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Brustsymbolik und die Symbolik der Muttermilch real und in Märchen (Träumen)

Die Muttermilch als Symbol für körperliche, seelische und geistige Nahrung - zensierte und unzensierte Märchen (Träume)

von Michael Palomino (2006)

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aus: Ingrid Olbricht: Die Brust. Organ und Symbol weiblicher Identität; Kreuz-Verlag 1985, Rohwolt-Verlag (rororo) 1989



Das Symbol der Muttermilch und die Bedeutung

Muttermilch ist ein Fruchtbarkeitssymbol (S.151) und symbolisiert Nahrung in jeder Form: körperliche (S.151-152), seelische und geistige Nahrung. Als seelische und geistige Nahrung symbolisiert die Muttermilch auch die Urweisheit und die Unsterblichkeit, z.B. als Weisheit "Sophia", oder als "Alma Mater" (S.152).

[Das Stillen hat aber dort seine Grenzen, wenn die Kinder Zähne bekommen und in die Mamillen der Mutterbrust beissen].

Die Milchbrüste waren in alten Kulturen besonders anerkannt. In Ägypten und in griechisch-römischen Kulturen wurden den weiblichen Mumien an den Rippen vergoldete Brustamulette mit ins Grab gegeben, dort, wo die Brüste gewesen waren (S.152).

Die weisse Milch wurde generell zum weissen Mond und zur Weiblichkeit in Bezug gesetzt (S.152).


Auch die "Mutter Maria" des "Christentums" wird mit milchspendenden Brüsten dargestellt, als "Maria lactans" (S.152).

Schliesslich gilt Milch generell als bestes Stärkungs- und Schönheitsmittel (S.152), gleichzeitig aber im negativen Sinn auch als Symbol ewiger Kindlichkeit in Formulierungen wie "Milchbubi" oder "Milchgesicht" etc. (S.153).


Das Symbol der Brust und die Bedeutung als Gefäss im Märchen

Die Brüste verbinden die Mutter mit dem Baby und mit dem Sexualpartner. Die Brüste symbolisieren so eine Brücke oder eine Symbiose. Brüste, die Milch geben, werden als Behälter symbolisiert, der Nahrung und Fruchtbarkeit gibt (S.151).

Brüste sind immer Sammelplatz und Schlupfwinkel für die Kinder, Brüste sind die Hüterin des Lebens (S.151). Im Traum oder im Märchen wird die nährende Milchbrust bzw. die nährende Mutter z.B. durch einen Topf symbolisiert, der sich von selber füllt (Märchen vom süssen Brei der Gebrüder Grimm) (S.166), oder durch einen Kelch, der immer mit Wein gefüllt ist (Märchen: Der Page und der Silberkelch (S.168), oder durch das "Wasser des Lebens in einer Schale", das heilt und Leben spendet (Märchen "Peronnik der Einfältige" (S.169).

Die Brust "ist ein Gefäss, das nicht versiegt - jedenfalls nicht, solange die natürliche Einstellung gilt - und das alles enthält, was jedes Lebewesen zu Ernährung, Wachstum und Wandlung benötigt." Die Brüste brauchen für diese Vermittlung von Energien keine besondere Fütterung, sie sind einfach da (S.166).

Gleichzeitig kann die Überbetonung des Verhältnisses zu Mitmenschen durch die Brust einen Missbrauch darstellen, bis zur Vernichtung des Lebens durch Nahrungsverweigerung, durch seelisches Ersticken, durch eine Überfülle und durch Gift in der Nahrung. Dann wird die Brust zur "steinernen Brust" (S.151).


Symbolische Milch in Religionen - Milchopfer

Milch ist die höchste göttliche Verheissung für das "Land, wo Milch und Honig fliesst" (S.152).

Gewissen Göttern wird Milch geopfert, damit sie jeden Tag neu erweckt werden. Zum Beispiel werden um das Grab von Osiris 365 Opferschalen mit Milch gelegt (S.152).

