Fischfang. Meldungen (Teil 3)



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Fischfang. Meldungen (Teil 3)

Norwegen verbietet 8 genmanipulierte Pflanzen im Fischfutter der Fischfarmen -- Fischbestand retten: Nur 1x pro Monat Fisch essen -- Giftfisch wird normal -- Kriminelle EU fischt die Meere der "Entwicklungsländer" leer -- Fischfarmen mit Pestiziden zerstören das Meer -- Neue Meeres-Naturschutzgebiete in Chile -- Todeszone im Golf von Oman, wo kein Fisch schwimmt -- Alter Thunfisch wird frisch "angemalt" -- Zertifikate sind nutzlos, nichts wird eingehalten -- EU-Gericht befielt, Schleppnetze in Schutzzonen um Sylt zu erlauben --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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3.12.2014: Fischfarmen und Aquakulturen: Dioxine, Antibiotika und Soja im Futter - das provoziert die Abholzung des Regenwalds - Norwegen verbietet 8 genmanipulierte Pflanzen für Fischfutter

aus: Netzfrauen online; 3.12.2014;
http://netzfrauen.org/2014/12/03/norwegische-behoerden-verbieten-gm-fischfutter-wegen-antibiotika-resistenz-angst/#more-21207

<Norwegische Behörden verbieten GM-Fischfutter wegen Antibiotika-Resistenz-Angst>

<Massenwassertierhaltung und ihre Folgen

Weil die Gewässer fast leer geplündert sind, stillen Fischfarmen und Aquakulturen den zunehmenden Hunger auf Fisch. Lachse und Doraden, Karpfen, Pangasius, Muscheln oder Garnelen aus der Wassertierhaltung füllen längst die Kühlregale von Supermärkten und Gaststätten. Die freie Wildbahn haben sie nie erlebt. Sie werden gemästet wie Schweine.

Das Problem mit Aquakulturen

Aquakulturen, vor allem in Norwegen, tragen zur Vervielfachung der Produktion des Lachses bei.  Zuchtlachs jedoch weist alarmierende Schadstoffe, mindere Qualität und einen Fettanteil von 15 bis 34 Prozent auf. Selbst die schwedische Regierung warnt davor, Fettfische wie Lachse oder Heringe zu verzehren, da diese Schadstoffe im Fettgewerbe binden und Gifte mit sich tragen. Aufgrund des Dioxingehalts sollten sie vermieden werden. Sie können den Hormonhaushalt beeinflussen und Krebs verursachen.

Die Fischfütterung und ihre versteckten “Nebenwirkungen”

Wegen der Überfischung der Meere werden inzwischen ein Teil des tierischen Proteins im Fischfutter durch pflanzliche Proteine aus Soja, Kartoffeln, Raps oder Erbsen ersetzt.

Aber auch hier kommt das gleiche Problem wie schon in der Massentierhaltung von Geflügel, Schweinen oder Rindern zum Tragen. Vergleichbar mit der Intensivtierhaltung an Land stehen in der Aquakultur der hohe Flächenbedarf sowie der Einsatz von Agrarchemikalien für die Futtermittelproduktion in der Kritik. Vor allem für den Anbau von Soja sowie den Ausbau der Infrastruktur in den Produktionsländern, die hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent liegen, werden riesige Flächen an Regenwald abgeholzt.

Eine weitere Gefahr bei Fischfutter stellt der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) dar. Dies betrifft in der Aquakultur vor allem Soja und Raps. Soja wird hauptsächlich aus außereuropäischen Ländern wie Argentinien oder den USA importiert. Doch 99 Prozent der argentinischen sowie 90 Prozent der US-Sojabohnen sind genmanipuliert und wandern in europäische Futtermittel, somit auch ins Fischfutter.

Und ein weiteres Problem ist Antibiotika, wie in unserem Beitrag Antibiotika-Resistenzen eine zunehmende globale Gefahr beschrieben.

In Norwegen, und nicht nur dort, werden Antibiotika dem Futter beigemischt. Die Antibiotika-Resistenz ist bereits zu einem weltweiten Problem geworden. Für uns neu ist aber, dass dies bereits bei der Herstellung von genmanipuliertem Saatgut entstehen kann. Das wäre ein weiterer Grund, Genmanipuliertes zu meiden.

Norwegische Behörden verbieten GM Fischfutter wegen  Antibiotika-Resistenz-Angst

Alle vier großen norwegischen Fischfutter-Produzenten besitzen seit dem Jahr 2008 die Erlaubnis, in ihrem Futter auch gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe einzusetzen. Routinemäßig hätten Skretting, Ewos, Biomar und Polarfeed vor sechs Jahren bei der Norwegischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NFSA) eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von GMOs in ihrem Futter beantragt und würden diese jährlich verlängern lassen.

Damit dürften die Hersteller 19 verschiedene GM-Pflanzen einsetzen, darunter Mais, Soja und Rapssaat. Alle besitzen eine Sicherheitsbewertung und Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Doch inmitten zunehmender Probleme mit Antibiotika resistenten Infektionen hat Norwegen jetzt acht Sorten von genmanipuliertem Fischfutter verboten.

Die Sorge, dass Bakterien mit Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika in den Darm der Fische aufgenommen werden könnten und somit in die Nahrungskette gelangen, ist groß. Die Antibiotika resistenten Gene könnten aus dem jeweiligen Boden des Landes kommen, wo das genmanipulierte Getreide angebaut wurde. Eine Überlegung, der dringend nachgegangen werden müsste.

Auch heißt es in der Nachricht, dass Wissenschaftler zu wenig darüber wissen, in welchem ​​Umfang, und speziell in diesem Fall, welche Genen, die durch genetische Modifikation verändert wurden, eingesetzt werden. Wenn die Gene bereits während des Gentechnikverfahrens ein Bakterium besitzen, können sie sich schnell weiterverbreiten.

Dieses ist ein wichtiges Signal für die norwegischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die norwegischen Behörden haben wiederholt ihre Besorgnis über die Antibiotika resistenten Infektionen, die sich auch in Norwegen erhöhen wird, geäußert. Das Fischfutter für die Fischfarmen, welches bereits zugelassen wurde, wird verboten. 

Der norwegische Presseartikel berichtet ebenfalls über den Widerstand der Verbraucher gegen Fische, die mit Genmanipuliertem gefüttert werden. 

Anmerkung von unserer Netzfrau Birgit aus Chile: In Chile werden vermehrt von norwegischen Firmen Fischfarmen für Lachse betrieben. Der Grund sind die, im Gegensatz zu Norwegen, lascheren Umweltauflagen.

Netzfrauen Doro Schreier>

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Infosperber online, Logo

15.3.2017: Fischbestände retten: Nur 1mal pro MONAT Fisch essen (!)
Öko-Labels retten dezimierte Fischbestände nicht
http://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/MSC-Oko-Labels-retten-dezimierte-Fischbestande-nicht

<Billo Heinzpeter Studer / 15. Mrz 2017 - Die marktgängigen Fischarten sind auf einen Zehntel ihrer Bestände geschrumpft. Das verbreitete MSC-Label gerät unter Kritik.

Red. Billo Heinzpeter Studer ist Mitgründer und Präsident von «fair-fish international» und Co-Präsident von fair-fish Schweiz. Er ist einer der besten Kenner des Fischfangs und der Fisch-Labels. Er deckt im Folgenden auf sachliche Art Schwächen des verbreiteten MSC-Labels auf.

Auf den Weltmeeren fischten alle, wie es ihnen gerade passte. Bestände der kommerziell genutzten Fischarten sind in den letzten sechzig Jahren massiv dezimiert worden: auf ein Zehntel der einstigen Grösse. Dann traten Labels für nachhaltige Fischerei auf den Plan. Doch das ist noch nicht die Rettung.

Guter Anfang mit Langusten

Vor zwanzig Jahren hatten die weltgrösste Umweltorganisationen WWF und der damals weltgrösste Tiefkühlfischhändler Unilever das Label MSC gegründet, es steht für Marine Stewardship Council – Rat zur verantwortlichen Verwaltung der Meere. Ziel war es, Fischereien zu zertifizieren, die sich auf ein wissenschaftlich fundiertes Fischereimanagement verpflichten, um die Fischbestände zwar weiter zu nutzen, aber gleichzeitig zu schonen.

Ein anspruchsvolles, langwieriges und teures Zertifizierungsprogramm wurde auf die Beine gestellt. Es sieht im Prinzip vor, dass alle interessierten Kreise (Neudeutsch «stakeholder») in das Zertifizierungsverfahren einbezogen werden. Wenn also etwa die westaustralischen Langusten (Spiny lobster) das MSC-Label erhalten sollen, dann müssen nicht nur alle darauf spezialisierten Fischereien an Bord sein, sondern auch alle Regierungsstellen, Wissenschaftler, Umweltverbände, Tierschutzorganisationen et cetera, die sich in Westaustralien mit den Auswirkungen dieser Fischerei befassen. Dieses umfassende Verfahren soll sicherstellen, dass das Label MSC nur auf Produkten aus verantwortlichem Fang prangt. Soweit, so gut.

Einsprachen beim Start des Labels

Das Beispiel ist nicht zufällig gewählt. Die westaustralische Languste war eines der allerersten Produkte in der MSC-Pipeline. Die Zertifizierung war im Jahr 2000 abgeschlossen, das Produkt bei Migros und Coop bereits gelistet; die beiden Grossen hatten sich damals einen veritablen Endspurt darum geliefert, wer als erster Schweizer Detailhändler MSC-Produkte im Angebot haben werde. Da erhielt ich als Initiant des Vereins fair-fish einen verzweifelten Hilferuf von einer lokalen australischen Umweltorganisation, die entgegen der MSC-Richtlinien im Zertifizierungsverfahren nicht angehört worden war und Vorbehalte anmeldete. Wir alarmierten befreundete Schweizer Organisationen, der WWF äusserte Besorgnis und Migros wie Coop verzichteten vorübergehend auf die Langusten, bis die Einsprache geklärt sei. Noch war MSC neu auf dem Markt, noch ging man vorsichtig damit um.

MSC wurde zum Mass des guten Rufs – Gründung von FOS

Im November 2005 war ich nach Hamburg eingeladen zu einem Kongress über die «Ökozertifizierung von Fisch zum Schutz mariner Systeme», ausgerichtet vom damals grün regierten Bundesumweltamt zusammen mit der deutschen Fischbranche. Mir fiel vor allem eines auf: Keines der anwesenden Unternehmen hatte nicht wenigstens ein, zwei Fischprodukte mit dem ovalen blauen Logo im Angebot. Noblesse oblige: Nur fünf Jahre nach dem ersten Markauftritt war MSC offenbar für alle schon das Mass des guten Rufes. Meinen Begleiter Paolo Bray aus Milano liess das unbeeindruckt: «Da ist noch genügend Platz für uns», meinte er mit Blick auf sein eben erst gegründetes Label Friend of the Sea (FOS), mit dem er der Branche eine rasche und günstigere Zertifizierung ermöglichen wollte, ohne Abstriche am Ziel der Nachhaltigkeit.

Eingeschworene Anbieter

Als ich Bray zwei Jahre später wieder traf, war der Siegeszug von MSC auf dem deutschen Markt auch für ihn nicht mehr zu übersehen. Er bat mich, FOS gegenüber der Branche im deutschsprachigen Europa zu vertreten, und das hab ich bis vor einem Jahr nebenher gemacht (so viel zu meiner Interessenbindung). Keine leichte Aufgabe; denn inzwischen hatte eine starke Kampagne von WWF, Politik und Branchenführern kaum mehr eine Nische für Alternativen gelassen. Dabei hätte es für den Fischhandel durchaus Anlass gegeben, sich Alternativen offenzuhalten.

In Gesprächen mit Händlern in den vergangenen Jahren spürte ich immer wieder ein Unwohlsein darüber, dem MSC und dem WWF sozusagen ausgeliefert zu sein. «Was, wenn die mal fünf gerade sein lassen, und es kommt dann raus? Dann hätten wir in ein Programm investiert, das auf einen Schlag nichts mehr wert wäre.» FOS als zweites Bein, das hat manchem eingeleuchtet; doch das Marketing der ganz Grossen war auf MSC fixiert, da ging kein anderer Fischkopf dazwischen. Denn solange nichts passiert, läuft das Geschäft problemlos: Wenn der mitgliederstarke und in den Medien gut verankerte WWF etwas als gut bezeichnet, ist das schon das halbe Marketing.

Wenig transparentes MSC-Ratingverfahren

So konnte das FOS-Label, das in anderen Ländern gut vom Fleck kam, im deutschen Markt nur ausnahmsweise Fuss fassen; das gilt ähnlich für den von deutschen Anbietern dominierten österreichischen Markt. Anders in der Schweiz, wo sich Manor, der drittgrösste Fischdetailhändler, dezidiert für FOS und gegen WWF und MSC entschieden hatte. Die Mehrheit des Marktes gehört aber auch hier dem MSC, massiv unterstützt von der WWF Seafood Group, der wegen der publizistischen Macht des WWF binnen kurzer Zeit fast die ganze Branche angehörte. Die Mitglieder dieser Gruppe mussten nicht nur erhebliche Jahresbeiträge abliefern, sondern sich verpflichten, nur Fisch mit einem ausreichenden WWF-Rating einzukaufen. Das Rating-Verfahren selbst war nicht transparent; Ware mit MSC-Label passierte problemlos, während FOS-zertifizierte Ware vorzugsweise ungenügende Noten erhielt.

