Fischfang. Meldungen (Teil 3)



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Fischfang. Meldungen (Teil 3)

Norwegen verbietet 8 genmanipulierte Pflanzen im Fischfutter der Fischfarmen --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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3.12.2014: Fischfarmen und Aquakulturen: Dioxine, Antibiotika und Soja im Futter - das provoziert die Abholzung des Regenwalds - Norwegen verbietet 8 genmanipulierte Pflanzen für Fischfutter

aus: Netzfrauen online; 3.12.2014;
http://netzfrauen.org/2014/12/03/norwegische-behoerden-verbieten-gm-fischfutter-wegen-antibiotika-resistenz-angst/#more-21207

<Norwegische Behörden verbieten GM-Fischfutter wegen Antibiotika-Resistenz-Angst>

<Massenwassertierhaltung und ihre Folgen

Weil die Gewässer fast leer geplündert sind, stillen Fischfarmen und Aquakulturen den zunehmenden Hunger auf Fisch. Lachse und Doraden, Karpfen, Pangasius, Muscheln oder Garnelen aus der Wassertierhaltung füllen längst die Kühlregale von Supermärkten und Gaststätten. Die freie Wildbahn haben sie nie erlebt. Sie werden gemästet wie Schweine.

Das Problem mit Aquakulturen

Aquakulturen, vor allem in Norwegen, tragen zur Vervielfachung der Produktion des Lachses bei.  Zuchtlachs jedoch weist alarmierende Schadstoffe, mindere Qualität und einen Fettanteil von 15 bis 34 Prozent auf. Selbst die schwedische Regierung warnt davor, Fettfische wie Lachse oder Heringe zu verzehren, da diese Schadstoffe im Fettgewerbe binden und Gifte mit sich tragen. Aufgrund des Dioxingehalts sollten sie vermieden werden. Sie können den Hormonhaushalt beeinflussen und Krebs verursachen.

Die Fischfütterung und ihre versteckten “Nebenwirkungen”

Wegen der Überfischung der Meere werden inzwischen ein Teil des tierischen Proteins im Fischfutter durch pflanzliche Proteine aus Soja, Kartoffeln, Raps oder Erbsen ersetzt.

Aber auch hier kommt das gleiche Problem wie schon in der Massentierhaltung von Geflügel, Schweinen oder Rindern zum Tragen. Vergleichbar mit der Intensivtierhaltung an Land stehen in der Aquakultur der hohe Flächenbedarf sowie der Einsatz von Agrarchemikalien für die Futtermittelproduktion in der Kritik. Vor allem für den Anbau von Soja sowie den Ausbau der Infrastruktur in den Produktionsländern, die hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent liegen, werden riesige Flächen an Regenwald abgeholzt.

Eine weitere Gefahr bei Fischfutter stellt der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) dar. Dies betrifft in der Aquakultur vor allem Soja und Raps. Soja wird hauptsächlich aus außereuropäischen Ländern wie Argentinien oder den USA importiert. Doch 99 Prozent der argentinischen sowie 90 Prozent der US-Sojabohnen sind genmanipuliert und wandern in europäische Futtermittel, somit auch ins Fischfutter.

Und ein weiteres Problem ist Antibiotika, wie in unserem Beitrag Antibiotika-Resistenzen eine zunehmende globale Gefahr beschrieben.

In Norwegen, und nicht nur dort, werden Antibiotika dem Futter beigemischt. Die Antibiotika-Resistenz ist bereits zu einem weltweiten Problem geworden. Für uns neu ist aber, dass dies bereits bei der Herstellung von genmanipuliertem Saatgut entstehen kann. Das wäre ein weiterer Grund, Genmanipuliertes zu meiden.

Norwegische Behörden verbieten GM Fischfutter wegen  Antibiotika-Resistenz-Angst

Alle vier großen norwegischen Fischfutter-Produzenten besitzen seit dem Jahr 2008 die Erlaubnis, in ihrem Futter auch gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe einzusetzen. Routinemäßig hätten Skretting, Ewos, Biomar und Polarfeed vor sechs Jahren bei der Norwegischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NFSA) eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von GMOs in ihrem Futter beantragt und würden diese jährlich verlängern lassen.

Damit dürften die Hersteller 19 verschiedene GM-Pflanzen einsetzen, darunter Mais, Soja und Rapssaat. Alle besitzen eine Sicherheitsbewertung und Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Doch inmitten zunehmender Probleme mit Antibiotika resistenten Infektionen hat Norwegen jetzt acht Sorten von genmanipuliertem Fischfutter verboten.

Die Sorge, dass Bakterien mit Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika in den Darm der Fische aufgenommen werden könnten und somit in die Nahrungskette gelangen, ist groß. Die Antibiotika resistenten Gene könnten aus dem jeweiligen Boden des Landes kommen, wo das genmanipulierte Getreide angebaut wurde. Eine Überlegung, der dringend nachgegangen werden müsste.

Auch heißt es in der Nachricht, dass Wissenschaftler zu wenig darüber wissen, in welchem ​​Umfang, und speziell in diesem Fall, welche Genen, die durch genetische Modifikation verändert wurden, eingesetzt werden. Wenn die Gene bereits während des Gentechnikverfahrens ein Bakterium besitzen, können sie sich schnell weiterverbreiten.

Dieses ist ein wichtiges Signal für die norwegischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die norwegischen Behörden haben wiederholt ihre Besorgnis über die Antibiotika resistenten Infektionen, die sich auch in Norwegen erhöhen wird, geäußert. Das Fischfutter für die Fischfarmen, welches bereits zugelassen wurde, wird verboten. 

