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Fischfang. Meldungen (Teil 1)

Wie die Regierungen den Fischfang regeln - bis zur beinahe Ausrottung

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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15.4.2009: 40% Müllquote ("Beifang") beim Fischfang - zielgenauere Fangmethoden mit MSC-Siegel

aus: n-tv online: Leider ins Netz gegeangen. Aus Fisch wird Abfall; 15.4.2009; http://www.n-tv.de/1137439.html

<Die weltweite Fischerei betreibt nach einer neuen Studie der Umweltstiftung WWF eine gigantische Verschwendung: Mindestens 40 Prozent aller Fische und Meerestiere, die in die Netze der Fischindustrie gehen, sind demnach so genannter Beifang - fast 40 Millionen Tonnen pro Jahr. Große Teile davon würden als toter Müll noch auf See über Bord geworfen. Andere würden zwar verwertet, aber ohne angemessenes Management gefischt, kritisiert der WWF Deutschland in Frankfurt am Main. Diese Verschwendung habe unabsehbaren Folgen für das Leben im Meer und die Zukunft der Fischerei. "Wir steuern auf eine ökologische, ökonomische und humanitäre Krise zu, wenn die weltweite Fischerei nicht auf nachhaltige und zielgenauere Fangmethoden umstellt", sagt WWF- Fischereiexpertin Karoline Schacht.
 
"Wie Müll behandelt"
 
Für den WWF-Report wurden rund zwei Drittel der weltweiten Meeresfischerei auf ihren Beifanganteil untersucht. Insgesamt betrug der jährliche Fang schätzungsweise 95,2 Millionen Tonnen, davon wurden 38,5 Millionen Tonnen als Beifang identifiziert. Zu den untersuchten Gebieten gehörten auch die für den deutschen Handel wichtigen Regionen des Nordost-Atlantiks und der Beringsee. "Die Fischbestände können sich nicht erholen, solange 40 Prozent von allem, was wir aus dem Meer holen, wie Müll behandelt und nicht auf Fangquoten angerechnet wird", sagte Schacht.
 
Der Beifang verschärft nach Ansicht des World Wide Fund for Nature (WWF) das Problem der Überfischung, denn in den Netzen landeten zu viele Jungtiere, die über Bord geworfen werden, weil sie zu klein sind. Für zukünftige Fänge gehen sie verloren. Ihre ökologische Bedeutung für die Meeresumwelt werde gar nicht erfasst, wenn sie nur als Gewicht erscheinen. Die Auswirkungen des Beifangs für die Umwelt sei deshalb möglicherweise noch viel größer.
 
Kontrollen nötig

"Kein Industriezweig kann es sich leisten, auf Dauer mit einer so hohen Fehler- und Abfallquote zu wirtschaften", sagte Schacht. Außerdem fielen auch Meeresschildkröten, Delfine und Haie den Fangmethoden zum Opfer und würden damit in ihrem Bestand gefährdet. "Diese unsichtbare Fischerei, jenseits von Quoten und Managementplänen muss ein Ende haben."
 
Grundschleppnetze, die alles wahllos mitnehmen, und andere unselektive Fanggeräte sollten nach Ansicht des WWF durch umweltverträglichere und zielgenauere Techniken ersetzt werden. Außerdem müsse der Beifang an Land gebracht und auf die Fangquote angerechnet werden. Nötig seien außerdem effektive Kontrollen.
 
An die Verbraucher appelliert der WWF, nur umweltverträglich gefangene Fische zu kaufen. Diese seien etwa im Supermarkt am MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) zu erkennen. Die Umweltstiftung bietet auch einen Einkaufsratgeber an.>

MSC-Siegel (Marine
                          Stewardship Council) für umweltverträglich
                          bzw. nachhaltig gefangenen Fisch auf einer
                          Fischpackung mit dem Schlagwort "Fair zum
                          Meer"
MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) für umweltverträglich bzw. nachhaltig gefangenen Fisch auf einer Fischpackung mit dem Schlagwort "Fair zum Meer" [1]
MSC-Siegel mit der
                          Webseitenangabe www.msc.org
MSC-Siegel mit der Webseitenangabe www.msc.org [2]


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Spiegel
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15.4.2009: Primitiv und unflexibel: Frankreichs Fischer akzeptieren höhere Fangquoten nicht und blockieren den Hafen von Dover

Dover:
                  Der Hafen ist mit Fischerbooten blockiert, 15. April
                  2009
Blockade am Hafen von Boulogne-sur-Mer [3]: Der Fährverkehr nach Dover musste unterbrochen werden

aus: spiegel online: Protest gegen Fangquoten: Fischer blockieren Fährstrecke zwischen Frankreich und England;  15.4.2009; http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,619140,00.html

<Sie wehren sich gegen Fangquoten, die von der EU festgelegt wurden: Zahlreiche Fischer blockieren die Hafeneinfahrten in Calais, Dünkirchen und Boulogne. Der Fährverkehr aus demenglischen Dover musste eingestellt werden.

London - Reisende, die mit der Fähre zwischen Frankreich und England fahren möchten, müssen sich auf massive Behinderungen einstellen. Wegen Protesten französischer Fischer hat die Schifffahrtsgesellschaft P&O Ferries am Mittwoch erneut den Betrieb über den Ärmelkanal vorübergehend eingestellt. Weder P&O-Fähren noch die von drei anderen Betreibern würden Dover in Richtung Calais, Dünkirchen oder Boulogne-sur-Mer in Frankreich verlassen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. In den drei Zielhäfen versperren die Fischer die Hafeneinfahrt.

Der Fährverkehr war bereits am Vortag wegen der Blockaden unterbrochen worden. Die Fischer protestieren gegen Fangquoten der Europäischen Union für Kabeljau, die dazu führen, dass sie häufig Teile ihres Fangs zurück ins Meer werfen müssen. Fischerverbände kritisieren die Quote regelmäßig als zu niedrig, Umweltschützer dagegen halten sie für zu hoch.

Die französische Regierung hat den Fischern ein Gespräch angeboten. An den festgelegten Fangquoten sei zwar nicht zu rütteln, sagte Frankreichs Fischereiminister Michel Barnier am Mittwoch im Radiosender France Info. Er biete für Donnerstag aber ein Treffen an, um über mögliche Unterstützungsmaßnahmen für die Fischer zu sprechen. Dies müsse dann aber "von Fall zu Fall" entschieden werden. Der Minister hob zudem hervor, dass die Fangquote für Kabeljau dieses Jahr 30 Prozent höher liege als im vergangenen Jahr.

Tausende Passagiere waren am Dienstag an den Häfen gestrandet und konnten erst in der Nacht über den Kanal gebracht werden. Die Route zwischen Dover an der Südküste Englands und den französischen Häfen zählt zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland.

sto/dpa/Reuters/AFP>


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20 minuten
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EU 22.4.2009: Primitiv und mörderisch: <Radikale Reform gefordert: Meere rund um Europa sind leergefischt

Es gebe einfach zu viele Fischer, schreibt die Kommission. Dies drücke auch die Preise und führe dazu, dass zahlreiche Staaten die Fischereibranche subventionierten: «In einigen Mitgliedstaaten übersteigen die Kosten der Fischerei für die öffentlichen Haushalte Schätzungen zufolge den Wert der Fänge. Einfacher ausgedrückt, zahlen die EU-Bürger für ihren Fisch praktisch zwei Mal: Einmal im Laden und dann noch einmal mit ihren Steuern.»

Nötig sei «eine radikale Reform der gemeinsamen Fischereipolitik», erklärte die Kommission. Denkbar wäre etwa eine rechtliche Begrenzung der Zahl der Fischkutter oder eine Art Verschrottungsprämie. EU-Fischereikommissar Joe Borg rief Fischer und Umweltschutzverbände auf, eigene Vorschläge zur Verbesserung der Lage vorzulegen: «Wir sollten jeden Stein umdrehen.»

Quelle: AP>


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EU 16.10.2009: Die feige EU sorft sich um den Kabeljau - aber Massnahmen gibt es kaum

Grafik:
                    Der Kabeljau ist bedroht und seit 1983 unter dem
                    Bestand, der für die Arterhaltung notwendig wäre
Grafik: Der Kabeljau ist bedroht und seit 1983 unter dem Bestand, der für die Arterhaltung notwendig wäre [4]

aus: 20 minuten online: Kabeljau: EU sorgt sich, tut aber nichts; 16.10.2009;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/19368821

<Trotz grosser Sorge um den Kabeljau will die EU-Kommission die Fangquoten in der deutschen Nordsee für das kommende Jahr konstant halten.

Nur am dänischen Kattegat, vor der schottischen Küste und den Faröer-Inseln sollten die Fangquoten wegen einer akuten Gefährdung der Bestände um 25 Prozent gekürzt werden, heisst es in einer am Freitag in Brüssel veröffentlichten Empfehlung an die EU-Fischereiminister. Für die übrigen Kabeljau-Bestände bleibt es bei den Vorgaben der langfristigen Pläne.

Bestände schrumpfen

Die Kommission kritisierte allerdings, die Bestände seien im vergangenen Jahr erneut geschrumpft. 2008 sei gemessen am Gesamtbestand so viel Kabeljau gefischt worden wie seit 1999 nicht mehr.

Eine erste Erholung zeichne sich dagegen bei der Seezunge ab, erklärte die Kommission weiter. Die Fangquoten in der Nordsee könnten deshalb um weitere ein Prozent gesteigert werden. Im vergangenen Jahr war die Quote bereits um sieben Prozent angehoben worden.

Deutlich herabsetzen will die Kommission die Fangquoten für Lund, eine Dorsch-Art. Sie sollen im nächsten Jahr um 15 Prozent reduziert werden. Wissenschaftler hatten eine Kürzung um 30 Prozent empfohlen.

(ap)>

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Frankreich 18.11.2009: Glattrochen: Grösste europäische Rochenart ist sehr bedroht

aus: 20 minuten online: Glattrochen: Grösste europäische Rochenart stirbt aus; 18.11.2009;
http://www.20min.ch/news/wissen/story/21657068

<Schon seit Jahren steht der im Ostatlantik [an europäischen Küsten] lebende Glattrochen Dipturus batis, dessen Fleisch als Seeforelle verkauft wird, auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Französische Meeresbiologen zeigen nun in einer Studie, dass unter dieser Spezies aufgrund eines Klassifikationsfehlers irrtümlich zwei Rochenarten geführt werden. Beide sind bedroht, aber die Grössere steht demnach durch die Überfischung unmittelbar vor dem Aussterben.

Die neue Einordnung erklärt eine Eigentümlichkeit des Glattrochens. Dieser erreicht gemäss der alten Taxonomie gewöhnlich eine Länge bis 1,40 Meter, wobei auffiel, dass manche Exemplare fast doppelt so gross wurden. Dabei handele es sich um verschiedene Arten, schreiben die Wissenschaftler der Meeresbiologischen Station Concarneau im Fachblatt «Aquatic Conservation»: Den kleineren Dipturus flossada und den grösseren Dipturus intermedia, der besonders stark bedroht sei. Die Forscher begründen ihre neue Klassifikation mit zahlreichen Details zu Grösse, Körperbau, Farbe und Entwicklung.

Ohne Prüfung und Anerkennung ihres eigenen Status könne die grössere Rochenvariante in naher Zukunft ausgestorben sein, mahnen die Experten. Glattrochen besiedelten ursprünglich weite Teile der europäischen Atlantikküste inklusive Ärmelkanal, Nordsee und westlicher Ostsee. Das Fleisch der Tiere gilt als schmackhaft. 60 Prozent der dokumentierten Fänge gehen auf das Konto französischer Fischer.

(ap)>

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5.3.2010: Fangverbot: Japan schert sich einen Dreck um den Thunfisch

aus: 20 minuten online; 5.3.2010; http://www.20min.ch/news/ausland/story/21010175

<Die Vertragsstaaten des Weltartenschutyabkommens (CITES) diskutieren yur Yeit `ber ein mñgliches Verbot des Thunfisch-Fangs. Japan stellt sich quer und will notfalls eigene Fanggebiete deklarieren.

Japan schlachtet weiterhin seinen Tuna ab.

Naturschützer warnen davor, dass der Blauflossen-Thunfisch (Thunnus thynnus) bald vom Aussterben bedroht ist, wenn die Jagd auf ihn im derzeitigen Ausmass weiter andauert. Vom 13. bis 25. März beraten die 175 CITES-Staaten in Katar über einen Vorschlag von Monaco, die Art unter einen strikten Schutz zu stellen und den internationalen Handel mit diesem Fisch zu verbieten. Dazu ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitgliedsstaaten erforderlich.

Japan will sich nicht an ein mögliches Verbot des Thunfisch-Fangs halten. Notfalls werde seine Regierung eigene Fanggebiete deklarieren, sagte der stellvertretende Fischereiminister Masahiko Yamada am Freitag in Tokio.

Die EU-Kommission hat sich ebenso wie die USA für ein Verbot ausgesprochen. Vorbehalte gibt es allerdings noch in Griechenland, Italien, Spanien und Malta.

In Japan ist Thunfisch ein zentraler Bestandteil von Sushi und Sashimi. Die auch international steigende Nachfrage hat dazu geführt, dass die Thunfisch-Bestände im Ostatlantik und im Mittelmeer von 1997 bis 2007 um 60 Prozent dezimiert wurden.

(ddp)>

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n-tv
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5.3.2010: Dicke Schneedecken auf Eisflächen behindern Sauerstoffbildung in den Seen und lassen Fische massenweise ersticken - tote Fische im Wasser

aus: n-tv online: Kein Licht, kein Sauerstoff. Fische ersticken unterm Eis; 5.3.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Fische-ersticken-unterm-Eis-article761737.html

<Der harte Winter ist vielen Fischen yum Verhängnis geworden. Durch dicke Schneedecken auf dem Eis ist kaum noch Licht in die Gewässer gelangt, so konnte sich auch kein Sauerstoff mehr bilden. Die Fische mussten ersticken.

Tote Fische schwimmen auf der Wasseroberfläche.

Der strenge Winter ist vielen Fischen zum Verhängnis geworden. "Das ist nach jedem Winter mit dicken Eis- und Schneedecken ein Problem, taucht in diesem Jahr aber vermehrt auf", sagte Magnus Wessel vom Bundesverband des Naturschutzbundes NABU in Berlin. Über Wochen sei kaum Licht durch die Eis- und Schneedecke auf den Gewässern gelangt. Dadurch konnte im Wasser kein Sauerstoff gebildet werden - und die Fische erstickten. In Berlin etwa treiben derzeit auf einigen Seen hunderte tote Fische.

"Je kleiner das Gewässer, desto eher kann es passieren", sagte Wessel, NABU-Referent für Natur- und Artenschutz. Licht werde zum Beispiel vom Plankton im Wasser dazu gebraucht, Sauerstoff durch Photosynthese zu bilden, erklärte der stellvertretende Leiter des Fischereiamtes Berlin, Jens Puchmüller. "Ist das Eis klar und nicht bedeckt, kann am Tag weiterhin Licht ins Gewässer gelangen." In anderen Fällen aber werde der Sauerstoff irgendwann knapp, die Fische erstickten.

Ausmass ist noch unklar

Wie viele Seen betroffen sind, ist unklar. In der Hauptstadt ist das Fischsterben schon von mehreren Gewässern bekannt. "Weitere tote Fische werden sicherlich erst sichtbar, wenn das Eis wieder schmilzt", sagte Puchmüller.

Der Fischbestand der Gewässer sei nicht unbedingt gefährdet, erklärte NABU-Experte Wessel. "Normalerweise erholen sich die Fischbestände gut." Wichtig sei jedoch, dass zumindest einige Fische überlebten. Problematisch könne es zudem in Gewässern werden, die beispielsweise durch Abwässer belastet seien. "Dann kann ein harter Winter dazu führen, dass sich der Fischbestand nicht mehr erholt."

dpa>

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20 minuten
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18.3.2010: Blauflossenthunfisch bleibt ungeschützt und ist vor dem Aussterben wegen Sushi

aus: 20 minuten online: Artenschutzkonferenz: Keine Rettung für den Thunfisch; 18.3.2010;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Keine-Rettung-fuer-den-Thunfisch-25739310

<An der Artenschutzkonferenz wurde das Handelsverbot für den Blauflossenthunfisch abgelehnt. Sushi-Liebhaber können weiteressen - so lange es den Fisch noch gibt.
 
Die Europäische Union hatte das Handelsverbot für den Fall angestrebt, dasss der Verband der Fischereiindustrie die Überfischung auch künftig nicht verhindern sollte. Ihr Antrag wurde am Donnerstag jedoch mit 72 zu 43 Stimmen abgelehnt.

Die Kampagne gegen den Artenschutz für den Blauflossenthunfisch hatte Japan angeführt, das dadurch seine «Esskultur» bedroht sah. In Japan zahlen Fischhändler teilweise mehr als 100 000 Euro für ein grosses Exemplar dieses rotfleischigen Thunfischs, den sie grösstenteils aus den EU-Staaten erhalten und der vor allem zu Sushi und Sashimi verarbeitet wird.

Unterstützung erhielten die Japaner unter anderem von Libyen und der Türkei. Auch ein Vorschlag Monacos, den internationalen Handel mit dem Blauflossenthunfisch sofort und ohne Wenn und Aber zu verbieten, damit sich der Bestand wieder erholen kann, fiel bei der Konferenz der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES durch.

Dramatischer Rückgang des Bestandes

Die Zahl der Blauflossenthunfische im Mittelmeer und im östlichen Atlantik ist in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 85 Prozent zurückgegangen. «Weil diese Fische so selten geworden sind, fängt man jetzt Jungtiere und päppelt sie bis zum Verkauf auf», erklärte Gerhard Adams, der stellvertretende Delegationsleiter des deutschen Bundesumweltministeriums bei der Konferenz in Doha.

Die Anträge zum Schutz des Thunfischs seien nun mit einer so grossen Mehrheit abgelehnt worden, dass die Chance, sie in einer Woche im Schlussplenum der Konferenz doch noch zu verabschieden, sehr gering sei, sagte er weiter.

Tierschützer kritisierten die Entscheidung der CITES-Staaten. «Das Votum der Vertragsstaaten ist eine Schande und setzt den König der Meere dem Untergang aus», sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin der Umweltschutzorganisation WWF.

(sda)>

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Spiegel
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25.3.2010: Kein Schutz von Thunfisch und Haien wegen "Esskultur"

aus: Spiegel online: Haie und Thunfische: Artenschutzkonferenz scheitert beim Schutz von Fischen; 25.3.2010; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685703,00.html

Hai: Anträge auf Handelsbeschränkungen für mehrere Hai-Arten abgelehnt

Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommen CITES haben bei ihrer Konferenz in Doha über insgesamt 42 Anträge debattiert. Am Ende siegte die Fischereiindustrie. Mehrere Anträge auf Schutz von Haien und Thunfisch wurden abgelehnt, Tierschützer sprechen von einem Debakel.

Doha - Auf der internationalen Artenschutzkonferenz hat die Fischereiindustrie ganz klar gesiegt. In Doha (Emirat Katar) scheiterte Deutschland im Schlussplenum doch noch mit einem zunächst verabschiedeten Schutzantrag für den Heringshai. Zuvor hatten die Delegierten der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES bereits Anträge auf Handelsbeschränkungen für andere Hai-Arten und den Sushi-Thunfisch abgelehnt. Für Elefanten hingegen bleibt es bei strengen Regeln, dem Handelsverbot mit Elfenbein.

Zum Abschluss der 13-tägigen Konferenz kam die notwendige Zwei- Drittel-Mehrheit für den deutschen Heringshai-Antrag nicht mehr zustande. Der Handel mit den Fischen ist auch künftig erlaubt. "Die Meere bleiben ein weißer Fleck beim Artenschutz", kritisierte der stellvertretende deutsche Delegationsleiter, Gerhard Adams. "Es gab viel Lobby-Arbeit, bei den Gegnern wie auf unserer Seite, aber wir haben unser Ziel ganz knapp verfehlt."

Fischfang-Nationen setzen sich durch

"Hinter dieser Entscheidung stehen vor allem Singapur, China und Japan", sagte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF. Er sprach von einem "Debakel für den Tierschutz". Ein zweiter deutscher Antrag zum Schutz des Dornhais, aus dessen Bauchlappen die Fischhändler Schillerlocken herstellen, war bereits abgeschmettert worden. Auch US-Anträge für eine Kontrolle des Handels mit Hammerhaien und dem Weißspitzen-Hochseehai lehnten die CITES-Staaten ab.


DIE BESCHLÜSSE DER ARTENSCHUTZKONFERENZ
Thunfisch-Überfischung
 
Keine Chance gegen die Fischerei-Nationen hatte der Thunfisch. Der bei Sushi-Liebhabern begehrte Blauflossenthunfisch darf weiter gefangen und verkauft werden. Die EU hatte ein Handelsverbot angestrebt. Japan sah seine "Esskultur" bedroht. Die Zahl dieser Fische in Mittelmeer und östlichem Atlantik ist in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 85 Prozent geschrumpft.

