leck im Kabelschacht eines Turbinengebäudes zu stoppen.

10:30
«Es schmerzt uns, diese beiden jungen Arbeiter verloren zu haben, als sie versuchten, das Kraftwerk zu schützen, als es vom Erdbeben und vom Tsunami getroffen wurde», erklärte der Tepco-Vorstandsvorsitzende Tsunehisa Katsumata zum Tod der beiden AKW-Arbeiter.

10:35
Neues zum 20 Zentimeter langen Riss im Reaktor 2: Die Atomsicherheitsbehörde Nisa untersucht derzeit, ob der Riss vom Erdbeben verursacht wurde. Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama sagte, der Schacht unterliege noch nicht den strengen Sicherheitsnormen wie andere Teile des Reaktorgebäudes. «Selbst wenn ein Riss im Schacht vom Beben verursacht wurde, mussten die Reaktoren der Erschütterung standhalten», sagte er.

Bis Sonntag wurden keine weiteren Lecks und Risse in den Reaktorblöcken entdeckt, die radioaktives Wasser in den Ozean gelangen lassen. «Wir glauben, das ist der einzige Riss», sagte Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda.

12:00
Den Technikern im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist es auch im zweiten Anlauf nicht gelungen, einen Riss in einem Reaktorschacht abzudichten. Ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde erklärte, das eingesetzte Kunstharz habe die Quelle schwere radioaktiver Kontamination noch nicht schliessen können. Die Ingenieure hätten jedoch noch nicht aufgegeben und sollten bis Montag wissen, ob ihr Plan funktioniere. Das Leck war am Samstag entdeckt worden.>

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n-tv online, Logo

Fukushima 1 am 2.4.2011: Das Strahlenwasser läuft direkt ins Meer

aus: n-tv online: kan besucht Fukushima - verstrahltes Wasser läuft direkt ins Meer; 2.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Verstrahltes-Wasser-laeuft-direkt-ins-Meer-article3001716.html

<Die Situation im havarierten Unglücksreaktor Fukushima 1 ist katastrophal - und wird sich demnächst auch nicht entscheidend zum Besseren wenden. In einer Reaktorwand klafft ein 20 Zentimeter langer Riss, aus dem radioaktives Wasser direkt ins Meer sickert. Japans Regierungschef Kan reist erstmals ins Katastrophengebiet.

Aus einem Reaktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima fließt radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Grund sei ein 20 Zentimeter langer Riss in der Wand von Reaktorwand 2, teilte die Betreibergesellschaft Tepco mit. Es sei eine Strahlung von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen woden. Die natürliche Strahlenbelastung liegt zwischen einem und zehn Millisievert pro Jahr.

Demnach befindet sich der Riss in der Wand einer zwei Meter tiefen Grube für Stromkabel unter Block 2. Darin stand das Wasser laut Tepco 10 bis 20 Zentimeter hoch. Nach Angaben der japanischen Atomaufsicht will Tepco Beton in das Reaktorinnere pumpen, um das Leck zu stopfen.

Kernschmelze wird verschwiegen

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz steigt das Risiko an Krebs zu erkranken um zehn Prozent, wenn man eine Stunde lang mit 1000 Millisievert oder 1 Sievert bestrahlt wird. Greenpeace-Sprecher Karsten Smid bezeichnete die Werte als "lebensbedrohlich". Bei einer mehrstündigen Belastung drohe die Strahlenkrankheit - etwa mit Erbrechen, Übelkeit und Haarausfall als ersten Symptomen.

Im Moment werde von radioaktivem Jod im Meer berichtet, sagte Smids Greenpeace-Kollege Wolfgang Sadik. "Bei einem Sievert kann aber nicht nur Jod drin sein." Die Umweltorganisation vermutet, dass auch Elemente mit einer längeren Halbwertszeit wie Cäsium oder Plutonium bereits ins Wasser gelangten.

Greenpeace ist Sadik zufolge zudem beunruhigt, weil nach Angaben aus Japan außerhalb der Reaktoren wohl auch nach Zirkonium gesucht werde. Das Element sei in den Brennelemente-Hüllen enthalten. "Wenn man danach sucht, heißt das, man sucht nach Spuren des geschmolzenen Kerns", sagte der Umweltexperte.

Radioaktives Wasser wird abgepumpt

Der Betreiber Tepco setzte unterdessen die Arbeiten zur Beseitigung radioaktiv verseuchten Wassers im zerstörten Kernkraftwerk Fukushima Eins fort. Zu diesem Zweck wird das unter dem Turbinengebäude des Reaktors 1 angesammelte Wasser in einen Tank geleitet, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete.

Das radioaktive Wasser behindert die Versuche, das Kühlsystem des AKW wieder in Gang zu bringen. Am Sonntag sollen Tests zum Besprühen der Anlage mit Harz zur Eindämmung der Strahlen fortgesetzt werden. Das Ergebnis eines ersten Versuchs wird derzeit geprüft. Demnach sollen in zwei Wochen 60.000 Liter versprüht werden.

Entschädigung für Lebensgefahr

Nach Einschätzung des Generaldirektors der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukio Amano, wird die Krise in Fukushima noch lange andauern. "Es wird mehr Zeit brauchen, als die Menschen denken" bis alles normal werde, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo Amano. Der IAEA-Chef bekräftigte, dass die Situation im havarierten Kernkraftwerk Fukushima Eins weiterhin sehr ernst sei.

Zwei Experten sollen sich von Montag an mit japanischen Fachleuten beraten. Davon erhoffe sich die UN-Unterorganisation Informationen aus erster Hand.

In seinem verzweifelten Kampf gegen den Super-GAU will der größte asiatische Stromanbieter jetzt auch sogenannte Springer einsetzen. Dabei handelt es sich um Arbeiter aus anderen Firmen, die für besonders riskante Tätigkeiten mit umgerechnet bis zu 3500 Euro pro Schicht entlohnt werden sollen. "Meine Firma bot mir 200.000 Yen (1670 Euro) den Tag", zitierte die Wochenzeitung "Post" einen 30 Jahre alten Arbeiter. "Normalerweise wäre das ein Traumjob, aber meine Frau fing an zu weinen, und darum habe ich abgelehnt."

Kan besucht Katastrophenregion

Drei Wochen nach dem verheerenden Beben besuchte nun auch Ministerpräsident Naoto Kan das Katastrophengebiet. Er landete mit einem Militärhubschrauber in der Hafenstadt Rikuzentakata, die durch die Naturgewalten schwer verwüstet wurde.

"Es ist ein etwas langer Kampf, aber die Regierung wird ihnen bis zum Ende beistehen und ihr Bestes tun, bleiben auch Sie bitte zäh", sagte Kan zu einer Gruppe von Feuerwehrmännern. Anschließend reiste er nach Fukushima weiter. Dabei traf er bei der Operationsbasis "J- Village" Station, einem etwa 20 Kilometer von dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins gelegenen Sportplatz Arbeiter, die weiter verzweifelt versuchen, das Atom-Unglück unter Kontrolle zu bekommen.

Offenbar denkt die japanische Regierung inzwischen über eine Umsiedlung von Menschen aus den vom Tsunami zerstörten Küstengebieten nach. Unter anderem werde die Möglichkeit erwogen, dort Landflächen und Grundstücke aufzukaufen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Regierungskreise. Die Bewohner könnten in höher gelegene Gebiete ziehen, die Wohnviertel an der Küste komplett aufgegeben werden.

Allerdings dürfte eine solche Massen-Umsiedlung auf den Widerstand der Bevölkerung treffen, hieß es. Viele der Menschen seien alt und wollten nicht wegziehen. Zudem wäre ein solches Unterfangen eine erhebliche Belastung für den ohnehin schon hochverschuldeten Staat, hieß es weiter.

Außenminister Westerwelle verspricht Hilfe

Bei einem Besuch in Japan bekundete Außenminister Guido Westerwelle die Solidarität Deutschlands mit dem Land. Auch versprach er Hilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau. "Auch da kann sich Japan auf Deutschland als Partner verlassen", sagte Westerwelle nach einem Gespräch mit seinem japanischen Amtskollegen Takeaki Matsumoto. Matsumoto versprach der internationalen Gemeinschaft "größte Transparenz" bei der Aufklärung der Reaktorkatastrophe in Fukushima.

rts/dpa/AFP>


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Basler Zeitung online, Logo

Fukushima 1 am 2.4.2011: Ein Stahltank soll das radioaktive Wasser abfangen

aus: Basler Zeitung online: 165'000 Japaner leben noch immer in Notunterkünften; 2.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/165000-Japaner-leben-noch-immer-in-Notunterkuenften/story/16678466?dossier_id=885

<Aus dem havarierten Atomkraftwerk in Fukushima läuft derzeit hoch radioaktives Wasser in den Pazifik. Nun soll ein gigantischer Stahltank das verseuchte Wasser abfangen.

Radioaktives Wasser tritt aus Riss aus

Aus einem Riss des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi sickert hoch radioaktives Wasser in den Pazifik. In der Luft über dem Leck seien Strahlungswerte von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen worden, teilte die Atomsicherheitsbehörde mit. Das Wasser tritt demnach aus einem etwa 20 Zentimeter langen Riss in der Schutzhülle einer Grube aus. Der AKW-Betreiber Tepco bestätigte die Angaben.

Der Riss «könnte eine der Quellen für die Kontaminierung des Meerwassers sein», erklärte der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama. Zugleich räumte er ein, dass es in dem Gebiet noch weitere, ähnliche Risse geben könne. Diese gelte es so schnell wie möglich zu finden. Die Strahlenwerte im Wasser in der Nähe des Reaktors und in einem Umkreis von 15 Kilometern würden ständig überprüft, betonte Nishiyama.

Radioaktives Wasser wird rasch verdünnt

Tepco-Sprecher Osamu Yokokura sagte, der Riss gehe wahrscheinlich auf das schwere Erdbeben vom 11. März zurück. Möglicherweise trete schon seit dem Unglück vor drei Wochen Wasser aus. Experten zufolge wird das verstrahlte Wasser in den Weiten des Pazifiks rasch verdünnt, sodass auch grössere Mengen kaum Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Radioaktives Jod 131 in Konzentrationen deutlich über dem Grenzwert war im Meer nahe dem Atomkraftwerk schon vor mehr als einer Woche entdeckt worden. Am Samstag veröffentlichte Messergebnisse zeigten, dass sich die Radioaktivität im Meer bis zu 40 Kilometer in südlicher Richtung ausbreitete. Die Jod-Konzentration dort war doppelt so hoch wie zulässig. Die Behörden betonten jedoch, trotzdem bestehe keine Gefahr für die menschliche Gesundheit.

Klebeband soll vor Radioaktivität schützen

Ein Mitarbeiter des Kraftwerks schilderte in einem Interview die schwierigen Bedingungen im Inneren der Anlage. So gebe es nicht genügend Schutzstiefel, die Arbeiter dort über ihre Schuhe ziehen, sagte der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte, der Zeitung «Mainichi». Stattdessen würden sie nun Plastiktüten nehmen und mit Klebeband sichern. Auf dem gesamten Gelände lägen tote Fische, die der Tsunami mitgerissen habe.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan besuchte unterdessen erstmals das Katastrophengebiet im Nordosten des Landes und versprach den Opfern Hilfe. Seine erste Station war die 20'000 Einwohner zählende Stadt Rikuzentakata, die von der Flutwelle vor drei Wochen verwüstet wurde. Vor dem schwer beschädigten Rathaus legte Kan eine Schweigeminute ein. Er sprach mit dem Bürgermeister, dessen Frau von den Wassermassen mitgerissen wurde und seitdem vermisst wird.

Tsunami-Opfer fordern mehr Aufmerksamkeit

«Es wird ein langer Weg sein, aber die Regierung ist bei euch», sagte der Regierungschef laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zu Feuerwehrleuten und Behördenvertretern. «Wir sollten uns alle nicht unterkriegen lassen.» Kan besuchte auch eine Schule, die inzwischen als Notunterkunft dient. «Die Regierung unterstützt euch umfassend bis zum Schluss», sagte er vor 250 Evakuierten.