Der norwegische Presseartikel berichtet ebenfalls über den Widerstand der Verbraucher gegen Fische, die mit Genmanipuliertem gefüttert werden. 

Anmerkung von unserer Netzfrau Birgit aus Chile: In Chile werden vermehrt von norwegischen Firmen Fischfarmen für Lachse betrieben. Der Grund sind die, im Gegensatz zu Norwegen, lascheren Umweltauflagen.

Netzfrauen Doro Schreier>

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Infosperber online, Logo

15.3.2017: Fischbestände retten: Nur 1mal pro MONAT Fisch essen (!)
Öko-Labels retten dezimierte Fischbestände nicht
http://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/MSC-Oko-Labels-retten-dezimierte-Fischbestande-nicht

<Billo Heinzpeter Studer / 15. Mrz 2017 - Die marktgängigen Fischarten sind auf einen Zehntel ihrer Bestände geschrumpft. Das verbreitete MSC-Label gerät unter Kritik.

Red. Billo Heinzpeter Studer ist Mitgründer und Präsident von «fair-fish international» und Co-Präsident von fair-fish Schweiz. Er ist einer der besten Kenner des Fischfangs und der Fisch-Labels. Er deckt im Folgenden auf sachliche Art Schwächen des verbreiteten MSC-Labels auf.

Auf den Weltmeeren fischten alle, wie es ihnen gerade passte. Bestände der kommerziell genutzten Fischarten sind in den letzten sechzig Jahren massiv dezimiert worden: auf ein Zehntel der einstigen Grösse. Dann traten Labels für nachhaltige Fischerei auf den Plan. Doch das ist noch nicht die Rettung.

Guter Anfang mit Langusten

Vor zwanzig Jahren hatten die weltgrösste Umweltorganisationen WWF und der damals weltgrösste Tiefkühlfischhändler Unilever das Label MSC gegründet, es steht für Marine Stewardship Council – Rat zur verantwortlichen Verwaltung der Meere. Ziel war es, Fischereien zu zertifizieren, die sich auf ein wissenschaftlich fundiertes Fischereimanagement verpflichten, um die Fischbestände zwar weiter zu nutzen, aber gleichzeitig zu schonen.

Ein anspruchsvolles, langwieriges und teures Zertifizierungsprogramm wurde auf die Beine gestellt. Es sieht im Prinzip vor, dass alle interessierten Kreise (Neudeutsch «stakeholder») in das Zertifizierungsverfahren einbezogen werden. Wenn also etwa die westaustralischen Langusten (Spiny lobster) das MSC-Label erhalten sollen, dann müssen nicht nur alle darauf spezialisierten Fischereien an Bord sein, sondern auch alle Regierungsstellen, Wissenschaftler, Umweltverbände, Tierschutzorganisationen et cetera, die sich in Westaustralien mit den Auswirkungen dieser Fischerei befassen. Dieses umfassende Verfahren soll sicherstellen, dass das Label MSC nur auf Produkten aus verantwortlichem Fang prangt. Soweit, so gut.

Einsprachen beim Start des Labels

Das Beispiel ist nicht zufällig gewählt. Die westaustralische Languste war eines der allerersten Produkte in der MSC-Pipeline. Die Zertifizierung war im Jahr 2000 abgeschlossen, das Produkt bei Migros und Coop bereits gelistet; die beiden Grossen hatten sich damals einen veritablen Endspurt darum geliefert, wer als erster Schweizer Detailhändler MSC-Produkte im Angebot haben werde. Da erhielt ich als Initiant des Vereins fair-fish einen verzweifelten Hilferuf von einer lokalen australischen Umweltorganisation, die entgegen der MSC-Richtlinien im Zertifizierungsverfahren nicht angehört worden war und Vorbehalte anmeldete. Wir alarmierten befreundete Schweizer Organisationen, der WWF äusserte Besorgnis und Migros wie Coop verzichteten vorübergehend auf die Langusten, bis die Einsprache geklärt sei. Noch war MSC neu auf dem Markt, noch ging man vorsichtig damit um.

MSC wurde zum Mass des guten Rufs – Gründung von FOS

Im November 2005 war ich nach Hamburg eingeladen zu einem Kongress über die «Ökozertifizierung von Fisch zum Schutz mariner Systeme», ausgerichtet vom damals grün regierten Bundesumweltamt zusammen mit der deutschen Fischbranche. Mir fiel vor allem eines auf: Keines der anwesenden Unternehmen hatte nicht wenigstens ein, zwei Fischprodukte mit dem ovalen blauen Logo im Angebot. Noblesse oblige: Nur fünf Jahre nach dem ersten Markauftritt war MSC offenbar für alle schon das Mass des guten Rufes. Meinen Begleiter Paolo Bray aus Milano liess das unbeeindruckt: «Da ist noch genügend Platz für uns», meinte er mit Blick auf sein eben erst gegründetes Label Friend of the Sea (FOS), mit dem er der Branche eine rasche und günstigere Zertifizierung ermöglichen wollte, ohne Abstriche am Ziel der Nachhaltigkeit.

