Scheidungskind am 24.12.2025:
Verlässlichkeit ist das Wichtigste - nicht die Show von
Weihnachten:
Trennung, Familie & Feiertage: Weihnachten nach der
Scheidung: Was Kinder wirklich brauchen
https://www.blick.ch/life/gesundheit/psychologie/weihnachten-mit-kindern-nach-scheidung-neue-wege-id21521791.html
Gunda Bossel -- SEO-Redaktorin -- Weihnachten verändert
sich nach einer Trennung fast immer. Statt eines
durchgetakteten Grossfamilienfests entstehen kleinere
Feiern, klarere Zuständigkeiten und weniger
unausgesprochene Erwartungen. Für Kinder ist das oft kein
Verlust – im Gegenteil.
Alles ist anders, aber alles ist gut, auch Weihnachten mit
Kindern nach Trennungen und Scheidungen: Zwei überschaubare
Weihnachtsfeste können für Kinder entlastender sein als ein
einziges, emotional aufgeladenes Grossereignis.
Vorausgesetzt, beide Elternteile übernehmen Verantwortung
auf ihre Weise:
Viele getrennte Eltern berichten, dass sie sich nach der
Trennung freier fühlen. Sie feiern Weihnachten näher an
ihrem eigenen Alltag, ohne Perfektionsdruck und ohne
familiäre Pflichtprogramme.
Psychologisch ist das nachvollziehbar
Nach einer Trennung sinkt der Wunsch, Erwartungen anderer zu
erfüllen, während das Bedürfnis nach Kontrolle und
Stabilität steigt. Für Kinder zählt dabei weniger die
Inszenierung – sondern Verlässlichkeit. Studien zeigen, dass
Kinder Übergänge und Veränderungen gut bewältigen, solange
sie emotional begleitet werden und feste Bezugspersonen
behalten.
Adventszauber ist emotionale Arbeit – und bleibt oft an
einem Elternteil hängen
Die Vorweihnachtszeit besteht aus zahllosen unsichtbaren
Aufgaben: Adventskalender vorbereiten, Guetzli backen,
Geschenke planen, Schulfeiern organisieren, Dekoration,
Rituale, Stimmung. Diese sogenannte emotionale und mentale
Arbeit wird nach Trennungen in den meisten Familien
weiterhin von einem Elternteil übernommen, dies
überdurchschnittlich häufig von den Müttern.
Das ist kein Zufall. Studien zur «Mental Load»-Verteilung
zeigen, dass Frauen auch nach Trennungen deutlich häufiger
für emotionale Organisation der Kinder zuständig bleiben,
insbesondere wenn sie die Hauptbetreuung übernehmen und den
Alltag mit den Kindern (er)leben. Weihnachten verstärkt
dieses Ungleichgewicht, weil es stark mit Fürsorge, Symbolik
und emotionaler Sicherheit verknüpft ist.
Während also ein Elternteil den Advent über Nähe schafft,
wünscht sich der andere oft vor allem nur eines: am
eigentlichen Fest dabei zu sein. Weihnachten wird dann oft
auf einen Abend oder ein Weihnachtsfrühstück reduziert. Oft
wird dieses dann nicht mal selber organisiert: Geschenke
kaufen, kurz die Einladung der Grosseltern warhnehmen,
wieder gehen. Was den Vätern damit bleibt, ist leider nicht
selten nur noch die Rolle des «Geschenke-Überbringers». Die
Kinder freuen sich weniger auf die gemeinsame Zeit, als auf
das erwartete Geschenk.
Warum viele Väter sich im Advent zurückziehen – und
was dahintersteckt
Dieses Verhalten ist selten böse gemeint. Psychologisch
lässt es sich gut erklären:
Viele Männer wurden selbst so sozialisiert, dass emotionale
Rituale, Feiertagsgestaltung und Beziehungsarbeit nicht zu
ihren Kernaufgaben zählen.
Studien zur Vaterrolle zeigen, dass Väter sich stärker für
«ereignisbezogene» Nähe zuständig fühlen (Ausflüge,
Geschenke, besondere Events), während die kontinuierliche
emotionale Begleitung häufiger von Müttern übernommen wird.
Nach einer Trennung kommt ein weiterer Faktor hinzu:
emotionale Überforderung
Advent und Weihnachten sind stark emotional aufgeladen, also
genau das, was viele getrennte Väter gänzlich vermeiden
möchten. Sie konzentrieren sich daher auf das Messbare:
Geschenke, zeitlich begrenzte Aktivitäten, Ausflüge. Der
Alltag mit den Kindern wird oft nicht mehr gelebt. Das gibt
ihnen eine vermeintliche Kontrolle und reduziert die
emotionale Unsicherheit.
Hinzu kommt oft ein unterschwelliger Loyalitätskonflikt:
Manche Väter ziehen sich zurück, um nicht «in Konkurrenz»
zur Ex-Partnerin zu treten oder um Konflikte zu vermeiden.
Sie verlassen sich nach wie vor voll auf die Mütter und
hoffen insgeheim darauf, es möge die Beziehung zu ihren
Kindern nicht belasten.
