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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

49. Die Praktiken krimineller Manager

Kriminalität hat eine Systematik, auch bei Managern, die sowieso kaum zur Rechenschaft gezogen werden können...

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Deutsche Welle online, Logo

13.10.2007: Psychopathen-Egoisten-Manager mit "Erfolg" - ein Buch von Gerhard Dammann

aus: Deutsche Welle online: Gesellschaft: Sind Manager alle Psychopathen? 13.10.2007;
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,2822662,00.html


<Gerhard Dammann ist Spitaldirektor/Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen (Schweiz). Er schrieb das Buch "Narzissten, Egomanen, Psychopathen in der Führungsetage. Fallbeispiele und Lösungswege für ein wirksames Management", das im September 2007 im Haupt Verlag, Bern, erschienen ist.

Sie gehen über Leichen, um erfolgreich zu sein. Knallhart, unbarmherzig und darauf bedacht ihr Ego zu befriedigen. Muss man ein Psychopath sein, um Erfolg zu haben? Ein Gespräch mit dem Psychiater Gerhard Dammann.

DW-WORLD.DE: Wie erklärt es sich, dass im Management narzisstische Persönlichkeiten erfolgreicher sind als andere?

Gerhard Dammann: Es ist nicht generell so, dass Manager mit stärker narzisstischen Zügen erfolgreicher sind. Es gibt Konstellationen - etwa eine erhebliche Krise eines Unternehmens -, wo die "Vorteile", die der Narzissmus manchmal mit sich bringt, wie zum Beispiel Mut oder das Durchsetzen einer Vision, von größerer Bedeutung sind. In meinem Buch zeige ich vor allem auch, dass es sich um einen Selektionsprozess handelt. Das heißt: Stärker narzisstische Menschen, mit ihrem Wunsch nach Anerkennung oder Bewunderung, suchen eher den Weg nach oben in der Karriere.

Gibt es die Möglichkeit, strenge und effiziente Persönlichkeitstests durchzuführen, bevor man einen Manager engagiert? Wenn nicht, warum?

Ja, diese Möglichkeit gibt es und wird in so genannten Assessments auch schon durchgeführt. Ich plädiere allerdings dafür, neben Ressourcen, Leistungsfähigkeit und ähnlichem in Zukunft vermehrt auf mögliche Pathologien zu achten. Dies geschieht heute noch zu wenig.

Sind die vielfältigen Folgen eines solchen Führungsstils auf Dauer nicht verheerend für ein Unternehmen?


Insbesondere bei den schweren pathologischen Formen von Narzissmus, die man auch als destruktiven oder malignen Narzissmus bezeichnet, haben Sie vollkommen recht. Hier kann das Agieren und Missmanagement eines einzigen Top-Managers in der Tat verheerende Folgen auslösen.

Wieso werden Mitarbeiter mit menschlichen Qualitäten als Karrieremacher fast nie ernst genommen? Muss man beweisen, dass man "böse" oder ein Intrigant ist, um beruflich weiterzukommen?

Diese Frage ist sehr weitreichend. Natürlich muss ein Chef auch manchmal unangenehme, aber wirtschaftlich notwendige Maßnahmen vertreten und durchsetzen. Aber es ist richtig, dass vielleicht "weibliche Eigenschaften", die natürlich auch Männer haben können, wie Teamarbeit, fürsorglichere Kommunikation, teilweise eher als "Führungsschwäche" gewertet wird. Allerdings ändert sich da gerade etwas. Man muss aber auch sehen, dass Mitarbeitende selbst oft das Bedürfnis nach einer strengen "väterlichen" Hand haben und somit zu dem Entscheidungsgefälle beitragen.

Was denken Sie, kann man tun, um die Arbeitswelt im Sinne Ihres Buches zu verbessern?

Bei der Rekrutierung sollten Auswahlkomitees auf dieses mögliche Problem achten. Der Aspekt der "Corporate Governance" (ethische und rechtliche Maßstäbe in Unternehmen) sollte gestärkt werden. Das Coaching sollte weniger ein reines Vorhalten eines Spiegels sein, was jedoch Mut vom Coach erfordert, der vom Management bezahlt wird. Schließlich sind Führungskräfte aufgefordert mehr über sich und ihren Führungsstil zu reflektieren: Wo habe ich Stärken und wo liegen meine Schwächen? Eine offenere Kritik-Kultur wäre wünschenswert, ist aber noch Zukunftsmusik.>



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Basler Zeitung
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20.10.2010: <Wie Manager lügen> - das Beschönigen negativer Resultate hat eine gewisse sprachliche Systematik

Wenn Manger lügen, dann müssen sie danach nochmals lügen, damit die Lüge nicht auffliegt, und dann nochmal, und dann nochmal, bis das Lügengebäude an der Börse nicht mehr glaubwürdig ist. Aber lesen Sie selbst:

aus: Basler Zeitung online; 20.10.2010; http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Wie-Manager-luegen/story/29384490

<Firmen-Chefs verpacken schlechte Nachrichten gerne in schöne Worte. US-Wissenschaftler haben nun das Muster erforscht, wie Manager Unternehmenszahlen beschönigen. Prominentestes Beispiel ist Lehman Brothers.

Das Ende eines Lügengebildes: Ein Lehman-Brothers-Schild kommt beim Auktionshaus Christie's in London unter den Hammer.

Anhand zehntausender Präsentationen von Unternehmenszahlen haben US-Wissenschaftler bestimmte Muster aufgespürt, mit denen lügende Firmenvorstände besser entlarvt werden können. So benutzen die Führungskräfte von Konzernen in den Telefonkonzernen zur Vorlage ihrer Quartalszahlen sehr oft das Wort «Wir» statt «Ich», wenn sie unwahre oder ungenaue Angaben zum Abschneiden des Unternehmens machen.

Dies geht aus einer Studie von zwei Professoren der US-Eliteuniversität Stanford hervor. Auf diese Weise entledigten sich die Vorstände des Unternehmens ein Stück weit der persönlichen Verantwortung für das Vorgetragene, argumentieren die Forscher.

Die «unglaublichen» Zahlen von Lehman Brothers

Ein weiteres Zeichen für unwahre Äusserungen sei, wenn Konzernverantwortliche bei der Vorlage der Zahlen sehr viele Wörter verwendeten, die sehr stark aufgeladen mit Gefühlen seien. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler die Vorlage der Zahlen der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, wenige Monate vor deren kompletten Zusammenbruch.

Lehman-Finanzvorstand Erin Callan habe damals 14 Mal das Wort «grossartig», 24 Mal das Wort «stark» und acht Mal das Wort «unglaublich» verwendet. Der Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit falscher Angaben besonders hoch, wenn die emotional gefärbten Wörter kaum von tatsächlichen starken Zahlen begleitet seien, was etwa bei Lehman der Fall war.

30'000 Telefonkonferenzen ausgewertet

Auch die Verwendung von Allgemeinplätzen wie «Jeder von uns weiss» ist der Studie zufolge ein Zeichen, dass die folgenden Aussagen zweifelhaft sind. Für ihre Forschungsarbeit werteten die Stanford-Wirtschaftsprofessoren David Larcker und Anastasia Zakolyukina vor allem die Mitschriften von knapp 30'000 Telefonkonferenzen von Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 aus.

Die Wissenschaftler entwickelten daraus auf linguistischen Kriterien beruhende Modelle, mit denen der Wahrheitsgehalt einer Präsentation vorhergesagt werden kann. Um zu prüfen, wie gut ihr Modell funktioniert, analysierten sie auch, welche Aussagen und Erwartungen die Unternehmen wenig später wieder korrigieren mussten.

In diesen Fällen unterstellten die Wissenschaftler, dass die Vorstände schon zum Zeitpunkt der Telefonkonferenz wussten, dass die tatsächlichen Zahlen ihrer Firma eigentlich weniger rosig aussehen. Die Forschungsarbeit mit dem Titel «Über das Aufspüren von täuschenden Aussagen in Telefonkonferenzen» ist bisher noch unveröffentlicht. Die Studie soll Analysten helfen, Gefahren für die Anleger auch dann vorauszusehen, wenn Zahlen einer Firma gefälscht worden sind. (miw/AFP)>

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Welt online, Logo

5.5.2011: Kriminelle Manager-Praktiken in Deutschland: Luft verkaufen

aus: Welt online: Ahnungslose Kunden: Hersteller pumpen 90% Luft in Verpackungen; 5.5.2011;
http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article13349208/Hersteller-pumpen-90-Prozent-Luft-in-Verpackungen.html

<Autor: Klaus Geiger| 05.05.2011

Viel Luft, sonst nichts: Lebensmittelverpackungen werden oft aufgeblasen

Einer Studie der Verbraucherzentrale zufolge steckt in vielen Lebensmitteln viel mehr Luft als Inhalt. Käufer bemerken den Schwindel nicht.

Das Röntgenbild lässt keinen Zweifel zu: Die Packung mit den M & M’s ist nicht einmal zur Hälfte voll. Klare Diagnose – Mogelpackung. Die Tüte mit den Schokolinsen ist nicht der einzige Fall, bei dem Verbrauchern statt Inhalt vor allem Luft angedreht wird.

Die Verbraucherzentrale Hamburg legte 30 Produkte, die von empörten Supermarkt-Kunden bemängelt worden waren, unter das Röntgengerät. Bei 14 der Produkte war mehr als 30 Prozent Luft in der Tüte, bei neun von ihnen sogar mehr als 60 Prozent.

Auf der Liste finden sich viele bekannte Marken: 40 Prozent Luft in einer Tüte Milky Way Minis, mehr als die Hälfte gähnende Leere in der Packung Babykeks von Hipp, 75 Prozent in einer Tüte mit Maggi Curry-Reiskugeln. Am dreistesten getäuscht wird der Untersuchung zufolge bei Lutschern der Marke Nimm 2.

In der großen bunten Tüte finden Verbraucher nur ein paar verlorene Lollys. Hier waren 90 Prozent Luft in der Tüte, wie aus dem Test der Verbraucherzentrale zusammen mit der Eichdirektion Nord in Hamburg hervorgeht. Bei allen beanstandeten Produkten wurden demnach Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

„Das Ergebnis ist ein schlechtes Zeugnis für die Hersteller“, erklärte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Mit hohen Luftanteilen wird mehr Inhalt vorgetäuscht, als tatsächlich in der Packung ist.“ Die Verpackungsgestaltung gelte als ein wichtiges Marketinginstrument.