Eingeschworene Anbieter

Als ich Bray zwei Jahre später wieder traf, war der Siegeszug von MSC auf dem deutschen Markt auch für ihn nicht mehr zu übersehen. Er bat mich, FOS gegenüber der Branche im deutschsprachigen Europa zu vertreten, und das hab ich bis vor einem Jahr nebenher gemacht (so viel zu meiner Interessenbindung). Keine leichte Aufgabe; denn inzwischen hatte eine starke Kampagne von WWF, Politik und Branchenführern kaum mehr eine Nische für Alternativen gelassen. Dabei hätte es für den Fischhandel durchaus Anlass gegeben, sich Alternativen offenzuhalten.

In Gesprächen mit Händlern in den vergangenen Jahren spürte ich immer wieder ein Unwohlsein darüber, dem MSC und dem WWF sozusagen ausgeliefert zu sein. «Was, wenn die mal fünf gerade sein lassen, und es kommt dann raus? Dann hätten wir in ein Programm investiert, das auf einen Schlag nichts mehr wert wäre.» FOS als zweites Bein, das hat manchem eingeleuchtet; doch das Marketing der ganz Grossen war auf MSC fixiert, da ging kein anderer Fischkopf dazwischen. Denn solange nichts passiert, läuft das Geschäft problemlos: Wenn der mitgliederstarke und in den Medien gut verankerte WWF etwas als gut bezeichnet, ist das schon das halbe Marketing.

Wenig transparentes MSC-Ratingverfahren

So konnte das FOS-Label, das in anderen Ländern gut vom Fleck kam, im deutschen Markt nur ausnahmsweise Fuss fassen; das gilt ähnlich für den von deutschen Anbietern dominierten österreichischen Markt. Anders in der Schweiz, wo sich Manor, der drittgrösste Fischdetailhändler, dezidiert für FOS und gegen WWF und MSC entschieden hatte. Die Mehrheit des Marktes gehört aber auch hier dem MSC, massiv unterstützt von der WWF Seafood Group, der wegen der publizistischen Macht des WWF binnen kurzer Zeit fast die ganze Branche angehörte. Die Mitglieder dieser Gruppe mussten nicht nur erhebliche Jahresbeiträge abliefern, sondern sich verpflichten, nur Fisch mit einem ausreichenden WWF-Rating einzukaufen. Das Rating-Verfahren selbst war nicht transparent; Ware mit MSC-Label passierte problemlos, während FOS-zertifizierte Ware vorzugsweise ungenügende Noten erhielt.

Kritik von Wissenschaftlern

Fischereibiologen, die das ambitiöse MSC-Programm zu Beginn begrüsst und unterstützt hatten, gingen zusehends auf Distanz. In Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften legten sie mehr als einmal dar, dass die hohen Ziele in der Praxis verwässert würden. Der MSC wurde den einmal geäusserten Verdacht nicht mehr los, es würden in der Praxis der Zertifizierung Kompromisse gemacht, um die rasch gestiegene Nachfrage nach zertifizierten Fischen zu decken – und um die vielen Angestellten von MSC und beauftragten Auditfirmen zu bezahlen. War der MSC zu Beginn von Stiftungen mit mehreren Millionen Euro pro Jahr unterstützt worden, haben mittlerweile Einnahmen aus Lizenzen das Übergewicht.

Wirksamer wären Fangquoten

Ein wesentlicher Teil der Kritik bezieht sich auf den Umstand, dass MSC auch Fischereien zertifiziert, die bereits überfischte Bestände ausbeuten. Der MSC macht zwar das Prinzip «Schützen beim Nutzen» geltend, es fehlen aber bis jetzt Belege, dass Bestände sich dank einer MSC-Zertifizierung erholt hätten. Die als Beispiel gern genannten, einst massiv überfischten Bestände des Seehechts (Hoki) in Neuseeland haben sich zwar tatsächlich wenige Jahre nach der Zertifizierung (2001) erholt, aber nach übereinstimmender Aussage von Fachleuten nicht dank MSC, sondern wegen der autonom von den nationalen Fischereibehörden durchgesetzten Senkungen der Fangquoten.

Sicherer wäre es jedenfalls, überfischte Bestände in Ruhe zu lassen, bis sie sich wieder erholt haben. Das wäre nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoller. Nach ein paar Jahren Fangpause, während der man die Fischer mit Krediten über Wasser hält, würden nämlich höhere Erträge bei geringerem Fangaufwand winken, so dass die Fischer die Kredite problemlos zurückzahlen könnten – ganz im Gegensatz zu den milliardenschweren Subventionen, die Jahr für Jahr verloren gingen für die Aufrüstung der überdimensionierten industriellen Fangflotte.

Labels konkurrieren

Im Gegensatz zum MSC zertifiziert das Label FOS prinzipiell keine überfischten Bestände und keine Fischerei mit zerstörerischen Grundschleppnetzen. Dafür kritisieren WWF und MSC, dass FOS einzelne Fischereien zertifiziert, ohne zu kontrollieren, wie sich benachbarte Fischereien im selben Meeresgebiet verhalten. Das trifft zu und ist einer der Hauptgründe dafür, weshalb eine FOS-Zertifizierung nur einen Viertel bis einen Achtel so lange dauert wie beim MSC und mindestens zwanzigmal weniger kostet.

FOS argumentiert, das pragmatischere Vorgehen bringe eine Fischerei rascher in die grüne Zone; benachbarte Fischereien würden dem Beispiel dann von selber folgen, wenn sie die wirtschaftlichen Vorteile sähen. Mit diesem Ansatz ist FOS vor allem in Fischereien stark, die unter der industrialisierten Konkurrenz leiden, bei handwerklichen Fischereien, vor allem auch im Weltsüden, wo der MSC trotz jahrelanger Bemühungen und viel Geld mit seinem akademischen Ansatz kaum etwas auf die Reihe gebracht hat.

