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Psychologie: Töchter und Väter - mit Literaturbeispielen

Die verschiedenen Familienkonstellationen und Rollenspiele zur Ausbildung einer ausgeglichenen Seele

1. Teil: Die Vaterfiguren als Faktor der Mädchenerziehung

Kapitel 2. Die Opferung der Tochter, des Weiblichen, in der Männerherrschaft


Literaturbeispiel: Euripides: "Iphigenie in Aulis"

Macho mit Cabriolet
Macho mit Cabriolet

von Michael Palomino (2004 / 2007)
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aus: von Linda Leonard; Kösel-Verlag, München, ohne Jahr


2. Die Opferung der Tochter, des Weiblichen, in der Männerherrschaft

Die Hauptsache im verletzten Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist ein gestörtes Verhältnis zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip. Es herrschen dabei Verwirrung und Leiden auf Seiten der Tochter wie auch auf Seiten des Vaters.

Schilderung der Vater-Tochter-Verwundung im griechischen Drama von Euripides: "Iphigenie in Aulis": Die Herrscher-Tochter Iphigenie muss für den Sieg Griechenlands geopfert werden

Die Opferung von Iphigenie für Artemis [herrische Lebens- und Geburtsgöttin]

Iphigenie wird Artemis dargebracht, der jungfräulichen Göttin der Jagd, weil der Vater von Iphigenie, Agamemnon, eine Hirschkuh der Artemis erlegt hatte, ohne der Göttin Ehre zu erweisen. Artemis hat zur Strafe Windstille verhängt. Die Windstille wird so gedeutet, dass Agamemnon der Artemis keinen Respekt dargebracht habe und die Artemis gegen Agamemnon deswegen Windstille verhängt habe. So liegen die Kriegsschiffe Agamemnons gegen Troja fest und Griechenland ist in Gefahr.

  
Opferung von Iphigenie für Griechenlands
                          Sieg gegen Troja. Giovanni Battista Tiepolo,
                          1757
vergrössernOpferung von Iphigenie für Griechenlands Sieg gegen Troja. Giovanni Battista Tiepolo, 1757

Der Vater sieht sich veranlasst, seine Tochter zu opfern. Darstellung der verwundeten Gefühle des Vaters, der zu diesem Ende getrieben wird. Offenbarung der beschränkten Auffassung des Weiblichen in einer patriarchalisch regierten Gesellschaft.

Iphigenie, die am meisten geliebte Tochter des Königs Agamemnon, wird zum Tode verurteilt, denn das Orakel verlangt es so, wenn Agamemnon sein Reich vor den Trojanern retten will, muss er opfern. Agamemnon lässt Iphigenie nach Aulis bringen. Da erkennt er den Wahnsinn seiner Tat, aber zu spät. Sein Bekenntnis zur Macht und zum Ruhm Griechenlands sowie seine Angst vor der Öffentlichkeit lassen keine andere Handlung zu, als Iphigenie zu töten, sonst würde die Menge auch ihn töten.

Er täuscht eine Heirat vor, dann folgt die Szene auf Aulis: Agamemnon ist der dämonischen Machtgier über das Heer hilflos ausgeliefert. Iphigenie sieht, dass die Menge nicht zu stoppen ist. So beschliesst sie, edel für Griechenland zu sterben. Iphigenie geht heldenmütig in den Tod, vergibt ihrem Vater und bittet die Mutter, ihm nicht zu zürnen oder ihn zu hassen. Iphigenie vergibt ihrem eigenen Henker...


Die Auffassung des Weiblichen im Drama

-- die Frau ist im Besitz des Mannes

-- das Weibliche ist auf die Formen reduziert, die mit der vorherrschenden männlichen Anschauung im Einklang stehen
-- das vorherrschende männliche Ziel ist Macht
-- die vorherrschende, erste Pflicht des Mannes ist die Staatsidee Griechenland
-- die weiblichen Charaktere sind dargestellt als Schönheit (Helena) oder Gehorsam zum Dienst am Manne (Klytaimnestra).

