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Energiewende, alternative Energie

Windenergie: Windrad, Meldungen (Teil 1)

Vögel vertragen die Windräder nicht gut - so wird Wind zu Gas - Windkraftanlagen dürfen nicht nahe Wohnhäusern stehen - Wind wird zu Gas - 21 Windkraftanlagen für China - der Windturm aus der Schweiz - Windpark vor Sylt geplant - Wiesenweihe legt Windräder still - Bürgerwindpark mit 10% Rendite - Windpark in der Surselva geplant - das Klein-Windrad für jeden Bauernhof und Haushalt - Windräder in Deutschland dürfen in der Nacht keinen Krach machen - Deutschland muss das Stromnetz ausbauen - Offshore-Windparks braucht ein paar Leitungen - Speichersystem für Windenergie mit Wasserstoff und Methan - Windpark "Sandbank 24" vor Sylt wird gebaut - Reedereien profitieren von Installation von Windenergieanlagen auf See - Uruguay wird Vorreiter für Windenergie in Süd-"Amerika" - Widerstand gegen neue Windparks auf dem Land in Norddeutschland - Pumpspeicher als Energiespeicher für Windkraft - veraltete Windräder in Deutschland - Methan als Energiespeicher für Windräder - schwimmende Windräder auf schwimmenden Plattformen in Sturmzonen - Windparks werden zu Lebensraum für Tiere, Beispiel Taschenkrebs - schwimmende Windräder

Meldungen

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2005: Vögel vertragen die Windräder nicht gut - weichen aus, oder kollidieren mit Todesfolge

aus: Vogelwarte Sempach: Vögel und Windkraftanlagen; 2005;
http://www.vogelwarte.com/vogel-und-windkraftanlagen.html

[Zugvögel, grosse Vögel und Segler: Die Kollisionsgefahr mit Todesfolge]

<Sind Windparks vogelverträglich? Die Antwort lautet "nicht immer", denn negative Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel sind durch verschiedene Studien belegt. Die Hauptrisiken liegen in der Kollisionsgefahr und in einer Veränderung des Lebensraums. Von der Kollisionsgefahr sind Zugvögel und grosse Vögel, namentlich segelfliegende Arten wie Greifvögel und Störche, besonders betroffen. Vögel können mit Rotorblättern und Masten von Windenergieanlagen kollidieren, beim Vorbeifliegen in einen Sog geraten oder durch Wirbel der Rotoren zu Boden geschleudert werden. Daher sind Orte, an denen sich Vögel infolge topografischer und thermischer Bedingungen aus einem grossen Einzugsgebiet konzentrieren (z.B. Pässe in den Alpen und im Jura, Kreten, Ufer grosser Gewässer) für den Ausbau der Windenergie nicht geeignet.


[Eine weitere Todesfallen: Die Abspannseile von Windmasten - die überirdischen Stromleitungen]

Masten, die Wind messen, werden meist durch mehrere Abspannseile gesichert. Es ist bekannt, dass Vögel mit solchen Drahtseilen kollidieren. Ebenso bergen Freileitungen, welche die in der Windenergieanlage gewonnene Energie abführen, für Vögel ein weiteres grosses Kollisionsrisiko.


[Ortsfeste Vögel meiden Gebiete mit Windradanlagen oder entwickeln eine Dauerpanik]


Vögel sind mobil und nutzen ihnen zusagende Lebensräume über ganze Landschaftseinheiten hinweg. Windenergieanlagen und die sie begleitenden Infrastrukturen können den Wert eines Lebensraums erheblich mindern. Verschiedene Literaturauswertungen zeigen, dass Vögel Gebiete mit Windenergieanlagen weniger nutzen als vergleichbare Gebiete ohne Windenergieanlagen, sie gänzlich meiden oder die Gebiete zwar weiterhin nutzen, aber unruhig sind und immer wieder auffliegen. Solche Stresssituationen können bei Wintergästen oder rastenden Zugvögeln zu einer physischen Schwächung führen, was geringere Überlebenschancen zur Folge haben könnte. Brutvögel in Stresssituationen haben meist einen geringeren Bruterfolg, was dazu führen kann, dass lokale Bestände abnehmen oder sogar verschwinden. Es gibt auch Vögel, welche ein Gebiet mit Windenergieanlagen gleich nutzen wie zuvor ohne. Viele Vögel besiedeln beispielsweise über mehrere Jahre das gleiche Gebiet, unabhängig einer durch Windenergieanlagen verminderten Lebensraumqualität. Unklar ist jedoch, ob sich Individuen neu ansiedeln, falls die Lebensraumqualität zu stark vermindert wurde.

Die Erschliessung bisher wenig genutzter Landschaftsräume kann zu einer Veränderung z.B. der landwirtschaftlichen Nutzung oder zu einem höheren Besucheraufkommen führen. Bei auf Störungen sensibel reagierenden Arten wie dem in der Schweiz stark gefährdeten Auerhuhn besteht die Gefahr, dass sie sich aus solchen neu erschlossenen Gebieten zurückziehen.>

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Basler Zeitung
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Schweiz 5.10.2010: Windkraftanlagen dürfen nicht in der Nähe von Häusern stehen - negatives Beispiel Saint-Brais im Kanton Jura: dauernde Lärmbelästigung wegen zu wenig Abstand vom Dorf

aus: Schlaflose Nächte wegen Baselbieter Windkraft, 5.10.2010, http://bazonline.com/basel/land/Schlaflose-Naechte-wegen-Baselbieter-Windkraft/story/14273032

<Von Martin Brodbeck.

Die Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung (Adev) betreibt seit Kurzem eine Windkraftanlage im jurassischen Saint-Brais. Jetzt werden Klagen über Lärmbelästigungen laut.

Zu nahe: Die Windräder sind nur 300 Meter von den nächsten Häusern entfernt. Deutschland ist viel restriktiver.

«Der Lärm ist unerträglich, wir haben Kopfschmerzen und können nicht mehr schlafen», klagt Philippe Queloz. Zusammen mit seiner Frau führt er den Kampf gegen die beiden lauten Windräder der in Liestal domizilierten Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung (Adev) an. Und es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ein halbes Jahr habe es gedauert, «bis wir die Unterlagen zur Betriebsbewilligung erhalten haben, die uns als Bürger zustehen». Mit einem Juristen klärt Queloz die Rechtslage ab. Den politischen Kampf will er nicht aufgeben. Zurzeit sei ein menschenwürdiges Wohnen in Saint-Brais nicht möglich.

Nicht alle in der 220-Seelen-Gemeinde denken so. Zwar wird der Lärm nicht bestritten. Die Einnahmen, die die Konzession für die Windkraftanlage in die Gemeindekasse spült, ist aber den Behörden von Saint-Brais hochwillkommen. In Saint-Brais manifestiert sich der Zielkonflikt zwischen ökologischer Stromproduktion einerseits, Menschen- und Naturschutz andererseits. Und mittendrin steht der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer. Als früherer Adev-Betriebsleiter und heutiger Verwaltungsratspräsident trägt er für das Projekt die Verantwortung. Er hebt dessen Vorteile hervor: Die Anlage produziere rund zehn Prozent des Strombedarfs von Delsberg.

Falsche Verspechungen

Nussbaumer betont, dass bei der Realisierung alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden. Das habe auch ein kürzlich erstelltes drittes Gutachten ergeben. Nussbaumer räumt ein, dass «sich ein kleiner Teil der Bewohner von Saint-Brais vom Lärm gestört fühlt». Er habe Verständnis dafür, dass in einem Ort, der sehr ruhig war, die Windräder «subjektiv als Lärmquelle empfunden werden». Die Adev arbeite aber «trotz klarer Rechtslage» an Optimierungen. «Wir haben einen Bürger-Windpark realisiert, den wir nicht gegen die Bürger betreiben wollen.» Der Lärm entstehe bei sehr starkem Wind, stellt Nussbaumer fest. Darum wolle man die Leistung der Anlage weiterhin drosseln.

Die Planung und Realisierung sei «aus damaliger Sicht optimal gewesen», sagt Nussbaumer, merkt aber selbstkritisch an, «dass wir rückwirkend betrachtet einige Dinge anders machen würden.» So hätte es bei der Positionierung der beiden Windräder andere Möglichkeiten gegeben. Allerdings sei der Spielraum gering gewesen: «Wir hätten sie vierzig oder fünfzig Meter verschieben können.» Queloz hingegen kritisiert, dass vor der Realisierung der beiden Windräder Versprechen bezüglich Lärm- und Landschaftsschutz gemacht worden seien, die «nicht eingehalten wurden». Im Jura «stecken die Behörden mit der Windkraftlobby unter einer Decke», kritisiert er. So werde in Deutschland zwischen Wohngebiet und Windpark ein Abstand von 1000 bis 1500 Meter verlangt.

Diesem Argument widerspricht Nussbaumer nicht. Das sei allerdings kein gesetzliches Erfordernis, dazu sei es erst nach Gerichtsurteilen oder aufgrund lokaler Planungsvorgaben gekommen: «Es gibt auch in Deutschland Windkraftanlagen, die viel näher bei bewohntem Gebiet liegen.» [und entsprechend Lärm verursachen und die BewohnerInnen nicht mehr schlafen lassen...]

«Reiche Städte verschandeln den Jura»

Der Darstellung in der Baselbieter Chronik 2009, wonach die Adev ihre Windkraftanlage in Saint-Brais gebaut hat, «da im Kanton Jura die Gesetzgebung Windräder sehr einfach zulässt», widerspricht Nussbaumer. Nicht die Gesetzgebung sei einfacher, die Raumplanung im Kanton Jura sei besser, weil sie schon sehr früh geeignete Windkraft-Standorte ausgeschieden habe: «Und ein solcher Standort ist die Krete bei Saint-Brais.»

Saint-Brais sei kein Einzelfall, stellt Windkraftkritiker Queloz fest. Die Windkraftpolitik trage «kolonialistische Züge»: «Die reichen Städte wie Basel oder Zürich verschandeln für ihre Energiebedürfnisse den armen Jura.» Und wenn der Jura einmal mit Windrädern zugebaut sei, «dann kommt kein Basler Tourist mehr in die Freiberge». (Basler Zeitung)>

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Financial
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20.5.2011: <Erneuerbare Energien: So wird Wind zu Gas>

aus: Financial Times Deutschland online; 20.5.2011;
http://www.ftd.de/wissen/technik/:erneuerbare-energien-so-wird-wind-zu-gas/60053112.html

<Wenn es kräftig stürmt und Windräder Spitzenleistung bringen, führt das oft zu einer paradoxen Reaktion: Sie werden ausgeschaltet, damit das Stromnetz nicht überlastet wird. Eine elegantere Lösung ist die Umwandlung von Strom in Gas. FTD.de zeigt, wie viel Zukunft das Verfahren hat. von Jessica Boesler.

Die Leistung von Wind- und Solaranlagen schwankt. Das ist ein Problem, weil das Stromnetz in Deutschland nicht aufnahmefähig genug ist und Speichermöglichkeiten fehlen. Energie geht deshalb dann verloren, wenn am meisten erzeugt werden könnte. Der Ausbau des Stromnetzes ist teuer und stößt auf Widerstand in der Bevölkerung. Andererseits gibt es in Deutschland ein flexibles Gasnetz mit passender Speichertechnik. Forscher entwickelten deshalb ein Verfahren, um Strom aus erneuerbaren Energiequellen in Gas umzuwandeln. Sie nennen die Methode Power to Gas und das Ergebnis EE-Gas - EE steht für erneuerbare Energie.

Entwickelt wurde die Technik vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). Erste Projekte zeigen, dass Power to Gas funktioniert - und haben viele Unternehmen neugierig gemacht: Versorger und Autobauer investieren bereits in EE-Gas-Anlagen, darunter Vattenfall und Audi. "Deutschland hat bei Power to Gas absolut eine Vorreiterrolle", sagt Marc-Simon Löffler vom ZSW.

Wie entsteht Gas aus Strom?

Die Umwandlung von erneuerbarem Strom zu EE-Gas erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird der Strom genutzt, um mit Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen. Dieser EE-Wasserstoff kann in das Gasnetz eingespeist oder als Kraftstoff genutzt werden.

Technik zur direkten Nutzung von Wasserstoff ist allerdings noch nicht auf dem Markt. Zudem darf er nur bis zu einer bestimmten Konzentration dem fossilen Methan im Gasnetz beigemischt werden. Deswegen macht ein zweiter Schritt in der Umwandlung Sinn: Durch Zusatz von CO2 wird der EE-Wasserstoff zu EE-Methan. Das ist gleichwertig mit Erdgas und kann nahezu unbegrenzt ins Gasnetz eingespeist werden.

Durch die zweite chemische Reaktion wird die Energieausbeute insgesamt etwas schlechter. Zukunft hat die Umwandlung in EE-Methan dennoch: "Die vollständige Kopplung von Strom- und Gasnetzen wird erst mit der Methanisierung möglich", sagt Michael Sterner vom Fraunhofer IWES, Miterfinder des Technologiekonzepts.

Wozu kann EE-Gas genutzt werden?

EE-Wasserstoff im Gemisch mit Methan oder reines EE-Methan können genau so verwendet werden, wie Erdgas: Zur Erzeugung von Wärme und Strom in Kraftwerken, zum Heizen und Kochen im Haushalt und als Kraftstoff für Fahrzeuge.

Gerade für Autos eröffnet die Technik neue Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu nutzen: "Bei Elektroantrieben wird es immer das Problem der Reichweite geben, das Methankonzept ist deshalb eine interessante Alternative", sagt Marc-Simon Löffler vom ZSW. Außerdem kann EE-Wasserstoff Brennstoffzellenfahrzeuge antreiben - diese Technik ist allerdings noch nicht marktreif.

Forscher haben ausgerechnet, bei welcher Verwendung der Wirkungsgrad, also die Energieausbeute, bei der Nutzung von reinem EE-Gas am besten wäre. Das ist allerdings pure Theorie, denn das EE-Gas mischt sich in der Gasleitung mit Erdgas und Methan aus Biomasse. Eine Empfehlung gibt es dennoch: "Generell ist die effektivste Möglichkeit Gas und damit auch EE-Gas zu nutzen, die Kraft-Wärme-Kopplung", sagt Löffler. In KWK-Anlagen wird gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt.

Lohnt sich die Umwandlung?

Wenn erneuerbare Energie direkt in Form von Strom verwendet wird, ist die Energieausbeute am besten. Deshalb müssen das Stromnetz ausgebaut und Stromspeicher geschaffen werden. Doch das kostet Milliarden und ist durch Akzeptanzprobleme nicht kurzfristig möglich. Mit einem Energietransport über das Gasnetz kann bei Investitionen ins Stromnetz erheblich gespart werden.

Der Wirkungsgrad, also das Verhältnis von eingesetzter und gewonnener Energie, liegt bei einer Umwandlung von Strom in Wasserstoff laut Fraunhofer IWES bei 64 bis 77 Prozent, bei einer Umwandlung in Methan bei 51 bis 65 Prozent. Bei der Einspeisung in Fern- und Transportleitungen sowie Gasspeicher wird EE-Gas allerdings noch verdichtet. Der Wirkungsgrad sinkt dadurch bei EE-Wasserstoff stärker als bei EE-Methan, wodurch sich die Wirkungsgrade annähern und EE-Wasserstoff nur noch fünf Prozentpunkte besser abschneidet.

Besonders lohnt die Umwandlung bei Windkraft, aber auch für Solarenergie kommt sie in Frage. In einer Studie des Frauenhofer IWES wird deutlich, wie viel Potential die Kombination mit Windparks hat: In 2010 sind laut der Untersuchung etwa 100 GWh Windstrom nicht ins Netz gegangen, weil dessen Aufnahmefähigkeit am Limit war. Bei einem Wirkungsgrad von 70 Prozent entspricht diese Energie 70 GWh Wasserstoff. Wäre dieser mit einem Anteil von 5 Volumenprozent ins Erdgasnetz eingespeist worden, hätten bei einem geschätzten Jahresverbrauch von 20.000 kWh etwa 70.000 Kunden ein Jahr lang mit erneuerbarem Gas versorgt werden können.

Noch gibt es für EE-Gas keine Förderung wie für Methan aus Biomasse. Subventionen sind aus Sicht von Instituten und Branchenverbänden aber eine klare Vorraussetzung, damit Betriebe in die Technik investieren. "Der erste notwendige Schritt ist die Gleichstellung von erneuerbarem Gas mit Biogas in der laufenden EnWG-Novelle, um sicherzustellen, dass das Gas auch sinnvoll produziert und vermarktet werden kann", sagt Michael Sterner vom Fraunhofer IWES.

Wie marktreif ist Power to Gas?

Theoretisch könnte es sofort losgehen: Seit einem Zusammenschluss von Experten des ZWS und des Fraunhofer IWES im Jahr 2008 ist die Erforschung von EE-Gas weit fortgeschritten. Eine Pilotanlage von Solarfuel und dem ZSW beweist schon seit 2009 mit einer Leistung von 25 Kilowatt, dass das Verfahren funktioniert.

"Power to Gas stößt auf sehr großes Interesse", sagt Bernhard Witschen vom Deutschen Verein des Gas und Wasserfaches, "es wäre ein sehr elegantes Verfahren, wenn die Technik zuverlässig mitmacht." Die Umwandlung ist nicht nur für große Konzerne attraktiv: "Auch Stadtwerke können das stemmen", sagt Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, "in der Größenordnung ist Power to Gas vergleichbar mit der Gasaufbereitung in Biogasanlagen."