MCS und FOS decken nur einen Fünftel der weltweiten Fangmenge ab

Das wesentlich billigere Verfahren bescherte FOS anfänglich den Vorwurf, ein nicht so seriöses Billiglabel zu sein. Inzwischen sind diese Stimmen verstummt. Benchmarking-Studien von WWF-unabhängigen Autoren zeigten wiederholt, dass FOS in seiner Nachhaltigkeitsleistung mit dem MSC mindestens gleichauf liegt. Die zertifizierten Mengen beider Label sind zudem ähnlich gross.

Ein Wettbewerb zwischen zwei verschiedenen Wegen zum gleichen Ziel ist eigentlich zu begrüssen: das gegenseitige Messen zwingt beide Seiten, sich zu verbessern. Es bleibt allerdings ein Rennen an der Spitze; MSC und FOS zusammen zertifizieren nur etwa einen Fünftel der weltweiten Fangmenge von jährlich 80 Millionen Tonnen.

Labels werden die Welt nicht retten. Im besten Fall weisen sie dem grossen Rest den nachzuahmenden Weg zur Rettung, im schlechteren Fall führen sie zu Enttäuschungen.

WWF behindert Alternativen

Während MSC-Mitbegründer Unilever vor gut zehn Jahren aus dem Fischgeschäft ausgestiegen ist, unterstützt der WWF sein einstiges Kind bis heute mit massiver Werbung, die den MSC in den Vordergrund schiebt – zum Beispiel mit Einkaufsratgebern, Lobbying bei Behörden wie in Deutschland oder mit Einkäuferdiktat wie in der Schweiz. Bei Kritik stellte sich der WWF bisher immer bedenkenlos vor «seinen» MSC. Bis vor Kurzem jedenfalls.

Selbstkritik im WWF

Im letzten November legte Alfred Schumm, Chef des WWF-Weltfischereiprogramms, einen schonungslosen internen Bericht über das Gebaren des MSC vor und warnte den WWF vor einem Glaubwürdigkeitsproblem. Schumm hatte eine Zertifizierung der Thunfischerei im Indischen Ozean unter die Lupe genommen. Sein Fazit: «Das MSC-Schema war kein akkurates Mittel zur Beurteilung der Nachhaltigkeit». Es sei daher, so Schumm, «zweifelhaft, ob das MSC-Schema für die Anwender einen widerspruchsfreien und transparenten Mechanismus bereitstellt, um die Art von Veränderung zu bewirken, die der WWF im Sinn hat». Die Untersuchung habe «einige beunruhigende systematische Schwachstellen des MSC-Schemas aufgedeckt, welche das Vertrauen des WWF in die Allgemeingültigkeit des MSC als Hebel für die Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Fischerei unterminieren». Es sei daher klar, «dass diese Art von grossem Engagement des WWF für das MSC-Label in einem schlechten ‹Preis-Leistungs-Verhältnis› zur Naturschutzwirkung steht».

Leck im System

Zum Glück ist dieser Bericht an die Öffentlichkeit durchgesickert. Jetzt muss der WWF handeln. Der Kieler Fischereibiologe und langjährige MSC-Kritiker Rainer Froese sagt es so: «Der Bericht passt zu meinen eigenen Erfahrungen, die ich bei wohl einem Dutzend Einwänden gegen MSC-Zertifizierungen gemacht habe, wegen fortgesetzten Überfischens, Beständen ausserhalb sicherer biologischer Grenzen oder fehlender Beurteilung des Fischereimanagements. Keiner meiner Einwände hat eine Zertifizierung gestoppt. Hoffen wir nun, dass dieser Druck seitens des WWF den MSC endlich dazu bringe, seine Regeln, seine Verfahren und seinen organisatorischen Aufbau zu ändern.»

Kommt der Druck jetzt tatsächlich vom WWF, und stellt sich die Organisation wirklich hinter Schumms Kritik? Die Zeichen sind noch widersprüchlich. Zwei Wochen nachdem der Bericht durchgesickert war, verkündete der WWF Schweiz die frohe Weihnachtsbotschaft, dass Migros und Coop es geschafft hätten, «nur noch Fisch aus nachhaltigen Quellen» anzubieten. Die Beurteilung stammt – von der WWF Seafood Group. Kein Wort des Zweifels, the show must go on.

Noch im vergangenen Sommer hatte ein Teamkollege von Schumm mir gegenüber die bessere WWF-Note für MSC damit gerechtfertigt, dass der FOS-Standard verschiedene für den WWF wichtige Punkte nicht abdecke. Über die beste Auswahl und Gewichtung von Kriterien kann man trefflich streiten, solang sie dann auch erfüllt werden. Jetzt aber geht es darum, für Ordnung zu sorgen – nicht nur zum Schutz von MSC und WWF, sondern im Interesse aller, die sich für eine schonende Fischerei engagieren. Der WWF ist verantwortlich dafür, ob sich in der Branche und bei den Konsumenten der Eindruck festsetzt, bei Labels werde sowieso nur Stroh gedroschen. Das wäre fatal.

