Milan-Spiele Spieleversand


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Kinderspiele in der Schweiz vor der Industrialisierung

Das Vergnügen an Bewegung mit einfachsten Mitteln

Bschütti pumpe     Titelblatt, Hurrle-Spiel

Präsentation von Michael Palomino (2005)

Alle Bilder können vergrössert werden zum Ausmalen.

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aus: Alte Kinderspiele [in der Schweiz]. Eine Sammlung volkskundlicher Bewegungsspiele; von Walter Seiler, mit Zeichnungen von Gustav Ritschard; dargestellt anlässlich der 700-Jahrfeier Unterseens im Jahre 1979. Sonderdruck der Schweizerischen Lehrerzeitung, Ausgabe "Schulpraxis", Monatsschrift des Bernischen Lehrervereins BLV, Nr. 25, 21. Juni 1979. Druck: Eicher + Co., 3001 Bern


Kommentar
Die Spielesammlung präsentiert einfachste und ohne grossen Aufwand durchzuführende Spiele, die dem Bewegungsdrang von Kindern und dem gesunden Spiel an der frischen Luft gerecht werden, so dass die Kinder keine Schlafschwierigkeiten haben. Menschenverachtende Spiele mit Auslachen oder Menschen schlagen, oder auch knallende, militärische Spiele oder Spiele, die Verletzungen provozieren können, sind nicht präsentiert.

Gewisse Spiele werden von Knaben, gewisse eher von Mädchen gespielt, was im Begleittext zum Ausdruck kommt. Mit der Emanzipation und Koedukation sind natürlich Knaben und Mädchen aufgefordert, sich auch an den jeweils anderen Spielen zu beteiligen, damit beide Seiten Sensibilität und Durchsetzungsvermögen erlernen können.

Michael Palomino 2006

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Inhalt
1. Laufspiele, Fangspiele
2. Springspiele
3. Allgemeine Bewegungsspiele
4. Neckspiele mit einem Tuch um die Augen
5. Wurfspiele
6. Stossspiele
7. Schlagspiele
8. Pfeilspiele
9. Geschicklichkeitsspiele
10. Kraftspiele


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1. Laufspiele, Fangspiele

Das Laufen
Das Laufen ist die natürlichste und eine der ältesten Sportarten überhaupt. In der Antike mag der schnelle Lauf eine reinigende Wirkung bezweckt haben. Er war auch ein Bestandteil des Totenkultes.

Die alten Schweizer waren als schnelle und ausdauernde Läufer berühmt. [...] Eifrig waren unsere Vorfahren bemüht, Leistungen im Laufen bei jeder Gelegenheit zu fördern, vor allem an Schützenfesten, an Älplerspielen oder bei Läufen von Gemeinde zu Gemeinde. Bei Streitigkeiten, etwa bei angefochtenen Grenzverläufen, entschied der Sieg im Lauf.

Im Jahresbrauchtum finden wir den Wettlauf an den Frühlingsfesten um Ostern und Pfingsten herum, vorab beim Eierlesen. Manch vaterländische Feierlichkeit beschlossen  Mädchenwettrennen. Dieses Lauffieber packte natürlich auch die Jugend, die "nach einem Ziele" oder um die Wette lief.

Im 18. Jh. war es in Basel Sitte, dass die Schüler nach dem Examen Wettläufe um am Ziel aufgesteckte Bibeln austrugen (S.3).

Beispiele:
Wettlaufen, Stafetten, Eierlesen, Reifeln [Reifen treiben], Speirenlauf, Sässelitragen (S.3).

Reifeln [Reifen treiben]

Reifeln, Reifen treiben

Bereits bei den Griechen und Römern ergötzte sich die lauffreudige Jugend am Spiel mit Reif und Stock. Horaz erwähnt in seinen Oden den Reif als Kinderspielzeug. Martial (etwa 40 bis 100 n.Chr.) erzählt, dass die römischen Mädchen mit Speichen versehene Wagenräder, die mit Glöckchen behängt waren, mit Stäbchen vor sich hintrieben.

In Luzern gebrauchten die meisten zehn- bis zwölfjährigen Knaben Reifen, die an einer Seite mit "Spengelen", das heisst Blechschnitzeln beschlagen waren. Diese 23 bis 24 "Spengali" waren mit Nägeln lose befestigt und verursachten beim Rollen ein lustiges Klingeln.

Noch 1840 liefen im Frühling, sobald die Wege trocken waren, Buben an schulfreien Nachmittagen in Gruppen von Luzern nach Emmenbrücke um die Wette. Man nannte dies "Reiftrölerausflug".

1891 gründeten junge Burschen in Brest einen Reifenclub und veranstalteten Wettläufe. Zwei Läufe von Brest nach Trinité und zurück (14'100 m) in einer Stunde, machten in der französischen Presse von sich reden. Dennoch, dieser Club hatte eine kurze Lebensdauer und es ist seither nicht gelungen, das Reifentreiben auf eine sportliche Basis zu stellen.

Leider ist das Reifeln durch moderne Fahrzeuge verdrängt worden und fast gänzlich verschwunden.

Material: Reif (auch alte Velofelge), 50 cm langer Stock, eventuell Blechschnitzel und Nägel (S.4).


Speirenlauf [laufen mit Windrad in der Hand]

Speirenlauf

J. Catsen, der niederländische Dichter, erwähnt den Speirenlauf schon 1657. Hierzulande war das Gerät auch unter dem Namen "Fleuder" bekannt. Brueghel stellte auf seinem Bild sogar ein "Fleuderturnier" zweier Mädchen dar. Heute sind solche buntfarbige "Windräder" auf dem Markt erhältlich oder aus Papier einfach herzustellen.

Gedicht von J. Catsen über den Speirenlauf:

"Das Kind so mit dem Speiren lauft,
seht wie es auf der gassen schnauft,
bis dass es einen kühlen wind,
bis dass es ein klein lüftlein find,
bis dass es frisch und dapfer weht,
bis dass sein Speir sich umher treht."

 (in: Conrad Meyer: Die Kinderspiele. Verlag Berichthaus Zürich 1970, S.58; Dies ist die Neubearbeitung von J. Cats: �26 nichtige Kinderspiele". Zürich 1657)

Material, um ein Windrad zu basteln: [langer Stab], Stäbchen, Papier, [Leim, um die Papierflügel an die Stäbchen zu kleben], Nagel [als rotierender Mittelpunkt durch die Stäbchen] (S.4).


Steckenpferdchen reiten

Steckenpferdchenreiten

Pferde, einst die edelsten Gefährten des Menschen [aus Arabien stammend] und lange Zeit beinahe das einzige Transportmittel, werden unsere Stadtkinder in nicht allzuferner Zeit wohl nur noch im Zoo und Zirkus bewundern können. Grund genug, dessen Leistung wenigstens bei Kleinkindern im Steckenpferdchenreiten weiterleben zu lassen.

"Sokrates, der griechische Weise, ritt mit den kindern 'auf dem Rohr' und Horaz erwähnt das Steckenpferd in seinen Satiren. Selbst Luther freute sich, wenn Kindern dieses erste sportliche Spiel betrieben."

(aus: F. K. Mathys: Das Kinderspiel im Freien, Ausstellungswegleitung; Schweizerisches Turn- und Sportmuseum Basel, 1965)

Gesunde Phantasiewelt und Einbildungskraft spiegeln sich darin. Auch wenn die Kleinsten es heute mit Stahlrossen und Miniaturfahrzeugen den Vätern gleichtun, wäre die alte Liebe zum Pferd doch weiterhin bei unseren Kindern zu pflegen (wunderschöne Bastelarbeit, Theaterrequisit).

[...]

Material: alter Besenstiel, Schnur [als Zaumzeug], Material für den Pferdekopf nach Wahl:  Wolle oder Rosshaare, zusätzlich Papier mâché oder gestopfte alte Socken, 30 cm langer Stock [als Peitsche],


Fangspiele [Fangis]

Fangspiele gehören zu den zeitlosesten und einfachsten Bewegungsspielen und sind noch heute bei gross und klein beliebt, benötigen sie doch weder Geräte noch ausgewählte Plätze. Fangisspiele waren und sind in der Schweiz sehr mannigfaltig und hingen einst eng mit Tages- und Jahreszeiten zusammen.

Catsen (1657) sah im "Zickenspiel" ein Sinnbild des Streitens. "Ziggis" bedeutete ursprünglich jemandem einen Schlag auf den Kopf geben. Nach altem magischem Brauchtum durften Kriegsgefangene nicht mehr fliehen, sobald ihnen der Sieger die Hand auf den Kopf gelegt hatte.

In den Fangisspielen mit Freistätten spiegelt sich früheres Rechtsbrauchtum wider, so wie ja auch die Kirche einst eine Art Freistätte für Verfolgte war. Ebenso gab die Berührung von Holz oder Eisen den Menschen auf magische Weise das Gefühl, vor Unheil geschützt zu sein.

Variationen:
Ziggis (Tschiggele), Isetschiggis, Gruptschiggis, Chranketschiggis, Ballettschiggis, Schwarzer Mann, Mützenfang (Turnschuhraub), Wolf gse, Stehbock-Laufbock, Kettenfangis (Fischli faa,  Paarfangis [Pärlifangis]), Dr Habicht wott es Hüenli nä, Ritterspiel, Barrlauf, Hirt, lass die Schafe aus, Katze und Maus, Drittabschlagen (Drei Mann hoch), Räuber und Polizist, Schnitzeljagd, Schnyder, lehn mehr d'Schär, Was machst auf meiner Burg?, Der alte Grossvater, Plumpsackspiel (Lumpe lege), Fuchs aus dem Loch, Weinausrufen (Der Teufel an der Kette) (S.10).