Folgen der Auffassungen für die Handlungsweisen:
-- wenn eine Frau nur als Schönheit angeschaut wird, mindert dies den Wert der Frau zu einer reinen Projektion des männlichen Begehrens herab, versetzt sie in die Position der puella aeterna, der mädchenhaft-kindlichen Abhängigkeit mit Gehorsam und mit dem Status einer Dienerin

-- die Identität der Frau ist gar nicht da, die Frau existiert nicht in sich und aus sich selbst, sondern bezieht ihre Identität nur im Verhältnis zu den Bedürfnissen des Mannes

-- Agamemnon unterstützt die Entwertung des Weiblichen mit der Opferung der Tochter und erwartet auch noch, dass seine Frau Klytaimnestra seinem Befehl zur Opferung der Tochter gehorcht

Der Herrscher Agamemnon herrscht und verkauft seine Seele und seine Tochter:
-- der Schönheit Helenas (Griechenland) soll alles geopfert werden, die Seele wird der Machtgier verkauft (Agamemnon)
-- der Ehrgeiz, König zu sein, hindert Agamemnon daran, väterliche Gefühle zu zeigen, hindert ihn zu weinen, er ist von seinen eigenen Tränen abgeschnitten

-- Klage Agamemnons: "Mein Aug will weinen, und ich schäme mich sowohl der Tränen wie des trocknen Auges, so tief hat mich des Schicksals Schlag gebeugt"

-- der Wert des Weiblichen ist für Agamemnon lediglich darauf beschränkt, Objekt männlicher Zwecke zu sein

Die schlussendliche Einstellung der Frau im Drama
-- Iphigenie meint, dass ein Mann "mehr als tausend Frauen dieses Tageslichts verdient"
-- dann gibt Iphigenie ihre eigene Identität und den Wert ihrer Tränen auf, Zitat: "... und mein Vater wird den Opferherd umschreiten! Seht, ich komm, die euch die Rettung und den Sieg gebracht!"

Die Fortsetzung des Dramas "Iphigenie":
-- die Mutter Klytaimnestra ermordet Agamemnon
-- Deutung: Das Weibliche wird entwertet und unterdrückt, so gerät es in Wut und fordert seinen Tribut auf primitive Weise.

Artemis als Göttin der pubertären Mädchen
Eine von Artemis' Funktionen ist es, junge Mädchen in der Pubertät zu beschützen und sie Unabhängigkeit zu lehren.

Macho Agamemnon
Agamemnon verstösst mit dem Jagen von Artemis' Hirschkuh gegen Artemis , gegen herrschende kulturelle Werte. Das Männliche negiert bewusst das Weibliche.

Agamemnon ist ein Macho. Für ihn hat nur seine eigene Macht einen Wert, und er nimmt, was er will: die Hirschkuh der Artemis. Als Strafe kommt Windstille auf. Erst durch die Opferung der Iphigenie ist die Windstille aufgehoben.


Die Entstehung von Machos

Macho mit
                Cabriolet
Macho mit Cabriolet

Die Herrschaft des Männlichen in der Seele der Männer
-- lässt keine weiblichen Werte zu
-- keine Möglichkeit der Vielfalt der Ausformungen des Weiblichen
-- Reduzierung des Weiblichen auf die Elemente, die männlichen Zwecken dienen.

Folge: Das Männliche kann kein Verhältnis zu den Werten des weiblichen Bereichs aufbauen. Folge: Der Männercharakter wird roh und opfert nicht nur die äussere Frau, sondern auch seine innere, weibliche Seele.

Männliches und weibliches Element
Die männliche Gier ist aufgeteilt in Gier nach Schönheit und Macht.
Die Weiblichkeit ist aufgeteilt in Schönheit und Pflichtbewusstsein.

Diese Gegensätze sind in der Vater-Tochter-Verwundung enthalten.

Durch die Einstellung zur Macht verliert Agamemnon seine Tochter, das Symbol seines eigenen weiblichen Potentials. Wenn ein Mann das Weibliche mit Füssen tritt, verliert er die Beziehung zu ihm.

Umgekehrte Sichtweise:
In gewissem Sinn ist das Opfer der Iphigenie für Artemis notwendig zur Selbstbestätigung, zum Machtbeweis über Agamemnon, um die weibliche Unabhängigkeit zu ehren.


