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Keime im Krankenhaus - eventuell mit Todesfolge. Meldungen

Das Spital bzw. ein Spitalaufenthalt kann auch Krankheiten verursachen - bis zu Todesfällen

Krankenwagen
              bringt Patient zum nächsten Keim
Krankenwagen bringt Patient zum nächsten Keim

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino


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Prävention gegen Keime im Krankenhaus: gesund leben und Operationen vermeiden

Die beste Prävention gegen Spitalinfektionen ist die Vermeidung von Operationen und die Vermeidung von Spitalaufenthalten. Also: vernünftig leben, keine extremen Arbeiten und Hobbys betreiben, und mit der Blutgruppenernährung, mit Naturmedizin und mit angenehmer Musik und Literatur leben. Denn auch die geistige Energie muss stimmen. Ausserdem müssen Früchte und Gemüse von gesunden und unvergifteten Böden stammen, damit die Produkte einen guten Mineraliengehalt und keine Pestizide aufweisen. Und man sollte höchstens zweimal pro Woche grosse Portionen Fleisch essen, damit der Körper nicht übersäuert und die Knorpel auffrisst, Blutgruppe A keine grossen Fleischportionen, sondern nur kleine. So sollten sich Organtransplantationen, Krebsbehandlungen und Gelenkoperationen vermeiden lassen. Aber das sagt die Krankenkasse nicht, denn die Chemie-Industrie steht hinter den Kassen, und die will mehr Kranke und nicht mehr Gesunde...

Michael Palomino, Oktober 2010

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Stern online, Logo

Deutschland 7.5.2009: Hygiene-Schlamperei: Der Tod lauert im Krankenhaus

aus: Stern online; http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/hygiene-schlamperei-der-tod-lauert-im-krankenhaus-661510.html

<Ein Routineeingriff kann tödlich enden: Bis zu einer Million Patienten werden jährlich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen, sogenannten MRSA, infiziert. Mehr als 40.000 sterben Schätzungen zufolge daran. Eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs erleichtert Klagen gegen Hygiene-Schlamperei. Von Brigitte Zander

Die Infektionen mit MRSA haben in den vergangenen Jahren zugenommen, bestätigt die Deutsche Krankenhausgesellschaft

Werner M. überlebte als Chefreporter jahrzehntelang seine gefährlichen Einsätze in allen Krisengebieten der Welt, aber nicht die Hygienemängel in einem deutschen Krankenhaus. Nach einem Sturz musste der damals 74-Jährige am Rücken operiert werden. Danach teilte er mit einem Sterbenskranken das Zimmer. Das Pflegepersonal "war offenbar so im Stress, dass es sogar die Gebisse der beiden Männer verwechselte", berichtet sein Sohn. Sein Vater beklagte sich bei einem Besuch, dass man ihm ein falsches Gebiss einsetzen wollte. "Minutenlang haben die probiert." Ein möglicherweise folgenschwerer Irrtum. "Dabei könnten die gefährlichen Bakterien, die auf Schleimhäuten in der Nase und im Rachen siedeln, übertragen worden sein", vermutet der Sohn. Fest steht, dass kurz darauf bei seinem Vater MRSA (siehe Kasten) festgestellt wurde. Eine Infektion mit tödlichen Keimen, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind. Werner M. verstarb nach zwei Jahren quälenden Leidens.

Schätzung: Bis zu einer Million Patienten infizieren sich jährlich

Die MRSA-Infektionsrate hat in den vergangenen Jahren zugenommen, bestätigt die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Konkrete Statistiken fehlen allerdings, weil nach dem Infektionsschutzgesetz nur das "gehäufte Auftreten" dem Gesundheitsamt zu melden ist. Krankenhausmanagern, die ihre Keimprobleme lieber verschweigen, um nicht ins Gerede zu kommen, droht keine Strafe.

Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in Berlin, schätzt, dass sich jährlich bis zu einer Million Patienten wegen "wahnsinniger Hygiene-Schlamperei in den Kliniken" mit Keimen infizieren. An den Folgen wie Blutvergiftung, Harnwegsinfektionen, Wundbrand oder Lungenentzündung sterben 40.000 bis 50.000 Menschen. Also zehnmal soviel wie jährlich im deutschen Straßenverkehr. "Das ist ein Skandal, kein Kavaliersdelikt", empört sich Zastrow.

MRSA: Steckbrief des Killers Das Kürzel MRSA steht für Bakterienstämme der Staphylococcus aureus, die gegen das Antibiotikum Methicillin resistent sind. Sie lassen sich auch mit anderen Wirkstoffen kaum noch bekämpfen. Schuld daran ist auch der unnötig großzügige Antibiotika-Einsatz in Kliniken. Solche multiresistenten Krankheitserreger können überall sitzen: auf dem Bettgestellen, den Lichtschaltern, Türgriffen, Duschköpfen, und auf den Handys des Klinikpersonals. Bei mangelnder Hygiene verbreiten sich die Keime epidemisch. MRSA finden sich beim Screening auch auf der Haut vieler gesunder Menschen, wo sie zunächst keine Beschwerden verursachen. Erst wenn MRSA bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem durch den Mund, die Nase oder durch offene Wunden ins Körperinnere eindringen, verursachen sie kaum heilbare Entzündungen.

MRSA trifft nicht nur ältere Menschen wie Werner M., sondern auch junge Gesunde. Der Wuppertaler Hobby-Fußballer Sven Kaiser beispielsweise wollte 2005 nur eine gerissene Sehne im Knie reparieren lassen. Die Wunde infizierte sich, Fieber und Ausschlag folgten. Das Bein musste mit drei weiteren Eingriffen nachbehandelt werden. Oder die Handballerin Tanja Koppmann, die sich bei einem Routineeingriff in einer Sportklinik die Keime einfing und zig-mal nachoperiert werden musste. Heute ist die 39-jährige Mutter arbeitslos und leidet unter chronischen Schmerzen.

Für Opfer und Angehörige von Verstorbenen ist es eine Sisyphos-Aufgabe, das Krankenhaus zu verklagen. "Die Kliniken und ihre Versicherungen mauern, vertuschen, wiegeln ab", schimpft der Dortmunder Patientenanwalt Christian Koch. Er betreut seit zwei Jahren den Fall von drei Witwen, deren Ehemänner nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation des örtlichen Klinikums im Sommer 2005 kurz nacheinander verstarben. Die Frauen sind überzeugt, dass ihre Männer aufgrund gravierender Hygienemängel mit MRSA angesteckt wurden. Klägerin Kornelia Gallas sagte vor dem Landgericht aus, das Pflegepersonal habe sich oft weder die Hände gewaschen noch Mundschutz getragen noch die Kittel gewechselt, bevor sie von einem Isolations-Bett zum anderen gingen. Auch ein mobiles Röntgengerät sei ohne Zwischen-Desinfektion von Patient zu Patient geschoben worden. Ein Klinikums-Sprecher nannte die Vorwürfe unhaltbar. Der nächste Gerichtstermin mit Aussagen von Krankenschwestern ist für den 29. April angesetzt.

"Hygienemängel werden vertuscht"

Über die Abwehrstrategien von Krankenhäusern bzw. deren Versicherungen beschwert sich auch der Weilburger Patientenanwalt Burkhard Kirchhoff, der viele MRSA-Fälle vertritt. "Hygienemängel werden vertuscht, Dokumente verschwinden oder werden nur zögerlich herausgerückt." Die Devise "Mauern statt Transparenz" gilt in der gesamten Branche. Laien - Patienten eben - erfahren selbst aus den jährlichen Krankenhaus-Qualitätsberichten kaum, ob eine Klinik ein Keimnest ist. Die Kanzlei Kirchhoff hat jüngst 800 deutschen Kliniken einen Fragebogen zum Hygiene-Management vorgelegt. "Die Mehrzahl hat nicht einmal geantwortet. Andere teilten uns kühl mit, es sei nicht üblich, Daten zu Krankenhausinfektionen offen zu legen".

Die Justiz reagiert ähnlich arrogant. Nach Kirchhoffs Erfahrungen werden die Kläger von vielen Gerichten "stiefmütterlich" behandelt. "Richter arbeiten unglaublich langsam und meist zugunsten der Krankenhäuser. Man schickt Patienten von Pontius zu Pilatus. Sie sollen ihre Vorwürfe durch eine Anzahl eindeutiger Gutachten belegen." Was teuer und fast aussichtslos ist, da medizinische Gutachter ungern Kollegen belasten.>

Teil 2:

aus: http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/2-hygiene-schlamperei-der-tod-lauert-im-krankenhaus-661510.html

<BGH-Urteil verbessert die Klagechancen

Seit die Öffentlichkeit zunehmend über MRSA aufgeklärt wird, nehmen Patienten nicht mehr jede Klinikinfektion als schicksalhaft hin, sondern klagen, wenn ihnen offensichtliche Hygienemängel aufgefallen sind. Ein BGH-Urteil vom vergangenen Jahr verbessert ihre Chancen. "Wenn die Keimübertragung durch korrekte hygienische Versorgung hätte verhindert werden können, haftet der Arzt beziehungsweise die Klinik", interpretiert der Karlsruher Rechtsanwalt Matthias Klein die neue Richtung. Ein Verstoß gegen grundlegende hygienische Selbstverständlichkeiten führt zur Umkehr der Beweislast. Klein: "Der Kläger muss im Prozess nur behaupten, dass seine MRSA-Infektion aus einem hygienisch voll beherrschbaren Bereich des Krankenhauses stammt. Danach ist es an der Klinik, sich zu entlasten. Und Gerichte bewilligen in Arzthaftungsverfahren für klagewillige Patienten ohne Rechtsschutzversicherung schon aus verfassungsrechtlichen Gründen relativ leicht Prozesskostenhilfe."

Mindestens ein Drittel der Todesopfer seien durch striktere Hygiene vermeidbar, schätzt DGKH-Sprecher Zastrow. Neben Stress und Schlamperei sei oft Unwissenheit im Spiel. Da werden in der Eile nicht sterile Venenkatheder eingeführt. Gedankenlos hebt ein Arzt den heruntergefallenen Kugelschreiber vom Boden oder das Stethoskop von einem Kopfkissen auf - und hat schon Keime an den Händen, so dass er Infektionen verbreitet. Das passiert auch, wenn die Krankenschwester sich brav sterile Handschuhe zum Verbandswechsel überstreift, damit aber erst den alten verkeimten Verband entfernt und anschließend den neuen anfasst, der dann nicht mehr steril ist.

Um das gesamte Klinikpersonal zur sorgfältigeren Desinfektion anzuhalten, läuft in diesem April zum zweiten mal die Informationskampagne "Saubere Hände" des Aktionsbündnisses "Patientensicherheit" in den Krankenhäusern an. Nicht nur Putzfrauen und Pflegern, auch Ober- und Chefärzten täte eine solche Nachhilfe gut, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Doch bisher beteiligt sich nur ein Viertel der 20.000 Kliniken an der Kampagne.

Auch sonst fehlt es in Sachen Hygiene vielerorts an der forschen Energie, die deutsche Mediziner bei ihren Honorarforderungen aufbringen. Nur die Bundesländer Berlin, Bremen, Sachsen und das Saarland haben ein flächendeckendes Hygiene-Management eingeführt. Dort muss jedes Krankhaus ab 300 Betten eine Hygiene-Fachkraft beschäftigen, ab 450 Betten sogar einen Facharzt für Hygiene, der den Mitarbeitern auf die Finger schaut. Ein vor Jahresfrist angekündigter Bundesgesetzesentwurf für verpflichtende Hygiene-Auflagen verstaubt in Ministeriums-Schubladen.

Dabei lehrt ein Blick über die Grenze in die Niederlande, wie sich mit strikten Hygiene-Maßnahmen die Ansteckungsquote radikal senken lässt. So werden in Holland beispielsweise alle Risikopatienten bei der Einlieferung ins Krankenhaus auf Keime untersucht und in Quarantäne-Zimmern untergebracht, bis das Labor grünes Licht gibt. Keimträger werden erst "saniert". Das gilt auch für einreisende deutsche Patienten. Inzwischen ist der Quarantäne-Stau gemildert, denn 40 grenznahe deutsche Kliniken unter Leitung des Uni-Klinikums Münster haben ein deutsch-niederländisches Netzwerk gegründet und die strengen Keim-Kampf-Regeln der Nachbarn übernommen.

In diesem Jahr sollen bundesweit solche Netzwerke folgen. Bayern hat die Idee sofort aufgegriffen. Die ersten Projektgruppen mit Vertretern aus Kliniken, Altersheimen, Pflegediensten und Reha-Einrichtungen entstehen derzeit unter der Leitung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. "Infektionen lassen sich nicht komplett vermeiden, aber können durch entsprechende Maßnahmen um 20 bis 30 Prozent verhindern", prophezeit die LGL-Koordinatorin Professor Caroline Herr. Dann könnten sich Kranke etwas hoffnungsvoller ins Krankenhaus trauen.>




Stern online,
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22.8.2010: <Lebensgefährliche Keime: Wenn das Krankenhaus krank macht>

aus: Stern online; 22.8.2010; http://www.stern.de/gesundheit/uniklinik-mainz-infusion-verseucht-zwei-saeuglinge-tot-1595825-faq.html

<Es waren nur Routine-Operationen. Doch für Tanja Koopmann und Timo Horak ist seitdem nichts mehr wie früher: Sie kämpfen gegen eine Infektion, die ihre OP-Wunden nicht heilen lässt und die Knochen angreift.

Bis vor vier Jahren hatte Timo Horak eine große Leidenschaft: Sport. Sich regelmäßig zu bewegen, war für den inzwischen 23-Jährigen ein Muss. Heute ist daran nicht mehr zu denken. Timo Horak wäre schon froh, wenn ihm nicht jeder Schritt Schmerzen bereiten würde.

Nie wieder ein normales Leben
Bei einer Operation am Zeh hat sich Timo Horak ist mit dem aggressiven "Staphylococcus aureus" infiziert - einem Keim, der sich in eine Wunde setzt, das Fleisch zerfrisst und die Knochen zersetzt. Seinen Fuß konnten die Ärzte bisher zwar retten. Doch an ein normales Leben ist für Timo Horak seit der Infektion nicht mehr zu denken: Den Knochen im Zeh hat der Keim vollständig zerfressen, ihn ersetzen nun Platten und Knochenteile. Der 23-Jährige ist auf Medikamente angewiesen, und normale Schuhe kann er nicht mehr tragen. Zwar hat Timo Horak seine Ausbildung zum Sicherheitsfachmann trotz allem erfolgreich absolviert. Arbeiten wird er in seinem Beruf aber wohl niemals. Denn dafür müsste er körperlich topfit sein.

Auch Tanja Koopmann musste ihren Traum, als Handballtrainerin zu arbeiten, aufgeben. Denn auch sie hat sich bei einem Routineeingriff - einer Kniespiegelung - mit dem gefährlichen Krankenhauskeim angesteckt. Seitdem muss sie mit einer Entzündung im Unterschenkel leben. Schmerzfrei ist die 42-Jährige seitdem nie: Täglich muss die frühere Sportlerin Medikamente nehmen, auch laufen kann sie nur noch schlecht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das Bein amputiert werden muss.

Keine Einzelfälle
Einzelfälle sind Tanja Koopmann und Timo Horak nicht: Jährlich infizieren sich schätzungsweise eine Million Patienten mit lebensbedrohlichen Krankenhaus-Keimen. "Wir haben eine große Zahl von schweren Fällen, die auch entsprechend gravierende Folgen haben", sagt Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Und: "Es sind keine Einzelfälle und nicht, wie gerne behauptet wird, sehr alte und kranke Menschen. Wir haben sehr häufig junge Leute dabei, denen praktisch das Leben verpfuscht wird."

Warum MRSA so gefährlich ist, wieso es keine Gegenmittel gibt und weshalb den gefährlichen Keimen kaum beizukommen ist - stern TV hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene infizieren sich allein in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr bis zu eine Million Menschen mit gefährlichen Keimen. Und: Bis zu 40.000 Menschen sterben jährlich durch Infektionen, die sie sich im Krankenhaus zugezogen haben. Das sind achtmal mehr als im Straßenverkehr.

Die Gefahr einer Keiminfektion besteht außerdem in Arztpraxen. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen liegt also noch weitaus höher.

Was macht Krankenhauskeime so gefährlich?

Die Gefahr der Keime wird oft unterschätzt: Es sind vermeintlich harmlose Eingriffe, wie Kniespiegelungen, ambulante Operationen oder die Entfernung von Krampfadern, bei denen sich viele Patienten mit gefährlichen Keimen infizieren - und dann teilweise ein Leben lang an den Folgen leiden. Als der gefährlichste Keim gilt der "Staphylococcus aureus" und vor allem seine mutierte Form, der "muliresistente Staphylococcus aureus", kurz MRSA. Das Problem: MRSA ist gegen fast alle Antibiotika resistent, sie wirken also nicht mehr als Gegenmittel.

Gefährlich sind die Krankenhauskeime auch deswegen, weil jeder Dritte den "Staphylococcus" in sich trägt - ohne Beschwerden zu haben. Zum Problem wird der Keim dann aber, wenn diese Träger ihn - weil sie es gar nicht wissen - in Krankenhäuser einschleppen oder er in offene Wunden gelangen kann. Denn dann zerfrisst er das Fleisch und greift die Knochen an, so dass sie sich zersetzen.