Dass die Idee einen Nerv trifft, zeigen viele aktuelle Projekte. So baut die Firma Enertrag in Kooperation mit Vattenfall und anderen Partnern ein Hybridkraftwerk, in dem Windkraft, Wasserstoff und Methan aus Biomasse kombiniert werden. Schon im Sommer 2011 soll es fertig sein. Eon kündigte den Bau einer großen Demonstrationsanlage in Norddeutschland für 2012 oder 2013 an. Und schon ab Oktober 2011 will Greenpeaceenergy einen ProWindgas-Tarif anbieten. Zwar erhalten die Kunden zunächst nur Erdgas, fördern aber über den Tarif den Bau von EE-Gas-Anlagen durch die Energiegenossenschaft.

Auch die Autobranche ist auf Power to Gas aufmerksam geworden: Für die Audi AG will Solarfuel bis 2013 die erste industrielle Anlage bauen, die eine Leistung von etwa 6,3 MW bringen soll. Die VW-Tochter teilte mit, dass zudem der Bau eines eigenen Offshore-Windparks geplant sei, der neben Strom auch Wasserstoff und Methan als Kraftstoff liefern soll. Volkswagen selbst zeigte auch schon Interesse an ähnlichen Projekten.

Ist Power to Gas umweltschädlich?

Die Gewinnung von Ergas schadet je nach Ort und Vorgehen unterschiedlich stark der Umwelt, weil schädliche Gase freigesetzt und Landschaften zerstört werden. Zudem wird durch die Verbrennung CO2 freigesetzt. EE-Methan hat dieselben Eigenschaften wie Erdgas, ohne die negativen Effekte für Klima und Natur.

Für die Umwandlung von Strom zu EE-Gas wird im ersten Schritt Wasserstoff erzeugt, also Wasser verbraucht. Dadurch sind jedoch keine Schäden für die Umwelt zu erwarten, heißt es in einer Studie des Fraunhofer IWES: "Der Wasserverbrauch von EE-Gas Anlagen ist vergleichsweise gering und steigt nicht über den normalen Kühlwasserbedarf eines Kraftwerks hinaus."

Im zweiten Schritt, der Methanisierung, wird dem Wasserstoff Kohlendioxid zugesetzt. Dafür wird aber kein neues Treibhausgas erzeugt, sondern bereits vorhandenes CO2 aus der Luft oder aus Biogasanlagen genutzt. Dort entsteht Kohlendioxid als Abfallprodukt bei der Verwertung von Pflanzen. In beiden Fällen ist die CO2-Bilanz des EE-Methans neutral.

Eine Einschränkung gibt es: Eindeutig umweltfreundlich ist die Verwendung von Kohlendioxid aus Biogasanlagen nur dann, wenn dort ausschließlich Abfälle verwertet werden. Der Anbau von Biomasse extra für die Energieerzeugung ist sehr umstritten, weil Kritiker Schäden für Klima und Natur befürchten.

Wo gibt es mehr Informationen?

Die Dissertation von Michael Sterner vom Fraunhofer IWES war die erste wissenschaftliche Arbeit zu Power to Gas und legte den Grundstein für die weitere Forschung. Sterner hat mit Kollegen darüber hinaus technische Details, Wirkungsgrade und Einsatzmöglichkeiten in einer Studie des Fraunhofer IWES für Greenpeaceenergy untersucht.

Der Innovationskraft von Power to Gas und besonders den Möglichkeiten der Nutzung von EE-Wasserstoff widmet sich eine Veröffentlichung des Deutschen Vereins des Gas und Wasserfaches. Einen Überblick über verschiedene Konzepte zur Speicherung erneuerbarer Energien gibt ein Bericht des ZSW .
Die Internetseite von Solarfuel bietet Informationen zu Pilotanlagen des Unternehmens. Auf der Seite von Enertrag wird die Funktion einer Hybridanlage erläutert, die das Unternehmen derzeit baut.
Das Bundesumweltamt bindet die Technologie in eine Vision von einer 100-prozentigen Versorgung mit regenerativer Energie ein. Im Energiekonzept der Bundesregierung wird Power to Gas nur am Rande erwähnt, der Zusammenhang kann in einer Veröffentlichung der Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft nachgelesen werden.>

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n-tv online,
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21.6.2011:  Siemens baut in China 21 Windkraftanlagen

aus: n-tv online: Kleiner, aber feiner Auftrag: Siemens macht Wind in China; 21.6.2011;
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Siemens-macht-Wind-in-China-article3626761.html

<Siemens liefert 21 Windkraftanlagen an die Volksrepublik China. Damit schaffen die Münchner den Zugang zum entsprechenden Markt in der zweigrößten Volkswirtschaft der Erde. Der Auftrag für Siemens ist einer der ersten für ein westliches Branchenunternehmen überhaupt.

Siemens hat erstmals einen Auftrag aus China für die Lieferung von Windrädern erhalten. Der Technologiekonzern werde 21 Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils 2,3 Megawatt für einen Park vor der Küste Chinas liefern, teilte das Dax-Unternehmen mit.

Die Order ist für Siemens verglichen mit Projekten in der Nord- und Ostsee klein, strategisch jedoch von großer Bedeutung. "Dieser Auftrag ist ein wichtiger Meilenstein für unseren Markteintritt in Chinas schnell wachsenden Markt für Windenergie", sagte Siemens-Windenergie-Chef Jens-Peter Saul.

China ist mit einer kumulierten Windkraft-Leistung von fast 45 Gigawatt und einer Wachstumsrate von rund 73 Prozent von 2009 bis 2010 den Angaben zufolge der größte Windenergiemarkt der Welt. Der Auftrag für Siemens von einer Tochter des weltgrößten Windenergie-Projektentwicklers China Longyuan Power Group ist einer der ersten für ein westliches Branchenunternehmen überhaupt. Der Windpark vor der Küste der Provinz Jiangsu im Osten Chinas mit einer Leistung von rund 50 Megawatt soll Ende dieses Jahres den Betrieb aufnehmen.

Die Maschinen und Rotorblätter fertigt Siemens in zwei kürzlich in Betrieb genommenen Werken in Shanghai. Zudem übernimmt der Münchner Konzern für fünf Jahre den Service und die Instandhaltung der Anlagen.

Zum Volumen des Auftrags wollte sich der Konzern nicht äußern. Das Windenergie-Geschäft gehört zum sogenannten Umweltportfolio von Siemens, mit dem der Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 28 Milliarden Euro einfuhr.

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Tagesanzeiger
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7.7.2011: <Vertikale Windräder: Ein alter Ingenieurstraum> - der Agile-Windturm kommt - flexibler Rotor + Generator + Drucklufttank

Zwei schweizer Düsentriebs, Karl Bahnmüller und Patrick Richter, haben den Windturm erfunden, und wir wünschen viel Glück für die Serienreife. Wer hat's erfunden? Die Schweizer. Wer sucht, der findet!

aus: Tagesanzeiger online; 7.7.2011;
http://www.tagesanzeiger.com/zuerich/unterland/Vertikale-Windraeder-Ein-alter-Ingenieurstraum/story/14490530

Zwei Zürcher wollen mit ihren Windtürmen auf der ganzen Welt Strom produzieren. Energiespezialisten halten ihr Konzept für prüfenswert.>

Der Agile-Windturm von Karl Bahnmüller und Patrick Richter
Der Windturm mit einem horizontalen
                          Windrad drin, von Karl Bahnmüller und Patrick
                          Richter
Der Windturm mit einem horizontalen Windrad drin, von Karl Bahnmüller und Patrick Richter [1]

Der Vergleich
                                  zwischen Windrad und Windturm, Schema:
                                  Der Agile-Windturm braucht nur 1/3 des
                                  Raums, in Kombination mit einem
                                  Generator und Stromspeicher am Boden
                                  und einem Drucklufttank für Wind in
                                  Spitzenzeiten [2]
Der Vergleich zwischen Windrad und Windturm, Schema: Der Agile-Windturm braucht nur 1/3 des Raums, in Kombination mit einem Generator und Stromspeicher am Boden und einem Drucklufttank für Wind in Spitzenzeiten [2]
Das Windrat im
                                  Windturm hat anpassbare Rotorblätter,
                                  Schema
Das Windrat im Windturm hat anpassbare Rotorblätter, Schema  [3]




<Egon Lang, Professor für Energietechnik an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), war am Anfang auch skeptisch. «Vertikale Windkraftwerke sind nichts Neues, ihre Vor- und Nachteile sind seit Jahrzehnten bekannt.» Warum sich bei herkömmlichen Windkraftwerken die Rotoren in luftiger Höhe um eine horizontale Achse drehen hat gute Gründe: Höher ist besser. In 150 Metern Höhe weht der Wind deutlich stärker als weiter unten, wo die Rotoren von vertikalen Windtürmen drehen. Die Fachliteratur spricht deshalb davon, dass vertikale Modelle höchstens 75 Prozent des Wirkungsgrads von horizontalen Windrädern erreichen können.

Karl Bahnmüller und Patrick Richter, die beiden Tüftler, die hinter der Firma Agile Wind Power AG stehen, wollen den Markt für Windräder umkrempeln. Ihre Idee haben sie auch Forschern wie ETH-Professor Lino Guzzella oder Lang von der ZHAW vorgestellt. Dieser traut den Erfindern einiges zu: «Das Konzept ist vielversprechend.» Die Physik können Richter und Bahnmüller zwar nicht überlisten, ihr Konzept hat aber einige zusätzliche Vorteile, wie Lang im Gespräch mit Tagesanzeiger.com erklärt.

Auch eine Batterie

[Rotor + Generator am Boden + Drucklufttank]

Unzählige Ingenieure haben sich schon an vertikalen Windrädern versucht, mit überschaubarem Erfolg. 1925 etwa entwickelte der finnische Schiffsoffizier Sigurd Savonius ein System, das mit Rotoren in der Form von halbierten Röhren funktioniert. Der Franzose George Darrieus liess sein System fünf Jahre später patentieren, bei dem Rotorblätter bogenförmig am oberen und unteren Ende der Achse zusammenlaufen. Beide Systeme funktionieren, liefern aber wenig Strom.

Richter und Bahnmüller glauben daran, dass sich der Agile-Windturm durchsetzen kann. Anders als bei Windrädern mit horizontaler Achse ist der Generator nicht in einer Gondel in hundert Metern Höhe untergebracht, sondern am Boden. Das erleichtert nicht nur die Wartung. «Wir planen, den Windturm mit einem Energiespeicher zu kombinieren», sagt Richter. Anstatt direkt Strom ins Netz einzuspeisen, will Richter Luft in einen Tank komprimieren [Druckluft]. Wenn die Energie gefragt und die Preise hoch sind, könnte die Druckluft in teuren Spitzenstrom verwandelt werden.

Darin liegt laut ETH-Professor Lino Guzzella die eigentliche Stärke des Agile-Systems. Windkraftwerke lieferten nur während 40 Prozent der Zeit Energie, und diese könne mit Druckluft effizient aufbewahrt werden.

Klappbare Rotoren

«Die Idee ist raffiniert», meint auch ZHAW-Professor Lang. Doch die Koppelung mit einem Energiespeicher ist nicht die einzige Innovation, der Richter und Bahnmüller zum Durchbruch verhelfen wollen. Neu ist auch die Idee, die Stellung der Rotorblätter während der Drehung zu verändern. Dieses System haben Richter und Bahnmüller weltweit patentieren lassen. «Bei vertikalen Windrädern bewegt sich die eine Hälfte der Rotoren mit dem Wind, während sich die andere Hälfte dagegen bewegt», erklärt Energiespezialist Lang. Bei den herkömmlichen Modellen verpufft dadurch viel Energie.

Indem die beiden Erfinder die Rotorblätter im Stil eines Flugzeugflügels oder eines Segels anstellen können, lässt sich dieses Problem lösen. Die Blätter im Wind werden quer gestellt, um den Luftwiderstand zu maximieren. Die anderen Blätter, die sich gegen den Wind bewegen, werden derweil so angestellt, dass Auftrieb entsteht. Lang vergleicht mit einem Segelschiff, das sich auch gegen den Wind steuern lässt.

In diesem Klappmechanismus sehen die beiden Professoren allerdings auch das grösste Hindernis für den Agile-Windturm. Sie befürchten, dass die Lebensdauer der Teile wegen der Schlagbewegung kurz ist. Es lohne sich auf jeden Fall, die Entwicklung weiterzutreiben, meint Guzzella. Letztlich entscheide aber die technische Ausführung darüber, ob das neue vertikale Windrad gegen die herkömmlichen Modelle eine Chance hat. «Die heutigen Kraftwerke nutzen den Wind schon sehr, sehr gut.» (Tagesanzeiger.com/Newsnetz)>

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Welt online,
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Krummhörn (Deutschland) 6.7.2011: Der Vogel Wiesenweihe brütet in einem Windpark, und zwei Windräder stehen still

aus: Naturschutz: Vögel legen Windräder in Ostfriesland lahm; 6.7.2011;
http://www.welt.de/politik/deutschland/article13472012/Voegel-legen-Windraeder-in-Ostfriesland-lahm.html

<Autor: Irena Güttel

Die vom Ausstreben bedrohte Wiesenweihe brütet ausgerechnet neben Windrädern in Krummhörn. Die dürfen darum tagsüber nicht laufen – die Gemeinde legt Beschwerde ein.

Im ostfriesischen Krummhörn herrscht selten Flaute. Seit Jahrhunderten bläst der Wind mit zuverlässiger Kraft, wie die vielen historischen Windmühlen am nordwestlichsten Zipfel von Deutschland beweisen. Das macht die Region zum idealen Standort für den Ausbau der Windenergie: Schon heute liefern dort rund 160 Anlagen mehr klimafreundlichen Strom als die Gemeinde verbrauchen kann. Doch seit einiger Zeit stehen zwei Windräder weitgehend still.

Schuld ist die Wiesenweihe. Der vom Aussterben bedrohte Greifvogel hat sich ausgerechnet ein Areal zum Brüten ausgesucht, auf dem zwei Windparks direkt nebeneinanderstehen. Nach Ansicht des Landkreises Aurich gilt es, das seltene Tier zu schützen. Deshalb dürfen zwei in der Nähe der Nistplätze stehende Windräder zurzeit zwischen 4 und 22 Uhr nicht laufen. Ein bundesweit einmaliger Fall, der für viel Zoff in der Region sorgt und inzwischen auch die Justiz beschäftigt.

Eins der beiden Windräder gehört einer Tochtergesellschaft der Gemeinde. Einnahmen von mindestens 60.000 Euro gehen dieser wegen des vorübergehenden Betriebsstopps durch die Lappen, wie Bürgermeister Johann Saathoff erläutert. Der SPD-Politiker ist deshalb gar nicht gut auf den knapp 50 Zentimeter großen Vogel zu sprechen. „Ich habe das Brutpaar noch nicht gesehen. Es soll Fotos von einem Nest geben, aber auch die kenne ich nicht.“

Gerade mal 400 Brutpaare der Wiesenweihe leben nach Angaben des Naturschutzbundes NABU in Deutschland. Vor einigen Jahren zählten Vogelexperten im westlichen Ostfriesland 14 Paare, heute sind es nur noch sechs. Dabei brütet die Wiesenweihe bereits seit den 70er-Jahren in der beschaulichen Gegend, die bei Touristen vor allem wegen des malerischen Fischerdorfs Greetsiel und des aus dem „Otto“-Film bekannten Pilsumer Leuchtturms beliebt ist.

Die Landwirtschaft nimmt dem habichtartigen Vogel den Lebensraum. Doch auch mit den Windparks gibt es Probleme, seitdem im vergangenen Jahr höhere Anlagen installiert wurden. Kurze Zeit später musste Rolf Baum vom Arbeitskreis Wiesenweihe die ersten Opfer beklagen. Ein Männchen lag tot unter einem Windrad. Zwei verschwanden spurlos – und das mitten in der Brutzeit, wo die Vögel ihre Partner normalerweise nie im Stich lassen. „Da liegt der Verdacht nahe, dass auch hier die Windparks verantwortlich sind“, sagt der Vogelfreund.

Dass Windräder zu Todesfallen für Wiesenweihen und andere Greifvögel werden, kommt immer wieder vor. „Sie erkennen einfach nicht die Gefahr“, sagt der Vogelexperte Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut des NABU. Normalerweise sollten deshalb keine Windparks in Nähe von bekannten Brutgebieten stehen. Doch vermeiden lässt sich das nicht immer. „Das Problem kann sein, dass sich Wiesenweihen umsiedeln. Sie sind sehr unstet, was die Nistplatzwahl betrifft“, erläutert Hötker.

Krummhörn legt Beschwerde vor Gericht ein

Der Vogel könnte also überall in Deutschland Windräder zum Stillstand bringen. Doch bislang ist das nach Angaben des Bundesverbands Windenergie noch nicht vorgekommen. „Das ist ein Einzelfall und sollte es auch bleiben“, meint Sprecher Alexander Sewohl. Mit Sorge betrachtet er die vielen Gutachten, die Planer vor dem Bau von Windparks zur Beeinträchtigung von verschiedenen Vogelarten und Fledermäusen erbringen müssen. „Das hat in den letzten Jahren zugenommen.“ Die Gutachten seien zwar wichtig, dürften aber nicht dazuführen, dass der Ausbau der Windenergie ins Stocken gerät.