Hai-Schutz gescheitert
 
Deutschland konnte trotz eines ersten Abstimmungserfolgs letztlich keine Kontrolle für den Handel mit Heringshaien durchsetzen. Der Schutz für den Dornhai wurde von vornherein abgelehnt. Auch die Flossen des Hammerhais und des Weißspitzen-Hochseehais dürfen weiter unkontrolliert gehandelt werden. Zwei Anträge der USA auf Handelsbeschränkungen von 2012 an wurden abgelehnt.

Sieg für Elefanten
 
Tansania und Sambia erhalten keine Erlaubnis zum Handel mit Elfenbein. Abgelehnt wurde auch das Begehren der Länder, den Handel mit Elefanten, deren Häuten und Lederwaren daraus zu erlauben. Tansania wollte 90 Tonnen Elfenbein verendeter Elefanten und von beschlagnahmter Schmuggelware verkaufen. Pro Wildlife zählte im vergangenen Jahr 38.000 in Afrika gewilderte Elefanten.

Eisbär-Handel
 
Der Schutz des Eisbären wird nicht ausgeweitet. Der Handel mit Eisbären, Fellen und anderen Jagdtrophäen bleibt erlaubt. Der Antrag der USA scheiterte am Widerstand der Europäer - der Eisbär sei geschützt, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist

Schönster Molch
 
Der als "schönster Molch der Welt" geltende Zagros-Molch (Neurergus kaiseri) aus dem Iran ist akut vom Aussterben bedroht und darf deshalb künftig nicht mehr an Reptilien-Sammler im Ausland verkauft werden. Die Entscheidung für eine entsprechende Resolution fiel einstimmig. Von dem Molch, der wegen seines schönen schwarz-weißen Musters bei den Sammlern sehr begehrt ist, leben in der Natur nur noch weniger als 1000 Exemplare.
Adams zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse der Konferenz. Deutschland werde sich nicht entmutigen lassen. Aber er schränkte ein: "Es wird jetzt nur in kleinen Schritten weitergehen können." Beim Thunfisch sei es offensichtlich, dass die Bestände gefährdet seien. "Wir wollen nicht wegsehen", sagte Adams. Nun hoffe er, dass die Internationale Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) ihre Schritte zum Schutz der Fische umsetze - die unter dem Druck der Katar-Konferenz zustande gekommen seien.

Der internationale Handel mit Elfenbein und Elefantenleder wird nicht erlaubt. Tansania und Sambia scheiterten mit einem Antrag, den begrenzten Handel mit Lagerbeständen der Produkte von Dickhäutern wieder zuzulassen. "Das ist ein guter Tag für Elefanten", erklärte Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. "In Tansania war es besonders unglücklich, dass es viel Wilderei gerade in einem Nationalpark gibt, der mit deutscher Entwicklungshilfe entstanden ist", sagte Adams für die deutsche Delegation.

Schutz für Elefanten, Eisbär-Handel bleibt erlaubt

Der vom Klimawandel bedrohte Eisbär erhielt in Katar wiederum keine Hilfe: Der Handel mit den Tieren sowie Fellen und anderen Jagdtrophäen bleibt erlaubt. Der Antrag, den die USA gestellt hatten, scheiterte vor allem am Widerstand der Europäer. Die EU-Staaten begründeten ihr Nein damit, dass der Eisbär schon jetzt genug geschützt sei, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist. Tierschützer, die sich für den Antrag ausgesprochen hatten, sprachen von einem "schwarzen Tag für den Eisbären".

Das CITES-Abkommen gilt als sehr effektives Instrument für den Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, da es die kommerzielle Ausbeutung bedrohter Arten, wenn nicht ganz verhindern, so doch zumindest beschränken kann. Denn, wer gegen das Abkommen verstößt, kann seine Ware nicht mehr legal exportieren. "Bei anderen Umweltkonventionen wird oft nur sehr viel Papier produziert, aber bei CITES gibt es Sanktionsmechanismen", sagte Volker Holmes von der Umweltstiftung WWF zum Abschluss der Konferenz.

lub/dpa>

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n-tv
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25.3.2010: Haiarten weiterhin ohne jeden Schutz

aus: n-tv online: Deutscher Antrag abgelehnt: Heringshai bleibt schutzlos; 25.3.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Heringshai-bleibt-schutzlos-article794319.html

<Sämtliche Haiarten dürfen auch in Zukunft gehandelt werden. Das ist das enttäuschende Ergebnis zum Abschluss der Artenschutzkonferenz in Doha.

 Steaks vom Aussterben bedrohter Heringshaie liegen in einer Fischtheke.
Enttäuschung für die Tierschützer: Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES haben zum Abschluss ihrer Konferenz im Emirat Katar einen deutschen Antrag zum Schutz des Heringshais wieder gekippt. Damit wurden sämtliche Papiere zum Schutz der Haie von der Konferenz abgeschmettert. Nicht nur die Tierschützer, sondern auch die deutsche Delegation hatte sich am vergangenen Dienstag gefreut, als die CITES-Staaten den Schutz einer Hai-Art beschlossen hatten.

Mehrere Fischfang-Nationen veranlassten jedoch am Donnerstag eine zweite Abstimmung durch die Vollversammlung, bei der die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht mehr zustande kam. Das bedeutet, dass für den Handel mit Heringshaien auch künftig keine Ausfuhrgenehmigungen notwendig sind.

Weiterhin Schillerlocken und Haifischsteaks
"Die Meere bleiben ein weißer Fleck beim Artenschutz", kritisierte der stellvertretende deutsche Delegationsleiter in Doha, Gerhard Adams. "Hinter dieser Entscheidung stehen vor allem Singapur, China und Japan", sagte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF. Er sprach von einem "Debakel für den Tierschutz".

Ein zweiter deutscher Antrag zum Schutz des Dornhais, aus dessen Bauchlappen die Fischhändler Schillerlocken herstellen, war bereits zuvor abgeschmettert worden. Auch Anträge der USA für eine Kontrolle des Handels mit Hammerhaien und dem Weißspitzen-Hochseehai lehnten die CITES-Staaten ab.

dpa>

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n-tv
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21.4.2010: Dreifacher Quecksilberwert im Thunfisch für Sushi

aus: Gesundheit: In Thunfisch-SushiQuecksilberwerte überschritten; 21.4.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/gesundheit/Quecksilberwerte-ueberschritten-article833508.html

<In den USA darf die Obergrenze von 0,1 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden.

Bei einer Untersuchung von rohem Thunfisch auf Sushi-Häppchen in den USA haben Wissenschaftler bedenklich hohe Konzentrationen an gesundheitsschädlichem Quecksilber gefunden. Bei manchen Thunfisch-Arten übersteige der Quecksilber-Gehalt die von der US-Umweltbehörde EPA festgesetzte Obergrenze um mehr als das Dreifache, heißt es in der Studie, die im britischen Fachjournal "Biology Letters" veröffentlicht wird. Für die Erhebung haben die Wissenschaftler hundert Thunfisch-Sushi-Proben aus Restaurants und Supermärkten in den US-Bundesstaaten New York, New Jersey und Colorado ausgewertet.

Die US-Behörde EPA hat als unbedenkliche Obergrenze einen Wert von 0,1 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Die Studie ergab, dass eine 60 Kilo schwere Frau beim Konsum einer durchschnittlichen Portion Sushi mit Großaugen-Thunfisch - der am häufigsten verwendeten Art - einen Wert von 0,35 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht aufnimmt. Auch bei dem besonders teuren Blauflossen-Thunfisch lag der Wert mit 0,18 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht über der empfohlenen Grenze.

AFP>

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Spiegel
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4.5.2010: Fast kein Fisch mehr da in englischen Meeresgewässern

aus: Spiegel online: Ausgebeutete Meere: Britische Gewässer nahezu leergefischt; 4.5.2010;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,693002,00.html
 
Fischer in Cornwall (England): Dramatische Abnahme der Fischbestände

Die Überfischung der Gewässer um England und Wales hat dramatische Ausmaße erreicht: Innerhalb von 120 Jahren sind die Bestände um 94 Prozent geschrumpft. Wissenschaftler glauben, dass es in anderen europäischen Meeren nicht besser aussieht.

London - Den Fischbeständen rund um die britischen Inseln ging es in der Endphase des 19. Jahrhunderts noch vergleichsweise gut. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde mit Segelbooten und in Hafennähe gefischt. Dann aber kam die Dampfschifffahrt auf - und markierte eine Wende. Mit Dampfmaschinen betriebene Trawler konnten weiter von der Küste entfernte Fischgründe erschließen, über längere Zeit auf offener See bleiben und aufgrund modernerer Technik in größeren Tiefen fischen.


Schon 1885 untersuchte die britische Regierung, ob es einen Zusammenhang zwischen der immer schneller expandierenden Grundschleppnetzfischerei, dem Schrumpfen von Fischbeständen und der Zerstörung mariner Lebensräume gibt. Da jedoch Statistiken aus früheren Jahren fehlten, begannen die Behörden ab diesem Zeitpunkt, Daten zu den Fangausbeuten in allen größeren Häfen in England und Wales zu sammeln.

Wissenschaftler der University of York in Heslington haben diese lange kaum beachteten Daten jetzt ausgewertet und mit aktuellen Fangstatistiken verglichen. Die Ergebnisse sind erschreckend: Von 1889 bis 2007 sei die Biomasse im Durchschnitt über alle Fischarten um 94 Prozent gesunken. Vor 120 Jahren gab es rund 17-mal mehr Fische als heute, schreiben die Wissenschaftler um Callum Roberts im Fachmagazin "Nature Communications".

Der besonders beliebte Kabeljau ist in seinem Bestand demnach um 87 Prozent zurückgegangen. Die Werte beschreiben nach Ansicht der Wissenschaftler aber nicht nur den Verlust einer einzelnen Art, sondern den eines kompletten marinen Ökosystems.

Zahlen auf ganz Europa übertragbar

Obwohl unter der Ägide der Fischereipolitik der Europäischen Union die Fischbestände stetig zurückgegangen sind, machen die Wissenschaftler nicht die Politik für den Kollaps verantwortlich. Vielmehr habe der Rückgang bereits mit der modernen Fischerei eingesetzt: Mehr als ein Jahrhundert der intensiven Grundschleppnetzfischerei hat auf dem Meeresgrund lebende Arten wie den Heilbutt, den Steinbutt, den Schellfisch und die Scholle in den britischen Gewässern fast vollständig ausgelöscht. Da viele Fischereigründe innerhalb der EU aufgeteilt werden, seien diese Daten auf die gesamte europäische Fischindustrie übertragbar.

2009 wurde von der Kommission der Gemeinsamen Fischereipolitik eine Debatte initiiert, wie die Fischerei innerhalb der EU in Zukunft geregelt werden soll. Für Studien-Co-Autor Simon Brockington von der Marine Conservation Society ist es unabdingbar, dass die Regierungen begreifen, wie weit die Veränderungen der Lebensräume im Meer mittlerweile fortgeschritten seien. Die Studie sei eine Möglichkeit, die aktuellen Initiativen zum Erhalt der Meere den neuen Erkenntnissen zu den Fischbeständen anzupassen.

hda/ddp>

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Spiegel
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30.4.2010: Fisch: Osteuropäische Kesslergrundel in Zentraleuropa: klein und aggressiv

aus: Spiegel online: Eingewanderter Fisch: Allesfresser aus dem Osten erobert deutsche Flüsse; 30.4.2010;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692317,00.html

Neuankömmling im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel

Es ist nur logisch, dass Fische aus Osteuropa über den Main-Donau-Kanal den Weg nach Mitteleuropa finden. Die Fischkunden werden sich daran gewöhnen müssen. Aber lesen Sie selbst:

<DDP / Frank Hartmann

Neuankömmling im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel

Überraschender Fang im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel, eigentlich in Südosteuropa heimisch, breitet sich jetzt auch in deutschen Gewässern aus. Heimischen Fischen droht ein harter Konkurrenzkampf - und Anglern eine Plage.

Im südlichen Rhein ist offenbar eine neue Fischart eingezogen. Südlich von Mannheim sei eine Kesslergrundel (Neogobius kessleri) ins Netz gegangen, sagt der Fischereireferent Frank Hartmann von der Abteilung Landwirtschaft des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Durch den zugewanderten Fisch, der im Rhein nicht heimisch sei, drohten erhebliche ökologische Konsequenzen.

Rund 50 Fischarten leben im Rhein. Mancher droht nun ein harter Konkurrenzkampf mit dem Neuankömmling. Hartmann geht davon aus, dass sich die Kesslergrundel in wenigen Jahren in Baden-Württemberg stark ausbreiten wird. Andere Fischarten komplett verdrängen werde die Kesslergrundel aber wohl nicht. "Doch wir erwarten eine Gesamtverschiebung im ganzen Fischbestand", sagte Hartmann.

Die heimische Mühlkoppe beispielsweise sei bedroht: Sie besetze die gleiche ökologische Nische wie die Kesslergrundel. Zwangsläufig würde die Mühlkoppe daher Lebensräume einbußen, befürchtet der Fachmann. Außerdem sei zu erwarten, dass der Allesfresser mit dem großen Maul außer Krebsen und Insektenlarven auch auf Laich und kleinere Fische aus sei.

Der kleine Fisch schnappt nach jedem Köder

Der Fisch mit hellen Flecken auf dunklem Grund und verwachsenen Bauchflossen stammt aus Küstengewässern und Flussmündungen im Schwarzen Meer und Kaspischen Meer. 1994 wurde er in der österreichischen Donau entdeckt, wohin er wahrscheinlich mit dem Ballastwasser von Frachtschiffen verschleppt worden ist. Danach breitete sich die Kesslergrundel massenhaft in der Donau aus, seit etwa 1999 auch in der deutschen Donau und im Main.

Weshalb sich der Fisch vom Schwarzen Meer aus über die Donau aufwärts durch den Rhein-Main-Donau-Kanal und dann über den Main in den Rhein ausgebreitet habe, sei noch nicht geklärt, sagt Hartmann.

Im Oktober 2006 wurde die Kesslergrundel schließlich erstmals im nordrhein-westfälischen Rhein gesichtet. Dort habe sie sich in den vergangenen Jahren so stark ausgebreitet, dass die Angelfischerei stark beeinträchtigt sei, sagt Hartmann. Die Kesslergrundel schnappe nach jedem Köder, der ihr angeboten werde. Dabei ist der Fisch nach Angaben Rheinfischerei-Genossenschaft in Nordrhein-Westfalen aufgrund seiner geringen Größe von etwa 20 Zentimetern für Angler eigentlich uninteressant.

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Spiegel
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25.5.2010: Überfischung: Forscher warnen, bis 2050 werden die Meere leer sein

aus: Spiegel online: Leere Meere: Forscher warnen vor Kollaps der Fischerei bis 2050; 25.5.2010; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,696639,00.html

<DAPD

Fische im Ozeaneum Stralsund: Forscher warnen vor leergefischten Meeren

Die Lage in den Weltmeeren spitzt sich dramatisch zu: Ein Großteil der Fischbestände ist ausgeplündert. Schon in wenigen Jahrzehnten könnte kommerzieller Fischfang nicht mehr möglich sein, warnen Umweltschützer. Neue Studien beweisen, wie wenig zum Schutz der Tiere passiert.

New York - Mehr als drei Viertel aller Fischbestände auf hoher See sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen schon jetzt überfischt. Es müsse damit gerechnet werden, dass bis zum Jahr 2050 die Fischerei weltweit komplett zusammenbrechen werde, sagt Susan Lieberman von der Pew Environment Group zum Auftakt einer einwöchigen Konferenz in New York. Grundlage ihrer Warnung waren Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen.

Bei dem Treffen geht es darum, das Fish Stocks Agreement (UNFSA), ein Fischereiabkommen der Uno, zu überarbeiten. Es steht viel auf dem Spiel: "Wir sprechen von der Zukunft der Ernährungssicherung auf unserem Planeten", sagte Lieberman. Die Krise habe gewaltige Auswirkungen auf Entwicklungsländer und Küstengebiete. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung - bis zu drei Milliarden Menschen - seien auf Fisch als wichtigste Eiweißquelle in ihrer Ernährung angewiesen.

Eine Forschergruppe unter Leitung von Pew-Mitarbeiterin Kristin von Kistowski hatte in der vergangenen Woche im Fachblatt "Science" gewarnt, dass jedes Jahr weltweit weiter bis zu 26 Millionen Tonnen illegal gefangener Fisch angelandet würden, wenn die Fischerei nicht schärfer kontrolliert werde. Das bisherige internationale Überwachungssystem sei nicht ausreichend.

Unter dem Dach der Welternährungsorganisation (FAO) ist zwar ein neues Regelwerk entwickelt worden, doch ihm fehlt es derzeit noch an internationaler Unterstützung. Bisher haben nur 14 Staaten und die Europäische Union das Abkommen angenommen. Damit die Vorschriften beim Entladen von Fischereischiffen tatsächlich verschärft werden, müssen aber 24 Länder und die EU zustimmen. Weltweit würden Staaten ihren Verpflichtungen zum Schutz der Fischbestände nur unzureichend nachkommen, so das Fazit der Pew-Experten.

"Zum Vergnügen von Suppen-Liebhabern abgeschlachtet"

Eine weitere Studie, die im Fachmagazin "Marine Policy" veröffentlicht wurde, legt nahe, dass auch regionale Organisationen zum Fischereimanagement oft versagen. Forscher um Sarika Cullis-Suzuki von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver haben sich 18 dieser Organisationen angesehen und kommen zu einem wenig schmeichelhaften Schluss: "Selbst wenn das Mandat einer solchen Organisation die Bewahrung von Fischbeständen ausdrücklich erwähnte, war von diesem Ziel im Endeffekt oft nicht viel zu sehen."

Beinahe zynisch mutet es da an, dass die Piraterie vor Ostafrika für den Schutz der dortigen Fischbestände zu sorgen scheint - weil sich die Trawler aus Angst vor Überfällen nicht mehr in die Gegend trauen.

Der Pazifikstaat Palau forderte auf der Konferenz in New York ein internationales Moratorium auf das Abschneiden von Haiflossen. Jedes Jahr würden 73 Millionen Haie getötet, nur weil Feinschmecker Flossen in der Suppe schwimmen sehen wollten, sagte Palaus Uno-Botschafter Stuart Beck. "Das ist so unnötig und grausam wie das Töten von Elefanten, um aus ihren Stoßzähnen Schmuck zu fertigen." Nur ein gemeinsamer Aufschrei könne verhindern, "dass die Haie weltweit zum Vergnügen von Suppen-Liebhabern abgeschlachtet werden".

Im März hatten es die Mitgliedstaaten des Uno-Artenschutzabkommens nicht geschafft, sich auf Anträge zum Schutz von Haien und Thunfisch einigen. Tierschützer sprachen von einem Debakel. "Die Meere bleiben ein weißer Fleck beim Artenschutz", gestand der stellvertretende deutsche Delegationsleiter, Gerhard Adams, ein.

chs/apn>
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Wal- und Delfinschutz-Forum, Logo

WDSF 25.5.2010: Petition gegen den Walfang auf den Färöer-Inseln - vergiftetes Walfleisch (Quecksilber, PCB etc.)

aus: Jürgen Ortmüller: Internationale Petition zur Beendigung des Walfangs und Konsums von Walfleisch auf den Färöer-Inseln; Rund-E-Mail des Wal- und Delfinschutz-Forums WDSF vom 25.5.2010;

Die Petition:
http://www.thepetitionsite.com/21/international-petition-to-end-the-consumption-of-whale-meat-in-the-faroe-islands

ProWal/WDSF – Infomail – Wichtige Petition – Bitte um Teilnahme und Weiterleitung

Wal mit Baby und Totenkopf


Liebe Delfin- und Walfreunde, liebe TS/TR-Kollegen;

Andreas Morlok, Gründer und Geschäftsführer von ProWal und Jürgen Ortmüller, Gründer des WDSF, werden im Sommer 2010 auf die Färöer-Inseln im Nordatlantik fliegen, um sich für die Beendigung des blutigen und grausamen Delfin- und Walfangs einzusetzen. Die beiden Organisationen fordern ein Konsumverbot des mit Umweltgiften verseuchten Walfleisches. Geplant sind auch mehrere Treffen mit den Verantwortlichen der Regierung und Ärzten auf der Insel.

Aus seinen Erfahrungen des Besuchs der Färöer-Inseln im Jahr 2000 bei einer gemeinsamen Aktion mit Paul Watson (Ex-Greenpeace-Mitbegründer und Präsident der Sea Shepherd Conservation Society – SSCS) weiß Jürgen Ortmüller, dass der Aufenthalt auf der Inselgruppe nicht ungefährlich ist. Die Wikinger-Vorfahren wollen den alljährlichen Walmord an bis zu Eintausend Grindwalen und Delfinen möglichst geheim halten. Der überwiegende Teil des Walfleischs wird innerhalb der Bevölkerung verteilt, der Rest landete auch schon mal auf Müllkippen.

