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Baum: Blauer Eukalyptus - der Waldbrandbaum

von Michael Palomino (2017)


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23.6.2017: Waldbrand in Portugal mit 64 Toten - Eukalyptusbäume brennen gut: Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum -- Viel zu viel Eukalyptus in Portugal -- Rückblende: Transformation einer Landschaft - 1797-1801 war der Wald noch mit Kiefern, Kastanien und Eichen - kahle Sierra -- 1870ca.: Kaum noch Wald in Portugal - Erosion und Verarmung der Böden - Wiederbewaldung ab 1880 mit Kiefern, kaum Laubwald -- 1792: Der Blaue Eukalyptus kommt aus Tasmanien -- 2010: Der Eukalyptus dominiert Portugals Wald mit über 25% des Waldes - für die Papierindustrie: Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum: 39% des portugiesischen Territoriums sind bewaldet - Nummer eins: der Eukalyptus -- Blauer Eukalyptus in Portugal seit 1850 fest im Wald verankert - 1866: Eukalyptus als Bodenschutz an Flussufern - ab 1870 zur Wiederaufforstung - keine Schädlinge -- Die Nutzung von Eukalyptus: Rinde in der Gerberei - hoher Wasserverbrauch provoziert Eukalyptuspflanzungen in Sumpfgebieten gegen Malaria (!) -- Ab 1880: Eukalyptus in portugiesischen Staatswäldern - erste Eukalyptuswälder-Monokulturen -- Eukalyptusholz als Bahnschwellen oder im Bootsbau und in der Papierindustrie - Portugal wird "eukalyptisiert" -- Die Papierindustrie als treibende Kraft der "Eukalyptisierung" des Landes - Eukalyptus-Papierfabriken - Kiefer wird verdrängt -- Eukalyptus-Papierkonzerne - und es ist immer noch zu wenig -- Eukalyptus-Baumschulen für Portugals Papierbedarf in Mosambik geplant - mit Zellstofffabrik in Mosambik ab 2023 -- ab 1950er Jahren: Portugal pflanzt Eukalyptus in Afrika -- Pflegeleichter Eukalyptus raubt Wasser weg, ist in der europäischen Natur isoliert, brennt gut, Rindenteile verbreiten Waldbrand sehr gut (!): Der Baum: "Einzeln attraktiv, in Gruppen tolerierbar, in Massen abstoßend" -- Der Eukalyptus ist ein Räuberbaum: raubt anderen Bäumen das Licht, Nährstoffe und das Wasser -- Schnellwüchsiger, pflegeleichter Eukalyptus bringt Profit -- Eukalyptusklima mit mildem Klima bei 700mm Jahresniederschlag: in Portugal an der nördlichen Küste und in Nordspanien (Galicien) -- Eukalyptus säuft das Wasser weg: Ackerflächen trocknen aus, Brunnen trocknen aus -- Rückblende: Gemeinsame EU-Agrarpolitik als Türöffner für Eukalyptusplantagen und Brandbeschleuniger für soziale Unruhen -- Kriminelle EU begünstigt weitere Eukalyptusplantagen in Portugal - gegen die Landbevölkerung - und Olivenbäume wurden vernichtet -- Biodiversität, Bodenerosion, Brandgefahr: Primus inter pares? -- Eukalyptuswälder dienen der Natur und den Vögeln NICHT, sondern NUR der Papierindustrie -- Der Eukalyptusbaum wird nicht als "fremd" taxiert -- Eukalyptus mit ätherischen Ölen - brennt gut!!! - Rindenteile fliegen bis 3km weit - der Waldbrand ist gut "organisiert" -- Das Eukalyptuslaub: Das ätherische Öl reichert sich im Boden an - der Boden wird praktisch steril -- Eukalyptusblätter provozieren grosse Regentropfen und Erosion - bis zu 50 Tonnen Erde pro Hektar schwemmen weg -- Mischwälder würden die Eukalyptuswirkungen lindern - auch gegen grosse Waldbrände - Monokultur-Eukalyptuswälder bewirken Giga-Waldbrände -- Heiße Kartoffel Forstreform: Geeignete Gesetzgebung gesucht -- Die kriminellen EU-Regierungen entmachten die Forstdienste (!!!) - gelegte Waldbrände, um Eukalyptus anzupflanzen, seit 2013 möglich (!!!) -- 2016: 160.000 Hektaren Wald abgebrannt - Eukalyptusflächen sollen "eingefrohren" werden - Papierindustrie will nur noch Eukalyptus pflanzen

