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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 2)

Die japanische Regierung bekommt das AKW Fukushima nicht in den Griff - Wasserwerfer können nicht helfen - verstrahltes Gemüse - radioaktives Wasser - radioaktiv verseuchtes Meer - Diskussionen um Atomausstieg - Weltkarten mit Erdbebengefährdung und AKWs - Tschernobyl-Rezepte mit Wolkenmanipulation - weisser und schwarzer Rauch - Fessenheim - Tepco fälschte Reporte jahrelang - Atomlobby manipulierte Atomagentuar - manipulierte Parlamente

Krebs heilt mit Natron oder Blutgruppenernährung.


20.3.2011:
                            Feuerwehrschiffe besprühen das AKW Fukushima
                            vom Meer aus mit Meerwasser Schweizer Atomparlamentarier (02) in
                            der SVP und im EDU, Grafik
Schweizer Atomparlamentarier (02) in der SVP und im EDU, Grafik: 72% sind Mitglied in atomfreundlichen Organisationen


Video-Link: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Einleitung

Nach dem Tsunami an der japanischen Küste im März 2011 zeigt die japanische Regierung, dass die Atomkraft absolut unbeherrschbar ist. Man kann nicht mit Feuerwehrautos und mit guter Hoffnung sechs havarierte Atommeiler "löschen". Im Gegenteil: Es folgt die Verstrahlung des Meeres an der Küste von Fukushima, und es folgt verstrahlter Regen, der auf dem Meer abregnet. Tokio bleibt noch verschont.

Michael Palomino, März 2011


Financial Times Deutschland, Logo

19.3.2011: 400 Millisievert pro Stunde in der Umgebung des AKWs Fukushima - <Infografik: Die Wirkung der Strahlung auf den Körper>

aus: Financial Times Deutschland online; 19.3.2011;
http://www.ftd.de/wissen/:infografik-die-wirkung-der-strahlung-auf-den-koerper/60027617.html

<In der Umgebung des Fukushima-Kraftwerks wurde eine Strahlenbelastung von bis zu 400 Millisievert pro Stunde gemessen. Was bedeutet dieser Wert - und wie schadet Strahlung dem Körper? Ein Überblick.

Radioaktive Strahlung kann Körperzellen so stark beschädigen, dass sie absterben. Bei einer kleineren Dosis kann das Erbgut in Mitleidenschaft gezogen werden. Je mehr Stellen im Erbgut beschädigt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass bei ihrer Reparatur etwas schief geht. In Organen mit hoher Zellteilungsrate werden häufiger Abschriften des Erbguts gemacht, und es kommt schneller zu Reparaturfehlern. Sind bestimmte Regulationsmechanismen der Zelle betroffen, fängt sie außerdem an, sich unkontrolliert zu vermehren. Der Mensch erkrankt an Krebs.

Angaben beziehen sich auf eine Bestrahlung in kurzer Zeit, Äquivalentdosis in Millisievert (mSv):

Infokasten Sievert:

Die Strahlenbelastung wird in der Einheit Sievert (Sv) gemessen. Sievert steht dabei für zwei verschiedene Werte:
1. Die Belastung des gesamten biologischen Gewebes („Äquivalentdosis“)
2. Die effektive Belastung spezifischer Organe („Effektivdosis")

Um Äquivalentangaben und Effektivangaben vergleichbar zu machen, werden die Werte mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert. (Beispiele unter: www-med-physik.vu-wien.ac.at). 1 Sievert entspricht 1000 Millisievert (mSv).

Beispiele:
2000 mSv Äquivalentdosis entspricht 2000 x 0,12 = 240 mSv Effektivdosis im Bereich des Magens - vergleichbar mit 20 Mal Röntgen des Magens.

400 mSv Äquivalentdosis (gemessen in Fukushima pro Stunde) entspricht 400 x 0,05 = 20 mSv Effektivdosis im Bereich der Brust - vergleichbar mit 250 Mal Röntgen des Brustkorbs in einer Stunde.>


Financial Times Deutschland,
                    Logo

19.3.2011: Tabelle über die Strahlenwirkungen auf den Körper

aus: Financial Times Deutschland online: Infografik: Die Wirkung der Strahlung auf den Körper; 19.3.2011;
http://www.ftd.de/wissen/:infografik-die-wirkung-der-strahlung-auf-den-koerper/60027617.html?page=2

Beschreibung Messung in Millisievert (mSv)
Letale Dosis (100 Prozent der Betroffenen sterben) ab 7.000 mSv (Äquivalentdosis, kurze Zeit)
Belastung der Aufräumarbeiter in Tschernobyl, die innerhalb weniger Monate verstarben 6000 mSv (Äquivalentdosis, kurze Zeit)
Halbletale Dosis (50 Prozent der betroffenen sterben) ab 3.000 mSv (Äquivalentdosis, kurze Zeit)
Kritische Dosis (Auftreten von Strahlenschäden) ab 1000 mSv (Äquivalentdosis, kurze Zeit)
Nachweisbare zeitweilige Veränderung des Blutbilds 250 mSv (Äquivalentdosis, kurze Zeit)
Grenzwert der effektiven Dosis für beruflich strahlenbelastete Personen in den USA 50 mSv (pro Jahr)
Computertomogramm (CT) Bauchraum 10-25 mSv (Effektivdosis, einmalig)
Grenzwert der effektiven Dosis für beruflich strahlenbelastete Personen in Europa 20 mSv (pro Jahr)
Röntgenaufnahme Darm 10 - 18 mSv (Effektivdosis, einmalig)
CT Wirbelsäule 2 - 11 mSv (Effektivdosis, einmalig)
CT Brustkorb 6 - 10 mSv (Effektivdosis, einmalig)
Natürlich Strahlenbelastung 2 - 4 mSv (Effektivdosis, pro Jahr)
Mammografie 0,2 - 0,6 mSv (Effektivdosis, einmalig)
10-Stündiger Flug auf 10.000 Meter Höhe 0,1 mSv (Effektivdosis, einmalig)
Knochendichtemessung < 0,01 - 0,3 mSv (Effektivdosis, einmalig)
Röntgenaufnahme Zahn < 0,01 mSv (Effektivdosis, einmalig)

Quellen: BfS

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19.3.2011


Cronicaviva del
                          Perú, Logo




El 86% de los chilenos no quiere planta nuclear en Chile

Sábado, 19 de Marzo de 2011 10:18


19.3.2011: 86% der Chilenen wollen kein Atomkraftwerk in Chile

Samstag, 19. März 2011, 10:18 Uhr, Übersetzung von Michael Palomino

<SANTIAGO.- La crisis nuclear que atraviesa Japón, tras el terremoto y posterior tsunami , generó  el rechazo de los chilenos a la posibilidad de emplazar en el país mapocho la instalación a este tipo de generación eléctrica. Según un sondeo dado por el diario chileno   La Tercera realizado esta semana, el 86% de los consultados no está de acuerdo con la construcción de plantas nucleares en Chile.

La medición de La Tercera indica que 60% no aceptaría instalaciones nucleares bajo ninguna condición y 40% estaría a favor en algunos casos. El 22% la consideraría si está lo más alejada posible de la población y del mar, y el 8% se muestra a favor si hay un acuerdo mayoritario del país del sur.

El sondeo deja en evidencia que la población no cree en las aptitudes de este tipo de energía. Más del 60% se muestra en desacuerdo con la afirmación de que una central nuclear ayuda a garantizar una mayor independencia energética, y un porcentaje similar estima que no es más limpia y barata. Además, sobre el 80% la considera más peligrosa que otras opciones de generación y el 50% alude a su potencial como armamento bélico.

La mayoría de los consultados (68%) cree que el gobierno debería dar preferencia a energías renovables (eólica, solar, geotérmica) para resolver la escasez de energía, aunque ese porcentaje es menor al 80% que pensaba lo mismo en la cuenta de 2010. Entre ese sondeo y este año, también aumenta de 8% a 18% quienes se manifiestan a favor de centrales hidroeléctricas.

Marco Pérez>

[Centrales hidroeléctricas con pantanos son extremamente peligrosos en Chile por los terremotos, y principalmente es suicido como la energía atómica].



<SANTIAGO. - Die nukleare Krise, die Japan durch das Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami getroffen hat, provozierte bei den Chilenen eine ablehnende Haltung gegen die Installierung eines solchen Elektrizitätswerks im Mapuche-Land. Die Zeitung "La Tercera" machte diese Woche eine Umfrage, und das Resultat war eine 86%-ige Ablehung gegen einen Bau enies Atomkraftwerks in Chile.

Die Auswertung der Zeitung "La Tercera" ergibt, dass 60% niemals und unter keinen Umständen den Bau einer Nuklearanlage befürworten, und 40% würden es nur unter gewissen Umständen akzeptieren. 22% meinten, ein Atomkraftwerk müsse so weit wie möglich von der Bevölkerung und vom Meer entfernt stehen, und 8% meinten, der Bau eines AKW sei nur mit der mehrheitlichen Zustimmung der Bevölkerung des südlichen Nachbarlandes möglich.

Die Untersuchung bringt klar zum Ausdruck, dass die Bevölkerung nicht an diese riskante Energie glaubt. Über 60% gab klar an, dass die energietechnische Unabhängigkeit sicher nicht mit der Atomkraft zu erreichen sei, und ein ähnlicher Prozentsatz schätzt, dass Atomkraft sicher nicht sauberer oder billiger sei als andere Energie. Ausserdem schätzen 80% die Atomkraft als gefährlicher ein als andere Stomerzeugungsarten, und 50% wiesen auch darauf hin, dass die Atomkraft für kriegerische Zwecke missbraucht werden könne.

Die Mehrheit der Befragten (68%) glaubt, dass die Regierung erneuerbaren Energien den Vorzug geben müsse (Windenergie, Solarenergie, Geothermie), um ein Energieproblem zu lösen. Im Jahre 2010 waren noch 80% dieser Meinung gewesen. Zwischen der Umfrage von 2010 und 2011 ergibt sich auch ein weiterer Unterschied: Der Anteil, der sich für Wasserkraft aussprach, stieg von 8 auf 18%.

Marco Pérez>

[Wasserkraft mit Stauseen ist in Chile wegen der vielen Erdbeben extrem gefährlich und eigentlich auch ein Selbstmord wie die Atomenergie].


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Michael Palomino, Portrait
Michael Palomino, Portrait

20.3.2011: Die kalkulierte Massenverkrüppelung in Japan - Tokio ist immer noch nicht evakuiert - die Gründe

von Michael Palomino, publiziert auf Facebook am Sonntag, 20. März 2011 um 11:56

Die kalkulierte Massenverkrüppelung in Japan - Tokio ist immer noch nicht evakuiert - die Gründe

von Michael Palomino (1964*), 20.3.2011

Der Wind von Fukushima dreht nun gegen Tokio, und Tokio ist immer noch nicht evakuiert. Wieso findet in Japan nun eine kalkulierte Massenverkrüppelung statt? Es sind dafür mehrere Faktoren verantwortlich.

-- der Kaiser von Japan hat scheinbar keine Ahnung von Atomenergie und meint sogar noch, er "brauche das nicht"

-- der Kaiser von Japan kann scheinbar auch nicht lesen und keine Fremdsprachen, sonst würde er wenigstens jetzt Informationen suchen, was da Tokio blühen wird und sofort die Evakuierung von Tokio vorantreiben

-- und Weissrussland hat die Informationen über die Folgen von Tschernobyl gesperrt und hat die Welt 25 Jahre kaum informiert, und deswegen wissen nur "eingeweihte", alternative Gruppen von den konkreten Folgen

-- diese "eingeweihten", alternativen Gruppen haben aber ein katastrophales Publikationsmanagement und publizieren nur in ihrer Sprache, meistens Deutsch, und übersetzen und publizieren ihr Wissen nicht in die Welt

-- und die Japaner bleiben mehrheitlich in Tokio, weil der Kaiser von Japan auch in Tokio bleibt

-- und die Berater des Kaisers von Japan sind "ausgewählte Freunde", und die sagen nur, was dem Kaiser angenehm ist

-- und so verkrüppelt sich das geistig verkrüppelte Japan nun auch körperlich, und dann ist Schluss mit tödlichem Karate, Schluss mit tödlichen Säbelspielen, und dann ist Schluss mit Walfischjagd etc. pp.

-- es ist leider so, dass die Aufklährung in Japan nicht stattgefunden hat, und Napoleon hat es auch nicht bis Japan geschafft, und deswegen hat die Wahrheit dort eigentlich bis heute kaum Chancen.

-- dabei hat Japen ein Riesenpotential an Erdwärme mit den vielen Vulkanen, die dort sind, noch viel mehr als Island, das die Erdwärme mit Vulkanen sogar exportieren will.

Wie nennt man das, was in Japan passiert? Kollektiver Harakiri wegen geistiger Verkrüppelung. Es ist dramatisch und brutal. Japan hat die schnellsten Züge der Welt, aber mit solchen Rekorden wird die geistige Unfähigkeit, die Wahrheit und Lösungen mit Logik zu ergründen, leider nur zugedeckt und vertuscht.

Niemand hat Japan einen solchen Schock mit Erdbeben von 9,0 und Tsunami und Zerstörung von Atomkraftwerken gewünscht, aber seit 2006 wusste seit dem Tsunami in Indonesien jeder, was ein Tsunami bewirken kann. Aber der Kaiser von Japan hat nicht einmal das gesehen und Japan hat 5 Jahre verstreichen lassen und die AKWs nicht vom Meerufer entfernt. Und nun folgt nach der geistigen Verkrüppelung auch die körperliche Verkrüppelung Japans...

Michael Palomino (1964*), 20.3.2011>
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20.3.2011

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Japón desmantelará central nuclear de Fukushima

Domingo, 20 de Marzo de 2011 10:17





20.3.2011: Japan wird das Atomkraftwerk Fukushima demontieren

Sonntag, 20. März 2011, 10:17 Uhr, Übersetzung von Michael Palomino

20.3.2011:
                          Feuerwehrschiffe besprühen das AKW Fukushima
                          vom Meer aus mit Meerwasser

20/03/2011: Barcos de bomberos rociando la planta atómica de Fukushima con agua del mar

<El portavoz del gobierno japonés  Yukio Edano, dijo que el gobierno decidió cerrar y desmantelar la central nuclear de Fukushima Daiichi tras el accidente que ha afectado estas instalaciones tras el desastre ocurrido.

Es evicente que las autoridades niponas tienen en claro que la misma  base nuclear ha generado la alarma mundial ante una inminente hecatombe atómicar que atentaría contra la humanidad luego de producido el terremoto de 9.00 grados segun la escala de Ritcher seguida del tsunami que devastó este archipiélago.

Edano aseguró en su comparecencia diaria de la tarde para informar de la crisis que "observando la situación objetivamente está claro" que las instalaciones no serán reutilizadas.

Fukushima Daiichi, en el este de Japón y a unos 250 kilómetros al norte de Tokio, se cerraría una vez se hayan controlado las fugas y la alta temperaturas que desestabilizan los peligrosos núcleos de los reactores.

Esta es la primera vez que el Gobierno habla públicamente sobre el futuro de las instalaciones, entorno a las cuales se ha establecido un perímetro de evacuación de 20 kilómetros.

La planta sigue sufriendo problemas en la mayoría de sus seis reactores, pese a que las unidades 5 y 6 ya tienen acceso a electricidad para activar sus sistemas de refrigeración, y el reactor 2 fue conectado hoy a la corriente eléctrica a la espera de que pueda ser enfriado con sus bombas de agua.

Esto permite cierta tranquilidad en la planta de Fukushima Daiichi, pese a que el reactor 3 preocupa a los expertos de TEPCO, operadora de la central, ya que la presión en la vasija de contención del núcleo podría seguir incrementándose.

Por el momento, TEPCO considera que la presión se ha estabilizado y que liberarán presión hacia la piscina de supresión en la base del reactor, aunque si la operación no reduce el peligro cerca del núcleo liberarán vapor radiactivo a la atmósfera para evitar un mal mayor.

Por: César Ascues Uribe>



20.3.2011: Feuerwehrschiffe besprühen das AKW Fukushima vom Meer aus mit Meerwasser

<Der Sprecher der japanischen Regierung, Yukuo Edano, sagte, dass die Regierung entschieden hat, das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wegen des Unfalls zu schliessen und abzubauen.

Es ist offensichtlich, dass es den japanischen Behörden klar ist, dass dieses Atomkraftwerk einen weltweiten Alarm und einen unglaublichen Fall um die Atomkraft ausgelöst hat, der die gesamte Menschheit bedroht - nach dem Erdbeben von 9 Grad auf der Richter-Skala und dem zerstörerischen Tsunami, der die Insel getroffen hat.

Edano versicherte an seiner täglichen Pressekonferenz am Nachmittag, dass die Lage weiterhin "objektiv und klar beobachtet wird", und dass die Einrichtungen nicht wieder in Betrieb gehen werden.

Fukushima Daiichi im Osten Japans liegt 250 km nördlich von Tokio wird geschlossen, wenn es nach Rissen abgesucht worden ist und wenn sich die hohen Temperaturen stabilisiert haben, die die gefährlichen Reaktorkerne destabilisieren.

Dies ist das erste Mal, dass die Regierung öffentlich über die Zukunft der Installationen spricht, und dies ist auch ein Zeichen an die Leute, die aus dem Umkreis von 20 km evakuiert wurden.

Der grosse Teil der Reaktoren des AKWs hat aber weiterhin Probleme, auch wenn die Reaktoren 5 und 6 wieder elektrischen Strom haben, um die Kühlsysteme in Gang zu halten, und der Reaktor 2 wurde heute an den Strom angeschlosssen in der Hoffnung, dass auch dort die Kühlung wieder in Gang kommt.

Somit wird eine gewisse Ruhe auf Fukushima Daiichi möglich, obwohl der Reaktor 3 die Experten von TEPCO weiterhin beunruhigt, denn der Druck in seinem Behälterkönnte weiter steigen.

Im Moment meint die TEPCO, dass der Druck sich stabilisiert habe und dass der Druck sich über das Becken am Boden des Reaktors ableiten lasse. Wenn die Operation aber keinen Druckabfall beim Reaktorkern bewirkt, dann wird radioaktiver Dampf in die Atmosphäre abgelassen, um ein grösseres Unglück zu verhindern.

Von: César Ascues Uribe>



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20.3.2011: Der Wind dreht in Richtung Tokio - die schweizer Botschaft wird nach Osaka verlegt

aus: 20 minuten online; http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Der-Wind-dreht-in-Richtung-Tokio-11602549

Ein Tiefdruckgebiet verlagert sich nach Japan und später über den Pazifik. Die Winde drehen von Südwest auf Nordost, werden also vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima nach Tokio ziehen. «Aus Sicht des Wetters» sei das eine Worst-Case-Situation, berichtet MeteoNews. In den nächsten beiden Tagen soll es auch regnen. Radionukleide werden dadurch aus der Atmosphäre ausgewaschen und lagern sich am Boden ab. Bei starken Regenfällen sinkt somit das Risiko, dass Radioaktivität bis in den Ballungsraum Tokio getragen wird, wo rund 35 Millionen Menschen leben. Entscheidend ist, wie viel Radioaktivität überhaupt austritt. Im Moment scheint die Lage im AKW stabil zu sein. In den letzten Stunden haben sich die zuversichtlich stimmenden Meldungen gehäuft.

Die Schweiz verlegt ihre Botschaft von Tokio nach Osaka, teilt das Eidgenössiche Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA mit. Zur Begründung hiess es, die Entwicklung in Fukushima sei laut Schweizer Experten sehr unsicher. In nächster Zeit sei zudem mit einer Änderung der Windrichtung zu rechnen, wodurch sich die Strahlenbelastung in Tokio erhöhen könnte. Das EDA empfielt deshalb auch allen Schweizern in den Krisengebieten im Nordosten und im Grossraum Tokio/Yokohama weiterhin, diese Gebiete zu verlassen. Da sich das Interesse für die vom EDA gebuchten Plätze für die Swiss-Flüge von Tokio nach Zürich in Grenzen halte, verzichte man auf den für heute Sonntag geplanten Charterflug ab Osaka, teilte das EDA weiter mit. Bei einer Normalisierung der Lage könne die Verlegung der Botschaft rasch rückgängig gemacht werden.

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n-tv online, Logo

20.3.2011: Verstrahltes Gemüse auch weit von Fukushima entfernt, bis über 50.000 Bequerell

aus: n-tv online: Weit entfernt von AKW Fukushima 1: Immer mehr Pflanzen stark verstrahlt; 20.3.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Hoffnung-auf-Wende-in-Fukushima-waechst-article2895876.html

<Während die Arbeiten am zerstörten AKW Fukushima erste Erfolge zeigen und zumindest eine Stabilisierung der hochbrisanten Situation gelungen ist, bereiten nun die Folgen der ausgetretenen Strahlung Probleme. In immer mehr Lebensmitteln wird Radioaktivität nachgewiesen. Ein Umstand, der ein "Anlass zur Besorgnis" sei, so die Internationale Atomenergiebehörde. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Rettungskräfte bergen eine alte Frau und ihren Enkel lebend aus Trümmern. Und das neun Tage nach Erdbeben und Tsunami.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sorgt sich um radioaktiv verseuchte Lebensmittel aus der Region um das Atomkraftwerk Fukushima 1. Nach den der UN-Behörde vorliegenden Messungen japanischer Behörden liegen vor allem die Werte von radioaktivem Jod 131 in Milch und Blattgemüse teils weit über der für den Verzehr geeigneten Norm. Die Situation im halb zerstörten Atomkraftwerk selbst hat sich nach Einschätzung der UN-Behörde aber leicht zum Positiven verändert.

Rund um das Atomkraftwerk Fukushima gäben die Werte in einigen Lebensmitteln momentan Anlass zu Besorgnis, sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Japan prüfe nach Informationen der IAEA weiterhin ein Verkaufsverbot von bestimmten Lebensmitteln aus der Region.

Der IAEA lagen Daten über mit Jod 131 belastete Milch vor, die mit 900 bis 1500 Becquerel pro Kilogramm weit über den japanischen Grenzwerten für den Verzehr lagen (100 bis 300 Becquerel pro Kilogramm). Bei Frühlingszwiebeln lagen die Jod-131-Werte zwischen 110 und 6100 Becquerel pro Kilo, bei Spinat zwischen 8400 und 15 000 Becquerel pro Kilogramm. Während japanische Behörden den Grenzwert bei Blattgemüse bei 2000 Becquerel pro Kilo ansetzen, rät die Weltgesundheitsorganisation WHO zu einem generellen - weitaus geringeren - Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilo.

In Einzelfällen lag die Belastung noch weitaus höher: Aus der Stadt Hitachi, mehr als 100 Kilometer südlich des Kernkraftwerks Fukushima, meldeten die Behörden den Rekordwert von 54.000 Bequerel bei einem Kilogramm Feld-Spinat. Die Regierung habe die lokalen Behörden aufgefordert, den Vertrieb von Produkten, bei denen die Strahlung die Normwerte übersteigt, zu stoppen.

Folgen unklar

Welche Folgen der Verzehr solcher hoch belasteten Lebensmitteln für den Menschen hat, wollten die IAEA-Experten nicht klar beantworten. "Ich glaube nicht, dass man solchen Spinat essen möchte", sagte Andrew. Nach Angaben des deutschen IAEA-Experten für Strahlenschutz, Gerhard Proehl, könne man die Werte in etwa auf alle Blattgemüse und auch Gras übertragen. Frisst beispielsweise eine Kuh radioaktiv verseuchtes Gras, übertragen sich die Werte auf ihr Fleisch. Radioaktives Jod zersetzt sich mit einer Halbwertszeit von etwa acht Tagen aber relativ schnell.

Der Einsatz der Wasserwerfer zahlt sich zumindest im Moment aus.

Der Kampf auf Leben und Tod gegen die Kernschmelze am japanischen Atomkraftwerk Fukushima zahlte sich unterdessen aus. Technikern gelang es, die Reaktorblöcke 5 und 6 der havarierten Atomanlage zu kühlen und damit zu stabilisieren. Zudem sank die Temperatur in allen Abklingbecken. Sorge bereitete aber weiter die Kühlung des Blocks 3, wo die Brennstäbe aus hochgiftigen Plutonium-Uran-Mischoxiden (MOX) sind. Auch am Block 2 gelang es, Stromkabel zu legen. "Das war eine sehr gefährliche und schwierige Aufgabe", sagte der beteiligte Feuerwehrmann Toyohiko Tomioka. "Überall lagen Trümmer herum. Den Mitgliedern des Teams war die Gefahr der Verstrahlung sehr bewusst."

Zwei Panzer der japanischen Streitkräfte sollen in Kürze helfen, Trümmer auf dem Gelände des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima aus dem Weg zu räumen. Die Panzer seien gut gegen radioaktive Strahlung geschützt, so die Armee. Mit montierten Bulldozerschaufeln soll den Helfern der Zugang zu den Reaktorblocks erleichtert werden.