Ihre Größe habe oft entscheidenden Einfluss auf das Kaufverhalten. Zudem seien große Verpackungen für wenig Inhalt auch schädlich für die Umwelt. Bei Verpackungen mit mehr als 30 Prozent Luftanteil ist laut Verbraucherzentrale von einer Mogelpackung auszugehen – und solche Mogelpackungen sind nicht erlaubt.

Einzige Ausnahme: Der Freiraum ist produktbedingt oder technisch unumgänglich, wie die Verbraucherschützer weiter mitteilen. Dies sei aber bei den Proben nicht erkennbar gewesen. Die Eichdirektion Nord kündigte an, zu den beanstandeten Produkten Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg weiter mitteilte, beschweren sich viele Kunden auch über Mogelpackungen bei Kosmetik.

Diese wurden allerdings bei diesem Test nicht unter die Lupe genommen. „Leider sind die gesetzlichen Vorgaben bei Kosmetika so lasch, dass solchen Luftpackungen Tür und Tor geöffnet ist“, erklärte die Verbraucherzentrale mit. So dürfe eine Tube oder ein Tiegel bei Kosmetik bis zu dreimal so groß sein wie der Inhalt. Die Luftnummern sind nicht der einzige Verpackungs-Trick, vor dem Verbraucher im Supermarkt auf der Hut sein müssen. Verbreitet ist auch der Kniff, den Inhalt zu reduzieren und das Produkt dann zum gleichen Preis wie zuvor zu verkaufen.

Vor wenigen Wochen erst hatte die Verbraucherzentrale eine Stichprobe zu diesen Tricksereien veröffentlicht: Neun statt zehn Taschentücher in einer Packung „Softies“, 150 Milliliter weniger Inhalt beim Persil-Waschmittel. In jüngster Zeit seien solche Tricks gehäuft aufgetreten – womöglich geben die Hersteller die gestiegenen Rohstoffpreise auf diese Art weiter, vermutet die Verbraucherzentrale Hamburg.

In diesen Fällen können Verbraucher sich nur helfen, indem sie die sogenannten Grundpreise vergleichen. Diese geben den Preis eines Produkts je Einheit an – etwa pro Liter oder pro 1000 Gramm. Den Grundpreis muss der Supermarkt auszeichnen – er erlaubt eine leichtere Orientierung als die oft krummen Größenangaben auf der Packung.

Zahlreiche Marken wie Nivea, Calgonit, Somat oder Pringles-Chips verkleinerten ihre Packung demnach bereits wiederholt. Eine andere Strategie ist ebenfalls verbreitet: Parallel zu altbekannten Produkten werden Varianten angeboten wie etwa Schafskäse mit weniger Fett oder Chips mit einer neuen Geschmacksrichtung.

Diese Sondersorten haben zwar denselben Preis wie die Originalversion – beim genauen Hinsehen jedoch entdeckt man immer öfter, dass hier deutlich geringere Mengen abgepackt werden.

Die Produkte sehen sich nicht selten zum Verwechseln ähnlich. So ist die Light-Version des Patros-Fetakäse über 30 Prozent teurer. Denn die leichte Variante hat bei einem Preis von 1,79 Euro im Gegensatz zum Original mit 200 Gramm lediglich eine Füllmenge von 150 Gramm. Diese versteckten Preiserhöhungen sind auch nicht verboten – im Gegensatz zu den nun beanstandeten Mogelpackungen mit zu viel Luft.>

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n-tv
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Deutschland 5.5.2011: Manager wissen oft nicht, was ein "Liter" ist - Kofferraumvolumen sind immer zu  hoch oder sogar zu niedrig angegeben

aus: n-tv online: Auto: Kofferräume im Test: Meist kleiner als angegeben; 5.5.2011;
http://www.n-tv.de/auto/Meist-kleiner-als-angegeben-article3263216.html

<Das Kofferraumvolumen wird gemeinhin in Litern angegeben. Allerdings scheinen die Liter der einzelnen Hersteller unterschiedlich groß zu sein.

Das Volumen weicht häufig von den Herstellerangaben ab.

Wie groß ein Kofferraum ist, das wird in Deutschland nach der sogenannten VDA-Norm bestimmt. Dabei wird der Gepäckraum mit Kunststoffquadern im Format 20 x 10 x 5 Zentimeter gefüllt. Wie viel tatsächlich in einen Kofferraum passt, wollte jetzt die Redaktion des Magazins auto motor und sport wissen und vermaß das Gepäckabteil von zehn gängigen Pkw-Modellen. Ernüchterndes Ergebnis: Bei keinem Fahrzeug stimmte das vom Hersteller genannte Ladevolumen mit dem tatsächlich vorhandenen Platz im Kofferraum überein.

Allerdings sind die Kofferräume nicht nur kleiner als angegeben, sondern mitunter auch erheblich größer. So ist beispielsweise beim Skoda Roomster das maximale Ladevolumen um 15 Prozent höher als die Herstellerangabe. Positiv überraschte auch der Ford Focus, der die offiziellen Zahlen um elf Prozent übertrifft.

Die größte negative Abweichung wurde beim Renault Twingo festgestellt. Hier liegt zwischen Werksangabe und Messwert ein Minus von 24 Prozent. Anders bei umgeklappten Sitzen. Da übertrifft der französische Kleinstwagen die Werksangabe. Deutliche Differenzen weisen auch das Einser Cabrio von BMW (minus 13 Prozent) und die Kombiversion des Dacia Logan (minus 10 Prozent) auf.

Zudem ergab der Test, dass das nach VDA-Norm angegebene Ladevolumen in der Praxis nur wenig darüber aussagt, wie viele Koffer, Taschen und sonstige größere Gegenstände tatsächlich in den Kofferraum passen. Denn dabei werden auch kleinste Lücken, doppelte Ladeböden und Staufächer berücksichtigt, die lediglich minimalen Stauraum für Kleinutensilien bieten.

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Basler
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6.5.2011: Vorgehen bei inkompetenten Chefs - die Theorie

aus: Basler Zeitung online: Hilfe, mein Chef ist inkompetent; 6.5.2011;
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Hilfe-mein-Chef-ist-inkompetent/story/26015694

Die Psychologin Annick Darioly hat untersucht, was inkompetente Vorgesetzte anrichten können. Im Interview sagt sie, warum es so viele von ihnen gibt – und wie man sich wehren kann.

Annick Darioly hat an den Universitäten Lausanne und Neuchâtel Arbeits- und Organisationspsychologie studiert. Sie doktoriert zurzeit in Neuchâtel. Danach wechselt sie als Postdoc an die renommierte Universität Claremont in Kalifornien.

Die Studien

Für ihre Dissertation an der Universität Neuchâtel hat Annick Darioly insgesamt fünf Studien durchgeführt. Unter anderem hat sie mit 160 Studenten ein Experiment durchgeführt, bei dem den einen die Rolle der Untergebenen und den anderen die Rolle der Chefs zugeteilt wurde.

Die Freiwilligen glaubten, es ginge bei der Aufgabe darum, als Chef und Untergebener gemeinsam einen Erste-Hilfe-Kasten einzurichten. In Wahrheit beobachtete Darioly, wie die Untergebenen auf Vorgesetzte reagieren, die sich bei der Aufgabe dumm anstellen. Sie befragte sie auch zu ihrem Empfinden während des Experiments.

Die Ergebnisse ihrer Studien wird Darioly in drei Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen und schliesslich in ihrer Dissertation zusammenfassen. Sie wird ihre Arbeit am 21. Juni an der Universität Neuchâtel verteidigen.

Das Peter-Prinzip [jeder steigt so weit auf, bis er an einen Posten kommt, wo er nicht mehr kompetent ist]

Das vom Schulpsychologen und Sozialarbeiter Laurence Peter und vom Autoren Raymond Hull entwickelte Theorem lautet wie folgt: «In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.»

Entsprechend rücken die Angestellten nach, bis irgendwann sämtliche Positionen von Unfähigen besetzt sind. Das Theorem bezieht sich jedoch nur auf grosse Verwaltungen. Peter hatte seine – offenbar frustrierenden – Erkenntnisse in einer Schulverwaltung gewonnen.

Annick Darioly, haben Sie einen dummen Chef?
(lacht) Das habe ich auch schon erlebt, ja. Vor allem aber ist mir aufgefallen, dass ganz viele Leute ständig davon erzählt haben, wie mühsam ihr Chef sei. Als ich dann nachgefragt habe, wurde mir klar, dass es die Inkompetenz ist, die frustriert.

Was heisst das für Sie, Inkompetenz?
Da gibt es natürlich eine ganze Bandbreite. Es gibt sehr viele Studien, die sich auf soziale Kompetenz konzentrieren, also hauptsächlich auf die Kommunikationsfähigkeit. Ich bin jedoch überzeugt, dass es auch bei Chefs nicht nur auf die soziale, sondern auch auf die fachliche Kompetenz ankommt: Ein Chef muss auch etwas von der Sache verstehen. Genau darauf habe ich mich in meinen Studien konzentriert, und das hat sich auch bestätigt.

Beschreiben Sie einen typisch inkompetenten Chef.
Das wäre dann jemand, der nicht klar sagt, was er will. Dem es ausserdem an Einfühlungsvermögen mangelt und der darum dem Mitarbeiter zu viele oder unlösbare Aufgaben aufbürdet. Was die fachliche Kompetenz betrifft, könnte man sich beispielsweise einen Finanzdirektor vorstellen, dessen gesamtes Team mit einer neuen Software zu arbeiten lernt. Er aber weigert sich, weil er denkt, dass er das direkt sowieso nie braucht. Das ist ein Fehler, es untergräbt seine Legitimität.

Wie reagieren Mitarbeiter darauf?
Sie fühlen sich zunächst einmal gestresst, nervös, unzufrieden. Viele beginnen ausserdem, sich gegenüber dem Vorgesetzten dominant zu verhalten und sich seinem Einfluss zu entziehen. Es gibt auch positive Effekte: Weil sie der Kompetenz ihres Vorgesetzten nicht trauen, übernehmen Mitarbeiter selber Verantwortung, sie werden kreativer. Die Unzufriedenheit aber ist gross. Für 7 von 10 Mitarbeitern ist ein schlechter Chef ein Kündigungsgrund.

Nicht für alle?
Nein. Gute Kollegen und ein anständiges Gehalt machen für manche einen schlechten Chef wett.