Die Gemeinde Krummhörn sieht sich jedenfalls im Recht und hat Beschwerde vor Gericht eingelegt. „Es geht hier um die Beschränkung von Eigentumsrechten“, sagt Saathoff. In erster Instanz ist die Kommune bereits gescheitert. Nun muss sich das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Eilverfahren mit dem Fall befassen. Ob es bis zum 1. August eine Entscheidung fällt, ist fraglich. Dann endet die Ende Mai verhängte Schonfrist für die brütenden Greifvögel.

Der Konflikt ist damit aber nicht gelöst. Im nächsten Frühjahr wird die Wiesenweihe wieder brüten – vielleicht erneut in der Nähe der Krummhörner Windparks, vielleicht woanders

dpa>

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Spiegel
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23.7.2011: Der Bürgerwindpark mit 10% Rendite auf die Beteiligung - und schnell kommen die Windräder

aus: Spiegel online: Ausbau erneuerbarer Energien: Windräder für alle; 23.7.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772923,00.html

<Von Carlo Angerer, Reußenköge

Die Bundesregierung will die Windkraft massiv ausbauen - doch fast niemand will die riesigen lärmenden Rotoren in seiner Nachbarschaft haben. Eine Gemeinde in Schleswig-Holstein hat eine Lösung für das Dilemma: Die Bürger verdienen an den Windparks einfach mit.

Bernd Hartwich sieht sich als einen der letzten Kämpfer gegen die Windkraft. Von seinem Grundstück am Naugartener See in der Uckermark blickt der 66-Jährige auf die sich drehenden Ungetüme. Was er abfällig den "Wildwuchs von Windkraftanlagen" nennt, ist die große Hoffnung der Bundesregierung: Mit dem Atomausstieg hat sie den massiven Ausbau der Ökoenergie beschlossen - damit es auch künftig ausreichend Strom in Deutschland gibt.

Sein jahrelanger Kampf gegen die Windräder hat Hartwich müde und mürbe gemacht. Misserfolg ist nicht gerade ein Aufputschmittel. Als er noch Bürgermeister in seinem 120-Einwohner-Dorf war, konnte er den Bau von Windkraftanlagen zwar verhindern. Aber für jedes Windrad, das er blockierte, wurden in unmittelbarer Nähe zwei neue gebaut. Da half es noch nicht einmal, dass es seine Bürgerinitiative "Rettet die Uckermark" sogar in den Kreistag schaffte.

Auf einem langen Tisch in seinem Haus hat Hartwich Ordner, Karten, Fotos aufgestellt. Alles ist fein säuberlich geordnet. Es ist sein Archiv von zehn Jahren Widerstand gegen die Windräder. Sein wichtigstes Beweisstück: ein großer Bilderrahmen mit zwei aus der Ferne aufgenommenen Fotos seiner Heimatgemeinde. Auf dem einen fällt der Blick auf die Dorfkirche, auf dem anderen auf die riesigen Rotoren in der Umgebung.

Geschlagene Schlachten

"Früher war die Uckermark eine freie Landschaft, man konnte Hügel, Berge und Wälder erkennen", sagt Hartwich. "Wer hat das Recht, die Landschaft so zu versauen?" Die großen Energiekonzerne und die Verpächter der Flächen seien die großen Nutznießer des Windenergie-Booms. Die Anwohner müssten dagegen fast nur Nachteile hinnehmen. Es ist ja nicht nur der Anblick. Die Windräder werfen riesige Schatten und machen viel Lärm.

Jetzt, wo es so aussieht, als sei die Energiewende unwiderruflich, wirkt Hartwichs Kampf gegen die Windräder wie aus einer längst vergangenen Zeit. "Ich habe verloren", sagt er resigniert.

Wenn 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet wird , soll die Windkraft einer der wichtigsten Energielieferanten sein. 2010 deckte sie gerade einmal sechs Prozent des deutschen Stromverbrauchs ab, in zehn Jahren sollen es bereits über 20 Prozent sein.

90 Prozent beteiligen sich an Windpark

Das Fraunhofer Institut hat in einer Studie berechnet, dass Deutschland sogar zwei Drittel seines Stroms aus Windenergie beziehen könnte. Dafür müssten allerdings zwei Prozent der gesamten Fläche zugebaut werden. Ein schneller Ausbau kann allerdings nur an Land gelingen. Auf dem Meer sind längere Planungszeiten und höhere Investitionen nötig.

Die entscheidende Frage lautet also: Kann es gelingen, die Windkraft massiv auszubauen, ohne dass die Bürger überall gegen die "Verspargelung der Landschaft" protestieren? Einfach wird es nicht, aber es könnte funktionieren. So wie in der Gemeinde Reußenköge im Westen Schleswig-Holsteins.

Hier in der Nähe von Husum ist bereits der sechste Bürgerwindpark in Planung. Die Idee: Wer den Anblick und den Lärm der Anlagen ertragen muss, soll wenigstens finanziell etwas davon haben. In Reußenköge haben sich bereits 90 Prozent der Haushalte Anteile an Windkraftanlagen gekauft. Aus einstigen Kritikern sind längst Unternehmer geworden.

"Eine eigene Mühle ist nie so laut wie eine fremde Mühle", sagt Dirk Albrecht, pragmatischer Geschäftsführer eines Bürgerwindparks. Bürgermeister Johannes Volquardsen meint gar: "Eine eigene Mühle stört nicht, weil sie auch noch gut aussieht."

Die Westküste Schleswig-Holsteins ist einer der besten Standorte für Windkraftanlagen in Deutschland. Schon Mitte der achtziger Jahre wurden die ersten Rotoren hier aufgestellt. Dann sollte der Ausbau schneller fortschreiten. Eigentlich wollte Initiator Albrecht die Anlagen alleine errichten. Doch dann merkte er, dass die anderen Einwohner seinen Egotrip nicht hinnehmen wollten.

"Wenn man Geld dafür kriegt, kann man damit leben"

Da kam ihm die Idee des Bürgerwindparks. Jeder kann sich daran beteiligen, dafür reichen schon ein paar tausend Euro. Eine Obergrenze gibt es nicht. Wer Teilhaber ist, bekommt auf sein Geld bis zu zehn Prozent Rendite. Das ist das Mehrfache dessen, was ein Tagesgeldkonto abwirft.

Inzwischen gibt es in Reußenköge 70 Windkraftanlagen. Bis zum nächsten Jahr sollen 17 weitere dazukommen. Das Örtchen produziert 140-mal mehr Strom, als es selbst verbraucht. "Wir sind die Extremgemeinde für Windenergie", sagt Bürgermeister Volquardsen. Und fügt nicht ohne Stolz hinzu: "Wir fragen nicht immer erst, wir versuchen erst mal, das selber zu machen."

Das bedeutet nicht, dass es keine Probleme gibt. Schließlich beteiligen sich an einem Bürgerwindpark bis zu 230 Mitglieder. Da kann es wie bei einer Versammlung von Hauseigentümern passieren, dass andere über die Verwendung des eigenen Geldes mitentscheiden. Weil alle grundsätzlich das Gleiche wollen, ist das Konfliktpotential allerdings geringer als bei anderen Windparks, wo sich unbeteiligte Anwohner und renditehungrige Energiekonzerne streiten. Zumal in Reußenköge viele Familien einen beachtlichen Teil ihres Einkommens mit Einnahmen aus der Windenergie bestreiten.

Wer profitiert, macht eher mit - dieses Prinzip könnte sogar in der Uckermark erfolgreich sein. Hier streiten sich bereits die Bauern darum, wer die Flächen für neue Windräder verpachten darf. Und selbst Dauer-Gegner Bernd Hartwich muss zugeben, dass er mit seinen Argumenten nicht gegen Geld ankommt: "Wenn man ein paar Euro dafür kriegt, kann man immer damit leben.">

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20 minuten
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28.7.2011: <Höchster Windpark in Europa: In der Surselva sollen sich bald Windräder drehen> - Region Vorderrhein bekommt neuen Wind

aus: 20 minuten online; 28.7.2011;
http://www.20min.com/finance/news/story/31498523

<In der Schweiz gibt es bereits Windräder in der Höhe, wie etwa hier auf dem Stöckli oberhalb von Andermatt im Kanton Uri.

Im Bündner Oberland soll der grösste Windpark der Schweiz entstehen. Altaventa will im Raum Lugnez-Obersaxen 40 Windräder aufstellen. Möglicher Partner: Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich.

Das Stadtzürcher Energieunternehmen ewz soll Partner des grössten Windparks der Schweiz werden. Der Zürcher Stadtrat werde nach den Sommerferien über die definitive Beteiligung am Windprojekt im Bündner Oberland entscheiden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Der Windpark Surselva soll so viel Energie produzieren, dass damit jeder Privathaushalt im Kanton Graubünden mit Strom versorgt werden könnte. Geplant sind mindestens 40 Windenergie-Anlagen und Investitionen von rund 200 Millionen Franken. Mit Standorten auf über 2400 Metern über Meer entstehe der höchstgelegene Windpark Europas.

Walliser Firma und Zürcher Gelder

Initiantin des Projektes ist die Walliser Firma altaventa ag. Das ewz sei der «ideale Partner», heisst es in der gemeinsamen Mitteilung. Wie gross der finanzielle Beitrag des ewz sein werde, könne noch nicht gesagt werden, sagte ewz-Sprecher Harry Graf.

Noch steckt das Projekt in der Planungsphase. Mit dem Baubeginn der ersten Windenergie-Anlage sei 2012 zu rechnen, im selben Jahr würden sie Strom liefern, sagte Graf. Voraussetzung sei, dass es im Baubewilligungsverfahren keine Verzögerungen gebe.

Messmast wird installiert

Seit Oktober 2010 werden Windmessungen auf dem Gemeindegebiet von Lumbrein gemacht. Ein zweiter Mast für Messungen werde dieser Tage in Obersaxen installiert, heisst es in der Mitteilung. Die bisherigen Messungen bestätigten, dass es sich um eine ideale Lage für effiziente Gewinnung von alternativer Energie handle.

Es gebe nicht nur genügend Wind, die geplanten Standorte lägen auch in grosser Distanz zu bewohnten Gebieten. Trotzdem seien die Zufahrtsmöglichkeiten gut. Der Entscheid, wo wie viele Anlagen mit welcher Leistung aufgestellt werden sollen, wird gefällt, sobald die nächsten aussagekräftigen Messresultate vorliegen. Das soll im kommenden Winter der Fall sein.

Um Anregungen von Experten und Bedürfnisse der Betroffenen ins Projekt einzubeziehen, ist laut Mitteilung schon in der Abklärungsphase ein runder Tisch ins Leben gerufen worden. Dabei hätten sich regelmässig Vertreter von Gemeinden, Skigebieten Alpgenossenschaften und Umweltverbänden sowie der politischen Entscheidungsträger von Region und Kanton zum Projekt ausgetauscht.

Erfahrungen in In- und Ausland

Initiantin und Partner haben laut Mitteilung internationale und nationale Erfahrungen mit Windenergie. Die Beteiligten an der 2010 gegründeten altaventa ag verfügten über Fachwissen aus über 30 realisierten Windprojekten im In- und Ausland.

Das ewz besitzt in Deutschland fünf Windparks mit 30 Anlagen, ist an einem norwegischen Windpark beteiligt und plant mit Partnern im Jura zwei Windparks. Im Kanton Graubünden besitzt das ewz eigene Wasserkraftwerke, ist an anderen beteiligt und versorgt Teile des Kantons mit Strom.

(sda)>

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Basler Zeitung
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Schweiz 1.8.2011: Vorbereitung auf das Klein-Windrad auf einem Bauernhof im Fricktal

aus: Basler Zeitung online: Das Rad der Zeit dreht mit dem Wind; 1.8.2011;
http://bazonline.com/basel/land/Das-Rad-der-Zeit-dreht-mit-dem-Wind/story/19638916

Ein Kleinwindrad wie dieses hier soll auch
                im Fricktal Energie erbringen
Ein Kleinwindrad wie dieses hier soll auch im Fricktal Energie erbringen
<Von Franziska Laur.

Auf einem Fricktaler Hof wird der raue Wind bald zur Stromproduktion genutzt – mit einem der ersten Kleinwindräder der Schweiz.

Ein solches Windrad soll demnächst auf das Reithallendach in Zeiningen montiert werden.

Wer ab und zu auf dem Tschopperthof der Familie Schib in Zeiningen verkehrt, weiss: Dort bläst ein rauer Wind. Wortwörtlich. Und diesen wollte sich Erich Schib zunutze machen. «Schon vor 30 Jahren sagte mein Vater, den ständigen Wind auf dem Hof müsse man nutzen», sagt er. Daher soll nun auf dem Reithallendach ein kleines Windrad Strom produzieren.

Vor Kurzem winkte die Gunst der Stunde. Die Familie hörte von einem Elektriker auf der deutschen Seite, der solche Rädchen liefert und montiert – zum erschwinglichen Preis von etwas über 7000 Euro. Nun liegt das Baugesuch noch bis zum 8. August auf.

Rechtliche Hindernisse

In der Schweiz ist es eines der ersten Kleinwindräder dieser Art, das montiert werden soll. Doch dies könnte sich bald ändern. «Seit Fukushima ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen», sagt Dirk Süss von Enflo Windtec in Kreuzlingen, die das Rad vertreibt. Bis anhin lieferte die Firma vor allem nach Deutschland, Spanien und in die Beneluxländer. Je nach Windstärke vor Ort könne das Produkt den Viertel bis die Hälfte des Verbrauchs eines normalen Haushalts versorgen, sagt Süss.

Doch da die Reithalle der Familie Schib ausserhalb der Bauzone liegt, muss auch der Kanton seinen Segen zur Montage des Windrads geben. Beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau ist es eines der ersten Baugesuche für ein solches Kleinstwindrad, das auf dem Tisch liegt. «Grundsätzlich unterstützen wir den Einsatz von erneuerbaren Energien», sagt Sascha Amhof, Sektionsleiter der Abteilung für Baubewilligungen. Im Fall von Zeiningen ist ein Standort ausserhalb der Bauzone betroffen. «Die Zonenkonformität für Windräder ausserhalb der Bauzone kann nicht bejaht werden.» Daher könne keine ordentliche Baubewilligung erteilt werden.

Da im vorliegenden Fall jedoch bereits eine Liegenschaft besteht, gelte der Anspruch auf Besitzstandswahrung. Zudem stünden der Erstellung eines Kleinstwindrads keine überwiegenden Interessen entgegen, besonders, da es landschaftlich kaum in Erscheinung trete und ähnlich einer Solaranlage auf ein bestehendes Gebäude montiert werde. So könne man mit gutem Gewissen Ja zu einem solchen Gesuch sagen. Der letzte Entscheid liege allerdings bei der Gemeinde. Auch diese zeigt sich allerdings gemäss Zeiningens Gemeindeschreiber Marius Fricker offen gegenüber dem Begehren.

Solarstrom wird verkauft

Die Familie Schib hat schon vor zwei Jahren das Dach der Reithalle mit einer Fotovoltaikanlage bestücken lassen. Diese ist 430 Quadratmeter gross und deckt mit ihren 32'000 Kilowattstunden pro Jahr den Verbrauch von acht bis zehn Haushaltungen. Investiert hat die Familie rund eine Viertelmillion Franken. «Diese Produktion verkaufe ich. Doch da wir auf dem Betrieb recht viel Strom brauchen, wollten wir auch einen Beitrag an unseren eigenen Stromverbrauch leisten – daher das Windrad», sagt Erich Schib.

Der studierte Umweltnaturwissenschaftler bewirtschaftet mit seiner Frau Nicole den Hof und die Pensionspferde, Vater Robert Schib packt mit an, wo nötig, und züchtet Pferde, Bruder Dieter Schib erteilt Reitstunden. Und sympathisch wirkt vor allem eines: auf dem Tschopperthof wird über die Liebe zur Natur nicht nur geredet, sondern sie wird tagtäglich gelebt. (Basler Zeitung)>

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Welt online,
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Deutschland 30.9.2011: Windrad in der Nähe von Wohnhäusern darf in der Nacht keinen Krach machen

aus: Welt online: Lärmschutz: Anwohner gewinnt Kampf gegen laute Windräder; 30.9.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/article13636139/Anwohner-gewinnt-Kampf-gegen-laute-Windraeder.html

<Ein Mann aus Warendorf hat sich erfolgreich gegen den nächtlichen Lärm von Windrädern gewehrt. Eine Anlage wird abgeschaltet.

Der Lärm der Windräder brachte ihn um den Schlaf und störte bei Grillabenden auf der Terrasse: Vor Gericht hat ein Hausbesitzer aus Warendorf sich jetzt erfolgreich gegen den Nachtbetrieb einer Windanlage nahe seinem Grundstück gewehrt (Az.: 10 K 1405/10).

Diese zwei Windräder bringen einem Mann aus Warendorf um den Schlaf. Eine davon wird nun nachts abgeschaltet

Seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster hatte sich gegen zwei von sieben neuen Anlagen in seiner Nachbarschaft gerichtet. Sie waren 2007 von der Bezirksregierung genehmigt worden - zu Unrecht, wie der Kläger argumentierte.

Denn bei der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung sei der Lärm von zwei älteren Windkraftanlagen nicht korrekt berücksichtigt worden, die sich schon in der Nähe des Hauses befanden. Durch den zusätzlichen Krach der beiden neuen Anlagen würden die zulässigen Grenzwerte überschritten.