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23.6.2017: Waldbrand in Portugal mit 64 Toten - Eukalyptusbäume brennen gut
Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum
https://www.heise.de/tp/features/Eukalyptus-Brotbaum-Problembaum-3753017.html

"Der Baum, der am schnellsten wächst, ist der Eukalyptus - der hässliche und lächerliche Eukalyptus." Eça de Queiroz, in: "A Cidade e as Serras" (1901).

<Wird die Tragödie von Pedrógão Grande zu einem Überdenken des besonderen Verhältnisses der Portugiesen zu ihrem wirtschaftlich wichtigsten Baum führen?

Dieser Tage beschäftigt die Portugiesen vor allem eine Frage: Wie konnte es zum Unglück des 17. Junis 2017 kommen? Viele vermutete Ursachen werden diskutiert. Es herrscht ein Konsens, dass zumindest einige dieser Ursachen im Zusammenwirken das Ausmaß der Brandkatastrophe erst möglich machten, der bisher 64 Menschen zum Opfer fielen.

[23.6.2017: Waldbrand in Portugal mit 64 Toten - Eukalyptusbäume brennen gut: Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum -- Viel zu viel Eukalyptus in PortugalViel zu viel Eukalyptus in Portugal]

Bei einem Punkt der Diskussion jedoch scheiden sich regelmäßig die Geister: beim Eukalyptus. Dabei ist die ihm oft zugeschriebene Gefährlichkeit weniger eine Folge des Baums selber als vielmehr der Art und Weise seiner intensiven Nutzung. Die Melange aus wirtschaftlichen Interessen großer Unternehmen und der Hoffnung kleinerer Waldbesitzer auf schnelle Amortisierung ihres Plantagenbetriebs hat mit der ungezügelten Verbreitung des Baums Probleme geschaffen, die über Fragen des Brandschutzes hinausgehen.

Zwischen 1797 bis 1801 bereisen die deutschen Botaniker Johann Centurius Graf von Hoffmannsegg und Heinrich Friedrich Link Portugal. Am Ende wird mit der "Flore Portugaise" eine umfassende Beschreibung der Vegetation des Landes stehen - sowie eine Schilderung der abenteuerlichen Reise. Hoffmannsegg verschlägt es dabei auch in jene Gegend, in der am vergangenen Wochenende die verheerendste Feuersbrunst der jüngeren portugiesischen Geschichte wütete, in das Gebiet um die Serra da Lousã, den Südwestzipfel der Cordilheira Central.

Am Fuße der Serra gibt es zwar vor allem See-Kiefern, Kastanien und hin und wieder Eichen zu sehen, doch die bergige Schieferlandschaft weiter oben erscheint dem Grafen in botanischer Hinsicht nicht sehr ergiebig - von der Sonne ausgedörrte, mit Heidekraut überzogene Berghänge. Vom Eichenwald, der einst die Serra bedeckte, ist nichts mehr zu erahnen.

[1870ca.: Kaum noch Wald in Portugal - Erosion und Verarmung der Böden - Wiederbewaldung ab 1880 mit Kiefern, kaum Laubwald]

Die Kargheit der Landschaft fällt nachfolgenden Besuchern auch 70 Jahre später noch auf. Zu diesem Zeitpunkt hat die Bewaldung des Landes aufgrund der vorangegangenen Nutzungsformen des Terrains einen historischen Tiefstand erreicht. Eine Folge: die in weiten Teilen des Landes zu beobachtende Verarmung und erosive Degradierung der Böden.