Harmonie zwischen männlichem und weiblichem Prinzip bringt Kreativität

Harmonie zwischen Männlichkeit und
                        Weiblichkeit: 2 Delphine, senkrecht stehend
Harmonie zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit: 2 Delphine, senkrecht stehend

Die Ausgeglichenheit zwischen Kanten und Rundungen ist das Entscheidende bei Skulpturen, die Ausgeglichenheit repräsentieren. Die Delphine sind ein hervorragendes Beispiel für diese Harmonie.

Sind männliches und weibliches Prinzip in harmonischer Beziehung, dann sind sie Quelle von Wachstum, Geist und Kreativität, Vereinigung von männlicher und weiblicher Weisheit. Wenn keine Harmonie besteht, regieren Chaos und Zerstörung.


Das Weibliche in der männlichen Vorstellung von heute
Das Weibliche ist in den Augen vieler Männer
-- die pflichtbewusste Ehefrau oder
-- die schöne Geliebte oder
-- eine Variation der beiden Typen.

Die Frau, die aus der "Rolle" ausbricht
Frauen leben für Männer statt für sich selbst. Ein Ausbruch aus dieser Rolle erfolgt:
-- zur Verwirklichung im Beruf, dabei Imitation des "männlichen Modells", weitere Abwertung des Weiblichen
-- zur Rebellion: Frauen, die sich machtlos fühlen, werden wütend, folgen äusserlich dem System und behalten aber Zorn unter der Oberfläche, verweigern sich sexuell, üben Rache am Partner mit Fremdgehen, plündern das Konto des Partners, flüchten in Alkohol, werden krank, werden hypochondrisch, haben die Neigung zu Depressionen oder zum Selbstmord.

Männer, die ihre weibliche Seite verloren haben
-- solche Männer müssen ihre weibliche Seite versagen im Kampf um Machtziele im technischen Zeitalter
-- wie Agamemnon opfern sie ihre "innere Tochter" im Namen ihrer Macht
oder
-- wie Menelaos (Bruder von Agamemnon) sind sie der Macht der äusseren Frau (die schöne Schale) erlegen, haben den Zugang zu ihrer echten, inneren Weiblichkeit verloren
-- in beiden Fällen wird der unabhängige weibliche Geist entehrt und geht daher verloren.

Das Ziel der Harmonie zwischen weiblichem und männlichem Prinzip = Geist
Der Geist hat sich im Leben der meisten Männer und Frauen noch nicht wirksam durchgesetzt.

Die leidenden, modernen Iphigenien
-- die heutigen Iphigenien leiden an einer beschränkten Auffassung des Weiblichen
-- es sind oft zornige Frauen, die wissen, dass die den Frauen zugeordneten Bilder von der patriarchalischen Kultur geprägt sind
-- sie empfinden Hilflosigkeit und fühlen sich in einer Falle.

Fall Joan, eine Tochter einer wechselhaften Mutter und eines frustrierten Vaters
Die Mutter ist ein ewiges Kind mit einem Teil Amazone. Sie verunmöglicht der Tochter den Genuss und das Loslassen in der Beziehung zum Vater. Der Vater ist frustriert, liebt seine Tochter aber sehr.

Die Tochter empfängt die unbewussten Wünsche des Vaters nach einer Liebesbeziehung und gleichzeitig seine Schuldgefühle. Die Tochter Joan meint, sie müsse für ihn eine Helena (eine schöne und begehrenswerte Frau) sein.

Die Jugend von Joan

Die emotionale Entwicklung ist nicht normal, sie hat Minderwertigkeitsgefühle bei der Anpassung. Ausgehen, Dating, eine feste Beziehung eingehen entspricht ihr nicht. Gruppenzwang. Sie wünscht sich Akzeptanz ihrer "Natur" der "Helena" durch die Gesellschaft.

Gleichzeitig hasst sie ihre Vorbilder, erkennt den Verrat an den wahren Bedürfnissen und Möglichkeiten der Frau. Sie fühlt sich immer von jüngeren, knabenhaften Männern angezogen, spielt die Mutterrolle als "Helena", aber die Beziehungen scheitern, da die Männern nicht reif genug sind, sich bedroht fühlen und sexuell passiv sind.

In den Träumen hat Joan Angst vor dem Vater, der Vater ist in den Träumen ein Richter, der erotische Beziehungen verbietet.