Insbesondere auch der Schutz der Kinder und Schwangeren liegt ProWal und WDSF am Herzen. Das Walfleisch ist aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen sehr stark mit Quecksilber, PCB und anderen Umweltgiften belastet. Trotzdem wird es konsumiert und führt nachweislich zu neurologischen Erkrankungen und einem sehr hohen Parkinson-Krankheitsanteil auf der Inselgruppe mit rund 45.000 Einwohnern. Der blutige Walfang findet nur aufgrund einer Jahrhunderte alten Tradition statt. Politische Parteien auf den Färöer haben Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen, wenn sie den Walfang (aus gesundheitlichen Gründen) verbieten würden.

Die wissentliche gesundheitliche Beeinträchtigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe auf Kosten der sensiblen Meeressäuger ist jedoch eine internationale Angelegenheit!

Um die Aktion zu ermöglichen sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen!

1.)
   Teilnahme an der Petition

Nur mit einer großen Anzahl von Unterschriften ist es möglich, dass wir Termine vereinbaren können. Deshalb bitten wir um eine Beteiligung an der folgenden Petition. 

http://www.thepetitionsite.com/21/international-petition-to-end-the-consumption-of-whale-meat-in-the-faroe-islands


2
.) Spenden für die Aktion

Die Aktion mit Reise auf die Färöer-Inseln ist extrem teuer und nur mit Spenden zu finanzieren.

Wir bitten deshalb um finanzielle Unterstützung auf unsere Spendenkonten (die Spenden sind steuerlich absetzbar):


WDSF
Dresdner Bank Hagen
Kto: 09 123 544 00
BLZ: 450 800 60

ProWal
Sparkasse Singen-Radolfzell
BLZ: 692 500 35
Konto-Nr.: 4615472

Verwendungszweck jeweils: „Aktion Färöer-Inseln“

Herzlichen Dank für die Unterstützung und Weiterleitung dieser Info-Mail.

Beachten Sie bitte unsere fortlaufenden Informationen zu der Aktion auf:

http://www.walschutzaktionen.de/226301.html und

http://www.wdsf.eu/aktionen

 

Mit solidarischen und walfreundlichen Grüßen

Jürgen Ortmüller – Geschäftsführer WDSF

Andreas Morlok – Geschäftsführer ProWal

Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)*

Meeressäuger-Umweltschutzorganisation

gUG (haftungsbeschränkt) - gemeinnützig

Möllerstr. 19, 58119 Hagen

Tel.:     0049/(0)2334/9190-22

Fax:     0049/(0)2334/9190-19

mobil:  0049 (0)1512 4030 952

E-Mail:   wds-forum@t-online.de

Internet: www.wdsf.de

WDSF in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wal-_und_Delfinschutz-Forum_-_WDSF

 *Jürgen Ortmüller

   Gesellschafter-Geschäftsführer u. Gründer WDSF

   HR B 8068 - Amtsgericht Hagen


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Projekt Walschutzaktionen (ProWal)
Gemeinnützige Meeressäuger-Umweltschutzgesellschaft
gUG (haftungsbeschränkt) –
St-Nr.: 18158/02431
Amtsgericht Freiburg HR B 704171
Gesellschafter-Geschäftsführer: Andreas Morlok
 
Haydnstraße 1
D-78315 Radolfzell
Tel: 0049 (0)7732 14324
E-Mail:
ProWal-Deutschland@t-online.de
Internet:
www.walschutzaktionen.de

ProWal in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/ProWal

Panorama


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n-tv
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EU 10.6.2010: <Quoten vorzeitig erschöpft - EU stoppt Thunfischfang>

Die "modernen" Fischerboote sind die "Ringwadenschiffe". Man kann mit diesen Fischen sehr schnell viele Fische fangen und verarbeiten. Deswegen liegen diese Schiffe auch meistens im Hafen. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online; 10.6.2010; http://www.n-tv.de/panorama/EU-stoppt-Thunfischfang-article915280.html

<Aus Sorge um die Bestände beendet die EU-Kommissino die diesjährige Fangsaison für den Roten Thun vorzeitig. Das Fangverbot betrifft das Mittelmeer und den Ostatlantik.

Die Fangsaison für den im Mittelmeer vom Aussterben bedrohten Roten Thunfisch ist in diesem Jahr vorzeitig beendet. Weil die industriellen Fangflotten der EU ihre jährlichen Quoten bereits nach der Hälfte der vierwöchigen Saison erfüllt hatten, stoppte die zuständige EU-Kommissarin Maria Damanaki die Ringwadenfischerei auf Roten Tun. Die Umweltstiftung WWF begrüßte diese Maßnahme, forderte aber ein generelles Verbot der Ringwadenfischerei auf Roten Thunfisch im Mittelmeer auch für die Zukunft.

"Dass die EU Flotte in zwei Wochen ihre gesamte Jahresquote an Rotem Thun ausfischt, ist kein Zeichen für eine Erholung der Bestände - sondern zeigt die immense Überkapazität in dieser Fischerei", sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF. "Der Einsatz von Ringwadenschiffen in dieser Fischerei ist weder angemessen noch nachhaltig – und ökologisch untragbar".

Die französische Fangflotte hatte laut WWF am 8. Juni bereits 1.456 Tonnen, also 86 Prozent ihrer jährlichen Quote gefangen, die spanische Flotte bereits 90 Prozent oder 728 Tonnen Thunfisch. "Dass diese High-Tech-Schiffe für 50 Wochen an der Hafenmauer festliegen, ist absurd. Dass sie überhaupt zum Fischen fahren können, liegt nur an den riesigen Subventionen, die die EU ihnen gewährt hat", so Schacht weiter.

Der WWF hat in der Vergangenheit wiederholt einen Fangstopp im Mittelmeer gefordert. Die Bestände waren hier in den letzten 50 Jahren um 75 Prozent eingebrochen, die fortpflanzungsfähige Population gilt als akut gefährdet.

AFP>

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n-tv
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17.6.2010: Kot und Lärm im Meer: Fischfarmen bedrohen Umwelt

aus: n-tv online; 17.6.2010; http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Fischfarmen-bedrohen-Umwelt-article927269.html

Durch Zufall finden Forscher heraus, welchen schädlichen Einfluss chilenische Lachsfarmen auf ihre Umwelt haben. Neben Verunreinigungen des Wassers sind auch laute Motorengeräusche und Schutznetze Bedrohungen für viele Meeresbewohner.

Ein Lachs in einer Farm in Eastport-Maine, im Osten der USA.

Chilenische Lachsfarmen sind nach Beobachtung Göttinger Forscher eine akute Bedrohung für die Umwelt - Chile ist weltweit einer der wichtigsten Produzenten von Zuchtlachs. In der unmittelbaren Umgebung der Lachsfarmen gebe es kaum noch anderes Leben, berichtete das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.

Ursache sei die dicht gedrängte Haltung der Fische, die den Einsatz von Medikamenten und Pestiziden erzwingt. Zudem treibe mengenweise der Kot der Zuchttiere und überschüssiges Futter im Wasser. Die Göttinger Forscher berichten über ihre Beobachtungen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature".

Die Max-Planck-Wissenschaftler wollten in den Pazifik-Gewässern Patagoniens eigentlich die akustische Kommunikation der einheimischen Wale untersuchen. Eher durch Zufall stießen sie dabei auf die Folgen der Lachszucht.

Seelöwen strangulieren sich

Weite Teile der abgelegenen Region stehen unter Naturschutz. Dies gilt aber offensichtlich nicht für das angrenzende Meer. Da die abgelegenen Fjorde von Land aus kaum zugänglich seien, habe sich das ganze Ausmaß der negativen Folgen der massenhaften Lachszucht erst bei Studien vom Wasser aus gezeigt.

Die Motoren von Versorgungseinrichtungen sind so laut, dass sie Meeresbewohner vertreiben.

Neben den sichtbaren Folgen, zu denen auch durch Schutznetze der Lachsfarmen strangulierte Seelöwen gehörten, fanden die Wissenschaftler auch eine unsichtbare Bedrohung für die Meeressäuger der Region: Akustische Messungen ergaben, dass die Motoren der Versorgungsschiffe und die Generatoren der Futtermaschinen in den Lachsfarmen für einen ständigen Lärmpegel sorgen, der die akustische Kommunikation von Blau-, Buckel- und Seiwale stört und sie vertreibt.

dpa>

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n-tv
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12.6.2010: Fischereimethoden töten auch Millionen Seevögel, und die EU unternimmt bisher nichts

aus: n-tv online: Welt & All: Tücken der Fischleinen und Netze: Zwei Millionen Seevögel getötet; 12.6.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Zwei-Millionen-Seevoegel-getoetet-article920978.html

<Mit Baumaterial im Schnabel fliegt der Seevogel zu seinem Nest an der Küste der Nordseeinsel Helgoland. Auch ihm könnten die Fischereigeräte zum Verhängnis werden.

Jährlich kommen zwei Millionen Seevögel, darunter auch geschützte Arten, durch diverse Fischereigeräte ums Leben. Obwohl die Zahlen weiterhin steigen, wurde bislang noch nicht viel unternommen.
 
Hakenleinen, Netze und andere Fischereigeräte haben in den vergangenen zehn Jahren rund zwei Millionen Seevögel in den Gewässern der EU getötet. Das schätzt die Vogelschutzorganisation Bird-Life International. Demnach ertrinken allein in Kiemennetzen in Nord- und Ostsee jährlich rund 90.000 Vögel. Westlich vor Irland kamen weitere 50.000 Vögel um – an mit Ködern bestückten Haken von Langleinen. Die Zahl der getöteten Tiere übertreffe noch jene der Vögel, die bei allen Öltanker-Katastrophen in Europa in den vergangenen 43 Jahren umgekommen sind.

Erste Hilfe besonders für geschützte Seevögel von Nöten

Viele Vögel ertrinken, weil sie nach den Ködern tauchen, die an Langleinen befestigt sind. Andere verheddern sich in Treib-, Schlepp- und Kiemennetzen oder kollidieren mit den Leinen, die das Netz mit dem Boot verbinden. Zudem locken Abfälle und Rückwürfe die Vögel in großer Menge zu den Fischerbooten.

Viele der betroffenen Arten seien durch europäische Vorschriften geschützt, dennoch gingen ihre Zahlen rapide zurück, teilte die Organisation mit. Ganz besonders gefährdet sei der Balearen Schwarzschnabel- Sturmtaucher (Puffinus mauretanicus) - er könnte binnen einer Menschengeneration ganz verschwunden sein, wenn nichts zu seinem Schutz unternommen werde.

Nach Angaben des BirdLife-Experten für den Schutz der Meere, Euan Dunn, gibt es zahlreiche technische Möglichkeiten, die Vögel zu schützen. Glitzernde Bänder etwa sollen die Tiere von den Leinen fernhalten, zudem können zusätzliche Gewichte die Leinen mit den Haken rasch absinken lassen, bevor die Vögel zuschnappen können. Von Südafrika bis Chile seien solche Vorschriften und die entsprechenden Techniken bereits im Einsatz, "aber tragischerweise nicht in Europa".

Möglichkeiten ohne  Ausführung - [die EU hätte viele Möglichkeiten, unternimmt aber bisher nichts]

Bereits im Jahr 2000 habe die Europäische Kommission zugesagt, etwas gegen den Vogeltod durch die eigenen Fischerboote zu unternehmen - sowohl hierzulande als auch in anderen Meeresgebieten. "Aber zehn Jahre später und zwei Millionen Seevögel-Leichen später warten wir noch immer auf Aktionen", kritisierte Dunn.

dpa>

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n-tv
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Elbe 21.6.2010: <Weniger Schwermetalle im Wasser - mehr Fischarten in der Elbe

aus: n-tv online; 21.6.2010; http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Mehr-Fischarten-in-der-Elbe-article932667.html

1989 war die Elbe einer der schmutzigsten Flüsse in Europa. In der Zwischenzeit hat sich allerdings die Belastung durch Schwermetalle deutlich verringert. Der Lohn: Statt 37 leben nun 48 Fischarten in dem Strom.

Seit der Wende ist die Zahl der Fischarten in der Elbe wieder deutlich gestiegen. Während sich 1991 nur 37 Arten in der mittleren Elbe tummelten, sind dies heute wegen der deutlich besseren Wasserqualität 48, wie Sachsen-Anhalts Umweltministerium in Magdeburg mitteilte.

Das Messschiff "Albis" sammelt - wie schon 1990 - Wasserproben auf der Elbe.

In den vergangenen 20 Jahren sei die Belastung mit Schwermetallen wie Quecksilber um rund 90 Prozent gesunken. Die Belastung mit organischen Stoffen, die zum Beispiel aus den kommunalen Abwassern stammen, ging demnach um 60 Prozent zurück.

Die Elbe gehörte 1989 zu den am stärksten verschmutzten Flüssen Europas. Die Verunreinigungen resultierten vor allem aus Abwassern der chemischen Industrie, der Zellstoff- und Papierindustrie und aus der unzureichenden Reinigung kommunaler Abwässer. So waren in der ehemaligen DDR nur 54 Prozent der Einwohner an zentrale Kläranlagen angeschlossen.

"Früher konnten die Magdeburger die Elbe am Geruch erkennen. Das wird ihnen heute nicht mehr gelingen", erklärte Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens anlässlich des Jahrestags der ersten deutsch-deutschen Messfahrt auf der Elbe vor 20 Jahren.

dpa>

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Spiegel
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Amazonas 11.7.2010: Flussdelfine werden zu Ködern verarbeitet - und das Aussterben naht

aus: Spiegel online: Flussdelfine im Amazonas - Flipper wird Fischköder; 11.7.2010;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,705845,00.html

<AP
Die Flussdelfine des Amazonas sind akut bedroht. Die Tiere sterben in Scharen - harpuniert von Fischern, die das Fleisch als Köder nutzen. Experten warnen: Wird das Schlachten nicht gestoppt, droht der Spezies das Ende.

Tragödien lassen sich zuweilen in abstrakte, kalte Zahlen fassen: Die Erklärung für das rapide Sterben des Amazonasdelfins Inia geoffrensis ist so ein Fall. Die größte der drei bekannten Arten echter Flussdelfine erreicht eine Länge von zweieinhalb Meter und ein Gewicht von bis zu 180 Kilogramm.

Er ist auch deshalb schwer, weil sein Fleisch fett ist, und auch das ist Teil des Problems: Calophysus macropterus, ein rund 45 Zentimeter langer Wels, liebt fettes Fleisch. Und Konsumenten in Kolumbien lieben Calophysus macropterus, dort Piracatinga genannt. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Export von Piracatinga von Brasilien nach Kolumbien verdreifacht.

Und weil der schmackhafte Wels Fischern rund 50 Cent pro Kilogramm einbringt, bedienen diese die steigende Nachfrage nur allzu gern, zumal die Beute leicht zu fangen ist mit dem Fleisch der Flussdelfine.

Ein getöteter Delfin bedeutet für die Fischer Köderfleisch, das ausreicht, um 500 Kilogramm Piracatinga zu fangen - und damit innerhalb weniger Nächte das Doppelte eines brasilianischen Mindest-Monatslohns zu verdienen.

Für die Delfine ist das fatal: Der schnelle Profit lockt immer mehr Fischer an den Fluss, die immer mehr der friedlichen Säuger töten. Jagen müssen sie sie zum Teil noch nicht einmal. Die neugierigen Tiere schwimmen mitunter an die Boote heran, von denen aus sie harpuniert werden.

Vier Wildhüter für rund 1,4 Millionen Quadratkilometer

So berichtet es die Wissenschaftlerin Vera da Silva, die Inia geoffrensis im Auftrag des brasilianischen Instituts für Amazonas-Studien erforscht. Das Projekt mit der Beobachtung in einem definierten Flussabschnitt laufe seit 17 Jahren, und seitdem falle die Delfin-Population dort jedes Jahr um rund sieben Prozent. Jüngst habe sich der Verfall sogar noch beschleunigt. Seit rund zehn Jahren sei die Jagd auf Köderfleisch zur Haupttodesart der Flussdelfine geworden.

Das Problem ist auch auf Regierungsebene längst bekannt, nur unternommen wird zu wenig. Gerade einmal fünf Wildhüter seien mit der Aufgabe betraut, die eigentlich längst illegale Jagd auf die Delfine zu unterbinden, erklärt ein Sprecher der brasilianischen Umweltagentur Ibama gegenüber der Nachrichtenagentur AP - für ein Gebiet, das rund 1,4 Millionen Quadratkilometer umfasst. Das entspricht fast der vierfachen Größe Deutschlands.

"Die Prioritäten", sagt Ibama-Sprecher Andrey Silva, seien eben anders gesetzt, "und im Augenblick konzentriert sich die Regierung auf das Thema der Entwaldung".

Gesicherte Erkenntnisse darüber, wie es um die Spezies bestellt ist, gibt es über da Silvas Stichproben hinaus nicht. Auf der Roten Liste der bedrohten Arten wird der Flussdelfin aus dem Amazonas unter "Mangelhafte Datenbasis" geführt. Schätzungen der Naturschutzorganisation WWF ergaben jüngst eine mit über 10.000 Individuen relativ stabile Population. Die brasilianischen Naturschützer würden das wohl anders sehen: Allein auf einem Flussabschnitt, der ein Areal von rund 11.000 Hektar abdeckt, wurden jüngst 1500 tote, ausgeweidete Delfine im Jahr gezählt.

pat/AP>


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n-tv
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Südpolarmeer 7.8.2010: Die Bestände von Krill, Seehecht und Eisfisch sind stark reduziert


aus: n-tv online: Tourismus spielt kaum eine Rolle: Überfischung gefährdet Südpolarmeer; 7.8.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/Ueberfischung-gefaehrdet-Suedpolarmeer-article1218721.html

<Ständige Minusgrade, lange Eisbedeckung, langsames Wachstum, wenig Beute, Dunkelheit – die Lebensumstände rings um den Südpol sind in vielerlei Hinsicht extrem. Eine der größten Bedrohungen geht jedoch von der Fischerei auf vier Arten aus.
 
8200 Arten ergibt die Bestandsaufnahme im Südlichen Ozean, vorrangig solche, die in den flachen Küstengewässern vorkommen. Es ist schwer, Fanggerät in die arktische Tiefsee herabzulassen – eine der entlegendsten Gegenden des Planeten. Huw Griffiths vom British Antarctic Survey präsentiert seinen Bericht über die Artenvielfalt in der Antarktis für den Census im Journal "PLoS One".

[Antarktischer Krill]

Die größte Bedrohung in der Region geht von der Fischerei auf vier Arten aus, schreibt Griffiths. Dazu zählt der Antarktische Krill. Die gigantische Zahl der etwa fünf Zentimeter langen, schwimmenden Garnelenartigen lässt sich nicht ermessen, zuweilen werden sie als die erfolgreichste aller Tierarten bezeichnet. Bei Feinschmeckern und damit auch den Fischern beliebt ist der Antarktische Seehecht und der Schwarze Seehecht.

Feines Fleisch als Delikatesse [Seehecht und die gut bezahlten, illegalen Fangschiffe]

Letzterer war bis vor ein paar Jahrzehnten kaum bekannt. Er lebt in großer Tiefe – bis zu 3800 Meter – aus der er mit langen Leinen heraufgeholt werden muss. In den kalten Gewässern seiner Heimat wächst der Raubfisch nur langsam und vermehrt sich spät. Die Eigner der illegalen Fangschiffe nehmen in Kauf, dass sie den Tieren keine Chance zur Erholung lassen, wenn sie die Bestände von ihrer Crew ausbeuten lassen. Sie können bei horrenden Portionspreisen viel Geld verdienen. Allein der Fischmeister – er bestimmt, wo die Köder ausgelegt werden – bekommt rund 150.000 Dollar pro Fahrt. Dem Fisch wird sein feines, weißes, auf der Zunge zergehendes Fleisch zum Verhängnis.

Der Antarktische Krill gilt zuweilen als erfolgreichste Tierart.

[Die Bestände des Bändereisfisch ("Eisfisch") wurden von "sowjetischen", polnischen und DDR-Flotten dezimiert]

Gefangen wird auch der Bändereisfisch. Das Tier ist überaus merkwürdig, weil ihm die roten Blutkörperchen fehlen, die bei Wirbeltieren für den Sauerstofftransport zuständig sind. "Doch in der Biologie gibt es keine Regel ohne Ausnahme", erklären etwa Experten der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Dass die Fische dennoch überleben, liegt an der größeren Pumpleistung des Herzens und einer stärkeren Hautatmung. Zudem kommen sie nur in kalten antarktischen Gewässern vor, wo die Stoffwechselleistung verringert ist.

