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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 12)

Krebs heilt mit Natron oder mit Blutgruppenernährung.


Video: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Basler
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12.9.2011: Explosion in AKW Marcoule in Frankreich: Ein Ofen ist explodiert - ein Toter - und Radioaktivität soll keine ausgetreten sein

aus: Basler Zeitung online: Ein Toter bei Explosion in Atomanlage; 12.9.2011;
http://bazonline.ch/panorama/vermischtes/Ein-Toter-bei-Explosion-in-Atomanlage/story/27763088

<In einer Atomanlage im Süden Frankreichs hat sich ein schwerer Zwischenfall ereignet. Eine Person wurde getötet. Radioaktivität soll nicht in die Umwelt gelangt sein.

1/3
Ein Ofen explodierte: Das Gelände des AKW Marcoule.
2/3
Wird zur Aufarbeitung abgebrannter Uran-Brennstäbe genutzt: Das Kraftwerk Marcoule in der Nähe von Avignon.
3/3 Die Explosion forderte ein Todesopfer.

Die französische Atomaufsichtsbehörde (ASN) hat den Unfall in der Nähe der Atomanlage Marcoule offiziell für beendet erklärt. Der Zwischenfall habe keinen Austritt von Radioaktivität zur Folge, teilte die ASN mit. Es seien keine Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung nötig.

Die Atomaufsicht löste ihren Krisenstab wieder auf. Die Explosion in einem Verbrennungsofen habe ein Feuer entfacht, das gegen 13 Uhr unter Kontrolle gewesen sei. Das Gebäude, in dem der Ofen stand, sei nicht beschädigt worden.

«Es handelt sich um einen Industrieunfall, nicht um einen Atomunfall», sagte zuvor ein Sprecher des staatlichen Stromkonzerns EDF, dessen Tochterunternehmen Socodei die Anlage betreibt.

Ein Toter

Die vier Verletzten, von denen einer schwere Verbrennungen erlitt, seien nicht radioaktiv verstrahlt worden. Auch ausserhalb des Gebäudes sei keine Radioaktivität gemessen worden. Nun solle untersucht werden, wie es zu dem Unfall kam.

Bei der Explosion in dem Verbrennungsofen, in dem Rohre und Schutzkleidung aus Atomkraftwerken eingeschmolzen wurden, starb ein Arbeiter. Die Anlage in Codolet, die zum Atomkomplex Marcoule gehört, liegt in Südfrankreich, etwa 20 Kilometer von Avignon entfernt.

IAEA informiert

Das Zentrum der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) für nukleare Notfälle sei sofort nach dem Zwischenfall aktiviert worden, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano in Wien vor Journalisten.

Man habe bei der französischen Atomsicherheitsbehörde nach detaillierten Mitteilungen gefragt und sei nun dabei, vorliegende Informationen zu bewerten: «Es ist alles noch in einem sehr frühen Stadium.»

Die Nuklearanlage Marcoule umfasst mehrere kleinere Reaktoren, die allesamt stillgelegt sind. Das letzte Kraftwerk, ein sogenannter Schneller Brüter, stellte 2010 den Betrieb ein. Im vergangenen März hatte es einen Zwischenfall in Marcoule gegeben, den die Atomaufsicht nachträglich auf Stufe zwei eingestuft hatte. (kpn/bru/AFP)

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Basler Zeitung online, Logo

13.9.2011: Die Explosion eines Ofens war ein "Industrieunfall" angeblich ohne jede Radioaktivität - und Informationspolitik gibt es keine

aus: Basler Zeitung online: Frankreich hat die Lektion aus Fukushima nicht gelernt; 13.9.2011;
http://bazonline.ch/ausland/europa/Frankreich-hat-die-Lektion-aus-Fukushima-nicht-gelernt/story/27413203

<Nach der Explosion in der Atomanlage Marcoule wird Frankreichs Informationspolitik nach dem Unfall kritisiert. Die Bevölkerung ist verunsichert. Ein Blick auf das Areal zeigt das Gefahrenpotential.

Verletzt, aber nicht verstrahlt: Ein Rettungshelikopter startet in Marcoule. (12. September 2011).

Monique Labarthe traut der Situation noch nicht so richtig. Die Atomkraftgegnerin vermutet, dass beim Zwischenfall von Marcoule durchaus radioaktives Material in die Natur gelangt sein könnte. Zwar beschwichtigten die französischen Atomaufsichtsbehörde und der Stromkonzern EDF, bei der Explosion vom Montagnachmittag habe es sich nicht um einen Atom-, sondern lediglich um einen Industrieunfall ohne Austritt von Radioaktivität gehandelt, doch die 64-jährige weiss nur zu gut, wie diese Dinge normalerweise laufen: «Wann immer Gifte in die Rhone gelangt sind, bekam es der ganze Süden Frankreichs zu spüren», sagt sie gegenüber dem «Spiegel». Labarthe wohnt in Aix-en-Provence, rund 100 Kilometer südlich der Atomanlage und hat schon so manche Warnung und einige Angelverbote miterlebt. «Aber meistens haben die Behörden uns erst Wochen später informiert – so wird es auch in diesem Fall sein.»

Besonders die Kritik an der staatlichen Informationspolitik wird in der Region von so mancher Seite laut. Die Anti-Atom-Organisation «Sortir du nucléaire» berichtet von unzähligen Anrufen und Mails besorgter Menschen. Viele Leute hätten erst über das Radio vom Unglück erfahren und seien äusserst verunsichert gewesen. «Das zeigt noch einmal, dass Frankreich die Lektion aus Fukushima nicht gelernt hat», erklärte Yannick Rousselet von Greenpeace. Auch Cécile Duflot, Parteichefin der Grünen, forderte Transparenz von der Regierung: Die Anwohner und alle Franzosen müssten ohne Verzögerung über solche Entwicklungen informiert werden.

Warten auf Antworten

Bei einer Explosion in einem Verbrennungsofen in Marcoule war ein Arbeiter getötet worden. Vier weitere Menschen waren nach Angaben des französischen Innenministeriums verletzt, aber nicht radioaktiv verstrahlt worden. Nun hat in der Atomanlage das Rätselraten um die Ursachen des Unfalls begonnen. Laut der Betreiberfirma Socodei, einem Tochterunternehmen der EDF, untersuche die Gendarmerie den Vorfall. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hat von Frankreich Informationen zu dem Unglück angefordert.

Die Atomaufsichtsbehörde hatte den Krisenstab bereits im Verlauf des Nachmittags wieder aufgelöst und die EDF betonte, das Gebäude, in welchem sich der Ofen befand, sei nicht beschädigt worden. In der Anlage würden nur Rohre und Schutzkleidung aus Atomkraftwerken eingeschmolzen. Kernreaktoren, welche hätten bedroht sein können, gebe es auf dem Gelände keine. Doch die Bedenken der Menschen aus der Region sind nicht von der Hand zu weisen. Die Atomanlage befindet sich in einem dicht besiedelten Gebiet, die Rhone fliesst nur gerade 200 Meter von Marcoule entfernt durch und die Region ist auf die Millionen Touristen angewiesen, die jährlich Avignon oder Orange besuchen.

Atommüll und Versuchsreaktoren

Laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» handelt es sich bei Marcoule um einen veritablen «Gemischtwarenladen der Atomtechnik». Bei der Anlage handle es sich um einen zentralen Schauplatz der französischen Nuklearwirtschaft, schreibt die Online-Ausgabe weiter. Nicht nur würden dort Mischoxid-Elemente aus Uran und Plutonium hergestellt, Marcoule sei auch ein zentraler Standort zur Behandlung von radioaktiven Abfällen. Hochstrahlender Müll wird hier in Glas eingegossen, schwachradioaktives Material verbrannt und eingeschmolzen. Auf dem Gelände werden Asche, Schlacke und Metallbarren aus diesen Prozessen gelagert. Ebenfalls stehen auf dem Areal noch 30'000 Fässer herum, in denen sich bitumisierte Abfälle aus früheren Anlagen befinden.

Über Jahrzehnte wurde in Marcoule das Material für Atombomben erzeugt, wurden Testreaktoren betrieben und alte Brennelemente wieder aufbereitet. Ein Teil der Anlagen sind heute stillgelegt, andere laufen noch. Jene, die ausser Betreib sind, werden langsam demontiert. Ein Unterfangen, welches Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Derweil üben sich die Bewohner im Departement Gard in Geduld und hoffen, dass der Unfall tatsächlich keine Auswirkungen auf die Umwelt hatte. Ist es doch nicht einmal der Erste: Bereits im Frühling 2009 hatte sich in der Produktionsstätte für Mischoxide ein Unfall der Stufe zwei auf einer siebenstufigen Skala ereignet. (kpn)>

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Spiegel online, Logo

12.9.2011: Frankreich ist ein Atom-korruptes Land - und zwar in allen politischen Parteien

aus: Spiegel online: Kernenergie in Frankreich: Atomkraft - ja, bitte; 12.9.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,785870,00.html

<Von Annika Joeres

Die meisten Franzosen lieben die Kernkraft - trotz Tschernobyl und Fukushima. Daran wird auch der Unfall in der Atomanlage Marcoule kaum etwas ändern, bei dem ein Arbeiter starb. Die Kontakte zwischen Stromwirtschaft und Politik sind eng, selbst Sozialisten und Kommunisten sind auf Pro-Nuklear-Kurs.

Als die radioaktiven Abfälle auf den Castor im südfranzösischen Cadarache verladen wurden, saßen Dutzende Familien auf dem Rasen und picknickten ihr Mittagssandwich. Wenige Stunden später, am frühen Abend im Dezember 2010, rollte der Zug ungehindert in Richtung Mecklenburg-Vorpommern. In Cadarache fanden sich nur drei junge deutsche Anti-Atom-Aktivisten ein, die fassungslos den strahlenden Waggons nachblickten. Die schwarz vermummten Jugendlichen trauten sich nicht, die Gleise zu blockieren. "Der Zugführer rechnet nicht mit uns und fährt uns einfach um", sagte einer.

Ganz anders das Bild in Deutschland: Als der Castor 15 Stunden später die Bundesrepublik erreichte, stießen Hundertschaften der Polizei auf Zehntausende aktionsbereite Demonstranten, unzählige Atomkraftgegner versuchten, sich an die Gleise zu ketten.

Die Nachbarn Deutschland und Frankreich trennen in der Atomenergie Welten. Auch nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima ist Frankreich mit seinen 59 Meilern noch immer das Atomland Nummer 1 in Europa. Kein Franzose kann der nuklearen Energie entkommen, von jedem Punkt der Republik ist das nächste AKW höchstens 200 Kilometer entfernt. Doch Katastrophen wie in Japan oder nun die Explosion auf dem Gelände der südfranzösischen Atomanlage Marcoule erschüttern die Franzosen kaum. Dabei war am Montag ein Arbeiter verbrannt, vier weitere Menschen wurden verletzt. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN erklärte, Radioaktivität sei nicht ausgetreten.

Rugby ist wichtiger als Atomkraft

Während die Nachricht aus Marcoule am Montag deutsche Medien beschäftigte, waren vielen französischen Webseiten die Rugby-Weltmeisterschaft und interner Streit bei den Sozialisten wichtiger. Frankreich hat ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, dass dem Land keine nukleare Katastrophe drohen kann. Wie damals bei Tschernobyl, als die radioaktive Wolke aus Russland offiziell an den französischen Grenzen gestoppt haben soll.

Auch beim aktuellen Unfall in Marcoule halten sich die französischen Behörden sehr zurück, Informationen sickern nur langsam an die Öffentlichkeit. Schließlich wäre ein nuklearer Unfall wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen katastrophal für den bekennenden Atomfreund und Präsident Nicolas Sarkozy. Die Explosion in Marcoule sei kein "Atomunfall" gewesen, sondern lediglich ein "industrieller Zwischenfall", gab der Mitbetreiber von Marcoule, der Stromriese EDF, am Montagmittag an. Selbst die japanische Kraftwerksexplosion in Fukushima galt in Frankreich zunächst als "Naturkatastrophe", weil ein Erdbeben den Super-GAU verursacht hatte.

"In Frankeich ist Atomkraft ein unverrückbares Dogma", sagt Michèle Rivasi. Die grüne Europaabgeordnete und Biologin hat nach der Katastrophe von Tschernobyl das unabhängige nukleare Forschungsinstitut CRIIAD gegründet, um der medialen Übermacht der Atomkonzerne in Frankreich etwas entgegenzusetzen. Seitdem überwachen Messapparate im Wasser und in der Luft die radioaktive Belastung in Frankreich. "Für die Deutschen ist die Atomkraft eine Industrie, für die Franzosen eine Identitätsfrage", sagt Rivasi. Deshalb werde "entsetzlich gelogen und verschleiert."

Ökostrom spielt praktisch keine Rolle

Der französische Kraftwerkspark entstand historisch aus der französischen Verteidigungspolitik. Frankreich wollte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zur Supermacht aufschwingen und auch nukleare Waffen produzieren. Noch heute ist das Land stolz darauf, als eine von offiziell fünf Mächten über Atombomben zu verfügen. Auch in der nuklearen Anlage in Marcoule hat die französische Armee Plutonium für französische Bomben bearbeitet. Und Präsident Sarkozy wiederholt stets, Frankreich müsse unabhängig bleiben - vom "Öl der arabischen Länder" und der Energie der Nachbarn. Und unabhängig ist für Sarkozy gleichbedeutend mit Atomkraft.

Alternative Energien spielen in Frankreich praktisch keine Rolle. Obwohl im Süden des Landes die Sonne doppelt so viele Stunden im Jahr scheint wie in einer durchschnittlichen deutschen Stadt, sind Solaranlagen sehr selten. Nach wie vor kommen 80 Prozent des Stroms aus Kernreaktoren.

Daran wird sich zunächst auch wenig ändern. Selbst die oppositionellen Sozialisten sind wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen noch uneins über ein mögliches Ausstiegsszenario. Denn ob konservativ, kommunistisch oder sozialistisch: Die politische Elite wird schon an der Universität stramm auf Pro-Atom-Kurs gebracht. Viele Spitzenpolitiker haben die "Ecoles des Mines" in Paris besucht, eine Kaderschmiede für Ingenieure in Politik und Wirtschaft, die ausnahmslos nuklearfreundliche Kurse gibt. Ihre Absolventen lenken die beiden mehrheitlich staatlichen Konzerne EDF und Areva, die sowohl am Bau der Anlage in Marcoule als auch im japanischen Fukushima beteiligt waren.

Nun hoffen die Gegner, der europäische Stresstest für Atomkraftwerke könnte zumindest einige französische Anlagen wie im grenznahen Fessenheim so teuer machen, dass sie aus finanziellen Gründen abgestellt werden. Und selbst im atomverliebten Frankreich wächst langsam die Gegnerschaft. Das Netzwerk "Sortir du nucléaire" konnte seine Unterstützerzahl nach Fukushima auf 50.000 verdoppeln. "Wir schauen neidisch auf die erfolgreichen deutschen Aktivisten", sagt Sprecherin Charlotte Mijeon. Aber glücklicherweise drehe sich auch in Frankreich der Wind.

Zumindest die betroffenen Anwohner von Marcoule sind inzwischen ängstlich: Nach einer Online-Umfrage der örtlichen Zeitung "La Provence" fürchten 69 Prozent der Leser nach der Explosion "weitere nukleare Vorkommnisse".>


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Welt online, Logo

12.9.2011: Fukushima-Scherz: Japanischer Politiker muss gehen, weil er jemanden "mit Strahlung anstecken" wollte

aus: Welt online: Rücktritt: Japanischer Minister stürzt über Fukushima-Scherz; 12.9.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13599296/Japanischer-Minister-stuerzt-ueber-Fukushima-Scherz.html

<"Ich werde Sie mit Strahlung anstecken", so Handelsminister Hachiro gegenüber einem Journalisten. Anschließend trat er nach einer Woche Amtszeit zurück.

Yoshio Hachiro hat ein paar Späße über Fukushima gemacht und dies mit seiner Demission bezahlt

Nach umstrittenen Äußerungen zur Strahlenbelastung der Region um das japanische Atomkraftwerk Fukushima ist der erst vor einer Woche ernannte Wirtschafts- und Handelsminister Yoshio Hachiro zurückgetreten.

Regierungschef Yoshihiko Noda nahm sein Rücktrittsgesuch an, wie japanische Medien berichteten.

Hachiro hatte harsche Kritik auf sich gezogen, weil er die Region um das Akw als „Todesstadt“ bezeichnete. Bei einem Besuch in dem Kraftwerk soll er zudem seine Jacke an der eines Journalisten gerieben und gescherzt haben: „Ich werde Sie mit Strahlung anstecken.“

Der neue Ministerpräsident Noda hatte erst vor gut einer Woche seine Regierungsmannschaft vorgestellt. Sein Vorgänger Naoto Kan war wegen Kritik an dessen Umgang mit der Atomkatastrophe wenige Tage zuvor zurückgetreten.

Der Blaumann wird Wirtschaftsminister

Der frühere japanische Regierungssprecher Yukio Edano soll Medienberichten zufolge unterdessen neuer Wirtschaftsminister des Landes werden. Wie der Rundfunksender NHK und die Nachrichtenagentur Jiji berichteten, will der neue Ministerpräsident Yoshihiko Noda ihn bereits an diesem Montag ernennen.

Der 47-jährige Rechtsanwalt Edano war nach der Atomkatastrophe von Fukushima weltweit bekannt geworden, als er in seinen täglichen Pressekonferenzen im blauen Arbeitsanzug unermüdlich über die Katastrophe berichtete.

Mit einer landesweiten Schweigeminute hatte Japan am Sonntag der Opfer der Tsunamikatastrophe vor einem halben Jahr gedacht. Um 14. 46 Uhr Ortszeit heulten die Sirenen, die Menschen verharrten in Erinnerung an das Erdbeben und den Tsunami, durch die am 11. März etwa 20.000 Menschen getötet wurden.

Die Katastrophe beschädigte auch Teile des Atomkraftwerks Fukushima, in mehreren Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Das Unglück gilt als der schwerste Reaktorunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren.

AFP/pku>

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n-tv online, Logo

13.9.2011: Fukushima strahlt weiter

aus: n-tv online: Das Leben mit der Radioaktivität: Wenn der Geigerzähler rattert; 13.9.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Wenn-der-Geigerzaehler-rattert-article4272236.html

<Aus der Atomruine Fukushima tritt auch sechs Monate nach Beginn der Katastrophe weiter Radioaktivität aus. Die Bewohner der Region sind ständig mit Messwerten konfrontiert, deren Bedeutung sie kaum abschätzen können. Der Regierung vertraut hier niemand mehr.

Ein Bauer vor seiner eigenen Messstation. Auf Tepco ist kaum ein Japaner gut zu sprechen.

Seiji Sugeno nimmt den Geigerzähler in die Hand und schaut auf den Bildschirm. "Wir haben zur Zeit draußen 0,86 Mikrosievert pro Stunde, seit zwei Wochen endlich unter einem Mikrosievert". Der Biobauer im japanischen Ort Nihonmatsu, rund 50 Kilometer vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi entfernt, lächelt angestrengt. Er weiß, dass diese radioaktiven Werte alles andere als ein Grund zum Aufatmen sind. "Wir sind verunsichert, weil wir nicht genau wissen, wie hoch die Werte bei uns im Boden sind", sagt der 52-jährige Japaner. Der von der Regierung festgelegte Höchstwert über dem Boden liegt bei 3,8 Mikrosievert pro Stunde, doch jeder weiß, dass das hoch angesetzt ist. Schon ein Mikrosievert gilt als ziemlich hoch. "Es glaubt hier heute keiner mehr, dass die Höchstwerte der Regierung wirklich in Ordnung sind", erklärt der Landwirt.