Mehrere Opfer kritisierten, Kan widme den Opfern nicht genug Aufmerksamkeit. «Die Regierung konzentriert sich zu sehr auf das Fukushima-Kraftwerk und weniger auf die Tsunami-Opfer», erklärte die 35 Jahre alte Megumi Shimanuki, die mit ihrer Familie in einer Notunterkunft lebt. Sowohl die Atomkatastrophe als auch das Schicksal der Tsunami-Überlebenden verdiene Aufmerksamkeit. Kan kehrte am Nachmittag nach Tokio zurück. Mehr als 165'000 Menschen sind noch immer in Notunterkünften untergebracht.
(dapd)

Bild: Der zweijährige Yuya in einer Notunterkunft in Koriyama. (2. April)>


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20 minuten online,
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3.4.2011: 2 Arbeiter in Fukushima 1 tot aufgefunden als Opfer des Tsunamis - Schweiz verschärft Kontrolle von Importen aus Japan und sagt Japan-Flüge ab - monatelange "Arbeiten" - Kritik an der Informationspolitik

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Reaktoren noch monatelang beschädigt; 2.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Reaktoren-noch-monatelang-beschaedigt-25960439

Adrian Eng

08:27
Zwei vermisste Arbeiter in dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 sind tot aufgefunden worden. Sie seien nach Einschätzung der Polizei scheinbar Opfer des Tsunami geworden und ertrunken, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Sonntag.

Die beiden zwischen 20 und 30 Jahre alten Angestellten der Betreibergesellschaft Tepco wurden seit dem schweren Erdbeben und Tsunami vom 11. März vermisst, hiess es unter Berufung auf Tepco.

Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wurden die Leichen der beiden Männer auf dem Gelände der Atomruine Fukushima gefunden.

Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda sagte, die beiden Leichen seien bereits am Mittwoch gefunden worden und hätten zunächst dekontaminiert werden müssen. Aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen habe man den Leichenfund erst jetzt bekannt gegeben.

08:35
Die von der Schweiz wegen der Atomkatastrophe verschärften Importkontrollen japanischer Produkte sowie abgesagte Japan-Flüge seien Überreaktionen. Es gebe keinen Anlass dafür, sagte Japans Botschafter in der Schweiz, Ichiro Komatsu, in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag».

09:14
Aus dem zerstörten Kernkraftwerk Fukushima könnte nach Einschätzung der Regierung noch monatelang Radioaktivität entweichen. Es werde möglicherweise mehrere Monate dauern, bis die Lecks gestopft seien, sagte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag.

Japan könne einen «langen Kampf» gegen die Atomkrise nicht vermeiden, sagte Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Arbeiter in dem AKW versuchten unterdessen weiter, ein Leck im Kabelschacht eines Turbinengebäudes zu stoppen.

10:30
«Es schmerzt uns, diese beiden jungen Arbeiter verloren zu haben, als sie versuchten, das Kraftwerk zu schützen, als es vom Erdbeben und vom Tsunami getroffen wurde», erklärte der Tepco-Vorstandsvorsitzende Tsunehisa Katsumata zum Tod der beiden AKW-Arbeiter.

10:35
Neues zum 20 Zentimeter langen Riss im Reaktor 2: Die Atomsicherheitsbehörde Nisa untersucht derzeit, ob der Riss vom Erdbeben verursacht wurde. Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama sagte, der Schacht unterliege noch nicht den strengen Sicherheitsnormen wie andere Teile des Reaktorgebäudes. «Selbst wenn ein Riss im Schacht vom Beben verursacht wurde, mussten die Reaktoren der Erschütterung standhalten», sagte er.

Bis Sonntag wurden keine weiteren Lecks und Risse in den Reaktorblöcken entdeckt, die radioaktives Wasser in den Ozean gelangen lassen. «Wir glauben, das ist der einzige Riss», sagte Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda.

12:00
Den Technikern im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist es auch im zweiten Anlauf nicht gelungen, einen Riss in einem Reaktorschacht abzudichten. Ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde erklärte, das eingesetzte Kunstharz habe die Quelle schwere radioaktiver Kontamination noch nicht schliessen können. Die Ingenieure hätten jedoch noch nicht aufgegeben und sollten bis Montag wissen, ob ihr Plan funktioniere. Das Leck war am Samstag entdeckt worden.

12:09
Die Arbeiten an dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi können sich nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde Nisa noch mehrere Monate hinziehen. Solange werde es dauern, die Anlage unter Kontrolle zu bringen, erklärte Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama.

12:28 (MEZ)
Unterdessen wird die Kritik an der japanischen Regierung lauter. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, in der das Atomkraftwerk steht, rügte die Informationspolitik der nationalen Atomaufsichtsbehörde. Die Angaben zur Radioaktivität landwirtschaftlicher Produkte aus der Region seien zu spät veröffentlicht worden, sagte Yuhei Sato nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo.

«Können Sie die Zahl der Prüfer nicht erhöhen?», fragte Sato. «Die Leben der Bauern stehen auf dem Spiel. Die Frage ist, ob sie morgen leben können.»

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n-tv online, Logo

Fukushima 1 am 3.4.2011: Wind weht radioaktive Partikel nach Tokio - aber Regen soll es keinen geben

aus: n-tv online: Wind weht radioaktive Partikel nach Tokio; 3.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Wind-weht-radioaktive-Partikel-nach-Tokio-article2810866.html

<Drehender Wind wird in den nächsten Tagen radioaktive Partikel aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima nach Tokio wehen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet damit, dass Partikel bis Mittwoch die Millionenmetropole erreichen. Bislang trug der Wind die strahlenbelasteten Teilchen auf den Pazifik hinaus. Weil es trocken bleiben soll, gehen die Experten davon aus, dass kein radioaktiver Niederschlag fällt.>

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Basler Zeitung online, Logo

3.4.2011: Fukushima 1 bleibt undicht - <Japans Behörden starten Massenevakuierung>

aus: Basler Zeitung online; 3.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Japans-Behoerden-starten-Massenevakuierung/story/10078970?dossier_id=885

<Den Arbeitern gelang es nicht, ein Leck abzudichten, aus dem radioaktives Wasser sickert. Inzwischen wurden in Fukushima zwei tote Techniker gefunden, die als vermisst galten.

Arbeiter konnten AKW-Leck nicht versiegeln

Erstmals ist an der Atomruine Fukushima ein Riss gefunden worden, aus dem hochradioaktives Wasser ins Meer sickert. Bis Sonntagabend gelang es den Arbeitern aber nicht, das Leck zu versiegeln. Der 20 Zentimeter lange Spalt in einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor 2 war am Tag zuvor entdeckt worden.

Zudem wurden auf dem AKW-Gelände am Wochenende die Leichen zweier Arbeiter gefunden. Die Männer waren bei dem Tsunami vor mehr als drei Wochen gestorben. Sie hatten am Block 4 gearbeitet. Die Leichen der 24 und 21 Jahre alten Angestellten wurden Angehörigen übergeben. Die bei ihnen gemessene Strahlung sei unproblematisch, hiess es.

Versuche, das entdeckte Leck mit Beton und wasserabweisendem Kunststoff abzudichten, schlugen am Wochenende fehl. Der Betreiber Tepco bestätigte, dass Wasser mit einer Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde ins Meer geflossen sei. Zudem wurde radioaktives Jod-131 erstmals mit einer Strahlung doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert 40 Kilometer vom AKW entfernt im Meer nachgewiesen.

Greenpeace bezeichnet Strahlung als lebensbedrohlich

Die gemessene Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde bezeichnete Greenpeace-Experte Wolfgang Sadik als «lebensbedrohlich».

Erstmals seit Beginn der Katastrophe haben die Regierung und Tepco die Radioaktivität in der Luft innerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW gemessen. Dabei wurden nach ersten Informationen Werte von bis zu 0,05 Millisievert pro Stunde ermittelt, wie der Fernsehsender NHK berichtete.

Radioaktive Partikel über Tokio

Für die kommenden Tage wird damit gerechnet, dass drehender Wind radioaktive Partikel aus Fukushima nach Tokio weht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass Partikel bis Mittwoch die Millionenmetropole erreichen.

Bislang trug der Wind die strahlenbelasteten Teilchen auf den Pazifik hinaus. Zunehmender Nordwestwind treibe sie aber jetzt vom Meer aus Richtung Tokio, sagte ein DWD-Sprecher am Sonntag. Vor allem tagsüber wehe der Wind Richtung Festland. Weil es trocken bleiben soll, gehen die Experten davon aus, dass kein radioaktiver Niederschlag fällt.

Kritik wird lauter

Unterdessen wird die Kritik lauter: Vor der Tepco-Zentrale demonstrierten dutzende Bürger. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, in der das AKW steht, rügte die Informationspolitik der nationalen Atomaufsichtsbehörde. Die Angaben zur Radioaktivität landwirtschaftlicher Produkte aus der Region seien zu spät veröffentlicht worden, sagte Yuhei Sato nach einem Kyodo-Bericht.

Auch Ministerpräsident Naoto Kan geriet in die Kritik, weil er am Samstag zum ersten Mal seit der Naturkatastrophe und inzwischen mehr als 12'000 Toten ins Krisengebiet reiste. Dabei suchte er lediglich einen Ort auf und verbrachte wenig Zeit mit den Opfern - gerade einmal 20 Minuten. Kan sprach den Überlebenden Mut zu.

Am 11. März war einem starken Erdbeben eine Flutwelle gefolgt, die nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Universität Tokio an einigen Orten knapp 38 Meter hoch gewesen sein soll. Mehr als drei Wochen später wurden nach Polizeiangaben noch immer 15'472 Menschen vermisst. Tausende japanische und US-amerikanische Soldaten waren am Wochenende auf der Suche nach weiteren Opfern.

Zwei grosse japanische Hilfsorganisationen sammelten nach Kyodo-Angaben für die von der Naturkatastrophe getroffenen Menschen Spenden in Höhe von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Franken.

Regierung erwägt Umsiedlung

Die japanische Regierung denkt derweil über eine Umsiedlung von Menschen aus den vom Tsunami zerstörten Küstengebieten nach. Unter anderem werde erwogen, dort Landflächen und Grundstücke aufzukaufen, meldete die Agentur Kyodo unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Bewohner könnten in höher gelegene Gebiete ziehen, die Wohnviertel an der Küste komplett aufgegeben werden. In anderen Regionen, wo ein Wiederaufbau möglich scheint, solle auch die Privatwirtschaft helfen.

In der Hafenstadt Minamisanriku starteten die Behörden am Sonntag eine Massenevakuierung. 1100 Menschen, die durch die Tsunamikatastrophe obdachlos wurden, mussten wegen der schwierigen Unterbringungs- und Versorgungslage in andere Städte verlegt werden. (sda/afp)>

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Welt online, Logo

Fukushima 1 am 3.4.2011: Der Riss in Reaktor 2 bleibt offen - die radioaktive Verseuchung steigt auf dem Land und im Meer weiterhin an - Demonstrationen - Umsiedlungen in Planung

aus: Welt online: Radioaktive Strahlung erreicht die Sperrzone; 3.4.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13058920/Radioaktive-Strahlung-erreicht-die-Sperrzone.html



[Text einer Bilderfolge]:

<Riss im Atomreaktor Fukushima 1

Nach dem Erdbeben vom 11. März gibt es zahlreiche zerstörte und undichte Stellen in der Atomruine Fukushima 1. Aus einem Riss im Reaktorkeller sickert verstrahltes Wasser ins Meer. Die Betreiber-Gesellschaft Tepco hat damit begonnen, die Anlage mit Harz zu besprühen. Das soll der Eindämmung der Strahlen dienen. Unterdessen reiste Ministerpräsident Naoto Kan (2. v. l.) drei Wochen nach der Katastrophe mit inzwischen mehr als 11.800 Toten erstmals in das Krisengebiet.>

[Text einer weiteren Bilderfolge]:

<[Der Riss in Reaktor 2 von Fukushima 1]: Radioaktives Wasser fließt weiter aus AKW Fukushima heraus

Leck in Fukushima: Aus Reaktor 2 fließt weiter radioaktiv verseuchtes Wasser. Der Riss in Reaktor 2 soll mit Beton geschlossen werden. Auf diesem Stahlfloß soll das verseuchte Wasser zwischengelagert werden. Der Erfolg ist fraglich.>


<Die erste Messung in der Sperrzone zeigt viel zu hohe Werte. Auch im Meer steigt die Strahlung massiv. Die Lage ist außer Kontrolle – Tepco überfordert.

Erstmals ist an der Atomruine Fukushima ein Riss gefunden worden, aus dem hochradioaktives Wasser ins Meer sickert. Bisher gelang es den Arbeitern aber trotz mehrerer Versuche nicht, das Leck zu versiegeln. Der 20 Zentimeter lange Spalt klafft in einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor 2. Die Regierung warnte, dass es Monate dauern könnte, das Leck zu schließen.

Versuche, das entdeckte Leck mit Beton und Kunststoff abzudichten, schlugen am Wochenende fehl. Auch Sägespäne und zerschreddertes Zeitungspapier halfen nicht. Der Betreiber Tepco bestätigte, dass Wasser mit einer Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde ins Meer geflossen sei. Zudem wurde radioaktives Jod-131 erstmals mit einer Strahlung doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert 40 Kilometer vom AKW entfernt im Meer nachgewiesen.