Sie konnten sich so gut anpassen, dass sie in relativ großen Beständen auftraten. Da sie sich außerdem gut als Speisefisch eigneten, gerieten sie Ende der 60er Jahre ins Visier großer Fangflotten. Vor allem Trawler aus der Sowjetunion, Polen und der DDR holten an manchen Jahren über 100.000 Tonnen Eisfisch aus dem antarktischen Meer, heißt es in Hamburg. Ab Mitte der 70er Jahre fanden sich Eisfische zum Beispiel regelmäßig in den Fischläden der DDR. Doch die Bestände hielten dem hohen Fischereidruck nicht lange stand – ein Schicksal vieler Arten.

Der zunehmende Antarktis-Tourismus hingegen, so schreibt Huw Griffiths in "PLoS One", scheine keine große Bedeutung zu sein. Über die damit verbundene lokale Verschmutzung hinaus hat er keine großen Probleme ausgemacht.

dpa>

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Spiegel
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Marokko und Westsahara 28.8.2010: Die korrupte Regierung verkauft an die EU den Fisch, den die Afrikaner essen sollten - und die Bevölkerung hat von den Zahlungen nichts

aus: Spiegel online: Fischfang vor Afrikas Küste: Europa kauft die Meere leer; 28.8.2010;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,712541,00.html

<Von mare-Autorin Marlies Uken

Fischfang vor afrikanischer Küste: Die Fangrechte sind ein kostbares Gut

Die einen bekommen Fisch im Überfluss, die anderen gehen leer aus: Weil die EU Millionen Euro an korrupte Staaten zahlt, dürfen europäische Trawler die Fanggründe vor der Küste Afrikas plündern. "Cash for Fish" heißt das fragwürdige Geschäft - für die Einheimischen bleibt fast nichts übrig.

Das Gutachten ist geheim, doch seit einigen Wochen kursiert es im Internet. Elf Seiten umfasst das Schriftstück, das eng bedruckt und voller juristischer Fachausdrücke ist. Schwere Kost. Die Experten des Juristischen Dienstes des Europaparlaments beschäftigen sich darin mit der Frage: Dürfen Fischer aus Europa vor der Küste Westsaharas ihre Netze auswerfen?

Ein brisanter Fall. Denn Marokko verkauft regelmäßig Fischereirechte an Europa und erhält dafür jährlich 36,1 Millionen Euro. Im Gegenzug darf die EU-Flotte vor Marokko fischen. Und wie selbstverständlich gehen die Europäische Union und Marokko davon aus, dass auch die fischreichen Gewässer vor Westsahara eingeschlossen sind, obwohl der völkerrechtlicher Status des Landes umstritten ist. Westsahara wird seit über 35 Jahren vom Nachbarn Marokko besetzt.

Für die Juristen ist klar: Das Vorgehen der EU im Nordwesten Afrikas ist illegal. Wer die natürlichen Ressourcen eines Autonomiegebiets ausbeuten wolle, dürfe das nur zum Wohl der Bevölkerung und mit deren Einverständnis tun. "Es zeigt sich aber nicht, dass die finanziellen Zuwendungen zum Wohl der Bevölkerung in Westsahara verwendet werden", heißt es in dem Gutachten.

[Der EU-Fischerei-Wahnsinn hat sich in die ganze Welt ausgebreitet bis in die Südsee]

Die gesamte EU-Fischereipolitik steht in Frage [der EU-Fischerei-Wahnsinn in der ganzen Welt]

Die jüngste Expertenmeinung aus dem eigenen Haus ist ein Schlag ins Gesicht der EU. Denn das Gutachten hinterfragt nicht nur das Fischereiabkommen mit Marokko, sondern die gesamte EU-Fischereipolitik. Und die spielt sich schon lange nicht mehr zwischen Nordseeküste und Ägäis ab. Seit den 1980er Jahren hat Brüssel mit mehr als einem Dutzend Staaten Abkommen unterzeichnet. Weil in Europas Gewässern die Fischbestände hoffnungslos überfischt sind, ist die EU-Flotte inzwischen weltweit unterwegs. Fisch mag ein kostbares Gut sein - Fangrechte sind es noch viel mehr.

Um in den Besitz von Fangrechten zu kommen, bezahlt die EU jährlich 160 Millionen Euro. "Cash for Fish" heißt das Geschäft. Doch gerade in Afrika versickert das Geld in undurchsichtigen Kanälen. Wissenschaftler, Europaparlamentarier und Umweltschützer fordern daher eine Reform. "Die Fischereiabkommen mit Drittstaaten sind eine zwiespältige Sache", sagt Gerd Kraus, Leiter des bundeseigenen Instituts für Seefischerei in Hamburg. "Die EU muss sehr gründlich prüfen, wie gut beim Fischen in fremden Gewässern die Kriterien nachhaltiger Bewirtschaftung eingehalten werden."

Es ist der Kampf um die letzten Fische unserer Erde. Schon heute gelten 88 Prozent der Bestände in europäischen Gewässern als überfischt. Experten fürchten, dass die kommerzielle Fischerei in 40 Jahren vor dem Aus steht. Europas Fischer nehmen mittlerweile wochenlange Reisen in Kauf. Trawler aus Litauen fischen vor Marokko, spanische Flotten in der Südsee.

[7 EU-Abkommen mit westafrikanischen Staaten - Fangmethoden mit Sonar- und Radaranlagen, um Fischschwärme aufzuspüren]

200.000 Kilogramm Fisch pro Schiff - an einem Tag

Um ihren Fischern, wie es im Amtsdeutsch heißt, "Zugang zu Fischgründen zu sichern" und den "heimischen Markt zu versorgen", hat Brüssel mit insgesamt 15 Staaten Fischereiabkommen geschlossen. Einfach vor einer fremden Küste zu fischen, ist laut Völkerrecht tabu, jeder Küstenstaat besitzt exklusive Fangrechte innerhalb einer 200-Meilen-Zone. Die meisten Verträge garantieren den Europäern den Fang des begehrten Thunfischs, einige aber auch von anderen Arten wie Heringen, Sardinen oder Shrimps. 700 Schiffe fischen weltweit für die EU. Das entspricht zwar gerade einem Prozent der europäischen Flotte, doch weil es sich um riesige schippernde Fischfabriken handelt, liefern sie mehr als ein Fünftel des europäischen Fangs ab. Allein mit westafrikanischen Staaten hat Brüssel sieben Abkommen abgeschlossen, so viele wie mit keiner anderen Region der Welt.

Dass dort Hochbetrieb herrscht, kann Yvette Osinga aus eigener Anschauung berichten. Im Frühjahr kreuzte die Fischereiexpertin von Greenpeace auf einem Schiff vor Westafrika, um die Aktivität der EU-Flotte zu dokumentieren. "Wir haben in vier Wochen allein 60 EU-Schiffe vor Mauretanien gezählt. Das ist extrem viel", sagt Osinga. Bis zu 200.000 Kilogramm Fisch kann einer dieser Megatrawler an Bord ziehen - an einem einzigen Tag.

Die Fangboote sind mit modernen Sonar- und Radargeräten ausgestattet, die selbst kleinste Schwärme aufspüren. Manche Schleppnetze sind so groß, dass das Opernhaus von Sydney darin Platz finden würde. Es ist eine Liga, in der die heimischen Fischer mit ihren Nussschalen schon lange nicht mehr mitspielen.

[Die afrikanische Meere werden leergefischt - und die korrupten, afrikanischen Regierungen kassieren ab]

"Abkommen mit den korruptesten Staaten "

"Diese industrielle Fischerei hat verheerende Folgen für das Ökosystem in der Region", sagt Osinga. Die Welternährungsorganisation (FAO) stellte 2008 nur einigen Sardinenbeständen vor Afrika noch einen guten Zustand aus. Bei einigen Makrelenbeständen empfahl sie dringend eine Reduktion der Fangmengen.

Warum aber lassen sich Afrikas Nationen auf solche Geschäfte ein, wenn sie am Ende ihrer eigenen Fischerei schaden? Ein Blick in den Haushalt von Mauretanien klärt auf. Brüssel zahlt dem Staat, der zu den ärmsten der Welt gehört, jährlich 86 Millionen Euro für die Fangrechte. Es ist das wertvollste EU-Fangabkommen überhaupt. Laut Recherchen der Swedish Society for Nature Conservation sind die Zahlungen höher als die Summe, die das Land aus dem EU-Topf für Entwicklungshilfe erhält. Würde das Fischereiabkommen beendet, müsste Mauretanien auf 15 Prozent der Staatseinnahmen verzichten.

Die Zahlungen aber bringen die EU in eine Zwickmühle. "Wir schließen Abkommen mit den korruptesten Staaten dieser Welt", kritisiert Isabella Lövin, schwedische Grünen-Politikerin und Mitglied des Fischereiausschusses des Europäischen Parlaments.>

[Und das Geld dieser EU-Verträge landet auf schweizer Banken der korrupten, afrikanischen Regierungen, meistens in Genf, wo die UNO ist...]

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n-tv
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31.8.2010: <Panorama: Dramatisch geringer Bestand: Ostseehering wird knapp> - die Fischer dementieren

aus: n-tv online; 31.8.2010; http://www.n-tv.de/panorama/Ostseehering-wird-knapp-article1391091.html

<Einer der Lieblingsfische der Deutschen droht nach Angaben von Bundesagrarministerin Aigner (CSU) knapp zu werden. Die Verfassung des Heringsbestandes in der Ostsee sei dramatisch, sagte Aigner auf dem Deutschen Fischereitag in München. "Er befindet sich auf dem niedrigsten Niveau, das jemals festgestellt wurde - und außerhalb biologisch sicherer Grenzen".

Die Fischer bezweifeln das. Derzeit gebe es noch zahlreiche Heringe, sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischerei, Norbert Kahlfuß. Außerdem habe die Wissenschaft bestätigt, dass der Grund für den Rückgang der Population nicht Überfischung sei. "Wenn das so ist", sagte er, "warum sollen wir den Hering denn an Altersschwäche sterben lassen?"

dpa>

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19.9.2010: Die Festnahme eines Fischerkapitäns durch die japanische Küstenwache in "umstrittenen Gebieten" bringt China in Rage

aus: 20 minuten online: Fischer-Krise: China droht Japan; 19.9.2010; http://www.20min.ch/news/ausland/story/China-droht-Japan-25300709

<Die Festsetzung eines chinesischen Fischers in Japan schlägt immer höhere diplomatische Wellen. Die Volksrepublik brach alle hochrangigen Regierungskontakte ab.

Den Ausschlag dazu gab der Entscheid eines japanischen Gerichts, den Kapitän eines in umstrittenen Gewässern aufgebrachten Fischdampfers länger festzuhalten.

«China fordert von Japan die sofortige Freilassung des Kapitäns ohne Vorbedingungen», hiess es auf der Website des Aussenministeriums in Peking. Sollte Japan dem nicht nachkommen, werde China «starke Gegenmassnahmen» einleiten.

Japan rief zur Besonnenheit auf. Der Fall des Kapitäns werde entsprechend den japanischen Gesetzen angemessen behandelt, teilte ein Regierungssprecher mit.

Japan nahm den Kapitän nach einer Kollision seines Fischerbootes mit zwei Schiffen der japanischen Küstenwache Anfang September fest. Seine 14 Besatzungsmitglieder wurden vor wenigen Tagen freigelassen.

Einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge soll er nun aber noch bis zum 29. September in Haft bleiben. Spätestens dann muss entschieden werden, ob ein Prozess gegen den Kapitän angestrengt wird.

Gespräche eingestellt

Japans Entscheidung habe die Beziehungen beider Länder ernsthaft beschädigt, hiess es im chinesischen Staatsfernsehen. Alle Gespräche auf Minister- und Provinzebene würden eingestellt.

Auch Beratungen über den Ausbau des Flugverkehrs zwischen beiden Ländern würden abgebrochen. Ein Kohle-Treffen sei verschoben worden, hiess es in dem Bericht weiter.

Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind von tiefem Misstrauen geprägt und noch immer von Japans Besetzung chinesischer Gebiete vor und während des Zweiten Weltkriegs überschattet.

(sda)>

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n-tv
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4.10.2010: <Maritime Volkszählung: Mehr Leben im Meer als gedacht>

aus: n-tv online; 4.10.2010; http://www.n-tv.de/wissen/Mehr-Leben-im-Meer-als-gedacht-article1633466.html

<2700 Forscher haben sich zehn Jahre lang auf die Suche begeben. Ein Ergebnis: Das Leben in den Ozeanen ist vielfältiger als bisher angenommen. Ein anderes: Was wirklich alles im Meerwasser lebt, werden wir wohl nie gänzlich erfassen können.

Tausende zuvor unbekannte Lebensformen haben Forscher bei einer der größten wissenschaftlichen Gemeinschaftsaktionen überhaupt in den Weltmeeren aufgespürt. Nach zehn Jahren Arbeit wurde in London die von weltweit 2700 Wissenschaftlern aus 80 Nationen zusammengetragene "Volkszählung der Meere" vorgestellt. Mehr als 1200 neue Arten von Meerestieren konnten ausführlich beschrieben werden. Mehr als 5000 weitere wurden entdeckt, aber noch nicht abschließend beschrieben.

Herausgekommen sind bei den 540 Einzelexpeditionen unter anderem drei Bücher über den Zustand der Weltmeere. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass in den Weltmeeren insgesamt eine Million höhere Lebensformen zu Hause sind - erst 250.000 sind wissenschaftlich vollständig beschrieben. Dazu kommen noch bis zu eine Milliarde Mikrobenarten. Allein in einem Liter Meerwasser befinden sich 38.000 Mikroben, in einem Gramm Meersand bis zu 9000. Sogar in weniger belebten Regionen des Ozeans, etwa in der baltischen See oder der Region vor Nordost-Amerika, kommen bis zu 4000 verschiedene Tierarten vor.

Otto Normalverbraucher der Weltmeere

Die Wissenschaftler haben das gesamte Leben im "Planeten Ozean" untersucht - von der Arktis bis zu den Tropen. Ein Fünftel aller Tiere in den Meeren sind Krustentiere wie Krebse oder Hummer, 17 Prozent sind Weichtiere wie etwa Tintenfische. Mit zwölf Prozent liegen die Fische zahlenmäßig nur wenig vor den Einzellern und den Algen mit jeweils zehn Prozent.

Dieser fleischfressende Schwamm, ein Zentimeter im Durchmesser, gehört zu den bisher unbekannten Lebewesen, die die Forscher im Meer entdeckten.

Ein weiteres Ergebnis der gewaltigen Analyse ist, dass viele Arten in mehr Regionen vorkommen als bisher gedacht. Dass Meeressäuger wie etwa Wale ihr Leben lang kreuz und quer durch die Welt wandern, war vorher bekannt. Dass aber etwa der bedrohlich dreinschauende Viperfisch in 25 Prozent aller Ozeane vorkommt, ist neu. Die Forscher nannten ihn den "Otto Normalverbraucher der Weltmeere". Wie die Tiere es schaffen, unter den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht zu kommen, soll nun untersucht werden.

Noch unentdeckter als angenommen

Der Zensus ist angetreten, um eine Basis der Vielfalt, der Verbreitung und des Reichtums an Arten zu schaffen", sagte der Mitinitiator der Volkszählung, Jesse Ausubel. "Tatsächlich hat der Zensus des maritimen Lebens einen sich verändernden Ozean dokumentiert, dessen Vielfalt größer ist, der eine größere Vernetzung unter den Meeren zeigt, der mehr vom Menschen beeinflusst ist und der andererseits noch unentdeckter ist, als wir bisher angenommen haben." Weltweit wurden in die Untersuchungen 650 Millionen US-Dollar investiert. Die Stiftung des ehemaligen General-Motors-Chefs Alfred P. Sloan steuerte 75 Millionen US-Dollar bei.

Im Mittelmeer sind den Untersuchungen nach nur noch drei Prozent der Lebewesen Fische. Dafür sind dort am meisten "Gastarbeiter der Tiefsee" anzutreffen. Fische und Algen sind meist durch den Suez-Kanal aus dem Roten Meer eingewandert. In allen Meeren sind Überfischung, Verschmutzung und steigende Wassertemperaturen die größten Bedrohungen für die Artenvielfalt - mit regional jeweils unterschiedlicher Bedeutung.

Vom Leben erstaunt

Myriam Sibuet, Vizepräsidentin des wissenschaftlichen Steuerungskomitees der Untersuchung, sagte: "Der Zensus hat die bekannte Welt größer gemacht. Überall, wo wir hingeschaut haben, sind wir vom Leben in Erstaunen versetzt worden." Als einen der großen Erfolge der Aktion werten die Wissenschaftler, dass die erhobenen Daten nun strukturiert in global zugänglichen Datenbasen eingespeist und bearbeitet werden können.

"Vor dem Zensus hatten wir nicht einmal eine simple Liste mit den bekannten Arten des maritimen Lebens. Die Daten waren über die Welt verstreut, der Zugang begrenzt", sagte Patricia Miloslavich, Wissenschaftlerin aus Venezuela. "Wenn wir uns die Erde als Unternehmen vorstellen, mit der Menschheit als Vorstandschef, dann müssen wir wissen, wer die Angestellten sind."

Ein wenig mussten die Wissenschaftler auch kapitulieren. "Am Ende des Zensus wissen wir, dass der größte Teil des Ozeans immer unentdeckt bleiben wird", sagte die Wissenschaftlerin Nancy Knowlton, die sich für die Studie mit Korallenriffen beschäftigt hat. "Der Ozean ist einfach zu groß, nach zehn Jahren harter Arbeit haben wir nur einen Schnappschuss dessen, was die See enthält."

Michael Donhauser, dpa>

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5.10.2010: <34 Jungfischarten: Wieder mehr Fische im Rhein> - Untersuchung zwischen Iffezheim und Bingen in Deutschland - Anfang der 1970er Jahre waren es nur noch 17 Jungfischarten

aus: 20 minuten online; 5.10.2010; http://www.20min.ch/wissen/news/story/Wieder-mehr-Fische-im-Rhein-15169708

<Im nördlichen Oberrhein sind bei einer Untersuchung von den ursprünglich vorhandenen 44 Fischarten noch Jungtiere von 34 Arten nachgewiesen worden.

Das erste länderübergreifende Jungfischmonitoring der deutschen Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden- Württemberg brachte dieses Ergebnis hervor. Es wurd eheute auf dem rheinland-pfälzischen Mess- und Untersuchungsschiff MS «Burgund» vorgestellt wurde.

Das Ergebnis sei positiv zu bewerten, sagte Egbert Korte vom Büro für fischökologische Studien in Riedstadt, der die Untersuchung durchführte. Denn Anfang der 70er Jahre, zum Höhepunkt der Rhein- Verschmutzung, seien nur noch 17 Jungfischarten nachgewiesen worden.

Die Untersuchung wurde auf einem 190 Kilometer langen Rheinabschnitt zwischen Iffezheim und Bingen mit der sogenannten Elektrofischerei durchgeführt.

Dabei wird ein elektrisches Feld im Wasser erzeugt. Die im Stromkreis befindlichen Fische schwimmen zur Anode, wo sie dann untersucht und im Anschluss wieder ins Wasser zurückgegeben werden.

Die Daten lieferten einen wichtigen Baustein für die zukünftigen fischereiliche Bewirtschaftung des Rheins, sagte Hans-Jürgen Seimetz von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd Rheinland-Pfalz (SGD). Es gelte nun bei zukünftigen Massnahmen die erzielten Ergebnisse umzusetzen, um den Fischbestand im Rhein weiter zu erhöhen.

(sda)>

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Welt
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26.10.2010: Die EU kürzt die Fischfankquoten radikal

aus: Welt online; 26.10.2010; http://www.welt.de/wirtschaft/article10559846/EU-Kommission-kuerzt-Fischfangquoten-radikal.html

Die Fakten:

Die Beschlüsse der 27 [korrupten] EU-Minister:

Der Fang von Hering in der Ostsee wird um 30% gesenkt.

Für Sprotten wird die Fangmenge um 24% reduziert, für Lachs um 15%.

Die Fangquote für Dorsch wird dagegen erhöht, in der östlichen Ostsee um 15%, in der westlichen Ostsee um 6%.

Die EU-Kommission hatte für Sportten eine Reduktion von 30% für nötig gehalten.

Gemäss der EU-Kommission steht der Bestand des Kabeljaus vor dem Kollaps.

Auf Fischerbooten sollen neu auch Überwachungskameras installiert werden, um die kriminellen Fischer zu überwachen, die zu viele Fische fangen oder Fische über Bord werfen, weil diese zu klein seien. Die betroffenen Fische überleben das aber meist nicht. Es soll auch ein Prämiensystem eingeführt werden.

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Basler
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22.11.2010: 3/4 der Haifischarten sind vom Aussterben bedroht - wegen des industriellen Fischfangs: Haifischflossen gelten als "Delikatesse" in China - und "Beifang"-Haie

aus: Haisterben im Atlantik; 22.11.2010; http://bazonline.ch/wissen/natur/Haisterben-im-Atlantik-/story/14785486

<Mehr als eine Million Haie sterben jedes Jahr durch industriellen Fischfang im Atlantik. Von den 21 lebenden Arten sind drei Viertel vom Aussterben bedroht.