Auch bei den Rettungsarbeiten gab es am 9. Tag nach der Katastrophe gute Nachrichten. Einsatzkräfte bargen am Sonntag eine 80-jährige Frau und ihren 16 Jahre alten Enkel aus einem zerstörten Haus. Großmutter Sumi Abe und Enkel Jin Abe wirkten geschwächt, hätten jedoch auf Fragen der Polizei reagiert. Der Jugendliche soll an Unterkühlung leiden. Als die Erde bebte, seien Enkel und Großmutter in der Küche gewesen, berichtete der 16-Jährige Helfern im Krankenhaus. Seine Großmutter wurde unter schweren Möbelstücken eingeklemmt. Die beiden hätten sich dann von Joghurt und anderen Dingen, die in einem Kühlschrank lagen, ernährt. In den ersten Tagen hatte der Junge noch mit seiner Mutter telefonisch Kontakt. Erst am Sonntag gelang es ihm, sich aus den Trümmern des Hauses zu befreien und auf dem Dach nach Hilfe zu rufen. Ein Suchtrupp der Einsatzkräfte habe ihn entdeckt.

Immer mehr Tote

Die Zahl der Toten und Vermissten stieg jedoch weiter: Mindestens rund 8400 Menschen seien bei dem Erdbeben der Stärke 9 und dem nachfolgenden Tsunami gestorben, teilte die Polizei mit. 12.272 gelten offiziell als vermisst. Die Katastrophe vom 11. März ist damit das größte Unglück in der Geschichte Japans seit dem Zweiten Weltkrieg.

Bergungsspezialisten des Technischen Hilfswerks (THW) kehrten unterdessen aus Japan zurück. Die 41 Frauen und Männer landeten auf dem Flughafen Frankfurt. Mit an Bord waren 20 weitere Menschen aus sechs Ländern, darunter fünf Deutsche. Sie wurden in Frankfurt wegen der traumatischen Erfahrungen von Seelsorgern betreut.

jmü/dpa>

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Spiegel online, Logo

20.3.2011: Drohende Lebensmittelknappheit in Japan durch die atomare Verseuchung

aus: Spiegel online: Drohende Lebensmittelnot: Japans Supermärkte fürchten um Nachschub; 20.3.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751572,00.html

<Von Tanja Tricarico

Supermarkt im Norden Japans: Lieferschwierigkeiten auf unbestimmte Zeit.

Leere Regale und verwaiste Lager: Mit Hamsterkäufen wappnet sich Japans Bevölkerung für den Ernstfall. Jetzt kommen Einzelhändler mit dem Nachschub nicht mehr hinterher. Stromausfälle und zerstörte Straßen machen Lieferungen in das Katastrophengebiet fast unmöglich.

Hamburg - Brot ist längst ausverkauft. Nudeln, Wasser und Fertigprodukte ebenso. Eine Woche nach Erdbeben und Tsunami bereiten sich die Menschen in Japan auf eine dauerhafte Krise vor. Hinzu kommt die Angst vor dem atomaren GAU. Im Norden des Landes und im Großraum Tokio werden Lebensmittel knapp. Die Händler können kaum Nachschub liefern.

"Es wird für uns immer schwieriger, eine ausreichende Versorgung unserer Märkte sicherzustellen", sagt eine Sprecherin des Handelskonzerns Metro. Rund 1000 Mitarbeiter in neun Großmärkten rund um Tokio arbeiten für den deutschen Einzelhändler.

Das Erdbeben hat wichtige Zufahrtswege zerstört, viele japanische Fabriken, die Lebensmittel verarbeiten und transportieren, mussten ihren Betrieb einstellen. Dazu kommt die eingeschränkte Stromversorgung. Mit Notstromaggregaten versuchen die Supermärkte, die Kühlung verschiedener Produkte aufrecht zu erhalten.

Neben Metro müssen auch andere internationale Handelskonzerne gegen die Folgen der Naturkatastrophe kämpfen. Der britische Anbieter Tesco, der mit rund 140 Märkten im Großraum Tokio vertreten ist, spricht von akuten Engpässen. "Wir tun unser bestes, unsere Filialen zu versorgen," teilt der Konzern mit. Die Lage sei aber besorgniserregend.

"Normalerweise horten Japaner keine Lebensmittel"

Der französische Einzelhändler Carrefour und der amerikanische Anbieter WalMart äußern ähnliche Bedenken. Bisher sind zwar die rund 400 Geschäfte von WalMart noch gut ausgestattet und die Regale voll. Doch bereits jetzt zeichne sich ab, dass neben Lebensmitteln auch bei Batterien, Seife oder Toilettenpapier die Regale in den Märkten längerfristig leer bleiben, heißt es aus dem Konzern.

"Normalerweise horten Japaner keine Lebensmittel zuhause", sagt Hanns Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Was gekauft wird, verbraucht man sofort. Doch die Ungewissheit über die Folgen von Atom- und Naturkatastrophe lässt selbst den Appell der japanischen Regierung nur das nötigste einzukaufen, wirkungslos erscheinen. Hilpert rechnet daher mit einem akuten Versorgungsnotstand. Rund eine halbe Million Menschen könnten in den kommenden Tagen betroffen sein.

Japan produziert kaum eigene Lebensmittel. Jedes zweite Nahrungsmittel kommt aus dem Ausland - vor allem den USA, Australien oder Europa. Nur beim Getreide, bei Eiern, Fisch oder einzelnen Gemüsesorten setzen die Japaner auch auf die eigene Land- und Viehwirtschaft. Knapp zwölf Prozent der Landfläche werden dazu genutzt.

Autark wollen die Japaner vor allem bei einem ihrer Grundnahrungsmittel sein: dem Reis. Fremdprodukte gibt es kaum. Der japanische Reis - der Japonica - gehört zu den teuersten der Welt. Fremden Reis, etwa aus China oder aus den USA zu essen, ist verpönt bei den Einheimischen. Elf Millionen Tonnen Reis bauen Japans Landwirte jedes Jahr an.

Reisanbau rund um Fukushima

Eines der größten Reisanbaufelder liegt im Nordosten des Landes. Dazu gehört auch das Gebiet rund um Fukushima. Wegen der drohenden Atomkatastrophe hat die Regierung die örtlichen Behörden aufgefordert, Lebensmittel nach Radioaktivität zu untersuchen. Erhöhte Strahlenwerte wurden bereits im Trinkwasser gemessen. Es sei das erste Mal, dass Japan Grenzwerte zur Strahlenbelastung für im Inland hergestellte Lebensmittel festsetze, teilte das Gesundheitsministerium in Tokio mit.

"Diese Reisfelder sind auf Dauer kontaminiert", sagt Hilpert. Die Ernte aus dem Katastrophengebiet sowie zwei weiteren angrenzenden Regionen fallen wohl aus, vermutet er.

Droht nun die Reiskrise? Hilpert wiegelt ab. Auch in anderen Teilen Japans wird ausreichend Reis produziert, um die Nation zu versorgen. Und falls dies nicht reiche, müsste kurzfristig mehr importiert werden. "Die gesteigerte Nachfrage wird sich allerdings an den internationalen Reis- und Getreidebörsen bemerkbar machen", sagt Hilpert. Preissteigerungen seien mittelfristig nicht auszuschließen.

Die japanischen Medien berichten bereits von ersten Toten in den Notunterkünften außerhalb der Sperrzone von Fukushima. Die Verteilung von Medikamenten, Trinkwasser, Zelten und Nahrungsmitteln kommt nur spärlich voran. Zu groß sind die Schäden, die Erdbeben und Tsunami auf Straßen und Wegen hinterlassen haben.

Was passiert, wenn die Lage sich zuspitzt? Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ist bereits alarmiert. "Falls die japanische Regierung um Hilfe bittet, könnten mehrere Tonnen Grundnahrungsmittel in kürzester Zeit eingeflogen werden", sagt Ralf Südhoff, Leiter des Berliner Büros des UN-Programms. Mehrere Experten sind bereits vor Ort. Doch auch für Südhoff ist die größte Herausforderung Logistik und Verteilung. "Solange die Zufahrtswege nicht passierbar sind, können auch wir nur wenig ausrichten."

Mit Material von AFP>

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Basler Zeitung online, Logo

Schweiz 20.3.2011: Bundesrätin Widmer-Schlumpf (BDP) will den Atomausstieg

aus: Basler Zeitung online: Erste Bundesrätin bekennt sich zu Atomausstieg; 20.3.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Erste-Bundesraetin-bekennt-sich-zu-Atomausstieg/story/18386702

<Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf unterstützt den Ausstieg aus der Atomenergie. Um die Kernenergie möglichst rasch abzubauen, sieht ihre Partei BPD nur eine Möglichkeit.

Positioniert sich nach der Atomkatastrophe in Japan neu: Die BDP um Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Als erste bürgerliche Partei hat die BDP den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Dies sagt BDP-Präsident in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». Auch BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf unterstützt die neue Position der Partei, wie Grunder bestätigt. Der Beschluss wurde an einer Krisensitzung gefällt, die am Donnerstag im Bundeshaus stattfand. Thema: Wie soll sich die BDP nach Japan in Atomfragen neu positionieren? Das Resultat war «einstimmig», wie Grunder betont: «Wir kamen klar zum Schluss: Der Zeitpunkt ist gekommen, das Projekt Ausstieg anzugehen. Ohne Wenn und Aber.»

Alle Teilnehmer der Krisensitzung hätten das Diskussionspapier abgesegnet, sagt Grunder. «Es wird von allen getragen.» Von Bundesrätin Widmer-Schlumpf genauso wie von BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche, wie Grunder betont: «Auch Urs Gasche ist sich der Verantwortung bewusst. Genau so wie die BKW selbst.» Erstens sei für die BDP klar, «dass wir keine neuen Kernkraftwerke mehr bauen dürfen», sagt Grunder. «Zweitens möchten wir geordnet aus dem Atomstrom aussteigen. Das darf keine Hauruck-Übung werden, wir müssen ein mehrheitsfähiges Projekt entwickeln.»

«Wir müssen die Wasserkraft fördern»

Die bestehenden Kernkraftwerke müssten geordnet abgeschaltet werden. Grunder: «Und drittens brauchen wir einen Generationenvertrag, um die Stromlücke schliessen zu können.» Um den Umbau zu beschleunigen, gebe es für die BDP nur einen Weg: «Wir müssen die Wasserkraft fördern», so Grunder. «Diese Technologie kennen wir, müssen das Rad nicht neu erfinden. Zudem ist die Schweiz absolut prädestiniert für Wasserkraft.»

Die Atomenergie wird derzeit auch von der Schweizer Bevölkerung klar abgelehnt. In einer Isopublic-Umfrage stellen sich 73,9 Prozent gegen den Bau neuer AKW. 77 Prozent wollen mittelfristig aus der Atomenergie aussteigen.

Dies geht aus der Umfrage hervor, die von der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» in Auftrag gegeben wurde. Befragt wurden zwischen letztem Donnerstag und Samstag 506 Wahlberechtigte in der Deutsch und Westschweiz. Die Fehlermarge liegt bei 4,5 Prozent.

Nur jeder fünfte befürwortet neue Atomkraftwerke

Nur jeder fünfte (20,7 Prozent) befürwortet den Bau neuer Atomkraftwerke. Der Meinung, dass es ohne Atomstrom nicht geht, sind 12,7 Prozent. Auf der anderen Seite will aber nur jeder Zehnte (9,9 Prozent) sofort aus der Atomenergie aussteigen.

Geteilt sind die Meinungen zur Frage, was mit den älteren Werken Mühleberg und Beznau geschehen soll. 36,4 Prozent sprechen sich dafür aus, diese Werke inspizieren zu lassen, aber in Betrieb zu lassen. 34,4 Prozent wollen die älteren Werke vorläufig vom Netz nehmen und überprüfen. 28 Prozent sind dafür, die beiden AKW sofort und definitiv vom Netz zu nehmen.

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20.3.2011: Atomkraftwerk-nicht-möglich-Weltkarte

Ob Schweizer Atomkraftwerke einem Erdbeben standhalten würden, ist in diesen Tagen angesichts der Katastrophe in Japan eine viel diskutierte Frage. Die Wahrscheinlichkeit für ein schweres Beben in der Schweiz ist klein verglichen mit den globalen Erdbeben-Epizentren, die entlang der tektonischen Plattengrenzen verlaufen. In einem der aktivsten, dem sogenannten pazifischen Feuerring, liegt Japan. Ein Blick auf die Erdbebenzonen und die globale Verteilung von Atomkraftwerken offenbart, dass auch andere Länder gefährdet sind.

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<Diese Karte kombiniert die globalen Erdbebenzentren und Atomkraftwerke. Die violetten Kreise bezeichnen AKW-Standorte. Tiefrot ist der pazifische Feuerring erkennbar. Demnach wären neben Japan auch die USA, Armenien, Iran, Pakistan, Taiwan und Südkorea gefährdet.

Das vermutlich gefährlichste und gefährdetste AKW der Welt: Metsamor in Armenien. Nach dem verheerenden Erdbeben 1988 (Stärke 6.9) wurde es abgestellt, aufgrund von Stromengpässen 1995 aber wieder in Betrieb genommen. Auf Druck der EU willigte die armenische Regierung 2007 ein, das AKW abzustellen. Derzeit ist es aber immer noch am Netz.

Das Atomkraftwerk Diablo Canyon in Kalifornien steht seit der Nuklearkatastrophe in Japan in der Kritik. Bei seinem Bau 1985 hatten die US-Behörden offenbar keine Auflagen hinsichtlich der Erdbebensicherheit gemacht. Der Betreiber macht geltend, dass nach dem Erdbeben 2003 (Stärke 6.5) entsprechende «Notfallpläne» eingeführt worden sind.

Das iranische Atomkraftwerk Bushehr sei erdbebensicher, sagte der russische Aussenminister Sergei Lavrov am Montag in Paris. Russland ist für den Bau verantwortlich, der seit Jahren von Verzögerungen geplagt ist. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2003, Stärke: 6.5.

Die pakistanische Nuklearbehörde erklärte am Dienstag, das Atomkraftwerk Chashma im Norden des Landes sei gegen Erdbeben und Dammbrüche gesichert. Die Ereignisse in Japan verfolge man genau. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2005, Stärke: 7.6.

Die Atombehörde Taiwans hat angekündigt, alle Atomkraftwerke des Landes einer Prüfung zu unterziehen. Neben dem AKW Maanshan (Bild) an der Südspitze des Landes gibt es zwei ältere im Norden in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Taipei. Deren Bauweise ähnelt dem japanischen AKW Fukushima. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2006, Stärke: 7.0.

Aufgeschreckt durch die Ereignisse im nahen Japan hat Südkorea am Mittwoch Erdbeben- und Tsunami-Drills abgehalten. Südkorea baut seine Atomkapazitäten gerade massiv aus. Bis 2021 sollen zwölf neue Reaktoren ans Netz gehen. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2011, Stärke: 6.8.

Auch die akut erdbebengefährdeten Länder Chile (2010, Stärke 8,8) und die Türkei (1999, Stärke 7,6) haben Pläne für den Bau von AKWs.>

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21.3.2011: Weltkarte über Atomkraftwerke in Erdbebengebieten

aus: Spiegel online: Weltkarte: Diese AKW liegen in Erdbebengebieten; 21.3.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,751896,00.html


Weltkarte mit Atomkraftwerken in
                          Erdbebengebieten
Weltkarte mit Atomkraftwerken in Erdbebengebieten [4]

[Man sieht, dass Japan eine sehr hohe Erdbebengefährdung hat, und gleichzeitig viele Atomkraftwerke hat. Japan ist also prädestiniert, noch viele Atomunfälle zu erhalten, weil dort scheinbar absolut keine alternativen Energien gefördert werden. Anders gesagt: Fukushima wird nicht der letzte grosse Atomunfall-Supergau in Japan bleiben, sondern da werden noch mehr kommen].


<Weltkarte: Wo das Erdbebenrisiko am stärksten ist

Es ist ein beängstigender Atlas: Weltweit stehen viele Atomkraftwerke in Erdbebenzonen. Die Karte zeigt, dass ein gutes Dutzend Länder betroffen sind. Viele wollen das Bebenrisiko nun besser berücksichtigen.

Die Erde steht unter Druck. An den Grenzen der Erdplatten kann die Spannung jederzeit zu groß werden - dann gibt es einen Ruck, die Erde bebt. In manchen dieser Risikozonen stehen Kernkraftwerke. Eine Karte zeigt, welche AKW an seismisch ungünstigem Ort stehen.

Die größte Gefahr herrscht dort, wo sich der Druck entlang von Bruchzonen leicht entladen kann - an den Grenzen der Erdplatten. Die Erdoberfläche bildet ein Mosaik jener viele Kilometer dicken Gesteinsblöcke. Die Platten rutschen einige Zentimeter pro Jahr voran. An ihren Grenzen verhaken sie sich, es staut sich Energie.

Vor Japan kollidieren mehrere dieser Platten. Am Freitag, den 11. März hielt das Gestein dem Druck nicht mehr Stand und brach. Das Beben der Stärke 9,0 und die folgenden Tsunamis zerstörten Atomkraftwerke im Nordosten des Landes.

Die Weltkarte der Erdbebenzonen zeigt, dass viele AKW nicht in Erdbebengebieten liegen. In den USA und Russland beispielsweise stehen viele auf sicherem Grund.

Anderswo jedoch liegen AKW in Spannungsgebieten. Bedroht sind vor allem Kraftwerke in folgenden Regionen:

Die Katastrophe in Japan hat nun in vielen dieser Länder zu neuem Nachdenken geführt. Die deutsche Regierung will die Erdbebensicherheit der AKW überprüfen. Auch die USA und China haben angekündigt, das Risiko von Erdstößen zu prüfen. China plant Dutzende neue AKW.

Zu dem Erdbebenrisiko kommt die Gefahr von Tsunamis. China plant zahlreiche AKW unmittelbar an seiner Südostküste. Hier zeigt die Erdbebenkarte, dass indirekt Gefahr droht: Die gegenüberliegenden Küsten der Philippinen sind ein Starkbebengebiet - ebenso untermeerische Gebiete. Jederzeit können Riesenwellen losgetreten werden und die Küsten Chinas fluten.

Die Regierung Kaliforniens hat die Gefahr erkannt: AKW an seiner Küste werden lediglich von kleinen Mauern geschützt. Tsunamis würden diese Kraftwerke problemlos erreichen können. Es droht eine Katastrophe wie in Japan. Jetzt sollen die AKW überprüft werden - sie stehen direkt am Pazifik.

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21.3.2011: <Radioaktives Trinkwasser in Tokio>

aus: Financial Times Deutschland online; 21.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:live-ticker-zur-katastrophe-in-japan-radioaktives-trinkwasser-in-tokio/60027914.html

<Im Wasser der japanischen Hauptstadt ist radioaktives Cäsium festgestellt worden. Zudem steigt die Strahlenbelastung. In Fukushima arbeiten Rettungskräfte weiter an der Kühlung der Reaktoren. Die Weltbank schätzt das Schadensvolumen in Japan auf bis zu 166 Mrd. Euro.

05:39 Im Trinkwasser der japanischen Hauptstadt Tokio ist radioaktives Cäsium nachgewiesen worden. Am Montag riet das Gesundheitsministerium zudem den etwa 6.000 Bewohnern des Dorfes Iitate wegen erhöhter radioaktiven Jods im Wasser davon ab, Leitungswasser zu trinken. Iitate liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich des Atomkraftwerkes Fukushima. Ein Sprecher des Ministeriums sagte zu den Werten von Iitate, es sei Wasser mit dreimal höheren Werten als normal. In allen Fällen sei die Verstrahlung jedoch zu gering, um unmittelbare Schäden zu verursachen.>

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21.03.2011: <Atomunglück in Japan: Immer mehr Hiobsbotschaften zur radioaktiven Belastung>

aus: Financial Times Deutschland online; 21.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:atomunglueck-in-japan-immer-mehr-hiobsbotschaften-zur-radioaktiven-belastung/60029013.html#gmap-0-Fukushima Daiichi (Reaktor 1)

Der Betreiber des havarierten AKW Fukushima kann die Gefahr des Super-GAUs nicht bannen. Alarm schlägt inzwischen die Weltgesundheitsorganisation wegen kontaminierter Lebensmittel. Auch Meerwasser ist durch Strahlen belastet.

Aus Japan werden immer mehr Hiobsbotschaften gemeldet, die auf eine stärkere Verseuchung der Umwelt, des Trinkwassers und landwirtschaftlicher Produkte durch Radioaktivität hinweisen als bisher bekannt. Auch Meerwasser nahe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima ist verstrahlt.

Die Strahlungswerte liegen nach Angaben aus der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) auch außerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone teils erheblich über der natürlichen Strahlung. Ein hochrangiger IAEA-Beamter legte Japan eine Ausweitung des Gebiets nahe.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte das asiatische Land auf, stark kontaminierte Lebensmittel unverzüglich aus dem Handel zu nehmen. Sie seien eine größere Gefahr für die menschliche Gesundheit als radioaktive Partikel in der Luft, erklärte ein WHO-Sprecher in Genf. Denn während die Partikel in der Luft nach wenigen Tagen verschwunden seien, lagerten sich diese Mini-Teilchen aus Nahrungsmitteln im Körper ab. Der WHO-Sprecher forderte Japan auf, schnell notwendige Maßnahmen einzuleiten, um zu verhindern, dass Lebensmittel aus der Region Fukushima zum Verbraucher gelangen.

"Es ist sehr viel ernster als zuvor angenommen", sagte ein Sprecher des WHO-Büros für die Region West-Pazifik in Manila. In den ersten Tagen nach dem Erdbeben hätten Experten noch mit der Beschränkung des Problems auf einen Umkreis von bis zu 30 Kilometern gerechnet. "Aber höchstwahrscheinlich sind einige kontaminierte Produkte aus der verseuchten Region herausgekommen." Die WHO habe allerdings bisher keine Hinweise darauf, dass kontaminierte Nahrungsmittel in andere Länder gelangt seien.

In vielen japanischen Krisengebieten steigt die Strahlenbelastung in Lebensmitteln und Trinkwasser. Für vier Präfekturen verhängte die Regierung am Montag ein Lieferverbot für Milch und mehrere Gemüsesorten. Über weitere Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher wird in Kürze entschieden.

Ganzes Dorf ohne sauberes Trinkwasser

Das komplette Dorf Iitate in der Fukushima-Region ist ohne genießbares Trinkwasser. Messungen in der rund 30 Kilometer vom AKW Fukushima entfernten Gegend ergaben einen deutlich erhöhten Wert von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser, wie die Agentur Kyodo unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Der Grenzwert liegt bei 300 Becquerel. Auf der Website des Dorfes hieß es, in der kommenden Woche solle es Strahlungstests für die komplette Bevölkerung geben.

In der Nähe der AKW-Anlage sei im Meerwasser ein deutlich höherer Wert an radioaktivem Jod aufgetreten, berichtete Kyodo. Auch der Cäsium-Wert im Wasser sei erhöht gewesen. Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, es sei zu früh, um die Auswirkungen der Verseuchung auf die Fischerei zu beurteilen.

Tepco erwägt nach Angaben der Agentur Kyodo eine Entschädigung an Bauern in der Region, die Verluste durch verstrahlte Produkte erleiden, die nicht verkauft werden dürfen. In der Gegend um das havarierte Atomkraftwerk wurden unter anderem verstrahlte Milch und verstrahlter Spinat gefunden. Das Lieferverbot gilt für die Regionen Fukushima, Ibaraki, Tochigi and Gunma.Trotz zwischenzeitlicher Erfolgsmeldungen wie der geglückten Stromversorgung der Krisenreaktoren ist die Gefahr eines Super-GAUs am havarierten Atomkraftwerk Fukushima nicht gebannt. Zehn Tage nach dem verheerenden Erdbeben waren zwar alle sechs Reaktorblöcke wieder an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen, doch erlitten die Sicherungsarbeiten immer wieder Rückschläge.

Arbeiter mussten von den am stärksten beschädigten Blöcken 2 und 3 abgezogen werden, weil dort Rauch aufstieg. Zuerst qualmte es über Block 3, später auch über Reaktor 2. Die Ursache für den Rauch - später war nur noch von Dampf die Rede -, konnte Tepco nicht erklären. Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) äußerte sich besorgt. Die Lage sei "sehr ernst", sagte der aus Japan stammende IAEA-Chef Yukiya Amano. Das Land werde die Krise bewältigen.

Tepco und seine Techniker sowie andere Einsatzkräfte bemühten sich, die Situation zu entschärfen. Wasserwerfer beschossen die zur Lagerung verbrauchter Brennstäbe bestimmten Abklingbecken von Block 3 und 4 am Montagmorgen stundenlang mit Meerwasser, um die ausgedienten Brennstäbe zu kühlen. In den Abklingbecken lagern die abgebrannten Elemente, bis ihre sogenannte Nachzerfallswärme weit genug zurückgeht - in der Regel dauert das mehrere Jahre. Ohne Kühlung heizen sich die alten Brennstäbe auf, können schließlich zerstört werden und Radioaktivität freisetzen.>


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21.3.2011: ARD berichtet, Tepco lässt Obdachlose und Minderjährige als "Wegwerfarbeiter" im AKW Fukushima arbeiten

aus: Welt online: ARD-Reporter: Schickt Tepco Obdachlose ins AKW? 21.3.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article12901818/Schickt-Tepco-Obdachlose-ins-AKW.html

<Laut ARD-Korrespondent Robert Hetkämpfer schickt die Betreiberfirma von Fukushima 1 Obdachlose und Minderjährige als "Wegwerfarbeiter" in das Atomkraftwerk.