Nach sozialpsychologischen Theorien müsste sich in jeder Gruppe eigentlich der Beste und Angesehenste als Chef durchsetzen. Warum ist das im Job manchmal nicht so?
Da muss man unterscheiden, ob jemand von aussen als Chef geholt wird oder ob er intern befördert wird. Wenn man jemanden von aussen holt, ist das Profil manchmal nicht scharf genug: Die Recruiter achten darauf, ob jemand Führungserfahrung hat und mutmasslich soziale Kompetenz. Dabei wird oft vernachlässigt, ob er auch etwas von der Sache versteht. Bei den internen Beförderungen ist es oft genau umgekehrt. Da werden Personen wegen ihrer fachlichen Kompetenz befördert, sind aber nicht kommunikationsfähig.

Ausserdem dürften schlechte Chefs wohl wieder schlechte Chefs einstellen.
Das ist durchaus möglich. Es gibt keine Forschung dazu, aber aus der Theorie des Peter-Prinzips (siehe Box, Red.) könnte man ableiten, dass ein Chef tendenziell jemanden einstellt, den er als weniger kompetent einschätzt als sich selber. Das ist allerdings eine Theorie, keine Studie. Ich persönlich werde in einem nächsten Projekt untersuchen, inwieweit Leute jemanden befördern, den sie gut kennen statt jemanden, der wirklich kompetent ist. Dazu gibt es nämlich noch keine Erkenntnisse.

Gibt es einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Chefs?
Das haben wir nicht untersucht. Wir haben die aktuellen Verhältnisse nachgestellt und darum als Chefs Männer eingesetzt. Es gibt aber Studien, die zeigen, dass Mitarbeiter bei weiblichen Chefs höhere Anforderungen an die Kompetenz stellen als bei männlichen.

Wenn man es nun mit einem inkompetenten Chef zu tun hat, was soll man tun?
Mit ihm reden. Das ist ein etwas einfacher Ratschlag, aber der beste. Man sollte ihm sagen, dass es ein Problem gibt, und den Wunsch äussern, dass es besser wird.

Mit Verlaub, aber das nützt doch nichts.
(lacht) Da haben Sie recht. Ich habe einmal eine kleinere Firma beraten, in der es Probleme gab zwischen dem Chef und dem Team. Ich habe festgestellt, dass der Grund dafür die mangelnde Kommunikationsfähigkeit des Chefs war, und ihm empfohlen, sich zu verändern. Doch dem Chef schien es einfacher, das ganze Team zu ersetzen – und das hat er dann auch gemacht. Es gibt allerdings noch eine zweite Möglichkeit für Mitarbeiter: Wenn es nicht mehr geht, können sie sich an die nächsthöhere Ebene wenden und darauf hinweisen, dass die Produktivität abnimmt.

Also mit Zahlen argumentieren statt mit der Befindlichkeit?
Genau. Schlechte Chefs sind sehr teuer. Eine Studie in den USA hat 2008 festgestellt, dass ein einziger schlechter Chef eine Firma durchschnittlich 1 Million Dollar im Jahr kostet. Es ist sehr teuer, neue Mitarbeiter zu suchen und auszubilden.

Zum Schluss: Wie geht es eigentlich den inkompetenten Chefs selber?
Das habe ich nicht untersucht. Aber es lässt sich vermuten, dass sie entweder an sich arbeiten oder dann ihre Mitarbeiter quälen und bestrafen. Es gibt sehr viele Studien zu missbräuchlichem Verhalten von Chefs, aber keine davon befasst sich mit dem Zusammenhang mit Inkompetenz. Auch das ist ein Projekt, das ich in Angriff nehmen will. (baz.ch/Newsnetz)>


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Basler
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13.5.2011: Tricks der Personalchefs, "Nieten" zu entlarven

aus: Basler Zeitung online: Wie Personalchefs Nieten entlarven; 13.5.2011;
http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wie-Personalchefs-Nieten-entlarven/story/15961106

<Von Simon Schmid.

Ein US-Manager schlägt einen originellen Test vor, um Stellenbewerber auf ihre Qualitäten zu testen. Schweizer Personalverantwortliche greifen zu konventionelleren Methoden – doch auch sie haben ihre Tricks.

Beim Jobinterview ist es wie beim ersten Date: In wenigen Stunden herauszufinden, ob zwei Seiten zusammenpassen, ist nicht ganz einfach. Standardisierte Interviews liefern Personalmanagern dichte Fakten über Bewerber – doch über deren Kreativität und menschliches Verhalten sagen sie wenig aus.

[Simple Aufgabe vor dem Date lösen]

Aus diesem Grund hat der amerikanische Versicherungsmanager und Blogger Jake Vinson einen Test entwickelt: Kurz nachdem ein Stellenbewerber im Unternehmen eingetroffen ist, wird er mit einem fingierten Alltagsproblem konfrontiert. Beispielsweise bittet ihn die Rezeptionistin, ihr bei einer Fehlfunktion des Druckers weiterzuhelfen. Um das Problem zu lösen, würde es genügen, den ausgeschalteten Drucker wieder einzuschalten. Scheitert der Bewerber aber bereits bei dieser simplen Aufgabe, so kann man ihn getrost abschreiben, sagt Vinson. Ein weiterer Vorteil seines Tests: Er zeigt, wie Bewerber mit Kollegen umgehen und mögliche Führungskräfte ihre untergebenen Mitarbeiter behandeln.

Die goldenen Regeln der Personalchefs

Philippe Hertig, Geschäftsführer beim Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder International in Zürich, hält von Vinsons Test nicht viel. Auch von anderen fantasievollen Methoden rät er dringend ab. Vermeintlich originelle Fragen wie «Wenn Sie auf einem Schachbrett stehen würden, welche Figur wären Sie dann?» würde er in einem Interview nie stellen.

[Zuerst alle Daten überprüfen und bisherige Arbeitgeber befragen - und Facebook abfragen]

Gute Auswahlverfahren setzen sich laut Hertig aus einem strukturierten Interview und einer ausführlichen Referenzüberprüfung zusammen. Lebensläufe sähen immer fantastisch aus, deshalb sei ein erster Check vor dem Interview unumgänglich: Lassen sich die Angaben im Lebenslauf extern verifizieren und stimmen sie mit den Zeugnissen überein?

Für die Recherche werden öffentliche Informationen benutzt und bisherige Arbeitgeber befragt. Laut Hertig spielt auch das Internet eine immer wichtigere Rolle. Die Konsultation von sozialen Netzwerken wie Facebook sei dabei kein Tabu: «Eigentlich gehen die Informationen auf Facebook die Öffentlichkeit ja nichts an. Aber ‹privat› ist eben nicht immer ‹privat›.»

Entspannte Bewerber erzählen mehr - [die richtige "Fragetechnik" anwenden]

Auch der Personalleiter beim Amt für Wirtschaft und Arbeit in Aarau, Lukas Voegele, betont, wie wichtig Nachforschungen vor dem Interview sind. Im Interview selbst ist die richtige Fragetechnik essenziell. Eine bewährte Strategie sei es, dieselben Fragen mehrmals und mit anderen Formulierungen zu stellen – also zum Beispiel einmal «Warum wollen Sie Ihre bisherige Stelle verlassen?» und später «Warum möchten Sie ihren Job wechseln?» zu fragen. Geben Kandidaten dabei unterschiedliche Antworten, so können sich dahinter Ungereimtheiten verbergen.

[Mindestens 70% des Gesprächs soll die bewerbende Person sprechen - persönliches herauslocken]

Das Allerwichtigste sei jedoch, Kandidaten in die gefühlsmässige Komfortzone zu führen, sagen Hertig und Voegele übereinstimmend. Gemäss einer Faustregel sollten mindestens 70 Prozent der Gesprächszeit dem Bewerber überlassen werden. Denn nur wenn der Interviewte anfängt, frei über sich selbst zu sprechen, sei es möglich, seine Persönlichkeit realistisch einzuschätzen. Jede Gelegenheit, persönliche Bindungen zu schaffen, sollte dabei ergriffen werden («Interessieren Sie sich auch für die Fliegerei?»).

Wer hingegen mit Fragen wie «Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?» in ein Bewerbungsgespräch einsteigt, hat als Personalmanager bereits verloren. Indem er den Kandidaten von Beginn an in eine Ecke drängt, verpasst er vielleicht sein wichtigstes Ziel: ein realistisches Bild über Fähigkeiten und Persönlichkeit des Bewerbers zu erhalten.

Hartnäckiges Fragen lohnt sich - [die Bewerber wissen auch zu tricksen - nachhaken nach Methoden oder Resultaten]

Die Wissenschaft hilft Personalchefs bei ihrer Aufgabe nur begrenzt. Erkenntnisse der Arbeits- und Organisationspsychologie besagen zwar, dass Jobinterviews umso zuverlässigere Vorhersagen über Kandidaten liefern, je stärker sie strukturiert sind. Doch sie zeigen auch, dass Interviewer von geschickten Bewerbern regelmässig übertölpelt werden. Kandidaten, die auf ihre Körpersprache achten (dem Interviewer in die Augen schauen) oder eine hohe Kommunikationskompetenz zur Schau stellen (dem Interviewer interessiert zuhören und antworten), erhalten in Bewerbungsgesprächen erwiesenermassen bessere Noten.

Auf solche Blendungsversuche antworten Personalverantwortliche mit ihren eigenen Methoden. Extrovertierte, selbstsichere Kandidaten müsse man mit konkreten Fragen auf den Zahn fühlen, sagt Hertig, der in den letzten 12 Jahren unzählige Interviews geführt hat. Wichtig sei dabei, nach dem «Wie» zu fragen und nicht nur nach dem «Was». Erzählt ein Bewerber beispielsweise, dass der Umsatz in seiner früheren Firma unter seiner Führung verdoppelt wurde, so muss unbedingt nachgehakt werden, wie das denn konkret gegangen sei.

Introvertierte und zurückhaltende Personen müsse man hingegen nach handfesten Resultaten fragen – denn sonst kämen diese Kandidaten im Interview meistens zu schlecht weg. Doch auch bei ihnen gilt: bei Phrasen und Floskeln wie «Ich suche eine neue Herausforderung» unbedingt nachfragen und konkrete Beispiele verlangen. (baz.ch/Newsnetz)>

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Hier ist ein weiterer Fall, wie die Oberschicht der Welt mit der Wahrheit umgeht. Die Manager-Praktiken in der weltweiten Oberschicht - hier der Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn (kurz DSK), wo die "Globalisierung" gesteuert wird - hat wirklich nicht viel mit Menschlichkeit zu tun, sondern eine Kriminalität folgt der anderen, weil Strauss-Kahn in der Phantasie verhaftet ist, er sei der Präsident der Welt und habe nie etwas "zu befürchten":


20 minuten
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24.5.2011: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (DSK) wollte vergewaltigen und hat Oralsex erzwungen - und will das Opfer nun mit einem Schweigegeld bestechen lassen

aus: 20 minuten online: Affäre DSK: Saftiges Schweigegeld für die Angestellte; 24.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/strausskahn/story/Saftiges-Schweigegeld-fuer-die-Angestellte-30013502


Die Texte der Bilderstrecke über das bisherige Geschehen in einer kleinen Chronologie:

<Am Vortag war Dominique Strauss-Kahn praktisch schon der neue Präsident des Landes. Er lag in den Umfragen derart weit vorne (69:31%), dass Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (links) als abgewählt galt. Nach den Anschuldigungen ist die politische Karriere von Dominique Strauss-Kahn beendet.

