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Kindererziehung bei Kindern von 12 bis 20 (Teil 2)

Meldungen über Jugendliche und ihre Welten

Sich dick fühlen kann dick machen -- viel Zeit mit den Eltern verbringen macht sie selbstbewusster und sozial -- Viel Zeit mit den Eltern macht Jugendliche sozialer -- "Dr. Sommer" im Alter von 85 Jahren gestorben -- glückliche Jugend bringt später mehr Einkommen -- Mädchen nehmen das Erwachsenwerden negativer wahr -- späterer Schulbeginn bringt mehr Leistung -- neue Hotline für Jugendliche "Jugendkreuz" -- Teenager haben anderen Biorhythmus - späterer Schulbeginn ist sehr positiv -- Konzentration bei Jugendlichen beginnt ab 10 Uhr -- die Jugend geht ohne geistige Inhalte zunehmend in die Verblödung

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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10.8.2012: <Studie mit Teenagern: Sich dick fühlen kann dick machen>

aus: Spiegel online; 10.8.2012;
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/abnehmen-wer-sich-als-teenager-dick-findet-wird-auch-eher-dick-a-849292.html

<Unzufriedener Teenager: Wer sich zu dick fühlt, legt eher an Gewicht zu, zeigt eine norwegische Studie

Wer sich als Teenager zu sehr an Magermodels orientiert, kann sich schnell zu dick fühlen - mit fatalen Folgen. Sind normalgewichtige Pubertierende mit ihrer Figur unzufrieden, entwickeln sie sich eher zu dicken Erwachsen, zeigt eine aktuelle Studie. Was paradox klingt, lässt sich erklären.

Die Beine scheinen nicht mehr aufzuhören, dünn und storchenartig stecken sie in einer hautengen schwarz-grauen Jeans. Darüber trägt das Model eine kurze Bluse, ein Stück Bauch blitzt über dem Hosenbund auf. Der Übergang sitzt perfekt, kein Quäntchen Fett drückt die Hose ab, am Beinansatz schlägt die Jeans kleine Querfalten. Platz für mehr, bei Size Zero.

So wie die Werbung eines großen Modehauses vermitteln viele Medien ein zweifelhaftes Schönheitsideal: Möglichst dünn sollte man sein. Da extradünne Frauen für die Modewelt zum Teil schon nicht mehr schlank genug sind, stolzieren mittlerweile auch Männer mit Damenmode über den Laufsteg. Ihre Auszeichnung: erfrischend wenige Kurven.

Dennoch scheint sich der Schlankheitswahn nicht auf die Gesellschaft zu übertragen. Statt immer dünner zu werden, kämpfen immer mehr Menschen mit Übergewicht. Norwegische Forscher haben nun eine mögliche Erklärung für zumindest einen Teil des Phänomens gefunden. Wer als Normalgewichtiger Teenager denkt, er ist zu dick, hat laut ihrer Studie ein höheres Risiko, in den folgenden Jahren tatsächlich zu viel an Gewicht zuzulegen, schreiben sie im Fachblatt "Journal of Obesity".

Studie mit mehr als 1000 Teilnehmern

Für ihre Studie hatten die Forscher die Daten von insgesamt 1196 Personen ausgewertet, die erst als Teenager (mit 13 bis 19 Jahren) und elf Jahre später als junge Erwachsene (mit 24 bis 30 Jahren) an der Health Study of Nord-Trøndelay teilgenommen hatten. Bei beiden Besuchen mussten sie einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten, ihrem Sportpensum, ihrer psychischen Verfassung und ihren sozialen Kontakten ausfüllen, außerdem wurden sie vermessen.

Zu Beginn der Studie hatten alle Teilnehmer ein normales Gewicht. Dennoch kreuzte mehr als jedes fünfte Mädchen (22 Prozent) an, sich selbst mollig oder gar stark übergewichtig zu finden. Bei den Jungs war es knapp jeder zehnte (9 Prozent). Beim nächsten Besuch der mittlerweile jungen Erwachsenen, elf Jahre später, waren noch rund 50 Prozent der Teilnehmer normalgewichtig. Dabei zeigte sich, dass vor allem die ehemals Figurfrustrierten an Masse zugelegt hatten: Im Schnitt war ihr BMI um 0,66 Punkte mehr angestiegen als bei anderen Studienteilnehmern. Auch ihr Taillenumfang war durchschnittlich 3,46 Zentimeter mehr gewachsen.

Um sicherzustellen, dass das Ergebnis nicht durch einen anderen Faktor verzerrt wurde, untersuchten sie Wissenschaftler unter anderem die Essgewohnheiten der Teenager und jungen Erwachsenen, rechneten Alter und Geschlecht heraus und prüften den Einfluss von Sport. Das Ergebnis blieb bestehen: 59 Prozent der Frauen, die sich als Teenager dick gefühlt hatten, waren gemessen am BMI als Erwachsene übergewichtig - bei den zufriedenen Teenagern waren es nur 31 Prozent.

Mögliche Erklärung: Riskante Essgewohnheiten

"Sich als dick wahrzunehmen, auch wenn man es nicht ist, kann aus normalgewichtigen Kindern möglicherweise übergewichtige Erwachsene machen", resümiert der Erstautor der Studie, Koenraad Cuypers von der Norwegischen University of Science and Technology, das Ergebnis. Für den auf den ersten Blick paradox erscheinende Zusammenhang haben die Forscher verschiedene Erklärungen: So halten sie es für möglich, dass der psychosoziale Stress durch das verzogene Körperbild dazu führt, dass die Teenager an Gewicht zulegen.

"Eine andere Erklärung könnte sein, dass junge Menschen, die sich selbst als dick ansehen, ihre Essgewohnheiten ändern und Mahlzeiten auslassen. Studien haben etwa gezeigt, dass das Streichen des Frühstücks zu Übergewicht führen kann." Die Forscher appellieren vor allem an die Medien, darauf zu achten, was für ein Körperbild sie transportieren. "Die Gewichtsnormen der Gesellschaft müssen sich verändern, so dass junge Menschen ein realistischeres Bild davon haben, was normal ist", sagt Cuypers.