Der ARD-Korrespondent Robert Hetkämper hat in der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde" vom 17. März schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 in Japan erhoben: Angeblich schickt Tepco seit Jahren Obdachlose und Gastarbeiter in das Atomkraftwerk Fukushima 1.

„Es sind oft Obdachlose. Es sind sehr viele Gastarbeiter, es sollen sogar Minderjährige dabei sein, die seit Jahren dort immer wieder angeheuert werden und dann, wenn sie eine Zeit lang dort gearbeitet haben und halbwegs verstrahlt sind, gefeuert werden. Wegwerfarbeiter hat man sie hier in Japan genannt.“, so Hetkämper. Das passiere schon seit Jahrzehnten, sagte er weiter.

In dem WDR-Bericht kam zudem der Atomphysiker Horst Ellgering zu Wort. Er schätzt die Überlebenschancen der angeblich freiwilligen Helfer in Fukushima als sehr gering ein. "Was man sieht, lässt darauf schließen, dass ihre Überlebenswahrscheinlichkeit von Mal zu Mal abnimmt. Und der Strahlentod ist kein schöner Tod.", sagte Ellgering.

Tatsächlich ist wenig bekannt über die Menschen, die mit der Kühlung der explodierten Reaktoren beschäftigt sind und dort ihr Leben riskieren.

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21.3.2011: <Russen empfehlen Japanern Tschernobyl-Rezepte> - Manipulation von Wolken und Böden

aus: Welt online; 21.3.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article12903778/Russen-empfehlen-Japanern-Tschernobyl-Rezepte.html

<Autor: Maria Antonova| 21.03.2011

Von der Manipulation der Strahlenwolke bis zum Anti-Atom-Dünger: Im Kampf gegen die Verstrahlung könnte Japan von den Erfahrungen der Russen profitieren.

Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe in Japan ist noch nicht gebannt. Während weiter mit Hochdruck versucht wird, die Kühlung in den von Erdbeben und Tsunami beschädigten Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima 1 wiederherzustellen, tritt weiter radioaktive Strahlung aus.

Nach Einschätzung russischer Experten könnte Japan im Kampf gegen die Verstrahlung aber von den Erfahrungen nach der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren profitieren.

„Die Erfahrung von Tschernobyl sollte genutzt werden“, sagte der russische Strahlenbiologe und frühere Umweltberater von Ex-Präsident Boris Jelzin, Alexej Jablokow. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass die Katastrophe das Ausmaß von Tschernobyl erreiche, der Schaden könne aber durch das Abregnen von Wolken und der Rekultivierung landwirtschaftlicher Flächen begrenzt werden.

[Manipulation radioaktiver Wolken, damit sie nicht über Tokio abregnen]

Vor allem in der ersten Phase nach dem Atomunfall sei es wichtig, dass die Ausbreitung radioaktiven Materials über die Atmosphäre kontrolliert werde. So könne sichergestellt werden, dass dieses nicht über großen Städten niedergehe.

Hätte die damalige Sowjet-Regierung nicht künstlich die Wolken beeinflusst und damit das Wetter verändert, hätten die Auswirkungen für Moskau und andere Großstädte dem Experten zufolge weitaus schlimmer sein können.

„Es war ein Geheimprogramm und ethisch fraglich“, sagte Jablokow. „Moskau wurde auf Kosten kleinerer Städte von radioaktivem Regen verschont.“ Die Wolken, die in Richtung Moskau zogen, seien mit Chemikalien versetzt worden, sodass der Regen über außerhalb gelegenen Regionen niedergegangen sei. Radioaktive Wolken aus Fukushima könnten demnach dazu gebracht werden, sich über dem Pazifik statt über bewohnten Gegenden abzuregnen.

[Moskau manipuliert Wolken regelmässig, damit Moskau blauen Himmel hat - Manipulation mit Silberjodid und Zementpulver]

Moskau bedient sich regelmäßig der Wetterkontrolle, um einen blauen Himmel zu garantieren. Der frühere Bürgermeister Juri Luschkow etwa wurde dafür kritisiert, an Feiertagen in der Hauptstadt Regen in der Umgebung herbeizuführen. „Flugzeuge mit Ladungen an Reagenzien wie Silberjodid sollten bereitgestellt werden“, sagte Jablokow zur Lage in Japan. Sogar Zementpulver könnte dazu benutzt werden, Regen über dem Meer anstatt über Großstädten herbeizuführen, wo dieser eine enorme Gesundheitsgefährdung zur Folge hätte.

Damit das funktioniere, seien aber genaue Angaben zur Menge des ausgetretenen Strahlenmaterials nötig, sagt der Wetterexperte der Universität Moskau, Alexander Kislow. Tschernobyl habe gezeigt, dass radioaktiver Niederschlag „fleckenartig“ auftrete - einige Stellen seien dann stärker verseucht als andere. „Um den Niederschlag berechnen zu können, muss man die Menge des Austritts aus dem Kraftwerk kennen“, sagte Kislow. Diese Daten würde Japan aber nicht in ausreichendem Maße liefern.

[Plutonium in Reaktor 3]

Obwohl Experten nicht davon ausgehen, dass aus Fukushima so viel Radioaktivität wie in Tschernobyl abgegeben wird, wo sie durch verbranntes Graphit aus dem Reaktor in höhere Luftschichten gelangte und über einem großflächigen Gebiet niederging, bestehen Experten zufolge in Japan Risiken durch andere Faktoren wie Plutonium in den Brennelementen. Dies soll in Reaktorblock 3 der Fall sein. „Plutonium ist 150 Mal gefährlicher als herkömmlicher Kernbrennstoff“, sagte der russische Greenpeace-Energieexperte Wladimir Tschuprow. „Das ist ein Teufel, mit dem wir es zum ersten Mal zu tun haben.“

[Radioaktiv verseuchter Boden kann wieder kultiviert werden]

Neben der Manipulation von Wolken haben Russland, die Ukraine und Weißrussland nach Angaben von Experten zudem Methoden entwickelt, radioaktiv verseuchten Boden wieder zu kultivieren. So gebe es bestimmte Düngemittel und Pflanzen, mit denen die Radioaktivität reduziert werden könne, sagt Tschuprow. „Die Abwehrmechanismen sind bereits gut erprobt.">

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21.03.2011: <Strahlenbelastung: So gefährlich sind kontaminierte Lebensmittel>

aus: Financial Times Deutschland online; 21.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:strahlenbelastung-so-gefaehrlich-sind-kontaminierte-lebensmittel/60028871.html

<Nach dem Atom-Desaster von Japan sorgt sich die WHO um radioaktiv belastetes Essen. Besonders bedrohlich sind so genannte Alpha- und Betastrahlen. FTD.de zeigt, warum kontaminierte Nahrung so gefährlich ist.

von Michelle Röttger

Kontaminierte Lebensmittel sind besonders gefährlich für den Menschen, weil mit ihnen radioaktive Alpha- und Betastrahler über den Verzehr direkt in den Körper gelangen. Zum Schutz gegen Alphastrahlung reicht außerhalb des Körpers schon ein Blatt Papier. Werden die strahlenden Partikel aber aufgenommen und in den Organen eingelagert, können sie die Zellen dort über Jahrzehnte direkt schädigen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung steigt in der Folge.
[Cäsium mit 30 Jahren Halbwertszeit wird wie Kalium in Blut und Muskulatur eingebaut - Zellschäden]

Besondere Sorgen bereitet den Behörden ein radioaktives Isotop des Elements Cäsium. Es hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren - nach drei Jahrzehnten ist also erst die Hälfte der Ausgangsmenge zerfallen. Der Körper baut das krebserregende Cäsium als Ersatz für Kalium ins Blut und in die Muskulatur ein. Da der Körper Teile des Cäsiums mit der Zeit ausscheidet, ist die sogenannte biologische Halbwertszeit deutlich geringer. In der Muskulatur ist nach 140 Tagen die Hälfte des radioaktiven Cäsiums zerfallen. Diese Zeitspanne reicht allerdings, um die umliegenden Zellen zu schädigen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist besorgt über die radioaktive Strahlung in japanischen Nahrungsmitteln. "Es ist sehr viel ernster als zuvor angenommen", sagte ein Sprecher des WHO-Büros für die Region West-Pazifik in Manila der Nachrichtenagentur Reuters. "Höchstwahrscheinlich sind einige kontaminierte Produkte aus der verseuchten Region herausgekommen." Die WHO habe bisher aber keine Hinweise darauf, dass kontaminierte Nahrungsmittel in andere Länder gelangt sein könnten.

[Jod im Trinkwasser mit Halbwertszeit von 8 Tagen - Jodtabletten, die eine zu hohe Jodaufnahme blockieren]

Das japanische Gesundheitsministerium forderte zudem die Einwohner nahe der Kernkraftwerke in Fukushima auf, kein Leitungswasser mehr zu trinken, da hohe Level von radioaktivem Jod gemessen wurden. Das betreffende Jod-Isotop hat eine Halbwertszeit von acht Tagen. Es lagert sich in der Schilddrüse ab. Zum Schutz haben Teile der japanischen Bevölkerung spezielle Jodtabletten bekommen, die die Schilddrüse für eine weitere Jodaufnahme blockieren.>

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Basler Zeitung online, Logo  Hilfsaktion
                  Westukraine Lemberg, Logo

21.3.2011: Die Leiden der Tschernobyl-Opfer werden sich in Japan wiederholen: Körper ohne Arme, Lebenserwartung von 57 Jahren etc.

Hier redet der Leiter des Hilfswerks http://www.hilfsaktion-westukraine.ch, Robert Hotz, über die konkreten Folgen einer Atomkatastrophe.

aus: Basler Zeitung online: "Man muss das selber erlebt haben"; 21.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Man-muss-das-selber-erlebt-haben-/story/29684832?dossier_id=885
<Von Jean-Martin Büttner

Robert Hotz, 75-jähriger Jesuitenpater, betreut Strahlenopfer von Tschernobyl. Er erlebt täglich, was in Japan noch bevorsteht.

«Die Menschen haben gelernt, mit dem Leiden umzugehen»: Jesuitenpater Robert Hotz in seinem Büro in Zürich.

Sein Lachen tönt wie Bellen, sein Temperament ist hochprozentig. Die Augen schauen unverwandt unter dichten Brauen hervor. Er schweift dauernd ab und kommt doch immer auf die Frage zurück. Zwischendurch sagt er «verstehen Sie?», und es klingt wie ein Befehl. Überhaupt fällt einem bei Robert Hotz, dem 75-jährigen Jesuitenpater aus Zürich, die Religiosität nicht als Erstes auf. «Ich bin ein Sarkast», sagt er einmal, «aber kein Pessimist.»

Er hält nichts von den allzu Frommen und hat auch mit dem Papst seine Mühe. Am allermeisten ärgert ihn die Dummheit. Sein Glaube sei dabei nicht beschädigt worden, denn er glaube an den Menschen und «an ein unsichtbares Geheimnis jenseits aller Realität». In seiner Realität redet und verhandelt Hotz mit allen – mit Kommunisten, Atheisten, Religiösen aller Art, sogar Politikern.

Schändliche Schweiz [mit Luxusängsten - und in der Ukraine werden weiterhin verstrahlte Pilze gegessen]

Vor 25 Jahren explodierte der Reaktor von Tschernobyl – vor einer Woche der erste Reaktor in Fukushima. Pater Hotz mag aber nicht über Japan reden. Erst beim Abschied wird er sagen, wie sehr ihn die Nachrichten schockieren und das Leid, das den Menschen in Japan bevorsteht. Dass er so ungern über die dortige Katastrophe redet, hat nichts mit Japan zu tun, sondern mit der Schweiz. Er gerät in Fahrt. «Ich finde das ganze veranstaltete Theater schändlich», sagt er. «Die Leute hier sorgen sich nur um sich selber und überhaupt nicht um Japan.» Und wenn er «diese hysterischen, zutiefst verlogenen Schweizer Luxusängste» vergleiche mit der Realität, die er in der Ukraine seit bald 20 Jahren erlebe, komme ihm die Wut hoch. Dort müssten auch verstrahlte Pilze gegessen werden. «Trotzdem kommt niemand auf die Idee, einen Geigerzähler neben den Teller zu stellen.»

[Das Hilfswerk von Hotz in Lemberg, wo Chirurgen gratis operieren und ausbilden - gegen die russische Korruption - und Spendensammeln in der CH]

Der Pater stellt Gläser auf und holt eine Flasche aus dem Kühlschrank: finnischer Wodka, mit polnischem Büffelgras versetzt. Wie man ihn so dasitzen sieht in seinem engen, mit Büchern, Devotionalien, Ikonen, Bildern, Kerzen und Computern vollgestellten Büro, fragt man sich, wie er es hier aushält. Doch er hält es aus. Denn er verbringt die halbe Zeit in L’viv (Lemberg), der Hauptstadt der Westukraine. Hotz hat dort vor 18 Jahren ein Hilfswerk [www.hilfsaktion-westukraine.ch] gegründet, das Spitäler und Schulen baut oder unterstützt. Fachärzte reisen regelmässig mit ihm, operieren gratis und bilden ukrainische Chirurgen aus. 20 Millionen Dollar hat der Pater auftreiben können. Er investiert das Geld an den Behörden vorbei, um die Korruption zu unterlaufen. Regelmässig kehrt er in die Schweiz zurück, um Spenden zu sammeln. «Beim Geldeintreiben», sagt er, «gehe ich bis an den Rand der Nötigung.»

Offene Wunden [die Bildung von Hotz: Pädagogik, Philosophie, Theologie, slawische Sprachen, Geschichte]

Hotz wäre gerne Arzt geworden, «aber ich war zu dumm dafür». Also studierte er Pädagogik, Philosophie, Theologie und slawische Sprachen samt Geschichte in München und Lyon, dissertierte, spezialisierte sich auf russische Literatur und Orthodoxie, arbeitete in Osteuropa als Journalist für mehrere Medien. Er spricht Russisch, dozierte lange an der HSG St. Gallen und ist Honorarprofessor der Medizinischen Universität Lemberg.

[Missbildungen: Hände ohne Daumen, Körper ohne Arme, Verkrümmungen, offene Wunden, grosse Turmore - und die Gendefekte pflanzen sich fort - die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 57 Jahren]

In den Spitälern und Schulen wird er täglich mit den Folgen von Tschernobyl konfrontiert. «Man muss das selber erlebt haben, sonst hat man keine Ahnung.» Er holt ein schwarzes Buch hervor mit sauber eingeklebten Bildern. Sie zeigen die Missbildungen an Kindern und Erwachsenen: Hände ohne Daumen, Körper ohne Arme, groteske Verkrümmungen, offene Wunden, grosse Tumore. Hotz freut sich zwar über jede Hochzeit der Patienten, zugleich graut ihm davor: Denn deren gengeschädigte Kinder werden so missgebildet auf die Welt kommen wie ihre Eltern. Die Kinder nennen Hotz übrigens «Grossvater». «Die dortige Lebenserwartung liegt bei 57 Jahren», sagt er, «so Alte wie mich gibt es nicht mehr viele.»

Haltung bewahren [die Geschichte der über 10.000 "Liquidatoren" von Tschernobyl - Verteilung der Patienten - Beispiel eines Armeeoberst]

Über 10 000 Leute wurden aufgeboten, um in Tschernobyl aufzuräumen, sogenannte Liquidatoren: Feuerwehr, Polizei und Armee, die mit einem Nastuch vor dem Mund das vergiftete Geröll wegräumten. Niemand wurde über die Gefahren informiert – alle wurden schwer bestrahlt. Um den Skandal zu kaschieren, wurden die Patienten in der ganzen Ukraine verteilt. Einen der Liquidatoren lernte Pater Hotz selber kennen: einen Ingenieur und Oberst der Armee. Als er ihn im Spital sah, war sein Bauch eine einzige, offene Wunde. Er überlebte dank einer Operation. Hotz fragte ihn später, wie er das alles ausgehalten habe. Er habe wenigstens einmal etwas Vernünftiges in seinem Leben gemacht und dabei erlebt, wie auch die Armee etwas Positives gemacht habe: Aufräumen in Tschernobyl. «Diese Haltung», sagt Hotz, «hat mich am meisten beeindruckt.»

[Die Ukrainer bleiben trotz des Leids herzlich]

Die Erfahrung macht ihn zornig, bitter wirkt er nicht. Das habe er dort gelernt, sagt er. Das Land habe Bürgerkriege, Hungersnöte, Weltkriege, Stalin und Tschernobyl erlebt; es leide unter Korruption, Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit, allein in Lemberg habe im letzten Jahrhundert fünfmal die Herrschaft gewechselt. «Doch die Menschen haben gelernt, mit dem Leiden umzugehen.» Und spricht dann von der Herzlichkeit, mit der er überall empfangen werde.

[Eine Wodka-Weisheit]

Er wolle einem noch etwas Wichtiges mitgeben, sagt er. Klar, denkt man, jetzt kommt die Predigt. Der Pater beugt sich vor, sein Blick ist ernst: «Bei 18 Grad unter null schmeckt Wodka am besten.»

www.hilfsaktion-westukraine.ch (Tages-Anzeiger)>

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Hanford (Kalifornien, "USA") 22.3.2011: Da ist noch ein verseuchtes Gelände einer ehemaligen Plutoniumfabrik - Plutonium in der Nagasaki-Atombombe - verstrahlte Tiere und verstrahlte Milch - Strahlenexperimente an Arbeitern

aus: Spiegel online: US-Strahlenruine Hanford: Amerikas atomare Zeitbombe; 22.3.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,752346,00.html

<Von Marc Pitzke, New York

Um AKW-Sicherheit sorgen sich nach den Explosionen in Fukushima alle. Im US-Nordwesten lauert aber noch eine andere Gefahr. Die Ex-Plutoniumfabrik Hanford ist ein Relikt des Kalten Kriegs und die schwerstverstrahlte Gegend der westlichen Hemisphäre. Geplantes Ende der Sanierung: 2052.

Die Lämmer kamen ohne Augen oder ohne Mäuler zur Welt. Bei einigen waren die Beine grotesk zusammengewachsen, andere hatten gar keine Beine. Viele waren Totgeburten. Allein in einer Nacht starben 31 Jungtiere.

Zur gleichen Zeit fand sich auf einer Weide eine tote, steife Kuh, die Beine in den Wind gestreckt. Ganz in der Nähe zogen die Yakama-Indianer Lachse mit drei Augen aus dem tiefblauen Fluss. Forellen waren übersät mit Krebsgeschwüren.

Und dann wurden die Babys krank.

Es war im Frühjahr 1962, als der Farmer Nels Allison die mysteriösen Vorgänge erstmals bemerkte. "Zum Teufel, was geht hier vor?", fragte er seine Frau. Lämmer waren immer "die ersten, die umfielen", wenn etwas nicht stimmte auf Allisons Farm bei Basin City, einem Präriekaff am Columbia River im äußersten US-Nordwesten. Er taufte jene Todesnacht "die Nacht der kleinen Dämonen".

Die Allisons sind längst tot, das Entsetzen dauert an. Dokumentiert im Enthüllungsbuch "Atomic Harvest" ("Atomare Ernte") von 1993, ist ihre Geschichte eine von Abertausenden Horrorstorys, die sich im Umkreis der US-Plutoniumfabrik Hanford abspielten - und die Leute dort bis heute zutiefst verunsichern.

Hanford ist Amerikas atomare Ursünde. Denn das 1518 Quadratkilometer große, abgelegene Mammutgelände vier Autostunden südöstlich von Seattle, auf dem die USA einst fast ihr gesamtes Atommaterial für den Kalten Krieg produzierten, ist zwar seit 1988 stillgelegt. Doch es bleibt der radioaktiv am schwersten verstrahlte Ort in der westlichen Hemisphäre.

Kürzlich revidierte das Energieministerium das Zieldatum der Dekontaminierung Hanfords, der größten Umweltsanierung in der Geschichte der USA, erneut nach hinten. Auf September 2052 - mehr als 108 Jahre nach Inkraftnahme der Anlage.

Plutonium für die Nagasaki-Bombe

Die Katastrophe von Japan hat das Augenmerk nun auch wieder auf Hanford gelenkt, das letzte Relikt des Kalten Kriegs - zumal sich am Rande der verstrahlten Region ein aktives Atomkraftwerk befindet, das einzige im bebengefährdeten Nordwesten der USA. Erdstöße seien "ein riesiges Risiko" für Hanford, sagt Gerry Pollet, der Exekutivdirektor der Aktivistengruppe Heart of America Northwest.

Über die aktuellen Sorgen können die Anwohner rund um Hanford nur seufzen. Schon ihre Großeltern kämpften mit den Folgen dauerhafter Verseuchung und Verstrahlung: Fehlgeburten, Missbildungen, seltsame Kinderkrankheiten. Die Farmersfrau Juanita Andrewjewski legte in den sechziger Jahren eine "Landkarte des Todes" an: Kreuze für Herzinfarkte, Kringel für Krebs. Bald war das Blatt übersät mit Kreuzen und Kringeln.

Hanford, sagte der damalige US-Innenminister Stewart Udall, war das menschlich "tragischste Kapitel in der Geschichte des Kalten Kriegs".

Ab 1943 entstanden in Hanford in einem gigantomanischen Bauprojekt neun Atomreaktoren, die heute wie versteinerte Dinosaurier in der Prärie versanden. Einer, der B Reactor, war der erste seiner Art auf der Welt. Hier wurde unter strengster Geheimhaltung das Plutonium für das Manhattan-Projekt geschaffen. Darunter auch für die erste Atombombenexplosion der Geschichte am 16. Juli 1945 in New Mexico - sowie für "Fat Man", die Bombe, die am 9. August 1945 über Nagasaki detonierte.

In den darauffolgenden Jahrzehnten produzierte Hanford Plutonium für die Nuklearstreitkräfte der USA. Von Hanford, so hieß es, hänge die Freiheit der westlichen Welt ab - und die war wichtiger als die Gesundheit der Menschen.

Strahlung im Vieh und in der Milch

Die Hanford-Mitarbeiter bekamen zum Dank für ihren Einsatz einst Anstecknadeln mit einem stilisierten Atompilz. Der Atompilz wurde auch zum Maskottchen des Footballteams der Nachbarstadt Richland - die "Bombers".

Es war eine zynische Geste. Die Farmer und Anwohner in den umliegenden Orten Richland, Pasco und Kennewick zählen bis heute zu den am stärksten verstrahlten Menschen der Erde.

Die Bilanz ist verheerend. 52 Gebäude sind kontaminiert, 622 Quadratkilometer ganz unbewohnbar. In Hanford lagern 204.000 Kubikmeter hochradioaktiver Müll - zwei Drittel des gesamten US-Atomabfalls. 216 Millionen Liter radioaktive Schlacke sickert aus lecken Tanks ins Grundwasser, mehr als 100.000 ausgebrannte Brennstäbe liegen in kaputten Wasserbecken, 43.000 Kubikmeter kontaminierter Sand und 720.000 Liter Salpetersäure verseuchen die Erde.

Das Kühlwasser für die Anlagen stammte aus dem Columbia River - und wurde bis 1971 heimlich und fast ungeklärt wieder in den Fluss zurückgepumpt. Erhöhte Strahlung wurde später noch 500 Kilometer westlich gemessen, wo der Columbia in den Pazifik fließt. Den vergifteten Fisch aßen vor allem die Indianerstämme.

Auch stießen die Werke regelmäßig radioaktive Wolken aus, die der Wind bis in die Nachbarstaaten Oregon, Idaho, Montana und Kanada wehte. Die vom Fallout Betroffenen, "Downwinder" genannt ("die in der Windrichtung"), wurden besonders in der Anfangsphase von 1945 bis 1951 mit Jod 131 verseucht, das in die Nahrungskette gelangte - das Vieh, die Milch, die Eier.

Zwei Milliarden Dollar Kosten im Jahr [Strahlenexperimente an Arbeitern]

Abertausende Arbeiter, Anwohner und Farmer wurden sogar teils absichtlich verstrahlt - zu Testzwecken. Am 3. Dezember 1949 jagten Hanford-Physiker eine hochradioaktive Wolke durch den Schornstein des T-Werks, des damals weltgrößten Plutoniumwerks. Die Strahlung übertraf die des späteren Reaktorunfalls von Harrisburg fast ums Tausendfache. Das Experiment hieß "Green Run", Fallout wanderte bis nach Kalifornien.

Die Menschen wunderten sich, warum sie auf einmal erkrankten. Feldstudien ergaben, dass manche Babys in Hanford doppelt so stark verstrahlt waren wie die Tschernobyl-Kinder. Farmersohn Tom Bailie, der im Dezember 1949 zwei Jahre alt war und gerne in den Feldern spielte, erlitt nach dem "Green Run" eine Lähmung, später war er zeugungsunfähig. Seine gesamte Familie starb an Krebs.

Doch erst 1986 fand Bailie mit Hilfe einer hartnäckigen Reporterin der Lokalzeitung "Spokesman-Review" allmählich heraus, was wirklich dahinter steckte. Es war der Beginn eines jahrzehntelangen Kampfs der Strahlenopfer gegen die US-Regierung, die sie vor Gericht zwangen, Rechenschaft abzulegen und die Hanford-Geheimprotokolle zu öffnen. Die Sammelprozesse ziehen sie bis heute hin.

1988 wurde Hanford stillgelegt. Eine massive Dekontaminierung begann und dauert bis heute. Washington sprach von der "größten Entsorgungsaktion der Menschengeschichte", als sei man stolz darauf.