Fangspiele: Plumpsackspiel ("Lumpelege", "Der Lunzi chunt", "Fätzli gläd")

Das Spiel mit dem Plumpsack (ursprünglich ein Zweig oder Strick, in jüngerer Zeit aber ein geknotetes Taschentuch) schilderte der griechische Dichter Pollux so (S.10):

"Die Kinder bilden einen Kreis. Eines geht rundum und hat einen Plumpsack in Händen. Hinter irgendeinem wird der Plumpsack fallen gelassen oder niedergelegt. Merkt dieser Spieler das nicht, so wird er mit dem Plumpsack geschlagen und im Kreise umhergejagt, entdeckt er es rechtzeitig, so darf er ihn aufnehmen. Gelingt es ihm gar, jenen zu erreichen, der ihn gelegt hat, und kann er ihn mit dem Plumpsack schlagen (bevor dieser den freigewordenen Platz einnimmt), so darf er wieder in den Kreis eintreten, während der andere von neuem umhergehen muss." (S.11)

(aus: F.K. Mathys, Trudy Schmidt: Zur Geschichte und Psychologie des Kinderspiels. Schweizerisches Turn- und Sportmuseum Basel, 1963/64, S.14)

Anstelle des Plumpsackes sind auch etwa Mützen, Bälle, Nastücher [Taschentücher], Hölzchen und Weidenpfeiflein getreten. Goethe scheint es in dieser Form gekannt zu haben:

"Kennst du das Spiel, wo man im lustigen Kreis
Das Pfeifchen sucht und niemals findet,
Weil man's dem Sucher, ohne dass er's weiss,
In seines Rockes hintre Falte bindet,
Das heisst an seinen Steiss?" (S.11)

(aus: F.K. Mathys, Trudy Schmidt: Zur Geschichte und Psychologie des Kinderspiels. Schweizerisches Turn- und Sportmuseum Basel, 1963/64, S.15)

Im bernischen Därstetten begleiteten die Kinder den Umhergehenden mit folgendem Verslein:

"rund um, rund um,
der Plumpsack geit um.
s'Huen will er lege
s'darf keins sich rege." (S.11)

(aus: F.K. Mathys, Trudy Schmidt: Zur Geschichte und Psychologie des Kinderspiels. Schweizerisches Turn- und Sportmuseum Basel, 1963/64, S.15)

[...]

Material: Geknotetes Taschentuch (S.11).


Fangspiele: Katze und Maus


Katze- und Mausspiel

"Innenfrontkreis mit Handfassung: Die Maus befindet sich innerhalb, die Katze ausserhalb des Kreises. Vorausgehendes Frage- und Antwortspiel, regional verschieden, zum Beispiel:

Katze: Müüsli, was machsch im Garte?
Maus: Chruut abfrässe.
Katze: Und wenn i chum?
Maus: De renn i ab!

Jetzt beginnt die Verfolgung, wobei Maus und Katze überall, auch unter den Armen der Kreisspieler durchlaufen dürfen. Während jedoch der Maus alle Tore offen stehen, wird der Katze der Durchgang durch die  Tore durch Tiefhalten der Arme erschwert. Die gefangene Maus wird zur Katze und die Katze zur nunmehr verfolgten Maus oder es beginnt ein neuer Spielgang." (S.11)

(aus: Turnen und Sport in der Schule, Bd. 2, S.132)


Fangspiele: Dr Habicht wott es Hüenli näh

Dr Habicht wott es Hüenli näh

Die Henne [das grösste Mädchen der Kindergruppe] hütet ihre hintereinander aufgestellte Kückenschar [eine Schlange mit Kindern]. Der Habicht [ein ausgewähltes Kind] versucht, das hinterste Kind zu erwischen, was die Kette durch geschickte Schwenkungen zu verhindern sucht. Die Henne oder Gluckere kann zuletzt ihre verlorenen Kücken mit einem Pfand auslösen (S.12).

Die Spielbeschreibung von Catsen 1657:

"Es findet sich in der Zahl bekanter Kindersachen auch das gewohnte Spiel die Hünlein zu bewachen. Das fraechest in der Bursch nimmt an des Geyren amt, das Klugst die Glukhaen ist: die übrigen gesamt an ihren Rugken stehn: Der Geyr setzt an den Reyen und pflegt sich hin und her zukruemmen und zutreyen: die Hüenlein dukken sich: und suchen Aufenthalt; dieweil der Hüenerfeind jeetz da bald dort eynfalt."

So beschrieb Catsen 1657 das "Hünlein hüten", einst Ausdruck der Verantwortung gegenüber Schutzbefohlenen. In der Schweiz besass dieses bekannte Fangisspiel die verschiedensten Namen. In der Rheinpfalz hiess ein ähnliches Spiel "Fuchs und Henne" und in Lappland "Fuchs und Schneehühner" (S.12).



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2. Springspiele

Das Springen
Springen war allgemein gebräuchlich, hatte aber auch ganz lebenspraktische Bedeutung (S.3).

Beispiele:
Böckligumpen, Stapfajucke, Geissgumpen (Stecklispringen, Seilspringen, Stabweitsprung, Hochsprung, Gummitwist)  (S.3).

Bockspringen

Bockspringen

Sprungformen:
[-- das Böckli von hinten überspringen]
-- das Böckli von der Seite überspringen
-- Stapfajucka: Zwei Spieler legen ihre gestreckten Arme einander auf die Schultern. Über dieses hohe Doppelböckli wird ebenfalls von der Seite gesprungen

-- fortlaufendes Springen, das heisst, wer die Böckli übersprungen hat, schliesst vorne als Böckli an.

Material: keines (S.5).

Seilspringen

Seilspringen

Sprungformen:
-- einzeln an Ort
-- beidbeinig oder abwechselnd auf einem Bein oder immer auf dem gleichen Bein
-- mit Zwischensprüngen, mit Doppelsprung
-- in Kauerstellung
-- Seil kreuzen
-- als Ausdauerübung

-- im Laufen seilspringen
-- im Laufen seilspringen als Laufwettkampf

-- springen in Gruppen mit einem langen Seil einzeln oder zu mehreren.

Material: kurze oder langes Seil (S.5).


Sacklaufen [Sackspringen, Sackgumpen]

Sackgumpen

J. Fischart erwähnt das Spiel 1575 unter dem Namen "Sackzucken". In Graubünden und auf Sennenkilbenen in der Innerschweiz wurde es noch um die Jahrhundertwende gespielt. Leinene Säcke werden den Läufern unter den Armen, oder, bei Erschwerung des Spiels, über den Schultern zusammengebunden. Wer das Ziel laufend oder hüpfend erreicht hat, ist Sieger. Wer dabei hinfällt, hat Mühe, sich wieder aufzurichten, was für (S.9) die Zuschauer lustig anzusehen ist. Die beim Lauf Gestürzten müssen den Sack des Siegers zurücktragen. Dieser darf sie unterdessen mit dem Plumpsack tüchtig durchklopfen.


In Wattenwil (BE) mussten die Sackgumper ein Seil oder eine Latte überspringen oder sich durch die Sprossen einer Leiter hindurchzwängen.

Material: Alte Kartoffelsäcke, Schnüre (S.10).


Paradysle (Himmel und Hölle)

Himmel und Hölle

Wer denkt schon daran, wenn er diese Kreidezeichnungen auf den Trottoirs sieht, dass dieses Spiel seinen Ursprung in der babylonischen Astronomie hat? Die sieben (heute oft fünf oder weniger) gleich grossen Felder stellen die Planeten dar, die beiden anschliessenden Felder die Wendekreise: Feuer (Hölle) und Wasser (Himmel).

Über das Feuerreich gilt es unbeschadet hinwegzukommen. Ursprünglich war dieses Spiel streng an die Wochen vor oder nach Himmelfahrt gebunden. Viele Eltern sahen es nicht gern, weil es als Vorzeichen gefürchtet wurde. Nach Masüger vergnügten sich Buben beim Viehhüten damit.

Dieses über 4000 Jahre alte Spiel besass je nach Gebiet die verschiedensten Namen: Himmel und Hölle, Paradieshüpfen, Tempelhüpfen, Kirchenfensterln, Wochentäglen usw. Es bestehen auch vielfältige Spielarten. Hier ist die einfachste:

Das Spielschema wird mit Kreide auf den Boden gezeichnet. Die Sprungreihenfolge wird mit dem Abzählvers "Und wenn das Glöggeli schlot, sind mehr alli tod, und wenn das Glöggeli klinglet, sind mehr all im Himmel" bestimmt.

Auf einem Bein hüpfend, wird nun ein Steinchen vor sich her durch die Felder geschubst, wobei mit dem Bein weder eine Linie berührt noch das Steinchen über die Grenzlinie fallen darf.

Hat man das anvisierte Feld erreicht, geht es auf gleiche Weise zurück zur Grundlinie. Von hier aus versucht der Spieler zum nächsten Feld zu gelangen.

In manchen Gegenden wird das Steinchen auch geworfen und hinterhergehüpft.

In der "Hölle", die immer diagonal geteilt ist, muss man so landen, dass je ein Bein auf die sich gegenüberliegenden Felder zu stehen kommt. Durch zwei bis vier Kreuzsprünge dreht man sich. Im Himmel darf auf beiden Beinen ausgeruht werden.

Variationen:
-- einfachere Spielform: "Eier tragen": Das Steinchen auf die Fussspitze legen und durch alle Felder tragen

-- Erschwerung: Steinchen auf der etwas zurückgelegten Stirn tragen.

Der Himmel
Kinder zeichnen ihn
Mit dem Schuh
In den Kiesweg
Und hüpfen
Hinein


(Fritz Gafner).

(S.8)


Stabweitsprung

Stabweitsprung

Der Weitsprung in seinen vielfältigen Formen diente seit Menschengedenken den Mutigen dazu, Gräben, brückenlose Bäche und Felsspalten zu überwinden. [...]

Variationen:
-- Sprung aus dem Stand
-- Sprung mit Anlauf
-- Dreisprung auf einem Bein.

Bei Hochwasser behalf man sich etwa mit dem Stabweitsprung. Bekannte Schwinger aus dem Emmental sprangen so im 18. Jh. über die 18 Fuss breite Grosse Emme. Am Springen mit dem Stab vergnügten sich im Wallis auch die Hirten auf dem Feld.

[Auf den Kanarischen Inseln benutzen die jungen Männer den Stabweitsprung, um schneller die Berge hinabzuspringen, also ein Stabhinabsprung].

Material: Gabel, langer Stecken, Steine als Markierung (S.5).


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3. Allgemeine Bewegungsspiele

Die unter allgemeine Bewegungsspiele eingeordneten Vergnügen, wie die Kopfüberspiele, waren meist der naturhafte Ausdruck ungebrochener Lebenskraft.