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22.8.2012: <Pubertierende profitieren: Viel Zeit mit Eltern macht sozial> - und selbstbewusst

aus: n-tv online; 22.8.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Viel-Zeit-mit-Eltern-macht-sozial-article7016976.html

<Väter verbringen mehr Zeit mit ihren Söhnen, Mütter mit ihren Töchtern.

Als Jugendlicher viel Zeit mit den Eltern verbringen? Uncool und langweilig, finden viele Teenager. US-Forscher halten gegen das Vorurteil: Die gemeinsame Zeit tut den Heranwachsenden richtig gut.

Pubertierende Teenies verbringen nach einer US-Studie mehr Zeit mit ihren Eltern als gedacht - und dies macht sie sozialer und selbstbewusster. Darüber berichten Forscher aus Pennsylvania im Fachmagazin "Child Development". Der Studie von Susan McHale und ihren Kollegen zufolge wirkt sich die gemeinsame Zeit positiv auf die Entwicklung der Teenager aus.

In der Pubertät sind Mama und Papa für viele Jugendliche nervig und uncool - soweit das allgemeine Vorurteil. Herauszufinden, ob dies tatsächlich stimmt und wie sich die Zeit mit den Eltern auf Heranwachsende auswirkt, war das Ziel der Langzeitstudie.

Zweitgeborene unternehmen mehr mit Eltern

Das Ergebnis: Pubertierende verbringen - entgegen der Annahme - mehr Zeit mit ihren Eltern. Obwohl die Jugendlichen immer unabhängiger von ihren Familien werden, pflegen sie weiterhin enge Beziehungen zu ihren Müttern und Vätern, wie die US-Gesellschaft zur Erforschung der Kinderentwicklung die Expertin McHale in einer Mitteilung zitiert.

Teenager, die viel mit ihren Vätern und gleichzeitig anderen unternehmen, sind demnach sozialer im Umgang mit Gleichaltrigen. Darüber hinaus verbringen Zweitgeborene der Studie zufolge mehr Zeit mit ihren Eltern und gleichzeitig anderen Menschen als Erstgeborene. Mütter hingegen unternähmen mehr mit ihren Mädchen, wenn sie eine Tochter und einen Sohn haben - ebenso wie Väter mit ihren Jungen.

Für ihre Studie beobachteten die Wissenschaftler das Verhalten in rund 200 Familien der Mittel- und Arbeiterschicht in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden. Die Forscher untersuchten, wie viel Zeit Eltern und Kinder von der frühen bis zur späten Pubertät miteinander verbrachten. Fünfmal innerhalb von sieben Jahren führten sie daher persönliche Gespräche und Telefoninterviews mit den Müttern, Vätern und deren Kindern.

Quelle: n-tv.de, dpa>

Ein Pionier gegen die prüde Tabu-Gesellschaft ist in den Himmel gegangen:

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31.8.2012: <Gesellschaft: Sexualaufklärer «Dr. Sommer» ist tot> - Martin Goldstein im Alter von 85 Jahren gestorben

aus: n-tv online; 31.8.2012;
http://www.n-tv.de/ticker/Entertainment/Sexualaufklaerer-Dr-Sommer-ist-tot-article7105846.html

<Düsseldorf (dpa) ­ Der als «Dr. Sommer» bekannte Sexualaufklärer Martin Goldstein ist tot. Der Psychotherapeut, Autor und Sexualaufklärer starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 85 Jahren in einem Düsseldorfer Hospiz, wie seine Familie der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.

15 Jahre lang beriet Goldstein in Deutschlands größter Jugendzeitschrift «Bravo» die junge Leserschaft in Fragen zu Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Goldstein starb den Angaben zufolge nach langer schwerer Krankheit im Beisein seiner drei Kinder und seiner Lebensgefährtin.

Quelle: n-tv.de, dpa>

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Welt
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20.11.2012: Glückliche Jugend bringt später mehr Einkommen, scheinbar wegen einer friedlicheren Ausstrahlung

aus: Welt online: Langzeitstudie: Glückliche Teenager verdienen im Alter mehr Geld; 20.11.2012;
http://www.welt.de/gesundheit/article111283096/Glueckliche-Teenager-verdienen-im-Alter-mehr-Geld.html

<Wer mit seinem Leben zufrieden ist, verdient später zehn Prozent mehr, wer besonders unglücklich ist, ein Drittel weniger als der Durchschnitt. IQ oder Selbstbewusstsein spielen dabei keine Rolle.

Dass es wohlhabenden Menschen im Durchschnitt besser geht als armen, ist keine sonderlich überraschende Erkenntnis. Mehr Geld, weniger Sorgen, könnte man leicht meinen.

Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Wohlbefinden zeigt sich demnach so auch in vielen Studien. Doch ein statistischer Zusammenhang allein sagt noch nichts darüber aus, welches der zwei Dinge das jeweils andere verursacht.

Britische Forscher haben sich das Zusammenspiel von Glück und Reichtum deshalb nun genauer angesehen – in einer Langzeitstudie, um über die Zeit nachvollziehen zu können, ob Geld tatsächlich glücklich macht oder ob es womöglich genau umgekehrt ist.

Das Ergebnis ihrer Untersuchung ist für jene, die bisher eifrig dem Geld hinterherliefen, um auch ein Stück des Glückes zu erhaschen, ein herber Schlag.

Glücklich sein macht reich – nicht umgekehrt

Denn Jan-Emmanuel De Neve vom University College London und Andrew Oswald von der University of Warwick fanden heraus, dass Glück das Fundament für späteren Wohlstand ist – zumindest eines Teiles davon.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von mehr als 10.000 Versuchsteilnehmern, die jeweils im Alter von 16, 18 und 22 Jahren auf einer Skala von eins bis fünf angeben sollten, wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien.

