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Landwirtschaft - allgemeine Angaben
Felder von Paul Kaiser bei Sebastopol
          nördlich von San Francisco: ohne Pestizide, mit
          Tröpfchenbewässerung, mit Sträuchern und Bäumen rund rum,
          Kompostdecken im Winter etc. - die Singing-Frogs-Farm
Felder von Paul Kaiser bei Sebastopol nördlich von San Francisco: ohne Pestizide, mit Tröpfchenbewässerung, mit Sträuchern und Bäumen rund rum, Kompostdecken im Winter etc. - die Singing-Frogs-Farm [2]

24.8.2012: <Nützlinge und Schädlinge> - der Industrie-Mensch macht sich die Plagen meistens selbst -- 4.11.2014: <«Trockenmauern», alles andere als trocken> - Pflanzen- und Tierwelt in der Trockenmauer -- "USA" 22.9.2014: Originales Saatgut bringt mehr - Gentech-Saatgut und Pestizid Roundup von Monsanto ist nur Schrott: USA: Immer mehr Landwirte kehren Monsanto den Rücken -- 24.10.2014: Ein Leben ohne kriminelle Pestizide und Gentech: <Video: BioPioniere erzählen – Der lange Weg zur gesunden Ernährung> -- Sebastopol bei San Francisco ("USA") 13.5.2017: Wassersparende, effiziente Landwirtschaft von Paul Kaiser durch Bodenpflege mit Bäumen, Sträuchern, Wurzeln im Boden lassen, Kompost auf kleinen Feldern: Der mit der Dürre tanzt – Das wird BayerMonsanto nicht gefallen – ein kalifornischer Landwirt hat wohl die wirksamste Methode gefunden, Nutzpflanzen in Dürregebieten anzubauen! The Drought Fighter -- Der Landwirtschaftspionier Paul Kaiser -- Der Regenwurm produziert die frische Erde und revitalisiert die Erde - Charles Darwin 1882 - die Erde muss abgedeckt sein -- Forschung in Gambia (Afrika): Das Landwirtschaftsexperiment von Paul Kaiser im heissen Gambia -- Feld und Wald sind eine Einheit mit Nützlingen für Menschen und Pflanzen -- Gambia: Aussaat und Mull drüber: Äste, Zweige, Blätter halten den Boden feucht und kühl - durch Kondensationswasser in der Nacht (!) -- Gambia: Die Vielzahl der Gemüse bringt viele verschiedene Nützlinge auf die Felder -- Costa Rica: Die Plantage am Waldrand praktisch ohne Schäden, weil Nützlinge vom Wald her kommen -- Das Prinzip: Naturschutz=Landwirtschaftsschutz -- Bio-Kleinbauern haben mehr Ertrag als Pestizid-Grossbauern (!) -- Pestiziden vernichten Schädlinge UND Nützlinge - die Schädlinge kommen schneller zurück -- Pestizide machen die Pflanzen passiv -- ab 2005: Kaisers Farm bei Sebastopol nördlich von San Francisco -- Kaiser in Sebastopol: Eine Farm wiederherstellen -- Der Test: Ein Traktorpflug zerstört Bodennester, Wurzeln und Regenwürmer - die schonende Anbaumethode -- Der Regierungsbericht des "US"-Ldw-Departements: Traktorpflug=Erdbeben+Hurrikan+Tornado+Waldbrand gleichzeitig -- Kaiser mit Direktsaat-Landwirtschaft ohne Pflug -- Hecken und Büsche für Nützlinge anlegen + Wurzeln immer im Boden lassen=Nahrung für Mikroorganismen + Kompostschicht -- Treibhaus für Sämlinge 1 Monat lang -- Der Besuch eines Herrn Leap -- Die Belüftung eines Bodens mit einem Rechenspaten OHNE Pflug -- Kompost kann für junge Pflanzen zu stark sein - Neutralisierung mit Kalzium (Austernmuscheln und gemahlenem Festgestein) - 7mal ernten pro Jahr -- Monokulturen ("Mono-Cropping") vermeiden -- Schwarzer Plastikmulch zum abdecken im Winter - 10mal anwendbar -- Es braucht keine Grossfarmen mehr - es braucht viele intelligente, kleine Farmen -- Herr Leap stellt eine Frage - Kaiser mit 8 Acres 7mal ernten reicht völlig aus - der Nachbar mit 44 Acres produziert weniger als Kaiser -- Getreide ohne Pestizide mit biologischer Direktsaat-Landwirtschaft anbauen geht leicht -- Wer kein Geld für Pestizide und Traktoren ausgeben muss und einen niedrigen Wasserverbrauch hat, kann höhere Löhne bezahlen -- Tröpfchenbewässerung in Schläuchen - Frost zerstört manchmal Schläuche -- Kompost ist ein Problem für das Trinkwasser - aber Paul Kaiser hat saubere Teiche mit seinem Regenwasserabfluss -- Das Kompost-Rätsel [Stickstoff, der von den Organismen aufgefressen wird, wenn die Erde gesund ist] -- Paul Kaiser mit 60 Tonnen Kompost pro Acre pro Jahr -- Paul Kaiser braucht kein Bio-Zertifikat -- Paul Kaiser fängt in Teichen das Regenwasser der Farm auf - alles lebt! -- Die Bodenwerte auf Paul Kaisers Froschfarm - aber immer kristallklare Regenwasserproben -- Die kommerzielle Kompostproduktion mit Aluminiumteilen und Plastikteilen drin -- Paul Kaiser: Der Kompost der Gesellschaft gehört in die Landwirtschaft -- Nachhaltigkeit angesichts der Städte von Morgen -- Die Schicht mit "organischem Bodenmaterial" SOM (soil organic matter) -- Die Traktorpflug-Landwirtschaft hat die SOM-Schicht von 8 auf bis 1% reduziert -- Frost und totes Gemüse - aber Dürre hat KEINE Folgen für Kaisers Froschfarm (!)
Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Literatur
-- Kompost produzieren: “The Bug Whisperer” (Der Insektenflüsterer) von Kristin Ohlson
Workshops
-- Paul Kaiser auf der Singing Frogs Farm in Sebastopol bei San Francisco: Learn to farm, Workshop 375$: info@singingfrogsfarm.com
https://www.eventbrite.com/e/learn-to-farm-the-singing-frogs-farm-way-autumn-2017-tickets-31502699422


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24.8.2012: <Nützlinge und Schädlinge> - der Industrie-Mensch macht sich die Plagen meistens selbst

aus: Planet Wissen online; 24.8.2012;
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/insekten_und_spinnentiere/kaefer/nuetzlinge_und_schaedlinge.jsp

<Guter Käfer - schlechter Käfer? Ob ein Käfer als nützlich oder schädlich gilt, hängt ganz von der Betrachtungsweise ab. Und die des Menschen ist meist eine wirtschaftliche. Werden ganze Ernten vernichtet, ist dies ein Schaden. Betätigen sich Käfer in der Abwehr anderer Schädlinge wie Läuse oder Schnecken, gelten sie als nützlich. Doch ganz so einfach ist es nicht - und oft legt der Mensch selbst die Grundlage für massenhafte Schäden.

Ökologische Vielfalt

Käfer besiedeln nicht nur fast alle Lebensräume der Erde, sie haben auch unterschiedlichste ökologische Nischen erobert. Sie ernähren sich pflanzlich oder tierisch, sie fressen Aas oder leben räuberisch. Sie leben auf der Erde, unter der Erde, in Pflanzen und im Wasser. Jede der Arten hat ihre Rolle und ihren Platz im Naturhaushalt. Doch so manch eine Lebensweise bestimmter Käferarten kommt uns Menschen sehr zupass - was vielfach genutzt wird und in manchen Fällen das ökologische Gleichgewicht stört.

Marienkäfer haben Blattläuse zum Fressen gern

Die Nützlinge

Zu den Käfern, deren Nutzen direkt sichtbar ist, gehören beispielsweise Glühwürmchen und Feuerkäfer. Die Larven der Glühwürmchen ernähren sich gerne von Schnecken, sogar von Nacktschnecken, die andere Tiere links liegen lassen. Sie lähmen ihre Beute mit Gift, ziehen sie in ihr Versteck und vertilgen sie. Die Larven der Feuerkäfer, die unter der Rinde von Bäumen leben, fressen die Larven des gefürchteten Borkenkäfers. Der bekannteste und beliebteste Nützling unter den Käfern ist sicherlich der Marienkäfer. Sein Heißhunger auf Läuse macht ihn zum gern gesehenen Gast in der Landwirtschaft und in Gärten. Bis zu 40.000 der kleinen Plagegeister kann ein Marienkäfer in seinem Leben vertilgen. Kein Wunder, dass er inzwischen gezielt als biologischer Schädlingsbekämpfer eingesetzt wird.

Der Asiatische Marienkäfer ist recht aggressiv

Vom Nützling zum Schädling: Marienkäfer

Um die Blattlausbeseitigung noch effektiver zu machen, wurde in Europa Ende des 20. Jahrhunderts der Asiatische Marienkäfer eingeführt. Diese Art der Marienkäfer, erkennbar an den 19 Punkten und einem "W" auf dem Halsschild, vermehrt sich sehr schnell und frisst etwa fünfmal so viel wie der europäische Siebenpunkt-Marienkäfer. Sind die Blattläuse aufgezehrt, nimmt der Asiatische Marienkäfer auch gerne Obst, Gemüse, Getreide oder die Larven anderer Marienkäfer zu sich. Nicht einmal vor dem Menschen macht er Halt: Die recht aggressiven kleinen Tiere beißen und mögen auch menschliches Blut. Inzwischen richtet der Asiatische Marienkäfer Schäden im Weinbau an, da durch seinen Abwehrstoff so manch ein Wein ungenießbar wird. Obstbauern beklagen sich über angefressene Früchte, die für den Verkauf unbrauchbar sind und so manch ein Hausbesitzer beherbergt unfreiwillig die Käfer, die sich in Massen in Ritzen einnisten können, um dort zu überwintern. Inzwischen bestehen auch Befürchtungen, der Asiatische Marienkäfer könne die europäischen Arten verdrängen.