Dominique Strauss-Kahn hat am Vorabend die 80 Quadratmeter grosse Suite 2806 in der 28. Etage bezogen. Laut eigenen Angaben betritt die Hotelangestellte am 14. Mai gegen Mittag die Suite, um die Zimmer zu reinigen. Vorher habe sie dreimal geklingelt. Sie habe ihren Putzwagen in der geöffneten Tür stehen lassen, das sei Vorschrift. Der IWF-Chef sei nackt aus dem Badezimmer gekommen, habe sich auf die Hotelangestellte gestürzt, die Tür verriegelt und die Frau ins Schlafzimmer gezerrt. Dort habe er versucht, sie zu vergewaltigen. Sie habe sich kurz losreissen können, worauf er sie ins Badezimmer gezerrt und dort zum Oralsex gezwungen habe. Danach sei ihr die Flucht gelungen. Sie habe den Fall sofort der Direktion gemeldet. Diese ruft erst rund eine Stunde später (13.32 Uhr Ortszeit) die Polizei. Die Polizei trifft kurz darauf im Hotel ein. Strauss-Kahn ist jedoch schon weg. Er hat um 12.28 Uhr ausgecheckt. Strauss-Kahn erklärt seinen schnellen Aufbruch damit, dass er mit seiner Tochter zum Lunch verabredet gewesen sei. Unterwegs ruft er im Hotel an, weil er eines seiner Handys in der Suite vergessen hatte. Er bittet darum, dass es ihm aufs Flugzeug gebracht werde. Damit kennt die Polizei seinen Aufenthaltsort. Der Skandal sorgt für Schlagzeilen in den USA wie auch in Europa. Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair schreibt in einer Erklärung in Paris, sie «glaube nicht eine Sekunde an die Anschuldigungen» gegen ihren Ehemann. Sie zweifele nicht, dass seine Unschuld erwiesen werde. Strauss-Kahn ist in dritter Ehe mit der gebürtigen New Yorkerin verheiratet und hat vier Kinder. Für die französische Zeitung «Le Parisien» ist die Festnahme von Strauss-Kahn ein «Donnerschlag in der französischen politischen Welt». Eine der möglichen Rivalinnen, die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, erklärte: «Das ist ein Schock.» Aber es sei nichts bewiesen, sagte sie dem Radiosender «Europe 1».

Am 14. Mai um 16.40 Uhr Ortszeit wird IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in der Ersten Klasse einer startbereiten Air-France-Maschine nach Paris von US-Beamten festgenommen.  Der Vorwurf: Strauss-Kahn soll sich nach Aussage einer Putzfrau des New Yorker Nobelhotels Sofitel am Mittag desselben Tages in seiner Hotelsuite nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen haben.

Am 15. Mai um 23.00 Uhr wird der französische Politiker in Manhattan von Polizisten in Handschellen abgeführt.

Sonntag, 15. Mai: Dominique Strauss-Kahn muss die Nacht im Special Victims Unit (Spezialabteilung für Sexualverbrechen) in Harlem verbringen. In derselben Nacht besucht ihn der französische Botschafter. William Taylor (links) und Benjamin Brafman, die Anwälte von Strauss Kahn, erklären, sein Mandant weise alle Anschuldigungen zurück und werde sich im Sinne der Anklage für nicht schuldig erklären. Als Alibi gibt Staranwalt Benjamin Brafman an, Strauss-Kahn habe zur Tatzeit mit seiner Tochter Camille gegessen. Am Nachmittag desselben Tages identifiziert das Opfer Strauss-Kahn in einer Gegenüberstellung.

Montag, 16. Mai, früher Morgen: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird zu einer forensischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.    16. Mai, 16.00 Uhr: Dominique Strauss-Kahn wird dem Haftrichter vorgeführt. Seine Anwälte beantragen eine Freilassung ihres Mandanten gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar und sichern zu, der 62-Jährige werde New York nicht verlassen. Doch die Staatsanwaltschaft erklärte, Strauss-Kahn sei wohlhabend und habe keinen festen Wohnsitz in New York. «Er hat kaum einen Anreiz in diesem Land zu bleiben, aber jeden, es zu verlassen», sagt Vize-Staatsanwalt John A. McConnell.

16. Mai, 16.00 Uhr: Die New Yorker Ermittler legen DSK schwere Verbrechen zur Last. Sieben Anklagepunkte präsentierten sie gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Darunter finden sich versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung sowie erzwungener Oral- und Analverkehr. Auf die angeführten Taten steht eine maximale Strafe von 74 Jahren Gefängnis. Haftrichterin Melissa Jackson entscheidet, dass Dominique Strauss-Kahn wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft bleiben muss.

16. Mai, später Abend: Dominique Strauss-Kahn wird in das Gefängnis Rikers Island gebracht. Die riesige New Yorker Haftanstalt liegt auf einer Insel im East River. Der Beschuldigte sitzt in einer etwa dreieinhalb mal vier Meter grossen Einzelzelle. Wegen Suizidgefahr wird er überwacht.
 
Am Dienstag, 17. Mai sprach Strauss-Kahns Anwalt plötzlich nicht mehr von einem Alibi, das Strauss-Kahn für den Zeitpunkt der möglichen Vergewaltigung haben soll. Es soll zu einvernehmlichem Sex zwischen dem dem Zimmermädchen und dem IWF-Chef im New Yorker Hotel Sofitel gekommen sein.

Mittwoch, 18. Mai: Dominique Strauss-Kahn gibt dem wachsenden Druck nach. Er tritt mit sofortiger Wirkung als IWF-Chef zurück. Er sei «unendlich traurig», das Amt aufgeben zu müssen, heisst es in dem Schreiben. «Ich möchte diese Institution schützen, der ich mit Ehre und Hingabe gedient habe, und vor allem - vor allem - möchte ich all meine Kraft, all meine Zeit und alle meine Energie darauf verwenden, meine Unschuld zu beweisen.» Das ist das Ende der Karriere von Dominique Strauss-Kahn. Die Suche nach seiner Nachfolge ist offiziell eröffnet. Eine Kandidatin mit guten Chancen ist die französische Finanzministerin Christine Lagarde (Foto vom 19. Februar 2011). Gleichentags stellen seine Anwälte einen zweiten Kautionsantrag. Darin wird zudem Hausarrest vorschlagen: Der 62-Jährige solle im Haus seiner Tochter Camille untergebracht werden, die in New York studiert.

Donnerstag, 19. Mai: Anne Sinclair, die Gattin von Strauss-Kahn, vor der Anhörung wegen des Antrags auf Haftentlassung auf dem Weg zum New Yorker Gericht. Dominique Strauss-Kahn kommt gegen eine Kaution von einer Million Dollar aus der Untersuchungshaft frei.  Zuvor war gegen Strauss-Kahn von der US-Staatsanwaltschaft offiziell Anklage erhoben worden.

19. Mai: Donnerstag, 19. Mai: Dominique Strauss-Kahn kommt gegen eine Kaution von einer Million Dollar aus der Untersuchungshaft frei. Die Tochter Camille stützt Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair beim Verlassen des New Yorker Gerichts.

Dominique Strauss-Kahn kommt gegen eine Kaution von 6 Millionen Dollar frei. Auf dem Bild: Die Presse vor einem Gebäude des Rikers Island Gefängnisses.

20. Mai: Anwohner wehren sich dagegen, dass Strauss-Kahn in ihre Nachbarschaft zieht. Dieser muss sich eine neue Unterkunft suchen. Gleichentags wird bekannt dass der Ex-IWF-Chef eine Abfindung von 250 000 Dollar erhält. Das Medieninteresse ist gross. Gleichzeitig wird die wird heiss diskutiert, wer die Nachfolge als IWF-Chef antreten soll.

21. Mai: Im Empire Building beim Ground Zero soll Dominique Strauss-Kahn seinen Hausarrest antreten. Medien und Touristen belagern das Gebäude ebenfalls rund um die Uhr.

22. Mai: Strauss-Kahn steht unter permanenter Bewachung, die ihn 200 000 Dollar pro Monat kostet. Zwei Rezeptionistinnen des Hotels Sofitel melden sich zu Wort. Strauss-Kahn habe habe ebenfalls versucht, sie anzubaggern. Die Medien kolportieren derweil weitere Juicy Details wie etwa den angeblichen Viagra-Konsum des Ex-IWF-Chefs. Die Anwälte von Dominique Strauss-Kahn suchen Beweise für die Unglaubwürdigkeit des mutmasslichen Opfers. Derweil reisten laut «New York Post» Vertraute von ihm nach Guinea, um den Verwandten des Zimmermädchens Schweigegeld anzubieten. Auf dem Bild: Geschäfte von Exil-Guineern in New York.

23. Mai: Laut US-Medien stimmen die Spermaspuren auf der Uniform des mutmasslichen Opfers mit der DNA des Ex-IWF-Chefs überein. Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Strauss-Kahns Anwälte (Bild: Benjamin Brafman) verweigern jeden Kommentar.

Strauss-Kahns unbändiger Sexualtrieb ist berüchtigt: Bereits 2002 soll er die französische Journalistin Tristane Banon angegriffen und bedrängt haben.>


Und nun will Strauss-Kahn zu einem altbekannten Mittel der Oberschicht greifen, die Unterschicht "ruhig zu stellen": Das Vergewaltigungsopfer soll bestochen werden, bzw. die Familie des Opfers soll nun manipuliert werden. Das heisst, es folgt noch ein Verbrechen mehr, nämlich der Versuch der Täuschung der Justiz:

Der Artikel:

<Dominique Strauss-Kahns Freunde wollen das Zimmermädchen, das ihn der Vergewaltigung beschuldigt, mit Geld zum Schweigen bringen. Sie reisen dafür sogar in die Heimat der Afrikanerin.