Dann setzten die Forscher dieses Wohlbefinden in der Pubertät in Beziehung zum späteren Gehalt im Alter von 29 Jahren. Dabei stellte sich heraus: Besonders glückliche Teenager verdienten später zehn Prozent mehr als der Durchschnitt, besonders unglückliche dagegen rund 30 Prozent weniger.

Das Ergebnis war unabhängig davon, ob die Teilnehmer mit 29 Jahren eher zufrieden oder eher unzufrieden mit ihrem Leben waren. Auch die Bildung, der Intelligenzquotient, die Gesundheit oder das Selbstbewusstsein der Probanden spielten dabei keine Rolle.

Wer zufrieden ist denkt optimistischer

Die Forscher untersuchten daher noch einmal separat, wie sich die eher glücklichen und eher unglücklichen Teilnehmer in ihren Lebensentscheidungen und Persönlichkeitseigenschaften unterschieden.

Einen direkten Einfluss gab es von der Lebenszufriedenheit auf Optimismus und damit auf berufliche Entscheidungen: Die glücklicheren Teenager waren gleichzeitig weniger ängstlich, aufgeschlossener und viel optimistischer als andere und schlossen eher eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich ab.

Danach starteten sie wiederum schneller in den ersten Job: Sie wurden häufiger eingestellt und auch befördert. Doch selbst nach der Schulzeit und der ersten Ausbildungsphase, zwischen 22 und 29 Jahren, gab es noch ausgeprägte Effekte.

Auch kleine Unterschiede haben Konsequenzen

Teilnehmer, die mit 22 Jahren auf der Skala für Lebenszufriedenheit eine fünf statt einer vier angegeben hatten, also nur einen Hauch glücklicher waren als andere, verdienten mit 29 Jahren durchschnittlich 2000 Dollar mehr im Jahr.

Eine beachtliche Summe, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Probanden um Berufsanfänger handelt. Die Diskrepanz im Gehalt driftet mit zunehmender Berufserfahrung vermutlich noch erheblich weiter auseinander.

"Diese Studie dreht eine der berühmtesten Fragen der Sozialwissenschaften um", schreiben De Neve und Oswald in der Fachzeitschrift "PNAS". "Für Entscheidungsträger bedeutet das Ergebnis, dass eine glücklichere Gesellschaft möglicherweise eine ist, die ihren Bürgern eher innere Belohnungen statt Geld liefert. Traditionell hat man sich bisher auf das Gegenteil konzentriert.">


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13.12.2012: Sexualerziehung in der Jugendzeit: Beratungsstelle - Internet - Zeitschriften - Pornos (vor allem bei Buben) - Mädchen oft mit negativem Selbstbild - Tabus Pornos und Selbstbefriedigung dürfen keine Tabus bleiben - das "erste Mal" kommt bei Kindern geschiedener Eltern früher

aus: Der Standard online: Mädchen nehmen Erwachsenwerden negativer wahr; 13.12.2012;
http://diestandard.at/1353208999225/Maedchen-nehmen-Erwachsenwerden-negativer-war

<Neue Studie über Sexualverhalten Jugendlicher - Klassische Sexualberatung wird trotz Internet weiterhin angenommen.

Wien - Österreichs Jugend hat viele Fragen zum Thema Sex und Intimität. Das zeigen die BesucherInnen-Zahlen von Sexualberatungsstellen wie der First Love-Ambulanz in der Wiener Rudolfsstiftung, die bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Die Beratungssituation habe sich in den letzten Jahren allerdings geändert. "Es geht nicht mehr ausschließlich um Verhütung, wir müssen auch über Körperbewusstsein der Jugendlichen reden", sagte Claudia Linemayr-Wagner, Gynäkologin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Kleiner Rest sucht keinen Austausch zu Sex

Zwar hätten die Jugendlichen FreundInnen aber auch Familie als Ansprechpartner, doch eine 2012 fertiggestellte Umfrage unter 218 Personen im Alter von 13 bis 20 Jahren zeigte, dass sich einige zum Thema Sex niemandem anvertrauen, besonders die Buben (15,5 Prozent im Gegensatz zu 8,7 Prozent der Mädchen). "Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt", sagte Studienautorin Martina Strilic. 2001 wurden Österreichs Jugendliche zuletzt über ihr Sexualverhalten befragt.

Die Information über Sexualität und Intimität würden die Befragten häufig aus dem Fernsehen, dem Internet, Zeitschriften, aber auch aus Pornos beziehen. Besonders die Buben würden sich ihr Wissen aus Sexfilmen holen - Internetplattformen ermöglichen hier einen leichten Zugang für Jugendliche. "Da herrscht eine große Kluft zwischen Burschen und Mädchen", betonte Strilic.

Mädchen mit negativerem Körperselbstbild

Eine Schlussforderung aus den Untersuchungsergebnissen sei, dass sich Buben und Mädchen stark durch ihren Zugang zur Sexualität unterscheiden. Mädchen hätten meist ein negativeres Körperselbstbild und erleben ihren Übergang vom Mädchen- zum Frausein negativer als Burschen zum Mannsein. "Die jungen Frauen glauben auch, dass Männer mehr vom Sex haben", berichtete Linemayr-Wagner aus ihrem Praxisalltag als Gynäkologin.

[Tabus Pornos und Selbstbefriedigung dürfen keine Tabus bleiben]

Die ExpertInnen forderten angesichts der Ergebnisse eine geschlechtssensible Beratungskultur an Österreichs Schulen. "Hier haben Eltern und Schulen eine enorm wichtige Aufgabe", sagte Linemayr-Wagner. Studienleiterin Strilic forderte schulische Konzepte, welche "Raum für tabuisierte Themen wie Pornographie und Selbstbefriedigung bieten. Dazu ist eine sexualpädagogische Ausbildung aller PädagogInnen notwendig."