Es ist daher wichtig, die Träger zu finden, damit sie den Keim nicht überall verbreiten, warnen Experten. Doch aufgrund fehlender Kontrollen werden die Keime immer wieder in Krankenhäuser eingeschleppt und verursachen dort, bei häufig nur mangelhafter Hygiene, die hohen Ansteckungszahlen.

Warum gibt es kein Gegenmittel?

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Aber es liegt unter anderem daran, dass in Deutschland noch immer sehr schnell ein Antibiotikum verschrieben wird - auch für harmlose Infekte. Und so haben sich die Bakterienstämme des "Staphylococcus aureus" im Laufe der Zeit so verändert, dass sie gegen die meisten Mittel, die es gibt, immun sind.

Wie kommt es, dass sich die gefährlichen Keime so schnell verbreiten?

Grund für die rasante Verbreitung ist nicht nur der zunehmende Einsatz von Antibiotika, der am Ende dazu führt, dass die Krankenhauskeime immun gegen die Medikamente sind. Ein Problem ist auch eine mangelnde Hygiene in Krankenhäusern und Arztpraxen.

Versäumt etwa ein Arzt, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren, kann sich der Keim sekundenschnell verbreiten: Er gelangt etwa vom Arzt auf die Türklinke, die Untersuchungsgeräte und weiter auf den Kranken, der ihn wiederum auf andere Patienten oder Angehörige und Freunde überträgt. Und um dann eine weitere Ausbreitung in Krankenhäusern und Arztpraxen zu verhindern, muss dieser Kreislauf unterbrochen werden. Etwa durch eine kontrollierte und gründliche Händehygiene in Krankenhäusern, wie sie der Hygieniker Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum Münster seit Jahren fordert.

Wie kann man die weitere Verbreitung verhindern?

Das Robert Koch Institut fordert in seinen Richtlinien unter anderem, bestimmte Patientengruppen vor Aufnahme in ein Krankenhaus auf MRSA-Keime hin zu untersuchen - so wie es es etwa in den Niederlanden gemacht wird. So kann sichergestellt werden, dass die gefährlichen Keime erst gar nicht in die Kliniken eingeschleppt werden. Zu den so genannten Risikogruppen gehören Patienten, die innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei Tage stationär untergebracht waren, Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen, Diabetiker und Menschen mit offenen Wunden.

Der Hygieniker Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum Münster fordert außerdem eine kontrolliertere und niedrigere Antibiotikaeinnahme, um zu verhindern, dass Bakterien wie die Krankenhauskeime eine Resistenz gegen Medikamente entwickeln. Außerdem setzt er sich seit Jahren für eine optimierte Hygiene in den Kliniken, den Alten- und Pflegeheimen sowie Arztpraxen und Notdiensten ein.

Auch Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene kämpft seit Jahren für eine bessere Hygiene in Krankenhäusern. Er fordert spezielles Fachpersonal in Kliniken, das Prozesse kontrollieret und immer wieder in Erinnerung ruft, wie wichtig Hygiene ist. "Bei einer Million Infektionen und 40.000 Todesfällen jedes Jahr - und das sind ja nicht immer die gleichen Menschen, die sich infizieren - braucht man nicht lange nachzudenken, ob das sinnvoll ist, sich da zu verbessern", sagt er.

Gibt es bisher keine Hygienevorschriften für Krankenhäuser und Arztpraxen?

Es gibt in Deutschland das Infektionsschutzgesetz, das Kliniken dazu verpflichtet, eine Statistik über ihre Infektionsfälle, auch MRSA, zu führen. In diesem Gesetz ist aber nicht geregelt, dass jede Klinik eine Abteilung für Hygiene haben muss.

Eine Hygieneverordnung erlassen haben nur fünf von 16 Bundesländern. Und nur etwa fünf Prozent aller Krankenhäuser haben einen Arzt für Hygiene. Problematisch ist außerdem, dass die Überprüfungen der Hygieneverordnungen vom Gesundheitsamt durchgeführt werden und nicht von einer unabhängigen Prüfstelle, die darauf spezialisiert ist.

Eine Ausnahme ist hierbei das Uniklinikum Münster - sowie inzwischen 40 weitere Kliniken im Münsterland: Dort werden alle Patienten, die stationär aufgenommen werden, auf MRSA untersucht. Und die Hygienestandards kontrolliert eine unabhängige Stelle.

Wo finden Betroffene Hilfe?

Der Deutsche Patientenschutzbund arbeitet ehrenamtlich für den Patientenschutz. Hier finden falsch behandelte Patienten und deren Angehörige Unterstüzung, Beratung, Aufklärung und Hilfe. Informationen und Kontakt unter:
www.bag-notgemeinschaften.de

Der Anwalt Burkhard Kirchhoff vertritt seit zehn Jahren verstärkt Patienten, die durch Krankenhausinfektionen zu Schaden gekommen sind. Auf seiner Seite gibt es zahlreiche Informationen und weiterführende Verlinkungen:
www.mrsa-anwalt.de

Weitere Informationen

Weitere Informationen sowie zahlreiche häufig gestellte Fragen über Krankenhausinfektionen und insbesondere zu MRSA gibt es auf der Seite des deutsch-niederländischen Projekts zur Bekämpfung von MRSA unter:
www.mrsa-net.nl

Und auf den Seiten des Robert Koch Instituts unter: www.rki.de>

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Stern
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Uniklinik Mainz 22.8.2010: <Infusion verseucht - zwei Säuglinge tot>

aus: Stern online; 22.8.2010; http://www.stern.de/gesundheit/uniklinik-mainz-infusion-verseucht-zwei-saeuglinge-tot-1595825.html

<Der Tod aus dem Tropf: Zwei Babys sind auf der Intensivstation der Mainzer Uniklinik gestorben, nachdem sie eine verschmutzte Infusion bekamen. Zwei weitere Kinder sind noch in Lebensgefahr - sie haben die Nacht überlebt.

Am Sonntagabend schwebten in der Uniklinik Mainz noch zwei Kinder in Lebensgefahr.

Zwei Babys sind nach der Versorgung mit verschmutzten Infusionen auf der Intensivstation der Universitätsklinik Mainz gestorben. Zwei weitere Kinder, die auch die mit Darmbakterien verschmutzte Flüssignahrung bekommen hatten, schwebten am Sonntagabend in Lebensgefahr. "Dort befürchten wir Schlimmes", sagte der Oberarzt der Kinderintensivstation Ralf-Gunter Huth in Mainz. Der Zustand von drei weiteren Kindern sei ebenfalls "noch kritisch". Die Nacht zu Montag haben alle Kinder überlebt, nähere Angaben zu ihrem aktuellen Zustand gibt es bislang nicht.

Insgesamt waren elf kleine Patienten mit der verschmutzten Nährlösung versorgt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.

"Wir sind schockiert über die aktuellen Ereignisse", sagte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Professor Norbert Pfeiffer. "Mit Hochdruck" werde nach der Ursache für die tragischen Todesfälle gesucht. Wichtigstes Ziel sei aber nun vor allem, "dass wir alle anderen betroffenen Kinder über den Berg bringen". Die Staatsanwaltschaft Mainz leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Dabei müsse geklärt werden, an welcher Stelle die Infusion verschmutzt wurde, teilte die Behörde mit.

Babys hatten einen Herzfehler

Die beiden Säuglinge, die am Samstag in der renommierten Klinik starben, litten an einem Herzfehler. Ein Säugling war acht Monate alt, der zweite - eine Frühgeburt - zwei Monate. Alle betroffenen Kinder - zehn Babys und ein fünfjähriges Kind - seien auf der Intensivstation mit schweren Erkrankungen behandelt worden, hieß es.

"Ich bin tief erschüttert, wir sind alle sehr mitgenommen und bestürzt und bangen jetzt mit den Eltern und Verwandten", sagte Pfeiffer. Am Montagmorgen werde der Krisenstab der Klinik erneut zusammentreffen. Er rechne damit, dass im Laufe des Tages nähere Erkenntnisse über das Bakterium in der Nährlösung vorliegen.

Es sei wahrscheinlich, dass die Infusionslösungen bei der Herstellung in der Uniklinik mit Enterobacter-Bakterien verunreinigt wurden, teilte die Klinikleitung mit. Eine von 14 Untergruppen sei in zwei Blutproben nachgewiesen worden. Zudem sei eine zweite Untergruppe entdeckt worden, die aber noch nicht identifiziert wurde, sagte Pfeiffer. Es werde 24 bis 48 Stunden dauern, bis die Untergruppe genauer eingegrenzt werden könne.

"Verkeimung" bei Routine-Überprüfung festgestellt

Die Flüssignahrung wird aus neun Komponenten externer Hersteller in der Apotheke der Universitätsmedizin für jeden Patienten individuell hergestellt. Mit Handschuhen und in einem sterilen Raum werde die Lösung in kleine Infusionsbeutel gefüllt und immer abends für 24 Stunden angebracht. Bei der täglichen Überprüfung der Infusionen sei eine "Verkeimung" festgestellt worden. Sofort sei die Nutzung der Herstellungssysteme und Lösungen gestoppt worden. Alle Infusionen seien durch Präparate anderer Hersteller ersetzt worden.

Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) zeigte sich nach dem Tod der Säuglinge bestürzt. Die genauen Umstände "dieser tragischen Ereignisse" müssten lückenlos aufgeklärt werden, sagte Ahnen, die Aufsichtsratsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz ist.

Das Polizeipräsidium Mainz bildete eine Sonderkommission. Die toten Säuglinge sollten noch am Sonntag in der Gerichtsmedizin Frankfurt obduziert werden, teilte die Polizei mit. Zudem wurde eine mikrobiologische Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Todesursache zu klären.



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Spiegel
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Deutschland 23.8.2010: Tod im Spital - systematisch durch Hygiene-Nichtbeachtung provoziert

aus: Spiegel online: Gesundheitswesen: Sauber umgangen; 23.8.2010; http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,713264,00.html

<Von Katharina Fuhrin

DPA

Operationsbesteck im Krankenhaus: Nicht steril, aber billig

Bis zu 40.000 Patienten jährlich sterben hierzulande durch fehlerhafte Krankenhaushygiene. Nun sollen die Gesundheitsminister einheitliche Regeln vorschreiben.

Barbara Huber hat Schmerzen, immer noch. Aber nicht dem Arzt, der ihr nach ihrem Badeunfall den Unterschenkel nähte, macht sie einen Vorwurf. Sondern der Leitung des Klinikums Bogenhausen in München: Dass ihr nach einer Infektion am Ende ein Stück Haut transplantiert werden musste, führt Huber auf schlechte hygienische Bedingungen zurück.

Die damaligen Geschäftsführer des Städtischen Klinikums München hatten ihren Chirurgen über Monate verschmutztes Besteck in die OP-Säle liefern lassen, Beschwerden und ein externes Gutachten ignoriert. Der Dienstleister, der die Scheren und Skalpelle säuberte, arbeitete laut Gutachten zwar nicht steril, aber billig.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen unbekannt, drei Manager wurden fristlos entlassen. Die neue Leitung sagt, dass nach derzeitigem Kenntnisstand keine Patienten geschädigt wurden, räumt aber Fehler ein.

Das Problem beschränkt sich nicht auf München. Bis zu 40.000 Menschen sterben jährlich, weil sie sich mit Krankenhauskeimen infizieren. Das schätzt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Patienten infizieren sich durch nichtsteriles OP-Besteck, häufiger durch Fehler des Pflegepersonals. Mikroben können auf den ganzen Körper übergreifen, dann endet die Infektion oft tödlich.

Das Robert Koch-Institut (RKI) wird im Herbst gemeinsam mit dem Nationalen Referenzzentrum für die Überwachung nosokomialer Infektionen (von Griechisch nosokomeion: Krankenhaus) eine aktuelle Hochrechnung veröffentlichen. Danach haben sich 2008 etwa 600.000 Patienten infiziert. Klaus-Dieter Zastrow von der DGKH geht von bis zu einer Million Infektionen aus. "Wir wissen eigentlich genau, wie wir diese Fälle verhindern könnten", sagt Zastrow, "aber die Politik schafft die Voraussetzungen dafür nicht."

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation kommt zu dem Schluss, dass sich 30 Prozent der Infektionen verhindern ließen. Kliniken müssten ihre Infektionsfälle zählen und analysieren, um mögliche Keimquellen auszumerzen.

Zudem empfiehlt das RKI eine Reihe von Präventionsmaßnahmen. Dazu zählen regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren, sorgsamer Umgang mit Lebensmitteln, ordentliche Gebäudereinigung und die richtige Entsorgung von Abfall.

Jede Pommesbude müsste dichtmachen, hielte sie sich nicht an Hygieneregeln. Für Krankenhäuser sind es meist Empfehlungen, mehr nicht. Die Krankenkassen sind aufgebracht. Die AOK fordert die Möglichkeit, nur noch mit bestimmten Kliniken Verträge abzuschließen. Auch die Techniker Krankenkasse will das. Bisher ist es rechtlich aber nicht möglich.

Die Barmer GEK, die jährlich die Behandlungskosten für 75.000 Versicherte mit einer nosokomialen Infektion übernehmen muss, hat jüngst an die niedersächsische Ministerin Aygül Özkan geschrieben. Özkan ist Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder und damit hauptverantwortlich für die 2080 deutschen Krankenhäuser.

Denn Krankenhauspolitik ist Ländersache. Das ist das erste Problem. Es steht jedem Bundesland offen, ob es eine Krankenhaushygieneverordnung erlässt, die vorschreibt, die Richtlinie des Robert Koch-Instituts einzuhalten. Das haben bisher nur fünf Bundesländer getan: Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Die Barmer GEK hat Özkan nun aufgefordert, eine bundeseinheitliche Hygieneverordnung auf den Weg zu bringen. Bislang konnten sich die Minister nur auf Rahmenprogramme einigen. So unterstützten die Gesundheitsminister die Bildung regionaler Netzwerke, in denen sich Kliniken und Pflegeeinrichtungen gegenseitig beraten könnten.

Martin Mielke, Leiter des Fachgebiets Infektions- und Krankenhaushygiene am Robert Koch-Institut, hält das für richtig, fordert aber mehr: "Dreh- und Angelpunkt ist die Klinikleitung. Es geht nur mit den richtigen Personalstrukturen, und die müssen von der Leitung gelegt werden." Das ist das zweite Problem dieser Debatte. "In vielen Kliniken hat die Leitung überhaupt keine adäquate Ausbildung", sagt der Münchner Chefarzt Tomas Hoffmann, der mehrere Jahre auch für städtische Kliniken gearbeitet hat.

Auch in den Aufsichtsräten sitzen hauptsächlich Menschen, die keine medizinische Ausbildung haben, dafür aber gute Kontakte zum Gesundheitsamt. Das ist das dritte Problem. Im Prinzip wird jede Klinik vom zuständigen Amt überwacht. Die Ämter sind jedoch "überlastet", sagt Hoffmann, und "nicht ausreichend kompetent", sagt Zastrow.

Ähnlich denkt Burkhard Kirchhoff, der mit seiner Weilburger Kanzlei Geschädigte vertritt. "Es gibt Kliniken, die haben den Landrat im Aufsichtsrat sitzen, der gleichzeitig für das Gesundheitsamt zuständig ist." Er fordert eine unabhängige Bundeskontrollbehörde. Doch gibt es wohl nur ein wirksames Rezept: die interne Kontrolle durch qualifiziertes Hygienepersonal in jeder Klinik. Bisher beschäftigen 60 Prozent aller Kliniken Hygienefachkräfte, gerade einmal 10 Prozent einen Hygieniker.

Um die Länderhoheit zu umgehen, könnte die Regierung eine bessere Hygienekontrolle auch im bundesweit gültigen Infektionsschutzgesetz verankern. Für den Fall hat aber der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, schon mal klargemacht: "Die Krankenhäuser erwarten vom Gesetzgeber, dass die Arbeit eines für die Krankenhaushygiene zuständigen Arztes voll refinanziert wird."

Etwa 150.000 Euro kostet ein Hygieniker jährlich, inklusive aller Nebenkosten. Zum Vergleich: Die Vivantes Kliniken haben ein Umsatzvolumen von 785 Millionen Euro. Außerdem würden sich die Investitionen nach kurzer Zeit auszahlen, heißt es beim Robert Koch-Institut: durch weniger Pflegetage, weniger Medikamente und weniger Verbandsmaterial. Als "Frechheit" bezeichnet Zastrow daher die Forderung der DKG. "Von einer Verbesserung der Hygienesituation profitieren wirklich alle, außer vielleicht die Antibiotika-Industrie.>

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n-tv online,
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Deutschland 24.8.2010: Keime im Krankenhaus provozieren allein in Deutschland 600.000 Erkrankungen pro Jahr

aus: n-tv online: 600.000 Erkrankungen jährlich: "Es gibt Hygieneprobleme"; 24.8.2010; http://www.n-tv.de/wissen/Es-gibt-Hygieneprobleme-article1339306.html

<Deutsche Krankenhäuser haben ein Hygieneproblem. Hunderttausende Menschen infizieren sich jährlich in Deutschland mit Krankenhauskeimen, viele sterben daran. In den Niederlanden, wo dieses Problem kaum existiert, behandelt man Patienten aus deutschen Kliniken vorsorglich als Risikopatienten. Dr. Ron Hendrix kennt beide Seiten. Der holländische Mikrobiologe arbeitet am Medisch Spectrum in Twente, dem größten Krankenhaus der Niederlande. Gleichzeitig berät er in seiner Funktion als Leiter des Euregio-Netzwerks unter anderem das Universitätsklinikum Münster, das seitdem als deutsches Vorzeigekrankenhaus in Sachen Infektionsvorbeugung gilt.

n-tv.de: Die schwarz-gelbe Regierung plant, neue Richtlinien für die Krankenhaus-Hygiene zu erlassen. (Hendrix bricht in lautes Lachen aus) Warum lachen Sie?