Hurrle, Kopfüberspiele (Purzelbaum, Kopfstand, Handstand), Hangspiele (Klimmzug usw.), Käs kehren, Fässlitrölen, Steckenpferdchen reiten, Drachen steigen lassen (S.3).


Hurrle

Hurrle

Dieses noch um 1880 im Freiamt [Bezirke Bremgarten und Muri] und Kelleramt [östlicher Teil des Bezirks Bremgarten] beliebte Spiel lässt besonders die Mädchen die Freude an der Bewegung auskosten.

Zwei Mädchen, gegeneinander blickend, fassen sich an einer oder beiden Händen und kreisen mit raschem Schwung.

Eine Variante davon ist das Figurenschleudern. In vollem Schwung löst sich eine Spielerin, wirbelt alleine weiter und lässt die Drehung bis zum Stillstand walten. Wer verharrt in der schönsten Schlussfigur? (S.5)


Kopfstehen

Kopfstehen

Weitere Formen: Purzelbaum, Handstand, Hechtrolle, Rad schlagen usw. (S.6).


Die ysegi Brügg

Ysegi Brügg, die eiserne Brücke

"Die Kinder ziehen im Gänsemarsch, einander an den Kleidern haltend, zu zwei Kindern, die, sich bei beiden Händen haltend, die Brücke bilden.

' Mir möchte gärn über die ysegi Brügg!'

' IS sich verreit.'

'So machet se um.'

'Mit was?'

'Mit Yse-n-u Stahl.'

'Was gät der für Lohn?'

'Die hinterschti Geissbohn.'

Nun halten die zwei Kinder die Arme hoch und singen, während die anderen durchziehen:

'So fahren Sie, so fahren Sie,
Die letzte muss bezahlen.'


Die letzte [das letzte Kind in der Reihe] wird zwischen den Armen angehalten [es senken sich die Arme der Brücke und das Kind ist zwischen den Armen "gefangen"] und gefragt:

'Was wosch lieber, Schoggela oder Turte?' Je nach Wahl wird es hinter das eine oder andere geschickt. Das geht, bis alle verteilt sind. Nun geben die zwei bekannt, welche Partei im Himmel ist und welche in der Hölle. Die Kinder rufen sich mit allerlei Spottbewegungen zu: 'Ängeli! Ängeli! Ängeli!' oder 'Tüfeli! Tüfeli! Tüfeli!'

Oft fassen sich zum Schluss auch alle Kinder einer Partei von hinten her um den Leib und suchen das vorderste Kind der anderen Partei über einen gezogenen Mittelstrich zu ziehen." (S.9)

(aus: Gertrud Züricher: Kinderlied und Kinderspiel; Wyss Erben AG, Bern 1974, Neuauflage, S.176/177)


Holderibock

Holderibock

Holderibock ist wahrscheinlich ein Nachfahre des altägyptischen "Mora", das sich in Italien auch unter Erwachsenen erhalten hat.

"Holderi, holderi, holderibock,
wie viel Finger streckt der Bock?"

Im Rhythmus dieses Verses klopft der Sprecher dem Mitspieler mit den Fäusten leicht auf den Rücken.

Danach drückt er ihm eine beliebige Anzahl Finger auf den Rücken. [Frage]: "Wie viele?"

[Antwort mit einer Zahl, dann kommt die entsprechende Antwort].

Es wird weitergepocht, dazu sprechend:

"Hesch es nid errate,
überchunsch e schlechte Tübelibrate.
Messer oder Gable?"

oder:

"Hesch es guet errate,
überchunsch e guete Tübelibrate.
Messer oder Gable?"

Je nach gewähltem Gerät wird ihm auf dem Rücken mit der flachen Hand hin und her geschnitten oder mit der "Gabel" [mit drei ausgestreckten Fingern] "gestochen" (S.9).




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4. Neckspiele mit einem Tuch um die Augen

Blinde Kuh

Blinde Kuh

"Unter dem Gelächter der Mitspieler tappt die Binde Kuh herum [...]." (S.7)

(aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis Verlag Zürich, 1955,  S.338)

Wer berührt und durch Abtasten erkannt wird, spielt die neue Blinde Kuh. Je lebhafter diese spielt und von den Sehenden kameradschaftlich gefoppt wird, desto herzerfrischender wird das Spiel.

So oder ähnlich unterhielten sich schon die Griechen [mit dem Blinde-Kuh-Spiel] beim myia chalkä", beschrieb es Konrad von Salzburg (1075-1147) in einer Predigt, vergnügte sich der ehrwürdige König Gustav Adolf von Schweden im Felde mit seinen Offizieren und spielte es Königin Marie-Antoinette (1755-1793) bei Schäferspielen in Petit-Trianon (F).

Als typisches Brauchtum pflegten es die Kinder einst zwischen Weihnacht und Neujahr. In Frankreich verbot die Geistlichkeit im 16. Jh. das Spiel, weil es heidnischen Ursprungs sei. Andernorts bezeichnete man es auch als "Blinde Maus", "Blinde Ziege", "Blinder Bock", "Blinde Katze", "Binde Fliege", "Blinder Wolf" usw. Auffällig dabei ist die ausschliessliche Verwendung von Tiernamen.

Variationen des Blinde-Kuh-Spiels

Drei alte, der "Blinden Kuh" verwandte Spiele, seien hier erwähnt:

Zytigläse (Ochs am Berg)
Ein Spieler steht mit geschlossenen Augen gegen eine Wand. Die Mitspieler versuchen sich ihm aus etwa 20 Schritt Entfernung ungesehen zu nähern. Ertappt der "Wandseher" im überraschenden Umdrehen einen in Bewegung, muss dieser wieder hinten auf der Startlinie beginnen. Wer den Spieler an der Wand berühren kann, darf dessen Platz einnehmen.

Der blinde Marsch
Aus etwa 30 Schritten Entfernung tappt ein "Blinder" mit vorgestreckten Händen auf ein vorher bestimmtes und sich eingeprägtes Ziel (Baum). Berührt er es, hat er die Aufgabe erfüllt.

Jakob, wo bist du?
Von zwei Spielern ist einer der Herr mit einem Plumpsack in der Hand und der andere Knecht Jakob. Beide irren mit verbundenen Augen umher. "Jakob, wo bist du?" ruft der Herr fortwährend. Der Knecht pfeift jedesmal kurz als Antwort. Der Herr versucht so den Knecht zu orten, um ihn mit dem [Plumpsack] zu [erwischen], was Jakob durch genügend Reichweite zu verhindern sucht.

Material: Augenbinde oder grosses Taschentuch (S.7).


Topfschlagen


Topfschlagen

Brueghel stellte es [das Spiel Topfschlagen] 1560 bereits auf seinem Bild der Kinderspiele dar und J. Fischart erwähnte es 1572 in "Aller Praktik Grossmutter", als "Brich den Hafen".

Ein Topf (am besten eine Blechdose) wird verkehrt auf dem Boden aufgestellt. dem Schläger verbindet man die Augen, dreht ihn am Startplatz (15 bis 20 Schritte vom Topf entfernt) dreimal um sich selbst herum. Mit dem Stock muss er nun versuchen, den Topf zu schlagen. Gelingt ihm dies, darf er die (S.7) vorher unter dem Topf versteckte Belohnung behalten. Die nicht seltenen Irrwege und Fehlschläge erwecken unter den Mitspielern herzhaftes Gelächter.

Material: Konservendose, Stock, Augenbinde oder grosses Taschentuch, Preise (S.8).



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5. Wurfspiele

Steine als Wurfgeschoss
Steine verlockten wohl seit eh und je die Jungmannschaft, sich im Werfen zu messen, waren es nun flache Steinchen, die man über dem Wasser tanzen liess, waren es mittelgrosse Steine, die auf Weite oder auf ein Ziel geworfen wurden, oder grosse, schwere Steine (wie etwa der Unspunnenstein mit seinen 167 Pfund), die aus verschiedenen Stellungen gestossen wurden.

Der Ball
Um den dreht es sich, kulturhistorisch gesehen, schon seit erdenklichen Zeiten. Dieses eigentliche Ursportgerät finden wir über den ganzen Erdball verbreitet. Oft war das Ballspiel an bestimmte jahreszeitliche Ereignisse gebunden. Im vorcolumbischen Mexiko entwickelte sich ein eigentlicher Ballkult. Bei den Indianern Nordamerikas und in Japan besassen Torballspiele ihren festen Platz in religiösen Festen. In Europa hat sich als kultisches Relikt das Brautball- und Osterballspiel erhalten. In letzterem wurde um Ostern im kirchlichen Gottesdienst ein Ball unter Wechselgesängen herumgereicht.

Zur Zeit der Antike und später an Fürstenhöfen richtete man eigentliche Ballspielräume ein. Im alten Rom kannte man neben den federgefüllten Bällen schon einen luftgefüllten Spielballon, "Follis" genannt. Die Schweizer übten seit ehedem mit dem kleinen, aus Wolle, Tüchern und Kuhhaaren verfertigten Ball. Die vielfältigen Ballspiel eröffneten einst den Reigen der Sommerspiele.

Wurfgeschosse Messer und Stock
Die Spiele mit Messer und Stock sind grösstenteils im alpinen Raum als Zeitvertreib der Hüterbuben entstanden. Ihre Spielregeln ergaben sich wohl oft aus dem Augenblick heraus und wurden je nach Begebenheit abgeändert. Gerade die Hirtenknaben haben bis heute einen reichhaltigen Schatz an einfachen Spielen bewahrt.

Das Pfeilbogenschiessen, Armbrustschiessen, Ringstechen und all die andern verwandten Spiele wurden sicher oft um ihrer selbst willen betrieben, hatten aber ihren festen Platz in der Kriegsausbildung der Jugend (S.12).

Steinstossen

Steinstossen

Formen:
-- Steinstossen aus dem Stand (Pendel-Steinstoss, Beinspreiz-Steinstoss, Vorschwung-Steinstoss, Schlag-Steinstoss)
-- Steinstossen mit Anlauf
-- Steinheben (einhändig, beidhändig) (S.13).

Steinwurf als Längenmasse
Der "Steinwurf" wurde nicht nur als Distanzmass gebraucht, sondern kam auch immer wieder in Magistratsverordnungen vor (S.13).