Mehr als zwei Milliarden Dollar pro Jahr kostet das immer noch. Fürs Haushaltsjahr 2013 sind 2,9 Milliarden Dollar veranschlagt. Immer wieder gibt es Schlampereien, Rückschläge, Unfälle. 2008, nach zwei Jahrzehnten Arbeit, war man gerade mal halb fertig. Erst vier der neun Reaktoren sind bisher "eingesargt". Die Außenzone soll nun spätestens 2020 dekontaminiert sein, die Tanks Ende 2047.

Und dann ist da noch der aktive Reaktor. Seit 1984 am Netz, gilt er als einer der weniger sicheren US-Atomreaktoren. Nach der Japan-Katastrophe versicherte der Betreiber, das Konsortium Energy Northwest, die Anlage habe mehrere Backup-Systeme und könnte einem Erdbeben der Stärke 6.9 widerstehen.

Im vorigen Jahr wurden im Gebiet um Hanford insgesamt 210 Erdbeben gemessen. Das schwerste hatte gerade mal die Stärke 3.0. Umweltschützer beruhigt das kaum: "In Hanford droht weiter ein radiologisches Desaster", sagt Glen Spain, der Chef der Fischereivereinigung PCFFA. "Hanford ist eine tickende Zeitbombe.">

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Spiegel online, Logo

22.3.2011: <Atomunfall in Fukushima: Strahlungswerte in Tokio steigen rapide>

aus: Spiegel online; 22.3.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,752579,00.html

<Die Strahlung aus dem havarierten Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi erreicht zunehmend auch Tokio, Behörden messen in der Hauptstadt stark steigende Werte. Aus dem Unfall-AKW gibt es eine Erfolgsmeldung: Alle sechs Atomanlagen haben wieder Verbindung zum Stromnetz.

Tokio - In Japan wächst die Sorge vor einer radioaktiven Belastung der Hauptstadt: Wie die Behörden mitteilten, wurde in Tokio ein starker Anstieg der Strahlungswerte gemessen. Im Bezirk Shinjuku im Zentrum seien am Dienstag 5300 Becquerel durch Cäsium-137 und 32.000 Becquerel durch Jod-131 erfasst worden. Das sei zehnmal so viel wie am Vortag, hieß es.

Diese Werte seien nicht unmittelbar gesundheitsschädlich, teilte das japanische Forschungsministerium mit. Man werde die weiteren Messungen aber beobachten. Während das Isotop Jod-131 eine Halbwertszeit von rund acht Tagen hat, ist Cäsium-137 erst nach etwa 30 Jahren zur Hälfte zerfallen.

Auch im Bereich des AKW Fukushima sind die Strahlungswerte gestiegen, wie der TV-Sender NHK unter Berufung auf das Forschungsministerium berichtete. Die Belastung mit Jod-131 liege bei 43.000 Becquerel pro Kilogramm Boden. Das sei 430-mal mehr als der Normalwert, erklärte Keigo Endo von der Gunma Universität. Die Belastung mit Cäsium-137 betrage mit 4700 Becquerel das 47-fache des Normalwerts.

Der Ort, an dem diese Werte gemessen wurden, liegt 20 Kilometer außerhalb der Evakuierungszone. Endo erklärte, die Strahlenbelastung überschreite die erlaubte Jahreshöchstdosis um das Vierfache, eine akute Gesundheitsgefährdung bestehe derzeit aber nicht.

In Trinkwasser in fünf Orten der Präfektur Fukushima ist ein für Babys zu hoher Wert an radioaktivem Jod festgestellt worden. Auch in Gemüse waren schon sehr hohe Werte festgestellt worden. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete am Mittwoch (Ortszeit), in der Umgebung des Kernkraftwerks seien inzwischen auch radioaktiv belasteter Brokkoli und belastete Rohmilch entdeckt worden. Die Werte hätten die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, hieß es ohne nähere Angaben.

Sorge bereitet Fachleuten auch die starke radioaktive Belastung, die im Meerwasser vor der Küste Japans gemessen wurde. Regierungssprecher Yukio Edano sagte dazu, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Verstrahlung auf Fische im Meer und auf Pflanzen zu beurteilen.

Alle sechs Fukushima-Anlagen wieder am Stromnetz

Den Arbeitern am havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist ein wichtiger Schritt gelungen: Alle sechs Reaktoranlagen haben zum ersten Mal seit der Erdbebenkatastrophe vor eineinhalb Wochen wieder eine Verbindung zum Stromnetz, wie der Betreiber Tepco am Dienstag mitteilte.

Jedoch könne es noch Tage dauern, bis der Strom überall angestellt wird. Neuer Rauch und Dampf behinderten am Dienstag die Arbeiten. Die Regierung sprach weiter von einer "äußerst angespannten" Lage. Auch die Situation der Erdbebenopfer bleibt dramatisch. Im Land drohen neue Nachbeben.

Die Wiederherstellung der Stromversorgung in den Reaktoren der Krisenanlage Fukushima I ist entscheidend, um das Kühlsystem für die radioaktiven Brennstäbe anzuwerfen und somit eine Kernschmelze zu verhindern. Der Tsunami und das Erdbeben am 11. März hatten die Kühlung in mehreren Meilern zerstört. Bevor die Stromversorgung wieder steht, muss jedoch überprüft werden, ob die technischen Vorrichtungen noch intakt sind, was mehrere Tage dauern.

Fließt der Strom wieder, kann der wirkliche Zustand der Anlage beurteilt werden, sagte Hidehiko Nishiyama, Sprecher der japanischen Atomaufsicht. Auch könne dann überprüft werden, ob die derzeitigen Maßnahmen gegen einen Super-GAU ausreichend seien, sagte Nishiyama nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Lage wieder verschärfe.

Weiterhin Kühlung von außen

Am Dienstag sprühten die Arbeiter in Fukushima I wieder Wasser auf den teilweise zerstörten Reaktor 3, um diesen zu kühlen. Die Arbeiten waren am Vortag wegen Rauch unterbrochen worden. In Block 3 lagert auch hochgiftiges Plutonium. Über den Reaktorblöcken 3 und 2 stieg außerdem neuer Rauch auf.

Bei Block 3 sei das möglicherweise ein Hinweis auf brennende Trümmer oder Öl, erklärte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa. Bei dem weißen Dampf über Block 2 handle es sich hingegen um erhitztes Wasser. Nach Angaben des Energiekonzerns Tepco nahmen Dampf und Rauch jedoch ab - eine Gefahr für die Arbeiter sei unwahrscheinlich.

Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Atomkrise dämpfte die Regierung jedoch: "Es ist nach meinem Gefühl schwierig, von Fortschritten zu sprechen", sagte Industrieminister Banri Kaieda nach Angaben von Kyodo. Die Regierung setzt nun zwei Atomexperten als Berater ein. Auch soll die Armee künftig täglich über die verstrahlte Anlage fliegen, um die Temperatur zu messen. Auch das US-Militär soll helfen. AKW-Betreiber Tepco entschuldigte sich derweil zum ersten Mal offiziell bei den Tausenden von Menschen, die wegen des Atomunfalls ihre Häuser verlassen mussten.

IAE: Keine schweren Schäden an Schutzhüllen

Die Schutzhüllen der Unglücksreaktoren sind nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nicht schwer beschädigt. Es lägen ausreichend Informationen vor, um sagen zu können, dass es in den Sicherheitsbehältern der Reaktoren keine großen Löcher gebe, sagte der IAEA-Verantwortliche für Reaktorsicherheit, James Lyons, am Dienstag in Wien. Auch trete aus den Sicherheitsbehältern keine große Menge Radioaktivität aus.

Dennoch schränkte er ein: "Es entweicht immer noch Radioaktivität aus der Anlage. Die Frage ist, wo sie herkommt: Aus dem ersten Sicherheitsbehälter (um den jeweiligen Reaktor) oder aus den Becken, in denen die benutzen Brennstäbe zum Abkühlen zwischengelagert werden." Die Frage sei schwierig zu beantworten, weil ein direkter Zugang nicht möglich sei.

Warnung vor Nachbeben

Die Evakuierungszone im Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima I soll laut Regierungssprecher Edano beibehalten werden. Eine Ausweitung sei bisher nicht geplant. Das japanische Gesundheitsministerium ordnete jedoch an, rund 1600 ältere und bettlägerige Menschen aus einer erweiterten Schutzzone zu bringen, die 20 bis 30 Kilometer von den Meilern entfernt liegt. Dort sollen die Menschen grundsätzlich in ihren Häusern bleiben.

Die Behörden warnten vor weiteren schweren Nachbeben der Stärke 7 oder mehr. Die Zahl der Todesopfer der Katastrophe steigt fast stündlich. Am Dienstagabend (Ortszeit) lag ihre Zahl nach Angaben der Polizei bei rund 9200. Mehr als 13.780 Menschen würden noch vermisst. Weil Krematorien der Brennstoff ausging, mussten Tote in Massengräbern beerdigt werden. Rund 300.000 Menschen leben noch in Notunterkünften, in denen es oft am Nötigsten fehlt.

Die zwei Atomkraftwerke in Fukushima wurden nach Angaben des Betreibers von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen. Das sei mehr als doppelt so hoch, als Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten.

Zugleich wurde der Vorwurf laut, dass Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen worden sein sollen, stundenlang Wasser auf den radioaktiv strahlenden Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima I zu sprühen. Industrie- und Wirtschaftsminister Banri Kaieda soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht ausführten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, habe sich bei Regierungschef Naoto Kan darüber beschwert.

Der Wirtschaftsminister sagte daraufhin auf einer Pressekonferenz am Dienstag: "Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen." Er ging allerdings nicht näher darauf ein, ob die Vorwürfe gerechtfertigt sind.

mbe/dpa/dapd>

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n-tv online, Logo

22.3.2011: <Panorama: Rettungsversuche offenbar aussichtslos - Fukushima droht nukleares Desaster>

aus: n-tv online; 22.3.2011;
http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Fukushima-droht-nukleares-Desaster-article2843926.html

Texte der Bilderstrecke:

<Fukushima 1, auch Fukushima Daiichi [genannt], ist mit seinen sechs Siedewasserreaktoren eine der grössten Atomanlagen Japans. Was genau im Innern der Atomanlage von Fukushima 1 vorgeht, weiss niemand. Nur wenige Techniker sind verblieben. Sie versuchen zu verhindern, was nicht mehr aufzuhalten scheint: die Kernschmelze in den vier betroffenen Reaktoren und damit ein nukleares Desaster. Alle Bemühungen der japanischen Atomenergiebehörde und der Betreiberfirma des AKW Fukushima 1 scheinen aussichtslos. Mittels Wassertankwagen oder Wasserwerfern soll derzeit das Abklingbecken von Reaktor 4 aufgefüllt werden. Damit soll verhindert werden, dass die in dem Becken gelagerten, gebrauchten Brennstäbe überhitzen. Auch das Wasser im Abklingbecken von Reaktor 3 beginnt sich zu erhitzen. Zuletzt war der Versuch gescheitert, den gefährlichsten der insgesamt sechs Reaktoren von Fukushima 1 aus der Luft zu kühlen - als einziger enthält er auch hochradioaktives Plutonium.>

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20 minuten online, Logo

22.3.2011: Radioaktive Teilchen aus Fukushima in Island - 14 Meter hoher Tsunami, und nur für einen 5 Meter hohen Tsunami war das AKW Fukushima ausgelegt - AKWs an der "US"-Pazifikküste - weisser Rauch, weisser Dampf, grauer Rauch

http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Rauch-ueber-den-Reaktoren-2-und-3-12509223

18:59
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ist in der isländischen Hauptstadt Reykjavik eine kleine Anzahl radioaktiver Partikel entdeckt worden. Sie scheinen aus dem havarierten Atomkraftwerk im japanischen Fukushima zu stammen. Dies wäre das erste Mal seit der Reaktorkatastrophe, dass Radioaktivität in Europa gemessen wird. Die Belastung sei allerdings nicht gesundheitsgefährdend.

07:45
Die zwei beschädigten Atomkraftwerke in Fukushima sind nach Angaben des Betreibers von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten, berichtete der Fernsehsender NHK. Die Tokyo Electric Power Company (Tepco) hatte demnach die Wände der beschädigten Kraftwerke Fukushima 1 und 2 am Montag untersucht, wie der Sender am Dienstag berichtete. Nach Angaben von Tepco sei die Anlage Fukushima 1 auf einen Tsunami von 5,70 Metern ausgelegt worden, Nummer 2 für eine Höhe von 5,20 Metern. Die Gebäude mit den Reaktoren und Turbinen wurden nach NHK-Angaben 10 bis 13 Meter über den Meeresspiegel errichtet. Bei der Katastrophe wurden sie teilweise überschwemmt.

06:55
Abgeordnete im US-Staat Kalifornien haben Bedenken über die Sicherheit von Atomkraftwerken an der Pazifikküste geäußert. Bei einer Anhörung in Sacramento verlangte der zuständige Ausschuss, die örtlichen Kraftwerksbetreiber sollten erst umfangreiche geophysische Studien anfertigen lassen, bevor sie die Verlängerung von Betriebsgenehmigungen beantragten. So sollte die Gefährdung der Atomkraftwerke durch Erdbeben und Tsunamis wie am 11. März in Japan abgeschätzt werden.
Eine der Betreibergesellschaften, Pacific Gas and Electric (PG&E), hatte erst kürzlich eine Verlängerung der Lizenz für den Betrieb des Kraftwerks in Diablo Canyon beantragt.

06:09
Aus Block 3 tritt nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo weisser Rauch auf, über Block 2 weisser Dampf. Bereits am Montag war über Block 2 Dampf und über Block 3 grauer Rauch aufgestiegen, der bis zum Abend verschwand. Auch da war die Ursache unklar. Die Einsatzkräfte und Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht.

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22.3.2011:

aus: aus: n-tv online: http://www.n-tv.de/Spezial/Liveticker-bis-einschliesslich-27-Maerz-article2968181.html

+++ 01:30 Wasser radioaktiv belastet
In einem Dorf nahe der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima 1 ist eine stark erhöhte Radioaktivität im Trinkwasser gemessen worden. Der Grad von radioaktivem Jod im Wasser von Iitatemura sei drei Mal so hoch wie der von der Regierung festgesetzte Grenzwert, teilte das japanische Gesundheitsministerium mit. Iitatemura liegt rund 40 Kilometer von Fukushima 1 entfernt und hat etwa 4000 Einwohner. Zwar bestehe keine akute Gefahr für die Gesundheit, trotzdem sollten die Einwohner das Wasser vorerst nicht trinken.

02.16 Weiter Wasserwerfer im Einsatz +++
Die Einsatzkräfte im Atomkraftwerk Fukushima haben die Kühlung von beschädigten Reaktoren mit Wasserwerfern fortgesetzt. Die Feuerwehrmänner und Soldaten der japanischen Streitkräfte besprühten die Reaktorblöcke 3 und 4 mit Meerwasser, wie der Fernsehsender NHK berichtet. Im Reaktorblock 2 richten sich die Bemühungen darauf, nach der Wiederherstellung der Stromversorgung zentrale Funktionen im Kontrollraum in Gang zu bringen: zunächst die Beleuchtung und dann vor allem die reguläre Kühlung des Reaktors und des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe. Die dafür erforderlichen Arbeiten könnten zwei bis drei Tage dauern, sagte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde. 05.54 AKW-Entsorgung könnte zehn Jahre dauern +++
Die Entsorgung der Reaktoren des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins könnte nach Einschätzung eines Experten bis zu zehn Jahre dauern. Das berichtete die Zeitung "Asahi Shimbun" und berief sich auf einen Informanten des AKW-Betreibers Tepco. Wegen radioaktiver Strahlung sei es sehr wahrscheinlich, dass die beschädigten Brennelemente in den Reaktordruckbehältern der Blöcke 1,2 und 3 nicht abmontiert werden könnten, sagte der Informant der Zeitung.

+++ 08.42 Regierung warnt vor Trinkwasser +++
In der Nähe des Katastrophenreaktors Fukushima werden stark erhöhte Werte von radioaktivem Jod im Trinkwasser entdeckt. Die japanische Regierung fordert die Bevölkerung im Dorf Iitate auf, kein Leitungswasser mehr zu trinken. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tokio, Messungen in Iitate hätten Werte von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser ergeben. Der Grenzwert liege aber bei 300 Becquerel, Das Dorf Iitate liegt innerhalb der 30-Kilometer Zone um das AKW Fukushima.

+++ 09.32 AKW Fukushima 1 teilweise evakuiert +++
Das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima ist teilweise evakuiert. Die Arbeiter, die sich in der Nähe des Reaktors 3 befunden hätten, seien vorerst in Sicherheit gebracht worden, weil Rauch aus dem Reaktor aufsteige, teilt der Betreiber Tepco mit. In den Brennelementen dieses Reaktors befindet sich hochgefährliches Plutonium.

10.20 Milch aus Fukushima verboten +++
Die japanische Regierung zieht Konsequenzen aus Warnungen über wahrscheinlich erhöhte Strahlenwerte in Lebensmitteln aus den verseuchten Gebieten. Sie verbietet die Lieferungen von Frischmilch aus der Präfektur Fukushima sowie von Spinat aus mehreren angrenzenden Bezirken.

11.32 Behörde: Kein Rauch mehr aus Block 3 +++
Die Nachrichtenagentur Kyodo meldet unter Berufung auf Japans Atomsicherheitsbehörde, es steige kein Rauch mehr aus Block 3 auf.

11.34 Nun auch Rauch über Reaktor 2 +++
Auch über dem havarierten Reaktor 2 des Katastrophen-AKW Fukushima steigt Rauch auf. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

11.55 Ursache für Rauch über Reaktoren unklar +++
Der Betreiber des Atomkraftwerks erklärt, die Ursache der Rauchentwicklung über den Blöcken 2 und 3 sei bislang nicht geklärt.

14.26 Lebensmittel-Verband: Deutsche in Sorge über Pilze +++
Von den in Deutschland verkauften Kulturpilzen geht Verbandsangaben zufolge trotz der Atomunfälle in Japan keinerlei Gefahr aus. Auch japanisch klingende Kulturpilze wie Shiitake kämen fast ausschließlich aus Europa und seien völlig unbelastet, erklärt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer, Schmaus. Er reagiert damit auf besorgte Nachfragen von Verbrauchern. "Es gibt keine Pilze aus Japan auf unseren Märkten", erklärt der Verbandschef.

15.13 Inspektionsmängel in Fukushima vorher bekannt +++ Schon vor dem verheerenden Erdbeben soll die Betreiberfirma Tepco im Atomkraftwerk Fukushima Eins geschlampt haben. Die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA warf Tepco einige Tage vor der Katastrophe Mängel bei der Inspektion vor. Das hatte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo Ende Februar berichtet. Insgesamt seien 33 Geräte und Maschinen nicht ordnungsgemäß überprüft worden. Ähnliche Mängel habe es auch in zwei weiteren AKWs gegeben.

16.37 Spinat hoch belastet +++ Bei Hitachi 100 Kilometer südlich des AKW Fukushima wies Spinat einen Jod-131-Wert von 54.000 Becquerel und einen Cäsium-Wert von 1931 Becquerel je Kilogramm auf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen generellen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilo.

17.40 Tepco nennt Gründe für Schlamperei +++ Tepco teilt mit, das trotz der versäumten Inspektionen keine Sicherheitsrisiken bestanden hätten. Als Grund für die Mängel bei der Überprüfung nennt das Unternehmen unter anderem Versäumnisse der Verantwortlichen. Außerdem sei die Inspektionsliste sehr umfangreich, in einer Anlage müssten einige Zehntausend Maschinen und Geräte überprüft werden. Das solle in Zukunft systematischer erfolgen, zitierte Kyodo den Betreiber.

18.26 Meerwasser radioaktiv belastet +++

Auch Meerwasser ist nun radioaktiv belastet. In der Nähe des AKW Fukushima Eins sei im ein deutlich höherer Wert an radioaktivem Jod aufgetreten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Auch der Cäsium-Wert im Wasser sei erhöht gewesen. Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, es sei aber noch zu früh, um die Auswirkungen der Verseuchung auf die Fischerei zu beurteilen.

19.49 IAEA misst hohe Strahlung +++

Die Strahlungswerte in Fukushima sind nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auch außerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone hoch. Nach IAEA-Informationen wurde am Sonntag 58 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt eine Strahlung von 5,7 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der von der IAEA empfohlene Strahlengrenzwert für einen normalen Erwachsenen liegt bei 1 Millisievert (1000 Mikrosievert) pro Jahr.

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Michael Palomino, Portrait
Michael Palomino, Portrait

22.3.2011: FUKUSHIMA: JAPAN WIRD TOTAL VERSTRAHLT WERDEN - UND DIE GESAMTE SCHÖPFUNG IST IN GEFAHR

von Michael Palomino, Dienstag, 22. März 2011 um 10:14

FUKUSHIMA:  JAPAN WIRD TOTAL VERSTRAHLT WERDEN - UND DIE GESAMTE SCHÖPFUNG IST IN GEFAHR

Japan auf dem Vulkan-"Feurgürtel" mit seinen vielen AKWs hat genau das Gegenteil gemacht von dem, was empfehlenswert ist, mit seinen vielen AKW in der Erdbebenzone des "Feuergürtels", und deswegen wird Japan total verstrahlt werden und unbewohnbar werden, weil weitere Erdbeben weitere Schäden an japanischen AKWs anrichten werden, vielleicht auch noch ein Tsunami. Schrittweise wird Japan nun unbewohnbar, in seiner gesamten Länge.

Denn Gebäude des AKWs Fukushima sind quasi unlöschbar, und die ganze Aktion mit den Feuerwehren gleicht einem irrealen Comicspiel, denn:

Die Reaktoren von Fukushima sind im Erdgeschoss gebaut und haben gut abgestellt, aber über dem Reaktor ist jeweils quasi ein Hallenbad angelegt, wo abgebrannte Brennstäbe abgekühlt werden, mit einem Kühlwasser-Pumpsystem. Nun funktionieren die Kühlsysteme nicht mehr, und die Hitze der Brennstäbe bildet Wasserstoff, und dann kommt die Wasserstoffexplosion, die die Betonhülle wegsprengt, was ja mehrmals passiert ist. Schon diese Explosionswolke ist von den Brennstäben hochgradig radioaktiv kontaminiert. Und dann ist kein Wasser mehr im "Hallenbad" ohne Dach vorhanden, und dann brennen die Stäbe und geben radioaktiven Rauch und Staub ab. Nun versucht der Kaiser von Japan, dieses Hallenbad ohne Wasser mit Feuerwehr zu kühlen, was natürlich Humbug ist, denn es verdampft immer mehr Wasser und wird zu hochradioaktivem Dampf und Rauch. Das geht also endlos so weiter.

Die einzige Lösung wäre, das gesamte Gelände mit Sand quasi zu begraben, aber das wäre das Zeichen der totalen Niederlage, das in der japanischen Kultur nicht möglich ist, und so geht es immer weiter, bis ganz Japan verstrahlt ist, bis dieser japanische Teufel, der japanische Kaiser, endlich merkt, dass man ein Atomkraftwerk nicht mit Wasser "löschen" kann. Aber vielleicht ist bis dann die gesamte Welt verstrahlt.

Die Japaner werden alle zu Krüppeln werden, und ein paar Fische und japanische Tiere auch. Das Löschwasser gelangt ins Meer und verstrahlt nun auch das Meer und die Fische. Es wird bald nichts mehr zu Essen geben in Japan, weil die Bequerell-Werte für Pflanzen katastrophal hoch sind (50.000 Bequerell pro kg Spinat wurde schon gemessen, und das wird noch viel höher werden).

Nun, die Medien rätseln, warum das diese Werte so hoch sind, und die japanische Regierung gibt vor, nicht zu wissen, wieso das so ist. Aber oben ist die Beschreibung, wieso das so ist. Sie wollen nicht zugeben, dass sie den schlimmsten Reaktortyp am Meeresufer gebaut haben.

Deutsche AKWs haben auch "Schwimmbäder" für Brennstäbe ("Abklingbecken"), aber meist nicht im 1. Stock über dem Reaktor, sondern nebendran. Diese "Abklingbecken sind dann jeweils auch alles andere als sicher.

Und nun kommt das Allerschlimmste: Es gibt Brennstäbe mit und ohne Plutonium. Die Brennstäbe, die Fukushima verwendet hat, sind Plutonium-haltig. Das heisst, wenn diese Brennstäbe brennen, dann entsteht eine plutoniumhaltige Wolke wie bei der Explosion eines Kernreaktors. Das heisst, die Wolke entspricht einem Supergau - und der Supergau ist schon lange da, nur merken es die dummen Journalisten nicht. Ein einziger Zeitungsartikel hat dies bis heute gemeldet, alle anderen nicht.

Tokio hätte schon lange evakuiert werden müssen. Das wird alles radioaktiv verkrüppelt werden. Aber erst, wenn der Kaiser krank wird, glauben es die dummen Japaner. Bei erwachsenen Menschen dauert es länger bis zum Krebs, ca. 20 Jahre, weil die Zellteilung weniger stark ist und sich der Zellschaden weniger schnell verbreitet. Die Kinder bekommen schneller Krebs, weil sie während des Wachstums mehr Zellteilung haben.