Ron Hendrix: Na ja, weil es keinen Zweck hat, neue Richtlinien zu erlassen, denn die gibt es schon. Deutschland hat sehr gute Hygiene-Richtlinien für Krankenhäuser. Das große Problem ist die Umsetzung.

Was läuft da schief?

Die Regeln werden nicht in die Tat umgesetzt und auch nicht kontrolliert. Da fehlt es am Personal, aber auch am Bewusstsein für das Problem.

Die Regierung spricht davon, dass sich in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr mindestens 600.000 Menschen mit multiresistenten Bakterien infizieren, den MRSA. Etwa 40.000 sterben daran. In den Niederlanden gibt es das Problem dieser Krankenhausinfektionen beinahe nicht. Was machen die Holländer anders?

Mikroskopische Aufnahme von MRSA-Bakterien.

In den Niederlanden sind die Richtlinien für die Krankenhäuser nicht gesetzlich festgehalten, sondern werden von Fachleuten aus der Praxis formuliert und daran halten sich die Krankenhäuser auch. So kommt es, dass in den Niederlanden jedes Krankenhaus einen eigenen Mikrobiologen hat, der das Personal in Hygienefragen berät und außerdem darauf achtet, dass möglichst wenige Antibiotika verschrieben werden. Es gibt in Deutschland zwar auch Mikrobiologen und Hygienefachleute. Aber erstens sind es zu wenige und zweitens sind sie nicht so eng in die Arbeit eingebunden wie bei uns in Holland. Sie gehen nur selten in die einzelnen Stationen, um die tägliche Arbeit zu beobachten. Zudem spielt in holländischen Krankenhäusern die Kommunikation zwischen den Fachrichtungen eine viel größere Rolle. Ich begegne ständig den Internisten, den Chirurgen oder den Gynäkologen und die sprechen sich wiederum untereinander ab.

Kommunizieren deutsche Ärzte zu wenig miteinander?

Das könnte sein. Hinzukommt, dass es in Deutschland viel mehr kleine Spezialkliniken gibt als in Holland, zum Beispiel für Orthopädie. Da hat man keine Experten für andere Fachrichtungen. In Holland sitzen die Spezialisten alle zusammen in einem Haus und beraten sich gegenseitig. Für uns ist es ganz normal, dass ein Mikrobiologe einen Arzt bei Infektionskrankheiten berät und ihm sagt, ob ein Antibiotikum anzuwenden ist. Ein Chirurg beispielsweise kann ja nicht auch noch Experte auf dem Gebiet der Antibiotika sein.   

Werden in den Niederlanden tatsächlich viel weniger Antibiotika verschrieben?

Ron Hendrix arbeitet als Mikrobiologe am Medisch Spectrum in Twente. Er ist außerdem Leiter der Euregio-Netzwerks, das sich für die Bekämpfung von MRSA-Infektionen in Krankenhäusern einsetzt.

Ja, bestimmte Sorten von Antibiotika werden in Holland nur in Absprache mit den Mikrobiologen verordnet. Wenn ein Arzt in dem Krankenhaus, in dem ich arbeite, ein solches Antibiotikum verordnet, ruft mich der Apotheker an und fragt, ob ich davon weiß. Und wenn nicht, rufe ich den Arzt an und kann ihm eventuell dazu raten, ein anderes Antibiotikum zu verschreiben oder auch gar keins. Unsere Ärzte sind dadurch viel vorsichtiger im Umgang mit Antibiotika und auch in der Bevölkerung herrscht in Holland eine große Sensibilität, was Antibiotika betrifft. Wenn ein holländisches Kind wegen einem Schnupfen ein Antibiotikum verschrieben bekommt, wird seine Mutter den Arzt fragen, ob das wirklich nötig ist.

Was ist denn so problematisch an Antibiotika?

Je mehr Antibiotika verschrieben werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien dagegen resistent werden. Erst vor wenigen Tagen wurde über ein Bakterium berichtet, das überhaupt nicht mehr auf unsere heutigen Antibiotika reagiert. Deshalb werden in Holland nur selten Antibiotika verschrieben – und wenn, dann möglichst alte Präparate, zum Beispiel Penicillin. Die sind erstens günstiger und zweitens immer noch besser gegen normale Infektionskrankheiten.

Neue Regeln bringen also wenig, was könnte die Bundesregierung aber machen?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es muss mehr Geld investiert werden. Mehr Geld in Mikrobiologen, mehr Geld in Hygienefachleute. Der riesige Vorteil davon ist, dass man dieses Geld doppelt und dreifach zurückbekommt, weil man dadurch enorm viel spart. Jeder Patient, der sich mit MRSA infiziert, kostet im Durchschnitt 20.000 Euro zusätzlich, weil er länger im Krankenhaus liegt und mit ganz neuen und damit sehr teuren Antibiotika behandelt werden muss.

Stimmt es, dass Patienten aus deutschen Krankenhäusern in den Niederlanden in Quarantäne versetzt werden?

Ja, das stimmt. Wenn sich ein Holländer in Deutschland das Bein gebrochen hat und dort operiert wurde, isolieren wir ihn für ein paar Tage und untersuchen ihn auf MRSA. Deutsche Ärzte operieren zwar sehr gut, aber wir haben Angst vor Infektionen.

Würden Sie ihr Kind in ein deutsches Krankenhaus schicken?

Natürlich! Die technischen Voraussetzungen in Deutschland sind sehr gut. Aber wenn ich könnte, würde ich ein Krankenhaus mit dem MRSA-net-Siegel wählen, das unser Euregio-Netzwerk an Krankenhäuser mit hohen Hygienestandards vergibt.

Mit Ron Hendrix sprach Leonard Goebel.>

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Spiegel
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26.8.2010: Tote Babys an Mainzer Uniklinik: Infusionen kamen verunreinigt auf die Station

Irgendein Arschloch hat sich nach dem Stuhlgang nach dem Arsch abputzen die Hände nicht gewaschen, und nun sind zwei Baby an den Scheisse-Keimen gestorben. Nun wollen die Behörden doch tatsächlich herausfinden, welches Arsch das war. Vielleicht fehlt auch einfach ein Warnschild im WC, dass das Nicht-Waschen der Hände zum Tode von Patienten führen kann. Aber lesen Sie selbst:

aus: Spiegel online; 26.8.2010; http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,714038,00.html

<DPA

Die Spurensuche im Skandal um drei tote Babys an der Mainzer Uniklinik hat ein erstes Ergebnisse gebracht. Inzwischen steht offenbar fest, dass die Infusionsbeutel mit der Nährlösung bereits keimbelastet auf der Kinder-Intensivstation ankamen. Die Klinik untersucht den Fall jetzt mit einer eigenen Expertengruppe.

Mainz - Die verunreinigten Infusionen, die zum Tod von drei Babys geführt haben, wurden offenbar schon infiziert auf die Kinder-Intensivstation der Mainzer Uniklinik geliefert. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Beutel, in denen sich die Nährlösung befand, mit den Keimen infiziert waren, teilte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ebling (SPD) im Sozialausschuss des Landtages mit.

Es könne daher davon ausgegangen werden, dass die Infusionen entweder in der Krankenhausapotheke, wo die Nährlösungen zusammengemischt werden, oder beim Hersteller der Lösungen verunreinigt wurden.

Ebling sagte, die Leitung der Uniklinik habe von Anfang vermutet, dass die Verunreinigung am ehesten in der Krankenhausapotheke stattgefunden habe. Sichere Erkenntnisse darüber gebe es allerdings noch nicht.

Die am Mischvorgang beteiligten Mitarbeiter der Uniklinik hätten zwar Stuhlproben abgeben, sagte der Staatssekretär. Die Keime seien beim Abgleichen jedoch höchstwahrscheinlich nicht zu 100 Prozent einer Person zuzuordnen.

Noch ist unklar, ob tatsächlich die Keime den Tod der drei Babys verursacht haben. Frühestens am Freitag rechnen die Ermittler mit mikrobiologischen Ergebnissen.

Insgesamt hatten elf auf der Intensivstation betreute Kinder am vergangenen Freitag die mit Darmbakterien verunreinigte Nährlösung bekommen. Drei Babys, darunter zwei Frühchen, starben. Der Zustand von vier weiteren kleinen Patienten, die nach der Infusion Symptome einer Infektion zeigten, hat sich laut Pfeiffer weiter verbessert. Sie leiden zwar noch an ihrer Grunderkrankung, seien aber stabil.

Die Mainzer Uniklinik hat unterdessen eine externe Expertenkommission zur Hilfe bei der Ursachensuche bestellt. Der klinische Vorstand der Uniklinik, Norbert Pfeiffer, erklärte, die externen Experten beobachteten die Abläufe in der Uniklinik bei der Herstellung und Verabreichung der Infusionen, um zu sehen, ob alle Hygienevorschriften eingehalten würden.

Zu den Experten gehören Vertreter des Gesundheitsamtes, des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, des Wissenschaftsministeriums und Experten aus dem In- und Ausland für Krankenhaushygiene und Krankenhausapotheken. "Wir versprechen uns dadurch, wieder Sicherheit und Vertrauen in unsere Prozesse zu gewinnen", sagte Pfeiffer. Die ermittelnde Mainzer Staatsanwaltschaft habe zudem eigene Sachverständige einbestellt.

kng/ddp/dpa>

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n-tv online,
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30.8.2010: <Panorama: In Londoner Uniklinik: Babys sterben an Superinfektion>

aus: n-tv online; 30.8.2010; http://www.n-tv.de/panorama/Babys-sterben-an-Superinfektion-article1382176.html

<Der Tod von drei Babys in Mainz nach einer verschmutzten Infusion ist kein Einzelfall. Auch in London überleben drei frühgeborene Säuglinge die Infektion auf der Station einer Uniklinik nicht.

Viele Frühchen starten schwierig ins Leben und sind deshalb besonders anfällig.

In einer Londoner Uniklinik sollen drei Säuglinge nach einer Infektion mit einem Supererreger gestorben sein, der gegen verschiedene Antibiotika resistent ist. Das sagte eine Kliniksprecherin nach einem Bericht des "Daily Telegraph". Ein Kind starb demnach direkt an der Infektion, der Tod zweier weiterer habe andere Hauptursachen. Wie in dem Skandal um drei tote Babys an der Mainzer Uniklinik wurden auch in London Darmbakterien nachgewiesen - in Mainz hatten die Babys eine verschmutzte Nährlösung erhalten.

Die Londoner Ärzte hatten vor dem Erscheinen des Zeitungsberichts nicht über die Probleme informiert. Zum Todeszeitpunkt der kleinen Patienten und dem Infektionsweg äußerte sich die Kliniksprecherin nicht. Ein vierter infizierter Säugling erhole sich bereits.

15 angesteckte Säuglinge

Die Supererreger sind gegen Antibiotika resistent, die gewöhnlich gegen Infektionen bei Frühgeborenen eingesetzt werden. Klinikärzte entdeckten diese Bakterien dem Bericht zufolge bereits im vergangenen Monat. In einem Zeitraum von sechs Wochen hätten sich 15 Babys mit unterschiedlichen Bakterien angesteckt, ergab ein Treffen Mitte August. Davon waren 13 gegen das Standardantibiotikum Gentamycin resistent.

Die Londoner Ärzte habe nun die Anzahl der Fälle beunruhigt. Als Gegenmaßnahme wurden die Hygienevorschriften erhöht und die Abteilung speziell gereinigt. Außerdem werde künftig ein anderes Antibiotikum eingesetzt. Dies seien jedoch nur Vorsichtsmaßnahmen. Der Ausbruch von Infektionen in frühkindlichen Abteilungen sei keine Seltenheit.

dpa>

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Stern online,
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2.9.2010: Krankenhauskeim MRSA: Ein Sehnenriss wird zum Horror - die Leidensgeschichte von Malte Arnsberger und die hilflose "Schulmedizin" mit ihren "Spülungen"

Es besteht der Verdacht, dass gewisse Krankenhäuser ihrem Personal nicht vorschreiben, nach der Toilette die Hände und speziell die Region unter den Fingernägeln mit Seife zu waschen. So kommt es zu Fällen mit Keimen, und das Krankenhaus hat mehr Arbeit.

aus: Stern online: Krankenhauskeim MRSA: Nach der Routine begann der Horror; 2.9.2010;
http://www.stern.de/gesundheit/krankenhauskeim-mrsa-nach-der-routine-begann-der-horror-1599377.html

<Über eine halbe Million Menschen stecken sich pro Jahr in deutschen Krankenhäusern mit gefährlichen Keimen an. Das kann auch bei einem Routine-Eingriff passieren.

Eine Leidensgeschichte von Malte Arnsperger

Gefährliche Keime: MRSA-Bakterien sind gegen fast alle Antibiotika resistent© obs/3M Deutschland GmbH

Februar 2009. Ich verletze mich bei einem Hockey-Spiel. Kniesehnen sind gerissen. Schon wenige Tage später komme ich in einer renommierten Stuttgarter Klinik unters Messer. Eine Routine-Operation, heißt es. Nach fünf Tagen kann ich heim. "Sieht gut aus", sagt der Oberarzt mit einem zuversichtlichen Nicken bei der letzten Visite. In ein paar Monaten könne ich zurück aufs Hockey-Feld.

[Ein fast melonengrosser Klumpen am Knie]

Vier Tage später bin ich wieder da. Das Knie ist zu einem fast melonengroßen Klumpen angeschwollen. Die kleinste Bewegung verursacht Höllenschmerzen. Die Ärzte diagnostizieren eine Entzündung. Notoperation, das Gelenk muss sofort gespült werden. Nach dem Eingriff, wie schon der erste unter Vollnarkose, liege ich allein in einem Zweibettzimmer. Ich habe das Bett neben dem Fenster, blicke auf einen großen blattlosen Ahornbaum. Will sich das Krankenhaus mit kostenloser Privatpatienten-Behandlung bei mir entschuldigen? Keineswegs: Von mir gehe eine Infektionsgefahr aus, erklärt der Oberarzt, der nun nicht mehr so zufrieden aussieht. Zum ersten Mal höre ich den Namen "Staphylococcus aureus".

[Dieser Keim kommt zu 50% in Haut, Nasenvorhof, Perineum (Bereich zwischen Geschlechtsorgan und Anus), Colon (letzter Dickdarmabschnitt) und Vagina vor (http://flexikon.doccheck.com/Staphylococcus_aureus). Also haben wahrscheinlich irgendwelche Angestellte sich den Arsch abgeputzt oder mit den Fingern die Nase geputzt und dann die Hände nicht gewaschen].

Dieser Keim, der auch auf der Haut zu finden sei, habe sich in meinem Knie breit gemacht. Wurde bei der Operation geschlampt? Nein, so etwas komme kaum vor, sagt der Arzt, auch die strengsten Hygiene-Maßnahmen könnten eine Infektion nicht immer verhindern. Seltenes Pech also.

stern.de-Mitarbeiter Malte Arnsperger wurde schon mehrmals am Knie operiert.

[Ein zweiter Patient mit Keim im Knie]

Nach der zweiten Spülung geht die Tür auf und ein ebenfalls frisch operierter Mann wird in seinem Bett herein geschoben. Auch er sei eine Infektionsgefahr, sagt die Schwester, "er hat einen Keim im Knie". Seltenes Pech?

Ich frage mehrere befreundete Ärzte über den Staphylococcus aureus aus. "Wirklich Pech", sagen sie. Eine Klage gegen die Klinik? "Keine Chance, du hast ja unterschrieben, dass so etwas passieren kann." Insgesamt drei Mal wird mein Knie gespült, "um sicher zu gehen, dass der Keim auch wirklich draußen ist". Danach soll ich zwei Wochen lang Antibiotika schlucken, "um noch sicherer zu sein". Ich stecke einen Schein in die Kaffeekasse der Schwestern und humpele zum Fahrstuhl.

Der Baum trägt mittlerweile Blätter - [eine eigrosse Geschwulst am Knie]

Gut drei Monate später bin ich wieder da. Eine Geschwulst, groß wie ein Ei, hat sich in der Innenseite meines Knies gebildet. Es schmerzt kaum. Die Ärzte entfernen den Abszess, einen Keim finden sie nicht. Ich bin erleichtert, muss aber trotzdem "zur Sicherheit" die Nacht mit Blick auf den Ahornbaum verbringen. Der Baum trägt mittlerweile Blätter, die Welt spricht über den Tod von Michael Jackson. Meine Frau ist hochschwanger. "Wenn der Kleine da ist, besuche ich dich aber nicht", sagt sie. "Er soll ja nicht im Krankenhaus aufwachsen." Ich grinse. Zehn Euro in die Kaffeekasse, Fahrstuhl.