Regierungssprecher Yukio Edano kündigte einen „langen Kampf“ gegen die Atomkrise an. Es werde möglicherweise mehrere Monate dauern, bis die Lecks gestopft seien. „Was soll nur aus unserem Leben nun werden“, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press einen Fischer in der angrenzenden Katastrophenprovinz Ibaraki. „Wenn die Leute auch nur „Fisch aus Ibaraki“ hören, werde ich ihn nicht verkaufen können.“

[Der Wind dreht in Richtung Tokio]

Schlechte Nachrichten auch für die Millionenstadt Tokio: Drehender Wind wird in den nächsten Tagen radioaktive Partikel aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima zur Hauptstadt wehen. Die Partikel sollten die Metropole Dienstag und Mittwoch erreichen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit.

[50 Mikrosievert pro Stunde innerhalb der Sperrzone von 20 km]

Erstmals seit Beginn der Katastrophe haben die Regierung und Tepco die Radioaktivität in der Luft innerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW gemessen. Dabei wurden nach ersten Informationen Werte von bis zu 50 Mikrosievert – 0,05 Millisievert – pro Stunde ermittelt, wie der Fernsehsender NHK berichtete.

[Demonstrationen gegen Tepco - zögerliche landwirtschaftliche Kontrollen]

Unterdessen wird die Kritik an Tepco und der Regierung immer lauter: Vor der Unternehmenszentrale demonstrierten am Wochenende Dutzende Bürger. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, in der das AKW steht, rügte die Informationspolitik der nationalen Atomaufsichtsbehörde. Die Angaben zur Radioaktivität landwirtschaftlicher Produkte aus der Region seien zu spät veröffentlicht worden, sagte Yuhei Sato nach einem Kyodo-Bericht. „Können Sie die Zahl der Prüfer nicht erhöhen?“, fragte Sato. „Das Leben der Bauern steht auf dem Spiel. Die Frage ist, ob sie morgen leben können.“

[Der Präsident von Japan will keine Opfer sehen]

Ein Beamter der Behörde entgegnete lediglich: „Ich habe verstanden.“ Anschließend habe er Journalisten erklärt, es gebe nicht genügend Materialien für die Tests in der Präfektur. Auch Ministerpräsident Naoto Kan geriet in die Kritik, weil er am Samstag zum ersten Mal seit der Naturkatastrophe und inzwischen mehr als 12.080 Toten ins Krisengebiet reiste. Dabei suchte er lediglich einen Ort auf und verbrachte wenig Zeit mit den Opfern – gerade mal 20 Minuten.

Kan sprach den Überlebenden Mut zu. Feuerwehrmännern in der Region sagte er: „Es ist ein etwas langer Kampf, aber die Regierung wird Ihnen bis zum Ende beistehen und ihr Bestes tun, bleiben auch Sie bitte zäh.“ Am 11.März war einem Mega-Beben eine Flutwelle gefolgt, die nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Universität Tokio an einigen Orten knapp 38 Meter hoch gewesen sein soll. Nach Polizeiangaben werden noch immer 15 552 Menschen vermisst.

[Sucher - Spendengelder]

Tausende japanische und US-amerikanische Soldaten waren am Wochenende auf der Suche nach weiteren Opfern. Zwei große japanische Hilfsorganisationen sammelten nach Kyodo-Angaben für die von der Naturkatastrophe getroffenen Menschen Spenden in Höhe von umgerechnet fast einer Milliarde Euro.

Die größte Einzelspende kam mit umgerechnet mehr als 83,5 Millionen Euro vom Präsidenten der Softbank, Masayoshi Son. Er will nach Mitteilung des Instituts auch sein gesamtes Gehalt zugunsten von Waisenkindern spenden, das er vom Geschäftsjahr 2011 bis zu seinem Ausstieg verdient.

[Westerwelle]

Außenminister Guido Westwelle (FDP) bot bei einer Stippvisite seinem Amtskollegen Takeaki Matsumoto Hilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau an. Westerwelle sagte: „Wir haben Hilfe angeboten, werden sie aber nicht aufdrängen.“ Matsumoto versprach der internationalen Gemeinschaft „größte Transparenz“ bei der Aufklärung der Reaktorkatastrophe.

[Umsiedlung geplant]

Japans Regierung denkt derweil über eine Umsiedlung von Menschen aus den vom Tsunami zerstörten Küstengebieten nach. Unter anderem werde erwogen, dort Landflächen und Grundstücke aufzukaufen, meldete Kyodo unter Berufung auf Regierungskreise. Die Bewohner könnten in höher gelegene Gebiete ziehen, die Wohnviertel an der Küste komplett aufgegeben werden. In anderen Regionen, wo ein Wiederaufbau möglich scheint, solle auch die Privatwirtschaft helfen.

dpa/jw>

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Spiegel online, Logo

3.4.2011: Der schwere Atom-Ausstieg für Dumm-Merkel-Deutschland

aus: Spiegel online: Ausstieg aus Kernkraft: Schwerer Abschied von der Atomrepublik; 3.4.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754757,00.html

<Von Stefan Schultz

Demonstration "Energiewende jetzt"
                    vor dem Brandenburger Tor, 3.4.2011 ca.
Demonstration "Energiewende jetzt" vor dem Brandenburger Tor, 3.4.2011 ca. [1]

<DPA

Energiewende-Demo vor dem Brandenburger Tor: Schwieriger Atomkonsens

Raus aus der Kernkraft! Über diesen Kurs sind sich alle Parteien einig. Doch damit die Vision wahr wird, ist eine radikale Wende nötig, mit weitreichenden Folgen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschland braucht den ganz großen Energiekonsens - eine Skizze, wie dieser aussehen könnte.

Info
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Hamburg - Schneller, strenger, konsequenter: Im politischen Berlin läuft ein spektakuläres Wettrennen. Fünf Parlamentsparteien versuchen sich gegenseitig mit Ankündigungen zur Atompolitik zu überbieten. Egal ob Wirtschafts-Falke oder Oberöko - jeder will der größte AKW-Ausknipser sein.

Doch um aus der Kernenergie auszusteigen, reicht es bei weitem nicht, dass alle beteuern: "Wir wollen raus!" Der Atomausstieg erfordert einen Umbau historischen Ausmaßes. Es bedarf einer Weiterentwicklung der Energieversorgung, die die Fundamente der deutschen Gesellschaft verändert. Nötig sind:

Der geplante Umbau des Energiesystems zwingt Stromkonzerne und Industrien mit hohem Elektrizitätsverbrauch zu neuen Strategien; drängt die Parteien zu neuen Koalitions-Planspielen; auch wird die Energierevolution dem Bürger finanzielle Opfer abverlangen, ehe sie sich später bezahlt macht.

Vom Atomkonsens zum Energiekonsens

Das alles erfordert einen neuen Energiekonsens. " Atomkraft - nein danke!" reicht nicht. In den Köpfen der Menschen muss mehr bewegt werden. Möglichst viele müssen das Ausmaß der nötigen Änderungen begreifen. Kanzlerin und Umweltminister warben am Wochenende schon mal in Interviews für das große Ganze.

Sie werden noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn die Republik steht vor einer Debatte, die mindestens ebenso kompliziert ist wie der Weg zum sogenannten Atomkonsens, den Rot-Grün am 14. Juni 2000 verkündete. Damals einigten sich die Regierung und die vier großen Energieversorger auf einen Zeitplan für den Ausstieg aus der Atomenergie bis Anfang der zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts - gegen den Willen von CDU, CSU, FDP, gegen den Willen zahlreicher Unternehmen und eines Teils der Gesellschaft.

Der Beschluss war spektakulär genug, ein Konsens aber war er nur bedingt. Am Ende reichte es trotzdem für ein Atomausstiegsgesetz.

Jetzt, elf Jahre später, steht Deutschland erneut am Wendepunkt. Und es stellt sich die Frage, wie groß der gesellschaftliche Konsens dieses Mal sein muss.>

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Fukushima 1 am 4.4.2011: Verstrahltes Wasser bedroht den Pazifik

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Verseuchtes Wasser bedroht den Pazifik; 4.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/22691346

<Rund 10 Millionen Liter stark verseuchtes Wasser will Tepco ins Meer pumpen - um für noch stärker belastetes Wasser Platz zu machen. Die japanische Regierung befürchtet katastrophale Folgen für das Meer.
Während die Arbeiter im havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi weiterhin auf der Suche nach Lecks sind, haben ihre Kollegen am Montag rund

10 000 Tonnen - also 10 Millionen Liter - kontaminiertes Wasser ins Meer gepumpt, wie Kraftwerksbetreiber Tepco am Montag mitteilte. Die von dem Wasser ausgehende Strahlung soll das 500-fache der erlaubten Höchstgrenze betragen haben.

Die dadurch freigewordenen Staubecken sollen nun noch stärker kontaminiertes Wasser aus den Reaktorgebäuden aufnehmen. Die Regierung habe dem zugestimmt, da es sich um eine unvermeidliche Notfallmassnahme handle, sagte Kabinettssekretär Yukio Edano. Weitere 1500 Tonnen Wasser sollen aus einem Graben unter den Reaktoren 5 und 6 abgepumpt werden.

Katastrophale Folgen befürchtet

Gern unternimmt man diesen Schritt offenbar nicht. Bereits das weniger stark verstrahlte Wasser könne katastrophale Auswirkungen auf den Pazifik haben, wenn weiterhin radioaktiv verseuchte Substanzen ins Meer strömen. «Wir müssen die Ausbreitung in den Ozean so bald wie möglich stoppen», sagte Regierungssprecher Yukio Edano. «Wenn die gegenwärtige Lage mit der Anreicherung radioaktiver Substanzen über lange Zeit anhält, wird es riesige Auswirkungen auf den Ozean haben», sagte Edano. Die Betreiberfirma Tepco forderte er auf, schnell zu handeln.

Mit einem milchig-weissen Farbstoff versuchen die Arbeiter Lecks zu finden, durch die radioaktiv kontaminiertes Wasser unkontrolliert ins Meer fliesst. Am Wochenende war bereits ein rund 20 Zentimeter langer Riss in einem Wartungsschacht entdeckt worden. Versuche, das Leck mit Beton und Kunstharz zu verschliessen, schlugen offenbar fehl. Vermutlich, weil anderswo weitere Lecks bestehen. Das dadurch entweichende Wasser weist eine Konzentration an radioaktivem Jod auf, die das 10 000-fache der zulässigen Höchstkonzentration entspricht.

Mit Badezusatz gegen Atomlecks

Mit dem Farbstoff sollen nun die Wege des Wassers nachvollzogen werden. Arbeiter hätten dazu kiloweise Salze ins Wasser geschüttet, die normalerweise dafür benutzt würden, Badewasser eine milchig-blaue Farbe zu verleihen, teilte Tepco am Montag mit. Es könne noch weitere Wege geben, durch die Wasser ausfliesse, sagte Hidehiko Nishiyama, Sprecher der Atomsicherheitsbehörde. «Wir müssen das sorgfältig beobachten und es so schnell wie möglich eindämmen.»

Das Wasser, das von den Einsatzkräften als Notmassnahme in die Reaktorgebäude gepumpt wurde, um die von Überhitzung bedrohten Reaktoren zu kühlen, hat sich in den Gebäuden angestaut und verhindert nun die Wiederinbetriebnahme der eigentlichen Kühlsysteme. Vermutlich werde es noch Monate dauern, bis die Kühlsysteme wieder voll funktionsfähig seien, sagten am Sonntag Vertreter der japanischen Regierung. Und selbst danach werde es noch jahrelange Arbeiten erfordern, um die Gebiete rund um das Kraftwerk zu dekontaminieren.

Notmassnahmen erschweren Wiederherstellung der Kühlung

Die behelfsmässige Kühlung macht es schwierig, das kontaminierte Wasser am Auslaufen zu hindern. «Auch wenn wir wissen, dass es Nebeneffekte wie die Lecks gibt, müssen wir weiter Wasser in die Reaktoren pumpen, um sie zu kühlen und weitere Schäden an den Brennstäben zu verhindern», sagte Nishiyama. «Wir wollen das angestaute Wasser loswerden und den Ort dekontaminieren, damit wir uns wieder unserer wichtigsten Aufgabe widmen können, der schnellstmöglichen Wiederherstellung einer stabilen Kühlung.»

«Obwohl die Kontamination im Ozean schnell verdünnt wird, wird die Zahl der radioaktiven Partikel immer grösser je länger das weitergeht und umso grösser werden die Auswirkungen auf den Ozean», sagte Edano. Tepco gab am Montag bekannt, dass Barrieren bestellt worden seien, die normalerweise zum Auffangen von ausgetretenem Öl genutzt werden. Man hoffe, dass man so weitere Kontaminationen verhindern könne, sagte Tepco-Manager Teruaki Kobayashi. Wann die Barrieren eintreffen, war zunächst unklar.