Dominique Strauss-Kahn muss verzweifelt sein. Über seine engen Vertrauten unternimmt der 62-Jährige einen Versuch, dem bevorstehenden Prozess zu entkommen: Er soll sie gebeten haben, die 32-jährige Hotelangestellte zu kontaktieren, um ihr eine Entschädigung gegen ihr Schweigen anzubieten. Doch so einfach ist das nicht.

Das mutmassliche Opfer wird seit seiner Anzeige von der New Yorker Polizei bewacht. Es ist unmöglich, die Frau zu kontaktieren. Auch ihre Tochter, ihre Schwester und ihr Schwager, die in New York leben, werden bewacht. Sogar die Anrufe auf ihrem Mobiltelefon werden kontrolliert. Da mussten sich DSKs Freunde etwas einfallen lassen.

«Er wird keinen Tag in Haft sitzen»

Wie die «New York Post» erfahren hat, sind die Vertrauten Strauss-Kahns in die ehemalige französische Kolonie Guinea im Westen Afrikas gereist, um mit den Angehörigen des Zimmermädchens zu verhandeln. «Sie haben schon einen ersten Kontakt mit der Familie der Frau gehabt», sagt eine französische Geschäftsfrau, die nicht namentlich genannt werden will. Sie sei überzeugt, der Fall werde «mit einem leisen Abgesang enden».

«Er wird freikommen und nach Frankreich zurückkehren. Er wird keinen Tag in Haft sitzen. Und die Hotelangestellte wird reich sein», vermutet die anonyme Quelle weiter. Die genaue Summe, die dem Opfer angeboten wurde, kenne sie nicht. Sie wisse aber, dass es sich um einen siebenstelligen Betrag handle. Das durchschnittliche Einkommen in Guinea beträgt 45 Dollar pro Monat.

Familie lebt in ärmsten Verhältnissen

Wie die Verhandlungen ausgingen, ist bislang nicht bekannt. Die Verwandten der Angestellten leben in einem abgelegenen Dorf, ohne Strom, ohne Telefon. Als ein Reporterteam sie erreichte, musste dieses erst einmal erzählen, worum es beim Besuch ging: Die Familie hatte gar nicht erfahren, dass ihre 32-jährige Verwandte in den USA angeblich vergewaltigt worden war.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft behauptet derweil, sie hätten genug Material, um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Dominique Strauss-Kahn zu erhärten: Am Montagabend war bekannt worden, dass das auf dem Kleid des angegriffenen Zimmermädchens gefundene Sperma tatsächlich von dem früheren Währungsfonds-Chef stammt.

«Weisst du denn nicht, wer ich bin?»

Nicht nur die Spermaspuren könnten DSK zum Verhängnis werden. Auch eine Verletzung am Rücken wird als Beweis in Betracht gezogen: Das Zimmermädchen soll sich gegen den Angriff des Franzosen gewehrt haben. Dabei habe sie ihn in der Suite im Sofitel gegen ein Möbelstück gestossen - so fest, dass auch Tage später Spuren von der Verletzung bei Strauss-Kahn zu sehen waren. Zudem haben die Forensiker Blutspuren auf den Bettlaken gefunden.

Die Aussagen der Frau sind bisher konsistent. Unter anderem erzählte sie der Polizei, dass Strauss-Kahn, während er sich über sie hermachte, immer wieder schrie: «Weisst du nicht, wer ich bin?» Die Frau habe ihn mehrmals gebeten, sie gehen zu lassen: «Bitte hören Sie auf. Ich brauche meinen Job, ich kann nicht entlassen werden. Ich werden meinen Job verlieren, bitte lassen Sie mich los.» Doch DSK liess sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. «Nein, Baby», sagte er angeblich zu ihr, «du wirst deinen Job nicht verlieren. Weisst du denn nicht, wer ich bin?»

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Welt online,
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24.5.2011: <Geld fürs Zimmermädchen? - Bestechungsgerüchte über Freunde von Strauss-Kahn>

aus: Welt online; 24.5.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13391372/Bestechungsgeruechte-ueber-Freunde-von-Strauss-Kahn.html

<Freunde des Ex-IWF-Chefs sollen der Familie des mutmaßlichen Opfers Millionen für ihr Schweigen geboten haben, berichtet eine Zeitung.

Freunde von Dominique Strauss-Kahn versuchten das New Yorker Zimmermädchen nach Angaben einer US-Zeitung angeblich durch Bestechung zum Schweigen zu bringen.

Die „New York Post“ berichtete am Dienstag „exklusiv“, dass Freunde des zurückgetretenen IWF-Chefs heimlich an die Familie der Frau im westafrikanischen Guinea herangetreten seien und eine größere Geldsumme für ihr Schweigen geboten hätten.

Siebenstellige Summe im Gespräch

Nach diesen Infomationen soll eine siebenstellige Summe im Gespräch sein. Die Zeitung bezieht sich auf Aussagen aus dem Freundeskreis des Ex-Chefs des Internationalen Währungsfonds in Paris.

Die 32-jährige Witwe und alleinerziehende Mutter einer 15-Jährigen war nach ihren eigenen Angaben von Strauss-Kahn in dessen Hotelsuite überfallen und zum Oralsex gezwungen worden.

Sie stammt aus einem abgelegenen Dorf in Guinea, in dem es weder über Strom noch Telefon gibt, und war vor wenigen Jahren die USA eingewandert. Laut „New York Post“ leben die Mitglieder ihrer Familie von durchschnittlich 45 Dollar (32 Euro) im Monat.

Strauss-Kahn wurde nach Vorlage einer Sechs-Millionen-Dollar- Kaution aus dem Gefängnis entlassen und steht in einer Wohnung nahe Ground Zero unter Hausarrest.

Sarkozy profitiert nicht von DSK-Absturz

Frankreichs Regierungslager hat vom Sturz von Dominique Strauss-Kahn, der als wahrscheinlicher Herausforderer der Sozialisten bei der Präsidentenwahl 2012 galt, nicht profitiert.

Nach jüngsten Umfragen wünschen sich 57 Prozent der Franzosen weiterhin einen Sieg der Linken – ein Punkt mehr als kurz vor Bekanntwerden des Sex-Skandals um den ehemaligen IWF-Chef.

Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Ifop-Instituts hervor.

Strauss-Kahns Beliebtheit sinkt dramatisch

Seit der Anklage wegen versuchter Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel ist hingegen Strauss-Kahns Beliebtheit in der Heimat drastisch gefallen.

Derzeit haben noch 42 Prozent der Befragten eine positive Meinung von ihm. Vor dem Skandal habe die Zustimmung bei 71 Prozent gelegen, heißt es in der Umfrage.

Im linken Lager liegt der frühere Parteichef der Sozialisten, François Hollande, mit 59 Prozent Zustimmung derzeit weit vor der gegenwärtigen Vorsitzenden Martine Aubry, die sich noch nicht zu ihrer Kandidatur geäußert hat.

dpa/pku>



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Spiegel
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21.8.2011: Frauen müssen knallhart pokern, wenn sie in den Chefetagen gegen die Machos mitspielen wollen

aus: Spiegel online: Karrierefrauen: "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"; 21.8.2011;
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,752564,00.html

<Karriere statt Zickenkrieg: Bleiben Sie locker und arbeiten Sie an Ihrem Pokerface

"Nichts gegen kompetente Frauen, aber im Vorstand? Das ist eine andere Liga." Barbara Schneider kennt solche Sprüche nur zu gut. Im Interview spricht die Beraterin und Ex-Managerin über männliche Machtspiele und weiblichen Mumm, über Bienenköniginnen und die Kunst des Schweigens beim Gehaltspoker.

Frage: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat gesagt, er wünsche sich mehr Frauen in den Vorstand, da sie mehr Farbe und Schönheit in die Gremien bringen. Wie hätten Sie als Ackermanns Angestellte reagiert?

Schneider: Ich hätte die Augen verdreht und Herrn Ackermann stillschweigend ein Talent für Fettnäpfchen bescheinigt. Wir erinnern uns ja alle noch an sein Victory-Zeichen. Natürlich sorgen solche Sprüche für Unmut und Frustration - zumindest bei den Mitarbeiterinnen der Deutschen Bank.

Frage: Man könnte auch sagen: Ackermann spricht aus, was er denkt.

Schneider: Absolut. Ein Mann sagte mal zu mir: "Nichts gegen kompetente Frauen, Frau Schneider. Aber im Vorstand? Das ist ja wohl eine andere Liga." Die Denkweise, dass Frauen in höheren Positionen ausgebootet werden und eher als Schmuck dienen, ist verbreitet. Leider.

Frage: Frauen müssen sich also damit abfinden, in Unternehmen eine untergeordnete Rolle zu spielen?

Schneider: Nein. Wenn ich über solche Sprüche nicht müde lächeln kann und einfach unzufrieden bin, sollte ich mir überlegen, ob das Unternehmen noch zu mir passt. Als Mitarbeiterin der Deutschen Bank wäre ich nach einiger Zeit mit der Firmenkultur vertraut und wüsste irgendwann, wie traditionell männlich dort gedacht wird. Dann wechsele ich entweder das Unternehmen oder schaffe mir ein dickes Fell an. Das gibt es aber nicht von der Stange. Man muss es sich über Jahre hinweg antrainieren.

Frage: Ein dickes Fell zu haben, heißt klein beizugeben?

Schneider: Nein, man sollte in solchen Situationen einfach gelassen bleiben und Sprüche wie diesen nicht an sich heranlassen.

Frage: Wäre Frauen mit einer gesetzlichen Vorstandsquote gedient?

Schneider: Ganz und gar nicht. Man kann nicht alle Firmen über einen Kamm scheren. Die einen erreichen die Quote locker, für die anderen ist es ein Ding der Unmöglichkeit - zumindest innerhalb der angedachten fünf Jahre. Es gibt, salopp gesagt, große Unterschiede zwischen einem Maschinenbau- und einem Modeunternehmen. Außerdem sind die Probleme, Job und Familie miteinander zu vereinbaren , damit nicht vom Tisch. Auch die männlichen Machtstrukturen pustet man mit einer Quote nicht einfach weg. Dafür brauchen wir einen langen Atem. Es ist schlichtweg falsch, zu hoffen, dass sich von heute auf morgen alles ändert.

Frage: Sie setzen also wie unsere Bundeskanzlerin noch immer auf die Freiwilligkeit von Unternehmen, Frauen auf ihrem Weg in die Chefetage zu fördern?

Schneider: Meiner Erfahrung nach kommt das Thema Frauenförderung seit zwei oder drei Jahren tatsächlich in den Köpfen der Vorgesetzten an. Aber wie gesagt: Es dauert lange, bis sich das auf den Berufsalltag der Frauen auswirkt. Deshalb finde ich es sinnvoll, den Unternehmen noch einmal zwei Jahre Zeit zu geben, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen.