Guter Rat ist gar nicht teuer

Und was sollen die besorgten Kunden nun tun? Das, was fair-fish schon lange empfiehlt: maximal einmal Fisch im Monat. Das lässt sich erstens viel leichter beurteilen als Labels, Fischratgeber und dergleichen. Und zweitens wirkt es sehr direkt im Meer. Nach Schätzungen unabhängiger Fischereibiologen muss der Fischereidruck für wenigstens ein paar Jahre um mindestens 50 Prozent gesenkt werden. Ein Fischereimanagement, das die Fangmengen nicht um die Hälfte reduziert, bis sich die Bestände voll erholt haben, wird nie zum Ziel führen können. Das heisst für uns als Konsumentinnen und Konsumenten: ein paar Jahre lang nur noch einmal im Monat Fisch essen.>

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14.4.2017: Giftfisch wird normal - z.B. durch Bomben, Munition, Chemiewaffen im Meer etc.
WIE CHEMIEWAFFEN DAS MEER VERSEUCHEN – Kampfstoff, frisch auf den Tisch – Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen aus Nord- und Ostsee können Menschen gefährlich werden
https://netzfrauen.org/2017/04/13/chemiewaffen/

Chronologie

<22. April 1915  Bei der 2. Flandernschlacht starten die Deutschen als erste Armee der Welt einen großangelegten Chemiewaffenangriff mit Chlorgas.

1917  Senfgas wird zum gefürchtetsten chemischen Kampfmittel.

2. Dezember 1943  Die größte Chemiekatastrophe der europäischen Geschichte: 105 Luftwaffenbomber versenken im italienischen Hafen Bari 27 amerikanische Schiffe, darunter die „John Harvey“, die eine geheime Fracht mit 2000 Senfgasbomben geladen hatte. Um den Deutschen keinen Anlass zur Propaganda zu bieten, verschweigen die Alliierten den Vorfall. So werden Hunderte italienische Zivilisten nicht behandelt und sind der Giftgaswolke hilflos ausgesetzt.

17. Juli – 2. August 1945  Bei der Potsdamer Konferenz beschließen die Alliierten, die verbleibenden Chemiewaffenvorräte ins Meer zu schütten – eine Lösung, die damals am einfachsten und sichersten schien. Man verteilt die chemischen Substanzen im japanischen Meer, im indischen Ozean, in der Nord- und Ostsee, im Nordatlantik, vor der französischen Côte d’Azur und vor den Küsten der USA und Kanada.

1970  Einstellung der Verklappung von Chemiewaffen im Meer.

1972  Der amerikanische Kongress verbietet mit einem Gesetz die Versenkung von Chemiewaffen im Meer.

13. Januar 1993  130 Staaten unterzeichnen in Paris die Chemiewaffenkonvention, welche die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz von Chemiewaffen verbietet und die sofortige Vernichtung aller verbleibenden Vorräte vorschreibt. Sie tritt am 29. April 1997 in Kraft.

2005  Bei den Bauarbeiten zur Nord-Stream-Pipeline stößt man auf Chemiewaffenreste in der Ostsee.

11. Oktober 2013  Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen erhält den Friedensnobelpreis. Unter der Aufsicht der 1997 gegründeten OPCW vernichtet man insgesamt 80 % der deklarierten Chemikalien (rund 60 000 Tonnen) und knapp 60 % der 8 Milliarden Tonnen Munition.

12. Dezember 2013  Die UNO bestätigt den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Die Syrien-Resolution sieht vor, bis zum 30. Juni 2014 alle syrischen Chemiewaffen zu vernichten.

2017  Das Staatsgeheimnis zur Versenkung von Chemiewaffen in Großbritannien und den USA wird aufgehoben.

Da fragen wir uns als Menschen dieser Erde, warum ein Staatsgeheimnis? Es geht doch schließlich um unser aller Leben?!

Am 19. 11. 2013 berichtete die „New York Times“ darüber. Die OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen) bestätigte, dass die syrischen Kampfstoffe und Chemikalien für die Produktion von C-Waffen in internationalen Gewässern entsorgt werden können.

Was unsere Weltmeere aushalten müssen, darüber berichteten wir in dem Artikel: WELTMEERE ALS MÜLLHALDE.>


<Sollten Sie noch Fisch verzehren, dann beachten Sie, dass die Gefahr zunimmt, Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen zu verzehren. In den Weltmeeren tickt eine Zeitbombe: Die Armeen der Weltmächte versenkten zwischen 1917 und 1970 systematisch über eine Million Tonnen Chemiewaffen aus den beiden Weltkriegen in den Ozeanen, in Seen und im Erdboden.

Die in der Nord-und Ostsee versenkte Munition rostet seit Jahren vor sich hin. In der Nord- und Ostsee liegen seit 70 Jahren Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Jahrzehntelang hat sich niemand darum gekümmert. Die Bomben im Meer zu belassen birgt viele Risiken.

Die Bomben, die auf dem Meeresgrund liegen, bergen nicht nur die Gefahr, dass sie unkontrolliert explodieren könnten. Mit der Zeit werden Giftstoffe aus der versenkten Munition freigesetzt. Da die Bomben durch den ständigen Kontakt mit Wasser korrodieren, sind sie eine wachsende Gefahr ungewissem Ausmaßes.

Wir berichteten bereits mehrfach darüber. Es ist ein Problem, über das nicht oft genug berichtet werden kann, denn schließlich geht es um unsere Gesundheit.

