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Baumgeschichten

präsentiert von Michael Palomino

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aus: Anke-Usche Clausen und Martin Riedel: Plastisches Gestalten in Holz. Methodisches Arbeitsbuch Band III; J. Ch. Mellinger-Verlag GmbH, Stuttgart 1970 ca.


Erziehung zur Baumkenntnis durch Märchen, Mythen, Sagen und Dichtungen

Die Märchen, Mythen, Sagen und Dichtungen helfen mit, dass die Menschen die Bäume lieben lernen. Dies ist die Grundlage der Arbeit im Holz (S.12).

[Märchen, Mythen, Sagen und Dichtungen helfen also grundsätzlich, den Menschen die Welt näherzubringen. Menschen, die ohne Märchen, Mythen, Sagen oder Dichtungen aufwachsen, fehlt ein wichtiger Bezug zur Welt].

So wird die "Weltenesche" ("Sonnenbaum") besungen als "Urbild des Baumes" schlechthin (S.12).

Oder der "Weihnachtsbaum" wird besungen, eine Tanne, Fichte oder Rottanne (S.14).

Friedrich Hölderlin beschreibt in seiner Hymne "Patmos" die grossen Bäume als "göttlich gebaute Paläste" (S.15).

Das Baummärchen vom Holzhauer, der den Baum hinaufsteigt
"Ein Märchen erzählt von dem Holzhauer, der im Walde plötzlich vor einem ungeheuren Baume stand, wie er noch nie einen gesehen hatte. Von dessen Wipfel wollte er die Welt besehen. Er hieb seine Axt in den Stamm, stieg hinan und kletterte sieben Tage, bis er die Krone erreicht. Da kam er in die kupferne Stadt, blieb aber nicht bei der kupfernen Prinzessin, sondern stieg noch höher hinauf. Nach wiederum sieben Tagen stand er in der silbernen Stadt mit der silbernen Prinzessin, und nach weiteren sieben Tagen erreichte er die goldene Stadt im Wipfel des Baumes, fand die goldene Braut, mit der er nach vielen Abenteuern glücklich wurde..."
(S.15; aus: Hans Hilger: "Geheimnis des Baumes"; Verlag Herder, Freiburg 1956)

Das Baummärchen von der gefundenen Esche und Föhre - die Esche als Bauholz für ganze Städte
"In der estnischen Sagendichtung um den Helden Kalewi fischen dessen Eltern im Meere nach der versunkenen Tochter und ziehen neben anderen wunderlichen Dingen eine Föhre und eine Esche heraus. Der Vater pflanzt die Bäume, die zu unendlicher Grösse heranwachsen, so dass kein Mensch sie fällen kann. Ein Zwerg, der zum Riesen anschwillt, schlägt die Esche mit seiner Axt, und das Holz des Baumes reicht dazu, Brücken, Paläste und ganze Städte zu bauen."
(S.15; aus: Hans Hilger: "Geheimnis des Baumes"; Verlag Herder, Freiburg 1956)

Baummärchen: Kalevala, zweite Rune

"Sät den Berg voll Kiefernwälder,
Kuppen voller Fichtenforste,
Heidehöhen voller Heidkraut,
Niederungen voller Buschwald.

Birken pflanzt er in die Brüche,
Erlen an die luft'gen Stellen.
Auf das feuchte Land den Faulbaum,
Weiden eignen weichen Böden,
heil'gen Stätten Ebereschen,
Wasserweiden schwamm'gen Stellen,
Felsenflächen dem Wacholder,
Eichenbäumen Flusslauflängen.

Schossen auf der Bäume Triebe,
brachen durch die jungen Büsche,
wuchsen Tannen blütenwipflig,
Kiefern weitverzweigter Krone,
Birken grünten in den Büschen,
Ellern an den luft'gen Orten,
Faumbaum auf der Frischlandrodung.
Auf Gestein nur der Wacholder,
wuchsen Beeren am Wacholder,
gute Frucht am Faulbeerbaume...

Es gelang ein zartes Herzblatt,
hin ein Blatt und dran die Eichel,
draus erwuchs die schöne Pflanze,
stieg der Spross, der frische, schlanke,
wie ein Erdbeerlein erhob sich's,
teilte gleich sich gabelästig.

Ordnet alle seine Ästchen,
breitet aus die Blätterbuschen,
hebt den Wipfel nach der Höhe,
in die Lüfte grün das Laubwerk,
hält die Wolken auf im Laufe,
lässt kein Lämmerwölkchen ziehen,
gönnt der Sonne nicht zu scheinen,
gönnt dem Monde nicht zu glänzen..."

