Abwärme nutzen in Volketswil (Schweiz) am
13.9.2025: Unternehmen "Energie 360º" verwandelt Abwärme
in Fernwärme - und das Krafwerk ("Energiezentrale") ist
aus Pflanzenkohlen-Beton gebaut:
Dank Pflanzenkohlen-Beton werden Hunderte Tonnen CO₂
gespeichert: Diese Energiezentrale neutralisiert schon
beim Bau Emissionen
https://www.blick.ch/wirtschaft/dank-pflanzenkohlen-beton-werden-hunderte-tonnen-co-gespeichert-diese-energiezentrale-neutralisiert-schon-beim-bau-emissionen-id21214065.html
Fototexte:
André Ress, Projektleiter der Energiezentrale von Energie
360° in Volketswil.
Die Energiezentrale in Volketswil liefert nachhaltige
Fernwärme – und ist selbst CO₂-neutral.
Der Artikel:
Das Unternehmen Energie 360° verwandelt die Abwärme aus
dem künftigen Rechenzentrum in Volketswil ZH in Energie
für tausende Haushalte – dank einer nachhaltigen
Energiezentrale aus speziellem, CO₂-neutralem Beton.
Dieses Projekt hat Vorzeigecharakter: Im zürcherischen
Volketswil entsteht derzeit ein Gebäude, das aufgrund seiner
Betonbauweise selbst nachhaltig ist – und auch nachhaltigen
Energie liefert. Konkret baut das Unternehmen Energie 360°
eine Energiezentrale, die die Abwärme des benachbarten
Rechenzentrums von Vantage Data Centers nutzt, um die
umliegenden Gemeinden mit Fernwärme zu versorgen. Abwärme,
die wegen der laufenden Server entsteht, aber in vielen
Fällen ungenutzt bleibt.
Nicht so in diesem Projekt: Schon ab 2026 werden die ersten
Haushalte beliefert, schlussendlich wird das Fernwärmenetz
dann über 7000 Haushalte der zürcherischen Gemeinden
Volketswil, Greifensee, Schwerzenbach und Effretikon mit
CO₂-neutraler Energie versorgen. Auch Uster prüft gemeinsam
mit Energie 360° diese Möglichkeit. Durch den Ersatz
zahlreicher fossiler Heizungen lassen sich jährlich rund
24’000 Tonnen CO₂ einsparen.
Klimafreundliche Fernwärme
Aber auch in Bezug auf Komfort ist die CO₂-neutrale
Fernwärme ein Gewinn, wie Projektleiter André Ress von
Energie 360° erklärt: «Die Leute in der Region können sich
auf eine Energieversorgung ohne Unterbrüche verlassen. Zudem
lässt sich der frei gewordene Platz im Keller für einen
Hobbyraum oder Ähnliches nutzen.»
Damit die Kundinnen und Kunden möglichst bald von Fernwärme
aus dem Energieverbund Volketswil profitieren, realisiert
Energie 360° zurzeit das klimafreundliche Herzstück der
Anlage: die Energiezentrale. Diese macht die Nutzung der
Abwärme des Rechenzentrums überhaupt möglich. Dabei speist
das Rechenzentrum seine Abwärme in Form von Wasser
schliesslich in die Energiezentrale ein. Dort erhöhen
Wärmepumpen die Temperatur von rund 30 auf 70 bis 75 Grad
und leiten die Energie dann direkt zu den Haushalten.
Beton als CO₂-Speicher
«Nicht nur die erzeugte Fernwärme, sondern auch das geplante
Gebäude ist nachhaltig», erklärt der Projektleiter der
Energiezentrale Volketswil weiter. Denn: Für den Bau setzt
Energie 360° auf CO₂-neutralen Beton von KLARK. Dieser
besteht nebst den herkömmlichen, sehr regional verfügbaren
Bestandteilen aus zu KLARK-Kohlenstoff veredelter
Pflanzenkohle. Der Clou? Mittels eines speziellen
Umwandlungsprozesses ohne Sauerstoff, der Pyrolyse, wird
Restholz auf 400 bis 700 Grad thermisch erhitzt. Dabei
zersetzt es sich, und es entsteht ein kohlenstoffreicher
Rückstand: die Pflanzenkohle. Veredelt man diese und mischt
sie dem Beton bei, wird das CO₂ dauerhaft gespeichert.
Nachhaltige Energie und E-Mobilität
Energie 360° macht nachhaltige Energie in der ganzen Schweiz
nutzbar. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich und Lausanne
plant, baut und betreibt Energielösungen, investiert in
Solaranlagen und ist führend bei Biogas, Holzpellets und
E-Ladestationen.
Mehr Infos
Den Klimabeton der Energiezentrale stellt die Firma
Toggenburger gemäss den Anforderungen des Start-ups KLARK
her. «Das Projekt von Energie 360° nutzt das Potenzial zur
CO₂-Speicherungsleistung in Gebäuden und Infrastrukturen
beispielhaft», sagt Andreas Schefer von KLARK. «Mit dem
CO₂-speichernden Beton nutzen wir das ganze Potenzial, das
Biomasse wie Holz eigentlich bietet. Denn: Verbrennt man
Restholz oder lässt man es verrotten, wird das CO₂ wieder
freigesetzt.»
Entstanden ist die Idee von KLARK in einem firmeninternen
Prozess. Im Thinktank der Zindel United AG, der Firma hinter
dem KLARK-Entwickler Logbau, können die Mitarbeitenden ihre
Innovationsvorschläge einreichen. Anschliessend wird
beurteilt, was Potenzial hat und einen Mehrwert bietet. «Der
Fokus der Zindel United liegt auf gesamtheitlichen Lösungen
und Bauwerken für Generationen», erklärt Schefer. «Für die
möglichst permanente und skalierbare Nutzung des Potenzials
der CO₂-Speicherung über Pflanzenkohle ist die Anwendung in
Beton prädestiniert.» Durch den Einsatz des CO₂-neutralen
Betons werden bei der Energiezentrale von Energie 360°
737’000 Kilogramm CO₂ gespeichert.
«Eine Energiezentrale in dieser Grösse mit 50 Megawatt ist
für die Schweiz einzigartig», doppelt André Ress nach. Umso
mehr freut es ihn, dass das Projekt in Volketswil grossen
Anklang findet und auch die Baubewilligungen problemlos
erfolgten. Für den Bau stehen überwiegend lokale Unternehmen
im Einsatz.