Was macht man mit Giftmüll? Er wird vergraben, verschifft oder einfach im Meer verklappt. Hauptsache weg! Ein großer Müllskandal erschüttert Italien. Wir berichteten im Februar 2017 davon, dass freigegebene Dokumente bestätigen, dass auch das Mittelmeer ein Friedhof von gefährlichen und radioaktiven Abfällen ist. 61 Dokumente belegen den internationalen Handel mit toxischen und radioaktiven Abfällen. Nicht nur Taiwan ist betroffen, wie die jetzt veröffentlichen Dokumente zeigen. Die Schiffe der Gifte – Italienischer Geschäftsmann versenkt Nordkoreas nuklearen Abfall im Meer vor Taiwan – Italian businessman dumped North Korean nuclear waste in ocean near Taiwan

Auch in deutschen Meeresgewässern sieht es nicht besser aus. Hier befinden sich noch 1,6 Millionen Tonnen an konventioneller Munition, davon sind 300 000 Tonnen in der Ostsee und der Rest in der Nordsee. Es ist eine enorme Menge an Munition, die auf dem Meeresboden vor sich hin rostet. Eine grundsätzliche Lösung des Problems durch die Ostsee-Staaten ist noch immer nicht in Sicht. Und nicht nur die Nord- und die Ostsee sind betroffen, wie der folgende Beitrag zeigt:

WIE CHEMIEWAFFEN DAS MEER VERSEUCHEN

„Das Risiko, mit Kampf­stof­fen belas­te­ten Fisch auf den Tel­ler zu bekom­men, wird in naher Zukunft zuneh­men – es ist schon heute nicht gleich Null“. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Unter­su­chung, die der ange­se­hene Koblen­zer Experte Dr. Ste­fan Neh­ring in der Aus­gabe der Zeit­schrift WATERKANT ver­öf­fent­lichte.

Nach­drück­lich warnt er, es sei „nur eine Frage der Zeit, wann die knapp eine Mil­lion Ton­nen Kampf­stoffe & Co. aus ver­senk­ter Muni­tion auch über die Nah­rungs­kette auf unse­ren Tischen“ lan­de­ten. Abschät­zun­gen hät­ten erge­ben, dass der Höhe­punkt der Frei­set­zungs­wel­len erst in eini­gen Jahr­zehn­ten zu erwar­ten sei. „Die Zeit drängt“, mahnt der Experte abschlie­ßend, denn „je stär­ker die Metall­hülle wegros­tet, desto schwie­ri­ger wird das Fin­den und Ber­gen der gif­ti­gen Inhaltsstoffe“.

Schaut man heute auf aktuelle deutsche Seekarten, findet man über 30 große Flächen in direkter Küstennähe, die mit dem eindeutigen Hinweis „Unrein (Munition)“ ausgewiesen sind. Berechnungen ergaben, dass dort noch mindestens 500 000 t konventionelle Weltkriegsmunition auf und im Sediment lagern.

MILITÄRISCHE ALTLASTEN

Mehr als 60 Teilnehmer aus Politik, Industrie, Fachbehörden, Wirtschaft und Naturschutz trafen sich 2013 und diskutierten über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, potentielle Gefahren für Mensch und Umwelt, nationale und internationale Initiativen und das Für und Wider von Unterwassersprengungen zur Munitionsräumung. Die Experten waren sich einig: Altmunition im Meer ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die die gemeinsame Anstrengung von Politik, Behörden und zivilgesellschaftlicher Interessengruppen verlangt. Doch immer noch kämpft man um die entsprechenden Mittel.

Gefahr durch Phosphor

Unter den Munitionsresten sind ebenfalls Brandbomben vertreten. Diese bestehen zum größten Teil aus Phosphor. Dieser ist unbegrenzt im Meer beständig, weil er sich nicht abbaut. Besonders der weiße Phosphor, welcher als Wirkmittel in Brandmunition verwendet wurde, ist gefährlich, da er die reaktivste Form des elementaren Phosphors ist. Phosphor tritt in Brockenform aus den korrodierten Bomben aus. Dies ist eine große Gefahr für den Menschen, da das Aussehen der Brocken bernsteinähnlich ist. Durch Wind und Strömungen werden die Brocken an den Strand geschwemmt. Das Bernsteinsammeln ist vor allem bei Touristen sehr beliebt. Es gab schon einige Vorfälle in den letzten Jahren, bei denen Touristen einen vermeintlichen Bernstein in die Hosentasche steckten. Sie waren sich nicht der Verwechslungsgefahr bewusst, denn bei diesen „Bernsteinstücken“ handelte es sich um Phosphorbrocken, die durch die Strömungen angespült worden waren. Die Brocken trockneten in der Hosentasche und entzündeten sich. Dadurch erlitten diese Menschen teilweise schwere Verbrennungen.

Besonders im Bereich von Usedom gibt es häufiger Vorfälle mit Phosphor. Aber auch an vielen Stränden Schleswig-Holsteins wurde Phosphor nachgewiesen. Da Phosphor nicht offiziell als Kampfmittel gilt, wird die Anzahl der Phosphorvorfälle in Deutschland nicht erfasst.

Nicht nur Phosphor hat heutzutage enorme Auswirkungen auf Mensch, Natur und Tier. In den Resten der Munition lagern verschiedene Giftstoffe wie zum Beispiel Senfgas, Phosgen oder Sarin. Diese werden mit der Zeit freigelegt.


Atommüll in Nord- und Ostsee

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch sehr viel Atommüll im Meer entsorgt. Die Auswirkungen davon spürt man nun heute. Die Fischer stellen häufig fest, dass in belasteten Seegebieten bei Fischen häufig Mutationen auftreten, die auf eine Verseuchung mit Plutonium hindeuten. 2010 entnahm man Wasserproben aus dem Meer. Plutonium 238, 239 und 240 sowie Americium 24 und Kohlenstoff 14 wurden nachgewiesen. Das bedeutet, dass die Fässer mit radioaktivem Müll nicht dicht waren oder bereits korrodiert sind.