Zur Verhandlung kam auch der Betreiber der Windparks aus Warendorf: Er sieht die Verantwortung für den Lärm bei dem Betreiber der alten Anlagen.

Nach hitziger Debatte im Saal hob das Gericht die Genehmigung der Bezirksregierung schließlich teilweise auf. Eine der beiden strittigen Anlagen darf nun zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr laufen. „So ist die Zusatzbelastung deutlich geringer“, erklärte der Richter. Berufung sei nicht zugelassen, sagte ein Gerichtssprecher.

dpa/sara>

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31.10.2011: Deutsches Stromnetz muss ausgebaut werden, um Windspitzen bei der Windenergie zu bewältigen

aus: Financial Times Deutschland online: Engpass bei energieversorgung: Stromnetz bremst Windkraft aus; 31.10.2011;
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:engpass-bei-energieversorgung-stromnetz-bremst-windkraft-aus/60123011.html
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:engpass-bei-energieversorgung-stromnetz-bremst-windkraft-aus/60123011.html?page=2

<Exklusiv Gerade wenn viel Wind weht, produzieren Windkraftanlagen oft keinen Strom: Sie müssen teilweise abgeschaltet werden, weil das deutsche Stromnetz in einem zu schlechten Zustand ist. von Friederike von Tiesenhausen  Berlin

Wegen des schlechten Zustands des Stromnetzes müssen immer mehr Windparks abgeschaltet werden, wenn viel Wind weht. Laut einer aktuellen Studie, die der FTD vorliegt, hat sich der Umfang dieser Zwangsdrosselungen zwischen 2009 und 2010 in etwa verdoppelt - obwohl in beiden Jahren vergleichsweise wenig Wind wehte. Die Studie im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) warnt zudem: "In den nächsten Jahren ist von einem weiteren Anstieg der Ausfallarbeit auszugehen."

Der Anstieg erklärt sich vor allem aus der Schere zwischen dem rasanten Zubau von Windkraft und dem schleppenden Ausbau der Netze. Im ersten Halbjahr trug Windstrom bereits 7,5 Prozent zur gesamten deutschen Stromnachfrage bei - Tendenz steigend. Auch bei der Abkehr von der Atomenergie konzentriert sich die Bundesregierung vor allem auf Wind als derzeit kostengünstigste grüne Stromquelle.
2010 schalteten die Netzbetreiber in insgesamt 1085 Einsätzen Windräder herunter - gegenüber noch 285 Einsätzen im Vorjahr. Die so vernichtete Strommenge ist laut der Beratungsgesellschaft Ecofys um bis zu 69 Prozent höher als 2009, ein Anstieg um etwa die Hälfte gilt als gesichert. Zwar werden die Windmühlenbesitzer seit 2009 für dieses "Einspeisemanagement" entschädigt, doch die Abrechnung erfolgt oft verspätet: "Es gibt Einzelfälle, in denen vor mehr als einem Jahr abgeschaltet wurde, aber noch immer nicht entschädigt wurde. Das ist ein klarer Gesetzesverstoß", klagt BWE-Präsident Hermann Albers.
Die unzureichende Abrechnungspraxis ist auch der Grund, warum der BWE die Studie bei Ecofys in Auftrag gab. Denn die Zahlen der Bundesnetzagentur beruhen auf den Entschädigungsmeldungen der Netzbetreiber. "Wir glauben nicht, dass die Netzagentur die gesamten Ausfallzeiten richtig erfasst."

Während die Netzagentur Anfang Oktober einen Ausfall für das Jahr 2010 von 127 Gigawattstunden bekannt gab, geht die BWE-Studie von bis zu 150 Gigawattstunden aus, die nicht im Netz landeten. Besonders häufig wird im Norden abgeschaltet. Hier gibt es die meisten Windparks, aber auch ein besonders schwaches Netz. Bei einzelnen Windparks wurden im Jahr 2010 bis zu 20 Prozent des produzierten Strom nicht eingespeist.
Auch für den Verbraucher ist dies ärgerlich: Denn die Entschädigungen werden auf die Ökostromumlage angerechnet, treffen also die Stromkunden. Für die Netzbetreiber fehlt somit ein Anreiz, den Netzausbau voranzutreiben. Albers regt daher an: "Ein steigender Eigenhaftungsanteil der Netzbetreiber wäre gut, damit sie ihre Ausbaupflicht besser wahrnehmen."

Teil 2

Netzausbauprojekte

Die Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien am deutschen Strommix macht einen Ausbau des Netzes dringend erforderlich. Bis 2020 sollen über 3000 Kilometer neue Leitungen verlegt werden, um eine sichere Versorgung mit Strom zu gewährleisten. FTD.de zeigt die wichtigsten Projekte.

Acht Kilometer Erdkabel

Auf den ersten acht Kilometern der insgesamt rund 60 Kilometer langen 380-kV-Leitung (kV=Kilovolt) wird ein Erdkabel verlegt. Die Universität Hannover begleitet das Projekt, um Erkenntnisse über den Einsatz von Erdkabeln in der Höchstspannung zu gewinnen. Diese sollen dazu beitragen, die Akzeptanz in der betroffenen Bevölkerung für den Leitungsausbau zu erhöhen.

Durch Niedersachsen und Hessen

Das Tochterunternehmen des niederländischen Netzbetreibers Tennet B.V. plant hier eine 190 Kilometer lange Anschlussleitung. Die 380-kV-Leitung Wahle - Mecklar ist eine von vier Pilotleitungen, auf der in Teilbereichen die Erdverkabelung in Drehstromtechnik erprobt werden soll.

Windkraft erfordert Ausbau

Der Neubau der rund 180 Kilometer langen Leitung von Dörpen nach Wesel am Niederrhein wird vor allem durch den raschen Zubau von Windkraft in Norddeutschland erforderlich. Tennet ist für den Bauabschnitt bis in die Höhe von Meppen zuständig. Von dort bis zum Umspannwerk Niederrhein in der Nähe von Wesel ist die Amprion GmbH verantwortlich. Erstmals setzt Amprion auf der 380-kV-Ebene Erdkabel auf Teilabschnitten ein, die nah an Wohngebieten verlaufen. Nötig sind insgesamt zwölf nebeneinander liegende Kabelstränge innerhalb eines Schutzstreifens von über 20 Metern.

Teilweise schon in Betrieb

Von Wesel aus führt die neue 380-kV-Leitungsverbindung über Krefeld, den Rheinkreis Neuss und Köln durch den Rhein-Sieg Kreis Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Gleichzeitig werden auf der gesamten Strecke die vorhandenen 220-kV-Leitungen abgebaut. Endpunkt der neuen Freileitung ist die Umspannanlage in Weißenthurm bei Koblenz. Dieser letzte rund 33 Kilometer lange Teil der Strecke wurde 2010 gebaut und im Februar 2011 in Betrieb genommen. Allein auf diesem Teilstück wurden nach Angaben von Amprion rund 45 Mio. Euro investiert.

Energie für das Rhein-Main-Gebiet

Die neue 380.000-Volt-Leitung von Dortmund nach Frankfurt soll 2020 fertiggestellt sein. Für das nördliche rund 116 Kilometer lange Teilstück von Dortmund nach Dauersberg hat die Bundesnetzagentur die Investitionen genehmigt. Zum Projekt gehören auch der Bau und die Erweiterung von acht 380-kV-Umspannanlagen. Außerdem werden mehrere dann nicht mehr benötigte 220-kV-Leitungen abgebaut. Amprion hat für den etwa 100 Kilometer langen Abschnitt in Nordrhein-Westfalen im Februar 2011 den Antrag für das Raumordnungsverfahren eingereicht.

Über die Elbe

Zur Verstärkung des Transportkanals zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen wird die bestehende 220-kV-Leitung von Hamburg/Nord über Kummerfeld bis Haseldorf (Schleswig-Holstein) auf 380 kV umgestellt. Hierfür läuft ein Planfeststellungsverfahren. Von Haseldorf, über die Elbe bis nach Dollern werden keine neuen Maste gebaut. Hier nutzt Tennet bestehende Maste für die "Zubeseilung" von Stromleitern.

Windsammelschiene

Die so genannte "Windsammelschiene" ist erforderlich, um den überwiegend durch Windkraft erzeugten Strom von der verbrauchsschwachen Küstenregion zu verbrauchsstarken Regionen im Landesinneren abzutransportieren. Es ist geplant, dass die 50Hertz Transmission GmbH insgesamt ca. 93 Mio. Euro in die 75 Kilometer lange Verbindung investiert.

Uckermarkleitung

Die Uckermark gilt als ein Vorreiter im Bereich der dezentralen Energieerzeugung durch Biomassekraftwerke und Windkraftanlagen. Die zirka 115 Kilometer lange und 130 Mio. Euro teure "Uckermarkleitung" soll Berlin mit Strom aus der Region versorgen. Sie wird als 380-kV-Freileitung gebaut.

Strom für die Hauptstadt

Der sogenannte Nordring Berlin soll die Versorgungssicherheit im Großraum der Hauptstadt erhöhen und die Netzanbindung des Stahlwerkes im Brandenburgischen Hennigsdorf stärken. Das Investitionsvolumen für die zirka 75 Kilometer lange 380-kV-Freileitung liegt bei geschätzten 70 Mio. Euro. Dazu kommen zirka 40 Mio. Euro für den Umbau der Schaltanlagen der Umspannwerke. Das Projekt befindet sich seit Januar 2011 im Raumordnungsverfahren. 2012/13 soll die Leitung fertig sein.

Thüringer Strombrücke

Ende 2008 ist der erste Teilabschnitt des Europäischen Vorrangprojektes von Halle bis Erfurt in Betrieb gegangen. Insgesamt kostet der Freileitungsneubau und die Umstellung von 220 kV auf 380-kV-Leitungen auf über 200 Kilometern nach Angaben des Betreibers 50Hertz Transmission rund 250 Mio. Euro.

Am Rande der Alb

Zwischen Göppingen und Aalen wird der Neubau einer 380-kV-Leitung auf 60 Kilometer Länge geplant, die 2020 fertig sein soll. Es laufen technische Studien mit den Netzbetreibern in den Grenzanrainerstaaten Schweiz und Österreich und zur Querung der schwäbischen Alb.

Anbindung des Großraums Stuttgart

Auch in Baden-Würtemberg wächst die Bedeutung der regenativen Energien. Zwischen Neckarwestheim, vor allem bekannt durch sein Atomkraftwerk, und Mühlhausen bei Stuttgart wird eine bestehende 220-kV-Leitung für den Betrieb auf 380-kV umgerüstet. 2012 sollen die Arbeiten auf der 26 Kilometer langen Strecke beginnen.

Leitung nach Frankreich

Der Neubau einer 380-kV-Leitung auf 70 Kilometern Länge führt mitten durch den Schwarzwald bis Offenburg und soll dem Stromtransport von und nach Frankreich dienen. Die Querung von Deutschlands größtem zusammenhängenden Mittelgebirge stellt eine besondere Herausforderung dar. Obwohl der Neubau Teil des Energieleitungsausbaugesetzes von 2009 ist, werden die Baumaßnahmen für das Projekt nach Angaben von EnBW frühestens 2019 beginnen. >

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16.11.2011: <Netzausbau: Kosten für Offshore-Windparks explodieren> - ein paar Leitungen legen, und einen Skandal daraus machen

aus: Welt online; 16.11.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13719620/Kosten-fuer-Offshore-Windparks-explodieren.html

<Die Netzbetreiber kommen beim Anschluss von Windparks im Meer kaum voran. Vor allem Geldmangel sorgt für Probleme bei Planung und Bau.

Der Energienetzbetreiber Tennet sieht Probleme bei der Anbindung von Windenergieparks im Meer. Die Errichtung von Anschlüssen sei in der bisherigen Form nicht länger möglich, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ aus einem Brief der Tennet-Geschäftsführung an Kanzleramt, Umwelt- und Wirtschaftsministerium.

Windpark auf offener See:

Wegen der ständig steigenden Zahl von Anschlussinteressenten stießen alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Ressourcen. Hinzu kämen Probleme bei der Kapitalbeschaffung. Tennet schrieb dem Blatt zufolge, bei allen laufenden Projekten gingen Planung und Bau nur unter Schwierigkeiten voran.

Selbst Lieferanten könnten ihre Termine derzeit kaum noch einhalten. Das niederländische Unternehmen hat im vergangenen Jahr das 11.000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz des deutschen Energieversorgers E.on gekauft und muss alle Windparks in der Nordsee anschließen.

Die Grünen forderten, die Anbindung neuer Windparks künftig auszuschreiben. „Wenn Tennet den Offshore-Ausbau nicht schultern kann, müssen andere ran“, sagte die Grünen-Energiepolitikerin Ingrid Nestle der Zeitung.

Tennet will alle Projekte aufrecht erhalten

Um den Ausstieg aus der Atomenergie zu bewältigen, setzt die Bundesregierung massiv auf Windparks in der Nord- und Ostsee. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf mindestens 35 Prozent, bis 2030 dann auf 50 Prozent steigen.

15 Prozent des deutschen Strombedarfs sollen dann aus Offshore-Windparks gedeckt werden. Das niederländische Unternehmen Tennet, das vor zwei Jahren das Stromnetz des Energieriesen Eon übernommen hatte, ist für den Anschluss der Windparks in der Nordsee zuständig.

Eine Tennet-Sprecherin betonte, alle bestehenden Projekte zum Anschluss von Windparks stünden „völlig außer Frage“. Tennet wolle aber mit der Bundesregierung und den am Netzausbau beteiligten Partnern darüber diskutieren, wie der Anschluss der Anlagen auch in Zukunft geleistet werden könne, da deren Zahl voraussichtlich stark wachsen werde.

Neben der Verteilung der milliardenschweren Investitionskosten der Ausbau verlangsamt werden. Das derzeitige Tempo sei „kaum mehr adäquat“ zu halten.Tennet betreibt derzeit neun Anschlussprojekte für insgesamt 24 genehmigte Windparks in der Nordsee. Eines der Leitungssysteme ist bereits fertiggestellt.

dpa/tat>

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21.11.2011: Neues Speichersystem bei Windenergie auch bei starkem Wind mit Umwandlung in Wasserstoff und Methan

aus: Welt online: Problemlösung in Sicht: So lässt sich Strom aus Windkraft speichern; 21.11.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13728344/So-laesst-sich-Strom-aus-Windkraft-speichern.html

<Autor: Daniel Wetzel

Windenergie gilt in Deutschland als aussichtsreichste Form der Stromerzeugung bei erneuerbaren Energien.

Wenn der Wind stark weht, wird oft zuviel Strom erzeugt. Die Speicherung ist bislang das größte Problem – das könnte bald gelöst sein.

Reisende auf deutschen Autobahnen und Bahnlinien haben das Problem mit der Energiewende stets vor Augen: Überall stehen Windkraftanlagen, doch jede zweite steht still. Immer mehr Windparks müssen laut Bundesverband Windenergie(BWE) über lange Zeiträume abgestellt werden, obwohl es tüchtig weht: Das Stromleitungsnetz ist mit dem Abtransport der Wind-Kilowattstunden, die meist in Norddeutschland erzeugt werden, überfordert. An anderen Tagen fehlt es schlicht an Nachfrage nach Elektrizität, obwohl es windig ist. Speicher, die Ökostrom für Tage oder gar Wochen zwischenlagern könnten, bis die Leitung wieder frei ist und der Bedarf groß genug ist, gibt es noch nicht.

Das könnte sich künftig ändern. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will das Potenzial einer vielversprechenden Technologie zur Stromspeicherung erkunden: Die Umwandlung der Elektrizität in Wasserstoff und Methan. Diese so genannte Power-to-Gas-Technologie könnte helfen, die beiden größten Probleme der Ökostrombranche zu lösen: Fehlende Stromspeicher und Stromleitungen. In Fachzeitschriften werden die Möglichkeiten der neuen Technik bereits euphorisch gefeiert.

Was allerdings nötig wäre, um „Power-to-Gas“ auf breiter Basis zum Durchbruch zu verhelfen, das will die Bundesnetzagentur gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) am heutigen Dienstag auf einem Kongress in Berlin mit Wissenschaftlern, Energiewirten, Leitungsbauern und Politikern diskutieren. „Visionen und Hoffnungen sind schön und gut“, sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur im Gespräch mit „Welt Online“: „Konkrete Zeitpläne und Umsetzungsstrategien sind besser.“

Das chemische Verfahren, um das es geht, ist seit mehr als hundert Jahren bekannt: die Elektrolyse. Doch bis vor Kurzem war niemand auf die Idee gekommen, das Verfahren als Lösung des Stromspeicherproblems in Betracht zu ziehen. In Zukunft könnten nun aber neben Wind- und Solarparks Elektrolyse-Anlagen stehen. Sie zerlegen Wasser – chemische Formel H2O – mit Hilfe elektrischer Energie in seine Bestandteile Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O2).

Der brennbare Wasserstoff könnte direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden – und irgendwann, wenn es zum Beispiel Stromnachfrage bei Windflaute gibt, in Gaskraftwerken verbrannt und so in Elektrizität zurückverwandelt werden. Aber auch als Wärmequelle für Heizungen stünde die auf diese Art veredelte Elektrizität dann zur Verfügung.

Das Speicherpotenzial des Erdgasnetzes ist riesig: Mit einem Volumen von 20 Mrd. Kubikmetern kann es als Zwischenspeicher für 106 Terawattstunden elektrischer Energie dienen. Als Reservoir würden dabei nicht nur die großen unterirdischen Gasspeicher dienen, sondern vor allem die Pipeline-Röhren selbst.