[Und zum dritten Mal wieder Staphylococcus aureus im Knie]

Söhnchen Julian ist kaum einen Monat alt, da muss er doch zu Papa in die Klinik. Der Ahornbaum trägt bunte Blätter. Die Narkose-Ärztin erkennt mich sofort - "Herr Arnsperger, Sie waren doch…" Das Aufklärungsgespräch dauert keine zwei Minuten. Kurz vor der Narkose frage ich die Ärztin, was sie mir da spritzt. "Propofol, das Mittel, an dem Michael Jackson gestorben ist." Ich schlafe ein. Die Ärzte entdecken: Staphylococcus aureus, im Knie. Erneut drei Spülungen, drei Wochen Antibiotikatherapie - "um sicher zu gehen". Ich schwanke zwischen Hoffnung, Wut und Depression. 20 Euro in die Kaffeekasse, Fahrstuhl.

Staphylococcus aureus ist wieder da - [und zum vierten Mal ist das Knie wieder dick geworden - Homöopathie]

Juli 2010. Wir wohnen mittlerweile in München. Seit fünf Monaten spiele ich wieder Hockey, das Knie fühlt sich großartig an, den Staphylococcus aureus und die vielen Operationen habe ich vergessen. Ich sitze mit kurzer Hose neben meinem Sohn auf dem Boden. Ich schaue auf mein Knie. Es ist dick geworden. Einen Ahornbaum habe ich nicht vor meinem Einzelzimmer - Infektionsgefahr! - in der Münchner Klinik. Aber zwei andere Dinge sind wieder da: Propofol und Staphylococcus aureus. Der Oberarzt sagt: Ganz sicher werde man nie sein können, dass der Keim weg ist. Er könne sich gut verstecken und immer wieder aus seinem Winterschlaf erwachen. Ein Pfleger erzählt, dass vor einiger Zeit ein Patient gebeten habe, ihm das infizierte Bein endlich abzunehmen, da er die ständigen Spülungen nicht mehr ertrage. Trotzdem lasse ich 20 Euro zum Abschied für die Kaffeekasse da. Eine Homöopathin empfiehlt mir einige Kügelchen. Ich überlege nicht lange. Das absolute Vertrauen in die Schulmedizin habe ich verloren.

Eine Leidensgeschichte von Malte Arnsperger>


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Schweizerischer Beobachter online, Logo

Schweiz 13.10.2010: <Bakterien: Spitäler machen pro Jahr 60.000 Patienten krank> - die Schweiz hat bis heute kein Hygieneinstitut - pro Tag sterben in der Schweiz ungefähr 2 Menschen an einer Spitalinfektion

aus: Schweizerischer Beobachter online; 13.10.2010;
http://www.beobachter.ch/leben-gesundheit/medizin-krankheit/artikel/bakterien_spitaeler-machen-pro-jahr-60000-patienten-krank/

<Text: Martin Vetterli

An Infektionen in Spitälern sterben mehr Menschen als im Strassenverkehr. Ein nationales Hygieneinstitut würde Leben retten – und erst noch rentieren.

Schon kleinste Verunreinigungen können lebensgefährliche Folgen haben. Das zeigt ein Fall, den das Kantonsapothekeramt Bern in seinem aktuellen Jahresbericht öffentlich gemacht hat. In der Intensivstation eines Berner Spitals war es gehäuft zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen gekommen. Die Ursache war schnell gefunden: Burkholderia-Bakterien. Doch woher sie stammten, blieb zunächst unklar. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Die Keime steckten in einer Mundspüllösung, die von der Spitalapotheke hergestellt wurde. Beim Abfüllen hatte man einen mit dem Bakterium verschmutzten Behälter verwendet, der sich nur mangelhaft reinigen liess.

Alarmiert durch den Fall, intensivierte das Spital seine Anstrengungen. Und stiess auf ein Ultraschallgel, das mit dem gleichen Keim verunreinigt war. Die Arzneimittelbehörde Swissmedic wurde eingeschaltet, die Quelle der Verschmutzung entdeckt: Der ausländische Hersteller hatte bei der Produktion kontaminiertes Wasser verwendet. Die Fabrik wurde umgehend geschlossen.

Der Fall zeigt, wie brisant das Thema Hygiene an Spitälern ist. Nachdem im August in Mainz drei Babys wegen verseuchter Infusionen starben, flammte die Diskussion auch in der Schweiz auf. Aber nur kurz. Die Beteuerung genügte, es handle sich in Mainz um einen tragischen Ausnahmefall. Schon war das Thema wieder vom Tisch.

Dabei gäbe es allen Grund, genauer hinzusehen. 60'000 Erkrankungen, 300'000 zusätzliche Spitaltage, über 250 Millionen Franken Mehrkosten – so die bittere Bilanz der Infektionskrankheiten in Schweizer Spitälern. Das müsste wachrütteln.

Trotzdem mangelt es an Geld, um die Sauberkeit an Spitälern zu verbessern, sagt Hygienespezialist Gerhard Eich vom Zürcher Triemlispital. «In den Spitälern laufen wir am Limit. Man könnte mehr machen. Aber es fehlen uns die Zeit und das Geld.» Das heisst nicht, dass in den letzten Jahren nicht viel geschehen wäre. Zwei nationale Projekte wurden lanciert, in vielen Spitälern brachten hauseigene Initiativen grosse Verbesserungen. Auf Anstrengung von Hygienespezialisten entstanden etwa in der Ostschweiz oder im Wallis regionale Netzwerke. Über sie können sich auch kleine Spitäler das nötige Fachwissen beschaffen.

Die Zahl der Infektionserkrankungen an Spitälern ist trotzdem nicht zurückgegangen. Das ist – bittere Ironie – die Folge des medizinischen Fortschritts. Die Risiken sind grösser geworden, sagt Eich. Denn: Die Patienten sind im Schnitt älter und anfälliger. Chronisch Kranke überleben länger. Die Zahl heikler Operationen ist stark gestiegen. Es werden massiv mehr Prothesen eingesetzt und mehr Organe transplantiert. Chemotherapien für Krebskranke wurden intensiviert. Und immer mehr Keime sind gegen Antibiotika resistent.

Und es fehlt an Spezialisten. Nur grosse Spitäler verfügen heute über eigene Infektiologen. Die mittelgrossen haben lediglich Hygienespezialistinnen; Krankenschwestern mit Zusatzausbildung. Die kleinen Krankenhäuser überhaupt niemanden. Sie sind auf die Hilfe der grossen angewiesen.

Jeder Zehnte fängt eine Infektion ein

«Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken», sagt der Genfer Spitalhygieniker Hugo Sax. Seine Forderung: Die Schweiz braucht ein nationales Hygieneinstitut, wie es Deutschland mit dem Robert-Koch-Institut und die USA mit dem Institute for Healthcare Improvement haben. «Wir benötigen dringend eine eigene Institution, die die Hygienemassnahmen national koordiniert, überwacht und schweizspezifische Interventionspläne entwickelt», so Sax. Seine positiven Erfahrungen als Koordinator der nationalen Händehygiene-Kampagne haben ihn in dieser Ansicht bestärkt.

Es geht um viel. Heute erkrankt jeder zehnte Patient an einer Spitalinfektion. Von diesen 60'000 Patienten stirbt jeder zehnte, die meisten allerdings an der Erkrankung, die den Spitalaufenthalt nötig machte. Doch rund 600 Tote gehen auf das Konto von Infektionskrankheiten, die erst im Spital auftraten. Das sind fast doppelt so viele wie die 349 Menschen, die 2009 auf Schweizer Strassen starben.

Die Chancen, dass ein nationales Hygieneinstitut eingerichtet wird, sind trotz der grossen Zahl von Opfern gering. Alle entsprechenden Vorstösse der Fachorganisation Swissnoso sind bisher im Sand verlaufen. Als grösstes Problem habe sich dabei die föderalistische Organisation des Gesundheitswesens erwiesen. «Der Bund fühlt sich nicht wirklich zuständig, und die Kantone sind zu klein, um ein solches Zentrum sinnvoll zu betreiben», so Sax.

Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind tatsächlich die Hände gebunden. «Die Spitäler unterliegen der Hoheit der Kantone», sagt Sprecher Jean-Louis Zurcher. Das BAG muss deshalb auf die Revision des Epidemiengesetzes hoffen. Danach soll es im Bereich der Infektionserkrankungen und bei Resistenzen von Krankheitserregern mehr Kompetenzen erhalten. Der Gesetzesentwurf wird voraussichtlich noch vor Ende Jahr vom Bundesrat verabschiedet.

Auch die Infektiologen erhoffen sich deshalb Unterstützung von ganz anderer Seite: vom Konzept der Fallpauschalen, das 2012 eingeführt wird. Jedes Spital wird dann daran interessiert sein, seine Kosten möglichst tief zu halten. Dann werden sie nicht mehr nur ein ethisches, sondern auch ein wirtschaftliches Interesse an mehr Hygiene haben. «Ein gutes Infektionspräventionsprogramm wird sich dann plötzlich rentieren», sagt Gerhard Eich. «Das war bisher nicht der Fall.»

Dass sich selbst teure Hygieneprogramme lohnen, hat kürzlich das deutsche Robert-Koch-Institut vorgerechnet. So sei die Anstellung eines im Schnitt 150'000 Euro teuren Hygienikers für ein Spital eine gute Investition. Das Mehr an Hygiene werde kompensiert durch weniger Pflegetage, weniger Medikamente, weniger Verbandsmaterial – und weniger Leid.

Das dürfte an Schweizer Spitälern nicht anders sein. Denn Infektionserkrankungen gehen schnell ins Geld. Eine banale Harnwegsinfektion wegen eines Dauerkatheters schlägt zwar nur mit knapp 500 Franken zu Buche. Doch eine Wundinfektion nach einer Herzoperation kostet schnell einmal einen fünfstelligen Betrag.>

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Welt
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Deutschland 11.1.2011: Hygiene nicht ernst genommen kann im Spital teuer werden - aber die Sünder werden nie bestraft: Ärzte, Pflegepersonal, Putzpersonal, die sich nicht hygienisch verhalten

Lesen Sie diesen Zeugenbericht, wie in deutschen Spitälern Keime verteilt werden, wenn eine keimverseuchte Person behandelt wird - unter anderem wegen "Zeitmangels", weil Pflegepersonal fehlt. Es ist eine Katastrophe.

aus: Welt online: Hygiene: Resistente Keime - Kliniken sparen Patienten krank; 11.1.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/article12091318/Resistente-Keime-Kliniken-sparen-Patienten-krank.html

<Der Sparkurs der Krankenhäuser sorgt für schlechte Versorgung der Patienten. Schlimmer noch: Sechs Prozent infizieren sich mit resistenten Keimen.

Jeder zehnte Patient, der in ein Krankenhaus aufgenommen wird, erleidet dort einen Schaden durch falsche, fehlerhafte oder verzögerte Behandlung – so warnte EU-Gesundheitskommissar John Dalli am Montag in „Welt Online“. Anke Kreidel – der Name wurde auf Wunsch der Betroffenen geändert – war früher Investmentbankerin in Frankfurt. Sie ist die eine unter den zehn, die es erwischt hat. Vor gut zehn Jahren entschloss sie sich zu einer Knie-Operation, um einen Schaden im Gelenk korrigieren zu lassen. Bei der Wundversorgung passierte ein Fehler, die Operations-Wunde entzündete sich. Die Entzündung ließ sich durch Antibiotika nicht zurückdrängen, der Unterschenkelknochen selbst entzündete sich.

Kreidel wurde in eine große Uniklinik in Süddeutschland verlegt, wo die Ärzte in ihrem Knie eine Variante des Bakteriums Staphylococcus Aureus fanden, die gegen fast alle Antibiotika resistent war. Kreidl glaubt, dass ihr der Keim durch eine nicht desinfizierte Pflegerhand oder einen dreckigen Kittelärmel zugetragen wurde, und klagt seit mehreren Jahren gegen die behandelnden Kliniken – da der Ausgang noch offen ist, will sie ihren echten Namen und die Namen der Krankenhäuser nicht in der Zeitung lesen. Die Krankheit beherrscht längst ihr Leben, denn nach der mehrjährigen Operations-Odyssee gaben die Ärzte Kreidels entzündetes Bein schließlich auf und amputierten es. Kreidel ist eine von gut 700.000 Patienten, die sich pro Jahr im Krankenhaus mit solchen Keimen anstecken – rund sechs Prozent aller Patienten sind davon betroffen.

Das multiresistente Bakterium, besser unter der Abkürzung MRSA bekannt, ist der Angstgegner von Ärzten, Patienten und Klinikmanagern. Gesunde Menschen haben von ihm nur wenig zu befürchten, doch in OP-Wunden mutiert es zum Killer, der schlussendlich zur lebensbedrohlichen Sepsis, im Volksmund auch als Blutvergiftung bekannt, führt. Hat ein Patient den Keim erst einmal mit ins Krankenhaus gebracht, muss er strikt isoliert werden, um die übrigen Kranken vor seinen Keimen zu schützen: Pfleger und Ärzte dürfen nur noch mit Kitteln und Mundschutz zum Patienten, müssen nach der Visite die Überkleidung wechseln und sich strikt desinfizieren. Das funktioniert nur, wenn dafür ausreichend gut ausgebildetes Personal vorhanden ist. „Selbst tagsüber kamen manche Pfleger nur mit Handschuhen, spätestens die Nachtschwester aber hatte überhaupt keine Zeit dafür, sich vor meinem Zimmer zu verkitteln“, erinnert sich Kreidel an ihre letzten Krankenhausaufenthalte. „Die Putzkräfte putzten mit denselben Lappen, mit denen sie in meinem Zimmer das Bad reinigten, auch im nächsten Zimmer.“

Anke Kreidels Erinnerungen sind für Michael Isfort ein Indiz dafür, was an deutschen Krankenhäusern schief läuft: „Während die Zahl der Ärzte in den vergangenen Jahren massiv aufgestockt wurde, bleibt die Zahl der Pflegestellen in den vergangenen zwei Jahren fast konstant – bei steigenden Fallzahlen. Das bleibt nicht ohne Folgen.“ Isfort leitet das deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln, er warnt: Der Abbau der Pflegestellen in den vergangenen 15 Jahren wirkt sich inzwischen auf die Qualität der Pflege aus, und lässt sich nicht ohne weiteres rückgängig machen.

Isfort vergleicht die Zahl der Pflegestellen heute mit der von 1995, und zeigt: Es wurden fast 50.000 Vollzeit-Stellen abgebaut. Die Kliniken geben heute trotz diverser Lohnrunden mit 13 Milliarden Euro genau soviel für die Pflege aus wie noch 2002. Eine Umfrage, für die das Institut bundesweit Pfleger und Krankenschwestern anonym befragte, kam zu deutlichen Ergebnissen: Mehr als die Hälfte der Pflegekräfte gab an, bei Medikamentengaben, Verbandswechseln und Hygienemaßnahmen Fehler aufgrund von hoher Arbeitsbelastung nicht ausschließen zu können. Das Institut warnt zudem vor einer Überalterung des Pflegepersonals, das gleichzeitig mit steigenden Patientenzahlen zurecht kommen muss. Denn die Umfrage zeigte, dass besonders hoch belastete Pflegekräfte höhere Fehlerquoten in allen Leistungsbereichen angaben, auch bei der Hygiene.

Inzwischen haben auch die deutschen Krankenhäuser den Mangel erkannt, und suchen händeringend mehr qualifiziertes Pflegepersonal. Sie konnten aber in den vergangenen zwei Jahren trotz eines von der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) aufgelegten Sonderprogramms gerade einmal 5000 zusätzliche Pflegekräfte einstellen. „Der Pflegejob hat – auch aufgrund der geringen Bezahlung – in der Gesellschaft massiv an Stellenwert verloren“, erklärt Isfort den Nachwuchsmangel. Eine Umfrage der Universität Bremen unter Schulabsolventen zeigte, dass kaum ein Schüler im Pflegeberuf eine Zukunft sah.