In der Gegend um Pedrógão Grande ist ein erster Streitfall zu Nutzungskonflikten bereits aus dem 15. Jahrhundert belegt. Auslöser ist der Mangel an Weideland; Anzeichen einer Übernutzung begrenzter Ressourcen bis hin zur Entwaldung sind bereits um diese Zeit zu spüren. Seit dem Baumgesetz von 1565 wird über Wiederbewaldungsmaßnahmen nachgedacht, die jedoch erst um 1880 einsetzen. Die Bemühungen nehmen mit dem Estado Novo unter Salazar an Fahrt auf und verwandeln die ehemalige Laubwaldregion in den größten zusammenhängenden Kiefernforst Europas.

[1792: Der Blaue Eukalyptus kommt aus Tasmanien]

Unmittelbar vor Hoffmannseggs Wanderung durch die Serra findet eine andere Reise statt, die für die Vegetation der Gegend wichtig werden soll: eine französische Expedition unter Bruni d'Entrecasteaux bricht 1791 trotz der Wirren der Revolution in die Neue Welt auf, um den im Pazifik vermissten Entdecker La Pérouse zu finden. Unter anderem an Bord: der Botaniker Jacques Labillardière, der später nicht nur wegen seiner Beschreibung der Reise bekannt wird. 1792 klassifiziert er auf Tasmanien unter anderem den Blauen Eukalyptus oder Tasmanischen Blaugummibaum, dessen Samen später nach Europa gelangen - auch nach Portugal.


Teil 2:

2010: Der Eukalyptus dominiert Portugals Wald mit über 25% des Waldes - für die Papierindustrie
Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum: 39% des portugiesischen Territoriums sind bewaldet - Nummer eins: der Eukalyptus
https://www.heise.de/tp/features/Eukalyptus-Brotbaum-Problembaum-3753017.html?seite=2

Neuere Erhebungen zum nationalen Waldinventar kommen zum Schluss, dass der Blaue Eukalyptus seit 2010 die bestimmende Baumart in Portugal ist. Rund ein Viertel des Waldes bzw. 9% des Festland-Territoriums sind nun im Griff der exotischen Art. Sie hat die See-Kiefer abgelöst, deren Bestand seit den 1990er Jahren rückläufig ist. Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hat das Land 400000 Hektar Kiefernwälder verloren. In einer Reminiszenz wird die Region um Pedrógão Grande heute zwar bisweilen immer noch "Pinhal Interior Norte" genannt, doch der besteht heute bereits zur guten Hälfte aus Eukalyptus.

[Blauer Eukalyptus in Portugal seit 1850 fest im Wald verankert - 1866: Eukalyptus als Bodenschutz an Flussufern - ab 1870 zur Wiederaufforstung - keine Schädlinge]

Der Blaue Eukalyptus ist seit circa 1850 in Portugal bekannt. Die anfängliche Beschränkung seines Daseins als exotischer Blickfang in Parkanlagen wird schnell überwunden. Ab 1866 werden 35000 Eukalypten zu Bodenschutzzwecken an den Ufern des Rio Mondego bei Coimbra angepflanzt. Um 1870 experimentieren portugiesische Forstfachleute mit neuen Baumarten, die bei der geplanten Neubewaldung breiter Landstriche von Nutzen sein könnten. Hier verspricht der schnellwüchsige Eukalyptus einige Vorteile. Ein wichtiges Merkmal ist seine Nichtanfälligkeit gegenüber Krankheiten, denn seine natürlichen Schädlinge sind in der Neuen Welt geblieben - noch.

[Die Nutzung von Eukalyptus: Rinde in der Gerberei - hoher Wasserverbrauch provoziert Eukalyptuspflanzungen in Sumpfgebieten gegen Malaria (!)]

Seine Rinde wird in der Gerberei genutzt, und man beginnt über die Verwendung des Eukalyptus in der Papierherstellung nachzudenken. Seine hohe Wasseraufnahmefähigkeit schließlich führt zu seinem Einsatz bei der Trockenlegung sumpfiger Regionen. Die Einengung des Lebensraums der Brut der Anopheles-Mücke drängt die Malaria zurück, eine Wohltat, die dem Eukalyptus auch die Bezeichnung "Fieberbaum" einträgt.