Ein Sechstel des gesamten deutschen Jahresbedarfs an Elektrizität ließe sich also in Form von Erdgas speichern. Auch in punkto Sicherheit dürfte es keine Probleme geben: Schon derzeit kann das Gemisch in den Gasleitungen bis zu fünf Prozent Wasserstoff enthalten: Ein Grenzwert, der bislang kaum je auch nur annähernd erreicht wird. Sogar eine noch höhere H*-Beimischung zum Methan wird unter Fachleuten derzeit diskutiert.

Um noch mehr Energie noch sicherer im Gasnetz unterzubringen, könnte der produzierte Wasserstoff auch mit dem als „Klimakiller“ kritisierten Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) zusammengebracht werden, das man zu diesem Zweck zum Beispiel aus Kraftwerken abzapfen könnte. Reagieren beide Stoffe miteinander, entsteht aus Kohlenstoff und Wasserstoff das als „Erdgas“ bekannte Methan mit der Formel CH4. In der an Abkürzungen nicht armen Energiebranche verbreitet sich für dieses künstlich hergestellte Methan derzeit das Kürzel SNG: „Substitute Natural Gas.“

„Fehlende Stromspeicher sind neben den fehlenden Netzen die Achillesferse der Energiewende“, sagt Netzagentur-Präsident Kurth: „Power-to-Gas gehört zu den wenigen, wirklich vielversprechenden Hoffnungen, dieses Problem technisch zu lösen.“ Aber der Behördenchef warnt auch vor „verfrühter Euphorie“, bevor nicht auch Aufwand und Kosten abschätzbar sind: „Wir brauchen zunächst einmal eine realistische Einschätzung der Technikoption und ihrer Probleme“, sagt er.

Noch deutliche Wirkungsgradverluste bei der Umwandlung

Zu den Nachteilen der Technik gehört, dass die Umwandlung von Strom in Gas mit Wirkungsgradverlusten verbunden ist. So bleibt bei der Herstellung von Wasserstoff nur 75 Prozent der eingesetzten Energie übrig. Wird der Wasserstoff in einem weiteren Schritt auch noch zu Erdgas „methanisiert“, sind es nur noch 65 Prozent. Einerseits sind solche Verluste verschmerzbar, weil die ursprüngliche Energie Wind- und Sonnenkraft kostenlos und zeitweise im Übermaß anfällt.

Andererseits tröstet das die Betreiber von Windparks wenig, die entsprechend weniger Strom direkt ins Netz einspeisen können und so eine geringere Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommen. Denn noch ist unklar, wie man in Zukunft mit den Kosten der Umwandlung und Speicherung umgehen wird: Sollen die Anlagenbetreiber dafür nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet werden? Oder soll man die Kosten der nötigen Infrastruktur auf die Netzentgelte umlegen?

Umwandlung erhöht die Kosten

Sicher ist nur, dass der Endverbraucher für die Dienstleistung des Stromspeicherns erneut belastet werden wird: Denn die Erzeugungs-Kosten für Strom aus synthetischem Erdgas liegen im Idealfall bei 6 bis 8 Cent pro Kilowattstunde – Strom aus importiertem Gas kostet nur etwa zwei Cent.

Um die Technik rentabel zu machen und als Alternative zu Stromimporten und –exporten aufzubauen, müsste diese Differenz ausgeglichen werden – entweder aus einem neuen Fördertopf oder wie beim bisherigen Ökostrom-Ausbau über die Stromrechnung der Verbraucher. „Was nötig wäre, um die Technik wirtschaftlich zu machen, können wir jetzt noch nicht abschließend beurteilen“, sagt Behördenchef Kurth: „Bevor man über Kostenwälzung redet, sollte man sich erst einmal ein klares Bild vom Potenzial und den Technikfolgen erarbeiten – und genau damit wollen wir nun beginnen.“

Gasspeicherung würde weniger Stromleitungen nötig machen

Kurth plädiert allerdings dafür, auch andere Posten in die Rechnung einfließen zu lassen. „Positive volkswirtschaftliche Effekte könnten für eine staatliche Förderung der Technikeinführung sprechen“, sagt Kurth. Zu diesen Effekten gehört, dass vermutlich weniger Stromleitungen quer durch Deutschland gebaut werden müssten, wenn ein Teil des Ökostroms vor Ort in Erdgas verwandelt wird und in die Pipelines wandert.

„Ich glaube nicht, dass Power-to-Gas den Bedarf an neuen Stromleitungen für die Energiewende nun völlig obsolet macht“, stellt Kurth klar: „Wir werden das Leitungsnetz in jedem Fall stark ausbauen müssen, wenn wir den Anteil erneuerbarer Energien bald auf 35 oder gar 50 Prozent erhöhen.“ Doch könne es die Kosten des Leitungsbaus merklich reduzieren, wenn zumindest die phasenweise auftretenden „Produktionsspitzen“ von Windparks und Solaranlagen nicht mehr ins Netz eingespeist werden müssten, sondern methanisiert werden könnten.

Hinzu kommt, dass man überschüssigen Ökostrom nicht mehr wie derzeit üblich ans Ausland verschenken müsste, wenn die Kilowattstunden endlich im eigenen Land eingelagert werden könnten. Tatsächlich verlangen ausländische Energiekonzerne ja sogar noch einen Aufpreis dafür, wenn sie sich bereit erklären, den zur Unzeit produzierten Wind- und Sonnenstrom aus Deutschland abzunehmen.

Negative Strompreise würden der Vergangenheit angehören

Das Problem des gelegentlichen Überflusses an Grünstrom, das immer öfter zum Effekt „negativer Strompreise“ an der Energiebörse EEX in Leipzig führt, würde mit Power-to-Gas bald der Vergangenheit angehören. „Gerade in Norddeutschland, wo die meisten Windkraftanlagen stehen, gibt es auch besonders viele Kavernen, die man als Gasspeicher nutzen kann“, beschreibt Kurth einen Vorteil der Power-to-Gas-Technologie.

Schließlich bräuchten Wind- und Solarparks nicht mehr so häufig abgestellt zu werden, wenn die Stromnachfrage zeitweise zu gering ist. Das dürfte der Energiewende bei den Deutschen zu mehr Akzeptanz verhelfen. Denn bislang muss der Verbraucher die Ökostrom-Produzenten selbst dann bezahlen, wenn deren Anlagen wegen Netzengpässen stillstehen. In Zukunft zahlt der Verbraucher über seine Stromrechnung einen gewissen Aufpreis für sinnvolle Stromspeicher.

Neue Chancen für die Autoindustrie

Das dürfte ihm leichter fallen, als weiterhin für nutzlos stillstehende Windparks zu bezahlen. Gelingt es, mit Hilfe der Elektrolyse und Methanisierung Strom zu überschaubaren Kosten erstmals langfristig, vielleicht sogar saisonübergreifend zu lagern, öffnen sich damit Chancen auf ganz neue Geschäftsmodelle. So hat die VW-Tochter Audi etwa bereits angekündigt, einen Windpark zu errichten und mit einer Elektrolyse-Anlage auszurüsten. Sie soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Erdgas-Autos oder Fahrzeuge mit Brennstoffzelle können dann mit synthetischen Methan oder Wasserstoff, hergestellt aus Ökostrom und Wasser, betrieben werden.

Audi ist nicht der einzige Autobauer, dem die neue Technik helfen könnte. Für Autokonzerne, die den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten nach Vorgaben der EU-Kommission aus Klimaschutzgründen senken müssen, stellt Power-to-Gas eine neue, vielversprechende Chance dar. Auch der größte deutsche Energiekonzern E.on hat bereits angekündigt, eine Demonstrationsanlage zu bauen.

Power-to-Gas gerät schließlich auch deshalb ins Zentrum der energiewirtschaftlichen Debatte, weil sich die bislang diskutierten Möglichkeiten langfristiger Stromspeicherung zunehmend als illusorisch erweisen. So hatte etwa der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung vorgeschlagen, mehrere Tiefseekabel mit einigen zehntausend Megawatt Kapazität nach Norwegen zu verlegen, um die dortigen Wasserkraftwerke als Speicher für deutschen Ökostrom zu nutzen.

Eine Idee, die nach Einschätzung des Netzagentur-Präsidenten „nicht die reale Situation wiedergibt.“ Denn die technische Diskussion habe sich bislang nur um die Frage gedreht, wie viel Energie die dortigen Pumpspeicher aufnehmen könnten. „Weitgehend ignoriert“ worden sei aber die Frage, ob das norwegische Stromnetz überhaupt solche Mengen an Elektrizität aufnehmen kann. Nach ausgiebigen Konsultationen mit dem Chef des staatlichen norwegischen Stromnetzbetreibers kann Kurth nichts Ermutigendes berichten: Die Kapazität des bestehenden Netzes reiche bei weitem nicht aus.

Der Bau neuer Stromleitungen auf dem norwegischen Festland zur Aufnahme deutschen Ökostroms sei aber dort kaum durchzusetzen: „Der Bau neuer Stromleitungen ist in Norwegen mindestens genauso schwierig wie in Deutschland“, sagt Kurth. Folge: Statt neue Trassen zu bauen, plant der norwegische Netzbetreiber lediglich zwei bestehende Stromleitungen zu ertüchtigen, berichtet Kurth: „Mehr ist dort in den nächsten zehn Jahren nicht drin.“>

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Welt
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Deutschland 25.11.2011: <Energieversorgung: Vattenfall baut Windpark "Sandbank 24" vor Sylt

aus: Welt online; 25.11.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13735411/Vattenfall-baut-Windpark-Sandbank-24-vor-Sylt.html

<Der schwedische Energie-Konzern errichtet 136 Offshore-Windräder vor der Insel in der Nordsee. Sie sollen eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgen.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall baut in der Nordsee seinen zweiten Windpark. Die bis zu 136 Windräder könnten den Strom für eine halbe Million Haushalte liefern, teilte das Unternehmen mit.

Der Offshore-Windpark Alpha Ventus vor der ostfriesischen Insel Borkum ist einer der ersten großen Windparks. Vor Sylt baut Vattenfall jetzt eine weitere Offshore-Anlage

Der Windpark „Sandbank 24“, dessen Bau 2014 beginnen soll, wird demnach rund 90 Kilometer vor Sylt liegen. In einem ersten Schritt ist der Bau von 96 Turbinen mit einer Leistung von zusammen 576 Megawatt geplant, später ist eine Erweiterung um 40 weitere Windräder möglich.

Vattenfall investiert nach eigenen Angaben zunächst zehn Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) in „Sandbank 24“. Insgesamt will der Konzern in diesem und den kommenden vier Jahren 26 Milliarden Kronen in Windenergie investieren.

„Mit 'Sandbank 24' unterstützt Vattenfall aktiv die deutsche Energiewende“, erklärt der Konzern. Vattenfall hatte im September 2010 bereits den bislang weltgrößten Offshore-Windpark vor der Küsten Großbritanniens eingeweiht, der eine Leistung von 7200 Megawatt hat.

Die Bundesregierung setzt beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Rahmen der Energiewende insbesondere auf Windparks vor den Küsten. Diese können aufgrund des dortigen starken Windes besonders viel Energie liefern.

Die Kosten für den Bau sind allerdings besonders hoch, weshalb die Projekte im Gegensatz zur Windenergie an Land vor allem von großen Energiekonzernen angegangen werden. Zudem sind auch neue Stromnetze notwendig, die den vor den Küsten erzeugten Strom in den Süden Deutschlands transportieren können. Der Netzausbau läuft allerdings laut Bundesnetzagentur viel langsamer als nötig.

AFP/woz>

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n-tv
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20.12.2011: Reedereien profitieren von der Installation von Windenergieanlagen auf See

aus: n-tv online: Zukunftsthema Offshore-WindenergieEnergiewende auf hoher See; 20.12.2011;
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Energiewende-auf-hoher-See-article5040896.html

<2011 ist für Deutschlands maritime Wirtschaft kein einfaches Jahr. Werften, Zulieferer, Reedereien und Häfen schauen dennoch positiv in die Zukunft. Der Grund dafür liegt im Ausbau des Offshore-Windenergiesektors.

Die Energiewende elektrisiert die maritime Industrie an der Küste und ihre Zulieferer in Süddeutschland. Bis zum Jahr 2025, so lautet die offizielle Ansage, soll Windenergie auf See rund 15 Prozent des heutigen deutschen Strombedarfs decken. Dazu müssten bis zum Jahr 2020 Windenergie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt und bis 2030 von 25 Gigawatt installiert werden.

Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Rein rechnerisch müsste in den kommenden acht Jahren an jedem Arbeitstag ein Offshore-Windkraftwerk mit einer Leistung von 5 Megawatt in Betrieb gehen.

Es gibt verbreitete Zweifel, ob angesichts schwieriger technischer Herausforderungen und fehlender Anbindungen der Anlagen an das Festland-Stromnetz die Windenergie in diesem Tempo ausgebaut werden kann. Gegenwärtig sind in Nord- und Ostsee 27 Windparks genehmigt, gebaut sind erst vier.

Fundamente in 50 Metern Tiefe

Fest steht aber: Da kommt einiges auf die maritime Wirtschaft zu. Um die Anlagen zu bauen, braucht es Errichter- und Versorgungsschiffe, Plattformen, Fundamente und jede Menge Hafenumschlag, um Baumaterial und die Bauteile an ihren Bestimmungsort zu bringen.

"Die Schiffe müssen Fundamente in bis zu 50 Metern Meerestiefe installieren und die Anlagen bei starkem Seegang und unter schwierigen Wetterverhältnisse montieren", sagt Werner Lundt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). "Dafür eignen sich nur wenige Schiffe und diese sind gefragt wie nie." Der weltweite Bedarf an Errichterschiffen wird in den nächsten Jahren auf 300 bis 400 Stück geschätzt. Bei den deutschen Werften ist davon noch nicht viel zu spüren. Sie haben in diesem Jahr bislang erst drei Aufträge für solche Schiffe bekommen.

Milliardenumsätze winken

Insgesamt lag der Auftragseingang der Branche in den ersten drei Quartalen bei knapp unter 2,4 Mrd. Euro. Das ist noch einiges entfernt vom Niveau vor der Finanz- und Schifffahrtskrise, aber deutlich besser als das Katastrophenjahr 2009. "Die deutsche Schiffbauindustrie glänzt weiterhin mit Top-Produkten", sagt Lundt. Der Ausbau der Offshore-Windenergie biete bis 2020 nach einer KPMG-Studie ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 18 Mrd. Euro, davon 6,5 Mrd. Euro für klassische Werfttätigkeiten und bis zu 11,5 Mrd. Euro für Offshore-Strukturen.

Damit könnten 6000 Arbeitsplätze im deutschen Schiffbau gesichert werden. Angesichts der hohen steuer- und verbraucherfinanzierten Förderung müsse ein Teil der Wertschöpfung über die gesamte Kette in Inland bleiben, fordert der Verband.

Windenergie als "sicherer Hafen"

Auch die Häfen bereiten sich auf die Energiewende vor. Die Hafenwirtschaft muss Kapazitäten für die Offshore-Windparklogistik größtenteils neu entwickeln. Benötigt werden Lager- und Produktionsflächen für Windkraft-Anlagen, Versorgungseinrichtungen, neue Kaimauern und vor allem leistungsfähige Verkehrsverbindungen. Von dem Ausbau profitieren nicht nur die beiden großen deutschen Häfen Hamburg und Bremerhaven, sondern stärker noch Standorte wie Brunsbüttel, Nordenham, Brake, Lübeck und Stralsund.

"Die deutsche Hafenwirtschaft steht bereit, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten", sagt Andreas Wellbrock aus dem Präsidium des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetrieb (ZDS). "Dabei muss die vorhandene Hafeninfrastruktur großflächig ertüchtigt, ergänzt und erweitert werden." Das sei eine nationale Aufgabe, deshalb sei die Unterstützung des Bundes erforderlich.

Bereederung von Errichterschiffen

Für die deutschen Reeder, die in diesem Jahr in der Containerschifffahrt wegen eines Preiskriegs schwere Verluste erlitten, etabliert sich mit der Bereederung von Errichterschiffen und Servicefahrzeugen ein neues Geschäftsfeld. Es steckt noch in den Kinderschuhen, weil erst wenige Windkraftanlagen arbeiten, aber etliche Reedereien sind schon aufmerksam geworden. Sie wollen nicht nur einfach Schiffe verchartern, sondern komplette Dienstleistungspakete anbieten.

Das heißt: Wenn in einigen Jahren vielleicht viele hundert Windkraftanlagen in der Deutschen Bucht stehen, dann haben die Reeder Serviceschiffe mit kompletten Reparaturtrupps im Einsatz, die ausrücken, wenn eine Anlage nicht rund läuft. Aber das ist Zukunftsmusik, so lange der Offshore-Ausbau erst schleppend vorankommt.

Eckart Gienke, dpa>

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Financial
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2.1.2012: Uruguay wird Vorreiter für Windenergie in Süd-"Amerika"

aus: Financial Times Deutschland online: Windenergie: Lateinamerikanische Energiewende ganz billig; 2.1.2012;
http://www.ftd.de/politik/international/:windenergie-lateinamerikanische-energiewende-ganz-billig/60148743.html
http://www.ftd.de/politik/international/:windenergie-lateinamerikanische-energiewende-ganz-billig/60148743.html?page=2

<Uruguay stellt auf günstigen Strom aus Windkraft um. Das Land könnte zum Vorbild für ganz Lateinamerika werden. von Raniah Salloum, Berlin

Braun und rund wie die Rücken von Weinbergschnecken ragen die Berge aus der grünen Steppe, die daher auch Sierra de los Caracoles, Schneckengebirge, heißt. Hier, ganz im Süden von Uruguay, wird die Zukunft geprobt: Ein Land will seine Energieversorgung auf Windkraft umstellen.