Vom Aussterben bedroht: Ein Riesenhai an der Ostküste der USA.

2008 seien 1,3 Millionen tote Haie gezählt worden, doch die wirkliche Zahl sei um ein Vielfaches höher, erklärte die Meeresschutzorganisation Organisation Oceana am Montag in Paris. «Haie sind auf internationaler Ebene nicht geschützt», kritisierte Meeresbiologin Elizabeth Griffin Wilson am Rande einer Sitzung zum Schutz der Thunfischs (ICCAT). Von den 21 im Atlantik lebenden Arten sind drei Viertel vom Aussterben bedroht. Laut der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) sind 99 Prozent der Hammerhaie sowie 70 Prozent der Weissspitzen-Hochseehaie bereits ausgerottet.

Tierschützer kritisieren die grausamen Fangmethoden: Oft hacken die Fischer den Haien die Flossen ab und werfen die sterbenden Tiere wieder ins Meer zurück. Die Flossen gelten in China als Delikatesse. Ausserdem landen die Meeresräuber als Beifang in den Netzen. Oceana und andere Gruppen forderten die Pariser Thunfischkonferenz auf, Fangquoten und andere Schutzmassnahmen für Haie zu beschliessen. Die Artenschutzkonferenz CITES hatte sich im Frühjahr nicht auf einen Schutzstatus für bedrohte Haiarten einigen können.

(jak /AFP)>

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Welt
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30.11.2010: Fischverzehr fast keiner mehr - viele Fische auf der "Roten Liste"

Der Einkaufsratgeber von Greenpeace sagt: Karpen und Forelle unbedenklich; Pangasius (aus Vietnam) ist auf "Roter Liste", Zuchtfarm-Pangasius mit Naturland-Zertifikat (ohne Antibiotika und Chemie gezüchtet) kann man kaufen

aus: Welt online: Einkaufsratgeber: Greenpeace verbietet Verbrauchern fast jeden Fisch; 30.11.2010;
http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article11312175/Greenpeace-verbietet-Verbrauchern-fast-jeden-Fisch.html
<Autor: Birger Nicolai

Wer mit gutem Gewissen Fisch essen will, kann nur Karpfen und Forelle kaufen. Die meisten anderen Arten sind laut Greenpeace bedroht.

Einen besonders schlechten Ruf hat bei Greenpeace der Pangasius: Dieser Zuchtfisch aus Vietnam steht im neuen Einkaufsratgeber der Umweltorganisation auf der roten Liste und sollte demnach nicht gekauft werden. Lediglich der Pangasius aus ökologischen Zuchtfarmen bilde eine Ausnahme, wenn er denn mit dem Naturland-Zertifikat ausgezeichnet sei. Die Kritik richtet sich gegen den Einsatz von Antibiotika und Chemieprodukten bei der Aufzucht.

Nun liegt aber in Deutschland gerade der Pangasius immer öfter auf dem Teller, der Absatz hat sich 2009 sogar verdoppelt. Die Fischindustrie zeigt sich daher entrüstet: „Die Einschätzung von Greenpeace ist nicht mit Fakten belegt. Außerdem ignoriert sie, dass es Zertifikate wie das Marine Stewardship Council (MSC) gibt, die eine nachhaltige Fischzucht garantieren“, sagte Fischverbands-Lobbyist Dieter Keller. Doch bei diesem Streit muss auch Fischexperte Keller zugeben, dass auf Seiten der Industrie Fehler gemacht werden: In Deutschland sollte ein neuer Rotflossenwels am Markt eingeführt werden. Bei genauer Prüfung der Behörden entpuppte sich der Neuling als alter Bekannter. Es war eine Pangasius-Züchtung, lediglich in einer anderen Form, aber zu einem deutlich höheren Preis. Aus der Einführung wurde nichts.

Bei Greenpeace bekommen allerdings noch viel mehr Fische ihr Fett weg. Außer Karpfen und Forelle kann der Einkäufer eigentlich keine Fischart ohne Bedenken auswählen: Aal und Rotbarsch sollten gar nicht auf den Teller kommen, Scholle, Kabeljau und Lachs hält Greenpeace ebenso für keine gute Wahl. Auch von Sardinen oder Seeteufel sollte der Kunde die Finger lassen. Entweder sind die Bestände leer gefischt oder stark bedroht. Oder die Fangmethode etwa mit schweren Schleppnetzen zerstört die Meeresböden und sorgt für große Mengen Beifang. 80 Fischarten und 380 Fischereibetriebe wurden untersucht. Die Fischindustrie hält diese Aussagen für pauschal und wenig hilfreich. Es gebe unterschiedliche Mengen in unterschiedlichen Gebieten.

Für den Verbraucher wird es dadurch nicht einfacher: Er kann sich zwar bei Fischkonserven und immer öfter auch bei Frischfisch über Herkunft und Fangmethode informieren. Auf den Internetseiten der Fischindustrie oder von Greenpeace findet er auch Hinweise auf überfischte Bestände. Oftmals gibt es aber Alternativen in anderen Regionen. Diese Angebote dann aber im Geschäft ausfindig zu machen und dabei auch noch die Fangmethode zu berücksichtigen, ist eine wissenschaftliche Herausforderung. Wenigstens beim Grundinteresse besteht Einigkeit: Industrie und Umweltschützer wollen dafür sorgen, dass es in den nächsten Generationen ausreichend Fischbestände gibt.

[Dänische Scholle wird zu Fischmehl]

Welche Auswirkungen das Einkaufsverhalten haben kann, zeigt das Beispiel der Scholle: Dieser Fisch ist in der Nordsee wegen der Fangmethode in Ungnade gefallen. Anderseits ist der Bestand dort so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dänische Fischereiboote holen ihn dennoch aus dem Meer. An Land aber finden die Fischer keine Käufer unter den Großhändlern. Nun werden in Dänemark Schollen immer häufiger zu Fischmehl verarbeitet.

Welche Fische man unbesorgt essen kann - [Die differenzierte Sichtweise von Welt.de]

[Seelachs unbeschränkt]
Der große Seelachs-Bestand in der Nordostarktis ist stabil. Auch in der Nordsee, dem wichtigsten Fanggebiet der deutschen Fischerei, ist diese Fischart nicht gefährdet.

Ebenso kann man Alsaka-Seelachs unbesorgt kaufen. Dies ist allerdings eine völlig andere Fischart, die im Handel ebenso als "Seelachs" bezeichnet wird. Sie lebt in amerikanischen Gewässern und wird dort nachhaltig bewirtschaftet.

[Kabeljau nur aus dem hohen Norden aus Norwegen]
Kabeljau oder Dorsch: Der weltweit größte Bestand lebt hoch im Norden in der Barentssee und ist in gutem Zustand. Die lange Zeit stark überfischte Population der östlichen Ostsee erholt sich derzeit schneller als gedacht, seit die illegale Fischerei unterbunden wurde.

In der Nordsee und westlich der Britischen Inseln sind die Kabeljau-Bestände übernutzt und müssen sich erholen.

[Makrele nur aus dem Nordostatlantik aus Norwegen]
Die Makrelen-Population im Nordostatlantik ist in einem gesunden Zustand.

Ende der 60er-Jahre brach der Bestand dieses Speisefisches in der Nordsee komplett zusammen, weil viel mehr gefangen wurde, als erlaubt war. Echte Nordsee-Makrelen sind seither nach wie vor selten. Doch Artgenossen aus einer westlich der Britischen Inseln beheimateten Population füllten das damals leer gefischte Fanggebiet wieder auf.

[Hering nur aus Norwegen]
Der größte Bestand von Heringen lebt in der Norwegensee und ist in einem ausgezeichneten Zustand. Es ist einer der größten Fischbestände, die es weltweit in den Ozeanen gibt. Sein Gesamtgewicht wird auf elf Millionen Tonnen geschätzt.

In den Fanggebieten der Nordsee und westlichen Ostsee, die wichtig für die deutsche Fischerei sind, ist weiterhin Zurückhaltung geboten, da sich die dortigen Heringspopulationen weiter erholen müssen.

[Scholle besser nicht, weil die Fangmethoden den Meeresboden schädigen]

Die Nordsee ist die Heimat des größten Schollen-Bestandes im Nordatlantik. Er wird als nicht gefährdet eingestuft. Problematisch sind jedoch manche Fangmethoden.

Schollen werden zum Teil mit Baumkurren gefangen, dies sind spezielle Grundschleppnetze, die mit Rollen und Kufen über den Meeresboden poltern und ihn dabei schädigen.

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Welt
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2.12.2010: Die Fischerei ist am Maximum angelangt - es kann nur noch schlimmer werden

Die Meeres-Schutzgebiete sind viel zu klein, nur knapp 0,1%. Da müsste sich wirklich etwas ändern. Aber lesen Sie selbst:

aus: Welt online: Forschungsbericht: Meere und Ozeane sind hoffnungslos überfischt; 2.12.2010;
http://www.welt.de/wissenschaft/article11354833/Meere-und-Ozeane-sind-hoffnungslos-ueberfischt.html

<Seit Jahrzehnten beuten Fischer bestehende Fanggebiete rücksichtslos aus. Und neue Fischgründe gibt es so gut wie keine mehr.

Thunfische liegen tiefgefroren auf einem Fischmarkt in Tokio. Sie sind seit langem vom Aussterben bedroht

Die kommerzielle Fischerei kann sich weltweit kaum noch neue Fanggründe erschließen und beutet die schon genutzten Gebiete extrem aus. Das berichten Forscher um Wilf Swartz vom Fischereizentrum der Universität von British Columbia in Vancouver (Kanada) im Journal „PLoS One“. Demgegenüber seien nur knapp 0,1 Prozent der Weltmeere als Schutzgebiete ausgezeichnet, in denen nicht gefischt werden dürfe.

Mit 90 Millionen Tonnen gefangenem Fisch erreichte die Fischerei in den späten 1980er-Jahren ihren Höhepunkt, heißt es in „PLoS One“. Im Jahr 2005 waren es noch 87 Millionen Tonnen. Dieser Rückgang zeuge aber nicht von erfolgreichen Schutzmaßnahmen, berichten die Autoren.

"Es zeigt eher an, dass wir schlicht keinen Raum mehr haben, um die Fischereigewässer auszudehnen“, erklärte Swartz. Viele Fischer schöpften die Gründe zudem so weit aus, bis kein Fisch mehr übrig sei, ergänzte Co-Autor Daniel Pauly.

Das Team wertete Daten aus den Jahren von 1950 bis 2005 aus. Bis zu den 1970er-Jahren seien die Fischereigründe jährlich um je eine Million Quadratkilometer ausgedehnt worden. Von den 1980er bis in die frühen 1990er Jahre habe sich diese Rate der Ausdehnung verdreifacht. Diese Ausweitung der Fischerei auf neue Gebiete sei eine der Ursachen dafür, dass es noch so viel Fisch zu kaufen gebe.

Die Forscher analysierten nicht allein die Zahlen der angelandeten Tiere. Sie berücksichtigten zudem, wie viele Algen und andere Kleinstlebewesen („Primärproduktion“) nötig sind, um die jeweilige Fangmenge zu ernähren. Dies ist vergleichbar mit der Menge Gras, die jährlich gebraucht wird, um Milch oder Fleisch herzustellen. Durch diese Methode können die Forscher nach eigenen Angaben die Auswirkungen der Fischerei auf verschiedene Arten vergleichen, beispielsweise Thunfisch oder Sardinen.

Swartz und seine Coautoren weisen darauf hin, dass die Datenbasis ihrer Untersuchung nicht vollständig ist. Aus afrikanischen Gewässern lägen wenige Daten vor, und im Pazifik gebe es eine hohen Anteil von Piratenfischern.

dpa/tts>

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Basler
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6.12.2010: Je mehr die Meere überfischt sind, desto mehr greifen Haifische Menschen an - Fälle von Haiangriffen am Roten Meer

aus: Basler Zeitung online: Tödliche Hai-Attacke: Umweltschützer wollen den Grund dafür kennen; 6.12.2010;
http://bazonline.ch/panorama/vermischtes/Deutsche-Frau-stirbt-nach-HaiAttacke/story/16924798

<In Ägypten erlag eine Touristin den Folgen einer Hai-Attacke. Umweltschützer glauben zu wissen, weshalb es in jüngster Zeit immer wieder zu Hai-Angriffen im Roten Meer kam.

Bei einem Hai-Angriff in Ägypten ist am Sonntag eine deutsche Touristin getötet worden. Die ältere Frau sei ihren Verletzungen erlegen, nachdem ihr ein Hai vor der Küste des beliebten Urlaubsorts Sharm al-Sheikh den Arm abgebissen habe, teilten die Behörden mit. «Es war auf jeden Fall eine Hai-Attacke», sagte Hescham Gabar, Leiter der ägyptischen Gesellschaft für Tauch- und Wassersport.

Bereits in der vergangenen Woche hatte wahrscheinlich ein Weissspitzen-Hochseehai im Roten Meer vier Touristen aus Russland und der Ukraine angegriffen und schwer verletzt. Daraufhin verhängten die Behörden zunächst ein Badeverbot für die Gewässer vor Sharm al-Sheikh.

Nach den Angriffen seien in der Nähe des beliebten Badeortes ein Makrelenhai und ein Weissspitzen-Hochseehai eingefangen worden, teilte das Umweltministerium mit. Die 150 und 250 Kilogramm schweren Haie seien in ein Naturschutzzentrum gebracht worden. Dort solle geprüft werden, ob sich Reste menschlicher Gebeine in ihren Mägen befänden.

Strände wieder freigegeben

Nachdem Taucher die Küste von Sharm al-Sheikh kontrolliert hatten, waren die Strände von den Behörden am Samstag wieder freigegeben worden. Das Umweltministerium ordnete jedoch verschärfte Sicherheitsmassnahmen an und verpflichtete die Tauchschulen der Region, die Gewässer nach Haien abzusuchen.

Umweltschützer gehen davon aus, dass die Überfischung des Roten Meers für die Hai-Angriffe verantwortlich ist. In Ägypten wird nun befürchtet, dass die Tourismus-Industrie des Landes unter der jüngsten Angriffsserie leiden könnte. Badeurlauber sorgen in Ägypten für rund 66 Prozent der Einnahmen im Tourismus.

(mrs/dapd)>

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Spiegel online, Logo

31.1.2011: Chinas Fischfarmen bringen neuen Fisch - EU-Meere sind am meisten überfischt

aus: Spiegel online: UNO-Fischereireport: Jeder fünfte Fisch stammt aus Chinas Farmen; 31.1.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,742571,00.html

<Von Axel Bojanowski

Täglich fast 50 Gramm Fisch pro Erdenbürger - nie wurden die Meere stärker ausgebeutet. Ein Drittel der Bestände sind bedroht, berichtet die Uno. Für Nachschub sorgen Farmen: 33 Millionen Tonnen Fisch kommen aus chinesischer Züchtung.

Nie haben Menschen mehr Fisch gegessen als heute: Mit jährlich 17,2 Kilogramm pro Person - täglich also knapp 50 Gramm - sei der Konsum auf einen Höchstwert gestiegen, berichtet die Welternährungsorganisation FAO. Deutsche essen im Durchschnitt 15 Kilogramm Fisch pro Jahr, Portugiesen sogar 55 Kilogramm.

2009 wurden weltweit gut 145 Millionen Tonnen Fisch gefangen, knapp 118 Millionen Tonnen davon für den Verzehr. Der Rest wurde etwa für die Produktion von Mischmehl verwendet. Pro Jahr stieg die Fangmenge um etwa zwei Millionen Tonnen. Der ausgiebige Konsum ist laut FAO vor allem dem Ausbau von Fischfarmen zu verdanken; sie sorgten mittlerweile für 55 Millionen Tonnen Fisch, also für gut ein Drittel der gesamten Lieferungen. Anfang der fünfziger Jahre wurden nur knapp eine Million Tonnen Fisch in Farmen gezüchtet.

Trotz des rapiden Ausbaus von Fischfarmen haben sich die beobachteten frei lebenden Fischbestände nicht erholt. Weiterhin würde ein Drittel der frei lebenden Gruppen überfischt - dort werden also mehr Tiere gefangen als nachwachsen, berichtet die FAO. Ein "sehr Besorgnis erregendes Ergebnis", sagt FAO-Fischereiexperte Richard Grainger. Ziel müsse es sein, die Zahl der überfischten Bestände zu reduzieren.

Momentan droht aber das Gegenteil: Mehr als die Hälfte der Fischbestände würde bereits "voll ausgenutzt", noch höhere Fangmengen würden diese Bestände gefährden, heißt es in dem Bericht. Lediglich ein Siebtel der Fischbestände sei vom Menschen nicht beeinträchtigt.

Viel gehandelt, stark bedroht

"Wir müssen zu einer ausgewogenen Bewirtschaftung der Meere kommen, sonst wächst sich die ökologische Schieflage in den Weltmeeren zu einer sozialen Krise aus", warnt die Fischereiexpertin des Umweltverbandes WWF, Karoline Schacht, gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Die Meere können nicht mehr Fisch hergeben", ergänzt der Meeresbiologe Onno Groß von der Meeresschutzorganisation Deepwave.

Fischprodukte seien weiterhin das meistgehandelte Nahrungsmittel mit einem Rekordwert von gut 75 Milliarden Euro, schreibt die FAO in ihrem Report, der alle zwei Jahre die neuesten Daten präsentiert. Der weltweit am meisten gefangene Fisch ist demnach die Peruanische Sardelle, 2008 wurden von dem pazifischen Tier 7,4 Millionen Tonnen gefangen. An zweiter Stelle steht der Alaska-Pollack, gefolgt vom Atlantikhering und der Tunfischart "Echter Bonito" - von diesen Fischen wurden 2008 etwa 2,5 Millionen Tonnen gefangen.

Bei vielen Arten geht die Fangmenge seit Jahren zurück - weil es immer weniger junge Fische gibt: Von Kabeljau, Hecht und Schellfisch wurden im Nordatlantik 2008 zusammen nicht einmal mehr acht Millionen Tonnen gefangen. "Da ist die Fangmenge in zehn Jahren um ein Drittel zurückgegangen", resümiert WWF-Expertin Schacht.

Die größte Fischfangnation ist bei weitem China, das bevölkerungsreichste Land, mit einer Fangmenge von fast 15 Millionen Tonnen. Hinzu kommen die Fische aus Farmen, China betreibt die meisten: Es gewann auf diese Weise 2008 knapp 33 Millionen Tonnen Fisch in den Farmen - fast jeder fünfte Fisch, den die Menschheit fördert, stammt also aus chinesischen Fischfarmen.

Geplanter Raubzug

Als größter Importmarkt für Fisch stehe gleichwohl die Europäische Union in der Verantwortung, sagt Karoline Schacht. "Nirgendwo ist der Anteil überfischter Gewässer größer als in der EU", betont die WWF-Expertin. "Die europäischen Regierungen planen den Raubzug in den Meeren mit", sagt Meeresbiologe Groß gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zwar hat die EU Ende 2010 die Erlaubnis zum Fischfang in Ost- und Nordsee und im Atlantik eingeschränkt. Umweltschützer jedoch kritisierten die neuen Fangquoten als zu lasch.

In Europäischen Gewässern sind derzeit besonders gefährdet:

  • Europäischer Aal: Den Beständen droht nicht nur der Zusammenbruch - sondern sogar das Aussterben.
  • Rotbarsch: 15 Jahre alt muss ein Rotbarsch werden, bevor er Nachwuchs kriegen kann. Zu viele Tiere werden jedoch vorher gefangen, so dass die Bestände teils auf fünf Prozent der ursprünglichen Menge geschrumpft sind.
  • Roter Thunfisch: Die EU-Kommission verhängte ein Fangverbot.
  • Hering: Die Bestände in Nord- und Ostsee sind äußerst bedroht.
  • Makrele: Die EU hat Island und die Faröer-Inseln aufgefordert, ihre Fangquoten zu senken. Makrelen schwimmen mit warmem Wasser nach Norden, wo sie in Massen in die Netze gehen.

Doch Politiker sind im Dilemma, es hängen schließlich allein in Europa etwa 400.000 Arbeitsplätze an der Fischerei. Weltweit sichert die Arbeit in der Branche etwa 540 Millionen Menschen ihr Auskommen - also fast für jeden Zwölften, berichtet die FAO.

