9.7.2025: Tapinoma-Ameise breitet sich im
Kanton Basel-Land aus: Baselland: Invasive Ameise breitet sich aus!
https://www.nau.ch/news/schweiz/baselland-invasive-ameise-breitet-sich-aus-67016259
Ines Biedenkapp - Muttenz - Die invasive
Tapinoma-Ameise sorgt in Böckten und Muttenz
für Aufruhr. Mit Heisswasser und Insektiziden
will man sich einer Ausbreitung
entgegenstemmen.
Die invasive mediterrane
Tapinoma-Ameise breitet sich im Kanton Baselland
aus.
Es gibt zwei bestätigte
Befallsherde in Böckten und Muttenz.
Nun wird nach Methoden
gesucht, wie man die Störenfriede wieder
loswird.
Seit zwei Jahren gibt es auffällig viele Ameisen
vor dem Haus einer Anwohnerin in Böckten BL.
Dies erzählt die ältere Frau «Baseljetzt».
Bei den kleinen Tieren um ihr Haus handelt es
sich um die mediterrane Tapinoma-Ameise. Sie
können mit unterirdischen Tunnelsystemen etwa
Stromkästen und Trottoirs beschädigen. «Ich habe
Albträume», sagt die Frau dem Portal.
Tapinoma-Ameise
Die Tapinoma-Ameise lebt in riesigen Kolonien.
(Symbolbild) - keystone
In Deutschland und im Kanton Zürich wurden
bereits grossflächige Befallsherde entdeckt. Im
Kanton Baselland sind nun zwei Befallsstellen
bekannt: eine in Böckten, die andere in Muttenz.
Suche nach nachhaltigen Methoden
Gabriel Stebler, Leiter Ressort Störfallvorsorge
und Chemikalien beim Kanton Baselland, hat noch
wenig Erfahrung mit der Bekämpfung der
Tapinoma-Ameise.
Wasserstrahl zur Bekämpfung
Heisses Wasser hat sich als gute Methode
erwiesen, die riesigen Nester der
Tapinoma-Ameise zu verkleinern. (Symbolbild) -
keystone
In Deutschland etwa reinigt man die Nester mit
heissem Wasser. Bei dieser Methode werden keine
schädlichen Gifte eingesetzt.
In Böckten setzt Gemeindearbeiter Michael
Armbruster die Methode mit Unterstützung einer
externen Firma um. Dabei zeigt sich: Die Kolonie
erstreckt sich über mehrere hundert Meter
entlang der Strasse.
Komplett ausrotten lässt sich das Problem jedoch
mit heissem Wasser wohl nicht, sagt Stebler zu
«Baseljetzt».
Kombination von Heisswasser und Insektizid
wahrscheinlich
Die Baselbieter Behörden bleiben daher verhalten
optimistisch. Die Beispiele aus Deutschland
zeigten zumindest, dass man die Population
zumindest merklich reduzieren konnte.
Heimische Ameise
Die mediterrane Tapinoma-Ameise verdrängt die
hier gezeigte heimische Ameise. (Symbolbild) -
keystone
«Wahrscheinlich wird es auf eine kombinierte
Methode mit dem punktuellen Einsatz von
Insektiziden hinauslaufen», erklärt Stebler.
Bedrohung für die Artenvielfalt
Ein Gemeindevertreter aus Muttenz beobachtet das
Vorgehen, um möglicherweise ähnliche Massnahmen
zu ergreifen.
Findest du Insekten faszinierend?
Die Tapinoma-Ameisen sind zwar für den Menschen
harmlos, sie bedrohen jedoch das einheimische
Ökosystem. Aufgrund ihres räuberischen
Verhaltens verdrängen sie nämlich die heimischen
Ameisenarten.
Ameisen haben in medizinischer Hinsicht einiges
zu bieten, sie produzieren Antibiotika,
desinfizieren Wunden und operieren sogar
Artgenossen: Verletzte Beine werden automatisch
amputiert – als Prophylaxe gegen Infektionen.
Medizinische Arbeitsgeräte haben Ameisen natürlich
keine – brauchen sie auch nicht. Denn ihre Kiefer
sind Multifunktionswerkzeuge. Schere, Waffe und
nicht zuletzt Skalpell, wie jetzt der deutsche
Biologe Erik Frank in einer Studie nachweist. Er
hat bei afrikanischen Campanotus-Ameisen
beobachtet, dass diese mit ihren Kieferscheren
auch Operationen vornehmen, genauer: Beine
amputieren, die sie „an der Schulter
praktisch abbeißen.“ (siehe Video)
Ähnliche Beobachtungen hatte das Team von der Uni
Würzburg bereits letztes Jahr gemacht. Nun haben
die Forscher und Forscherinnen die Hintergründe
des Verhaltens geklärt. Durch die Amputationen
werden Infektionen vermieden, bevor sie sich im
Körper ausbreiten können, sagt Frank gegenüber ORF
Wissen. „Es wird immer sofort das Bein amputiert.
Prophylaktisch. Um auf Nummer Sicher zu gehen,
falls die Wunde infiziert war. Damit die Ameise
nicht stirbt.“
Wie läuft man mit fünf Beinen?
Safety first im Ameisenstaat. Nach ein paar
Minuten ist das Bein ab. Dahinter steckt auch eine
Kosten-Nutzen-Rechnung. Zwar bestehen
Ameisenkolonien aus vielen Tausend, manchmal sogar
aus Millionen Individuen – bei der nun
untersuchten Art, Camponotus maculatus, tragen
allerdings zehn bis zwanzig Prozent der
Arbeiterinnen Verletzungen am Körper. Es macht
also für den Insektenstaat einen großen
energetischen Unterschied, ob man die Verletzten
rettet oder nicht.