Zielwurf-Spiele

Das Werfen von Steinen nach einem Ziel schildert schon Homer in den ältesten Zeiten Griechenlands. Auch in der Schweiz wurden einfache Wurfspiele schon früh in allen möglichen Formen betrieben.

"Die Steinstosser und Blattenschiesser werfen in die Weite vor sich her oder erschwingen in die Luft die Blatten und andere wurfliche Sachen oder zilende nach dem fürgesteckten Zil." (S.13)

(aus: Walter Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft; Schweizer Heimatbuch Nr. 156/157/158; Verlag Paul Haupt, Bern 1972, S.71)

Plattenschuss als Längenmass
Der "Plattenschuss" wurde nicht nur als Distanzmass gebraucht, sondern kam auch immer wieder in Magistratsverordnungen vor (S.13).

Verbote lärmiger Wurfspiele an bestimmten Tagen
Die Wurfspiele mit Stein und an Platten wurden mit den unterschiedlichsten Verboten belegt. So wurden sie 1555 in Bern auf der Schützenmatte untersagt und 1700 in Schaffhausen am Sabbat abgeschafft. Das Chorgericht in Wangen an der Aare verurteilte im Jahre 1680 Hans und Peter Strasser wegen sonntäglichem Kegeln und Plattenschiessen zu 24 Stunden Haft und einer Geldbusse. Hie und da hatte die Obrigkeit diese Spiele unter Einschränkungen von Zeit, Ort und Wetten erlaubt. Am Untersee sagte man sogar dem Prinzen Napoleon nach, "er hei ammel mit Talere blättlet". (S.13)

Zielwurf-Spiele: Tötzlen

Beim Tötzlen hat jeder seinen eigenen Stein. Ein anderer Stein dient als Ziel. Aus Stand und etwa 30 bis 40 Meter Entfernung werfen nun die Spieler ihren Stein möglichst nahe ans Ziel heran. Wessen Stein das Ziel trifft oder am nächsten daran zu liegen kommt, erhält einen Punkt.

Beliebt war auch das Werfen zwischen zwei Steinen A und B, wobei von A nach B und umgekehrt geworfen wurde (S.13).

Zielwurf-Spiele: Blättlen
Eine Ziegelplatte oder ein Holzstock wird als Ziel aufgestellt. Aus angemessener Distanz versucht nun der Blättler, den Stock umzuwerfen, oder wenigstens möglichst nahe heranzuwerfen. Wer das Ziel als erster zu Fall bringt, erhält 20 Punkte, der zweite 10 und der dritte 5 Punkte. Gelingt es keinem, werden die Punkte nach der Nähe der Steinplatten beim Ziel verteilt. Wer erreicht zuerst 100 Punkte? (S.13)

Zielwurf-Spiele: Plattenschiessen
In Guttannen (BE) warfen die Ledigen an Sonntagen mit Steinen auf ein Holzstückchen, das etwa zwei Zentimeter aus der Erde ragte (Spielverlauf wie Boccia). In Hasliberg (BE) war man Steinplatten nach einem "Zwäck" (Steinplatte oder Grube). Wessen Stein das Ziel zudeckt oder am nächsten daran zu liegen kommt, ist Sieger.

Material: Plattenförmige Steine, Holzstock oder Ziegelplatte, kleiner Knebel (S.13).


Stöcklen, Platzgen

Stöcklen und Platzgen

Zielwurf-Spiele: Stöcklen

Auf das Ziel, das "Stöckli" (zylinderförmiger Holzklotz) wird der Einsatz (Knöpfe, Geld) gelegt. Von diesem weg werfen die Spieler ihre Platten zuerst nach dem etwa 15 Meter entfernten "Zweck", einem in den Boden gesteckten Pfahl. Wer die Platte am nächsten zum Zweck heranbringt, darf als erster davon weg auf das Stöckli werfen. Wer mit seiner Platte am nächsten dazu trifft, darf es umstossen und gewinnt die zu Boden fallenden Einsätze (S.14).

Zielwurf-Spiele: Platzgen

Auf einem ebenen Platz steckt der Holzstock, das Ziel. Jeder Spieler legt seinen Einsatz (Fünfrappenstücke, Knöpfe) darauf. Das Los bestimmt die Wurfreihenfolge. Einer nach dem andern wirft nun die Metallplatte aus einer Entfernung von 15 Meter möglichst nahe zum Stock. Wo sie zur Ruhe gekommen ist, ritzt man an der dem Stock näheren Seite des Wurfkörpers eine Linie in den Boden.

Gegen weitere Einsätze kann ausgebessert, das heisst ein zweiter oder dritter Wurf getan werden. Sobald keiner mehr ausbessert, kann der Spieler mit dem besten Wurf mit dem Anschlagen beginnen. Aus unmittelbarer Nähe wirft er dazu die Platte gegen den Stock. Die mit Kopf oben zu Boden fallenden Einsätze darf er behalten. Die restlichen werden wieder auf den Stock gelegt, und der zweitbeste Spieler schlägt an. Sind alle Einsätze vergeben, beginnt das Spiel von neuem.

Beim heute gängigen Platzgersport steckt der Schwirren (Stock) in einem Ris (Lehmscheibe). Anstatt um Einsätze zu werfen, wird die Entfernung der "Platzge" vom Schwirren gemessen und als Punktzahl addiert (S.14).

Stöckle und Platzgen mit Spiel um Einsätze

Stöckle und Platzgen gehören zur Gattung der Plattenwurf-Gewinnspiele, die leider oft mit Gewinnsucht betrieben wurden.

Gespielt wurde unter Buben um Knöpfe oder ähnlichem und unter Erwachsenen um Geld. Stöcklen betrieben die Jünglinge von Erlenbach im Simmental von der Schneeschmelze an bis zum Heuet. Ein ähnlicher Wettwurf ist aus Solothurn bekannt. Das Platzgen hat seinen Ursprung wohl im Emmental. Aus diesen beiden Spielen heraus hat sich der Platzgersport entwickelt. Ende der zwanziger Jahre wurden die ersten Platzgerklubs gegründet, die untereinander Wettspiele austrugen. 1932 warfen am ersten gemeinsamen Wettkampf in Ostermundigen ganze Sektionen auf Kommando. Ein Jahr später wurde der noch heute 550 Sportler zählende Platzgerverband des Kantons Bern gegründet, der eigentlich zu Unrecht im Schatten anderer, berühmterer Sportverbände steht (S.14).

Material: Metallplatten oder Steinplatten, Holzstock, Einsätze


Zielwurf-Spiele: Geissen

Geissen

Dieses Wurfspiel wurde in der Schweiz vielerorts betrieben und besass je nach Gebiet eigene Namen und Regeln. Der Grundgedanke war etwa der folgende (S.16):

"Die Buben werfen nach der Geiss. Einer hütet (Hirt) und muss die umgeworfene Geiss immer wieder aufstellen. Unterdessen holen die andern ihre Stöcke. Berührt aber der Hüter, während (S.16) die Geiss aufrecht steht, einen Mitspieler innerhalb des umgrenzten Spielplatzes mit der Hand oder mit einer Rute, wird der Getroffene Geisshirt." (S.17)


(aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis-Verlag Zürich 1955, S.247)

Wenn kein Spieler die Geiss getroffen hat oder es keinem gelang, seinen Stecken zurückzuholen, also niemand mehr am Schleudern ist, kann der Hirt die Geiss selbst umwerfen. Wer dann zuletzt mit seinem Stock hinter der Abwurflinie anlangt, wird neuer Hirt (S.17).

Anstelle eines Strunkes verwendete man im zürcherischen Oberhofen (1850) als Geiss einen Holzzylinder auf einem geneigten Brett, in Savognin einen in die Erde gesteckten Stock, und in einigen Orten aufeinanderliegende Steine, die es mit einem weiteren Stein voneinander zu schlagen galt.

Material: Stöcke, Geiss (Strunk, Rohling, Stein usw.), Wurfsteine (S.17).


Zielwurf-Spiele: Stäckle, Bigle (Pfahlspiel)

Pfahlspiel Stäckle, Bigle

Diesen Kampf zwischen Pfahlwerfern betrieben die Knaben (3 bis 4 an der Zahl) in Chur, in der Innerschweiz, im Emmental und im Berner Oberland, auf weichem, lockerem Waldboden.

Die Reihenfolge im Werfen bestimmt das Los. Der erste lässt seinen Pfahl mit aller Kraft in den Boden hineinsausen. der Folgende versucht nun, seinen Pfahl so zu werfen, dass er im Boden steckenbleibt und gleichzeitig den des Vorgängers herausprellt. Scheint ihm ein solcher Versuch als aussichtslos, lässt er seinen Stock in den Boden fahren, und zwar in der Regel übers Kreuz mit dem zuerst geworfenen. So geht es weiter, bis ein Spieler einen Pfahl herauszuschleudern vermag. Dieser legt nun den Pfahl des Besiegten kreuzweise über seinen und wirft ihn möglichst weit weg. Sein Pfahl bleibt in der Hand zurück und muss nun, derweil der Besiegte nach seinem Stock rennt und ihn dort einmal einschlägt, dreimal nacheinander in die Erde geschnellt werden. Wer zuerst mit seiner Aufgabe fertig ist, ist Sieger. Pfähle, welche nicht zum Stecken kommen, werden aus dem Spielfeld gebracht.

Als Vereinfachung lässt sich das Pfahlspiel auch mit einer Punktewertung spielen. Für jeden herausgeworfenen Pfahl wird dem Spieler ein Punkt gutgeschrieben. Minuspunkte werden notiert, wenn der geworfene Pfahl nicht steckenbleibt.

Material: Für jeden Spieler einen Pfahl mit geglättetem Griff, am dickeren Ende zugespitzt, etwas 60 cm lang (S.17).


Zielwurf-Spiele: Dreiball (Tüpfle)

Dreiball

Zwei Spieler spielen einander in einem Abstand von etwa 5 Metern den Ball zu und versuchen, mit dem gefangenen Ball einen Dritten in der Mitte zu treffen. Dieser darf dem Ball nur durch schnelle Bewegungen im Wenden, Drehen und Bücken stehenden Fusses ausweichen. Wer hält am längsten in der Mitte aus?