Heute, sechs Monate nach Beginn der weltweit schlimmsten Atomkatastrophe seit Tschernobyl, denken viele Menschen in der Provinz Fukushima so wie Sugeno. Tag für Tag müssen sie mit der beunruhigenden Tatsache leben, dass noch immer Radioaktivität aus dem Kernkraftwerk austritt, dass noch immer radioaktive Partikel in den angrenzenden Pazifik sickern. Nachdem die Regierung anfangs lange Zeit behauptet hatte, es habe keine Kernschmelze gegeben, musste sie sich später korrigieren. Aber wo ist der Kernbrennstoff in den betroffenen Reaktoren 1 bis 3 seither geblieben? "Wir wissen es nicht", räumt Yoshinori Moriyama, Vize-Generaldirektor bei der Atomsicherheitsbehörde ein. Kritiker werfen der Regierung und dem Atombetreiber Tepco vor, das Fiasko weiterhin herunterzuspielen.

"Es ist möglich, dass sich die geschmolzenen Brennstäbe durch den Boden der Reaktorschutzhülle und das Betonfundament durchgefressen haben und in den Untergrund gelangten", erklärt Hiroaki Koide, Professor am Reaktorforschungsinstitut der Universität Kyoto. Dennoch betont Tepco immer wieder, bis Januar die Anlage unter Kontrolle gebracht zu haben. Doch was, wenn Experten wie Koide recht behalten?

Das Vertrauen ist weg

Bauer Sugeno blickt mit ernster Miene über das Gemüse in seinem Geschäft. Er leitet eine Nichtregierungsorganisation von Bauern, die Biogemüse anpflanzen. "Die Provinzverwaltung misst für jede Gemüseart nur an wenigen Standorten. Diese Werte gelten dann für die ganze Provinz. Damit wissen wir aber immer noch nicht, welche Strahlenwerte das Gemüse auf unseren eigenen Felder hat", schildert Sugeno das Dilemma. In der ganzen Provinz Fukushima gebe es nur vier teure Spezialgeräte für Lebensmittel, mit denen man nicht nur Cäsium, sondern auch andere Substanzen messen könne. "Warum hat man nicht schon früher mehr Strahlenmessgeräte aus aller Welt angeschafft?"

Sugeno und seine Kollegen hatten Glück: Eine Firma in Kyoto lieh ihnen ein teures Messgerät aus deutscher Produktion, das unvergleichlich besser ist als der kleine simple Geigerzähler, den Sugenos Tochter über ihre Blogseite anfangs organisieren konnte. Neben ihrem Gemüseladen haben sie sich in Heimarbeit mit Brettern und Isoliermaterial nun ein kleines Messlabor eingerichtet. Stolz zeigt Sugenos Kollege Makoto Ebisawa das deutsche Gerät. "Wir brauchen viel mehr von solchen Geräten. Wieso können unsere eigenen japanischen Unternehmen nicht auch so etwas bauen", beklagt der Biobauer. Auch die Bürgerinitiative "Citizen's Radioactivity Measuring Station" nimmt die Messungen in die eigene Hand.

Trotz der Messungen herrscht Unsicherheit. Offiziell gilt für Gemüse ein Grenzwert für Cäsium von 500 Bequerel pro Kilo. Er habe gehört, dass in Tschernobyl niedrigere Grenzwerte angesetzt worden waren. "Was ist denn nun wirklich sicher?", beklagt Ebisawa. Dennoch essen sie das eigene Gemüse. Immerhin seien die Werte derzeit auf ein Zehntel des Grenzwerts gesunken. "Wir wissen zwar, dass wir jeden Tag weiter Cäsium einnehmen, aber wir essen auch Fasern und scheiden einiges aus. Vielleicht sind wir Menschen ja stark. Es ist besser so zu denken, als nur Stress und Angst zu haben", macht sich Sugeno Mut.

Sie bleiben trotzdem

Daran, aus Fukushima wegzuziehen, habe er nie gedacht. "Es ist für uns Bauern nicht so leicht, zu flüchten, wenn wir daran denken, unsere Felder zurückzulassen. Wie sollen wir dann unseren Lebensunterhalt bestreiten?", sagt Sugeno. Bauern wie er lieben ihr Land, das schon ihre Vorfahren ernährte. Für Familien mit Kindern sei es viel schlimmer, sagt Sugeno. Mehr als 51 000 der ursprünglich rund zwei Millionen Bewohner Fukushimas haben ihre Heimat bereits verlassen. "Einige Kinder bekommen öfter als sonst Durchfall oder Nasenbluten", erzählt Chieko Shiina von der Organistion "Fukushima Netzwerk zur Rettung von Kindern vor Radioaktivität". Die Regierung brauchte fast fünf Monate, um eine Untersuchung unter 1000 Kindern, die einst nahe der Atomruine lebten, zu veröffentlichen, wonach 45 Prozent von ihnen Spuren von Iod in ihren Schilddrüsen aufwiesen.

Die Regierung behauptete dabei, die Strahlendosis stelle keine gesundheitlichen Risiken für die Kinder dar. Die Eltern dagegen haben Angst, dass ihre Kinder später einem größeren Krebsrisiko ausgesetzt sind. "Die Bürger trauen der Regierung nicht mehr", sagt Shiinas Kollege Seiichi Nakate. Die Regierung hatte die Höchstgrenze für Schulen zwischenzeitlich von einem auf 3,8 Mikrosievert pro Stunde oder 20 Millisievert pro Jahr angehoben, was der international empfohlenen Grenze für Atomarbeiter entspricht. Erst nach Elternprotesten wurde dies später wieder zurückgenommen. Am ratsamsten sei, wenn alle Kinder aus Fukushima herausgebracht würden, sagt Nakate. "Irgendwann wird die Regierung Kinder evakuieren müssen", meint er. "Aber dafür wird es zu spät sein, wenn die Regierung solange damit wartet, bis Kinder anfangen, zu kollabieren".

Lars Nicolaysen, dpa>

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Spiegel online, Logo

16.9.2011: "US"-Behörden schlampen systematisch mit Uran und geben es Kriminellen in die Hände

aus: Spiegel online: Uran-Exporte: Prüfer werfen US-Atombehörden Schlamperei vor; 16.9.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,786737,00.html

<B-61-Atombomben: US-Behörden haben waffenfähiges Material aus den Augen verloren

Die USA haben tonnenweise waffenfähiges Nuklearmaterial exportiert - und dann zum Teil aus den Augen verloren. Ein Prüfbericht wirft den Atomaufsichtsbehörden nun haarsträubende Schludrigkeit vor: Womöglich sind große Mengen hochangereicherten Urans einfach verschwunden.

Hamburg - Eine Atombombe in den Händen von Terroristen ist der ultimative Alptraum von Sicherheitsexperten. Berichte über Kernmaterial, das aus schlecht gesicherten Beständen verschwunden ist oder noch verschwinden könnte, kamen allerdings bisher meist aus Staaten wie Pakistan oder einigen ehemaligen Sowjetrepubliken. Jetzt aber hat eine amerikanische Behörde einen Bericht veröffentlicht, der für die US-Regierung peinlich werden könnte.

Das Government Accountability Office (GOA) - in etwa vergleichbar mit dem deutschen Bundesrechnungshof - listet darin penibel auf, welche Mengen an hochangereichertem Uran die USA bisher exportiert haben, und vor allem: wie viel davon die Amerikaner vermissen.

Und das ist nicht wenig, wie dem Bericht zu entnehmen ist:

  • Seit den fünfziger Jahren haben die USA demnach 17,5 Tonnen hochangereichertes - also waffenfähiges - Uran exportiert. Schon das sei keine genaue Zahl, sondern lediglich eine Schätzung.
  • 12,4 Tonnen davon befänden sich in deutschen, französischen und japanischen Atomreaktoren sowie in Ländern der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) und seien dort "angemessen gesichert".
  • Der Verbleib von 1160 Kilogramm sei 1993 bei Nachforschungen von US-Behörden geortet worden - nachdem das Energieministerium und die Atomsicherheitskommission (NRC) schon 1992 dem US-Kongress nicht lückenlos berichten konnten, wo ihr exportiertes Uran geblieben war.
  • Weitere 1240 Kilogramm wurden im Rahmen der "Global Threat Reduction Initiative" des Energieministeriums aus einer Reihe von Staaten in die USA zurückgeholt.

Damit bleiben unter dem Strich 2700 Kilogramm hochangereichertes Uran, deren Verbleib offenbar bestenfalls lückenhaft bekannt ist. Wo genau man sie vermutet, wird in dem GAO-Bericht nicht erwähnt. Wie das US-Magazin "Wired" auf seiner Website berichtet, wurden diese Informationen als zu brisant eingestuft und dem Kongress in einem vertraulicher Bericht gemeldet.

Scharfe Kritik an Schludrigkeiten

Der GAO-Bericht enthält teils haarsträubende Details über die Organisation des Energieministeriums und des NRC, die für die Sicherheit des Atommaterials verantwortlich sind. So seien die Käufer des Urans zwar vertraglich verpflichtet, den USA auf Anfrage Informationen über die Lagerung des Urans zukommen zu lassen. "Aber das Energieministerium und die NRC haben solche Daten nicht systematisch angefordert", heißt es in dem Bericht. Die Behörden "haben keine umfassende, detaillierte und aktuelle Bestandsliste des amerikanischen Nuklearmaterials". Das gelte auch für waffenfähige Stoffe wie hochangereichertes Uran und Plutonium.

Auch die Bemühungen des Energieministeriums und der NRC, die Sicherheit des Materials im Ausland zu überprüfen, verliefen laut GAO-Bericht ziemlich lax. Zum einen gäben die Vereinbarungen mit den Käuferstaaten den USA nicht das Recht, die Sicherheit des Nuklearmaterials vor Ort zu überwachen und zu bewerten. Die Teams der beiden US-Behörden könnten ausländische Anlagen deshalb nur prüfen, wenn sie die Erlaubnis dazu bekämen.

Doch selbst das geschah offenbar nur lückenhaft. Die Länder, die laut GAO die mit dem größten Verbreitungsrisiko behafteten Mengen an US-Nuklearmaterial besitzen, wurden vom Energieministerium und der NRC "nicht systematisch besucht". Auch die Lagerstätten, von denen bekannt war, dass sie die internationalen Sicherheitsbestimmungen unterlaufen, seien nicht systematisch geprüft worden. Dabei wäre das dem Bericht zufolge dringend nötig gewesen: Bei den 55 Besuchen im Ausland, die zwischen 1994 und 2010 stattgefunden haben, seien die Sicherheitsrichtlinien der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in mehr als jedem dritten Fall missachtet worden.

Unabhängige Experten äußerten sich erstaunt über den GAO-Bericht. "Es ist erstaunlich, wie völlig ungezwungen das Energieministerium bei der Verfolgung des Materials ist", sagte Atomwaffenexperte Jeffrey Lewis vom Monterey Institute of International Studies zu "Wired". "Es gibt dort niemanden, der sich darum kümmert."

Das Energieministerium sieht das freilich anders. Schließlich gebe es internationale Verpflichtungen und IAEA-Inspektoren. Außerdem stehe im GAO-Bericht nicht, dass Uran oder Plutonium verloren gegangen seien - sondern nur, dass gewisse Richtlinien nicht eingehalten wurden. "Wir glauben", sagte ein Sprecher des Energieministeriums, "dass die Sicherheitsmaßnahmen effektiv sind und durch die IAEA-Inspektionen und die Meldepflichten durchgesetzt werden."

mbe>

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Basler Zeitung
                        online, Logo

Schweiz: 18.9.2011: Bundesrätin Leuthard will auch keine neuen AKWs

aus: Basler Zeitung online: Leuthard beharrt auf Atomausstieg; 18.9.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Leuthard-beharrt-auf-Atomausstieg/story/17819130

<Vor dem Entscheid der kleinen Kammer spricht sich Doris Leuthard gegen die Zulassung von Kernkraftwerken neuer Generation aus – und übt Kritik am Wirtschaftsverband Economiesuisse.

Bundesrätin Doris Leuthard beharrt auf den Ausstieg aus der Atomenergie. In einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» kritisiert sie das Vorhaben bürgerlicher Ständeräte, die Kernkraftwerke neuer Generation zulassen möchten.

«Es ist sehr schwer zu umschreiben, was eine neue Generation von Kernkraftwerken wäre, die man bauen dürfte», sagte Leuthard. «Mir scheint schwierig zu sein, dies in einem Gesetz zu definieren.»

Kritik an Economiesuisse

Von einem «Technologieverbot», wie Kritiker den bundesrätlichen Vorschlag nennen, will Leuthard nichts wissen: «Dieses Wort hat Economiesuisse in die Welt gesetzt. Der Bundesrat sprach nie von Technologieverbot.» Fakt sei einfach: «Die Kernenergie ist auf absehbare Zeit keine Zukunftstechnologie.»

Leuthard betont in dem Interview zudem: «Wird das Gesetz abgeschwächt, hat man weder Fisch noch Vogel. Die Verbesserung der Energieeffizienz, die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien - das kommt nicht von selbst: Dazu braucht es einen klaren politischen Willen.»

Richtige Prioritäten gesetzt?

Weiter kritisiert die Bundesrätin den Nationalratsbeschluss, wonach das Armeebudget um 600 Millionen Franken erhöht werden soll. «Der Bundesrat steht zur Armee, aber warum soll sie nun plötzlich eine halbe Milliarde Franken mehr kosten? Schaut man sich das Sorgenbarometer der Bevölkerung an, bin ich nicht sicher, ob hier die richtigen Prioritäten für Investitionen gesetzt werden.» (wid/sda)>


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Financial Times
                        Deutschland online, Logo

18.9.2011: Siemens legt Atom-Zusammenarbeit mit Russlands Konzern Rosatom auf Eis

aus: Financial Times Deutschland online: Energiewende: Siemens flüchtet aus Atomkraft; 18.9.2011;
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:energiewende-siemens-fluechtet-aus-atomkraft/60105796.html

<Peter Löscher zieht die Konsequenzen aus der deutschen Energiewende und einen Strich unter das Engagement im AKW-Bereich. Das geplante Joint Venture mit dem russischen Unternehmen Rosatom legt der Konzernchef zu den Akten. von Angela Maier  München

Nach monatelangen Andeutungen macht Siemens  den Ausstieg aus dem Atomgeschäft offiziell. "Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Siemens-Chef Peter Löscher  am Wochenende in einem "Spiegel"-Interview. Siemens werde das ursprünglich beabsichtigte Joint Venture mit dem russischen Atomkonzern Rosatom nicht eingehen und "im Bereich der Nukleartechnologie nicht zu der angedachten Kooperation mit unserem russischen Gesprächspartner kommen", sagte Löscher.
Löschers Worte besiegeln die abermalige Kehrtwende in Siemens' wechselvoller Atom-Geschichte. Im März 2009 hatte Löscher mit den Russen eine Absichtserklärung für ein Atom-Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet. Dessen Ziel war es, "weltweit Marktführer im Kernenergiegeschäft" zu werden. Zu der wenig später geplanten Vertragsunterzeichnung kam es nicht mehr, da Siemens' langjähriger Atom-Partner, der französische Atomkonzern Areva , die Münchner postwendend wegen Vertragsbruchs verklagte. Ein Schiedsgericht verdonnerte Siemens im Mai 2011 zur Zahlung einer Strafe von 682 Mio. Euro. Zudem darf Siemens Areva bis September 2013 im Atom-Geschäft keine Konkurrenz machen.

Seit dem Schiedsspruch und der Atom-Katastrophe in Japan galt der Ausstieg der Münchner nur noch als Frage der Zeit - und der Zustimmung der Russen. Für Rosatom ist Siemens' endgültige Absage ein schwerer Schlag: Die Russen zählen zu den weltgrößten Herstellern von Kernkraftwerken, ihre Erfolge im Export hielten sich bislang aber in Grenzen. Hier hätte die Kooperation mit Siemens helfen sollen, deshalb hatte sich Ministerpräsident Wladimir Putin persönlich dafür eingesetzt. Löscher zufolge haben die Russen ein Einsehen: "Auf russischer Seite war die Reaktion sehr verständnisvoll. Dort versteht man den Primat den Politik."

Rosatom selber reagierte am Wochenende nicht auf die Beendigung der gemeinsamen Pläne durch den Siemens-Chef. Ein Siemens-Sprecher betonte: "Das ist komplett einvernehmlich mit den Russen und mit Rosatom." Vor einigen Monaten hatte Rosatom-Vizechef Nikolai Spasski noch gesagt, er wolle an der Partnerschaft mit Siemens festhalten.

Der Sprecher betonte, "der Ausstieg kostet Siemens keinen Cent". Die mit Rosatom geschlossene Absichtserklärung sei "nicht rechtsverbindlich. Eine formelle Beendigung ist nicht notwendig", so der Sprecher.

Löscher sagte, die Zusammenarbeit werde sich künftig "auf andere Felder" beziehen. So könnte Siemens für Rosatoms Kernkraftwerke Dampfturbinen liefern, wie sie auch in konventionellen Kraftwerken eingesetzt werden. Offenbar sind die Verhandlungen mit Rosatom zur Hängepartie geraten. Noch Ende Juli hatte Löscher angekündigt, "in den nächsten Wochen" werde über das weitere Vorgehen mit Rosatom entschieden. Nach FTD-Informationen aus Unternehmenskreisen wollte Löscher eigentlich im August eine Einigung erzielen - dies misslang.

Allerdings ist Siemens sehr daran gelegen, die Russen nicht zu vergrätzen. Schließlich ist das Land für die Münchner ein wichtiger Absatzmarkt, Siemens verbuchte beispielsweise in den vergangenen Monaten Aufträge für Züge in Milliardenhöhe. So haben die Münchner ein teures Zugeständnis bereits gemacht: Die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie am größten russischen Turbinenhersteller Power Machines gibt Siemens zum Discountpreis ab, wie die FTD aus Unternehmenskreisen erfuhr. Die Münchner hatte Anfang August angekündigt, ihr Aktienpaket an den Mehrheitseigner Highstat zu veräußern. Hinter Highstat steht der russische Stahlmagnat und Putin-Intimus Alexej Mordaschow . Highstat zahlt für den Siemens-Anteil an Power Machines informierten Kreisen zufolge weniger als die Hälfte der rund 650 Mio. Dollar, die das Paket Anfang August an der Börse wert war.

Der russische Turbinenproduzent hatte sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt und zuletzt bei 1,7 Mrd. Dollar Umsatz einen Nettogewinn von 255 Mio. Dollar verdient. Das Paket hatte Siemens 2006 für 93 Mio. Dollar erworben.

Gegenüber dem "Spiegel" begründete Löscher den Atom-Abschied mit der Energiewende in Deutschland. Dies sei Siemens' "Antwort auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie". Nach der Atom-Katastrophe in Japan hatte die Bundesregierung beschlossen, die Kernkraftwerke frühzeitig abzuschalten. Bis 2022 sollen alle deutschen Reaktoren vom Netz gehen.

Nun muss Siemens Unternehmenskreisen zufolge auch für Hunderte von Ingenieuren neue Einsatzmöglichkeiten finden. Der Konzern hatte seit 2009 bereits kräftig in eigene Kapazitäten für die Entwicklung von Nukleartechnik investiert, die nun obsolet sind.>

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28.9.2011: <Was auf die Konzerne zukommt: AKW-Abriss kostet 18 Milliarden>

aus: n-tv online; 28.9.2011;
http://www.n-tv.de/politik/AKW-Abriss-kostet-18-Milliarden-article4404321.html

<Das AKW Brokdorf ist einer der ersten Abrisskandidaten.

Der Rückbau der deutschen Atomkraftwerke wird für die Betreiber einer Studie zufolge teuer. Die Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall müssten mit Kosten von mindestens 18 Milliarden Euro rechnen, bis die vom Atomausstieg betroffenen Atomkraftwerke abgerissen und entsorgt sind, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL). Alleine 150 bis 250 Millionen Euro müssen die Betreiber demnach pro Anlage in den ersten fünf bis sieben Jahren kalkulieren, wenn die Brennelemente abklingen müssen.