[Das "erste Mal" kommt bei Kinder geschiedener Eltern früher]

Kaum Veränderung gibt es beim Erleben des "ersten Mals". In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Durchschnittsalter von 16 Jahren nicht verändert, resümierte Strilic. Die Umfrage zeigte allerdings, dass Jugendliche, deren Eltern getrennt leben, ihren ersten Geschlechtsverkehr früher erleben. (APA, 12.12.2012)>

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Universität Basel 29.1.2013: Späterer Schulbeginn bringt bei Jugendlichen mehr Leistung - schon bei 20 Minuten Unterschied spürbar

aus: Der Standard online: Späterer Schulbeginn macht Jugendliche munterer; 29.1.2013;
http://derstandard.at/1358304987423/Spaeterer-Schulbeginn-macht-Jugendliche-munterer

<Während Kinder noch Frühaufsteher sind, haben Jugendliche am Morgen oft große Mühe aufzustehen und werden abends meist erst spät müde.

Nur 15 [20] Minuten mehr Schlaf führen dazu, dass sich Schüler deutlich weniger müde und schläfrig fühlen

Wenn der Schulbeginn am Morgen um 20 Minuten verschoben wird, wirkt sich das auf die Schlafdauer und Müdigkeit von Jugendlichen aus. Dies berichten Forschende der Universität Basel nach einer Befragung von rund 2.700 Schülerinnen und Schülern.

Jugendliche, deren Unterricht um 8 Uhr anfängt, schlafen rund 15 Minuten länger und sind wacher als jene, die bereits um 7.40 Uhr in der Schule sein müssen. Die Forschungsergebnisse sind online in der Fachzeitschrift "Journal of Adolescence" publiziert.

In ihrer Studie haben Forschende um Sakari Lemola von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel untersucht, wie sich eine Verschiebung des Schulbeginns um 20 Minuten auf die Schlafdauer und Tagesmüdigkeit von Jugendlichen auswirkt. Dafür befragten sie insgesamt 2.716 Schüler im Alter von 13 bis 18 Jahren; im Durchschnitt waren sie etwas über 15 Jahre alt.

Jugendliche, die morgens um 8 Uhr mit dem Unterricht beginnen, kommen pro Nacht zu durchschnittlich 15 Minuten mehr Schlaf - im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen, bei denen die Schule 20 Minuten früher anfängt. Während also die Jugendlichen in beiden Gruppen ungefähr zur gleichen Zeit zu Bett gehen, können jene mit späterem Schulbeginn am Morgen etwas länger schlafen.

Zu wenig Schlaf, schlechtere Leistungen

Die Zunahme der Schlafdauer um nur 15 Minuten führt dazu, dass sich die Schüler während der Schulstunden deutlich weniger müde und schläfrig fühlten. Somit kann sich bereits eine geringfügige Verschiebung der Schulanfangszeiten positiv auf die Schlafdauer und Wachheit von Jugendlichen auswirken.

Im Jugendalter verändern sich die Schlafgewohnheiten deutlich. Während Kinder noch Frühaufsteher sind, haben Jugendliche am Morgen oft große Mühe aufzustehen und werden abends meist erst spät müde. Während sich die Einschlafphase im Jugendalter also deutlich nach hinten verschiebt, bleibt das Schlafbedürfnis bei den meisten 15-Jährigen unverändert - es liegt bei ungefähr 9 bis 9,25 Stunden pro Nacht und ist damit noch ungefähr gleich wie bei Elfjährigen. So leiden viele Jugendliche wegen früher Anfangszeiten während der Schulzeit unter einem Schlafdefizit, was sowohl ihre Schulleistungen als auch ihr Wohlbefinden beeinträchtigt.

Die durchschnittliche Schlafdauer der Befragten betrug während der Schulwoche ungefähr 8 Stunden und 40 Minuten. Jugendliche, die mit weniger als acht Stunden ungenügend lang schliefen, so die Forschenden weiter, zeigten tagsüber stärkere Müdigkeit, schlechtere Schulleistungen und allgemein eine negativere Lebenseinstellung. (red, derStandard.at, 29.1.2013)

Originalbeitrag: Perkinson-Gloor, N., Lemola, S., Grob, A. (in press): Sleep duration, positive attitude toward life, and academic achievement: The role of daytime tiredness, behavioral persistence, and school start times. Journal of Adolescence. doi.org/10.1016/j.adolescence. ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/233177752012.11.008>


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Österreich 29.1.2013: Neue Hotline für Jugendliche "Jugendkreuz"

aus: Der Standard online: Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche; 29.1.2013;
http://derstandard.at/1358305007920/Hilfe-von-Jugendlichen-fuer-Jugendliche

<Notendruck und Mobbing quälen die meisten Jugendlichen, die bei der Hotline anrufen.

Das Jugendrotkreuz hat eine Art "Rat auf Draht" für Teenager ins Leben gerufen. An beiden Enden der Leitung sitzen junge Menschen.

Wien - Notendruck, Beziehungsprobleme und Mobbing: Das sind die häufigsten Probleme, mit den sich junge Anruferinnen und Anrufer hilfesuchend an die Hotline time4friends wenden. "Im vergangenen Jahr waren knapp zwei Drittel der Anrufer Burschen. Ihnen fällt es oftmals leichter, über Probleme zu sprechen, wenn dies anonym passiert", sagt Andrea Gerstenberger, Generalsekretärin des Österreichischen Jugendrotkreuzes.

Die time4friends-Berater sind selbst zwischen 15 und 18 Jahre alt. Die Idee dahinter: Die Hemmschwelle, mit jemandem im gleichen Alter zu sprechen, sei oftmals geringer, glaubt man beim Jugendrotkreuz. Rund 40 time4friends-Beraterinnen und Berater aus ganz Österreich machen abwechselnd Dienst am Hörer. "Wenn gerade der beste Freund oder die beste Freundin keine Zeit hat, haben die time4friends-Mitarbeiter ein offenes Ohr für die Probleme und Anliegen der Anrufer", so Gerstenberger.