Operation: Ameise beißt Artgenossin das Bein ab
Bart Zijlstra, UNIL
Operation: Die verletzten Ameisen kooperieren
„bereitwillig“, sagt Erik Frank.
Aus Sicht der Ameise stellt sich die Frage: Wie
kann die eigentlich noch laufen, wenn ein Bein
fehlt? Wenn eines der sechs verloren gehe, so
Frank, könne das die Ameise noch sehr gut
kompensieren. In den ersten 24 Stunden nach einer
Amputation bewege sich die Ameise „ungefähr 30, 40
Prozent langsamer, weil sie noch lernt, wie sie
mit fünf Beinen laufen kann. Aber nach einem Tag
läuft die verletzte Ameise praktisch schon genauso
schnell wie eine gesunde.“
Dem Menschen nicht unähnlich
Medizinisch wirken die Amputationen durchdacht,
obwohl Ameisen mit größter Wahrscheinlichkeit ihr
Verhalten nicht reflektieren. Intelligentes
Verhalten lässt sich offenbar auch mit winzigen
Gehirnen bewerkstelligen. „Ameisen überraschen uns
mit ihrem Verhalten immer wieder“, sagt Frank, der
die Akutversorgung im Ameisenstaat schon seit
Jahren untersucht. Ähnliche Verhaltensweisen gebe
es – trotz der Unterschiede im Gehirnvolumen –
auch bei uns Menschen.
„Ich nehme immer gerne dieses Beispiel: Wenn ich
mich am Finger schneide, werde ich automatisch den
Finger in den Mund nehmen und meinen Speichel
auftragen. Da denke ich nicht daran, dass sich im
Speichel antimikrobielle Proteine befinden, die
Krankheitserreger bekämpfen und gegen Infektionen
wirken. Ich tue es einfach.“ Ein rein instinktives
Verhalten, das im Laufe der Evolution entstanden
sei – genauso wie das der Ameisen.
Robert Czepel, ORF Wissen
Der Beitrag begleitet die Sendung
„Ö1-Mittagsjournal“, 28. Oktober 2025.
Eine seltene,
in Japan lebende Ameisenart verzichtet einer
Studie zufolge vollständig auf Männchen und
Arbeiterinnen. Diese Verhaltensweise sei
bisher von keiner anderen Ameisenart bekannt,
teilte die Universität Regensburg in
Deutschland mit.
Online seit heute,
13.07 Uhr
Teilen
Diese „spektakuläre Entdeckung“ bei der Art Temnothorax
kinomurai ist das Ergebnis eines
japanisch-deutschen Forschungsteams. Die Studie zeige,
dass Königinnen dieser Ameisenart zunächst
Ameisenstaaten der verwandten Art Temnothorax
makora überfallen.
Sie töten deren jeweilige Königin und einige
Arbeiterinnen, übernehmen deren kleinen Staat
und legen unbefruchtete Eier ab. Diese werden
von den restlichen Arbeiterinnen des
überfallenen Staates ausschließlich zu neuen
Königinnen der Art Temnothorax kinomurai
aufgezogen.
Nest mit mehreren
hellbraunen, geflügelten Jungköniginnen von
T. kinomurai, dunkelbraunen
Wirtsarbeiterinnen der Art T. makora und
Brut
Möglich macht dies die sogenannte
Jungfernzeugung, bei der sich aus
unbefruchteten Eiern Nachkommen entwickeln. Temnothorax
kinomurai ist damit die erste bekannte
Ameisenart, bei der es weder Arbeiterinnen
noch Männchen gibt, wie das Forschungsteam im
Fachjournal „Current Biology“ berichtet.
Besonders seltene Art
Das Grundschema bei Ameisen sei, wie bei den
meisten anderen Tierarten auch, dass es zwei
Geschlechter gibt – Weibchen und Männchen, so
der Zoologe Jürgen Heinze.
Bei den weiblichen Tieren gibt es demnach
Königinnen, die für Paarung und Fortpflanzung
zuständig sind, und Arbeiterinnen, die alle
anderen Tätigkeiten im Staat übernehmen. Die
Männchen sterben nach der Paarung. Ihr Sperma
werde aber von der Königin zeitlebens genutzt,
um Eier zu befruchten.
Manche parasitische Ameisenarten hätten die
Arbeiterinnenkaste verloren – nicht aber die
Männchen. Die Königin dringe in Nester anderer
Arten ein, um die dortigen Arbeiterinnen für
sich arbeiten zu lassen. Bei einigen wenigen
Gruppen vermehren sich laut Studie weibliche
Tiere ohne Männchen durch Parthenogenese und
hätten noch eigene Arbeiterinnen.
Die Besonderheit der Temnothorax
kinomurai habe der japanische
Ameisenforscher – und Namensgeber – Kyoichi
Kinomura aufgrund seiner Beobachtungen schon
lange vermutet, wie die Universität Regensburg
mitteilt. Jedoch habe die extreme Seltenheit
dieser in Eicheln in Japan lebenden Art es
schwierig gemacht, exakte Daten zur
Brutproduktion zu erheben. Durch gezielte
Aufzuchtversuche mit in Japan gefundenen
Kolonien sei seine Vermutung jetzt bestätigt
worden.