Der Kartoffelkäfer war ursprünglich relativ harmlos

Eingeschleppter Schädlinge

Heute ist der Kartoffelkäfer vor allem dafür bekannt, dass er in kürzester Zeit ganze Kartoffelernten vernichtet. Dabei war der Käfer, der aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Colorado stammt, ursprünglich relativ harmlos. In seiner Heimat ernährte er sich vom Stachel-Nachtschatten und stellte kein großes Problem dar. Doch dann kamen die europäischen Siedler und brachten die Kartoffel mit. Mit dem großflächigen Anbau schlug die Stunde des "Colorado Beetle", der sich von nun von dem für ihn neuen Nachtschattengewächs ernährte und prächtig gedieh. Von den USA aus gelangten Kartoffelkäfer in den 1870er Jahren nach Europa, wo sie bereits wenig später erste große Schäden anrichteten. Heute sind die Ernteschädlinge bis Asien verbreitet. Für große Ernteschäden sorgt auch der aus den USA stammende Maiswurzelbohrer, der mit dem vermehrten Maisanbau in Europa beste Lebensbedingungen vorfindet.

Für den gesunden Wald wichtig: der Borkenkäfer

Borkenkäfer

Auch wenn sein Ruf nicht der beste ist: Borkenkäfer gehören eigentlich nicht zu den Schädlingen im Wald. Ist der Wald gesund, spielen sie als Destruenten eine wichtige Rolle im Ökosystem, das heißt sie zersetzen organisches Material. Nur wenige Borkenkäferarten wie der Buchdrucker sind in der Lage, lebende Bäume so weit zu schädigen, dass diese absterben. Buchdrucker und Kupferstecher gehören zu den Rindenbrütern, die sich von den saftführenden Schichten ernähren und die Bäume damit zum Absterben bringen. Wird ein Kupferstecher-Befall bemerkt, ist es für den Baum meist zu spät. Problematisch wird es, wenn die Borkenkäfer sich explosionsartig vermehren. Dann können sie großen wirtschaftlichen Schaden im Wald anrichten. Betroffen ist auch gelagertes Holz, das durch den Befall stark an Wert verliert. Begünstigt wird die Ausbreitung des Borkenkäfers vor allem durch Monokulturen.

Vorratsschädling bei Getreide: der Kornkäfer

Vorratsschädlinge

Unangenehm wird es, wenn Käfer sich in Vorratslagern oder gar in der Küche breitmachen: Reis-, Brot- Tabak- oder Museumskäfer fallen über Mehl, Getreide, Teigwaren, Tütensuppen, Kakao und Tee her, aber auch über tierische Produkte wie Leder und Fell. Manche der Vorratsschädlinge befinden sich schon beim Einkauf in der Packung, andere finden den Weg durch offene Fenster oder Türen. Wirklich verhindern lässt sich ein Befall durch die Vorratsschädlinge nicht, aber durch dichte Aufbewahrungsgefäße und regelmäßige Kontrollen des Inhalts lässt sich den Krabbeltieren das Leben schwermachen. Und im Falle eines Falles hilft nur: großzügig alles wegwerfen!

Martina Frietsch, Stand vom 24.08.2012>

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Michael Palomino, Portrait
Michael Palomino, Portrait

Hecken und Waldränder haben ihren Sinn - da leben die Nützlinge drin

von Michael Palomino

In einer natürlichen und ursprünglichen Landwirtschaft sind immer Hecken oder Trockenmauern um die Felder gruppiert. Felder am Waldrand haben einen grossen Standortvorteil durch die Sträucher am Waldrand, wo die Nützlinge leben.

Man kann dieses Prinzip in der ursprünglichen Landwirtschaft in den Sierra-Bergen von Süd-"Amerika" beobachten, wo bis heute Hecken oder Trockenmauern um die Feldern angelegt sind, um die Felder abzugrenzen bzw. vor Tiefrass zu schützen.

Wenn Europa so instelligent wäre, diese Heckenkulturen und Steinmauerkulturen wieder anzulegen, bräuchte es kaum noch Pestizide.

Felder mit Hecken und
                Steinmauern, Sierra über Ayacucho in Casaorqo, Peru
Felder mit Hecken und Steinmauern, Sierra über Ayacucho in Casaorqo, Peru [5]

Felder mit Cabuya-Kakteen, Sträuchern und Bäumen
                in Huasalata, Sierra in Ecuador
Felder mit Cabuya-Kakteen, Sträuchern und Bäumen in Huasalata, Sierra in Ecuador [6]

Millpo mit Feldmauern, Region Ayacucho, Peru
Millpo mit Feldmauern, Region Ayacucho, Peru [7]

Weiler mit Feldmauern, Millpo, Region Ayacucho,
                Peru
Weiler mit Feldmauern, Millpo, Region Ayacucho, Peru [8]



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Schweizer Fernsehen online, Logo

4.11.2014: <«Trockenmauern», alles andere als trocken> - Pflanzen- und Tierwelt in der Trockenmauer

aus: Schweizer Fernsehen online; 4.11.2014;
http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/trockenmauern-alles-andere-als-trocken

<Karin Salm

Die Kunst des Trockenmauerns wurde in prähistorischer Zeit erfunden. In den 1970er-Jahren geriet das Handwerk beinahe in Vergessenheit. Das neu erschienene, imposante Buch «Trockenmauern» gibt Einblick in eine Tradition, die die Landschaft geprägt hat. Zwei Kilo, die das Zeug zum Standardwerk haben.

Warum haben Menschen Steine zu Trockenmauern aufeinander geschichtet? Ganz einfach: Weil sie nicht mehr als Sammler und Jäger unterwegs waren, sondern sesshaft wurden und Landwirtschaft betrieben. Sie räumten die Steine von den Feldern und bauten daraus Mauern, um Weideland einzuzäunen, und Terrassen, um den steilen Flanken urbares Land abzutrotzen. Steine waren das einfachste, elementarste Baumaterial. Architekten und Baumeister waren nicht nötig, es reichte das Kollektiv.

Ein archaisches Handwerk

Das Trockenmauern ist also ein archaisches Handwerk, in dem eine Menge Erfahrungswissen steckt. Es entstehen einfache Formen und weil das Material aus der Region stammt, gliedern sich die Bauwerke selbstverständlich in die Landschaft ein und prägen diese gleichzeitig. Trockenmauern sind zudem ökologisch, bieten Flora und Fauna reichlich Platz. Und als Tüpfelchen auf dem «i»: Trockenmauern – seien es Weidemauern, Trullis oder Stützmauern – sind unglaublich schön.

«Im Trockenmauer-Handwerk gibt es kein moralisches Dilemma», schreibt der britische Spezialist Richard Tufnell in seinem Essay im Prachtsband «Trockenmauern». In den späten 1970er-Jahren hatte er in Schottland einen Hof gekauft. Eine Trockenmauer war zu restaurieren. Ein schier unlösbares Problem, beherrschte doch kaum jemand dieses alte Handwerk.

Dank Richard Tufnell hat sich das geändert: Er hat das beinahe verloren gegangene Wissen gesammelt, aufgeschrieben und weitergegeben. Auch in der Schweiz. Aus seinem Wissen hat die Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz nun das «Trockenmauern»-Buch gemacht: 470 Seiten dick und 2 Kilo schwer.

Hand und Hirn

Entstanden ist ein Standardwerk, das Einblick gibt in ein faszinierendes Handwerk, das nicht nur Kraft und Ausdauer fordert, sondern auch das Auge für die richtigen, passenden Steine und ein Wissen über Statik, Hangdruck und Reibungswinkel – fürs Trockenmauern sind Hand und Hirn gefragt.

Doch «Trockenmauern» ist viel mehr als eine Bauanleitung. Dieses grosse Buch entpuppt sich als wahre Schatzkammer. Rasch wird einem klar: In einer einfachen Trockenmauer steckt viel Kultur- , Bau- und Landwirtschaftsgeschichte.>

Links

Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz (Hrs.): «Trockenmauern.» Hauptverlag, 2014.



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Netzfrauen
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"USA" 22.9.2014: Originales Saatgut bringt mehr - Gentech-Saatgut und Pestizid Roundup von Monsanto ist nur Schrott
USA: Immer mehr Landwirte kehren Monsanto den Rücken
https://netzfrauen.org/2014/09/22/back-roots-immer-mehr-landwirte-kehren-monsanto-den-ruecken/

<Immer mehr Landwirte in den USA meiden gentechnisch verändertes Saatgut (GVO). Aber sie können dies nicht sofort tun, weil Monsanto immer noch am längeren Hebel sitzt. Die Landwirte haben festgestellt, das Nicht-GVO-Saatgut, also konventionelles Saatgut, viel produktiver ist und für die Landwirtschaft mehr Gewinn bringen würde. 

Das Magazin „Modern Farmer entdeckte, dass es eine Bewegung unter den Bauern gibt, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu vermeiden, und zwar aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Allein der Einsatz von Herbiziden stieg in den Jahren 2001 bis 2010 um bis zu 26%. Dies vor allem, weil GVO-Saatgut einen dramatischen Anstieg der Resistenzen gegen diese Herbizide zeigt.

Die „Farm & Water Watch“-Gruppe, berichtete, dass in den Vereinigten Staaten etwa 61,3 Mio. Hektar von Unkraut befallen sind, das sich gegen das Herbizid „Roundup“, das hauptsächlich aus Glyphosat besteht, als resistent erweist. Auf dem Foto sehen Sie ein Beispiel für das Giga-Wachstum von Unkraut auf amerikanischen Feldern.

Die Landwirte gehen zurück zu natürlichem Saatgut statt GVO-Saatgut. Dies habe absolut nichts mit Hippies oder sonst etwas zu tun, in den USA bestehe diese Gruppe aus Bauern aus dem Mittleren Westen, die diese Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen getroffen haben, so die Erfinder der Zeitschrift „Modern Farmer.