[Ab 1880: Eukalyptus in portugiesischen Staatswäldern - erste Eukalyptuswälder-Monokulturen]

Später werden einige 100 Eukalyptusarten auf ihre Eignung für eine Verwendung in Portugal geprüft, doch keine kann es mit dem Blauen Eukalyptus aufnehmen, der Art, die seit den 1880er Jahren in Staatswäldern kultiviert wird. Um diese Zeit ensteht bei Abrantes, 70 Kilometer südlich von Pedrógão Grande gelegen, ein 600-Hektar-Eukalyptusforst, "Nova Austrália", zu diesem Zeitpunkt die größte Eukalytusmassierung in Europa. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist der Eukalyptus schon überall im Land verstreut anzutreffen, die Portugiesen beginnen, sich an seine Gegenwart zu gewöhnen.

[Eukalyptusholz als Bahnschwellen oder im Bootsbau und in der Papierindustrie - Portugal wird "eukalyptisiert"]

Eukalyptus-Holz findet frühzeitig Verwendung als Bauholz, zum Beispiel als Schienenschwellen bei der Eisenbahn oder als Kielholz im Bootsbau. Die Papierindustrie verhilft dem Baum letztendlich zu seinem Siegeszug.

1926 nimmt mit der Caima Pulp Company die erste auf Eukalyptus basierende Papierfabrik Portugals - und wahrscheinlich der Welt - ihren Betrieb auf. In Vorbereitung hat man Eukalyptus in der Gegend angepflanzt, der nun nach und nach die Kiefer aus dem Produktionsprozess der Fabrik verdrängt. Sie bleibt für die nächsten 25 Jahre die einzige Fabrik in Portugal, die das Eukalyptus-Holz mittels Sulfitverfahren in Zellstoff verwandelt - mit 5000 Tonnen im Jahr in noch bescheidenem Rahmen.

Noch in den 1940er Jahren ist die Zellstoffindustrie von der eigentlichen Papierindustrie in Portugal entkoppelt. Erstere exportiert fast die gesamte Produktion, während die Papierhersteller alle Rohstoffe einführen. Erst die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelösten Engpässe führen zu einem Schulterschluss beider Segmente.

Die Papierfabrik Cacia am Rio Vouga in der Nähe von Aveiro ist seit 1954 in Betrieb. Hier wird zunächst Kiefernholz mit dem Sulfatverfahren bzw. Kraft-Aufschluss zu widerstandsfähigen Zellstoffen verarbeitet. Die Companhia Portuguesa de Celulose stellt nach kurzer Zeit auf Eukalyptus um. Der Bedarf an See-Kiefern kann nicht mehr im dafür nötigen Rhythmus gedeckt werden. In Portugal entstehen bald weitere Fabriken - zum Beispiel in Albergaria-a-Velha, Figueira da Foz, Constância, Setúbal und Leirosa. Allein die Portucel Soporcel -Fabrik in Figueira da Foz produziert jährlich 570.000 Tonnen Zellstoff und 800.000 Tonnen Büropapier.

[Eukalyptus-Papierkonzerne - und es ist immer noch zu wenig]

Der Papierkonzern Portucel Soporcel - oder neuer The Navigator Company - ist nach Volkswagen Autoeuropa der zweitgrößte Exporteur des Landes und trägt mit 1% zum portugiesischen Bruttoinlandsprodukt bei. Die größten Papierkonzerne bewirtschaften eigene Wälder, Portucel Soporcel allein 120000 Hektar. Die von der Industrie selbst angebaute Eukalyptusfläche entspricht etwa einem Fünftel der Eukalyptusfläche Portugals, die sich auf 812.000 Hektar beläuft. Der Anteil kleinerer Waldbesitzer an der Gesamtmenge ist beträchtlich größer - die Industrie hat das Risiko des Betriebs einer Eukalyptusplantage ausgelagert.