Jugendliche, die die Arbeit als Beraterin oder Berater für die Seelennöte anderer junger Menschen interessiert, können sich beim Jugendrotkreuz dazu ausbilden lassen. Auf dem vom Jugendrotkreuz betriebenen "humanitären Jugendportal" Helpstars.at finden Interessierte alle wichtigen Informationen. Die nächste Ausbildung, um bei time4friends mitzuarbeiten, findet von 11. bis 14. Juli 2013 in Litzlberg am Attersee in Oberösterreich statt. (red, derStandard.at, 29.1.2013)

Info

Kinder und Jugendliche können die Hotline täglich von 18.00 bis 22.00 Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 0800 664 530 erreichen.>

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26.4.2013: Teenager haben anderen Biorhythmus - späterer Schulbeginn ist sehr positiv

aus: Biorhythmus: Teenager-Uhren gehen anders; 26.4.2013;
http://www.newscientist.de/inhalt/biorhythmus-teenager-muessen-laenger-schlafen-a-896336.html

<In den USA und in Großbritannien dürfen immer mehr Schüler später mit dem Unterricht beginnen. Das ist längst überfällig, meint Neuroforscher Russell Foster.

Hirndoktor behauptet: Es ist grausam, Teenager frühmorgens in die Schule zu zwingen." So titelte 2007 eine Zeitung, nachdem ich einen Vortrag zu dem Thema gehalten hatte. Der Kommentar eines Lesers war kurz und knapp: "Dieser Mann klingt hirntot."

Damals war das eine typische Reaktion auf meine Forschungsarbeit über die Schlafgewohnheiten von Teenagern und deren Wirkung auf die schulischen Leistungen. Inzwischen aber setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Verantwortlichen bei der Planung des Schultags auch die Schlafmuster der Jugendlichen berücksichtigen müssen. Gerade erst hat die Londoner Oberschule UCL Academy den Unterrichtsbeginn auf zehn Uhr verschoben; weitere Schulen wollen folgen.

Was also wissen wir über den Schlaf von Teenagern? Und wie sollte sich die Gesellschaft darauf einstellen?

Wenn sieben Uhr wie fünf Uhr ist

Wie bei anderen Säugetieren auch verändert sich unsere Schlafbiologie im Lauf des Lebens. Zu Beginn der Pubertät verschieben sich die Einschlaf- und Aufwachzeiten nach hinten. Dieser Trend hält bei Frauen bis zu einem Alter von durchschnittlich 19,5 Jahren an, bei Männern bis zum 21. Lebensjahr. Danach kehrt er sich um. Mit 55 Jahren wachen wir ungefähr um dieselbe Zeit auf wie vor dem Eintritt in die Pubertät. Das ist im Schnitt zwei Stunden früher als bei Jugendlichen. Wird also ein Teenager um sieben Uhr morgens geweckt, wäre das für einen über 50-Jährigen so, als müsste er früh um fünf aufstehen. Woran das liegt, ist nicht genau bekannt; fest steht, dass steigende und fallende Hormonspiegel eine Rolle spielen.

Es gibt aber nicht nur biologische Gründe dafür, dass Teenager nicht den Schlaf bekommen, den sie brauchen. Viele Eltern sind sehr nachgiebig geworden, wenn es um die Schlafenszeit geht. Ständig stehen Fernseher, DVD-Player, Computer, Spielekonsolen und Handys zur Verfügung; es fehlt am Bewusstsein für die Bedeutung des Schlafs.

Wie viel Schlaf Jugendliche bekommen, ist von Land zu Land und Region zu Region unterschiedlich und hängt auch von der sozialen Herkunft ab. Aber alle Studien zeigen, dass es nicht genug ist, weil die Schule so früh beginnt. Der Chronobiologin Mary Carskadon von der Brown University in Rhode Island, USA, zufolge benötigen Teenager neun Stunden Schlaf, um tagsüber aufmerksam und leistungsfähig zu sein. Meine Beobachtungen an einer Schule in Liverpool führen mich zu der Vermutung, dass viele Schüler wochentags nur fünf Stunden schlafen. Es ist also wenig überraschend, wenn sich Lehrer über im Unterricht wegdösende Schüler beklagen.

Die wissenschaftlichen Belege für die immense Bedeutung des Schlafs sind erdrückend. Die Nachtruhe beeinflusst unser Gedächtnis und unsere Kompetenz, Probleme zu lösen. Wird der Schlaf gestört, steigt zudem der Spiegel des Stresshormons Cortisol an. Impulsives Verhalten, Empathie- und Humormangel sowie Stimmungsschwankungen können das Ergebnis sein. Die Folge ist bekannt: Müde Teenager sind in aller Regel reizbar, launisch, unsensibel, wütend und gestresst.

Schlecht schlafen macht dick

Weniger bekannt ist: Schlafmangel verändert den Stoffwechsel. Studien haben gezeigt, dass bei jungen Männern, die sechs Nächte in Folge nur je vier Stunden schlafen durften, der Blutzucker nicht mehr richtig reguliert wird. Sie hatten Insulinwerte wie Diabetiker im Frühstadium. Andere Studien weisen auf erhöhte Werte des Hormons Ghrelin hin, das den Hunger fördert; und niedrigere Werte des Hormons Leptin, das unser Sättigungsgefühl bestimmt. Viel spricht also dafür, dass andauernder Schlafmangel Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck entscheidend begünstigt – Symptome, die bei Jugendlichen inzwischen erschreckend normal geworden sind.

Um ihren Schlafmangel auszugleichen, benutzen Teenager im wachsenden Maße Aufputschmittel, vor allem koffein- und zuckerhaltige Getränke. Die biologische Halbwertszeit von Koffein beträgt fünf bis neun Stunden; wer also am späten Nachmittag koffeinhaltige Getränke aufnimmt, schläft nachts später ein. Wer müde ist, fängt außerdem häufiger mit dem Rauchen an.