Zehn Räder mit einer Kapazität von insgesamt 20 Megawatt (MW) laufen schon in der Sierra. Bis 2015 sollen die Windanlagen im Land satte 1100 MW produzieren. 50 Prozent der Stromversorgung Uruguays dürften damit gedeckt sein, schätzt Marc Mauser, beim deutschen Projektentwickler Sowitec für Uruguay zuständig. Es ist ein gigantisches Projekt - aber eines, das sich rechnet: Die Preise für Windenergie in Südamerika liegen viel niedriger als bei konventionellen Stromquellen. "Das ist weltweit einmalig", sagt Mauser. Nicht die Klimabilanz oder ein grünes Image stehen für Uruguay im Vordergrund. Der Ausbau von Windkraft lohnt sich einfach. Und damit könnte das kleine südamerikanische Land zum Vorreiter für den gesamten Kontinent werden. In Südamerika werden anders als in Deutschland keine Einspeisepreise vorgegeben. Stattdessen schreiben die Strombehörden Kapazitäten zur Auktion aus, für die sich Anbieter bewerben können. Es gewinnen die Projektentwickler, die Strom zum niedrigsten Preis anbieten.

Brasilien hatte jüngst für Furore auf dem Windenergiesektor gesorgt: Als dort im vergangenen August Windkraftkapazitäten versteigert wurden, boten einige Interessenten Strompreise, die unter denen von Erdgas lagen. Erst ging man von einer Ausnahme aus. Doch bei der Auktion in Uruguay eine Woche später wurden ähnlich historisch niedrige Preise erzielt: 63 Dollar für eine Megawattstunde (MWh) - etwa die Hälfte dessen, was ein sparsamer Zwei-Personen-Haushalt in Deutschland im Jahr verbraucht. Auch deutlich unter dem Preis von 73 Dollar pro MWh, den Uruguay bisher im Durchschnitt für seinen Strom zahlte.

"Uruguay hat bei diesem Szenario alles richtig gemacht, um den günstigsten Preis zu bekommen", sagt Mauser: "Sie haben erst abgewartet, wie Brasilien läuft, und sich dann an 60 Dollar pro Megawattstunde als Richtlinie orientiert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Preis noch weiter runtergehen kann." Der Projektentwickler Sowitec wird nun Anlagen mit einer Kapazität von 42 MW der ausgeschriebenen 150 MW bauen.

Der Preis ist auf einem Rekordtief aufgrund von zwei Faktoren: "Erstens sind das ausgezeichnete Projekte mit sehr hoher Windgeschwindigkeit, und zweitens haben die Turbinenhersteller Abstriche bei ihren Gewinnen machen müssen", sagt Mauser.

Weil die Nachfrage in Europa gerade schwächelt, seien die Anlagenbauer zu Margeneinbußen bereit gewesen, erklärt Liam Whittington vom US-Thinktank Council on Hemispheric Affairs. Auch will sich keiner aus dem Zukunftsmarkt Südamerika verdrängen lassen. In Deutschland wäre auch bei knapperen Profiten nicht an solche Preise zu denken, sagt Mauser, dafür sei die Windgeschwindigkeit hierzulande viel zu niedrig.


Teil 2: Uruguay schrieb mehr Kapazitäten aus

Angesichts des Schnäppchens entschied sich Uruguay, mehr Kapazitäten auszuschreiben: Wenn der am knappsten ausgeschiedene Verlierer, der deutsche Projektentwickler Eab, auf den Preis von Sowitec nachbessern würde, käme er auch ins Geschäft. Eab will nun in Kooperation mit einem lokalen Anbieter Anlagen mit einer Kapazität von 100 MW bauen. Diesen Monat legte die Regierung in Montevideo noch einmal nach und kündigte an, sie würde die Vergabe von weiteren 450 MW in Betracht ziehen, wenn dafür ein Preis von rund 63 Dollar pro Megawattstunde geboten werde.

Auf diese Weise könnte bis 2015 rund ein Gigawatt (GW) Windkraftstrom zusammenkommen. Uruguay wolle in den nächsten 20 bis 30 Jahren Selbstversorger werden, sagt Whittington. Angesichts des Wirtschaftswachstums werde in ganz Lateinamerika der Energiebedarf steigen. Das im Vergleich zu den großen Nachbarn ärmere Uruguay legte 2010 um 8,5 Prozent zu. "Uruguays Regierung will nicht immer mehr für Energieimporte zahlen müssen", sagt Whittington.

Weil das Land bei der Ausschöpfung der Wasserkraft bereits an die Grenzen gelangt ist, ist nun die zweitgünstigste Option dran: der Wind. Für Sowitec ist Uruguay mit seinen rund 3,4 Millionen Einwohnern zwar ein kleiner Markt, aber ein feiner: "Es ist leichter, Finanzierung zu bekommen, weil das Land Vertrauen bei Banken und Investoren genießt", sagt Mauser, "bei Argentinien weiß man nicht immer, was morgen passiert."

Auch für die mit fossilen Brennstoffen ausgestatteten Nachbarn könnte Uruguay ein Modell sein, glaubt Whittington. Argentinien oder Brasilien könnten selbst stärker auf Wind setzen und dafür mehr Öl exportieren. In Lateinamerika hat Sowitec mit Geldern der KfW-Tochter DEG nun Projekte mit 50 GW geplant. Das entspricht insgesamt zweimal dem Gesamtbestand Deutschlands, dem drittgrößten Windmarkt der Welt.

Große Pläne Von null Nach Angaben der World Wind Energy Association standen in Uruguay bis Ende 2010 fünf Windräder. Sie hatten insgesamt eine Kapazität von zehn Megawatt.

Auf hundert Schon bis 2015 will die Regierung Uruguays den Bestand an Windanlagen mehr als verhundertfachen, auf 1100 Megawatt. Damit würde etwa die Hälfte des Stroms in Uruguay aus Windenergie stammen.>



Der
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Norddeutschland 6.3.2012: Widerstand gegen neue Windparks auf dem Land

aus: Der Standard online: Sozial (un)verträgliche Windräder: Gegenwind gegen die saubere Energie; 6.3.2012;
http://derstandard.at/1330390579813/Sozial-unvertraegliche-Windraeder-Gegenwind-gegen-die-saubere-Energie

<Die Bürgerinitiative lief vergangenen September Sturm gegen einen geplanten Windpark im Nordburgenland.

Erneuerbare Energie ist eine feine Sache - wenn sie nicht gerade vor der eigenen Haustür gewonnen wird: Grazer Nachhaltigkeitsforscher untersuchen soziale Verträglichkeit.

Es sind gerade die Windräder, die wohl mit dem meisten Gegenwind konfrontiert sind. Immer wieder laufen Anwohner und Bürgerinitiativen Sturm gegen neue Bauprojekte. Das Hauptargument: Sie verschandeln die Landschaft.

Das ist etwas paradox: Denn von den meisten Menschen wird der Ausbau erneuerbarer Energiequellen als wichtige und dringende politische Aufgabe gesehen. Energie aus Sonne, Wind oder Wasser gilt als saubere und zukunftsweisende Alternative zu Erdöl, Kohle und Erdgas - darüber herrscht ein gesellschaftlicher Konsens wie sonst in kaum einem Bereich. Wenn es aber an die Umsetzung geht, wird die Sache schon etwas schwieriger: Ist der Windpark vom eigenen Garten aus zu sehen oder wehen von der nahen Biogasanlage die unfeinen Düfte durchs Küchenfenster, stößt die Akzeptanz für eine an sich gute Sache sehr schnell an ihre Grenzen.

"Letztlich steckt in uns allen ein Nimby - ein sogenannter Not In My Back Yard", ist Jürgen Suschek-Berger vom Interuniversi tären Forschungszentrum Graz (IFZ) überzeugt. Wohl wahr - aber ist das nicht oft eine völlig gerechtfertigte Reaktion, wenn jemand seine Lebensqualität gefährdet sieht? "Natürlich! Als Nachhaltigkeitsforscher haben wir uns deshalb die Frage gestellt, ob alles Umweltfreundliche automatisch auch gut für die gesamte Gesellschaft ist", sagt Gudrun Lettmayer von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research. "Tatsächlich gibt es auch bei neuen und sauberen Technologien Gewinner und Verlierer." Aus diesem Grund haben sich die beiden Forscher in ihrem Projekt "Sonah", das im Rahmen des Programms Energiesysteme der Zukunft vom Infrastrukturministerium finanziert wird, mit dem oft unterschätzten Problem der sozialen Nachhaltigkeit in Zusammenhang mit erneuerbarer Energie beschäftigt.

Informieren und einbinden

"Würde bei der Errichtung von Biomasse-, Wind- oder Kleinwasserkraftanlagen von Anfang an auch auf soziale Aspekte der Nachhaltigkeit geachtet, könnten manche Konflikte vermieden werden", sagt Lettmayer. Dazu müssen die Betreiber aber wissen, wie weit das Projekt von der Bevölkerung überhaupt akzeptiert wird, wo mögliche Probleme auftauchen können, wann wer informiert und eingebunden werden soll, welchen Nutzen die Region, aber auch der einzelne Bürger davon hat oder welche langfristigen Auswirkungen zu erwarten sind.

Oft werde der Widerstand der Bevölkerung bagatellisiert, die Gegner als ewige Nörgler oder klassische Vertreter des Florianiprinzips abgetan. "Dabei werden aber sehr konkrete Anliegen übergangen, was zu Problemen führt, die unter Umständen das Vorhaben gefährden oder zumindest über Jahre verzögern und damit die Kosten explodieren lassen können", weiß Lettmayer.

Um Betreibern und Behörden ein praxistaugliches Werkzeug zur Beurteilung der sozialen Nachhaltigkeit ihres Energieprojekts zur Verfügung zu stellen, hat das interdisziplinäre Team einen Kriterienkatalog entwickelt, der online abrufbar ist. "Entscheidungsträger und Anlagenbetreiber haben damit ein Instrument zur Hand, das sie dabei unterstützt, Konfliktpotenzial vorab zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren", erläutert der Soziologe Jürgen Suschek-Berger. Dabei gehe es nicht um eine Handlungsanleitung. Der Nutzer ist aufgerufen, die sozialen Auswirkungen seines Energieprojekts anhand von Fragen zu sieben spezifischen Themenfeldern von der Öffentlichkeitsbeteiligung über die regionale Identität bis zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu testen.

"Die Erstellung der Kriterien war ein sehr interaktiver Prozess", betont Gudrun Lettmayer. "Wir haben sie auf Basis von Gesprächen mit Leuten aus der österreichischen Energiepolitik, mit Bürgermeistern, Anlagenbetreibern, NGOs und Interessenvertretungen erarbeitet." Neben dem Kriterienkatalog zur Ermittlung der sozialen Nachhaltigkeit haben die Forscher auch Checklisten für bestimmte Situationen erarbeitet - etwa zur Vorbereitung auf ein Genehmigungsverfahren oder eine Bürger-Info-Veranstaltung.

Falsche Ängste

Mittlerweile wurde der Kriterienkatalog bereits in zwei Testregionen eingesetzt, etwa in St. Margarethen an der Raab, wo es im Zuge eines geplanten Biomassezentrums zu Anrainerprotesten gekommen war. "Dort sickerten zu früh unvollständige Informationen hinaus, die bei der Bevölkerung einen falschen Eindruck und Ängste erweckten", berichtet Suschek-Berger. "Mithilfe unserer Liste entschieden sich die Betreiber nun für die Installation einer Koordinationsstelle für die Öffentlichkeitsarbeit."

Was aber, wenn trotz vorbildlicher Informationspolitik die Leute nichts von einer nachhaltigen Energieanlage in ihrer Umgebung wissen wollen? "Oft ist die Akzeptanz mit dem Teilhaben-Können gekoppelt", weiß Lettmayer. "In Niederösterreich gibt es bereits etliche kleinere Windkraftanlagen, an denen sich Anrainer finanziell beteiligen können."

Besonders Fotovoltaikanlagen mit Bürgerbeteiligung erfreuen sich großer Beliebtheit. Derartige Sonnenkraftwerke sind bereits in Linz, Bregenz oder im steirischen Mureck im Betrieb, kürzlich wurde das erste Wiener Bürgerkraftwerk präsentiert. Das nicht nur ökologische, sondern auch für soziale Nachhaltigkeit stehen soll. (Doris Griesser/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 3. 2012)>


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Financial
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8.4.2012: <Kostbarer Stauraum: Neue Stromspeicher für die Energiewende> - Pumpspeicher sollens richten

aus: Financial Times Deutschland online; 8.4.2012;
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:kostbarer-stauraum-neue-stromspeicher-fuer-die-energiewende/70020018.html
 
<Pumpspeicher eignen sich bestens, um Wind- und Sonnenstrom zwischenzulagern. Aber Investitionen in die dringend benötigten Anlagen sind riskant und teuer. 

von Ralf Köpke
 
 Bis 2022 könnte sich die Gesamtleistung aller regenerativen Kraftwerke hierzulande auf gut 150.000 Megawatt (MW) verdreifachen. Das besagen die Szenarien, die die Bundesnetzagentur vor wenigen Wochen als Basis für den vorgesehenen Netzentwicklungsplan abgesegnet hat. Um all den Ökostrom zu den Abnehmern zu transportieren, fehlen derzeit nicht nur mehrere Hundert Kilometer an Stromautobahnen. Auch bei den Speichern, eine Option, um den grünen Strom zwischenzuparken, sieht es mau aus. Bundesweit sind derzeit 30 Pumpspeicherkraftwerke in Betrieb, deren Turbinenleistung sich auf lediglich etwa 6700 MW summiert.

In dieser Dekade dürfte die Speicherleistung laut Bundesnetzagentur um vielleicht 2400 MW anwachsen. Davon entfällt mehr als die Hälfte auf das höchst umstrittene Projekt Atorf der Schluchseewerk, das ein gemeinsames Tochterunternehmen von RWE und EnBW ist, im Süden Baden-Württembergs. An neuen Stromspeichern führe also kein Weg vorbei, urteilten jüngst die Analysten von DB Research. Zumindest bei den Pumpspeicherkraftwerken ist einiges in Bewegung geraten, da mehrere Kommunalversorger die Planung solcher Projekte begonnen haben. Dazu gehören unter anderem die Stadtwerke aus Mainz, Trier oder Düsseldorf. Insbesondere das Stadtwerke-Netzwerk Trianel mit Sitz in Aachen ist mit gleich drei potenziellen Standorten in der Eifel, in Ostwestfalen-Lippe sowie in Thüringen vorgeprescht.

Bei Trianel haben die Überlegungen für ein eigenes Pumpspeicherkraftwerk Mitte 2009 und damit bereits weit vor dem Reaktorunglück in Fukushima begonnen, erzählt Projektleiter Markus Hakes: "Bei der rasant steigenden Wind- und Solareinspeisung war uns klar, dass es auf der Speicherseite einen Flaschenhals gibt."

Mit Hilfe eines Ingenieurbüros gingen die Rheinländer auf die Suche nach Standorten. "Unser Ziel war es dabei, wirtschaftlich vertretbare Standorte zu finden, die für eine Leistung von mindestens 100 MW bei einem sechsstündigen Betrieb geeignet sind", sagt Hakes. Das Ergebnis überraschte: "Es gibt bundesweit mehr geeignete Standorte, die über die notwendige Fallhöhe von 200 bis 300 Metern zwischen Ober- und Unterbecken verfügen, als wir gedacht haben."

Trianel rechnet mit Investitionskosten von 1000 Euro pro Kilowatt Leistung. Viel Geld, sagt Michael Ritzau. Der Geschäftsführer der BET Büro für Energiewirtschaft und Technische Planung in Aachen gehört hierzulande zu den anerkannten Kraftwerksexperten: "Niemand kann heute verlässlich prognostizieren, ob die Spreads im heutigen Marktdesign für neue Pumpspeicherkraftwerke ausreichende Investitionsanreize setzen. Auch die Regelenergiemärkte sind derzeit fundamental nicht wirklich erklärbar, weshalb die Investitionen mit einem unternehmerischen Risiko verbunden sind."

 Dass nun auch Stadtwerke Speicherkraftwerke planen, ist für Ritzau keine Überraschung: "Die Technik ist bekannt und hat sich seit mehr als 100 Jahren bewährt und ist derzeit nach wie vor die günstigste Speicheroption." Dass Trianel die dreistellige Millioneninvestition stemmen wird, zeichnet sich ab. 35 der 52 Netzwerk-Gesellschafter haben nach Angaben von Trianel-Geschäftsführer Sven Becker ihr Interesse an einem der Pumpspeicherwerk-Projekte bekundet und zusammen deutlich über 400 MW "gezeichnet".

Wenn alles optimal läuft, rechnet Becker mit einem Baubeschluss bis 2015: "Wichtig ist vor allem, dass wir bis Ende 2019 fertig sind. Nur dann werden wir von den Netznutzungsentgelten für den Strom befreit, der für den Betrieb der Speicherpumpen notwendig ist." Diese Befreiung sieht das Energiewirtschaftsgesetz für Speicheranlagen vor, die bis Ende 2019 entstehen.