In Europa sollen die Arbeitsplätze reduziert werden, EU-Pläne sehen vor, die Zahl der Fischerboote zu halbieren. Ginge es weiter wie bisher, verlören noch mehr Fischer ihre Arbeit - da sind sich Experten einig: Denn dann würde es nicht mehr genug Fische zum Fangen geben. Dass die Fischtheken hierzulande noch immer gefüllt sind, liegt daran, dass mittlerweile 60 Prozent der Fische nach Europa importiert werden; Dorade ersetzt Dorsch, Pangasius den Rotbarsch.>

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Welt
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28.2.2011: Lärm im Meer bewirkt, dass Fischen der Appetit vergeht

Immer mehr Lärm im Meer bewirkt, dass Fische sich nicht mehr konzentrieren können und dadurch weniger fressen. Immer mehr industrieller Fischfang bedeutet, dass die Meere sowieso immer leerer werden. Also haben wir gleich zwei Faktoren, die die Meere leeren - und die Krokodil-Regierungen der Welt wollen es nicht merken. Japan ist beim Fischfang einer der kriminellsten Staaten...

aus: Welt online: Umwelt: Bei Lärm vergeht Fischen der Appetit; 28.2.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article12664849/Bei-Laerm-vergeht-Fischen-der-Appetit.html

<Weltweit nimmt der Geräuschpegel in Gewässern zu. Das habe womöglich fatale Folgen, warnen Forscher: Fische würden nicht genug Nahrung aufnehmen.

Lärmverschmutzung der Gewässer beeinträchtigt das Fressverhalten der Fische.

Lärm stört Fische beim Fressen. Britische Wissenschaftler haben beobachtet, dass sich die Tiere durch laute Geräusche so stark ablenken lassen, dass sie nicht effektiv nach Futter suchen können. Dabei reicht es schon, wenn die Fische dem Krach nur für wenige Sekunden ausgesetzt sind.

Entdeckt haben die Forscher diesen Effekt, als sie mit Hilfe von Unterwasserlautsprechern das Motorengeräusch von Rennbooten imitierten und dabei Stichlinge beobachteten. Das Ergebnis: Die Tiere sind beim Fressen in einer lauten Umgebung wesentlich unkonzentrierter als in einem ruhigen Umfeld.

Das könnte bei der immer stärker zunehmenden Lärmverschmutzung der Gewässer für die Fische fatale Folgen haben, mahnen die Biologen. So sei es wahrscheinlich, dass die Tiere häufiger aus Versehen Dinge fressen, die für sie schädlich sind.

Zudem würden sie immer länger brauchen, um ausreichend Futter zu finden, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöhe, Räubern zum Opfer zu fallen. Die Forscher um Julia Purser von der University of Bristol stellen ihre Beobachtungen im Fachjournal „PLoS ONE“ vor (Online-Vorabveröffentlichung vom 28. Februar).

Weltweit nimmt der Geräuschpegel in Gewässern immer mehr zu. Während die Auswirkungen von künstlichem Krach auf Meeressäuger wie Wale und Delfine bereits intensiv erforscht werden, ist bisher nur wenig darüber bekannt, welche Folgen der Lärm für Fische hat.

Daher untersuchten Purser und ihre Kollegen, inwieweit eine starke Geräuschkulisse das Fressverhalten der Tiere beeinflusst. Die Forscher boten dazu in einem Aquarium Dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus) unterschiedliche Futterquellen an. Dann setzten sie die Tiere mit Hilfe von Unterwasserlautsprechern einem Lärmpegel aus, der dem des Motorengeräuschs von Rennbooten ähnelte.

Geringere Treffsicherheit bei der Futterwahl

Im Gegensatz zu Fischen in einer ruhigen Umgebung wählten die beschallten Tiere mit wesentlich geringerer Treffsicherheit das für sie optimale Futter aus, beobachteten die Biologen. Dabei reichten schon zehn Sekunden Krach, um die Fische nachhaltig zu irritieren: Sie machten noch fünf Minuten nach der Beschallung deutlich mehr Fehler als die Tiere, die keinen Lärm ertragen mussten.

„Die Stichlinge konnten sich offenbar schlechter auf das Futter und das Fressen konzentrieren - ganz ähnlich wie der Mensch Probleme mit der Konzentration hat, wenn er bei lauten Hintergrundgeräuschen eine schwierige Aufgabe lösen soll“, erklärt Purser.

Da in der natürlichen Umgebung die Geräuschbelästigung viel länger anhält als in dem Experiment, wollen die Wissenschaftler jetzt untersuchen, wie die Fische mit einer ständigen Beschallung umgehen. Das ist vor allem deswegen von Interesse, weil die zunehmende Lärmbelästigung für die Fische lebensbedrohlich werden könnte.

„Unsere Studie lässt vermuten, dass die Lärmverschmutzung weit mehr schädigende Wirkungen hat als bisher angenommen“, meint Andy Radford, einer der beteiligten Wissenschaftler.

dapd/oc>

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5.3.2011: Delfinfreundliche Fangmethode bei Thunfisch lässt nur die Delphine leben - anderer Beifang wird weiterhin vernichtet (Schildkröten, Haie, Schwertfische etc.)

aus: n-tv online: Ratgeber: Delfine sind das geringste Problem: Thunfisch mit gutem Gewissen? 5.3.2011;
http://www.n-tv.de/ratgeber/Thunfisch-mit-gutem-Gewissen-article2763851.html

<Dosenthunfisch hat nicht das beste Image. Und das zurecht, wie die Zeitschrift Öko-Test festgestellt hat. Denn auch wenn fast alle Hersteller mit delfinfreundlichen Fangmethoden werben, kann von Nachhaltigkeit keine Rede sein.

Roher Thunfisch kann sehr teuer sein. Bonito in der Dose gibt's zum Schleuderpreis.

Ob als Steak, als Carpaccio oder in Form von Sushi – Thunfisch kann eine Delikatesse sein. Und ein Massenprodukt: Rund zehn Dosen Thunfisch verspreist jeder Deutsche im Jahr, meist kommen sie vom Discounter und kosten weniger als 80 Cent. Ein schlechtes Gewissen haben die Käufer kaum noch, seit auf fast jeder Dose ein Aufdruck delfinfreundliche Fangmethoden verspricht.

[Bei den Thunfischlabels fehlen meistens viele Angaben]

Dabei sollte man sich keinen Illusionen hingeben, warnt die Zeitschrift Öko-Test: Ist das Delfin-Problem auch begrenzt, so ist der Thunfischfang meist alles andere als nachhaltig. Werden weiterhin jedes Jahr 4,5 Millionen Tonnen Thunfisch aus den Weltmeeren geholt, sind manche Bestände bald ausgebeutet. Und allen anderslautenden Beteuerungen des Handels zum Trotz scheinen viele Fischereien das Thema nicht ernst genug zu nehmen. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Nachhaltigkeitsanalyse, die Öko-Test zusammen mit dem WWF durchgeführt hat. 24 Sorten Dosenthunfisch haben die Ökotester ins Labor geschickt und auf ihre Etiketten hin überprüft. Fazit: Ob ein Thunfisch nachhaltig gefischt wurde, kann der Verbraucher an den Angaben auf der Thunfischdose in der Regel gar nicht erkennen.

Problematischer Beifang - [Delfine sind heute weniger betroffen, dafür aber Meeresschildkröten, Haie und Schwertfische]

Nur auf zwei Dosen waren alle nötigen Angaben zu Fanggebieten und Methoden vollständig aufgedruckt. In diesem Punkt versagte selbst das einzige MSC-Produkt im Test. Das Label soll eigentlich nachhaltige Fischerei garantieren, genauere Informationen sollten gerade hier also kein Problem sein. Beim MSC kann man wenigstens auf die strengen Zertifizierungskriterien vertrauen.  Manche Labels wie "Dolphin Safe" bzw. "delphinschondend/delphinfreundlich gefangen" können eher als Irreführung der Verbraucher gesehen werden. Denn zum einen steckt in den Dosen meist die Thunfischsorte Skipjack, bei der Delphinbeifang ohnehin nie ein Problem war. Zum anderen dürfen auch Fische, die mithilfe von Lockbojen gefangen werden, das Siegel tragen. Doch Lockbojen ziehen neben Thunfischen auch andere Tiere wie Meeresschildkröten, Hochseehaie und Schwertfische an. Und dieser Beifang wird schwer verletzt oder getötet ins Meer zurückgeworfen.

[Quecksilber im Thunfisch]

Neben dem Nachhaltigkeitsproblem gibt auch die Schadstoffbelastung oft Anlass zur Sorge. Öko-Test warnt vor dem hohen Quecksilbergehalt des Thunfischs. Das giftige Schwermetall reichern die Tiere im Laufe ihres Lebens nach und nach an. Ausgerechnet im Bio-Thunfisch Pan Do Mar fanden die Tester die höchsten Werte. Die Höchstgrenzen waren zwar auch hier nicht überschritten, allerdings hat der Gesetzgeber die Messlatte beim Thunfisch auch sehr viel tiefer angesetzt als bei den meisten anderen Fischen. Schwangere und Stillende sollten deshalb nur wenig oder besser keinen Thunfisch essen. So die Öko-Testempfehlung.

ino>


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Welt
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7.3.2011: <Globalen Fischbeständen droht der Kollaps>

aus: Welt online; 7.3.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article12721150/Globalen-Fischbestaenden-droht-der-Kollaps.html

<85 Prozent der Fischbestände sind bis an die Grenze befischt. Deshalb fordern Umweltschützer radikale Lösungen. Doch die Politik spielt nicht mit.

Die Deutschen haben immer mehr Appetit auf Fisch – statistisch gesehen verzehrt jeder Bürger knapp 16 Kilogramm jährlich. Die Lust auf Meereskost hat aber ihre Schattenseiten. Weltweit geraten weitere Fischbestände in Gefahr. Die Wege aus der Misere sind umstritten.

Weltweit schwinden die Fischbestände. Fischwirtschaft und Umweltschützer sind jedoch weiterhin uneins über den richtigen Schutz der wertvollen Nahrungsressourcen. „Wir dürfen dem Meer nicht mehr entnehmen als nachwächst“, mahnt der Chef des nationalen Marktführers Deutsche See, Egbert Miebach, in Bremerhaven.

„Wir brauchen Meeresschutzgebiete und dürfen viele Arten gar nicht mehr fangen“, fordert dagegen der Hamburger Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack. Einig sind sich beide nur in einem Punkt: Die internationale Fischereipolitik sei dramatisch schlecht.

Der Hunger auf Meerestiere steigt rund um die Welt immer weiter. Etwa 145 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich verbraucht, heißt es im jüngsten UN-Weltfischreport. 85 Prozent der Fischbestände gelten dem Anfang Februar vorgelegten Papier zufolge deswegen bereits als bis an die Grenze befischt oder sogar schon als zusammengebrochen.

Die deutsche Fischwirtschaft hat den Erhalt der Ressourcen offiziell zu ihrer Sache gemacht und Mitte Februar eine Informationskampagne gestartet. „Nur eine nachhaltige Fischerei macht es auf Dauer möglich, den Menschen guten Fisch auf den Teller zu bringen und gleichzeitig die Bestände zu schonen“, meint Miebach.

Konsequent nehme die Deutsche See gefährdete Arten wie den Blauflossenthunfisch aus dem Sortiment. „Wir kaufen keine Ware, die unsere Qualitätskriterien nicht erfüllt oder deren Herkunft nicht eindeutig ist“, versichert Miebach, dessen Unternehmen dafür gerade mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.

Zu den Qualitätskriterien zählen nach Angaben der Deutschen See unter anderem mehr Einkäufe aus zertifizierter, bestandsschonender Fischerei. Zudem bemühe sich das Unternehmen darum, verstärkt Fisch aus Aquakulturen einzukaufen und auf Bio-Qualitäten bei Zuchtprodukten zu achten.

Hinzu kommen Förderprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. „Man kann die Verantwortung für die Meere nicht von der Verantwortung für die Fischer trennen“, erklärt Miebach.

Für Greenpeace-Experte Maack gehen solche Versprechen nicht weit genug, teils seien sie Schönfärberei – neudeutsch „greenwashing“. Viele Fische im Angebot auch der Deutschen See kämen weiterhin aus nicht nachhaltiger Fischerei oder würden mit fragwürdigen Methoden gefangen. „Es ist völlig unsinnig, dass für ein Kilogramm Krabben vier Kilogramm Fisch-Beifang vernichtet werden“, argumentiert Mark.

Aus Maack Sicht gelten nicht nur Bestände aus tropischen Regionen wie der Schwertfisch, sondern auch klassische nordeuropäische Speisefische wie Seezunge und Seeteufel als gefährdet: „Sie gehören einfach nicht mehr auf die Speisekarte.“

Derart radikale Lösungen sind jedoch kein Thema für die Deutsche See. „Wir sollten von denen lernen, die es richtig machen – wie Norwegen und Island“, sagt Miebach. Er plädiert für ein gezieltes Fischmanagement. Beide Nationen haben in ihren 200-Seemeilen-Zonen rigide Regeln für Fangmethoden und -mengen aufgestellt; Verstöße werden mit drakonischen Strafen geahndet.

Doch Umweltschützer fordern mehr Anstrengungen. „Wir brauchen ausreichend Rückzugzonen, in denen Fische völlig ungestört sind“, fordert Maack die Ausweisung großer Meeresschutzzonen mit totalem Fangverbot. „Weltweit stehen immerhin zehn Prozent der Landfläche unter Schutz, auf den Weltmeeren ist es dagegen nur ein Prozent.“

Außerdem sei ein Verbot bestimmter Fangmethoden nötig: „Wer große Stangen und Eisenketten über den Meeresboden schleppt, richtet über die Folgen der Fischerei hinaus schwere Umweltschäden an.“

In der EU sei aber nicht nur die Politik dramatisch schlecht: „Es wird kaum kontrolliert, und wissenschaftliche Empfehlungen werden im Kuhhandeln aufgeweicht.“ Für Umweltschützer Maack bleibt die Frage, „wie viele Fischarten überleben, bis wir am Ziel sind“.>

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12.3.2011: Fischfang mit Schleppnetzen: Die Fische magern ab

aus: n-tv online: Schleppnetze sind schuld: Fische magern ab; 12.3.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Fische-magern-ab-article2822291.html

<In Grundschleppnetzen landen nicht nur die Fische, die gegessen werden sollen, sondern auch deren Beutetiere wie Seeigel oder Muscheln. Die Folge: Auch die Speisefische werden magerer.

Schleppnetze, die über den Boden der Irischen See gezogen werden, fangen vielen Bodenfischen ihre Beute weg. In der Folge landen die Fischer kleinere und magerere Fische an, berichtet eine Forschungsgruppe des Galway-Mayo Institute of Technology. Ihre Studie stützt sich auf Daten des Irischen Meeresforschungsinstitutes, das zahlreiche Fangstatistiken führt.

Die Fischerei mit Grundschleppnetzen gehört zu den besonders verheerenden Methoden der Fischerei, weil sie mit schwerem Gerät den Meeresboden umpflügt und oft wahllos alles an Bord zieht, was in den Netzen landet – auch Seeigel, Muscheln oder Krabben. Diese stehen dann nicht mehr als Nahrung für andere Meeresbewohner zur Verfügung. In der Folge bleiben die Echte Rotzunge, der Flügelbutt und der Kabeljau kleiner und magerer. Auch ihre Fangzahlen verringern sich ausweislich der Statistik, heißt es bei den Wissenschaftlern.

Dies alles führe zu einem verringerten Vermehrungserfolg bei den Tieren, deren Bestände sich auch aufgrund dieses Nahrungsmangels schlechter erholten. Zudem würden so geschwächte Tiere leichter zur Beute anderer Fische, und nicht zuletzt sinke der Marktwert der übrig gebliebenen Exemplare. Deren Allgemeinzustand verschlechtere sich um rund ein Fünftel.

dpa>

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Welt
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7.5.2011: Die Krabbenpreise sind im Keller, und Krabbenfischer streiken

aus: Welt online: Nahrungsmittel: Wie Europas Krabbenfischer ums Überleben kämpfen; 7.5.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/article13358268/Wie-Europas-Krabbenfischer-ums-Ueberleben-kaempfen.html

<Autor: Steffen Fründt

Alle Krabbenkutter Europas liegen derzeit am Kai. Mit dieser Protestaktion wollen die Fischer höhere Preise erzwingen. Viele stehen vor dem Ruin.

Eine ruhige, mondlose Nacht liegt über dem Fischereihafen. Fischkutter und Ausflugsboote liegen sicher vertäut am Kai. Der Lichtkegel des Büsumer Leuchtturms blinzelt hinaus auf die schwarze Nordsee. Dann, es geht schon auf 23 Uhr zu, blitzt in der Ferne plötzlich eine Positionslaterne auf, die langsam heller wird. Ein einzelner Kutter aus dem weiter nördlich gelegenen Husum steuert im Schutze der Nacht den fremden Hafen an. Um hier heimlich, still und leise seinen Fang anzulanden. Doch bevor er anlegen kann, erwacht der Hafen plötzlich zum Leben. Lichter flammen auf, Stimmen ertönen, die Kaimauer ist auf einmal voller aufgebrachter Fischer.

Als der Eindringling abdreht, nimmt ein Kutter knatternd die Verfolgung auf. Andere springen ins Auto und rasen nach Husum, um dort das nächste „Empfangskomitee“ zu bilden, wie sie ihre Blockadeposten nennen. Der gejagte Krabbenfischer erkennt schließlich die Hoffnungslosigkeit seiner Lage und kippt seinen Fang über Bord. „Er musste uns nachher sogar seine Laderäume zeigen“, sagt ein Fischer grinsend. „Damit wir auch sehen, dass wirklich nichts mehr drin ist.“

Jagdszenen im Wattenmeer. An der sonst so beschaulichen Nordseeküste schlagen die Wellen der Empörung hoch. Nachdem die Großhändler innerhalb weniger Monate die Abnahmepreise mehr als halbiert haben, sehen sich die Fischer in ihrer Existenz bedroht. Zu diesen Konditionen, sagen sie, hat die traditionsreiche Krabbenfischerei auf der Nordsee keine Zukunft mehr.

Seit dem Osterwochenende verlassen die deutschen Kutterkapitäne ihre Liegeplätze nicht mehr; Anfang dieser Woche schlossen sich die niederländischen und dänischen Kollegen an. Insgesamt rund 500 Krabbenfischer legen die Netze still. Ein historischer Vorgang: Die gesamte europäische Krabbenfischerflotte befindet sich im Streik. Die niedersächsische Landesregierung sagte schnelle Hilfen zu. Doch die Fischer wollen solange im Hafen bleiben, bis die Großhändler ihre Preissenkungen zurücknehmen.

Der Arbeitskampf zur See begann für Hans Böcker mit einer SMS. Seine „Jan Maat“ zog vor Amrum die Netze durchs Wasser, es war Gründonnerstag und der Laderaum zu zwei Dritteln voll mit frischen Krabben, als sich das Handy des Kapitäns bemerkbar machte. Eine Nachricht vom Händler, oder vielmehr: ein Ultimatum. „Da stand: Wer heute anlandet, bekommt noch 1,57 Euro pro Kilo. Ab morgen gibt's nur noch 1,27 Euro!“ Böcker holte sein Fanggeschirr ein, sortierte und kochte die letzten Krabben und machte, dass er nach Hause kam. Auf dem Weg zurück nach Büsum brodelte es in ihm. „Noch mal 30 Cent weniger, einfach so per SMS! Sie behandeln uns, als wären wir nichts wert!“

So wie dem 42-Jährigen ging es auch den Kollegen. Sie alle sollten über Nacht nur noch um die 1,27 Euro pro Kilo bekommen, angekündigt wurde sogar ein weiterer Preisverfall auf einen Euro. Im September waren es noch drei Euro. Einmal mehr wurde den Fischern demonstriert, wer das Sagen hat im Krabben-Oligopol. Rund 200 Krabbenfischer gibt es an der deutschen Nordseeküste.

Den Handel dominieren aber nur die zwei niederländischen Großhändler Heiploeg und Klaas Puul, die rund 87 Prozent aller Nordseegarnelen abnehmen. Preisabsprachen wären ein Verstoß gegen das Kartellrecht und werden immer wieder abgestritten. Doch seit Jahren ändern die großen Krabbenhändler wie die Tankstellen ihre Preise im Gleichschritt, und die kleinen ziehen mit. Diesmal sind sie vielleicht zu weit gegangen.

„Faire Preise für faire Fischer“ hat einer auf ein Laken gesprüht, an einem anderen Kutter flattert „Das Maß ist voll“ im Ostwind. Die Protestbekundungen wirken fast ein bisschen bemüht. Klassenkampf und Krabbenfischer – das passt irgendwie nicht zusammen. Keine Streikposten mit Trillerpfeifen, keine Flugblätter für die Passanten: Die paar Touristen, die es zu dieser Jahreszeit in den Fischereihafen verschlägt, bekommen vermutlich gar nicht mit, dass hier ein Streik stattfindet.

Ein Fischer schleift alte Farbe von der Reling. Auf anderen Kuttern wird gepinselt, gehämmert – und geklönt. Die Fischer nutzen die freien Tage, um ihre betagten Arbeitsgeräte in Schuss zu bringen. Und zeigen demonstrativ Gelassenheit: Wir haben Zeit, lautet die Botschaft an die Händler, die rund um den Hafen ihre Lagerhallen haben. Und wir sind uns einig. Neben dem Husumer Streikbrecher hat das „Empfangskomitee“ noch einen Holländer am Anlanden in Büsum gehindert und über Cuxhaven bis nach Dänemark gejagt. So bald dürfte keiner mehr auf der Nordsee seine Netze auswerfen.