Wir haben es also mit Teenagern zu tun, die tagsüber Koffein und Nikotin konsumieren, abends zwischen Computer und Handy nicht zur Ruhe kommen – und aus biologischen Gründen ohnehin schon später einschlafen. Chronobiologin Carskadon sieht hier die ultimative Verknüpfung unglücklicher Umstände, einen "perfekten Sturm".

In den Vereinigten Staaten haben einige Schulen bereits die Konsequenz daraus gezogen, dass sich der Schlafrhythmus in der Pubertät verschiebt, und beginnen später mit dem Unterricht. Die Schüler fehlten seltener, und ihre Leistungen wurden besser, schreibt die Erziehungswissenschaftlerin Kyla Wahlstrom von der University of Minnesota in einer Begleitstudie. Die Jugendlichen schliefen seltener im Klassenzimmer ein und zeigten weniger Anzeichen von Depressionen. Die Monkseaton High School im britischen Newcastle, die den Schulstart 2009 auf zehn Uhr verlegte, meldet vergleichbare Resultate.

Der spätere Start in den Schultag reicht aber nicht aus. Die Gesellschaft im Allgemeinen und die Jugend im Besonderen müssen anerkennen, wie wichtig Schlaf ist. Schlaf ist weder ein Luxus noch ein Laster, sondern ein elementarer Teil unserer Natur; er fördert Kreativität und Produktivität, hebt unsere Stimmung und macht uns sozial kompetenter.

Besser kein Nickerchen

Wer es ohne Wecker oder seine Eltern nicht aus dem Bett schafft, morgens lange nicht in Gang kommt, tagsüber schläfrig, reizbar oder sprunghaft ist, bekommt wahrscheinlich nicht genug Schlaf. Nehmen Sie das Problem in die Hand. Das Schlafzimmer muss dunkel und darf nicht zu warm sein. Schalten Sie spätestens eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen Computer, Fernseher und Handy aus, meiden Sie ab dann auch helles Licht. Verzichten Sie tagsüber auf Schlaf, gehen Sie gleich nach dem Aufstehen ans Tageslicht, das stellt Ihre innere Uhr vor und korrigiert Ihren Schlafrhythmus. Verzichten Sie ab dem Mittagessen auf Koffein.

Ich bin der festen – und durch Forschungsergebnisse gestützten – Überzeugung: Die Bemühungen vieler engagierter Lehrer und die Investitionen in unsere Schulen werden mehr Früchte tragen und für alle Beteiligten ein angenehmeres Lernumfeld schaffen, wenn wir alle gemeinsam den Schlaf ernst nehmen. Teenager, Eltern, Lehrer und Behörden. Um es in Zeugnissprache auszudrücken: Unsere Leistungen müssen deutlich besser werden.

Russell Foster>


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26.4.2013: Schulbeginn für Jugendliche in London: Die Konzentration beginnt ab 10 Uhr

aus: Der Standard online: Schulstart 9 Uhr: Lehrer, Eltern, Schüler zweifeln; 26.4.2013;
http://derstandard.at/1363708818068/Schulbeginn-9-Uhr-Lehrer-Eltern-und-Schueler-zweifeln

<Lisa Aigner

Ein späterer Schulstart verbessert die Leistung von Teenagern - Die Schulpartner wollen trotzdem weiter um 8 Uhr beginnen.

An der UCL Academy in London werden Teenagerträume wahr. Die Schüler der "Sixth Form" können ausschlafen und dürfen erst um 10 Uhr in der Schule erscheinen. Die 16- bis 18-Jährigen müssen zwar bis halb 6 am Nachmittag bleiben, trotzdem werde die Regelung gut angenommen, sagt Direktorin Geraldine Davies zur "Sunday Times". Die Schule begründet den Schritt mit mehreren Studien, die gezeigt hätten, dass Teenager die besten Leistungen erbringen, wenn sie später mit dem Unterricht starten.

Österreich ist von diesem Schritt noch weit entfernt. Im Schulzeitgesetz ist zwar nur geregelt, dass der Unterricht nicht vor 7 Uhr beginnen darf. Trotzdem hat es sich eingebürgert, dass der Unterricht um 8 startet, manche Schulen beginnen sogar schon früher. Laut Unterrichtsministerium gibt es nur vereinzelt Schulen, die nach 8 Uhr mit dem Unterricht anfangen. Und das, obwohl bereits mehrere Studien bestätigt haben, was die Schüler am Morgen am eigenen Leib verspüren: So zeitig am Tag kann man sich nicht konzentrieren.

Junge Menschen haben anderen Rhythmus

Eine aktuelle Untersuchung unter knapp 9.000 16- bis 25-Jährigen in Deutschland hat ergeben, dass Jugendliche zu wenig schlafen. "Junge Menschen haben einen anderen Rhythmus, sie sind abends lange aktiv und würden morgens mindestens bis 8 oder 9 Uhr schlafen. Aufgrund des frühen Arbeits- oder Schulbeginns haben viele ein permanentes Schlafdefizit", erklären die Studienautoren in einer Presseaussendung. 63 Prozent der Befragten fühlen sich nicht ausgeruht und leistungsfähig, 63 Prozent wünschen sich mehr Schlaf. In Deutschland hat der Biologe Christoph Randler sogar herausgefunden, dass "geborene" Frühaufsteher bessere Noten bekommen als Langschläfer, da sie im aktuellen System bevorzugt werden.

Eine Studie unter 200 Oberstufenschülern aus den USA aus dem Jahr 2010 ergab, dass sich die gefühlte Leistungsfähigkeit bei 45 Minuten mehr Schlaf signifikant verbesserte. Die Schüler fühlten sich weniger erschöpft und waren regelmäßiger im Unterricht. Die Direktorin der UCL Academy kann zwar ein halbes Jahr nach der Einführung des späteren Schulbeginns noch keine gesicherten Angaben machen, spricht in Interviews aber davon, dass es keine Probleme mehr mit der Pünktlichkeit der Schüler gebe.