„Vor fünf Jahren wurde dieses GVO-Saatgut entwickelt“, sagt Bauer Huegerich, der zusammen mit seinem Vater das GVO-Saatgut gepflanzt hatte. „Mein Getreide hatte nicht unter Wurzelfäule zu leiden, da ich das Bt-Gen (Erfindung von Monsanto) im Saatgut hatte. Auch brauchte ich weniger Pestizide. Aber jetzt scheinen sich die Würmer angepasst zu haben und greifen die Wurzeln an. Die Natur kommt zurück und die Pflanzen sind resistent geworden.“

Konventionelles Saatgut ist profitabler als GVO

Das Magazin „Modern Farmer“ spricht von einer „Post-GVO-Wirtschaft“ (Back to the Roots). Und liefert hervorragende Argumente für jene Landwirte, die planen, sich von GVO-Saatgut und Pflanzen zu trennen. Hier ein paar der interessanten Details, die das Magazin für diesen Fall aufzählte:

  • Der Anbau von einem Hektar mit natürlichem Mais kostet laut Aaron Blook $ 680,95 und die Kosten für GVO-Saatgut betragen $ 761,80. Dies bedeutet, dass der Anbau von GVO-Produken auf dem Feld 15% teurer wäre.
  • GVO-Saatgut ist in der Regel rund 150 Dollar teurer als die gleiche Menge natürlicher Samen.
  • Der Markt für natürliche Ernte (aus natürlichem Saatgut!) ist in den Jahren 2011 bis 2013 um erstaunliche  $ 1,8 Mrd. (1.3 bis 3.1 Mrd.) gewachsen. Dies ist vor allem entstanden, weil in einigen asiatischen und europäischen Ländern keine GVO-Kulturen wachsen bzw. zugelassen sind.
  • Der Markt für nicht-GVO-Produkte wächst stark. Der Verkauf von „Spectrum Seed Solutions“, einem Unternehmen, das natürliches Saatgut verkauft, hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt.
  • Auch der Verkauf des natürlichen Saatgutes der Firma eMerge Genetics ist in den letzten fünf Jahren um etwa 30% angewachsen.
  • Spectrum Seed Solutions Direktor Scott Geisler schätzt, dass in den nächsten 5 Jahren der Markt für Nicht-GVO-Maissaatgut 20% des Marktes ausmachen könnte. Das ist wirklich eine Revolution in den USA, wenn man bedenkt, dass fast alle landwirtschaftlichen Märkte mit GVO-Saatgut verseucht sind. (Siehe Bild).

Boer Analyst Bloom errechnete, dass ein durchschnittlicher Landwirt rund US $ 81, – sparen könnte, wenn er natürliches Saatgut pflanzen und ernten würde und das in jedem Jahr. Und weil die durchschnittlichen Betriebe in den USA etwa 1000 Hektar groß sind, stellt dies eine jährliche Einsparung von US $ 81 000, –  dar.

Es scheint, dass GVO Vergangenheit ist und die Zukunft für den Agrarsektor in den Vereinigten Staaten den Nicht-GVO gehören wird, weil immer mehr Bauern den Märchen über GVO misstrauen. 

Aber vor allem die Superunkräuter, die resistenten Unkräuter, haben vielen Bauern die Augen geöffnet. Denn wenn das Unkraut wirklich mit Roundup hätte vernichtet werden können,  warum ist die Natur dann in der Lage, die Monsanto-Lüge zu entlarven?

Die Monsanto-Story, die Welt benötige GVO, um mehr Nahrung zu produzieren, ist nicht nur ein erwiesenes Märchen, sondern wie Sie in diesem Artikel lesen, vor allem eine sehr große Lüge ..! Der freie Markt in den Vereinigten Staaten sollte dem hinterlistigen und manipulativen Konzen ein Ende setzen. 

Wir haben den Beitrag: Economie: Steeds méér boeren mijden GMO om…. für Sie frei übersetzt. Der ursprüngliche Beitrag:The Post-GMO Economy One mainstream farmer is returning to conventional seed — and he’s not alone ist von „Modern Farmer“ 

Immer mehr Länder wollen sich von Monsanto und Co. nicht zum Sklaven machen lassen. Auch in Südamerika verweigern Bauern das Saatgut. Siehe: Nach Mexiko und Guatemala nun Costa Rica – Neuer Rückschlag für Monsanto>


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24.10.2014: Ein Leben ohne kriminelle Pestizide und Gentech: <Video: BioPioniere erzählen – Der lange Weg zur gesunden Ernährung>

aus: Netzfrauen online; 24.10.2014;
http://netzfrauen.org/2014/10/24/video-biopioniere-erzaehlen-der-lange-weg-zur-gesunden-ernaehrung/
Stiftung Ökologie und Landbau: BioPioniere erzählen: https://www.youtube.com/watch?v=2KQAOLlBZd0

<Der Film „BioPioniere erzählen – Sechs Leben für die Zukunft” ist eine beeindruckende Dokumentation über die Anfänge des Ökolandbaus. Sechs Pioniere der ersten Stunde berichten über ihre Erlebnisse, ihre Motivation und ihre Vision für die Zukunft.

BioPioniere erzählen… Sechs Leben für die Zukunft

… ist ein Zeitdokument über das Leben und die Arbeit wichtiger Persönlichkeiten der Geschichte des ökologischen Landbaus. Sie schildern ihre Erlebnisse als Pioniere, erzählen von ihren Gedanken und ihrer Motivation, sich für den Ökolandbau einzusetzen. Eine spannende Geschichte und ein wertvoller Beitrag, um die Anfänge und den Ursprung der Bewegung zu bewahren.

In den rasanten Zeiten des Internets ist es ein „alter“ Bericht aus 2012, den wir hier für die Netzfrauenleser herausgesucht haben – aber er ist ermutigend und immer noch richtig. Denn das Ziel der Dokumentation, ein fundiertes Verständnis über Entstehung, Nutzen und Ziele der Biobewegung auch für Neulinge, aber auch Kunden zu ermöglichen, wird damit auch heute erfüllt.

Der Film auf Youtube, veröffentlicht von Traineeprogramm Ökolandbau für die www.biopioniere.net, feierte am 24.10.2012 bereits Premiere. Er zeigt in aller Deutlichkeit auf, dass ein Leben jenseits von Monsanto & Co. möglich ist.

Ob Demeter, Bioland oder andere ökologische Organisationen: ohne Menschen, wie die im Film interviewten sechs Pioniere, aus den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Forschung, sowie aus Verbänden, gäbe es die Biobewegung wie wir sie heute kennen nicht.

Netzfau Andrea Escher

Links

USA: Immer mehr Landwirte kehren Monsanto den Rücken

Unkrautresistenz als Antwort auf die Giftcocktails – Die Natur schlägt zurück!

Unglaublich! Staatliche Erpressung zugunsten Monsanto – US requires El Salvador to buy Monsanto’s GMO seeds or no aid money

Pestizide – „Mord auf Raten”! Die Macht der Agrarlobby!>

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Sebastopol bei San Francisco ("USA") 13.5.2017: Wassersparende, effiziente Landwirtschaft von Paul Kaiser durch Bodenpflege mit Bäumen, Sträuchern, Wurzeln im Boden lassen, Kompost auf kleinen Feldern
Der mit der Dürre tanzt – Das wird BayerMonsanto nicht gefallen – ein kalifornischer Landwirt hat wohl die wirksamste Methode gefunden, Nutzpflanzen in Dürregebieten anzubauen! The Drought Fighter
https://netzfrauen.org/2017/05/13/der-mit-der-duerre-tanzt/

Karte mit San
                          Francisco, Sebastopol und der
                          Singing-Frogs-Farm  Singing-Frogs-Farm, Luftaufnahme mit
                          Feldern und Treibhäusern
Karte mit San Francisco, Sebastopol und der Singing-Frogs-Farm [1] - Singing-Frogs-Farm, Luftaufnahme mit Feldern und Treibhäusern [4]


<Todd Oppenheimer

Todd Oppenheimer ist der Autor von  THE FLICKERING MIND: Saving Education from the False Promise of Technology. Er ist Gründer und Herausgeber des CRAFTSMANSHIP Magazine.

Fotos von Christopher D. Cook

[Der Landwirtschaftspionier Paul Kaiser]

[...] Paul Kaiser zeigt mit seinem kleinen Hof, wie er trotz der Dürre reichlich erntet. Wir haben Ihnen diesen sehr langen Artikel aus dem CRAFTSMANSHIP Magazine übersetzt, denn Landwirtschaft geht auch anders, ohne GVO und Pestizide! [...]

Schon als Kind war Kaiser von Erde besessen, weiß seine Mutter. War diese Neigung genetisch bedingt? Obwohl seine Familie immer noch Kürbisse in Illinois für Libby’s anbaut, wuchs Kaiser selbst in einer nordkalifornischen Vorstadt auf. Mit 20 suchte Kaiser, ein muskulöses Bündel von Energie und Neugier, nach dem Geheimnis eines gesunden Pflanzenlebens. Er nährte seine Suche durch eine Reihe rastloser Studien, die ihm höhere akademische Grade einbrachten in den Bereichen Internationale Beziehungen, Verwaltung natürliche Ressourcen und nachhaltige Entwicklung. [...]

