Tochter ohne Vater am 27.6.2026: Das Herz
sucht ihn immer:
Fall Terenzi: Wenn der Vater fehlt, sucht das Herz ein
Leben lang
https://www.nau.ch/people/welt/fall-terenzi-wenn-der-vater-fehlt-sucht-das-herz-ein-leben-lang-67142453
Chris Oeuvray -- Region Zug -- War der Vater in der
Kindheit emotional abwesend, so kann sich das später im
Erwachsenenalter noch bemerkbar machen. Eine Kolumne von
Chris Oeuvray.
Chris Oeuvray ist psychologische Beraterin und Expertin für
Narzissmus.
Auf Nau.ch schreibt Oeuvray regelmässig Kolumnen.
Heute schreibt sie über emotional abwesende Väter, die
oftmals eine Lücke hinterlassen.
Als ich gelesen habe, dass Summer öffentlich mit ihrem Vater
Marc Terenzi abrechnet, musste ich an eine Klientin denken.
Sie verliebte sich ständig in Männer, die sie nicht wollten.
Je stärker die Ablehnung, desto grösser wurde ihre
Sehnsucht.
Sie kämpfte um Aufmerksamkeit und Liebe. Nicht, weil sie
Drama wollte. Sondern weil sie etwas suchte, das sie seit
ihrer Kindheit vermisste.
Der Fall von Summer zeigt etwas, das viele Betroffene
kennen. Ein emotional abwesender Vater hinterlässt eine
Lücke. Diese Lücke verschwindet nicht einfach mit dem
Erwachsenwerden. Sie meldet sich später in Beziehungen, in
Selbstzweifeln und in der ständigen Suche nach Bestätigung.
Warum die Kindheit bis ins Erwachsenenleben wirkt
Kinder brauchen nicht nur Versorgung. Sie brauchen Nähe,
Interesse und das Gefühl, wichtig zu sein. Fehlt das,
entsteht die Überzeugung, sich Liebe verdienen zu müssen.
Viele strengen sich an, passen sich an und hoffen auf
Anerkennung.
Ich sehe in meiner Arbeit mit Opfern von Narzissmus immer
wieder, dass Menschen später genau dort suchen, wo sie schon
als Kind leer ausgegangen sind. Sie verlieben sich in
Menschen, die distanziert sind oder sie ablehnen. Sie
kämpfen um Liebe und nennen es Schicksal. In Wahrheit
kämpfen sie oft um etwas, das sie vom Vater nie bekommen
haben.
Warum Partnerschaften die Lücke nicht füllen
Kein Partner kann die eigene Kindheit reparieren. Wer
unbewusst nach dem sucht, was der Vater nicht gegeben hat,
überfordert jede Beziehung.
Die Sehnsucht bleibt. Die Enttäuschungen werden grösser. Und
irgendwann entsteht das Gefühl, nie wirklich glücklich zu
werden.
Deshalb lohnt es sich, hinzuschauen. Nicht um Schuldige zu
suchen, sondern um die eigenen Wunden zu erkennen.
Was hat gefehlt? Welche Bedürfnisse wurden nie erfüllt?
Welche Sehnsucht begleitet mich bis heute?
Heilung beginnt mit Ehrlichkeit
Veränderung entsteht, wenn man emotional nachnährt,
reflektiert und dadurch neue, gesunde Erfahrungen macht.
Manche finden dabei auch gemeinsam mit ihrer Mutter
Antworten auf offene Fragen.
Ich rate Betroffenen, sich Unterstützung bei Fachpersonen zu
holen, die sich mit Bindungsverletzungen und narzisstischen
Mustern auskennen. Und ich ermutige sie zu einer wichtigen
Entscheidung: Nicht für immer Opfer der eigenen Geschichte
zu bleiben.
Frieden entsteht nicht dadurch, dass der Vater sich endlich
verändert. Frieden beginnt dort, wo wir unsere Wunden selbst
heilen und aufhören, das Verpasste in einer Partnerschaft zu
suchen.