Zum Beispiel wird dem Gott des Donners Milch geopfert, weil alte Traditionen glauben, dass Muttermilch das himmlische Feuer löschen könne. Olbricht:

"Die Milch wird in manchen Traditionen mit dem himmlischen Feuer verknüpft. In Zentralafrika wie im alten Europa glaubte man, dass nur Milch die Feuersbrünste zu löschen vermöchte, die durch Blitzschlag entstanden waren. Daher wurden den Gottheiten des Donners Trinkschalen mit Milch angeboten." (Olbricht, S.152)


Muttermilch als symbolische Zaubermilch

Brustweisen: Milch als Abwehr aus der Brust spritzen lassen

Brust haben heisst bei den Naturvölkern heute noch "Macht" haben. Wenn sich die Eingeborenen der Eipo in Neuguinea bedroht fühlen, drücken stillende Frauen Milch aus dem Busen, quasi als Gegenzauber gegen böse Geister (S.135).

Alte Statuen zeigen dieselbe Vorgehensweise bei den Maori (S.135).

Ebenso handelten die stillenden Indio-Frauen gegen die spanischen Invasoren in Mittel- und Süd-"Amerika":

"Den Spaniern, die im Zeitalter der Entdeckungen den südamerikanischen Kontinent eroberte, schickten die Eingeborenen Frauen entgegen die den Angreifern die Brust präsentieren und Milch spritzen sollten, um sie abzuwehren." (S.135)

Das Konsumbewusstsein hat die Angst vor dem Busenzauber aber verloren (S.135).


Brustsymbolik in zensierten Märchen

[Märchen sind Träume, die weitererzählt wurden. Bei den unzensierten Märchen ist eine entsprechende Deutung nach Traumkriterien  vorzunehmen. Bei zensierten Märchen ist die Deutung der wesentlichen Botschaft z.T. nicht mehr möglich].


Märchen mit Brustamputationen

 
Märchen: Das Mädchen ohne Hände (Grimm) mit Brustamputation als Kompensationshandlung für einen Inzest

Zensierte Fassung:
Der Teufel verspricht einem armen Müller Reichtum, wenn er das, was hinter der Mühle steht, dem Teufel überlasse. Es ist die einzige Tochter des Müllers. Schliesslich hackt der Müller der Tochter die Hände ab (S.154).

Unzensierte Fassung:
Der Müller findet seine Tochter so sexy, dass er sie sexuell begehrt. Sie weigert sich standhaft gegen die Begehrnisse des Vaters. Da schneidet der Vater der Tochter quasi zur Strafe Hände und Brüste ab und jagt sie davon. Die Brüste werden gemäss Olbricht geopfert, um dem Inzest zu entgehen (S.154).

[Andere Interpretation: Wenn der Vater schon keine "Freude" an den Brüsten der Tochter haben darf, dann soll auch kein anderer Mann "Freude" an den Brüsten seiner Tochter haben. Ausserdem hat der Vater ein grosses Beziehungsproblem und scheint zu wenig Frauen zu kennen].
 
Interpretation: [Die Zensur des Märchens ist wesentlich]. Das zensierte Märchen ist mit "christlichen" Symbolen ergänzt und verfälscht, um die "christlichen" Elemente Teufel und Sünde zu verbreiten (S.154).


Märchen: "Jungfrau Maleen" (Grimm) mit Brustamputation im Turm als Notration

Zensierte Fassung:
Die Königstochter Maleen beharrt auf der Heirat mit einem bestimmten Prinzen. Der Vater will die Heirat nicht zulassen und bestraft die Tochter Maleen für ihren festen Willen mit sieben Jahren Haft in einem zugemauerten Turm, zusammen mit einer Kammerjungfer (S.154-155). Dabei wird ihnen Speise und Trank für 7 Jahre zur Verfügung gestellt (S.155).

Nach 7 Jahren erwartet Maleen, dass der Vater sie aus dem Turm holt. Als nichts geschieht, können sich die Frauen selbst befreien, indem sie Steine aus der Mauer lockern und entfernen. Sie sehen, dass das Königreich und das Schloss des Vaters verwüstet sind und das Land verbrannt ist (S.155).

Unzensierte Fassung:
Die Königstochter Maleen wird für ihren Willen, nur mit einem bestimmten Prinzen zu heiraten, vom Vater 7 Jahre mit der Kammerjunger in einen Turm eingemauert. Nach 7 Jahren erwartet Maleen, dass der Vater sie aus dem Turm holt. Die beiden Frauen hungern. Als Notnahrung im Turm schneidet sich die Magd / Kammerjungfer ihre Brüste ab, um die Königstochter vor dem Hungertod zu retten. Die Brust wird zur direkten Nahrung (S.155).