Frage: Und Sie glauben ernsthaft, dass in den zwei Jahren freiwillig was passiert?

Schneider: Es ist wichtig, dass 2013 wirklich nachgehakt wird, ob das Ziel erreicht worden ist. Es ist einfach Unsinn, den Unternehmen vorzugeben, wie viele Frauen sie einzustellen oder zu fördern haben. Vielmehr müssen Anreize innerhalb der Firmen geschaffen werden, zum Beispiel indem die Quote in den betrieblichen Zielvereinbarungen verankert wird. Erst wenn sich der Frauenanteil auf Gehalt und Boni der verantwortlichen Führungskräfte auswirkt, wird sich was ändern.

Frage: Werden Quotenfrauen, die es aufgrund von Zielvereinbarungen oder sonstigen Regelungen nach oben schaffen, von ihren männlichen Kollegen akzeptiert?

Schneider: Frauen, die es in die Führungsetage schaffen, müssen das auch wollen . Wenn man seinen Job mit Leidenschaft angeht und ihn gut macht, kommt die Akzeptanz von ganz allein. Schafft ein Unternehmen dagegen ein Alibi-Vorstandsressort, in das eine Frau hineingepresst wird, wird sie natürlich einen schlechten Stand haben. Auch deshalb gilt: Es müssen Anreize geschaffen werden, zwingen kann man keinen - das gilt für Unternehmen wie für Frauen.

Frage: Machen nur die Männer den Karrierefrauen das Leben schwer, oder stehen sich weibliche Führungskräfte nicht auch gegenseitig im Weg?

Schneider: Es gibt weibliche Vorgesetzte, die keine Frau neben sich dulden. Das nennt die Genderforschung das Queen-Bee-Syndrome: Die Bienenkönigin kultiviert ihren Sonderstatus und ist blind für die Probleme anderer Frauen. Studien zeigen, dass das Phänomen existiert, allerdings nur in gemäßigter Ausprägung. Als Beraterin und früher als Managerin habe ich das auch kaum erlebt. Ich bin sowohl von Frauen als auch von Männern gefördert worden.>


2. Teil: Gehaltsverhandlung: "Üben Sie ein Pokerface und strategisches Schweigen"

Frage: Familienministerin Kristina Schröder fordert einen "Abschied von der Präsenzkultur" in Unternehmen, also dass nicht mehr derjenige als der Beste gelten soll, der am längsten am Schreibtisch sitzt. Sehen Sie das genauso?

Schneider: Zunächst mal könnte man ketzerisch fragen, wie das wohl im Ministerium von Frau Schröder aussieht. Abgesehen davon gilt auch hier: Niemand kann per Regelung oder Gesetz anordnen, dass sich die Arbeitszeiten zu verändern haben, und erwarten, dass es morgen so ist. Das hat sehr viel mit den Mitarbeitern selbst zu tun. Manche gehen einfach früher und merken, dass sie die Arbeit trotzdem schaffen und vielleicht sogar effektiver arbeiten. Andere, zumeist Frauen, trauen sich das nicht. Sie entschuldigen sich viel zu oft, statt einfach mal zu machen. Da gibt es eine Bremse im Kopf, die das nicht zulässt. Mein Appell an die Frauen lautet: Hört auf, euch für alles wortreich zu entschuldigen. Seid mutig und nehmt euch die Freiheiten.

Frage: Sind Frauen generell zu schüchtern, wenn es um ihre Karriere geht?

Schneider: Das würde ich nicht verallgemeinern. Es gibt aber Beispiele für Situationen, in denen Frauen mehr Mumm gut tun würde. Nehmen wir Gehaltsverhandlungen. Frauen zweifeln, ob sie für den Job wirklich geeignet und so viel Geld wert sind. Das merkt man ihnen natürlich an. Männer gehen viel selbstbewusster in die Verhandlung und trumpfen erstmal auf. Nach dem Motto: "Wenn Ihr mich wollt, müsst Ihr noch was drauflegen." So eine Einstellung hilft in Verhandlungen enorm. Aber auch das kann man nicht von heute auf morgen lernen. Das muss man trainieren. Üben Sie ein Pokerface.

Frage: Wie sieht das aus?

Schneider: Stellen Sie sich vor einen Spiegel und sprechen Sie laut die Summe aus, mit der Sie in die Verhandlung einsteigen wollen. Ohne zu lächeln, den Kopf schief zu legen oder sich an den Haaren zu zupfen. Halten Sie Blickkontakt und senken Sie die Stimme. Und vor allem: Halten Sie den Moment des Schweigens aus, der eventuell entsteht, nachdem Sie die geforderte Summe ausgesprochen haben. Das fällt vor allem Frauen schwer.

Frage: Müssen Frauen lernen zu schweigen?

Schneider: In solchen Momenten ja. Ich würde das strategisches Schweigen nennen. Wenn Sie Ihr Wunschgehalt genannt haben, ist Ihr Gegenüber dran. Haken Sie nicht nach.

Frage: Sie waren unter anderem Leiterin Strategisches Kundenmanagement bei Otto und Marketing Director bei Arthur Andersen. Vor sieben Jahren haben Sie einen komplett anderen Weg eingeschlagen und sich als Beraterin und Coach selbständig gemacht. Was hielt Sie davon ab, die Karriereleiter bis nach ganz oben hinaufzuklettern?

Schneider: Da kamen mehrere Dinge zusammen. Ich hatte Lust, was Eigenes auf die Beine zu stellen und ein Buch zu schreiben. Außerdem fehlte mir in meinem Job die langfristige Perspektive: Marketingleiter über 50 sind selten - das gilt für Männer wie auch für Frauen. Es war eine tolle und aufregende Zeit, aber irgendwann habe ich einfach gespürt: Ich will das nicht mehr.

Frage: Wie kamen Sie als Managerin mit männlichen Machtspielen zurecht?

Schneider: Als ich Ende der achtziger Jahre meine berufliche Laufbahn begann, gab es so manches Fettnäpfchen, in das ich getreten bin. Ich kann mich an einen Fall erinnern, als mir ein Vorgesetzter in einem Meeting einen Kaffee angeboten hat. Als ich dankend ablehnte, blaffte er mich an: "Champagner haben wir hier aber nicht!" Damals war ich total irritiert und brauchte einige Zeit, um mich wieder zu fangen.

Frage: Wie würden Sie heute reagieren?

Schneider: Ich würde locker bleiben und sagen: "Macht nichts, ich wollte auch nur das Konzept mit Ihnen durchsprechen." Das hat aber auch etwas mit Alter und Erfahrung zu tun. Gerade junge Frauen neigen dazu, sich in solchen Fällen in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen oder auch zu weinen.

Frage: Sind Ihnen im Beruf mal die Tränen gekommen?

Schneider: Zum Heulen war mir schon mal, aber dafür gehe ich aufs Klo. Das würde ich auch jedem raten, der von seinen Emotionen überwältigt wird: Entschuldigen Sie sich und gehen Sie kurz raus. Das gilt übrigens auch für Männer.

Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Anja Tiedge (Jahrgang 1980), freie Journalistin in Hamburg. Zuerst erschien es auf manager-magazin.de.>



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Da schau her, was der Manager mit dem Obst und dem Gemüse macht:

Financial
                  Times Deutschland online, Logo

Kriminelle Manager-Praktiken mit Esswaren

24.8.2011: Tonnenweise Früchte und Gemüse werden vernichet, weil sie nicht ins "Mass" passen


aus: Financial Times Deutschland online: "Die Essensvernichter": Lebensmittel - frisch auf den Müll; 24.8.2011;
http://www.ftd.de/lifestyle/entertainment/:die-essensvernichter-lebensmittel-frisch-auf-den-muell/60094942.html
http://www.ftd.de/lifestyle/entertainment/:die-essensvernichter-lebensmittel-frisch-auf-den-muell/60094942.html?page=2

<Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel wird weggeschmissen. Vieles erreicht vorher nicht mal mehr einen Laden - weil die Tomate nicht rot genug, die Kartoffel zu klein ist. Dem Skandal der Lebensmittelvernichtung widmen sich nun ein Buch und ein Film. von Christina Horsten

Es ist die Geschichte vom Kartoffelacker, die hängen bleibt. Vier Jahre lang hat der Filmemacher und Buchautor Valentin Thurn die globale Lebensmittelverschwendung untersucht, ist nach Kamerun, in die USA, nach Österreich, Großbritannien und Japan gereist. "Aber auf dem Kartoffelacker eines ostwestfälischen Bauern, da war ich emotional am meisten aufgewühlt." Fast die Hälfte seiner Ernte bleibe direkt auf dem Feld zurück, erzählte ihm der Bauer. Ob zu klein, zu groß, zu viel Schorf, oder ein grüner Fleck - diese Kartoffeln wolle niemand kaufen. "Der Ernährungswert ist derselbe, die würden genauso gut schmecken, aber der Handel nimmt sie uns nicht ab." Da, so schreibt Thurn, sei es ihm kalt den Rücken heruntergelaufen.

Seine teils schockierenden Erfahrungen und Recherchen hat Thurn produktiv verarbeitet - in gleich zwei Dokumentarfilmen und gemeinsam mit dem Journalisten Stefan Kreutzberger auch in einem Buch. Der erste Dokumentarfilm lief im vergangenen Oktober in der ARD, der zweite kommt im September in die deutschen Kinos, eine Aktionswoche in deutschen Städten soll folgen. Das Buch "Die Essensvernichter" liefert Beispiele, Statistiken und Informationen in Hülle und Fülle. Rasch wird deutlich, wie viel Recherche in diesem Buch steckt - und dass die nicht immer einfach war. "Mittlerweile ist jeder Quadratzentimeter der Rückseite des Mondes exakt vermessen, aber niemand kann genau sagen, wie viele Ressourcen an Energie, Wasser, Boden und Arbeitskraft ungenutzt vergeudet werden", schreiben die Autoren.

Trotzdem haben sie Hunderte von erschreckenden Statistiken ausgegraben: Rund ein Drittel der weltweit für den Verzehr gedachten Lebensmittel lande Schätzungen zufolge im Abfall, in Industrieländern sei es etwa die Hälfte. Ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs werde für den Anbau von Lebensmitteln verwendet, die später auf den Müll geworfen würden. Mit dem Brot, das jedes Jahr in Deutschland weggeworfen werde, könnte im selben Zeitraum ganz Niedersachsen bedient werden: 500.000 Tonnen. Statistisch gesehen gäbe es mehr als genug Nahrung für alle Bewohner der Erde - aber weil so viel weggeschmissen oder für Tierfutter, Biosprit oder zur Stromerzeugung genutzt wird, müssen immer mehr Menschen hungern.