Zum Kreis der potenziellen Bauherren eines Pumpspeicherkraftwerkes zählen auch die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Über 60 MW Leistung wollen sie im Blautal installieren. "Wir stehen kurz vor dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens", sagt Jürgen Schäffner, technischer Geschäftsführer der Tochter SWU-Energie. In dem kleinen Speichervorhaben sieht er einen "wichtigen regionalen Beitrag zur Versorgungssicherheit": "Auch bei uns im Südwesten wird in den kommenden Jahren die regenerative Stromeinspeisung kräftig ansteigen."

Schäffner ist optimistisch, dass der Start 2019 erfolgt. Nachdem ein erster Standort zu Bürgerprotesten geführt hatte, scheinen die Ulmer mit ihrem zweiten Vorstoß erfolgreicher zu sein: "Als Mediator haben wir das Öko-Institut Darmstadt eingeschaltet, um den Anwohnern sowohl die Ängste zu nehmen als auch die Notwendigkeit des Speichers näherzubringen.">

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Deutschland 8.4.2012: <Zögerlicher Räderwechsel: Veraltete Windräder verzögern Energiewende>

aus: Financial Times Deutschland online; 8.4.2012;
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:zoegerlicher-raederwechsel-veraltete-windraeder-verzoegern-energiewende/70019092.html
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:zoegerlicher-raederwechsel-veraltete-windraeder-verzoegern-energiewende/70019092.html?page=2

<Deutschland braucht mehr Energie aus Wind. Aber der Austausch alter gegen neue, leistungsstärkere Anlagen kommt nur schleppend voran. Er scheitert am Widerstand aus der Bevölkerung. 

von Jörg Iken
 
Noch vor zehn Jahren ungeliebt, inzwischen "everybodys darling": Die Windenergie gilt als Garant für das Gelingen der Energiewende. Große Finanzinvestoren, Energieversorger wie Politiker hätscheln und umwerben sie. Die neuen Liebhaber des Windstroms übersehen dabei aber eines: Die Zuneigung beschränkt sich in der Regel auf die aufregenden Großprojekte in Nord- und Ostsee: Offshore-Parks also, die mitten im Meer stehen.

 An Land, onshore, sieht es ganz anders aus. Hier kämpfen Bürgerinitiativen gegen die tatsächliche oder vermeintliche Verschandelung der Landschaft, gegen optische und akustische Verschmutzung. Ohne noch mehr Onshore-Windkraft von Flensburg bis Berchtesgaden ist die Energiewende aber nicht zu schaffen. Um die Akzeptanz der Bevölkerung nicht noch mehr zu strapazieren, müssen viele alte Windräder durch wenige, aber leistungsstärkere moderne Anlagen ersetzt werden. Nur mit diesem sogenannten "Repowering" der Onshore-Windräder können die Ausbauziele für die Windkraft erreicht werden. Das Repowering kommt aber nur langsam in Fahrt - zu langsam.

Bei einem Bestand von über 22.000 Windrädern mit einer Nennleistung von 30.000 Megawatt (MW) sind im vergangenen Jahr gerade einmal 238 MW mit 95 Windrädern durch Repowering dazugekommen. Rückgebaut haben die Betreiber 170 Altanlagen mit 123 MW. Der Saldo betrug also 75 Windräder. Immerhin war das zwar mehr als 2010, aber immer noch viel zu wenig.

Knapp 10.000 Windräder sind nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) jetzt über zwölf Jahre alt und kämen für ein Repowering in Frage. Die schwache Dynamik bereitet dem BWE einige Kopfschmerzen. "Seit einigen Jahren nimmt das Repowering leicht zu", bestätigt BWE-Präsident Hermann Albers. "Die vorhandenen Potenziale sind hier jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. Das heißt, dass das Repowering noch viel stärker anziehen müsste. Wir gehen jedoch davon aus, dass da in den nächsten Jahren einiges passiert."

Für die nahe Zukunft klingt das wenig optimistisch. Dabei ist der Nutzen des Repowering unbestritten. Der Ertrag steigt dank besserer Aerodynamik der Rotorblätter, größerer Nabenhöhe und effizienteren Maschinenbaus. Die Bewohner der Umgebung profitieren von den größeren Abständen der Windräder. Zudem ist die Optik laut Albers angenehmer: "Eine 500-Kilowatt-Anlage arbeitet mit 40 Umdrehungen pro Minute, eine heutige Drei-MW-Maschine mit etwa 14 Umdrehungen pro Minute."

Nicht zuletzt profitieren die Hersteller. Das vom BWE angestrebte Repowering von 1000 MW jährlich schafft für die deutschen Produzenten einen stabilen Heimatmarkt, und das sichert Arbeitsplätze.

Hohe HürdenEine besondere Rolle spielen die Gemeinden, die für die Genehmigungen der Windparks zuständig sind. Sie sitzen zwischen Baum und Borke: Einerseits lockt die Gewerbesteuer, andererseits wehren sich die Bürger gegen die "Verspargelung" ihrer Umgebung. Der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Rainer Timmermann, erklärte auf einer BWE-Tagung: "Die Kommunen stehen eindeutig hinter dem Repowering." Aber er sprach auch die oft jahrelangen juristischen Streitigkeiten mit Windparkentwicklern an, die die Kommunen in Atem hielten.

Als ernsthaftes Hindernis erweist sich die Höhenbegrenzung der Kommunen. "Die Begrenzung verhindert den technischen Fortschritt. Der Trend bei der durchschnittlichen Anlagengröße an Land geht in Richtung drei MW. Das bedeutet einen Rotordurchmesser von 100 Metern und mehr. Und da stoßen wir auf baurechtliche Grenzen, weil wir in vielen Fällen nicht über diese 100 Meter gehen dürfen", meint BWE-Präsident Albers.


Teil 2: Widerstand beim Repowering

 Jess Jessen hat sich jahrelang mit diesen Rahmenbedingungen herumgeschlagen. Er ist Geschäftsführer des Bürgerwindparks Galmsbüll in Nordfriesland. Ihm ist es gelungen, Alteigentümer, Gemeinde und Grundstücksbesitzer an einen Tisch zu bringen, um 34 ältere Windräder in Galmsbüll durch 18 moderne Anlagen mit jeweils 2 bis 3,6 MW zu ersetzen. "Es hat Jahre gedauert, bis jeder Alteigentümer zugestimmt hat", erinnert sich Jessen. Man sollte die Gemeinde unbedingt mit einbeziehen, rät er. Durch die Zusammenarbeit konnte die Höhenbegrenzung auf 140 Meter heraufgesetzt werden - das machte die Erneuerung dann erst richtig lukrativ.

Dass es bei Repowering innere Widerstände zu überwinden gibt, weiß auch Hans-Detlef Feddersen, Mitbegründer des Bürgerwindparks Lübke-Koog an der schleswig-holsteinischen Westküste. Zunächst sollten die Altanlagen modernen Zwei-MW-Rädern weichen. Das sei schwer zu vermitteln gewesen, sagt Feddersen. "Die Kredite waren noch nicht zurückgeführt, die Gesellschafter machten sich Sorgen um ihre Ausschüttung."

 Außerdem fiel vielen Altbetreibern das erneute Schuldenmachen schwer. Feddersen sah sich mit der alten Kaufmannsweisheit konfrontiert: Liquidität geht vor Rentabilität. Erst nach dem Versprechen, dass kein zusätzliches Eigenkapital erforderlich sei, konnte das Repowering-Projekt in Angriff genommen werden. Die Hausbank akzeptierte den Rückbau der Altturbinen vor Ende der Tilgung.

Spätestens, wenn die Betreiber die neuen Windanlagen beim Hersteller ordern, stellt sich die Frage: Wohin mit den Altanlagen? "Die waren gut verkäuflich", sagt Jessen, "die gingen nach Osteuropa". Was sich wie eine elegante Lösung anhört, ist heute zu einer weiteren Hürde geworden.

 Durch das Überangebot von neuen und preisgünstigen Windenergieanlagen sei der Gebrauchtmarkt fast zusammengebrochen, sagt Jessen. Die Altanlagen seien für den Schrottplatz eigentlich zu schade, denn die meisten hätten noch eine Betriebsdauer von zehn Jahren und mehr vor sich.

Das erhöht den inneren Widerstand gegen den Austausch der Räder. Gerade die meist bäuerlichen Betreiber der Pionierjahre vor 2000 hängen an ihrer "Mühle". Laut Umfrage des BWE will zwar über die Hälfte der Windradbetreiber bald repowern. Allerdings sagen auch 45 Prozent: Wir wollen die alten Anlagen weiter betreiben.>

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n-tv
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19.4.2012: Methan als Energiespeicher für Windräder - das Methan-Windrad

aus: n-tv online: In Zukunft ohne SchwankungenMethan soll Energie speichern; 19.4.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Methan-soll-Energie-speichern-article6064551.html

<Die Gewinnung von Wind- und Solarenergie ist mit großen Schwankungen verbunden, die bisher nicht zufriedenstellend ausgeräumt werden konnten. Nun startet ein Projekt, das Methan als Energiespeicher im Stromnetz zum Einsatz bringen will.

Münchner Forscher wollen zusammen mit großen Unternehmen aus Abgasen eine Art Energiespeicher gewinnen: Kohlendioxid aus Kraftwerken und überschüssiger Strom aus Solar- und Windparks sollen genutzt werden, um Methan herzustellen. Das Gas könnte dann direkt ins europäische Erdgasnetz gespeist werden. Zum Auftakt des Projekts an der Technischen Universität (TUM) stellten die Wissenschaftler die verschiedenen nötigen Verfahrensschritte und den Stand der Technik vor.

Das Verfahren ist zwar noch nicht effizient, aber es löst das Problem der großen Schwankungen im Stromnetz bei der Nutzung von Wind- und Solarenergie. Denn wenn keine Sonne scheint oder kein Wind weht, gibt es keine Energie, im Hochsommer bei strahlendem Sonnenschein oder an windigen Tagen hingegen gibt es Strom-Überschüsse, die bisher kaum genutzt werden können. Pumpspeicherkraftwerke sind zwar eine Lösung, jedoch aus naturschützerischer Sicht nicht unumstritten.

An dem mit 6,3 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium geförderten iC4-Projekt der TUM sind E.on, Linde, MAN, Siemens, Clariant, Wacker Chemie und das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik beteiligt.

Quelle: n-tv.de, dpa>


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Welt
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6.5.2012: <Energiewende: Schwimmende Windräder liefern Strom im Überfluss> - flexibel verankerte, schwimmende Plattformen in Sturmzonen mit Windrädern drauf

aus: Welt online; 6.5.2012;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article106260238/Schwimmende-Windraeder-liefern-Strom-im-Ueberfluss.html

<Auf hoher See wehen die stärksten Böen. Im Meer flexibel verankerte Plattformen werden mit Windrädern bestückt und sollen die Energie aus den Stürmen nutzen. Erste Anlagen sind bald einsatzbereit.

Von Daniel Hautmann

Einen kapitalen Brocken von mehr als 20.000 Tonnen will das norwegische Unternehmen Hexicon zu Wasser lassen. Die schwimmende Plattform besteht aus sechs Knotenpunkten, die mit massiven Streben verbunden sind. Darauf werden mehr als 30 Windräder platziert.

Damit die im Durchmesser fast einen halben Kilometer große Plattform nicht durch die See treibt, ist sie an Granit- oder Betonpfeiler gebunden, die am Meeresboden verankert sind.

Und sie sitzt auf einem Drehkopf, damit sie sich am Wind ausrichten kann. Das erhöht nicht nur die Ausbeute an Windenergie, es bewahrt auch vor Schäden durch zu starke Winde. Letztlich sollen die auf der Plattform montierten Rotoren mehr als 50 Megawatt Strom produzieren.

So könnten sie aussehen, die Windkraftanlagen der Zukunft: Sie stehen nicht mehr an Land oder in eher seichtem Gewässer wie in der Nordsee, sondern schwimmen auf hoher See.

In Japan sollen sieben Projekte umgesetzt werden, eine Anlage ist schon zu Wasser gelassen, eine größere mit zwei Megawatt folgt 2013. Auch Mitsubishi will sich an einem der Projekte beteiligen und 2017 eine Anlage schwimmen lassen.

Vor der Nordküste Spaniens ist ein 1,5-Megawatt-Windrad geplant. Der norwegische Konzern StatoilHydro will einen ganzen Park schwimmender Anlagen vor der Küste des US-Bundesstaates Maine installieren. Vier solcher Anlagen können zusammen zwölf Megawatt Strom erzeugen – weit draußen auf hoher See.

"Je tiefer das Wasser, desto stärker der Wind darüber", sagt Jochen Bard. Der Abteilungsleiter für Meeresenergienutzung beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel forscht daran, wie man Windkraftanlagen auf hoher See wirtschaftlich installieren kann.

Das geht nur über schwimmende Windräder, da sich im tiefen Wasser, über dem die starken Winde wehen, keine Gerüste auf dem Meeresboden errichten lassen, auf denen die Anlagen montiert werden.

Potenzial geht Richtung unendlich

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an der vielversprechenden Technik. "Das Potenzial durch die vorhandene Meeresoberfläche ist praktisch unendlich. Es ist um ein Vielfaches größer als der globale Energiebedarf", sagt John Olav Tande vom norwegischen Energy Research Centre (Sintef).

Rund um den Globus berechnen Regierungen, wie viel sauberen Strom sie vor ihren Küsten ernten und wie viel Kohlenstoffdioxid sie dadurch einsparen können.

Etwa 60 Prozent der Windkraft-Ressourcen der USA liegen jenseits der Küsten über mindestens 100 Meter tiefem Wasser. Auch Japans Küsten fallen steil ab, ebenso die vor Spanien, Portugal und Norwegen.

8000 Terawattstunden

Das nutzbare Potenzial in diesen umwehten Regionen weit draußen auf dem Meer ist bis zu drei Mal größer als in den Flachwasserzonen bis 50 Meter Tiefe. Allein in Europa, schätzt Bard, ließen sich pro Jahr etwa 8000 Terawattstunden ernten. Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch der gesamten E-Länder betrug 2010 etwa 3500 Terawattstunden.

Doch eine viele Hundert Tonnen schwere Windkraftanlage, bei der sich ein 130 Meter großer Rotor dreht und gegen die Wind und Wellen drücken, sturmsicher auf dem Wasser schwimmen zu lassen, ist eine große technische Herausforderung.

Die Maschinen tanzen mit den Wellen und wanken mit dem Wind. Öle im Getriebe und Kühlflüssigkeiten schwappen umher. Auf der Suche nach der idealen Lösung kristallisieren sich drei Schwimmertypen heraus.

Tanzender Turm

Das Spar-Buoy-Konzept ist das Material sparendste. Es sieht einen großen, hohlen Stahlzylinder vor, der als Schwimmer und Turm dient. Genau wie ein Eisberg reicht er weiter unter Wasser als in den Himmel. An seinem tiefsten Punkt ist er mit Ballast gefüllt, so wandert der Schwerpunkt weit hinunter.

Spar-Buoys liegen selbst bei starkem Wellengang stabil in der See. Horizontale Ausschläge sind gering, doch je nach Verankerungsart bewegen sie sich "bis zu 20 Meter" in vertikaler Richtung, wie Bard sagt.

Problematisch ist der immense Tiefgang. Damit sind nur Standorte mit etwa 200 Meter Wassertiefe erschließbar. Auch das Installieren des Turms und der Anlage ist aufwendig, schließlich muss der Turm liegend aufs Meer geschleppt, geflutet, gekippt und schließlich verankert werden. Dann erst montieren Techniker das Windrad.

Das Unternehmen Sway aus Norwegen hatte bereits einen Prototypen im Maßstab 1:6 zu Wasser gebracht. Der aber ist gesunken. Grund ist nicht eine Fehlkonstruktion, sondern die für vier Meter hohe Wellen zu geringe Höhe des Schwimmers, der die Anlage über Wasser halten sollte. Er lief im Modell voll. Derzeit lässt Sway einen weiteren Prototyp zu Wasser, um die Funktionsfähigkeit zu demonstrieren.

Schwebende Plattform

Die Tension-Leg-Plattform eignet sich für Wassertiefen von 50 bis 200 Metern. Ein meist zylindrischer Auftriebskörper wird von straff gespannten Ketten oder Seilen leicht unter Wasser gezogen und auf gleicher Position gehalten.

Die Ketten finden entweder direkt am Meersboden oder an einem schweren Gegengewicht Halt, das nach Angaben Bards "etwa 1000 bis 1500 Tonnen schwer ist". So liegt die Plattform samt Windrad fest vor Anker. Die Halteketten sind in starker See enormen Kräften ausgesetzt.

Das niederländische Unternehmen Blue-H setzte diesen Typ schon 2007 vor der italienischen Küste ins 113 Meter tiefem Wasser ein. Da das Windrad jedoch nie lief, fehlen Erfahrungswerte.

Tauchende Plattform

Halbtaucher-Plattformen werden bereits an einem Prototyp vor Portugal erforscht. Die Plattform, meist ein dreieckiges Stahlgerüst mit senkrecht stehenden Zylindern, eignet sich ebenfalls für Tiefen bis 200 Meter. Unten sind große Platten angeschweißt, um vertikale Bewegungen zu hemmen. Die Anlage lässt sich an Land in einem Trockendock aufbauen – ein großer Vorteil gegenüber den anderen Konzepten.