Ungleichgewicht entsteht – und kann schmerzen
Für Kinder funktioniert diese Aufteilung häufig erstaunlich
gut. Sie geniessen unterschiedliche Weihnachtsversionen bei
Mutter und Vater. Für den Elternteil, der den Advent trägt,
kann das Ungleichgewicht jedoch emotional belastend sein.
Denn während die eigene Energie über Wochen fliesst,
erscheint der andere nur punktuell.
Typisch sind Szenen wie: Weihnachtsbrunch bei den
Grosseltern, Geschenke öffnen – und dann rasch weiter. Der
Skitag wartet, die neue Partnerin nörgelt, die Ruhe ohne
Kinder ist verlockend.
Auch das ist psychologisch erklärbar: Nach Trennungen
priorisieren viele erwachsene Männer ihre Autonomie und die
eigene Erholung. Kinder spüren das, werten es aber nicht
automatisch negativ – solange sie bei mindestens einem
Elternteil, meist der Mutter, emotionale Sicherheit erleben.
Was Kinder wirklich brauchen – und was nicht
Entwicklungspsychologisch ist klar: Kinder brauchen keine
perfekte Weihnachtskulisse. Sie brauchen emotionale
Verlässlichkeit. Die Studien zeigen, dass wiederkehrende
Rituale, selbst einfache, Kindern Halt geben und sie sich
langfristig stärker daran erinnern als an grosse
Einzelereignisse. Somit bleibt der Adventsmonat, gespickt
mit kleinen Details, oft häufiger in Erinnerung, als der
eine Abend mit dem Vater oder das grosse Geschenk von ihm.
Ob die Kerzen im Dezember täglich brennen oder der
Adventskalender selbst gebastelt ist, spielt eine
untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass ein Elternteil
den Rahmen hält. Dass jemand da ist, der den Advent «trägt».
Diese Erinnerungen verankern sich tief, oft ein Leben lang.
Neue Rollen bewusst gestalten
Eine Trennung bietet für Geschiedene oder Getrennte somit
auch eine Chance, die Feiertage neu zu definieren: Ein neues
Ritual, anderes Essen als die Jahre zuvor, neue
Weihnachts-CDs. Alles ist Möglich.
Nicht jeder Mensch braucht Weihnachtszauber, die Kinder
jedoch profitieren davon, wenn er wenigstens bei einem
Elternteil spürbar bleibt.
Manche Väter entdecken erst nach der Trennung, dass
Weihnachten mehr ist als die 3-stündige Einladung bei den
Grosseltern. Andere verharren hingegen starr in ihrer
reduzierten Rolle – aber auch das kann für Kinder
erstaunlich gut funktionieren, solange Klarheit herrscht.
Entscheidend ist nicht Gleichverteilung, sondern
Verlässlichkeit. Denn Kinder spüren genau, wer ihnen in
dieser besonderen Zeit Geborgenheit und Aufmerksamkeit
schenkt.
Weihnachten nach der Scheidung ist keine Notlösung
Nicht jeder Mensch verbindet Weihnachten mit grossen
Gefühlen. Für viele ist es einfach eine angenehme Zeit –
ohne Drama, ohne Nostalgie.
Weihnachten nach der Trennung ist also keinesfalls
Notprogramm. Es ist eine neue Version von Familie: oft
pragmatischer, meist entspannter und in vielen Fällen
ehrlicher als früher.
Also, zaubert kraftvoll weiter, liebe Mütter, geniesst die
Zeit mit euren Kindern und ärgert euch nicht über den oft
fehlenden Einsatz mancher Väter. Denn die Erinnerungen an
die Weihnachtszeit sind für die Kinder unvergesslich, auch,
oder gerade weil sie weitestgehend nur von einem Elternteil
gestaltet werden.
3.3.2026: Scheidungskinder haben weniger
Nachwuchs
-- bei Männern -13%
-- bei Frauen -5%
https://science.orf.at/stories/3234450/
Scheidungskinder bekommen im Schnitt etwas weniger
Nachwuchs als andere Menschen. Bei Männern sei die Zahl
der Kinder um rund 13 Prozent reduziert, bei Frauen um
etwa fünf Prozent, so das Ergebnis einer aktuellen Studie
mit Daten von rund 1,75 Mio. Menschen, die 1970 bis 1980
in den Niederlanden geborenen wurden.
Hauptgrund sei die kürzere Dauer von Ehen und
Partnerschaften der Scheidungskinder, berichtet die Gruppe
um Silvia Palmaccio von der Bocconi-Universität in Mailand
im Journal „Demography“. Denn Geburten fänden typischerweise
innerhalb einer – ehelichen oder nichtehelichen –
Partnerschaft statt. Weitere Ergebnisse: Kinder aus
geschiedenen Familien bleiben im Schnitt etwas häufiger als
andere kinderlos. Bekamen sie Kinder, dann geschah das im
Mittel früher.