Im Zuge der Energiewende mussten die Betreiber unmittelbar acht Reaktoren stilllegen; in den kommenden elf Jahren sollen die restlichen neun Anlagen folgen.

Mit dem Rückbau wartet eine logistische und finanzielle Herausforderung auf die Branche. Während die Energiekonzerne bisher keine konkreten Zahlen nennen, haben laut "Handelsblatt" die ADL-Experten, die Kernkraftbauer und -betreiber beraten, die Kosten des Rückbaus auf die einzelnen Komponenten und Tätigkeiten heruntergebrochen, und für jedes Kernkraftwerk abgeschätzt, wie viel der Rückbau mindestens kosten dürfte. Die Spanne reicht demnach von 670 Millionen Euro bis 1,2 Milliarden Euro je Anlage.

In Deutschland soll das letzte von 17 Atomkraftwerken 2022 abgeschaltet werden. Zuletzt erzeugten die AKW 23 Prozent der Gesamtstrommenge.

dpa/rts>

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Spiegel online, Logo

Fukushima 1 am 28.9.2011: Der verseuchten Boden entsorgen wird zu einem riesigen Problem

aus: Spiegel online: Atomkatastrophe Fukushima: Japan muss gewaltige Bodenmengen entsorgen; 28.9.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,788831,00.html

<Japan muss nach dem Atomunglück in Fukushima riesige radioaktiv belastete Gebiete reinigen. Eine neue Simulation zeigt: Die Menge an verstrahltem Müll, die dabei zusammenkäme, wäre kaum zu bewältigen. Derweil ist die Temperatur im Reaktor 2 des AKW erstmals unter die kritische Grenze gefallen.

Japan steht vor einer enormen Aufgabe: Mehrere Millionen Kubikmeter Boden sind nach dem AKW-Unglück von Fukushima radioaktiv kontaminiert und müssen nun entsorgt werden. Das ist das Ergebnis einer Simulation des japanischen Umweltministeriums, das jetzt offiziell bekanntgegeben wurde.

Es sind die ersten Schätzungen, die sechs Monate nach dem nuklearen Desaster das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung deutlich machen. Betroffen ist dem Bericht zufolge eine Fläche von etwa 2400 Quadratkilometern, die sich über die Präfektur Fukushima und die vier Nachbarpräfekturen erstreckt. Zum Vergleich: Die gesamte Metropolregion Tokio hat eine Fläche von 2170 Quadratkilometern.

Erstmals wisse man, wie groß der gesamte Dekontaminations-Aufwand ungefähr sein werde, heißt es in dem Bericht. Das Umweltministerium hat nun dafür einen zusätzlichen Etat von etwa 450 Milliarden Yen (umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro) beantragt. Die Regierung will laut der Nachrichtenagentur Kyodo noch im Oktober darüber entscheiden. Bisher hat sie 220 Milliarden Yen (2,1 Milliarden Euro) für die Dekontamination bewilligt. Doch einige Experten gehen davon aus, dass die Maßnahmen ein Vielfaches davon kosten werden.

Bereits in den vergangenen Monaten haben Nichtregierungsorganisationen in Pilotprojekten Schulen und andere öffentliche Einrichtungen gesäubert. Schon dabei wurde erkennbar, welche Kosten eine großflächige Dekontamination verursachen könnte.

In ihrer Simulation gehen die Experten des Umweltministeriums davon aus, dass eine etwa fünf Zentimeter dicke Bodenschicht abgetragen werden muss, in der sich das radioaktive Cäsium befindet. Miteingerechnet wurden auch verseuchtes Laub und jener Dreck, der sich in den Regenrinnen sammelt - dort ist die gemessene Radioaktivität meistens am höchsten. Berücksichtigt wurden nur Flächen, an denen die zusätzliche Jahresdosis mehr als fünf Millisievert beträgt, inklusive einiger Gebiete mit einer Zusatzdosis von jährlich einem bis fünf Millisievert.

Würden diese Gebiete vollständig dekontaminiert und von radioaktivem Laub und anderen Abfällen befreit, so die Berechnung der Experten, käme ein Müllberg von rund 28 Millionen Kubikmetern zustande. Wahrscheinlicher aber ist, dass nur Teile der Gebiete gereinigt werden - etwa Standorte von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Wohnsiedlungen sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen. Allerdings müsste dann der Zugang zu den übrigen, nicht gesäuberten Gebieten eingeschränkt werden. Selbst wenn nur Teilgebiete dekontaminiert würden, betrüge die Menge radioaktiven Abfalls dem Bericht zufolge immer noch rund 18 Millionen Kubikmeter.

Das wirft zudem ein weiteres Problem auf: Wohin mit dem radioaktiven Müll? Auch darüber hat die japanische Regierung bisher noch nicht entschieden.

In der Zwischenzeit hat der Energiekonzern Tepco aus dem havarierten AKW Positives zu vermelden: Die drei teils schwer beschädigten Reaktoren könnten bald unter Kontrolle sein.

Am Mittwoch habe das Kühlwasser im letzten der drei Atomreaktoren die kritische Temperaturgrenze von 100 Grad Celsius unterschritten, sagte ein Sprecher von Tepco . Damit sei eine wichtige Voraussetzung für die sogenannte Kaltabschaltung zum Jahresende geschaffen. Dieser Zustand ist erreicht, wenn das Wasser zur Kühlung der Brennstäbe dauerhaft kälter als 100 Grad ist und damit kein Wasser mehr verdampft.

Erst nach einer Kaltabschaltung dürfen die nach dem Reaktorunfall im März in Sicherheit gebrachten Bewohner wieder in ihre Häuser in der Nähe der Anlage zurückkehren. Tepco teilte mit, dass eine Kaltabschaltung erst dann erfolgen könne, wenn die von den Reaktoren ausgehende Strahlenbelastung weiter absinke.

cib/dpa>

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Der Standard online,
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Schweiz 28.9.2011: Nach dem Nationalrat verbietet auch der Ständerat den Bau neuer Atomkraftwerke

aus: Der Standard online: Bestätigt: Schweiz verbietet Bau neuer Atomkraftwerke. Ständerat sagt Ja zum Ausstieg aus der Atomenergie; 28.9.2011;
http://derstandard.at/1317018723144/Bestaetigt-Schweiz-verbietet-Bau-neuer-Atomkraftwerke

<Bern - Ein halbes Jahr nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima sind in der Schweiz die Weichen für die Energiewende gestellt: Im Land soll der Bau neuer Atomkraftwerke verboten werden. Nach dem Nationalrat (Abgeordnetenhaus) hat auch der Ständerat (Länderkammer) dem Ausstieg aus der Atomenergie am Mittwoch zugestimmt.

Der Entscheid im Ständerat fiel deutlich: Der Rat stimmte den fraglichen Ausstiegsmotionen (Ausstiegsanträgen) mit jeweils über 30 Stimmen zu weniger als 10 Stimmen zu. Für den Ausstieg plädierten neben der Sozialdemokratischen Partei (SP) und Grünen Vertretern die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) und die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP), dagegen stemmten sich die Schweizer Volkspartei (SVP) und die Mehrheit der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP).

Definitiv ist der Entscheid nicht: Die Räte beauftragen den Bundesrat (Regierung) vorerst nur, im Kernenergiegesetz ein Verbot für den Bau neuer Atomkraftwerke zu verankern. Wenn die Gesetzesrevision vorliegt, werden sie sich erneut dazu äußern können.

Feilschen um Formulierung

Dennoch wurde bis zuletzt um die exakte Formulierung des Auftrags an den Bundesrat gefeilscht. Die Energiekommission des Ständerates hatte dem Rat zunächst empfehlen wollen, nur Atomkraftwerke der "heutigen Generation" zu verbieten. Diese Formulierung, die für die Atomkraft eine Hintertüre offen lassen sollte, sorgte jedoch für Diskussionen.

Im letzten Moment beschloss die Ständeratskommission dann, auf die Formulierung zu verzichten. Neu schlug sie eine Ergänzung vor, um das Verbot etwas abzuschwächen. Der Ständerat hat den Ausstiegsmotionen aus dem Nationalrat nun in dieser abgeänderten Form zugestimmt.

Im Auftrag an den Bundesrat steht demnach, dass das Verbot neuer Atomkraftwerke nicht einem "Technologieverbot" gleichkommt. Außerdem soll der Bundesrat periodisch über die Entwicklung der Technologien berichten, auch über Fortschritte in der Kerntechnologie.

Unsicherheit befürchtet

Der Schweizer Bundesrat möchte den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz gänzlich verbieten. Er sprach sich Anfang des Monats dagegen aus, die Türe für Atomkraftwerke einer neuen Generation offen zu lassen, wie dies die Energiekommission des Ständerates wollte. Ein Ausstieg mit Einschränkungen würde zu großer Unsicherheit führen, so der Bundesrat.

Aus Sicht der Atombefürworter beruhen die Pläne des Bundesrates für den Atomausstieg auf unrealistischen Annahmen, was Energieministerin Doris Leuthard bestritt. Manche warnten auch davor, unter dem Eindruck der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima die klimapolitischen Ziele zu vernachlässigen. (APA)>

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Und nun kommt eine unmögliche Meldung aus Japan:

n-tv online, Logo

30.9.2011: Japans Regierung empfiehlt für Fukushima die Rückkehr in die verstrahlten Gebiete

aus: n-tv online: Gegend um Fukushima: Japan empfiehlt Rückkehr; 30.9.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Japan-empfiehlt-Rueckkehr-article4432931.html

<Die japanische Regierung hebt ihre Evakuierungsempfehlung für das Gebiet 20 Kilometer rund um die Atomruine Fukushima auf. Viele Menschen sind nach der Katastrophe aus Angst vor radioaktiven Strahlen aus der Gegend geflohen.

Die japanische Regierung hat ihre Evakuierungsempfehlung für Gebiete im Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima aufgehoben. Der für die Bewältigung der Atomkatastrophe zuständige Minister Goshi Hosono nannte die getroffene Entscheidung einen "großen Fortschritt". Seine Regierung werde den aus Angst vor den radioaktiven Strahlen geflohenen Menschen helfen, sicher wieder zurückzukehren. Wirtschaftsminister Yukio Edano versprach den verunsicherten ehemaligen Bewohnern der betroffenen Gebiete zugleich, dass der Staat hart daran arbeiten werde, den verseuchten Boden zu dekontaminieren.

59.000 Menschen lebten vor dem Erdbeben in der Region

Betroffen von der am 22. April erfolgten Evakuierungsempfehlung waren die Bewohner der Stadt Hirono, Teile der Städte Minamisoma und Tamura, die Stadt Naraha und das Dorf Kawuichi. Alle diese Gebiete liegen in der Provinz Fukushima. Vor dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März, in deren Folge das AKW Fukushima Daiichi zerstört wurde, lebten 59.000 Menschen in diesen Gebieten. Die meisten von ihnen waren zwischenzeitlich geflohen, doch sind einige später wieder heimgekehrt.

Aus dem AKW entweicht weiter Radioaktivität, wenngleich erheblich weniger als noch zu Beginn der Katastrophe. Nach offiziellen Angaben liegt die Konzentration bei 200 Millionen Becquerel pro Stunde. Das sei ein 4-Millionstel der radioaktiven Menge vor knapp sieben Monaten.

AFP>

Kommentar

Die verstümmelten Kinder werden Japans Regierung ab Dezember 2011 lehren, dass mit Radioaktivität nicht zu spassen ist. Diese Kinder kommen ab Dezember 2011.

Michael Palomino, 1.10.2011

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20 minuten online, Logo

4.10.2011: <Katastrophe in Fukushima: Veränderte Hormonwerte bei Kindern> bei Untersuchung der Schilddrüsenfunktion - 10 von 130 Kindern haben veränderte Hormonwerte

aus: 20 minuten online; 4.10.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/30361440

<Sieben Monate nach der Atomkatastrophe in Japan sind bei Kindern aus der Umgebung des havarierten Kernkraftwerks Fukushima hormonelle Unregelmässigkeiten festgestellt worden.

Insgesamt 130 Mädchen und Jungen bis 16 Jahre seien auf ihre Schilddrüsenfunktion untersucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Zehn von ihnen wiesen demnach veränderte Hormonwerte auf.

«Wir können derzeit nicht sagen, dass die Kinder krank sind. Aber sie müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden», sagte ein Sprecher der Tschernobyl-Stiftung in Japan. Diese hatte die Untersuchungen zusammen mit der Shinshu-Uniklinik organisiert.

Nach einem Atomunfall besteht die Gefahr, dass sich freigesetztes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Dort kann es schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. Am 11. März waren Fukushima und angrenzende Provinzen im Nordosten Japans von einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem Jahrhundert-Tsunami heimgesucht worden.

Mehr als 15 000 Menschen starben. Im AKW Fukushima Daiichi kam es zu Kernschmelzen. Aus der Anlage entweicht weiter Radioaktivität, wenngleich erheblich weniger als zu Beginn der Katastrophe. Die Regierung hatte deshalb am vergangenen Freitag ihre Evakuierungsempfehlung für Gebiete im Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das Atomkraftwerk aufgehoben.

(sda)>

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20 minuten online, Logo

5.10.2011: <Katastrophe in Fukushima: Starke Strahlung auch ausserhalb der Sperrzone> - bis zu 307.000 Becquerel pro Kilogramm in 60 km Entfernung

aus: 20 minuten online; 5.10.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/29570803

<Neuste Bodenproben haben 60 Kilometer vom AKW-Fukushima entfernt eine massiv zu hohe Konzentration von radioaktivem Cäsium festgestellt. Experten fordern nun Massnahmen.

Ein unabhängiges Expertenteam hat in der japanischen Präfektur Fukushima weit ausserhalb der Sicherheitszone rund um die havarierte Atomanlage eine hohe Konzentration an Radioaktivität im Boden entdeckt. Die hohen Werte wurden rund 60 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt gemessen.

Wie die am Mittwoch veröffentlichte Studie eines Radiologen und mehrerer Bürgergruppen ergab, wurden in Bodenproben Belastungen mit radioaktivem Cäsium von bis zu 307 000 Becquerel pro Kilogramm entdeckt. Der von der Regierung zulässige Höchstwert liegt bei 10 000 Becquerel pro Kilogramm Boden.

Evakuierungszone gefordert

Die Radioaktivität könne von dem havarierten Atomkraftwerk stammen, erklärten die Experten. Sie forderten die zentrale sowie regionale Regierungen auf, Kinder und Schwangere aus der Region in Sicherheit zu bringen und das Gebiet zumindest zu einer freiwilligen Evakuierungszone zu erklären.

Ein starkes Erdbeben gefolgt von einem Tsunami hatte Mitte März zur schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl geführt. Erst am Freitag hatte die japanische Regierung eigentlich Warnhinweise für fünf Gebiete nahe der Atomanlage Fukushima aufgehoben, die allesamt zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt liegen. Die Sperrzone in einem Umkreis von 20 Kilometern rings um Fukushima bleibt aber bestehen.

(sda)>

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n-tv online, Logo

Deutschland 5.10.2011: Trotz aller Risiken soll der Salzstock von Gorleben weiter Atommüll-Endlager sein

aus: n-tv online: 100.000 Kubikmeter Uran-Abfall: Gorleben soll mehr leisten; 5.10.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Gorleben-soll-mehr-leisten-article4456446.html

<1983 war entschieden worden, dass Gorleben als Endlager erforscht wird.

Um den Salzstock Gorleben als Standort für ein mögliches Atommüll-Endlager wird seit 30 Jahren gestritten. Gutachter widersprechen Gutachtern. Klar ist heute, Gorleben war von Anfang an politisch gewollt. Ein Neustart nach einer Endlager-Suche gilt als wahrscheinlich. Dennoch plant die Bundesregierung weiter mit Gorleben. Dabei treten jetzt ganz neue Dimensionen zutage.

Ende November könnte der nächste Castor-Transport nach Gorleben starten. Im Vorfeld werfen Gegner den Behörden vor, frisierte Messwerte um das Atommülllager verbreitet zu haben. Auch die SPD-Bundestagsfraktion dringt auf eine rasche Begutachtung möglicher Strahlengefahren durch den Bundestags-Umweltausschuss. Dort wiederum tritt zutage, was bisher bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager schief gelaufen ist.

Der Ausschuss zeige die ganzen Fehler bei der bisherigen Endlagersuche auf: Manipulationen, Mauscheleien und vor allem mangelnde Transparenz. Die Grünen streiten parteiintern, ob bei einem Neustart neue Standorte mit Gorleben verglichen werden sollen oder ob man das Endlagerprojekt im Wendland gleich beerdigt. Grüne, SPD und Linke wollen zur Durchleuchtung der 90er Jahre auch die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) noch hören, in deren Amtszeit das Projekt vorangetrieben wurde, bevor Rot-Grün einen Erkundungsstopp verfügte. An Gorleben, so heißt es immer wieder, sei aus politischen Gründen und nicht nach wissenschaftlichen Kriterien festgehalten worden.

Während Niedersachsen sich damals bereit erklärte, ein Endlager zu errichten, geht die heutige Regierung auf Distanz, wohlwissend, dass bei einem Neustart zwar Gorleben ausscheiden, aber die schon vor 35 Jahren favorisierten anderen 41 Salzstöcke in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wieder zum Thema werden könnten.

Gorleben könnte noch mehr Atommüll aufnehmen

Würde die Entscheidung doch auf Gorleben hinauslaufen, könnten dort mehr radioaktive Abfälle eingelagert werden als bisher offiziell bekannt. Zu dem hochradioaktiven Müll sollen auch bis zu 100.000 Kubikmeter abgereichertes Uran hinzukommen, das nicht in das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann. Dies geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums an die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl hervor.

Die Mengen würden bei weiten das Volumen hochradioaktiver Abfälle übertreffen, die auf 29.000 Kubikmeter geschätzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnet zudem mit bis zu 5000 Kubikmetern Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung, die nicht für Schacht Konrad geeignet sind. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht hier von bis zu 8800 Kubikmetern aus. Hinzu kommen graphithaltige Abfälle von 500 bis 1000 Kubikmetern.

14 Kilometer lang und 4 Kilometer breit

Alle anderen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus kerntechnischen Anlagen sollen nach Schacht Konrad gehen. Dieses Lager ist frühestens 2014 startklar. Der Salzstock Gorleben gilt als groß genug, um solche zusätzlichen Mengen aufzunehmen. Allerdings ist bisher unklar, welche zusätzlichen Sicherheitsanforderungen notwendig wären. In der Vergangenheit wurde auch über eine "Ein-Endlager-Lösung" diskutiert - aber letztlich beschlossen, nicht hochradioaktive Abfälle in Schacht Konrad in Salzgitter einzulagern.

Der Salzstock Gorleben galt vielen Experten daher zuletzt als überdimensioniert. Er ist etwa 14 Kilometer lang und bis zu 4 Kilometer breit. Er reicht aus 3,5 Kilometern Tiefe hinauf bis auf etwa 260 Meter unter der Oberfläche. Das "Erkundungsbergwerk" umfasst zwei Schächte von 840 und 940 Metern Tiefe. In seine Erkundung sind bereits mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert worden.

ppo/dpa>

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Spiegel online, Logo

Deutschland 6.10.2011: Atommüll im Lager Asse soll "geborgen" werden - und das dauert 10 Jahre

aus: Spiegel online: Marodes Bergwerk: Bergung des Asse-Atommülls wird mehr als zehn Jahre dauern; 6.10.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,790274,00.html

<Die Bergung des Atommülls aus dem Zwischenlager Asse hat noch nicht begonnen, und schon drohen neue Verzögerungen: Das Bundesamt für Strahlenschutz geht davon aus, dass die Rückholung des strahlenden Abfalls mehr als zehn Jahre in Anspruch nehmen wird.

Remlingen - Die Bergung des Atommülls aus dem maroden Lager Asse bereitet weiterhin Probleme. Nach einer Schätzung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) dürfte es wegen zahlreicher Unwägbarkeiten mehr als ein Jahrzehnt dauern, ehe die Abfälle aus dem ehemaligen Bergwerk herausgeholt sind. "In zehn Jahren werden wir eine Rückholung nicht abgeschlossen haben", sagte BfS-Präsident Wolfram König im niedersächsischen Remlingen.