[Ungelerntes Pflegepersonal]

Deswegen setzen die Krankenhäuser im Alltag immer häufiger auf ungelernte Zeitarbeitskräfte von Drittfirmen, um Hilfstätigkeiten zu übernehmen. „Doch auch beim Essen bringen oder Putzen benötigen Arbeitskräfte im Krankenhaus eine Grundqualifikation, um Fehler – etwa bei der Hygiene zu vermeiden“, warnt Klaus-Dieter Zastrow von der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Zastrow ist überzeugt: Auch wenn Hilfskräfte strikt nur für Hilfsaufgaben eingesetzt werden, senken sie insgesamt das Pflegelevel. „Denn die Tätigkeiten lassen sich nicht so einfach trennen – da bittet der Patient darum, zum Essen ein wenig aufrechter hingesetzt zu werden, und schon ist der Kontakt da und ein Krankheitserreger weitergetragen.“

Genaue Untersuchungen darüber, wie sich der Mangel an Qualifikation und Personal auf die Versorgung auswirkt, gibt es in Deutschland nicht, obwohl das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bereits 2006 entsprechende Forschungen forderte. „Ich glaube, die Ergebnisse will niemand so genau wissen“, kommentiert Michael Isfort den Mangel. Doch so einfach wollen sich die Krankenhäuser den schwarzen Peter nicht zuschieben lassen. „Auch uns ist das Hygiene-Problem bewusst, wir beteiligen uns an der Aktion Saubere Hände“, sagt Georg Baum, Geschäftsführer der deutschen Krankenhausgesellschaft. „Doch den Krankenhäusern geht es ein wenig wie der Deutschen Bahn – sie wurden in den letzten 15 Jahren ausgequetscht, und sollen nun eine Qualitätsoffensive starten, ohne mehr Geld ausgeben zu können.“

Baum verweist auf die Sparvorgaben des Bundesgesundheitsministers – der will bei den Krankenhäusern in den kommenden zwei Jahren durch eine Änderung der Berechnungsgrundlage für Honorarzuwächse eine Milliarde Euro einsparen. In den Jahren 2013 bis 2015 stehen weitere Sparvorgaben ins Haus, um Mehreinnahmen der Kliniken zu begrenzen. Diese Maßnahmen, so Baum, stehen in direkten Zusammenhang mit Einsparungen für Pflegeausgaben der Krankenhäuser: „Die Pflege ist bereits jetzt ausgereizt.“ Er ärgert sich deswegen insbesondere über Forderungen von Gesundheitsexperten der Regierungsfraktion im Bundestag, nun zunächst Geld dafür auszugeben, alle Dreibettzimmer abzuschaffen: „Es gilt abzuwägen, wofür die knappen Mittel verwendet werden sollen – Zweibettzimmer retten keine Leben, die Investition in den Ausbau der Pflege hingegen schon.“

Doch Matthias Schrappe vom Institut für Patientensicherheit der Universität Bonn sieht in der Personalknappheit der deutschen Krankenhäuser nur eine Ursache für die vielen Fehler: „Sicherlich, eine überlastete Pflege und überarbeitete Assistenzärzte verschärfen das Problem noch. Doch vielen deutschen Krankenhäusern fehlt trotz der langjährigen Debatte eine echtes Fehlerbewusstsein.“ Erst etwa zwanzig Prozent der deutschen Krankenhäuser, so Schrappe, haben ein „Critical Incident Reporting System“ eingeführt, also ein System, mit dem wichtigen Fehlern in Behandlung und Pflege systematisch nachgegangen wird, um Wiederholungen auszuschließen. Auch Schrappe sieht im Personalmangel eine der Hauptursachen für Fehler. „Aber Zeit genug, die Hände systematisch zu desinfizieren, ist immer.“ >

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Spiegel online, Logo

31.3.2011: Elektrische Wasserhähne verteilen viel mehr Bakterien im Wasser als "normale" handbetriebene Wasserhähne - wahrscheinlich wegen der vielen Ventile und Sensoren

aus: Spiegel online: Legionellen: Automatik-Wasserhähne sind Bakterienschleudern; 31.3.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,754313,00.html

<AP

Wasserhahn: Elektronische Steuerung offenbar kein Vorteil in Sachen Hygiene

Kein Anfassen, keine Bakterien: Elektronische Wasserhähne versprechen mehr Hygiene, da weniger Keime über die Hände übertragen werden. Glaubte man bisher. Eine Studie in einem amerikanischen Krankenhaus ergab nun das genaue Gegenteil.

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Elektronische Wasserhähne zieren nicht nur die Toiletten zahlreicher Privathäuser, Bürogebäude und Gaststätten, sondern finden auch in Krankenhäusern zunehmend Verwendung. Denn dort kann mangelnde Hygiene tödlich sein. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis einer Studie des renommierten Johns Hopkins Hospital in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland): Im Wasser aus den Automatik-Hähnen fanden sich dabei dreimal so oft Legionellen wie in den konventionellen Vorrichtungen.

Eigentlich wollten Emily Sydnor und ihre Kollegen nur untersuchen, wie oft und wie lange die Leitungen des Johns Hopkins Hospitals gereinigt werden müssen. Eine solche Desinfektion ist in Krankenhäusern üblich, um die Verbreitung von gefährlichen Keimen zu verhindern.

Doch nachdem die Forscher 20 moderne und 20 traditionelle Wasserhähne sieben Wochen lang getestet hatten, erlebten sie eine Überraschung: In 50 Prozent der Proben aus den elektronischen Hähnen befanden sich Legionellen. Bei den manuell bedienbaren Hähnen waren es nur 15 Prozent. Auch die Menge der Bakterien pro belasteter Probe war in konventionellen Wasserhähnen wesentlich geringer, wie Snydor am Samstag auf dem Jahrestreffen der Society for Healthcare Epidemiology of America in Dallas berichten wird.

Krankenhaus entfernt elektronische Wasserhähne

Die im Wasser lebenden Legionellen verursachen die Legionärskrankheit, die meist mit einer Lungenentzündung einhergeht; in seltenen Fällen können sich auch andere Körperbereiche, etwa das Nierenbecken, entzünden. Für gesunde Menschen sind die Bakterien zwar nicht gefährlich, Personen mit einem geschwächten Immunsystem können bei einer Infektion jedoch schwer erkranken und sogar sterben. In Kliniken herrschen daher diesbezüglich besondere Hygienevorschriften - und das mit gutem Grund: Allein in Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 40.000 Menschen durch fehlerhafte Krankenhaus-Hygiene.

Als Konsequenz der Untersuchung werden die Automatik-Armaturen aus dem Johns Hopkins Hospital nun wieder entfernt. Sie waren dort vor etwa einem Jahrzehnt - wie in vielen Kliniken in den USA - installiert worden, um das Infektionsrisiko durch Bakterien und gleichzeitig den Wasserverbrauch zu senken. Auch in den geplanten Neubauten sollen jetzt wieder traditionelle Vorrichtungen eingebaut werden.

Über den Grund des erhöhten Bakterienvorkommens können die Forscher bislang nur spekulieren. Sie vermuten, dass der innere Aufbau der sensorgesteuerten Hähne ein Grund sein könnte: Sie enthalten sehr viel mehr Schalter, Ventile und Regelkomponenten als herkömmliche Armaturen. Dadurch haben sie eine deutlich vergrößerte innere Oberfläche, die das Bakterienwachstum möglicherweise fördert.

Die Forscher zerlegten vier der elektronischen Wasserhähne in ihre Einzelkomponenten - zwei davon vor einer Behandlung gegen Keime, zwei danach. Der Vergleich zeigte, dass die Keimbelastung durch die Desinfektion zwar leicht sank. Doch auch nach der Behandlung fanden sich noch fast überall Legionellen und andere Bakterien. Die Keime besiedeln offenbar vor allem die Komponenten der elektronischen Wasserhähne, die in herkömmlichen Versionen nicht vorkommen.

Mitautor Gregory Bova, Ingenieur am Johns Hopkins Hospital, schließt daraus, dass die Standardmethoden des Krankenhauses zur Wasserbehandlung nicht ausreichten, um die komplizierten elektronischen Bauteile effektiv zu desinfizieren.

mbe/dpa/dapd>

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n-tv
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2.8.2011: Verkeimtes Trinkwasser vor allem in Bahnhöfen und in Krankenhäusern

aus: n-tv online: In Bahnhöfen und Krankenhäusern: Trinkwasser teils schwer verkeimt; 2.8.2011;
http://www.n-tv.de/ratgeber/Trinkwasser-teils-schwer-verkeimt-article3955516.html

<Erst laufen lassen, dann trinken - so verringert man die Gefahr.

Leitungswasser hat in Deutschland eigentlich Trinkwasserqualität. In öffentlichen Gebäuden sollte man dennoch vorsichtig sein, wenn man sich aus den Wasserhähnen bedient. TÜV-Prüfer fanden in Krankenhäusern und Bahnhöfen weit mehr Keime als erlaubt. Die Gründe: mangelnde Hygiene , kaputte Leitungen und stehendes Wasser.

Nicht überall in Deutschland ist Leitungswasser wirklich gut trinkbar. In öffentlichen Gebäuden, etwa auf Bahnhofs- oder Krankenhaustoiletten, ist die Trinkwasserqualität  teilweise sogar mangelhaft: Bei einem bundesweiten Trinkwassertest in zehn deutschen Städten von TÜV Rheinland und der ARD war die Hälfte der insgesamt 50 Leitungswasserproben stark verkeimt. In manchen Fällen sei der Keim-Grenzwert um ein Achtfaches überschritten worden, teilte der TÜV Rheinland mit.

Gründe für die starke Verkeimung könnten demnach kaputte Leitungen oder Rückverkeimung durch stehendes oder nur langsam fließendes Wasser sein. Auch mangelnde Hygiene wie schlecht gereinigte Wasserhähne können zu bakterieller Belastung führen. Einige Proben wiesen coliforme Bakterien auf, die Durchfall und Erbrechen verursachen können. Legionellen wurden viermal gefunden. Sie können zu lebensgefährlichen Lungenerkrankungen führen. Auf Krankenhauskeime, sogenannte Pseudomonaden, die zu entzündlichen Reaktionen im Körper führen, stießen die Tester zweimal.

Regelmäßig laufen lassen

"Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Belastungen eine Gesundheitsgefährdung darstellen", sagte Walter Dormagen, Experte für Mikrobiologie beim TÜV Rheinland. Besonders bei Legionellen bestehe akuter Handlungsbedarf. Die betroffenen Gebäudebetreiber wurden informiert. Zur Verbesserung der Hygiene raten Experten, das Wasser erst kurz laufen zu lassen, bevor man es entnimmt. Auch sollte regelmäßig Wasser aus allen Hähnen fließen, um einen Stillstand in den Leitungen zu verhindern. Die Vorlauftemperatur von Warmwasser sollte auf mindestens 50 Grad eingestellt werden, um das Bakterienwachstum zu hemmen.

Für die Untersuchung haben die TÜV-Prüfer im vergangenen Monat das Trinkwasser in zehn Städten, darunter Köln, Hannover und Frankfurt am Main kontrolliert. Dabei wurden jeweils fünf Proben aus öffentlichen Toilettenräumen - etwa in Bahnhöfen, Krankenhäusern oder Universitäten - genommen und anschließend im Labor untersucht.

dpa>

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Welt
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17.8.2011: Ein "Killerbakterium" soll Krankenhauskeime ausrotten

aus: Welt online: Bakterieller Auftragsmörder: Killerbakterium gegen Krankenhauskeime erschaffen; 17.8.2011;
http://www.welt.de/gesundheit/article13547752/Killerbakterium-gegen-Krankenhauskeime-erschaffen.html

<Forscher haben eine Biowaffe gegen resistente Krankenhauskeime entwickelt: Sie verwandelten ein harmloses Darmbakterium in einen mit Waffen strotzenden Killer.

Forscher haben eine ungewöhnliche, aber effektive Methode gegen resistente Krankhauskeime entwickelt: Sie bauten harmlose Darmbakterien genetisch so um, dass diese Jagd auf tödliche Keime der Art Pseudomonas aeruginosa machten.

Trotz verbesserter Hygienemaßnahmen vermehren sich gefährliche Erreger wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz als MRSA, in Kliniken

Sensoren und Waffen des manipulierten Helfers konstruierten die Forscher dabei mit Hilfe gentechnischer Methoden komplett neu und pflanzten diese dann in die Darmbakterien als Träger ein.

Im Laborversuch erwiesen sich diese künstlich erzeugten Killerbakterien als extrem effektiv und wirksam gegenüber den resistenten Keimen. „Unsere veränderten Escherichia coli-Bakterien spürten die in Lösung schwimmenden Pseudomonas-Keime auf und töteten sie. Wir beobachteten eine Reduktion der lebensfähigen Zellen um 99 Prozent“, berichten die Forscher im Fachmagazin „Molecular Systems Biology“.

Die bakteriellen Helfer verhinderten auch, dass sich neue Biofilme der Krankhauskeime bildeten. In solchen Biofilmen sind die Pseudomonas-Keime in eine schützende Schleimschicht eingebettet. Dadurch können sie sogar auf glatten Flächen, beispielsweise an medizinischem Gerät, länger überleben.

Diese unsichtbaren Keimschichten gelten daher als die Hauptquelle von Krankenhausinfektionen. Die Laborversuche zeigten, dass auch solche Biofilme keinen Schutz vor den künstlich erzeugten Killerbakterien bieten. Noch seien aber weitere experimentelle Studien unter anderem in Form von Tierversuchen nötig, schreiben die Forscher um Matthew Wook Chang von der Nanyang Technological University in Singapur.

Sinnvoll sei beispielsweise ein Test an Mäusen, die mit dem Krankenhauskeim infiziert wurden. Damit könne die Effizienz der manipulierten Bakterien auch im lebenden Organismus getestet werden. (DOI: 10.1038/MSB.2011.55)

Am "Reißbrett“ entworfene Bio-Mechanismen

Wook Chang und seine Kollegen gingen einen im Zusammenhang mit der Infektionsbekämpfung noch kaum begangenen Weg: Sie setzten die Methoden und Prinzipien der synthetischen Biologie ein, um eine neue Waffe gegen den Krankenhauskeim zu konstruieren. In der synthetischen Biologie werden genetische Bauteile biologischer Strukturen gezielt auf einen bestimmten Zweck hin zusammengesetzt.

In diesem Falle entwickelten die Forscher zunächst einen biologischen Sensor. Dieser erkennt die chemischen Botenstoffe, mit denen die Pseudomonas-Keime miteinander kommunizieren. Registriert der Sensor die Gegenwart dieser Keime, löst er einen weiteren künstlich erzeugten Mechanismus aus: Das Trägerbakterium produziert einen für Mikroben tödlichen Giftstoff und zerplatzt. Dadurch wird das Gift frei und die Krankenhauskeime in der Umgebung werden ebenfalls abgetötet.

Tödliche Infektion droht vor allem im Krankenhaus

Das Stäbchenbakterium der Art Pseudomonas aeruginosa gilt als einer der bedeutendsten Erreger von Krankenhausinfektionen. Bei immungeschwächten Menschen oder Patienten auf Intensivstationen befällt es Atemwege und Verdauungsorgane und löst von dort eine lebensbedrohliche Vergiftung des gesamten Körpers aus.

Wie die meisten Krankenhauskeime sind auch viele Stämme von Pseudomonas inzwischen resistent gegen viele gängige Antibiotika. Oft können die Mediziner den betroffenen Patienten daher kaum noch helfen. Entsprechend dringend werden weltweit neue Möglichkeiten der Bekämpfung dieser Infektionen gesucht.

dapd/oc>

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Welt
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21.8.2011: Killerkeime in deutschen Krankenhäusern

aus: Welt online: So krank machen deutsche Krankenhäuser; 21.8.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13554025/So-krank-machen-deutsche-Krankenhaeuser.html

<In Krankenhäusern wimmelt es von Keimen. Manche von ihnen sind längst resistent gegen herkömmliche Medikamente. Hunderttausende Patienten infizieren sich jedes Jahr mit hochresistenten Erregern: Der Krieg gegen die Superkeime ist ein Kampf an vielen Fronten.

Marianne Becker*, 55, steht an einem grauen Spind, im Büro einer Berliner Tankstelle. Der kleine Raum ist schlecht beleuchtet. Oben, im Regal über dem Schreibtisch, vierteln schwarz-weiße Kamerabilder den Überwachungsmonitor. Ein Golf rollt langsam an die Zapfsäule. Marianne Becker schaut auf, ihr Mann steht hinter der Kasse, er wird sich kümmern. Sie greift zu einem grauen Aktenordner, hebt ihn aus dem Spind, legt ihn auf den Schreibtisch. Blass sieht sie aus, müde. Nein, Marianne Becker geht es heute nicht so gut. Seit ziemlich genau vier Jahren geht es ihr nicht gut. Dabei sah damals alles ganz harmlos aus. Niemand konnte wissen, dass ihr Leben aus den Fugen geraten würde.

„Am 2. August 2007, es war ein Donnerstag, ging ich wie geplant morgens zu einer Gallen-Operation ins Krankenhaus.“ Der Eingriff war nichts Großes: vier kleine Schnitte, höchstens zwei Tage Krankenhaus. „Ich war froh, dass ich einen Termin vor dem Wochenende bekommen hatte“, erinnert sie sich. Schon am Montag wollte sie wieder arbeiten gehen. Marianne Becker ist resolut, zupackend. Schmerzen ignoriert sie, solange es geht. Die Gallenblase musste raus, gut, dann aber bitte möglichst schnell und unkompliziert. Rein ins Krankenhaus, raus aus dem Krankenhaus und weiter im Takt. Das war der Plan.

Doch daraus wurde nichts. Donnerstag, acht Uhr morgens im Krankenhaus. Ärzte und Schwestern waren professionell freundlich, um elf Uhr ging es zur OP. Wenige Stunden später wachte Marianne Becker auf, war froh, dass scheinbar alles nach Plan gelaufen war. Ein dickes Pflaster klebte auf ihrem Bauch. Sie war noch wacklig auf den Beinen. Aber am Samstag durfte sie nach Hause, zu ihrer Familie, zu ihrem Hund, und bald zu ihrer Tankstelle.

„Am folgenden Montag ging es dann rund“, erzählt Becker. „Nachmittags bekam ich Schüttelfrost und Fieber. Ich hatte furchtbare Schmerzen, ich dachte, mein Bauch platzt.“ Um zehn Uhr abends rief ihr Mann den Notarzt. Der drückte ein wenig auf ihrem Bauch herum, fand aber nichts: „Vielleicht haben sie etwas Schlechtes gegessen?“ Der Arzt fuhr weg. Ein paar Stunden später hielt Marianne Becker die Schmerzen nicht mehr aus. Sie legte sich im Wohnzimmer über den Tisch, redete wirr. „‚Jetzt sterbe ich also!', dachte ich damals.“

Ihr Mann und die Kinder fuhren sie zur Notaufnahme in ein anderes Krankenhaus. Der Bauchraum war voller Eiter. Bakterien hatten in der Operationswunde zu einer Entzündung geführt. Rasend schnell hatten sie sich vermehrt, das Immunsystem von Marianne Becker wurde mit den Eindringlingen nicht mehr fertig. Die Ärzte mussten sofort handeln, Notoperation, Bauchschnitt, 20 Zentimeter längs. Eine Operation in letzter Minute, sagten die Ärzte. Marianne Becker kam auf die Intensivstation.