[Der Regenwurm produziert die frische Erde und revitalisiert die Erde - Charles Darwin 1882 - die Erde muss abgedeckt sein]

Schwarzmaler warnen seit Beginn des Ackerbaus vor dem Missbrauch des Bodens, wenigstens seit 5000 v. Chr. Wir wissen aber auch seit 1882, wie man seine Fruchtbarkeit wiederherstellt, denn in diesem Jahr veröffentlichte Charles Darwin eine seiner weniger bekannten Entdeckungen: Der Mutterboden wird durch nichts anderes geschaffen als durch den kleinen, aber feinen Regenwurm, und zwar in einer Menge von 10 bis 20 Tonnen pro Acre. (Regenwürmer erschließen Felsgestein, mischen dabei dessen Mineralien mit Wurzeln, Blättern und anderen biologischen Überbleibseln zu einer schönen, vollwertigen Mahlzeit. Seine Ausscheidungen sind fruchtbare Erde). Aber wenn diese Erde zu Staub pulverisiert wird, wie es auf der ganzen Erde geschieht, gibt es für den Wurm nichts Verzehrbares mehr darin—oder, im weiteren Sinne, für den Rest des Ökosystems. [...]

[Forschung in Gambia (Afrika): Das Landwirtschaftsexperiment von Paul Kaiser im heissen Gambia]

Eine seiner ersten gärtnerischen Forschungen nahm er 1998 in Westafrika vor während einer Aufgabe für das Friedenskorps. Kaiser wurde nach Gambia geschickt, einem kleinen Land nahe der Sahara, das einst einer der großen Player im Sklavenhandel war. Seine Aufgabe war es, die ausgedörrte Landschaft wiederzubeleben, die er mit einer Kombination von Land- und Forstwirtschaft (agro-forestry) in Angriff nahm.

[Feld und Wald sind eine Einheit mit Nützlingen für Menschen und Pflanzen]

Obwohl heute kaum praktiziert, ist Land-Forstwirtschaft eine Jahrhunderte alte Methode, die auf einem sehr einleuchtenden Prinzip basiert: Wenn man mit einer Auswahl an Bäumen beginnt, die alle verschiedene Aufgaben übernehmen können —  Windschutz und Mulch z. B. oder das Bewahren von Wasser, von Nährstoffen oder Bodenkrume—wird Fruchtbarkeit die Folge sein. Kaiser sammelte zuerst Baumsamen und pflanzte sie überall. Auch errichtete er einen kleinen Versuchsgarten mit Gemüsesorten, die die Dorfbewohner nie oder nur selten zuvor gesehen hatten—Kohl, Paprika und etwas Salat.

[Gambia: Aussaat und Mull drüber: Äste, Zweige, Blätter halten den Boden feucht und kühl - durch Kondensationswasser in der Nacht (!)]

Gambia leidet sowohl unter sengender Hitze als auch unter geringem Regen. Die einzige verlässliche Wasserquelle in Kaisers Gemeinschaft war ein 35 m tiefer Brunnen. Darum folgte Kaiser einer leider meist missachteten Grundregel: Schütze deinen Boden. „Ich nahm alles, was ich an Ästen, Zweigen und Blättern noch in den fast zerstörten Wälder finden konnte“, sagt Kaiser, „und warf sie auf die Gartenbeete. Den Rest wird das Leben selbst übernehmen“. (So romantisch diese Behauptung klingen mag, funktioniert diese Maßnahme aus einfachen biologischen Gründen: Boden, der abgedeckt ist, bleibt feuchter und kühler [durch Kondensationswasser in der Nacht (!)]; dadurch bilden Pflanzen ihre Wurzeln und deren guten Mikroben näher an der Oberfläche, wo es die meisten Nährstoffe gibt.) Sehr bald stellte Kaiser fest, dass er wesentlich weniger Brunnenwasser brauchte als die Dorfbauern. „Sie müssen 100 Eimer täglich schöpfen, während ich nur 20 alle zwei Tage brauche.“ [...]

[Gambia: Die Vielzahl der Gemüse bringt viele verschiedene Nützlinge auf die Felder]

Nach und nach erkannten die Dorfbewohner, dass auch sie etwas anderes anbauen könnten außer Hirse und Erdnüssen, die ihre Grundnahrungsmittel seit Generationen gewesen waren. [...]

[Costa Rica: Die Plantage am Waldrand praktisch ohne Schäden, weil Nützlinge vom Wald her kommen]

Einige Jahre, nachdem er Gambia verlassen hatte, arbeitete Kaiser an seiner Examensreihe in Costa Rica, als ein Kollege, der zwei Obstplantagen mit Zitrusfrüchten studierte, etwas Ungewöhnliches entdeckte. Die erste Plantage. die an einen dichten Wald voller Bäumen, Büsche und wildem Wein angrenzte, war mehr als 90 Prozent weniger von Schädlingen befallen als die zweite Plantage, die sich in einer offenen Ebene befand und eine Meile entfernt war. Das verblüffte Kaiser. „Solch ein Ergebnis kann man nicht einmal mit chemischen Pflanzenschutzmitteln erreichen“, sagt er. „Diese chemischen Sprays töten alles — die Schädlinge und die Nützlinge“. (Nützlinge sind Insekten, die nicht die Ackerfrüchte fressen, sondern sie beim Wachsen unterstützen. Bienen z. B. helfen beim Bestäuben; andere wie Marienkäfer und Gottesanbeterinnen fressen die Insekten, die die Ernte auffressen). Jeder Landwirt möchte Nützlinge haben; Nach jedem Versprühen von Insektenvernichtern kommen die Schädlinge immer schneller zurück als die Nützlinge. (Biologen erklären dies damit, dass Schädlinge sich schneller und effektiver vermehren und dass sie durch jahrhundertelanges Bekämpftwerden widerstandsfähiger wurden.) Weitere Spritzungen folgen und die Todesspirale geht immer weiter. Paradoxerweise geschieht dieser Prozess unabhängig davon, ob diese Spritzmittel chemisch oder organisch sind.

In Costa Rica erkannten Kaiser und seine Kollegen, dass die schädlingsfreie Plantage dem Schicksal der anderen Plantage aus einem einfachen Grund entging: Die Nützlinge hingen in den Baumblättern nahe der Plantage und konnten so die Ernte erhalten. Während seiner Studien besuchte Kaiser eine Bananenplantage, deren Produktivität um das Doppelte gesteigert werden konnte, indem man den Superbaum Moringa Oleifera anpflanzte, der sowohl Schatten spendete als auch Stickstoff, den wichtigsten Nährstoff für eine Pflanze. Kaiser war so beeindruckt von den unzähligen Kräften dieses Baumes, dass er später ein kleines Buch über sie verfasste.

[Das Prinzip: Naturschutz=Landwirtschaftsschutz]

In Kaisers Gehirn manifestierte sich ein Muster. „Wenn man sich zuerst darum kümmert, dass es der Natur insgesamt gut geht“, sagt er heute, „ist die Landwirtschaft leicht.“

[Bio-Kleinbauern haben mehr Ertrag als Pestizid-Grossbauern (!)]

Miguel Altieri, Professor für Agroökologie an der kalifornischen Universität Berkeley, kam in anderen Versuchsreihen in verschiedenen Regionen Lateinamerikas zu den gleichen Schlussfolgerungen: In vielen Fällen erlangten Kleinbauern höhere Profite und größere Erträge als konventionelle Bauern, die Chemikalien und andere Hilfen der konventionellen Landwirtschaft einsetzten, indem sie die natürlichen Ressourcen ihrer eigenen Landflächen zur Fruchtbarmachung ihres Bodens nutzten. Besonders dramatisch (im positiven Sinn) ist diese Entwicklung in Kuba, wo man neue Fruchtbarkeit durch die Rückkehr zu alten Anbaumethoden erlangt. (Siehe “Cuba’s Harvest of Surprises,” von Christopher Cook.)

[Pestiziden vernichten Schädlinge UND Nützlinge - die Schädlinge kommen schneller zurück]

Nach jedem Versprühen von Insektenvernichtern kommen die Schädlinge immer schneller zurück als die Nützlinge. (Biologen erklären dies damit, dass Schädlinge sich schneller und effektiver vermehren und dass sie durch jahrhundertelanges Bekämpftwerden widerstandsfähiger wurden.) Weitere Spritzungen folgen und die Todesspirale geht immer weiter. Paradoxerweise geschieht dieser Prozess unabhängig davon, ob diese Spritzmittel chemisch oder organisch sind. [...]

[Pestizide machen die Pflanzen passiv]

Kaiser traut seinen Pflanzen einiges zu, weil er sie nicht mit Sprühungen und Dünger schwächt. Das kräftigt sie und sie können ihre eigenen Polyphenole entwickeln — das ist der Kern des pflanzlichen Immunsystems. Es scheint, dass Pflanzen nach demselben Grundsatz funktionieren wie die Menschen: was nicht gebraucht wird, verschwindet. „Wenn wir all den Schutz für sie übernehmen“, sagte Kaiser, „werden sie sich nicht mehr selbst verteidigen“. [...]


[ab 2005: Kaisers Farm bei Sebastopol nördlich von San Francisco]

[Kaiser in Sebastopol: Eine Farm wiederherstellen]

2005 kehrten Kaiser und Johnson schließlich in die USA zurück, um zu heiraten, eine Familie zu gründen und das bisher Gelernte auf ihrem eigenen Land auszuprobieren. Nach einigen Monaten der Suche fanden sie schließlich ihr Zielobjekt: die Singing-Frogs-Farm, ein Gebiet von acht Acres (=3,275 Ha) nahe der Innenstadt von Sebastopol. Es war nicht die naheliegendste Wahl. Die Farm war jahrelang vernachlässigt worden; Sie war kalt und feucht und an einem Hang gelegen, weswegen sich dort die Abwässer aus der Nachbarschaft einfanden. Sie bestand nicht aus weiten Flächen, die einen Reihen-Anbau möglich machten. Anders gesagt: Das ideale Gebiet für Kaiser. „Ich suchte nach einem Ort, den ich heilen konnte“, sagt Kaiser. „Mir war klar, dass ich Dinge anbauen wollte, aber ich hatte keinen Plan davon, was das bedeutete“. Jedoch hatte der Ort auch ein gutes Omen: Auf der anderen Seite der Stadt war die Farm und das frühere Haus des großartigen Pflanzenzüchters Luther Burbank (1849-1926).