Enorme Folgen für die Atomkraft

Die japanische Atomkrise stellt nach Meinung des Direktors der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eine grosse Herausforderung dar und wird enorme Folgen für die Atomkraft haben. Die Weltgemeinschaft könne nicht wie bisher weitermachen, es müsse mehr zur Erhöhung der Sicherheit von Atomkraftwerken getan werden, um das Risiko zukünftiger Katastrophen wie in Fukushima zu verringern, sagte IAEA-Direktor Yukiya Amano am Montag bei der Eröffnung einer IAEA-Konferenz in Wien.

Die Unglücksreaktoren wurden vom US-Unternehmen General Electrics (GE) entworfen. Der GE-Geschäftsführer Jeffrey Immelt traf sich am Sonntag mit einem Tepco-Vorstand. Am Montag sagte Immelt, dass über 1.000 Ingenieure von GE und seinem Partner Hitachi bei der Analyse der Probleme helfen. Immelt bot ausserdem Hilfe bei der Bewältigung der Stromknappheit an, die durch den Ausfall des Kraftwerks mindestens zehn Millionen Kilowatt beträgt. Aus den USA seien Gasturbinen auf dem Weg, die sowohl kurz- als auch langfristig eingesetzt werden könnten, sagte Immelt.

(dapd)>


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Fukushima 1 am 4.4.2011: Millionen Liter verstrahltes Wasser fliessen ins Meer

aus: n-tv online: AKW-Betreiber hat nicht genug getan - IAEA kritisiert Tepco scharf; 4.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Millionen-Liter-fliessen-ins-Meer-article3009766.html

Aus einem Leck im Turbinengebäude von Reaktor 2 fließt radioaktives Wasser ins Meer. Der Japaner Amano gilt als Atomenergieexperte und war im japanischen Außenministerium auch für Atomenergie zuständig. Auch an Hunden wird die Radioaktivität gemessen. Beton konnte das Leck nicht stopfen.

Der Chef der Atomenergiebehörde kritisiert den Betreiber des havarierten AKW Fukushima 1. Tepco habe nicht genug getan, um den Unfall zu verhindern, sagt Amano. Tepco lässt derweil mehr als 10.000 Tonnen radioaktiv belastetes Wasser ins Meer abfließen. Den Arbeitern im AKW gelingt es nicht, einen in Reaktor 2 entdeckten Riss zu schließen.

IAEA-Chef Yukiya Amano hat den Betreiber des Katastrophen-AKW in Fukushima wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen kritisiert. Tepco habe nicht genug Vorsorge betrieben, sagte er. Zudem forderte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde die weltweite Stärkung der nuklearen Sicherheit, um solche Atomunfälle künftig zu vermeiden.

"Rückblickend betrachtet waren die Maßnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern", sagte Amano in Wien. Damit änderte der Chef der UN-Behörde, deren Aufgabe die friedliche Förderung der Atomenergie ist, seine ursprüngliche Haltung. In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht - und nicht etwa menschliches Versagen oder falsches Design. Das Kraftwerk wurde durch ein Erdbeben und einen Tsunami am 11. März beschädigt.

Eine Lehre aus Fukushima müsse aus Sicht Amanos sein, dass die Atomkraftwerke weltweit sicherer gemacht werden müssten. "Wir können nicht die 'business as usual' Haltung einnehmen", sagte er zum Auftakt der fünften Überprüfungskonferenz des Übereinkommens über nukleare Sicherheit (Convention on Nuclear Safety). Die Sorgen von Millionen Menschen weltweit müssten ernst genommen werden. "Es ist offensichtlich, dass mehr für die Sicherheit von Atomkraftwerken getan werden muss, um das Risiko eines künftigen Unfalls signifikant zu reduzieren", erklärte Amano.

11.500 Tonnen radioaktives Abwasser

Tepco sieht sich derweil wegen der Wassermassen in der Atomruine des AKW Fukushima 1 gezwungen, Teile der radioaktiven Brühe ins Meer zu leiten. Der Energiekonzern begann damit, 11.500 Tonnen Abwasser in den Pazifik zu pumpen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei nur leicht belastet, versicherte das Unternehmen. Gleichzeitig kämpfen die Arbeiter weiter gegen ein Leck, aus dem unkontrolliert stark verseuchtes Wasser in den Ozean strömt.

Wie der Energiekonzern mitteilte, stammt der Großteil des Abwassers, das ins Meer geleitet wird, aus einer Speicheranlage auf dem Kraftwerksgelände. Mit der Aktion soll dort Platz geschaffen werden, um stärker strahlendes Abwasser lagern zu können. Dies sei nötig, weil vor allem im Turbinenraum von Block 2 sehr viel Flüssigkeit stehe, erklärte Tepco. Aus dem Block konnte die giftige Brühe bisher nicht abgepumpt werden, weil es an Tanks fehlt.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte, das Vorgehen von Tepco sei ohne Alternative. Größere Gesundheitsrisiken befürchte die Regierung nicht. Der Professor für Reaktorsicherheit an der Uni Aachen, Hans-Josef Allelein, kritisierte hingegen das Vorgehen. "Wir sind jetzt in der dritten Woche nach dem Störfall. Da hätte man auf dem Gelände Betontanks bauen können, in denen das Wasser zumindest zwischenzeitlich lagern könnte", sagte er. Die 11.500 Tonnen entsprechen 11,5 Millionen Liter.

Russland will mit einem Spezialschiff zur Entsorgung von Atommüll beim Abpumpen von radioaktiv verseuchtem Wasser helfen. Die schwimmende Aufbereitungsanlage "Landysch" (Maiglöckchen) war vor zehn Jahren für etwa 35 Millionen US-Dollar (rund 25 Millionen Euro) von Japan finanziert worden, um Abfall von ausgemusterten russischen Atom-U-Booten unschädlich zu machen.

Leck kann nicht gestopft werden

Zudem macht den unter Lebensgefahr arbeitenden Helfern ein Leck zu schaffen, das am Wochenende entdeckt worden war. Versuche, die undichte Stelle mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stopfen, scheiterten. Das Wasser hatte sich im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 2 sowie in einem tunnelförmigen Verbindungsrohr angesammelt. Versuche, den 20 Zentimeter langen Riss in der Wand eines Kabelschachtes am Ende des Rohrs mit Zement zu schließen, scheiterten. Ebenso Versuche mit einem Bindemittel, das mit Sägemehl und geschredderten Zeitungen angereichert wurde. Daraufhin kippten die Arbeiter ein weißes Färbemittel in das Wasser, um seinen genauen Verlauf in der Anlage festzustellen. Doch das gefärbte Wasser kam nicht bei den Abflussausgängen an. Nun wird befürchtet, dass das Wasser aus Gesteinsschichten heraus sickere, berichtete die Agentur Jiji unter Berufung auf Tepco.

Während die Suche nach dem genauen Wasserlauf weitergeht, erwägt Tepco, im Meer Barrieren zu errichten, um eine Ausbreitung radioaktiver Partikel in den Pazifischen Ozean einzudämmen. Dies wird laut Atomaufsichtsbehörde vermutlich einige Tage dauern.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte mit, dass sich bei schwachem Wind aus unterschiedlichen Richtungen radioaktive Partikel über ein großes Gebiet verteilen könnten. Auch die Millionen-Metropole Tokio könnte demnach betroffen sein. Eine eindeutige Windrichtung lasse sich derzeit aber nicht ausmachen, sagte Meteorologe Jens Hoffmann.

Klimaschutzziele rücken in weite Ferne

Das in dem Kabelschacht angesammelte radioaktiv verseuchte Wasser stammt vermutlich aus dem Reaktor Nummer 2. Dort war es an den Brennstäben zu einer Kernschmelze gekommen. Die Verstrahlung des im Kabelschacht gefundenen Wassers mit Jod-131 liegt laut Tepco um das 10.000-Fache über der gesetzlichen Höchstgrenze.

Doch offensichtlich entweicht nicht nur über das Wasser Radioaktivität in die Umwelt, sondern auch über die Luft. Mehrere Gemüsesorten sind bereits verstrahlt und dürfen auf Weisung der Behörden nicht mehr verkauft werden. Das trifft die Landwirtschaft schwer. In der Unglücksprovinz Fukushima, wo auch das havarierte AKW liegt, wurden in Shiitake-Pilzen radioaktive Substanzen gefunden. Die Provinzregierung wies 23 Pilzbauern an, keine der Pilze auszuliefern.

Wegen der ungelösten Atomkrise in Fukushima zweifelt die japanische Regierung inzwischen an den eigenen Klimaschutzzielen. Es könne sein, dass das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent im Vergleich zum Stand von 1990 überdacht werden muss, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Atomenergie ist weitgehend CO2-frei und war daher für die Klimaziele fest eingeplant. Da Fukushima 1 keine Strom mehr liefert, kam es bereits zu Stromausfällen in Städten. Der gesamte Komplex in Fukushima produzierte ein Fünftel des japanischen Atomstroms.

Die japanische Wirtschaft blickt nach der Atomhavarie pessimistisch auf die kommenden Monate. Laut einer Umfrage der japanischen Zentralbank sank der Tankan-Geschäftsklimaindex für das zweite Quartal auf minus zwei Punkte. Vor dem Unglück am 11. März hatten die Firmen ihre Aussichten für das zweite Quartal noch mit plus drei Zählern angegeben.

dpa/AFP/rts>


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Tagesanzeiger online, Logo

4.4.2011: 11.500 Tonnen verstrahltes Wasser sind ins Meer geflossen, um für schwer verstrahltes Wasser "Platz zu machen" - und da sind wahrscheinlich noch mehr Risse

aus: Tagesanzeiger online: AKW-Betreiber Tepco scharf kritisiert; 4.4.2011;
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/11500-Tonnen-radioaktives-Wasser-fliessen-ins-Meer/story/10911607?dossier_id=885

<Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde hat Tepco wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen gerügt. Aus dem AKW Fukushima I wurden 10'000 Tonnen verseuchtes Wasser abgepumpt.

Das Unternehmen Tepco sei schlecht auf die Katastrophe vorbereitet gewesen, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano heute in Wien auf die Frage, ob die Atomkatastrophe hätte verhindert werden können. Tepco liess unterdessen rund 10'000 Tonnen kontaminiertes Wasser aus dem AKW Fukushima-Daiichi ins Meer pumpen.

Die von dem Wasser ausgehende Strahlung soll das 500-fache der erlaubten Höchstgrenze betragen haben. Die dadurch freigewordenen Staubecken sollen nun noch stärker kontaminiertes Wasser aus den Reaktorgebäuden aufnehmen.

Arbeiter versuchten, mithilfe eines milchig-weissen Farbstoffs Lecks zu finden, durch die radioaktiv kontaminiertes Wasser unkontrolliert ins Meer fliesst. Die verwendeten Salze werden normalerweise dafür benutzt, Badewasser eine milchig-blaue Farbe zu verleihen, teilte Tepco mit.

20 Zentimeter langer Riss entdeckt

Am Wochenende war bereits ein rund 20 Zentimeter langer Riss in einem Wartungsschacht entdeckt worden. Versuche, das Leck mit Beton und Kunstharz zu verschliessen, schlugen offenbar fehl - vermutlich, weil auch anderswo Risse bestehen. Das dadurch entweichende Wasser weist eine Konzentration an radioaktivem Jod auf, die das 10'000-fache der zulässigen Höchstkonzentration entspricht.

Die behelfsmässige Kühlung des AKWs macht es schwierig, das kontaminierte Wasser am Auslaufen zu hindern. «Auch wenn wir wissen, dass es Nebeneffekte wie die Lecks gibt, müssen wir weiter Wasser in die Reaktoren pumpen, um sie zu kühlen und weitere Schäden an den Brennstäben zu verhindern», sagte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Die wichtigste Aufgabe sei die schnellstmöglichen Wiederherstellung einer stabilen Kühlung.

Enorme Folgen für die Atomkraft erwartet

IAEA-Direktor Amano zufolge wird die Atomkrise in Japan enorme Folgen für die Nutzung von Atomkraft haben. Die Weltgemeinschaft könne nicht wie bisher weitermachen, erklärte der Behördenchef. Es müsse mehr zur Erhöhung der Sicherheit von Atomkraftwerken getan werden, um das Risiko zukünftiger Katastrophen wie in Fukushima zu verringern.