Dasselbe gilt für die Tierwelt.

Es ist die absolute Grausamkeit , was da in Japan sich abspielt, und die gesamte Welt und Schöpfung ist durch Japan und Fukushima  in ABSOLUTER GEFAHR und niemand will das merken.

Es muss sofort 15 Meter hoch Sand drauf und fertig. Aber die japanische Mentalität verhindert dies...

Michael Palomino, 22.3.2011>

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20 minuten online, Logo

Basel 22.3.2011: AKW Fessenheim in der Erdbebenzone am Rheingraben wird von der Basler Regierung als "ernsthafte Bedrohung" deklariert

aus: 20 minuten online: Atomdebatte: AKW Fessenheim - eine "ernsthafte Bedrohung"; 22.3.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/AKW-Fessenheim---eine--ernsthafte-Bedrohung--25889235

<Das alte AKW im französischen Fessenheim nördlich von Basel soll sofort stillgelegt werden, bis es gründlich kontrolliert ist. Dies fordern die Basler Regierungen von den Behörden und der Electricité de France (EdF).

Das 35 Kilometer von Basel entfernt am Rhein liegende AKW sei «veraltet», teilten die Regierungen der beiden Basel am Dienstag mit. Dieses AKW sei «eine ernsthafte Bedrohung». Gemäss einer Inspektionsnotiz der französischen Atomaufsichtsbehörde von 2001 wären bei einem schweren Erdbeben manche «Schutzfunktionen zur Sicherstellung der Reaktorkühlung ... nicht sicher gewährleistet.»

Eine Expertise der Kantone Basel-Stadt und Jura kritisierte bereits 2007, dass die in Frankreich angewandte Richtlinie zur Ermittlung der Erdbebengefährdung für Kernanlagen «nicht dem Stand der gegenwärtigen Kenntnisse und Praxis entspricht»: Bei einem Starkbeben auftretende Kräfte würden «signifikant unterschätzt».

Auf allen Ebenen

Der schwere nukleare Unfall in Japan bestärke nun die Regierungen in ihrer Meinung, dass das AKW Fessenheim eine Bedrohung für die regionale Bevölkerung sei. Der baselstädtische Regierungspräsident Guy Morin soll die Stilllegungsforderung am 1. April bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Conseil Régional Alsace deponieren.

Die beiden Basler Regierungen wollen zudem per Brief den Bundesrat dazu auffordern, dass Doris Leuthard die Abschaltungsforderung bei einem Treffen mit der französischen Umweltministerin überbringt. Die Bundesrätin solle auch die Fessenheim-Risiken besprechen. Der Oberrheingraben sei eines der seismisch aktivsten Gebiete Europas.

Im AKW Fessenheim laufen die beiden ältesten Druckwasserreaktoren Frankreichs mit Inbetriebnahme 1977 und 1978. Die Zehnjahresinspektion dauert voraussichtlich bis 2012. Die EdF will die Betriebserlaubnis um zehn Jahre verlängern lassen. Der Entscheid der Atomaufsichtsbehörde zum Block 1 wird im April erwartet.

Basel gegen alle AKW

Basel-Stadt hat den französischen Behörden einen Fragenkatalog zu technischen Schwachstellen des störungsanfälligen AKW zugestellt. Ferner ist gegen die Verlängerung eine verwaltungsrechtliche Klage des trinationalen Atomschutzverbands der Bevölkerung um das AKW Fessenheim (TRAS) - dem Schweizer Gemeinden angehören - pendent.

Die beiden Basel hatten nach ihrem Kampf gegen das AKW Kaiseraugst vor ihren Toren ins kantonale Recht geschrieben, sich gegen Atomkraft einzusetzen. Basel-Stadt hat 2009 per Standesinitiative den Verzicht auf neue AKW gefordert. Die Industriellen Werke Basel versorgen den Kanton dank Zertifikaten seit 2009 Atomstrom-frei.

(sda)>

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22.3.2011: "Entschuldigung" von Tepco bei den Evakuierten - alle Meiler haben Strom, aber die Kühlpumpen funktionieren kaum - Rauch und Dampf - keine Ausweitung der Evakuierungszone - radioaktive Gemüse weit ausserhalb der Evakuierungszone - Tsunami von 14 Metern Höhe - Tepco fälschte jahrelang Inspektionsberichte

aus: n-tv online: Lage in Fukushima 1 "äusserst angespannt" - Tepco entschuldigt sich für die "Mühe"; 22.3.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Tepco-entschuldigt-sich-fuer-die-Muehe-article2909686.html

<War die Katastrophe unabdingbar? Zwar ist die Havarie des AKW Fukushima eine unmittelbare Folge von Erdbeben und Tsunami, doch immer klarer wird, dass der Betreiber schon lange davor einfach schlecht gearbeitet hat.

Auch am Dienstag stiegen wieder Dampf- oder Rauchwolken über Fukushima 1 auf.

Der Energiekonzern Tokyo Electric Power Company (Tepco) hat sich bei Flüchtlingen aus dem Gebiet um das Unglückskraftwerk Fukushima für die Atom-Katastrophe entschuldigt. Norio Tsuzumi, ein Mitglied der Unternehmensspitze, sagte bei einem Besuch in einem Notlager: "Es tut uns leid, dass wir Ihnen so viel Mühe bereitet haben." Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Das havarierte AKW Fukushima 1 wird von Tepco betrieben.

Alle Meiler haben jetzt eine Verbindung zum Strom. Ob damit auch die Kühlpumpen wieder funktionieren, ist unklar. Die Lage bleibt ernst: Rauch und Dampf steigen weiter auf und behindern die Techniker. Die Reaktoren müssen weiter durch zusätzliche Wassergaben gekühlt werden. Die Lage in Fukushima bleibt "äußerst angespannt", wie Industrieminister Banri Kaieda erklärte. "Es ist nach meinem Gefühl schwierig, von Fortschritten zu sprechen", fügte der auch für die Atomaufsicht zuständige Minister laut Kyodo hinzu.

Evakuierungszone bleibt bei 20 Kilometern

Tsuzumi besuchte eine Schule in der Stadt Tamura in der Präfektur Fukushima. Dorthin waren Menschen geflüchtet, die direkt neben dem havarierten Atomkraftwerk in Okuma lebten. Tamura liegt etwa 40 Kilometer vom Kraftwerk Fukushima 1 entfernt. Die Regierung hatte angeordnet, dass sich alle Einwohner in einem Radius von 20 Kilometern um das AKW in Sicherheit bringen sollten.

Auch weit außerhalb der Evakuierungszone hat die IAEA stark verstrahlte Lebensmittel gefunden.

Eine Ausweitung der Zone sei bislang nicht geplant, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Es sei noch zu früh, die Auswirkungen der Verstrahlung auf Meereslebewesen zu beurteilen, sagte Edano, obwohl eine starke radioaktive Belastung des Meerwassers festgestellt worden war. Bei Jod-131 sei ein Wert gemessen worden, der das gesetzliche Maximum um den Faktor 126,7 übersteige, berichtete der Fernsehsender NHK. Bei Cäsium-134 sei die Verstrahlung 24,8 Mal, bei Cäsium-137 16,5 Mal so hoch wie zulässig. Nach Auswertung der Probe von einem Standort 100 Meter südlich des havarierten Kraftwerks kündigte die Tepco weitere Tests vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu an.

Die Strahlungswerte in Fukushima sind nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sogar außerhalb der Evakuierungszone hoch. Nach Messwerten von Sonntag, auf die sich die IAEA beruft, lagen die Werte außerhalb der 20-Kilometer-Zone teils erheblich über der natürlichen Strahlung. "Da muss man sich etwas überlegen", sagte ein hochrangiger IAEA-Beamter auf die Frage, ob eine Erweiterung der Evakuierungszone notwendig sei.

Nach IAEA-Informationen wurden beispielsweise 58 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt eine Strahlung von 5,7 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der von der IAEA empfohlene Strahlengrenzwert für einen normalen Erwachsenen liegt bei 1 Millisievert (1000 Mikrosievert) pro Jahr. Demnach könnten sich die Menschen, die 58 Kilometer von den Reaktoren entfernt leben, rund sieben Tage dort aufhalten, ohne langfristig gesundheitliche Schäden wie Krebs zu riskieren.

Salat und Kohlgemüse im Umkreis von Fukushima gilt als strahlenbelastet.

Die Radioaktivität aus Fukushima belastet zunehmend die Landwirtschaft in der Umgebung. In mehr als 100 Kilometer Entfernung wurde in Spinat radioaktives Jod gemessen, dessen Menge den Grenzwert um das 27-fache übersteigt. Auch bei Milch aus der Umgebung von Fukushima wurde eine überhöhte Strahlenbelastung festgestellt. In der Präfektur Tokio und in weiteren Regionen wurde eine geringe Belastung des Trinkwassers mit radioaktivem Jod festgestellt. Die Behörden haben die betroffenen Gemeinden aufgerufen, verstrahlte Lebensmittel nicht in den Handel zu bringen.

Keiner weiß, ob die Kühlpumpen funktionieren

Die Betreiberfirma Tepco arbeitet seit Tagen daran, die Kühlung des Kraftwerks zu reparieren und eine drohende Kernschmelze zu verhindern. Das ist bisher nur ungenügend gelungen, immer noch tritt unkontrolliert radioaktive Strahlung aus. Es ist auch weiter unklar, inwieweit die Meiler nach dem Netzanschluss durch eine neu verlegte Starkstromleitung wieder normal gekühlt werden können: Keiner weiß genau, wie groß die Schäden an den Kühlpumpen sind und ob die Pumpen überhaupt anspringen.

Die japanische Armee soll nun täglich über das AKW fliegen, um in der Anlage die Temperatur zu messen, wie Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa ankündigte. Bisher hätten die Mess-Flüge zweimal in der Woche stattgefunden.

Inzwischen hilft auch eine Betonpumpe aus Deutschland bei der Kühlung. Die Pumpe sprühe nun Wasser auf den Reaktor 4 der Anlage, berichtete Kyodo. Die Pumpe und zwei dazugehörige Fahrzeuge seien in Deutschland gebaut worden. Die Pumpe habe einen rund 50 Meter langen Arm, durch den sie flüssigen Beton oder Wasser leiten könne. Die Fahrzeuge seien von einer Baufirma in der Präfektur Mie südwestlich von Tokio bereitgestellt worden. Ein ähnliches Modell war nach Angaben der Firma in Mie bereits beim Atomunglück in Tschernobyl in der Ukraine vor rund 25 Jahren eingesetzt worden.

Tsunami war in Fukushima 14 Meter hoch

Die zwei beschädigten Atomkraftwerke Fukushima 1 und 2 waren nach Angaben Tepcos am 11. März von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten, berichtete NHK. Das Unternehmen hatte die Wände der AKW am Montag untersucht.

Nach Angaben von Tepco ist die Anlage Fukushima 1auf einen Tsunami von 5,70 Metern ausgelegt worden, Nummer 2 für eine Höhe von 5,20 Metern. Die Gebäude mit den Reaktoren und Turbinen wurden nach NHK-Angaben 10 bis 13 Meter über den Meeresspiegel errichtet. Bei der Katastrophe wurden sie teilweise überschwemmt. Tepco hatte bereits zugegeben, dass die Kraftwerke nur für ein Beben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelegt worden waren. Das Erdbeben am 11. März hatte aber die Stärke 9.

Schlamperei bei Tepco

Vizepräsident Takashi Fujimoto (l) und andere Offizielle von Tepco bitten um Verzeihung.

Zuvor war schon bekannt geworden, dass Tepco schon vor dem verheerenden Erdbeben geschlampt haben soll. Die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA warf Tepco einige Tage vor der Katastrophe vom 11. März Mängel bei der Inspektion vor. Das hatte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo schon Ende Februar berichtet. Im Atomkraftwerk Fukushima 1 seien insgesamt 33 Geräte und Maschinen nicht ordnungsgemäß überprüft worden. Ähnliche Mängel habe es auch in zwei weiteren Anlagen gegeben: Betroffen seien außerdem das Atomkraftwerk Fukushima 2 und das Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa an der Westküste Japans.

Insgesamt seien in allen drei Anlagen mehr als 400 Geräte und Maschinen nicht wie vorgeschrieben inspiziert worden, hieß es bereits Ende Februar in einem Bericht von Tepco an die Aufsichtsbehörde. Die meisten Mängel wurden laut Kyodo im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata festgestellt. Unter den schlecht gewarteten Geräten befanden sich danach auch ein Dieselgenerator zur Notstromversorgung.

Berichte jahrelang gefälscht

Als Grund für die Mängel bei der Überprüfung nannte Tepco unter anderem Versäumnisse der Verantwortlichen. Außerdem sei die Inspektionsliste sehr umfangreich. In einer Anlage müssten einige Zehntausend Maschinen und Geräte überprüft werden. Das solle in Zukunft systematischer erfolgen, zitierte Kyodo den Betreiber. Tepco musste sich auch schon früher gegen Vorwürfe verteidigen. So räumte die Firma ein, Berichte über Schäden jahrelang gefälscht zu haben.

Vorwürfe bekommt auch Industrie- und Wirtschaftsminister Kaieda zu hören. Er soll Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen haben, stundenlang Wasser auf die radioaktiv strahlenden Reaktoren zu sprühen. Kaieda soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht "sofort" ausführten, wie Kyodo berichtete. "Er wusste nicht einmal, wie die Lage vor Ort für die Arbeiter war und welche Kapazitäten sie hatten", sagte der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara. Er habe sich darüber bei Regierungschef Naoto Kan. Dieser habe sich bei ihm für das Verhalten des Ministers entschuldigt. "Es tat ihm sehr leid."

Der Wirtschaftsminister sagte daraufhin auf einer Pressekonferenz: "Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, (...) möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen." Er ging allerdings nicht näher darauf ein, ob die Vorwürfe gerechtfertigt seien, schrieb Kyodo.

Vermutlich über 20.000 Tote

Bei dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vom 11. März wurden nach jüngsten offiziellen Angaben 9079 Menschen in den Tod gerissen. Die Zahl der Vermissten lag bei 12.645 in sechs Präfekturen. Fast 320.000 Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, berichtete die Agentur Jiji Press.

Die Behörden warnten inzwischen vor weiteren schweren Nachbeben in der Krisenregion im Nordosten Japans. Die Erdstöße könnten die Stärke 7 oder mehr haben, berichtete die japanische Wetterbehörde am Dienstag nach Angaben des Senders NHK. Die Beben könnten bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen oder einen weiteren Tsunami auslösen. Bis zum späten Montag hatten die Seismologen der Wetteragentur mehr als 60 stärkere Nachbeben gemessen.

dpa/rts/AFP>

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Fukushima 22.2.2011: <Tepco weiss nicht, was abläuft>

aus: Basler Zeitung online; 22.2.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Tepco-weiss-nicht-was-ablaeuft/story/24725993?dossier_id=885

<Von Christoph Neidhart

AKW-Betreiberfirma Tepco hat die Temperaturkontrollventile an den Reaktoren im Unglückswerk nicht sorgfältig kontrolliert. Darum weiss sie jetzt nicht, was darin abläuft.

Rauch aus dem Gebiet des Reaktors Nummer 3 im Atomkraftwerk von Fukushima: Den Grund kennt die Betreibergesellschaft Tepco einmal mehr nicht.
Bild: Reuters

Schwarzer Rauch stieg am Montagnachmittag plötzlich aus der Ruine des dritten Reaktors von Fukushima I auf. Zugleich wurde bekannt, dass die Betreibergesellschaft Tepco gar nicht weiss, ob die Notstromgeneratoren vom Tsunami zerstört wurden oder ob sie wegen einer Schlamperei der Betreiberfirma schon vorher kaputt waren.

Wegen der Rauchentwicklung mussten sich die etwa 400 Männer zurückziehen, die immer noch um die Stabilisierung der überhitzten Brennstäbe und havarierten Reaktoren kämpfen. Der Rauch wurde später grau und liess nach, die Retter konnten ihre Arbeit aber bis zum Abend nicht wieder aufnehmen.

Die Radioaktivität sei nicht angestiegen, versicherte Tepco-Sprecher Hidehiko Nishiyama. Dann sagte er, was er in den letzten Tagen immer wieder gesagt hatte: Tepco beobachte die Lage und studiere, was die Ursache sein könnte, sein Unternehmen habe die Feuerwehr benachrichtigt.

Ähnlich wie in Three Mile Island

Tepco weiss nicht, welche chemischen Prozesse in ihren Ruinen ablaufen. Irgendetwas brenne, vermutete Nishiyama. Eine Wasserstoffexplosion könne es nicht gewesen sein, man habe nichts gehört. Ein Kurzschluss komme auch nicht infrage: Das Starkstromkabel war zwar bereits gelegt, aber noch nicht angeschlossen.

Michio Ishikawa, der frühere Präsident des japanischen Instituts für Nukleartechnik, gab schon am Samstag zu, dass man nicht wisse, was in den Brennstabbecken und in den Reaktoren ablaufe. Er vermute, es seien ähnliche Prozesse wie bei der Havarie des Atommeilers Three Mile Island im US-Bundesstaat Pennsylvania 1979. Dort habe man einen Monat gebraucht, um die Lage zu stabilisieren. Passiere noch etwas Unerwartetes, könnte es in Fukushima aber auch länger dauern.

Starkstromkabel statt Meerwasser

Die Retter, die wegen des schwarzen Rauchs fliehen mussten, waren dabei, Starkstromkabel zu den Ruinen der Reaktorblöcke 3 und 4 zu legen, damit man die in offenen Wasserwannen dort gelagerten gebrauchten Brennstäbe wieder kühlen könne, statt sie von der Feuerwehr mit Meerwasser besprühen zu lassen. Die Stäbe im dritten Reaktor, aus dem der Rauch aufstieg, enthalten neben Uran- auch Plutoniumoxid. Dieser Stoff ist nicht nur radioaktiv, sondern auch hochgiftig.

Die Stromversorgung der Ruinen soll aber nicht nur die Kühlaggregate versorgen, wenn sie denn noch funktionieren; sie soll auch die Messinstrumente in den Anlagen reaktivieren, damit die Tepco-Leute besser verstehen, was in ihrem strahlenden Schrott vorgeht.

Allerdings war schon vor dem Erdbeben nicht klar, ob die Temperaturkontrollventile an den sechs Reaktoren überhaupt funktionierten. Am Montag wurde bekannt, dass Tepco sie seit elf Jahren nie sorgfältig kontrolliert hat. Das gab die Firma zehn Tage vor der Havarie gegenüber der japanischen Nuklearbehörde zu. Die Kühlpumpen und Dieselgeneratoren waren ebenfalls nicht kontrolliert worden. Um glaubwürdiger zu wirken, fälschte Tepco Reparaturprotokolle von Instrumenten, die nicht einmal überprüft worden waren. Die Nachrichtenagentur Jiji zitierte einen ungenannten Beamten der Nuklearbehörde: «Wir können nicht sagen, dass diese Versäumnisse nicht zur Kette der Ereignisse beigetragen haben, die zu dieser Krise führten.» Mit andern Worten: Tepco wusste nicht, ob die Dieselgeneratoren überhaupt funktionierten, die die Notkühlung hätten aufrechterhalten sollen. Vielleicht waren sie schon vor dem Tsunami kaputt.

Vertrauen längst verspielt

Tepco entschuldigte sich auch am Dienstag wieder – diesmal bei den Bauern. Nachdem radioaktive Isotope aus dem Meiler in Milch und Spinat festgestellt worden waren, wies Premier Naoto Kan die Präfektur Fukushima und die umliegenden Regionen an, jede Lieferung und jeden Konsum von Milch und Blattgemüse zu verbieten. Kabinettssekretär Yuko Edano sagte, Tepco müsse die Bauern dafür entschädigen. Weil Tepco längst alles Vertrauen verspielt hat, fügte Edano hinzu, wenn Tepco nicht zahle, erhielten die Bauern ihr Geld von der Regierung.

In den Hauptnachrichten des Fernsehens leitete Bauer Shinichi Muto die 700 Liter Milch seiner 40 Kühe von der Melkmaschine direkt in den Jauchegraben. «Das ist für mich, wie wenn ein Angestellter sein Gehalt in den Müll wirft», sagte er.

Auch Trinkwasser verseucht

Verseucht ist nun auch das Trinkwasser. In manchen Regionen, sogar in Tokio, wurden geringe, angeblich unbedenkliche Spuren von Jod-131 nachgewiesen, ein Isotop, das in der Natur nicht vorkommt. An zwei Orten wurden die Grenzwerte überschritten, die Japan erst kürzlich einführte. Dem Dorf Iitate etwa vierzig Kilometer nordwestlich des Meilers, also ausserhalb der Sperrzone in den Bergen von Fukushima gelegen, sagte die Regierung in Tokio, sein Trinkwasser sei verseucht. An die 4000 Einwohner wurde am Montag Wasser in Flaschen verteilt. «Dabei haben wir kaum mehr Benzin im Dorf», so der Bürgermeister von Iitate im Fernsehen.

(Tages-Anzeiger)>

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22.3.2011: Die Atomlobby manipuliert systematisch die Internationale Atomenergieagentur IAEA

aus: Basler Zeitung online: Immer im Interesse der Stromindustrie; 22.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Immer-im-Interesse-der-Stromindustrie/story/30069617?dossier_id=885

<Von Bernhard Odehnal

Von Wikileaks veröffentlichte US-Depeschen zeigen, wie die Atomlobby Einfluss auf die IAEA nimmt.

Soll die IAEA aus der Abhängigkeit der Atomindustrie führen: Denis Flory, neuer Sicherheitsdirektor der internationalen Atomenergieorganisation der UNO.

In der Depesche an das US-Aussenministerium schwingt echte Besorgnis mit. Es dürfe keine Zeit verloren werden, schreibt ein US-Diplomat bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, «die USA müssen jetzt für ihren Kandidaten lobbyieren, damit ihre Interessen am besten vertreten werden». Die Depesche stammt vom Dezember 2009 und wurde jetzt von der Plattform Wikileaks in Zusammenarbeit mit der britischen Zeitung «The Guardian» veröffentlicht. Sie zeigt, wie die Atomindustrie über diplomatische Vertretungen Einfluss auf die IAEA nimmt und wie die Sicherheit von Atomkraftwerken politischen und wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird.

Im Dezember 2009 stand die IAEA vor wichtigen Personalentscheidungen. Der Japaner Yukiya Amano hatte den Ägypter Mohammed al-Baradei als Generalsekretär abgelöst, und nun ging es um die neue Besetzung der Stellvertreterposten. Besonders wichtig erschien den Amerikanern (und nicht nur ihnen) der Posten des Abteilungsdirektors Safety and Security. Diese Abteilung erstellt Regelwerke für die Sicherheit von Atomkraftwerken.

Franzosen setzen sich durch

Seit 2001 wurde sie vom Japaner Tomihiro Taniguchi geleitet, der aber auf Amanos Wunsch nach Japan zurückging. Die Amerikaner begrüssten den Abschied. Taniguchi sei ein schwacher Manager, heisst es in einer Depesche, vor allem im Hinblick auf die Sicherheitsbestimmungen in japanischen AKW. Er habe die Sicherheitsabteilung der IAEA stiefmütterlich behandelt, die darunter «enorm gelitten hat».

Um mehr Einfluss in der Sicherheitsabteilung zu bekommen, meldeten die Amerikaner ihren Anspruch auf den Direktorenposten an, waren damit aber nicht allein. In einer zweiten Depesche klagt die US-Botschaft in Wien über das starke Lobbying Frankreichs in der IAEA, dessen Vertreter vor allem im Interesse des staatlichen Konzerns Areva handeln würden. Areva entstand 2000 durch den Zusammenschluss mehrerer Nuklearunternehmen und ist Weltmarktführer auf dem Gebiet der Nukleartechnik. Die Amerikaner klagen, dass Vertreter von Areva «an IAEA-Sitzungen als Vertreter der französischen Regierung teilnehmen dürfen, womit Areva enormen Einfluss auf die Aktivitäten der IAEA nehmen kann». Die Amerikaner stört dabei allerdings nicht prinzipiell der Einfluss der Atomindustrie, sondern nur die Dominanz der Franzosen. Das sei «unfair gegenüber anderen Reaktorverkäufern (oder Uranminen, Anreicherungsfirmen, Produzenten von Brennstäben), die sich in Privatbesitz befinden – inklusive jenen in den USA».

Das Lobbying der Amerikaner war nicht stark genug. Den Posten des IAEA-Sicherheitsdirektors bekam der Franzose Denis Flory. Der studierte Nukleartechniker kommt zwar nicht von Areva, sondern vom staatlichen Institut für nukleare Sicherheit. Ob er die IAEA aus der Abhängigkeit der Atomindustrie führen kann, wird in der Organisation dennoch bezweifelt. Das Problem sei, dass die alten Experten jetzt in Pension gingen und die jungen fehlten, sagt ein Diplomat: Seit dem Unfall in Tschernobyl wolle in Europa kaum noch jemand Nukleartechnologie studieren. Das bestätigte ein russischer Diplomat im Gespräch mit CNN: Die IAEA habe gar nicht die Möglichkeit, eine grössere Rolle im Bereich nukleare Sicherheit zu spielen, «sie hat dazu gar nicht das Wissen». (Tages-Anzeiger)>

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23.3.2011: <Radioaktive Strahlung: Experte wirft Japan gezielte Fehlinformation vor>

aus: Welt online; 23.3.2011; http://www.welt.de/wissenschaft/article12930938/Experte-wirft-Japan-gezielte-Fehlinformation-vor.html

<Wird die Öffentlichkeit bewusst über die radioaktive Belastung in Japan getäuscht? Ein deutscher Strahlenbiologe kritisiert den Mangel an verlässlichen Messungen.