Bis 1978 wurden in dem früheren Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel 126.000 Behälter mit schwach- und mittelradioaktivem Müll abgekippt. Nach schweren Versäumnissen wurde dem Betreiber, dem Helmholtz-Zentrum München, 2009 die Verantwortung entzogen und dem BfS übertragen. In das Lager dringen täglich geschätzte 12.000 Liter Wasser ein.

Das Umweltministerium hatte bezweifelt, dass angesichts des Zeitdrucks wegen der Einsturzgefahr und anderer Probleme die Bergung machbar ist. "Auch bei der Rückholung gibt es offene Punkte, die die Realisierbarkeit schwieriger als geplant gestalten und sogar in Frage stellen könnten", schrieb Umweltstaatssekretärin Ursula Heinen-Esser an den Umweltausschuss des Bundestags. SPD und Grüne dringen darauf, rasch mit der Rückholung des Mülls zu beginnen.

Noch in diesem Jahr könnte endlich mit einer Probebohrung in eine verschlossene Kammer begonnen werden, doch das BfS muss zunächst 1400 Einzelschritte und 32 Auflagen abarbeiten. Um den mittel- und schwachradioaktiven Müll bergen zu können, soll ein neuer Schacht etwa 500 Meter vom Bergwerk entfernt gebaut werden.

Wohin mit dem Müll?

Insgesamt müssen bis zu 100.000 Tonnen Atommüll geborgen werden, die zunächst in einem eigenen Zwischenlager gelagert werden sollen. Unklar ist, in welches Endlager der Asse-Müll kommen könnte, da das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Schacht Konrad, nach der bisherigen Genehmigung diese Mengen nicht aufnehmen kann. Die Bergung könnte mehrere Milliarden Euro kosten und soll zum Teil durch die Einnahmen aus der Brennelementesteuer bezahlt werden.

Für das BfS ist es ein Wettlauf mit der Zeit. Das Wasser gefährdet die Standfestigkeit des einsturzgefährdeten Bergwerks. Zudem drückt das Gebirge massiv. "Wir wissen, dass wir eine Aktivität haben, die nicht beruhigt", sagte König. Man hoffe, dass man mit Stabilisierungsmaßnahmen das Werk noch für mehr als zehn Jahre sichern könne. Das oberste Ziel sei es, die Asse sicher zu schließen. Eine Rückholung des Atommülls gewähre die beste Langzeitsicherheit vor Strahlung.

Die SPD-Kreistagsabgeordnete Heike Wiegel, die auch Mitglied der Bürgerinitiative AufpASSEn ist, betonte mit Blick auf die Zweifel des Bundesumweltministeriums: "Wenn es so dargestellt wird, dass die Rückholung nicht möglich ist, dann liegt es am Geld oder am Nichtwollen".

mbe/dpa>

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Basler Zeitung online, Logo

Fukushima am 7.10.2011: <"Nähert man sich dem Reaktor, zeigt das Messgerät 'Error' an">

aus: Basler Zeitung online; 7.10.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Naehert-man-sich-dem-Reaktor-zeigt-das-Messgeraet-Error-an/story/12309863

<Die AKW-Katastrophe hat aus ihrer Heimat Fukushima eine Sperrzone gemacht. Die einzige Arbeit für die Männer dort: Aufräumen im havarierten Kernkraftwerk. Eine TV-Reportage zeigt schockierende Szenen.

Der Einblick, den das ZDF-Nachrichtenmagazin «Frontal 21» in die Aufräumaktion am havarierten AKW Fukushima in Japan gewonnen hat, bringt Schockierendes an den Tag. Arbeiter äusserten sich nur anonym und mit verzerrter Stimme. Denn sie haben Angst. Angst vor der Strahlung. Angst, ihre Arbeit zu verlieren. Und Angst vor der Betreiberfirma Tepco.

«Hier in der Gegend gibt es praktisch keine Arbeit mehr. Also arbeite ich jetzt halt für Tepco», erklärt einer, weshalb er das überhaupt macht. Seine grösste Angst: «Wenn herauskommt, dass ich euch Informationen gebe, dann habe ich kein Einkommen mehr und kann meine Familie nicht mehr ernähren.» Die Arbeitsverträge der Arbeiter, die die stark verstrahlte Fukushima-Ruine aufräumen, enthalten eine Schweigeklausel: Die Arbeiter dürfen keinerlei Informationen über die Arbeit weitergeben.

«Es gibt keine Absperrungen»

Eine andere Eigenheit der Arbeitsverträge: Wer zusätzlich zum Tageslohn von umgerechnet 100 bis 120 Franken die Risikozulage von gut 10 Franken pro Stunde will, der unterschreibt, dass er Tepco später nicht auf Schadenersatz einklagen wird. Ein Tepco-Sprecher sagt dazu gegenüber «Frontal 21» nur, die Verträge würden von Subunternehmern mit den Arbeitern abgeschlossen. Daher habe Tepco dazu nichts zu sagen.

Dabei sind die gesundheitlichen Risiken nicht absehbar. Wenn wieder irgendwo in der Ruine ein neuer Hotspot mit extrem hoher Strahlung entdeckt wird, dann erfahren das die Arbeiter meist aus dem Fernsehen. «Wir erhalten keine verlässlichen Erklärungen, wo es gefährlich wird. Es gibt keine Absperrungen.»

Messgerät zeigt «Error» an

Wie hoch die Strahlung im Zentrum der 20-Kilometer-Sicherheitszone um das havarierte AKW ist, wissen die Arbeiter nicht: «Wenn du dich dem Reaktor näherst, dann zeigt das Messgerät nur noch ‹Error› an.» Die Werte sind so hoch, dass sie ausserhalb des Messbereichs der Geräte liegen. Ein Arzt warnt: «Sind die Hoden der Männer zu starker Strahlung ausgesetzt, ist die Wahrscheinlichkeit für körperliche Missbildungen und geistige Behinderungen bei ihren Kindern grösser.» Ein Schaden, für den Tepco dann nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Vor einer Woche hatte die japanische Regierung Warnhinweise für fünf Gebiete nahe der Atomanlage aufgehoben, die allesamt zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt liegen. Die engere Sperrzone in einem Umkreis von 20 Kilometern um das AKW bleibt aber bestehen. An den Rand dieser 20-Kilometer-Zone ziehen sich die Arbeiter nach ihren Einsätzen jeweils in eine Art Lager zurück.

Verseuchtes Gebiet auch ausserhalb

Am Mittwoch dieser Woche wurde bekannt, dass auch weit ausserhalb der Sicherheitszone der Boden stark radioaktiv belastet ist. Ein unabhängiges Expertenteam hatte die hohen Werte rund 60 Kilometer vom AKW entfernt gemessen. Wie die Studie eines Radiologen und mehrerer Bürgergruppen ergab, wurden in Bodenproben Belastungen mit radioaktivem Cäsium von bis zu 307'000 Becquerel pro Kilogramm entdeckt. Der von der Regierung zulässige Höchstwert liegt bei 10'000 Becquerel pro Kilogramm Boden.

Die Radioaktivität könne von dem havarierten Atomkraftwerk stammen, erklärten die Experten. Sie forderten die zentrale sowie regionale Regierungen auf, Kinder und Schwangere aus der Region in Sicherheit zu bringen und das Gebiet zumindest zu einer freiwilligen Evakuierungszone zu erklären.

Kinder unter Beobachtung

Eine andere Untersuchung hat derweil bei Kindern aus der Umgebung von Fukushima hormonelle Unregelmässigkeiten festgestellt. Insgesamt 130 Mädchen und Jungen bis 16 Jahre seien auf ihre Schilddrüsenfunktion untersucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Zehn von ihnen wiesen demnach veränderte Hormonwerte auf.

«Wir können derzeit nicht sagen, dass die Kinder krank sind. Aber sie müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden», sagte ein Sprecher der Tschernobyl-Stiftung in Japan. Diese hatte die Untersuchungen zusammen mit der Shinshu-Uniklinik organisiert. Nach einem Atomunfall besteht die Gefahr, dass sich freigesetztes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Dort kann es schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. (ami/sda)>

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8.10.2011: Deutschland sucht nun auch ein Endlager für den Atommüll in Süddeutschland

aus: Spiegel online: Plan aus Baden-Württemberg: Deutschlandweite Endlagersuche soll 2012 starten; 8.10.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,790629,00.html

<Salzbergwerk Gorleben: Stockende Endlagersucher

Baden-Württemberg treibt die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in ganz Deutschland voran: Der grüne Umweltminister Franz Untersteller hat nun einen konkreten Zeitplan vorgestellt.

Stuttgart - Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) will die Suche nach einem Endlager für Atommüll ohne Streit unter den Bundesländern voranbringen. Dazu soll ein Acht-Punkte-Papier beitragen, das er an seine Amtskollegen in Bund und Ländern verschickt hat, wie das Ministerium am Freitag mitteilte. Darin wird unter anderem ein konkreter Zeitplan mit vier Phasen für die Suche vorgeschlagen.

In Phase I sollten auf der Basis vorhandener geologischer Daten bis 2014 vier mögliche Standortgebiete ausgewählt werden. In Phase II könnten diese mithilfe von geophysikalischen Methoden und Bohrungen näher untersucht werden. Bis spätestens 2021 sollten nur noch zwei Standorte zur Wahl stehen. Phase III schließlich sei ihre Erkundung unter Tage und die Auswahl eines Endlagerstandorts in Deutschland.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass in Phase 0 bis 2012 von Bundestag und Bundesrat ein Gesetz verabschiedet werde, das den Zeitplan und den Ablauf der Standortsuche für ein Endlager festlegt, die Finanzierung und die Zuständigkeiten im Auswahlverfahren regelt und Instrumente zur Beteiligung der Öffentlichkeit im Verfahren vorschreibt, heißt es. Das Papier mit dem Titel "Endlagerung streitfrei stellen" ist vom politisch unabhängigen Öko-Institut im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums verfasst worden.

Bayern laviert bei der Endlagerfrage

"In jeder Phase werden die Länder beteiligt und die Öffentlichkeit eingebunden", erläuterte der Minister den Prozess, "und jede Phase wird formal mit einer Entscheidung des Bundestags abgeschlossen." Beides, die Beteiligung der Öffentlichkeit in einer Art nationalem Endlagerdialog und die fortlaufende Legitimierung der Verfahrensschritte durch den Bundestag, seien unverzichtbar, um die Endlagersuche gesellschaftlich, politisch und nicht zuletzt sicherheitstechnisch erfolgreich zu gestalten, betonte Untersteller.

Grundsätzlich sollten nur Ton- und Salzgesteine in die Suche für das Endlager einbezogen werden. Und aus Sicherheitsgründen müsse man ein fest verschlossenes Endlager in tieferen geologischen Formationen planen. Untersteller sprach sich ausdrücklich gegen die sogenannte Rückholbarkeit der Abfälle aus. Andere Experten hingegen hatten zuvor vorgeschlagen, Atommüll zeitlich begrenzt in der Erde zu lagern - um die Suche nach einem Endlager zu vereinfachen.

Die süddeutschen Bundesländer finden sich in der Verantwortung: In Bayern stehen fünf der 17 deutschen Atomkraftwerke (AKW). Baden-Württemberg produziert ähnlich viel hochradioaktiven Atommüll. Doch die Hinterlassenschaften der AKW wollten beide Länder bislang am liebsten nach Norden transferieren. Die Suche nach einem Endlager innerhalb der eigenen Grenzen lehnten sie bislang ab.

Kürzlich hatte aber auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer angekündigt, der Ausweitung der Endlagersuche auf Bayern zustimmen zu sollen. Doch sein Umweltministerium erklärte kurz darauf, dass Bayern für ein Atomendlager nicht geeignet sei.

boj/dapd>

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Und in Japan ist die Mega-Katastrophe schon lange im Gang:


20 minuten online, Logo

13.10.2011: <Knapp unter Evakuierungsgrenze: Extrem hohe Radioaktivität in Tokio gemessen>

aus: 20 minuten online;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/19280715

<Sieben Monate nach der Atomkatastrophe im AKW Fukushima wurden laut Medienberichten in der Hauptstadt Tokio radioaktive Strahlung knapp unter dem für Evakuierungen vorgesehenen Grenzwert gemessen.
An einer Stelle am Strassenrand im Westen der Stadt Tokio betrage die Strahlung 3,35 Mikrosievert pro Stunde, berichtete der Fernsehsender NHK am Donnerstag.

Bei einer Hochrechnung entsprechend den Vorgaben des japanischen Wissenschaftsministeriums ergebe dies einen Jahreswert von 17,6 Millisievert. Ab 20 Millisievert im Jahr wäre laut geltenden Regelungen eine Evakuierung des Gebiets erforderlich.

Gebiet wird dekontaminiert

Nach NHK-Angaben wurde die Strahlung einen Meter über dem Boden an einer Hecke gemessen. Andere Stellen auf dem Trottoir wiesen demnach niedrigere Werte auf. Die städtischen Behörden in Tokio bestätigten die Angaben nur indirekt.

Genaue Gründe für mögliche hohe Strahlungswerte seien nicht bekannt, sagte eine Sprecherin. Experten seien dabei, die Zahlen zu prüfen und das betroffene Gebiet zu dekontaminieren.

Hohe Werte bereits am Mittwoch

Bereits am Mittwoch hatten die Behörden des westlichen Stadtteils bekannt gegeben, in der vergangenen Woche an einer Stelle einen Radioaktivitätswert von 2,7 Mikrosievert pro Stunde gemessen zu haben. Sie wiesen Schulkinder an, den betroffenen Gehweg zu meiden.

Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima liegt 220 Kilometer von Tokio entfernt. Es wurde am 11. März von einem Erdbeben und einem anschliessenden Tsunami getroffen.

(sda)>

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Welt online, Logo

13.10.2011: Die hohe Radioaktivität in Tokio soll nicht aus Fukushima stammen

aus: Welt online: Hoher Strahlenwert gemessen: Mysteriöse Radioaktivität beunruhigt Tokio; 13.10.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13659019/Mysterioese-Radioaktivitaet-beunruhigt-Tokio.html

<Im Stadtteil Setagaya in Tokio sind an einer Mauer erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Angeblich sollen sie nichts mit dem Unglück in Fukushima zu tun haben

In der Millionenstadt Tokio ist eine stark erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Der Wert liegt knapp unter der Evakuierungsgrenze. Es soll nicht an Fukushima liegen.

An der Gartenmauer eines Hauses im Stadtteil Setagaya in Tokio wurden jetzt bis zu 3,35 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der Bürgermeister trat aber der Befürchtung entgegen, die Strahlung stamme aus dem 230 Kilometer entfernten Unglücks-Kraftwerk Fukushima Daiichi. Als Ursache der Strahlung in Setagaya wird eine aufgefundene Flasche vermutet. Ihr genauer Inhalt wurde nicht bekannt.

Die Nervosität in Japan wächst, zumal auch an anderen kleinen Stellen im Raum Tokio weitab der Unglücksreaktoren hohe Strahlenwerte gemessen wurden. Würde ein Mensch über ein Jahr hinweg nahe der Strahlenquelle von Setagaya acht Stunden am Tag draußen und den Rest des Tages im Haus verbringen, wäre er einer akkumulierten Dosis von 17 Millisievert ausgesetzt. Die von der Regierung erlaubte und international empfohlene Höchstgrenze beträgt 20 Millisievert.

Unterdessen entdeckten Bürger in Funabashi in Tokios Nachbarprovinz Chiba eine Strahlenmenge von 5,82 Mikrosievert am Boden eines Kinder-Freizeitparks. Dieser Wert liegt über der Dosis von 2,17 Mikrosievert, die am Vortag im Dorf Iitate in Fukushima gemessen wurde. Der Ort liegt 45 Kilometer vom Kraftwerk Fukushima entfernt und ist eine der ausgewiesenen Evakuierungsgebiete. Funabashi ist 210 Kilometer vom Akw entfernt.

Kürzlich waren in Ablagerungen auf einem Dach eines Wohngebäudes in Yokohama, rund 250 Kilometer vom AKW entfernt, ungewöhnlich hohe Mengen von radioaktivem Strontium gefunden worden. Wissenschaftler sprechen bei Strontium auch von einem „Knochenkiller“. Es schädige das Knochenmark und könne Leukämie (Blutkrebs) auslösen.

Sieben Monate nach dem Unglück entweicht aus Fukushima Daiichi weiterhin Radioaktivität, allerdings erheblich weniger als zu Beginn der Katastrophe in Folge des Erdbebens und Tsunami vom 11. März. Nach offiziellen Angaben liegt die Konzentration bei 200 Millionen Becquerel pro Stunde, rund ein 4-Millionstel der Menge zu Beginn der Krise.

AFP/cor>

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14.10.2011: Leere Flaschen mit Radium 226 sollen die Ursache für die erhöhte Radioaktivität in Tokio sein

aus: n-tv online: "Nichts mit Fukushima zu tun": Radium verstrahlt Teile Tokios; 14.10.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Radium-verstrahlt-Teile-Tokios-article4528446.html

<Nach Angaben der japanischen Behörden hat die erhöhte Radioaktivität in Tokio nichts mit dem Atomunfall in Fukushima zu tun. Schuld an der hohen Strahlung sollen leere Flaschen sein, in denen Radium 226 gewesen sei. Woher die Flaschen kommen, ist allerdings völlig unklar.

Japanische Experten haben das Rätsel um einen radioaktiven Hotspot in Tokio offenbar gelöst. Wie die Behörden mitteilten, stammte die Strahlung von 3,35 Mikrosievert pro Stunde an einer Straße im Westen der japanischen Hauptstadt von leeren Flaschen, die Radium enthalten hatten.

Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie erklärte, in den Flaschen sei Radium 226 gewesen, das unter anderem für die Herstellung von Leuchtfarbe oder zu medizinischen Zwecken verwendet wird. Der Hotspot habe aber "nichts mit dem Atomunfall in Fukushima zu tun".

Herkunft bleibt Rätsel

Das Grundstück, auf dem die Flaschen gefunden wurden, ist nach Ministeriumsangaben derzeit unbewohnt. Die erhöhte Strahlung habe keine Auswirkungen auf die Gesundheit der Nachbarn gehabt. Die Herkunft der Flaschen bleibe jedoch mysteriös.

Forscher hatten am Donnerstag bei Tests über die Reichweite der Strahlung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima an der betreffenden Stelle den erhöhten Wert von 3,35 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Bei einer Hochrechnung entsprechend den Vorgaben des japanischen Wissenschaftsministeriums würde dies einen Jahreswert von 17,6 Millisievert ergeben. Ab 20 Millisievert im Jahr wäre dann eine Evakuierung des Gebiets erforderlich.

AFP>


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Fukushima am 17.10.2011: Explodierter Reaktor hat nun eine Polyester-Hülle

Fukushima, explodierter Reaktor mit
                        Polyester-Hülle
Fukushima, explodierter Reaktor mit Polyester-Hülle [1]

aus: Der Standard online: Japan: Reaktor in Fukushima mit Polyester-Hülle bedeckt; 17.10.2011;
http://derstandard.at/1318726074036/Japan-Reaktor-in-Fukushima-mit-Polyester-Huelle-bedeckt

<Das Reaktorgebäude 1 in Fukushima wurde mit speziellen Polyester-Planen abgedeckt.

Mit spezieller Konstruktion soll Austritt von Radioaktivität verhindert werden.

Tokio - Ein Reaktorgebäude des durch den Tsunami beschädigten japanischen AKWs Fukushima erhält eine Abdeckung aus Polyester-Planen. Dadurch solle das weitere Austreten von Radioaktivität zu 90 Prozent verhindert werden, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. Arbeiter montierten über dem Gebäude mit Hilfe eines Stahlgerüsts riesige Planen aus Polyesterfasern, sagte ein Tepco-Sprecher. Das Kraftwerk wurde durch das Erdbeben vom 11. März und den darauffolgenden Tsunami beschädigt. Bei Reaktor 1 eins kam es durch eine Wasserstoffexplosion zu weiteren Schäden, seither tritt radioaktives Material aus.