Die Unglücksreaktoren wurden vom US-Unternehmen General Electrics (GE) entworfen. Der GE-Geschäftsführer Jeffrey Immelt, erklärte nach einem Treffen mit einem Tepco-Vorstand, mehr als 1000 Ingenieure von GE und seinem Partner Hitachi arbeiteten bei der Analyse der Probleme mit. Immelt bot ausserdem Hilfe bei der Bewältigung der Stromknappheit an, die durch den Ausfall des Kraftwerks mindestens zehn Millionen Kilowatt beträgt. Aus den USA seien Gasturbinen auf dem Weg, die sowohl kurz- als auch langfristig eingesetzt werden könnten. (pbe, bru/sda/dapd)>


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Cronicaviva del Perú,
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4/4/2011: Japón pide ayuda a Rusia para afrontar la crisis nuclear - un barco para procesar agua nuclear

Lunes, 04 de Abril de 2011 21:26 [tiempo limeño]


4.4.2011: Japan bittet Russland um Hilfe, die nukleare Krise zu bewältigen - ein Schiff zur Behandlung radioaktiven Wassers

Montag, 4. April 2011, 21:26 Uhr [Lima-Zeit]

http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/asia/16683-japon-pide-ayuda-a-rusia-para-afrontar-la-crisis-nuclear

El gobierno de Japón pidió a las autoridades de Rusia el envío de un equipo especializadeo para procesar los vertidos radiactivos producidos por la central nuclear de Fukushima Daiichi, según el consorcio estatal ruso para energía atómica (Rosatom).

Se trata de un barco especial, ideado precisamente con financiación japonesa, que sirve para desactivar submarinos nucleares y que es capaz de procesar hasta 70 toneladas de agua contaminada al día.

Técnicos japoneses luchan para refrigerar la planta de Fukushima Daiichi, dañada por el terremoto y posterior tsunami del pasado 11 de marzo.

Los operarios se vieron obligados a liberar agua al mar y a otras medidas desesperadas, como utilizar sales de baño para encontrar la fuente de filtraciones de radiactividad. (ECHA)



Die japanische Regierung bat die russischen Behörden, ein Spezial-Team zu schicken, um mit der radioaktiven Ruine von Fukushima Daiichi fertigzuwerden. Dies sagte das staatlich-russische Konsortium für Atomenergie (Rosatom).

Es handelt sich dabei um ein Spezialschiff, dessen Entwicklung mit japanischen Geldern finanziert worden war, das dazu dient, nukleare U-Boote abzuschalten, und das bis zu 70 Tonnen verstrahltes Wasser pro Tag behandeln kann.

Japanische Techniker kämpfen darum, die Anlage von Fukushima daiichi zu kühlen, die durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März beschädigt wurde.

Die Operationsleiter sahen sich dazu gezwungen, Wasser ins Meer abzulassen, und zu weiteren verzweifelten Massnahmen, wie zum Beispiel der Gebrauch von Badesalzen, um die Quellen von Infiltrationen radioaktiven Wassers zu finden. (ECHA)


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Japan 4.4.2011: Die "Grosse Flucht" beginnt - 600 hohe, japanische Finanzexperten stellen Visaantrag für Hongkong

aus: 20 minuten online: Flucht: Exodus von Japans Finanz-Elite; 4.4.2011;
http://www.20min.ch/finance/news/story/14647816

<600 ranghohe japanische Finanzexperten haben in Hongkong einen Visanatrag gestellt, weil sie das Land nach dem Erdbeben verlassen wollen.

Hongkong bemüht sich um hochqualifizierte Finanzexperten aus Japan, die das Land nach dem Erdbeben und der Atomkatastrophe verlassen wollen. Die chinesische Sonderverwaltungszone habe die Visa-Bearbeitung beschleunigt, teilte die Einwanderungsbehörde in Hongkong am Montag mit.

Demnach wurden binnen zwei Tagen 270 Anträge von Ausreisewilligen aus Japan bearbeitet. Normalerweise dauert das Verfahren für die Bearbeitung einer Arbeitserlaubnis vier bis sechs Wochen.

Auch andere Länder machen Werbung

Die Regierung habe 600 Anfragen ranghoher Finanzexperten erhalten, hiess es. Die Visaanträge seien von Managern und Experten internationaler Finanzunternehmen gestellt worden, die über ein Monatseinkommen von umgerechnet 12 000 bis 23 000 Franken verfügten.

Nach Angaben eines Sprechers der Einwanderungsbehörde werben derzeit zahlreiche Länder um die Finanzleute, die Japan wegen des Erdbebens verlassen wollen.

(sda)>

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4.4.2011: <Atomunglück in Japan: Neuer Wirkstoff soll den Strahlentod verhindern>

aus: Welt online; 4.4.2011; http://www.welt.de/gesundheit/article13062791/Neuer-Wirkstoff-soll-den-Strahlentod-verhindern.html

<Autor: Silvia von der Weiden

In den USA wird ein Medikament getestet, das vor den Folgen radioaktiver Strahlung schützt. Für die Arbeiter in Fukushima kommt es jedoch zu spät.

Tepco-Arbeiter im AKW Fukushima 1 - für sie dürften die Forschungen wahrscheinlich zu spät kommen. Doch in ähnlichen Fällen könnten neue Mittel in Zukunft einen Schutz bieten

Gegen radioaktive Strahlen hat das Leben keine Waffen entwickelt – zumindest keine gegen akute hohe Strahlendosen. Aber es gibt Hoffnung aus der modernen Medizin. Ausgerechnet der Reaktorunfall von Fukushima scheint die Hoffnung zu nähren. Wie die in Cleveland (Ohio) ansässige Firma BioLab berichtet, steht der Start klinischer Studien mit einem umfassend schützenden Medikament gegen die akute Strahlenkrankheit unmittelbar bevor.

Obwohl der Wirkstoff mit der Bezeichnung CBLB502 noch in der Entwicklung sei, habe die nationale Gesundheitsbehörde FDA ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt. Mit einer regulären Genehmigung könne Anfang 2013 gerechnet werden, teilt das Unternehmen mit.

Noch darf der Wirkstoff, der erst an 150 gesunden Probanden auf seine Unbedenklichkeit getestet wurde, nicht als Medikament eingesetzt werden. Die FDA hat jedoch das Mittel, das injiziert wird, mit dem Sonderstatus „orphan drug“ eingestuft. Ein solches Medikament darf in Ausnahmefällen gegeben werden.

Das befördert nun die Spekulationen an der Börse. So machen bereits Mutmaßungen die Runde, die japanische Regierung könnte Tausende Dosen des Mittels kaufen, was dem Unternehmen bis zu 100Millionen Dollar einbrächte.

BioLabs Ergebnisse überraschten Experten beim Bundesinstitut für Arzneimittel. Bei CBLB502 handele es sich um einen „gänzlich neuen Ansatz“, verriet die Behörde dem „Spiegel“. Und auch beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) glaubt man bei dem Mittel an einen „experimentellen Durchbruch“.

Entdeckt hat den Wirkstoff ein Team um den Molekularbiologen Andrei Gudkov vom Roswell Park Cancer Institute in Buffalo. Bei CBLB502 handelt es sich um ein modifiziertes Eiweiß, das die Forscher ursprünglich aus den Geißeln von Salmonella-Bakterien gewonnen haben. Im Jahr 2008 berichteten die Wissenschaftler, die eigentlich ein Mittel gegen die Nebenwirkungen der Strahlentherapie bei der Krebsbehandlung suchten, über erstaunliche Beobachtungen an Zellkulturen und Tierversuchen. Ihre Tests zeigten, dass die bakterielle Eiweißverbindung namens Flagellin gesunde Zellen widerstandsfähiger gegen die Wirkungen radioaktiver Strahlen machte.

„Bei der Entstehung von Strahlenschäden spielt sich eine Vielzahl an Reaktionen auf zellulärer Ebene ab“, sagt Michael van den Heuvel, Chemiker beim GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit bei München. Zunächst bildeten sich elektrisch geladene Teilchen und aggressive Stoffe, sogenannte Radikale, die mit Molekülen in der Zelle reagieren.

„Die Reaktion mit der DNA verursacht Schäden am genetischen Material, Proteine funktionieren nicht mehr, Teile der Membranen um Zelle und Zellkern werden zerstört.“ Der Organismus kann kleinere Fehler reparieren. Überschreiten die Schäden aber ein gewisses Maß, startet in den Zellen ein Selbstmordprogramm. Diese „Apoptose“ sorgt dafür, dass untauglich gewordene Zellen sterben.

Für radioaktiv verstrahlte Menschen hat ein Massensterben katastrophale Wirkungen, weil dadurch etwa die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark zugrunde gehen. Die Betroffenen erkranken dann sehr schnell an Infektionen, inneren Blutungen oder einer meist tödlich verlaufenden Leukämie. Der von den US-Forschern entwickelte Wirkstoff blockiert den Zelltod und gibt dem Organismus Zeit für die Wiederherstellung.

Die Sorge, dass so auch Krebszellen profitieren, hat Gudkov nicht: „Tumorzellen haben die Fähigkeit verloren, Selbstmord zu begehen. Wenn ein Medikament die Apoptose unterdrückt, dann hilft dies nicht den Tumorzellen, weil ihnen dieser Mechanismus längst abhanden gekommen ist. Gesunden Zellen bietet er aber eine Chance, denn sie gewinnen Zeit, sich selbst zu reparieren.“

Dass der Ansatz tatsächlich funktioniert, haben die Forscher in Tiermodellen nachgewiesen. Eine kurz vor der Bestrahlung gegebene Spritze mit CBLB502 rettete rund 87 Prozent der Mäuse vor einer für sie eigentlich tödlichen Dosis. Einige der Tiere überlebten geringere Strahlendosen auch dann, wenn ihnen das Mittel kurz nach der Bestrahlung gespritzt wurde. Bei Rhesusaffen überlebten mithilfe von zuvor gespritztem CBLB502 fast zwei Drittel der Tiere die Bestrahlung.

Dabei war die Dosis vergleichbar mit der, die jene Menschen erhielten, die sich beim Tschernobyl-Unfall in unmittelbarer Nähe des Reaktors aufgehalten hatten. Ob und in welchem Maße Menschen von dem Mittel profitieren, lässt sich bislang nur schwer sagen. „Wir können Menschen ja nicht absichtlich einer Bestrahlung aussetzen“, sagt Gudkov. Bei einem radioaktiven Unfall jedoch, wie er jetzt in Japan geschehen ist, könne das Mittel zeigen, was es kann.

Im September hat Onconova Therapeutics, eine Pharmafirma in Newtown (Pennsylvania), erste Ergebnisse für ein Medikament gegen die Strahlenkrankheit vorgelegt. Wichtigster Unterschied: Das Mittel „Ex-Rad“ soll als Tablette genommen werden. „Unsere Studien zeigen klar, dass Ex-Rad bei zuvor behandelten Mäusen, die einer tödlichen Bestrahlung ausgesetzt wurden, die Überlebensrate deutlich erhöht hat“, verkündete Forschungsleiter Manoj Maniar auf einer Fachkonferenz. Das Mittel soll auch vorbeugend wirken. Derzeit testen Freiwillige seine Verträglichkeit. Geforscht wird auch hier mit Unterstützung des Militärs.

Wie sich Strahlenschäden mindern lassen, interessiert auch die Weltraumbehörde Nasa, denn Astronauten sind im All Strahlung kosmischen Ursprungs ausgesetzt. In einem Forschungsprojekt, an dem auch das DKFZ beteiligt ist, untersuchen Wissenschaftler, inwieweit Antioxidantien den Organismus vor Strahlenschäden schützen.

Solche Stoffe, zu denen die Vitamine C und E zählen, schützen Körpergewebe vor den Angriffen aggressiver Verbindungen. Besonders empfindlich reagieren Organe mit raschem Zellwachstum wie Haut, Schleimhäute und das Knochenmark, das Blut- und Immunzellen hervorbringt. Bislang jedoch seien die Erfolge bescheiden, so DKFZ-Strahlentherapieexperte Peter Huber.

Ob Antioxidantien Strahlenschäden auch bei notwendigen medizinischen Untersuchungen reduzieren können, untersuchen Forscher der Universität Toronto. „In einer ersten, kleinen Studie mit Patienten haben wir festgestellt, dass es tatsächlich in Abhängigkeit von der Strahlendosis zu einem Rückgang von Schäden an der DNA kommt, wenn vor einer Bestrahlung bestimmte antioxidative Substanzen gegeben werden“, sagt der Radiologe KieranJ. Murphy. Das könne wichtig werden als Schutz bei strahlenmedizinischen Untersuchungen.

Unterdessen stürmen verunsicherte Japaner die Apotheken, um durch vorsorgliche Einnahme von Jodtabletten die Aufnahme von radioaktiven Isotopen in die Schilddrüse zu blockieren. Neben radioaktivem Jod wird bei Reaktorunfällen auch strahlendes Cäsium freigesetzt.