Kritik von Wissenschaftlern

Fischereibiologen, die das ambitiöse MSC-Programm zu Beginn begrüsst und unterstützt hatten, gingen zusehends auf Distanz. In Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften legten sie mehr als einmal dar, dass die hohen Ziele in der Praxis verwässert würden. Der MSC wurde den einmal geäusserten Verdacht nicht mehr los, es würden in der Praxis der Zertifizierung Kompromisse gemacht, um die rasch gestiegene Nachfrage nach zertifizierten Fischen zu decken – und um die vielen Angestellten von MSC und beauftragten Auditfirmen zu bezahlen. War der MSC zu Beginn von Stiftungen mit mehreren Millionen Euro pro Jahr unterstützt worden, haben mittlerweile Einnahmen aus Lizenzen das Übergewicht.

Wirksamer wären Fangquoten

Ein wesentlicher Teil der Kritik bezieht sich auf den Umstand, dass MSC auch Fischereien zertifiziert, die bereits überfischte Bestände ausbeuten. Der MSC macht zwar das Prinzip «Schützen beim Nutzen» geltend, es fehlen aber bis jetzt Belege, dass Bestände sich dank einer MSC-Zertifizierung erholt hätten. Die als Beispiel gern genannten, einst massiv überfischten Bestände des Seehechts (Hoki) in Neuseeland haben sich zwar tatsächlich wenige Jahre nach der Zertifizierung (2001) erholt, aber nach übereinstimmender Aussage von Fachleuten nicht dank MSC, sondern wegen der autonom von den nationalen Fischereibehörden durchgesetzten Senkungen der Fangquoten.

Sicherer wäre es jedenfalls, überfischte Bestände in Ruhe zu lassen, bis sie sich wieder erholt haben. Das wäre nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoller. Nach ein paar Jahren Fangpause, während der man die Fischer mit Krediten über Wasser hält, würden nämlich höhere Erträge bei geringerem Fangaufwand winken, so dass die Fischer die Kredite problemlos zurückzahlen könnten – ganz im Gegensatz zu den milliardenschweren Subventionen, die Jahr für Jahr verloren gingen für die Aufrüstung der überdimensionierten industriellen Fangflotte.

Labels konkurrieren

Im Gegensatz zum MSC zertifiziert das Label FOS prinzipiell keine überfischten Bestände und keine Fischerei mit zerstörerischen Grundschleppnetzen. Dafür kritisieren WWF und MSC, dass FOS einzelne Fischereien zertifiziert, ohne zu kontrollieren, wie sich benachbarte Fischereien im selben Meeresgebiet verhalten. Das trifft zu und ist einer der Hauptgründe dafür, weshalb eine FOS-Zertifizierung nur einen Viertel bis einen Achtel so lange dauert wie beim MSC und mindestens zwanzigmal weniger kostet.

FOS argumentiert, das pragmatischere Vorgehen bringe eine Fischerei rascher in die grüne Zone; benachbarte Fischereien würden dem Beispiel dann von selber folgen, wenn sie die wirtschaftlichen Vorteile sähen. Mit diesem Ansatz ist FOS vor allem in Fischereien stark, die unter der industrialisierten Konkurrenz leiden, bei handwerklichen Fischereien, vor allem auch im Weltsüden, wo der MSC trotz jahrelanger Bemühungen und viel Geld mit seinem akademischen Ansatz kaum etwas auf die Reihe gebracht hat.

MCS und FOS decken nur einen Fünftel der weltweiten Fangmenge ab

Das wesentlich billigere Verfahren bescherte FOS anfänglich den Vorwurf, ein nicht so seriöses Billiglabel zu sein. Inzwischen sind diese Stimmen verstummt. Benchmarking-Studien von WWF-unabhängigen Autoren zeigten wiederholt, dass FOS in seiner Nachhaltigkeitsleistung mit dem MSC mindestens gleichauf liegt. Die zertifizierten Mengen beider Label sind zudem ähnlich gross.

Ein Wettbewerb zwischen zwei verschiedenen Wegen zum gleichen Ziel ist eigentlich zu begrüssen: das gegenseitige Messen zwingt beide Seiten, sich zu verbessern. Es bleibt allerdings ein Rennen an der Spitze; MSC und FOS zusammen zertifizieren nur etwa einen Fünftel der weltweiten Fangmenge von jährlich 80 Millionen Tonnen.

Labels werden die Welt nicht retten. Im besten Fall weisen sie dem grossen Rest den nachzuahmenden Weg zur Rettung, im schlechteren Fall führen sie zu Enttäuschungen.

WWF behindert Alternativen

Während MSC-Mitbegründer Unilever vor gut zehn Jahren aus dem Fischgeschäft ausgestiegen ist, unterstützt der WWF sein einstiges Kind bis heute mit massiver Werbung, die den MSC in den Vordergrund schiebt – zum Beispiel mit Einkaufsratgebern, Lobbying bei Behörden wie in Deutschland oder mit Einkäuferdiktat wie in der Schweiz. Bei Kritik stellte sich der WWF bisher immer bedenkenlos vor «seinen» MSC. Bis vor Kurzem jedenfalls.

Selbstkritik im WWF

Im letzten November legte Alfred Schumm, Chef des WWF-Weltfischereiprogramms, einen schonungslosen internen Bericht über das Gebaren des MSC vor und warnte den WWF vor einem Glaubwürdigkeitsproblem. Schumm hatte eine Zertifizierung der Thunfischerei im Indischen Ozean unter die Lupe genommen. Sein Fazit: «Das MSC-Schema war kein akkurates Mittel zur Beurteilung der Nachhaltigkeit». Es sei daher, so Schumm, «zweifelhaft, ob das MSC-Schema für die Anwender einen widerspruchsfreien und transparenten Mechanismus bereitstellt, um die Art von Veränderung zu bewirken, die der WWF im Sinn hat». Die Untersuchung habe «einige beunruhigende systematische Schwachstellen des MSC-Schemas aufgedeckt, welche das Vertrauen des WWF in die Allgemeingültigkeit des MSC als Hebel für die Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Fischerei unterminieren». Es sei daher klar, «dass diese Art von grossem Engagement des WWF für das MSC-Label in einem schlechten ‹Preis-Leistungs-Verhältnis› zur Naturschutzwirkung steht».

Leck im System

Zum Glück ist dieser Bericht an die Öffentlichkeit durchgesickert. Jetzt muss der WWF handeln. Der Kieler Fischereibiologe und langjährige MSC-Kritiker Rainer Froese sagt es so: «Der Bericht passt zu meinen eigenen Erfahrungen, die ich bei wohl einem Dutzend Einwänden gegen MSC-Zertifizierungen gemacht habe, wegen fortgesetzten Überfischens, Beständen ausserhalb sicherer biologischer Grenzen oder fehlender Beurteilung des Fischereimanagements. Keiner meiner Einwände hat eine Zertifizierung gestoppt. Hoffen wir nun, dass dieser Druck seitens des WWF den MSC endlich dazu bringe, seine Regeln, seine Verfahren und seinen organisatorischen Aufbau zu ändern.»

Kommt der Druck jetzt tatsächlich vom WWF, und stellt sich die Organisation wirklich hinter Schumms Kritik? Die Zeichen sind noch widersprüchlich. Zwei Wochen nachdem der Bericht durchgesickert war, verkündete der WWF Schweiz die frohe Weihnachtsbotschaft, dass Migros und Coop es geschafft hätten, «nur noch Fisch aus nachhaltigen Quellen» anzubieten. Die Beurteilung stammt – von der WWF Seafood Group. Kein Wort des Zweifels, the show must go on.

Noch im vergangenen Sommer hatte ein Teamkollege von Schumm mir gegenüber die bessere WWF-Note für MSC damit gerechtfertigt, dass der FOS-Standard verschiedene für den WWF wichtige Punkte nicht abdecke. Über die beste Auswahl und Gewichtung von Kriterien kann man trefflich streiten, solang sie dann auch erfüllt werden. Jetzt aber geht es darum, für Ordnung zu sorgen – nicht nur zum Schutz von MSC und WWF, sondern im Interesse aller, die sich für eine schonende Fischerei engagieren. Der WWF ist verantwortlich dafür, ob sich in der Branche und bei den Konsumenten der Eindruck festsetzt, bei Labels werde sowieso nur Stroh gedroschen. Das wäre fatal.

Guter Rat ist gar nicht teuer

Und was sollen die besorgten Kunden nun tun? Das, was fair-fish schon lange empfiehlt: maximal einmal Fisch im Monat. Das lässt sich erstens viel leichter beurteilen als Labels, Fischratgeber und dergleichen. Und zweitens wirkt es sehr direkt im Meer. Nach Schätzungen unabhängiger Fischereibiologen muss der Fischereidruck für wenigstens ein paar Jahre um mindestens 50 Prozent gesenkt werden. Ein Fischereimanagement, das die Fangmengen nicht um die Hälfte reduziert, bis sich die Bestände voll erholt haben, wird nie zum Ziel führen können. Das heisst für uns als Konsumentinnen und Konsumenten: ein paar Jahre lang nur noch einmal im Monat Fisch essen.>

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14.4.2017: Giftfisch wird normal - z.B. durch Bomben, Munition, Chemiewaffen im Meer etc.
WIE CHEMIEWAFFEN DAS MEER VERSEUCHEN – Kampfstoff, frisch auf den Tisch – Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen aus Nord- und Ostsee können Menschen gefährlich werden
https://netzfrauen.org/2017/04/13/chemiewaffen/

Chronologie

<22. April 1915  Bei der 2. Flandernschlacht starten die Deutschen als erste Armee der Welt einen großangelegten Chemiewaffenangriff mit Chlorgas.

1917  Senfgas wird zum gefürchtetsten chemischen Kampfmittel.

2. Dezember 1943  Die größte Chemiekatastrophe der europäischen Geschichte: 105 Luftwaffenbomber versenken im italienischen Hafen Bari 27 amerikanische Schiffe, darunter die „John Harvey“, die eine geheime Fracht mit 2000 Senfgasbomben geladen hatte. Um den Deutschen keinen Anlass zur Propaganda zu bieten, verschweigen die Alliierten den Vorfall. So werden Hunderte italienische Zivilisten nicht behandelt und sind der Giftgaswolke hilflos ausgesetzt.

17. Juli – 2. August 1945  Bei der Potsdamer Konferenz beschließen die Alliierten, die verbleibenden Chemiewaffenvorräte ins Meer zu schütten – eine Lösung, die damals am einfachsten und sichersten schien. Man verteilt die chemischen Substanzen im japanischen Meer, im indischen Ozean, in der Nord- und Ostsee, im Nordatlantik, vor der französischen Côte d’Azur und vor den Küsten der USA und Kanada.

1970  Einstellung der Verklappung von Chemiewaffen im Meer.

1972  Der amerikanische Kongress verbietet mit einem Gesetz die Versenkung von Chemiewaffen im Meer.

13. Januar 1993  130 Staaten unterzeichnen in Paris die Chemiewaffenkonvention, welche die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz von Chemiewaffen verbietet und die sofortige Vernichtung aller verbleibenden Vorräte vorschreibt. Sie tritt am 29. April 1997 in Kraft.

2005  Bei den Bauarbeiten zur Nord-Stream-Pipeline stößt man auf Chemiewaffenreste in der Ostsee.

11. Oktober 2013  Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen erhält den Friedensnobelpreis. Unter der Aufsicht der 1997 gegründeten OPCW vernichtet man insgesamt 80 % der deklarierten Chemikalien (rund 60 000 Tonnen) und knapp 60 % der 8 Milliarden Tonnen Munition.

12. Dezember 2013  Die UNO bestätigt den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Die Syrien-Resolution sieht vor, bis zum 30. Juni 2014 alle syrischen Chemiewaffen zu vernichten.

2017  Das Staatsgeheimnis zur Versenkung von Chemiewaffen in Großbritannien und den USA wird aufgehoben.

Da fragen wir uns als Menschen dieser Erde, warum ein Staatsgeheimnis? Es geht doch schließlich um unser aller Leben?!

Am 19. 11. 2013 berichtete die „New York Times“ darüber. Die OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen) bestätigte, dass die syrischen Kampfstoffe und Chemikalien für die Produktion von C-Waffen in internationalen Gewässern entsorgt werden können.

Was unsere Weltmeere aushalten müssen, darüber berichteten wir in dem Artikel: WELTMEERE ALS MÜLLHALDE.>


<Sollten Sie noch Fisch verzehren, dann beachten Sie, dass die Gefahr zunimmt, Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen zu verzehren. In den Weltmeeren tickt eine Zeitbombe: Die Armeen der Weltmächte versenkten zwischen 1917 und 1970 systematisch über eine Million Tonnen Chemiewaffen aus den beiden Weltkriegen in den Ozeanen, in Seen und im Erdboden.

Die in der Nord-und Ostsee versenkte Munition rostet seit Jahren vor sich hin. In der Nord- und Ostsee liegen seit 70 Jahren Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Jahrzehntelang hat sich niemand darum gekümmert. Die Bomben im Meer zu belassen birgt viele Risiken.

Die Bomben, die auf dem Meeresgrund liegen, bergen nicht nur die Gefahr, dass sie unkontrolliert explodieren könnten. Mit der Zeit werden Giftstoffe aus der versenkten Munition freigesetzt. Da die Bomben durch den ständigen Kontakt mit Wasser korrodieren, sind sie eine wachsende Gefahr ungewissem Ausmaßes.