Im Bernbiet kennt man "Mittitüpfe", wobei mehrere Spieler in der Mitte sind und nach Belieben den Bällen ausweichen dürfen.

Dreiball oder "Tüpfle" ist ein uraltes Ballspiel, das einst als Übung zum Ausweichen vor Speeren und Pfeilen im Kriege betrieben wurde.

Material: Ball (S.18).


Zielwurf-Spiele: Er kommt

Ein durch die Farbe gut kenntlicher Ball liegt auf einem flachen Stein. Die Mitspieler stehen mit gespreizten Beinen, Fuss an Fuss, kreisförmig darum. Ein Teilnehmer wirft einen zweiten Ball nach diesem in der Mitte. Trifft er ihn nicht, geht es der Reihe (S.18) nach weiter. Trifft er ihn, rollt der gefärbte Ball gegen den Kreis zu. Alle rufen: "Er kommt!" Wen er berührt oder durch wessen Beine er rollt, wird von seinem Nachbarn zur Linken um den Kreis gejagt. Kann der Verfolger den Fliehenden mit dem Plumpsack abschlagen, darf er den nächsten Ball werfen. Erreicht er ihn nicht, wirft der entkommene Läufer weiter (S.19).

Material: 2 Bälle, Taschentücher (S.19).



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6. Stossspiele

Märmeln (Murmelspiel, Kluckern, Gluggerspiel, Schusserln, Klickern)

Märmeln, Murmeln

Sobald der Schnee geschmolzen war, eröffnete das Marmeln (Kluckern, Schusserln oder Klickern) einst den bunten Reigen der Kinderspiele im Freien. Bereits im alten Hellas spielten die Kinder mit kleinen Kügelchen aus Lehm, Ton, Knochen, Eicheln und Schneckenhäuschen.

Julius Pollux, der griechische Schriftsteller im zweiten Jahrhundert n.Chr., stellt es in kultischen Zusammenhang, denn es soll zu seiner Zeit auch beim Fest des Gottes Bachus betrieben worden sein.

Im alten Rom benutzte man zu einem ähnlichen Spiel Nüsse.

Brueghel nahm es 1560 in sein Bild auf.

Zu Beginn der Neuzeit verboten strenge Ratserlasse vielerorts das Spiel. So gab 1560 der Rat von Bern bekannt, dass das Kluckern auf dem offenen Platze untersagt sei. Das Märmeln liess sich aber nicht unterdrücken. 1715 stellte der Dichter Thümmel in Coburg als erster steinerne Marmeln her, und seit 1849 kennen wir die farbigen Glasmarmeln. 1964 soll ein Jugoslawe an der italienischen Grenze ertappt worden sein, weil er 6000 Glasmurmeln nach Jugoslawien schmuggeln wollte (S.14).

Der Genfer Kinderpsychologe Jean Piaget hat über die Regeln und die Verhaltensmuster der Kinder beim Marmelspiel Forschungen angestellt, die zeigen, dass das Kleinkind hier lernt, sich in die soziale Gemeinschaft einzufügen und die stets variierenden Regeln einzuhalten, also demokratisches Verhalten einzuüben. Daneben sei aber auch der körperliche Nutzen des Spiels nicht vergessen, wie das Aufstehen und Niederkauern, das Spannen der Finger, die Geschicklichkeit im Zielen, Werfen und Spicken (S.14).

Variationen des Murmelspiels
Aus der Grosszahl der Spielregeln seien hier einige aufgeführt:

Murmelspiel: Äuglen
Die Mitspieler errichten einige Haselnusshäufchen, die Höck. Spieler um Spieler versucht nun mit einer Baumnuss, stehend über den Höck geneigt, diesen aus Augenhöhe durch Fallenlassen der Baumnuss zu treffen. Gelingt einem dies, kann er die Nüsse des Höcks behalten (S.14).

Murmelspiel: Zeilspiel
In einer Linie werden die von jedem Mitspieler eingezogenen Marmeln aufgestellt. Jeder rollt oder wirft seinen Marmel gegen diese und erhält diejenigen, die sich getroffen vom Platz bewegen (S.14).

Murmelspiel: Grüebla
Aus einiger Entfernung rollen die Mitspieler einen Marmel gegen ein Loch in der Erde. Wer seinen Marmel am nächsten zum Loch oder ihn in dasselbe bringt, darf nun auch die andern hineinrollen. Diese gehören dann ihm (S.14).

Murmelspiel: Brettrollen

Der erste Mitspieler rollt seine Kugel über ein schräges Brett hinunter und lässt sie ausrollen. Dann versucht der zweite Spieler durch Hinunterrollen seiner Kugel die erste zu treffen. Gelingt ihm dies, gehören beide ihm, fehlt er, dient seine Kugel als neues Ziel (S.14).

Murmelspiel: Mürla
Ein Spieler wirft (spickt) aus etwa zwei Meter Entfernung seinen Marmel so gegen eine Mauer, dass er zurückprallt und unweit der Mauer liegen bleibt. Der Nachfolgende versucht in gleicher Weise, diesen Marmel indirekt zu treffen. Gelingt ihm oder einem der folgenden Mitspieler dies, behält er alle liegenden Marmeln (S.14).

Material: Marmeln (Nüsse, Steinchen, Glaskugeln, Steinkugeln, Lehmkugeln).


Kegeln

Kegeln

Sagen erzählen von Engeln oder Petrus, welcher bei Gewittern im Himmel Kegel schieben, von Geistern, die sich unter Schlossruinen mit goldenen Kegeln vergnügen, und von Kegeln, die oft in Kirchtürmen eingemauert worden sind.

Das Kegeln dürfte weit in vorchristliche Zeiten zurückgehen. 1157 wird es urkundlich erstmals erwähnt als "Heidenwerfen", als symbolischer Sturz der heidnischen Götter.

Gekegelt wurde vermutlich ursprünglich mit Knochen. Im Mittelalter untersagte man das Preiskegeln durch unzählige Mandate und Ratserlasse. Es fanden sich aber immer wieder Wege, diese Verbote zu umgehen. Gekegelt wurde meist ohne Bahnen, auf blossem Rasen oder, wie beim Alpkegeln im Stall, mit drei oder neun Kegeln. Je nach Gebiet wurden die Kugeln geworfen oder geschoben. Als Kinderspiel wird es hierzulande 1632 zum erstenmal erwähnt. Brueghel hat es 1560 in sein Bild der Kinderspiele aufgenommen.

Das dargestellte Kegelvergnügen zeigt ein urtümliches Kegeln mit Hagsstössenspitzen und Rundholzstücken auf der Alp.

Material: 9 Hagstössenspitzen, 1 bis 3 Rundhölzer (S.15).


Öchslistüpfe

Öchslistüpfe

In dieser heiklen Lage, die Hände vor den Knien mit einem Strick zusammengebunden, gilt es, den Gegenspieler mit dem Stock umzustossen. Purzelt dieser etwa beim Ausweichen um, hat er Mühe, wieder auf die Beine zu kommen; sehr zur Belustigung der Zuschauer.

In Bern hiess dieses Vergnügen auch "Chelle kriegen", in Appenzell "Bocksfutter" (1849). Die Schweden betrieben ein ähnliches Spiel bereits 1514, bei dem sie sich mit Fusstritten aus dem Gleichgewicht brachten.

Material: 4 Stöcke, 2 Stricke (S.22).


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7. Schlagspiele

Mail (Boccia) - Kugelschlagen (Kricket, Krocket, Golf)

Golf, Mail / Boccia

Unter dem Namen Mail ist wohl nur noch wenigen ein Spiel bekannt. dem französischen Mail aber, das bereits seit dem 16. Jh. in Frankreich betrieben und besonders am Hofe Ludwigs XIV. auf Sandbahnen gepflegt wurde, entspringt unser "Krocket" und dem schottischen Mail das weltbekannte "Golf".

In Bern schlug man die Kugel bereits im Jahre 1550, vermutlich im französischen Stil. Dieses "mylen schlan" gab hier wie auch andernorts zu häufigen Klagen Anlass, weil junge Knaben damit den Kirchhof unsicher machten und dem Spiel an Sonntagen gefrönt wurde. Das Spiel behauptete sich aber trotz Verboten der Obrigkeit. Sogar ganze Gemeinden haben einander zum Kugelschlagen herausgefordert (S.14).

Die Kugel wurde als Mannschaftswettkampf über grosse Strecken geschlagen:

"Etliche gesellen hand d'kugel g'schlagen von Remund bis gen Fryburg, galt 600 schleg, aber sie ward dar g'schlagen under 400 streichen." (S.15)

(aus: Walter Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft; Schweizer Heimatbuch Nr. 156/157/158; Verlag Paul Haupt, Bern 1972, S.77)

Das Spielfeld verlegt man am besten auf einen einsamen Waldweg oder auf eine ebene Wiese. In etwa 100 Meter Entfernung installieren die Mitspieler eine erste Marke (Stein, Stecken, Grübchen). Vom Startplatz aus schlägt der erste, ausgeloste Spieler seine Kugel mit dem Schläger möglichst weit in die ausgesteckte Richtung. Die andern versuchen der Reihe nach, die erste Kugel mit ihren Schlägen einzuholen oder zu überholen. Nun begibt sich der erste Spieler zu seiner Kugel und setzt zu einem zweiten Schlag an. Dasselbe tun die andern Teilnehmer in der festgesetzten Reihenfolge. Sieger ist, wer das Ziel zuerst und mit der kleinsten Schlagzahl erreicht. Haben alle die Marke getroffen, wird das nächste Ziel ausgesteckt.

Es kann auch in zwei Parteien gespielt werden, wobei dann jede Partei nur eine Kugel erhält und innerhalb der Mannschaft abwechslungsweise geschlagen werden muss.

Beim französischen Mail muss die Kugel mit möglichst wenig Schlägen durch einen oder mehrere mit Eisenreifen geformte Bogen getrieben werden.

Material:
-- pro Spieler eine Holzkugel (Strumpfkugel, Boccia- oder Krocketkugel), individuell gekennzeichnet

-- pro Spieler ein Schläger (Zylinder 6 mal 13 cm, an ein Meter langem, elastischem Stiel, Krockethammer, oder ein als Schläger geeigneter, starker Ast (S.15).