Der zentrale Mechanismus für die geringere Kinderzahl liegt
laut Studie darin, dass Scheidungskinder sich häufiger
trennen als andere Menschen und daher kürzere Ehen und
Partnerschaften haben. „Dies ist ein durchaus plausibler
Zusammenhang, der so meines Wissens noch nie gezeigt wurde“,
sagt Heike Trappe, Professorin für Soziologie und
Familiendemografie an der Universität Rostock. Sie war nicht
an der Studie beteiligt.
Das Team räumt ein, dass die Ergebnisse keinen kausalen
Zusammenhang zeigen. Offen bleibe daher, ob es die
elterliche Scheidung als solche sei, die das
Partnerschaftsverhalten und die Zahl der Nachkommen der
betroffenen Kinder beeinflusse, sagt Trappe. Ein Grund für
die häufigeren Trennungen könnten auch Werte und
Einstellungen aus der Herkunftsfamilie sein. „Die Studie ist
methodisch überzeugend und wissenschaftlich relevant“, sagt
auch Martin Bujard, Professor für Medizinische Soziologie
und Familiensoziologie an der Universität Heidelberg.
Sinkende Geburtenrate
Von den rund 1,75 Millionen analysierten Erwachsenen aus den
Niederlanden hatten rund 186.000 vor dem Alter von 18 Jahren
eine elterliche Scheidung erlebten. Dies sind knapp 11
Prozent. Das Forschungsteam hatte für die Studie Kovarianten
wie etwa die Anzahl der Geschwister oder das Wohnumfeld im
Alter von 11 Jahren berücksichtigt.
Frauen aus geschiedenen Familien bekamen nach den
Studiendaten ihr erstes Kind deutlich früher, und zwar um
0,75 Jahre. Bei Männern war der Effekt mit 0,30 Jahren
früherer Vaterschaft kleiner. Für Frauen zeigt die Studie
zudem einen Altersgradienten: Je später in der Kindheit die
Scheidung stattfand, desto später bekamen sie ihr erstes
Kind. Bei Männern sei dieses Muster schwächer und meist
nicht signifikant.
In den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl der Geburten in
nahezu allen europäischen und nordamerikanischen Ländern
unter das Bestandserhaltungsniveau gesunken, schreibt das
Team. „Die Kinderlosigkeit hat zugenommen, wobei viele
Menschen freiwillig kinderlos bleiben.“
Kürzere Ehe
Die Ehe von Kindern aus Scheidungsfamilien dauerte in der
Studie im Schnitt etwa ein Jahr kürzer als bei anderen
Menschen. Werde die verkürzte Dauer berücksichtigt,
verschwinde der Zusammenhang zwischen elterlicher Scheidung
und Zahl der Nachkommen bei Frauen weitgehend, schreibt das
Team. Bei Männern halbiere sie sich. Das Ergebnis lege nahe,
dass der Effekt elterlicher Scheidung auf die Fertilität
ihrer Kinder wesentlich von der verkürzten Ehedauer abhängt.
Zusatzanalysen zeigten nach Angaben des Teams, dass die
Ergebnisse auch für Kinder gelten können, die die Trennung
unverheirateter, zusammenlebender Eltern erleben. Dazu
wurden Daten von Paaren genutzt, die eine gemeinsame
Steuererklärung eingereicht oder einen speziellen Vertrag
zum Zusammenleben unterzeichnet hatten.
Die Gruppe nennt mehrere Einschränkungen der Studie: Der
Ansatz erlaube unter anderem keine Prüfung aller theoretisch
möglicher Erklärungen dafür, wie die elterliche Scheidung
die Einstellungen zu Familie und Ehe prägt. Die Analyse
beziehe sich auf die Niederlande – ein kleines Land mit
starkem Wohlfahrtssystem.
Ablauf der Trennung entscheidend
„Trennungen verlaufen höchst unterschiedlich und sind in
unterschiedlichem Ausmaß konfliktreich“, betont Bujard. So
gebe es Patchworkfamilien mit guter Kommunikation, aber auch
destruktive dauerhafte Konflikte zwischen den Eltern. „Daher
kann man davon ausgehen, dass Trennungen nicht pauschal mit
niedrigeren Kinderwünschen zusammenhängen.“ Es komme darauf
an, wie die Trennungen ablaufen. „Bei den Auswirkungen auf
den Kinderwunsch der Kinder sind die Art der Kommunikation
der Familie nach der Trennung sowie der Kontakt zu beiden
Elternteilen entscheidend.“
In der Studie wurde zwar nicht ausgewertet, inwieweit
elterliche Konflikte – sei es in verheirateten oder
geschiedenen Familien – die Kinder beeinflussen. Allgemein
zeige die Studienlage jedoch, „dass das Aufwachsen in einer
Familie, in der die Eltern zwar zusammenbleiben, aber ein
hohes Maß an Konflikten erleben, ebenfalls schädlich für
Kinder sein kann“, sagte Erstautorin Palmaccio der dpa. „Aus
diesem Grund wäre ich vorsichtig mit der Schlussfolgerung,
dass das Zusammenbleiben für ein konfliktreiches Paar
zwangsläufig vorteilhaft wäre, nur um die Wahrscheinlichkeit
zu erhöhen, mehr Enkelkinder zu bekommen.“
red, science.ORF.at/Agenturen