Wir berichteten bereits mehrfach darüber. Es ist ein Problem, über das nicht oft genug berichtet werden kann, denn schließlich geht es um unsere Gesundheit.

Was macht man mit Giftmüll? Er wird vergraben, verschifft oder einfach im Meer verklappt. Hauptsache weg! Ein großer Müllskandal erschüttert Italien. Wir berichteten im Februar 2017 davon, dass freigegebene Dokumente bestätigen, dass auch das Mittelmeer ein Friedhof von gefährlichen und radioaktiven Abfällen ist. 61 Dokumente belegen den internationalen Handel mit toxischen und radioaktiven Abfällen. Nicht nur Taiwan ist betroffen, wie die jetzt veröffentlichen Dokumente zeigen. Die Schiffe der Gifte – Italienischer Geschäftsmann versenkt Nordkoreas nuklearen Abfall im Meer vor Taiwan – Italian businessman dumped North Korean nuclear waste in ocean near Taiwan

Auch in deutschen Meeresgewässern sieht es nicht besser aus. Hier befinden sich noch 1,6 Millionen Tonnen an konventioneller Munition, davon sind 300 000 Tonnen in der Ostsee und der Rest in der Nordsee. Es ist eine enorme Menge an Munition, die auf dem Meeresboden vor sich hin rostet. Eine grundsätzliche Lösung des Problems durch die Ostsee-Staaten ist noch immer nicht in Sicht. Und nicht nur die Nord- und die Ostsee sind betroffen, wie der folgende Beitrag zeigt:

WIE CHEMIEWAFFEN DAS MEER VERSEUCHEN

„Das Risiko, mit Kampf­stof­fen belas­te­ten Fisch auf den Tel­ler zu bekom­men, wird in naher Zukunft zuneh­men – es ist schon heute nicht gleich Null“. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Unter­su­chung, die der ange­se­hene Koblen­zer Experte Dr. Ste­fan Neh­ring in der Aus­gabe der Zeit­schrift WATERKANT ver­öf­fent­lichte.

Nach­drück­lich warnt er, es sei „nur eine Frage der Zeit, wann die knapp eine Mil­lion Ton­nen Kampf­stoffe & Co. aus ver­senk­ter Muni­tion auch über die Nah­rungs­kette auf unse­ren Tischen“ lan­de­ten. Abschät­zun­gen hät­ten erge­ben, dass der Höhe­punkt der Frei­set­zungs­wel­len erst in eini­gen Jahr­zehn­ten zu erwar­ten sei. „Die Zeit drängt“, mahnt der Experte abschlie­ßend, denn „je stär­ker die Metall­hülle wegros­tet, desto schwie­ri­ger wird das Fin­den und Ber­gen der gif­ti­gen Inhaltsstoffe“.

Schaut man heute auf aktuelle deutsche Seekarten, findet man über 30 große Flächen in direkter Küstennähe, die mit dem eindeutigen Hinweis „Unrein (Munition)“ ausgewiesen sind. Berechnungen ergaben, dass dort noch mindestens 500 000 t konventionelle Weltkriegsmunition auf und im Sediment lagern.

MILITÄRISCHE ALTLASTEN

Mehr als 60 Teilnehmer aus Politik, Industrie, Fachbehörden, Wirtschaft und Naturschutz trafen sich 2013 und diskutierten über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, potentielle Gefahren für Mensch und Umwelt, nationale und internationale Initiativen und das Für und Wider von Unterwassersprengungen zur Munitionsräumung. Die Experten waren sich einig: Altmunition im Meer ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die die gemeinsame Anstrengung von Politik, Behörden und zivilgesellschaftlicher Interessengruppen verlangt. Doch immer noch kämpft man um die entsprechenden Mittel.

Gefahr durch Phosphor

Unter den Munitionsresten sind ebenfalls Brandbomben vertreten. Diese bestehen zum größten Teil aus Phosphor. Dieser ist unbegrenzt im Meer beständig, weil er sich nicht abbaut. Besonders der weiße Phosphor, welcher als Wirkmittel in Brandmunition verwendet wurde, ist gefährlich, da er die reaktivste Form des elementaren Phosphors ist. Phosphor tritt in Brockenform aus den korrodierten Bomben aus. Dies ist eine große Gefahr für den Menschen, da das Aussehen der Brocken bernsteinähnlich ist. Durch Wind und Strömungen werden die Brocken an den Strand geschwemmt. Das Bernsteinsammeln ist vor allem bei Touristen sehr beliebt. Es gab schon einige Vorfälle in den letzten Jahren, bei denen Touristen einen vermeintlichen Bernstein in die Hosentasche steckten. Sie waren sich nicht der Verwechslungsgefahr bewusst, denn bei diesen „Bernsteinstücken“ handelte es sich um Phosphorbrocken, die durch die Strömungen angespült worden waren. Die Brocken trockneten in der Hosentasche und entzündeten sich. Dadurch erlitten diese Menschen teilweise schwere Verbrennungen.

Besonders im Bereich von Usedom gibt es häufiger Vorfälle mit Phosphor. Aber auch an vielen Stränden Schleswig-Holsteins wurde Phosphor nachgewiesen. Da Phosphor nicht offiziell als Kampfmittel gilt, wird die Anzahl der Phosphorvorfälle in Deutschland nicht erfasst.

Nicht nur Phosphor hat heutzutage enorme Auswirkungen auf Mensch, Natur und Tier. In den Resten der Munition lagern verschiedene Giftstoffe wie zum Beispiel Senfgas, Phosgen oder Sarin. Diese werden mit der Zeit freigelegt.


Atommüll in Nord- und Ostsee

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch sehr viel Atommüll im Meer entsorgt. Die Auswirkungen davon spürt man nun heute. Die Fischer stellen häufig fest, dass in belasteten Seegebieten bei Fischen häufig Mutationen auftreten, die auf eine Verseuchung mit Plutonium hindeuten. 2010 entnahm man Wasserproben aus dem Meer. Plutonium 238, 239 und 240 sowie Americium 24 und Kohlenstoff 14 wurden nachgewiesen. Das bedeutet, dass die Fässer mit radioaktivem Müll nicht dicht waren oder bereits korrodiert sind.

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume entnahm Sedimentproben im Wasser und kam zu dem Entschluss, dass die Sprengstoffreste keine Gefahr für die Umwelt seien. Allerdings sind die Umweltverbände ganz anderer Meinung, denn die Proben wurden außerhalb der Versenkungsgebiete durchgeführt.

Dazu eine Studie: Ökotoxikologisches Gefahrenpotential durch sprengstofftypische Verbindungen und Tabun aus Munitionsaltlasten in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee  Erstellt von: Arbeitsgemeinschaft „Rüstungsaltlasten im Meer“
„Das Thema „Munition im Meer“ ist nicht auf Deutschland allein beschränkt – sondern es ist ein weltweites Problem.“

Die Munition finde sich in jedem Ozean der Welt genauso wie in vielen Binnenmeeren, sagt der kanadische Munitionsspezialist Terrance Long. Der Militäringenieur hat viele Jahre überall auf der Welt Minen entschärft. Heute leitet er die Nichtregierungsorganisation „International Dialogue on Underwater Munitions„, die sich für international verbindliche Verträge zur Bergung der versenkten Munition einsetzt. Seinen Recherchen zufolge liegen in den Ozeanen der Welt Millionen von Tonnen chemischer Kampfstoffe und Dutzende Millionen Tonnen konventioneller Munition.

„Die Munition liegt im Mittelmeer, sie liegt im Roten Meer, im Schwarzen Meer, in der Ostsee und in der Nordsee, im Nordatlantik, im Atlantischen Ozean, im Pazifik. Allein an der Ostküste Kanadas haben wir 3000 Versenkungsgebiete. In einem davon lagern 80 000 Tonnen Munition – und das mitten in einem unserer reichsten Fischfanggebiete.“


Ein Warnung kommt ebenfalls aus Kanada

„Mein Name ist Albert Marshall und ich gehöre zum Elch-Clan. Ich stamme aus Mi’kmaqi im Mi’kmaq-Territory. Alle Ureinwohner sind im Rhythmus der Natur dem Weg des Wilds gefolgt. Sie überwinterten im Landesinneren, und sobald es wärmer wurde, zogen sie an die Küste. Hierher zu den Bras d’Or Lakes oder an den Atlantik. Sie lebten vom Meer und all dem, was die Natur ihnen schenkte.

Bras d’Or Lakes ist ein idealer Lebensraum für ungefähr 20 verschiedene Arten. Sie nutzen den See als Laich- und Aufzuchtsgebiet.

Während des Krieges wurden unzählige Bomben in den Bras d’Or Lakes versenkt. Erst von Terry Long erfuhr ich, was diese Bomben enthielten. Denn wir beobachteten immer wieder ungewöhnliche Veränderungen bei den Tieren im Wasser. Möglicherweise in Folge der hohen Blei- oder Arsenkonzentration. Vielleicht ist das die Ursache für die ungewöhnlichen Läsionen .

Ich glaube, Nova Scotia hat die höchste Krebsrate im ganzen Land. Das alles deutet daraufhin, dass hier etwas in der Umwelt ist, das unser Leben verkürzt. Ich selbst hatte 6 oder 7 nahe Verwandte, die an verschiedenen Arten von Krebs gestorben sind. Und auch jetzt wieder liegt eine Enkelin von mir im Kinderkrankenhaus von Halifax – mit Krebs. Bras d’Or Lakes war so lange Zeit eine Lebensader für unser Volk und ist es noch für 10 000-20 000 Menschen rund um die Seen.

Wir müssen dafür sorgen, dass auch unsere zukünftigen Generationen noch davon profitieren können, so wie wir heute. Es ist so leicht, die Beziehung zur Natur zu verlieren.

Wir müssen uns ihr wieder zuwenden und demütig bekennen, dass wir nicht über ihr stehen.

Wir haben sie so sehr und so schnell zerstört, dass ihr keine Zeit blieb zur Selbstheilung. Deshalb müssen wir ihr mit unseren Mitteln, mit unserer Wissenschaft dabei helfen. Ich denke, das liegt auf der Hand. Wenn wir nicht schnell handeln, wird die Natur es uns verübeln und mit einem Schlag die gesamte Menschheit auslöschen

Im Namen der Hüter des Geistes unserer Ahnen danke ich Ihnen, dass Sie uns Gelegenheit gegeben haben, Einiges über uns zu erzählen. Ich sage Wela’lin, Danke”.

„Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder,“ betete Elder Albert Marshall. Er ist vom Moose Clan vom Volk der Mi’kmaw Nation.

Diese Szene aus der Dokumentation „VERSENKTES GIFT“ auf ARTE hat uns sehr berührt. Es sollte uns daran erinnern, dass nichts in Ordnung ist, denn unter Wasser tickt eine Zeitbombe und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Bomben einen großen Schaden anrichten, wenn es nicht schon geschehen ist.

Die Armeen der Weltmächte versenkten zwischen 1917 und 1970 systematisch über eine Million Tonnen Chemiewaffen aus den beiden Weltkriegen in den Ozeanen, in Seen und im Erdboden. Keiner weiß mehr, wo sich diese „Gifte“ befinden. Die chemische Verseuchung mit bisher kaum abschätzbaren gesundheitlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.

Im Laufe der Zeit treten diese tödlichen Gifte ins Wasser aus, bedrohen Fischer, Badende, Meerestiere und das gesamte Ökosystem. Wie groß sind die Gefahren tatsächlich? Wie kann es gelingen, die tödliche Altlast loszuwerden? Wer sich diese Dokumentation anschaut, wird sich fragen, ob diese Welt überhaupt noch zu retten ist.

Chemiewaffen enthalten viele hochgiftige Stoffe. Die meisten von ihnen sind als Gase oder Aerosole in Bomben vorhanden oder werden von Spezialflugzeugen als Pulver abgeworfen. 

Die häufigsten Chemikalien:  Senfgas, Chlorgas, Tabun und noch weitere Chemiewaffen:

Arsen oder Arsenwasserstoff

Dieses farblose Giftgas ist schwerer als Luft und wurde von der deutschen Armee zusammen mit anderen Gasen in chemischen Bomben während des Ersten Weltkriegs eingesetzt. Seine Sprühpartikel sind so winzig, dass sie die Gasmasken durchdrangen und bei den Soldaten Husten, Niesen und Erbrechen hervorriefen. Wenn sie die Maske abnahmen, atmeten sie dann die anderen giftigen Gase ein, die bei der Explosion der Bombe freigeworden waren. Bei ihrer Zersetzung auf dem Meeresgrund geben diese Chemiewaffen hochgiftiges anorganisches Arsen frei.

Sarin

Sarin wurde 1939 von drei deutschen Wissenschaftlern entdeckt, die eigentlich nach neuen Pestiziden forschten. Das farb- und geruchlose und leichtflüchtige Gas ist schon in geringen Dosen hochgiftig für Mensch und Tier.

Das Staatsgeheimnis zur Versenkung von Chemiewaffen in Großbritannien und den USA wird 2017 aufgehoben.

Da fragen wir uns als Mensch endieser Erde: Warum ein Staatsgeheimnis?! Es geht doch schließlich um unser aller Leben?!