[Der Test: Ein Traktorpflug zerstört Bodennester, Wurzeln und Regenwürmer - die schonende Anbaumethode]

2007 beackerte Kaiser sein Land mit allen Werkzeugen, die die Farm vorhielt. Er pflügte den Boden, wie es jeder andere Farmer tut. Da die Farm jahrelang nicht bearbeitet worden war, hatte der einfache Unkrautbewuchs das Land sehr fruchtbar gemacht. Darum erblühte die Farm rasch. Aber auch die Arbeit nahm massiv zu. „Das Unkraut war gewaltig“, sagt Kaiser. „Wir arbeiteten sogar des Nachts mit Scheinwerfern auf dem Feld und jäteten stundenlang!“ Eines Morgens im Frühling sah er eine Keilschwanz-Regenpfeiferin (ein Vogel der Region), die seinen Traktor ankreischte. Nachdem er ein paar Male auf seinem Feld hin- und hergefahren war, wurde ihm klar, dass sie ihre Eier schützen wollte, die in einem Nest unsichtbar im Boden lagen. Als Kaiser anhielt, um sich das genauer anzusehen, bemerkte er alle möglichen Schäden, die sein Pflug verursacht hattezerschnittene Regenwürmer und Schlangen, zerstörte Bienenstöcke, wertvolle Wurzeln und Käferkolonien, die jetzt der heißen Sonne ausgesetzt waren. Einige Monate später, als sein Daumen im Motor seines Traktors zerquetscht wurde, hatte er eine Erscheinung: „So etwas werde ich nie wieder machen!“, erinnert er sich. „Es muss einen besseren Weg geben“. [...]

[Der Regierungsbericht des "US"-Ldw-Departements: Traktorpflug=Erdbeben+Hurrikan+Tornado+Waldbrand gleichzeitig]

Die Bundesregierung nimmt hier kein Blatt vor den Mund. In einem Bericht des Jahres 2010 teilte die USDA (US-Department of Acriculture) mit: „Den Boden zu pflügen ist gleichbedeutend mit einem Erdbeben, einem Hurrikan, einem Tornado und einem Waldbrand, die sich alle gleichzeitig in der Welt der Bodenorganismen ereignen“. Don Tyler, ein Naturschutz-Experte der USDA, führt ins Feld, dass ein Jahr Bodenbearbeitung 25 Jahre Bodenverbesserung durch Direktsaat zerstören kann. [...]

[Kaiser mit Direktsaat-Landwirtschaft ohne Pflug]

Kaiser nahm seine Studien wieder auf und entdeckte eine gewaltige Menge an Literatur, die die Vorzüge von Direktsaat-Landwirtschaft (Landwirtschaft ohne Bodenbearbeitung) preist — anders gesagt, eine Landwirtschaft ohne Maschinen wie Pflug oder Spaten zum Umgraben des Bodens. Die Praxis erfolgt nach der zweiten oft nicht beachteten Anbauregel: Störe deinen Boden so wenig wie möglich. Immerhin hatte diese Anbaumethode eine überraschend gemischte Bilanz.

[Hecken und Büsche für Nützlinge anlegen + Wurzeln immer im Boden lassen=Nahrung für Mikroorganismen + Kompostschicht]

Was er in Übersee gelernt hatte, imitierte Kaiser, indem er seine Farm mit Baumhecken und Büschen einrahmte, die von jenen Nützlingen geliebt werden. Er baute auch seine eigenen Gewächshäuser. Auf diese Weise konnte er neue Pflanzungen ankurbeln durch Sämlinge, die er gut reifen lassen konnte. Diese sorgten für ständige Ernten, sogar im Winter. [...]

[Treibhaus für Sämlinge 1 Monat lang]

[Fotounterschrift] Kaiser beschleunigt seine Produktion, indem er seine Sämlinge päppelt und sie erst richtig anwachsen lässt, bevor er sie auf die Felder pflanzt. Viele anderen Farmer tun das auch, aber Kaisers Weg unterscheidet sich zweifach: Erstens pflanzt er seine Saaten in Kompost. Die meisten Farmer fürchten mögliches Krankheitspotenzial im Kompost und benutzen stattdessen sterile Gartenerde. Diese ist zwar sicher, aber auch nicht sehr nährstoffreich, was die Pflanzen schwächt und für weniger Nährstoffe in den reifen Früchten sorgt. Zweitens verpflanzen die meisten Farmer, um den Platz maximal auszunutzen, ihre Sämlinge schon, wenn sie noch relativ klein und erst zwei Wochen alt sind. Kaiser verwendet größere Container, damit seine Sämlinge einen ganzen Monat bis zum Versetzen wachsen können. Das beschleunigt nicht nur ihren Start, sondern erhöht auch ihre Überlebensrate auf dem Feld. [...]

[Der Besuch eines Herrn Leap]

In einem von Kaisers Gewächshäusern entlockten Größe und gesundes Aussehen der Auberginen großes Erstaunen aller. „Ich habe noch nie solche Auberginen hier an der Küste gesehen“, sagte Leap. „Auberginen ziehen alle möglichen Schädlinge und Krankheiten an“. Sogar die unbearbeiteten Wege zwischen den Gemüsebeeten beeindruckten Leap und Wong. Üblicherweise sind diese kahl und hart; Kaisers Wege waren weich und grün. [...]

Felder von Paul
                            Kaiser bei Sebastopol nördlich von San
                            Francisco: ohne Pestizide, mit
                            Tröpfchenbewässerung, mit Sträuchern und
                            Bäumen rund rum, Kompostdecken im Winter
                            etc. - die Singing-Frogs-Farm
Felder von Paul Kaiser bei Sebastopol nördlich von San Francisco: ohne Pestizide, mit Tröpfchenbewässerung, mit Sträuchern und Bäumen rund rum, Kompostdecken im Winter etc. - die Singing-Frogs-Farm [2]
[Fotounterschrift] Kaisers Äcker von etwas mehr als zwei Acres ist nach den Standards der meisten Landwirte ein ungeordnetes Sammelsurium — keine großen, weiten, sorgfältig gepflügten Felder; keine endlosen Reihen von immer denselben Ackerfrüchten. Jedoch erkennen immer mehr Landwirte, dass wenn sie eine Mischung von Früchten pflanzen und sie mit Bäumen, Büschen, Blumen umgeben und den unzähligen Insekten, die diese anziehen — dann wächst die Produktivität.

Vorgänge wie diese beinhalten zu viel schlammige Arbeit und fordert zu viel von ihren Böden — so denken die meisten Farmer. Tatsächlich lohnt sich aber diese Arbeit. Je länger die Ackerpflanzen im Boden verbleiben, desto besser für den Boden — weil all solche Jules-Verne-Kreaturen sich von Pflanzenwurzeln ernähren. Das lässt diese zahllosen scheibenförmigen Felder im ganzen Land, die im Winter brach liegen, in neuem Licht erscheinen. Sie ruhen nicht aus, sie sterben. Jerry Hatfield, Erntephysiologe beim landwirtschaftlichen Forschungsdienst der USDA, erklärte mir kürzlich: Wenn ein Farmer gepflügtes Land brach liegen lässt, „lässt Du dein biologisches System verhungern. Ich frage sie immer: ‚Wie würde es Ihnen ergehen, wenn ich Ihnen nur einmal im Jahr Nahrung gäbe?'“  Dieses Prinzip bedeutet für Kaiser einfach nur: „Lass immer die Wurzeln im Boden“.

Danach probierte Kaiser etwas anderes: Statt des standardmäßigen Verteilens von Dünger auf seinen Feldern legte er eine dicke Schicht Kompost oben drauf.

[Die Belüftung eines Bodens mit einem Rechenspaten OHNE Pflug]

Paul Kaiser
                            belüftet Felder mit Rechenspaten
Paul Kaiser belüftet Felder mit einem Rechenspaten [3]

[Fotounterschrift] Kaiser beherzigt fanatisch, was er die drei Hauptregeln für Bodengesundheit nennt: Wurzeln so weit wie möglich im Boden lassen. Den Boden so weit bedecken wie möglich. Störe den Boden so wenig wie möglich. Kaiser pflügt nur dann, wenn er alten Boden für eine Neuanpflanzung wiederbelebt. Danach pflügt er nicht wieder. Wenn ein Pflanzenbeet gelegentlich Belüftung benötigt, sticht er mit einem Spaten wie diesem hinein.


[Kompost kann für junge Pflanzen zu stark sein - Neutralisierung mit Kalzium (Austernmuscheln und gemahlenem Festgestein) - 7mal ernten pro Jahr]

Trotz seiner Lebendigkeit kann dieses Material für junge Pflanzen zu viel sein, weil es ihre zarten Schösslinge durch seine unverdünnten Substanzen verbrennt. Kaiser entdeckte bei weiterem Lesen, dass er seinen Kompost mit Kalzium (aus zerbrochenen Austernmuscheln) und Spurenelementen (aus gemahlenem Festgestein) neutralisieren konnte. Und so schichtete er die gesamte Masse auf den Boden und setzte die Pflanzen durch sie hindurch an.

Dank der Nährstoffbalance in seiner Erde bekamen Kaisers Sämlinge, die schon robust waren, einen  zusätzlichen Vorsprung. „Unsere Ackerfrüchte  überholen die Unkräuter von Anfang an“, sagt Kaiser. „Auf diese Weise brauchten wir nicht mehr Unkraut jäten“. John Cheatwood, einer von Kaisers Angestellten, drückt es so aus: „Der Kompost ist unsere Antwort auf Egge und Pflug“. Dieser hochintensive Zyklus —  Kompost, Stecklinge setzen, Ernten, Wiederholen — erlaubt es Kaiser, bis zu sieben Mal pro Acre pro Jahr zu ernten. Das ist das Drei- bis Fünffache dessen, was die meisten Farmen erzeugen. Warum sollte man das nicht leben?! [...]