Nach einem Bericht der japanischen Atomenergie-Sicherheitsbehörde (JNES) ist das Land einer noch größeren Atomkatastrophe viel knapper entronnen als Tepco bislang zugegeben hat. Demnach haben Untersuchungen ergeben, dass Nachbeben das Abklingbecken in Reaktor 4 hätten beschädigen können. Tepco hatte bisher behauptet, dass die Becken sicher gewesen wären. (mako, dpa, DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2011)

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24.10.2011: Radioaktiver Hotspot in Vorort von Tokio in Kashiwa - am Ende einer Regenwasserrinne

aus: Der Standard online: Nach Atomkatastrophe: Hohe Radioaktivitätswerte bei Tokio gemessen; Behörden vermuten Zusammenhang mit Fukushima-Atomkatastrophe; 24.10.2011; http://derstandard.at/1319181049669/Nach-Atomkatastrophe-Hohe-Radioaktivitaetswerte-bei-Tokio-gemessen

<Tokio - In einem Vorort der japanischen Hauptstadt Tokio ist fast acht Monate nach der Atomkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima ein radioaktiver Hotspot entdeckt worden. Wie die Behörden am Montag mitteilten, lag die auf einem unbebauten Grundstück in Kashiwa gemessene Strahlung einen Meter oberhalb der Erdoberfläche bei 2,0 Mikrosievert pro Stunde. Im Boden wurden sogar Werte von 57,5 Mikrosievert je Stunde gemessen.

Experten des Wissenschafts- und Technologieministeriums vermuten einen Zusammenhang zum Fukushima-Unglück. Die Kontaminierung sei durch in Regenwasser mitgeführtes radioaktives Caesium hervorgerufen worden, das aus einer kaputten Abflussrinne ausgetreten sei. Ein Beamter sagte, das Gebiet sei mit Flusssand und Plastikbahnen abgedeckt worden. Dadurch hätten die Radioaktivitätswerte in der Luft gesenkt werden können.

Kashiwa liegt etwa 195 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima entfernt. Dieses wurde am 11. März von einem Erdbeben und einem anschließenden Tsunami getroffen und schwer beschädigt. 20.000 Menschen starben oder werden noch vermisst. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser und Geschäfte in einer 20-Kilometer-Sperrzone verlassen. Die Region im Nordosten Japans wird erst in Jahrzehnten wieder bewohnbar sein. (APA)>

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28.10.2011: Weiterhin Tricks, Schummelei und Korruption bei der Atomwirtschaft: Manipulierte "Stresstests"

aus: n-tv online: Risiko von Flugzeugabstürzen ignoriert? Greenpeace kritisiert AKW-Tests; 28.10.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Greenpeace-kritisiert-AKW-Tests-article4638686.html

<Seit Juni werden in Europa Stresstests an Atomkraftwerken durchgeführt. Greenpeace kritisiert die Verfahren jedoch scharf. In vielen Fällen sei etwa das Risiko von Flugzeugabstürzen ignoriert worden. Deutschland liege "in der besseren Mittelschicht", so die Umweltorganisation. Und Tschechien spart sich offenbar Arbeit.

Die im Juni gestarteten Stresstests für die europäischen Atomkraftwerke werden nach Einschätzung von Greenpeace nicht so gründlich ausgeführt wie angekündigt. Es gebe "große blinde Flecken", teilte die Umweltschutzorganisation mit. Demnach werde das Risiko durch Abstürze großer Flugzeuge weitgehend ignoriert, darüber hinaus sei das gleichzeitige Versagen mehrere Meiler in einer Anlage kaum berücksichtigt. Dies gehe aus einer Sichtung der vorläufigen Berichte hervor, die Betreiber und nationale Aufsichtsbehörden im August und September fertigstellen mussten.

Deutschland liege "in der besseren Mittelschicht", was die Qualität der Tests und Berichte angehe, sagte der Greenpeace-Experte Jan Haverkamp. Es werde beispielsweise nicht berücksichtigt, wohin bei einem Unfall radioaktiv verseuchtes Kühlwasser fließe. Besonders negativ steche Tschechien heraus, von wo zu sechs Atomkraftwerken nur insgesamt sieben Seiten Bericht vorlägen. In Tschechien wie Großbritannien, Spanien, Ungarn und der Slowakei werde das Risiko ignoriert, dass bestimmte Reaktoren nur eine einzige Schutzhülle besäßen. Frankreich zähle dagegen zu den Ländern, in denen eine unabhängige Atomaufsicht vergleichsweise gründliche Tests gewährleiste.

Die Tests waren im Frühjahr von den Staats- und Regierungschefs der EU als Lehre aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vereinbart worden. Entwickelt wurden sie von der EU-Kommission und der Gruppe der Europäischen Nuklear-Aufsichtsbehörden (ENSREG). Die Greenpeace-Analyse stützt sich auf vorläufige Prüfberichte und urteilt über die darin zu Tage tretende Qualität der Tests - nicht über die Sicherheit der Anlagen selbst. Der abschließende EU-Gesamtbericht soll im Juni 2012 veröffentlicht werden.

AFP>

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Financial Times Deutschland
                      online, Logo

Deutschland 30.10.2011: Die kriminelle Atomlobby manipulierte den Wahlkampf von 2009 überall - sogar in Frauenzeitschriften

aus: Financial Times Deutschland online: Kämpfer für die Kernkraft: Wie die Atomlobby versuchte, eine Wahl zu beeinflussen; 30.10.2011;
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kaempfer-fuer-die-kernkraft-wie-die-atomlobby-versuchte-eine-wahl-zu-beeinflussen/60122801.html
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kaempfer-fuer-die-kernkraft-wie-die-atomlobby-versuchte-eine-wahl-zu-beeinflussen/60122801.html?page=2

<Pro-Atom-Beiträge von Prominenten, wissenschaftliche Studien und versuchte Einflussnahme sogar in Frauenzeitschriften: Erstmals werden Details bekannt, wie sich die Atomlobby vor der Wahl 2009 bemühte, die Stimmung zu drehen. Viele Medien fielen darauf rein. von Georg Ismar, Berlin

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zog am 1. Juli 2009 kräftig vom Leder. "50 Jahre Atomforum - das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug", wetterte der damals für die deutschen Atomkraftwerke zuständige SPD-Politiker. Zur gleichen Zeit weilte die mit ihm regierende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Atomlobby im Berliner E-Werk.

Dort machte Merkel klar, dass sie eine Laufzeitverlängerung wolle, wenn es wenige Wochen später bei der Bundestagswahl zur Koalition mit der FDP reichen sollte. Sie halte die Kernenergie zur Zeit für "unverzichtbar". Merkel plädierte für eine pragmatischere Sichtweise. Der damalige Präsident des Atomforums, Walter Hohlefelder, deutete Merkels Präsenz als "politisches Signal" und machte einen hohen Atomanteil für Wohlstand und Wohlfahrt in Deutschland verantwortlich.
Ende einer Ära Das war die deutsche Atomwirtschaft

Es war klar: das Atomthema würde den Wahlkampf dominieren. Zu dem Zeitpunkt lief im Hintergrund die PR-Maschine schon längst auf Hochtouren. Der "taz" sind 79 Seiten zugespielt worden, die erstmals detailliert darlegen, was immer vermutet worden war. Mit Millionenaufwand versuchte das Atomforum über die PR-Agentur Deekeling Arndt Advisors seit 2008, die öffentliche Meinung massiv zu beeinflussen.

Die Zeitung hat die Dokumente ins Internet gestellt. Neben Imagekampagnen, die Atommeiler als "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer" priesen, gab es auch subtilere Maßnahmen. Bekannte Wirtschaftsführer platzierten Pro-Atom-Meinungsbeiträge in renommierten überregionalen Zeitungen. Der Kontakt zu Politikern wurde intensiviert.
Bei dem Professor Joachim Schwalbach von der Humboldt-Uni Berlin wurde eine Studie zum "volkswirtschaftlichen, sozialen/gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen der Kernenergie in Deutschland" in Auftrag gegeben. Die Maßnahme wurde aber "wegen unzureichender Qualität der Ergebnisse" nicht umgesetzt. Schwalbach betont laut "taz", er wollte kein "Gefälligkeitsgutachten" schreiben.

Teil 2:
Mit einem "Brückenschlag zum Vorzeigeland Schweiz", das nüchtern über Atomkraft diskutiere, sollte gezeigt werden, dass die Deutschen mit ihrer Angst vor der Technologie recht alleine dastehen. Ein Mittel dazu war eine Pressereise mit "Key-Journalisten deutscher Meinungsführer-Medien". Das Fazit der PR-Agentur nach Artikeln über die Reise: "Pragmatismus der Schweiz verfängt in Medienberichten".

Selbst in Frauenmagazinen wollte man atomfreundliche Beiträge platzieren, um einen Stimmungsumschwung mit Blick auf die von Union und FDP geplante Laufzeitverlängerung vor der Wahl zu erreichen. Das hatte aber keinen Erfolg: "Trotz intensiver Bemühungen und guter Kontakte keine Platzierung in Frauenzeitschriften aufgrund enger Verknüpfung der redaktionellen Inhalte mit Anzeigenschaltung".

Auch der Historiker Arnulf Baring war im Einsatz. Neben einem Festvortrag zum 50-Jahres-Fest des Atomforums wurde ein ganzseitiger, Artikel von Baring in einer großen Zeitung veröffentlicht. Das Ziel: "Reflexion und Interpretation der Kernenergie-Debatte durch unabhängigen, glaubwürdigen Dritten". Danach gab es viele Leserbriefe mit Pro-Kernenergie-Äußerungen.

Das Fazit der Agentur: "Dialogischer Ansatz verfängt". Weiter rühmt sich die Agentur, eine andere Zeitung habe die Veröffentlichung einer Studie zu Kinderkrebsfällen im Umfeld von Atommeilern auf die Zeit nach der Bundestagswahl 2009 verschoben.

Ein Nutzen der PR-Arbeit 2008 und 2009 lässt sich schwer bemessen, aber ist es ein Skandal? Wohl kaum, denn es wurde laut Dokumenten nichts verbotenes getan. In Branchenkreisen heißt es, eher müssten sich Medien kritisch hinterfragen. Schließlich stehe es jeder Zeitung frei, was sie veröffentlicht.
Das Atomforum jedenfalls sieht die Enthüllung gelassen. "Es ist ein ganz üblicher Vorgang, dass man über Öffentlichkeitsarbeit versucht, die Öffentlichkeit zu beeinflussen", sagt Geschäftsführer Dieter H. Marx. "Das macht Greenpeace auch."

Inzwischen ist vom Atomforum, dem auch die AKW-Betreiber Eon , RWE , EnBW  und Vattenfall angehören, nur noch wenig zu hören. Nach der Freude über die Laufzeitverlängerung um im Schnitt zwölf Jahre vor einem Jahr kam keine sechs Monate später die Ernüchterung durch die Folgen des GAU von Fukushima.
Schwarz-Gelb warf alte Überzeugungen über den Haufen, legte acht Meiler gleich still und will den letzten statt 2036 nun schon 2022 abschalten lassen. Dieser Beschluss dürfte durch keine PR-Kampagne der Welt wieder rückgängig zu machen sein.>

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20 minuten online, Logo

31.10.2011: <Belgien will Atomausstieg ab 2015>

aus: 20 minuten online: Aus für Atomenergie: Belgien will Atomausstieg ab 2015; 31.10.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/27456486

<Mit Belgien hat ein weiteres Land den Ausstieg aus der Atomenergie angekündigt. Bereits in vier Jahren sollen die ersten AKWs vom Netz.
Belgien will von 2015 an aus der Atomenergie aussteigen. Darauf haben sich die Verhandlungspartner der künftigen Regierungskoalition am späten Sonntagabend in Brüssel geeinigt.

Die sieben Atommeiler Belgiens sollen nach und nach abgeschaltet werden. So sollen die ersten drei Atomkraftwerke 2015 vom Netz gehen, allerdings nur, wenn die Energieversorgung gesichert ist. Sonst bleiben sie länger im Betrieb.

Die neue Regierung soll noch die genauen Daten festlegen und in den kommenden Monaten einen Plan zur Energieversorgung des Landes ausarbeiten, erklärten die Verhandlungsparter.

Mit dieser Entscheidung bestätigen die sechs Parteien ein Gesetz, das bereits aus dem Jahr 2003 stammt. Damals hatte die belgische Regierung einen langsamen Atomausstieg für die Zeit zwischen 2015 und 2025 beschlossen, der später mit Verweis auf die Energieversorgung wieder in Frage gestellt worden war.

Der Zusammenbruch der Regierung im vergangenen Jahr und die seither andauernde politische Krise hinderten das Parlament daran, das Gesetz voranzutreiben.

Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März hatte die Debatte um die Atomkraft neu entfacht. Im Zuge davon hatten vor Belgien bereits Deutschland und die Schweiz den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen.

Zähe Verhandlungen

Mitte Oktober - gut 16 Monate nach den Parlamentswahlen - hatten in Belgien konkrete Verhandlungen über die Bildung einer Regierung unter dem Vorsitz des frankophonen Sozialdemokraten Elio di Rupo begonnen.

An den Gesprächen nehmen die Vertreter der sechs Parteien von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberalen aus dem Französisch sprechenden Wallonien und dem Niederländisch sprechenden Flandern teil.

Die Regierungsbildung wurde erst möglich, nachdem sich Vertreter der beiden Sprachgruppen auf eine Staatsreform geeinigt hatten. Belgien ist seit den Parlamentswahlen vom 10. Juni 2010 ohne gewählte Regierung - das ist ein Weltrekord.

(sda)>

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Fukushima am 2.11.2011: Radioaktives Xenon gefunden - da muss ein Fehler im Reaktor sein

aus: 20 minuten online: Katastrophe in Japan: Erneute Kernspaltung in Fukushima? 2.11.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Erneute-Kernspaltung-in-Fukushima--21157947

<An dem schwer beschädigten japanischen AKW Fukushima ist erneut ein Problem aufgetreten. Radioaktives Xenon wurde entdeckt, was auf einen Fehler in einem der Reaktoren hindeutet.

Neue Hiobsbotschaft aus Fukushima: In Reaktor 2 des japanischen AKW gebe es Anzeichen von erneuter Kernspaltung, gab der Betreiber der Atomruine, Tepco, am Mittwoch bekannt. Man habe damit begonnen, Borsäure einzuleiten, um eine mögliche Kettenreaktion unter Kontrolle zu haben.

In der Anlage sei radioaktives Xenon entdeckt worden, was auf einen Fehler in einem der Reaktor hindeuten könnte, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Konzernvertreter. Weder die Temperatur, noch der Druck oder die radioaktive Konzentration im Reaktor hätten sich verändert.

Tepco versuchte den Vorfall herunterzuspielen: Es handle sich um keine besonders kritische Situation. Eine mögliche Kernspaltung werde auch nicht die Planung zur Stabilisierung des Reaktors beeinträchtigen.

Ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde sagte, man gehe nicht davon, dass es sich um ein grösseres Problem handle. Das AKW war in Folge des Erdbebens und Tsunami vom 11. März schwer beschädigt worden. In den Reaktoren 1, 2 und 3 kam es dadurch zu Kernschmelzen.

(sda)



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1.11.2011: Wo bis 1982 Atommüll im Atlantik versenkt wurde, sind heute erhöhte Plutonium-238-Werte feststellbar - undichte Fässer gefährden den gesamten Atlantik

aus: n-tv online: Versenkte Fässer offenbar undicht: Atommüll verstrahlt den Atlantik; 1.11.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Atommuell-verstrahlt-den-Atlantik-article4667511.html

<Im Nordostatlantik entweicht offenbar Radioaktivität aus versenkten Atommüllfässern. Das berichtet das ARD-Politikmagazin "Report Mainz". Die Redaktion beruft sich dabei auf die Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR), der 15 Regierungen - darunter auch Deutschland - angehören. Demnach gebe es eine zum Teil erhöhte Konzentration von Plutonium 238 in Wasserproben aus den Versenkungsgebieten. Das deute auf undichte Fässer hin.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte regelmäßige Messungen in den Gebieten, wo der Müll versenkt worden ist. Das Bundesumweltministerium sieht hierzu aber keinen Anlass. Die in Fischen gemessenen Konzentrationen würden bei einem Verzehr nur zu Dosen im Nanosievert-Bereich, also zu unbedenklichen Werten führen, lautete dem Fernsehbericht zufolge die Antwort des Ministeriums auf eine entsprechende Anfrage. Laut Nuclear Energy Agency (NEA) und der Internationalen Atomenergiebehörde hätten 9 Staaten an 15 Stellen im Nordostatlantik bis 1982 insgesamt 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern versenkt.

dpa>


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Fukushima am 2.11.2011: <Fukushima-GAU: Doppelt so viel Cäsium in der Luft> - die Atomlobby verharmlost systematisch den Supergau von Fukushima

aus: 20 minuten online; 2.11.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Doppelt-so-viel-Caesium-in-der-Luft-23193458

<von Urs P. Gasche, infosperber.ch
- Weltweit erhobene Messdaten beweisen, dass die Atomlobby und Japans Regierung das Ausmass des Atomunfalls in Fukushima verharmlosen.

Vom gefährlichen Cäsium-137 ist rund doppelt so viel in die Luft entwichen, wie die Energiekonzerne und die japanische Regierung bisher angegeben haben. Damit ist aus den Reaktoren in Fukushima fast halb so viel Cäsium-137 in die Luft gelangt wie bei der Katastrophe in Tschernobyl. Es handelt sich um die zweitgrösste Freisetzung des radioaktiven Stoffes in der Geschichte der Menschheit. Die Luftmessungen berücksichtigen das Cäsium-137 nicht, welches ins Meer gelangt ist. Forscher schätzen diesen Anteil auf rund 80 Prozent.

Diese neusten Daten hat die Wissenschaftszeitschrift «Nature» veröffentlicht. «Es ist die bisher umfassendste Untersuchung zum Abschätzen der Radioaktivität, die aus den Reaktoren in Fukushima Daiichi entwichen ist», erklärt der Atmosphären-Spezialist Andreas Stohl vom norwegischen Institut für Luftforschung in der Nähe von Oslo, der die Datenauswertung geleitet hat.

Viel Cäsium aus Lagerbecken entwichen

Die Daten stammen von mehreren Dutzend Radioaktivitäts-Messstationen, die über die ganze Erde verteilt sind. Diese Stationen messen normalerweise die Folgen von Atombomben-Tests und kontrollieren, ob die internationalen Verträge über Atomtestverbote eingehalten werden.

Cäsium-137 belastet die Umwelt sehr lange, weil es 30 Jahre dauert, bis seine Radioaktivität auf die Hälfte sinkt und weil es sich in der Nahrung anreichert. Über verseuchte Lebensmittel können gefährliche Cäsiumpartikel in den Körper gelangen, was das Krebsrisiko erhöht. Entgegen den Angaben der japanischen Behörden ist laut der Studie viel Cäsium auch aus den Lagerbecken der abgebrannten Brennstäbe entwichen, weil diese zu spät mit Wasser gefüllt worden seien.>

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Fukushima am 2.11.2011: In Reaktor 2 findet weiterhin eine unkontrollierte Kernspaltung statt - Borsäure gegen Xenon

aus: Welt online: Reaktorunglück: Kernreaktionen in Fukushima ausser Kontrolle; 2.11.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13693921/Kernreaktionen-in-Fukushima-ausser-Kontrolle.html

<Autor: Norbert Lossau

Im Reaktor 2 in Fukushima hat es in jüngster Zeit Kernspaltungen gegeben. Das verrät das Element Xenon. Borsäure wird nun als Neutronenfänger eingesetzt.