Chemiewaffen verseuchen das Meer. Unabhängige Forscher stellten zum Beispiel fest, dass sich das Erbgut von Fischen in der Adria und in der Ostsee verändert hat. Noch wird dieses Thema von der EU ignoriert.

Das Thema ist noch lange nicht vom Tisch: Das Giftgas aus nach dem Zweiten Weltkrieg im Meer versenkten Kampfstoffen gefährdet nicht nur Tiere und Pflanzen in Nord- und Ostsee, sondern kann über Fische auch für Menschen gefährlich werden.

Davor warnt der Umweltbiologe Stefan Nehring, der sich seit Jahren mit Munitions-Altlasten in den Meeren beschäftigt. Er veröffentlichte hierzu einen Artikel in der Fachzeitschrift Waterkant. Die Gefahr durch Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen nehme zu, warnt Nehring in der SHZ. Die etwa vor Helgoland sowie in und vor der Flensburger Förde versenkte Munition rostet seit Jahren vor sich hin. In den tickenden Zeitbomben lagern Millionen Tonnen Kampfstoffe auf dem Meeresgrund. „Zur Mitte des Jahrhunderts werden die Hüllen durchgerostet sein, die giftigen Stoffe werden freigesetzt“, so Nehring. Noch sei es also möglich, die Altlasten zu bergen. Aber: „Die Zeit drängt. Je stärker die Metallhülle wegrostet, desto schwieriger wird das Finden und Bergen der giftigen Inhaltsstoffe.“

Fazit:

Die SchülerInnen der RBZ-Wirtschaft Kiel Klasse BG11G Profil Wirtschaft und Meer haben sich mit dem Thema in einer Projektwoche auseinandergesetzt. Sie kamen zu diesem Fazit, das wir besser nicht hätten ausdrücken können:

Die Bedrohung durch im Meer versenkte Munition wurde erst erkannt, als der Krieg lange vorbei war, und daher wird uns die Beseitigung der Munition in der Nord- und Ostsee noch einige Jahre begleiten.

Durch die Leichtsinnigkeit der damaligen Kriegsbeteiligten haben wir nun mit einem Problem zu kämpfen, dass nur schwer zu lösen ist.

Die heutige Technik ist für die vollständige Entsorgung der Bomben nicht weit genug entwickelt. Deshalb wird es noch zahlreiche Vorfälle im Bezug auf Munitionsreste im Meer geben, die dramatische Folgen für die Menschen sowie für die Tierwelt haben können. Dies beeinflusst auch unsere Wirtschaft und wir sind der Meinung, dass nun mehr Geld investiert werden muss, um die Bomben zu beseitigen. Außerdem denken wir, dass die Länder, die am Krieg in Deutschland und vor allem über und auf der Nord- und Ostsee beteiligt waren, die endgültige Entsorgung der Munitionsreste mit finanziellen Mitteln unterstützen sollten, da auch sie damals ohne Rücksicht viel Munition in unseren Meeren versenkten.

Außerdem sollte die Bevölkerung weiterhin aufgeklärt werden, wie zum Beispiel durch einen Flyer. Nur so kann die Gefahr, durch Munitionsreste verletzt zu werden, minimiert werden, bis eine Lösung für die Entsorgung dieser gefunden wurde.

„Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder.“ Elder Albert Marshall is from the Moose Clan vom Volk der Mi’kmaw Nation

Es ist an der Zeit, dass die Fakten an die Öffentlichkeit kommen.

Netzfrau Doro Schreier>

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12.6.2017: Kriminelle EU fischt die Meere der Entwicklungsländer leer
Der große Fischzug
https://www.heise.de/tp/features/Der-grosse-Fischzug-3718149.html

<EIRADO DO COSTAL im Heimathafen von Cangas. Der spanische Trawler fischt unter anderem im Rahmen des FPAs mit Grönland, das eine gewisse Sonderstellung einnimmt: ein Teil der innerhalb des Abkommens zugestandenen Quote nutzt die EU als Tauschobjekt, um den Zugang zu Fischgründen vor Norwegen und den Färöer-Inseln zu sichern.

Von den Besonderheiten der EU-Fischerei außerhalb ihrer eigenen Gewässer

Während die Europäische Union in den Gewässern der Gemeinschaft offiziell darauf bedacht ist, die durch Überfischung beeinträchtigte eigene Meeresfauna wiederherzustellen, gehen ihre potentesten Fischereifahrzeuge auf Fangfahrten in andere Erdteile, um die Versorgung Europas mit essbaren Meerestieren sicherzustellen. Ein wesentlicher Anteil dieser Fänge entstammt partnerschaftlichen Fischereiabkommen der Europäischen Union mit Entwicklungsländern. In den Abkommen gewinnt der Fang tropischer Thunfische ständig an Bedeutung.

Als das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen 1982 in Kraft trat und immer mehr Küstenanlieger in der Folge die Souveränität über ihre auf nun 200-Seemeilen ausgeweitete ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) beanspruchten, kamen 90% der Fischbestände der Welt unter Kontrolle der Küstenstaaten. Fangflotten ferner Länder, die bisher hier fischten, waren nun gezwungen, mit den Anrainern in Verhandlungen um Zugangsrechte zu treten. Das galt auch für europäische Boote, die seit dem Aufkommen der Fischdampfer zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderem vor Afrika fischten. Europäischen Fangflotten fingen zwischen 1970 und 1980 allein vor Westafrika im Schnitt drei Millionen Tonnen jährlich.

Die Versorgung des europäischen Marktes wird heute durch EU-eigene Fänge, Aquakultur und Importe sichergestellt - nach Angaben der EU für die Jahre 2008 - 2012 mit einer Selbstversorgungsquote von 45%. Bei Fischereiprodukten hat das Handelsdefizit der EU 2015 mit 17.8 Milliarden Euro einen historischen Rekordwert erreicht. Heute stammen mehr als 70% der in der EU konsumierten Meereslebewesen aus Gewässern außerhalb der Union, oftmals aus denen von Entwicklungsländern.

Während die EU versucht, die Fauna der eigenen, als größtenteils überfischt geltenden Territorialgewässer wiederzubeleben, exportiert sie den Fischereidruck in andere Teile der Welt: durch bilaterale (oder neuer: partnerschaftliche) Fischereiabkommen zwischen der EU und Küstenanrainern (FPA - Fisheries Partnership Agreement), bei Fanggebieten auf hoher See durch Erwerb von Fischereirechten bei der jeweils zuständigen Regionalen Organisation für das Fischereimanagement, oder durch private Vereinbarungen zwischen Firmen der EU und Drittstaaten. Von Letzteren ist relativ wenig bekannt.

Aus den anfänglichen bilateralen Fischereiabkommen wie etwa mit dem Senegal (1979) oder Guinea-Bissau (1980) wurden mit der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik von 2002 partnerschaftliche Fischereiabkommen. 2011 wurde eine Menschenrechtsklausel eingearbeitet. Die Reform von 2014 fügte schließlich noch den Zusatz "nachhaltig" hinzu.

Etwa die Hälfte der von EU-Fischereifahrzeugen in der Ferne gefangenen Fische ist partnerschaftlichen Fischereiabkommen zu verdanken. Der Begriff FPA suggeriert eine gewisse Nähe zu den Freihandelsabkommen der EU mit Entwicklungsländern (EPA - Economic Partnership Agreement). Nicht von ungefähr, denn auch bei den FPAs geht es um die Sicherung des Zugangs zu Ressourcen, im konkreten Fall: zum Fisch.

Operieren EU-Fischereifahrzeuge außerhalb der gemeinschaftlichen Gewässer, benötigen sie im Rahmen der europäischen Fischerei-Autorisierungsverordnung eine Lizenz. Die Verordnung gilt hinsichtlich privater Fischerei-Abkommen als wenig transparent. Über die Anzahl europäischer Fischereifahrzeuge, die in ihrer Summe die Fernflotte bilden, gibt es unterschiedlichen Definitionen geschuldete, voneinander mitunter stark abweichende Angaben.

Zahlen der Europäischen Kommission gehen für 2013 beispielsweise von 298 Fischereifahrzeugen (länger als 24 Meter) in der Fernflotte aus. Gleichzeitig rät sie, das damit verbundene Zahlenmaterial mit Vorsicht zu genießen, da die Verfügbarkeit von Daten begrenzt sei, auch aufgrund von eingebauten Vertraulichkeitsklauseln. Wirtschaftlich sensible Daten werden geschützt, indem Boote in Datensammlungen vernachlässigt werden oder in anderen Flottensegmenten zusammengefasst auftauchen.

Diese Fernflotte hat einen Anteil von 15% am europäischen Gesamtfang von fast fünf Millionen Tonnen pro Jahr. 6000 europäische Fischer haben hier Arbeit, das sind 4% aller in der Fischerei Beschäftigten. Der Teil der EU-Fernflotte, der sich im Rahmen von FPAs auf Fangreisen befindet, wurde von der Europäischen Kommission für 2014 auf 245 Fischereifahrzeuge beziffert. Und obwohl dieses Flottensegment weniger als ein Prozent des Bootsbestands der europäischen Fischereiflotte ausmacht, vereint es hinsichtlich seiner Fangkapazität mit 18 % der Bruttoraumzahl und 7 % der Maschinenleistung Europas leistungsfähigste Fangschiffe.

Die 2015 von der Environmental Justice Foundation (EJF), Oceana und dem WWF ins Netz gestellte Datenbank "Who fishes far" will zu mehr Transparenz in der Fernfischerei beitragen. Sie listet unter anderem 22085 EU-Fischereifahrzeuge aller Größen auf, die zwischen 2008 und 2015 zum Fischen in den Außengewässern autorisiert waren.

Die EU-Kommission vermengt die Daten noch in einer weiteren Kategorie, die der "anderen Fischereiregionen". Hier sind die Fernflotten zusammengefasst, die die offene See befischen, im Rahmen von bilateralen Abkommen unterwegs sind oder in den sieben "EU-Außengebieten" arbeiten. Zu letzteren zählen die Gewässer der französischen Übersee-Departments, der Kanarischen Inseln sowie die der Azoren und Madeira.

Spanien hält rund zwei Drittel aller EU-Lizenzen zum Fernfischen. 2.724 spanische Boote waren 2013 in den "anderen Fischereiregionen" tätig, darunter 110 Fischereifahrzeuge länger als 40 Meter, die das einträglichste Segment bilden - vor allem die großen Thun-Ringwadenfänger und Grundschleppnetz-Trawler. Im gleichen Jahr gingen den 16.400 Fischern der spanischen Auslands-Armada in "anderen Fischereiregionen" der Welt über 753.000 Tonnen Meerestiere ins Netz, geschätzter Wert: 1.6 Milliarden Euro.>

Teil 2: <Der Dreh mit dem Überschuss>

https://www.heise.de/tp/features/Der-grosse-Fischzug-3718149.html?seite=2

<EU-Boote sollen im Rahmen der Verträge überschüssige Fischbestände in den ausschließlichen Wirtschaftszonen der Zielländer nachhaltig befischen. Die Auslegung des Begriffs "Überschuss" im Zusammenhang mit dem 1995 im FAO-Verhaltenskodex für eine verantwortungsvolle Fischerei niedergeschriebenen Vorsorgeansatz, der bei dürftiger Datenlage zu einer vorsichtigen Befischung der Bestände rät, ist umstritten. Der "Überschuss" beschreibt eine im Falle der Nichtbefischung durch das Partnerland ungenutzt im Meer verbleibende Menge an Fisch. Er ist die Differenz aus dem durch die technischen Unzulänglichkeiten der Flotte des jeweiligen Küstenstaates nicht erreichbaren maximal nachhaltigen Ertrags - oft eine unbekannte Größe - und der tatsächlich angelandeten Fischmenge, die vielerorts aufgrund bewusster Falschmeldungen ebenfalls nicht genau bekannt ist.

Gemäß des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen sind Küstenstaaten angehalten, diesen Überschuss im Rahmen von Zugangsabkommen anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. Zwar kann das Gastland die einheimische Wirtschaft und Regionalinteressen bei der Lizenzvergabe bevorzugen, nur geschieht das höchst selten in Ländern, die auf den Einstrom von Devisen angewiesen sind, um ihre Auslandsschulden zu bedienen.

Im gleichen Übereinkommen werden die jeweiligen Küstenstaaten in die Pflicht genommen, die Menge des Überschusses festzustellen. Doch oft sind sie dazu nicht in der Lage. Meist fehlen Informationen über den Fischereiaufwand der inländischen oder anderer ausländischer Fangflotten im Gebiet. Außerdem sind die Bestände weit wandernder Arten innerhalb einer gegebenen ausschließlichen Wirtschaftszone schwierig zu bestimmen.

Die Partnerstaaten bevorzugen oftmals kurzfristige Geldschübe aus Zugangsabkommen, deren Gebühren auf Basis der Einkünfte der ausländischen Flotten verhandelt werden und nicht anhand von nachhaltigen Fangquoten, die häufig unbekannt sind. Der überwiegende Teil der partnerschaftlichen Fischereiabkommen erwähnt keine Quoten, sondern nur "Referenz-Grenzen", deren Überschreitung durch zusätzliche Zahlungen ausgeglichen werden können. Sie haben keinen Bezug zu üblichen Kriterien des Bestand-Managements, wie der maximal nachhaltige Ertrag oder der Zustand eines Bestands. Das Vorgehen wird mit dem Mangel an Daten gerechtfertigt.