[Interpretation: Die Zensur hat das Symbol der Mutternahrung wegzensiert. Der böse Vater symbolisiert das zerstörerische, ungebändigte männliche Element in der Königstochter, das sie noch nicht beherrscht. Der Prinz symbolisiert die Vereinigung mit einem Mann zu einem paradiesischen, ausgeglichenen Zustand. Diesen Zustand kann die Königstochter aber noch nicht erreichen. Der Turm ist ein grosser Penis. Die Königstochter Maleen ist in ihrer Sexualität derart seelisch gefangen, dass sie sich darin 7 Jahre einsperren lässt. Die Flucht aus dem  Turm ist die Befreiung von Zwangsvorstellungen in ihrer mit männlicher Energie verfolgten Sexualität. Der Vater kann die Tochter nicht befreien, weil die zerstörerische, ungebändigte männliche Energie in der Tochter nicht mehr vorhanden ist. Die Hilfsbereitschaft der Kammerjungfer geht bis ins Extrem. Die Brustamputation der Kammerjungfer symbolisiert die mütterliche Hilfsbereitschaft für die Königstochter, keine reale Brustamputation].


Märchen: "Brüderchen und Schwesterchen" (Grimm) mit Brustamputation für den Vater

Zensierte Fassung:
Zwei Kinder verlassen die böse Stiefmutter und gehen in die weite Welt hinaus (S.155).

Unzensierte Fassung:
Die Stiefmutter kocht dem Vater regelmässig Fleisch. Da wird das Fleisch gestohlen, durch Diebstahl der Kinder oder durch die hungrige Katze. Da kocht die Stiefmutter ihre Brüste und der Vater findet die gekochten Brüste köstlich und wünscht sich noch mehr Menschenfleisch. Folglich sind die Kinder bedroht. Sie flüchten in die weite Welt (S.155).

[Interpretation: Die Zensur ist wesentlich. Die Stiefmutter ist dem Vater so ergeben, dass sie ihre Brust opfert, um ihn zufriedenzustellen. Sie gibt ihm ihre gesamte mütterliche Energie. Die Stiefmutter geht so weit, dass sie ihre Stiefkinder opfern will, um den Vater zufriedenzustellen. Die Stiefkinder sollen also ihre gesamte Energie dem Vater unterordnen. Dem Vater scheint der körperliche Zustand seiner Familie egal zu sein. Dies provoziert die Flucht der Stiefkinder. Solche Verhältnisse kommen auch in intakten Familien vor, wo keine Selbstreflexion betrieben wird].


Märchen mit positiver Mutternahrung für die Tochter

Märchen: Das Erdkühlein (Grimm): Aus Schwanz, Horn und Huf wächst ein Apfelbaum

Ein Mädchen bekommt bei der Stiefmutter nichts mehr zu essen und geht jeweils in den Wald. Beim dritten Mal streut das Mädchen Hanfsamen, um den Rückweg zu markieren, findet ihn aber nicht mehr, dafür ein Haus eines Erdkühleins, die originale Mutter in Tiergestalt. Dort findet das Kind Aufnahme, bis die Schwester nach dem Mädchen sucht. Die Schwestern finden sich, das Erdkühlein wird verraten und von der Stiefmutter geschlachtet. Das Mädchen behält vom Erdkühlein wertlose Teile Schwanz, ein Horn und ein Huf und vergräbt sie (S.158). Innert drei Tagen wächst daraus ein Apfelbaum (S.158-159) mit Äpfeln, die heilen können (S.159).

Interpretation:
Die Äpfel symbolisieren Brüste, Mutterliebe, mütterliche Energie, heilende Nahrung, sind Symbol für unvergängliche Weiblichkeit, [eine seelische Nahrung, die die Stiefmutter scheinbar nicht hat] (S.159).

[Stiefmütter, die Stiefkinder schlecht behandeln, sind nur auf den Mann fixiert. Ihnen sind die Stiefkinder "im Weg"].