Sautreiben (Studum, Morejage, Hirtenhockey auf Gras)

Sautreiben, erste Phase

Im Freien bohren die Mitspieler mit Stecken ein grösseres Loch, das Nest, in die Erde, und kreisförmig darum angeordnete (r=2,5m) kleinere Vertiefungen, die Eigenlöcher, eines weniger
als Spieler. Dann wird das unangenehme Amt des "Moretriber" bestimmt. Dazu stecken alle Mitspieler ihren Stock ins Nest und gehen im Kreis herum, den Spruch hersagend:

"Mir wei der More [der Sau] Suppe choche"

oder

"Gure, Gure, Loch, Loch, Loch".

Sobald der Spruch dreimal gesprochen ist, besetzt jeder mit dem Stockende blitzschnell eines der Eigenlöcher. Derjenige, welcher dabei kein freies Grübchen erwischt, ist "Moretriber".

Sautreiben, zweite Phase

Dieser versucht nun, aus etwa 30 Schritt Entfernung die "More" [Sau] (Ball, Büchse, Knochen) mit seinem Stock ins Nest zu treiben [bugsieren], was die andern durch geschickte Abwehr mit ihren Stöcken zu verhindern suchen [quasi Hockey auf Gras]. Oft dauert es recht lange, bis der "Moretriber" die immer wieder weggeschlagene "More" ins Nest bringt. Hat er aber seine Aufgabe erfüllt, beginnt das Spiel von vorne.

Es war ein besonders unter den Viehhirten bevorzugtes, weitverbreitetes Frühlingsspiel. Sautreiben war in der Schweiz sehr formenreich und besass fast in jedem Gebiet seine eigene Namengebung. Am Studumspiel [Morejage, Sautreiben] erfreuten sich nachweisbar schon 1657 die Zürcher Knaben.

Material: Stöcke (etwa 1,5 m lang) für jeden Spieler, ein Gegenstand als More [Sau] (Schlagball, Büchse, Stein usw.).

Anlage: Anstatt Löcher zu bohren, können auch mit Kreide Kreise auf den Boden gezeichnet werden [...]. (S.16)


Horniglen (Geiss-Güge, Hirtenhockey)

Unter dem Namen Horniglen, Geiss-Güge, lebte in Schwyz ein urtümliches Hirtenhockey, das dem Sautreiben sehr ähnlich ist.

Beim Horniglen besitzt jeder Spieler ein Eigenloch, und der Spielball ruht zu Beginn im Mittelloch. Auf ein verabredetes Zeichen sucht jeder mit seinem Stock den Ball aus dem grossen Loch herauszuholen und ihn einem Kameraden ins Eigenloch hineinzuschaffen, gleichzeitig aber das eigene vor dem Eindringen des Balls zu schützen. Verspielt hat derjenige, in dessen Loch der Ball gerät (S.16).


Niggelspiele: Vom Giesspiel bis zum Hornussen

Die Niggelspiele sind Vorformen des Hornussens, welche in der Schweiz seit dem 17. Jh. eifrig und in grosser Vielfalt betrieben wurden. Erste Quellen berichten uns von Spielern, die mit ihrem sonntäglichen Hornussen den Unwillen der Obrigkeit erregten. Auch sollen grössere Knaben deswegen die Kinderlehre versäumt haben und ganze Dorfmannschaften "wol by hundert" Männer, zu gemeinsamem Wettstreit ausgezogen sein. Wie dabei oft "Hitz und Gewalt" im Volk entstand, schildert schon Jeremias Gotthelf in "Uli der Knecht".

Eine hochinteressante Entwicklungsreihe vom einfachen Niggelspiel zum wettkampfmässigen Verbandshornussen (seit 1902) findet sich im Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele von J. Masüger (S.203 ff.) (S.17).


Das Giesspiel - die Vorstufe des Hornussens

Giesspiel als Ursprung des Hornussens

Das Giesspiel wurde zu zweit, kann aber auch mit mehreren gespielt werden. Der mit einem Stock ausgerüstete Schläger legt das Gies (Hölzchen) auf einen kantigen Körper (Holzklotz, Stiegentritt), so dass beinahe die Hälfte frei hervorragt. Nun schlägt er mit dem Schlagstock wuchtig auf die vorstehende Giesspitze. Das Geschoss schnellt in hohem Bogen fort. Der Fänger trachtet nun das fliegende Hölzchen mit den Händen oder einem Hut zu fangen. Gelingt es ihm, löst er den Schläger ab. Erwischt er es nicht, hebt er das Hölzchen auf und wirft es nach der Abschlagstelle zurück. Trifft er diese trotz der Abwehr des Schlägers, wird er zum neuen Schläger. Fehlt er auch diesmal, darf der bisherige Schläger das Gies dreimal vom Boden wegschlagen, indem er mit dem Schlagstock so auf das Gies schlägt, dass dieses aufspringt. Beim Aufspringen des Gies versucht er, ihm "eins zu zwicken", so dass es weit weg fliegt. Danach misst man dessen Entfernung von der Abschlagstelle in Anzahl Schlagholzlängen. Wer zuerst die vorher festgesetzte Anzahl erreicht, ist Sieger (S.18).

(Vereinfachte Fassung des Giesspiels von Vals; aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis-Verlag Zürich 1955, S.205)

Dieses Spiel hiess im Berner Oberland auch Brittle. Die Haslitaler kannten Ds Zibrischlan, wobei das Hölzchen auf dem Rand eines Erdloches ruhte. Ähnlich ging es auf dem Bödeli wohl beim Zibriie oder Zibringgle zu. Das weggeschlagene Hölzchen, trotz der Abwehr des Schlägers, wieder in einen Kreidekreis zu bringen, darum ging es in Bern beim Bänggelispiel und in Steffisburg-Station beim Zwirble. Die Steffisburger Schulknaben verfertigten dazu das Spielmaterial aus den herbstlichen "Wasserschössligen" der Kastanienbäume (in der Form eines Landhockeystockes) und trieben dieses Spiel leidenschaftlich über die Mittagszeit nach der Schülerspeisung. Beim Niggle wird ein würfelförmiges Hölzchen mittels eines Brettes weggeschlagen und beim Grüscht ein auf zwei Steinen liegendes Knebelchen mit einem daruntergehaltenen Stock weggeschleudert.

Material: 1 Gies oder Zibri (10 bis 15 cm lang, an den Enden zugespitzt), Schlagstöcke, 40 cm lang, eventuell Fanghut (S.18).


Schlagspiele: Federball (Badminton)

Federball

Das Federballspiel war früher ein ausgesprochener "Sport" für Erwachsene, im 16. Jh. ausschliesslich ein Vergnügen an Fürstenhöfen. Mit federbespickten Bällen, dem "jeu volant", unterhielten sich König Franz I. von Frankreich, der die Eidgenossen bei Marignano geschlagen hatte, Königin Christine von Schweden (1626-1689) und der preussische Prinz Friedrich Wilhelm. Später sank Federball ganz ins Kinderspiel ab. Erst 1872 erhob es der Herzog von Beaufort in Gloucestershire auf seinem Landsitz Badminton wieder zu einem sportlichen Spiel für Erwachsene. Von daher kommt auch der Name der zunehmend beliebteren Sportart Badminton.

Spielformen:
-- Federballspiel in seiner bekannten Form
-- wie oft fliegt das Bällchen hin und her, ohne zu Boden zu fallen? Kleines Turnier


-- Badminton: Ein mittelgrosses Spielfeld wird in der Mitte durch ein aufgehängtes Netz oder eine Schnur getrennt. Die Spieler (2 oder 4) schlagen den Federball übers Netz ins gegnerische Feld (Punktewertung).

Material: Preisgünstiges Federballset, Plastikbällchen oder mit Federn bespickter Kork oder Holzschwamm, [eventuell Spielfeld mit Leine, Stange oder Netz]. (S.18)


Schlagspiele: Späck abehoue (Schlüsselspiel)

Späck abehoue

In der abgebildeten heiklen Lage gilt es, mit dem linken Fuss (als Erschwerung mit dem Fuss in der Schlinge) den an einem Nägelchen aufgehängten Schlüssel herunterzuschlagen und schliesslich wieder beherrscht in die Ausgangsstellung zurückzukehren.

Dieses auch in Bern betriebene Spiel erhielt seinen Namen vom Abschneiden des Specks in der dunklen Fleischkammer, was nicht selten ein wahres Gleichgewichtsspiel war.

Als "Schlüsselspiel" wurde es ebenso im Val de Bagnes und um 1880 in Schanfigg gepflegt.

Ein verlockendes Spiel für langweilige Regentage im Keller.

Material: Etwa 2 m langer Stock, Seil, Nagel, Schlüssel, Aufhängevorrichtung. Dazu kann auch ein dicker Ast oder die Reckstange dienen (S.22).


Schlagspiele: Böcklischlah

Böcklischlah

Die Spieler versuchen nacheinander durch geschicktes Schlagen, das Böckli so zu treffen, dass sich dieses überschlägt und mit allen drei Füssen wieder im aufgezeichneten Kreis zu stehen kommt. Wer dieses Kunststück vollbringt, gewinnt die vor dem Spiel gemachten Einsätze und man beginnt von neuem (S.23).

Böcklischlah spielten die Simmentaler Knaben und Jünglinge an Sonntagnachmittagen auf dem Dorfplatz [und die Mädchen durften scheinbar nicht] (S.22).

Material: Stock (ellenlang, 2 cm dick, leicht gebogen), Böckli (Strunk mit drei Wurzelstössen).


Schlagspiele: Messerle (Messer in Kinnhöhe herabschlagen)

Messerle-Beinheben

Berner Oberland häufig betriebenes Spiel, erfordert grosse Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit.

In Kinnhöhe wird ein Messer in einer Holzwand oder in einem Baum gesteckt. Ein Spieler nach dem andern hebt langsam, ohne sich irgendwo abzustützen, ein Bein in die Höhe und versucht, damit das Messer herunterzuschlagen. Wem das nicht gelingt, der scheidet aus. Das Messer wird nach jedem Umgang um Handbreite höher eingesteckt. Wer bleibt als Sieger übrig?