[Monokulturen ("Mono-Cropping") vermeiden]
Dieses Verfahren, „Mono-Cropping“ (Mono-Anbau) genannt, wird weithin kritisiert. Es laugt den Boden aus und reduziert die Vielfalt der wilden Lebewesen, die normalerweise auch auf einer Farm leben. Es schafft ein Vakuum, das bestimmte Schädlinge begünstigt. [...]

Im Gegensatz dazu zielt Kaiser auf Vielfalt, und das extrem. Auf nur acht Acres hat er Hunderte einheimischer Bäume und Büsche. Auf den zweieinhalb Acres davon, die er kultiviert, baut er eine entsprechende Zahl verschiedener Gemüsesorten an, darunter Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Paprika, Gurken, Winterkürbis, Kopfsalat und Sareptasenf — und diese in ungefähr sechs Varianten pro Sorte — dazu 30 bis 35 verschiedene Arten von Tomaten.

[Schwarzer Plastikmulch zum abdecken im Winter - 10mal anwendbar]
Ein frisch bearbeitetes Feld war mit einer dicken, filzartigen Decke bedeckt — Kaisers Version der Meilen schwarzer Plastikfolien, die man sieht, wenn man im Winter durch amerikanisches Farmland fährt. Diese langen „Laken“ heißen „Plastik-Mulch“ und sie sind höchst wirksam — beim Unterdrücken von Unkräutern, beim Feuchthalten und beim Füttern der Bodenmikroben. Jedes Jahr landen diese schwarzen Plastikfolien auf Deponien. Kaiser zeigt auf seine Mulchdecken und sagt: „Die halten 10 Jahre. Wenn wir sie im Frühling aufrollen“

[Es braucht keine Grossfarmen mehr - es braucht viele intelligente, kleine Farmen]

[Herr Leap stellt eine Frage - Kaiser mit 8 Acres 7mal ernten reicht völlig aus - der Nachbar mit 44 Acres produziert weniger als Kaiser]

Dieser hochintensive Zyklus —  Kompost, Stecklinge setzen, Ernten, Wiederholen — erlaubt es Kaiser, bis zu sieben Mal pro Acre pro Jahr zu ernten. [...]

Der Reichtum der Farm brachte Leap dazu, Kaiser mit der Frage zu nerven, die jeder stellen würde: „Ich bin mir nicht sicher, ob so etwas auch im großen Rahmen geht“, sagte er. Kaiser liebt diese Frage, denn sie ist entscheidend, aber er hasst die Art und Weise, mit der sie immer gestellt wird. „Ich dachte früher, die beste Weise, dies zu tun, sei eine riesengroße Farm mit einem Haufen Felder wie diesem hier rund um ein Zentrum zu haben“, antwortete Kaiser. „Aber mein Nachbar bepflanzt 44 Acres (knapp 18 Ha), produziert weniger als ich, verkauft bei weniger Regionalmärkten und hat weniger Vertragskunden. Darum brauchen wir keinen größeren Rahmen. Wir brauchen mehr kleine Farmen wie diese in städtischen Bereichen und weniger Riesenfarmen von 100 Acres, die weit, weit weg von den Menschen sind, die ihre Früchte essen.“ [...]

[Getreide ohne Pestizide mit biologischer Direktsaat-Landwirtschaft anbauen geht leicht]

Wenn diese Änderungen sich verbreiten, werden ihre Macher sich, bewusst oder unbewusst,  der Methoden Kaisers bedienen. Einige von ihnen werden auch jetzt angewendet mit überraschenden Erfolgen auf Getreidefeldern des Mittleren Westens — mit Innovationen, die unser gesamtes Handelssystem umwandeln könnten. (Siehe auch: “A Brand New Idea for Commodity Exports” = Eine brandneue Idee für Handelsexporte). Abgesehen davon ist es bei Ackerfrüchten wie Mais und Weizen relativ einfach, gesündere Methoden wie Direktsaat anzuwenden;

Jedoch scheint diese Methode für Gemüsefelder im großen Stil wohl schwieriger. Dennoch sind einige wenige Menschen einigen vielversprechenden Lösungen auf der Spur. (Siehe: “Your Salad’s Difficulty with Sustainable Farming”=Die Probleme Ihres Salats mit nachhaltiger Landwirtschaft).

[Wer kein Geld für Pestizide und Traktoren ausgeben muss und einen niedrigen Wasserverbrauch hat, kann höhere Löhne bezahlen]

Während die Arbeit auf den meisten Farmen Teilzeitarbeit ist und nur saisonbedingt, ist die Arbeit auf der Singing-Frogs-Farm Vollzeitarbeit über das ganze Jahr. Kaiser zahlt auch etwas höhere Löhne im Vergleich zur Norm wegen der höheren Fähigkeiten, die sein System erfordert — Bodenbedingungen erkennen können, die Methoden von Beet zu Beet anpassen können je nach den Bedürfnissen der Pflanzen auf dem Beet, und schnell arbeiten können. Aber er gibt kein Geld für Herbizide, Pestizide, tonnenweisen Dünger, Traktoren, Treibstoff und Maschinenunterhalt oder tägliche Bewässerung aus. Auf diese Weise, sagt er, steht er immer prima da. Das ist für Kaiser gut, aber ist es das auch für seine Arbeiter? Kaisers ältere Arbeiter bekommen 15 $ pro Stunde. Das ist weit höher als die durchschnittlichen Löhne, die etwa bei Kaliforniens Mindestlohn von 9 $ die Stunde liegen. [...]

[Tröpfchenbewässerung in Schläuchen - Frost zerstört manchmal Schläuche]

Plötzlich machte Elisabeth Paul auf einen gebrochenen Schlauch aufmerksam, aus dem eine Wasserfontäne hochsprang. Kaiser stöhnte und drehte einen Anschluss entsprechend ab. „Ich habe diese Fröste echt satt“, sagte er, als er wieder zurückkam. [...]


[Kompost ist ein Problem für das Trinkwasser - aber Paul Kaiser hat saubere Teiche mit seinem Regenwasserabfluss]

Das Kompost-Rätsel [Stickstoff, der von den Organismen aufgefressen wird, wenn die Erde gesund ist]

An einer Stelle während Leaps Gang über die Farm gruben wir alle unsere Hände in Kaisers Boden. Er roch sehr aromatisch und war überraschend leicht. „Er fühlt sich fast wie Blumenerde an“, sagte Leap, als er die Erde durch seine Finger rinnen ließ. Das lag teilweise an der Jahreszeit (Die Sommerhitze trocknet den Boden aus.) Aber der Hauptgrund war, dass sie fast ganz aus Kompost bestand, der sehr locker beim Trocknen wird. All dieser Kompost war Leap unheimlich. „Er braucht weit mehr davon als sonst üblich“.

Kompost ist eine komplizierte Angelegenheit. Einerseits regen seine reichen Inhaltsstoffe das Pflanzenwachstum so wirksam an, dass man sich wundert, warum nicht mehr Farmer davon Gebrauch machen. „Wir haben einfach nicht den Kohlenstoff“, sagt Ray Archuleta von der USDA. Archuleta bezieht sich auf die Lücke zwischen verfügbaren Kompostvorräten und die 920 Millionen Acres (=3.723.108 km2), die gegenwärtig in diesem Land beackert werden; Aber er meint das Wort „Kohlenstoff“ auch provokativ. Kohlenstoff ist schlecht, nicht wahr? Wenn er sich in Kohlendioxid verwandelt, trägt er hauptsächlich zur Klimaerwärmung bei. (Dasselbe geschieht mit Stickstoff, wenn es sich in Stickstoffoxid verwandelt, ein Klimagas, das 300 Mal wirksamer ist als Co2.) Nun, Kohlenstoff und Stickstoff sind auch die Hauptbestandteile von Kompost und nach und nach der fruchtbaren Anteile der Bodenkrume. Das bedeutet, dass diese Chemikalien nur dann schädlich sind, wenn wir sie falsch einsetzen — in unserer Luft, wenn sie besser im Boden aufgehoben wären. Kaiser drückt es so aus: Was ich als Farmer am meisten brauche, ist Kohlenstoff für die Bodenstruktur und Strickstoff für das Pflanzenwachstum“.

Andererseits hat Kompost auch seine hässlichen Seiten. Weil weltweit immer mehr amerikanische Erntefrüchte verlangt werden, sind Farmer überall von Stickstoff abhängig geworden. Wenn ein Feld zu viel Stickstoff enthält, sickert er ins Grundwasser. An dieser Stelle sagt Leap: „Jede wasserführende Schicht unterhalb von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist mit Nitrat verseucht“. (Wenn Nitrat sich in Nitrit verwandelt, ersetzt es den Sauerstoff im Blut seiner Konsumenten. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren einige Grundwasserquellen so sehr mit Nitrat verseucht worden, dass dies zum „Blue-Baby-Syndrom“ mit einigen Dutzend Todesfällen führte. Das Problem ist seitdem fast verschwunden, aber Agronomen haben sich bis heute Sorgen darum gemacht.) Die meisten Verseuchungen durch Nitrat geschehen bei sintflutartigen Regenfällen, die auf Mastanlagen und industrielle Farmen treffen, die unwahrscheinliche Mengen an synthetischen Stickstoffdüngern einsetzen. Viel jedoch kommt auch von einfachem Kompost, der üblicherweise viel Stickstoff enthält.

Seltsamerweise gehören Farmer, die Kompost lieben, zu den übelsten Stickstoffverseuchern. Und Leap fürchtet, dass Kaiser ein besonders herausragender Umweltsünder ist. Über die letzten paar Jahre hat Kaiser mehr als 60 Tonnen besonders stickstoffhaltigen Kompost auf jeden Acre seiner Farm ausgebracht — fünf bis zehn Mal so viel wie üblich. Vor jeder Pflanzung unterstützt er die Böden auch durch eine geringe Menge organischen Dünger, der besonders viel Stickstoff und auch Phosphor enthält — ein weiterer problematischer Nährstoff.