"Anleitung zum Aktivwerden"
Die blanken Zahlen erschrecken, aber hängen bleiben vor allem die Menschen und ihre Geschichten. Die vom Kartoffelacker, oder die vom französischen Supermarktleiter, der alle Produkte sechs Tage vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aus dem Regal nehme - weil die Kunden sie sonst nicht mehr kaufen würden. Die vom japanischen Großmarktarbeiter, der Sushi-Packungen bereits Stunden nach der Herstellung öffne und den Inhalt wegschmeiße - weil die japanischen Frischeregeln das so vorschrieben. Und die von den Mülltauchern in Wien, die sich ausschließlich von Lebensmitteln aus Mülltonnen ernähren und damit ohne Probleme einen ausgewogenen Speiseplan aufstellen können.
"Die Essensvernichter" ist ein wichtiges Buch, aber auch ein ungewöhnliches, wie die Autoren gleich zu Anfang selbst klarstellen: "Ein Mix aus harten Fakten und persönlichen Betrachtungen, ein Hybrid aus Sachbuch und Autorenfilm." Kreutzberger und Thurn haben sich hohe Ziele gesteckt, sie wollen "eine gesellschaftliche Veränderung anstoßen" und eine "Anleitung zum Aktivwerden" liefern. Mit konkreten Tipps für Verbraucher und konkreten Forderungen an Politik, Wirtschaft und Handel untermauern sie ihre Ansprüche. Manches klingt dabei banal - Nie mit leerem Magen einkaufen gehen! Immer genau planen, was die Woche über gegessen werden soll! Einen fleischfreien Tag einlegen! -, aber eben auch praktikabel.

Der Lesbarkeit ist das alles nicht zuträglich. Zu oft werden Informationen wiederholt, zu oft ist dem Buch anzumerken, dass es nur Teil einer größeren Kampagne ist - eben nur das Buch zum Film. Trotzdem rüttelt es auf und bietet in einem umfangreichen Anhang seitenweise Tipps und Ansprechpartner für diejenigen, die bei der Reduzierung der Lebensmittelverschwendung gleich bei sich selbst anfangen wollen.


Teil 2: Drei Fragen an Valentin Thurn
Warum liegt Ihnen der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung so sehr am Herzen?

Thurn: "Vor etwa vier Jahren habe ich eine Reportage über Mülltaucher gemacht - also junge Politaktivisten, die sich ihr Essen aus Mülltonnen zusammensammeln. Das schien mir ein exotisches Thema zu sein, aber als ich gesehen habe, welche Mengen an noch gut erhaltenen Lebensmitteln sich da verbergen, ist es mir ganz anders geworden. Das sind doch alles Warenwerte, habe ich mich gefragt, warum werfen die die weg? So begann die Recherche, das war der Anlass. Der tiefere Grund liegt in meiner Erziehung, dem, was meine Familie im Krieg durchgemacht hat, und was meine Mutter mir im Alter davon erzählt hat."

Für die Recherche zu Buch und Film sind Sie in viele Länder gereist. Was haben Sie dabei herausgefunden - wo steht Deutschland im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung? Und gibt es Länder, die eine Vorreiterrolle übernommen haben?
Thurn: "Was Industrieländer betrifft, ist Deutschland ziemliches Mittelmaß. Natürlich gibt es Länder wie die USA, die generell sehr verschwenderisch mit ihren Ressourcen umgehen, und Japan, wo es sehr auf die Frische ankommt. Aber wir unterscheiden uns nicht so sehr von diesen großen Verschwendern! Der Wettbewerb zwischen den Einzelhandelsketten ist nirgendwo so scharf wie bei uns, was dazu führt, dass die Regale bis Ladenschluss perfekt gefüllt sein müssen. Großbritannien und Österreich waren sicher auch große Sünder und Verschwender, aber dort hat sich jetzt etwas getan. In Großbritannien hat die Regierung das in die Hand genommen, Studien in Auftrag gegeben und Kampagnen durchgeführt. Ähnlich ist es in Österreich, da ging das aber mehr von den Abfallwirtschaftsbetrieben und den Kommunen aus. Hier ist ein Land, das einen großen Schritt voran gegangen ist - da sind wir noch meilenweit von entfernt!"

Was wollen Sie mit Buch und Film bewirken?
Thurn: "Wir wollen eine gesellschaftliche Debatte anstoßen. Wir haben schon viel Resonanz bekommen - im Oktober lief ja schon der erste Dokumentarfilm in der ARD -, und ich glaube, dass wir schon viel bewegt haben und noch viel bewegen werden. Lebensmittel will ja niemand wegschmeißen, da ist ja ein Verdrängungsmechanismus mit dabei. Deswegen haben wir bei den vielen Hilfsorganisationen, mit denen wir kooperieren, auch offene Türen eingerannt. Vielen war nur einfach das Ausmaß nicht bewusst. Wir predigen ja auch nicht den Verzicht, es geht nur darum, wieder bewusst zu genießen.">

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Der Standard
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22.9.2011: Kriminelle Manager-Praktiken schon bei der Bewerbung: 10% der Firmen schliessen schon nach der Online-Recherche Bewerber aus

aus: Der Standard online: Umfrage unter 500 Chefs: Jede zehnte Firma schloss Bewerber nach Online-Recherche aus - virtuelle Stolpersteine bei der Jobsuche; 22.9.2011; http://derstandard.at/1316390278334/Umfrage-unter-500-Chefs-Jede-zehnte-Firma-schloss-Bewerber-nach-Online-Recherche-aus

<Wien - Wer sich für einen Job bewirbt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch Personaler googeln. Stößt der potenzielle Arbeitgeber dabei auf peinliche Partybilder oder ähnliches, kann dies ein Ausschlussgrund sein. Laut einer Makam-Umfrage unter 500 Personalchefs und Geschäftsführern hat immerhin jedes zehnte Unternehmen schon einmal einen Bewerber aufgrund der Ergebnisse einer Online-Recherche nicht eingestellt.

Demnach informiert sich zumindest jede zweite Firma gelegentlich im Netz über aussichtsreiche Kandidaten, 18 Prozent tun dies immer oder meistens. Erster Anlaufpunkt ist Google - auf die Suchmaschine greifen 70 Prozent der Personalverantwortlichen zu. Dahinter kommen die sozialen Netzwerke Facebook (44 Prozent) und Xing (16 Prozent) sowie der Kurznachrichtendienst Twitter (9 Prozent). (APA)>


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n-tv
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Deutschland 3.10.2011: Manager-Praktiken: Essen für 310 Euro pro Jahr pro Einwohner landet auf dem Müll

aus: n-tv online: 310 Euro im Müll: Zu viel Essen wird weggeworfen; 3.10.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Zu-viel-Essen-wird-weggeworfen-article4438376.html

<Viel zu viele Lebensmittel landen im Müll.

Zum Erntedankfest hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Bürger zu einem sorgfältigeren Umgang mit Lebensmitteln aufgefordert. Schätzungen zufolge werfe jeder Deutsche im Schnitt im Jahr Essen für 310 Euro weg, sagte die Ministerin der Zeitung "B.Z. am Sonntag".

Genaue Werte würden jetzt in einer Studie ermittelt, bisherige Vermutungen bewegten sich zwischen 6 und 20 Millionen Tonnen pro Jahr. "Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung würde die Menge weggeworfener Lebensmittel eine Kolonne von 20-Tonnen-Lastwagen füllen, die Stoßstange an Stoßstange von Madrid bis Warschau" stehe, so Aigner.

Eine positive Bilanz zog die CSU-Politikerin zum Internet-Portal lebensmittelklarheit.de. Dort können Verbraucher seit Juli Informationen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln abrufen und Anfragen zu Produkten stellen. Inzwischen seien "mehr als 2500 Produkt-Meldungen bei den Verbraucherzentralen eingegangen", so Aigner. "Jede Woche kommen rund 200 neue Meldungen hinzu. Das zeigt, dass es bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln großen Diskussionsbedarf gibt."

dpa>

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n-tv
                  online, Logo

6.10.2011: Sklaverei bei Apple bei der iPhone-Produktion in China - Krankheiten und Selbstmorde bei Zulieferer Foxconn inklusive

aus: n-tv online: Arbeiter leiden unter Ausschlägen: Germanwatch kritisiert Apple; 6.10.2011;
http://www.n-tv.de/technik/Germanwatch-kritisiert-Apple-article4448711.html

<Apple gerät erneut in die Kritik. Die Umweltinitiative Germanwatch bemängelt, dass der Konzern Arbeiter nach wie vor unter katastrophalen Bedingungen arbeiten lasse. "Apple sollte nicht nur seine Profite im Blick haben, sondern auch die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette", erklärt Cornelia Heydenreich von Germanwatch.

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Präsentation des neuen iPhone von Apple ist erneut Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen in China laut geworden. Die deutsche Umwelt- und Sozialrechtsinitiative Germanwatch erklärte, der Konzern habe aus den in den vergangenen Jahren bekanntgewordenen Problemen und Zwischenfällen anscheinend nichts gelernt. Germanwatch berief sich auf einen von der Hongkonger Arbeitsrechtsorganisation SACOM vorlegten Bericht "iSlave behind the iPhone", in dem die Zustände in einem Werk des Apple-Zulieferers Foxconn untersucht werden.

SACOM berichtete demnach unter anderem von gebrochenen Lohnzusagen und unbezahlten Überstunden in dem neuen Foxconn-Werk in Zhengzhou, wo für Apple produziert wird. Arbeiter aus der Metallverarbeitung müssten zudem ohne ausreichende Schutzkleidung arbeiten und klagten über Kopfschmerzen und Hautausschläge.

"Apple ist die wertvollste Markenfirma der Welt und hat in jedem der letzten drei Quartale sechs und sieben Milliarden Dollar Gewinne eingefahren. Apple sollte nicht nur seine Profite im Blick haben, sondern auch die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette", erklärte Cornelia Heydenreich, Germanwatchexpertin und Koordinatorin von makeITfair, einer Kampagne zur Durchsetzung von Arbeits- und Umweltstandards in der Elektronikproduktion.