Die vorangetriebene "Eukalyptisierung" des Landes erfolgt heute korrekt, durch einen Eukalyptus, der unabhängig zertifiziert ist und aus nachhaltigem Anbau stammen soll - ein schlagendes Argument beim Marketing für qualitativ hochwertiges Büropapier. Die stetige Zunahme des Eukalyptusbestands reicht jedoch längst nicht aus, um den Bedarf der Zellstoffindustrie zu decken - 20% des Rohmaterials müssen importiert werden. 2011 entsprach das einem Wert von 97 Millionen Euro.

[Eukalyptus-Baumschulen für Portugals Papierbedarf in Mosambik geplant - mit Zellstofffabrik in Mosambik ab 2023]

Der Papiersektor galt bisher als größtenteils immun gegenüber der Tendenz zur Auslagerung von Industrien, doch auch The Navigator Company hat Aktivitäten im Ausland angeschoben. In Mosambik sollen in den Provinzen Manica und Zambézia Eukalyptus-Plantagen von 360.000 Hektar entstehen, außerdem soll 2023 eine Zellstoffabrik vor Ort in Betrieb gehen, 2.3 Milliarden US-Dollar sollen mit Hilfe der Weltbank investiert werden.

2015 fand die Eröffnung der größten Eukalyptus-Baumschule in Afrika statt. Die wird künftig die benötigten Setzlinge liefern. Der Präsident des Unternehmens, Pedro Queiroz Pereira, der anlässlich der Feierlichkeiten in Mosambik weilte, betonte, dass diese Investition auch in Portugal hätte erfolgen können - wenn es dort nicht diese Abneigung gegen Eukalyptus-Plantagen gäbe. 2012 hatte das Unternehmen den Wunsch geäußert, eine weitere Fabrik in Portugal zu eröffnen - wofür weitere 40000 Hektar Eukalyptus notwendig geworden wären.

[ab 1950er Jahren: Portugal pflanzt Eukalyptus in Afrika]

Noch als Kolonialmacht hatte Portugal bereits zu Beginn der 1950er Jahre mit Eukalyptusanpflanzungen in Afrika begonnen.

Teil 3

Pflegeleichter Eukalyptus raubt Wasser weg, ist in der europäischen Natur isoliert, brennt gut, Rindenteile verbreiten Waldbrand sehr gut (!)
Der Baum: "Einzeln attraktiv, in Gruppen tolerierbar, in Massen abstoßend"
https://www.heise.de/tp/features/Eukalyptus-Brotbaum-Problembaum-3753017.html?seite=3

[Der Eukalyptus ist ein Räuberbaum: raubt anderen Bäumen das Licht, Nährstoffe und das Wasser]

Der Eukalyptus gewinnt im Waldensemble das Rennen in die Höhe. Er wird beim Kampf ums Licht mit seinen Blätterkronen schnell zur dominierenden Art, während seine stark ausgebildeten Feinwurzeln den Pflanzen des Dickichts Wasser und Nährstoffe streitig machen.

[Schnellwüchsiger, pflegeleichter Eukalyptus bringt Profit]

Der Baum ist schnellwüchsig und gilt als pflegeleicht - im Plantagenbetrieb sind während der Wachstumsphase kaum Eingriffe nötig. Die Ernte kann je nach Standort alle acht bis zwölf Jahre erfolgen. Der größte Holzzuwachs wird in den ersten fünf Jahren verzeichnet. In günstigen Gegenden kann ein Hektar Eukalyptus nach 10 Jahren 4000 Euro erbringen. Besitzer eines Kiefernwaldes müssen in der Regel 35 Jahre bis zur Ernte warten, wenn sie es auf Qualitätsholz für die Möbelindustrie abgesehen haben.

Nach der Ernte treiben die verbliebenen Baumstümpfe neu. Mit dem Austreiben junger Triebe wird in Abständen eine Erneuerung des Bestands erreicht. Nach mehreren Zyklen verlieren die Stümpfe die Fähigkeit zu treiben. So verringert sich die Anzahl produktiver Bäume nach und nach. Irgendwann steht der Eigentümer vor der Wahl, die Stümpfe zu entfernen und eine neue Plantage anzulegen oder eine andere Form der Nutzung einzuleiten, oder den Betrieb weiterlaufen zu lassen, mit verminderter Produktivität.