[Paul Kaiser mit 60 Tonnen Kompost pro Acre pro Jahr]

[Fotounterschrift] Kaiser düngt seine Ackerflächen mit ungewöhnlich großen Mengen Kompost — mehr als 60 Tonnen pro Acre im Jahr — den seine Arbeiter vor jeder Pflanzung mit Schubkarren aufbringen. Das sind 5-10 Mal mehr Kompost , als die meisten Farmer anwenden. Kaiser baut mehr Früchte an als der durchschnittliche Farmer, aber jüngste Tests zeigen an, dass sein Kompost mehr Nährstoffe aufbringen könnte, als die Pflanzen benötigen. Bei Überschüssen einiger solcher Nährstoffe — hauptsächliche Stickstoff, Phosphor und einige Spurenmetalle — werden sie giftig sowohl für Wasservorräte und auch für Konsumenten seiner Ackerfrüchte. Es ist daher wichtig für Kaiser und seine Nachahmer, genauere Messmethoden für den Nährstoffgehalt von Feldern zu entwickeln.

[Paul Kaiser braucht kein Bio-Zertifikat]

„Das ist ein Präzedenzfall“, sagt Leap. „Das ist eine riesengroße Über-Anwendung. Falls Paul zertifizierter Biofarmer werden wollte, könnte das Ärger geben“. Erstaunlicherweise ist Kaisers Farm das nicht – er widersteht diesem Label wegen der Kosten, des komplizierten Verfahrens und der Standards, die er oberflächlich findet. Ebenfalls erstaunlich ist, dass das seinen Kunden nichts ausmacht. Bei Befragungen befürworteten quasi alle seine unkonventionellen Anbaumethoden. Robin Boyle, Marketingdirektorin von California Certified Organic Farmers, sagt jedoch, dass im Fall einer Beantragung des Labels Kaisers seine Kompostmengen „sämtliche rote Lampen in unserem Büro angehen lassen würden“.  Aber sie sagte auch, dass solche gewaltigen Mengen durchaus auch im Rahmen des Erlaubten sein könnten, je nach der individuellen Situation der Farm.

[Paul Kaiser fängt in Teichen das Regenwasser der Farm auf - alles lebt!]

Kaiser argumentiert, dass die Situation seiner Farm klar innerhalb der erlaubten Grenzen ist — aus vier Gründen. Erstens sei der zusätzliche Stickstoff notwendig, weil er so sehr viel mehr Ackerfrüchte pro Acre anbaut als eine Durchschnittsfarm. Zweitens zeigten Bodenproben, dass dessen Stickstoffgehalt „genau dort ist, wo er sein sollte für gesunde Pflanzen“. Drittens bemerkt er, dass die Pflanzen den Stickstoff wirklich „aufessen“: Manchmal werden die Blätter gelb (was ein Zeichen für Stickstoffmangel ist). Und viertens fügt er hinzu, dass seine Teiche, die das auffangen, was vom Farmboden abfließt, sichtbar klar und voller Leben sind. Außerdem ergaben kürzliche Regenwassertest auch absolute Sauberkeit. (Durch Stickstoff oder Phosphor belastetes Wasser ist normalerweise durch Algen verstopft, die Fische und andere Wasserlebewesen töten, indem sie ihnen den Sauerstoff nehmen. Mit diesem Problem hatte Kaiser im ersten Jahr zu kämpfen, nachdem er besonders viel Kompost aufgebracht hatte, aber danach trat es nicht mehr auf.) „Alle unsere Felder und Anzeigegeräte zeigen, dass unser Stickstoffgehalt in Ordnung oder nicht hoch genug ist“, sagt Kaiser. [...]

[Die Bodenwerte auf Paul Kaisers Froschfarm - aber immer kristallklare Regenwasserproben]

Zunächst weisen Kaisers Bodenproben leicht erhöhten Nitratgehalt und einen noch etwas höheren Phosphorgehalt auf. Aber seine Regenwasserproben — die Agronome als den goldenen Weg ansehen, um Düngeleckagen einer Farm festzustellen — sind immer kristallklar.

Wie kann das sein? Wenn man Agronomen und Bodenwissenschaftlern zuhört, die Kaisers Methoden gegenüber skeptisch sind, verstecken sich diese Verschmutzer. Es könnte stimmen, aber genauso gut das Gegenteil. Wenn Sie den genauen Zahlen dieses Puzzles nicht widerstehen können — und die Debatte, die sie auslöste — lesen Sie bitte Anmerkung #2 am Ende des Artikels.

Glaubt man Kaiser, verfehlen die Labortechniker das richtige Ergebnis. Die Verschmutzer sind nicht sichtbar, einfach weil alles biologische Leben, das er in seinen Feldern aufgebaut hat, sie aufisst. „Die hochorganische Biomasse puffert jedes Ungleichgewicht in jenen Nährstoffen ab“, sagt Kaiser. „Mir scheint, dass all diese Kritik von Menschen geäußert wird, die ein wirklich biologisches System nicht verstehen“. Diese Behauptung ist kühn, aber Kaiser hat auch einige Wissenschaftler auf seiner Seite. „All das mikrobielle Leben geht durch einen Kreislauf dieser Nährstoffe“, sagt Jerry Hatfield von der USDA. Ray Ward, ein führender Experte für Bodenproben, stimmt zu. (Ward unterhält die Ward-Labore in Kearny, Nebraska, die einige von Amerikas umfassendsten Testverfahren für Nährstoffgehalte und mikrobielles Leben in Böden entwickelt haben. Kaisers letzte Tests wurden durch die Ward-Labore durchgeführt.) Jeff Creque, oberster Wissenschaftler beim Marin Carbon Project, steht auch zu Kaisers Methoden. Creque fügt an, dass die industrielle Landwirtschaft sich von biologischen System verabschiedet hat, was in erster Linie zur Verschmutzung durch Kohlendioxid geführt hat. „In früheren Zeiten konnte man den Stickstoffgehalt im Boden nur in Verbindung mit Kohlenstoff anheben“, sagt Creque. Heute füttern wir die Chemie des Bodens, anstatt die Biologie des Bodens zu nähren. Zudem verbrennen wir die Kohle“.

Das Problem ist, dass, egal wie qualifiziert diese Beobachter sind, sie letztendlich nur Vermutungen anstellen. Stickstoff und Phosphor sind nur zwei von Milliarden natürlichen und lebenden Bestandteilen, die so etwas wie einen Boden ausmachen. Wissenschaftler haben erst kürzlich angefangen zu verstehen, wie dieses Ökosystem Fruchtbarkeit beeinflusst, während seine winzigen Bewohner miteinander agieren. Einige solcher Interaktionen könnten die Entschuldigung für Kaisers Exzesse sein, andere können sie verschlimmern. „Wir wissen vielleicht weniger über den Boden, als wir über den Mond wissen“, sagt Morris.

In den Monaten nach seinem Besuch diskutierte Leap diese Fragen — mit sich selbst, mit Kaiser, mit vielen seiner Kollegen in der organischen Landwirtschaft und mit mir. Lange E-Mails gingen hin und her, alle voller endloser Fragen und endloser Zahlenreihen. In Zuge dieses Prozesses mutete ich den beiden und vielen anderen, die sich der nachhaltigen Landwirtschaft widmen, so viele spitzfindige Befragungen zu, dass ich Hemmungen hatte, sie wieder anzusprechen. Die zentrale Frage, die diese Befragungen befeuerte, war grundsätzlich und fast unlösbar: Wenn Kaisers Methoden wirklich fehlerhaft sind, kann man sie korrigieren?

Anfangs war Leap ziemlich pessimistisch. „Ich bin nicht sicher, ob er auf dem jetzigen Niveau ohne diese Exzesse produzieren kann“, sagt mir Leap. Ich fürchte, sie sind untrennbar mit seinem System verbunden. Es ist, als würde das Gemüse durch den Kompost aufgepumpt“. Als ich Tim Hartz, einen anerkannten Professor der Pflanzenwissenschaften der kalifornischen Universität Davis, fragte, ob er Kaisers System für nachhaltig hält, war seine Antwort ein knappes Nein. All das hat Leap zunehmend Sorgen bereitet angesichts Kaisers extrem ökologischer Behauptungen. „Was mich stört“, sagte Leap, „ist, dass Paul solch eine große Angelegenheit aus diesem Keilschwanz-Regenpfeifer macht, weswegen er nicht mehr pflügt. Aber so sieht er es eben. Was er nicht sehen kann, sind die Folgen für die Fische flussabwärts von seiner Farm“.

Um fair zu sein, muss man sagen, dass Kaiser stufenweise seine Kompostmengen reduziert hat teilweise wegen des Sturms der Befürchtungen von außerhalb, was Leap wiederum optimistisch stimmt. Aber immer noch verwendet Kaiser weitaus mehr Kompost als unter Farmern im Allgemeinen bekannt ist. Und wenn Kaiser feststellt, dass er seine Verfahren nicht wesentlich ändern kann, wenn er bei seiner Version organischer Landwirtschaft bleiben will und seiner Produktivität –– was dann? Es bleibt ein zweischneidiges Schwert: wichtige Nahrung für den Boden einerseits und Nahrungsverschmutzung (durch Auswaschung von Stickstoff, Phosphor etc.) andererseits.

[Die kommerzielle Kompostproduktion mit Aluminiumteilen und Plastikteilen drin]

Was auch bedeutsam ist für einige Menschen: Bei der kommerziellen Produktion von Kompost werden tonnenweise fossile Brennstoffe verbrannt. Kaiser selbst kann nur etwa ein Drittel des Komposts, den er für seine Farm braucht, selbst produzieren. Der Rest kommt von seinen Nachbarn im Sonoma County. Wenn Essensreste und Gartenabfälle zur örtlichen Deponie gebracht werden, durchlaufen sie in dieselbetriebenen Anlagen 15 verschiedene Phasen des Trennens, der Reinigung, des Zerkleinerns und der Belüftung, um zu neuem Boden zu werden –– der dann mit einer Rate von 150 Tonnen pro Tag die Deponie verlässt. Und auch dieses Endprodukt ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Ich bemerkte dies eines Morgens, als ich Kaisers Team beim Pflanzen von Gurken half. In fast jedem Loch fand ich einen oder zwei kleine Schnipsel Plastik, Alufolie oder andere Materialien, die sich nicht zersetzen. Das ist all jenen Nachbarn geschuldet, die nach nahezu zwei Jahrzehnten voller Öffentlichkeitskampagnen immer noch nicht richtig Müll trennen können.