Märchen: Der Page und der Silberkelch (GB-Märchen): Jede Elfe erhält den Wein seines Geschmacks


Ein kleiner Page schleicht sich in den Elfenhügel ein (S.168-169) und sieht, dass es dort einen Kelch gibt, der von selbst immer mit Wein gefüllt ist. Der Kelch produziert den Wein sogar den Wünschen der trinkenden Person angepasst. Jeder bekommt den Wein, den er am liebsten mag. Der Page raubt den Kelch (S.169).


Märchen: Die drei Schwestern Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein (Grimm): Aus den Eingeweiden einer Ziege wächst ein Apfelbaum

Zweiäuglein wird von den anderen Schwestern verachtet, weil sie mit zwei Augen so wie die Menschen aussieht. Zweiäuglein wird von der Mutter verstossen und geht zur Ziege (Muttersymbol für die "gute Mutter"), wo Zweiäuglein besseres Essen bekommt als zu Hause. Als Zweiäuglein wieder zu Hause ist und das Essen aber stehenlässt, wird die Familie misstrauisch. Die Schwestern verfolgen Zweiäuglein, entdecken die Ziege und die Mutter tötet die Ziege. Aus den vergrabenen Eingeweiden aber wächst ein Apfelbaum mit goldenen Äpfeln, die nur für Zweiäuglein erreichbar sind (S.159).

Interpretation:
Die Äpfel symbolisieren die unvergängliche, goldene Weiblichkeit, [eine seelisch-weibliche Nahrung, die in der Familie scheinbar völlig fehlt] (S.159).


Märchen mit kräftender Mutternahrung für den Sohn

Märchen: Der starke Hans (Skandinavisches Märchen): Kriterium: Baum ausreissen

Ein Bub wird bei der Mutter 10 Jahre lang gestillt. Als der Vater die Kräfte des Sohnes testet und ihn einen starken Baum ausreissen lässt, gelingt es dem Sohn noch nicht. Der Vater befiehlt, dass der Bub noch einmal 10 Jahre bei der Mutter trinken soll. Mit 20 Jahren gelingt es dann dem Sohn mit Leichtigkeit, den Baum auszureissen. Er besteht Abenteuer und am Ende hat er eine Prinzessin zur Frau (S.160).

[Interpretation:
Die Problematik der Priorität zwischen Mutter und Freundin ist nicht erwähnt. Vielleicht hat der "starke Hans" die Problematik von allein bemerkt und durch Weiterbildung ein Gleichgewicht der seelischen Kräfte geschaffen. Dann wäre der Hans auch seelisch wirklich "stark"].


Märchen mit kräftender Mutternahrung für den Vater

Märchen: Die Tochter nährt den Vater im Gefängnis (Rom)

Ein Gefangener soll im Kerker verhungern. Die Wärter wundern sich aber, wieso er nicht verhungert. Jeden Tag kommt die Tochter auf Besuch, die gerade ein Kind geboren hat. Sie säugt den Vater an ihren Milchbrüsten, was die Wärter nicht bemerken (S.174).

Diese Darstellung kommt im alten Rom häufig vor (S.174).


Märchen mit schädlicher Mutternahrung gegen die Tochter


Märchen: Schneewittchen (Grimm): Vergiftete Mutternahrung und Mutter-Tochter-Rivalität

Die Stiefmutter will Schneewittchen wegen ihrer Schönheit töten. Zuletzt soll ein vergifteter Apfel Schneewittchen den Tod bringen. Zuerst ist Schneewittchen tot, dann aber die Mutter (S.156).

Interpretation: Der Zustand drückt eine ganz alltägliche Mutter-Tochter-Rivalität aus. Der Apfel ist Symbol für Fruchtbarkeit, Liebe und die Wärme der Mutterbrust. Die kranken Energie der Mutterbrust der Mutter tötet Schneewittchen. Die Spannung zwischen Mutter und Tochter hat Schneewittchen umgebracht, dann aber die Mutter. Bei einer solchen Situation in Realität wäre z.B. Brustkrebs möglich, mit einer Brustoperation als Folge (S.156).