Bleibende Schäden

Sie zieht drei Seiten aus einem Aktenordner. „Hier, lesen Sie doch selbst, da habe ich alles aufgeschrieben.“ Sie blättert ein wenig, blickt im schummrigen Tankstellenbüro wieder zum Monitor. „Mir wurde erzählt, dass es eine schwierige OP war, ich habe tagelang auf der Intensivstation gelegen. Nach ein paar Tagen wurden die Schläuche und Beutel aus meinem Bauch entfernt und nach und nach auch die Kanülen aus Hals und Armen, auch die Sauerstoffzufuhr durch die Nase“, steht da, und: „Es ging mir körperlich und seelisch richtig schlecht.“

Nach drei Wochen wurde sie aus der Klinik entlassen. Die Wunde eiterte, wollte nicht verheilen. Zwei Monate später, am 8. Oktober, schreibt Becker in ihren Notizen: „Die Wundöffnung ist nur noch klein, und ich hoffe, dass es aufwärtsgeht und ich wieder gesund bin.“ Immerhin: Marianne Beckers Wunde ist verheilt, ihr Bauch eitert nicht mehr. „Bücken oder Kästen schleppen kann ich aber noch nicht“, sagt sie jetzt, vier Jahre später. „Und mein Bauch ist eine einzige Narbe. Ansehen mag ich ihn mir nicht mehr.“

Warum Marianne Becker in diese lebensbedrohliche Situation geraten konnte, ist offiziell noch nicht geklärt. „Von Infektionen, die man sich im Krankenhaus einfängt, hatte ich damals vielleicht schon gehört“, sagt Becker. „Aber ich hatte keine Sekunde daran gedacht, dass mir so etwas jemals passieren könnte.“

Bakterien und andere Erreger gehören zum Leben dazu. Ohne sie könnte niemand leben. Unser Immunsystem sorgt dafür, dass sie uns nicht schaden. Werden wir doch einmal krank, helfen Antibiotika. Doch manche Keime haben gelernt, den Angriff dieser Mittel zu überleben. Kranke, geschwächte Menschen können sie töten. Und besonders viele dieser gefährlichen Erreger leben in deutschen Kliniken.

Den meisten Deutschen wurde dies erst im Sommer vor einem Jahr klar. Damals erkrankten Babys auf der Säuglingsstation des Uniklinikums Mainz. Drei von ihnen starben. Die Ursache war unklar, fieberhaft wurde gesucht. Wahrscheinlich war es ein unglücklicher Zufall, denn möglicherweise gelangten durch einen Haarriss Bakterien in eine Infusionsflasche. Die Babys bekamen die Flüssigkeit. Ihr Immunsystem konnte die Erreger nicht bekämpfen. Sie starben.

Die Todesrate ist hoch

Ein öffentlichkeitswirksamer Fall, der eine neue Debatte über Krankenhauskeime auslöste. Auch Politiker forderten eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes, obwohl es bei den Mainzer Babys gar nicht um das ging, was im Fachjargon „nosokomiale Infektionen“ genannt wird. Das Wort stammt aus dem Griechischen. „Nósos“ bedeutet Krankheit und „komein“ pflegen. Krankenhauskeime haben nämlich – anders als die Mainzer Bakterien – die Eigenart, dass man ihrer mit Antibiotika nicht Herr wird. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 600000 bis 800000 Menschen an solchen Krankenhaus-Infektionen. Experten vermuten, dass es sogar bis zu eine Million Patienten sind, die in der Klinik nicht gesund werden, sondern krank. Die Todesrate ist hoch. 15000, vielleicht sogar 30000 Patienten sterben an diesen Infektionen pro Jahr.

Warum gerade in Kliniken Infektionen auftreten, ist schnell erklärt: Hier kommen viele Menschen hin, jeder schleppt Bakterien, Pilze und Einzeller mit sich herum, ganz natürlich, ohne dass sie Schaden anrichten. Gerät ein solcher Erreger aber in eine Wunde, kann er gefährlich werden. Genauso, wenn Keime durch Krankenschwestern, Besucher oder Ärzte von einem Patienten zum nächsten getragen werden. Dann kann es bei diesem zweiten Patienten zu einer Infektion kommen. Vielleicht, weil dessen Immunsystem geschwächt ist. Vielleicht aber auch, weil es sich um einen gefährlichen Keim handelt.

Die bekanntesten Krankenhauskeime sind Bakterien der Art Staphylococcus aureus, die gegen Antibiotika wie Methicillin resistent geworden sind. Im Jargon der Fachleute werden sie MRSA genannt, Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. MRSA sind mittlerweile einigermaßen leicht nachzuweisen. Ihr Aufkommen als Ursache einer Blutvergiftung muss gemeldet werden. Deshalb existieren vergleichbare Zahlen. In Großbritannien, Spanien und Italien sind über 25 Prozent aller Staphylococcus-aureus-Bakterien resistent, in Deutschland über 20 Prozent – aber in den Niederlanden, Dänemark und Finnland sind es weniger als ein Prozent.

Der Grund für diese ungleiche Resistenzverteilung liegt vor allem darin, dass in den verschiedenen Ländern Antibiotika sehr unterschiedlich eingesetzt werden. So erklärt es Alexander W. Friedrich, Leiter der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Groningen und Koordinator des deutsch-niederländischen Netzwerkes zur Verbesserung der Patientensicherheit und des Infektionsschutzes. Friedrich ist einer der wichtigsten Experten für MRSA. „Staphylococcen können resistent gegen Antibiotika werden, wenn sie häufig mit den eigentlich für sie tödlichen Antibiotika in Kontakt kommen. Ein Teil von ihnen stirbt dann – aber einige überleben immer“, erklärt er. Werden Antibiotika eingesetzt, ohne dass wirklich eine bakterielle Infektion vorliegt, setzen sich die resistenten Erreger auf der Haut und Schleimhaut gegen die normale Hautflora durch. „Zusätzlich können die resistenten Bakterien vor allem zwischen Patienten, die Antibiotika bekommen, leicht ausgetauscht werden. Eine mangelnde Händehygiene des Personals begünstigt dies.“

Generell gibt es drei verschiedene Gruppen von MRSA-Keimen. Die einen treten bei Tieren, vor allem in Ställen und Herden auf. Hier stehen die Tiere eng beieinanderstehen, Keime können leicht von einem zum nächsten gelangen. „In den Niederlanden treten diese tierassoziierten MRSA relativ häufig auf“, sagt Friedrich. Das liege am großzügigen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. „Hier sehe ich schon ein Problem auf uns zukommen – denn diese MRSA-Keime können vom Tier auf den Menschen übergehen.“

Die zweite Art der MRSA-Keime sind die community-MRSA, die beim Menschen auftreten, sehr aggressiv sind und auch Gesunde krank machen können. „Zum Glück sind diese aggressiven MRSA nicht sonderlich häufig“, erklärt der Experte. Nur rund zwei Prozent aller MRSA gehören in Deutschland zu dieser aggressiven Sorte.

Und dann gibt es noch die dritte MRSA-Art, die bisher vor allem in Deutschland auftritt: die Krankenhaus-MRSA. Diese Keime leben im Nasen-Rachen-Raum eines Patienten. Er bringt sie mit in die Klinik, ist vielleicht nur kurze Zeit dort, hat ein paar Mal genießt – und schon wandern sie über das Klinikpersonal zu anderen Patienten weiter. „Sie kommen in Deutschland so häufig vor, weil Ärzte Antibiotika noch immer viel zu häufig ohne den mikrobiologischen Beweis verschreiben, dass diese Antibiotika notwendig sind“, sagt er. Die Ärzte verschreiben irgendein Mittel – und nicht das genau passende.

Der demografische Wandel verschärft das Problem. Mehr ältere und vielfach vorerkrankte Patienten sind in Kliniken – und diese Menschen haben in ihrem Leben meist schon häufig Antibiotika eingenommen. Dass die Erreger auf ihrem Körper resistent sind, ist sehr wahrscheinlich. Antibiotika wirken gegen diese Erreger also nicht besonders gut, manchmal sogar gar nicht. Bei jungen Menschen ist das Auftreten dieser resistenten Keime unwahrscheinlicher.

„Nosokomiale Infektionen kommen in jeder Klinik vor“, sagt Klaus-Friedrich Bodmann, Chefarzt der Klinik für Internistische Intensivmedizin und Interdisziplinäre Notfallaufnahme am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde. „Das liegt auch daran, dass immer mehr Menschen mit komplizierten diagnostischen und therapeutischen Eingriffen versorgt werden. Es werden Schrittmacher, Herzklappen und Gelenk- und Gefäßprothesen eingesetzt – und solche Fremdmaterialien bringen immer ein Risiko für Infektionen mit sich.“

Infektionsquelle: Eine defekte Sterilisationsanlage

Das zeigen spektakuläre Fälle. In einer Klinik in Fulda kam es wiederholt zu Hygienefehlern. Im Dezember 2010 wurde Operationsbesteck nicht richtig desinfiziert, Flugrost fraß an Skalpellen und anderen Geräten, Bakterien und Blutreste klebten an den Instrumenten. Patienten kamen angeblich nicht zu Schaden. Im Januar musste der Operationsbetrieb fast komplett eingestellt werden, bis die fehlerhafte Sterilisationsanlage ausgetauscht worden war. Der Betrieb ging normal weiter, drei Monate lang. Im April dann der nächste Skandal: Wieder war mit nicht sterilem Besteck operiert worden. Klinikchef Harald Jeguschke sprach von „menschlichem Versagen der höchsten Stufe“. Die Instrumente und Siebe wurden gereinigt und desinfiziert, aber nicht sterilisiert. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Anklage erhoben, der Klinikchef trat von seinem Posten zurück.

An zwei städtischen Kliniken in München mussten vergangenes Jahr drei Klinikchefs gehen, weil auch hier die Sterilisierung nicht funktioniert hatte.

Mainz, Fulda, München – pro Jahr gibt es ein bis zwei größere Skandale an deutschen Krankenhäusern. Man liest dann von „Killerkeimen aus den Kliniken“, einzelne Häuser werden an den Pranger gestellt. Dabei ist es im Rückblick fast schon ein Glücksfall, wenn eine Klinik von multiresistenten Erregern verschont bleibt, sagen Hygieneexperten und Kenner des deutschen Gesundheitswesens. Manche wundern sich gar, dass „Killerkeimskandale“ nicht häufiger sind.

Das weiß auch Katja Mitic, 36. Die Berliner Journalistin bekam über Jahre hinweg schlecht Luft, schniefte ständig, fühlte sich schon abhängig von Nasenspray. Deshalb wollte sie sich ihre Nasenscheidewand korrigieren lassen. Sie suchte sich einen Experten, einen mit guten Referenzen, und buchte sich einen Flug nach Frankfurt am Main. Die Operation verlief gut. Nach vier Wochen sagte der Arzt: „Alles okay, Sie können beruhigt in den Urlaub fliegen.“ Sie flog nach Sardinien.

Aber wie bei Marianne Becker durchkreuzten winzige Bakterien ihren Plan. „Im Flugzeug hatte ich das Gefühl, dass meine Nase explodiert“, sagt sie heute. Sie ging zum HNO-Arzt. Ein Abszess hatte sich gebildet, eine neue Operation musste sein. Nach ein paar Wochen dann das gleiche Spiel: wieder ein Abszess, wieder eine OP. Mitic war geschwächt, als ein Arzt ihr Zimmer betrat. „Sie müssen leider ab sofort alleine liegen“, sagt er. „Wir haben Sie positiv auf MRSA getestet.“ MRSA, das bedeutete Einzelzimmer, Schwestern in hygienischer Vollmontur, kaum Besuch. Katja Mitic wurde isoliert. Die Geschichte nahm einen typischen Verlauf: Viel später als normal verheilte die Wunde. Mitics Immunsystem hatte, unterstützt von Medikamenten, die Bakterien bekämpft. Die Entzündung heilte ab, die Wunde schloss sich. Die Patientin durfte nach Hause. Und dann fing alles von vorne an: vereiterte Nase, neuer Abstrich, neues Attest. MRSA-positiv. Die Bakterien waren nicht alle verschwunden, sie hatten eine neue Entzündung ausgelöst.

Es mag zynisch klingen, aber Katja Mitic hatte noch Glück. Denn die MRSA-Keime, die ihr Leben veränderten, sind nicht die gefährlichsten Krankenhauskeime, nur die bekanntesten. Andere Kandidaten aber sind aggressiver – und auf dem Vormarsch: „Wir beobachten immer häufiger andere multiresistente Bakterien“, sagt Bodmann. „Escherichia coli – durch die EHEC-Infektionen jüngst in Erinnerung gerufen – oder Klebsiellen bilden vermehrt sogenannte Extended Spectrum Beta-Lactamasen, ESBL. Solche Bakterien haben durch Mutationen oder den Austausch von Genmaterial gelernt, bestimmte Enzyme zu bilden, die die sogenannten Betalaktam-Antibiotika, also Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme zerstören.“

Die meisten Antibiotika wirken gegen die ESBL-bildenden Erreger nicht mehr. „Sie breiten sich momentan aus. Wer durch solche Erreger erkrankt, bei dem wirken fast keine Substanzen mehr“, sagt Bodmann. Und wenn keine Medikamente mehr wirken, auch nicht die, die nur in wirklich hartnäckigen Fällen eingesetzt werden, wenn das Immunsystem des Patienten schwach ist und die Erreger auf keinen Widerstand mehr treffen, dann vermehren sie sich ungehemmt. Das kann für Menschen den Tod bedeuten.

Killerkeime – in den Niederlanden kein Problem

Ein großes Problem bei uns, nicht aber in den Niederlanden. Denn hier bekommt nicht jeder Patient wegen eines Wehwehchens gleich ein Antibiotikum. Deshalb sind weniger Erreger resistent – und in Kliniken machen sie keine Probleme. Bei uns müsste jeder Arzt sich genau über die den aktuellen Stand der Forschung informieren, um zu wissen, bei welchen Krankheiten man welches Antibiotikum verschreibt.

Wie schnell sich aber aus dem unbedarften Umgang mit den Medikamenten eine Gefahr entwickelt, zeigen Zahlen, die am Robert-Koch-Institut erhoben wurden. 2003 wurden bei rund einem von 1000 Intensivpatienten die gefährlichen ESBL-Bildner-Keime nachgewiesen. Fünf Jahre später waren es bereits vier von 1000 Patienten. An Universitätskliniken, die viel mehr und schwerer erkrankte Patienten haben, hatte sich die Häufigkeit der ESBL-Keime sogar verzehnfacht.

Wie kann verhindert werden, dass derart gefährliche, unbemerkt eingeschleppte Erreger auf Wunden oder auf Patienten gelangen und dort schwere Infektionen hervorrufen? Schließlich gibt es überall Bakterien, schließlich überleben sie auch unwirtliche Bedingungen. Viele verbreiten sich beim Händeschütteln und überleben auf Türklinken oder in Gemeinschaftstoiletten. Und in jedem Krankenhaus gibt es offene Wunden, in denen sie gefährliche Infektionen hervorrufen können.

Kreativ gegen die Keime

Kliniken sind also naturgemäß ein Hort für Erreger. Deshalb suchen Wissenschaftler auch nach Mitteln, die Ungemach auszumerzen. Teilweise kommen sie dabei auf ungewöhnliche Ideen: In der vergangenen Woche präsentierten Forscher aus Singapur eine Art Biowaffe gegen bestimmte resistente Erreger: Sie programmierten harmlose Darmbakterien so um, dass sie antibiotikaresistente Bakterien namens Pseudomonas aeruginosa angreifen und töten. Genau diese verursachen in Deutschland zehn Prozent aller Krankenhaus-Infektionen. Aber ist es praktikabel, genetisch veränderte Bakterien gegen andere Bakterien in den Kampf zu schicken?

Ein anderer, seit Jahren verfolgter Weg ist technischer Natur: In einigen Kliniken werden mittlerweile Türklinken und Schalter aus Kupfer eingebaut. Das Metall tötet Bakterien. Wenn nun ein Patient, der auf seiner Hand Erreger trägt, die Türklinke oder den Lichtschalter anfasst, so sterben die Bakterien, bis der nächste Patient die Türe berührt. Diese technische Hygiene kann ein wenig helfen – aber eben nur ein wenig.

Um wenigstens etwas mehr Systematik in die Diskussion zu bekommen, kündigte in dieser Woche das Uniklinikum in Jena eine Großstudie an: 75000 Menschen sollen in vier Jahren auf Krankenhauskeime und deren Ursprung hin untersucht werden. Andere Krankenhäuser wollen eine Art Sternsystem einführen: Je sauberer und je weniger Infektionsfälle – umso mehr Sterne soll es geben. In Großbritannien geben Kliniken im Internet an, wann der letzte MRSA-Fall aufgetreten ist. So kann ein Patient bei einer planbaren Operation abschätzen, welche Klinik er wählen sollte.