[Eukalyptusklima mit mildem Klima bei 700mm Jahresniederschlag: in Portugal an der nördlichen Küste und in Nordspanien (Galicien)]

Der Blaue Eukalyptus hat besonders im wintermilden mediterranen Klima eine hohe Produktivität, solange der mittlere Jahresniederschlag bei mindestens 700 mm liegt. Auf der iberischen Halbinsel ist das in den Küstenstreifen Portugals nördlich des Tejos und Galizien [Galicien] in Spanien gegeben. Schätzungen für küstennahe Gebiete im Zentrum Portugals kommen auf eine oberirdische Nettoprimärproduktion von 16-24 Tonnen Biomasse pro Jahr und Hektar für eine Erstanpflanzung von Eukalyptus mit mehr als vier Jahren, ohne Düngung. Die See-Kiefer kommt im gleichen Gebiet auf 14 Tonnen pro Jahr und Hektar. Zum Vergleich: ein Laubwald der gemäßigten Klimazonen schafft 5 - 7 Tonnen pro Jahr und Hektar.

[Eukalyptus säuft das Wasser weg: Ackerflächen trocknen aus, Brunnen trocknen aus]

Obwohl die Transpiration von Eukalyptus in ihrer Größenordnung vergleichbar mit der von anderer Waldvegetation ist, ist sein Wasserbedarf schon seit den 1930er Jahren ein Politikum in Portugal. Immer wieder beklagten Bauern zurückgehende Erträge von Äckern in unmittelbarer Nähe von Eukalyptusplantagen. Brunnen zur Wasserversorgung der Bevölkerung fielen stellenweise vollständig trocken, wie etwa nach einer großflächigen Eukalyptus-Anpflanzung in der Serra d’Ossa im Alto Alentejo. Deshalb wurde ein Gesetz erlassen, dass Mindestentfernungen für den Anbau von Eukalyptusplantagen regelt.

[Kriminelle EU begünstigt weitere Eukalyptusplantagen in Portugal - gegen die Landbevölkerung - und Olivenbäume wurden vernichtet]

Auch Veränderungen in der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft führten zu einer Ausdehnung der Eukalyptusplantagen und zur Entstehung von Konflikten. Es kam zu heftigen Protesten unter der betroffenen Landbevölkerung. Stellvertretend für die Unruhen mag der "Aufstand von Valpaços" 1989 stehen. Die EU-Agrarpolitik hatte aufgrund des europäischen Überschusses an Pflanzenölen die freiwillige Flächenstillegung von Olivenkulturen in der Nordost-Region von Tras-os-Montes promotet. Nun kassierten die Grundbesitzer Prämien, um dann die Landstücke nach dem Entfernen der Olivenbäume an eine dem Papierkonzern Soporcel nahestehende Firma zu verkaufen - und damit die Zukunft vieler Anwohner, die ihre Arbeit in den Olivenhainen verloren.

Seit Beginn des Programms 1987 waren bereits 1000 Hektar Oliven beseitigt wurden. Das führte zu Unruhen in der Gegend, die sich im März 1989 in Valpaços entluden, als 2000 Anwohner tausende Eukalyptus-Setzlinge aus dem Boden rissen und dafür von Polizeikräften niedergeknüppelt wurden. Nach den Unruhen erließ die portugiesische Regierung ein Gesetz, das die Anpflanzung von Eukalyptus regeln sollte.

[Eukalyptuswälder dienen der Natur und den Vögeln NICHT, sondern NUR der Papierindustrie]

Eukalyptuswälder sind für ihre geringe Biodiversität bekannt und berüchtigt. Die fast vollständig fehlende trophische Vernetzung mit anderen, heimischen Lebewesen wird den Eukalyptus noch auf hunderte Jahre fremd sein lassen. Das trifft insbesondere auf Plantagen zu, nur selten verirrt sich ein Vogel hierher.