Schmied verweist auf Schulpartner

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will dennoch den späteren Schulbeginn nicht im Alleingang einführen. Aus ihrem Büro heißt es gegenüber derStandard.at, dass die Schulpartner in diesem Bereich tragfähige und praktikable Vorschläge vorlegen sollten. Weder beim späteren Schulbeginn noch bei der Länge der Sommerferien - über die ebenfalls regelmäßig diskutiert wird - habe es bisher aber Ergebnisse gegeben.

Die Schulpartner, das sind Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter, haben allerdings erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines späteren Schulbeginns. Bundesschulsprecher Felix Wagner ist dafür, dass die Schulen selbst entscheiden, wann sie mit dem Unterricht beginnen. Am Land bräuchten Schüler zum Beispiel für den Schulweg manchmal über eine Stunde. Wenn der Unterricht dann bis weit in den Nachmittag dauere, kämen sie erst sehr viel später nach Hause. "Manche Schüler können sich auch um 4 Uhr am Nachmittag nur mehr schlecht konzentrieren", sagt er.

Elternvertreter hat Zweifel

Theodor Saverschel vom Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen ist zwar offen für einen späteren Schulbeginn, hat aber Zweifel. Ein Problem sieht er darin, dass die unflexiblen Verkehrsbetriebe am Land dann ihre Intervalle umstellen müssten. Auch das Argument, dass Teenager oft lange aufbleiben und deshalb in der Früh weniger leistungsfähig sind, will er so nicht gelten lassen: "Ich weiß auch, wann meine Arbeit beginnt, und muss mich darauf einstellen."

"Wandel müsste gesamte Gesellschaft vollziehen"

Auch Pflichtschul-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger hält einen späteren Schulstart für schwer umsetzbar. "Wir werden es nie hinbekommen, dass für alle Schüler die Schule zum idealen Zeitpunkt beginnt", sagt er. Schließlich gebe es sehr unterschiedliche Typen. Zudem könne nicht die Schule alleine später beginnen. "Diesen Wandel müsste die ganze Gesellschaft vollziehen." In Österreich starte eben auch die Arbeitswelt sehr früh, weshalb die Eltern ihre Kinder oft schon um 7 Uhr in die Schule schicken müssten.

Die Wiener Stadtschulrats-Präsidentin Susanne Brandsteidl hat die Diskussion schon früher als "Bobo-Debatte" bezeichnet. Auch jetzt macht ihr Sprecher darauf aufmerksam, dass es unterschiedliche Lebensrealitäten der Eltern gebe. Manche würden ihre Arbeit bereits um 7 oder halb 8 Uhr beginnen. "Es hilft nicht, wenn die Kinder schon zwei Stunden vor Schulbeginn da sind." Schließlich müssten sie auch betreut werden.

Aus dem Unterrichtsministerium heißt es, dass ein spätere Unterrichtsbeginn wohl nur dann möglich sei, wenn flächendeckend ganztägige Schulformen eingeführt werden. Dann könnten manche Schüler mit Freizeit- und Sportangeboten ab 7.30 Uhr in den Tag starten und erst später der "echte Unterricht" beginnen, der dann bis in den Nachmittag dauert. (Lisa Aigner, derStandard.at, 25.4.2013)

Nachlese

Schulbeginn um 8 Uhr - zu früh

Sozialer Jetlag: Eulen schlafen zu wenig>

Welt online, Logo

18.7.2013: Die Jugend geht ohne geistige Inhalte zunehmend in die Verblödung

aus: Welt online: Kulturforscher: "Auf dem besten Wege in die absolute Verblödung"; 18.7.2013;
http://www.welt.de/vermischtes/article118147140/Auf-dem-besten-Wege-in-die-absolute-Verbloedung.html

Der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier beklagt die zunehmende Verdummung der heranwachsenden Generation. Schuld sei ein Bildungssystem, in dem nur nach ökonomischen Aspekten unterrichtet werde.

Von

Schon der Titel provoziert: "Performer, Styler, Egoisten: Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben" heißt das Buch von Bernhard Heinzlmaier. Darin kritisiert er eine systematische Verdummung der Jungen, die "mit begrenztem Horizont und engem Herz" in eine unmenschliche Leistungsgesellschaft gedrängt werden würden. Der 53-Jährige ist Mitbegründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien.

Die Welt: Herr Heinzlmaier, wie verblödet ist unsere Jugend?

Bernhard Heinzlmaier: Sie ist auf dem besten Wege, in die absolute Verblödung geführt zu werden. Wenn unser Erziehungs- und Bildungssystem nur noch nach den ökonomischen Gesichtspunkten von OECD und Pisa funktionieren muss, rechne ich den Jugendlichen keine guten Chancen aus.

Die Welt: Sie schreiben, dass die heutigen Bildungsstandards von der Wirtschaft diktiert würden. Was heißt das?

Heinzlmaier: Bei der Zusammensetzung der Bildungsinhalte zählt nur noch die wirtschaftliche Logik. Die Lehrinhalte werden danach ausgewählt, was später auf dem Arbeitsmarkt auf jeden Fall verwertbar ist. Seit Jahren findet in den Schulen eine Verlagerung zugunsten naturwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Inhalte statt. Unterrichtsstunden in Musik, Literatur und Kunst werden gekürzt, weil diese Fächer kein im ökonomischen Sinne nützliches Wissen vermitteln.

Die Welt: Was ist mit alternativen Schulformen wie zum Beispiel Waldorfschulen?

Heinzlmaier: Das ist schlicht eine Flucht der gut gebildeten Mittelschichten, die weiter Wert auf eine umfassende, auch kulturelle Bildung legen. Die Alternativen zum staatlichen Bildungssystem sind da. Doch die kann sich eine vierköpfige Familie aus Berlin-Marzahn nicht leisten, also helfen sie nur den Reichen. Ich bin kein Illusionist. Technisches und arbeitsmarktorientiertes Wissen muss in den Schulen unbedingt vermittelt werden, aber nicht allein. Der Verzicht auf kulturelle Bildung wird unsere demokratische Grundordnung über kurz oder lang gefährden, weil der Nachfolgegeneration die politische Urteilsfähigkeit fehlt.