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan sind Trinkwasser und einige Lebensmittel im Umfeld des havarierten Atomkraftwerks Fukushima bereits radioaktiv verseucht. Radioaktivität, die in den Pazifik gelangt, kann aber auch von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen werden.

Der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder wirft den Verantwortlichen in Japan gezielte Falschinformation vor. Er habe den Eindruck, „dass hier die Öffentlichkeit - und dann auch die westliche Öffentlichkeit - nicht angemessen und nicht wahrheitsgemäß unterrichtet wird“, sagte der Leiter des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts im Deutschlandradio Kultur.

Lengfelder kritisiert vor allem einen Mangel an Messdaten aus der radioaktiv belasteten Zone um das Atomkraftwerk in Fukushima: Er sei skeptisch, „ob konsequent gemessen“ und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse ausreichend informiert werde.

Bislang seien zu wenig verlässliche Daten veröffentlicht worden. Er habe entsprechende Werte bislang vor allem aus den Medien erfahren: „Ich habe noch keine originären Messdaten gesehen von Stellen, wo ich sagen würde, denen würde ich vertrauen“, kritisierte der Experte.

Er zeigte sich aber überzeugt, dass Japan über die technischen Möglichkeiten für ausreichende Messungen verfügt.

Lengfelder warnte zudem vor einer Verstrahlung im Pazifik. „Die Nuklide, die vom Festland weggeblasen werden, senken sich irgendwann auf die Wasseroberfläche, werden von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen und gelangen über die Nahrungskette wieder zum Menschen“, sagte er. Das sei „fatal“ für eine Nation wie Japan, die sich überwiegend von Fisch ernähre.

Der Gefahr, dass radioaktiv belastete Lebensmittel nach Deutschland gelangen könnten, ist Lengfelder zufolge aber derzeit gering: Zwar könnten die erhöhten Konzentrationen radioaktiver Stoffe, die im Meerwasser gemessen würden, durch die Strömungen in weiter entfernte Gebiete transportiert werden.

Die bislang frei gesetzten Mengen seien aber für Entfernungen bis zum Atlantik oder dem Nordpolarmeer bislang nicht problematisch. Betroffen seien vor allem die küstennahen Gebiete im Umkreis von einigen hundert Kilometern: „Da muss man den Fischfang genau kontrollieren.“

Wegen der Gefahr erhöhter Strahlenbelastung wurde bereits die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus zwei Präfekturen im Umkreis des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 untersagt.

Für Brokkoli und das japanische Gemüse Komatsuna aus der Region Fukushima sowie für Rohmilch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki wurde ein Lieferstopp angeordnet, wie die Nachrichtenagentur Jiji mitteilte. Die Bevölkerung soll als Vorsichtsmaßnahme zudem, auf den Verzehr von Spinat, Brokkoli, Kohl, Blumenkohl und anderer Produkte verzichten. In der Umgebung von Fukushima 1 waren zuvor erhöhte Radioaktivitätswerte in elf Gemüsesorten festgestellt worden.

Auch die deutschen Behörden wappnen sich dafür, radioaktiv verunreinigte Import-Lebensmittel schnell zu erkennen und die Verbraucher zu schützen. Allerdings ist der Handel mit Japan zurzeit praktisch zum Erliegen gekommen.

Die Europäische Kommission hatte den EU-Mitgliedstaaten empfohlen, die radioaktive Belastung von Lebensmitteln und Futtermitteln aus Japan zu untersuchen. Vor allem bei Fisch soll die Strahlenbelastung überprüft werden.

Die Bundesländer haben reagiert. So gibt es eine interne Internet-Plattform des Bundes und der Länder, um Untersuchungs- und Messergebnisse zu sammeln und diese zügig auszuwerten. Auch Erkenntnisse aus den Forschungseinrichtungen fließen hier ein. „Das System ist einsatzbereit, aber noch sind uns keine Auffälligkeiten gemeldet worden“, erklärte der Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Helmut Tschiersky-Schöneburg.

Bei der Überwachung der Radioaktivität teilen sich nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz Bund und Länder die Aufgaben. Die Länderbehörden führen die Messungen etwa an Lebensmitteln und Futtermitteln durch, die dann von sogenannten Leitstellen des Bundes bewertet werden.

Das Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut, das dem Bundesverbraucherministerium unterstellt ist, ist für die Überwachung der Radioaktivität in Fischen und Fischereiprodukten aus Nord-, Ostsee und den Nordatlantik zuständig. Eine Gefährdung der deutschen Verbraucher durch kontaminierten Fisch aus Japan kann nach Ansicht des Instituts zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.

dpa/dapd/AFP/oc>

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20 minuten online, Logo

23.3.2011: <Strahlenalarm: Japanern vergeht der Appetit auf Fisch>

aus: 20 minuten online; 23.3.2011;
http://www.20min.ch/finance/news/story/27113419

<von G. Moinat - Seit dem Atomunglück lassen sich viele Japaner den Kauf von Fisch zwei Mal durch den Kopf gehen. Oder verzichten gleich ganz darauf. Was die Fischhändler ärgert, freut die Tierschützer.

Normalerweise sorgt der weltgrösste Fischmarkt Tsukiji in Tokyo mit der Versteigerung der teuersten Thunfische der Welt für Schlagzeilen. Doch nach dem Unglück im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist alles anders. Nun wurden erhöhte Strahlenwerte im küstennahen Meerwasser gemeldet, und Gerüchte um kontaminierte Fische machen die Runde.

Entsprechend bleiben die Besucher in Tsukiji aus — und gemäss der Nachrichtenagentur AP gehen auch die Fischverkäufe zurück. Das spürt man am Fischmarkt: «Wir haben wenig Kunden. Und diese sind sehr selektiv in der Wahl ihres Fisches», sagt der Fischhändler Yoshiaki Saito im Video von AP. Er ergänzt: «Hoffentlich geht die Regierung das Problem schnell an.»

Die japanische Regierung jedoch sagt, dass das Strahlungslevel bisher kein unmittelbares Risiko darstelle. Ein Verbot von Meeresfrüchten sei deshalb noch nicht nötig. Auch der Verband der Fischereigenossenschaften weist solche Gerüchte zurück. «Aus den betroffenen Gegenden kommt kein Fisch. Also kann der Fisch auch nicht verstrahlt sein», sagt Rika Tatsuki.

Besorgte Konsumenten

Vor dem Beben bezog der Markt, dessen Grosshändler landesweit Restaurants mit Meeresfrüchten aller Art beliefern, 10 Prozent seines täglichen Verkaufsangebots von 2400 Tonnen Meeresfrüchten aus der betroffenen Tohoku-Region. Die Fischerei dort ist bekannt für Jakobsmuscheln, Seetang, Bonito und Haiflossen.

Auch wenn ein Grossteil der Fischerboote des Nordostens durch den Tsunami zerstört worden ist, bieten Verkäufer in Tsukiji immer noch grosse Mengen an frischem Thunfisch, Tintenfisch und vielem mehr an den Ständen feil.

Trotz der Beschwichtigungen und der gewährleisteten Versorgung bleibt aber die Kundschaft weg. Die zunehmenden Berichte über verstrahlte Lebensmittel wie Milch, Spinat oder Raps treffen den Nerv der Japaner. Die 29-jährige Hausfrau Remi Mitsui sagt: «Ich bin über die Kontamination des Meerwassers und der Fische besorgt, als ich hörte, dass die Strahlenbelastung immer mehr steigt und sich im menschlichen Körper ansammelt.»

So wie Mitsui wählen nun deshalb immer mehr Kunden ihre Lebensmittel sehr genau aus, fragen nach deren Herkunft und meiden alles, was aus dem Nordosten kommt. «Das könnte sich lange, vielleicht auf ein Jahrzehnt hinaus, auswirken, weil die Menschen keinen Fisch mehr essen würden», glaubt der Händler Mamoru Saito.

Den WWF freut’s

Das freut die Tierschützer. «Es ist auf jeden Fall gut, wenn weniger Fisch gegessen wird», sagt etwa WWF-Sprecherin Corina Gyssler. Denn Fisch sollte als Delikatesse konsumiert werden und nicht täglich. Gerade der vom Aussterben bedrohte Blauflossenthunfisch, dessen zartes Fleisch sich besonders für Sushi eignet, wird von den Japanern illegal und legal in rauhen Mengen eingekauft.

«Dass sich die Menschen zurzeit vermehrt Gedanken über ihren Fischkonsum machen, nützt den Meeresbewohnern.» Japan gilt als grösstes Abnehmerland des vom Aussterben bedrohten Thunfisches.>

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23.3.2011: <Moratorium: Italien legt Atom-Wiedereinstieg auf Eis>

aus: Spiegel online; 23.3.2011;
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752733,00.html

<Eigentlich wollte Italien nach Jahrzehnten sein Atomprogramm wieder starten - doch nun hat die Regierung die Pläne zum Wiedereinstieg für ein Jahr ausgesetzt. Berlusconis Kabinett will nun in Ruhe über eine neue Strategie beraten.

Rom - Nach dem Atomunfall in Japan hat Italien seine Pläne zum Wiedereinstieg in die Kernenergie für ein Jahr ausgesetzt. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi beschloss am Mittwoch ein entsprechendes Moratorium. Darüber hinaus wolle sich die Regierung 24 Monate Zeit nehmen, um ihre Kernenergie-Strategie genauer zu definieren, hieß es nach einer Sitzung des Kabinetts. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Paolo Romani, hatte bereits am Vortag angekündigt, dass Italien die Standortsuche für die Errichtung neuer Atomkraftwerke für zwölf Monate stoppen wolle.

Italien war 1987 unter dem Eindruck der Katastrophe von Tschernobyl aus der Kernenergie ausgestiegen. Damals sprachen sich bei einem Referendum ganze 80 Prozent der italienischen Bevölkerung gegen Atomkraft aus. Daraufhin wurden alle vier Atomkraftwerke des Landes stillgelegt.

Da Italien seitdem jedoch teuren Strom importieren muss, hatte Berlusconi im Juli 2009 im Parlament die gesetzliche Basis für einen Wiedereinstieg gelegt. 2013 hätte mit dem Bau des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) begonnen werden sollen.

Die Pläne waren jedoch bereits vor dem Atomunfall in Japan heftig umstritten: Am kommenden 12. Juni sollten die Italiener per Referendum über "Ja oder Nein zu Atom" entscheiden. Ob das Referendum angesichts des Moratoriums trotzdem durchgeführt wird, wurde zunächst nicht bekannt.

ffr/dpa/AFP>

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Deutschland 23.3.2011: <Kehrtwende in Atompolitik: Wirtschaftsminister Brüderle stellt Bürgschaft für Brasilien in Frage>

aus: Spiegel online; 23.3.2011;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752735,00.html

<Atomkraftwerk Angra in Brasilien: Nach den Ereignissen in Japan wird der Fall neu geprüft

Jahrelang unterstützte die Bundesregierung Atomprojekte im Ausland, doch das könnte sich ändern: Ausgerechnet das FDP-geführte Wirtschaftsministerium äußert jetzt Zweifel an einer Milliardenbürgschaft für das geplante Kernkraftwerk Angra 3 in Brasilien. Ist die Anlage überhaupt sicher?

Berlin - Die Bundesregierung hinterfragt nach der Atom-Katastrophe in Japan eine im Grundsatz schon zugesagte staatliche Milliardenbürgschaft für das brasilianische Kernkraftwerk Angra 3. "Angesichts der aktuellen Situation in Japan wird die Bundesregierung die brasilianische Regierung konsultieren, um zu erörtern, inwieweit sich nach den Ereignissen in Japan Auswirkungen auf die weiteren Verfahren und die anzuwendenden Standards beim Kernkraftwerk Angra 3 ergeben", teilte das von Rainer Brüderle (FDP) geführte Wirtschaftsministerium am Mittwoch auf Anfrage mit.

Über das weitere Vorgehen in Hinblick auf Exportkreditgarantien für die Fertigstellung dieser Anlage werde die Regierung "im Lichte dieser Entwicklungen und entsprechend den rechtlichen Rahmenbedingungen entscheiden".

Die Bundesregierung hatte jahrelang Atomprojekte im Ausland unterstützt - auch nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg. So gewährte sie Hermes-Bürgschaften an deutsche Unternehmen, die sich am Bau von Kernkraftwerken beteiligen. Der Antrag auf Übernahme einer Exportkreditgarantie für das Kraftwerk Angra 3 war schon vor einem Jahr im Grundsatz positiv beschieden worden. Eingelöst werden muss eine solche Zusage normalerweise erst, wenn sich an der Sach- und Rechtslage nichts ändert und die entsprechenden Liefer- und Finanzierungsverträge abgeschlossen sind. Diese Voraussetzung ist aber offenbar bei Angra 3 noch nicht gegeben.

Von der Bürgschaft würde in erster Linie der deutsch-französische Atomkraftwerksbauer Areva NP profitieren, an dem Siemens Chart zeigen beteiligt ist. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat die Exportkreditbürgschaft ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro.

Das Atomunglück in Japan hat die Bundesregierung nun jedoch veranlasst, bei Exportkreditgarantien grundsätzlich vorsichtiger zu agieren. Wenn ein Unternehmen Hermes-Bürgschaften für Kernkraftwerke beantragt, "legt die Bundesregierung besonders strenge Prüfmaßstäbe an", erklärte das Wirtschaftsministerium. Zentrale Bedeutung habe dabei die Sicherheit für die Menschen im Umfeld des betreffenden Atomkraftwerks.

wal/Reuters>

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23.3.2011: Verstrahlte Lebensmittel: Radioaktives Jod und Cäsium im Blattgemüsse - Kühe fressen radioaktiv verseuchtes Gras - verseuchtes Regenwasser - Pflanzenwurzeln nehmen radioaktives Regenwasser auf - Cäsium als falsches "Kalium" im Körper

aus: Basler Zeitung online: "Eine Kuh ist wie ein Staubsauger für radioaktives Jod"; 23.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Eine-Kuh-ist-wie-ein-Staubsauger-fuer-radioaktives-Jod/story/11227146?dossier_id=885

<Von Barbara Reye

Der Strahlenexperte Gerald Kirchner erklärt, welche Schäden radioaktiv belastete Lebensmittel anrichten.

Verseuchte Lebensmittel: «Wenn man nur ein- oder zweimal leicht kontaminierten Spinat zu sich nimmt, ist es nicht schlimm», sagt Experte Gerald Kirchner.

Gerald Kirchner

Der Umweltphysiker leitet den Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt beim Bundes-amt für Strahlen-schutz in Berlin.

In Japan sind erste Lebensmittel verstrahlt. Wie gefährlich ist dies?

Dass im Spinat sehr viel höhere Werte als normal gemessen worden sind, war angesichts der Ereignisse zu erwarten. Generell nimmt Gemüse mit grossen Blättern radioaktive Stoffe aus der Luft viel leichter auf als etwa Getreide. Das gilt auch für Salat. Es handelt sich dabei vor allem um radioaktives Jod-131, das nur eine kurze Halbwertszeit von acht Tagen hat und sich deshalb nach fünf bis sechs Wochen nicht mehr nachweisen lässt. Aber auch Cäsium-137 kommt im Spinat mit einer deutlich höheren Belastung als sonst üblich vor. Dies ist wesentlich gravierender, da Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren besitzt.

Wie kommt Radioaktivität in Milch?
Über das Futter der Kuh. Man muss sich vorstellen, dass eine Kuh am Tag bis zu 150 Quadratmeter Weide abgrasen kann. Ist das Gras radioaktiv kontaminiert, frisst sie das alles, und es gelangt letztlich in die Milch. Die Kuh ist wie ein Staubsauger für radioaktives Jod.

Sogar im Trinkwasser in Tokio wurden Spuren radioaktiven Jods gefunden. Wie ist das möglich?
Wenn das Trinkwasser aus Oberflächenwasser gewonnen wird und dieses durch belasteten Regen aus einer radioaktiven Wolke kontaminiert wurde. Im Grundwasser ist das nicht zu erwarten. Denn der Boden wirkt wie ein Filter und hält radioaktive Stoffe sehr gut zurück. Das ist die gute Nachricht.

Dort bleiben sie aber teilweise jahrelang.
Das ist wiederum die schlechte Nachricht. Obwohl sie aus den oberen Bodenschichten nicht bis ins Grundwasser wandern, kann man den Boden in stark belasteten Gebieten jahrelang nicht mehr landwirtschaftlich nutzen, weil die langlebigen Radionuklide von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden.

Was passiert, wenn man radioaktiv belastete Nahrung gegessen hat?
Es hängt davon ab, wie hoch die aufgenommene Strahlendosis insgesamt ist. Wenn man nur ein- oder zweimal leicht kontaminierten Spinat zu sich nimmt, ist es nicht schlimm. Anders sieht es aus, wenn man es das ganze Jahr über macht. Durch die Strahlung im Körper, die beim Zerfall der radioaktiven Elemente entsteht, werden die Zellen kontinuierlich beschädigt. Dadurch kann es vor allem zu Krebs kommen.

Wie lang strahlt ein via Lebensmittel aufgenommener Stoff im Körper?
Ein Grossteil der radioaktiv belasteten Nahrung wird umgehend wieder ausgeschieden. Der Rest wird vom Darm aufgenommen und wandert zum Beispiel in Organe, Jod-131 etwa in die Schilddrüse. Cäsium-137 geht in die Muskeln. Dort lagert sich radioaktives Cäsium-137 als «falsches» Kalium ab. Zum Glück wird es auch dort nach rund 50 Tagen durch natürliches, nicht radioaktives Kalium vollständig ersetzt. Der Körper verliert also mit der Zeit seine radioaktive Belastung wieder, auch wenn es sich um Cäsium-137 mit einer relativ langen Halbwertszeit handelt.

Wie stark sind Meerestiere mit radioaktiven Stoffen kontaminiert?
Die Unmengen an Löschwasser, mit dem die Reaktorblöcke gekühlt worden sind, fliessen ins Meer zurück. Dadurch kommt es in der direkten Umgebung von Fukushima zu einer hohen Belastung an Radioaktivität. Weiter weg verteilen sich die radioaktiven Stoffe schnell durch die Strömungen im Pazifik, sodass es keine grosse Rolle mehr spielen sollte. Dennoch können vor allem Fische und Algen aus der unmittelbaren Umgebung des Reaktorunglücks hohe Belastungen haben und sollten nicht gegessen werden. Die Meerestiere werden, bevor sie auf den Markt kommen, untersucht.

Wie hoch sind die Werte in Fischen?
Bisher gibt es noch keine offiziellen Messdaten. Eine genaue Beurteilung ist erst möglich, wenn die zerstörten Reaktoren keine Radioaktivität mehr freisetzen. Derzeit lassen sich nur Momentaufnahmen machen, die keine seriöse Beurteilung über die Folgen dieser Katastrophe erlauben. (Tages-Anzeiger)>

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Financial Times Deutschland
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23.03.2011:
Verstrahltes Trinkwasser: Babys in Tokio dürfen kein Leitungswasser mehr trinken

aus: Financial Times Deutschland online: Atomkatastrophe in Japan: Verstrahltes Trinkwasser schreckt Tokio; 23.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:atomkatastrophe-in-japan-verstrahltes-trinkwasser-schreckt-tokio/60029795.html#gmap-0-Fukushima Daiichi (Reaktor 1)


<Die Hiobsbotschaften aus Japan nehmen wieder zu. In der Hauptstadt dürfen Babys kein Leitungswasser mehr trinken. Die Arbeiten am havarierten AKW Fukushima mussten eingestellt werden. Und Deutschland verstärkt Maßnahmen zum Schutz vor kontaminierten Lebensmitteln.

[Radioaktives Trinkwasser in Tokio - Babys dürfen kein Leitungswasser mehr zu sich nehmen]

Das Trinkwasser in Tokio ist deutlich radioaktiv belastet. Fast zwei Wochen nach der teilweisen Zerstörung des Atomkraftwerks in Fukushima ordneten die Behörden deshalb an, dass Babys in der japanischen Hauptstadt kein Leitungswasser mehr trinken sollen. Die Regierung warnte vor Panikkäufen von abgefülltem Wasser. Das Gesundheitsministerium stellte in elf Gemüsesorten aus der Region Fukushima überhöhte Strahlenwerte fest, darunter in Brokkoli, Spinat und Blumenkohl.

Kinder unter einem Jahr sollen in allen 23 zentralen Bezirken in Tokio und in mehreren westlich gelegenen Städten kein Leitungswasser oder damit zubereitetes Milchpulver trinken. In einer Wasseraufbereitungsanlage in Tokio sind nach offiziellen Angaben erhöhte Werte an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden. Der Wert habe 210 Becquerel pro Liter betragen.

[Grenzwert 100 Becquerel pro Kilogramm für Babys, 300 Becquerel für Kinder ab 1 Jahr - deutscher Grenzwert 370 Becquerel pro Liter]

Der Grenzwert des japanischen Gesundheitsministeriums liegt für Babys bei 100 Becquerel pro Kilogramm - das entspricht einem Liter Wasser. Für Erwachsene und ältere Kinder beträgt der Grenzwert in Japan 300 Becquerel pro Kilo. Regierungssprecher Yukio Edano nannte die Grenzwerte sehr streng. In Deutschland dürfen Milch und Säuglingsnahrung mit mehr als 370 Becquerel pro Liter nicht mehr in den Handel.

[Aufruf auf Verzicht von Gemüse und Milch aus der Region Fukushima]

Wegen erhöhter Strahlenwerte forderte Japan seine Bevölkerung zum Verzicht auf Gemüse und Milch aus der Region um die Unglücksreaktoren von Fukushima auf. Die Regierung riet der benachbarten Präfektur Ibaraki, keine Rohmilch mehr auszuliefern. Bereits vor einigen Tagen hat die Verstrahlung einzelner Lebensmittel sowie von Milch und Wasser zur Verunsicherung der japanischen Verbraucher geführt.

[WHO und EU-Kommission - keine erhöhte Strahlenbelastung bei japanischen Produkten in der EU festgestellt]

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte sich besorgt gezeigt, dass mehr kontaminierte Nahrungsmittel auf dem Markt sein könnten als bislang angenommen. Die Europäische Kommission hatte den EU-Mitgliedstaaten empfohlen, die radioaktive Belastung von Lebens- und Futtermitteln aus Japan zu untersuchen. Vor allem Fisch sollte überprüft werden.

In der EU sind bei Kontrollen keine erhöhten Strahlenbelastungen in Nahrungsprodukten aus Japan aufgefallen. "Es wurde nichts entdeckt", sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel unter Verweis auf erste Ergebnisse der Überprüfungen. Deutschland verstärkt seine Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor kontaminierten Nahrungsmitteln. Vor allem bei Fisch und Fischerzeugnissen solle die Strahlenbelastung überprüft werden, teilte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mit. "Die deutschen Behörden bleiben sehr wachsam, vor allem was mögliche Importe aus der Krisenregion betrifft." Das Ministerium sprach von umfangreichen Vorkehrungen, um zu verhindern, dass radioaktiv verseuchte Lebensmittel nach Deutschland kommen. Aigner sieht aktuell keine Gefahren für Verbraucher, auch nicht durch Fisch.

[Strahlenschutz kann bisher nichts feststellen]

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat noch keine Radioaktivität aus Japan gemessen. "Sobald erste Partikel an Radioaktivität Deutschland erreichen, wird das BfS die Bevölkerung umfassend informieren", kündigte ein Behördensprecher an. Die Experten erwarten aufgrund der großen Entfernung nur sehr geringe Mengen Radioaktivität, "die keine gesundheitliche Gefahr für Menschen und Umwelt in Deutschland oder Europa darstellen".

[Flaschenwasser - Lieferstops - 11 Gemüsearten radioaktiv verseucht: Spinat, Broccoli, Kohl, Komatsuna etc.]

Japans Regierungssprecher Edano sagte, radioaktive Substanzen würden vom Unglücks-AKW durch Wind und Regen weitertransportiert. Er rief seine Landsleute in den vom Erdbeben verschonten Regionen dazu auf, nicht mehr Trinkwasser in Flaschen zu kaufen als nötig. In den Katastrophengebieten im Nordosten des Landes sei nach dem Beben Trinkwasser immer noch knapp.

Für immer mehr Gemüse aus der Gegend um das Krisen-Kraftwerk gilt ein Lieferstopp. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte dazu eine Liste mit elf Gemüsearten, bei denen eine teils drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna. Edano sagte, der Verzehr dieser Produkte gefährde zwar nicht die Gesundheit. "Wir sehen aber, dass die Werte hochgehen und müssen damit rechnen, dass sie ein schädliches Niveau erreichen."