Material: Messer, eventuell Kreide zum Beschmieren der Schuhspitze (S.23).


Schlagspiele: Fingertätsche (Tätzchen geben, Tötzlen)

Fingertätsche und Knödeln

[Zwei Leute hauen den ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger dem anderen auf den ebenfalls ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger].

Im Wechsel gilt es, schmerzbringende "Tätsche" auszuteilen und ohne Ausweichen und Klagen solche hinzunehmen (S.27).

Dieses Schmerztrotzspiel ist auch unter dem Namen "Tätzchen geben" oder "Tötzlen" bekannt (Arth 1943). In Schweden schlug man mit der flachen Hand (Slaa flathand) [...] (S.26).

Schlagspiele: Knödeln

"Zwei Partner schlagen einander mit der Faust auf die Fingerknöchel, jeder mit der Absicht, selbst im Ertragen von Schmerzen im Kampf durchzuhalten, aber gleichzeitig den Gegenpart mürbe zu machen und ihn zum Einstellen der Spielprobe zu zwingen." (S.27)

(aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis-Verlag Zürich 1955, S.160)

Im Bernbiet wird etwa nach folgender Regel "knödlet": Die Fäuste der Spieler  berühren einander. Einer schlägt, der andere versucht, dem Schlag durch überraschendes, ruckartiges Zurückziehen der Faust auszuweichen. Die Fäuste werden wieder zusammengehalten. Der "Schläger" darf so lange hauen, als er die gegnerische Faust immer wieder trifft. Fehlt er sie, wechseln die Rollen (S.27).



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8. Pfeilspiele

Armbrustschiessen

Armbrustschiessen

[auf einen Kreis an einem Baum schiessen] (S.19).


Stockpfeilschiessen

Stockpfeilschiessen

Das "Bolzschüssa" oder "Pfilschleudern", wie es im Appenzell und im Freiamt (Bezirke Bremgarten und Muri) auch genannt wurde, spielten besonders die Knaben auf dem Lande, der einfachen Geräte wegen. Nachweisbar betrieb es auch die Jugend in Merligen und Beatenberg.

Material: Stock (40 cm lang), Schnur (50 cm lang) oder Gummizug, Pfeil gemäss Abbildung. Die Kerbe wird kurz vor dem Schwerpunkt eingehauen (S.19).


Ringstechen

Ringstechen

Im Jugendspiel der Alten Schweizer nahmen die Speerübungen einen wichtigen Platz ein.

"Die jungen Knaben von fünf und sieben Jahren werden mit den Spiessen exerziert und ihnen auch Gaben gegeben, und wird aufgestellt ein doppelter Adler, an dessen jedem Schnabel ein Ringlein hanget, und so einer in vollem Lauf den Spiess durch das Ringlein stechet, wird ihm von den Trompetern aufgeblasen und bekommt er ein Gab alles unter der Aufsicht etlicher Herren des Raths." (S.20)

(aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis-Verlag Zürich 1955, S.61, 1711)

Solches Schauexerzieren der militärisch organisierten Jugend kannte man in Bern im 15. Jh. am so genannten Tischlintag. Das abgebildete Ringstechen oder Ringstossen wurde in dieser Form 1791 an einer Jünglingsschule in Luzern eifrig betrieben.

Mit 20 Schritten Anlauf gilt es in vollem Lauf mit dem "Speer" den aufgehängten Ring von unten her so herunterzustechen, dass er bis auf die den Speer umgreifende Hand hinuntergleitet. Gelingt einem Spieler dies viermal hintereinander, wird ihm der nächst engere Ring aufgehängt. Wer ihn nur berührt und hinunterwirft, hat gefehlt und scheidet aus.

Material: 1 "Speer" (1,5 bis 2 m langer Stab), 4 Ringe (Durchmesser 14, 12, 10, 8 cm), Aufhängevorrichtung (aus Holz gebastelt, an einem Astende im Wald, vorstehender Stab an Hausfront) (S.20)



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9. Geschicklichkeitsspiele

Reifenwerfen

Reifenwerfen

Um sich einen grossen Kuchen zu verdienen, spielten Kinder um 1800 Reifenwerfen.

Die Mitspieler stellen sich in einem weiten Kreis auf, jeder mit einem Stöckchen ausgerüstet, an dem unten ein kleines Querholz angebracht ist, und werfen den Reifen nun rundum von Kind zu Kind. Wer ihn fallen lässt, scheidet aus. Der am Schluss Übrigbleibende ist Sieger und darf den Kuchen unter die andern verteilen.

Spielformen:
-- Anfänger fangen den Reif mit ausgestrecktem Arm auf
-- Mannschaftswettkampf: Zwei Gruppen stehen sich in zwei Reihen gegenüber. Im Zickzack fliegen die Reifen hin und her. Wer ihn fallen lässt, scheidet aus
-- die Stöckchen werden in den Rasen gesteckt und dienen als Wurfziel (Punktewertung).

Material: Ringe, etwa 20 cm Durchmesser, aus Draht, Gummi oder Peddigrohr, und Holzstäbe, um die Reifen aufzufangen (S.20).


Kreiselspiel

Kreiselspiel

"Alle Naturvölker kannten das herrliche Vergnügen, einen aus Holz oder einem Knochen geschnitzten Kreisel mittels eines Peitschens in Bewegung zu halten und sich an seinem Tanze zu freuen. Virgil (70-19 v.Chr.) verherrlichte in seinem Nationalepos "Äneis" das Spiel in Versen. Tonkreisel entdeckte Schliemann in der dritten Erdschicht von Troja, und in Pompeji fand man Kreisel ebenso wie in ägyptischen Gräbern. Dieses zweite Frühlingsspiel (nebst dem Marmeln) wurde in früheren Epochen jeweils bis spätestens zum Gründonnerstag gespielt, weil man sonst mit der Geissel den Heiland gezwickt hätte, wie der Volksglaube behauptete." (S.21)

(nach F.K. Mathys: Im Freien gespielt: Kleine Historie des Kinderspiels. Kirschgarten-Druckerei AG, Basel 1975, S.12,13)

Im Abendland wird der Kreisel erstmals im 13. Jh. erwähnt. Brueghel (1560) stellte auf seinem Bild sogar einen Knaben mit einer Doppelpeitsche dar. Es soll Buben gegeben haben, die gleichzeitig mehrere Kreisel mit einem Peitschchen in Rotation hielten.

Leider ist der Kreisel immer mehr verschwunden und erfährt zur Zeit lediglich in Boutiquen eine Art Wiederauferstehung.

Verschiedene Kreisel, Material:
-- Holzkreisel (Hurrlibueb) mit Peitschchen getrieben
-- mit Rillen versehener Kreisel. Das ruckartige Wegziehen der umwickelten Schnur erzeugt den Schwung
-- Kreisel mit Stiel, mit Fingern in Schwung gebracht
-- mechanische Brummkreisel (S.21).


Stelzenlaufen

Stelzenlaufen

Wer möchte nicht schon als kleiner Knirps ein Riese sein mit Siebenmeilenstiefeln?


Die Stelzen scheinen ursprünglich dem Gebiet des Kults und Mythos anzugehören, indem sie dazu dienten, den Menschen grösser und furchtbarer erscheinen zu lassen. Seit alters her dienten sie aber auch vielen Naturvölkern (China, Indonesien), um unwegsames Gelände zu durchqueren und um etwa vor Schlangen sicher zu sein. Bei den Griechen wurden Stelzen im Theater verwendet.

Eine Chronik berichtet, dass 1349 in Zürich ein Büblein den Wolfbach auf Stelzen durchwatete. Der Zürcher Conrad Meyer (1618-1680) deutete das Stelzen als Verkörperung des Sprichwortes "Hochmut kommt vor dem Fall".

Berühmte Stelzenläufer hat das französische Département Landes hervorgebracht, wie etwa Sylvian Dornon, der die Reise von Paris nach Moskau auf Stelzen zurücklegte. Man erwog damals sogar, Stelzenläufer als Leitungsmonteure in der französischen Armee einzusetzen.

In Namur fanden im 17. Jh. alljährlich beim Carneval Stelzenwettkämpfe zwischen 1500 Mann starken Armeen statt. Es galt dabei, die Gegner von ihrem hohen Kothurn hinunterzustossen, was nicht selten bis zu zwei Stunden gedauert haben soll. Selbst das holde Geschlecht nahm an diesen Scheinschlachten teil.

1859 überquerte der Seiltänzer Blondin auf hohem Seil mit Stelzen die Niagarafälle, was lange Zeit als grosses Wunder galt. Leider sind Stelzen, dieses wunderbare Gerät für Geschicklichkeits- und Balancierübungen, vielerorts in Vergessenheit geraten.

Laufformen, Kunststücklein: marschieren, laufen (Wettkämpfe), hüpfen, auf einer Stelze gehen und die andere schultern, auf den Stelzen niederhocken, Fussballspiel auf Stelzen usw.

Stelzenarten, Material:
-- Holzstelzen, hohe und niedrige (2 Dachlatten, 2 Holzbretter als Knagge, Nägel)
-- Stelzen aus kleinen Leitern
-- zwei Spaten als Stelzen [mit hohem Risiko für die Schuhe an den Metallkanten]
[...].

(S.21)


D'Schue abwüsche

Schue abwüsche

Freischwebend muss der Spieler zuerst den linken Schuh mit dem Stock "abschlagen". Gelingt ihm dies, muss er den Stock unter den Füssen durch auf die andere Seite bringen. Nun gilt es, den rechten Schuh hinunterzustossen. Zum Schluss des Kunststückleins soll der Stock in der rechten Hand sein.

Dieses unterhaltsame Gleichgewichtsspiel betrieben früher die Knaben und Mädchen in Wohnstuben und Berghütten, so in Bern, im Val de Bagnes, um 1880 in Avers und im Murtal.

Material: 2 Tabourets, 2 Stöcke, 1 Paar Schuhe (S.22).


Drachen steigen lassen

Drachen steigenlassen

Alljährlich im Herbst, wenn das Laub von den Bäumen fällt, zieht es die Knaben hinaus aufs Feld zum Drachenfliegen. Uralter menschlicher Ikarus-Traum findet darin seine bescheidene Knabenerfüllung. Urheimat des Drachens scheint Ostasien zu sein.