Einen Nachfrageboom erleben japanische Apotheken deshalb auch bei einem urdeutsch anmutenden Farbstoff: Preußisch Blau, das eine Berliner Firma unter dem Namen Radiogardase herstellt und vertreibt, schwemmt aufgenommenes, radioaktives Cäsium aus dem Körper und bindet es ähnlich wie Aktivkohle im Darm. Die strahlende Substanz kann so, ohne größeren Schaden anzurichten, schnell den Körper verlassen.>

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4.4.2011: Strahlenwüsten dieser Welt: Die Atomkraft hat bereits viele Territorien unbrauchbar gemacht - Beispiel Harrisburg

aus: Spiegel online: Atomare Wüsten: Im Niemandsland der Strahlenkatastrophe; 4.4.2011;
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/22529/total_verstrahlt.html

<Kinder werden missgebildet geboren, an Landwirtschaft ist nicht zu denken: Nicht nur rund um Tschernobyl und Fukushima sind ganze Regionen unbewohnbar geworden - Nuklearunfälle und Atomtests haben auf fast allen Kontinenten tödliche Spuren hinterlassen. Ein Blick auf die Strahlenwüsten dieser Welt. Von Michail Hengstenberg, Gesche Sager und Philine Gebhardt

Es ist Mittwoch, der 28. März 1979, und im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania beginnt der Alptraum der Atomphysik. Um vier Uhr früh bemerken Mitarbeiter in der Schaltzentrale den Ausfall einer Pumpe im Kühlkreislauf des Reaktors. Der schaltet sich zwar, wie vorgesehen, automatisch ab - aber die Nachzerfallswärme treibt den Druck im Kühlkreislauf in die Höhe.

Ein Sicherheitsventil öffnet, der Druck entweicht; das heiße Wasser schießt heraus. Dann bleibt das Ventil einfach offen stehen. Pro Minute rauscht nun eine Tonne Kühlwasser aus dem Reaktor, ohne dass die Schichtleiter es bemerken - die Anzeige auf der Schalttafel zeigt fälschlicherweise an, dass das System übervoll mit Kühlungsmittel sei.

Gegen sechs Uhr ist der obere Teil des Reaktorkerns statt von Kühlwasser nur noch von Dampf umgeben. Die gigantische Hitze kann nicht entweichen. Die Brennstäbe beginnen, sich zu zersetzen - die Kernschmelze setzt ein. Endlich bemerkt ein Techniker das offene Sicherheitsventil im Kühlkreislauf. Gerade noch rechtzeitig schließt er ein Notventil und verhindert so den Super-GAU.

Minimale Konstruktionsfehler, Personal, das nicht optimal auf den Störfall reagierte: Es waren im Prinzip Lappalien, die vor mehr als 30 Jahren zur Katastrophe in Harrisburg führten. Die Wirkung war verheerend: Während des Störfalls war sowohl radioaktives Gas in die Atmosphäre - als auch verseuchtes Kühlwasser in den nahegelegenen Fluss gelangt. Steigende Krebsraten in der Bevölkerung waren die Folge. Außerdem waren weite Teile des Reaktors und des Kraftwerksgeländes verseucht. 14 Jahre dauerte der Rückbau in Harrisburg, bei dem vor allem mehr als 8 Millionen Liter verseuchtes Trinkwasser dekontaminiert werden mussten. Umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro verschlang das alles. Bis heute strahlt der Rest der Reaktorruine weiter.

Nun, da die Welt mit dem GAU von Fukushima eine weitere nukleare Katastrophe erfährt, erlebt die Debatte um die Sicherheit von Atomkraft eine neue Blüte. Und spätestens, seitdem das hochgiftige Plutonium aus einem der zerstörten Meiler entwich und das Gelände von Fukushima auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte verseucht ist, rückt plötzlich die Unverhältnismäßigkeit von Risiko und Ertrag dieser ehemaligen Wundertechnik ins Blickfeld: Wie kann überhaupt etwas als beherrschbar gelten, was doch so schnell zu einer Apokalypse mutieren kann, die ganze Landstriche für Generationen von Menschen unbewohnbar macht?

Dabei hätte doch ein Blick zurück schon gereicht. Nach Harrisburg. Oder auch nach Tschernobyl. Oder nach Mururoa. Überall dorthin eben, wo die Kraft des Atoms, ob mit Absicht oder nicht, ihre Fesseln gesprengt hat. Überall dorthin, wo die Kernenergie die Welt unbewohnbar gemacht hat für den Menschen. Mit Fukushima gibt es nun ein neues atomares Niemandsland - dabei ist die Welt schon voll mit Gegenden verbrannter Erde, deren Anblick jedem sofort klarmachen, wie hoch der Preis ist.>

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4.4.2011: Deutschland importiert nun Atomstrom aus Frankreich

Nach dem sofortigen Abschalten alter Atommeiler scheint der Ausstieg aus der Atomenergie für Deutschland doch nicht so leicht. Aber lesen Sie selbst:

aus: Welt online: Atomausstieg: Deutschland wird vom Stromexporteur zum Importeur; 4.4.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13065278/Deutschland-wird-vom-Stromexporteur-zum-Importeur.html

Seit dem Atommoratorium importiert Deutschland mehr Strom aus dem Ausland als es exportiert. Davon profitieren vor allem französische AKW.

Seit Inkrafttreten des Atommoratoriums importiert Deutschland doppelt so viel Strom aus Frankreich wie bislang. Zudem sei die Bundesrepublik vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Strom geworden, erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der Hannover Messe. Seit dem 17. März importierte Deutschland demnach täglich rund 50 Gigawattstunden mehr als es exportierte.

„Die Stromflüsse aus Frankreich und Tschechien haben sich verdoppelt“, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller. Frankreich hat europaweit mit Abstand die meisten Atomreaktoren, sie sorgen für mehr als Dreiviertel des Stroms im Nachbarland. Seit die vom Atommoratorium betroffenen sieben deutschen Kernkraftwerke am 17. März die Produktion einstellten, ging die Stromherstellung in Deutschland laut BDEW um rund 120 Gigawattstunden pro Tag zurück.

Dies spiegele sich auch in einem Rückgang des Stromexports in die Niederlande und die Schweiz um etwa die Hälfte wider, wie Müller erklärte. Die beiden Länder sind die Hauptabnehmerländer deutschen Stroms. Zugleich stiegen laut BDEW die Preise an der Strombörse in Leipzig im Schnitt um rund zwölf Prozent. Die Bundesregierung prüft nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert derzeit die Auswirkungen des Moratoriums auf den deutschen Strommarkt. Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums erklärte, schon vor dem Moratorium sei Strom aus Frankreich importiert worden. Sie widersprach aber der Darstellung, Deutschland sei insgesamt ein Netto-Stromimporteur geworden: „Wir bleiben Netto-Stromexporteur.“

Der RWE-Manager und ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt (SPD) warnte derweil vor einem Blackout in Süddeutschland. Dieser werde derzeit nur durch die erheblichen Stromimporte aus Frankreich und Tschechien verhindert, sagte Vahrenholt der "Welt Online“. Mehr Importe seien jedoch nicht möglich: „Die Leitungen von dort sind bis zum Anschlag ausgelastet“, sagte der Chef der RWE-Sparte für Erneuerbare Energien, Innogy.

Sofern nicht die Erzeugung und der Transport von Strom aus erneuerbaren Energien schnell ausgebaut würden, sei in Süddeutschland „eine solch extreme Unterversorgung“ zu befürchten, „dass zur Vermeidung eines Blackouts Industriebetriebe und vielleicht sogar ganze Städte abgeschaltet werden müssen“. Zudem sei mit steigenden Strompreisen zu rechnen.

AFP/cat>

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5.4.2011: Franzosen und "Amerikaner" werden nun mehrheitlich skeptisch gegenüber der Atomkraft

aus: 20 minuten online: Atomdebatte: Auch Amerikaner und Franzosen gegen AKWs; 5.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/15405031

<Die Katastrophe von Fukushima lässt auch in den grössten «Atomländern» USA und Frankreich die Stimmung kippen. Das Unbehagen gegen die Atomkraft wächst.
Atomkraft verliert an Beliebtheit, mindestens gemäss Umfragen in den USA und in Frankreich. Die als Atomkraft-Anhänger bekannten Franzosen sind einer Umfrage zufolge keineswegs vollständig überzeugt von der Kernkraft.

Acht von zehn Franzosen und Französinnen hätten gern, dass der Anteil der Atomkraft in den kommenden 20 bis 30 Jahren zugunsten anderer Energiequellen sinkt. Dies ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop.

Unbehagen

Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) waren davon überzeugt, dass dies möglich wäre. Mehr als die Hälfte - 56 Prozent - sehen die vielen Atomkraftwerke in ihrem Land mit Unbehagen.

Frankreich betreibt 58 Reaktoren an 19 Standorten. Das Land bezieht knapp vier Fünftel seines Stroms aus Kernkraftwerken, soviel wie kein anderer Staat weltweit.

Auch in den USA wird Atomkraft nach der Katastrophe in Japan unpopulärer. Nur noch 39 Prozent von Ende März befragten 1001 US- Bürgern befürworten gemäss einer Studie der Gesellschaft für Konsumentenforschung (GfK) den Bau neuer Kernkraftwerke. Im Herbst 2009 waren es noch 49 Prozent.

Gemäss der Studie halten es 14 Prozent der Amerikaner für «äusserst wahrscheinlich», dass ein nuklearer Notfall wie in Japan auch in den USA passieren könnte. Für weitere 15 Prozent ist dies «sehr wahrscheinlich», für 36 Prozent «etwas wahrscheinlich».

Dagegen sind 9 Prozent der Ende März 1001 Befragten in den USA äusserst zuversichtlich, dass ihre Regierung auf eine solche Katastrophe vorbereitet ist. Weitere 18 Prozent sind sehr zuversichtlich und 41 Prozent etwas zuversichtlich.

In den USA stehen 104 Meiler, die grösste Zahl an Reaktoren weltweit. Sie decken etwa ein Fünftel des gesamten Strombedarfs des Landes ab. Ein weiterer Ausbau der Atomkraft ist politisch geplant.

Grossbritannien: Baugenehmigungen verschoben

Die britische Atomsicherheitsbehörde hat die Genehmigungen für den Bau neuer Kernkraftwerke um mindestens drei Monate verschoben. Wegen der von der Regierung beschlossenen Überprüfung sei es nicht möglich, vor dem Abschlussbericht im September vorläufige Bewilligungen zu erteilen, teilte die Behörde am Dienstag mit.

Auch in der Schweiz liegen die Rahmenbewilligungsgesuche für neue Atomkraftwerke derzeit auf Eis. Von Bundesrätin Doris Leuthard angeordnete Abklärungen sollen zuerst zeigen, ob nach der Katastrophe in Japan schärfere Sicherheitsvorschriften nötig sind.

(sda)>

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Und jetzt kommen auch noch Milben:


20 minuten online, Logo

Japan 5.4.2011: <Krankheitserreger: Gefährliche Milben suchen Japan heim>

aus: 20 minuten online; 5.4.2011; http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/25782306

<Den Menschen im japanischen Katastrophengebiet droht weiteres Ungemach. Jetzt müssen sie sich auch noch vor einer verhängnisvollen Milbenart in Acht nehmen.

Nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe haben es die Japaner in den betroffenen Gebieten mit einem neuen Feind zu tun: die gefährliche Herbstgrasmilbe. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnte am Dienstag vor einer Ausbreitung des durch die Milbe verursachten «Japanischen Flussfiebers», auch «Tsutsugamushi»-Krankheit genannt.

Patienten, die von der Milbe über einen Biss mit Bakterien der Art Rickettsia tsutsugamushi infiziert wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung mit Antibiotika kann die Krankheit tödlich ausgehen. Der Herbst und der - jetzt beginnende - Frühling sind die Jahreszeiten, in denen die Krankheit am häufigsten auftritt.

Wie das Institut in einem Communiqué weiter schreibt, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens vom 11. März Schlammmassen mit der «Tsutsugamushi»-Milbe in Gebiete gelangt sein, in denen sie bisher nicht vorgekommen ist. Bei einem älteren Mann in der Unglücksprovinz Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit bereits diagnostiziert worden.

(kle)>

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Fukushima 1 am 5.4.2011: Leck mit Flüssigglas geschlossen - es fliesst aber weiter verstrahltes Wasser ins Meer - Milbenkrankheit Tsutsugamushi droht

aus: n-tv online: "Tsutsugamushi"-Krankheit droht - Flüssigglas dichtet Leck ab; 5.4.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Fluessigglas-dichtet-Leck-ab-article3018631.html

<An der Atomanlage Fukushima kämpfen die Arbeiter weiter gegen verseuchte Wassermassen. Sie können einen ersten Erfolg verbuchen. Sie haben ein Abdichtmittel für den Riss in Reaktorblock 2 gefunden. Derweil fließt schwach radioaktives Wasser weiter ins Meer. In den von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Gegenden droht jedoch die Ausbreitung einer gefährlichen Milbe.