Im Reaktorblock Nr. 2 des Kernkraftwerks von Fukushima Daiichi finden in der Kernschmelze offenbar wieder – oder noch immer – Kernreaktionen statt. Nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde und des Betreibers Tepco wurden dort die radioaktiven Gase Xenon-133 und Xenon-135 nachgewiesen. Diese Substanzen können nur durch Kernspaltung von Uran-235 entstanden sein, so dass aus der Anwesenheit der Xenon-Iostope ohne Zweifel auf stattfindende Kernreaktionen geschlossen werden kann.

Da die beiden Xenon-Isotope kurze Halbwertszeiten von fünf Tagen (Xe-133) beziehungsweise sechs Stunden (Xe-135) besitzen, könne aus ihrer Existenz geschlossen werden, dass die Kernreaktionen „kürzlich“ stattgefunden haben. Das ist an sich korrekt, wenngleich „kürzlich“ ein dehnbarer Begriff ist. Wird der Kern eines Uran-235-Atoms von einem Neutron getroffen, so kann er Tellur-133 und Zirkon-101 zerfallen und dabei zwei Neutronen freisetzen. Tellur-133 wiederum zerfällt in Jod-133 und dieses in das nun gemessene Xenon-133. Analog entsteht Xenon-135 aus dem Zerfall von Jod-135. Die Halbwertszeit von Jod-133 beträgt rund 20 Stunden, die von Jod-135 etwas mehr als sechs Stunden.

Aus den Xenon-Messungen in Fukushima lässt sich zweierlei folgern: Zum einen ist ohne jeden Zweifel auch radioaktives Jod entstanden, das die Voraussetzung für die Bildung des Xenons ist. Zum anderen müssen die Kernreaktionen aufgrund der Halbwertszeiten der beteiligten Isotope in einem Zeitfenster von einigen Tagen erfolgt sein.

Ob sie noch anhalten oder auch schon vor Wochen stattgefunden haben, lässt sich aus den jetzt veröffentlichten Angaben nicht schließen. Dazu müsste man zumindest wissen, ob und in welchen zeitlichen Abständen im Laufe der vergangenen Wochen und Monate entsprechende Messungen durchgeführt worden sind.

Möglicherweise sind die Kernreaktionen nicht erst jetzt wieder aufgeflackt oder nie zum Erliegen gekommen. Bemerkenswert ist auch in diesem Zusammenhang, dass aus Japan nicht von Jod-Messungen berichtet wird, obwohl es naheliegen würde, besonders auch nach diesen Isotopen die Augen auf zu halten.

Die Messwerte zu den Xenon-Isotopen wurden ebenfalls nicht kommuniziert, so dass die Intensität der Kernreaktionen von externen Experten nicht abgeschätzt werden kann. Doch immerhin hielten die Verantwortlichen von Tepco die Werte offenbar für so hoch, dass sie jetzt „vorsorglich“ Borsäure (H3BO3) in den geschmolzenen Kern des Reaktors 2 eingeleitet haben.

Borsäure ist ein weißes, wasserlösliches Pulver. Das darin enthaltene Bor ist ein sogenannter Neutronenfänger, der die bei der Spaltung von Uran freigesetzten Neutronen abfangen und dadurch die Stimulation weiterer Kernspaltungen unterbinden soll. Es liegt ja in der Natur der Kernspaltung von Uran, dass sie zur Kettenreaktion neigt.

Um einenen Urankern zu spalten, benötigt man ein Neutron. Bei der Spaltung selber werden zwei Neutronen frei, die wiederum zwei Atomkerne spalten können und so weiter. Eine solche Kernreaktion möchte man aus mehreren Gründen unbedingt verhindern. Zum einen würde durch weitere Kernspaltungen Wärme produziert, die die Kernschmelze weiterhin flüssig halten und ihr Erstarren verzögern würde. Zum anderen entstehen durch die Kernreaktionen radioaktive Spaltprodukte, wie beispielsweise Isotope des Jods, die als Gase in die Umwelt gelangen und die Strahlenbelastung erhöhen können.

"Keine großen Veränderungen"

In besonderer Weise ist dies natürlich relevant für Personen, die im Reaktor selber Arbeiten durchführen sollen. Solange nukleare Kettenreaktionen in einer Kernschmelze stattfinden, wird man schwerlich mit der Abdichtung des zerstörten Reaktorgebäudes beginnen können, um weitere Austritte radioaktiver Substanzen in die Umwelt zu verhindern.

Nach Ansicht von japanischen Medien könnte also der jüngste Xenon-Fund die Pläne von Tepco durchkreuzen, die zerstörten Reaktoren von Fukushima bis zum Ende des Jahres „unter Kontrolle zu bringen“. Doch die Belastbarkeit dieser Vermutung ist letztlich auch nicht größer als die Aussage von Tepco-Sprecher Junichi Matsumoto, man gehe nicht davon aus, dass es zu einer Änderung im Zeitplan kommen werde.

Die japanische Atomaufsichtsbehörde schätzt die Lage in Fukushima insgesamt als „stabil“ ein. Die Experten dort gehen davon aus, dass durch die Kernreaktionen im Reaktor 2 nicht so viel Energie freigesetzt worden ist, als dass die Temperatur im Reaktor hätten ansteigen können. Matsumoto ließ die Journalisten wissen, dass die Messungen von Temperatur, Druck und Strahlung im Reaktor 2 „keine großen Veränderungen“ zeigten.

Doch können wir wissen, was er unter "großen Veränderungen" versteht? Beruhigender wäre es doch, die tatsächlichen Messwerte zu kommunizieren.

Das Einsetzen einer Kettenreaktion könnte in einem extrem unwahrscheinlichen Fall bei ungünstigen geometrischen Verhältnissen und dem dadurch möglichen Entstehen einer kritischen Masse auch zu einer Explosion führen. Auch wenn dieses Risiko fast nur von theoretischer Natur ist, ist es doch ein weiterer Grund dafür, Kernreaktionen in jedem Fall unterdrücken zu wollen. Der Einsatz von Borsäure ist also absolut sinnvoll.

Nach Angaben von Tepco war es in den vergangenen Monaten gelungen, die Temperatur im Reaktor 2 auf unter hundert Grad Celsius zu senken. Die jetzt registrierte Kernspaltung habe „keinen bedeutenden Einfluss“ auf die weitere Abkühlung des Reaktors. Wie so oft haben Beobachter bei solchen Worten das Gefühl, dass Tepco möglicherweise Dinge herunterspielt.

Wie also die Lage in den drei von einer Kernschmelze betroffenen Reaktorblöcken 1 bis 3 tatsächlich aussieht, lässt sich angesichts der spärlichen Informationen aus Japan kaum einschätzen. Nicht nur gegenüber den Medien, auch gegenüber ausländischen Wissenschaftlern und Experten zeigt man sich in Japan zurückhaltend.

Die jüngsten Vorgänge in Fukushima ereignen sich just in einer Woche, in der erstmals seit der Reaktorkatastrophe im März diesen Jahres wieder ein Kernreaktor angefahren wird.

Zuletzt arbeiteten in Japan nur noch zehn der insgesamt 54 Kernreaktoren. Am Mittwoch wurde im Süden Japans (Präfektur Saga) das Kernkraftwerk Genkai wieder als Elftes in Betrieb genommen. Am Freitag soll es in normalen Umfang Strom ins Netz liefern.

Vor dem Erdbeben mit dem darauffolgenden Tsunami am 11. März bezog Japan ein Drittel seines Stroms aus Kernkraftwerken. Aus Sicherheitsgründen wurden dann jedoch die meisten Anlagen abgeschaltet.

Bereits im vergangenen Sommer hatte das japanische Umweltministerium zum Stromsparen aufgerufen. Im kommenden Winter dürfte sich die Problematik noch verschärfen. Besonders im Westen Japans drohen Stromengpässe.>

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Fukushima 1 am 5.11.2011: In Reaktor 2 spielt sich eine unkontrollierte Kernreaktion ab - Xenon 133 und Xenon 135 - eventuell ist eine Atomexplosion möglich - Appell an 100 km Evakuierungszone - viel zu hohe Grenzwerte in Japan

aus: n-tv online: "Wie eine kleine Atombombe": Explosion in Fukushima möglich; 5.11.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Explosion-in-Fukushima-moeglich-article4696486.html

<In Fukushima droht derzeit eine unkontrollierte Kettenreaktion.

Acht Monate nach dem Gau in Fukushima lauern offenbar neue Gefahren in dem zerstörten Kraftwerk. Nach dem Auffinden der Radioisotope 133 und 135 des Gases Xenon, die nicht von dem Unfall im März her stammen können, befürchten Experten jetzt eine nukleare Explosion in dem Reaktor. Diese könnte wie eine kleine Atombombe wirken.

Angesichts der Berichte über eine unkontrollierte Kernspaltung im japanischen Unglücksreaktor Fukushima warnt der Münchner Strahlenexperte Edmund Lengfelder vor der Möglichkeit einer nuklearen Explosion. Es wäre "eine Art Atombombe im Minimaßstab", sagte Lengfelder der dpa. "Die Wahrscheinlichkeit kann ich allerdings überhaupt nicht abschätzen." Denn niemand wisse, wie viel angereichertes Uran auf welche Weise in den havarierten Atomkraftwerksblöcken zusammengeflossen sei.

Lengfelder hatte nach dem Super-Gau von Tschernobyl vor 25 Jahren die Gesellschaft für Strahlenschutz und das Münchner Otto Hug Strahleninstitut gegründet. Er betreut bis heute Menschen mit Schilddrüsenkrebs in der ehemals sowjetischen Katastrophenregion.

Acht Monate nach dem Super-Gau in Fukushima seien nun die Radioisotope 133 und 135 des Gases Xenon gefunden worden, sagte Lengfelder. Da diese Isotope Produkte einer Kernspaltung sind und nur eine Halbwertzeit von etwa fünf Tagen beziehungsweise neun Stunden haben, könnten sie nicht aus der Zeit des Unfalls im März stammen. "Es gibt dort eine spontane Kernspaltung - da kann alles passieren, auch wenn man sagt, es ist nicht wahrscheinlich. Aber was von Aussagen über Wahrscheinlichkeiten zu halten ist, haben wir am 11. März gesehen." Damals hatten ein in dieser Stärke nicht erwartetes Erdbeben und ein Tsunami das Atomkraftwerk schwer beschädigt und den Super-Gau ausgelöst. In einem funktionierenden Reaktor werde die Kettenreaktion durch Steuerstäbe unter Kontrolle gehalten. "Aber diese Steuerung gibt es in einer Kernschmelze ja nicht mehr", sagte Lengfelder.

Prozess kann noch über Jahre dauern

Was die aktuelle Strahlenbelastung angehe, sei angesichts der Gesamtbelastung seit dem Unfall die neuerliche Kernspaltung nicht von großer Bedeutung . "Aber es bedeutet, dass (der Betreiber) Tepco noch weiter, als bisher behauptet, davon entfernt ist, die Dinge in den Griff zu bekommen." Wie lange eine solche Kernspaltung anhalte, sei nicht vorauszusehen. Je nach der Menge und der Lage des spaltbaren Urans könne sie auch über Jahre andauern - und die Menge in Fukushima sei sehr groß, es gehe um Tonnen.

Furchtbare Aussichten für die Betroffenen

In jedem Fall sei die partielle Sperrzone von 50 Kilometer viel zu gering. Sie müsse mindestens 100 Kilometer in die Hauptrichtung Nordwest betragen. Außerdem habe die japanische Regierung die Grenzwerte für Kinder auf 20 Millisievert pro Jahr heraufgesetzt. "Das ist in Deutschland die maximale Strahlenbelastung für einen Atomkraftwerksarbeiter - aber nichts für ein Kind", kritisierte Lengfelder. Es sei zu erwarten, dass die Krebsrate bei den Kindern massiv steigen werde, auch Fehlbildungen bei Neugeborenen seien zu befürchten.

Die Behandlung der Bevölkerung sei "menschenverachtend", sagte Lengfelder. "Für mich ist es auch menschenverachtend, dass in einem so reichen Land wie Japan noch immer Leute in Turnhallen leben. Das gab es nicht einmal bei den Sowjets." Die Evakuierung nach Tschernobyl habe wesentlich besser geklappt - und die Grenzwerte seien heute etwa in Weißrussland dreimal strenger als in Deutschland.

Helfer werden früher sterben

Unter den Helfern, die der Betreiber Tepco zum Aufräumen in Fukushima eingesetzt habe, werde es in den nächsten Jahren vorzeitige Todesfälle geben. "In Analogie zu Tschernobyl muss man davon ausgehen. Aber ich bin skeptisch, ob man bei den japanischen Opfern mehr Klarheit haben wird als bei den sowjetischen." Die japanische Regierung habe die Menschen in Japan und in der Welt über das Ausmaß der Katastrophe lange belogen. "Japan will seinen technischen Nimbus nicht auf Spiel zu setzen." Nun müsse die japanische Bevölkerung entscheiden, ob sie mit diesem Risiko der Bedrohung weiter leben wolle.

Lengfelder ist für ein sofortiges Abschaltung aller Reaktoren. "Nachdem sie nicht angemessen versichert sind, heißt das im Falle eines Super-Gaus: Der Bürger bleibt auf seinem Schaden sitzen. Erst hatten wir Tschernobyl, jetzt haben wir Fukushima - was brauchen wir noch?"

Beispielweise gibt es nach den Worten von Lengfelder in dem von Umweltschützern wegen Sicherheitsmängeln heftig kritisierten tschechischen Atomkraftwerk Temelin jenseits der bayerischen Grenze ernste Probleme mit den Schweißnähten. "Wenn dort ein Super-Gau passiert, und der Wind kommt aus Osten, kann die Sperrzone bis München reichen."

Sabine Dobel, dpa>

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Financial Times Deutschland
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11.11.2011: Jod 131 in Europa ohne Wissen um die Herkunft

aus: Financial Times Deutschland online: Messungen: IAEA misst Jod in Europa; 11.11.2011;
http://www.ftd.de/wissen/natur/:messungen-der-iaea-misst-jod-in-europa/60128251.html

<Die ersten Spuren fanden sich in Tschechien, inzwischen sind auch andere europäische Orte betroffen: Messungen der Internationalen Atomenergiebehörde stellen geringe Mengen von Jod 131 fest. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe nicht, heißt es.

In mehreren Teilen Europas sind Spuren von radioaktivem Jod gemessen worden. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA teilte am Freitag mit, es gehe um "sehr geringe Werte von Jod 131", die keine Gefahr für die Gesundheit darstellten. Derzeit werde die Herkunft des Jods untersucht. Jod 131 hat eine Halbwertzeit von acht Tagen.

Die Jod-Konzentration sei in den vergangenen Tagen zunächst in Tschechien und danach auch an anderen Orten in Europa festgestellt worden, teilte die IAEA weiter mit. Die Jod-Konzentration stehe allerdings nicht in Zusammenhang mit dem japanischen Atomunglück im März.

Die Regierung in Tokio will Anfang kommenden Jahres mit der großflächigen Dekontaminierung der durch den Atomunfall von Fukushima radioaktiv belasteten Gebiete beginnen. Die Regierung beschloss, die Belastung für die Bürger in Gebieten mit Strahlenwerten bis zu 20 Millisievert jährlich bis August 2013 zu halbieren.

Die Belastung ist der Grenzwert für Evakuierungen. Die Arbeiten zur Dekontaminierung umfassen neben der Provinz Fukushima mit dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auch andere Gebiete der nordwestlichen Region Tohoku sowie Regionen im Großraum Tokio.

Mit der Festlegung auf ein Datum will die japanische Regierung den rund 160.000 Evakuierten einen Zeithorizont geben, um sich auf eine Rückkehr in ihre frühere Heimat vorzubereiten und die derzeitige Ungewissheit beenden.>

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Financial Times Deutschland
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Frankreich 11.11.2011: Die Atom-Lobby spionierte die Rechner von Greenpeace aus - Greenpeace will gerichtlich ein AKW lahmlegen

aus: Financial Times Deutschland online: Greenpeace Frankreich: Die Rache des Ökoaktivisten an Frankreichs Atomkonzern; 11.11.2011;
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:greenpeace-frankreich-die-rache-des-oekoaktivisten-an-frankreichs-atomkonzern/60128096.html

<Der französische Energiemulti EDF ließ Greenpeace-Rechner ausspionieren und muss dafür eine Millionenstrafe zahlen. Viel zu wenig, findet Yannick Jadot. Mit Hilfe der Politik will der Ökoaktivist ein ganzes AKW des Staatskonzerns lahmlegen. von Leo Klimm  Paris

1,5 Mio. Euro Strafe sind Peanuts für den französischen Energiemulti EDF  - der im Jahr fast 4 Mrd. Euro verdient. Doch Yannick Jadot, der von dem Staatskonzern geschädigt wurde, arbeitet mit aller Kraft daran, dass die Rechnung für EDF noch in die Milliarden geht.

Sein großes Ziel: den Bau des Druckwasserreaktors Flamanville in der Normandie zu stoppen - dann ginge auch seine Rechnung auf.

Wegen dieses Kampfes des einstigen Kampagnenchefs von Greenpeace Frankreich hatte EDF 2006 Detektive beauftragt, die Jadots Rechner ausspionierten. Der Konzern wollte über Greenpeace-Aktionen Bescheid wissen. Dafür wurde EDF jetzt verurteilt.

Wie es der Zufall will, ist Jadot heute Stabschef von Eva Joly, der Grünen-Kandidatin für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr. Und der Stopp von Flamanville ist eine ihrer zentralen Forderungen: In Verhandlungen, die Grüne und Sozialisten dieser Tage über ein Wahlbündnis führen, verlangen Joly und Jadot ultimativ das Ende des Atomkraftwerks.

Ist der Sozialist François Hollande nicht mindestens dazu bereit, gibt es keine Unterstützung von den Grünen. Doch die braucht er, will er Präsident werden.

EDF äußerte sich nicht zum Urteil vom Donnerstag. Neben dem Konzern und zwei Ex-Mitarbeitern, die ins Gefängnis müssen, wurde in dem bizarren Rechtsfall auch der frühere US-Radprofi Floyd Landis zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Er hatte sich derselben Stümperdetektive bedient wie EDF, um Frankreichs Anti-Doping-Agentur auszuspionieren. Die Schnüffelei brachte nichts, der Tour-de-France-Titel 2006 wurde dem Dopingsünder trotzdem aberkannt.

Während die Sache für Landis nun erledigt sein dürfte, geht für EDF nach dem juristischen Streit der politische gerade erst los. Flamanville ist schon zur Hälfte fertig und 6 Mrd. Euro wert. Auch für EDF sind das keine Peanuts.>


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Basler Zeitung
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Schweiz 12.11.2011: <Axpo verzichtet auf Uran aus Majak>

aus: Basler Zeitung online; 12.11.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Axpo-verzichtet-auf-Uran-aus-Majak/story/31674347

<Der Stromkonzern bezieht keinen nuklearen Brennstoff mehr aus der russischen Aufbereitungsanlage – wegen mangelnder Transparenz über die herrschenden Verhältnisse. In Sibirien sollen diese besser sein.

Die Axpo will auf Uran aus der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak verzichten. Der Stromkonzern begründet diesen Schritt mit der fehlenden Transparenz über die dort herrschenden Verhältnisse, wie er am Samstag mitteilte.

Die Axpo werde den Lieferanten Areva beauftragen, keinen nuklearen Brennstoff mehr aus Majak zu beziehen, solange die Lieferkette nicht vollständig transparent sei. Als Ersatz werde nun mehr Brennstoff aus der sibirischen Verarbeitungsanlage in Sewersk zum Einsatz kommen.

Anfang Oktober hatte eine Delegation der Axpo die sibirische Uran- Verarbeitungsanlage Sewersk besucht, um sich ein Bild von den dortigen Produktionsbedingungen zu machen. Der Zutritt zur Anlage von Majak blieb der Axpo im vergangenen Juni hingegen verwehrt. Der staatliche russische Energiekonzern Rosatom begründete sein Veto damit, die Anlage befinde sich in militärischem Sperrgebiet.