Drachen als militärisches Zeichen in China
"Im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung soll der chinesische General Tsching-Tschai-tas-ki - wenn er ihn auch nicht erfunden hat - erstmals öffentlich von einem Drachen reden gemacht haben, indem er einen Papierdrachen aufsteigen liess, um die Distanz seines Feldlagers zu einer belagerten Stadt zu messen. Ein gleiches Mittel benützten unter der Herrschaft des Kaisers Wu-ti der Han-Dynastie die Bewohner der belagerten Stadt Kingthai, um damit Hilfe für Ersatz anzufordern."

Der Drachen als Wegbereiter zum Blitzableiter
"Mit Papierdrachen bewies der Erfinder und Buchdrucker Benjamin Franklin während eines Gewitters im Jahre 1752 die Spitzenelektrizität, die ihn zur Erfindung des Blitzableiters brachte."

Drachen als Höhenmesser von Bauten
"1798 stellten die Architekten Norry und Protrin bei der napoleonischen Ägyptenexpedition die Höhe der Säule des Pompeius mittels eines Papierdrachens fest."

Drachenfahrzeuge - und erste Luftaufnahmen
"Ganz ausgefallen war die Idee des Engländers George Pockock, einen Wagen von Papierdrachen ziehen zu lassen. Bei Versuchen soll das Fahrzeug bei guten Windverhältnissen über 30 Kilometer pro Stunde erreicht haben. Zu Beginn der Photographie wurden auf diese Weise die ersten Luftaufnahmen angefertigt."

(aus: F.K. Mathys: Im Freien gespielt. Kleine Historie des Kinderspiels; Kirschgarten-Druckerei AG, Basel 1975, S.25)

(S.6)

Der Drachen als Herausforderung für Kinder
Etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts tauchte der Drachen als lehrreiches Kinderspielgerät in Europa auf. Obschon von der fortschreitenden Technik stark konkurrenziert, steht der Papierdrachen bis heute bei der Jugend in hoher Gunst. Er ist mit einfachen Mitteln leicht herzustellen und regt an zu eigenem Erfindergeist und Phantasie.

Formen: Quadrat, Drachenviereck, Rhombus, Herz, verschiedene Phantasieformen (Vögel usw.).

C. Meyer (1618-1680) zeigt zudem einen Knaben mit einem gedörrten Ästchen.

Früher bemalte man die Drachen mit Ornamenten oder Ungetümen.

Material: [farbiges, grosses] Papier, Holzleisten, [Nägel, Leim], Schere, Farbe, starke Schnur, [Schnurrolle], bis zu Windstärke 4 (S.7).


Fädmen, Flaschensitzen

Flaschensitzen

Flaschensitzen aus dem Aargau: Hier versucht ein Knabe, sitzend auf einer Flasche, die Beine gestreckt übereinandergeschlagen, mit einer brennenden Kerze in der einen Hand die Kerze in der andern Hand anzuzünden, oder auch eine Nähnadel einzufädeln.

Variation: Korbsitzen
In einem Korb schaukelten Berner Knaben einen Kameraden hin und her. Der im schwebenden Korb sitzende erhielt einen Preis, wenn er unterdessen eine Nähnadel einfädeln konnte.

Material: Faden, Nadel, Kerzen, Streichhölzer, Korb (Becken), Flasche (S.23).

Beinheben zum Gesicht

Beinheben zum Gesicht

Das Beinheben erfordert grosse Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit.

Im Kelleramt [östlicher Teil des Bezirks Bremgarten] ging es in einem dem Messerle ähnlichem Spiel darum, mit der Schuhspitze oder mit der grossen Zehe ein Kreuz auf die eigene Stirn zu malen.

Beinheben hinter den Kopf: ist nur ein Kunststücklein für Gelenkige (S.23).



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10. Kraftspiele

Schwingen

Die Fertigkeiten im Schwingen lernten ehedem die jungen Schweizer nach Wikingerart von ihren Vätern.

Beim Schwingen, dem alten und einst vor allem von Sennen gepflegten schweizerischen Ringen, geht es bekanntlich darum, den Gegner so auf den Rücken zu werfen, dass seine beiden Schulterblätter die Erde berühren (S.25).

Kragenringen

Schwingen: Kragenschwingen

Das Kragenringen erlaubte den Griff an Weste und Hemd. Sieger dieses freundschaftlichen "Rutzens" war, wer seinen Gegner ein- oder zweimal auf den Rücken werfen konnte (S.25).


Katzenstriegelziehen

Katzenstriegelziehen

In der Liegestütze gilt es, mit der Kraft des Nackens den Gegenspieler am Seil so gegen sich zu ziehen, dass er entweder mit den Händen über eine aufgezeichnete Grenzlinie rutscht oder seinen Nacken beugen muss.

Dieses Kraftspiel war bei den Bernern sehr beliebt. ein gleicher Wettkampf ist auch aus dem Norden bekannt.

"In der Steiermark hiess das Spiel 'Genickziehen', in Dänemark 'Nakketraek' und in Schweden 'Dra Gränja'. Dieses Spiel ist auf einem Deckengemälde in der Kirche von Harg (Schweden) dargestellt, ausserdem über der Eingangstüre eines Hauses in Stockholm aus dem 14. Jh." (S.25)

(aus: J.B. Masüger: Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele; Artemis-Verlag Zürich 1955, S.155

Material: Seile (S.25).


Der Schär usem Loch zieh

Der Schär usem Loch zieh

Auf Kommando ziehen die "Gespanne" los und versuchen, dem gegnerischen Reiter den Schär aus dem Loch, das heisst den Stock aus der Hand zu ziehen.

Material: Stock (S.25).


Auf die Knie zwingen

In die Knie zwingen

In der abgebildeten Stellung, die Finger ineinander verschränkt, versucht jeder Spieler durch Zusammenpressen der Faust und starkes Beugen der Handgelenke, den Gegner von oben herab in die Knie zu zwingen.

Dieser nicht schmerzlose Zweikampf war z.B. in Büren an der Aare und im Graubünden üblich (S.26).

Bschütti pumpe

Bschütti Pumpe

(S.26)


[Sich in gegenseitiger Rückenstellung einhaken und sich wechselseitig auf den Rücken nehmen].

Steckenziehen

Steckenziehen

[Zwei Leute sitzen mit den Füssen gegeneinander und haben einen Stecken in der Hand, den sie sich gegenseitig aus den Händen reissen sollen].

Im Vorfrühling, wenn sich vor dem Haus die Holzhaufen türmten, massen sich in der Schweiz die Jugendlichen in diesem Kraftspiel. Älpler führten dieses Ziehen auch stehend aus (S.26).


Häkeln (Fingerziehen)

Häkeln und Fauststossen

Das Häkeln oder Fingerziehen war früher ein weitverbreiteter Zweikampf, den besonders Männer, aber hie und da auch Knaben und Mädchen betrieben. Bei Bauern in Einsiedeln wurde einem guten Gast der Finger geboten, und vielerorts trug man richtige Wettkämpfe aus (S.26).

Fauststossen
(S.26)

[Zwei Leute halten die Faust über einem Tisch und versuchen, gegenseitig die jeweils andere Faust über den Tischrand hinaus zu stossen].

Kopfstossen (Muneli)
Die Basellandschäfter stiessen [über einer Tischplatte] mit den Köpfen gegeneinander, was Muneli benannt wurde (S.26).

Armlegen (Armdrücken)
(S.27)

Armdrücken


Käsdrücken

Käsdrücken

Eine Reihe Knaben lehnen sich Schulter an Schulter an eine Wand oder sitzen dicht nebeneinander auf einer Bank, die stärksten zu äusserst. Mit aller Kraft gilt es nun, einen aus der Reihe herauszudrücken. Wer herausgedrückt wird, ist "Chäs" (S.27).


Seilziehen (Seilizieh)
(nicht im Buch)

[Material: Ein dickes Seil].


Zielreissen

Zielreissen

Getrennt durch einen Graben oder einen aufgezeichneten Mittelstrich stehen sich zwei Scharen gegenüber. Auf "Los!" gilt es, die gegnerischen Spieler über die Grenze zu sich herüber zu ziehen. Wer samt beiden Beinen über die Linie gezogen wird, ist gefangen und begibt sich ins Gefangenenlager zuhinterst im gegnerischen Feld. Die Mannschaft, die am meisten Gegenspieler in ihr Lager hinübergezogen hat, ist Sieger.

Man achte darauf, dass nicht an den Kleidern gerissen wird.

Dieses Mannschaftsspiel betrieb die Jungmannschaft um 1838 in Thalwil (S.28).

[Material: Eine Linie].


Bildernachweis
Die jugendfrischen und bewegungsfreudigen Zeichnungen in diesem Heftr schuf Gustav Ritschard. Zum Teil dienten ihm die Illustrationen in Masügers ausgezeichnetem WErk als Vorlagen. Er hat sie überarbeitet und plastisch durchgestaltet. Zum andern zeichnete er seine anschaulichen Bilder nach der Natur oder aufgrund seines volkskundlichen Wissens.

Die Stiche zu den Spielen Reifeln, Speirenlauf, Steckenpferdchen reiten, Kopfstehen, Maskenspiel, Armbrustschiessen und Stelzenlaufen stammen aus Conrad Meyers "Die Kinderspiele" (Verlag Berichthaus, Zürich 1970, Faksimileausgabe des 1657 von J. Cats verfassten Werks "620 nichtige Kinderspiele".

Illustation des Spiels "Katze und Maus": aus F.K. Mathys: "Im Freien gespielt"; Kirschgarten-Druckerei AG Basel 1975.

Der Stich zum Spiel "Steinstossen" stamt aus J.B. Masüger: "Schweizerbuch der alten Bewegungsspiele" (Artemis-Verlag Zürich 1955).

Die Abbildung zum Spiel "Der Habicht wott es Hüenli näh" stammt aus einer Privatsammlung in Unterseen.

Die Abbildung zum Seilspringen stammt aus dem "Dictionnaire des jeux" von H. Veyrier (ohne Jahr, ohne Verlag).

Die Stiche zum Bockspringen ist bei einem Bouquiniste / Strassenbuchhändler in Paris aufgenommen worden.

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