Die Geschichte der Fischerei in Afrika ist keine homogene. Während einige Länder auf eine langjährige Tradition verweisen können wie der Senegal, hat dieser Erwerbszweig in anderen Ländern wiederum eine relativ junge Geschichte, wie in Mauretanien oder Somalia.

In Westafrika macht die Fischerei 20% des primären Sektors aus. Sie ist hauptsächlich im Fischereihandwerk angesiedelt. Die hier Arbeit haben, können sich auch andere Nahrungsmittel leisten, solange ihre Fischerei einträglich bleibt.

Die übermäßige Befischung der Fischbestände bedroht die Sicherstellung der Ernährung in den Gastländern, wie Kritiker immer wieder anmerken. Die steigenden subventionsgestützten Exporte oft höherwertiger Arten verknappt das Fischangebot vor Ort. Für die Bevölkerung bleibt dann nur der Griff zu kleinen pelagischen Arten.

[Neue, afrikanische Fischer fischen zusätzlich das Meer leer]

Viele Bewohner von Teilen Afrikas südlich der Sahara haben aufgrund wiederkehrender Dürreperioden [durch HAARP-Terror der NWO in London] Land- und Weidewirtschaft aufgegeben und drängen zur Küste, wo sie ihr Auskommen unter anderem als Fischer suchen - mit der Folge, dass der Fischereidruck auf bereits überfischte Arten weiter zunimmt, und mit der Gefahr, dass auch die Fischerei für viele als Einkommensquelle versiegen könnte.

[Afrikanische Regierungen verkaufen Fischereirechte an die EU - am afrikanischen Volk vorbei - Fischfabriken in Afrika müssen schliessen]

In Ländern, in denen das Fischereihandwerk traditionell ein wichtiger Erwerbszweig ist, können Alleingänge der Regierung beim Verkauf von Fischereirechten an ausländische Flotten zu politischen Unruhen führen. Wie 2012 im Senegal, als die Bevölkerung auf die Straße ging und ein Ende der Plünderung der Fischgründe des Landes einforderte. Der damalige Präsident Wade hatte gerade weitere Fanglizenzen an ausländische Trawler verkauft und verlor nun die Präsidentschaftswahl. Seit 2000 hatten die Fischer ein alarmierendes Schwinden ihrer Fischbestände vor ihrer Küste festgestellt, viele Fischfabriken mussten schließen .

[EU-Fischer-Piraten zerstören afrikanische Fischerausrüstungen - afrikanische Piraterie ist absehbar]

Überfischung wird mittlerweile als dringender Motivationsgrund für Migration diskutiert. Sie soll beispielsweise 2006 ein Auslöser der Flüchtlingskrise auf den Kanaren gewesen sein, als zehntausende Afrikaner vom Kontinent per "Pirogen-Wanderung" auf die Inseln kamen. Eine weitere Folge: Das Ausbleiben ihrer Fänge und die oft mutwillige Zerstörung ihrer Fanggeschirre durch in Küstennähe fischende ausländische Fangflotten können die Fischer vor Ort in ein anderes Geschäftsmodell treiben: in die Piraterie.>


Teil 3: Weniger Trawlfischerei, mehr reine Thunfisch-Abkommen

https://www.heise.de/tp/features/Der-grosse-Fischzug-3718149.html?seite=3

<Der größte Teil der partnerschaftlichen Fischereiabkommen ist mittlerweile auf eins der lukrativsten Lebewesen des Planeten ausgerichtet: den Thunfisch. Gegenwärtig sind zwölf FPAs in Kraft, acht davon sind reine Thunfisch-Abkommen (Kapverdische Inseln, Elfenbeinküste, Liberia, São Tomé und Príncipe, Madagaskar, Senegal, Seychellen und die Cook-Inseln). Der Löwenanteil geht an die großen Ringwadenfänger aus Spanien und Frankreich. Zielarten sind hauptsächlich Echter Bonito, Gelbflossen-Thun and Großaugen-Thun. Zudem ist eine größere Anzahl kleinerer Langleinen-Booten am Fang beteiligt.

[Immer noch Schleppnetzfischerei - täglicher Fischraub, sonst lohnt sich der Trawler nicht ]

In den sogenannten "gemischten Abkommen" sind Anteile für die Schleppnetzfischerei vorgesehen - mit insgesamt rückläufiger Tendenz. Es bleibt dennoch Platz für große pelagische Trawler, etwa für den größten deutschen Hecktrawler HELEN MARY, der über die Tochterfirma Oderbank Hochseefischerei zum holländischen Fischerei-Imperium Parlevliet & Van der Plas gehört und in der Vergangenheit über partnerschaftliche Fischereiabkommen Zugangsrechte unter anderem zu marokkanischen Gewässern bekam. Um die Betriebskosten dieser Supertrawler zu decken, müssen sie ständig unterwegs sein. Die Abkommen sind wichtige Bausteine, die ihrer terminlichen Auslastung über das Jahr entgegenkommen.

[Fischtrawler OHNE Flagge im Besitz von Briefkastenfirmen, die von der EU aus gesteuert sind]

Die Zielarten der Grundschleppnetzfischerei werden nun vermehrt durch die Küstenstaaten selber befischt, wenigstens theoretisch. Vor Mauretanien beispielsweise ist der Krakenfang nur noch für die einheimische Trawl-Flotte erlaubt - die nun aus umgeflaggten chinesischen und europäischen Trawlern besteht: Schlupflöcher, die einer Auslagerung des ursprünglich andernorts zu reduzierenden Fischereiaufwands in Entwicklungsländer gleichkommen. Dabei bedeutet das Ausflaggen nicht automatisch, dass die Schiffe in illegale Aktivitäten verstrickt oder etwa nicht seetüchtig sind. Doch es erschwert die Nachverfolgbarkeit, denn viele der Boote sind im Besitz von Briefkastenfirmen, deren Verbindungen mit dem tatsächlichen Eigner absichtlich im Dunkeln gehalten werden. In der Folge können die in Wirklichkeit existierenden Flotten eines Landes um einiges größer sein als die Zahlen nahelegen, die in den Statistiken auftauchen.

[Kriminelle EU will auch Meer von Mosambik bis Kenia leerfischen]

Die nachhaltig-partnerschaftlichen Fischereiabkommen und die jeweiligen jährlichen finanziellen Gegenleistungen der EU (die Verträge mit Gabun und den Komoren liefen 2016 aus, der mit Mauritius Anfang 2017 - dieses FPA "ruhen"). Weitere Abkommen ruhen, wie das mit Mosambik (Ein Jahrhundertauftrag). Die EU ist bestrebt, das FPA-Netzwerk auszuweiten, so kamen zum Beispiel jüngst die Cook-Inseln hinzu. Europäische Bootseigner haben ihr Interesse für ähnliche Abkommen mit Angola, Sierra Leone, Guinea-Conakry, Tansania und Kenia angemeldet. Die Anzahl in Kraft gesetzter Abkommen schwankt seit den 1990er Jahren zwischen 12 und 16.>

Teil 4: "Value for money": Angemessene Gegenleistungen?

https://www.heise.de/tp/features/Der-grosse-Fischzug-3718149.html?seite=4

<Die finanzielle Gegenleistung der EU fließt einerseits in den Erwerb der Zugangsrechte zu den ausschließlichen Wirtschaftszonen der Partnerländer und andererseits in Zuwendungen, die auf eine Entwicklung des Fischereisektors vor Ort abzielen. Die Zahlungen sind dabei von Land zu Land durchaus unterschiedlich - je nach Vertragsvolumen und Verhandlungsposition des jeweiligen Partners. In Afrika geht ein Großteil an Marokko und Mauretanien.

Der Hauptanteil des im Rahmen von partnerschaftlichen Fischereiabkommen gefangenen Fisches wird in Europa angelandet, obwohl in den Verträgen meist Klauseln enthalten sind, die verstärkte Anlandungen auf den Märkten der Partnerländer vorsehen. Viele Regierungen vor Ort vernachlässigen jedoch den Ausbau einheimischer Fischereiunternehmen, die sich der Verarbeitung und Vermarktung des Fangs widmen und dadurch seinen Wert um ca. 40% steigern könnten. Hier sollen "sektorenbezogene" Zuwendungen positive Anreize schaffen. Doch oft ist der Endverbleib von Teilen der an die Partner überwiesenen EU-Mittel nicht vollständig nachvollziehbar - umso weniger, je korrupter es in einem Lande zugeht.

[Auch China will afrikanische Meere leerfischen]

Auch andere Interessenten versuchen, im Rahmen von Verträgen ihren Zugang zu afrikanischen Gewässern auszubauen. Das wachsende Engagement Chinas blieb in Europa nicht unbemerkt. Für die Zukunft zeichnet ein sich vor Ort verschärfender Wettbewerb ab, um die gleiche und beschränkte Ressource: der Fischreichtum vor den Küsten von Drittstaaten.

[Geschönte Zahlen - dramatischer Fischraub]

Rekonstruierte Fangdaten für 2000 - 2010 legen nahe, dass der offiziell angegebene jährliche Fang vor Westafrika mit 29% (EU) und 8% (China) nur einen Bruchteil des tatsächlichen Werts betragen - mit ernsthaften Auswirkungen auf den Zustand der befischten kommerziellen Bestände und der Gesundheit der betroffenen Ökosysteme als Ganzes. Nach offiziellen Zahlen bezahlt die EU ein Viertel des Werts des vor Westafrika gefangenen Fisches an die Vertragspartner. Bezieht man die rekonstruierten Fangdaten ein, sind es nur noch 8%.

[EU-Steuerzahler zahlen für Fischereirechte 75% UND für Fischpreise 100%]

Und ein weiterer Aspekt ist in der Bilanz zu beachten: Der europäische Steuerzahler kommt zu schätzungsweise 75% des jährlichen Gesamtwerts der FPAs von 180 Millionen Euro auf. Das kommt einer Subventionierung von EU-Fischereikapazitäten in ausländischen Gewässern gleich. So soll die Versorgung Europas sichergestellt werden. Der europäische Konsument zahlt dabei zweimal: wenn der Fisch gefangen wird, und dann noch einmal, an der Ladentheke. Die verbleibenden 25% stellen den Beitrag der Industrie am Erwerb der Zugangsrechte dar, die konservativ geschätzten 1.5% des Werts der angelandeten Fänge entsprechen. Das erscheint bisweilen selbst Branchenvertretern recht wenig. Michel Goujon, Direktor der französischen Thunfisch-Produzentenvereinigung Orthongel, sprach sich 2013 für maßvollere 5 - 7% aus.

Das wirft Fragen nach gerechten Zugangsgebühren, verschleierten Flottensubventionen und der Ernsthaftigkeit der verkündeten Entwicklungsziele der EU auf, die eigentlich vorteilhafte Verträge für alle Partner propagieren und nicht die einseitige Kanalisierung von Gewinnen zum Wohle privater Interessen. Kritiker führen an, dass mit partnerschaftlichen Fischereiabkommen die Armen bestohlen würden, um die Reichen zu ernähren.

Der Europäische Rechnungshof sieht das nüchterner und fordert ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, denn für ihn sind die partnerschaftlichen Fischereiabkommen vor allem eins: pures Geschäft.>

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10.11.2017: Sackgasse Fischfarm: Afrika zerstört seinen Fischbestand mit Fischzuchten
Wie Aquakultur die heimischen Fischarten Afrikas bedroht – How Aquaculture Is Threatening the Native Fish Species of Africa
https://netzfrauen.org/2017/11/10/53598/

"Weltweit investieren Investoren und Konzerne in den Ausbau der Fisch- und Meerestierzüchtung, denn der steigende Konsum verheißt gute Geschäfte.

Durch die fortschreitende Überfischung werden globale Fischvorkommen immer kleiner. Da der Fischkonsum stetig steigt, wird in Aquakulturen oder Aquafarming investiert. Die Folge ist, dass Umwelt und Fischbestände noch stärker gefährdet sind. Es ist ein Teufelskreis, denn die Aquakultur wird mit westlichen Investitionen gerne damit begründet, dass die Armen dieser Welt so auch mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. Fisch ist für viele arme Menschen ein wichtiger Nährstofflieferant, so die FAO. Dass die Vorkommen schwinden, stürzt Millionen von Menschen, die von der Fischerei leben, in die Armut. Doch genau die Aquakultur sorgt dafür, dass der natürliche Nährstofflieferant Fisch verschwindet und die Menschen in Armut gestürzt werden. 

Auch die zur KfW Bankengruppe gehörende Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG investiert in den Aquakultur-Sektor. Und große Investoren haben erkannt, dass sich mit tierischen Proteinen aus der Aquakultur viel Geld verdienen lässt. Doch wer hätte vermutet, dass gerade in dem trockenen Afrika in Aquakulturen investiert wird?

Und wie immer wollen westliche Investoren und Konzerne daran partizipieren. Für ein Vorhaben zur Förderung der Aquakultur als Wirtschaftszweig in Sambia wurde bei der Afrikanischen Entwicklungsbank (BAD) ein Darlehen in Höhe von rd. 45 Mio. US$ beantragt. Es hat u. a. die Diversifizierung der Wirtschaft, die Verbesserung der Ernährungssicherung und die nachhaltige Schaffung von Beschäftigung und Einkommen zum Ziel. Im Juni 2017 gab die französische Entwicklungsagentur Agence Française de Développement (AFD) bekannt, dass sie ein Entwicklungsvorhaben in Benin unterstützt. Es beinhaltet u. a. die Entwicklung der Aquakultur bzw. Fischzucht.