Unbedenkliche Produktionsbedingungen

Hinsichtlich der Produktionsbedingungen sieht die Axpo hingegen keine Probleme. Die internationalen Vorschriften würden sowohl in Sewersk als auch in Majak eingehalten. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Grenzwerte verletzt würden oder dass es zu einer Belastung von Mensch und Umwelt komme. Es gebe deshalb keinen Grund, aus den bestehenden Lieferverträgen auszusteigen.

Zu diesem Schluss sei man nach umfassenden Untersuchungen gelangt, welche die Axpo nach der Kritik an der Lieferung von Brennelementen aus Russland durchgeführt habe. Namentlich Greenpeace wirft den Atomfabriken vor, sie verstrahlten die Umgebung radioaktiv.

Dass das Gebiet um die Anlage Majak seit den 1950er Jahren radioaktiv belastet wurde, ist der Axpo bekannt. Grosse Gebiete seien langanhaltend kontaminiert worden und Mensch und Umwelt zu Schaden gekommen. Behörden und Betreiber hätten aber Sanierungsmassnahmen getroffen, heisst es in der Mitteilung.

Sowohl in Majak als auch in Sewersk gebe es indes einen Lagerprozess, der «in europäischen Betrieben nicht vorkommt». Diese Prozesse führten aber zu keinen Beeinträchtigungen und entsprächen den russischen Vorschriften.

So werden laut Axpo in Majak schwach- und mittelaktive Abfälle in grossen offenen Becken gelagert. Diese seien von den öffentlichen Gewässern strikt getrennt. Und in Sewersk würden schwach- und mittelaktive Lösungen direkt in Kiesschichten injiziert. Diese wiederum seien in Tonschichten eingekapselt, die unter dem Grundwasserspiegel lägen.

Bemühungen aufrecht erhalten

Die Axpo werde sich weiter darum bemühen, die Anlage in Majak zu besuchen, heisst es in der Mitteilung weiter. Diesbezüglich werde man auch die bestehenden Kontakte zum Bundesamt für Energie nutzen. Auch sollen Fragen zu den russischen Programmen und Produktionsstätten bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) deponiert werden.

Bei den russischen Betreibern und Behörden will sich die Axpo für unabhängige radiologische Messungen stark machen. Das Augenmerk sei dabei vor allem auf die radioaktive Situation entlang des Techa- Flusses in der Nähe von Majak zu richten. Zudem kündigte die Axpo an, den Dialog mit Greenpeace und russischen Umweltorganisationen fortzuführen. (miw/sda)>

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20 minuten online, Logo

14.11.2011: Nordost-Japan: <Radioaktives Cäsium 137: Japans Boden für Jahrzehnte kontaminiert>

aus: 20 minuten online; 14.11.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Japans-Boden-fuer-Jahrzehnte-kontaminiert-17197321

<Der desaströse Atomunfall in Fukushima hat in weiten Teilen Japans radioaktive Spuren hinterlassen. Die Menschen im Nordosten der Insel werden noch jahrzehntelang unter den Folgen leiden.

Der Boden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans ist durch den Atomunfall in Fukushima mit radioaktivem Cäsium 137 stark verseucht worden. Das zeigt eine Studie im Fachmagazin «PNAS».

Die Forscher um Tetsuzo Yasunarie von der Universität in Nagoya hatten für den Zeitraum vom 20. März bis 19. April täglich aus meteorologischen Daten die Werte des eingetragenen Cäsium 137 für alle japanischen Präfekturen abgeschätzt. Vor dem 20. März wurden die kontaminierten Luftmassen laut den Forschern zum grössten Teil auf den Pazifischen Ozean geweht.

Cäsium 137 hat eine Halbwertzeit von 30,1 Jahren. Es gilt als besonders gefährliche radioaktive Substanz, weil es auf Jahrzehnte Auswirkungen auf die Landwirtschaft und das Leben der Menschen in den betroffenen Gebieten hat. Gemäss der Studie wurden vor allem die Böden im Osten und Nordosten des Inselreiches mit Cäsium 137 verseucht.

Schutz durch Berge

Der Westen des Landes sei durch die Berge weitgehend vor stärkerer Kontamination geschützt worden. In den meisten östlichen Gebieten seien die Böden mit mehr als 1000 Megabecquerel pro Quadratkilometer verstrahlt worden.

In den Präfekturen nahe des Kernkraftwerks lägen die Werte sogar bei mehr als 10 000 bis mehr als 100 000 Megabecquerel, schreiben die Forscher. In Becquerel wird die Stärke der Radioaktivität angegeben, gemessen wird der Zerfall von Atomen pro Sekunde.

Aus den Werten errechneten die Wissenschaftler die Daten für die Kontamination des Bodens pro Kilogramm. Der Grenzwert der Belastung mit Cäsium 134 und Cäsium 137 für landwirtschaftlich genutzte Flächen liege in Japan bei 5000 Becquerel je Kilogramm Boden.

Detailmessungen nötig

Davon ausgehend, dass die Hälfte der Gesamt-Cäsium-Belastung auf Cäsium 137 entfalle, liege der Wert in der Präfektur Fukushima über dem Grenzwert, in Miyagi, Tochigi und Ibaraki zum Teil nur knapp darunter. In diesen drei Präfekturen seien unbedingt detaillierte Messungen nötig, da die Kontamination lokal stark schwanken könne.

In weiten Teilen des Landes lägen die Werte bei über 100 Becquerel pro Kilogramm Boden, in den westlichen Regionen bei etwa 25 Becquerel pro Kilogramm. Nun müssten regional weitere, direkte Messungen folgen, da die Werte lokal viel variabler seien, als mit dem meteorologisch basierten Modell berechnet werden könne.

Die erstellten Karten könnten aber ein erstes Hilfsmittel für Dekontaminations-Massnahmen und die Planung weiterer Analysen sein. Die Beseitigung mit Cäsium 137 verseuchter Böden sei eine «dringende Aufgabe», so die Forscher. Wo ein Abtragen des Bodens nicht möglich sei, müsse die Nutzung der Flächen eingeschränkt werden.

Nicht unter Kontrolle

In einer zweiten Studie in «PNAS» analysierten Forscher um Norikazu Kinoshita vom Institut für Technologie der Shimizu Corporation in Tokio die Verbreitung mehrere radioaktiver Elemente in Japan. Die Forscher kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass sich die Werte lokal erheblich unterscheiden - abhängig von geologischen Gegebenheiten.

Gewaltige Mengen Radioaktivität waren freigesetzt worden, nachdem am 11. März dieses Jahres ein Erdbeben der Stärke 9,0 den Nordosten Japans erschüttert und einen verheerenden Tsunami ausgelöst hatte. Die Wellen überspülten das an der Küste liegende Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, es kam zu Explosionen und Kernschmelzen in den Reaktorblöcken.

Noch immer arbeiten Mitarbeiter des Betreibers daran, die Lage im havarierten Kraftwerk wieder vollständig unter Kontrolle zu bringen. Das Gebiet um die Atomruine wird möglicherweise auf lange Sicht unbewohnbar bleiben.

(sda)>

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20 minuten online, Logo

Fukushima am 17.11.2011: Radioaktiver Reis mit radioaktivem Cäsium 137

aus: 20 minuten online: Fukushima: Jetzt ist auch der Reis kontaminiert; 17.11.2011;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/30356605

[Radioaktiver Reis aus Onami]

<Erstmals seit der Havarie am Atomkraftwerk von Fukushima ist in Japan Reis geerntet worden, der mit radioaktivem Cäsium verseucht war. Die Regierung versucht, das Testergebnis herunterzuspielen.

In Japan sind erstmals seit dem Atomunfall in Fukushima überhöhte Werte an radioaktivem Cäsium in Reis gemessen worden. Regierungssprecher Osamu Fujimura kündigte daraufhin am Donnerstag an, ein Lieferverbot für Reis aus Onami, einem Stadtteil Fukushimas, zu prüfen.

Er versicherte zugleich, dass der betroffene Reis nicht auf den Markt gelangt sei, da die Tests vor einer Auslieferung erfolgt seien. Dabei waren 630 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden. Der vom Staat festgesetzte Grenzwerte beträgt 500 Becquerel. Reis ist ein Grundnahrungsmittel der Japaner.

Regierung beschwichtigt - [radioaktiver Reis im Ort Nihonmatsu schon im September]

Bereits im September waren in Reis aus dem Ort Nihonmatsu in der Provinz Fukushima bei vorläufigen Tests 500 Becquerel an Cäsium gemessen worden. Spätere Messungen ergaben jedoch Werte im zulässigem Bereich.

Die Regierung versuchte das neue Testergebnis in Onami herunterzuspielen. «Ich habe gehört, dass das kein ernstes Problem wird», wurde Regierungssprecher Fujimura zitiert. Man werde weiter versuchen, eine Ausbreitung unbegründeter Gerüchte über radioaktiv verseuchte Produkte aus Japan zu verhindern, wurde Fujimura von der Nachrichtenagentur Kyodo zitiert.

Verseuchter Boden - [radioaktives Cäsium 137 überall]

Nach einer Anfang der Woche veröffentlichten Studie japanischer Forscher ist der Boden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans mit Cäsium 137 verseucht. In der Präfektur Fukushima liege die Belastung über dem Grenzwert von 5000 Becquerel je Kilogramm Boden, in den Nachbarprovinzen Miyagi, Tochigi und Ibaraki nur knapp darunter.

Dort seien unbedingt detaillierte Messungen nötig, da die Kontamination lokal stark schwanken könne, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Proceeding» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Anhand meteorologischer Daten vom 20. März bis 19. April hatten die Forscher jene Cäsium-137-Mengen abgeschätzt, die in die Atmosphäre und auf den Boden in sämtlichen Präfekturen Japans gelangten.

Viele Japaner hoffen, dass es dem Staat dennoch gelingt, Bauernhöfe, Schulen und anderen Gebäude von radioaktiven Partikeln zu befreien. Im kommenden Jahr soll eine Dekontaminationsaktion beginnen. Dabei müssen gewaltige Bodenmengen entsorgt werden.

(sda)>

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Spiegel online, Logo

17.11.2011: <Bericht zur Nuklearsicherheit: Frankreich soll alle Atomkraftwerke nachrüsten>

aus: Spiegel online; 17.11.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,798324,00.html

<Frankreichs Kernkraftwerke sind nur unzureichend gegen Naturkatastrophen geschützt - das hat das Institut für Nuklearsicherheit nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters festgestellt. Die Experten dringen auf eine umfassende Nachrüstung.

Paris/Hamburg - Die Katastrophe von Fukushima hat gezeigt, dass Atomreaktoren auch gegen unerwartet starke Naturkatastrophen gesichert sein sollten. Viele europäische Staaten haben aus dem japanischen Desaster Konsequenzen gezogen: Deutschland beschloss den Ausstieg bis zum Jahr 2022. Viele Länder führten Tests durch, um zu prüfen, ob die Sicherheitsstandards ihrer Reaktoren ausreichen - das passierte auch in Frankreich.

Jetzt teilt Frankreichs Institut für Nuklearsicherheit (IRSN) nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit: Alle 58 Reaktoren, die im Land in Betrieb sind, sowie eine im Bau befindliche Anlage sollten nachgerüstet werden. Die Experten bezeichnen die geforderten Sicherheitsmaßnahmen als "harten Kern" für die Reaktoren.

Das IRSN hat untersucht, wie gut die Kernkraftwerke Fluten, Erdbeben, Stromausfällen und Fehlfunktionen im Kühlsystem standhalten würden. Den daraus resultierenden 500 Seiten umfassenden Bericht legten sie jetzt der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN vor. Die ASN will ihre Schlussfolgerungen Ende des Jahres der Regierung präsentieren.

Wie erdbebensicher sind die Anlagen?

Es sei notwendig, weitere Mechanismen in die Reaktoren einzubauen, die wichtige Funktionen wie Kühlung und Stromzufuhr schützten, sagte IRSN-Direktor Jacques Repussard. Zum Beispiel sollte jeder Reaktor über mindestens einen Dieselgenerator an abgelegener Stelle verfügen, der auch im Falle eines sehr starken Bebens nicht ausfalle. Repussard meint, die Reaktoren müssten künftig auch extremen Naturkatastrophen standhalten können - etwa einem Beben, das die südfranzösische Stadt Nizza zerstört oder dem Zusammenbruch sämtlicher Staudämme, was zu starken Überflutungen führen würde.

Frankreichs älteste Reaktoren wurden paarweise gebaut. Falls an einem Reaktor ein Problem auftritt, können so die Ressourcen des zweiten genutzt werden - technische ebenso wie das Personal. "Man hat sich nie vorgestellt, dass beide Reaktoren gleichzeitig mit einem Problem zu kämpfen haben", sagte Repussard.

Er konnte noch nicht sagen, wie viel Zeit die Umsetzung der vorgeschlagenen Verbesserungen in Anspruch nehmen würde. Auch sei noch nicht klar, wie hoch die Kosten sind, die auf den Stromkonzern EDF, den Betreiber der französischen Kernkraftwerke, zukommen. "Wir würden gerne einen Zeitplan sehen, der nur wenige Jahre umfasst", so Repussard. Seiner Aussage zufolge könnten alle französischen Reaktoren so verbessert werden, dass sie den neuen Ansprüchen genügen.

wbr/Reuters>


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Standard online, Logo

17.11.2011: Jod 131 in Europa: Nun soll ein ungarisches Institut die Ursache sein

aus: Der Standard online: Atombehörde: Ungarisches Institut hinter freigesetztem Jod-131 vermutet; 17.11.2011;
http://derstandard.at/1319183090375/Atombehoerde-Ungarisches-Institut-hinter-freigesetztem-Jod-131-vermutet

<Einrichtung zur Isotopenherstellung in Budapest.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) vermutet ein ungarisches Institut hinter dem Austritt von radioaktivem Jod-131 am vergangenen Freitag. In mehreren mitteleuropäischen Ländern waren leicht erhöhte Werte des Stoffes gemessen worden. Auch das österreichische Umweltministerium registrierte im Norden und Osten des Landes erhöhte Messdaten, die allerdings "keinerlei gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung darstellen würden".

Laut Umweltministerium in Wien handelt es sich um ein Institut für Radioisotopenherstellung für medizinische Zwecke und Forschung in Budapest. Untersuchungen über die genaue Ursache sind laut der ungarischen Atomaufsichtsbehörde im Laufen. Seit dem Austritt am Freitag seien keine erhöhten Werte mehr festgestellt worden.

Eine rechnerische Abschätzung der Dosis für die österreichische Bevölkerung aus den festgestellten Werten ergab maximal ein Nanosievert. Diese Menge entspricht einem 40.000-stel der Dosis, die ein Mensch bei einem Transatlantikflug aufgrund der kosmischen Strahlung abbekommt. Auch die natürliche Hintergrundstrahlung, der jede Bürger in einer Stunde ausgesetzt ist, entspricht etwa dem Hundertfachen der kürzlich gemessenen Iod-131-Dosis, erläuterte das Ministerium. (red/APA)>

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n-tv online, Logo

Fukushima 1 am 20.11.2011: Gemüse aus der Region Fukushima provoziert akute Leukämie - Beispiel des bekannten Fernsehmoderators Norikatsu Ukutsa

März 2011: Fernsehmoderator
                                Norikatsu Ukutsa isst radioaktiv
                                verseuchtes Fukushima-Gemüse
März 2011: Fernsehmoderator
                                Norikatsu Ukutsa isst radioaktiv
                                verseuchtes Fukushima-Gemüse
März 2011: Fernsehmoderator Norikatsu Ukutsa isst radioaktiv verseuchtes Fukushima-Gemüse [2,3]

aus: n-tv online: TV-Star erkrankt an akuter Leukämie; 20.11.2011;
http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/TV-Star-erkrankt-an-akuter-Leukaemie-article4799201.html

<Weite Teile Japans sind nach dem Fukushima-Unglück radioaktiv schwer belastet. Auch die aktuelle Reisernte ist stark verseucht. Nach der Katastrophe hatte die japanische Regierung zunächst noch angegeben, Lebensmittel aus der verstrahlten Region seien relativ unbedenklich. Ein japanischer Fernsehmoderator hatte deshalb in seiner TV-Sendung demonstrativ Gemüse aus dem Norden des Landes gegessen. Jetzt ist der 63-Jährige an akuter Leukämie erkrankt.>

Der Filmtext:

[Filmsprecher]:
<Norikatsu Ukutsa ist einer der Stars im japanischen Fernsehen. In einer Frühstückssendung wollte er im März der Nation zeigen, Gemüse aus der Reaktorregion kann bedenkenlos gegessen werden. [Ukusa isst Gemüse mit Essstäbchen und zeigt sich zufrieden]. Doch jetzt die Schockdiagnose: Ukutsa ist an akuter Leukämie, also an Glutkrebs erkrankt.

[Ein Arzt erklärt]:
Das Knochenmark explodiert, das Blut explodiert, überschwemmt den Körper und die Patienten haben in der Regel eine spontane Lebenserwartung von 1 bis 2 Wochen, also versterben innerhalb kürzester Zeit und bedürfen ganz schneller, ärztlicher Hilfe.

[Filmsprecher]:
Im Moment bereitet sich der Moderator auf die dringend nötige Chemotherapie vor. Mit der Gemüseaktion wollte er eine Initiative unterstützen, die den besonders betroffenen Norden des Landes helfen sollte. Bei einem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami war das Atomkraftwerk Fukushima am 11. März schwer beschädigt worden. Danach hatte es dort eine Reihe schwerer Unfälle gegeben. 20.000 Menschen starben bei der Katastrophe oder wurden vermisst.>

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Financial Times
                        Deutschland online, Logo

25.11.2011: Der Tschernobyl-Tourismus wird gerichtlich verboten - wegen nicht abschätzbaren Folgen

aus: Financial Times Deutschland online: Verstrahlter Unglücksort: Ukraine stoppt Tschernobyl-Tourismus; 25.11.2011;
http://www.ftd.de/lifestyle/reise/:verstrahlter-ungluecksort-ukraine-stoppt-tschernobyl-tourismus/60134214.html

<Die Ruine des ehemaligen Atomkraftwerks übt noch 25 Jahre nach dem Gau einen unheimlichen Reiz aus. Ein Gericht in Kiew schiebt dem Tourismus in der Todeszone einen Riegel vor: Experten können die Gesundheitsfolgen nicht abschätzen.

Das Kiewer Verwaltungsgericht hat touristische Besuche in der Todeszone rund um den Katastrophenreaktor im ukrainischen Tschernobyl verboten. Das teilte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass am Freitag mit. Sie hatte das Verfahren angestrengt.
Im Februar hatte das Katastrophenschutzministerium die Reisen in Abstimmung mit den Gesundheits- und Justizbehörden zunächst erlaubt. Auch zuvor gab es ähnliche Extremreisen nach Tschernobyl.

Seit 2002 besuchen Touristen den Unglücksort und seine Umgebung - zu den Attraktionen zählen die Geisterstadt Prypjat und der Reaktor 4, der aber aufgrund der hohen Strahlenwerte nicht aus der Nähe betrachtet werden darf. Bei ihrer Tour müssen sich die Reisegruppen mit Atemmasken, Helmen und Handschuhen schützen. Ungefähr die Hälfte aller Besucher kommt aus der früheren Sowjetunion, die andere Hälfte aus westlichen Ländern. Die Veranstalter bewegen sich dabei allerdings in einer rechtlichen Grauzone. Experten zufolge sind die Gesundheitsgefahren bei einem Besuch der Zone nicht abzuschätzen.