„Man kann natürlich nicht alle, sondern nur einen Teil dieser mit medizinischen Maßnahmen verbundenen Infektionen beherrschen“, sagt Uwe Schulte-Sasse, Direktor der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin an den SLK-Kliniken Heilbronn. Um 50 Prozent könne man die Infektionsrate an Kliniken verringern, sagt er. Es müssten nur einfache Regeln beachtet werden. „Das Infektionsrisiko wäre voll beherrschbar, wenn alle sich stets an alle Hygienemaßnahmen halten würden. Wenn ich als Krankenhausleiter ein Hygienerisiko minimieren will, muss ich mich fragen, ob alle meine Mitarbeiter in meiner Klinik die Hygieneregeln immer, in jeder Situation, einhalten können.“

Das ist zurzeit nicht der Fall.

Auch Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin am Vivantes Klinikum in Berlin-Spandau und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, ist davon überzeugt, dass sich „mindestens die Hälfte der nosokomialen Infektionen dadurch vermeiden ließe, wenn die Hygieneregeln besser eingehalten würden“. Seit Jahren macht er sich dafür stark, dass das Infektionsschutzgesetz verschärft wird. Das bedeute vor allem, dass sich das Pflegepersonal an die Regeln der Standardhygiene hält. Standardhygiene wiederum meint Handhygiene – also das Einreiben der Hände mit Desinfektionsmittel, jedes Mal, vor und nach dem Kontakt mit dem Patienten.

Klingt einfach, ist es aber offensichtlich nicht.

Handhygiene scheitert an zu wenig Händen

Die Weltgesundheitsorganisation hat 2005 die „Aktion Saubere Hände“ ins Leben gerufen. Die Kampagne zeigt in ihrer Unbeholfenheit das Ausmaß der Hilflosigkeit. An jährlich stattfindenden Hygienetagen sollen die Regeln teilweise mit Musik oder Theaterstücken „erlebbar“ gemacht werden. Die Aktion reduziert sich im Grunde auf ein Logo, das sich eine Klinik an die Eingangstür kleben kann, wenn sie sich offiziell zur Hygiene bekennt. „Im Internet können Sie sich Videos mit ‚Hygiene-Tänzen' ansehen“, sagt der Intensivmediziner Schulte-Sasse. Er kennt die Abläufe auf Intensivstationen, sein Leben als Arzt hat er hier verbracht, in zwei Monaten geht er in den Ruhestand. „Wenn man sich den Alltag auf den Stationen mal ansieht, dann merkt man schnell, dass auch noch so kreative Tänze nichts nützen.“

Warum aber ist es so schwierig, warum können in einem Krankenhaus nicht alle stets alle Hygieneregeln beachten? „Stellen Sie sich eine Krankenschwester vor, die in einem Zimmer drei Patienten versorgen muss. Sie geht hinein, und bevor sie auf den ersten Patienten zutritt, muss sie sich 30 Sekunden lang die Hände mit Desinfektionslösung einreiben“, erklärt Schulte-Sasse. „Bevor die Krankenschwester dann eine Spritze setzt, muss sie sich wieder die Hände desinfizieren. Dann piepst vielleicht der Monitor des Nachbarpatienten: Sie drückt auf ein paar Knöpfe und muss sich hinterher, bevor sie zum ersten Patienten zurückkehrt, wieder die Hände desinfizieren. Schließlich muss sie nach dem Eintragen der erledigten Arbeitsschritte in die Patientenakte noch einmal die Hände desinfizieren.“ Normaler Alltag, wenn die Schwester einen Patienten versorgt.

Auf einer Intensivstation mit 14 Betten ist eine Schwester aber nicht nur für einen Kranken zuständig. Sie muss im Schnitt drei bis vier Patienten in einer Schicht von acht Stunden versorgen. Studien haben ergeben, dass sich dabei bis zu 150 Anlässe zur Händehygiene ergeben können. 150 mal 30 Sekunden die Hände zu desinfizieren kostet Zeit, genauer: 75 Minuten. Tagsüber sind die Intensivstationen normalerweise einigermaßen gut besetzt, aber nachts kann es vorkommen, dass auf einer Intensivstation fünf Schwestern für 14 Patienten zuständig sind. Eine Schwester müsste sich dann sogar bis zu eineinhalb, zwei Stunden lang die Hände desinfizieren.

Pia Creutzburg-Laschinsky sieht das anders. Sie ist seit 18 Jahren Fachkrankenschwester für Hygiene und Landesvorsitzende der Vereinigung der Hygienekräfte für Berlin und Brandenburg. „Das ist eigentlich Quatsch, man macht doch auch andere Sachen ständig nebenbei. Genauso nebenbei kann man sich auch die Hände desinfizieren, in der Bewegung, wenn man von einem Patienten zum nächsten geht. 30, 45 Sekunden, diese Zeit ist da.“ Das Problem sei vielmehr, dass die Pflegekräfte nicht daran denken. „Es besteht auch häufig die Angst, dass zu viel an Desinfektionsmittel der Haut schadet, was nicht stimmt – im Gegenteil, es pflegt die Haut durch rückfettende Substanzen. Dass die Händehygiene aus Zeitgründen nicht immer eingehalten werden kann, ist ein Denkfehler vieler Mitarbeiter.“

Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum es denn trotz allem Wissen um die Wichtigkeit der Händehygiene noch immer zu Infektionen kommt, stößt man auf viele Erklärungen. Das Pflegepersonal schiebt die Verantwortung auf die Ärzte, die Ärzte sagen, die Schwestern seien schuld. Letztlich haben wohl beide Seiten recht – und das heißt, dass etwas im System nicht stimmt.

„Es gibt zu wenige Hände im Krankenhaus für zu viele Patienten“, sagt Schulte-Sasse. „Es ist in vielen Studien gezeigt worden, dass dieser Zustand zu Ausbrüchen von Infektionen in Krankenhäusern führt.“ Wolle man solche Outbreaks vermeiden, dann müsse man entweder weniger Patienten aufnehmen oder mehr Pflegekräfte und Ärzte einstellen. „Momentan stimmen die Rahmenbedingungen mit im Schadensfalle identifizierbaren, patientenfernen Verantwortlichen nicht. Da nutzt auch eine ‚Aktion Saubere Hände' nichts.“ Genauso wenig wie Schuldzuweisungen.

Hier, beim Personalmangel, kommt das Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes ins Spiel, das der Bundesrat Anfang Juli abgenickt hat. Jetzt sind die Bundesländer dazu verpflichtet, per Rechtsverordnung dafür zu sorgen, dass die Hygiene in den Kliniken steigt. So sieht es zumindest Hygieneexperte Klaus-Dieter Zastrow. Die Krankenhäuser sollen nun mehr Ärzte und Pflegepersonal mit Hygieneausbildung einstellen.

Neue Hygieneverordnungen

Bislang hatten nur sieben der 16 Bundesländer Hygieneverordnungen. „Die Neuerung des Gesetzes bedeutet einen großen Sprung für die Krankenhaushygiene“, sagt Zastrow. Er hat das Konzept der neuen Verordnung mit ausgearbeitet und ist auf einige Passagen besonders stolz.

Zum Beispiel auf die, in der festgelegt ist, dass nun endlich die Leiter der Kliniken dazu „gezwungen“ werden, die Arbeitsbedingungen für Ärzte, Schwestern und Pfleger so zu gestalten, dass sie Erreger nicht von einem Patienten zum nächsten tragen. „Im neuen Gesetz steht explizit, dass nun der Leiter der gesamten Klinik verantwortlich ist. Also derjenige, der auch über die Finanzierung einer Klinik wacht“, erklärt Zastrow.

Wenn im Bereich der Hygienekräfte gespart werde, sei das riskant – für die Patienten und für den Ruf der Klinik. Der Leiter müsse jetzt abwägen, ob er beispielsweise lieber noch einen Chirurgen einstellt, der die Produktivität des Hauses erhöht, oder einen Hygieniker, der sich ausschließlich um die Sicherheit der Patienten und eine optimierte Antibiotika-Therapie kümmert. Entscheidet er sich für das Risiko, kann er nun im Fall eines Outbreaks verantwortlich gemacht werden.

Mehr Hygienefachkräfte – das hört sich nach steigenden Kosten im ohnehin angespannten Gesundheitssystem an. Experten schätzen, dass es um 76 Millionen Euro im Jahr geht. Sicher müssen die Kliniken mehr Geld ausgeben, nicht nur für Personal, auch für Testreihen, Laboruntersuchungen, Verwaltung. Der erhoffte Effekt ist allerdings nicht bloß ein geringeres Keimaufkommen, sondern wesentlich weniger Folgekosten für die Behandlung von bakterienbelasteten Patienten. Momentan aber sind Krankenhäuser vor allem an schnellem Durchlauf interessiert.

Experten für die Hygiene

Hygieniker sind effizient. Immerhin können MRSA-Bakterien, die etwa 30 Prozent aller Krankenhausinfektionen auslösen und an denen jährlich 1500 bis 2000 Patienten sterben, mittlerweile mit einem Schnelltest identifiziert werden. Nach 70 Minuten besteht Klarheit. Kosten: maximal 32 Euro. Die Regel sind, wenn überhaupt, Normaltests für 1,50 Euro das Stück. Diese Tests liefern aber erst nach 48 Stunden ein Ergebnis, manchmal auch erst nach einer Woche. Das dauert zu lange – schließlich kann sich der Patient in der Zwischenzeit infizieren.

Und Hygieniker sind nicht überall. Im Oktober 2010 gab es eine Umfrage, an der rund 900 von 2038 Kliniken teilnahmen. Auf die Frage, ob Risikopatienten standardmäßig auf MRSA getestet werden antworteten 38 Prozent mit „ja“. Nur 38 Prozent.

Bei der Einstellung von mehr Hygienepersonal geht es nicht nur um mehr hauptberufliche Experten, die den Erregerstatus auf den unterschiedlichen Abteilungen im Blick haben, sondern um das Gesamtbild. „Die sogenannte Surveillance, die fortlaufende, systematische Erfassung, Analyse und Interpretation der Daten ist eines der besten Instrumente zur Infektionsvermeidung“, erklärt der Intensivmediziner Uwe Schulte-Sasse.

„Man muss es sich vorstellen wie einen Feuerwachturm in einem großen Wald in Kanada: Wenn es diese Türme gibt und sie besetzt sind, dann wird man jedes Feuer schnell registrieren, seine Ursache erkennen und es löschen können. Nach der neuen Hygieneverordnung sind die Leiter von Krankenhäusern praktisch verpflichtet, in ihren Kliniken solche ‚Wachtürme' aufzustellen und zu besetzen. Es müssen Hygienekräfte eingestellt werden, die den ganzen Tag über mit der Analyse des Keimgeschehens auf den verschiedenen Stationen beschäftigt sind.“

„Man braucht etwa 1500 zusätzliche Hygienefachkräfte in Deutschland“, sagt Klaus-Dieter Zastrow. „Anders ausgedrückt: Pro 200 Betten muss es eine Fachkraft geben.“ Derzeit sind aber 40 Prozent der Stellen für Hygienefachkräfte nicht besetzt, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Es gibt weitere Ursachen für die starke Verbreitung von resistenten Erregern in Deutschland: „Bislang gibt es nur für wenige der vielen üblen Erreger einen Schnelltest“, sagt Schulte-Sasse. Und wenn es einen Test gibt, müsse jemand dranbleiben an den Ergebnissen und dafür sorgen, dass der Patient schnell isoliert und besonders behandelt werde. Katja Mitic, die Journalistin mit der Nasen-Operation, wurde im Rahmen dieser Surveillance, der Überwachung, herausgefischt. Hier griff das System. Ihr wurde so die bestmögliche Versorgung zuteil – und gleichzeitig wurden andere Patienten vor den Erregern, die auf ihr siedelten, geschützt. Aber bisher klappt dieses „Herausfischen“ noch viel zu selten.

„Man braucht innerhalb der Kliniken eine schnelle Rückmeldung, damit man überhaupt weiß, ob man gerade eine Häufung von Erregern hat, damit man weiß, was zu tun ist“, sagt Zastrow. „Tragen mehrere Patienten den gleichen potenziell gefährlichen Erreger, können sie beispielsweise gemeinsam in einem Zimmer isoliert werden. Man braucht nicht drei Einzelzimmer – und man braucht auch nicht drei Krankenschwestern für die Versorgung dieser Patienten“, sagt er.

Dass die Umsetzung neuer Hygienevorschriften zu viel Geld kosten würde, streitet er ab. Man müsse vielmehr auch beim Bewusstsein des Pflegepersonals ansetzen. „Der Hygienefehler, der von einer Krankenschwester gemacht wird, ist ja nie sofort sichtbar. Erst drei bis vier Tage später wird der Patient richtig krank. Wenn der Patient dann aber schon auf eine andere Station verlegt wurde, bekommt die Krankenschwester nicht mit, dass sie einen Fehler gemacht hat.“

Uwe Schulte-Sasse sieht das anders: „Auf Schlamperei und Pfusch auf den Stationen kann man das Problem nicht reduzieren, das ist viel zu kurz gegriffen“, sagt er. „Dass alle Beteiligten stets alle Hygienevorschriften genau einhalten, ist nicht zu leisten. Nebenbei: Würde das in unseren Kliniken gemacht, dann hätten wir sofort ein Versorgungsproblem. Es gäbe nicht genügend freie Betten. Es gäbe sehr lange Wartezeiten – und auch das kann ja Menschenleben kosten.“

Die Neudeutung des Begriffs "Krankenhaus"

Liefe alles so weiter wie bisher – dann würden sich die Fälle schwerer Krankenhausinfektionen häufen. Immer mehr Menschen wären Träger von potenziell gefährlichen Erregern. Sie brächten die Keime mit in die Kliniken. Und hier würden sich immer mehr, vor allem ältere und vorerkrankte Menschen mit diesen Keimen infizieren. Das Wort „Krankenhaus“ hätte damit eine neue Deutung verdient: der Ort, an dem man krank wird. Es würden mehr als 30000 Menschen pro Jahr an Klinikinfektionen sterben.

Schulte-Sasse will, dass das System sich verändert. Jeder Station soll monatlich ihre Keimbilanz präsentiert werden – so, wie es derzeit mit dem ökonomischen Stand der Abteilung gemacht wird. „Solche Präsentationen erzeugen einen enormen kollektiven Druck – aber sie machen alles transparent. Und so könnte man es auch beim Hygienemanagement machen“, sagt der Hygiene-Fachmann. „Dann sieht man genau, ob auf einer Station immer wieder kleinere Infektionsherde aufflammen – und dann kann man etwas dagegen tun.“ Noch wichtiger sei, dass auch patientenferne Mitarbeiter, beispielsweise im Management, wissen, was bei einem Outbreak zu tun ist. „Wenn Daten, wie bislang Usus, nur in irgendwelchen Aktenordnern landen, ist damit niemandem geholfen. Man bekommt nur ein großes Datengrab.“

Katja Mitic haben die Daten genutzt: Bei ihr wurden die fiesen Erreger erkannt, seither ist sie mit der „Sanierung“, wie die komplette Desinfektion des Patientenkörpers genannt wird, beschäftigt. Sie muss sich dreimal am Tag die Nase mit einer keimtötenden Salbe einreiben, muss mit einer Desinfektionslösung gurgeln und mit einem Duschgel baden, das so aggressiv ist, dass es besser nicht ins Grundwasser gelangt. Das macht sie nun schon seit drei Wochen. Aber noch immer heißt es beim Arztbesuch: MRSA-positiv.

Und Marianne Becker? Immerhin: Sie wurde einigermaßen gesund, kann wieder in der Tankstelle arbeiten. Als es ihr vor vier Jahren etwas besser ging, ist sie in die Klinik gefahren, in der ihre Gallenblase entfernt wurde. Hat einen Termin bei ihrem Operateur bekommen, das Gespräch gesucht. „Er hat mich abblitzen lassen“, erinnert sie sich. „Er hat alles weggewischt. ‚Sie haben eine Infektionen hier im Krankenhaus bekommen?' hat der Arzt mich von oben herab gefragt. Das müsse ich ihm erst einmal beweisen.“ Marianne Becker ist noch immer zornig. „Dieser Arzt hat mir das Gefühl gegeben, ich sei selbst schuld an der Geschichte. Das hat mir den Rest gegeben.“

Behandlungsfehler muss der Patient beweisen

Sabrina Sokoloff, Rechtsanwältin mit dem Spezialgebiet Patientenrecht, vertritt heute Marianne Becker. Die Anwältin sitzt in ihrer Berliner Kanzlei am runden Glastisch. Beim Kaffee erklärt sie, was Krankenhauskeime aus Juristensicht so spannend macht und was Patienten zur Verzweiflung treibt: Es ist die Beweislast. „Man muss alles sehr genau prüfen“, sagt sie. „Wo ein Fehler passiert sein könnte, ob die medizinischen Eingriffe alle nach dem medizinischen Standard ausgeführt wurden.“ Der Patient muss den Behandlungsfehlers nachweisen können.