Der Kampf gegen das Leck an der Atomanlage Fukushima kommt voran. Die Menge an ausströmendem verstrahltem Wasser habe sich verringert, berichteten japanische Medien unter Berufung auf den Energiekonzern Tepco. Nach mehreren gescheiterten Versuchen half nun offenbar ein Abdichtmittel auf Basis von Flüssigglas, das die Arbeiter in den betreffenden Kanalschacht gegossen hatten.

Gleichzeitig wurden Messergebnisse vom Samstag bekannt, wonach die Jod-Konzentration im Meer vor Reaktorblock 2 um das 7,5-Millionenfache über den zulässigen Grenzwerten liegt. Das bisher unkontrolliert ins Meer strömende, hoch radioaktiv verseuchte Wasser stammt vermutlich aus Block 2, in dem die Brennstäbe teilweise geschmolzen waren. Die Regierung kündigte schärfere Kontrollen bei Meeresfrüchten an. Um das Wasser endgültig zu stoppen, sollten noch einmal 1500 Liter des Abdichtmittels in den Schacht gekippt werden, meldete der Fernsehsender NHK.

Mit immer neuen Methoden versuchen die Helfer zudem, den Wassermassen in anderen Teilen der Atomanlage zu begegnen. Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für das Wasser, das zum Kühlen in die Gebäude geleitet wurde und sich dort nun angesammelt hat. Die Behörden gehen davon aus, dass inzwischen 60 Millionen Liter der Strahlensuppe im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen stehen. Das Wasser behindert die Bemühungen, die Atomruine in den Griff zu bekommen.

"Megafloat" soll entlasten

Helfen soll unter anderem ein Tankfloß, das bis zu 10 Millionen Liter an radioaktiv verseuchtem Wasser aufnehmen können soll. Es wird derzeit in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Das stählerne Tankfloß werde voraussichtlich nach dem 16. April in Fukushima eintreffen. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Bisher diente es im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler.

Das stählerne Floß wird zuerst Richtung Yokohama gezogen.

Hilfe versprechen sich die Arbeiter auch von Spezialschiffen der US-Marine sowie von behelfsmäßigen Tanks. Außerdem ist die Rede von Barrieren, die im Meer vor Fukushima verhindern sollen, dass sich vergiftetes Wasser unkontrolliert im Pazifik ausbreitet. Dabei handelt es sich um eine Art Netz, wie er auch bei Ölverschmutzungen zum Einsatz kommt. Der Vorhang wird am Meeresboden mit Gewichten beschwert. Allerdings ist ungewiss, ob diese Methode gegen radioaktive Substanzen wirkt.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco pumpt weiterhin leicht belastetes Wasser in den Ozean, um in den bereits bestehenden Tanks Platz für wesentlich stärker verstrahltes Wasser zu schaffen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, strömten bisher rund 3,4 Millionen Liter belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11,5 Millionen Liter abgelassen werden.

Regierungssprecher Yukio Edano verteidigte erneut die Aktion, die am Montag begonnen hatte und voraussichtlich bis zu diesem Wochenende dauern soll. Sie sei nötig, damit nicht stärker strahlendes Wasser ins Meer gelange. Angesichts möglicher Gefahren für Gesundheit und Umwelt zeigte sich die Regierung im nahe gelegenen Südkorea besorgt.

Tepco zahlt Entschädigungen

Ein Farmer brennt sein Feld ab.

Die Menschen aus der Gegend um Fukushima können sich derweil auf erste Entschädigungszahlungen einstellen. Das Geld könnte zum Monatsende fließen - wie viel, ist aber noch unklar. Über die Höhe will sich Tepco mit der Regierung beraten, wie Kyodo unter Berufung auf den Konzern berichtete.

Rund 80 000 Anwohner der Atomruine hatten sich auf Weisung des Staates in Sicherheit bringen müssen. Zudem leiden viele Landwirte darunter, dass sie wegen radioaktiver Verstrahlung ihr Gemüse und Obst nicht mehr verkaufen können.

Tepco werde zunächst unter anderem für die Arztkosten und Einkommensausfälle aufkommen, hieß es. An der Börse in Tokio stürzte das Papier des Energiekonzerns um 18,1 Prozent auf 362 Yen (rund 3 Euro) und damit auf den tiefsten Stand seit 59 Jahren.

IAEA sieht Schuld bei Tepco

Inzwischen vollzieht die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine Kehrtwende in der Bewertung der Ursachen für die Katastrophe von Fukushima. Tepco habe nicht genug Vorsorge betrieben, sagte der japanische IAEA-Chef Yukiya Amano. Zudem forderte er eine Stärkung der nuklearen Sicherheit weltweit, um solche Atomunfälle künftig zu vermeiden.

"Rückblickend betrachtet waren die Maßnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern", sagte Amano. Damit änderte der Chef der UN-Behörde, deren Aufgabe die friedliche Förderung der Atomenergie ist, seine ursprüngliche Haltung. In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht - und nicht etwa menschliches Versagen oder falsches Design.

Warnung vor gefährlicher Milbenkrankheit

In den durch Erdbeben und Tsunami seit dem 11. März verwüsteten Landstrichen müssen sich die Menschen jetzt vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe verursachten japanischen Flußfiebers, auch "Tsutsugamushi"-Krankheit genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf das Institut berichtete, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebt hatten. Bei einem zwischen 60 und 70 Jahre alten Mann in der Unglücksprovinz Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Der jetzt eingesetzte Frühling sowie Herbst sind die Jahreszeiten, in denen die Krankheit am häufigsten auftritt. Patienten, die von der Milbe gebissen wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung, könnten sich Symptome verschlimmern, hieß es. Die Krankheit ist in Japan meldepflichtig..

rts/dpa/AFP>


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Basler Zeitung online, Logo

Fukushima 1 am 5.4.2011: Der Ausfluss von radioaktivem Wasser ist verlangsamt worden

aus: Basler Zeitung online: Leck am AKW Fukushima teilweise abgedichtet; 5.4.2011;
http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Radioaktives-Wasser-fliesst-langsamer-ins-Meer/story/11096245

<Technikern im havarierten AKW Fukushima I ist es heute gelungen, ein Leck zu lokalisieren, aus dem verseuchtes Wasser direkt ins Meer gelangt. Mit einem Gerinnungsmittel ist das Ausfliessen verlangsamt worden.

Kraftwerkbetreiber Tepco hat den ganzen Tag über weiterhin Tonnen von weniger stark verseuchtem Wasser ins Meer gepumpt. Die Massnahme sei leider unvermeidlich, sagte Regierungssprecher Yukio Edano auf einer Pressekonferenz. Nur so könne verhindert werden, dass sich das noch stärker kontaminierte Wasser ausbreite.

Zugleich erliess die Regierung heute erstmals eine Obergrenze für die radioaktive Belastung von Fisch. Zuvor waren Berichte aufgetaucht, dass sich bereits Radioaktivität in Fischen angereichert habe. Insbesondere Jod und Cäsium 137, die beide aus dem Atomkraftwerk ins Meer gelangten, seien in den Fischen nachweisbar.

Langzeitfolgen von Cäsium unklar

Zwar könne sich das Jod im Meerwasser verteilen und zerfalle auch schnell, anders verhalte es sich aber mit den Langzeitfolgen des Cäsiums, sagte Yoichi Enokida, Professor für Materialwissenschaft an der Nagoya Universität. Diese müssten noch untersucht werden. «Es ist extrem wichtig, so schnell wie möglich den Ausfluss von kontaminiertem Wasser zu stoppen», sagte Enokida.

Skepsis ist auch bei den Fischern zu spüren. «Selbst wenn die Regierung sagt, dass Fisch sicher ist, werden die Leute keine Meeresfrüchte aus Fukushima kaufen», sagte Ichiro Yamagata, ein Fischer der in Sichtweite des Kraftwerks lebt und nun nach Tokio geflüchtet ist. «Wir können dort wahrscheinlich für mehrere Jahre nicht mehr fischen.»

Zwar sind sich die Experten einig, dass sich die Radioaktivität in den Weiten des Pazifik schnell auflöst, gleichwohl würde es zu «umgehenden Verletzungen» führen, wenn man sich direkt dem verseuchten Wasser aussetzt, sagte Enokida. Die japanische Regierung bat inzwischen Russland um die Bereitstellung eines Schiffs, das speziell für die Entsorgung atomarer Abfälle gerüstet ist.

Grenzwerte millionenfach überschritten

Unterdessen wurde bekannt, dass der Anteil von radioaktivem Jod im Meerwasser unweit des Atomkraftwerks Fukushima I die gesetzlichen Grenzwerte um mehrere Millionen Mal übersteigt. Am vergangenen Wochenende habe der Wert 7,5 Millionen Mal über dem Maximalwert gelegen, teilte Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Gestern sei der Grenzwert fünf millionenfach überschritten worden. Das radioaktive Material verteile sich jedoch zügig im Meerwasser und stelle keine unmittelbare Gefahr für die Umwelt dar, hiess es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Einige Strahlenmessungen von Tepco waren in der vergangenen Woche in Zweifel gezogen worden. Die Atomsicherheitsbehörde ordnete daraufhin eine neue Untersuchung der Proben an.

Tepco-Vizepräsident Takashi Fujimoto teilte mit, allen Orten in der Evakuierungszone sei eine Entschädigungszahlung von jeweils 20 Millionen Yen (rund 167'000 Euro) angeboten worden. Eine Stadt habe das Angebot abgelehnt, weil sie nicht einverstanden gewesen sei. (pbe/sda/dapd)>

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Spiegel online, Logo

Fukushima 1 am 5.4.2011: Evakuierungszone ausweiten wird gigantisches Unternehmen

aus: Spiegel online: Sperrzone um Fukushima: Wie weit ist weit genug? 5.4.2011;
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754440,00.html

<Von Hendrik Ternieden, Almut Cieschinger und Michael Niestedt

Hunderte Menschen weigern sich, das Sperrgebiet um das havarierte AKW Fukushima zu verlassen. Eine Ausweitung der Zone hat Japan bisher stets abgelehnt. Eine solche Operation wäre eine immense Herausforderung - wie eine interaktive Grafik zeigt.

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Hamburg - Iitate ist der Grenzfall. 40 Kilometer liegt die Kleinstadt vom havarierten Kraftwerk Fukushima entfernt. Diese Distanz machte den 6000-Einwohner-Ort zum Mittelpunkt der Debatte über die Evakuierungszone. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) führte Strahlenmessungen in Iitate durch, Greenpeace auch, und beide Organisationen forderten daraufhin zumindest eine teilweise Evakuierung der Stadt. Doch Japans Regierung wiegelt stets ab, eine Gefahr für die Gesundheit bestehe nicht.

Seit Beginn der atomaren Katastrophe in Fukushima wird über die Evakuierungszone gestritten. Offiziell hat sie einen Radius von 20 Kilometern, im Umkreis von 30 Kilometern sollten die Menschen entweder in ihren Häusern bleiben oder die Gegend freiwillig verlassen - so die Empfehlung der japanischen Regierung. Greenpeace plädiert für eine Ausweitung auf 40 Kilometer. Und die amerikanische Atomaufsicht, die zunächst eine Evakuierung eines Gebiets von 80 Kilometern gefordert hatte, sagt mittlerweile laut der japanischen Zeitung "Asahi": 20 Kilometer seien eine sichere Entfernung.

Wie viele Menschen leben in den Regionen um das AKW Fukushima? Wo wären die meisten Einwohner von einer Ausweitung der Evakuierungszone betroffen? Wo befinden sich Niederlassungen wichtiger Unternehmen? Alle Informationen finden Sie in der Grafik:

Die Widersprüche über einen sicheren Sperrzonenradius verunsichern die Menschen in Iitate, auf einem Infoblatt im Gemeindebüro werden sie über die aktuellen Strahlenwerte informiert. "Natürlich machen sich hier alle Sorgen", sagte ein Gemeindemitarbeiter Anfang April. "Aber die Leute wissen nicht, ob sie gehen oder bleiben sollen." Am Montagabend bekräftigte die japanische Atomsicherheitsbehörde noch einmal, dass die Evakuierungszone nicht ausgeweitet wird. "Das heißt aber nicht, dass wir es nicht in Zukunft tun werden", sagte der stellvertretende Direktor Koichiro Nakamura.