„Natürlich wäre ich lieber auf See“, sagt Böcker, an das hölzerne Steuerrad gelehnt. An der Wandverkleidung des Führerhauses hängen Fotos seiner drei Kinder. „Doch zu diesen Preisen geht das nicht mehr zusammen.“ Der gebürtige Ostfriese ist seit zwölf Jahren Krabbenfischer. „Als ich anfing, kostete der Liter Gasöl 18 Pfennig – heute zahle ich 68 Cent“, sagt der Kapitän.

Sein Diesel verbraucht rund 40 Liter in der Stunde, und Brennstoff ist bei Krabbenfischern der mit Abstand größte Kostenblock. Doch auch Reparaturen schlagen zu Buche. Neue Netze etwa kosten samt Geschirr 12.000 Euro – pro Seite. „Wir versuchen ohnehin schon zu flicken, solange es geht. Aber irgendwann ist Schluss.“

Nun fürchten die Fischer um ihre Existenz. Böckers betagter Kutter, den er vor acht Jahren für 200.000 Euro gebraucht kaufte, ernährt nicht nur seine eigene Familie, sondern auch die seines Decksmanns Niko Feil. Der 22-jährige Familienvater ist schon seit sieben Jahren im Geschäft und will für einen eigenen Kutter sparen. Aber mit dem Krabbenpreis sank seine Umsatzbeteiligung. „Und wenn Sie heute bei einer Bank ein Schiff finanzieren wollen, leuchtet da eine rote Lampe auf“, sagt der Fischwirt. „Die sehen ja auch, was los ist.“

Was den Fischern zum Verhängnis wird, ist ironischerweise der Umstand, dass es in den vergangenen Jahren schlicht zu viel Fisch und Garnelen in der Nordsee gab. In der vorigen Saison waren die Fanggründe so ergiebig, dass die Kutter 40.000 Tonnen Krabben aufs Trockene zogen. Viel zu viel für einen Markt, der vielleicht 30.000 Tonnen im Jahr verträgt. Um den Preis zu stützen, erlegten sich die Erzeugerorganisationen Selbstbeschränkungen auf – ein Wochenendfangverbot, eine 72-Stunden-Woche.

Den Preisverfall konnten sie dennoch nicht stoppen. Denn erschwerend kommt hinzu, dass das Meer auch so reich an Schollen ist wie seit Jahren nicht mehr – was dazu führt, dass die Schollenfischer schon im Herbst ihre von der EU begrenzten Quoten ausgefischt haben und dann auf Krabbenfang gehen, der nicht quotiert ist. Und im Gegensatz zu den kleinen Krabbenkuttern, die sich von Ende Dezember bis Anfang März nicht auf die stürmische Nordsee wagen, fahren die Schollenfischer mit ihrem großen Gerät ganzjährig raus.

„Die großen Lager wurden im Winter gar nicht mehr geleert, und in diesem Frühjahr gibt es schon wieder extrem viele Krabben“, sagt André Hamann, der die Sparte Krabbenfischerei im Verband der Kutter- und Küstenfischer leitet und Vorsitzender der Büsumer Erzeugergemeinschaft für Krabbenfischer ist. Statt Seemeilen fährt der 38-jährige Kapitän derzeit viele Autobahnkilometer, gerade kommt er zurück von einem Treffen der europäischen Krabbenfischer im niedersächsischen Oldenburg. „Die Solidarität ist da“, sagt er mit abgekämpftem Gesicht. „Diese Woche liegen alle Krabbenfischer in Europa – und das bleibt auch so, bis der Handel einlenkt!“

Europas Kutterkapitäne wollen ihren Streik solange durchziehen, bis ihnen ein Kilopreis von mindestens drei Euro gezahlt wird. Anders sei es nicht möglich, auch nur kostendeckend zu arbeiten. Um ihre Position zu stärken, wollen die Fischer zudem die Jahresanlandemenge deutlich senken. Mit anderen Worten: Sie wollen weniger Krabben fischen. Dazu beitragen sollen EU-Abwrackprämien für Krabbenfischer, die ihren Kutter aus dem Verkehr ziehen.

Viele Fischer würden ihren Südwester schon jetzt gerne an den Nagel hängen – können dies aber wegen der katastrophalen Lage in der Branche nicht. Das weiß Hamann, Krabbenfischer in der dritten Generation, aus seiner eigenen Familie. „Mein Vater fährt seit 46 Jahren zur See und würde lieber heute als morgen aufhören“, sagt er. „Aber er findet niemanden, der ihm seinen Kutter abnimmt.“ Dabei war der Verkauf der Schiffe, die neu an die zwei Millionen Euro kosten, für die Fischer bislang immer ein fest eingeplanter Teil der Altersversorgung. Doch wer würde jetzt schon einen Krabbenkutter kaufen?

Der einzige Kutter, der derzeit noch aus Büsum zum Krabbenfischen rausfährt, ist die „Hauke“. Das Schiff gehört einer Fischerfamilie, die sich schon vor über 40 Jahren auf Butterfahrten verlegt hat und mehrere Passagierdampfer betreibt. Der umgebaute Kutter tuckert mit Tagesausflüglern ins Wattenmeer, wirft die Netze aus – und zieht sie schnell wieder hoch. Nur ein paar frische Krabben zappeln im Netz. Sie werden an Ort und Stelle gekocht und verkostet. Schließlich ist keiner erpicht auf Scherereien mit dem „Empfangskomitee“.>

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n-tv
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Ostsee 11.5.2011: Die Grundschleppnetze bewirken toten Meeresboden - Grundschleppnetze verbieten und Schutzzonen ausweiten

aus: n-tv online: Aufnahmen aus der Tiefe: Ostseeboden stellenweise tot; 11.5.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Ostseeboden-stellenweise-tot-article3305041.html

<Eine Aalmutter am schwedischen Windpark Finngrunden.

Die Umweltorganisation Oceana dokumentiert den Zustand der Ostsee mit aufwendigen Fotos und Filmaufnahmen vom Meeresgrund: farbenfrohe Meerestiere, aber auch tote Flächen, oft durch den Menschen um jede Form des Lebens gebracht.

Neue Fotobeweise zeigen die bunte Vielfalt des Lebens in der Ostsee - und zugleich den alarmierenden Zustand in vielen Regionen: Eine Expedition der Umweltorganisation Oceana hat im Kattegat und Öresund zwischen Dänemark und Schweden zahlreiche tote Flächen am Meeresgrund abfotografiert, auf denen durch Überfischung, zerstörerische Fangpraktiken und Umweltgifte kein Lebenszeichen mehr auszumachen ist.

"Wir haben Gegenden gesehen, in denen das Leben größtenteils zerstört wurde. Aber wir haben auch Gegenden gefunden, die reich an Leben und einzigartiger biologischer Vielfalt sind", sagte der Leiter der Expedition, Xavier Pastor. "Es ist klar, dass die Regierungen jetzt sofort mit Schutzmaßnahmen handeln müssen, wenn die Zerstörung der Ostsee gestoppt werden soll." Die deutsche Oceana-Projektleiterin Anne Schröer sagte bei einem Zwischenstopp in Kopenhagen: "Unsere Bilder müssten eigentlich eine Alarmglocke für die Anrainerstaaten sein."

Den Unterwasser-Fotografen gelangen aber auch spektakuläre Aufnahmen von Fischen und anderen Lebewesen, die nach bisherigem Wissensstand nicht mehr in dieser Region vermutet worden waren. Ein Taschenkrebs mit Seepocken auf dem Rücken, ein vierhörniger Seeskorpion, eine Flunder und See-Anemonen - mit diesen und weiteren Bildern zeigt Oceana die noch vorhandene Vielfalt auf Teilen des Ostseebodens. Auf einer anderen Aufnahme schwimmt dagegen über zerstörten, grauen Meeresgrund gerade mal eine tote Qualle.

"Viele der von uns fotografierten Flächen sind durch die gewaltigen Grundschleppnetze zerstört worden", sagt Schröer. Ihre Organisation tritt neben dem Verbot solch vernichtender Fischfangmethoden vor allem für die Ausweitung der Schutzzonen in der Ostsee ein. Bisher umfassen sie nur zwölf Prozent der Meeresfläche, Oceana tritt für eine Verdoppelung bis Verdreifachung ein.

Oceana, in den USA gegründet, will mit neuen Büros in Madrid und Paris die Aufklärung über Umweltschäden in europäischen Meeren voranbringen. Seit vier Wochen und noch bis Anfang Juni befahren Fotografen und wissenschaftliche Mitarbeiter auf der gecharterten "Hanse Explorer" die Ostsee, um mit aufwendiger Fototechnik und auch dem Einsatz eines Unterwasserroboters den Zustand des Ostseegrundes zu dokumentieren.

hvo/dpa>

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20 minuten
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Schweiz 14.5.2011: Fischsterben im Doubs wegen Flussverschmutzung

Der Doubs stinkt schon seit Jahren, weil die Betreiber von Tierbetrieben einfach Gülle in den Fluss ablassen. Das hat man schon vor 10 Jahren gemerkt, als ich dort gezeltet habe. Aber scheinbar war es jetzt zu viel.

aus: 20 minuten online: Naturschutz: Proteste gegen Fischsterben im Doubs; 14.5.2011;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/10485199

<Mehr als 1000 Personen haben in der Grenzgemeinde Goumois im Jura gegen die zunehmende Verschmutzung des Flusses Doubs protestiert.

Der Doubs werde mehr und mehr zur Kloake, heisst es in einem gemeinsamen Communiqué der Organisatoren. Längst sei es an der Zeit, nach möglichen Verschmutzungsquellen zu suchen und zu eliminieren sowie die extremen Wasserstandsschwankungen zu stoppen. Beides komme als Erklärung für das Fischsterben in Frage.

Bisher sei es aber den Umweltorganisationen Pro Natura und WWF nicht gelungen, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Alle Anfragen und Vorschläge seien ohne Gehör geblieben. Mit der Kundgebung in Goumois wollten die Organisationen zusammen mit dem SFV ihre Forderungen zum Ausdruck bringen.

Pro Natura, WWF und SFV wollen bei der Lösung des Problems miteinbezogen werden und sich auch in der neuen, französisch- schweizerischen Steuerungsgruppe beteiligen, wie sie an der Kundgebung verlangten.

Der brutale Schwall-Sunk-Betrieb der Flusskraftwerke und nicht identifizierte Schadstoffe hätten in letzter Zeit zum Absterben der Fauna geführt. Auf beiden Seiten der Grenze fänden Fischer bei jedem Besuch tote Forellen, Äschen oder Rois du Doubs. In der Loue, einem der Zuflüsse, seien bereits 90 Prozent der Fische verendet.

(sda)>

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n-tv
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Schottland 18.6.2011: Meeresschutzgebiet zeigt Wirkung: Anzahl Jakobsmuscheln steigt

aus: n-tv online: Meeresschutzgebiet unter Wasser: Nutzen zeigt sich in kurzer Zeit; 18.6.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Nutzen-zeigt-sich-in-kurzer-Zeit-article3609376.html

<Ein kleines Meeresschutzgebiet vor Schottland zeigt bereits zwei Jahre nach seiner Einrichtung einen Nutzen für Umweltschützer und Fischer. Die Zahl junger Jakobsmuscheln in dem Gebiet hat sich erhöht, berichten Forscher der Universität von York.

Umweltschützer werben weltweit für ungestörte Reservate unter Wasser: Von dort aus sollen Fisch- und Muschellarven in großer Zahl in die Umgebung gelangen und dabei helfen, erschöpfte Bestände zu regenerieren. Das Team um Leigh Howarth von der University of York in Großbritannien berichtet im Journal "Marine Biology" über seine Ergebnisse.

Das 2,67 Quadratkilometer große – oder je nach Lesart kleine – Schutzgebiet liegt in der Lamlay Bay vor der kleinen Isle of Arran. Das ist nicht weit vom schottischen Glasgow an der Westküste entfernt. Im Oktober 2008 wurde die Fischerei beendet. Das Ökosystem soll sich so weit wie möglich ungestört entwickeln können. Innerhalb des Schutzgebietes war das Vorkommen junger Jakobsmuschen nach der Auszählung durch Taucher deutlich höher als außerhalb des Reservates, berichtet das Team. Innerhalb des Reservates waren auch die ausgewachsenen Jakobsmuscheln (Scallops) größer.

Wachsende Bestände auch in der Umgebung

Bei vielen Meerestieren produzieren ältere und größere Individuen mehr Eier als kleinere. Das Wegfangen solcher Super-Vermehrer wird mit Bestandsrückgängen vieler Meerestiere in Verbindung gebracht. Die Larven der Muscheln werden mit der Strömung weit verbreitet. Sind die Muscheln erwachsen, legen sie am Boden in 18 Monaten hingegen nur noch rund 30 Meter zurück. Aus dem Schutzgebiet kann also viel Nachwuchs in die Umgebung getragen werden.

Nach Angaben der Forscher werden die Muscheln in Großbritannien nicht in großen Mengen verzehrt. Dennoch hatte die Scallop-Fischerei auch großen wirtschaftlichen Wert, die Delikatessen werden auch exportiert.

Die stählernen Schleppvorrichtungen, mit denen die Tiere vom Boden geholt werden, zerstören vielfach den Bodengrund und die dort lebenden Organismen. Um die Küste des Vereinigten Königreiches sollen künftig weitere marine Schutzgebiete ausgewiesen werden.

dpa>

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n-tv
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9.7.2011: Thunfisch ist vom Aussterben bedroht

aus: n-tv online: Hohe Preise, lange Generationszeit: Thunfisch vom Aussterben bedroht; 9.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Thunfisch-vom-Aussterben-bedroht-article3773181.html

<Thunfische und Marline sind laut einer US-Meeresforschungsbehörde am meisten vom rücksichtslosen Fang bedroht. Ihr Fleisch erzielt hohe Preise. Zudem brauchen sind viele Jahre, um sich zu vermehren. Das bedroht ihren Bestand zusätzlich. Die Studie ist die erste, die den globalen Fischbestand nach den Kriterien der Roten Liste beurteilt.

Viele wertvolle Speisefische sind nach den Kriterien der Roten Liste bedroht und brauchen dringend einen besseren Schutz. Das ergibt eine Untersuchung von Bruce Collette von der US-Meeresforschungsbehörde NOAA. Etliche Makrelen, Thunfische sowie Marline und deren Verwandte seien zu stark befischt, schreibt das Team im Journal "Science".

Viele der Tiere haben gleich mehrere Probleme: Ihr Fleisch erzielt hohe Preise, und sie brauchen lange Zeit, bis sie sich vermehren. Beides sorgt dafür, dass der Bestand schnell schrumpft. Die Studie ist nach Angaben der Forscher die erste, die den globalen Bestand der schlanken, silbrigglänzenden Fische (Familien Scombridae, Istiophoridae, Xiphiidae) nach den Kriterien der Roten Liste beurteilt, schreiben die Forscher.

Ökologisches Gleichgewicht verschiebt sich

Die Bedenken um den rücksichtloslosen Fang kreisen nicht allein um das Verschwinden der schnellen Schwimmer. Die teils mehrere Meter großen Fische sind die Spitze der Nahrungspyramide im Meer. Fallen sie aus, vermehren sich die Beutetiere – nach und nach verschiebt sich so das fein austarierte ökologische Gleichgewicht.

Insgesamt wurden Daten von 61 untersuchten Arten gesammelt. Zu elf von ihnen gibt es zu wenige Angaben – sie bekommen gemäß der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) die Einstufung "nicht genügend Daten". Für 39 Arten gilt die Kategorie "schwächste Sorge". Vier Fischarten fallen in die Stufe "nahezu bedroht" – es ist zu erwarten, dass sie in naher Zukunft Probleme bekommen werden.

Sieben Arten sind " kritisch bedroht"

Sieben Arten erhalten die Listenplätze "verletzlich", "bedroht" oder "kritisch bedroht". Zu ihnen zählen der Südliche Blauflossen-Thun, der Rote Thun, der Großaugen-Thun, der Blaue und der Weiße Marlin. Sie alle müssen erst etwa fünf Jahre alt werden, bevor sie sich vermehren, und ihr Fleisch ist eine begehrte Spezialität. Der Bestand des Südlichen Blauflossen-Thuns wird auf nur noch 5 Prozent seiner ursprünglichen Größe geschätzt.

Bei den beiden verbleibenden Fischarten handelt es sich um die Australische Fleckenmakrele und die Königsmakrele vor der Westküste Nordamerikas. Die Autoren regen an, die Kontrollen der Fischer zu verstärken und weniger Tiere zu fangen. Dann könnte sich die wertvolle Ressource Fisch erholen.

dpa>



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n-tv
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13.7.2011: EU beabsichtigt strengere Fischfangquoten

aus: n-tv online: Ausbeutung der Meere: EU will Fischzüge bremsen; 13.7.2011;
http://www.n-tv.de/politik/EU-will-Fischzuege-bremsen-article3802026.html

<von Andrea Schorsch

Damit die Netze nicht irgendwann ganz leer bleiben, müssen die Fischer strenge Quoten in Kauf nehmen.

Mit einer umfassenden Reform will Brüssel das Problem der Überfischung binnen vier Jahren stoppen. Bis 2015 sollen die Bestände auf ein Niveau gebracht werden, das ihr langfristiges Überleben sichert. "Wir müssen handeln, um alle Fischbestände wieder in einen gesunden Zustand zu versetzen", erklärt Fischereikommissarin Damanaki. Doch ohne einen Beitrag von Seiten der Fischereiwirtschaft wird das nichts.

Die Gewässer der Europäischen Union gehören zu den überfischtesten weltweit. Allein im Mittelmeer sind 82 Prozent der bekannten Fischbestände so stark dezimiert, dass sie sich durch natürliche Vermehrung nicht mehr regenerieren können. In der Nordsee gilt das für alle Bestände außer Scholle, Schellfisch und Hering, in der Ostsee sind zwei Drittel der bekannten Bestände betroffen. Nach Angaben der internationalen Naturschutzorganisation WWF ist die europäische Fischfangflotte zwei bis drei Mal größer, als es für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre. Die Organisation fordert wissenschaftsbasierte Fangquoten. Denn in den letzten fünf Jahre hätten die politisch festgesetzten Quoten im Schnitt noch um 45 Prozent über den Empfehlungen der Wissenschaftler gelegen, so der WWF.

"Fischereipolitik ist gescheitert"

Die Notwendigkeit strengerer Maßnahmen sehen nicht nur Umweltschutzorganisationen. Auch EU-Kommissarin Maria Damanaki betrachtet die bisherige Fischereipolitik als gescheitert. Die Regeln hätten das Problem der Überfischung nicht in den Griff bekommen. Das soll nun anders werden. Damanaki stellte heute in Brüssel neue Pläne vor. Mit einer umfassenden Reform soll es gelingen, die Fischbestände in den Gewässern der EU bis 2015 auf ein Niveau zu bringen, das ihr Überleben sichert. "Wir wollen die Fischbestände und die Fischereiwirtschaft langfristig, nachhaltig und profitabel erhalten. Dafür brauchen wir gesunde Fischbestände", sagte die Kommissarin dem "Hamburger Abendblatt".

Strengere Quoten, weniger Flotten

Um dieses Ziel zu erreichen, will Damanaki die Zahl der Fangflotten verringern, die Fanquoten künftig strenger an wissenschaftlichem Rat orientieren und nicht mehr nur für ein oder zwei, sondern für mehrere Jahre festlegen. Außerdem sollen Fischer künftig mit Fangquoten handeln können. Dabei könnten sie ihre Höchstmengen untereinander verkaufen. Mögliche Folge wäre, dass sich die Fänge bei großen Unternehmen konzentrieren. Allerdings sollen Boote unter zwölf Metern vom Handel ausgenommen sein. "Ohne einen Beitrag der Fischereiwirtschaft wird die Reform nicht gelingen", sagte die EU-Fischereikommissarin.

Auch den Beifang hat Damanaki bei den Reformplänen im Blick: Nach den Plänen aus Brüssel soll es künftig verboten sein, unbeabsichtigt mitgefangene Meerestiere wieder über Bord zu kippen. Denn viele dieser Tiere sind dann bereits tot oder verletzt. Stattdessen sollen alle gefangenen Fische angelandet werden müssen. So hofft Damanaki, die Fischer zu gezielteren Fangmethoden anhalten zu können.

Insgesamt aber will die EU-Kommission Entscheidungen abgeben: Neben Quoten will sie nur noch allgemeine Grundsätze für die Fischerei festlegen. Wie diese umgesetzt werden, sollen die EU-Länder in regionaler Zusammenarbeit selbst entscheiden. Die Gesetze könnten von 2013 an gelten, wenn Europaparlament und EU-Länder vorher zustimmen. "Wenn wir diese Reform richtig anpacken, werden Fischer und Küstengemeinden davon auf lange Sicht profitieren", sagte die Kommissarin. "Und alle Europäer werden eine größere Auswahl an frischem Wild- und Zuchtfisch haben."