Vor allem zum 25. Jahrestag der Atomkatastrophe im April besuchten tausende Touristen mit Bussen die 1986 evakuierte und offiziell nicht wieder besiedelte 30-Kilometer-Todeszone. Vereinzelt leben im weiteren Kreis der Sperrzone allerdings noch immer Menschen. Dazu gehören besonders ältere Menschen, die nicht bereit waren, ihr Zuhause aufzugeben.>

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28.11.2011: Der Fukushima-Direktor ist schwer erkrankt in einer Klinik - aber die Krankheit bleibt geheim

aus: Welt online: Zerstörtes Atomkraftwerk: Erkrankter Fukushima-Direktor in Klinik eingewiesen; 28.11.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13739780/Erkrankter-Fukushima-Direktor-in-Klinik-eingewiesen.html

<Masao Yoshida, der bisherige Direktor des schwer beschädigten Kernkraftwerks in Fukushima

Unter schwierigsten Bedingungen koordinierte Masao Yoshida die Aufräumarbeiten nach dem 11. März in Fukushima. Nun tritt der Direktor des Krisen-AKW aus gesundheitlichen Gründen ab.

Gut acht Monate nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat der Direktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks seinen Posten aufgegeben. Der Kraftwerksbetreiber Tepco teilte mit, der 56-jährige Masao Yoshida befinde sich derzeit im Krankenhaus und trete aus gesundheitlichen Gründen ab.

„Wir können keine Details über seine Krankheit herausgeben, da sie eine Privatangelegenheit sind“, ergänzte eine Sprecherin. Die Ärzte hätten bislang keine Verbindung zu radioaktiver Strahlung herstellen können, gab ein Tepco-Verantwortlicher auf einer Pressekonferenz an.

Ab dem 1. Dezember wird laut Tepco offiziell der 54-jährige Takeshi Takahashi die Leitung des Unglücksreaktors übernehmen. Er war bisher am Hauptsitz in Tokio für den Betrieb von Atomkraftwerken verantwortlich.

"Es bricht mir das Herz, von euch zu gehen"

Yoshida hatte das Atomkraftwerk seit Juni 2010 und damit auch nach dem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami am 11. März geleitet. Damals waren vier der sechs Reaktoren der Anlagen schwer beschädigt worden.

In einer Mitteilung an die Mitarbeiter in Fukushima schrieb er, „ein Leiden wurde bei einer medizinischen Routineuntersuchung festgestellt“. Er habe keine andere Wahl gehabt, als zur Behandlung ins Krankenhaus zu gehen. „Es bricht mir das Herz, von euch zu gehen“, deshalb werde er sich jetzt auf die Behandlung konzentrieren, um „so schnell wie möglich wieder mit euch zu arbeiten“.

Unter extremen Bedingungen koordinierte Yoshida die Aufräum- und Reparaturarbeiten an den Reaktoren, deren Brennstäbe teilweise schmolzen und große Mengen von Radioaktivität freisetzten. Bei einem ersten Besuch von Journalisten am 12. November auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks sagte Yoshida, es gebe Hotspots mit gefährlich hohen Strahlungswerten. Trotzdem betonte er, die Reaktoren seien stabilisiert.

Atomenergie ist eine wichtige Energiequelle im sonst ressourcenarmen Japan. Seit der Katastrophe von Fukushima hat die Beliebtheit dieser Energieform jedoch nachgelassen. Zehntausende Menschen mussten in einem 20-Kilometer-Radius rund um das Atomkraftwerk ihre Häuser verlassen. Sie leben in der Ungewissheit, ob und wann sie wieder dorthin zurückkehren können.

AFP/mk>

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20 minuten online, Logo

Iran 29.11.2011: Explosion in Isfahan mit Widersprüchen - da ist eine Atomaufbereitungsanlage

aus: 20 minuten online: Detonation in Atomanlage: Explosion in Isfahan wirft Fragen auf; 29.11.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/Explosion-in-Isfahan-wirft-Fragen-auf-21307836

<In der iranischen Stadt Isfahan, wo sich eine Atomaufbereitungsanlage befindet, hat sich am Montag eine Detonation ereignet. Regierungsvertreter verstricken sich in widersprüchliche Aussagen.

Zwei Wochen nach einer Explosion in der Nähe von Teheran, bei der ein hochrangiger Militärexperte mit Verbindungen zur Hamas und mindestens 30 weitere Menschen getötet wurden, soll es am Montag in der Nähe von Isfahan zu einer weiteren Detonation gekommen sein. Noch ist nicht ganz klar, was genau passiert ist. Die israelische Zeitung «Haaretz» schreibt unter Berufung auf die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur «Fars», verschiedene Regierungsvertreter hätten einen entsprechenden Vorfall sowohl bestätigt als auch bestritten.

Die sich in der Nähe befindende Nuklearanlage sei aber nicht betroffen. Die Explosion sei bei einer Militärübung verursacht worden, sagte Gouverneur Alireza Zaker-Isfahani, laut dem «Guardian». Die Nachrichtenagentur «Mehr» berichtet derweil von einer Explosion in einer Tankstelle, nachdem der stellvertretende Gouverneur Mehdi Ismaili die Detonation gänzlich negierte. Kaum haben israelische Medien über den Vorfall berichtet, entfernte die Nachrichtenagentur «Fars» jegliche Meldungen dazu.

Wie «Haaretz» weiter schreibt, hätte eine Explosion in der Atomanlage von der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA bemerkt werden müssen. Diese überwacht das Gelände teilweise mit Kameras.

Die Uran-Aufbereitungsanlage von Isfahan dient der Aufbereitung von Uranoxid als Brennstoff für einen Schwerwasserreaktor und gilt als wichtiges Element des iranischen Atomprogramms. Den Bau einer Atombombe würde ein Sabotageakt an der Anlage derweil nicht verlangsamen, da Iran laut einem Bericht der «Jewishpress» bereits «über genügend angereichertes Uran für mehrere nukleare Sprengköpfe verfüge».

(tog)>

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Ukraine 29.11.2011: Gegen jede Vernunft: Tschernobyl soll bald wieder für "Touristen" geöffnet sein

aus: n-tv online: Fahrten durch die verstrahlte Todeszone: Tschernobylreisen wieder erlaubt; 29.11.2011;
http://www.n-tv.de/reise/Tschernobylreisen-wieder-erlaubt-article4884141.html

<Es "bringt einfach zu viel Geld": Das verstrahlte Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl ist bald wieder für Touristen geöffnet. Die Nachfrage ist groß.

Die atomar verseuchte Zone rund um das 1986 zerstörte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist schon bald wieder für Touristen geöffnet. Das Justizministerium der Ex-Sowjetrepublik arbeite derzeit neue Besuchsregeln aus, sagte ein Behördensprecher in Kiew. Danach seien Reisen in das von der Atomkatastrophe verstrahlte Gebiet wieder erlaubt. "Wir bieten bereits Touren an", sagte der private Reiseveranstalter Arseni Finberg. Die Fahrten in die durch den Super-Gau verstrahlte "Todeszone" waren nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft vor rund fünf Monaten ausgesetzt worden.

Künftig müssen Besucher sich zehn statt bisher fünf Tage vor der Tour anmelden. Es dauere längere Zeit, bis internationale Reisende von der Polizei überprüft seien, hieß es zur Begründung. Zudem müssen Touristen schriftlich bestätigen, dass keine gesundheitlichen Probleme die Fahrt gefährdeten. Außerdem müssen sie noch weitere persönliche Angaben machen. Ein Gericht hatte die bisherigen Vorschriften Ende vergangener Woche als unzureichend gekippt.

Die Reisen gelten auch als ebenso attraktives wie makabres Freizeitangebot für Fußball-Fans während der Europameisterschaft 2012 in der Ukraine und Polen. Die Reisen zu dem zerstörten Atomkraftwerk waren wegen großer Nachfrage erst zum Jahresbeginn für Touristen freigegeben worden. "Das Geschäft mit dem Tschernobyl-Tourismus bringt einfach zu viel Geld", hatte Veranstalter Finberg früher einmal gesagt.

dpa>

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1.12.2011: Atommüll-Endlager in der Schweiz: Es wird nun "vertieft untersucht"

aus: 20 minuten online: Obwalden enttäuscht: Bundesrat hält an den Atommüll-Orten fest; 1.12.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Bundesrat-haelt-an-den-Atommuell-Orten-fest-23237719

<Die Suche nach Standorten für geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle geht in die zweite Runde. Die sechs vorgeschlagenen Standorte wurden gutgeheissen und werden nun vertieft untersucht.

Ein möglicher Standort wäre der Mont Terri bei Saint-Ursanne im Kanton Jura.

Ein weitere Runde bei der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Lager für atomare Abfälle wurde vom Bundesrat eingeläutet. Die sechs von der Nagra zur Diskussion gestellten Standorte werden nach weiteren Kriterien untersucht, wie das Bundesamt für Energie am Donnerstag mitteilte.

Der Bundesrat hatte die Standortsuche im April 2008 eingeleitet. In einer ersten Etappe hatte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) als mögliche Tiefenlager- Standorte die Gebiete Jura-Ost (ehemals Bözberg AG), Jura-Südfuss (AG), Nördliche Lägern (AG/ZH), Südranden (SH), Wellenberg (NW) und Zürich Nordost (ZH) vorgeschlagen.

In dieser ersten, nun abgeschlossenen Phase klärten Sicherheitsbehörden des Bundes die Eignung der vorgeschlagenen Tiefenlager. Die Ergebnisse wurden in eine breite Vernehmlassung geschickt, zu der 3700 Stellungnahmen aus der Schweiz sowie Deutschland, Österreich und Frankreich eingingen. Sie führten zu Teil-Überarbeitungen des Ergebnisberichts.

Der Bundesrat hat nun den Ergebnisbericht zur Etappe 1 gut geheissen und die sechs vorgeschlagenen Standortgebiete in den Sachplan geologische Tiefenlager aufgenommen. Er beauftragte das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, die Etappe 2 der Standortsuche zu starten. Diese dauert vier Jahre.

Vertiefte Untersuchung der Standortgebiete

Die vorgeschlagenen Standorte werden dabei sicherheitstechnisch vertieft untersucht. Für alle Standortregionen wird eine Kantons- übergreifende Wirkungsstudie über die möglichen Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt durchgeführt.

190 Schweizer und 13 deutsche Gemeinden wirken in der so genannten regionalen Partizipation mit. Dabei werden unter anderem Vorschläge für die Gestaltung der Oberflächenstruktur sowie zur nachhaltigen Entwicklung der Standortgebiete erarbeitet.

Im Verlauf der Etappe 2 muss die Nagra die Standorte auf mindestens zwei pro Abfallkategorie (schwach- und mittelradioaktive respektive hochradioaktive Abfälle) eingrenzen. Die definitive Standortwahl erfolgt in der Etappe 3, in der das Rahmenbewilligungsverfahren eingeleitet wird. Die Rahmenbewilligung wird vom Bundesrat erteilt. Sie muss vom Parlament genehmigt werden und untersteht dem fakultativen Referendum.

Gemäss den neuen gesetzlichen Bestimmungen übernimmt die vom Eidg. Nuklearinspektorat eingesetzte Expertengruppe geologische Tiefenlager ab 2012 die Aufgaben der bisherigen Kommission Nukleare Entsorgung. Letztere wird aufgelöst.

Regierungen von Ob- und Nidwalden enttäuscht

Die Kantonsregierungen von Obwalden und Nidwalden sind enttäuscht, dass der Wellenberg weiterhin ein möglicher Standort für ein Atommülllager bleibt. Sie wollen nun alles daran setzen, dass er in der dritten Etappe der Abklärungen nicht mehr weiterverfolgt wird.

Sowohl Obwalden wie auch Nidwalden verweisen auf ihre Argumente gegen den Standort Wellenberg und kritisieren, dass diese nicht genügend gewichtet wurden. Die Nidwaldner Regierung verweist auf das Volk, das sich im Februar 2011 mit überwältigender Mehrheit gegen eine Atommüllager im Wellenberg ausgesprochen habe.

Erneut verweisen die beiden Kantone auf eine Studie, nach der der Wellenberg einen geologisch komplexen Untergrund und somit ungünstige Explorationsverhältnisse besitze. Auch sei der Standort aufgrund der andauernden tektonischen Aktivität schwierig einzuschätzen.

Darüber hinaus lägen die notwendigen Kenntnisse über den Aufbau und die Langzeitentwicklung des Untergrundes im Wellenberg nicht vor. Dazu müsste ein Sondierstollen gebaut werden. Das sei aber aufgrund der geologischen Voraussetzungen und des engen Zeitplans in der Etappe 2 nicht vorgesehen. Der Bundesrat müsse nun aufzeigen, wie er diesen Widerspruch beseitigen wolle.

(sda)>

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1.12.2011: Deutschland sucht einen Standort für ein neues Endlager für radioaktiven Atommüll

aus: Spiegel online: Atommüll: Bund hat noch kein Geld für Endlager-Suche übrig; 1.12.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,800794,00.html

<Von Axel Bojanowski

Der Beschluss wurde als Neustart gefeiert: Bund und Länder wollen in ganz Deutschland nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll suchen. Doch die Finanzierung ist unklar - die Erkundung könnte um Jahre hinausgeschoben werden.

Hamburg - Begleitet von massiven Protesten und Blockadeaktionen ist der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll am Montag im niedersächsischen Gorleben angekommen - nun stehen dort 113 Behälter mit Atommüll in einer Halle, dem sogenannten Zwischenlager. Doch wo das Gefahrgut letztlich endgelagert werden soll, bleibt vorerst unklar: Am 11. November hatten Bund und Länder beschlossen, künftig in ganz Deutschland nach einem Endlager für Abfälle aus Atomkraftwerken zu suchen; außer dem Salzstock in Gorleben kommen nun auch andere Standorte in Frage.

Der Beschluss wurde als Neustart gefeiert - doch die Finanzierung des Vorhabens ist noch nicht geklärt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird der Haushalt des Bundes frühestens 2013 Geld für die bundesweite Endlagersuche ausweisen, möglicherweise auch erst später.

Ein Zurück soll es laut Bundesumweltminister Norbert Röttgen aber nicht geben: Es sei ein politischer Beschluss gefasst worden, dem der Bund und alle Länder folgen würden, erklärt der CDU-Politiker. Erste Schritte sind getan: Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern bereitet derzeit einen Gesetzentwurf vor, der die neue Endlagersuche regelt; er soll im Sommer fertig sein. Erst danach soll erörtert werden, wie viel Geld für die bundesweite Standortfahndung im Haushalt veranschlagt wird.

Ein Spottpreis?

Die Kalkulationen fallen angesichts der bisherigen Kosten für die Erkundung von Gorleben erstaunlich vorsichtig aus: Einen Endlager-Standort zu erkunden, koste lediglich gut 400 Millionen Euro, schreibt die Bundesregierung jetzt als Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag. Allein hundert Millionen Euro davon wurden für die Organisation und die Beteiligung der Bevölkerung veranschlagt; 50 Millionen für die oberirdische und 250 Millionen Euro für die unterirdische Erkundung. Die Beträge habe das Bundesamt für Strahlenschutz ermittelt.

Baden-Württemberg hatte vorgeschlagen, bis zu vier Standorte zu prüfen, was den Bundes-Schätzungen zufolge 1,6 Milliarden Euro kosten würde. Die Bundesregierung rechnet mit 18 Jahren Suchzeit - pro Jahr würden also knapp 90 Millionen Euro für die Endlagersuche zu Buche stehen.

Die Kosten pro Standort betrügen demnach jeweils nur ein Viertel der 1,6 Milliarden Euro, die für die Erkundung des Salzstocks Gorleben bislang ausgegeben wurden und von denen die Atomindustrie 90 Prozent getragen hat. Selbst in den Jahren, als die Erkundung in Gorleben stillstand, kostete sie rund 25 Millionen Euro pro Jahr. Seit der Salzstock wieder erforscht wird, gibt es einen höheren Etat: 2011 waren im Bundeshaushalt 46,8 Millionen Euro für die Endlager-Erkundung vorgesehen, für 2012 waren es 73 Millionen Euro.

Weitere Kosten

Ungeachtet der ungebrochenen Proteste soll die Erkundung von Gorleben als mögliches Atommüll-Endlager fortgesetzt werden. Bei der bundesweiten Endlagersuche bleibe der Salzstock im Wendland im Spiel, teilte das Bundesumweltministerium am Dienstag in Berlin mit. Atomkraftgegner kündigten für Sonntag eine weitere Demonstration am Erkundungsbergwerk an.

Der Atommülltransport war am späten Montagabend nach heftigem Widerstand von Atomkraftgegnern angekommen - mehr als 126 Stunden, also gut fünf Tage nach dem Start im französischen La Hague. Der 13. und letzte Transport mit hochradioaktivem deutschen Müll aus Frankreich dauerte nicht nur am längsten, er war wohl auch der teuerste. Niedersachsen rechnet mit 33,5 Millionen Euro.

Der Atomausstieg zieht aber noch weitere Belastungen nach sich, wie aus der Antwort der Bundesregierung an die Grünen hervorgeht: Die Kosten für Stilllegung, Rückbau und Endlagerung der kerntechnischen Anlagen werden für die Zeit von 2011 bis 2035 auf insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro geschätzt, hinzu kommt eine Milliarde für die Abwicklung von DDR-Atomanlagen durch die dem Bund gehörenden Energiewerke Nord. Dazu kommen weitere Milliarden für den Betrieb der Bergwerke Asse und Morsleben, wo schwächer strahlender Atommüll gelagert wird.

Mit Material von dpa>


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2.12.2011: Japan bleibt unbelehrbar - und will trotz Fukushima sogar AKWs in den Nahen Osten verkaufen

aus: n-tv online: Atom-Export in den Nahen Osten? Japan sucht AKW-Käufer; 2.12.2011;
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Japan-plant-Atom-Exporte-article4913861.html

<Der Unglücksanlage acht Monate später: Noch immer nicht unter Kontrolle. Die gesamte Region ist auf Dauer unbewohnbar.

Das Reaktorunglück von Fukushima führt Japan - ganz anders als in Deutschland - nicht zu einer Neubewertung der Risiken. Acht Monate nach dem Erdbeben und dem katastrophalen Versagen der Sicherheitstechnik nimmt die Regierung in Tokio alte Pläne wieder auf. Japan will seine Atomtechnik im Ausland zu Geld machen.

Ungeachtet der Nuklearkatastrophe in Fukushima will Japan seine Kerntechnologie exportieren. Sein Land werde aber nur unter der Bedingung einer friedlichen Nutzung solche Technologie an andere Länder liefern, schränkte Ministerpräsident Yoshihiko Noda laut japanischen Medienberichten vor einem Parlamentsausschuss ein.

Trotz großer Sorgen in der eigenen Bevölkerung über die Sicherheit der Kernenergie wird das japanische Parlament erwartungsgemäß noch in diesem Monat bilaterale Vereinbarungen mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam über eine Kooperation bei der zivilen Nutzung der Kernenergie absegnen. Damit wird die rechtliche Grundlage für japanische Unternehmen geschaffen, Atomtechnologie zu exportieren.

Während Russland und Südkorea bereits über zum Teil sehr umfangreiche Erfahrungen mit kerntechnischen Anlagen verfügen, müssen in Vietnam und Jordanien erst Grundlagen geschaffen werden. Die Frage nach einer dauerhaft sicheren Endlagerung der anfallenden Brennstoffabfälle ist in allen beteiligten Staaten nicht restlos geklärt. Im Fall von Jordanien kommt die besondere Lage im Zentrum einer an politischen Spannungen reichen Region hinzu.

Japan hatte noch vor Beginn der Atomkatastrophe im Kernkraftwerk am Standort Fukushima Daiichi entsprechende Vereinbarungen mit den vier Ländern getroffen. Das AKW war in Folge des schweren Erdbebens und Tsunamis vom 11. März stark beschädigt worden. Es kam zu schweren Wasserstoffexplosionen und zu mehreren Kernschmelzen. Die Reaktoren sind noch immer nicht unter Kontrolle. Die umliegende Region gilt als dauerhaft unbewohnbar.

dpa>

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