Serie von Selbstmorden bei Foxconn

Foxconn ist der weltgrößte Elektronikhersteller. Der taiwanische Konzern baut in China für viele große Computer- und Handyproduzenten wie Apple, Sony und Nokia Geräte zusammen. Das Unternehmen war im vergangenen Jahr durch eine Serie von Selbstmorden in seinen Werken in die Kritik geraten. Arbeitsrechtler hatten für die Suizide unter den Beschäftigten schlechte Arbeitsbedingungen bei niedrigen Löhnen verantwortlich gemacht. Foxconn hatte in Folge der Selbstmorde die Löhne seiner Angestellten um rund 70 Prozent erhöht. Daneben sorgten auch tödliche Arbeitsunfälle sowie Berichte über Umweltverschmutzungen durch andere Apple-Zulieferbetriebe in China in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen.

AFP>

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Spiegel
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Deutschland 25.10.2011: <Thema Wirtschaftskriminalität: Studie: Top-Manager verursachen Grossteil der Wirtschaftskriminalität>

aus: Spiegel online; 25.10.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,793889,00.html

<Korruption und Diebstähle kommen deutsche Konzerne teuer zu stehen: Auf 8,4 Millionen Euro beziffern Unternehmen durchschnittlich den Schaden, der ihnen durch Wirtschaftskriminalität entsteht. Ein Großteil der Täter kommt aus dem Top-Management.

Hamburg - Deutsche Unternehmen gehen bewusster mit der Gefahr durch Wirtschaftskriminalität um als noch vor zehn Jahren. 40 Prozent der Firmen fürchten laut einer Studie die rufschädigende Wirkung der Verbrechen. 2001 waren es gerade mal zehn Prozent. Jedes achte börsennotierte Unternehmen registrierte zudem nach Bekanntwerden einer Straftat einen Rückgang des Aktienkurses.

Als Konsequenz haben die Manager deshalb ihren Schutz gegen Wirtschaftskriminelle verbessert. 59 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben mittlerweile Anti-Korruptionsprogramme, teilten die Berater von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit.

Das hat den Effekt, dass die Zahl der Delikte im Vergleich zu 2009 deutlich gesunken ist. Vor zwei Jahren meldeten noch 61 Prozent der befragten Unternehmen, Opfer von Unterschlagung, Korruption oder Industriespionage geworden zu sein. In diesem Jahr sank der Wert auf 52 Prozent. "Die Befürchtung, dass infolge der Finanzmarktkrise die Zahl der Wettbewerbsdelikte steigen würde, hat sich nicht bewahrheitet", sagt Steffen Salvenmoser, einer der Autoren der Studie.

Allerdings: Die Höhe des durchschnittlichen Schadens ist deutlich gestiegen. Laut PwC beziffern die Unternehmen die Kosten durch wirtschaftskriminelle Handlungen auf rund 8,4 Millionen Euro. Zwei Jahre zuvor waren es noch 5,6 Millionen Euro. Das liegt laut PwC an einer Reihe überdurchschnittlich hoher Schäden. So würden drei Prozent der befragten Firmen Schäden von mehr als 100 Millionen Euro angeben. Dazu kämen steigende Kosten für die Aufarbeitung der Straftaten.

Für die Studie hat PwC das Forschungsinstitut TNS Emnid beauftragt, die Verantwortlichen für die Aufklärung der Verbrechen in 830 Unternehmen zu befragen. Ausgewählt wurden ausschließlich Firmen mit mindestens 500 Mitarbeitern, zum Großteil handelt es sich um internationale Konzerne.

Dunkelziffer ist wesentlich höher

Jede zweite Wirtschaftsstraftat wird der Studie zufolge von einem Mitarbeiter des geschädigten Unternehmens begangen. Dabei stamme ein großer Teil der Täter aus dem Top-Management. Die Konzerne messen dabei jedoch offenkundig mit zweierlei Maß: Bei Tätern aus der Führungsebene erfolgte viel seltener eine Strafanzeige als bei den übrigen Beschäftigten.

Gestärkt wird dagegen die Prävention: Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Studie hat mittlerweile ein Compliance-Programm, das wirtschaftskriminellen Handlungen vorbeugen soll. Als besonders vorbildlich in diesem Bereich nennen die Befragten Siemens.

Doch im Falle der Korruption funktionieren die vorbeugenden Maßnahmen offenbar noch nicht so recht: Mit zwölf Prozent liegt der Anteil der betroffenen Unternehmen hier auf dem Niveau der Vorjahre. "Die Schädigung durch Schmiergeldzahlungen oder sonstige Bestechung fällt vermutlich noch höher aus", sagt der Studienautor Salvenmoser. "Gut jedes vierte Unternehmen ist davon überzeugt, aufgrund illegaler Einflussnahmen von Wettbewerbern mindestens einmal bei einer Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen zu sein."

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Spiegel
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3.4.2012: Das Problem, die Chef-Rolle auszufüllen - neue Aufgaben überfordern die guten, beförderten Facharbeiter


aus: Spiegel online: Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden? 3.4.2012;
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,824913,00.html

<Von Martin Wehrle

Mäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst: Oft starten sie als Fachmann, auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

Gabelstapler führen? Das darf nicht jeder in Deutschland! Man besucht Kurse, legt eine Prüfung ab. Damit keine Paletten abstürzen, keine Menschen überrollt werden.

Mitarbeiter führen? Das darf jeder in Deutschland. Man besucht keine Kurse, braucht keine Qualifikation. Weshalb Führungskräfte oft den falschen Kurs einschlagen. Und Mitarbeiter unter die Räder kommen.

Jeder rostige Gabelstapler wird professioneller geführt als die Mitarbeiter. Die meisten Vorgesetzten kommen in ihr Amt ohne Vorbereitung und ohne Qualifikation. Sie fallen als Meister vom Himmel. Die Mitarbeiter werden zu Versuchskaninchen, die Führung gerät zum Experiment, und nicht selten endet es wie im Chemieunterricht: mit einem lauten Knall.

Die mangelnde Ausbildung der Chefs ist der erste Fehler im System, der zweite sind die Beförderungskriterien. Beliebteste Frage: "Wie ist ausgerechnet der bloß Chef geworden?" Eine originelle Antwort liefert der Amerikaner Scott Adams, ein chefgeschädigter Angestellter, der sich anstelle einer Psychotherapie für das Schreiben humorvoller Büchern entschied. Sein Dilbert-Prinzip besagt: Unfähige werden dorthin befördert, wo sie den geringsten Schaden anrichten können: ins Management.

Dieser These kann man heftig widersprechen: Was heißt "geringster Schaden"? Mancher Chef hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Und dieser These kann man eifrig zustimmen. Der US-Pädagoge Laurence Peter hat in den sechziger Jahren das Peter-Prinzip geprägt: Danach steigt in einer Hierarchie jeder so lange auf, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat. Der Fachmann wird zum Schwachmann.

Ein Beispiel ist Patrick Sanders (34), Buchhalter in einer großen Werft. Seine Fachkompetenz war bei den Kollegen anerkannt. Er galt als Meister der kreativen Buchhaltung, als Herr des Dschungels der deutschen Steuergesetze. In seine Arbeit war er gewöhnlich so vertieft, dass die Kollegen es längst aufgegeben hatten, ihn in ihre Gespräche einzubinden - nur bei Fachfragen schaute er kurz vom Bildschirm auf, immer mit dem unwirschen Blick eines Mannes, der zum Auftauchen aus der Tiefsee seiner Arbeit gezwungen wurde.

Kümmerliche Kommunikation

Ende 2006 ging der Leiter des Rechnungswesens in Rente. Patrick Sanders galt als kompetent und fleißig - er wurde zum Leiter des Rechnungswesens befördert. Die Glückwünsche wehrte er ab wie lästiges Ungeziefer. Die Idee, eine Sitzung einzuberufen, um seine Vorstellungen als Chef zu erläutern, lag ihm so fern wie ein Steuergeschenk an den Staat.

Rund um die Uhr kniete er sich in die Details des Steuerrechts und brütete über Bilanzen. Mitarbeiterführung? Nebensache!

So wenig er sich um die Menschen kümmerte, so sehr bekümmerten ihn ihre Arbeitsergebnisse. Die ganze Abteilung sollte fachlich sein Niveau erreichen. Er blätterte in Aufstellungen, legte seine Stirn in Falten, korrigierte mit dem Rotstift. An jedem Vorgang fand er winzige Mängel. Sogar erfahrene Betriebswirte kamen sich wie begriffsstutzige Schüler vor, die ihre Hausaufgaben vorlegten. Es gab schlechte Noten.

Nach ein paar Wochen stieg unter den Mitarbeitern die Gleichgültigkeit: Warum noch mit der alten Gründlichkeit arbeiten? Der neue Chef kontrollierte ja doch alles. Und fand ohnehin Fehler.

"Ich selbst habe meinen Urlaub auch immer verschoben"

Weil die Mitarbeiter nachlässiger wurden, fand Sanders tatsächlich mehr Fehler. Weil er mehr Fehler fand, kontrollierte er öfter. Und weil er stundenlang kontrollierte, sahen ihn die Wachleute jetzt nach 22 Uhr vom Hof gehen.

Er fühlte sich überfordert, war sauer auf die Mitarbeiter. Seine Nerven lagen blank. Einem Familienvater, der schon eine Reise gebucht hatte, strich er die zweite Urlaubswoche. Er sagte: "Ich selbst habe meinen Urlaub bei Arbeitsengpässen auch immer verschoben."

Der Frust über den neuen Chef schlug in Wut um. Zu Beginn galt er als überfordert, jetzt war die Bewährungszeit vorbei. Seine Mitarbeiter hielten ihn für unfähig.

Als Fachkraft spitze, als Chef ein Witz

 Irrten sie? Nein! Der Chef kontrollierte, statt zu vertrauen. Er korrigierte, statt Wissen aufzubauen. Er nahm sich als Maßstab, statt die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu beachten. Das Führungsexperiment war gescheitert, wurde aber auf Kosten der Mitarbeiter fortgeführt.

So geht es oft. Als Fachkräfte waren die Beförderten spitze, als Führungskräfte sind sie Witze. Sie können mit Zahlen umgehen, mit Maschinen, mit Sprache oder mit chemischen Elementen - aber sie haben keinen blassen Schimmer davon, wie man Menschen führt.

Wahrscheinlich bräuchte man einen Gabelstaplerfahrer, natürlich mit Ausbildung, um die Inhaber der Unternehmen auf folgende Erkenntnis zu heben: Eine Firma kann immer nur so gut sein, wie es die Mitarbeiterführung und vor allem die Ausbildung ihrer Vorgesetzten ist. Aber wollen die Inhaber dorthin überhaupt gehoben werden? Man könnte ja auf die Idee kommen, sie nach ihrer eigenen Führungsqualifikation zu fragen.>

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