Die Weltenesche

"Eine Esche weiss ich
Sie heisst Yggdrasil
Die hohe, umhüllt von hellem Nebel,
Von dort kommt der Tau,
Der in Täler fällt,
Immergrün steht sie
Am Urdbrunnen.
Dort wohnen Frauen drei in dem Saal
Unter den Ästen Allwissende.
UND heisst die eine.
Die andere WERDANDI,
SKULD die dritte.
Sie setzen Satzung.
Leben sie lenken
Der Menschensöhne,
Das Los der Krieger..."
(S.18; aus der Edda)

Legende der Malayen: Der Schicksalsbaum
"In der Oberwelt der Götter wächst ein riesiger Baum, zahlreicher als die Sterne sind seine Blätter und alle sind sie beschrieben. Auf den einen steht Kinderreichtum, grosser Besitz an Vieh, Ansehen, Würde; auf anderen Armut, Krankheit, Elend. Zwei Frauen sitzen unter dem Baum, eine wägt und die andere schreibt. Wenn nun eine Seele zur Erde niedersteigen will, kommt sie an jenem Baum vorbei und Gott gibt ihr das Recht, sich das Blatt ihres Schicksals selbst auszusuchen. Die eine wählt Wohlergehen, die andere Elend. Die wägende Frau teilt die Wahl der anderen mit, die sie aufschreibt - und das ist dann das Schicksalsblatt, das der Mensch bei seiner Geburt mitbringt, das 'Gesetz, wonach er angetreten.' "
(S.18; Legende der Malayen)

Goethe beschreibt Eiche und Ahorn
"Alt-Wälder sind's! Die Eiche starret mächtig,
Und eigensinnig zackt sich Ast an Ast;
Der Ahorn mild, von süssem Safte trächtig,
Steigt rein empor und spielt mit seiner Last."
(S.18; Goethe)

Morgenstern dichtet über die Weidenkätzchen

"Kätzchen ihr der Weiden,
wie aus grauer Seiden,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.
'Wollens gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber,
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.'

In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten,
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?

'Musst dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen lässt.'

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiss, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt."
(S.20; Christian Morgenstern)

Das Geheimnis der Baumgestalt: Der voll entfaltete Baum, wenn er alleine steht

"In dem Samen ist das ganze kraftvolle, verjüngte Wesen des Baumes oder Strauches eingefaltet. Das Geheimnis der Baumgestalt ist die Erfüllung des Raumes. Wo ein Baum allein in der Landschaft steht, kommt erst der ganze Charakter seiner Wachstumsform zur Erscheinung. Von der ordnenden Mitte seines Stammes aus greifen die Zweige nach allen Seiten in den Raum, um weitausladend eine überschwellende Laubkrone oder ein sparsam verdichtetes Nadelgeäst auszubreiten. Der Baum gehorcht damit dem sanften, aber unablässig wirkenden Zwang des Lichtes, das ihn aus der Tiefe des Erdreichs hinaufruft, damit er sich ihm mit einer aufs Höchste gesteigerten Entfaltung ganz hingebe.

So verwirklicht der Baum in vollkommener Weise eine Lichtgestalt, kugelförmig - dem Kreislauf der Sonne entsprechend - der Laubbaum, sternstrahlig im regelmässigen Stand seiner Äste der Nadelbaum. In edlem Wuchs, ganz erfüllt seiner Bestimmung, sich zu entfalten und doch fest im Wurzelgrund zu beharren als aufrechte Gestalt im allseits erfüllten Raum, verleiht dem alleinstehenden Baum die geheime Macht, ordnender Mittelpunkt einer ganzen Landschaft zu sein. Landschaft ist beseelte Natur; sie offenbart den Zusammenhang aller Wesen und Formen der Schöpfung, das Einswerden von lebendiger Gestalt mit den elementarischen Kräften. So wie der Baum selbst der Ort einer grossen Umwandlung von Wesen und Kräften ist, wie er lebenden Stoff aus Erde, Wasser, Luft und Licht bereitet, so gibt er sich in der Landschaft allen atmosphärischen Erscheinungen dieser Elemente hin."
(S.21; aus: Hans Ludwig Oeser: "Das Buch vom Wald"; Sonderdruck der Opacher Presse; Verlag HLOe. / Starnberg am See 1951)

Die Zuordnung von Göttern zu Bäumen

"Jedem Gotte und jedem Tempel gehörte ein Baum oder ein Hain.

-- zu Dodona wahrsagte Zeus im Rauschen der heiligen Eiche

-- die Fichte war dem Poseidon,

-- die Feige dem Dionysos heilig.

Die Slawen beteten zu einem Eichengott,

-- auch die Gallier und die Germanen opferten unter Eichenbäumen.

Und heute noch pilgern die Japaner zu ihren heiligen Bäumen."

(S.15; aus: Hans Hilger: "Geheimnis des Baumes"; Verlag Herder, Freiburg 1956)

Das Staunen als Kind ist wichtig. Ohne das kindliche Staunen vor dem Phänomen des Heranwachsens der Natur kann sich die Natur nicht im Herz der Menschen verwurzeln. Die trockene Wissensvermittlung, wie die Lebensvorgänge von Wurzeln, Stamm, Blatt und Blüte ablaufen, ist kein Ersatz für das Erlebnis, eine Pflanze wachsen zu sehen.
(S.15; aus: Hans Hilger: "Geheimnis des Baumes"; Verlag Herder, Freiburg 1956)


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