[Paul Kaiser: Der Kompost der Gesellschaft gehört in die Landwirtschaft]

Darum sieht Leap ein System, das von so viel Kompost abhängt, sehr skeptisch. „Wenn die Bodenmikroben ihre Arbeit verrichten“, sagte Leap mir, „braucht man nicht zusätzlich Stickstoff zusetzen.“ Andere bevorzugen eher Kaisers Antwort: „Wo soll denn all unser Biomüll hin?“, fragt er. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten — versenkt man ihn im Meer, führt er zu exzessivem Pflanzenwachstum, das Meereslebewesen den Sauerstoff wegnimmt. Oder man bringt ihn auf die Deponien“. Mit anderen Worten: Vielleicht ist die menschliche Evolution selbst der letzte Kompromiss unseres Planeten. Alles Leben bedeutet Energie, in der einen oder anderen Form. Und der Abfall dieser Energie muss irgendwo hin. Es gibt kein organisches Mittagessen ohne Kompromiss.

Nachhaltigkeit angesichts der Städte von Morgen

Nach einigen neuen Zählungen produzieren die Amerikaner so viel kompostierbaren Abfall und nutzen so wenig davon, dass in Kalifornien wenigstens 15 Millionen Tonnen dieses reichhaltigen Materials (ist es erst mal trocken) und mehr als 200 Millionen Tonnen landesweit jedes Jahr auf Deponien landen.  Vorrangig produziert es dort Methan, das besonders zur Klimaerwärmung beiträgt.

[Die Schicht mit "organischem Bodenmaterial" SOM (soil organic matter)]

Auf einem Acker erzeugt Kompost jedoch neben Pflanzen eine Menge guter Dinge. Landwirte nennen es „Organisches Bodenmaterial“ oder „SOM“ (soil organic matter) und es ist hauptsächlich zuständig für die Fruchtbarkeit des Bodens. SOM ist im Wesentlich alles Restgewebe, egal ob lebend oder nicht, aller lebenden Organismen — Pflanzen, Wurzeln, Käfer, Mikroorganismen, Pilze, Schwämme, Flechten, was auch immer. All dieses Verrotten ist wunderbar effektiv. Es hilft dem Boden, das Wasser zu halten. Was noch wichtiger ist: Wenn Wasser knapp ist, nährt all dieses verrottende Material die Wurzeln der Pflanzen und die Mikroorganismen um sie herum, sodass die Pflanzen weiter wachsen können. Dwayne Beck beschreibt es so: „SOM ist das Lebendige, das Tote und das sehr Tote. Wenn man schlechten Boden beackert, benutzt man das sehr Tote. Wenn man gut ackert, verwendet man das Tote. Das Lebendige aber ist das, was man nutzen möchte“. Lebendig oder tot, SOM besteht immerhin zu 60 Prozent aus Kohlenstoff. Und je mehr davon im Boden ist, desto weniger davon geht in die Luft über, wo es Kohlendioxid produzieren würde.

[Die Traktorpflug-Landwirtschaft hat die SOM-Schicht von 8 auf bis 1% reduziert]

1920, vor dem Entstehen der industriellen Landwirtschaft, machte SOM durchschnittlich zwischen 6 und 8 Prozent unserer Bodenkrume aus. Über die Jahre, in denen amerikanische Farmer ein System anwendeten, das mehr extrahierte als hinzufügte, sank das Niveau des SOM durchschnittlich auf 2 Prozent, in einigen Gebieten sogar unter 1 Prozent — was mehr als die Hälfte der Mindestmenge für einen gesunden Boden bedeutet. Eine einfache Maschine, die allgegenwärtig wurde, verursachte diesen Verlust: der Streichbrettpflug (moldboard plow) (erfunden — wer hätte es gedacht? — von Thomas Jefferson). In einem Bericht der Universität von Minnesota im Jahr 2002 heißt es: „Je tiefer und aggressiver das Pflügen erfolgt, desto mehr CO2 geht in die Atmosphäre über“. Und der Streichbrettpflug, so die Autoren des Berichts, sei „das aggressivste Gerät, das je verwendet worden ist“.

Als die Kaisers die Singing-Frogs-Farm kauften, war deren Boden fünf Jahre lang nicht gepflügt oder bepflanzt worden, weswegen er relativ gesund war: SOM wurde mit 2,4 Prozent getestet (nicht schlecht für den sandigen Lehm, der typisch für diese Gegend ist). Nachdem Kaiser sein kompostbasiertes System in die Tat umsetzte, stieg der SOM-Grad der Farm bis auf 10 Prozent an. Dieses Niveau wäre sogar noch höher, wenn man die Bodenproben aus höheren Schichten nähme. Versuche in diesem Herbst zeigten, dass sein Boden auch besonders reich an Mikroben war, sowohl mengenmäßig als auch, was die Vielfalt betrifft. Dieses verborgene Material könnte ein Grund dafür sein, warum Kaisers Felder so üppig waren trotz der Dürre. Immer wieder weist er darauf hin, dass jedes Prozent mehr auf einem Acre Land bedeutet, dass die oberste Bodenschicht von 30 cm zusätzlich 4360 Liter Wasser halten kann.

Diese 4360 Liter präsentierte Kaiser seinen Zuhörern bei der Landwirtschaftskonferenz in Napa, wo ich ihn zum ersten Mal traf. Das zentrale Thema dieser Konferenz war die Erhaltung von landwirtschaftlichen Böden und zahlreiche Referenten stellten die verschiedenen Maßnahmen vor, die eine Handvoll kalifornischer Landkreise (Counties) gerade treffen, um zu vermeiden, dass Städte sich immer mehr ausbreiten und dabei immer mehr Landwirtschaftsfläche schlucken. Trotz solcher Initiativen ist der allgemeine Trend hier eher schwach. Seit 1982 haben die USA 13 Millionen Acre (=52.610 km2) erstklassiges Farmland der städtischen Entwicklung opfern müssen.

Diese Zahlen schmerzen besonders, wenn man an Kaisers Langzeit-Hoffnung denkt: ein Netzwerk kleiner Farmen in den Weltstädten, die uns gegen Treibstoff- und Wasserknappheit in der Zukunft schützen könnten. Wenn seine Vision überhaupt eine Chance bekommen soll, müssen wir unsere Städte vollkommen anders strukturieren. „Die meisten Städte befinden sich in der Mitte besten Farmlands“, sagte Ed Thompson vom American Farmland Trust den Zuhörern der Napa-Konferenz, „weil der Ursprung aller Städte landwirtschaftliche Regionalmärkte waren“.

[Frost und totes Gemüse - aber Dürre hat KEINE Folgen für Kaisers Froschfarm (!)]

In den letzten paar Wochen schwankten die Temperaturen jeden Tag um bis zu 10 Grad, weswegen die örtlichen Zeitungen von wüstenartig sprachen. „In den letzten zwei Jahren fiel der letzte Regen am 1. Februar“, sagte Kaiser, „und es sieht dieses Jahr wieder danach aus.“ Nicht nur fällt wenig Regen, es gibt auch Frostphasen — der erste Frost schlägt auf Kaisers Farm typischerweise Ende September zu, der letzte Mai. „Wir haben Temperaturen von wenigstens  -7° C vier Wochen lang jedes Jahr“, sagte Kaiser. Der Grund: Singing Frogs befindet sich am Tiefpunkt eines flachen Tales, wo die Temperaturen im Schnitt 5 Grad niedriger sind als im Durchschnitt als bei den Nachbarn, die nur wenige hundert Meter weiter bergauf leben. An jenem Morgen sahen Kaisers Ackerfrüchte entmutigter aus, als er selbst war — viele waren verwelkt oder tot. Fresslustige Fliegen summten überall herum.

Als ich mit Kaiser Monate später wieder sprach, war er wieder voller Energie. Trotz der Dürre erntete er reichlich und seine Einnahmen waren da schon höher als zum selben Zeitpunkt im Jahr zuvor. Das lag zum Teil daran, dass er weniger Konkurrenz auf dem regionalen Bauernmarkt hatte. Viele Nachbarfarmen hatten schwer in dem harten, trockenen Winter gelitten. Einer kaufte sein Gemüse von der Singing Frogs Farm. Aber auch Kaisers eigene Kunden waren wohlversorgt. „Beim Regionalmarkt“, sagte Kaiser, „kamen tatsächlich Leute zu mir und fragten: „Bekommt Ihr Blumenkohl Drogen?“>

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Fotoquellen
[1] Karte mit San Francisco, Sebastopol und Singing Frog Farm: google maps
[2] Felder der Singing Frogs Farm: Foto von Christopher D. Cook; In: https://netzfrauen.org/2017/05/13/der-mit-der-duerre-tanzt/
[3] Paul Kaiser belüftet Felder mit einem Rechenspaten: Foto von Christopher D. Cook; In: https://netzfrauen.org/2017/05/13/der-mit-der-duerre-tanzt/
[4] Singing-Frogs-Farm, Luftaufnahme mit Feldern und Treibhäusern:
https://www.eventbrite.com/e/learn-to-farm-the-singing-frogs-farm-way-autumn-2017-tickets-31502699422
[5-8] Fotos der hohen Sierra in Süd-"Amerika" aus Peru (Ayacucho, Millpo) und Ecuador (Huasalata) mit der ursprünglichen Landwirtschaft mit Hecken und Bäumen um die Felder: Fotos von Michael Palomino

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