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Generell 2.9.2026: Hagelwarnung sollte früh herausgegeben werden:
«Fünf Minuten können den Unterschied machen»: SVP-Kantonsrat ärgert sich über verspätete Warnungen vor Hagel
https://www.tagesanzeiger.ch/hagelsturm-winterthur-svp-kantonsrat-aergert-sich-ueber-verspaetete-warnmeldungen-276161391194
Ein Hagelsturm hat für Verletzte und zahlreiche Schäden im Zürcher Unterland und der Region Winterthur gesorgt. Mit einer früheren Warnung durch Alertswiss wäre ein Teil vermeidbar gewesen, findet der Neftenbacher Kantonsrat Urs Wegmann.
Maja Reznicek
Kanton Zürich am 3.9.2026: Wenn Hagel die Ernte zerlöchert: Gemüse wird von Restaurants aufgekauft oder verbilligt an Märkten verkauft:
Solidarität in Region Winterthur und Zürcher Unterland: Hagel beschädigt Gemüse – jetzt wird gerettet, was zu retten ist
https://www.tagesanzeiger.ch/hagel-zuercher-unterland-und-region-winterthur-koch-rettet-verhageltes-gemuese-973424960940
Fototext: Koch Martin Aeschlimann vom Wirtshus zum Wyberg In Teufen solidarisiert sich mit dem Gemüsebaubetrieb in Freienstein.
Martin Liebrich -- Der Hagelsturm hat dem Gemüse in der Region arg zugesetzt. Kreative Ideen retten es nun vor dem Abfall. Auch ein Gault-Millau-Koch engagiert sich.
In Kürze:
- Ein Hagelsturm zerstörte im Zürcher Unterland in Minuten grosse Teile der Ernte.
- Koch Martin Aeschlimann verarbeitet verhageltes Gemüse zu Produkten wie Kürbis-Ketchup.
- Der gesamte Erlös der Rettungsaktion kommt dem betroffenen Betrieb Rinderknecht zugute.
Der Hagelsturm vom vergangenen Freitag hat im Zürcher Unterland und in der Region Winterthur innert Minuten einen grossen Teil der Ernte vernichtet oder beschädigt. Schwer betroffen ist etwa der Betrieb von Rinderknecht Gemüsebau in Freienstein. Dort haben nicht nur die Freilandkulturen stark gelitten, der Hagel durchschlug auch die Treibhäuser und beschädigte die Folientunnels stark. Der Betrieb schreibt auf seiner Website: «Die nächsten Wochen werden zeigen, was noch zu retten ist.» Familie Rinderknecht appelliert an die Kundschaft: «Bleibt uns treu, auch wenn die Qualität momentan nicht unserem Standard entspricht! Eure Einkäufe sind unser Lebensunterhalt.»
Die schwierige Situation ist auch Martin Aeschlimann vom Wirtshus zum Wyberg im benachbarten Teufen nicht verborgen geblieben. Gemeinsam mit dem gebeutelten Gemüsebetrieb Rinderknecht lanciert der Gault-Millau-Koch deshalb eine Rettungsaktion für einen Teil des verhagelten Gemüses.
«Das Gemüse mit Hagelschäden ist qualitativ zwar weiterhin einwandfrei, kann aufgrund der optischen Hagelschäden jedoch teilweise nicht mehr regulär verkauft werden», sagt Aeschlimann.
In seinem Restaurant entstehen daraus in den nächsten Tagen fertig verarbeitete Lebensmittel, so etwa eine «Kürbis-Hagelsuppä», ein Kürbis-Ketchup oder eine Peperoni-Apfelsause. Die Produkte kann man im Restaurant, im Online-Shop, im Gnuss-Hoflade und bei Familie Rinderknecht beziehen. Der gesamte Erlös – abzüglich Glas- und Materialkosten – soll dem Gemüsebetrieb zugutekommen.
Aeschlimann sagt: «Mit dieser Aktion möchten wir möglichst viel des vom Hagel betroffenen Gemüses sinnvoll verwerten, statt es wegwerfen zu müssen, und gleichzeitig ein Zeichen für regionale Zusammenarbeit und gegen Lebensmittelverschwendung setzen.»