Alle Fakten zusammenzubekommen ist oft kaum möglich. In die Patientenakte dürfen Patient und Anwalt zwar Einsicht nehmen – aber ob Gespräche korrekt gelaufen sind, ob bei der Operation alles glattging – das kann wohl keiner, der nicht dabei war, nachvollziehen. „Die Hälfte aller Fälle muss ich von vorneherein ablehnen“, erklärt Sokoloff. „Die Beweislage ist nicht klar, der Fall aussichtslos.“ Doch bei Marianne Becker sieht sie eine Chance. Sie bat zuerst um ein ärztliches Gutachten von der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern, um die Aussichten für eine außergerichtliche Schadensabfindung abzuklären. Bis zur Antwort der Schlichtungsstelle verging fast ein Jahr. Sie war negativ.

„Das war schlimm“, sagt Marianne Becker. Sie blättert ein wenig hilflos im Ordner aus ihrem Spind, in Gutachten und Briefen. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich wirklich vor Gericht gehen will, ob ich den Aktendeckel nicht einfach zuklappe“, sagt Becker. Nicht, weil sie auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz hofft. Sie will klären, dass sie recht hat. Dass sie heute einen vernarbten Bauch hat, weil in einer Klinik ein Fehler passiert ist. Deshalb gibt sie nicht auf. „Ich will einfach, dass jemand mir recht gibt, dass Ärzte, die gegenüber Patienten eine so arrogante Haltung an den Tag gelegt haben wie der meine, sehen, dass sie damit nicht durchkommen.“

Marion Rosenke, Fachanwältin für Medizinrecht in Halle/Westfalen, betreut seit 15 Jahren Klagen für Patienten. „Bei uns ist der Respekt vor dem Beruf des Arztes noch immer sehr groß. Das ist wohl auch der Grund, warum es angesichts der geschätzt über 600000 Krankenhausinfektionen pro Jahr nicht zu viel mehr Klagen kommt“, sagt sie. „Aber diese Haltung bröckelt. Man lässt sich einfach nicht mehr alles gefallen. Absolut zweitrangig ist es für meine Mandanten, ob sie einen Schadenersatz bekommen und wie hoch der ist.“

Bei Marianne Becker steht, vier Jahre nach der Infektion, noch kein Gerichtstermin fest. „Ich glaube nicht, dass das in diesem Jahr noch was wird“, sagt sie. „Und ehrlich gesagt, mir graust es auch davor.“ Sie lächelt etwas gezwungen. Wer sich entscheidet, nach einer Krankenhausinfektion gegen Ärzte und Kliniken zu klagen, braucht starke Nerven – und vor allem Ausdauer.

Katja Mitic sieht gar keinen Sinn in einer Klage. Sie weiß nicht, wann sie sich infiziert hat. Ob der Keim schon lange auf ihr selbst lebte, sie ihn sich im Krankenhaus, in der U-Bahn, im Flugzeug oder beim Einkaufen eingefangen hat. Gegen wen soll sie da klagen?

Die Rechtsanwältin Marion Rosenke will Patienten wie ihr mehr juristische Möglichkeiten eröffnen. Sie hat eine Klage beim Bundesgerichtshof eingereicht. Der Inhalt: Die Daten, die in den Kliniken für die Überwachung bei der Surveillance erhoben werden, sollen auch für Patienten verfügbar werden. Eine Fundgrube für Patientenanwälte. Aber derzeit dürfen nur die Gesundheitsämter diese Akten einsehen. „Könnte der Patient an dieser Stelle aber sagen: ‚In den beiden Wochen, in denen ich auf der Intensivstation dieser Klinik lag, gab es hier ein erhöhtes Aufkommen an den Bakterien, die nachweislich für meine Infektion verantwortlich sind', wären wir einen großen Schritt weiter“, sagt die Rechtsanwältin. In der ersten und zweiten Instanz wurde entschieden, dass Patienten und ihre Anwälte keine Einsicht bekommen. Nun sind die Richter des Bundesgerichtshofs gefragt.

Müssen wir mit dem Risiko von Klinikinfektionen leben? Ja, solange sich das System nicht ändert. Wollte man es loswerden, so müssten die Ärzte Antibiotika gewissenhafter ausgeben. Die Kliniken müssten alle Patienten auf resistente Keime testen – und lieber mal einen weniger aufnehmen. Pflegepersonal und Ärzte müssten immer alle Hygieneregeln beachten. Die Surveillance müsste verbessert werden. Das alles wird Geld kosten – und es ist fraglich, ob das Gesundheitssystem dafür genug Kraft und Interesse aufbringt. Bislang ist der öffentliche Druck nicht hoch.

Marianne Becker will, dass ihr endlich jemand recht gibt.

Jürgen Zastrow und Uwe Schulte-Sasse wollen, dass das neue Gesetz mehr Zeit und Bewusstsein für die Hygiene bringt.

Alexander Friedrich und Klaus-Friedrich Brodmann wollen, dass der fehlerhafte Antibiotika-Einsatz endlich erkannt und gebannt wird.

Und Katja Mitic will einfach wieder normal leben. Ohne aggressives Duschbad und ohne Nasensalbe. Leben – ohne Krankenhauskeime.

Aber das wollen alle. Schon lange.>


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30.8.2011: Korianderöl tötet auch antibiotikaresistente Keime

aus: Welt online: Schutz vor Vergiftungen: Korianderöl haut die stärksten Bakterien um; 30.8.2011;
http://www.welt.de/gesundheit/article13571594/Korianderoel-haut-die-staerksten-Bakterien-um.html

<Koriander ist nicht nur ein beliebtes Gewürz – es schützt auch vor Lebensmittelvergiftungen. Schon wenig Korianderöl ist für antibiotikaresistente Bakterien tödlich.

Korianderöl könnte wirksam vor Lebensmittelvergiftungen schützen und sogar bei der Bekämpfung von antibiotikaresistenten Keimen helfen. Das zeigt eine Untersuchung portugiesischer Forscher im “Journal of Medical Microbiology”. Das Team um Fernanda Domingues von der Universität Beira Interior testete, wie das Öl gegen zwölf Bakterienstämme wirkt, darunter den häufigen Lebensmittelkeim Escherichia coli und den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA, den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus.

Die Forscher prüften, bei welcher Konzentration des Öls das Wachstum der Bakterienkulturen gehemmt wird und bei welcher es tödlich wirkt. Außerdem wurde getestet, welchen Einfluss die Substanz auf lebenswichtige Vorgänge der Bakterien hat, etwa die Atmung. Für alle Untersuchungsschritte wurden Kontrollgruppen herangezogen.

Bei allen Bakterien wurde das Wachstum durch das Korianderöl gehemmt – und zwar bereits durch Lösungen mit einem Öl-Anteil von 1,6 Prozent und weniger. Gegen zehn der zwölf Stämme wirkte das Öl in geringen Konzentrationen tödlich.

“Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Korianderöl die Membran zerstört, welche die Bakterienzelle umgibt. Das zerstört die Barriere zwischen der Zelle und ihrer Umgebung und hemmt essenzielle Prozesse wie die Atmung. Das führt letztendlich zum Tod der Bakterienzelle”, erklärte Domingues.

Vorherige Studien hätten bereits darauf hingewiesen, dass Korianderöl für Mikroorganismen schädlich ist. Auch hätten Untersuchungen gezeigt, dass Korianderöl mit all seinen Ingredienzien stärker gegen Bakterien wirkt, als sein Hauptbestandteil alleine, das sogenannte Linalool. Dies deute daraufhin, dass die antimikrobielle Wirkung des Öls auf ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Komponenten zurückgeht, berichten die Portugiesen.

Koriander (Coriandrum sativum) wird nicht nur als Gewürz in der Küche eingesetzt sondern auch in der Volksmedizin, der Pharmazie und der Lebensmittelindustrie.

dpa/fwt/ina>

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n-tv
                      online, Logo

9.10.2011: Keime im Krankenhaus - ESBL wird für Baby tödlich

aus: n-tv online: Passauer Kinderklinik: Baby stirbt an ESBL-Keim; 9.10.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Baby-stirbt-an-ESBL-Keim-article4487986.html

<Im Passauer Klinikum stirbt eines der mit einem multiresistenten Keim infizierten Babys. Es handelt sich um einen frühgeborenen, bereits zuvor schwerstkranken Jungen. Eines der anderen infizierten Kinder ist nach Krankenhausangaben fast wieder gesund.

Einer der mit einem Keim infizierten Säuglinge in der Passauer Kinderklinik ist gestorben. "Wir sind sehr traurig und betroffen", sagte der Leitende Oberarzt Christian Schropp. Der frühgeborene Junge sei am Vormittag an Kreislauf- und Organversagen gestorben. Das wenige Wochen alte Kind sei bereits nach seiner Frühgeburt schwerstkrank gewesen, zusätzlich wurde es mit dem multiresistenten ESBL-Keim angesteckt. Welche Rolle der Keim beim weiteren Verlauf der Krankheit gespielt habe, lasse sich derzeit nicht mit Sicherheit beantworten, erläuterte Schropp.

Am Freitag war bekanntgeworden, dass sich in der Passauer Klinik vier Säuglinge mit dem Keim angesteckt hatten. Von den drei weiteren betroffenen Neugeborenen sei eines fast wieder gesund, der Zustand von zwei weiteren sei stabil, sagte Schropp. Bei acht weiteren Babys war der Erreger zwar auf der Haut nachgewiesen worden, sie seien aber gesund. Die betroffenen Kinder waren isoliert worden, so dass sich das Bakterium nicht ausbreiten konnte.

Wie der Keim ins Krankenhaus gelangen konnte, sei noch immer unklar, sagte Schropp. Viele Menschen trügen den Erreger auf der Haut. Für gesunde Kinder und Erwachsene sei er auch nicht gefährlich. Ein sofortiger Hygienetest bei den Mitarbeitern der Frühchenstation durch externe Gutachter sei "sehr gut" ausgefallen. Sie hätten keine Keime auf Haut oder Kleidung gehabt.

Laut Schropp geht die Suche nach der Quelle des Keims weiter. Die Klinik habe dafür die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Quelle zu finden sei besonders für die Eltern des verstorbenen Kindes, aber auch für weitere Patienten, ihre Angehörigen und die Mitarbeiter der Klinik wichtig.

dpa>

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n-tv
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Bremen 2.11.2011: Drei Frühgeburten sterben an ESBL-Keim - 12 Erkrankungen

aus: n-tv online: Zwölf Babys in Bremen schwer erkrankt - Frühchen sterben an ESBL-Keim; 2.11.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Fruehchen-sterben-an-ESBL-Keim-article4673701.html

<ImBremer Klinikum Mitte sterben in den letzten Monaten drei Frühgeborene am ESBL-Keim. Zehn Kinder sollen erkrankt sein. Es ist von einem "schweren hygienischen Vorfall" die Rede. Vorher die Keime stammen, ist noch unklar. Staatsanwaltschaft und Polizei nehmen Ermittlungen auf.

Tragischer Säuglingstod in Bremer Klinik: Drei Frühchen sind seit August wegen Darmkeimen in einem Krankenhaus in Bremen gestorben. Mindestens zwölf weitere Babys wurden ebenfalls infiziert, einige von ihnen sind schwer erkrankt. Die Ursache für die Keim-Infektionen ist immer noch nicht bekannt. "Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion", sagte der Gesundheitsstaatsrat Joachim Schuster. Der Geschäftsführer des Klinikverbunds, Diethelm Hansen, ergänzte: "Wir stehen an einem Punkt, an dem wir noch nicht endgültig wissen, ob wir das Problem im Griff haben."

Seit Ende Juni wurde der multiresistente Keim bei 15 Kindern nachgewiesen. Davon seien sieben schwer erkrankt, drei Kinder starben - am 8. August sowie am 16. und 27. Oktober. "Wir haben natürlich auf der Station Maßnahmen eingeleitet, die eine weitere Verbreitung des Keims verhindern", sagte Hansen. Danach sei die Zahl der Infektionen auch zurückgegangen, bis im Oktober erneut ein Baby daran gestorben sei. "Die Ursache ist extrem schwierig zu finden", sagte Schuster. Die Quelle könnten Menschen aber auch Gegenstände sein.

Station geschlossen

Diese Keime kämen im Darm vor und würden in einer mutierten Form gefährlich, weil sie beispielsweise Antibiotika außer Kraft setzen. Man spricht dann von Keimen mit der Eigenschaft ESBL. Sie waren bereits bei einem Todesfall eines Frühchens im Oktober in Passau als Ursache festgestellt worden.

Polizei und Staatsanwaltschaft begannen Ermittlungen und bestellten Zeugen ein. Nähere Angaben wollten die Fahnder zunächst nicht machen. Ein Krisenteam des Robert Koch-Instituts sei im Klinikum, um die Situation zu untersuchen, teilte ein Sprecher des Betreibers Gesundheit Nord mit. Die Frühchenstation wurde geschlossen.

"Wir erwarten restlose Aufklärung, wie es zu den Todesfällen kommen konnte. Wir wollen insbesondere auch wissen, ob sich tatsächlich schon im August ein Todesfall ereignet hat und wer diese Information zurückgehalten hat. Sollte sich das bewahrheiten, muss das Konsequenzen haben", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bremer Grünen, Kirsten Kappert-Gonther. Die Grünen bilden in Bremen eine Koalition mit der SPD.

Frühgeburten nehmen zu

Die oppositionelle CDU forderte sofort eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und zeigte sich schockiert. "Es ist das Schlimmste, was Eltern nach der Geburt eines Kindes passieren kann", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Rainer Bensch, nach einer Mitteilung. Die CDU sieht möglicherweise eine grobe Verletzung der Informationspflicht durch die Gesundheitssenatorin.

Erst Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem multiresistenten ESBL-Keim angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund. Im August 2010 hatte bereits der Tod von drei Babys in der Mainzer Uniklinik für Aufregung gesorgt. Zwei von ihnen kamen wegen einer verseuchten Nährlösung um. Das dritte Kind erlag seinen Vorerkrankungen. Die Klinik traf den Ermittlungen zufolge keine Schuld.

Die Zahl von Frühgeburten hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen ist fast jedes zehnte neugeborene Kind ein sogenanntes Frühchen. Als Frühgeburt gelten Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche lebend auf die Welt kommen.

mli/dpa/AFP>

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Welt
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12.12.2012: <Resistente Erreger: Aggressive Keime breiten sich in Kliniken aus> - Spitäler werden unbenutzbar

aus: Welt online; 12.12.2012;
www.welt.de/gesundheit/article111942374/Aggressive-Keime-breiten-sich-in-Kliniken-aus.html

<In Krankenhäusern breiten sich Durchfallerreger aus, gegen die kaum ein Mittel wirkt. Offenbar sind zwei dieser Stämme zeitgleich in Nordamerika entstanden. Es wurden zu viele Antibiotika verordnet.

Fast zeitgleich sind in Nordamerika zwei resistente Stämme des gängigen Krankenhauskeims Clostridium difficile entstanden. Die Ursache dafür sei vermutlich der massive Einsatz von Antibiotika, schreiben Genomforscher um Miao He vom Wellcome Trust Sanger Institute im britischen Cambridge.

Die beiden aggressiven Varianten verbreiteten sich rasant auf verschiedenen Routen durch Nordamerika und nach Europa, wo sie etliche schwere Erkrankungswellen verursachten, heißt es im Fachblatt "Nature Genetics" weiter.

Haupterreger in Heimen und Kliniken

C. difficile zählt in Krankenhäusern und Altenheimen von Industrieländern zu den Haupterregern von teils lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen. Aufsehen erregten die Bakterien vor allem im letzten Jahrzehnt durch massive Krankheitsausbrüche in nordamerikanischen und europäischen Kliniken.

Ursache waren oft Varianten des aggressiven Genotyps 027/BI/NAP1, die gegen die Antibiotika-Klasse Fluorchinolone resistent sind.

Genanalysen offenbaren die Abstammung

Um deren rasante Ausbreitung nachzuverfolgen, analysierte das internationale Genomforscher-Team 151 Proben des Keims, die weltweit zwischen den Jahren 1985 und 2010 isoliert wurden, sowie 188 weitere aus Großbritannien. Anhand der Veränderungen im Erbgut erstellten sie einen Stammbaum der Erreger.

Überraschenderweise entdeckten sie, dass sich unabhängig voneinander fast zeitgleich zwei Linien des Genotyps entwickelten, die immun gegen Fluorchinolone sind. Bislang waren Experten davon ausgegangen, dass es sich um nur eine Linie handelte.

Aus den USA bis in die Schweiz und Südkorea

Die erste Linie, FQR1, entstand demnach vor gut zehn Jahren höchstwahrscheinlich in den USA, wo sie binnen weniger Jahre in Kliniken etlicher Bundesstaaten mehrere Infektionswellen auslöste, bevor sie sich nach Südkorea und in die Schweiz ausbreitete.

Die FQR2-Linie entstand vermutlich ebenfalls in Nordamerika, zog jedoch nach Großbritannien, Australien und über mindestens vier getrennte Routen nach Kontinentaleuropa.

Als Ursache für die Entstehung von zwei resistenten Linien verweisen sie darauf, dass Fluorchinolone Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre zu den meistverordneten Antibiotika in Nordamerika zählten. Dies habe den Selektionsdruck so erhöht, dass parallel zwei resistente Varianten entstanden seien und sich dann schnell verbreiten konnten.

dpa/ph>
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Fotoquellen
[1] Krankenwagen bringt Patient zum nächsten Keim: http://www.ariva.de/forum/erste-bilder-von-niederfischbach-419945


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