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume entnahm Sedimentproben im Wasser und kam zu dem Entschluss, dass die Sprengstoffreste keine Gefahr für die Umwelt seien. Allerdings sind die Umweltverbände ganz anderer Meinung, denn die Proben wurden außerhalb der Versenkungsgebiete durchgeführt.

Dazu eine Studie: Ökotoxikologisches Gefahrenpotential durch sprengstofftypische Verbindungen und Tabun aus Munitionsaltlasten in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee  Erstellt von: Arbeitsgemeinschaft „Rüstungsaltlasten im Meer“
„Das Thema „Munition im Meer“ ist nicht auf Deutschland allein beschränkt – sondern es ist ein weltweites Problem.“

Die Munition finde sich in jedem Ozean der Welt genauso wie in vielen Binnenmeeren, sagt der kanadische Munitionsspezialist Terrance Long. Der Militäringenieur hat viele Jahre überall auf der Welt Minen entschärft. Heute leitet er die Nichtregierungsorganisation „International Dialogue on Underwater Munitions„, die sich für international verbindliche Verträge zur Bergung der versenkten Munition einsetzt. Seinen Recherchen zufolge liegen in den Ozeanen der Welt Millionen von Tonnen chemischer Kampfstoffe und Dutzende Millionen Tonnen konventioneller Munition.

„Die Munition liegt im Mittelmeer, sie liegt im Roten Meer, im Schwarzen Meer, in der Ostsee und in der Nordsee, im Nordatlantik, im Atlantischen Ozean, im Pazifik. Allein an der Ostküste Kanadas haben wir 3000 Versenkungsgebiete. In einem davon lagern 80 000 Tonnen Munition – und das mitten in einem unserer reichsten Fischfanggebiete.“


Ein Warnung kommt ebenfalls aus Kanada

„Mein Name ist Albert Marshall und ich gehöre zum Elch-Clan. Ich stamme aus Mi’kmaqi im Mi’kmaq-Territory. Alle Ureinwohner sind im Rhythmus der Natur dem Weg des Wilds gefolgt. Sie überwinterten im Landesinneren, und sobald es wärmer wurde, zogen sie an die Küste. Hierher zu den Bras d’Or Lakes oder an den Atlantik. Sie lebten vom Meer und all dem, was die Natur ihnen schenkte.

Bras d’Or Lakes ist ein idealer Lebensraum für ungefähr 20 verschiedene Arten. Sie nutzen den See als Laich- und Aufzuchtsgebiet.

Während des Krieges wurden unzählige Bomben in den Bras d’Or Lakes versenkt. Erst von Terry Long erfuhr ich, was diese Bomben enthielten. Denn wir beobachteten immer wieder ungewöhnliche Veränderungen bei den Tieren im Wasser. Möglicherweise in Folge der hohen Blei- oder Arsenkonzentration. Vielleicht ist das die Ursache für die ungewöhnlichen Läsionen .

Ich glaube, Nova Scotia hat die höchste Krebsrate im ganzen Land. Das alles deutet daraufhin, dass hier etwas in der Umwelt ist, das unser Leben verkürzt. Ich selbst hatte 6 oder 7 nahe Verwandte, die an verschiedenen Arten von Krebs gestorben sind. Und auch jetzt wieder liegt eine Enkelin von mir im Kinderkrankenhaus von Halifax – mit Krebs. Bras d’Or Lakes war so lange Zeit eine Lebensader für unser Volk und ist es noch für 10 000-20 000 Menschen rund um die Seen.

Wir müssen dafür sorgen, dass auch unsere zukünftigen Generationen noch davon profitieren können, so wie wir heute. Es ist so leicht, die Beziehung zur Natur zu verlieren.

Wir müssen uns ihr wieder zuwenden und demütig bekennen, dass wir nicht über ihr stehen.

Wir haben sie so sehr und so schnell zerstört, dass ihr keine Zeit blieb zur Selbstheilung. Deshalb müssen wir ihr mit unseren Mitteln, mit unserer Wissenschaft dabei helfen. Ich denke, das liegt auf der Hand. Wenn wir nicht schnell handeln, wird die Natur es uns verübeln und mit einem Schlag die gesamte Menschheit auslöschen

Im Namen der Hüter des Geistes unserer Ahnen danke ich Ihnen, dass Sie uns Gelegenheit gegeben haben, Einiges über uns zu erzählen. Ich sage Wela’lin, Danke”.

„Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder,“ betete Elder Albert Marshall. Er ist vom Moose Clan vom Volk der Mi’kmaw Nation.

Diese Szene aus der Dokumentation „VERSENKTES GIFT“ auf ARTE hat uns sehr berührt. Es sollte uns daran erinnern, dass nichts in Ordnung ist, denn unter Wasser tickt eine Zeitbombe und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Bomben einen großen Schaden anrichten, wenn es nicht schon geschehen ist.

Die Armeen der Weltmächte versenkten zwischen 1917 und 1970 systematisch über eine Million Tonnen Chemiewaffen aus den beiden Weltkriegen in den Ozeanen, in Seen und im Erdboden. Keiner weiß mehr, wo sich diese „Gifte“ befinden. Die chemische Verseuchung mit bisher kaum abschätzbaren gesundheitlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.