Auch das Windrad installieren und testen Techniker vorab. Anschließend wird das Dock geflutet und die Anlage auf See geschleppt. Am Aufstellungsort angekommen, nehmen Ingenieure den Schwimmer an die Leine. So lassen sich defekte Maschinen bequem im Dock reparieren.

"Es ist zu früh, ein Gewinner-Konzept auszurufen", sagt Sintef-Forscher Tande. Als Treiber der schwimmenden Windkraft gilt jedoch Hywind. Das Projekt basiert auf einem Spar-Buoy-Konzept.

Statoils Testanlage ist bereits seit September 2009 in Betrieb. Zwölf Kilometer vor der Südwestküste Norwegens schwebt die Maschine im Atlantik. Sie reicht 100 Meter in die Tiefe, drei am Meeresboden befestigte und locker gespannte Seile halten sie auf Position.

Ganz unten ist die Boje mit insgesamt 3000 Tonnen schwerem Wasser und Steinen befüllt, um den Schwerpunkt weit unten zu halten. Aus dem Meer ragt der Turm 65 Meter hoch, und oben thront ein 2,3 Megawatt starkes Siemens-Windrad.

82 Meter Durchmesser

Allein die Gondel samt Rotor, der einen Durchmesser von 82 Metern hat, wiegt 138 Tonnen. Bard bezeichnet das Projekt, in das mittlerweile etwa 50 Millionen Euro flossen, als "Meilenstein".

Auch Siemens zeigt sich optimistisch: "Allein im Jahr 2011 hat Hywind 10,1 Gigawattstunden Strom geliefert. Eine Anlage an einem guten Landstandort kommt gerade auf sechs Gigawattstunden", sagt Per Egedal, Abteilungsleiter Technologie bei Siemens Wind Power.

Erste Schwimmversuche macht gerade auch Windfloat, ein Projekt von Energias de Portugal. Der Energiekonzern hat sich von Principle Power einen Schwimmkörper bauen lassen und darauf ein Zwei-Megawatt-Windrad des dänischen Herstellers Vestas montiert.

Windfloat wurde im Herbst vergangenen Jahres fünf Kilometer vor der Küste Portugals in etwa 45 Meter Tiefe verankert. Zum Einsatz kommt ein Halbtaucher, der für Tiefen um die 50 Meter konzipiert ist.

Ingenieure haben die Anlage in einem Trockendock aufgebaut und dann samt Windrad aufs Meer geschleppt. Die Halteseile waren bereits am Grund befestigt. So lassen sich Windräder nach dem Plug-and-play-Prinzip schnell und ohne großen Aufwand installieren.

1200-Tonnen-Koloss

Im Vergleich zur Spar-Buoy, die 100 Meter Tiefgang hat, ragt Windfloat nur etwa 20 Meter tief unter die Oberfläche. Der 1200-Tonnen-Koloss weist allerdings eine Besonderheit auf: Das Windrad ist nicht mittig, sondern auf einem der drei senkrecht stehenden Zylinder installiert.

Damit die Turbine unter Last nicht wegkippt, sondern stets im Idealwinkel zum Wind steht, hält ein aktives Ausgleichssystem es in Position. Im Innern der drei je acht Meter dicken Stahlzylinder sind Kammern eingerichtet, zwischen denen je nach Schräglage bis zu 100 Tonnen Wasser hin und her gepumpt werden.

Das hat allerdings den großen Nachteil, dass ein Teil der gerade gewonnenen Energie schon wieder verbraucht wird.>

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Financial
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23.5.2012: <Forschung zur Energiewende: Windparks werden zu Lebensraum für Tiere> - z.B. der Taschenkrebs

aus: Financial Times Deutschland online; 23.5.2012;
http://www.ftd.de/wissen/natur/:forschung-zur-energiewende-windparks-werden-zu-lebensraum-fuer-tiere/70041074.html

<Deutschland sieht sich als Vorreiter der Energiewende. Welche Auswirkungen etwa Hochseewindparks auf Tiere haben, untersuchen Forscher in einem Testfeld. Sie stellen fest: Taschenkrebse lieben Windparks. Doch Naturschützer warnen vor zu viel Euphorie.


von Iris Leithold
und Stephan Scheuer

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um eine Linie in der Energiepolitik ringt, lobt eine Untersuchung Windparks als neue Lebensräume für ganze Tiergemeinschaften. Die Fundamente werden von Muscheln besiedelt, Samtkrabbe und Taschenkrebs fühlen sich dort ebenfalls wohl. Das sind erste Ergebnisse ökologischer Untersuchungen in Deutschlands erstem Offshore-Windpark "Alpha Ventus" in der Nordsee, die Anika Beiersdorf vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie beim 22. Meeresumwelt-Symposium in Hamburg vorstellte. Demnach haben Taucher im Windpark ein 1000-fach erhöhtes Vorkommen des Taschenkrebses gefunden. "Alpha Ventus" mit 12 Windanlagen wurde 2009 errichtet und ging 2010 in Betrieb.
Umweltschützer sehen die Untersuchung jedoch kritisch. "Die Studie ist sehr einseitig", sagte Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Mehr Taschenkrebse seien nicht per se ein positives Signal, mahnte der Meeresbiologe. "Wir wissen nicht, ob dadurch andere Arten verdrängt werden." Der Nabu selbst unternehme allerdings keine eigenen Erhebungen an Hochsee-Windparks. Insgesamt sei es jedoch zu begrüßen, dass in den Gebieten der Parks Naturschutzgebiete eingerichtet würden. Sonst könnten dort Fischer den Tieren mit den besonders schädlichen Bodenschleppnetzen schaden.

Die Sorgen von Naturschützern, Offshore-Windparks könnten den Vogelzug behindern und zur Todesfalle werden, haben sich Beiersdorf zufolge bislang nicht bestätigt. Die Vögel scheinen demnach zu erkennen, ob sich die Windräder drehen oder nicht. Drehen sich die Rotoren, wichen die Vögel aus, sagte Beiersdorf. Eine Meidung des Windparks oder großräumige Ausweichmanöver beim Vogelzug haben die Wissenschaftler bislang nicht beobachtet. Totfunde von Vögeln auf den Anlagen seien selten.
Ähnliche Ergebnisse hatte auch ein Bericht des Umweltbundesamtes geliefert. Darin hatten Experten die dänischen Windparks "Horns Rev" und "Nysted" mit Radar und Infrarotkameras untersucht. "Die Untersuchungen zeigen, dass Vögel tags und nachts auf den Windpark reagieren und ihm ausweichen. Direkte Kollisionen wurden nicht beobachtet", heißt es in dem Bericht von 2008.

Auch für Wale "kein Problem"

Für Schweinswale ist der Betrieb der Anlagen Beiersdorfs Forschungsergebnissen zufolge ebenfalls kein Problem. Die Betriebsgeräusche seien nur bis in eine Entfernung von maximal 100 Metern von den Meeressäugern zu hören. Problematisch sei jedoch das Einrammen der Fundamente in den Meeresgrund. Untersuchungen belegten, dass Schweinswale während der schallintensiven Bauarbeiten das Areal weiträumig bis auf 20 Kilometer Entfernung meiden.

Maßnahmen zur Schallreduzierung beim Rammen - dabei werden in der Regel "Vorhänge" aus Luftblasen unter Wasser erzeugt - sind kaum ausgereift, wie bei der Tagung deutlich wurde. Weitere Forschungen seien nötig, zumal die Pfähle immer größer und damit die Rammgeräusche immer lauter würden, sagte Michael Bellmann vom Institut für technische und angewandte Physik Oldenburg.

Der dänische Unternehmer Kurt Thomsen aus Tranbjerg betonte hingegen, es gebe ausgereifte Verfahren. So wende sein auf Offshore-Anlagen spezialisiertes Unternehmen die sogenannte Kofferdamm-Methode an. Dabei werde der Pfahl in einem Stahlrohr mit größerem Durchmesser in den Meeresboden gerammt. Ein großer Teil des Schalls werde durch die Luft im Stahlrohr nach oben abgeleitet.

Bei dem zweitägigen Symposium diskutierten bis Mittwoch rund 400 Wissenschaftler und Behördenvertreter über aktuelle Probleme des Schutzes der Meere angesichts der zunehmenden Nutzung. Veranstalter des Meeeresumwelt-Symposiums 2012 ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

dpa>

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Basler
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27.5.2012: <Die Windräder lernen schwimmen> - die Entwicklung von schwimmenden Windrädern nimmt Formen an

aus: Basler Zeitung online
http://bazonline.com/wissen/technik/Die-Windraeder-lernen-schwimmen/story/24501220

<Von Daniel Hautmann.

Auf offener See ist das Wasser fast überall so tief, dass sich das riesige Potenzial an Windkraft nur mit schwimmenden Maschinen nutzen lässt. Eifrig arbeiten Forscher an verschiedenen Prototypen.

Es war zwei Uhr morgens, als Sway in den Fluten verschwand. Der Orkan Berit peitschte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 Kilometern pro Stunde über den Atlantik vor Norwegen. Selbst im geschützten Hjeltefjorden, in der Nähe von Bergen, wütete Berit derart, dass Sway, der gerade erst installierte Prototyp einer schwimmenden Windkraftanlage, kenterte und unterging.

Verloren ist Sway aber nicht. Im Gegenteil. «Im April wird die Anlage wieder im Wasser sein», sagt Michal Forland. Der Sway-Geschäftsführer erklärt, dass Berit mit sechs Meter hohen Wellen der Anlage zusetzte – zu stark für den kleinen Prototyp im Massstab 1:6. Forland ist überzeugt: «Der Anlage in Originalgrösse hätte der Orkan nichts anhaben können. Die hält bis zu 40 Meter hohen Wellen stand.»Und der Prototyp hat den ungewollten Tauchgang zumindest gut überstanden. «Die Struktur ist nicht beschädigt, lediglich die Elektronikkomponenten müssen ersetzt werden», sagt Forland. Zu den abgesoffenen Elektronikkomponenten zählen auch eine ganze Reihe von Instrumenten, die das National Renewable Energy Laboratory (NREL) beigesteuert hatte, das in Golden im US-Bundesstaat Colorado beheimatet ist.

Die Amerikaner interessieren sich brennend für die schwimmende Windkraft, schliesslich ist ihr Land auf beiden Seiten von Ozeanen eingerahmt. Zu den Messgeräten, die von einem NREL-Team am Sway-Windrad angebracht wurden, zählen Beschleunigungs-, Wellen- und Windsensoren. Von den aufgezeichneten Daten erhofft sich das Institut Rückschlüsse darauf, wie sich solche Turbinen bewegen.

«Je tiefer das Wasser, desto stärker der Wind darüber»

Weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen mit Druck an der vielversprechenden Technik. Die Windausbeute auf See stösst auf immer grösseres Interesse. Testreihen und Berechnungen des NREL haben ergeben, dass allein das Potenzial in den Vereinigten Staaten über 900 Gigawatt beträgt – und damit grösser ist als die gesamte installierte Kraftwerksleistung der USA. Doch 98,5 Prozent aller Windräder weltweit standen Ende 2010 an Land.

Das Verhältnis wird sich ändern, da ist sich John Olav Tande von der norwegischen Stiftung für wissenschaftliche und industrielle Forschung (Sintef) sicher. «Das Potenzial durch die vorhandene Meeresoberfläche ist praktisch unendlich. Es ist um ein Vielfaches grösser als der globale Energiebedarf», sagt Tande.

Das grosse Problem beim Hochsee-Windfang ist die Wassertiefe. Fast überall ist das Wasser so tief, dass die Windernte nur mit schwimmenden Plattformen möglich wird. 61 Prozent der amerikanischen Offshore-Ressourcen zum Beispiel liegen über Wassertiefen von mehr als 100 Metern. Japans Küsten sind ebenfalls steil, und in Europa sind Teile des Mittelmeers und der Atlantik vor Norwegen tief. Hier fällt der Meeresboden bis zu 700 Meter ab. Und das ist gut, denn: «Je tiefer das Wasser, desto stärker der Wind darüber.» Von dieser Faustformel ist Jochen Bard vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik überzeugt.

Das nutzbare Potenzial ist Brands Berechnungen zufolge im bis zu 200 Meter tiefen Wasser bis zu dreimal höher als in den Flachwasserzonen bis 50 Meter Tiefe. Allein in Europa, schätzt er, liessen sich pro Jahr rund 8000 Terawattstunden (TWh) ernten. Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch der gesamten EU betrug im Jahr 2010 rund 3500 TWh. Schwimmplattformen sollen es ermöglichen, diese Ressourcen zu erschliessen. Eine viele Hundert Tonnen schwere Windkraftanlage, an der sich ein 130 Meter grosser Rotor dreht und gegen die gleichzeitig Wind und Wellen drücken, auf dem Wasser so schwimmen zu lassen – das ist eine riesige Herausforderung. Die Maschinen tanzen mit den Wellen und wanken mit dem Wind. Öle im Getriebe und Kühlflüssigkeiten schwappen umher. Wie auf einem Schiff fliegt alles, was nicht festgeschraubt ist, durch die Luft.

Doch es gibt Möglichkeiten, selbst im stärksten Sturm die Ruhe zu bewahren. Die Lösungsansätze, die derzeit ausprobiert werden, stammen alle aus der Öl- und Gasindustrie, die seit Jahrzehnten schwere Bauwerke in stürmischer See errichtet. Genau wie bei den Offshore-Windrädern heute wurden auch diese Förderplattformen in den Anfangsjahren mittels gigantisch grosser Gerüste auf dem Meeresgrund verankert. Das hat sich gehörig geändert: Heute gibt es praktisch nur noch schwimmende Plattformen. Die sind, speziell im tiefen Wasser, weit günstiger. Aber genauso fest. Da erscheint es nur logisch, dass auch Windräder in Zukunft auf schwimmenden Fundamenten stehen sollen.

«Es ist zu früh, ein Gewinnerkonzept auszurufen», sagt Tande. Klar ist: Schwimmende Windräder bieten eine Reihe von Vorzügen, etwa die raschere Installation als bei Turbinen mit Bodenhaftung. Auch sind weniger spezielle Errichterschiffe und weniger aufwendige Unterwasser-Rammarbeiten nötig. Und natürlich ist da die höhere Windausbeute, welche allfällige höhere Kosten wettmacht. Dafür bieten sich neue Herausforderungen. Allen voran die Anlagendynamik. Dabei könnte genau diese Dynamik letztlich ein grosser Vorteil sein.

Testanlage in Originalgrösse

Als Treiber der schwimmenden Windkraft gilt Hywind: Die Testanlage in Originalgrösse, die dem norwegischen Energiekonzern Statoil gehört, ist bereits seit September 2009 in Betrieb. Dass sie auch Orkane übersteht, hat sie spätestens bei Berit bewiesen. Zwölf Kilometer vor der Südwestküste Norwegens schwebt die Maschine im Atlantik, der hier 220 Meter tief ist. Die Spar-Boje reicht 100 Meter in die Tiefe, drei locker gespannte Seile, die am Meeresboden befestigt sind, halten sie auf Position.

Die Boje ist mit Wasser und Steinen gefüllt, insgesamt 3000 Tonnen, um den Schwerpunkt weit unten zu halten. Der Turm ragt 65 Meter aus dem Meer. Oben thront ein 2,3 MW starkes Siemens-Windrad. Allein die Gondel samt Rotorblättern, die einen Durchmesser von 82 Metern haben, wiegt 138 Tonnen. Jochen Bard bezeichnet das Projekt, in das bis heute rund 50 Millionen Euro geflossen sind, als «Meilenstein». Gelernt haben die Siemens-Ingenieure am Projekt vor allem, «dass schwimmende Windräder genauso gebaut und betrieben werden können wie Turbinen auf fest stehenden Fundamenten – vorausgesetzt, man hat die Bewegungen der Anlage im Griff», wie Per Egedal von Siemens Wind Power sagt. Siemens hat schnell erkannt, dass die Maschine auf See mit der Originalsteuerung Probleme bekommt. Die schaukelnde Anlage schaukelt der Steuerung nämlich falsche Werte vor: Schwingt das Maschinenhaus nach vorne, steigt die Windgeschwindigkeit. Federt sie zurück, sinkt die Windgeschwindigkeit. Warum? Weil die Messgeräte auf der Gondel installiert sind und durch die Bewegung Fahrtwind abbekommen oder gebremst werden.

Die Steuerung will das ausgleichen und dreht die Flügel in oder aus dem Wind. Mit der Folge, dass alles durcheinandergerät. Durch die Zeitverzögerung und das gemächliche Schwingen, etwa 30 bis 40 Sekunden dauert ein Durchgang, stehen die Flügel mit voller Fläche im Wind, wenn die Anlage in den Wind schwingt – und umgekehrt. Per Egedal vergleicht die behäbige Dynamik eines schwimmenden Windrads mit der eines Schiffs. Seine Idee: «Wir brauchen eine gedämpfte Anlagensteuerung.» Egedal und sein Team messen mit Bewegungs- und Beschleunigungssensoren in der Gondel, wie stark sich diese bewegt. Diese Werte fliessen in Echtzeit in die Steuerung ein und korrigieren die Umdrehungsgeschwindigkeit des Rotors nach oben oder unten. So haben die Flügel mehr oder weniger Zeit, um ihren Anstellwinkel anzupassen. Wenn es nach Per Egedal geht, dann kann die Ära der schwimmenden Windkraft beginnen.

(Tages-Anzeiger)>

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