["USA" schränkt Importe aus Japan ein]

Die USA verschärften die Einfuhrbestimmungen für Gemüse und Milch aus Japan. Die US-Lebensmittelbehörde sprach eine Importwarnung für Milchprodukte sowie frisches Gemüse und Obst aus den Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma aus.>

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Spiegel online, Logo

23.3.2011: <Katastrophenland Japan: Massenstornos zerstören Tourismus-Hoffnungen>

AKWs können den Tourismus gefährden, nicht nur in Japan. Aber lesen Sie selbst:

aus: Spiegel online; 23.3.2011;
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,752769,00.html

<Stephan Orth

Noch vor kurzem ging es steil bergauf für den Tourismus, um sagenhafte 27 Prozent stiegen zuletzt die Besucherzahlen. Doch Japans Dreifach-Katastrophe sorgt nun für massenhaft Stornierungen - auch weil manche Länder gleich für das ganze Land Reisewarnungen aussprachen.

Tokio - Die Bilder des verwüsteten Atomkraftwerkes und Nachrichten über radioaktiv verseuchte Lebensmittel haben Japans Ruf als sicheres Reiseziel erschüttert, viele Touristen haben ihre Reise storniert.

Panwadee Pacharawanich, zweifache Mutter aus Bangkok, plante im kommenden Monat einen Familienurlaub im Disneyland in Tokio. Doch dann kamen das Erdbeben, der Tsunami und die Atomkrise. Obwohl die japanischen Behörden versicherten, dass Tokio nicht durch radioaktive Strahlung bedroht sei, hat Panwadee die Reise storniert.

"Es wäre für die Kinder der erste Besuch in Japan gewesen", sagte die 38-Jährige. "Als wir von den Problemen mit der radioaktiven Verstrahlung hörten, entschieden wir, dass Japan nicht der richtige Ort für einen Besuch sei".

Licht aus im Einkaufsviertel

In Ginza, einem bekannten Einkaufsviertel in Tokio, wo sich sonst unzählige Besucher in Kimono-Geschäften und Nobelboutiquen tummeln, sind die Touristenströme verebbt. Die Straßen wirken am Abend trist, die Lichter werden wegen der Stromknappheit abgeschaltet.

"Niemand kommt mehr nach Ginza. Es sieht so leer aus", sagte Tomie Kajiwara, Sprecher des Herrenausstatters Taya auf der Haupteinkaufsstraße durch Ginza.

Es gibt bislang keine offiziellen Schätzungen über die Ausfälle für Fluglinien, Hotels und andere Reiseunternehmen. Atsuya Kawada, Regierungssprecher für Tourismus, sagte, da der Notfall im Atomkraftwerk und die Aufräumarbeiten in der Erdbebenregion noch andauerten, seien die Kosten der Katastrophe noch nicht abzuschätzen. Die Regierung bezifferte die zu erwartenden Gesamtverluste am Mittwoch auf 309 Milliarden Dollar (218 Milliarden Euro).

Unternehmen von Peking, über Bangkok, die Vereinigten Staaten bis hin nach Europa mussten profitable Buchungen für Japan streichen. Die Flüge von Japan sind ausgebucht mit Ausländern, die fliehen; die Flüge nach Japan sind fast leer.

Die aktuelle Krise hat die Versuche der japanischen Regierung, den Tourismus anzukurbeln, um die Folgen der Wirtschaftskrise wieder wettzumachen, zunichtegemacht. Das Dreifachdesaster vom 11. März - das Erdbeben der Stärke 9,0, der Tsunami und der Atomunfall - schlug gerade zum Auftakt der Touristensaison zu.

Hoffnung auf neureiche Chinesen

8,6 Millionen Touristen besuchten Japan im vergangenen Jahr, etwa ein Viertel mehr als 2009. Die Regierung hoffte, die Zahl für dieses Jahr auf elf Millionen zu steigern. Sie hatte es dabei vor allem auf neureiche Chinesen und andere Asiaten abgesehen. Nach ambitionierten Plänen sollte die Zahl der Besucher bis 2020 auf 30 Millionen gesteigert werden. Die Zahl der Touristen aus Deutschland ist vergleichsweise gering: 124.400 Einreisen wurden im Jahr 2010 verzeichnet.

Japans Tempel und Thermen haben schon immer Touristen angezogen, doch die Branche lag weiter weit hinter der industriellen Produktion und Exporten. Jetzt, da das Wachstum abgeflaut ist und die Bevölkerung rasant altert, hat der Ministerpräsident Naoto Kan angeordnet, das sich das Inselreich nach außen öffnen muss.

Das Land, das in den achtziger Jahren hunderttausendfach konsumfreudige Touristen in die USA und nach Europa sandte, wirbt nun selbst um die Gunst fremder Besucher. Japan ist das Ziel der Wahl für junge, aufstrebende Asiaten, die das Land als Wiege cooler Technologie und Popkultur reizt.

Verärgerung über Reisewarnungen

Die meisten Besucher kommen aus China und Südkorea. Mehr als 1,4 Millionen Chinesen besuchten Japan im vergangenen Jahr, an erster Stelle stehen weiter die Südkoreaner mit 2,4 Millionen Besuchern. Die Auswirkungen der Krise auf Besucherzahlen aus beiden Ländern sind dramatisch.

Etwa 19.000 Kunden der Hana Tour in Seoul haben ihre Reisen zwischen März und April storniert, sagte Unternehmenssprecher Cho Il-Sang. Auch chinesische Touranbieter verbuchten Massenstornierungen, nachdem die Regierung in Peking Tausende ihrer Bürger in Bussen aus der Krisenregion evakuierte und eine Reisewarnung für den Nordosten aussprach.

Die Japaner sind über die USA und Südkorea verärgert, die Reisewarnungen für das ganze Land aussprachen, anstatt nur für den Nordosten des Landes. Selbst die Internationale Zivilluftfahrtorganisation Icao, eine Uno-Organisation, verkündete, es gebe keine Grundlage für Reiseeinschränkungen für Gebiete außerhalb der vom Tsunami betroffenen Region.

"Es besteht keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit von Reisenden in Japan", sagte Regierungssprecher Kawada. "Wir möchten andere Regierungen bitten, diese objektiven Informationen zur Grundlage ihrer Entscheidungen zu machen".

Doch solche Bitten können die meisten Touristen nicht überzeugen. "Ich liebe Japan und hoffe das Land wieder besuchen zu können, wenn sich die Situation normalisiert hat", sagte Panwadee in Bangkok. "Ich glaube, es wird länger als ein Jahr dauern, bis wir eine Reise nach Japan erwägen, da das Problem mit der Radioaktivität wahrscheinlich länger andauern wird".

Joe McDonald, AP>

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n-tv online, Logo

Fukushima 24.3.2011: Feuerwehrleute wurden wahrscheinlich gezwungen

aus: n-tv online; http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/spezial/Wurden-Feuerwehrmaenner-gezwungen-article2910436.html

<Der Einsatz der Feuerwehrmänner im AKW Fukushima ist heldenhaft bejubelt worden, denn die Männer haben ihr Leben riskiert. Nun berichtet eine japanische Nachrichtenagentur, dass dieser Einsatz nicht freiwillig gewesen sei. Vielmehr sollen die Feuerwehmänner unter Androhung von Strafe durch den Industrie- und Wirtschaftsminister genötigt worden sein.>

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Financial Times Deutschland online,
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24.3.2011: Die Salzverkrustung der Brennstäbe ist ein weiteres hohes Risiko

aus: Financial Times Deutschland online: Atomkatastrophe: AKW-Kühlung mit Meerwasser wird zum Risikofaktor; 24.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/international/:atomkatastrophe-akw-kuehlung-mit-meerwasser-wird-zum-risikofaktor/60030086.html#gmap-0-Fukushima Daiichi (Reaktor 1)

<Hitze, Rauch und Strahlung verhindern bislang, dass das Atomkraftwerk Fukushima unter Kontrolle gebracht werden kann. Ein Experte weist auf neue Risiken hin: Salz könnte die Brennstäbe verkrusten und die Kühlung blockieren.

Stop and go im Atomkraftwerk Fukushima: Die riskanten Arbeiten zur Sicherung der defekten Reaktorblöcke müssen immer wieder unterbrochen werden, weil Rauch aufsteigt oder die radioaktive Strahlung zu hoch wird. "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein", sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag. Nach halbtägiger Unterbrechung wegen schwarzen Rauchs konnten die Einsatzkräfte ihre Vorbereitungen zur Instandsetzung des Pump- und Kühlsystems im Reaktorblock 3 fortsetzen. Im Kontrollraum von Block 1 konnte die Beleuchtung in Betrieb genommen werden. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Fernsehbilder zeigten, wie weißer Dampf über den Reaktorblöcken 1, 2 und 4 aufstieg. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, berichtete der Sender NHK. In diesem Reaktor kam es am 12. März - einen Tag nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe - zu einer Wasserstoffexplosion, bei der das Reaktorgebäude erheblich beschädigt wurde.

Der Dampf über Reaktorblock 4 deutet auf eine Überhitzung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe hin. Dieser Reaktor war bereits vor dem Erdbeben zu Wartungszwecken abgeschaltet worden. Gleichwohl kam es dort am 15. März zu einer Explosion und einem Brand. Zum Austritt von Dampf sagte Edano nach den Worten der Dolmetscherin des Fernsehsenders NHK: "Das ist nur natürlich."

Unterdessen traten auch Probleme in dem ansonsten unkritischen Reaktorblock 5 auf. Das Pumpsystem des Reaktors sei defekt, so dass die Kühlung ausgefallen sei, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Die Situation sei momentan stabil. Es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe gerechnet werden. Es sei geplant, die Pumpe möglichst bald zu reparieren.

Die Hitzeentwicklung macht nach Behördenangaben die weitere Kühlung mit Meerwasser von außen erforderlich. An Block 2 habe dieser Einsatz bereits begonnen, sagte Nishiyama. Erst wenn das Pumpsystem der Reaktorblöcke wieder ans Stromnetz angeschlossen ist, kann die reguläre Kühlung mit Süßwasser über die in den Reaktorkern führende Hauptkühlleitung aufgenommen werden.

In den USA warnte der ehemalige Reaktorsicherheitschef des Konzerns General Electric , dass sich bei der Kühlung mit Meerwasser große Mengen Salz ansammelten. Dies könne die Brennstäbe verkrusten und damit die Wasserkühlung blockieren, sagte Richard Lahey der "New York Times". Lahey schätzte, dass sich im Reaktorblock 1 etwa 26 Tonnen Salz angesammelt haben könnten, in den größeren Blöcken 2 und 3 sogar jeweils 45 Tonnen. General Electric hat das grundlegende Design der Siedewasserreaktoren in Fukushima entwickelt.>

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24.3.2011:

aus: aus: n-tv online: http://www.n-tv.de/Spezial/Liveticker-bis-einschliesslich-27-Maerz-article2968181.html

00.59 Meerwasser-Belastung drastisch hoch +++
Das Meerwasser in der Nähe des japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist nach Messungen der Betreibergesellschaft Tepco stark radioaktiv belastet. Bei Jod-131 sei ein Wert gemessen worden, der das gesetzliche Maximum um den Faktor 126,7 übersteige, berichtete der Fernsehsender NHK. Bei Cäsium-134 sei die Verstrahlung 24,8 Mal so hoch wie zulässig. Tepco kündigte weitere Tests vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu an.

01.12 Japan erstellt Liste mit verstrahlten Lebensmitteln +++
Das japanische Gesundheitsministerium hat eine Liste mit elf Gemüsearten veröffentlicht, bei denen eine teilweise drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Das Ministerium rief die Verbraucher auf, dieses in der Präfektur Fukushima erzeugte Gemüse nicht zu verzehren.

01.48 Erneut Rauch über Reaktoren +++
Aus zwei Reaktoren des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 steigt erneut Rauch und Dampf auf. Meldungen der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge sind die Reaktoren 2 und 3 der Anlage betroffen.

03.22 Auch weiterhin Wasser auf Reaktorblöcke +++
Die Reaktorblöcke in Fukushima sollen auch in den nächsten Tagen weiter mit Wasser besprüht werden, um eine Überhitzung zu vermeiden. Aufgrund der Nachwärme in den Reaktoren verdampfe das bisher zugeführte Wasser, so dass eine Fortsetzung des Einsatzes von Pumpen und Wasserwerfern erforderlich sei, sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde (NISA) .

04.08 Wieder hohe Radioaktivität in Fukushima +++
Wegen erhöhter Strahlenwerte werden die Arbeiten am Unglücksreaktor 2 im AKW Fukushima erneut unterbrochen. Die Arbeiter verlassen vorübergehend die Anlage. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde erreicht die Radioaktivität eine Stärke von 500 Millisievert pro Stunde. Im Reaktor 1 steigt die Temperatur über den Grenzwert.

06.33 Radioaktivität im Tokioter Trinkwasser +++
In einer Wasseraufbereitungsanlage in der Hauptstadt Tokio werden den Behörden zufolge erhöhte Werte von radioaktivem Jod gemessen. Das Wasser solle Säuglingen nicht gegeben werden. Die Warnung gelte für 22 der 23 Bezirke der japanischen Hauptstadt.

08.57 Schwarzer Rauch über Reaktor 3/Gebäude evakuiert +++
Erneut werden die Arbeiten im beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima unterbrochen. Das Gebäude von Reaktor 3 muss nach Angaben des Betreibers Tepco geäumt werden, weil dort schwarzer Rauch aufsteigt. Es ist unklar, ob der Rauch von der Turbine oder aus der Schutzhülle des Reaktorkerns stammt.

09.15 Lufthansa nimmt Tokio-Flüge wieder auf +++
Ab Donnerstag sollen wieder zwei Lufthansa-Maschinen pro Tag die japanische Hauptstadt anfliegen. Das teilt die Fluggesellschaft mit. Die Maschinen aus München und Frankfurt sollen den Flughafen Narita in Tokio anfliegen.

09.45 Deutschland erhöht Prüfmaßnahmen für Lebensmittel +++
Zum Schutz vor japanischen Lebensmitteln mit erhöhten radioaktiven Werten verstärken Bund und Länder ihre Vorsichtsmaßnahmen. Vor allem bei Fisch und Fischerzeugnissen solle die Strahlenbelastung überprüft werden, teilt Bundesverbraucherministerin Aigner mit. Die Bundesländer hätten die nötigen Maßnahmen eingeleitet, der Bund sammle alle Messergebnisse.

10.20 Rauch über Reaktor 3 lässt nach +++
Der schwarze Rauch über dem Reaktor 3 des AKW Fukushima 1 lässt offenbar wieder nach. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Alle Arbeiter an den Reaktoren 1 bis 4 mussten sich vorübergehend in Sicherheit bringen.

10.35 Regierung: Kein Rauch mehr über Reaktor 3 +++
Am Reaktor 2 ist nach Regierungsangaben weiterhin eine kleine Wolke weißen Rauchs zu beobachten. Über dem Reaktor 3 stehe kein Rauch mehr. Es handele sich um Dampf aus dem Abklingbecken.

11.47 Temperaturanstieg in Block 1 +++
Der Temperaturanstieg um den Kern des Reaktors 1 stellt nach Ansicht des Betreibers einen Grund zur Besorgnis dar. Die Blöcke 1, 2 und 3 müssten zudem durch zusätzliche Wasserzufuhr weiter gekühlt werden.

16.59 Italien setzt Atomprogramm aus +++
Italien wird seine Pläne für den Wiedereinstieg in die Atomenergie für ein Jahr aussetzen. Das gab Paolo Romani, der Minister für wirtschaftliche Entwicklung bekannt, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldet. Die Entscheidung über das einjährige Moratorium werde am Mittwoch bei einer Kabinettssitzung getroffen, hieß es.

17.42 Deutscher Sushi-Hersteller ändert Namen +++
Nach der Naturkatastrophe in Japan ändert der nach eigenen Angaben umsatzstärkste deutsche Sushi-Produzent "Tsunami Sushi Bars" seinen Namen. Bei einem Notartermin vor rund einer Woche sei deshalb der Name des Unternehmens in "Natsu Asian Foods" umgeändert worden, so der Geschäftsführer. "Natsu" ist japanisch und bedeutet "Sommer".

20.09 Radioaktive Partikel in Brokkoli und Milch +++
In immer mehr Lebensmittel entdecken japanische Behörden radioaktive Partikel. In der Präfektur Fukushima wurden bei Brokkoli die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, in der angrenzenden Region Ibaraki bei Rohmilch. Dies teilte das japanische Gesundheitsministerium mit, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet.

21.45 USA lassen Pannen-AKW am Netz +++
Die US-Atomregulierungsbehörde (NRC) verlängert die Lizenz für ein fast 40 Jahre altes, unfallträchtiges Atomkraftwerk im US-Staat Vermont um 20 weitere Jahre. Örtliche Politiker und Kernkraftgegner zeigten sich besorgt. Das Atomkraftwerk Yankee hat einen ähnlichen Bauplan wie das beschädigte Krisen-AKW im japanischen Fukushima. In den vergangenen Jahren gab es in dem Kraftwerk immer wieder Zwischenfälle.



Dumm-Frankreich will keine alternativen Energien

22.27 Frankreich hält an Atomkraft fest +++
Die französische Regierung will trotz des Reaktor-Unfalls in Japan an dem Ausbau der Atomkraft festhalten. Atomkraft und erneuerbare Energien seien keine Alternativen, sondern müssten sich ergänzen, schreibt der Generalsekretär der Regierungspartei UMP, Jean-Francois Cope im "Handelsblatt". Frankreich bezieht 85 Prozent seines Stroms aus Atomkraft. Viele Reaktoren stehen auch nahe der Grenze zu Deutschland.

22.40 Uhr Tokio verteilt Wasserflaschen an Familien mit Babys +++
Die Stadtverwaltung von Tokio hat angekündigt, abgefülltes Wasser für Familien mit Babys bereitzustellen. Die lokalen Behörden seien aufgefordert, rund 80 000 Haushalte mit 3,5 Liter-Flaschen zu versorgen, berichtet der staatliche Fernsehsender NHK. Zudem ruft die Stadtverwaltung Mineralwasser-Hersteller dazu auf, ihre Produktion hochzufahren.

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Nebenbei kommt auch in Sachen Walfang ein vorläufiges Ende für die japanische Killerkultur:


n-tv online, Logo

24.3.2011: Vorläufiges Walfang-Ende von Japan durch Kampf der Tierschützer "Sea Shepherd"

aus: n-tv online: Vorläufiges Ende des Walfangs: Japan in die Knie gezwungen; 24.3.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Japan-in-die-Knie-gezwungen-article2936336.html

<Trotz weltweiter Kritik macht Japan noch immer Jagd auf Wale. Nun haben Tierschützer die Fangflotte zumindest vorerst zum Aufgeben gezwungen. Tokio hält weiter stur am Walfang fest - aber wie lange noch?

Walfanggegner sind erleichtert, Japan stinksauer: Mit waghalsigen Störmanövern auf hoher See hat die streitbare Tierschutzgruppe Sea Shepherd die japanischen Walfänger zum Abbruch der Jagdsaison im Südpolarmeer gebracht. Fischereiminister Michihiko Kano nannte am Freitag als Grund Sicherheitsbedenken.

Aus Protest über die wiederholten Attacken von Sea Shepherd bestellte Tokio am selben Tag die Botschafter der Niederlande, unter dessen Flagge Sea Shepherd fährt, sowie Australiens und Neuseelands ein. Tokio forderte die drei Länder auf, die Störmanöver der Tierschützer zu unterbinden. Japan will vor den Walfanggegnern nicht einknicken: Der "wissenschaftliche Walfang" werde fortgesetzt, zeigte sich Regierungssprecher Yukio Edano stur.

"Nie wieder eine Walfangsaison"

Neuseelands Außenminister McCully hofft, dass die Japaner den Walfang endgültig einstellen.

Australien und Neuseeland, aus deren Häfen die Schiffe von Sea Shepherd seit sieben Jahren in See stechen, reagierten erleichtert auf den vorzeitigen Abzug der Walfänger. "Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist und Australien findet, dass es nie wieder eine Walfangsaison geben sollte", sagte der australische Umweltminister Tony Burke. "Ich hoffe, dass das vorzeitige Ende des Walfangs Zeit für einen konstruktiven Dialog bietet, um die Probleme rund um den Walfang international zu lösen", sagte Neuseelands Außenminister Murray McCully. "Unser Ziel ist es, den Walfang im Südpolarmeer total abzuschaffen." Die Jagdsaison dauert dort normalerweise bis März.

"Wenn Japans Fangsaison wirklich abgebrochen wird, ist das sicher auch Sea Shepherds Hartnäckigkeit zu verdanken", sagte die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer, in einer Mitteilung der Organisation. "Mit einiger Sicherheit gibt es aber auch wirtschaftliche und politische Gründe dafür. Rechtliche nicht zu vergessen, denn Japan geht im antarktischen Schutzgebiet auf Jagd."

Walfang seit dem Zweiten Weltkrieg

Japan macht seit Ende des Zweiten Weltkrieges vor allem im Südpazifik Jagd auf Wale. Seit 1986 das internationale Walfangmoratorium in Kraft trat, betreibt Japan den Walfang nach eigener Darstellung bloß zu "wissenschaftlichen Zwecken". Dass das Fleisch nach der "Untersuchung" zum Konsum freigegeben wird, stellt ebenfalls keinen Verstoß gegen das Walfangmoratorium dar. Kritiker sehen in der Wissenschaft nur einen Vorwand, zumal Walforscher anderer Länder zu ähnlichen Forschungsergebnissen kommen, ohne die Meeressäuger zu töten. Die Regierung in Tokio machte den Walfang jedoch zum Exempel, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren. Walfang wurde zu einer Frage der nationalen Identität.

Tokio argumentiert stets, es würden keine bedrohten Arten gejagt. Zudem sei der Walfang mit der Wildjagd in Europa vergleichbar. Dabei essen die meisten Japaner gar kein Walfleisch. In den Kühlhäusern sollen fast 6000 Tonnen Walfleisch ungenutzt lagern. Ohne staatliche Subventionen käme der Walfang laut Kritikern zum Erliegen. Doch solche Argumente ließen Tokio bislang kalt.

Schnellboot gerammt und versenkt

Umso hartnäckiger ging Sea Shepherd auf hoher See gegen die Japaner vor. Dabei kam es auch wiederholt zu gewaltsamen Zusammenstößen. In einem Fall hatte das Begleitschiff der Japaner das Schnellboot eines der Aktivisten gerammt und versenkt. Später fuhr der Neuseeländer mit einem Jet-Ski zu dem Walfangschiff, kletterte an Bord und verlangte Entschädigung. Er wurde stattdessen jedoch 2010 in Tokio zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Aktivisten von Sea Shepherd konnten den Walfang vorerst stoppen.

Doch Sea Shepherd ließ sich nicht einschüchtern. Letztlich hatten die Tierschützer Erfolg: Japan hatte eigentlich geplant, in dieser Saison rund 900 Zwergwale und 50 Finnwale zu fangen. Am Ende sollen es nur 30 bis 100 Wale gewesen sein. Das Fabrikschiff "Nisshin Maru" musste seine Arbeit deswegen am 10. Februar einstellen. "Hoffen wir, dass der 9. Februar 2011 als der Tag in die Geschichte eingeht, an dem der letzte Wal in antarktischen Gewässern geschlachtet wurde", meinte der Vorsitzende der grünen Partei Australiens, Bob Brown.

dpa>


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Die Gesellschaft
              für bedrohte Völker (gfbv), Logo

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (gfbv) informiert:

Inserat 24.3.2011 ca.: <Verseuchtes Wasser, verstrahltes Land: Uranabbau bedroht indigene Völker - Auch deutsche Energiekonzerne profitieren>

aus: http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=2149&PHPSESSID=b5b1804cd2b893b20429a8ad32945a6f

<25 Jahre nach Tschernobyl leiden Menschen noch immer unter den Folgen der damaligen Katastrophe. Ganze Regionen sind radioaktiv verseucht und unbewohnbar. Doch nicht nur das Betreiben von Atomkraftwerken auch in Deutschland birgt große Risiken. Gefährlich ist schon die Gewinnung des Urans. Woher kommt der begehrte Rohstoff, der für deutsche Atommeiler benötigt wird und unter welchen Bedingungen wird er abgebaut? Diese Fragen spart das Energiekonzept der Bundesregierung, die die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert hat, bisher aus.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sieht dringenden Diskussions- und Handlungsbedarf: Mehr als 70 Prozent der weltweiten Uranvorkommen finden sich in Regionen, in denen indigene Völker beheimatet sind. Die Abbaubedingungen sind für Anwohner und Minenarbeiter oft unsäglich und zerstören die Lebensgrundlagen der Menschen langfristig. Doch meist werden sie über Risiken nicht informiert. Viele sind ungeschützt radioaktiver Strahlung ausgesetzt und leiden unter Krankheiten. Kinder kommen mit schweren Missbildungen zur Welt. Gewässer und Böden werden verseucht.

Es wird vermutet, dass deutsche Atomkraftwerke mit Uran aus Niger, Australien und Kanada betrieben werden. In Niger leiden Tuareg unter Wassermangel, weil 70 Prozent des Grundwassers durch den Uranabbau verbraucht wurden und der Rest kontaminiert ist. Der Ausbau bestehender Minen in Australien und in Kanada bedroht die Mirrar-Aborigines und die Cree-Indianer.