Im Laufe der Zeit treten diese tödlichen Gifte ins Wasser aus, bedrohen Fischer, Badende, Meerestiere und das gesamte Ökosystem. Wie groß sind die Gefahren tatsächlich? Wie kann es gelingen, die tödliche Altlast loszuwerden? Wer sich diese Dokumentation anschaut, wird sich fragen, ob diese Welt überhaupt noch zu retten ist.

Chemiewaffen enthalten viele hochgiftige Stoffe. Die meisten von ihnen sind als Gase oder Aerosole in Bomben vorhanden oder werden von Spezialflugzeugen als Pulver abgeworfen. 

Die häufigsten Chemikalien:  Senfgas, Chlorgas, Tabun und noch weitere Chemiewaffen:

Arsen oder Arsenwasserstoff

Dieses farblose Giftgas ist schwerer als Luft und wurde von der deutschen Armee zusammen mit anderen Gasen in chemischen Bomben während des Ersten Weltkriegs eingesetzt. Seine Sprühpartikel sind so winzig, dass sie die Gasmasken durchdrangen und bei den Soldaten Husten, Niesen und Erbrechen hervorriefen. Wenn sie die Maske abnahmen, atmeten sie dann die anderen giftigen Gase ein, die bei der Explosion der Bombe freigeworden waren. Bei ihrer Zersetzung auf dem Meeresgrund geben diese Chemiewaffen hochgiftiges anorganisches Arsen frei.

Sarin

Sarin wurde 1939 von drei deutschen Wissenschaftlern entdeckt, die eigentlich nach neuen Pestiziden forschten. Das farb- und geruchlose und leichtflüchtige Gas ist schon in geringen Dosen hochgiftig für Mensch und Tier.

Das Staatsgeheimnis zur Versenkung von Chemiewaffen in Großbritannien und den USA wird 2017 aufgehoben.

Da fragen wir uns als Mensch endieser Erde: Warum ein Staatsgeheimnis?! Es geht doch schließlich um unser aller Leben?!

Chemiewaffen verseuchen das Meer. Unabhängige Forscher stellten zum Beispiel fest, dass sich das Erbgut von Fischen in der Adria und in der Ostsee verändert hat. Noch wird dieses Thema von der EU ignoriert.

Das Thema ist noch lange nicht vom Tisch: Das Giftgas aus nach dem Zweiten Weltkrieg im Meer versenkten Kampfstoffen gefährdet nicht nur Tiere und Pflanzen in Nord- und Ostsee, sondern kann über Fische auch für Menschen gefährlich werden.

Davor warnt der Umweltbiologe Stefan Nehring, der sich seit Jahren mit Munitions-Altlasten in den Meeren beschäftigt. Er veröffentlichte hierzu einen Artikel in der Fachzeitschrift Waterkant. Die Gefahr durch Senfgas-Dorsch oder Arsen-Schollen nehme zu, warnt Nehring in der SHZ. Die etwa vor Helgoland sowie in und vor der Flensburger Förde versenkte Munition rostet seit Jahren vor sich hin. In den tickenden Zeitbomben lagern Millionen Tonnen Kampfstoffe auf dem Meeresgrund. „Zur Mitte des Jahrhunderts werden die Hüllen durchgerostet sein, die giftigen Stoffe werden freigesetzt“, so Nehring. Noch sei es also möglich, die Altlasten zu bergen. Aber: „Die Zeit drängt. Je stärker die Metallhülle wegrostet, desto schwieriger wird das Finden und Bergen der giftigen Inhaltsstoffe.“

Fazit:

Die SchülerInnen der RBZ-Wirtschaft Kiel Klasse BG11G Profil Wirtschaft und Meer haben sich mit dem Thema in einer Projektwoche auseinandergesetzt. Sie kamen zu diesem Fazit, das wir besser nicht hätten ausdrücken können:

Die Bedrohung durch im Meer versenkte Munition wurde erst erkannt, als der Krieg lange vorbei war, und daher wird uns die Beseitigung der Munition in der Nord- und Ostsee noch einige Jahre begleiten.

Durch die Leichtsinnigkeit der damaligen Kriegsbeteiligten haben wir nun mit einem Problem zu kämpfen, dass nur schwer zu lösen ist.

Die heutige Technik ist für die vollständige Entsorgung der Bomben nicht weit genug entwickelt. Deshalb wird es noch zahlreiche Vorfälle im Bezug auf Munitionsreste im Meer geben, die dramatische Folgen für die Menschen sowie für die Tierwelt haben können. Dies beeinflusst auch unsere Wirtschaft und wir sind der Meinung, dass nun mehr Geld investiert werden muss, um die Bomben zu beseitigen. Außerdem denken wir, dass die Länder, die am Krieg in Deutschland und vor allem über und auf der Nord- und Ostsee beteiligt waren, die endgültige Entsorgung der Munitionsreste mit finanziellen Mitteln unterstützen sollten, da auch sie damals ohne Rücksicht viel Munition in unseren Meeren versenkten.

Außerdem sollte die Bevölkerung weiterhin aufgeklärt werden, wie zum Beispiel durch einen Flyer. Nur so kann die Gefahr, durch Munitionsreste verletzt zu werden, minimiert werden, bis eine Lösung für die Entsorgung dieser gefunden wurde.

„Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder.“ Elder Albert Marshall is from the Moose Clan vom Volk der Mi’kmaw Nation

Es ist an der Zeit, dass die Fakten an die Öffentlichkeit kommen.

Netzfrau Doro Schreier>




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