Märchen mit positiver Nahrung für das Kind mit negativem Aspekt: Das Gleichgewicht zwischen Mütterlichkeit und Aggression finden

Märchen: Der süsse Brei (Grimm): Das Töpfchen kann weiterkochen und alles ersticken - das Gleichgewicht finden

Eine Mutter kann keine Nahrung mehr beschaffen. Da geht das Mädchen in den Wald, wo eine alte Frau dem Mädchen ein Töpfchen schenkt, das durch einen einfachen Spruch süssen Hirsebrei produziert. Wenn man vergisst, den Spruch fürs Abstellen zu sagen, produziert das Töpfchen aber so viel Brei, dass alles überschwemmt und erstickt wird (S.156).

Interpretation:
Das Töpfchen symbolisiert die milchgebenden Mutterbrüste, der Brei symbolisiert die Muttermilch. Zu viel Muttermilch (als Symbol für mütterliche Wärme) erstickt das Kind (S.156).

Real gesehen werden überfütterte Kinder zu dick, sind Hänseleien und Isolation ausgesetzt und können kaum eigenständige Beziehungen aufbauen, so dass sie lange bei der Mutter Trost suchen und die Mutterbindung kaum eine nötige Ablösung erfährt. Die Formel zum Stop der Nahrungsaufnahme ist also genau so wichtig wie die Formel, Brei zu produzieren (S.157).

Märchen: Peronnik der Einfältige (F, NL und CH): Das Lebenswasser im goldenen Becken und die aggressive Lanze beherrschen lernen - das Gleichgewicht finden

Der Zauberer Rogear herrscht im Schloss Kerglas über ein goldenes Becken und eine diamantene Lanze. Das Becken produziert heilendes Lebenswasser. Wenn es getrunken wird, heilt es alle Leiden, bis zur Wiederauferweckung vom Tod. Die Lanze hat gegenteilige Eigenschaften: Wenn die Lanze aggressiv berührt wird, tötet die Lanze die jeweilige Person. Viele Ritter bezahlen so den Versuch, das Becken und die Lanze zu rauben, mit dem Tod. Peronnik gelingt es, alle Gefahren zu überstehen. Er kann die goldene Schale und die Lanze rauben (S.169).

Interpretation:
Das lebensspendende Becken symbolisiert die spendende Mutterbrust, das Lebenswasser die Muttermilch, die alle Nahrung gibt. Die Lanze symbolisiert das männliche, aggressive Element. Das lebensspendende Prinzip steht neben dem lebensvernichtenden Prinzip. Das Märchen ist eine vereinfachte Gralsgeschichte (S.169).

 
[Der Mensch muss das Gleichgewicht zwischen dem lebenserhaltenden und dem lebenszerstörenden Element finden, zwischen "Anima" und "Animus", zwischen heilender Kraft und Entschlusskraft. Märchen sind weitererzählte Träume. Diejenige Person, die diese Geschichte geträumt hat, wird das Gleichgewicht finden].


Märchen: Parzival / Perceval (Adelslegende): Das Mutterbübchen muss das seelische Gleichgewicht finden

Die Mutter des Parzival / Perceval ist in den Sohn verliebt und er wird ein Mutterbübchen. Als Parzival doch von zu Hause auszieht, sinkt die Mutter wie tot zu Boden, denn der Sohn war in krankhafter Weise ihr ganzer Lebensinhalt gewesen (S.171). Parzival geht zu einem Lehrmeister, der ihm befiehlt, sich nicht mehr auf die Mutter zu beziehen, und gleichzeitig soll er nicht zu viele Fragen stellen (S.171-172).

Die Zensur gegen Fragen ist sehr lebensfeindlich, denn so hat Parzival kaum Möglichkeiten, seine eigene Mitte zu finden. Da sucht er seine Mutter, findet sie aber nicht mehr, sondern er findet andere Frauen. Schliesslich weist ihm ein Fischer den Weg zur Gralsburg mit dem Gral, ein Gefäss mit wunderwirkenden Inhalten (S.172), die das überpersönliche, allgemeine Weiblich-Mütterliche symbolisieren, dazu eine Lanze (S.173).

Parzival wird vom Burgherrn zu einem Abendessen eingeladen, bei dem eine Frau in einer Prozession den Gral präsentiert (S.173): Zuerst eine Lanze, dann der Gral (das Gefäss), dann ein silberner Teller. Parzival ist noch nicht reif genug, den Gral zu empfangen. Am nächsten Tag findet Parzival die Burg leer vor (S.174).