Doch eine Evakuierung ist schwierig umzusetzen - vor allem unter den chaotischen Bedingungen nach dem Tsunami. Noch immer halten sich Menschen im Umkreis von 20 und 30 Kilometern um das AKW Fukushima auf. Mal ist von ein paar Dutzend die Rede, mal von Hunderten oder gar Tausenden, die ihre Häuser nicht verlassen wollen oder können. Die Angaben aus dem Katastrophengebiet schwanken häufig.

Fest steht: Je größer die atomare Sperrzone, desto größer die logistische Herausforderung. Die Betroffenen müssen zu anderen Orten transportiert, dort untergebracht und verpflegt werden. Vor allem bei einer Ausweitung auf mehr als 40 Kilometer käme ein gewaltiger Aufwand auf Japan zu. Denn dann wären nach den kleineren Orten in Küstennähe auch Großstädte und zahlreiche Industrien betroffen.

Mit Material von dpa>

Karte mit den Evakuierungszonen um das AKW
                  Fukushima
Karte mit den Evakuierungszonen um das AKW Fukushima [2]

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n-tv online, Logo

Ticker 5.4.2011: Fisch-Grenzwerte in Japan - kanadisches Trinkwasser mit Jod-131 aus Fukushima - GB verschiebt Bau neuer AKW - Tankfloss wird vorbereitet - Frankreich kontrolliert sein Trinkwasser auf Cäsium und Jod - Tepco behauptet, ein Riss sei zu

aus: n-tv online; 5.4.2011; http://www.n-tv.de/Spezial/Grossbritannien-verschiebt-Bau-neuer-AKW-article2810866.html

+++ 13.58 Regierung setzt Strahlenwerte für Fisch fest +++
Als Reaktion auf die Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 setzt die Regierung des Landes Grenzwerte für Strahlenbelastung bei gefangenem Fisch und Meeresfrüchten fest. Provisorisch sollen die bereits für Gemüse geltenden Grenzwerte auch an Fisch und Schalentiere angelegt werden. Für das krebserregende Jod 131 gilt demnach eine Obergrenze von 2000 Becquerel pro Kilo Fisch, die Obergrenze von Cäsium 137 beträgt 500 Becquerel. Über diese Werte hinaus belastete Fische dürfen nicht für den Verzehr verwendet werden.

+++ 15.01 Radioaktivität in kanadischem Trinkwasser +++
Im Wasser der kanadischen Stadt Vancouver werden radioaktive Spuren aus dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima entdeckt. Allerdings sind die Werte "verschwindend gering", beruhigen neben dem kanadischen Gesundheitsministerium auch namhafte Experten in der Pazifikprovinz British Columbia. Der Atomforscher Kris Starosta von der Simon-Fraser-Universität (Vancouver) sagt: "Die Werte von radioaktivem Jod-131 stiegen sieben Tage nach dem Reaktorunglück in Fukushima an, sind seitdem aber wieder deutlich gesunken."

<17.10 Großbritannien verschiebt Bau neuer AKW +++
Die britische Atomsicherheitsbehörde verschiebt wegen der Atomkatastrophe in Japan die Genehmigungen für den Bau neuer Kernkraftwerke um mindestens drei Monate. Wegen der von der Regierung beschlossenen Überprüfung sei es nicht möglich, vor dem Abschlussbericht im September vorläufige Bauzulassungen zu erteilen, teilt die Behörde mit. Dadurch hätten die Atomkonzerne ausreichend Zeit, um ihre Baupläne in Sicherheitsfragen zu verbessern.

+++ 10.31 Japaner bereiten Mega-Tankfloß für Atomruine vor +++
Japan setzt zum Auffangen von radioaktiv verseuchtem Wasser ein riesiges Tankfloß in Bewegung. Das sogenannte Megafloat legt in der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka ab und wird zunächst in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden. Der Atombetreiber Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für Millionen Liter hochgradig verseuchten Wassers in dem havarierten Kernkraftwerk.>

+++ 12.21 Frankreich sorgt sich ums Trinkwasser +++
Die französischen Behörden sorgen sich um eine mögliche Verstrahlung des Trinkwassers. Wasserproben aus Seen und Speicherbecken sollten nun zeigen, ob sich die gefährlichen radioaktiven Stoffe Cäsium 137 und Jod 131 auf stehenden Gewässern abgesetzt hätten, erklärt die französische Gesundheitsbehörde DGS. Die Proben sollen demnach nach der Aufbereitung in den Wasserwerken genommen werden. Erste Ergebnisse sollen kommende Woche vorliegen.

+++ 12.42 Tepco: Stopfen von Atomleck zeigt Wirkung +++
Die Bemühungen des japanischen Atombetreibers Tepco, ein Leck am zerstörten Kraftwerk Fukushima zu schließen, zeigen erstmals Wirkung. Die Menge an austretendem Strahlenwasser habe sich "ein wenig" verringert, so Tepco. Arbeiter hatten nach mehreren gescheiterten Versuchen 1500 Liter Flüssigglas in den betreffenden Kabelschacht gefüllt. Die Chemikalie soll dafür sorgen, dass das unkontrolliert ins Meer strömende Wasser gestoppt wird. Es ist stark radioaktiv verseucht. Versuche, das Leck unter anderem mit Beton zu verfüllen, waren zuvor gescheitert.

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Welt online, Logo

5.4.2011: Türkenwitz mit türkischer Logik: Single-Leben sei gefährlicher als die Atomkraft

aus: Welt online: Türkei: Minister findet Ehelosigkeit riskanter als Atomkraft; 5.4.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13074753/Minister-findet-Ehelosigkeit-riskanter-als-Atomkraft.html

<Der türkische Energieminister trotzt dem Atomunfall in Japan und rechtfertigt eigene Atompläne mit einer Studie: Das Single-Dasein sei riskanter als Atomkraft.

Die Türkei plant den Bau von mehreren Atomkraftwerken. Yildiz spielt mögliche Gefahren auf Basis einer US-Studie runter.

Mit einem außergewöhnlichen Vergleich hat der türkische Energieminister Taner Yildiz die Entscheidung seiner Regierung gerechtfertigt, trotz des Atomunfalls in Japan am Bau der ersten türkischen Atomkraftwerke festzuhalten.

Im Grunde sei das Junggesellen-Dasein riskanter als die Atomkraft, sagte der Minister laut Zeitungsberichten. Die Türkei plant den Bau von mehreren Atomkraftwerken.

Yildiz zitierte soziologische Studien aus den USA, wonach unverheiratete Menschen im Schnitt sechs Jahre früher sterben als verheiratete. Die Atomkraft verkürze das Leben statistisch gesehen aber nur um 0,03 Tage. Der Minister bekräftigte, die in der Türkei geplanten Atomkraftwerke würden modern und erdbebenfest sein.

Ein Verhandlungspartner Ankaras für den Bau eines Atomkraftwerks ist das japanische Unternehmen Tepco, das wegen des Atomunfalls von Fukushima infolge der Naturkatastrophen in die Kritik geraten ist.

AFP/jm>

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Financial Times
                Deutschland, Logo

5.4.2011: Ein Anglerfloss soll das radioaktive Wasser aufnehmen

aus: Financial Times Deutschland online: Atomkatastrophe in Japan: Angler-Floss soll verstrahltes Wasser tanken; 5.4.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:atomkatastrophe-in-japan-angler-floss-soll-verstrahltes-wasser-tanken/60035191.html

<Bilderserie Einst diente das "Megafloat" Anglern als schwimmende Insel. Im Kampf gegen Strahlung aus dem Unglücks-AKW Fukushima soll der riesige Tank des Floßes mit radioaktiver Brühe vollgepumpt werden. FTD.de zeigt den Koloss. von Martin Richter und Jessica Boesler


Not macht erfinderisch

Das Riesenfloß "Megafloat" wurde bisher im Hafen von Shimizu in der Provinz Shizuoka von Anglern genutzt. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Sein Fassungsvermögen von 10 Millionen Litern Flüssigkeit macht es für den Einsatz in Fukushima interessant.>

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Welt online, Logo

Deutschland 5.4.2011: Windkraft kann die Atomenergie ersetzen, wenn die Windräder bewilligt werden

aus: Welt online: Windenergie-Verband: "Die Windkraft kann Atomenergie mühelos ersetzen"; 5.4.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13081001/Die-Windkraft-kann-Atomenergie-muehelos-ersetzen.html

<Autor: C. Dierig und D. Wetzel

Die Hersteller von Windrädern fordern mehr Anlagen in Süddeutschland, um die Netze zu entlasten. Die Windkraftanlagen sollen zudem in die Höhe wachsen.

Die Botschaft von Hermann Albers dürfte dieser Tage äußerst gut ankommen. "Windkraft kann hierzulande mühelos die Atomenergie ersetzen“, sagt der Präsident des Bundesverbands Wind-Energie (BWE) auf der Hannover Messe. Das Potenzial der Windräder liege um mehr als das Doppelte über dem Beitrag der Atommeiler. Letztlich könne die Windkraft ohne Probleme bis zu 65 Prozent des Strombedarfs in Deutschland abdecken, erklärt Albers mit Verweis auf eine Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES).

Von jetzt auf gleich ist die Umstellung im Energiemix allerdings nicht möglich. "In zwei bis drei Jahren können wir aber so weit sein“, sagte Albers. Und Potenzial zum Ausbau der Anlagen an Land sei ausreichend vorhanden. Der Studie zufolge sind bundesweit acht Prozent der Landfläche nutzbar, Wälder und Schutzgebiete inklusive seien es sogar bis zu 22 Prozent. Potenzial sehen die IWES-Experten dabei vor allem in den bislang windunfreundlichen Bundesländern im Süden Deutschlands. In Bayern zum Beispiel seien bislang erst Anlagen mit einer Leistung von 520 Megawatt installiert. "Möglich sind dort aber bis zu 41.000 Megawatt“, erklärt Kurt Rohrig, der stellvertretende Leiter des IWES. Aber auch in Baden-Württemberg sei noch mehr möglich.

Albers fordert die Politik daher zum Handeln auf: "Es reicht nicht, sich mit einer Windmühle fotografieren zu lassen. Es muss auch konkrete Maßnahmen geben.“ Zumal mit dem Aufbau im Süden auch der dringend nötige Ausbau der Leitungsnetze reduziert werden kann. "Wenn wir die Energie dort produzieren, wo sie gebraucht wird, können wir beim Infrastrukturausbau haushalten“, sagte Rohrig.

Der Ausbau von Speicherkapazitäten sei aber zwingend nötig. Denn Windenergie bleibt wegen häufiger Flauten eine fluktuierende Energiequelle. "Windkraft ist nicht durchgängig grundlastfähig“, gibt Albers zu. Die Branche sei daher nicht so engstirnig, sich als alleinige Lösung zu sehen. "Wir brauchen das ganze Konzert der Erneuerbaren“, sagt er.

Allerdings werden Windkraftanlagen mit dem technischen Fortschritt ergiebiger. Durch eine verbesserte Turbinentechnik dürften in Zukunft Anlagen mit drei Megawatt Leitung zum Standard werden. Bei entsprechender Höhe könnten die Anlagen sogar noch effizienter werden. Der BWE fordert daher, die zulässige Bauhöhe der Türme zu vergrößern. "Mit jedem zusätzlichen Meter, schafft die Anlage ein Prozent mehr Energieleistung“, sagte Andreas Nauen, Vorstandschef des Anlagenbauers RePower. Der Anlagenbauer General Electric zeigte auf der Messe bereits Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 130 Metern, statt der bislang maximal üblichen 100 Metern.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) findet auf dem Weltmarkt für Windkraftanlagen derzeit allerdings eine starke Verschiebung Richtung Asien statt. China und Indien stünden heute bereits für mehr als 50 Prozent des Weltmarktes, sagte Verbandssprecher Thorsten Herdan. Unter den zehn größten Herstellern von Windturbinen finden sich bereits vier chinesische und ein indischer Hersteller, jedoch nur ein deutscher.

China sei für deutsche Hersteller und Zulieferer "ein schwieriges Terrain, wenn Marktbarrieren für internationale Marken etwa im Bereich Finanzierung nicht aufgelöst werden“, sagte Thomas Richterich, Chef des deutschen Herstellers Nordex. Es sei zwingend, neue Kapazitäten vor Ort aufzubauen: "Die Zeiten des Exports aus Europa sind erst einmal vorbei“, sagte Richterich: "Um an Märkten partizipieren zu können, muss man vor Ort im Wettbewerb bestehen können.“ Für die deutsche Windindustrie bedeute dies, dass das Exportgeschäft "zukünftig wesentlich geringer ausfallen wird, wenn sich die Verlagerung der Produktionsstandorte in die Exportmärkte weiter fortsetzt.“>

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Quellen


Fotoquellen

[1] Demonstration "Energiewende Jetzt": http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754757,00.html
[2] Karte der Evakuierungszonen um Fukushima: http://www.spiegel.de/flash/0,,25617,00.html


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