Der Koch und Wirt ist beeindruckt von der Welle der Solidarität, die das Dorf nach dem Unwetter erfasst hat: «Ich zum Beispiel habe Hilfsangebote von Menschen erhalten, die beim Etikettieren der Produkte helfen möchten – Winzerinnen und berichten von Freiwilligen, die bei der Wümmet zupacken.»
Kürbisland Steinmaur verkaufte an einem Tag 2 Tonnen beschädigte Kürbisse
In Steinmaur kam es in der Gärtnerei Schellenberg bei Blumen und Gemüse zu grossen Hagelschäden. Am Mittwoch wurden im zugehörigen Kürbisland im Rahmen eines Veraufstags die Sorte Hokkaido verkauft. Mit Hagelschaden, aber noch gut verwertbar und zum Kilopreis von 1.50 Franken. Stefan Schellenberg, Betriebsleiter in dritter Generation, erklärt, alle Kürbisflächen seien betroffen. «Wir haben eine Parzelle, auf der die Hagelkörner kleiner waren.» Jedoch hinterlasse alles, was mehr als Starkregen ist, Schäden an Kürbissen. Also auch kleine Hagelkörner.
Auf den Parzellen des Betriebs befanden sich zum Zeitpunkt des Unwetters rund 50 bis 100 Tonnen Kürbisse. «Es liegen immer noch sehr viele», so Schellenberg. Bei allen Sorten mit weicher Schale – etwa Butternut – werde es schwierig. Sicher verloren sind die Kürbisse auf der Parzelle, wo die grösseren, bis zu 4 Zentimeter grossen Hagelkörner fielen. «Hier können wir fast nichts ernten.» Muscat-, Spaghetti- und auch alle Halloween-Kürbisse wurden teilweise gesprengt. Sie faulen innert weniger Tage. «Bei jenen mit sehr harten Schalen und kleinen Schäden kann es vernarben, und genau diese möchten wir retten», sagt Schellenberg. Der Aufwand, alles auszusortieren, sei aber sehr gross.
Von den Hokkaido-Kürbissen konnten am Mittwoch immerhin 2000 Kilo verkauft werden. Zur Haltbarkeit sagt Schellenberg: «Das ist schwierig abzuschätzen.» Normalerweise sei das eine Sorte zum Lagern. «Da sie eine Beschädigung haben, müssen sie aber so schnell wie möglich verarbeitet werden.» Die Solidarität seitens Kundschaft sei gross gewesen. «Wir hatten gute Gespräche und sind sehr dankbar.»
Auch bei Schellenberg sitzt der Schock noch immer tief. Nach dem Dürresommer, in dem die Felder seit Mai mit bewässert werden mussten, wurde alles in 5 Minuten zerstört. «Es tut auch heute noch weh, diese vielen Kulturen anzusehen.» Die Tage in den letzten Monaten seien sehr lange gewesen, nur wenige Stunden Schlaf hätten jeweils reichen müssen, da die Bewässerung viel Zeit in Anspruch nahm. «Als wir uns auf die Ernte freuten, kam dieses kurze, heftige Unwetter.» Aber: «Es geht weiter, wir richten uns auf und geben weiter Vollgas.»
Betroffen ist auch das Wintergemüse mit Endivien, Zuckerhut, Cicorino Rosso, Kabis, Chinakohl oder Lauch. «Hier versuchen wir zu pflegen, was noch geht.» Die beschädigten Kürbisse, welche vernarben, würden im Rahmen weiterer Verkaufstage angeboten – «um so viel zu retten wir nur möglich».
Zürcher Grosshändler hilft
Sehr gut laufe der Kürbisverkauf des Biohofs von Monika und Klaus Böhler an der Strehlgasse in Seuzach, wie Klaus Böhler auf Anfrage sagt. Seit Samstag seien normale Kürbisse für 5 Franken und leicht beschädigte für 3 Franken zu haben. «Es kommen viele Leute, die ich noch nie gesehen habe», sagt Böhler. Die Kunde vom Verkauf sei über Whatsapp und Facebook weiterverbreitet worden.
Die Kürbisse stammten aus Böhlers Feld in Rutschwil; die Ernte auf dem Feld in Seuzach sei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Verkauf laufe auch deshalb sehr gut, weil ein grosser Früchte- und Gemüsehändler aus Zürich helfe und beschädigte Kürbisse zu günstigen Preisen weiterverkaufe. «Eine schöne Geste», findet Böhler.
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