Welche Folgen Aquakultur hat, darüber haben wir Sie mehrfach in unserem Beiträgen informiert. Und wenn man die negativen Folgen nicht gerade im eigenen Land haben möchte, unterstützt man finanziell die armen Länder. So unterstützt die Europäische Kommission Myanmar mit 20 Millionen Euro für die  Förderung der Aquakultur.

Wir haben für Sie einen aktuellen Beitrag von Adam Welz aus dem Yale Environment 360 übersetzt, der beschreibt, welche Folgen die Aquakultur in Afrika hat.

Wie Aquakultur die heimischen Fischarten Afrikas bedroht

Afrika setzt schon lange Auf Aquakultur, um die Ernährung für die schnell wachsende Bevölkerung zu unterstützen, aber Wissenschaftler warnen davor, dass eine weitere Initiative für Aquakultur invasive Arten einführt, die solche Naturjuwelen wie den Lake Malawi oder das Okawango-Delta zu Grunde richten könnten.
1995 importierte Adrian Piers, ein altgedienter Berater für Aquakultur, eine Ladung australischer Rotscherenkrebse in die kleine afrikanische Monarchie Swasiland. Er begann mit der Aufzucht der  blau-grünen Krustentiere – deren Männchen rote Streifen auf ihren Scheren haben und die etwas mehr als ein Pfund wiegen können – in Teichen, die er von einem Anwesen für Zuckeranbau. Bald konnte er diese bei Köchen im benachbarten Südafrika vermarkten, die nach französischer Art kochen.

2001 beendete er diese Aktion in Swasiland auf Grund zu geringen Umsatzes und transportierte einige seiner Flusskrebse etwa 1200 km nach Norden in sein Heimatland Sambia. Piers brachte sie vorübergehend bei der Kafue-Fischerei unter, der kommerziellen Farm eines Freundes, während er nach einer permanenten Unterbringung für sie suchte. „Leider war er nicht so vertraut mit den Krebsen, sodass sie entweichen konnten. Die Krebse wurden sehr bald im nahegelegenen Kafue River gefunden, wo sie sich stark vermehrt hatten, ebenso ich Wasserwegen in der Nähe seiner früheren Farm in Swasiland, und das, obwohl er seine Teiche ausgetrocknet hatte, bevor er das Anwesen verließ. Irgendjemand (Piers nennt seinen Namen nicht) setzte heimlich einige im Lake Kariba frei, dem großen künstlichen See zwischen Sambia und Simbabwe, wo sie sich stark vermehren.

Piers betreibt keine Aquakultur des roten Scherenkrebses mehr – tatsächlich scheint niemand in Afrika dies mehr gewerbsmäßig zu tun – aber diese Spezies breitet sich rasch im ganzen südlichen Teil des Kontinents aus, von Swasiland aus in benachbarte Gebiete Südafrikas und Mosamibks, durch das System des Kafue River, den mächtigen Sambesi hinauf und herunter und bis nach Namibia und Simbabwe. Biologen befürchten jetzt, dass die invasive Spezies das berühmten Okawango-Delta erreichen und das ökologische System des Wildtierparadieses von Botswana stören könnte, auf das sich eine wirtschaftlich wichtige Ökotourismusindustrie stützt.

Afrikas schnell wachsende Bevölkerung erfordert immer noch mehr Fisch. Da die meisten Wildfischbestände des Kontinents vollkommen ausgebeutet sind, sehen Investoren in der Aquakultur eine neue Chance. Viele, die Fischfarmen propagieren und fördern, lernen nicht aus den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit und führen potenziell schädliche Spezies in große Wassersysteme, oft ohne eingehende vorherige Untersuchung, ohne Kontrolle seitens der Regierungen oder sogar ohne vernünftige Planung der Projekte. Das Problem der invasiven Wasserlebewesen in Afrika ist zu wenig erforscht und genau diese Spezies bedrohen jetzt die Ökosysteme von Naturjuwelen wie der Malawi-See.

Fischfarmen wurden in ganz Afrika während der Kolonisierung durch Europa gefördert, weil sie als Mittel zur Beseitigung der Armut galten.

Lake Malawi, einer der Seen des riesigen afrikanischen Grabenbruchs, wird oft auch „Süßwasser-Galapagos-Inseln“ genannt wegen seiner Hunderte endemischer Buntbarsche, die bahnbrechende Erkenntnisse über die Evolution ermöglicht haben und über die Anpassungsweise der Spezies an verschiedene Umweltbedingungen. Wissenschaftler berichten von einem Betreiber eines kleineren Unternehmens, der ganz offensichtlich einen invasiven Aquakulturfisch, den Nil-Buntbarsches, in den See eingeführt innerhalb des vergangenen Jahres. Diese Fische könnten sich mit ökologisch und wirtschaftlich wichtigen eingeborenen Buntbarscharten kreuzen und eventuell das Aussterben vieler anderer endemischer Fischarten bewirken.

Menschen versuchen seit langem, afrikanische Fischereien zu „verbessern“, indem sie neue Arten aus anderen Gebieten des Kontinents und aus aller Welt „importieren“, sagt Peter Britz, Aquakulturexperte der Rhodes University Südafrika. Er sagt, dass Fishfarming in ganz Afrika während der Kolonialzeit aus „ideologischen“ Gründen gefördert wurde, weil man glaubte, dass dies die Armut mindern könnte. Viele solcher Projekte scheiterten, weil sie nicht produktiv genug waren, nicht zur jeweiligen Kultur der Menschen passten oder keine Märkte fanden. Dennoch unterstützten Sponsoren der postkolonialen Zeit ungeeignete Aquakultur noch Jahre, nachdem deren Probleme offensichtlich geworden waren.

„Der Gedanke, den Ärmsten der Armen zu helfen, ist so verlockend, dass die Ergebnisse oft ignoriert wurden“, so Britz. Aquakultur erzeugte auch ökologische Probleme. Das Paradebeispiel für aquakultur-induzierte invasive Arten ist der Nil-Barsch, ein sehr großer Fisch in Nordafrika, dessen „Invasion“ in den Victoriasee in den 1950er-Jahren Hunderte endemische Arten des Buntbarsches aussterben ließ. Nilbarsche sind gefräßige Raubfische und sie vernichteten viele der viel kleineren eingeborenen fische des Sees. Auf diese Weise wurden das Nahrungsnetz nivelliert und Hunderte traditionelle Fischereien am Seeufer ruiniert.

Der indigene Fisch wurde traditionell in der Sonne getrocknet; die großen fetten Nilbarsche müssen über Holz geräuchert werden, was zu Abholzung führte, nachdem die Fischer herausgefunden hatten, wie man diese massigen Neuankömmlinge fängt, ohne das Fischereinetz zu zerstören.

Räuberische Barsch- und Forellenarten, die durch Angler während der Kolonialzeit von der nördlichen Hemisphäre nach Südafrika gebracht worden waren, vernichten immer noch eingeborene Fischarten in vielen Flüssen. Asiatische Karpfen wurden in Gewässer Südafrikas eingeführt und wie Adrian Piers haben Fischfarmer ebenso mit Wirbellosen experimentiert wie mit dem Flusskrebs.

Viele Süßwasser-Flusskrebsarten vermehren sich schnell, sie sind gefräßige Allesfresser, die sowohl Pflanzen als auch Tiere fressen, egal ob lebend oder tot. Darum sind sie hochwirksame Eindringlinge die Struktur und Funktion des Ökosystems verändern. Afrika besitzt keine eingeborenen Flusskrebse und daher auch keine Räuber, die deren Bestände in Schach halten können.

1970 wurde der amerikanische Sumpf-Flusskrebs in den Lake Naivasha in Kenia eingelassen. Die Krebse vermehrten sich rasch und verwandelten den einst klaren See in ein trübes Gewässer durch das Abtöten zahlloser Wasserpflanzen.

Die Auswirkungen der australischen roten Scherenkrebse, die Piers und andere vor kurzem nach Afrika brachten, stehen weiterhin nicht im Fokus wissenschaftlichen Interesses; Den Forschern fehlen Gelder, sogar für die routinemäßige Überwachung ihrer schnellen Ausbreitung. Ein Wissenschaftler fand heraus, dass eingeborene Raubfische kleine Flusskrebse im Kafue River fraßen und vielleicht von ihnen profitieren können, aber einige Fischer aus Sambia sagen, dass einige native Fischarten selten geworden sind seit der Invasion der roten Scherenkrebse. Sie haben den Verdacht, dass Flusskrebse Fischeier fressen oder auf andere Weise das Ökosystem verändern. Rote Scherenkrebse vergreifen sich oft an gefangenen Fischen in Fischernetzen, was einige Stammesführer in Sambia dazu brachte, formal dagegen bei der Regierung zu protestieren.

Biologen machen sich Sorgen wegen der Ausbreitung des invasiven roten Scherenkrebses im Okawango-Delta […] im Norden Botswanas. Die Krebse befinden sich jetzt im Oberlauf eines vorübergehenden natürlichen Wasserkanals, der das System des Sambesi mit dem Delta in Jahren mit reichlichem Niederschlag verbindet, und nun bewegen sie sich stromabwärts. Das Delta, das gebildet wurde, wo der Okawango-Fluss in die sandige Savanne der Kalahari mündet, wurde in Hunderten von Dokumentarfilmen präsentiert und es beherbergt weltweit einige der ersten Hütten [für Touristen, die Wildtiere beobachten wollen.] Der Fluss überflutet das Delta jedes Jahr, wobei eingetrocknete Wasserläufe wiederbelebt werden, die dann Nahrung für Millionen von Fischen und Fröschen bereithalten, die wiederum Beutetiere für zahlreiche Vögel und Säugetiere sind. Zurzeit ist es [noch] frei von invasiven Wasserspezies.

Mike Murray-Hudson, Sumpfgebiet-Ökologe des Okavango Research Institute, sagt, Detritivore – das sind Organismen, die zerfallende Strukturen wie z. B. tote Blätter aufbrechen – seien unterrepräsentiert. Der rote Scherenkrebs ist so einer. Im Detritus des Okawango befindet sich ein großer Vorrat an [organischer] Kohle, weil er sich sehr langsam zersetzt, sagt er, „und wir wollen keinen Beschleuniger [für diesen Vorgang] in dem System“. Andere Biologen befürchten, dass der rote Scherenkrebs auf Grund seines Allesfresser-Status‘ Fische und Eier der Amphibien fressen und die Wasservegetation [dort] zerstören wird.

Murray-Hudson sagt, trotz des Risikos mache niemand konkrete Pläne, um den Flusskrebs dem Delta fernzuhalten. „Es ist das Übliche“, sagt er. „Wir haben nicht genügend Leute und Geld, und ich befürchte, dass es erst einer Krise bedarf, bevor wir uns zusammensetzen, um etwas dagegen zu tun“.

Afrikas Aquakultur-Industrie wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren expandieren, sagt Britz von der Rhodes University, der eine neue, profitorientierte Ära durch neue private Geschäfte heraufziehen sieht. Eine Studie der Weltbank von 2013 schätzt, dass Afrika südlich der Sahara bis 2030 Ein „Fisch-Defizit“ von mehr als 1,8 Millionen Tonnen haben wird. Dieses [Defizit] wird durch Importe (hauptsächlich aus Asien) und Aquakultur vor Ort überbrückt werden. Teure Nischenprodukte wie der rote Scherenkrebs werden Afrikas Appetit auf billiges Protein stillen. Hier werden Spezies wie der Nilbarsch, das „Brathähnchen der Fische“ gefragt sein.

Der Nilbarsch, so wie das in Uganda gefangene 80-kg-Exemplar, vernichtete eingeborene Spezies im Victoriasee nach seiner Einführung in den 1950er-Jahren.
Der Nil-Buntbarsch, Oreochromis niloticus, ist eine vollkommen andere – und viel kleinere – Spezies als der Nil-Barsch, Lates niloticus. Jedoch werden beide in Aquakulturen aufgezogen und beide haben als [durch den Menschen] eingeführte Art zur Störung des Ökosystems im Victoriasee und anderswo beigetragen.

Der Nil-Buntbarsch, der natürlicherweise in einem breiten Streifen Nordafrikas vorkommt, wurde zuerst vor 3000 Jahren durch die alten Ägypter kultiviert. Viele andere Buntbarscharten kommen in verschiedenen Teilen Afrikas vor. Viele von ihnen sind traditionelle Speisefische und einige von ihnen wurden in Aquakultur verwendet. Jedoch haben Fischzüchter (viele aus Asien) in den vergangenen Jahrzehnten Fisch den Nil-Buntbarsch nicht mehr verwendet und stattdessen eine beträchtliche Menge an Sorten und Kreuzungen gezüchtet. Die Umwelt-Auswirkung des Nil-Buntbarsch wird als zur gering angesehen, weil moderne Züchtungen eine extrem günstige Nahrungsverwertung zeigen: Die Produktion von einem kg Aquakultur-Nil-Buntbarsch erfordert nur 1,5 kg Nahrungspellets, von dem nur 2-3 Prozent aus Fischmehl bestehen, sagt Britz. [Der Fisch] gedeiht schnell und kommt [auch] mit ungünstigen Bedingungen klar.