Parzival zieht noch weiter umher, trifft verschiedene Frauen, erfährt, dass seine besitzergreifende Mutter stirbt, und erst jetzt kann er mit Weiblichkeit in einem Gleichgewicht umgehen, das ihn und die Weiblichkeit nicht zerstört. Parzival wird für den König im Schloss zum Heiler und bringt verdorrtes Land des Königs wieder zum Blühen, indem er die Wasser wieder zum fliessen bringt (S.175).

Interpretation:
"Der Gral ist das Symbol der Ganzheit und ein Symbol der Weiblichkeit, aber auch ein Symbol des Paradieses. Er enthält alle Aspekte der Frau, körperliche und geistige; er verkörpert das Gefäss des Leibes und das Seelische als Entwicklung und Entfaltung. Er erlöst aus der Einseitigkeit beider Extreme, er verbindet zwei Pole und führt zum Selbst hin, weg aus Symbiose und Isolation, er macht ganz. Die Suche nach dem Gral ist die Suche nach dem Selbst." (S.175)

[Der Gral (die Schale mit dem wundersamen Inhalt) und die Lanze stellen das weibliche und das männliche Element dar, zwischen denen das Gleichgewicht für das Leben zu finden ist, analog "Anima" und "Animus"].


Märchen mit seelisch vergifteter Mutternahrung zur zu starken Mutterbindung


Märchen: Hänsel und Gretel (Grimm): Die besitzergreifende Hexe hat den Hänsel "zum Fressen" gern

Die Mutter kann die Kinder nicht ernähren. Hänsel und Gretel im Wald finden den Heimweg nach dem Ausstreuen von Brotstücken nicht mehr und treffen auf ein Pfefferkuchenhaus, wo eine Frau sie leben lässt. Die Frau wird aber zur Hexe, denn sie sperrt Hänsel in einen Käfig und mästet ihn mit der Absicht, ihn zu braten. Gretel stösst in einem günstigen Moment die Hexe selbst ins Feuer und rettet so den Hänsel (S.157).

Interpretation:
Die Hexe hat die Kinder "zum Fressen" gern. Die gesamte Nahrung, die die Hexe den Kindern gibt, wird in der Absicht gegeben, die Kinder zu besitzen (S.157).

[Hänsel ist für die Hexe ein Mannersatz, deswegen sitzt ER im Käfig und nicht die Gretel. Der Hänsel ist im seelischen Gefängnis, nicht die Gretel. Insgesamt will die Hexe gleich beide Kinder besitzen und lässt keine seelische Entwicklung der Kinder zu, bis sie sich wehren. Die Ablösung von der Hexe geschieht aber erst mit der Vernichtung der Hexe, denn die Hexe selber ist nicht lernfähig. Im Gegenteil: Die Hexe verschärft bei jeder Gegenwehr ihre Massnahmen, den Besitz an den Kindern zu "wahren". Deswegen muss die Hexe vernichtet werden

Real kommt die Situation eines Sohnes, der den Mannersatz für die Mutter spielen muss, relativ oft vor. Wenn die Mutter psychologisch keine Ahnung hat, kann sie so dem Sohn die Persönlichkeitsentwicklung absolut verunmöglichen. Wenn der Sohn die Situation früh genug bemerkt, kann er schon in der Jugend die Ablösung vollziehen. Kommt die Realisierung der Situation zu spät, wird der Sohn immer das Gefühl haben, seine Jugend verpasst zu haben. Bemerkt der Sohn die Manipulation auch nicht, dann bleibt er zeitlebens ein Mutterbübchen. Er verehrt die Mutter dann mehr als die Freundin, so dass die Freundin bald keine Lust mehr auf ihn hat. Nach mehreren Brüchen wegen den falschen Prioritäten sollte der Sohn es dann bemerken, was da falsch läuft].


Märchen: Der starke junge Mann (Märchen der Provence): Die zu starke Mutterbindung

Eine Mutter stillt ihren Sohn. Nach zwei Jahren lässt sich der Bub nicht von der Brust nehmen, das Abstillen gelingt nicht (S.159-160). Nach vier Jahren Stillen meint der Sohn, er wolle bis 20 gestillt werden und er werde dann die Mutter beschützen. Mit 20 vollbringt er dann Heldentaten, besiegt den Teufel und kommt vom König reich beschenkt zur Mutter zurück und gibt ihr alles, was er verdient hat (S.160).