Die Welt: Dennoch sind geisteswissenschaftliche Studiengänge wie Germanistik seit Jahren komplett überlaufen.

Heinzlmaier: Viele junge Menschen haben nach wie vor das Bedürfnis nach humanistischer Bildung. Deswegen ist das Interesse an diesen Studiengängen immer noch groß. Aber auch hier ist es kein Geheimnis, dass die Wirtschaft immer mehr Einfluss darauf nimmt, was an den Hochschulen in Lehre und Forschung stattfindet.

Die Welt: Forscher sagen, Jugendliche seien durch Leistungsdruck verunsichert. Gleichzeitig konstatieren Sie, die Jungen wünschten sich mehr klare Vorgaben. Wie passt das zusammen?

Heinzlmaier: Die meisten Jugendlichen heutzutage sind Pragmatiker. Die wissen genau, wie ihnen der soziale Aufstieg gelingen kann. Um erfolgreich zu sein, müssen sie sich an die Normen und Regeln des Neoliberalismus anpassen. Gleichzeitig stehen sie dank der vielen Wahlmöglichkeiten heutzutage unter einem permanenten Entscheidungsdruck. Viele von ihnen sagen: "Die Welt ist zu komplex, wir hätten es gern wieder etwas einfacher."

Die Welt: Wofür stehen Jugendliche heute auf?

Heinzlmaier: Für ihre eigenen Interessen. Wenn die infrage stehen, gehen die jungen Leute auch auf die Straße. Nehmen Sie die Demonstrationen in der ganzen Welt: Den Protesten in Spanien zum Beispiel liegen überwiegend materielle Interessen zugrunde. Diese Leute sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, ob die Umstände günstig sind, eine Familie zu gründen, um ihren sozialen Status. Aber dem liegen keine weiterreichende Werte zugrunde.

Die Welt: Was sollte falsch daran sein, auf diese Art seine Zukunft mitzubestimmen?

Heinzlmaier: Weil es nur noch um Einzelinteressen geht, nicht mehr um das gesellschaftliche Ganze. Wo früher die Orientierung an Traditionen Sicherheit gab, herrscht heute Beliebigkeit und Unübersichtlichkeit. Und anstelle von sozialen und beruflichen Kompetenzen ist vielfach die Selbstvermarktungsfähigkeit getreten. Das Produkt, das die Jugend primär verkauft, sind sie selbst.

Die Welt: Fühlen sich ältere Generationen vom Zweckoptimismus der Jüngeren beleidigt, weil sie für vermeintlich höhere Ideale gekämpft haben?

Heinzlmaier: In der Tat. Diese Ökonomisierung der Bildung ist ein Schlag ins Gesicht der 68er-Generation. Die haben noch in größeren Dimensionen gedacht, haben über die Dritte Welt, die Hochschulreform, Sozialgesetze und demokratische Mitbestimmung gestritten. In den 90er-Jahren kam dann so langsam der Umbruch in eine Ego-Gesellschaft. Auch viele der 68er haben sich korrumpieren lassen. Deswegen hat die ganze 68er-Bewegung bei den Nachfolgegenerationen an Ansehen verloren. Mittlerweile hat sich der Tenor durchgesetzt: "Wir wollen etwas leisten und wir wollen dafür auch materiell entschädigt werden."

Die Welt: Die Autoren der letzten Sinus-Jugendstudie haben aber auch festgestellt, dass sich Jugendliche in Deutschland eine eigene Familie wünschen, aber es schwierig finden, den richtigen Zeitpunkt für die Familienplanung zu erwischen.

Heinzlmaier: Die Familie stellt den letzten geschützten Rückzugsraum in dieser Gesellschaft dar, ein nach außen abgeschlossenes System, in dem sich der Mensch aufgehoben fühlen kann. Je unwirtlicher die Welt da draußen ist, desto wichtiger werden die kleinen Lebenswelten. Insofern ist die Suche nach Geborgenheit fast eine Art Reflex auf die wachsende Unsicherheit in unserer Gesellschaft.

Die Welt: Wie werden aus jungen Menschen dann "Egoisten" und "Performer"?

Heinzlmaier: Letztlich geht es um Erfolg, Image und Konsum. Wichtiger als, wie ich mich fühle, ist, wie die anderen mich sehen. Wie sehe ich aus? Welche Statussymbole habe ich? Dieses Verhalten lernen Kinder und Jugendliche schon sehr früh, und sie lernen auch, sich selbst gut zu verkaufen. Die neuen Medien verstärken dieses Bedürfnis nach Selbstdarstellung und Selbstvermarktung nur noch. Aber notwendig glücklich wird man nicht, wenn man tagtäglich eine Rolle spielt, mit der das eigene Selbst wenig bis nichts zu tun hat.

Die Welt: Was müsste sich also ändern?

Heinzlmaier: Zum einen müssen wir anfangen, die Probleme der Jugendlichen wieder ernst zu nehmen. Oft genug höre ich: Was haben die zu meckern? Denen geht es im Vergleich zu den früheren Generationen doch richtig gut. Auf der anderen Seite müssen wir wegkommen von einer Lebenshaltung, in der es nur um materielle Güter geht, und von einer Bildungspolitik, die nur den Interessen der Wirtschaft dient. Wir brauchen eine neue Bewegung aus der Zivilgesellschaft heraus, wenn humanistische Werte in unserem Bildungssystem wieder eine Rolle spielen sollen. Wenn das nicht passiert, sehe ich für die Jugend schwarz.

Bernhard Heinzlmaier: "Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben", Berlin, 2013 (Hardcover, 196 Seiten, 18,50 Euro)>


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