Die Plantage bietet keinen Raum für ökologische Nischen. Nur eventuell vorhandenes Unterholz wirkt anziehend für andere Lebensformen, doch fehlt dieses zumeist, und die kurzen Rotationszeiten des Plantagenbetriebs laden nicht zur Ansiedlung anderer pflanzlicher oder tierischer Bewohner ein. Eukalyptus-Verfechter sehen das gelassen und verweisen auf die Biodiversität einer Stadt, die sei schließlich ähnlich mager.

[Der Eukalyptusbaum wird nicht als "fremd" taxiert]

Die PR-Abteilungen des Sektors sind sich des Imageproblems jedoch durchaus bewusst und steuern gegen. In Portugal verschwand der Begriff "exotisch" aus vielen technischen Dokumentationen zum Thema Eukalyptus. Im Gegensatz zu anderen Ländern mit Eukalyptus-Anpflanzungen ist der Baum nicht als invasive Art klassifiziert, auch nicht im Gesetz No.565/99, das das Ausbringen nichtheimischer Arten in Portugal regelt. Stattdessen wird suggeriert, dass alle Arten "gleich" seien.

Hin und wieder gibt es Versuche, massive Eukalyptus-Anpflanzungen aufgrund der CO2-Speicherfähigkeit des Baums schönzureden, doch die Bilanz ist unter den Bedingungen des Plantagenbetriebs ernüchternd. Zwar können die Plantagen CO2 schnell aufnehmen, schneller als jede andere Baumart, doch das Gas wird nur über kurze Zeit in Form des Holzes aus dem Kreislauf entfernt und zwischengeparkt. Im Boden selber wird über die schnelle Mineralisierung von gebildeter organischer Materie viel CO2 an die Atmosphäre zurückgegeben.

[Eukalyptus mit ätherischen Ölen - brennt gut!!! - Rindenteile fliegen bis 3km weit - der Waldbrand ist gut "organisiert"]

Der Blaue Eukalyptus produziert ätherische Öle, die den Baum - ähnlich der Kiefer - regelmäßig bei sommerlichen Temperaturen brandgefährlich werden lassen. Besonders problematisch beim Eukalyptus: in einer Feuersbrunst können sich brennende Rindenteile lösen, die mit dem Luftstrom bis zu drei Kilometer unter Funkenflug reisen und so zur schnellen Ausbreitung eines Waldbrands beitragen können.

[Das Eukalyptuslaub: Das ätherische Öl reichert sich im Boden an - der Boden wird praktisch steril]

Das mengenmäßig wichtigste etherische Öl des Eukalyptus ist 1,8-Cineol, das sich nach dem Laubabwurf am Boden anreichert und ihm wasserabweisende Eigenschaften überträgt und so eine Auffrischung wasserführender Schichten erschwert. Cineol hat gleichzeitig bakterizide Eigenschaften, deshalb werden abgeworfene Blätter vor allem durch Pilze zersetzt. Die Blätter selber sind alkalisch und nährstoffreich, mit besonders hohen Anteilen an Calcium, das der Eukalyptus vorher sehr effektiv dem Boden entzogen hat. Das Laub wird schnell mineralisiert und trägt kaum zur Akkumulation von organischer Materie und zur Humusbildung in den oberen Bodenschichten bei, wobei die verminderte Aktivität der Bodenfauna eine wesentliche Rolle zu spielen scheint.

[Eukalyptusblätter provozieren grosse Regentropfen und Erosion - bis zu 50 Tonnen Erde pro Hektar schwemmen weg]

Der Boden ist aufgrund seiner Struktur anfällig gegenüber Verwitterung, die von Regenfällen ausgelöst wird. Zusätzlich vergrößern die Form der Blätter und ihre Anordnung die Regentropfen, die auf den Boden treffen. Die Anpflanzung an Hängen gilt als besonders kritisch, da sie gerade im ersten Jahr den Boden extrem anfällig für Erosion macht. Bis zu 50 Tonnen Bodenmaterial pro Hektar können dabei abgetragen werden.