Gewerbsmäßige Aquakulturen in großem Stil sind in vielen afrikanischen Staaten profitabel, [daher] sind ausländische Firmen bestrebt, weiter zu investieren.

Entwicklungsagenturen fördern auf aggressive Weise moderne Zuchtformen des Nil-Buntbarsches zu Ungunsten nativer Spezies. Auf diese Weise wird der Fisch regelrecht in neue Gebiete des Kontinents eingeführt, wo er – in angemessen temperiertem Wasser – sich als Eindringlich erster Klasse vermehrt. Er dominiert nicht nur die Futterressourcen und ändert das aquatische Ökosystem auf Kosten anderer Fischarten, sondern er „kontaminiert“ auch den Genpool der anderen Buntbarscharten, indem er sich mit ihnen kreuzt. Dadurch werden diese letztendlich ausgelöscht. Wissenschaftler nennen das Hybride Introgression

[…]

So ist z. B. der Kariba-Buntbarsch,  Oreochromis mortimeri, endemisch im mittleren Lauf des Sambesi. 2007 wurde er als sehr gefährdet auf die Rote Liste der bedrohten Arten durch die IUCN gesetzt. weil seine Population in den zehn Jahren davor um 80 Prozent zurückgegangen war. Schuld daran war der eingeführte Nil-Buntbarsch, der ihn vertrieb und sich mit ihm vermischte. Einige Fischkundler und Fischer halten ihn inzwischen für möglicherweise ausgestorben, aber dies konnte noch nicht bestätigt werden. Ironischerweise befürchten Fischfarmer, dass wilde Populationen des Nil-Buntbarsches durch invasive, in Gefangenschaft gezüchtete Arten ausgelöscht werden könnten. dadurch würde das „Rohmaterial“ zerstört, aus dem diese Super-Fische einst gezüchtet wurden.  Martin Genner, Fischkundler der Universität Bristol mit ausgedehnten Erfahrungen in Afrika, sagt, seine Forschung zeige, dass es in Tansania 3keinerlei Beweise gebe, dass der Nil-Buntbarsch schneller wachsen oder ein günstigerer Futterverwerter sein wird als örtliche Fischarten, wenn sie unter denselben Bedingungen gehalten werden“, dass aber „jeder die Illusion hat, ihre Probleme könnten [einfach] durch eine andere Fischspezies gelöst werden“,

Wie kann verhindert werden, dass lokale Spezies durch den eingeführten Nil-Buntbarsch überwältigt werden?

Naturschützer befürworten Refugien, die per Gesetz und durch physikalische Barrieren geschützt werden; So könnte das Quellgebiet eines Flusses zur Tabuzone für den Nil-Buntbarsch erklärt werden. auch könnten Wehre gebaut werden, die die eingeführten Fische daran hindern, stromaufwärts zu schwimmen. Kritiker sagen jedoch, es bedürfe nur einer einzigen skrupellosen Person mit einem Eimer, um Gesetze und Barrieren nutzlos zu machen. „Reine“ Wild-Buntbarsche könnten auch außerhalb ihres natürlichen Bereichs in Einrichtungen gehalten werden, aber solche Populationen überleben oft nicht und viele könnten im Anpassungsprozess an ihre neue Umgebung in Gefangenschaft nützliche wilde Gene einbüßen. Das Entfernen von Nil-Buntbarschen und anderen aquatischen Eindringlingen aus großen Wassersystemen ist praktisch unmöglich – verfügbare Fischgifte sind nicht spezifisch und vernichten auch Fische und Amphibien, auf die man es nicht abgesehen hat.

Ist der Verlust der natürlichen aquatischen Biodiversität der unvermeidbare Preis für die Versorgung der wachsenden Bevölkerung Afrikas mit leistbarem Protein? Vielleicht, aber dieser Preis ist sehr hoch.

Adam Welz ist ein südafrikanischer Schriftsteller, Fotograf und Filmemacher aus Kapstadt. Seine Arbeit beinhaltet einen preisgekrönten über exzentrische Vogelbeobachter in New York City und Exposés zu Umweltverbrechen im ganzen Süden Afrikas. […]

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17.3.2018: Neue Meeres-Naturschutzgebiete mit Fischfangverboten in Chile
Gracias Presidenta Michelle! Chile schafft fünf neue Meeresschutzgebiete und fünf riesige Nationalparks in der atemberaubenden Patagonischen Region – Chile creates five new marine protected areas and 10 million acres of new national parks
https://netzfrauen.org/2018/03/17/chile-2/

<Bevor Chiles Präsidentin Michelle Bachelet ihr Amt abgibt, hat sie ein Dekret unterzeichnet, das die Schaffung eines Netzes von Nationalparks in Patagonien und den Schutz von Meeresgebieten in verschiedenen Gebieten des südamerikanischen Landes vorsieht. Die industrielle Fischerei wird in diesen Zonen verboten. Große Fischereien aus China waren besonders in der Gegend um die Osterinsel und um die Juan-Fernandez-Inseln herum aktiv. Der größte Teil der Fischerei galt dem Hummer, der nach China exportiert wurde.

Ihr riesiges Naturschutzerbe umfasst jetzt 14 neue Meeresschutzgebiete, davon acht Meeresparks und sechs Küstengebiete. Während ihrer vierjährigen Amtszeit wurden rund 1,3 Millionen Quadratkilometer (509 000 Quadratmeilen) Schutzgebiete geschaffen. Bereits letztes Jahr sorgte Chile für positive Schlagzeilen, nachdem im südlichen Pazifik ein 11 000 Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet geschaffen wurde. Jetzt endet Michelle Bachelets Amtzeit als Präsidentin.

Chile schafft fünf neue Meeresschutzgebiete

Es betrifft die Gebiete des Juan-Fernández-Archipels, der Diego-Ramirez-Inseln, Rapa Nui, Seno Almirantazgo und Tortel, die insgesamt acht Meeresparks und sechs Küsten-Meeresgebiete mit 42,4 Prozent umfassen.

Die industrielle Fischerei wird in diesen Zonen verboten.

Siehe auch: Notstand im Süden Chiles durch gigantisches Fischsterben – Fischer machen Lachsfarmen dafür verantwortlich – gewaltsame Proteste

Das Gebiet von Rapa Nui umfasst allein 720 000 Quadratkilometer, in denen mindestens 142 Arten von Meerestieren leben. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht.

Im vergangenen Monat erweiterte Michelle Bachelet den geschützten Park in der atemberaubenden patagonischen Region des Landes, um das Erbe des verstorbenen amerikanischen Philanthropen Douglas Tompkins zu schützen, der das Label North Face gründete.

Bevor Michelle Bachhelet ihrem Nachfolger, Sebastián Piñera das Amt überlässt, hat Chile fünf weitläufige Nationalparks geschaffen, um weite Teile Patagoniens zu erhalten. Der US-Philanthrop Doug Tompkins, ehemaliger Geschäftsführer der Outdoor-Firma Patagonia, übergab Chile 1 Mio. Acres, um neue Nationalparks zu schaffen. Die chilenische Regierung stellte den Rest in staatlich kontrolliertem Land zur Verfügung. Doug Tompkins starb 2015 bei einem Kajakunfall in Chile.

1989 verkaufte Doug Tompkins seine Anteile an Esprit für 250 Millionen Dollar an seine Frau, von der er sich getrennt hatte, und zog nach Chile. Dort erwarb er in Patagonien riesige Gebiete, um Nationalparks zu schaffen. Er stieg damit zum größten Privatgrundbesitzer in Chile auf. 1991 kaufte Douglas Tompkins die Reñihué-Ranch in der Absicht, das mit Regenwald bewachsene Gelände zu schützen. In den Folgejahren erwarb er mit der US-amerikanischen Umweltstiftung The Conservation Land Trust weitere zusammenhängende Flächen.Tompkins war seit 1993 in zweiter Ehe mit Kristine McDivitt, Ex-Chefin der Bekleidungsmarke Patagonia, verheiratet. Er und Kristine McDivitt Tompkins hatten Chile eine Million Hektar privates Land gespendet, das größte in Südamerika.

„Es ist eine Einladung, sich andere Formen vorzustellen, um unser Land zu nutzen. Natürliche Ressourcen so zu nutzen, dass sie nicht zerstört werden. Nachhaltige Entwicklung – die einzige profitable Wirtschaftsentwicklung auf lange Sicht. „, so Michelle Bachhelet.


Bis heute hat die Tompkins Conservation etwa zwei Millionen Hektar Land für Naturschutzzwecke gespendet und zusammen mit Regierungen und anderen Partnern rund 13 Millionen Hektar insgesamt geschützt. Die Tompkins Conservation ist auch führend auf dem amerikanischen Kontinent, in dem, was als „Wiederaufbau“ bekannt ist, die Wiederherstellung der natürlichen Ökosysteme und die Wiedereinführung von Wildtieren, die aus einer Region wegen menschlichen Aktionen verschwunden sind.

Bereits letztes Jahr machte Chile Schlagzeilen, als im südlichen Pazifik ein 11 000 Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet geschaffen wurde.

Jetzt wurden in ihrer vierjährigen Amtszeit rund 1,3 Millionen Quadratkilometer (509 000 Quadratmeilen) Schutz für den Ozean und seine Bewohner hinzugefügt. Bachelets Dekret erhöht nicht nur die Anzahl der geschützten Meeresgebiete um zehn Prozent, sondern sie hat 42,4 Prozent der Meeresoberfläche Chiles unter Schutz gestellt. Und auch die Naturschutzparks wurden erweitert und können durch ihr Dekret nicht mehr zerstört werden. Ihr Nachfolger hatte gedroht, alle ihre Errungenschaften wieder aufzuheben, dazu gehören u. a. auch die Meeresschutzgebiete und die Naturparks. Dies dürfte mit den neuen Dekreten nicht mehr machbar sein, gut gemacht, Presidenta Michelle.

Der konservative Milliardär Sebastián Piñera hat am Sonntag, dem 11.März 2018 als chilenischer Präsident seinen Eid geleistet. Nach 2010-2014 folgt jetzt seine zweite Amtszeit mit dem Versprechen, die Investitionen in den weltbesten Kupferproduzenten wiederzubeleben. Er reiht sich in die neue Rechtsverschiebung in Südamerika ein, wie schon Peru, Brasilien und Argentinien. Gerade an Brasilien und Argentinien sehen wir, wohin es die Bevölkerung führt. Gerade an Brasilien wird es deutlich: Wie viele müssen noch für diesem Krieg sterben? R.I.P. Marielle Franco – #MariellePRESENTE

Die Reichen werden reicher. Laut dem Forbes Magazin ist Pinera der viertreichste Mann in Chile mit einem geschätzten Vermögen von 2,8 Milliarden US-Dollar.

Wie sagte José „Pepe“ Mujica, als früherer Präsident von Uruguay bekannt und als der „ärmste Präsident der Welt“: „Die Politik ist keine Frage von Geld, wir sollten das trennen“, sagte „Pepe“. Anstelle von Großkonzernen sollte sich der Staat der Kosten für die Parteien annehmen.

 Der Ex-Präsident von Uruguay, José „Pepe“ Mujica, hat ein Verbot von Parteispenden durch private Unternehmen gefordert. In einem Fernsehinterview sagte der Politiker, es sei notwendig, der Finanzierung durch Private einen Riegel vorzuschieben. Stattdessen sollten politische Mandatsträger weniger Lohn erhalten und so ihre Parteien finanzieren.

Siehe: Uruguays Ex-Präsident Mujica will Parteispenden verbieten

28.4.2018: Golf von Oman hat Todeszone, wo kein Fisch schwimmt: HAARP-Erwärmung und Abwasser-Dünger-Verschmutzung bewirken weniger Sauerstoff
Kaum Sauerstoff: Riesige „Todeszone“ im Golf von Oman entdeckt
http://www.krone.at/1700129

<Im Arabischen Meer haben Forscher eine riesige „Todeszone“ entdeckt, in der wegen Sauerstoffmangels kein Leben gedeiht. Das Gebiet im Golf von Oman sei größer als Schottland und damit die größte Todeszone der Welt, heißt es in einer Studie, die am Freitag veröffentlicht wurde.

„Unsere Forschungen zeigen, dass die Lage schlimmer ist als befürchtet“, erklärte Bastien Queste von der britischen Universität von East Anglia. „Das Meer bekommt keine Luft mehr“, kritisierte der Wissenschaftler, der die Studie mit Kollegen der Sultan Qaboos University in Maskat durchgeführt hat.

Die furchtbare Lage im Golf von Oman, der zum Arabischen Meer gehört, sei bisher nicht bekannt gewesen, weil die Piraterie und die Konflikte in der Region die wissenschaftliche Erforschung des Meeresgebiets verhindert hätten, berichten die Forscher im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Tiere und Pflanzen können nicht überleben
In Todeszonen im Meer ist der Sauerstoffgehalt so niedrig, dass Pflanzen und Tiere dort nicht überleben können. In einigen Meeresregionen in einer Tiefe zwischen 200 und 800 Metern kommen solche Zonen natürlich vor.

Allerdings schaffen auch der Klimawandel und Umweltverschmutzung solche lebensfeindlichen Zonen. Durch die Erwärmung der Ozeane sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Außerdem wird dem Meer durch seine Verschmutzung mit Dünger und Abwässern Sauerstoff entzogen.