Folgerung:
Aus Angst vor dem Vater hat Joan Beziehungen nur mit zu jungen Männern gehabt und kann so dem Besitzanspruch des Vaters ausweichen, bleibt aber unbefriedigt.

Joan beruflich
ist erfolgreich, nimmt unbewusst die männliche Sichtweise an: Statt an kreativen Projekten arbeitet sie in einer Verwaltung. Kein Entdecken der eigenen Kreativität. Bewährung in der männlichen Geschäftswelt. Sie schafft so die finanzielle Unabhängigkeit. Aber sie will gar nicht mehr so stark sein, sehnt sich nach jemandem, der sie umsorgt.

Der Charakter von Joan
Auf der bewussten Ebene ist sie Amazone, insgeheim will sie eine Helena sein, das von Männern begehrte, ewige Mädchen. Sie hat eine Wut auf die Frauen, die in der Helena-Rolle Erfolg haben. Sie endet in einer ausweglosen Verstrickung.

Therapie für Joan und Selbsthilfegruppe von Joan
Joan gründet nach der Therapie eine Frauengruppe, die die in vielen Kulturen und Mythen existierenden Bilder weiblicher Gottheiten untersucht. Sie findet die eigene weibliche Zentriertheit und ihren eigenen weiblichen Geist.

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Bildernachweis
-- Vater und Tochter am Schultisch: http://fp.tsn.at/vs-gilmstrasse/schulklassen/klasse_neumayr/2Klasse20042005/F%C3%BCllfederfest%20am%204.2.2005.htm
-- Vater mit Tochter auf den Schultern: http://www.fotosearch.de/ISH118/42-15350734/
-- Familie auf Velotour: http://www.marcus-kaestner.de/blog/index.php?/archives/131-Happy-Family.html
-- Tochter 14 Jahre: http://www.young.de/profil/index.php?id=258118
-- Maradona Puer aeternus jung mit Weltpokal: http://www.neverlandteam.net/blog/category/noticias-mundiales/
-- Maradona Puer aeternus in Psychiatrie 2007: http://europe.football.fr/2007/03
-- Trinkertyp mit Weinflasche: http://www.guyhelminger.de/Guys_Webpage/Selbstportraets/Fotos/selbstportraet_Trinker.htm
-- Frau reicht den Telefonhöhrer: http://www.teletalk.de/fileadmin/teletalk/TeleTalk-Compact/2006-03-31/newsletter_.htm
-- Mann telefoniert: http://www.evkirche-rv.de/portal/news.php?s=read&id=15
-- strenger Vater Habich, Jg. 1940: http://de.movies.yahoo.com/schauspieler/h/matthias-habich/index-36928.html
-- Hausdrachen Else Kling: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,422035,00.html
-- alter Vater Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt: http://de.wikipedia.org/wiki/Generalfeldmarschall
-- unterwürfige junge Frau aus Peru, Puer aeternus aus "USA", ewiges Mädchen aus Kolumbien: www.latinamericancupid.com
-- alte Hure: http://www.sexwolke.de/katrin-bilder-xxl3.html
-- Rebellin Nina Hagen: http://www.br-online.de/kultur/literatur/lesezeichen/20030309/20030309_2.html

-- Opferung von Iphigenie für Griechenlands Sieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Trojanischer_Krieg
-- Macho mit Cabriolet: http://czad.blox.pl/html/1310721,262146,14,15.html?2,2006
-- Harmonie Männlichkeit-Weiblichkeit: 2 Delphine senkrecht: http://www.spirit-feng-shui.at/images/shop/index.html?http://www.spirit-feng-shui.at/images/shop/group_035.html
-- Dornröschen, Titelblatt: http://laserdisc.holin.de/disney.html
-- Aschenputtel lässt sich von Tauben helfen: http://www.maerchenbuehne.at/aschenputtel.html

-- Miss Puerto Rico als Miss Universe 2006: http://512mb.net/journal/entry/miss-puerto-rico-ist-miss-universe-2006/
-- Püppchen "Barbies": http://www.tabazzco.com/
-- Ibsen "Das Puppenhaus": Mann mit Frau Nora, Theaterszene: http://www.eventszene.at/scripts/events.dll/event?si_id=2&help=0&ch_id=0&searchlisted=1&en_id=117763


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