Ungewünschte Fische machen Arbeit

Der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer meldete bereits Bedenken zu einzelnen Punkten der Reformpläne an. So seien pauschale Verbote des Rückwurfs nicht sinnvoll, erklärte der Verband in Hamburg. Sie könnten zu großen Aufwand bedeuten, wenn die ungewünschten Fische an Land verwertet werden müssen. Das Ziel einer nachhaltigen Bestandsbewirtschaftung sei aber richtig.

Widerstand muss Damanaki aus den Fischfang-Nationen Frankreich und Spanien erwarten. Die Fischer könnten nicht tagelang auf See sein und ihre Lager dort mit unverkäuflichem Fisch füllen, kritisierte der Chef des französischen Nationalen Fischereikomitees, Pierre-Georges Dachicourt.

Auch die Grünen-Fraktion übte bereits Kritik. Die Reform mache die "Nachhaltigkeit nicht zum übergeordneten Ziel", erklärte  Fraktionschefin Rebecca Harms. Der WWF beurteilte den Plan ebenfalls als "unzureichend". Er enthalte "gute Ansätze, überlässt aber zu viel  dem Zufall".

"Höhere Erlöse in der Zukunft"

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) dagegen will die  EU-Kommission in den genannten Zielen unterstützen. "Es ist das Ziel der Bundesregierung, die Fischbestände in Europa und weltweit nachhaltig zu bewirtschaften", sagte Aigner dem "Hamburger Abendblatt". Die Überfischung habe in einigen Bereichen dramatische Ausmaße angenommen. Zudem werde die geplante EU-Reform für die deutsche Fischerei positive Effekte haben: "Nur eine grundlegende Erholung der Bestände schafft die Voraussetzungen für höhere Fangzahlen und damit höhere Erlöse in der Zukunft", sagte Aigner.

mit AFP / dpa>


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Financial
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13.7.2011: Neue EU-Pläne für die Fischerei: <Neue Fangquoten: Die Öko-Revolution der Fischerei>

aus: Financial Times Deutschland online; 13.7.2011;
http://www.ftd.de/politik/europa/:neue-fangquoten-die-oeko-revolution-der-fischerei/60078214.html

<"Weitermachen ist keine Option", sagt EU-Kommissarin Damanaki. Sie plant einen radikalen Kurswechsel in der Fischereipolitik. Das Geschacher um die Fangquoten will sie beenden. FTD.de erklärt die Reform.

Die Situation der Meere und ihrer Bewohner ist dramatisch. Nach Erkenntnissen der Meeresforschung sind die Bestände vieler Fischarten akut bedroht. Der Kabeljau in der Nordsee gilt als ausgerottet. Grund ist die Überfischung der Meere durch die Fangflotten der großen Fischereinationen. Die Bestände können sich nicht mehr erholen.
EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki plant nun einen Paradigmenwechsel. Nachhaltigkeit soll in der Fischerei Einzug halten. FTD.de erläutert die Eckpunkte der Reform.

Was ist das Ziel der Reformen?

Um zu verhindern, dass die bedrohten Fischbestände weiter schrumpfen, will EU-Fischereikommissarin Damanaki künftig für alle Bestände langfristige sogenannte Bewirtschaftungspläne einführen. Diese sollen sich streng an wissenschaftlichen Kriterien orientieren und dafür sorgen, dass sich die Populationen wieder erholen.
Nach Angaben der EU-Kommission sind die Fischbestände in der EU um nahezu 75 Prozent überfischt. Bis spätestens 2015 will die EU-Kommission ein "nachhaltiges Niveau" erreichen.
Bislang wurden die Fangmengen für die meisten Fischarten jährlich zwischen den Agrarministern der Länder ausgehandelt. Die EU-Staaten gestanden den Fischern meist jedoch deutlich höhere Fangmengen zu, als die Wissenschaftler gerade noch für vertretbar hielten.

Was soll mit dem Beifang geschehen?

Schätzungen zufolge wird derzeit fast jeder vierte gefangene Fisch zurück ins Meer geworfen, viele davon tot oder fast verendet. Das soll nach den Plänen Damanakis künftig verboten werden. Die EU-Kommissarin will die Fischer zwingen, alle Fische - auch die unerwünschten - mit an Land zu nehmen.
Der sogenannte Beifang ist ein Problem der engmaschigen Schleppnetze, in denen sich auch Wale, Haie, Meeresschildkröten und Seevögel verfangen. Laut Schätzungen von Naturschutzorganisationen sterben auf diese Weise jährlich Hunderttausende Tiere. Mit dem Verbot, den Beifang im Meer zu entsorgen, will die Kommission auch Anreize geben, damit die Fischer auf schonende Fangmethoden umsteigen.
Für die Branche bleibt jedoch ein Problem: Sie können bisher die zu viel gefangenen Fische nicht verkaufen. Deshalb sollen sich nachträglich von anderen Fischern Lizenzen kaufen dürfen, mit denen sie den Fisch doch noch auf den Markt bringen können.

Was bedeutet die Reform für die Fischerei?

Die Fischer sind eigentlich die Leidtragenden der Überfischung. Weil die Bestände schrumpfen, fangen sie weniger und haben dementsprechend geringere Einkünfte. Die Kommission wirbt daher auch mit dem Argument langfristig höherer Erträge für ihren Reformvorschlag. "Die Fangerträge würden insgesamt um rund 17 Prozent steigen, die Gewinnspannen könnten verdreifacht werden, Renditen auf das Sechsfache steigen, und die Bruttowertschöpfung der Fangindustrie würde um nahezu 90 Prozent wachsen", heißt es in einem Memo der Behörde.

Mit massiven Widerstand muss Fischereikommissarin Damanaki trotzdem rechnen. Sie will nämlich auch mit der bisherigen Subventionierungspolitik brechen. Alle Finanzierungsinstrumente müssten auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Früher wurde beispielsweise die Verschrottung alter Kutter unterstützt. Das Geld nutzen viele, um sich leistungsfähigere Schiffe zu kaufen, mit denen sie noch mehr Fische aus dem Meer ziehen konnten.
Die Kommission droht aber auch mit Strafen. Schwerwiegende Verstöße der Mitgliedstaaten gegen die Vorschriften will sie mit der Unterbrechung oder Kürzung von EU-Finanzhilfen bestrafen.

Wer kritisiert die Pläne?

Widerstand wird es von vielen Seiten geben. So lehnte die Mehrzahl der EU-Länder das Vorhaben der EU-Kommissarin ab, bei Beständen über deren Situation nicht genug wissenschaftliche Daten vorliegen, die Fangmenge pauschal um 25 Prozent zu kürzen. Damanaki will damit die Forschung ankurbeln und dafür sorgen, dass die Länder vorliegende Daten der EU auch wirklich zur Verfügung stellen. Das war in der Vergangenheit offenbar nicht immer der Fall.
Auch Umweltorganisationen kritisieren den Kommissionsvorschlag, dem sie immerhin gute Ansätze unterstellen. Der World Wildlife Fund bemängelte, "dass der Entwurf weder Zeitvorgaben macht, noch Verantwortlichkeiten und Umsetzungsrahmen bestimmt". Es fehle auch ein Konzept zum Abbau der Überkapazitäten bei den Fangflotten.

Welche EU-Länder sind Fischfang-Nationen?

Die Griechen haben zwar die meisten Fischerboote, die größte europäische Fischfangnation sind jedoch die Spanier. Mehr als eine Million Tonnen Fisch wurden nach Angaben der EU-Kommission von den Iberern 2006 aus dem Wasser geholt. Auf Platz zwei und drei folgen mit etwas weniger als 800.000 Tonnen Frankreich und Großbritannien.
Deutschland spielt unter den Fischfangnationen eine nicht mehr so große Rolle. Knapp 295.000 Tonnen wurden von den Fischern hierzulande eingeholt. 423 größere Fischereifahrzeuge waren laut dem Flottenregister der Gemeinschaft von deutscher Seite im Einsatz. Große Fischereinationen wie Großbritannien verfügen mit knapp 2200 Schiffen über ein wesentlich größere Flotte. Für Italien weist das Flottenregister sogar mehr als 4200 Schiffe aus.

Wer entscheidet über die Reformen?

Darüber, ob die Reform wirklich kommt und welche Element davon tatsächlich umgesetzt werden, entscheiden die Mitgliedsländer, also der Rat, sowie das Europaparlament, das erstmals bei einer EU-Fischereireform mitentscheiden darf. Experten befürchten jedoch, dass die Reform unter dem Druck der Lobbyisten wieder verwässert wird.
"Die Reform muss in gewisser Weise vor den Landwirtschaftsministern gerettet werden - und vor der Fischereilobby, die natürlich Druck auf die Minister ausübt", sagte der Meeresbiologe und Fischereiexperte Rainer Froese vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel der Nachrichtenagentur DAPD.>

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Basler
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22.7.2011: Kaum noch Egli im Bodensee

aus: Basler Zeitung online: Der Egli macht sich rar; 22.7.2011;
http://bazonline.ch/panorama/vermischtes/Der-Egli-macht-sich-rar/story/12808877

<Den Berufsfischern vom Bodensee geht kaum noch ein Egli ins Netz: Letztes Jahr wurden 34 Tonnen gefangen, was nur noch der Hälfte von 2009 entspricht. Und es dürfte noch schlechter werden.

Fischer und Restaurantbesitzer sind besorgt: Im Bodensee werden immer weniger Egli gefangen.

Die Berufsfischer am Bodensee haben Jahr für Jahr weniger Egli in den Netzen - obschon der Bestand an Jungfischen relativ gross ist. «Wahrscheinlich mangelt es den jungen Egli an Futter», sagt Reto Leuch, Präsident des Schweizer Berufsfischerverbands am Bodensee.

Leuch ist einer von 145 Berufsfischern am Bodensee-Obersee. Er holt, wie seine Berufskollegen, relativ viele Felchen aus dem See. «Aber der Egli fehlt uns im Angebot», sagt Leuch. 2010 wurden von den Berufsfischer am oberen Bodensee noch 34 Tonnen Egli gefangen; das waren gemäss Statistik rund halb so viele wie im Jahr zuvor.

Leuch, der seit rund 20 Jahren Berufsfischer ist, erinnert sich an den Sommer 2003, der ungewöhnlich heiss und trocken war: «Damals hatten wie die Netze voller Egli». Weshalb, weiss niemand genau. Seit 2003 haben die Egli-Erträge laut Leuch sukzessive abgenommen. Eine Hypothese für den Rückgang: Der Bodensee wird immer sauberer.

Die Nachfrage von Gastronomen nach Egli sei aber nach wie vor vorhanden, weshalb der Fisch, der zu den Barschen zählt, heute importiert werde. Leuch appelliert an seine Kollegen und die Gastronomen am See, die heimischen Felchen besser zu vermarkten. 2010 machte der Felchen am Bodensee 85 Prozent des Gesamtfangs aus. (rub)>


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n-tv
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Neufundland 30.7.2011: Fangstop für den Kabeljau zeigt Wirkung - die Bestände erholen sich langsam

aus: n-tv online: Überfischung vor Neufundland: Kabeljau ergreift Chance; 30.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Kabeljau-ergreift-Chance-article3939461.html

<Einst sorgten die schier unerschöpflichen Kabeljau-Gründe vor Neufundland für Nahrung und Reichtum. Das gnadenlose Überfischen hatte einen Kollaps zur Folge. Der danach ausgesprochene Fangstopp scheint nun langsam zu helfen – unsicher bleibt aber der Ausgang des unfreiwilligen Ökologie-Experiments.

Die bis an den Rand des vollkommenen Zusammenbruchs überfischten Bestände des Kabeljau von Neufundland sind nach einem langen Fangstopp vermutlich dabei, sich langsam zu erholen. Ob sich aber eine Situation wie zuvor einstelle, als die Fische den Menschen Nahrung und vielfach Reichtum brachten, lasse sich noch nicht sagen. Zu sehr hat sich das Ökosystem seither verändert. Das berichtet eine Gruppe um William Leggett von der Queen’s University im kanadischen Kingston. Die Studie erscheint im Journal "Nature”.

Kaum einem anderen Fischbestand hat der Mensch so sehr zugesetzt wie den Kabeljau vor Neufundland. Die ersten europäischen Rückkehrer berichteten vor rund 500 Jahren von sagenhaften Fischfängen. Vor dem "neu gefundenen Land" im Westatlantik könne man Körbe vom Schiff herablassen und sie später voller Kabeljau wieder an Bord wuchten. Von diesem Reichtum blieb kaum etwas.

Der Kabeljaubestand ging durch rücksichtslose Fischerei von 1850 bis 2005 um rund 96 Prozent zurück. Das berichteten damals Forscher um Andy Rosenberg von der Universität New Hampshire in Durham (USA) in den "Frontier9s in Ecology” der US-Gesellschaft für Ökologie (Bd. 2, Nr. 3, S. 84). Demnach passten vor nunmehr sechs Jahren alle erwachsenen Kabeljaus aus den einst märchenhaft reichen Fischgründen der Neufundlandbänke in 16 kleine Schoner, wie sie in Amerika vor dem Bürgerkrieg üblich waren.

Schutz trägt Früchte

Seither haben sich kleine, Plankton fressende Fische um das Neunfache vermehrt – es gab kaum noch Kabeljaue, die sie hätten fressen können. Seit rund 20 Jahren werden diese Raubfische (Gadus morhua, in der Ostsee auch Dorsch genannt) geschützt, und langsam nimmt ihre Zahl wieder zu. Die Zahl von kleineren Planktonfressern – etwa Heringen – erreichte im Jahr 1999 einen Höhepunkt mit zehn Millionen Tonnen Biomasse. Das war aber auf Dauer zu viel, heute kommen diese weitaus kleineren Fische auf drei Millionen Tonnen.

Dieser Rückgang ließ schließlich den Larven räuberischer Fische mehr Nahrung und damit ein schmales Fenster zur Erholung, notiert Leggett. Mehr Nachkommen überlebten. Das Durchschnittsgewicht pro Raubfisch wie Kabeljau, Seelachs und Seehecht war im Zeitraum 2006 bis 2010 um 8 und 16 Prozent größer als im Vergleichszeitraum 1992 bis 2005, also der Zeit vor dem Kollaps.

dpa>

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Basler
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3.8.2011: Kein Platz für Bachforellen: Die renaturierte Birs in beim Basler Breite-Quartier

aus: Basler Zeitung online: Neuer Lebensraum für bedrohte Arten; 3.8.2011;
http://bazonline.ch/basel/land/Neuer-Lebensraum-fuer-bedrohte-Arten/story/18364162

<Von der Birs-Revitalisierung haben diverse Kleinfische sowie Nasen und Aeschen profitiert. Doch es gibt auch klare Verlierer.

Die Renaturierung des untersten Abschnittes der Birs von St. Jakob zur Rheinmündung hat den Fluss belebt, wie der Evaluationsbericht externer Experten belegt. Die 2002 bis 2004 erfolgte Renaturierung mit dem Projektnamen «BirsVital» könne «aus fischökologischer Sicht als grosser Erfolg gewertet werden», bilanziert in dem Bericht das Büro «WFN Wasser Fisch Natur» in Gümmenen BE. Beteiligt waren auch die Ämter für Umwelt und Energie der beiden Basel und die Baselbieter Fischereiaufsicht.

Das früher öde gerade Betonkorsett der Birs mit Querschwellen ist vielfältigen Lebensraumtypen mit unterschiedlichen Wassergeschwindigkeiten und -tiefen sowie Verstecken gewichen. Markant besser sei die so genannte «Längsvernetzung»: Heute könnten Fische aus dem Rhein wieder gut zuwandern.

Bedrohte Nase zurückgekehrt

Vor allem die Nase steigt nun wieder zahlreich (bis 400 Tiere) und gross (bis 65 cm) zum Laichen in die Birs auf. Auch Aeschen fühlen sich wohl, wie zahlreiche geschlüpfte Larven belegen; sie sind aber meist kleiner als früher. Sogar ein einzelner Lachs aus dem Zuchtprogramm wurde 2010 beim Abfischen für den Bericht erwischt.

Die Artenvielfalt ist mit «BirsVital» zwar von früher 15 Fischarten auf 13 gesunken. Weil aber die als wertvoller taxierten Bachneunauge (landesweit stark gefährdet) und Nase (vom Aussterben bedroht) neu aufgetaucht sind, sei das Verschwinden kleinerer Weissfischarten qualitativ zu verschmerzen.

Grosse Verliererin ist die Bachforelle, die früher dank Besatz in Fronarbeit zahlreich vorkam: 2010 wurde bei den Testfischen noch ein einziges erwachsenes Exemplar registriert - neben einigen «Sömmerlingen» unter 13 Zentimetern Länge. Immerhin pflanzen sich Forellen gemäss dem Bericht in der Birsfelder Birs natürlich fort.

Abschied von der Bachforelle

Erklärt wird das Verschwinden der Forellen im Bericht mit zu hohen Wassertemperaturen im Sommer, die auch die tödliche Fischkrankheit PKD fördern. Zudem wurden die meisten tieferen Stellen im Bach, wo sich grössere Fische gern aufgehalten hatten, wegrevitalisiert. An den Fischern liegt es kaum: Deren Fangstatistiken werden immer leerer.

Die Birsfelder Birs sei halt eher «kein optimaler Lebensraum für die Bachforelle», lautet das Fazit des Berichts. Die Autoren wollen nun stattdessen die bedrohte Nase unterstützen: Dazu solle man wenig Raubfische einsetzen, fischfressenden Vögeln «soweit möglich Einhalt gebieten» und zur Laichzeit «Betretungsverbote» durchsetzen.

Ernüchternd ist der Befund des Berichts zu einer bereits 1997 renaturierten Vergleichsstrecke in Münchenstein. Dort wurde 2010 zum Beispiel keine einzige Aesche mehr gefangen. Mögliche Gründe seien Strukturdefizite und die schlecht funktionierende Fischtreppe in der Neuen Welt; so fänden Fische von unten her kaum dorthin. (amu/sda)>

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Basler
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Schweiz 30.8.2011: Das Ende des Hochsommers ist das Ende vieler Fische: <Temperatursturz lässt Tausende Fische verenden> wegen Sauerstoffmangels

aus: Basler Zeitung online; 30.8.2011;
http://bazonline.ch/wissen/natur/Temperatursturz-laesst-Tausende-Fische-verenden/story/21764834

<Die Idylle trügt: Im Inkwilersee sind Tausende Fische erstickt.

Das abrupte Ende des Hochsommers ist den Fischen im Inkwilersee zum Verhängnis geworden. Rund 400 Kilo tote Fische mussten entsorgt werden. Tausende weitere Fische wurden in die Aare gebracht.

Ein Temperatursturz und starke Winde führten im Inkwilersee an der Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Bern zu einer schnellen Durchmischung des Wassers, wie das Solothurner Amt für Umwelt mitteilte. Die dabei ablaufenden chemischen Reaktionen brauchten den im Wasser gelösten Sauerstoff vollständig auf.

Dank grossem Einsatz des örtlichen Fischereivereins konnten Tausende Fische mit Netzen abgefischt und in die Aare gebracht werden. Zudem fanden kleine Fische in zwei Seezuflüssen Zuflucht, in die von Hydranten aus Frischwasser gepumpt wurde.

Massensterben bereits 1993

Bereits 1993 war es im Inkwilersee zu einem Massensterben von Fischen gekommen. Und vor zwei Jahren hatte sich das gleiche Wetterphänomen ereignet. Damals verendeten mehr als eine Tonne Fische.

Die maximale Tiefe von 4,5 Metern lässt im Inkwilersee im Sommer gerade noch die Schichtung von Wasser zu. Bei einem plötzlichen Temperatursturz beginnt das Wasser zu zirkulieren.

Langfristige Massnahmen

Noch im Herbst soll bei den Zuläufen des Inkwilersees nährstoffhaltiges Sediment abgesaugt werden. Weiter wird eine Tiefenwasserableitung eingebaut, welche die Ökologie des Gewässers grundsätzlich verbessern soll.

Die Massnahmen wurden von den Kantonen Solothurn und Bern bewilligt. Allerdings könne damit auch in Zukunft ein Fischsterben nicht ausgeschlossen werden, hielt der Kanton Solothurn fest. (pbe/sda)>

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Fotoquellen
[1] MSC-Siegel: http://www.vis.bayern.de/ernaehrung/fachinformationen/ernaehrung/ernaehrung_allgemein/nachhaltig_einkaufen.htm
[2] MSC-Siegel auf Fischpackung: http://www.n-tv.de/1137439.html

[3] Fischerboote blockieren den Hafen von Dover, 15.4.2009: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,619140,00.html

[4] Grafik, Kabeljau bedroht: http://www.epochtimes.de/articles/2004/12/22/463.html


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