Meer mit Unterwasser-Robotern untersucht
Die Forscher hatten den Golf von Oman acht Monate lang mit Unterwasser-Robotern untersucht. Diese etwa menschengroßen Roboter können bis zu 1000 Meter tief tauchen. Die Wissenschaftler kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass in bisherigen Klimamodellen der Sauerstoffgehalt im Meer zu hoch eingeschätzt und der Verlust von Stickstoff wahrscheinlich unterschätzt wurde.>

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20 minuten online, Logo

Vietnam 29.4.2018: Alter Thunfisch wird frisch "angemalt" - CH-Kontrolleure merken es
Kohlenmonoxid im Fleisch: Thunfisch wird illegal auf frisch gefärbt
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Thunfisch-wird-illegal-auf-frisch-gefaerbt-23855413

<Das rote Fleisch lässt Thunfisch appetitlich aussehen. Doch das kann auch gefärbt sein, wie Schweizer Lebensmittelkontrolleure festgestellt haben.

Die Schweizer Lebensmittelkontrolleure haben illegal präparierten Thunfisch aus dem Verkehr gezogen, berichtet die «SonntagsZeitung». Bei zwei untersuchten Thunfisch-Proben stellte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV fest, dass der Fisch im Ursprungsland Vietnam mit einem chemischen Trick so aufbereitet worden war, dass er frisch aussieht, selbst wenn er das nicht mehr ist.

Wird Thunfisch nicht direkt nach dem Fang auf minus 18 Grad tiefgefroren, verfärbt sich das Fischfleisch braun-grau. Solcher Thunfisch wird dann nur noch für Konserven verwendet, die dreimal weniger kosten als frischer Fisch.

Kohlenmonoxid im Fischfleisch

Wird der Thunfisch aber mit Kohlenmonoxid behandelt, behält er sein leuchtendes Rot. Bei den vom BLV sichergestellten Thunfischproben war der Kohlenmonoxid-Gehalt so gross, dass klar war, dass sie präpariert worden waren.

«Mit der in der Schweiz nicht zugelassenen künstlichen Färbung des Fisches wird den Konsumenten eine Qualität vorgegaukelt, die der Thunfisch nicht hat», sagt Markus Kaufmann vom BLV. Er spricht von einer «klaren Täuschung der Konsumenten».

Auch verdorbener Fisch sieht frisch aus

Das eingefärbte Fleisch hat noch einen weiteren Nachteil: Man sieht es dem Fisch nicht an, wenn er schon verdorben ist.

Die Tests fanden zwischen Dezember 2017 und März 2018 statt. Die Kontrollen fanden in einer gemeinsamen Aktion von Europol und Interpol statt, die vom Schweizer BLV angeregt wurde.

Das BLV hat die fehlbaren Produzenten des eingefärbten Thunfischs im europäischen Warnsystem gemeldet. Der Fisch sollte also nicht mehr im Handel sein.

(zum)>

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21.5.2018: Umwelt- und Nachhaltigkeits-Zertifikate sind nutzlos - nichts wird eingehalten
Palmöl, Fische und Textilien: «Öko» ist nicht immer Öko
https://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/Oko-Zertifizierungen-halten-nicht-was-sie-versprechen

<Red. / 21. Mai 2018 - Nachhaltigkeitszertifizierungen garantieren häufig keine Öko- und Sozialstandards. Das stellt eine unabhängige Studie fest.

Nachhaltigkeitszertifizierungen halten oft nicht, was sie versprechen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Stiftung «Changing Markets». Wenn überhaupt, sei der Nutzen vieler Öko-Labels minimal, stellte sie fest.

Die Stiftung will in Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen auf nachhaltige und umweltfreundliche wirtschaftliche Entwicklungen aufmerksam machen und sie fördern. «Wir sind nicht generell gegen Zertifikate», stellte eine Wissenschaftlerin der Organisation gegenüber dem österreichischen Sender ORF fest. Dennoch müsse mehr getan werden, um sie auch zu rechtfertigen.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace bemängeln schon länger, dass Nachhaltigkeits-, Transparenz- und Sozialanforderungen trotz Zertifizierung oft auf der Strecke bleiben.

«Changing Markets» hat drei verschiedene Produktkategorien unter die Lupe genommen: Palmöl, Fisch und Textilien. In allen drei Kategorien werden die natürlichen Ressourcen voll ausgenutzt oder übernutzt, die Gefahr einer dauerhaften Umweltschädigung ist gross. Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen sind in allen drei Branchen verbreitet (Infosperber: «Palmöl-Produktion: Zu zweit arbeiten für einen Lohn»)

Kein Durchblick im Label-Wald

Nachhaltigkeitslabels gibt es für fast jede Produktkategorie – zu viele, um als Konsument daraus schlau zu werden. Ganze 463 Gütezeichen listet der «Ecolabel Index» auf, sechs zum Stichwort «Fisch», sieben zu «Baumwolle» und 22 zu «Textil». Darunter auch Zertifikate für Eigenmarken, wie die Labels Naturaline von Coop und Migros ECO.

Fischerei-Labels: Offener Brief als letzter Reformversuch

Die beiden grossen Fischerei-Labels MSC (Marine Stewardship Council) und FSO (Friend oft he Sea) schafften es es immerhin, dass zertifizierte Produkte «nicht gänzlich illegal» gefischt würden, fasst die Studie zusammen. Doch das Ziel, die Umwelt durch Fangmethoden nicht zu zerstören, den Beifang einzuschränken und die Fischbestände nicht zu übernutzen, werde nicht erreicht.

Fischereilabels MSC und FSO (Changing Markets)

Teilweise wurde Fang zertifiziert, der unter Missachtung lokaler Gesetze gefangen worden war (Infosperber berichtete bereits vor einem Jahr: «Öko-Labels retten dezimierte Fische nicht»). Als eine Art letzter Versuch haben 60 Nichtregierungsorganisationen im Januar 2018 in einem offenen Brief an MSC dringend um Reformen gebeten.

Palmöl: Label ohne Durchschlagskraft

Die wachsende Palmölproduktion in den beiden grössten Herkunftsländer Indonesien und Malaysia geht mit Entwaldung, Einschränkung der Artenvielfalt und der übermässigen Produktion von Treibhausgasen einher. Das bekannteste Label RSPO helfe dagegen wenig.

Andere Labels sind ebenfalls wenig wirksam oder zu klein, um Einfluss zu haben. Weichen Palmöl-Produzenten auf Länder in Afrika und Lateinamerika aus, entstehen dieselben Probleme.

Textilien: Verwirrende Vielfalt, wenig Wirkung

Das grösste Problem im Textilbereich ist der Einsatz von giftigen Chemikalien, die daraus resultierende Umweltverschmutzung und Belastung der Konsumenten. Bei Textilien gibt es auch die grösste Anzahl an Nachhaltigkeitsinitiativen – etwa 100 hat «Changing Markets» gezählt.

Eines der bekanntesten ist der Higg-Index, dem «Changing Markets» kein gutes Zeugnis ausstellt. Unter anderem fehle es an nachvollziehbaren Einschätzungen und Transparenz.

Regelungen des Labels BCI (Better Cotton Initiative) haben sogar dafür gesorgt, dass Bauern von Biobaumwolle auf genetisch veränderte Baumwolle umgestellt haben, weil das Label Pestizide erlaubt. Andere Zertifizierungen, wie GOTS oder das EU-Ecolabel seien auf dem richtigen Weg, hätten aber Lücken, beispielsweise bei der vollständigen Abdeckung der Produktionsprozesse.

Von Greenpeace ausgezeichnet wurden die Labels IVN Best, GOTS (Global Organic Textile Standard) und Made in Green von Oeko-Tex. Für noch gut befand Greenpeace die Labels Bluesign, das Cradle to Cradle Siegel, den Blauen Engel und das EU-Ecolabel.

Die Kompromiss-Falle

Öko-Siegel seien grösstenteils eine Täuschung der Konsumenten, urteilt «Changing Markets» abschliessend, sie könnten sogar Schaden anrichten. Freiwillige Initiativen mögen eine gute Ergänzung nationaler und internationaler Gesetze sein, so die Studie. Ersetzen könnten sie gesetzliche Regelungen jedoch nicht.

Die Gründe dafür bedingen sich laut «Changing Markets» teilweise gegenseitig. In allen drei untersuchten Branchen wächst die Nachfrage. Nur ein kleiner Teil der Produkte ist zertifiziert. Die Zertifizierungs-Organisationen versuchen, möglichst viele Unternehmen einzubinden, um an Grösse und Bekanntheit zu gewinnen. Um dies zu erreichen, werden die Standards so weit gesenkt, dass sie nicht mehr nachhaltig wirksam sind.

Zu wenig Kontrolle und fehlende Transparenz

Dazu kommt die Komplexität der globalen Lieferketten, die Transparenzbestrebungen entgegensteht, zu wenige und zu schwache nationale und internationale Regelungen sowie mangelnde Unabhängigkeit der zertifizierenden Stellen. Unternehmen, die grössere Anstrengungen unternehmen, um nachhaltiger zu produzieren, werden so bestraft, der Standard weiter gesenkt.

Als grösste Kritikpunkte identifiziert «Changing Markets» neben der Freiwilligkeit der Initiativen

  • Vage Angaben zu den Anforderungen und Zielen der Zertifizierung
  • Mangelnde Kontrolle und fehlende Durchsetzungsmechanismen
  • Unwirksame Beschwerdeverfahren
  • Unzureichende Mitgliedschafts- und Beteiligungsregeln
  • Schwache Verfahren zur unabhängigen Bewertung der Wirkung einer Zertifizierung
  • Interessenkonflikte für die Zertifizierungsorganisationen
  • Mangelnder Anreiz zu kontinuierlicher Verbesserung.

Generell deckten viele Labels nicht die gesamte Produktionskette ab und auch bei der Transparenz hapere es, was es teilweise unmöglich mache, Fortschritte auch festzustellen.>

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13.6.2018: Kriminelles EU-Gericht befielt, D muss Schleppnetz- und Stellnetz-Fischerei auch in Schutzgebieten um Sylt zulassen
EuGH-Entscheidung: Deutschland darf Schleppnetze in den Schutzgebieten vor Sylt nicht verbieten
https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/eugh-entscheidung-deutschland-darf-schleppnetze-in-den-schutzgebieten-vor-sylt-nicht-verbieten-a2463780.html

<Deutschland darf nach EU-Recht nicht einseitig die Fischerei mit Schlepp- und Stellnetzen in den Schutzgebieten Sylter Außenriff und Pommersche Bucht verbieten. Dies entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg.

Deutschland darf nach EU-Recht nicht einseitig die Fischerei mit Schlepp- und Stellnetzen in den Schutzgebieten Sylter Außenriff und Pommersche Bucht verbieten. Dies entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. (Rechtssache C-683/16)

Ein solches Verbot würde auch Fischerboote aus anderen EU-Staaten betreffen. Folglich betreffe dies die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union. Zuständig für ein etwaiges Verbot wäre demnach allein die Europäische Union.

Der Deutsche Naturschutzring hatte in Deutschland beantragt, die Fangmethoden wegen negativer Folgen für Umwelt und Arten in den Schutzgebieten zu verbieten.

Die Naturschützer beklagen, Schleppnetze könnten Riffe und Sandbänke in den Schutzgebieten beeinträchtigen. Die Stellnetze wiederum sehen sie als Gefahr für Schweinswale und Seevögel. Die Schutzgebiete liegen in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone.

Die deutschen Behörden lehnten ein Verbot ab, weil für die Frage allein die Europäische Union zuständig sei. Dagegen klagte der Umweltverband vor dem Kölner Verwaltungsgericht, das die Kompetenzfrage dem EuGH zur Klärung vorlegte. Dieser entschied nun, die beantragten Maßnahmen dürften tatsächlich nicht einseitig von einem Mitgliedsstaat erlassen werden. (dpa)>

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Netzfrauen online, Logo

14.7.2018: Fischereifabriken lassen riesige Fischnetze einfach im Meer - und haufenweise Fische verheddern sich darin und STERBEN
Das Massensterben geht weiter! Grausiger Fund in Hawaii 100 Babyhaie wurden tot am Strand entdeckt und hunderte Haie in ‚Geisternetz‘ verheddert, das in der Karibik treibt – 100 baby hammerhead sharks wash ashore in Hawaii – Hundreds of sharks discovered tangled in ‚ghost net‘ drifting through Caribbean Sea
https://netzfrauen.org/2018/07/07/sharks/
https://netzfrauen.org/2018/07/07/sharks/#more-58144

<Viele Hai-Bestände sind bedroht, auch weil die Nachfrage nach den Flossen der Tiere dramatisch gestiegen ist: Millionen Haie wurden bislang bei lebendigem Leib zerlegt und verstümmelt zurück ins Meer geworfen. Doch auch eine andere, vom Menschen ausgelöste Katastrophe für die Haie lauert in den Tiefen der Ozeane: Haie landen als ungewollter Beifang in riesigen Fischernetzen, die immer mehr die Weltmeere durchziehen. Ein Taucher entdeckte Hunderte toter Fische und Haie, die in einem riesigen verlassenen Fischernetz verheddert waren, das vor der Küste der Kaiman-Inseln treibt. Am Strand von Honolulu wurden etwa 100 tote Baby-Hammerhaie entdeckt. Die Tiere seien vermutlich in das Netz eines Fischers geraten und dann an Land abgeladen worden.>

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