[Mischwälder würden die Eukalyptuswirkungen lindern - auch gegen grosse Waldbrände - Monokultur-Eukalyptuswälder bewirken Giga-Waldbrände]

Dabei ließen sich viele negativen Auswirkungen des Baums durch das Anlegen von Mosaikwäldern und ökologischen Korridoren lindern, in denen sich von Eukalyptus bestandene Flächen mit heimischen Arten abwechseln - damit ließe sich auch die Brandgefahr mindern. Doch die Realität ist eine andere. In manchen Gegenden Portugals sind ganze Landkreise fast vollsändig mit Eukalyptus zugewachsen, wie etwa Mortágua und andere Distrikte des küstennahen Zentrums.

Zu verlockend, zu zwingend ist die Hoffnung vom schnellen Geld. Der Bürgermeister von Castanheira de Pêra, der ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Nachbargemeinde von Pedrógão Grande, fand dafür eigene Worte: den Eukalyptus träfe keine Schuld an den verheerenden Bränden, deshalb solle man seine Anpflanzung auch nicht aufgeben. Die müsse nur in geordneteren Bahnen vor sich gehen.

[Die kriminellen EU-Regierungen entmachten die Forstdienste (!!!) - gelegte Waldbrände, um Eukalyptus anzupflanzen, seit 2013 möglich (!!!)]

Seit den 1980er Jahren gab es mehrere Reformen, die dem staatlichen Forstdienst nach und nach die Macht nahm, die Wälder zu managen - für Forstfachleute eine desaströse Entwicklung, die unter ihnen als eine wesentliche Ursache für die seit jener Zeit immer wiederkehrenden massiven Waldbrände gilt. Die hatten immer wieder neue Gesetze zur Folge.

So war es seit 1987 verboten, abgebrannte Waldflächen mit anderen Baumarten als jenen zu bepflanzen, die dort vor dem Waldbrand wuchsen: ein Schutzmechanismus, der verhindern soll, dass die Bepflanzung von Flächen mit Eukalyptus über gelegte Waldbrände erzwungen wird. Diese Regelung wurde mittlerweile aufgehoben. Ein 2013 im Rahmen von "Liberalisierungen" der Forstwirtschaft verabschiedetes Gesetz erlaubt nun die ungehinderte Anpflanzung von Eukalyptus, auch auf Flächen von weniger als zwei Hektar.

Traditionell kommen Vorstöße zu Änderung von Forstgesetzen immer im Gefolge von Sommern mit großen Waldbränden. Als schwierig für die Umsetzung gelten unter anderem die Besitzverhältnisse: 85% des portugiesischen Waldes sind in Privathand, wovon der überwiegende Teil Flächen kleiner als fünf Hektar ausmacht.

[2016: 160.000 Hektaren Wald abgebrannt - Eukalyptusflächen sollen "eingefrohren" werden - Papierindustrie will nur noch Eukalyptus pflanzen]

Unter dem Eindruck der 160.000 Hektar verbrannten Waldes des Jahres 2016 hatte die Regierung Costa noch im gleichen Jahr ein erstes Reformpaket zur Diskussion gestellt, das seit Februar 2017 in einer aktualisierten Fassung vorliegt. Ein Schwerpunkt betrifft den Eukalyptus: Künftig sollen neue Plantagen demnach nur noch dann entstehen, wenn sie bereits bestehende ersetzen. Die Pflanzungen sollen auf Gegenden begrenzt bleiben, die dem Eukalyptus optimale Bedingungen für sein Wachstum bieten. Damit soll die Eukalyptusfläche des Landes bis 2030 auf ihren jetzigen Stand eingefroren werden. Die Reaktion der Industrie kam prompt. Sie sieht die Zukunft einer Industrie bedroht, deren Geschäftsvolumen im Jahre 2015 mit 2.65 Milliarden Euro zu Buche schlug.

Die geplante Forstreform sollte eigentlich erst Ende 2018 das Parlament passieren, doch das könnte nun überraschend schnell geschehen. Präsident Marcelo Rebelo de Sousa hat gefordert, dass noch vor der Sommerpause ein Gesetzespaket im Parlament verabschiedet wird, das die während der Brandkatastrophe von Pedrógão Grande erkannten ursächlichen Probleme addressiert - Probleme, die zum Teil seit nunmehr Jahrzehnten auf ihre Lösung warten.>






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