So lange Energiekonzerne keine Transparenz schaffen und sich nicht an Regelungen zum Schutz der Bewohner in den Uranabbaugebieten halten müssen, müssen sie sich Mitverantwortung für die Bedrohung der dort lebenden Ureinwohnergemeinschaften sowie die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen vorwerfen lassen. >

Einladung zur Podiumsdiskussion

25 Jahre nach Tschernobyl
Verseuchtes Wasser, verstrahltes Land: Uranabbau bedroht indigene Völker - Auch deutsche Energiekonzerne profitieren

mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
u.a. James Albert (Indienexperte und stellvertretender Vorsitzender der GfbV)
Ute Koczy (Bündnis 90/Die Grünen), Michael Paul, CDU (angefragt), Ralf Güldner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung E.on Kernkraft GmbH und Präsident des Deutschen Atomforums e.V. (angefragt) und Reinhard Kardinal Marx (angefragt). Außerdem haben wir einen Vertreter der James-Bay-Cree Indianer aus Kanada um ein Eingangs-Statement gebeten.

am Dienstag, den 12. April 2011
um 19.00 Uhr in der Landesvertretung Niedersachsen, In den Ministergärten 10 in Berlin-Mitte
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n-tv online, Logo

Deutschland 24.3.2011: Wirtschaftsminister Brüderle gibt zu, dass das Atom-Moratorium nur Wahltaktik vor der Wahl in Baden-Württemberg ist

aus: n-tv online: Kommentar: Ein Trickser sagt die Wahrheit; 24.3.2011;
http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Ein-Trickser-sagt-die-Wahrheit-article2932161.html

<Ein Kommentar von Till Schwarze

Gut so: Wirtschaftsminister Brüderle deckt auf, was die Wende von Union und FDP in der Atompolitik wirklich ist – reine Wahlkampftaktik. Blöd nur, dass es seine eigene Regierung ist, die dem Wähler ins Gesicht lügt. Brüderles Selbstentblößung ist der größte anzunehmende Unfall für Schwarz-Gelb.

So wünscht man sich doch einen Politiker: Als einen Mann der klaren Worte, der ungeschminkt die Wahrheit sagt. Der nicht immer nur auf Umfragen schaut, sondern vor der Wahl sagt, was nach der Wahl gilt. Der Politik transparent macht und ehrlich erklärt, wie Entscheidungen zustande kommen. Insofern hat Rainer Brüderle eigentlich alles richtig gemacht.

Der Wirtschaftsminister hat nur ausgesprochen, was sowieso alle denken. Dass nämlich die plötzliche Wende der Bundesregierung bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke nichts anderes als ein Wahlkampfmanöver ist. Oder in Brüderles Worten: "Dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien." Bitte sehr: Angesichts von wichtigen Wahlen kann eine Regierung schon einmal das große Zittern erfassen, da kann man für nichts mehr garantieren.

Blöd ist nur, dass es Brüderles eigene Regierung ist, die irrationale Entscheidungen trifft und diese dann den Bürgern als durchdachte Politik verkaufen will. Der Wirtschaftsminister zieht Schwarz-Gelb die Hosen runter und entblößt sich damit selbst. Blöd ist auch, dass Brüderle nicht freiwillig zum Aufklärer wurde. Kann ja keiner ahnen, dass da einer mitschreibt, wenn man mit seinen Freunden von der Wirtschaft zusammensitzt und erzählt, wie schwarz-gelbe Politik wirklich funktioniert.

Jede Glaubwürdigkeit dahin

Brüderles Selbstentblößung zeigt, wem sich die Bundesregierung wirklich verpflichtet fühlt. Nicht den Bürgern, denen man als Wähler ruhig mal ins Gesicht lügen kann. Die vertragen die Wahrheit offenbar nicht. Aber den Wirtschaftsbossen, den Chefs der Energiekonzernen, denen kann man sagen, was Sache ist. Aber mit denen hat man ja auch schon in Geheimverhandlungen Politik gemacht.

Mit wenigen Worten reißt Brüderle die Fassade ein, die angesichts der Atomkatastrophe in Japan mühsam von schwarz-gelben Wahlkämpfern aufgebaut wurde. Das Moratorium sollte die Sicherheit zum obersten Gebot der Bundesregierung in der Atompolitik machen. Angela Merkel verwies gar auf ihren Amtseid als Kanzlerin, dem "Wohle des deutschen Volkes" verpflichtet zu sein. "Ob da Landtagswahlen sind, bei denen ich natürlich gerne gut abschneiden möchte, oder nicht, kann doch nicht den Ausschlag in einer solchen Situation geben." Nun hat Brüderle die Kanzlerin bloßgestellt. Die Glaubwürdigkeit von Union und FDP in der Atompolitik ist endgültig dahin.>

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Financial Times Deutschland online,
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24.03.2011: Brüderles Erklärung zum Wahlkampf und Merkels Atompirouette wörtlich

aus: Financial Times Deutschland online: Dokumentation zum Atom-Moratorium. Das dementierte Brüderle-Atom-Geständnis im Wortlaut; 24.3.2011;
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:dokumentation-zum-atom-moratorium-das-dementierte-bruederle-atom-gestaendnis-im-wortlaut/60030488.html

<Der Wirtschaftsminister soll eingeräumt haben, die schwarz-gelbe Wende in der Energiepolitik sei dem Wahlkampfdruck geschuldet. Er nennt den Vorwurf "absurd" und fühlt sich falsch zitiert. FTD.de dokumentiert, was in dem Protokoll steht.

Nach dem GAU im japanischen AKW Fukushima hat die Bundesregierung eine Kehrtwende in der Atompolitik vollzogen. Befürworteten Union und FDP jahrelang grundsätzlich die Kernkraft, plädieren sie nun für einen vorsichtigen Ausstieg. Die Koalition hatte verfügt, die sieben ältesten Atommeiler des Landes für wenigstens drei Monate vom Netz zu nehmen, mindestens eins soll nie wieder betrieben werden. Die Entscheidung kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (20. März) sowie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (27. März) wird von Opposition und einer großen Mehrheit der Bevölkerung als Taktik eingeschätzt, um Stimmen einzufangen.

Die Regierung hatte vor wenigen Monaten längere Laufzeiten für die 17 deutschen AKW durchgesetzt und damit den rot-grünen Ausstiegsbeschluss revidiert. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nannte die Entscheidung im September 2010 eine "großen Chance für die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft". Atomkraft bedeute Wachstum, Wohlstand sowie sicheren und bezahlbaren Strom. Nach dem Unglück in Japan sagte Brüderle: "Es hat sich eine neue Lage ergeben." Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei ohne die sieben abzuschaltenden Kernkraftwerke nicht gefährdet. "Oberste Priorität hat die Sicherheit."

Vor Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft soll Brüderle eingestanden haben, dass der Schwenk in der Atompolitik wahlkampftaktischer Natur sei. Die "Süddeutsche Zeitung" und die Agentur dpa veröffentlichten am Donnerstag Zitate, die Brüderle zugeschrieben werden und die Schlussfolgerung erlauben, der Minister habe den Kurswechsel mit den anstehenden Wahlen begründet. Sie stammen aus dem Protokoll der Präsidiumssitzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) vom 14. März. An dem Datum - drei Tage nach dem Erdbeben in Japan - verkündete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Moratorium für die sieben AKW.

Während der Sitzung sei die Meldung hereingereicht worden, die Kanzlerin wolle die verlängerten Laufzeiten für die deutschen Atommeiler aussetzen, schrieb die "Süddeutsche Zeitung". BDI-Präsident Hans-Peter Keitel habe daraufhin von Brüderle wissen wollen, was es damit auf sich habe. Der BDI sprach von einem Protokollfehler, teilte jedoch nicht mit, was Brüderle stattdessen gesagt habe.

Laut SZ und dpa ist das der Wortlaut des Protokolls:

"Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über den Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.

Er sei ein Befürworter der Kernenergie in Deutschland und für ihn sei klar, dass die energieintensive Industrie in der Wertschöpfungskette gebraucht werde. Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde. In der weiteren Aussprache, an der sich die Herren Dr. Enders und Dr. Keitel beteiligten, bezweifelte der Minister, ob das Bekenntnis der Politik zur Kernenergie flächendeckend sei.">


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Welt online, Logo

24.3.2011: Die Entdeckung der radioaktiven Elemente - die strahlenden Bücher der ersten Atomforscher

aus: Welt online: Radioaktiv: Bücher der ersten Atomforscher strahlen noch heute; 24.3.2011;
http://www.welt.de/kultur/history/article12922665/Buecher-der-ersten-Atomforscher-strahlen-noch-heute.html

<Autor: Ulli Kulke

Die Curies und Becquerel nutzten strahlende Materie noch als Spielzeug. Sie glaubten, Uran oder Radium helfe gegen Krebs.

Das Ehepaar Pierre (1859-1906) und Marie Curie (1867-1934) in ihrem Pariser Laboratorium. Sie entdeckten die chemischen Elemente Polonium und Radium.

Es war nur halb im Scherz gemeint: "Ich mag ja das Radium", schrieb Henri Becquerel an die Freunde Marie und Pierre Curie, "aber das nehm ich ihm übel." Der Brief war etwa zur vorletzten Jahrhundertwende aufgegeben worden, und die Beschwerde traf nicht die Falschen. Das Pariser Physiker-Ehepaar Marie und Pierre Curie hatte das Radium, ein silbriges Metall, erst kurz zuvor entdeckt, besser gesagt: zum ersten Mal extrahiert, am 21. Dezember 1898. Es war für die schmächtige Marie eine lange Knochenarbeit gewesen an schwarzen Steinen, an sehr rätselhaften Steinen.

Was Becquerel, Physikprofessor ebenfalls aus Paris, dem Radium verübelte: Ein Stück hatte ihm quälende Verbrennungen am Oberkörper beigebracht, als er es längere Zeit in seiner Weste aufbewahrte, ganz absichtlich. Ihm war ja bekannt gewesen, dass Radium es in sich hatte. Er wusste, dass das Metall 900 Mal so stark strahlt wie ein anderes, dessen wundersame Eigenschaften er selbst zwei Jahre zuvor aufgespürt hatte: das Uran. Aber dass es so aggressiv sei?

Becquerel war nicht der Einzige, der damals seine Spielchen trieb mit Uran, Radium und anderen Stoffen, denen Geheimnisvolles innewohnte. Die Curies selbst hatten ihn dazu mit ihren eigenen Selbstversuchen angestachelt. Sie hatten davon der Akademie der Wissenschaften vorgetragen, nachdem sie "genüsslich", wie die Curie-Biografin Françoise Giroud schreibt, die Veränderungen an ihrem Körper beobachtet hätten, ausgelöst durch das Berühren von Radium.

Von "tiefen Verwundungen" war die Rede, von "Schuppenbildung" und "Verhärtungen" der Haut, die "manchmal sehr schmerzhaft" seien. Mutwillig stürzten sich die Forscher in ihre Experimente, weil die Wissenschaft große Hoffnungen hegte in mögliche Heilkräfte des Radiums. Die Erwartung: die Strahlung könnte wuchernde Krebszellen angreifen. Man stand in internationalem Wettbewerb, hatte kürzlich von Selbstversuchen deutscher Forscher gehört.

Das Geheimnis der Pechblende

Sowieso hatte alles in Deutschland begonnen, im Berliner Nicolaiviertel, Spandauer Straße, Ecke Probststraße. Hier, im Hinterzimmer der "Apotheke zum Bären" macht sich im Sommer 1798 der Apotheker und Chemiker Martin Heinrich Klaproth an Steinen zu schaffen, die aus den Tiefen der Silberbergwerke im Erzgebirge stammen: tiefschwarze Pechblende. Ihr enormes Gewicht war den Bergleuten längst aufgefallen, sie vermuten Metall darin, aber bisher konnte niemand etwas daraus gewinnen. Achtlos warf man es weg.

Klaproth will es nun, nachdem er sich aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt ein paar Stücke geholt hatte, genauer wissen. Mit Feuer, Blutlaugensalz, Salpetersäure, geschwefeltem Ammoniak, Leinöl und anderen Wundermitteln rückt er der Pechblende zu Leibe, wandelt es unter zischenden Dämpfen in Krümel und Kristalle, lässt sie in Salzsäure aufschäumen, extrahiert, filtriert, alkoholisiert – bis er doch metallische Substanzen in den Händen hält, ein bisher unbekanntes Element.

Es changiert zwischen grünlich, violett und gelblich. Klaproth nennt es nach dem kürzlich neu entdeckten Planeten Uranus: Uranit. Genau genommen handelt es sich noch nicht um Uran, sondern um Uranerz, aus dem man erst 1841 das reine Metall gewinnen wird. Der neue Stoff findet rege Verwendung als Glasfärbemittel. Besonders im Jugendstil, zu einer Zeit, als es noch ganz andere Eigenschaften offenbart.

Seit das Uran in Reinform bekannt ist, weiß man, dass es von alleine leuchten kann; schwach, aber sichtbar. Die Chemiker vermuten einen Fall von Lumineszenz, ein Nachleuchten, das auch andere Stoffe auszeichnet, wenn sie zuvor starken Lichtquellen ausgesetzt waren. Eher zufällig entdeckt nun, im Jahre 1896, Becquerel, dass Uran auch dann strahlt, wenn es im ewigen Dunkel verharrte. Auf die Spur kommt er ihm, als er im Schrank auf eine fotografische Platte ein Stück Uran legt und dessen Umrisse darauf hinterher klar erkennt.

Die Entdeckung des Radiums

Die Effekte erinnern an jene Strahlen, die Wilhelm C. Röntgen ein Jahr zuvor auf elektromagnetischem Weg erzeugt hatte – eine revolutionäre Neuheit. Die Röntgenstrahlen und ihre fantastischen Möglichkeiten sind es auch, die die jetzt sogenannten Becquerelstrahlen aus dem Forscherinteresse verdrängen. Bis die 30-jährige Studentin Marie Curie etwas später ein Thema für ihre Doktorarbeit sucht und auf die Becquerelstrahlen verfällt. Gemeinsam mit ihrem Mann untersucht sie Uran, sie untersucht Pechblende.

Da die Strahlen die Luft leitfähig machen, kann Curie ihre Stärke leicht durch ein Elektrogerät messen. Was sie bald schon elektrisiert: Die Pechblende, der Ausgangsstoff, strahlt viermal so stark wie das extrahierte Uran. Wie kann dieses Ergebnis zustande kommen? Es gibt nur eine Erklärung: Die Pechblende muss mindestens ein weiteres, weit stärker strahlendes Metall enthalten. In aufwendiger Handarbeit extrahiert Curie zunächst Polonium. Und, zuletzt: Radium, die am stärksten strahlende Materie, die damals bekannt war.

Der Ball im Spiel der Forschung fällt nun wieder nach Deutschland, nach Braunschweig, wo der Physiker Hans Geitel im Jahre 1899 in einem Vortrag als Erster die Hintergründe der merkwürdigen Strahlung treffend skizziert: "Man wird aus dem Atome des betreffenden Elementes selber die Energiequelle ableiten müssen. Der Gedanke liegt nicht fern, dass das Atom eines radioaktiven Elements von einer instabilen Verbindung unter Energieabgabe in einen stabilen Zustand übergeht." Seitdem ist der Begriff in der Welt: Atomenergie. Geitel hat ihn geprägt, gemeinsam mit seinem Freund Julius Elster, mit dem er alle Forschungen gemeinsam durchführte.

In Braunschweig startet nun auch jener Wettlauf um die skurrilen Selbstversuche am lebenden Forscher, mit denen diese die Wirkungen auf den menschlichen Organismus untersuchen wollen. Hubert Manna schildert sie trefflich in seinem kürzlich erschienenen Buch "Kettenreaktion". Den Anfang macht der unerschrockene Zahnarzt Otto Walkhoff, der auch als Erster seines Faches Röntgenapparate eingesetzt hat. 0,2 Gramm Radium, verpackt in eine Zelluloidkapsel legt er sich auf den Unterarm, zweimal 20 Minuten. Seine Haut entzündet sich nachhaltig.

Alle Topfpflanzen durch Bestrahlung zerstört

Der Chemiker aus der Fabrik, die das Radium lieferte, Friedrich Giesel (der täglich mit dem Stoff hantierte), will es wissen und erhöht sowohl die Dosis als auch die Dauer: zwei Stunden Radium auf der Haut. Auch bei ihm entzündet sie sich. Nach zwei Wochen pigmentiert sie obendrein stark, Blasen folgen, Hautabstoßungen, an der Stelle wächst kein Haar mehr, nie mehr. Ähnlich wie bei seinem neunjährigen Sohn, an dem er zuvor zu Testzwecken zahllose Röntgenaufnahmen vornahm, bis der Kopf kahl war. In Paris hört man von den Versuchen, und Pierre Curie bricht nun alle Rekorde: Zehn Stunden unter Radium, die Wunden brennen sich tief ins Fleisch ein, nehmen "einen ins Graue spielenden Ton ein", wie er in seinen langen, exakten Protokollen vermerkt.

Dies wiederum nimmt Becquerel zum Anlass für seine Tests mit dem Radium, das er dafür tagelang in der Weste herumträgt. Er ist der Erste, der sich beschwert. Aber alle eint das Gefühl, dem medizinischen Fortschritt, der angestrebten Radiumtherapie gegen Krebs und Hautflechten entscheidende Dienste zu erweisen. Giesel indes, der Braunschweiger Chemiker und Fabrikant, scheint in einen Rausch gefallen zu sein. Von ihm wird berichtet, er habe seinen Garten und alle Topfpflanzen im Hause durch die Bestrahlung gezielt zerstört, ihnen alles Chlorophyll ausgeschaltet, ihnen jegliche Keimfähigkeit genommen.

Siebenfach erhöhte Leitfähigkeit des Urins

Radium wurde zum Modebegriff, Gaststätten, Kinos und anderes wurde nach ihm benannt. Die Strahlentherapie, ob mit Radium oder anderem Material, zog wie erwartet ein in die Schulmedizin. Otto Hahn entwickelte aus den strahlenden Stoffen 1938 die künstliche Kernspaltung, Robert Oppenheimer 1945 die Atombombe. Und die Pioniere?

Die Curies klagten während ihrer Arbeit zunehmend über Mattigkeit, Marie starb 1934 im Alter von 67 Jahren an Anämie, die manche Forscher auf ihren Umgang mit dem Radium zurückführen. Pierre starb 1906 bei einem Verkehrsunfall. Ob Becquerels Tod 1908 mit seiner Arbeit zusammenhing, gilt als ungeklärt. Beim berauschten Giesel wurde durch die Verstrahlung eine siebenfach erhöhte Leitfähigkeit seines Urins festgestellt, auch seine Atemluft war heftig kontaminiert. Er starb 1927 mit 75 Jahren.

[Das Notizbuch von Curie ist stark verstrahlt]

1984 wurde das Notizbuch von Marie Curie für umgerechnet 136.000 Mark versteigert, in Anwesenheit eines Zivilschutzbeamten. Das Buch ist so stark verstrahlt, dass es als unlesbar gilt.>

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Basler Zeitung online, Logo

Schweiz 24.3.2011: Die Schweiz hat ein Atom-Parlament: 40% der Parlamentarier sind Mitglied einer atomfreundlichen Organisation, vor allem SVP, EDU und FDP

Wer sein Land schützen will, der sollte es vor Unheil bewahren, zum Beispiel vor der unberechenbaren Atomtechnologie. Im Parlament der Schweiz sieht es aber genau andersherum aus: 40% der Parlamentarier sind geistig derart blockiert, dass sie sogar atomfreundlichen Organisationen angehören. Pikant: Es sind vor allem Leute der SVP und der FDP. Aber schauen Sie selbst:

aus: Basler Zeitung: Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff; 24.3.2011;
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Die-Atomlobby-hat-das-Parlament-fest-im-Griff/story/17457212

Die bestochenen Atom-Politiker in der Schweiz
Atomparlamentarier (01) in ein paar Kantonen
                      der Schweiz, Grafik
Atomparlamentarier (01) in ein paar Kantonen der Schweiz, Grafik
Thurgau: 8 Parlamentarier, davon 6 in atomfreundlichen Organisationen

Aargau: 17 Parlamentarier, davon 12 in atomfreundlichen Organisationen

Solothurn: 9 Parlamentarier, davon 6 in atomfreundlichen Organisationen

Luzern: 12 Parlamentarier, davon 7 in atomfreundlichen Organisationen

St. Gallen: 14 Parlamentarier, davon 8 in atomfreundlichen Organisationen

Bern: 28 Parlamentarier, davon 15 in atomfreundlichen Organisationen

Zürich: 36 Parlamentarier, davon 15 in atomfreundlichen Organisationen

Basel-Land: 8 Parlamentarier, davon 3 in atomfreundlichen Organisationen
Atomparlamentarier (02) in der SVP
                      und im EDU, Grafik
Atomparlamentarier (02) in der SVP und im EDU, Grafik: 72% sind Mitglied in atomfreundlichen Organisationen
Atomparlamentarier (03) in der FDP,
                      Grafik
Atomparlamentarier (03) in der FDP, Grafik: 57% sind Mitglied in atomfreundlichen Organisationen
Atomparlamentarier (04) in der CVP,
                      ESP, EVP und in der GLP, Grafik
Atomparlamentarier (04) in der CVP, ESP, EVP und in der GLP, Grafik: 43% sind Mitglied in atomfreundlichen Organisationen

<Von Markus Prazeller, Bern.

CVP und FDP brüsten sich mit der Wende in ihrer Energiepolitik. Eine Umfrage der BaZ unter erklärten Atombefürwortern im Parlament deutet jedoch in eine andere Richtung.

Es war ein Auftritt mit Symbolik: Die Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima stelle «die Energiepolitik der Schweiz infrage», teilte die FDP vergangene Woche mit, nachdem kurz zuvor bereits die CVP ihre Position in der Atompolitik öffentlichkeitswirksam hinterfragt hatte. Damit gingen just jene Parteien auf Abstand zur Kernenergie, die in den letzten Jahren nicht müde wurden, für die «sichere Technologie» zu werben.

Die Atomwirtschaft hat jedoch vorgesorgt. In den letzten Jahren bemühten sich im Parlament mehrere Lobbyorganisationen fleissig um Verbündete. Mit Erfolg, wie eine Zusammenstellung zeigt. Von den 246 Eidgenössischen Parlamentarieren sind 99 Mitglied in Organisationen, die sich für die Förderung der Atomwirtschaft einsetzen (siehe die Liste hier).

Am besten vernetzt ist die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik (Aves). Von den 99 erklärten Atombefürwortern in National- und Ständerat sind 97 Mitglieder der Aves, darunter die grosse Mehrheit der SVP-Fraktion. Anlässlich der Delegiertenversammlung der Aves vergangenen Juni machte der Verein seine Haltung abermals klar: «Der (Ersatz-)Bau von mindestens zwei grossen Kernkraftwerken ist unabdingbar», heisst es in einer von den Mitgliedern verabschiedeten Resolution. Präsidiert wird die Vereinigung von FDP-Ständerat Rolf Schweiger. Er reagierte nicht auf eine Anfrage der BaZ.

Kein Meinungsumschwung

Neben der Aves erhalten zwei weitere Organisationen politische Unterstützung aus dem Parlament: das Nuklear- und das Energieforum. Auch diese Vereinigungen sprachen sich erst kürzlich für den Bau neuer AKW aus. Ganz so deutlich sagt das heute niemand mehr. Auf einen tiefgreifenden Meinungsumschwung, wie ihn die öffentlichen Verlautbarungen von CVP und FDP suggerieren, gibt es aber keine Hinweise. Das zeigt eine Umfrage der BaZ unter den Atomvertretern im Parlament. Von den rund 40 Volksvertretern, die auf die Anfrage reagierten, hält die Mehrheit am Bau neuer AKW fest. «Würden wir heute auf Atomstrom verzichten, müssten wir unsere Energie von deutschen Gas- und Kohlekraftwerken oder französischen AKW beziehen», sagt etwa Corina Eichenberger (FDP, AG), Präsidentin des Nuklearforums und Mitglied der Aves. Nationalrätin Esther Egger (CVP, AG) meint: «In absehbarer Zeit wird für die Schweiz eine Strom-Zukunft ohne Kernkraftwerke nicht realistisch sein.»

Nur gerade fünf der befragten Parlamentarier wollten den Bau neuer Kernkraftwerke ganz ausschliessen, unter ihnen auch FDP-Nationalrätin Marianne Kleiner. «Ich habe mich überzeugen lassen, dass es möglich ist, die Schweiz mittel- bis langfristig ohne Kernkraft mit der notwendigen Energie zu versorgen», schreibt Kleiner auf die Anfrage der BaZ. Die Politikerin aus Appenzell Ausserrhoden stellt sich im Herbst nicht mehr zur Wahl. (Basler Zeitung)>
In anderen Regionen, wo ein Wiederaufbau möglich scheint, solle auch die Privatwirtschaft helfen.

dpa/jw>

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Quellen


Fotoquellen

[1] Christoph Lieven, Atomexperte von Greenpeace: http://www.n-tv.de/Spezial/Diese-Technologie-ist-einfach-Wahnsinn-article2822611.html
[2] Feuerwehrschiffe besprühen das AKW Fukushima:
http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/7-mundo/15493-japon-desmantelara-central-nuclear-de-fukushima
[3] Atomkraftwerk-nicht-möglich-Weltkarte: http://www.20min.ch/news/ausland/story/Hier-sollten-keine-Atomkraftwerke-stehen-26859498
[4] Weltkarte mit Atomkraftwerken in Erdbebengebieten: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bild-751896-193759.html




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