Interpretation:
Der Sohn will sich immer noch nicht von der Mutter lösen (S.160).

[Spätestens, wenn der Sohn die Mutter mehr verehrt als die Freundin, wird die Freundin protestieren...]



Märchen mit Männermilch für den Sohn

Märchen: Der junge Riese (Grimm): Die Milch des Riesen produziert einen Schläger

 
Ein Bub wird an einer Brust eines Riesen gesäugt. Der Bub wird ein Riese, aber ohne Intelligenz. Als der Bub zu seinen leiblichen Eltern ist, produziert er Angst, und die Eltern erkennen ihn zuerst nicht und wollen ihn dann weghaben, weil er zu viel isst (S.160-161).

Interpretation:
Der Riese hat den Bub quasi adoptiert und vereinnahmt. Und der Riese hat den Bub seelisch-geistig überhaupt nicht ausgebildet (S.161).


Darstellung: Jesus am Kreuz: Das Blut aus der Brust ist Lebenssaft

Gemäss der Darstellung der Bibel wird Jesus am Kreuz an der Brust verletzt. Blut fliesst heraus. Jemand hält einen Kelch hin und fängt das Blut auf (S.174).

Interpretation:
Der Kelch ist Symbol für die Brust, das Blut symbolisiert die Nahrung (S.174).


Märchen mit Tiermilch für die Kinder

Märchen: Der Säugling der Stute (Zigeunermärchen): Zwei Jahre Stutenmilch für den Bub

Ein Priester reitet eine Stute, die von ihm schwanger wird. Die Stute gebärt einen Sohn, der ein Jahr lang mit Stutenmilch gesäugt wird. Da er eine Kraftprobe nicht besteht, bittet er die Stute, noch ein weiteres Jahr an der Stute die Stutenmilch trinken zu dürfen. Erst nach zwei Jahren ist er stark genug, um das Säugen zu beenden (S.161).

[Interpretation:
Der Priester auf der Stute scheint nicht zum Märchen zu gehören, sondern scheint als "christliches" Element "hineinkomponiert"].


Märchen: Romulus und Remus: Die Wölfin säugt die beiden Söhne

Eine Priesterin der Vesta, Rhea Silvia, bekommt Zwillinge, zwei Knaben und kommt dafür in den Kerker. Die zwei im Tiber ausgesetzten Knaben werden von einer Wolfsmutter aus dem Fluss gezogen und gesäugt, bis ein Hirte die Knaben findet und bei sich aufnimmt. An der Stelle, wo sie gerettet wurden, sollen die Zwillinge die Stadt Rom gegründet haben (S.161).

[Interpretation:
Es ist wahrscheinlich, dass die Priesterin und der Kerker nicht zum Märchen gehören, sondern als "christliche" Elemente "hineinkomponiert" sind. Die Kirche ist tatsächlich so brutal].


Märchen mit Muttermilch als Schönheitsmittel

Märchen: Tropsen (Zigeunermärchen): Das Bad in der Pferdemilch


Der jüngste von vier Brüdern wählt sich zum Jahreslohn kein Pferd aus wie die anderen, sondern ein Fohlen, das noch bei der Pferdemutter trinkt. Das Fohlen wird erwachsen und ist schöner und wendiger als alle anderen Pferde. Der Mann besteht mit dem Pferd viele Abenteuer. Zum Schluss soll er in einem Kessel mit kochender Stutenmilch baden. Das Pferd hilft ihm und bläst mit den Nüstern gegen die Milch, so dass die Temperatur der Milch abnimmt und am Ende nur noch warm ist, so dass der Reiter in der Milch problemlos baden kann. Er wird dadurch schöner als vorher (S.162).


Märchen: Die verwunschene Ente (Märchen aus PL, Ungarn und Slowakei): Der Milchsee bringt positive Verwandlung

Eine Ente schwimmt in einem Milchsee. Wenn sie herausspringt, wird sie zur Fee "Ilona" (S.163).


Muttermilch als Heilmittel: Augentropfen

Muttermilch kann bei entzündeten Augen als Augentropfen angewandt werden (S.189).

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